Read the book: «Zukunft gestalten: JETZT»
Jakob von Uexküll, Initiator und Stifter des Alternativen Nobelpreises (The Right Livelihood Award, 1980) und Gründer des Weltzukunftsrats (World Future Council. Voice of future generations, 2007), setzt sich für verantwortungsvolles, nachhaltiges Denken und Handeln ein – immer mit dem Blick auf zukünftige Generationen. Er war Mitgründer von The Other Economic Summit (Alternativer Weltwirtschaftsgipfel), Mitglied des Europäischen Parlaments (1987-89) sowie des Aufsichtsrats von Greenpeace Deutschland und Berater von Transparency International. Er ist Schirmherr von Friends of the Earth International und hält weltweit Vorträge zu den Themen Umwelt, Gerechtigkeit, Wirtschaft und Frieden.
Er ist Träger des Salzburger Landespreises für Zukunftsforschung (1999), des Mariana-Ordens der Republik Estland (2001), des Großen Binding Preises für den Schutz von Natur und Umwelt (2006) und des Bundes-verdienstkreuzes 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland (2009). 2005 wurde er vom Time Magazine als „European Hero“ geehrt und 2008 von der Erich-Fromm-Gesellschaft für sein zukunftsorientiertes Engagement ausgezeichnet. Zu seinen Publikationen zählen „Die Zukunft gestalten – World Future Council: Die Aufgaben des Weltzukunftsrates“ (2005) und „Das sind wir unsern Kindern schuldig“ (2007/2012).
Jakob von Uexküll
Zukunft gestalten:
JETZT
CEP Europäische Verlagsanstalt
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
© der ebook-Ausgabe CEP Europäische Verlagsanstalt GmbH, Hamburg 2017
Signet: Dorothee Wallner nach Caspar Neher »Europa«, 1945
Covergestaltung: Susanne Schmidt, Leipzig
Coverabbildung: © shutterstock
ePub-Konvertierung: Datagrafix GmbH, Berlin
Alle Rechte, insbesondere das Recht der Übersetzung, Vervielfältigung (auch fotomechanisch), der elektronischen Speicherung auf einem
Datenträger oder in einer Datenbank, der körperlichen und unkörperlichen Wiedergabe (auch am Bildschirm, auch auf dem Weg der Datenübertragung) vorbehalten.
ISBN 978-3-86393-545-0
Informationen zu unserem Verlagsprogramm finden Sie im Internet unter www.europaeische-verlagsanstalt.de
Inhalt
Vorwort von Auma Obama
Menschen von Morgen
Die Zukunft gestalten
Die Rolle Europas
Die Rückeroberung der Zukunft
China am Scheideweg: zwischen unökonomischem Wachstum und ökologischer Zivilisation
Die Zukunft der Städte
Wissenschaft und Spiritualität: Beobachtungen vom Schlachtfeld
Digitale Welten
Die Verantwortung der Richter
Zeit der Konsequenzen
Jakob von Uexküll im Interview
Ausblick
Dokumentationen
World Future Council – Der Weltzukunftsrat
The Right Livelihood Award – Der „Alternative Nobelpreis“
Quellennachweis
Bildnachweis
Wir müssen jetzt entscheiden, ob wir Teil des Problems oder Teil der Lösung sein wollen.

Auma Obama ist Gründerin und Vorstandsvorsitzende der Sauti Kuu Foundation, sowie Mitglied des Weltzukunftsrates, der sich weltweit für ein verantwortungsvolles, nachhaltiges Denken und Handeln im Sinne zukünftiger Generationen einsetzt.
Auma Obama, die in Bayreuth promoviert hat, setzt sich in ihrer kenianischen Heimat als Initiatorin und Vorstandvorsitzende der Sauti Kuu Foundation für die Selbstbestimmung von Kindern und Jugendlichen ein. Sie ist Autorin und eine weltweit gefragte Rednerin zu Nachhaltigkeitsthemen. Ihre Autobiographie „Das Leben kommt immer dazwischen“ erschien 2010.
Auma Obama ist die Schwester des ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama.
Auma Obama
Vorwort
Jakob von Uexküll ist vieles: Aktivist, Umweltschützer, Philanthrop, Politiker, Ökonom und Philosoph.
Aber vor allem anderen ist Jakob von Uexküll ein Advokat zukünftiger Generationen. Im Zentrum seiner unermüdlichen Arbeit und Appelle weltweit und bei den verschiedensten Gelegenheiten steht als oberstes Ziel die Bewahrung und Erhaltung unserer Erde für künftige Generationen. Sein Vorwurf: „Nach wie vor sehen wir seelenruhig dabei zu, wie die Lebensgrundlage unserer Kinder zerstört wird“.
Seine Kritik gilt einer Welt, die Geldpolitik und ein profitorientiertes ökonomisches System mit sinnlosem Konsum und sofortiger Bedürfnisbefriedigung vor die Bewahrung und den Schutz unseres Lebensraums stellt.
Für unsere Kinder und Kindeskinder, so Jakob von Uexküll, ist es wichtig, dass wir unser Verhalten ändern und mehr Verantwortung für unsere Umwelt übernehmen. Das ist nicht nur ein Anspruch, sondern eine Pflicht, weil die Welt, im Gegensatz zu einer ökonomischen, eine ökologische Krise nicht überstehen wird. Eine wirtschaftliche Krise kann durch Rettungspakete und Verhandlungen gesteuert und ggf. rückgängig gemacht werden. Mit der Natur kann aber nicht verhandelt werden, damit entstandene Schäden rückgängig gemacht werden. Die Tragik dabei ist, dass wir ja wissen, was zu tun ist, wir es dennoch nicht tun.
Warum wollen wir nach wie vor mit Problemen leben, von denen wir wissen, dass sie zu lösen sind? Und warum fragen wir nur nach dem Warum und nicht nach dem Wie wir diese Situation ändern können? Passiv und handlungsschwach bewahren wir einen Zustand, der die Umwelt ausplündert und unsere Existenz gefährdet. Genau das ist es, was Jakob von Uexküll bekämpft.
Seine Lebensaufgabe ist es, Plattform und Forum zu schaffen für bürgerliches Engagement, für Partizipation und Wissensvermittlung – die einzigen Garanten für die Bewahrung unseres Planeten.
Von Uexküll appelliert an unser Verantwortungsgefühl, nicht nur für uns, sondern auch für zukünftige Generationen. Unser Selbsterhaltungstrieb muss über unsere Generation hinaus für unsere Kinder und deren Nachkommen gelten. Insofern reicht es nicht aus, sich darauf zu verlassen, dass die Politik das schon richten wird. Wir sind es, die es als unsere vordinglichste Aufgabe ansehen müssen, die Welt zu erhalten. Jeder Einzelne muss die Verantwortung übernehmen, dass zukünftigen Generationen, wenn nicht eine bessere, dann zumindest eine intakte Erde übergeben wird.
Zu diesem Zweck hat Jakob von Uexküll zwei hoch angesehene Institutionen, die renommierte Preise vergeben, ins Leben gerufen; den Right Livelihood Award (auch bekannt als Alternativer Nobelpreis) und den Weltzukunftsrat (World Future Council) mit dem Future Policy Award.
Mit dem Future Policy Award werden Gesetze ausgezeichnet, die Lösungen für die dringendsten Probleme und Herausforderungen, wie Umweltzerstörung, Klimawandel, Kriege und Gewalttaten, sowie bittere Armut, gefunden haben und zum Schutz der Menschheit und Bewahrung des Planeten Erde umsetzen – Gesetze, die bessere Lebensbedingungen für heutige und künftige Generationen fördern.
