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ILJA GRZESKOWITZ

Radikal menschlich

Erfolgsfaktor Persönlichkeit in Zeiten der Veränderung


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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

ISBN Buchausgabe: 978-3-86936-870-2

ISBN epub: 978-3-95623-776-8

Lektorat: Dr. Michael Madel, Ruppichteroth

Umschlaggestaltung: Martin Zech Design, Bremen | www.martinzech.de

Autorenfoto: Philip Reichwein

Satz und Layout: Das Herstellungsbüro, Hamburg | www.buch-herstellungsbuero.de

Copyright © 2018 GABAL Verlag, Offenbach

Das E-Book basiert auf dem 2018 erschienenen Buchtitel "Radikal menschlich" von Ilja Grzeskowitz, ©2018 GABAL Verlag GmbH, Offenbach

Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlags.

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Für meine Frau Silke und unsere beiden wundervollen Töchter Emma und Elisabeth.

Danke, dass Ihr mich so sein lasst, wie ich bin. Immer.

Ich liebe Euch.

Inhalt

Intro: One Shot

Teil I: DAS MOTIV

1. Der Change Loop

Change or die

Achtsamkeit, Baby!

Bleib Du selbst, um Dich zu verändern

2. Was wichtig ist

Der persönliche Freiheitsplan

Positive Besessenheit

Unverhandelbare Grundprinzipien

3. Äußere Veränderung durch innere Transformation

Von Dodos und Wölfen

Der Change-Diamant

Transformation, Baby!

TEIL II: DIE MENSCHEN

4. Niemand gewinnt allein

Das Team ist heilig

Mitarbeiterorientierung kommt vor Kundenorientierung

Wer wird weinen, wenn Du stirbst?

5. »Schneller, höher und weiter« – damit ist es vorbei!

Der Angriff auf den Todesstern

Die Welt braucht mehr Batteriewechsler

Lektionen in Dankbarkeit

6. Die Motivationsrevolution

Eine unbequeme Wahrheit

Waschbrettbäuche, Golf und volle Geldspeicher

Jede Jeck is anders

TEIL III: DAS MACHEN

7. Veränderung. Einfach. Machen.

Unperfekt, aber sexy

Die 7-Sekunden-Regel

Mach Dein eigenes Glück

8. Erfolg ist ein Arschloch

Die Erfolgs-Formel

Die Kunst des kritischen Denkens

Es ist niemals zu spät, einen Unterschied zu machen

9. Die Smells-Like-Teen-Spirit-Regeln für ein erfülltes Leben

Don’t fake it ’til you make it

Vergeuden Sie Ihre Zeit nicht mit Negativität

Genießen Sie die Wachstumstreppe

Outro: Be the Change

Danksagung

Sie wollen mehr?

Anmerkungen

Literaturverzeichnis

Personen- und Stichwortverzeichnis

Über den Autor

Intro: One Shot

»Look. If you had one shot, or one opportunity.

To seize everything, you ever wanted.

In one moment.

Would you capture it, or just let it slip?«

Eminem, »Lose Yourself«

Ich bin kein besonders esoterischer Mensch. Und doch glaube ich tief und fest daran, dass jeder einzelne Mensch aus einem besonderen Grund auf dieser Erde ist. Dass wir eine Aufgabe zu erfüllen haben, die nur wir erledigen können, weil wir mit einem bestimmten Talent oder einer besonderen Gabe gesegnet sind. Woran ich hingegen nicht glaube, sind Zufälle. Es war ein wunderschöner Morgen im Sommer 2013. Ich fahre in meinem Dodge-Challenger-Mietwagen durch Los Angeles und genieße die relaxte Atmosphäre einer meiner Lieblingsstädte auf dieser Welt. Im Radio läuft Eminems Hit Lose Yourself, dessen Worte im Intro mich magisch berühren: »Wenn Du nur einen Schuss, nur eine Gelegenheit hättest, all das zu erreichen, von dem Du immer geträumt hast. In nur einem einzigen Moment. Würdest Du den Moment nutzen, oder ihn einfach an Dir vorbeiziehen lassen?« Während ich über diese Frage intensiv nachdenke, fahre ich den Broadway entlang und erblicke ein Gebäude, das mich fasziniert, weil es so untypisch für die Stadt der Engel ist. Einem spontanen Impuls folgend, halte ich an und blicke auf das Schild an der Fassade. Es handelt sich um das Bradbury Building, das von George Wyman entworfen wurde. Dieser war ein einfacher Zeichner, der für fünf Dollar in der Woche für den ursprünglich mit dem Entwurf beauftragten Architekten Sumner Hunt arbeitete, als er von dem Millionär Lewis Bradbury gefragt wurde, ob er das geplante Gebäude für ihn designen wolle. Nach anfänglichen Zweifeln sagte er schließlich zu. Und obwohl er weder eine Ausbildung als Architekt noch irgendwelche Referenzprojekte vorzuweisen hatte, erschuf er ein Gebäude, welches mittlerweile seit über einem Jahrhundert das Stadtbild prägt und von Fachleuten auf der ganzen Welt bewundert wird. Wyman nutzte seinen einen Schuss, um einen Unterschied zu machen, der über sein eigenes Leben hinauswirken sollte. Es sollte aber sein einziger Erfolg im Bereich der Architektur bleiben, denn kurze Zeit nach der Fertigstellung des Bradbury Building zog er sich zurück und plante für den Rest seines Lebens kein weiteres Gebäude von Bedeutung.

Wahrscheinlich hätte diese Geschichte nicht so eine magische Wirkung auf mich gehabt, wenn ich nicht im selben Moment das Eminem-Lied im Ohr gehabt hätte. Denn George Wyman, der Designer des Bradbury Building, verkörperte exakt die Worte, die der als Marshall Bruce Mathers geborene Rapper in seiner unnachahmlichen Art und Weise in das Mikrofon schmetterte: »Look. If you had one shot, or one opportunity. To seize everything, you ever wanted. In one moment. Would you capture it, or just let it slip?« Seitdem bin ich von der One-Shot-Idee fasziniert. Von dem Gedanken, dass jeder von uns einen besonderen Schuss zur Verfügung gestellt bekommt, mit dem wir einen Unterschied machen können. Manche nutzen ihn, andere lassen ihn zunächst einmal vorbeiziehen, und dann gibt es da noch diejenigen, die ihn überhaupt nicht wahrnehmen. Ich bin der festen Überzeugung, dass jeder von uns diese eine Patrone zur Verfügung gestellt bekommt. Vielleicht sind es sogar zwei oder drei. Aber immer eine, auf die es ankommt. Die wirklich zählt. Im Business. In der Liebe. Im Leben. Und es unsere Aufgabe im Leben ist, herauszufinden, wofür wir sie einsetzen.