Jakob von Uexküll nennt die Preisträger des „Alternativen Nobelpreises“, der jedes Jahr in Stockholm vergeben wird, ‚Messengers of Hope’. Sie sind Umweltschützer, Friedenskämpfer, und Menschenrechtsaktivisten. Sie reden oder schreiben nicht nur über ihre jeweiligen „Projekte der Hoffnung“, sie leben sie. Und sie kommen nicht nur aus dem industrialisierten Westen, sondern von überall auf der Welt, meistens aus nicht-industrialisierten Ländern, und insbesondere aus den sogenannten Entwicklungsländern. Ihre Konzepte und Lösungen sind von großer Bedeutung, denn sie schaffen eine Verbesserung der Lebensbedingungen der armen Mehrheit der Weltbevölkerung.
Der Preis verschafft ihnen und ihren Projekten eine breite Öffentlichkeit und ihre Arbeit wird international gewürdigt. Diese Anerkennung bewahrt sie davor, ignoriert oder bekämpft zu werden. Mit dem Augenmerk auf die nicht-industrialisierten Länder fordert Jakob von Uexküll den Status quo des westlichen Blicks auf die Dinge heraus, um auch insbesondere in den Ländern des Südens nach Lösungen zu suchen. Damit will er dafür sorgen, dass die industrialisierte Welt die restliche Welt nicht ignorieren kann. In der globalisierten Welt von heute können wir nur gemeinsam die Herausforderungen und Probleme meistern, da sie uns alle gleichermaßen betreffen.
Insofern ist Jakob von Uexküll ein echter Vorreiter. So wurde bereits am 10. Dezember 2004 die Menschenrechtsaktivistin Wangari Maathai von Jakob von Uexküll mit dem Alternativen Nobelpreis für ihre Projekte zum Erhalt des afrikanischen Waldes ausgezeichnet. Erst 20 Jahre später erhielt sie für diese Kampagne den Friedensnobelpreis – den renommiertesten Preis der Welt.
Mit seinem Anspruch, sich nicht damit zufrieden zu geben, dass man weiß, was falsch läuft, jedoch nichts dagegen unternimmt, fordert von Uexküll jeden Einzelnen von uns heraus, sich zu engagieren.
Doch weiß er auch, wie wichtig eine gute Gesetzgebung ist, um vorhandene Lösungen zum Schutz und Erhalt des ökologischen Systems und somit des Lebens heutiger und zukünftiger Generationen abzusichern. Deshalb hat der Ende 2007 von ihm und Herbert Girardet gegründete Weltzukunftsrat gerade die Aufgabe sich mit einem Zusammenschluss von Bürgerrechtlern, Politikern, Akademikern, Humanisten und privat und öffentlich engagierten Menschen sowohl dafür einzusetzen, dass weltweit die besten politischen Konzepte zur Anwendung kommen, wie auch daran zu arbeiten, dass die Themen, die entscheidend für das Leben und Überleben zukünftiger Generationen sind, entsprechend in politischen und gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen verankert werden.
Der Weltzukunftsrat versteht sich als Stimme, Advokat und Fürsprecher zukünftiger Generationen weltweit. Sein Mandat ist es, durch verantwortungsvolles und nachhaltiges Handeln effektive und nachhaltige politische Konzepte zu verbreiten und sich für deren Umsetzung einzusetzen. Er ist verpflichtet, dafür zu sorgen, dass die Politik das Universalrecht der nächsten Generationen, unter gerechten und friedlichen Lebensbedingungen in einer gesunden Umwelt aufzuwachsen, sicherstellt.
Wie Jakob von Uexküll müssen sich alle engagieren. Unsere aktive Teilhabe am Schutz unserer Umwelt ist nicht verhandelbar. Diese Tatsache wird weltweit mehr und mehr zur Kenntnis genommen. Unermüdlich reist Jakob von Uexküll um die Welt, um mit Reden und Vorträgen diese Botschaft zu vermitteln und zu verbreiten. Für viele Organisationen, Think Tanks, politische Parteien und Regierungen ist er zur Instanz geworden, wenn es um Fragen des Klimawandels und nachhaltigen ökonomischen Wachstums geht. Von sich sagt von Uexküll: „Wenn ich den Zustand der Welt betrachte, werde ich ungeduldig, aber ich bin auch ein Possibilist, denn ich sehe die Möglichkeiten, das Potential, das wir haben. Und dann bin ich überzeugt, dass es gelingen kann, dass wir die Welt noch retten können, solange wir es nur richtig machen.“
Jakob von Uexküll macht es richtig. Machen wir mit, damit eine bessere Zukunft für unsere Kinder und Kindeskinder einigermaßen gesichert sein kann.

Future Policy Award 2015 – Gold: Sansibars Kindergesetz, Vereinigte Republik Tansania, 2011
2015 wurde Sansibars wegweisendes Kindergesetz mit dem Future Policy Award ausgezeichnet. Es legt die Grundlage für ein koordiniertes Kinderschutzsystem, um die Rechte von Kindern zu stärken. Es reagiert auf Gewalt und Missbrauch und regelt Sorgerecht, Pflegeelternschaft und Vormundschaft und legt die Verantwortlichkeit von Fachleuten und Institutionen bei der Bereitstellung von Dienstleistungen für den Schutz von Kindern fest. Seit seiner Einführung im Jahr 2011 hat dieses Gesetz die Position von Kindern in Sansibars Gesellschaft spürbar gestärkt.
Im Rahmen einer partizipativ entwickelten 5-jährigen Kinderrechts-Reformstrategie wurden u. a. regionale und nationale Kinderräte, spezialisierte Kindergerichtshöfe und Polizeistationen mit geschulten Ansprechpersonen für von Gewalt betroffene Kinder und Frauen eingerichtet.
Menschen von Morgen
Warum leben wir mit Problemen, die wir lösen können? Die Antworten sind entweder resignativ und pessimistisch (zu spät) oder naiv-optimistisch (die da oben oder irgendeine Erfindung werden uns noch retten). Beide Haltungen sind bequem aber unverantwortlich: Man wird ja nicht gefordert.
Ist es aber nicht wirklich schon zu spät? Es ist in der Tat sehr spät, und wir haben in den letzten Jahrzehnten viel Zeit verloren. Aber ich bin überzeugt, dass wir noch die Chance haben, den Klimawandel – die umfassendste Bedrohung weltweit – global zu begrenzen, auch wenn einige Regionen der Welt zunehmend unbewohnbar werden. Dies erfordert jedoch auf vielen Gebieten Umsteuerung und eine bespiellose Mobilisierung, und zwar in den nächsten Jahren und nicht in Jahrzehnten.
Ist das nicht vollkommen illusorisch? Nein, denn unsere Energie-Versorgung können wir schon mit heute bekannten Technologien zu 100 % mit erneuerbaren Energien decken. Der Wille dazu ist, wie ich aus persönlichen Gesprächen weiß, auch bei der chinesischen Regierung an höchster Stelle vorhanden, sodass unsere Regierungen sich nicht mehr mit dem Hinweis auf China vor der eigenen Verantwortung drücken können!
Wir tragen heute die Verantwortung für die Lebensgrundlage aller zukünftigen Generationen, denn unsere Entscheidungen (oder eben Nicht-Entscheidungen!) werden über ihre Lebensqualität, vermutlich sogar über ihr Überleben entscheiden. Nie zuvor hatten menschliche Entscheidungen solch tiefgreifende und langfristige Konsequenzen.