Leider lassen sich viel zu viele Menschen dabei ablenken, verfallen den betörenden, aber irreführenden Botschaften der Sirenen ihres Umfelds und warten auf den perfekten Zeitpunkt, um endlich loslegen zu können. Doch der wird leider niemals kommen. Wir haben auch kein Ersatzleben in der Hinterhand, das wir nutzen können, wenn es mit dem ersten nicht so richtig geklappt hat. Es gibt auch keine Generalprobe, sondern unser Leben findet genau jetzt und in diesem Moment statt. Auch Sie, liebe Leserinnen und Leser, haben einen solchen Schuss. Sie sind auf dieser Welt, um einen Unterschied zu machen, um andere Menschen zu berühren und ein Leben zu führen, das diesen Namen auch wirklich verdient. Wie auch immer Ihre konkrete Aufgabe lautet, beginnen Sie noch heute mit der Umsetzung, zumindest aber mit der Suche. Legen Sie Ihre Patrone in den Revolver. Nehmen Sie Ihr Ziel ins Visier. Und dann feuern Sie und machen einen Unterschied, wie es Wyman mit dem Gebäude am Broadway in Los Angeles getan hat. Auf Ihre Weise. In Ihrem Stil. Mit Ihrer Persönlichkeit.

Möglicherweise stellen Sie sich an dieser Stelle dieselbe Frage, die mir vor vielen Jahren zum ersten Mal durch den Kopf ging:

»Gibt es wirklich einen Grund, warum ich auf dieser Welt bin? Und wenn ja, wie finde ich ihn?«

Sehr lange habe ich vergeblich auf eine Antwort, auf Klarheit, ja auf irgendein Zeichen gewartet. Doch so intensiv ich auch suchte, ich fand einfach nichts. Bis ich irgendwann auf ein Zitat von Søren Kierkegaard stieß, der treffend feststellte, »dass wir unser Leben zwar vorwärts leben, aber rückwärts verstehen«. Genau so war es auch bei mir, und heute weiß ich, dass mein einer Schuss, meine Aufgabe und mein Talent darin besteht, Menschen, Unternehmen und Organisationen dabei zu unterstützen, den Erfolgsfaktor Persönlichkeit zu nutzen, um in Zeiten von massiver Veränderung erfolgreich zu sein.

In der Retrospektive muss ich über meine Suche nach dieser Aufgabe lachen, denn der Umgang mit Menschen, das Verstehen ihrer Motive und das Talent, mein Umfeld für Veränderungen zu begeistern, war schon in jungen Jahren meine große Stärke. Die Zeichen waren immer da. Ich nahm sie nur nicht wahr. Am Ende meiner Zeit als Zivildienstleistender war die Leiterin des integrativen Kindergartens, in dem ich meinen Dienst absolvierte, ganz erstaunt, als ich ihr mitteilte, dass ich beschlossen hatte, BWL zu studieren. »Aber Ilja«, sagte sie verwirrt, »so einfühlsam wie du mit den Kindern umgegangen bist, musst du doch etwas mit Menschen machen.« Als Geschäftsführer für Karstadt, Wertheim und IKEA war ich vor allem deshalb erfolgreich, weil ich immer meine Mitarbeiter an die erste Stelle setzte. Weil ich an den unterschiedlichsten Standorten Teams an meiner Seite hatte, die für mich durchs Feuer gegangen wären. Und auch in meiner Tätigkeit als Unternehmercoach und Keynote Speaker liegt der Schwerpunkt meiner Arbeit nie auf Prozessen, Theorien oder Modellen, sondern immer auf dem einzelnen Menschen mit seiner individuellen Persönlichkeit. Weil ich von einer Tatsache fest überzeugt bin:

Das Leben ist ein Spiegel. Wir bekommen nicht, was wir wollen. Wir bekommen das Ergebnis der Persönlichkeit, die wir sind.

Und genau aus diesem Grund lautet der Titel dieses Buchs auch Radikal menschlich. Weil in Zeiten der immer intensiver werdenden Digitalisierung sämtlicher Lebensbereiche die Rückbesinnung auf persönliche Beziehungen, auf Teamspirit und den einzelnen Menschen mit all seinen Stärken und Schwächen der wichtigste Erfolgsfaktor der Zukunft sein wird. Und auch wenn es für mich bereits das neunte Buch ist, so ist es für mich ein ganz besonderes. Und möglicherweise ist dieses Buch »mein einer Schuss«. Es ist nämlich nicht am Reißbrett entstanden, sondern das Thema hat mich auf eine fast schon spirituelle Art und Weise gefunden. Im Laufe der letzten zwei Jahre wurde ich für unzählige Podcasts, Magazine und andere Medien interviewt. Und sehr häufig bekam ich am Ende eine Frage gestellt: »Ilja, welchen wichtigen Tipp möchtest du den Menschen noch mitteilen?« Und jedes Mal habe ich, ohne auch nur einen Augenblick zu überlegen, wie folgt geantwortet:

»Wachsen Sie als Mensch und investieren Sie in sich selbst. In Ihr Wissen, Ihre Fähigkeiten und Ihre Expertise. Die nächsten Jahre werden von massiven Veränderungen, zunehmender Komplexität und einer generellen Unsicherheit geprägt sein. Der einzige Faktor, den Sie von vorne bis hinten selbst beeinflussen können, ist Ihre individuelle Persönlichkeit. Entwickeln Sie diese weiter, und Sie können voller Zuversicht und Selbstvertrauen Richtung Zukunft blicken, weil Sie ein inneres Urvertrauen verspüren werden, immer über die nötige Flexibilität im Denken und im Handeln zu verfügen, egal, was um Sie herum passieren mag.«

Dies ist das Destillat meines Studiums des menschlichen Verhaltens sowie der damit einhergehenden Erfahrungen aus den letzten 12 Jahren. Radikal menschlich vertieft die einzelnen Aspekte und geht auf die daraus folgenden Schritte detailliert ein. Denn der Erfolgsfaktor Mensch wird in den kommenden Jahren darüber bestimmen, wer zu den Gewinnern und wer zu den Verlierern gehört. Nur wer die individuelle Persönlichkeit mit all ihren Stärken und Schwächen in den Mittelpunkt sämtlicher Anstrengungen stellt, der wird in der Lage sein, in den von Unsicherheit, Disruption und zunehmender Komplexität geprägten Märkten von morgen erfolgreich zu sein. Dies gilt für unsere Gesellschaft, die Wirtschaft – und ganz besonders für Sie persönlich. Und falls Sie auf der Suche nach Klarheit bezüglich Ihrer konkreten Lebensaufgabe sind, dann würde ich mir nichts sehnlicher wünschen, als dass dieses Buch Ihr Zeichen ist, das Ihnen jene erwünschte Klarheit bringt.

Es ist mir ein absolutes Herzensbedürfnis, Sie für Ihren individuellen Weg zu inspirieren und bei der Umsetzung der ersten Schritte mit den bestmöglichen Impulsen, Ideen und Tools zu versorgen. In der täglichen Arbeit mit meinen Kunden erlebe ich nämlich immer intensiver, wie reif die Zeit ist, radikale Menschlichkeit in unsere Kommunikation, unseren Umgang miteinander und in die aktive Zukunftsgestaltung der nächsten Jahre einziehen zu lassen. Es ist an der Zeit, die alten, auf Tschakka Tschakka, »Schneller, höher und weiter« und auf Druck basierenden Motivationsmethoden zu entsorgen. Wichtiger ist es, dass wir uns endlich über die wirklich entscheidenden Dinge unterhalten: über den Sinn, die Werte und die inneren Motive als Ursprung unserer beruflichen Exzellenz und persönlichen Erfüllung.

Würden Sie mir zustimmen, dass der Großteil der Menschen einfach keine Lust mehr auf sinnlose Tätigkeiten, stupide Arbeitsabläufe und frustrierende Jobs hat? Ein Beruf muss heute ganz einfach mehr bieten als nur die Garantie, so die monatliche Miete, die Leasingrate für das Auto und den alljährlichen Mallorca-Urlaub finanzieren zu können (sorry für dieses Ballermann-Klischee, liebes Mallorca, du weißt, wie sehr ich die Insel abseits der Touristenpfade liebe).

Gleichzeitig stellen auch immer mehr Unternehmen fest, wie wichtig der Sinn für die Unternehmenskultur geworden ist. Die Zeiten sind schon lange vorbei, in denen man vor allem auf der Suche nach fleißigen Arbeitsbienen war, die – ohne viel nachzudenken – ihre Arbeit erledigt haben, ihren Gehaltsscheck abgeholt haben und dann wieder nach Hause gefahren sind. Nein, in einem wirtschaftlichen Umfeld, in dem es viel mehr Arbeitsplätze als motivierte und hochqualifizierte Leute gibt, legen Personalverantwortliche mit Weitblick auf ganz andere Aspekte Wert: auf Identifikation mit dem Unternehmen, auf gemeinsame Werte und auf das Gefühl, mit dem eigenen Handeln einen sinnvollen Beitrag zur gesellschaftlichen Entwicklung zu leisten.

Was, das klingt Ihnen zu utopisch? Ich gebe es zu, das Pflänzchen dieses Trends ist noch sehr zart, und die Realität sieht vielerorts noch immer so aus wie in den 1970er-Jahren. Aber ich habe es mir auf die Fahnen geschrieben, diesen Zustand zu ändern. Und weil Unternehmen sich nun mal nur verändern, wenn die Menschen sich verändern, lautet meine zentrale Botschaft:

Der wichtigste Erfolgsfaktor der Zukunft wird radikale Menschlichkeit sein.

Ich könnte es niemals so gut formulieren wie der ehemalige amerikanische Präsident Barack Obama: »Veränderung geschieht nicht, indem wir auf andere Menschen oder eine andere Zeit warten. Wir sind diejenigen, auf die wir gewartet haben. Wir sind die Veränderung, nach der wir suchen.« Beim Lesen dieser Worte bin ich versucht, laut zu applaudieren. Die Welt und die Art, wie wir leben, lieben und arbeiten, mag sich dramatisch verändern, aber Sie können sich immer auf Ihre Persönlichkeit mit all ihren Facetten verlassen.

Lassen Sie es mich daher noch einmal wiederholen: In Zeiten, die von Unsicherheit, Wandel und Veränderung geprägt sind, gibt es eine Konstante, auf die Sie immer bauen können, und das sind Sie selbst. Egal, was in den nächsten Jahren auch passieren wird – und glauben Sie mir, es wird einiges passieren –, Sie werden sich immer auf Ihre Fähigkeiten, Ihre Erfahrungen und Ihr Wissen verlassen können. Je mehr die Zukunft von technischen Veränderungen, disruptiven Entwicklungen und digitaler Komplexität geprägt sein wird, desto entscheidender wird der Erfolgsfaktor Mensch. Im Business, in der Gesellschaft und auch im ganz privaten Umfeld. Nichts wird daher auch nur annähernd so wichtig sein wie die Investition in Weiterbildung, die Arbeit an Ihrer Persönlichkeit und permanentes Wachstum. Auf diese Weise gewinnen Sie in unsicheren Zeiten eine nie dagewesene Sicherheit, einfach weil Sie um Ihre Flexibilität im Denken und Handeln wissen.

Klingt das gut? Dann möchte ich Ihnen gern einen Ausblick geben, was Sie in diesem Buch erwartet. Um Ihnen das Lesen so angenehm wie möglich zu machen, habe ich mich bei der Entwicklung der Struktur an einem meiner wichtigsten Wahlsprüche orientiert, den Sie möglicherweise als den roten Faden meiner Arbeit wiedererkennen:

Wenn das WARUM groß genug ist, dann folgen das WIE und das WAS von ganz allein.1

Aus diesem Zusammenhang habe ich die drei großen Ms der Motivation hergeleitet:

Die drei großen Ms der Motivation sind: Motiv. Menschen. Machen.

Das Motiv, die Menschen und das Machen. Denn genau dies sind die wichtigsten Komponenten, wenn es darum geht, mental oder körperlich von A nach B zu gelangen. Was lag da näher, als auch Radikal menschlich in genau diese drei Teile zu gliedern. Zu Beginn wollen wir hemmungslos spinnen, querdenken und philosophieren, um uns dann mit wichtigen Modellen, wirkungsvollen Methoden und der Kraft eines echten Teams zu beschäftigen, bevor wir zu sehr konkreten Umsetzungsstrategien gelangen.

In Teil 1 – DAS MOTIV – geht es darum, warum wir tun, was wir tun, und was uns dabei konkret antreibt. Ich präsentiere Ihnen mutige Ideen, mit denen ich Sie herausfordern möchte, Ihre gewohnten Bahnen zu verlassen und neu über das nachzudenken, welches Ihre wichtigsten Motive sind und wie Veränderung nachhaltig funktioniert. Sie erfahren, warum Sie ab sofort nichts mehr tun sollten, ohne Ihre bedingungslosen Grundprinzipien zu kennen. Ich stelle Ihnen mein Modell der Kernbedürfnisse vor und lade Sie ein, den Change-Diamanten kennenzulernen. Auf diese Weise werden Sie verstehen, warum manchen Menschen scheinbar alles gelingt, während andere schon an der kleinsten Herausforderung scheitern.

Im zweiten Teil – DIE MENSCHEN – schauen wir uns gemeinsam an, warum niemand allein gewinnt, weshalb Ihr Inner Circle ein entscheidender Erfolgsfaktor ist und wie Sie diesen bestmöglich aufstellen. Ich verrate Ihnen, warum bereits heute Mitarbeiterorientierung wichtiger ist als Kundenorientierung, warum die Welt mehr Batteriewechsler braucht. Zudem möchte ich Sie gern zu einer gepflegten Motivationsrevolution anstiften.