Ernst Bloch, der Philosoph der Hoffnung, sagte, der Preis des menschlichen freien Willens sei das Risiko, dass der große historische Augenblick auf ein zu kleines Menschengeschlecht trifft, das der Aufgabe nicht gewachsen ist. Ob das so sein wird, liegt jetzt an jedem von uns.
Der Klimawandel ist nicht unsere einzige Herausforderung. Auch die Zerstörung der Artenvielfalt, die beispiellose Versäuerung der Meere, die zunehmende Erosion von Ackerland und die Verknappung wichtiger Naturgüter bedrohen die Zukunft.
Ich bezeichne mich trotzdem als „Possibilist“, weil ich weiß, dass viele Lösungen nicht nur existieren, sondern sich sehr schnell verbreiten können.
Seit mehr als 35 Jahren zeigt der Alternative Nobelpreis, was einzelne Menschen und Initiativen erreichen können. Ein Preisträger von 2013, der Schweizer Dr. Hans Herren, hat – nachdem die „modernen“ Methoden versagten – mit seiner biologischen Schädlingsbekämpfung zur Rettung der Maniok-Wurzel in Afrika nach UN-Schätzungen mindestens 20 Millionen Menschen vor dem Hungertod gerettet. Er ist einer von inzwischen weit über hundert Preisträgern.
Bereits vor zehn Jahren wurde mir allerdings auch klar, dass die Unterstützung solcher „best practice“-Lösungen – Projekte der Hoffnung, wie sie oft genannt werden – noch nicht ausreicht, um eine rechtzeitige Wende zu erreichen. Die herrschenden Institutionen sind zu unbeweglich und die derzeitigen Handlungsanreize falsch, ja pervers, um diesen Lösungen den nötigen Durchbruch zu ermöglichen.
Denn Menschen, Gesellschaften, Märkte, wie auch wissenschaftliche und technische Innovationen entwickeln sich nicht in einem Vakuum, sondern reagieren auf die Anreize, die sie umgeben, und besonders schnell auf gesetzliche und regulatorische Rahmenbedingungen.
Schon Aristoteles wusste, dass eine gute Gesellschaft auf guten Gesetzen gebaut ist, und Sokrates empfahl, wer etwas Langfristiges schaffen wolle, solle entweder Gedichte schreiben oder Gesetze. Daher habe ich 2007 den World Future Council (WFC) gegründet, ein Rat, der weltweit die erfolgreichsten nationalen und regionalen Gesetze und Regelungen identifiziert und verbreiten hilft.
Mir fiel vor zehn Jahren z. B. auf, dass Großbritannien, obwohl es dort aufgrund der Insellage viel mehr Wind als in Deutschland gibt, nur einen Bruchteil der deutschen Windenergieleistung hatte, weil ein guter gesetzlicher Anreiz, wie ein Energie-Einspeise-Gesetz, fehlte. Der WFC hat britische Parlamentarier darüber informiert und sie überzeugt: Großbritannien hat jetzt ein Einspeisegesetz und dadurch u. a. auch eine zusätzliche solare Photovoltaik-Produktion, die ca. 4 AKW entspricht.
Der WFC ist heute eine der Top-Referenzen für wirksame Einspeisegesetze zur Förderung erneuerbarer Energien weltweit. Mit unserer Arbeit haben wir wesentlich dazu beigetragen, dass bereits mehr als 60 Länder entsprechende Gesetze erlassen und dadurch die Nutzung erneuerbarer Energien erfolgreich gefördert haben. In über 30 parlamentarischen Anhörungen und Strategie-Workshops in Ländern wie Deutschland, den USA, den Arabischen Emiraten, Südafrika, Botswana, Ghana, Marokko, England, Schweden, Frankreich und Polen haben wir Entscheidungsträger intensiv mit den Herausforderungen und Chancen in diesem Bereich konfrontiert. Unser Ziel ist es, Städte, Gemeinden und Regionen in einem internationalen 100 %-erneuerbare-Energie-Netzwerk zusammenzubringen.
Um solche exemplarischen Gesetze verbreiten zu helfen, hat der WFC den Future Policy Award gegründet.
Der Future Policy Award ist der erste Preis, der Gesetze und nicht Personen auf internationaler Ebene auszeichnet. Ziel des Preises ist es, gute Gesetze weltweit bekannt zu machen. Jedes Jahr wählen wir ein Politikfeld aus, in dem innovative Lösungen besonders wichtig sind. Dieser Preis wird seit 2009 jedes Jahr zu einem anderen Thema verliehen:
2015 für Kinderrechte,
2014 für die Beendigung von Gewalt gegen Frauen und Mädchen,
2013 für Abrüstung,
2012 für Ozean- und Küstenschutz,
2011 für den Schutz von Wäldern,
2010 für den Erhalt von Biodiversität und
2009 für Nahrungssicherheit.
Das 2009 ausgezeichnete Gesetz aus der brasilianischen Stadt Belo Horizonte garantiert jedem Bewohner eine gesunde Mahlzeit pro Tag und kostet 2 % des städtischen Budgets. Dadurch wurde die Kindersterblichkeit um 60 % gesenkt. Wir arbeiten zurzeit daran, dass dieses Gesetz in Namibia und anderen afrikanischen Ländern eingeführt wird.
Die großen Herausforderungen von heute sind untrennbar miteinander verbunden und müssen daher „zusammengedacht“ werden, d. h. wir brauchen übergreifende, kohärente Lösungen und Anreize.
Das erfordert ein Umdenken auch bei NGOs, den Nichtregierungsorganisationen, Stiftungen und Spendern, die gewohnt sind, sich auf ihre jeweiligen Themenbereiche zu fokussieren. Hier könnten wir von unseren Gegnern lernen, denn die arbeiten für die Bewahrung ihrer Privilegien langfristig und koordiniert zusammen und unterstützen sich gegenseitig. Auch wenn in der Zivilgesellschaft viel von Solidarität geredet wird, herrscht dort oft ein kontraproduktiver Konkurrenzkampf.
Als Diskussionsgrundlage für ein solches „Zusammendenken“ und Handeln hat der WFC einen Globalen Politik-Aktionsplan erarbeitet, in dem die dringendsten Reformvorschläge zu verschiedenen Themen vereint sind.
Der Globale Politik-Aktionsplan (engl. GPACT) ist eine Sammlung von 22 verknüpften und bewährten politischen Reformen, die auf eine nachhaltige, gerechte und friedliche Welt hinarbeiten und so die Umsetzung der globalen Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen fördern. Die innovativen und praxisnahen Lösungen des Globalen Politik-Aktionsplans stellen ein Minimum an Maßnahmen dar, die zur Erhaltung der Umwelt und für den Schutz der Rechte zukünftiger Generationen notwendig sind.
Es geht hier nicht um eine Auflistung von Problemen und Visionen, sondern darum, die Politik-Ecksteine für eine Richtungsänderung zu identifizieren: Was sind die notwendigen Handlungs-anreize zur Schaffung einer Welt, in der die Lösungen schneller zur Hand sind als die Probleme wachsen?
Viele dieser Vorschläge sind auf ihren Gebieten schon bekannt. Aber neu ist, ihre Verbindung herzustellen. So hat der Weltzukunftsrat die erste Studie veröffentlicht, die den Zusammenhang zwischen der wachsenden Klimakatastrophe, Wasserknappheit und Bedrohung durch Nuklearwaffen darlegt.