Im dritten und letzten Teil – DAS MACHEN – dreht sich dann alles um konkrete Tools, Werkzeuge und Umsetzungspläne. Mit der Smells-Like-Teen-Spirit-Methode, der 7-Sekunden-Regel und der Kunst des kritischen Denkens stelle ich Ihnen die besten Methoden vor, um ins Handeln zu kommen, erfolgreich mit Rückschlägen umzugehen und nachhaltige Veränderungen umsetzen zu können. Vor allem aber kümmern wir uns um die wichtigste Frage von allen: Was bedeutet Erfolg für Sie und wie schaffen Sie es, diesen auch zu erreichen? Darauf aufbauend schließen wir mit meinem Modell der Wachstumstreppe, welches Ihnen auf dem Weg in die Zukunft hoffentlich treue Dienste leisten wird.

Um Ihnen das Strukturieren und Umsetzen der Inhalte so einfach wie möglich zu machen, fasse ich für Sie am Ende eines jeden Kapitels die fünf wichtigsten Ideen noch einmal in Form eines Macher-Memos zusammen. Mein großer Wunsch ist es, dass Sie nach der Lektüre dieses Buchs ein Gesamtpaket an Ideen, Strategien und konkreten Werkzeugen zur Verfügung haben, um nachhaltig einen Unterschied zu machen. In Ihrem Unternehmen, in Ihrem Team oder zu Hause in der Familie. Doch gestatten Sie mir noch einen kurzen Hinweis: Ich erhebe mit diesem Buch nicht den Anspruch, die alleinige Wahrheit gefunden zu haben (Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass viele Kritiker wesentlich dogmatischer sind als diejenigen, die von ihnen kritisiert werden?). Ich behaupte auch nicht, dass meine Ideen das Allheilmittel für jeden einzelnen Menschen auf dieser Welt wären. Nichts liegt mir ferner. Ganz im Gegenteil, wahrscheinlich bin ich selbst mein größter Kritiker und durchleuchte meine eigenen Gedanken daher besonders gründlich. Aber ich weiß eben auch, dass die in diesem Buch vorgestellten Methoden überdurchschnittliche Resultate zur Folge haben. Tausende Menschen haben sie bereits genutzt, um ein selbstbestimmtes Leben zu führen, ihr Unternehmen für die Zukunft aufzustellen oder um im Team erfolgreich zu sein – schauen Sie sich gern die Referenzliste auf meiner Homepage an.

Und darum bin ich der festen Überzeugung, dass die Konzepte dieses Buchs auch für Sie, liebe Leserinnen und Leser, sehr wertvoll sein können. Weil es schon lange nicht mehr selbstverständlich ist, möchte ich ein Alleinstellungsmerkmal gern deutlich hervorheben: Ich habe die Ideen und Inhalte dieses Buchs nicht irgendwo kopiert oder abgeschrieben, sondern sie basieren auf meinen unzähligen Erfahrungen der letzten 15 Jahre. In dieser Zeit habe ich in so gut wie jeder Branche mit Unternehmen jeglicher Größenordnung und Menschen verschiedenster Couleur gearbeitet. Und neben aller Unterschiedlichkeit gab es auch immer wieder frappierende Gemeinsamkeiten. Diese Erkenntnisse habe ich mit intensiver Recherche und wissenschaftlichen Hintergründen kombiniert und zu einem Destillat verarbeitet, welches ich Ihnen nun gern vorstellen möchte.

Dabei möchte ich Sie von Anfang an dazu ermutigen, jede meiner Ideen kritisch zu hinterfragen, sie auf den Prüfstand zu stellen und in Ihrem Alltag auszuprobieren. Und wenn ich Sie mit meinem Ansatz begeistern kann, dann wäre es das absolut Größte, wenn Sie die Idee radikaler Menschlichkeit als Botschafter hinaus in die Welt tragen würden, damit wir gemeinsam einen noch größeren Unterschied machen. In meinem Imagevideo sage ich ganz am Ende einen Satz, den ich Ihnen auch in diesem Buch zurufen möchte:2

»Lassen Sie uns gemeinsam die Welt verändern. Ich mach es einfach. Sie auch?«

Nichts auf der Welt würde mein Herz mehr mit Freude füllen.

Auf geht’s, wir haben viele mutige Ideen und ein ganzes Buch vor uns. Ein Buch für alle, die mehr vom Leben erwarten als Rechnungen zu zahlen, jeden Tag in ein graues Büro zu fahren und einen Job zu erledigen, der mehr frustriert als erfüllt. Ich bin bis in die Haarspitzen motiviert und freue mich darauf, gemeinsam mit Ihnen einen Unterschied zu machen. Die Zeit von Unzufriedenheit, Belanglosigkeit und Pessimismus ist vorbei.

Die Welt ist reif für mehr Sinn.

Für starke Werte.

Für den Erfolgsfaktor Mensch in Zeiten der immer intensiver werdenden Veränderung.

Für radikale Menschlichkeit.

Wollen wir loslegen? Ich bin sehr dankbar, dass Sie mir Ihr kostbarstes Gut, Ihre Zeit, schenken.

Herzlichst,

Ihr Ilja Grzeskowitz

Berlin, Lissabon und Sylt, 2017

1. Der Change Loop

»Out past the cornfields where the woods got heavy.

Out in the back seat of my ’60 Chevy.

Workin’ on mysteries without any clues.

Workin’ on our night moves.«

Bob Seeger, »Night Moves«

Die wohl schwerste Situation meiner beruflichen Karriere hatte ich im Jahr 2004 zu meistern. Viele meiner Kollegen sprachen damals von einem Himmelfahrtskommando, meine Vorgesetzten von einer super Chance, mir meine Sporen zu verdienen. Die Aufgabe war so einfach wie herausfordernd. Ich sollte als Projektleiter das ehemals erfolgreichste Kaufhaus Berlins, das altehrwürdige Hertie in der Neuköllner Karl-Marx-Straße, zu einem Schnäppchen-Center umwandeln, in dem das Unternehmen die Altware aus dem gesamten Bundesgebiet vermarkten wollte. In modernem Deutsch würde man wohl heute »Outlet Center« dazu sagen. Es war der allerletzte Versuch, den Standort zu retten. Anfang der 1990er-Jahre arbeiteten in dem über 40 000 Quadratmeter großen Kaufhaus noch 1200 Mitarbeiter, die Umsätze gingen direkt nach der Maueröffnung durch die Decke. Doch im Laufe der Jahre erlebte nicht nur Neukölln einen wirtschaftlichen Niedergang, sondern auch das Hertie-Kaufhaus.

So kam es, dass an meinem ersten Tag gerade noch 120 Mitarbeiter verzweifelt versuchten, die Umsatzeinbrüche aufzuhalten, die seit Langem bei über 20 Prozent pro Jahr lagen. Es war allerdings ein hoffnungsloser Kampf, denn der Niedergang war bereits zu weit fortgeschritten. Ganze Abteilungen waren seit Längerem geschlossen und es verirrten sich immer weniger Kunden in das Warenhaus, welches von der Atmosphäre manchmal an eine Geisterstadt erinnerte. Und nun stehe ich in einem muffigen Besprechungsraum und vor mir sitzen die verbliebenen sechs Abteilungsleiter, die mich mit ängstlichen Augen anblicken. Der amtierende Geschäftsführer steht nur wenige Wochen vor seiner Pensionierung und macht bei meiner Vorstellung keinen Hehl aus seiner Meinung: »Meine Damen und Herren, darf ich Ihnen Herrn Grzeskowitz vorstellen. Er ist hier, um unserem Kaufhaus den Todesstoß zu versetzen und es zu einem Schnäppchen-Center zu machen. Ich halte diese Entscheidung für völlig falsch, aber die jungen Leute denken ja immer, sie wissen alles besser.«

Rumms. Können Sie sich vorstellen, wie ich mich gefühlt habe? Obwohl ich nur der Überbringer des neuen Konzepts war, bekam ich die gesamte Wut und aufgestaute Hoffnungslosigkeit der versammelten Menschen zu spüren. So gut es ging lenkte ich den Fokus auf die sich bietenden Chancen, stellte meine Ideen zur Rettung des Standorts vor und versuchte, die Herzen meiner zukünftigen Mitarbeiter zu erreichen. Es folgte eine hitzige Diskussion, die von vielen Fragen und Zwischenrufen geprägt war.

Doch es war ein einzelner Satz, der sich mir bis heute ins Gedächtnis eingebrannt hat. Herr Leopold (der Name ist geändert), der Abteilungsleiter aus der zweiten Etage (Zuständigkeiten für einzelne Abteilungen wie in anderen Häusern gab es schon lange nicht mehr), stand auf, blickte mir direkt in die Augen und sagte dann: »Aber verstehen Sie es denn nicht, Herr Grzeskowitz? Wir können diese neuen Ideen hier nicht gebrauchen, weil dann unser Kaufhaus stirbt. Aber wir wollen nicht sterben. Wir wollen leben!«

Es war ein Satz, der mich traf wie ein Blitz. Und er zeigt das große Dilemma, welches Veränderungen mit sich bringen. Herr Leopold traf diese Aussage nämlich zum einem Zeitpunkt, als der Patient Hertie Neukölln seit Jahren auf der Intensivstation lag und de facto bereits klinisch tot war. Und dennoch sträubten sich die beteiligten Menschen gegen sämtliche Alternativen wie der Teufel gegen das Weihwasser. Man wollte, dass alles so blieb, wie es war, nur die Resultate sollten besser werden. Und diese Haltung war tragisch, denn auch wenn niemand damals sagen konnte, ob der Kurswechsel den Standort noch retten konnte, so sprachen die aktuellen Umsätze, Deckungsbeiträge und Prognosen doch eine sehr eindeutige Sprache: Mit den Strategien der Vergangenheit würde man den Untergang maximal noch um ein paar Monate hinauszögern. Es gab also nur zwei Möglichkeiten: Sich auf die Veränderung einlassen. Oder sterben.

Change or die. In Zeiten des immer intensiver voranschreitenden Wandels können wir uns entweder verändern – oder wir werden sterben.

Und genau dort liegt das große Dilemma. Mich beschleicht nämlich immer häufiger das Gefühl, dass viele Menschen veränderungsmüde geworden sind. Weil die Taktung der Neuerungen so stark zugenommen hat und sich mancher damit einfach überfordert fühlt. Weil das Wort »neu« gerade im Unternehmenskontext häufig mit schlankeren Strukturen, Personalabbau und Einschränkungen des persönlichen Arbeitsplatzes verbunden wird. Weil alles, was »neu« ist, gern als eine Bedrohung der eigenen Komfortzone betrachtet wird. Weil »neu« sehr häufig eine Emotion erzeugt, die der größte Feind der Innovation ist: Angst. Und das ist schade, denn Angst lähmt, verlangsamt die eigene Entwicklung und führt über kurz oder lang zum Stillstand.

Wir müssen die Veränderungsangst durch Veränderungslust ersetzen.

Ich habe mir es daher seit Jahren auf die Fahne geschrieben, dieser Neo-Phobie den Kampf anzusagen. Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, Lust auf Veränderung zu machen und den Fokus auf die riesigen Chancen zu lenken, die sich im Wandel verbergen. Denn wenn Sie Ihre Träume leben, Ziele erreichen und auch morgen noch erfolgreich sein wollen, dann ist es unumgänglich, bereits heute die notwendigen Veränderungen vorzunehmen. Dafür gilt es, einen radikalen Paradigmenwechsel vorzunehmen. Was ich damit meine? Werfen Sie bitte einen Blick auf die folgende Grafik.

Die Changekurve


Sie haben es sicher gleich erkannt, es handelt sich um die klassische Veränderungskurve, die in den 1960er-Jahren von Elisabeth Kübler-Ross entwickelt wurde3. Wie Sie an der Jahreszahl erkennen können, handelt es sich um ein Modell, das seit vielen Jahren in Seminaren, Personalschulungen und Trainings gelehrt wird. Und es wird auch heute noch als eines der Standardtools im Changemanagement verwendet. Selbst hochrangige Unternehmensberatungen setzen die Changekurve immer noch als ein Modell ein, welches Führungskräfte dabei unterstützen soll, Veränderungsprozesse gemeinsam mit ihren Teams zu managen. Doch die Changekurve hat ein großes Problem. Sie ist ganz einfach nicht mehr zeitgemäß, denn das Modell wurde in zwei wichtigen Punkten von der Realität eingeholt. Zum einen basiert es auf der Vorannahme, dass Veränderung immer eine Reaktion auf externe Ereignisse wäre, was heute einfach nicht mehr stimmt. Wir können es uns heutzutage schlicht und einfach nicht mehr erlauben, nur noch reaktiv zu handeln, sondern müssen die Zukunft aktiv gestalten. Die zweite obsolete Annahme ist diejenige, dass Veränderungen immer einen Anfang und ein Ende haben würden. Dies mag in der Vergangenheit gestimmt haben. Da gab es einen Normalzustand, alle paar Jahre eine Veränderung, und dann hatte man mit der neuen Normalität wieder für eine gewisse Zeit seine Ruhe. Kurt Lewin hat dies in seinem 3-Phasen-Modell als »Auftauen, Bewegen und Einfrieren« bezeichnet Doch diese Zeiten sind längst vorbei, denn wir haben es mit Rahmenbedingungen zu tun, die es schon lange nicht mehr zulassen, einen Veränderungsprozess über mehrere Jahre laufen zu lassen. Stattdessen ist Change ein permanenter Dauerzustand geworden, der immer schneller und intensiver Einzug in unseren Alltag hält.