Wie viel gefährlicher wird zum Beispiel ein atombewaffnetes Pakistan, wenn dort die Gletscher geschmolzen sind und das Trinkwasser ausgeht? Werden seine Generäle uns mit der Drohung, Atomwaffen einzusetzen, dazu zwingen, hundert Millionen Umweltflüchtlinge in Europa aufzunehmen?
Wie wird sich die Rechtslage entwickeln? Denn die wissenschaftlichen Beweise für den ursächlichen Zusammenhang von CO2-Emissionen, Klimawandel und abnormalem Wetter werden immer stärker.
Der überwiegende Teil unserer Politiker hat offensichtlich grundlegende Risiko- und Gefahrenhierarchien nicht begriffen.
Selbst der schlimmste ökonomische Kollaps ist nach einigen Jahren überwunden, während aber die Folgen eines Umweltbankrotts Jahrtausende (oder ewig) dauern können.
Noch immer wird jeder ernsthafte Reformvorschlag mit dem Argument abgewürgt, es sei dafür kein Geld da. Wir verschwenden zurzeit Billionen durch eine politisch erzeugte künstliche „Austerität“, die hunderte von Millionen Menschen arbeitslos macht. Würden diese – zusammen mit brachliegenden Produktionsmitteln – für den globalen Ausbau der erneuerbaren Energien und einen ökologischen Umbau unserer Produktionssysteme eingesetzt, hätten wir gleich zwei Herausforderungen gelöst, die ökologische und die soziale. Die Kosten der erzwungenen Austerität, d. h. der Nichtnutzung dieser Möglichkeiten, hat der WFC mit mindestens 2,3 Billionen US-Dollar jährlich berechnet.
Es wird behauptet, der Markt könne diese Herausforderungen am effizientesten lösen, aber welcher Markt? Pavan Sukhdev, früher Deutsche Bank, jetzt beim Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP), Mitglied vom World Future Council, schreibt in seinem Buch Corporation 2020, dass es auf dem Energie-Sektor auf Grund der enormen Subventionen für fossile Brennstoffe gar keinen funktionierenden Markt gebe.
Die Externalisierung, also die Abwälzung von Produktionskosten auf die Um- und Nachwelt, ist unlauterer Markt-Wettbewerb und Betrug durch Vorspiegelung falscher Tatsachen und sollte verboten werden. Eine sofortige Beendigung dieser Marktverzerrung, würde aber die meisten Produzenten ruinieren. Daher muss der Realwirtschaft finanziell geholfen werden, ihre Produktion nach dem Kreislaufmodell umzustellen. Dies kostet natürlich kurzfristig etwas, spart aber langfristig sehr viel – denn die tägliche Nicht-Nutzung potentieller erneuerbarer Energien verschwendet enormes Naturkapital. Stattdessen verbrennen wir wertvolle fossile Rohstoffe, die dadurch für die petrochemische Industrie in Zukunft verloren sind.
Eine weitere Finanzierungsquelle sind die Billionen jährlicher Rüstungsausgaben, die – ginge es nach rationalen Kriterien – schon längst für die Bekämpfung der größten Bedrohung unserer Sicherheit, den Klimawandel, umgewidmet worden wären.
Und dann haben wir noch das absurde Finanzsystem, das unsere Regierungen zwingt, Geld für wichtige Zukunftsaufgaben gegen Zins von privaten Banken zu leihen, statt es zinslos von der Zentralbank zur Verfügung gestellt zu bekommen. Dies, behaupten Ökonomen, würde zu einer Hyperinflation wie in der Weimarer Republik in den 1920ern oder kürzlich in Zimbabwe führen. Auch das ist ideologischer Unsinn; denn damals brach die Produktion zusammen. Neues Geld gegen neue Leistung, d. h. die Produktion von neuen Waren und Dienstleistungen mit ungenutzten Produktionsmitteln, ist aber nicht inflationär.
Unsere Politiker und Ökonomen gehen davon aus, dass Wachstum wiederkommt, egal was wächst. Sie haben nicht verstanden, dass wir schon längst unwirtschaftliches Wachstum haben, das seine eigenen Voraussetzungen verzehrt.
Es geht jetzt um die Wiedereroberung unseres Selbst als mündige Bürger, es geht um das Erwachen aus dem kindischen Traum von einer globalen Konsumkultur, der permanenten Unreife, Unzufriedenheit und Unverantwortlichkeit.
Die alten Israeliten hatten das Wort hochma für die Wissenschaft des Herzens, für die Fähigkeit zu fühlen und zu handeln, als ob die Zukunft von jedem von uns abhängen würde. Im alten Athen wurde der politisch engagierte Bürger ein „Polites“ genannt. Wer nicht am öffentlich-politischen Leben teilnahm, wurde als ein „Idiotes“ bezeichnet.
Ohne uns kollektiv politisch zu engagieren, ob lokal, regional, national oder international, wird es nicht gehen.
Wie schnell unsere Zivilisation zusammenbrechen kann, zeigte sich in New Orleans nach dem Hurrikan Katrina, als die abgeworfenen Trinkwasservorräte von kräftigen Männern ausgetrunken wurden, während Kinder, Frauen und alte Menschen leer ausgingen.
Unsere Kinder erwarten, dass wir jetzt aktiv werden. Eine Journalistin bei der konservativen Londoner Sunday Times schrieb, als der neue UN-Klimabericht erschien, habe kein Erwachsener sie darauf angesprochen, wohl aber ihr 9-jähriger Sohn.
Die Grundfrage ist heute nicht, wie viel Menschlichkeit, wie viel Umwelt und Kultur wir uns ökonomisch leisten können, sondern welches ökonomische System wir uns menschlich, ökologisch und kulturell leisten können. Die Wachstumsraten, auf denen unser derzeitiger Lebensstandard beruht, sind auf einem enormen Schuldenberg gebaut, der zu Lasten unserer Umwelt und zukünftiger Generationen geht. Wir haben seit Jahrzehnten viel mehr Forderungen gegenüber zukünftigem Wohlstand aufgebaut, als wir tatsächlich Wohlstand geschaffen haben. Hier wird es auch bei uns einen großen Schuldenschnitt geben müssen.
Finanz-Experten schätzen, dass 80 % der Werte von Investment-Fonds auf der Erwartung zukünftiger Kapitalflüsse basiert. Eine Klimakatastrophe wird diese Werte schnell vernichten.
Was können wir tun? Einige Anregungen:
1.Glauben Sie nicht, dass Sie die Welt nicht verändern können: Die Welt verändert sich täglich und Sie wissen nur noch nicht, welche Rolle Sie dabei spielen können. Informieren Sie sich daher über Lösungen, z. B. auf den Webseiten vom World Future Council und Right Livelihood Award (Alternativer Nobelpreis). Setzen Sie sich privat und öffentlich für ihre Umsetzung und Verbreitung ein, z. B. für eine Vertretung der Rechte zukünftiger Generationen auf allen Ebenen, und dafür, dass Schüler, Studenten und besonders Absolventen von Business-Schulen, Ökonomen und Kandidaten für politische Ämter „eco-literacy“, d. h. eine ökologische Bildung vorweisen müssen.
2.Lernen Sie, wie Geld geschaffen wird: Im Mittelalter wurden Machtdiskussionen mit der Kirche nur auf Latein geführt. Heute müssen wir Finanz-Latein lernen, denn in einer Welt, die von Geld regiert wird, machen wir uns machtlos, wenn wir auf diesem Gebiet nicht mitreden können.
3.Wagen Sie auch Konflikte: Jesus hat mit den Geldwechslern im Tempel bekanntlich nicht verhandelt, er hat sie hinausgeworfen.