Aus diesem Grund habe ich ein eigenes Modell entwickelt, welches diese Faktoren einbezieht und den Herausforderungen der nächsten Jahre gerecht wird. Ich nenne es den Change Loop. Ich hätte gern einen deutschen Begriff gewählt, mir ist aber nichts eingefallen, was der Bedeutung des Wortes Loop nahe gekommen wäre. Schleife trifft es einfach nicht richtig. Ich setze das Modell sowohl in der Einzelarbeit mit Unternehmern, Managern und Führungskräften, aber auch in der Begleitung von Teams und Organisationen ein. Es funktioniert sowohl auf der individuellen Ebene der Persönlichkeit als auch im Vorantreiben von unternehmerischen Veränderungen. Wie bei jedem Loop gibt es weder einen Anfang noch ein Ende, und jeder Teil spielt eine gleich wichtige Rolle. Lassen Sie uns daher einen Blick auf die einzelnen Faktoren des Change Loops werfen, bevor ich Ihnen meine drei wichtigsten Prognosen für die Zukunft vorstelle.

Der Change Loop


Bewusstheit

Weil dieser Punkt so wichtig ist, werden wir im Abschnitt »Achtsamkeit, Baby!« noch sehr intensiv darauf eingehen. Für den Moment soll der Hinweis genügen, dass ein bewusster Umgang mit dem eigenen Denken, Handeln und Wirken unumgänglich für erfolgreiche Veränderung ist. Aber Hand aufs Herz: Wie bewusst sind Sie sich der zunehmenden Komplexität um Sie herum, Ihrer Kommunikation, Ihrer Wirkung auf andere Menschen, Ihrer Rolle in Ihrem Unternehmen, Ihres Zufriedenheitsgrades im Alltag und Ihres Grades an Verantwortung, die Sie zu übernehmen bereit sind? Das ist ein Fragenkomplex, über den es sich lohnt, ein wenig länger nachzudenken.

Antrieb

Der Wandel ist heute intensiver, schneller und unberechenbarer als noch vor wenigen Jahren. Dies führt bei vielen Menschen zu einer gewissen Resignation, weil sie einfach keine Lust mehr haben, immer wieder von vorne beginnen und sich tagein, tagaus an die neuen Rahmenbedingungen anpassen zu müssen. Wenn Sie angesichts dieser Rahmenbedingungen über keine nachhaltige und intrinsische Motivation verfügen, werden Sie auf Dauer nicht erfolgreich sein. Wie Sie diesen Antrieb entdecken bzw. entwickeln können, darauf werden wir ebenfalls sehr intensiv in diesem Buch eingehen.

Strategie

Wir sind bei einem extrem wichtigen Erfolgsfaktor erfolgreicher Veränderungen angelangt. Es reicht nicht, nur mit dem Status quo unzufrieden zu sein und zu wissen, was Sie nicht (mehr) wollen. Dies mag zwar kurzfristig eine hohe Motivation erzeugen. Denn Unzufriedenheit ist immer ein guter Indikator, dass es Zeit für eine Veränderung ist. Aber langfristig brauchen Sie ganz einfach etwas, worauf Sie sich hinbewegen, etwas, womit Sie alte Muster ersetzen können. Und Sie brauchen Neues, mit dem Sie das entstehende Vakuum füllen können. Ohne konkrete Ziele, Meilensteine und schlussendlich eine von allen Beteiligten getragene Strategie wird jede Art von Veränderung schwierig. Weil Sie dann nämlich auf die Alternative vertrauen, und die ist nun einmal der Zufall. Je besser Sie wissen, was Sie wollen, mit welchen Methoden Sie dahin kommen wollen und warum Sie das überhaupt vorhaben, desto erfolgreicher werden Ihre Change-projekte.

Handeln

Es mag Ihnen etwas komisch vorkommen, dass ich den Schritt des Umsetzens mit in den Change Loop aufgenommen habe, schließlich sollte das doch etwas Selbstverständliches sein, nicht wahr? Ist es aber in der Praxis nicht. Wenn ich für jede Ankündigung, die nicht umgesetzt wurde, nur einen Cent erhalten hätte, dann wäre ich heute mehrfacher Multi-Milliardär. Nein, eine ausgeprägte Umsetzungskompetenz ist beileibe kein Selbstgänger. Und weil sie für erfolgreiche Veränderung einfach unabdingbar ist, hat sie einen prominenten Platz in meinem Modell erhalten. Ich werde Sie im dritten Abschnitt dieses Buchs mit vielen praktischen Tipps, Tricks und Tools ausstatten, mit denen Sie Ihre Macher-Mentalität entweder entwickeln oder weiter ausbauen können.

Ein hoher Grad an Bewusstheit, ein kraftvoller Antrieb, eine nachhaltige Strategie und eine ausgeprägte Umsetzungskompetenz: Das sind die vier entscheidenden Faktoren für erfolgreiche Veränderungen in Zeiten zunehmender Unsicherheit. Sie verstärken einander, und Sie können leider keinen Schritt auslassen, nur weil er Ihnen möglicherweise zu mühsam ist. Auch ist die Nutzung des Change Loops keine einmalige Sache, Sie müssen immer wieder von Neuem ansetzen und beginnen. Der entscheidende Punkt bei diesem Modell ist Ihnen wahrscheinlich schon längst aufgefallen. Sämtliche vier Faktoren sind weder von der Konjunktur noch von den äußeren Umständen noch von anderen Menschen abhängig.

Sie allein haben zu 100 Prozent Einfluss auf Ihre Bewusstheit, Ihren Antrieb, Ihre Strategie und Ihr Handeln.

Und weil das so ist, lautet der Untertitel dieses Buchs auch: Erfolgsfaktor Persönlichkeit in Zeiten der Veränderung. Basierend auf dieser Erkenntnis, möchte ich Ihnen meine drei wichtigsten Change-Thesen vorstellen:

Change-These Nummer 1: Wir stehen erst am Anfang von Veränderungen, welche die Art, wie wir leben, arbeiten, lieben, essen oder wohnen, dramatisch verändern werden.

Change-These Nummer 2: Die demografische Entwicklung, disruptive Technologien wie künstliche Intelligenz oder Robotik sowie die Digitalisierung sämtlicher Lebensbereiche werden nicht nur die Arbeitswelt, sondern unsere gesamte Gesellschaft kräftig durchschütteln.