4.Lassen Sie sich nicht abschrecken, wenn Sie die neuen Medien nicht beherrschen: Ich hielt in Berlin eine Rede vor Jugendlichen aus 36 Ländern und bekam anschließend ein sehr positives Echo. Eine ältere Teilnehmerin sagte daraufhin erstaunt: „Aber Sie waren doch der Einzige, der kein PowerPoint benutzt hat!“
5.Bereiten Sie sich auf die bevorstehende moralische Weltrevolution vor, vergleichbar mit der Abschaffung der Sklaverei, auf der unsere damalige Wirtschaft basierte. Die kommende nachhaltige Weltordnung wird sehr vielfältig sein, denn es gibt keine Grenzen menschlichen Lernens, wie der Club of Rome schon vor 40 Jahren schrieb.
Vor noch gar nicht langer Zeit musste man in Deutschland Leben riskieren, um Krieg und Barbarei zu überwinden und die Zukunft seiner Kinder zu sichern. Heute werden uns keine solchen Opfer abverlangt! Die Risiken für unsere gemeinsame Zukunft sind jetzt anderer Art. Aber sie verlangen ein Umdenken, neue Bündnisse und Partnerschaften. Der World Future Council ist ein solches Bündnis von Vertretern der Zivilgesellschaft, der Wirtschaft, der Politik, der Wissenschaften und der Kunst.
•Die drohenden unumkehrbaren „tipping-points“, die jetzt alle unsere Errungenschaften und Pläne gefährden, verlangen engagiertes Handeln, wenn wir nicht wollen, dass unsere Kinder und Enkel uns als egoistische Verbrecher bzw. Ignoranten sehen werden, die die Risiken nicht begriffen hatten. Denn geschmolzene Gletscher kann man nicht mehr reparieren und für Trinkwasser gibt es keinen Ersatz.
•Die Ewiggestrigen, die ihre Privilegien auch auf Kosten unserer Kinder bewahren wollen, haben mit ihren Spenden u. a. dafür gesorgt, dass im mächtigen US-Senat jetzt der Umwelt-Ausschuss einen Vorsitzenden hat, der Klimawissenschaftler mit Bibelzitaten zu widerlegen versucht, und einen Senats-Präsidenten, dessen Motto „Gewehre, Freiheit und Kohle“ ist – in dieser Reihenfolge!
•Unsere Kinder vertrauen darauf, dass wir jetzt ernst machen. Unser Handeln wird zeigen, ob wir dieses Vertrauen verdienen oder verraten werden, wie in Ruanda vor 20 Jahren, wo auf dem Gedenkstein für einen ermordeten 10-Jährigen, der Arzt werden wollte, seine letzten herzzerreißenden Worte stehen: „Die UNO wird kommen und uns retten!“


10. World Future Forum 2017 in Bregenz: weltweit führende Fachleute aus Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur erarbeiten Lösungsstrategien für die Probleme unserer Zeit.
Die Zukunft gestalten
Wir stehen zurzeit vor noch nie dagewesenen Herausforderungen. Das Ende unseres bewohnbaren Planeten ist möglich, wenn nicht umgesteuert wird. Das würde allen nachfolgenden Generationen die Lebensgrundlage rauben.
Diese apokalyptische Realität wird weitgehend geleugnet. Es ist aber eine Tatsache, dass für den Temperaturanstieg, der das Schmelzen der Permafrostböden und die Freisetzung von Methan-Hydrat in den Meeren bewirkt die gegenwärtige Politik verantwortlich ist. Das droht, unsere Erde unbewohnbar zu machen, wie Forschungsergebnisse belegen, die auch z. B. vom British Government Met Office (dem Meteorologie-Institut der britischen Regierung) bei der Klimakonferenz in Paris präsentiert wurden.
Unser Wohlstand, unsere Sicherheit, Kultur und Identität würde aber schon lange vorher in sich zusammenfallen.
Ein Europa, das unfähig ist, mit ein paar Millionen Kriegsflüchtlingen fertigzuwerden, wird unter der Masse von zehn oder vielleicht Hunderten von Millionen Klimaflüchtlingen schnell zusammenbrechen.
Paul Krugman, Kolumnist der New York Times, beschrieb kürzlich in seiner Kolumne das Schreckensszenario des Klimawandels und fragte dann, was denn nun wirklich in diesem Jahr der US-Wahl auf dem Spiel stünde? „Nun, unter anderem das Schicksal unseres Planeten.“
Eine Studie der US-Akademie der Wissenschaften kam im vergangenen Jahr zu dem Ergebnis, dass die Forderung, Wirtschaftswachstum und CO2-Anstieg vom Ressourcen-Verbrauch zu entkoppeln, auf falschen Berechnungen beruhten, weil das Rohmaterial zur Herstellung von Produkten zu gering veranschlagt worden sei (The Guardian, 25.11.2015).
Warum wurde nicht längst ein Not-Bündnis gebildet, die alles Menschenmögliche tut, um den Kurs zu ändern und, wo noch möglich, rückgängig zu machen?
Warum gibt es noch keinen Gesamtüberblick über die Risiken und Gefahren, warum wurde noch keine gemeinsame Strategie erarbeitet? Das sind Fragen, die ich oft – vor allem von jungen Leuten – höre. Für sie stellt die Arbeit des Weltzukunftsrates und die Arbeit der seit 1980 zahlreichen Preisträger des Right Livelihood Award, des Alternativen Nobelpreises, einen Funken Hoffnung dar.
Inzwischen ist der Weltzukunftsrat weit bekannter als noch vor ein paar Jahren. Seine Mitglieder vermitteln ein vorbildliches und ganzheitliches Engagement und verfügen über außerordentliche Überzeugungskraft. Sie haben das Gespür für die Themen der Zukunft wie beispielsweise das Eintreten für die Rechte zukünftiger Generationen, für Konzepte zum Übergang zu 100 %-erneuerbare Energien oder auch unorthodoxe Vorschläge zur Geldschöpfung. Diese Vorschläge werden weltweit in vielen Foren diskutiert. Autoren, Wissenschaftler oder UN-Organisationen beziehen sich auf unsere Arbeit.
In den Stellungnahmen zur Eröffnung des neuen Büros des Weltzukunftsrats in China war klar zu erkennen, dass die chinesi-schen Behörden die Klimabedrohung sehr ernst nehmen und sowohl nach Lösungen suchen als auch nach Partnern. Auch hier wird offenbar deutlich gesehen, was die Ursachen dafür sind, dass die Himalaja Gletscher und Tibets Permafrost zu schmelzen beginnen.
Auch die Kohle-Lobby ist sich inzwischen der Lage bewusst und sieht die Zeichen an der Wand: Man wird uns hassen und verteufeln, so wie früher die Sklavenhändler, sagte der Generalsekretär des Verbandes der Europäischen Kohle-Industrie (Financial Times, 16.12.2015). Und die Tagesschau vom 5. Juli 2016 berichtete von zehntausend Todesfällen aufgrund von Kohlekraft und stützte sich auf die Auswertung von 257 der insgesamt 280 europäischen Kohlekraftwerke. Demnach belaufen sich die durch sie verursachten Gesundheitskosten jährlich auf bis zu 63,3 Milliarden Euro.