Change-These Nummer 3: Der wichtigste Erfolgsfaktor der Zukunft wird der Mensch sein, weil keine künstliche Intelligenz, kein Roboter und auch keine Software jemals Dinge wie persönliche Beziehungen, Empathie oder Teamspirit ersetzen können. Dies hat natürlich Auswirkungen für jeden von uns. Es bedarf einer maximalen Verantwortungs- und Veränderungsbereitschaft, einer Neuausrichtung der Prioritäten sowie eines ganz neuen und wertschätzenden Miteinanders.

Der Change Loop mit seinen vier Komponenten wird zum wichtigsten Werkzeug der nächsten Jahre – für Sie als Unternehmer, als Familienmensch und als Changemaker. Lassen Sie uns also etwas genauer hinschauen.

Change or die

Ob wir es nun gut finden oder nicht: Das Jahr 2018 – und auch die Folgejahre – steht unter einem eindeutigen Motto: Change or die! Verändern oder sterben. Dies gilt sowohl für Unternehmen, Marken und Organisationen als auch ganz besonders für uns persönlich. Denn auch, wenn niemand genau weiß, wie die Zukunft aussehen wird, eines ist so sicher wie das Amen in der Kirche: Wir müssen uns bereits heute verändern, um auch morgen noch erfolgreich zu sein. Oder etwas drastischer formuliert: Wer jetzt nicht auf den Zug der Veränderung aufspringt, der wird in Zukunft keine Rolle mehr spielen, weil er einsam am verlassenen Bahnsteig stehen gelassen wurde. Rüttelt diese Aussage an den Grenzen Ihrer Komfortzone? Gut, denn in den nächsten 15 Jahren wird sich unser Alltag massiv verändern. Die Art und Weise, wie wir leben, lieben, wohnen, essen, Freundschaften pflegen, einkaufen, konsumieren, lernen, arbeiten und sogar sterben, wird sich dramatisch von dem unterscheiden, was wir heute kennen.

Doch was erwartet uns in der Zukunft? Werden unsere Autos von allein fahren? Werden unsere intelligenten Kühlschränke von sich aus feststellen, wann die Butter alle ist und automatisch eine Bestellung im Onlineshop unseres Vertrauens auslösen? Werden wir uns in naher Zukunft von Nudeln aus dem 3-D-Drucker ernähren? Die Chancen stehen gut, denn technisch ist das alles längst umsetzbar. Aus meiner Sicht werden insbesondere die folgenden Trends unser Leben in den nächsten Jahren gewaltig verändern:

Der persönliche Umgang mit Change und Wandel wird die Schlüsselkompetenz der Zukunft sein.

Die rasant zunehmende Verbreitung von Breitband-Internet sorgt dafür, dass die Welt immer weiter zusammenrückt.

Immer mehr Wissen wird in der Cloud gespeichert. Noch nie war der Zugriff auf Know-how, Informationen und How-to-Anleitungen so einfach wie heute. Ein wahrer Innovations-Booster.4

Smartphones werden zur Organisationszentrale für unser komplettes Leben: Licht, Tanken, Konzertbesuch, Blutdruckmessung oder Zimmerschlüssel in Hotels – für alles wird es eine App geben.

Roboter und automatisierte Prozesse werden Tätigkeiten übernehmen, die heute noch wie selbstverständlich von Menschen erledigt werden. Das kann sogar Herzoperationen betreffen, die von Robotern viel präziser durchgeführt werden als vom Chefarzt. Denken Sie vor allem an Präzisionsarbeiten, Beratungsgespräche oder Fließbandtätigkeiten. Die Folge: Millionen von Arbeitsplätzen werden in der Zukunft obsolet, dafür entsteht eine mindestens genau so hohe Zahl an neuen Jobs, und zwar mit hoher Wahrscheinlichkeit in Branchen, die es heute noch gar nicht gibt.

Unser Konsumverhalten wird sich mehr und mehr an individuelle Bedürfnisse anpassen. On-Demand-Services werden in allen Lebensbereichen Einzug halten. In Zukunft wollen wir bestimmen, wann, wo und vor allem wie wir etwas sehen, konsumieren oder kaufen.

Augmented Reality – also die computergestützte Erweiterung unserer Realitätswahrnehmung – wird die Art, wie wir einkaufen, daten, Sex haben, Produkte präsentieren und Urlaub machen, revolutionieren.

Künstliche Intelligenz wird immer intelligenter. Schon heute sind Bots in der Lage, erfolgreich an der Börse zu traden und andere Bots zu trainieren. Und es gibt Instagram-Algorithmen, die anhand Ihrer geposteten Bilder Ihre Suizidgefährdung besser prognostizieren können als ein menschlicher Experte je dazu in der Lage wäre.

Dies sind nur einige Beispiele, es gibt noch eine ganze Menge weiterer spannender Zukunftsszenarien. Welche Entwicklungen auch immer auf uns warten, das digitale Zeitalter wird für den größten gesellschaftlichen Wandel seit der industriellen Revolution sorgen. Weil die technische Entwicklung schon lange nicht mehr linear, sondern exponentiell verläuft. Nehmen Sie nur das beliebteste Smartphone der Welt, das I-Phone von Apple. Es ist erst knapp zehn Jahre her, seit Steve Jobs in einer legendären Keynote die erste Version dieses revolutionären Telefons präsentiert hat. Heute sind wir bereits bei Version Nummer acht (bzw. zehn, dem I-Phone X), aber ich behaupte, dass wir uns immer noch ganz am Anfang der technischen Möglichkeiten befinden.

Trotzdem verhält sich ein Großteil der Gesellschaft so, als ob diese Entwicklungen überhaupt nicht existent wären. Die Bürgerämter unserer Städte verehren nach wie vor den Formulargott in Papierform, in vielen Unternehmen wird die Digitalisierung nach wie vor konsequent ignoriert, und unsere Kinder werden mit Methoden von vorgestern auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereitet. Ein Beispiel gefällig? Gern. Im Kindergarten meiner jüngsten Tochter Elisabeth wurde vor einiger Zeit mit großem Tamtam ein Lerncomputer für die Kinder angeschafft. Dieser hatte noch einen Röhrenmonitor und war so voluminös, dass extra ein Computerraum eingerichtet werden musste. Natürlich waren die Erzieherinnen nicht in der Lage, das neumodische Gerät zu bedienen. Das war aber auch gar nicht nötig, denn die kleinen Knirpse gehören zu einer Generation, die schon in jungen Jahren mit I-Pads, Smartphones und Laptops aufwächst. Kein Wunder also, dass der kleine Theo voller Überzeugung verkündete: »Frau Löll, auf dieses olle Ding haben wir keine Lust. Aber wenn Sie wollen, bringe ich gern am Montag das MacBook Pro von meiner Mutter mit.«