Leider gilt das nicht für die USA: Donald Trump behauptet zum Beispiel, dass der Klimawandel eine „chinesische Erfindung“ sei. Das Wall Street Journal (3.8.2015) befürchtet: „Wenn es stimmt, dass der Klimawandel von Menschen verursacht wurde, kann ein solch riesiges Problem nur von der Regierung gelöst werden. Für die Linke wäre das ein Himmelsgeschenk, um im großen Stil staatliche Kontrollen über die Wirtschaft und das Leben der Bürger einzuführen.“
Solche Verschwörungstheorien werden von einer machtvollen und gierigen Elite verbreitet, damit sie ihre Privilegien in einer zunehmend ungleichen Welt nicht verlieren.
Die Geschichte der vergangenen 40 Jahre zeigt, dass der oft umstrittene Bericht (des Club of Rome) über die Grenzen des Wachstums sehr prophetisch war, selbst für die USA: „Das durchschnittliche Haushaltseinkommen 2014 in den USA betrug 50.000 Dollar. Hätten wir das Produktivitäts-Wachstum der Zeit vor 1970 beibehalten, läge das Einkommen bei 97.300 Dollar“ (Financial Times, 20.2.2016).
Das ist wohl auch einer der Gründe, warum in den USA in den Vorwahlkämpfen 2016 viele junge Wähler für einen Sozialisten stimmten, als ob sie sich vom Sozialismus mehr versprächen als vom Kapitalismus. Aber hier handelt es sich eher um ein Aufbegehren gegen eine unsichere Zukunft, gegen die Brüche in den letzten Jahrzehnten, gegen die anonymisierende Globalisierung und dagegen, dass sich die Jugendlichen den amerikanischen Traum ihrer Eltern nicht mehr leisten können.
Viele glauben auch nicht, dass neue Technologien ihre Pro-bleme lösen werden, was, um das Weltzukunftsrat-Mitglied Prof. Rolf Kreibich zu zitieren, ein gutes Zeichen ist, denn: „Es gibt keinen einzigen Hinweis auf nachhaltige Entwicklung in der gesamten Big Data- und Smart Data-Diskussion.“ In Japan würden die Menschen anfangen, den neuen Technologien zu misstrauen, da diese über die Realität hinwegtäuschten und nicht als sinnstiftend empfunden würden. Die neue Satori-Generation will weniger Konsum und sucht nach „Erleuchtung“(Baku Eye, Mai 2014). Der Demokratie und den demokratischen Institutionen vertrauen sie und ihre Gleichaltrigen in Europa und den USA immer weniger (World Values Survey, 2015).
Das ist das Ergebnis einer Politik, die auf der Grundlage von Kosten-Nutzen-Analysen, die ihr Ökonomen vorschreiben, ihre Entscheidungen trifft. Denn deren Modelle sind ideologisch und dienen den Interessen der Privilegierten, die sich um die Bedürfnisse zukünftiger Generationen nicht scheren. Mit ihrem Tunnelblick übersehen sie, dass unsere Wirtschaft von funktionierenden Ökosystemen abhängt. Wenn das Ökosystem zusammenbricht, wird nicht nur das gegenwärtige Bruttosozialprodukt zunichtegemacht, sondern auch das natürliche Kapital.
So berechnet das allgemein benutzte DICE-Modell (Dynamic Integrated Climate-Economy), dass selbst ein katastrophaler Temperaturanstieg von 4 °Celsius das Bruttosozialprodukt nur um 4 %, und ein Temperaturanstieg um 6 °Celsius dieses um weniger als 10 % reduzieren würde, trotz der Vorhersage, dass dann große Teile des Planeten unbewohnbar wären. Bei solchen Modellen, könnte weltweit das Bruttosozialprodukt immer noch wachsen, selbst wenn Afrika schon unbewohnbar ist.
Kein religiöses Dogma ist so mächtig und gefährlich wie die Dogmen der Ökonomen, die glauben, wir würden selbst auf einem brennenden Planeten immer noch reicher werden.
Dieser gefährliche Unsinn herrscht immer noch in vielen Köpfen, und auch die SDG-Nachhaltigkeitsstrategie der UNO leidet daran.
„Angesichts des heutigen Verhältnisses von Wachstum des Bruttosozialprodukts und dem Einkommenswachstum der ärmsten Länder wird es 207 Jahre dauern, um mit dieser Strategie die Armut zu eliminieren, und um das zu erreichen, werden wir die Weltwirtschaft um das 175-fache ihrer gegenwärtigen Größe anwachsen lassen müssen“ (Seeds of Change, Vol.32, Nr. 1, Jan.-April 2016, S. 15). Was offensichtlich unmöglich ist. Das Nachhaltigkeitsziel 17.1 fordert eine weitere Handels-Liberalisierung und mehr Macht für die Welthandelsorganisation – obwohl aufgrund der Umweltbedrohungen das Gegenteil erforderlich wäre, d. h. Import-Abgaben, um Umwelt-Dumping zu verhindern.
Wie ist es zu erklären, dass wir schon so lange einer Ideologie folgen, die unser Überleben bedroht?
Die US-amerikanische Heritage Foundation, ein einflussreiches konservatives Forschungsinstitut, das im Jahre 1980 anlässlich der Wahl Ronald Reagans als Denkfabrik großen Einfluss hatte und immer noch die US-Politik maßgeblich beeinflusst, hat damals unter anderem für alle Ministerien Politikempfehlungen formuliert. Sie wurden in einem 1000-Seiten-Buch veröffentlicht, mit dem Titel: „Mandat für Führung: Politik-Management in einer konservativen Regierung“. Diese Empfehlungen waren u. a. Privatisierung, Deregulierung, der Abbau von Sozialleistungen, sowie militärische Präventivschläge. Viele der empfohlenen Maßnahmen wurden umgesetzt, auch weil keine Alternativen präsentiert wurden. Um Margaret Thatcher zu zitieren: „Wirtschaft ist die Methode: das Ziel ist die Veränderung der Seele“ (Sunday Times, 1.5.1981).
Heute erkennt selbst das Business-Magazin Forbes an, dass der Kapitalismus es nicht geschafft habe, das Wohlergehen der Menschen im großen Maßstab zu verbessern (9.2.2016). Das Bewusstsein ist also geweckt worden, und nun ist es an uns, eine Methode zu finden, die Zerstörung des Planeten zu beenden. Auch wenn wir nicht über Mittel wie die Heritage Foundation verfügen, so haben wir viele Verbündete.
Da es um den Notfall Erde geht, muss alles, was wir bisher unternommen haben, neu überdacht werden; nicht, weil es falsch ist, sondern weil es nicht mehr ausreicht.
Auf einer unlängst abgehaltenen Konferenz wurde die Gewerkschaftsführerin Sharan Burrow gefragt, warum sie über den Klimawandel spreche und nicht über Jobs. „Weil es auf einem toten Planeten keine Jobs gibt“, antwortete sie. Eine öko-industrielle Umgestaltung würde natürlich Millionen neuer Jobs generieren; aber sie hat die Hierarchie der Risiken und Gefahren verstanden.
Die Herausforderung ist immens, aber nicht neu. Es gibt keine Sache von größerer Schwierigkeit, Gefahr und von zweifelhafterem Erfolg, als die Vorreiterrolle zu übernehmen bei der Einführung einer neuen Ordnung. „Denn alle die, welche sich in der alten Ordnung wohl befanden, sind der neuen feindlich; und diese hat nur laue Verteidiger bei denen, die dabei zu gewinnen hoffen.“ – ein Zitat aus Macchiavellis Schrift Der Fürst, die 1532 erschien.
Aber wir haben viele Verbündete:
•unser lebendiger Planet, wenn wir die Richtung ändern solange er noch reagieren und sich erholen kann
•die Jugend der Welt, die erkennt, dass die Versprechen der gegenwärtigen Ordnung für ihre Zukunft hohl sind und nach einer glaubwürdigen Alternative sucht
•die Schutzlosen dieser Welt, die gemerkt haben, dass diese Ordnung bodenlos ist
•unsere Vorfahren, die uns vertrauen, dafür zu sorgen, dass ihr Leben und ihre Errungenschaften nicht umsonst waren
•und alle zukünftigen Generationen, denn von uns hängt es ab, ob und wie sie leben werden
Der Global Policy Action Plan (GPACT) des Weltzukunftsrats ist unser Handbuch für verantwortliche Politik. Er beschreibt die wichtigsten Reformen für Menschen und den Planeten, die heute durch die Folgen der Empfehlungen der Heritage Foundation bedroht sind. GPACT will den sog. Konsens von Washington durch einen neuen ersetzen, der – nach dem Gründungsort des WFC – vielleicht als Hamburger Konsens in die Geschichte eingehen wird.
Der Global Policy Action Plan GPACT
Wir machen die besten und effektivsten Gesetze und Regelungen aus aller Welt bekannt, passen sie an und verbreiten sie. Die von uns identifizierten ‚besten politischen Lösungen‘ erleichtern die Umsetzung wegweisender politischer Reformen und unterstützen so die Einhaltung internationaler Verpflichtungen im Rahmen der globalen Nachhaltigkeitsziele. In der Zusammenarbeit mit politischen Entscheidungsträgern unterstützen wir Innovationen, die Fortschritt, einen gesunden Planeten, Frieden und Sicherheit fördern.
Wir müssen die Machtkämpfe, Bürokratie, Enge und Eifersucht überwinden, die unter Nichtregierungsorganisationen und ihren Unterstützern so häufig anzutreffen sind, und neue Allianzen schmieden.
Der Weltzukunftsrat hat gezeigt, dass er die Fähigkeit hat, neue Koalitionen zu formen; nicht, weil wir mehr wissen oder besser sind, sondern weil wir auf dem aufbauen, worauf sich die internationale Gemeinschaft bereits geeinigt, es aber bislang noch nicht umgesetzt hat. Wir helfen, Lücken zu schließen:
•zwischen miteinander verbundenen Problemen, die von Aktivisten und Geldgebern nicht in einem Zusammenhang gesehen, sondern nur einzeln behandelt werden;
•zwischen akademischer Politikforschung und der Unterstützung, die politische Entscheidungsträger benötigen;
•zwischen den Rechten, auf die man sich geeinigt hat, etwa in der UN-Charta für die Natur und ihrer gesetzlichen Umsetzung.
Wie die Verteidiger von Privilegien wissen (und was wir oft vergessen), steckt der Teufel im politischen Detail.
In der Geschäftswelt und im zivilen Leben wird häufig auf freiwillige Selbstregulierung gesetzt. Laut einer ersten Bestandsaufnahme, die kürzlich veröffentlicht wurde, erweist sich diese Priorität als falsch, sie zeigt, dass 82 % der untersuchten freiwilligen Vorhaben scheiterten.
So gab es weit schlechtere Resultate als ein Gesetz hätte erreichen können. Eine Gebühr auf Plastiktüten in Wales verringerte über Nacht den Gebrauch um 80 %, während eine freiwillige Maßnahme in England in sieben Jahren nur einen Rückgang um 6 % erreichte (The Guardian, 4.11.2015).
Natürlich sind Gesetze nicht überall einfach einzuführen und win-win-Szenarien für alle oft ein Mythos. Die Climate Legacy Initiative kommt zu dem Schluss, dass die Besteuerung, die für einen adäquaten Rückgang der Nachfrage bei umweltschädlichen Produkten erforderlich ist, zu „signifikanten gesellschaftlichen Problemen“ führen könnte. Politiker fürchten, dass ihre Wähler rebellieren; aber müssen begreifen, dass eine rebellierende Natur eine weitaus gravierendere Angelegenheit sein wird.
Die vielgepriesene Ökonomin Dambisa Moyo beklagt eine „weltweite Erosion an Produktivität“, die sie nicht verstehen könne und als „höchst merkwürdig“ bezeichnet. Hat man aber die Bedürfnisse der Menschen und des Planeten im Blick und zudem die wachsende Zahl der Arbeitslosen weltweit, dann hat diese „Merkwürdigkeit“ eindeutig ihre Ursachen, nämlich in den perversen Dogmen, die von Moyo und ihren Kollegen angebetet werden.
Immer wieder wird behauptet, dass die nötigsten Reformen zu teuer seien, was im Klartext heißt, dass wir es uns nicht leisten könnten, auf der Erde zu leben. Aber eine Gesellschaft, die über die nötigen natürlichen und menschlichen Ressourcen verfügt, kann notwendige Reformen immer auch finanzieren.
Zunächst brauchen wir jedoch eine reale „Buchhaltung“. Dass weltweit potentielle erneuerbare Energien ungenutzt bleiben, vergeudet jährlich Billionen von Dollar. Während jedes geschlossene Bergwerk als Verschwendung von Industriekapital beklagt wird, wird die unendlich viel größere Zerstörung von natürlichem Kapital – verursacht durch die nicht maximal genutzten erneuerbaren Energien – ignoriert. Der Weltzukunftsrat hat diesen Verlust zum ersten Mal errechnet. Er beträgt über 3 Billionen Dollar jährlich.1
Um das Finanzsystem zu retten, wurde die Schöpfung (das „Drucken“) von neuem Geld durch die Zentralbanken sehr schnell akzeptiert. Doch den dringend nötigen Übergang zu nachhaltigen und erneuerbaren Energien auf die gleiche Weise zu finanzieren, ist ein politisches Tabu.
Der Weltzukunftsrat hat aber aufgezeigt, wie die Produktion neuer Güter und Dienstleistungen (ohne Inflation) finanziert werden kann: 100 % erneuerbare Energie, Nachrüstung von Gebäuden, nachhaltige Transportsysteme etc. Im Süden würden damit Millionen neuer Jobs geschaffen, was wiederum den Druck vermindern würde, um des reinen Überlebenswillen nach Europa auszuwandern.
Unsere gemeinsame Zukunft benötigt einen schlüssigen Plan für schrittweise Politikreformen, und der GPACT des Weltzukunftsrates ist der erste Versuch dieser Art. Er ist keine übliche Wunschliste, sondern ein Handbuch vorrangiger Politikmaßnahmen, die, wo immer möglich, auf schon existierenden nationalen und regionalen Gesetzen, aufbauen.
Der Globale Aktionsplan GPACT fasst die minimal benötigten Reformen zusammen und benennt die Meilensteine für eine nachhaltige Zukunft:
1. Umwelterziehung
Das beste Gesetz dafür haben wir in Maryland, USA, ausgemacht und sind dabei, es in Europa zu verbreiten.
Dazu haben wir die besten Programme für Umweltbildung in Business Schools und für Wirtschafts-Studenten identifiziert (vgl. futurepolicy.org).
2. Impulse für die Demokratie
Ein isländisches Gesetz stellt sicher, dass mit Geldspenden keine Wahlen beeinflusst werden können.
3. Anwendung alternativer Fortschritts-Indikatoren
Wieder einmal hat ein kleines Land die Führung übernommen: Bhutan, wo die Regierung das Wohlbefinden der Bevölkerung zum Handlungsmaßstab nimmt.
Das EU BRAINPOOL Projekt, an dem der Weltzukunftsrat teilnimmt, zeigt die Herausforderungen solcher Reformen. Auch eine Reform der Bilanzierungsstandards ist dringlich.
4. Sicherstellung der politischen Repräsentation der Bedürfnisse zukünftiger Generationen
Der WFC hatte eine Schlüsselrolle bei der Schaffung des exemplarischen Waliser Gesetzes inklusive der Schaffung eines „Kommissars für nachhaltige Zukunft“, das u. a. auf den Erfahrungen des ungarischen parlamentarischen Ombudsmannes für zukünftige Generationen, des WFC-Mitglieds Sándor Fülöp, beruht.
5. Bestrafung von Verbrechen gegen zukünftige Generationen
Unter der Leitung von Richter Christopher Weeramantry (Right Livelihood Award 2007 und World Future Councillor) identifizieren wir fortschrittliche Urteile und Hindernisse für deren Umsetzung.
6. Umwidmung von Militärausgaben für Frieden und Entwaffnung
Die Kommission des Weltzukunftsrats für Frieden und Entwaffnung hat ein Handbuch über nukleare Abtrüstungsstrategien für die Interparlamentarische Union (IPU) herausgegeben sowie eine breite Sicherheitsdebatte gestartet, indem sie die Verbindungen von Klimawandel und Nuklearbedrohung aufzeigt. Sie hat außerdem das in Argentinien beschlossene Programm zur Rückgabe und Vernichtung von Schusswaffen nach Bosnien und Serbien gebracht.
Die Waffen wurden zerlegt, um für Windkraftwerke und andere Infrastrukturprojekte Ersatzteile bereitzustellen. Argentiniens nationales Programm für die freiwillige Abgabe von Schusswaffen wurde 2013 mit dem Future Policy Award des WFC ausgezeichnet.
7. Schaffung von Anreizen für die Produktion von 100 % erneuerbarer Energie
Bei der Verbreitung der besten politischen Maßnahmen, vor allem der Einspeisevergütung, hat der Weltzukunftsrat eine herausragende Rolle gespielt. Dazu gehörten mehr als 100 Beratungen und Anhörungen mit Parlamentariern aus über 50 Ländern. Hermann Scheer (Right Livelihood Award 1999 und WFC-Gründungsmitglied) hat dieses Projekt inspiriert.
8. Regenerative Städte
Unser Programm wurde im Oktober 2016 bei Habitat III vorgestellt. Es wird zurzeit daran gearbeitet, eine neue Art der Urbanisierung zu entwickeln, wie beispielsweise China seine Städte erfolgreich in regenerative Städte umwandeln kann und neue Städte geschaffen werden, die eine Verbindung zwischen überlebenswichtigem Schutz der Umwelt und den Bedürfnissen der Bewohner herstellen. Durch die Glaubwürdigkeit, die wir uns in China schon erworben haben, kann unser Büro in Peking hierbei sehr hilfreich sein. Es gibt schon exemplarische chinesische Gesetze, die z. B. sicherstellen, dass die Profite aufgrund der gefallenen Ölpreise von der Regierung einbehalten werden, um damit Umweltschutz- und Erhaltungs-Maßnahmen zu finanzieren.
9. Bewahrung von gesunden Öko-Systemen
Die Übersäuerung der Meere nimmt derzeit zehnmal schneller zu als während der letzten 56 Millionen Jahre. Das Seerecht muss mit Hilfe bereits bestehender exemplarischer Meeres-, Wald- und Biodiversitäts-Gesetze aus Palau, Ruanda und Costa Rica erweitert werden. Diese Gesetze wurden mit dem Future Policy Award ausgezeichnet.
10. Grüne Steuerreform einschließlich einer Verbrauchssteuer auf Kohlenstoff-Emissionen
Wir müssen das besteuern, was schädlich oder knapp ist. Gute Beispiele für politische Maßnahmen können auf unserer gesonderten Website für politische Entscheidungsträger gefunden werden: futurepolicy.org. Darüber hinaus arbeiten wir daran, solche Regeln zu verbreiten, die bewirken, dass unser Finanzsystem die Schaffung wirklichen Wohlstands ermöglicht und nicht länger Spekulation und Schulden begünstigt.
11. Unternehmen und Produkte
Anreize zur Förderung des menschlichen Erfindungsgeists und zur Risikoübernahme müssen geschaffen werden, um dem Gemeinwohl zu dienen. Als Beispiel sind dem Gemeinwohl verpflichtete Firmen, Benefit Corporations, wie in Maryland, USA, zu nennen und das TOP Runner-Programm in Japan, ein Instrument zur Steigerung der Energieeffizienz. Dadurch konnte Japan 16 % seiner Verpflichtung zur Reduktion von Treibhausgasen erfüllen, wie es das Kyoto-Protokoll vorsieht. Ein gutes Beispiel, das verbreitet und übernommen werden sollte, ist auch das Cradle-to-Cradle-Prinzip („von-der-Wiegezur-Wiege“ – ein intelligentes hocheffektives Recyclingsystem). Hier werden die Produkte so konzipiert, dass sie nicht zu Abfall werden, sondern nach Gebrauch zu möglichst 100 % wieder einsetzbar sind.
12. Schutz der Schutzbedürftigen
Während der Übergangszeit, die in nächster Zeit auf uns zukommt und den damit verbundenen Turbulenzen, ist es vorrangig, dass wir Kinder, Frauen und die große und wachsende Anzahl von Menschen mit Behinderungen weltweit schützen. Der Weltzukunftsrat hat exemplarische Maßnahmen für das Recht auf Nahrung (Belo Horizonte), zum Kinderschutz (Zanzibar Act) und zum Schutz von Frauen und Mädchen vor Gewalt (Future Policy Award, 2014) sowie zur Abschaffung von Barrieren für Menschen mit Behinderungen (Zero Project) benannt und ausgezeichnet, und arbeitet an deren Verbreitung.
Der Nutzen, diese Herausforderungen, die alle miteinander zusammenhängen, zu bewältigen, liegt auf der Hand. Es ist zum einen Aufgabe des Weltzukunftsrats, die Lücken in der Umsetzung dieser Maßnahmen zu überbrücken, zum anderen muss jedoch der Druck von unten auf politische Entscheidungsträger zunehmen. Sie benötigen Argumente und Hilfestellung, damit sie den Lobbyisten des status quo widerstehen können.
Wir benötigen jetzt die Mittel und die Verbündeten, um ein Durchbruch-Gesetz nach dem anderen mit „Schnellfeuergeschwindigkeit“ (Naomi Klein) durchzubringen. Die moralische Revolution, die z. B. die Sklaverei beendete, gewann nicht nur mit Petitionen, und heute werden General Twitter und Admiral Facebook auch nicht ausreichen. Denn mit Statistiken oder Appellen an die Vernunft allein kann man keine fest etablierte Macht bekämpfen.
Daher müssen wir eine attraktive und machtvolle Vision unserer Zukunft auf dieser Welt entwerfen. Es wird eine Welt sein mit „weniger Autorennen und mehr Tanzwettbewerben“ (Chandaran Nair), eine spannende Welt der Kultur, Bildung, Forschung, des Sports, der spirituellen Erfahrung und menschlicher Interaktion, wo der Sinn des Lebens „nicht hinter den Objekten, sondern hinter den Subjekten gesucht wird“, wie mein Großvater, der Biologe und Gründer der Umweltforschung es ausdrückte.
Die Entscheidung liegt bei jedem von uns. Die Geschichte hat sehr laut an unsere Tür geklopft. Werden wir antworten?
1 https://www.worldfuturecouncil.org/monetary-cost-non-use-renewable-energies/
The free sample has ended.