Ein Einzelfall? Mag sein, aber ich habe immer öfter das Gefühl, dass die Vorbereitung unserer Kinder auf die Zukunft komplett an der Realität vorbei organisiert wird. Meine älteste Tochter Emma ist gerade in die siebte Klasse gekommen. Und Sie können davon ausgehen, dass sie später einmal einen Beruf ausüben wird, den es heute noch gar nicht gibt. Weil eben auch der Arbeitsmarkt durch die Digitalisierung, die demografische Entwicklung und die globale Vernetzung komplett durcheinander gewürfelt wird. Millionen von Berufen werden in der Zukunft von der Bildfläche verschwinden, dafür wird eine mindestens genauso große Zahl neuer Jobs entstehen. Und wie reagieren die Schulen darauf? Innovation ist nicht vorhanden, stattdessen herrscht Stillstand.5 Letztens war ich in meiner Heimatstadt Lübeck anlässlich einer Veranstaltung in meinem alten Gymnasium zu Besuch. Und obwohl ich im Jahr 1994 mein Abitur gemacht habe, sah es dort exakt noch so aus wie vor fünfundzwanzig Jahren. Selbst einer meiner damaligen Lehrer trug immer noch den gleichen beigefarbenen Pullover mit Zopfmuster wie zu meiner Schulzeit. Und ich habe den berechtigten Verdacht, dass es sogar derselbe sein dürfte. – Ich gebe es zu, ich bin ein Sprachfetischist.

Alles verändert sich, nichts bleibt gleich. Change or die!

Wenn ich Emma heute in ihrem Klassenzimmer besuche, dann habe ich das Gefühl, in der Zeit zurückgereist zu sein. Das Mobiliar ist noch aus den 1980er-Jahren, geschrieben wird immer noch mit Kreide auf einer Tafel (und das im Zeitalter von Tablets, Whiteboards und Wissen in der Cloud), und der Lehrplan bereitet die Schüler auf eine längst obsolete Karriereplanung vor: Abitur, Lehre / Studium, Arbeitsstelle in einem einzigen Unternehmen und dann mit 65 Jahren ab in die Rente. Doch diese Zeiten und die entsprechenden Lebensentwürfe sind längst vorbei. Heute folgen die High Potentials den lukrativen Jobangeboten rund um den Globus, ganze Imperien werden vom heimischen Wohnzimmer aus gesteuert und der Großteil der Menschen hat überhaupt keine Lust, mit Mitte Sechzig zum alten Eisen abgeschoben zu werden.

Alles verändert sich, nichts bleibt gleich. Und nur damit wir uns richtig verstehen: Wir reden hier nicht von Utopia, sondern all diese Entwicklungen sind schon lange Realität. Im Jahr 2015 habe ich einen Vortrag beim Software Unternehmen Tobit in Ahaus gehalten. Dort hat der Firmengründer und Visionär Tobias Groten mitten auf dem platten Land einen Technologie-Campus erschaffen, der seinesgleichen sucht. Alles ist Hightech, es gibt einen firmeneigenen Beachclub und sogar eine Diskothek. Teil des Campus ist auch ein Hotel, welches Gästen und Mitarbeitern gleichsam zur Verfügung steht. Als ich vor Ort ankam, suchte ich verzweifelt nach der Rezeption. Bis mich eine Mitarbeiterin auf meinen Irrtum hinwies: »Das läuft alles über unsere App.« Und tatsächlich, nachdem ich die Software auf mein I-Phone geladen hatte, legte ich über mein Facebook-Profil einen Account an. Sofort erkannte die App, dass für mich die Suite Nummer 7 reserviert war. Einen Schlüssel gab es nicht. Dafür einen Button in der App: »Tür öffnen«. Nachdem ich diesen gedrückt hatte, öffnete sich die Zimmertür wie von Zauberhand. Ich kam mir vor wie in einer Folge von Star Trek. Im Zimmer selbst fungierte dann mein I-Phone als Schaltzentrale, über die sich alles steuern ließ. Und wenn ich »alles« sage, dann meine ich auch alles: Licht, Vorhänge, Musik, Fernsehen (Verzeihung, natürlich war es Internet-TV als Streaming Service), die Dusche und sogar der Zimmerservice.

Es war wirklich ein mehr als beeindruckendes Erlebnis. Nach dem Check-out (selbstverständlich wieder per App) spürte ich, dass ich gerade die Zukunft erlebt hatte. Und gleichzeitig fragte ich mich, ob die traditionelle Hotellerie wohl bereits auf diese Entwicklungen vorbereitet ist oder in ein paar Jahren davon überrollt werden wird. Denn solche Beispiele werden Sie für jede Branche finden. Auch für Ihre. Die Gesellschaft, die Firmen und auch Ihr persönlicher Arbeitsplatz werden von der digitalen Revolution betroffen sein. Wir werden mit Problemen konfrontiert sein, die wir uns heute noch gar nicht richtig vorstellen können. Und gleichzeitig verbergen sich in diesen Herausforderungen auch riesige Chancen, die nur darauf warten, von uns erkannt und genutzt zu werden.

Beim Frühstück in der Tobit-Mitarbeiterlounge hatte ich dann die Gelegenheit, mit einem Mitglied der Geschäftsführung über die innovativen Ideen des Unternehmens zu sprechen. Und eine Aussage hat mich am meisten beeindruckt: »Weißt du, Ilja, wir haben uns die Entwicklung nicht ausgesucht, aber wir versuchen, ihr immer einen Schritt voraus zu sein. Wir schauen ganz einfach, welche Probleme sich ergeben, und dann arbeiten wir mit Hochdruck an einer passenden Lösung. Denn wenn wir es nicht tun, dann tut es jemand anders.« Genau das ist die Mentalität, die den entscheidenden Unterschied macht.

Achtsamkeit, Baby!

»You don’t know what you don’t know.« Du weißt nicht, was du nicht weißt. Dieses Zitat stammt von dem amerikanischen Sprachwissenschaftler Noam Chomsky6 und bringt das zentrale Element dieses Abschnitts perfekt auf den Punkt: Wir nehmen nur einen kleinen Teil der Realität bewusst wahr, weil sich die große Masse unserer Gedanken, Entscheidungen und Handlungen auf unbewusster Ebene abspielt. Als grobe Hausnummer können Sie davon ausgehen, dass der bewusste Verstand zwischen fünf und neun Informationen gleichzeitig verarbeiten kann. Die Kapazität des Unterbewusstseins ist hingegen unendlich.7 Dies ist auf der einen Seite sehr praktisch, weil uns die dadurch entstehenden Automatismen den Alltag sehr erleichtern. Wenn wir einmal gelernt haben, wie man Fahrrad fährt, dass eine Herdplatte verdammt heiß sein kann oder dass man eine Tür öffnet, indem man die Klinke herunterdrückt, dann läuft das entsprechende Programm im Unterbewusstsein wieder und wieder ab, ohne dass es von uns einer bewussten Steuerung bedarf. Je älter wir werden, desto mehr bestimmen diese Gewohnheiten unser Leben. Viele davon sind auch gut und überaus nützlich. Doch ebenso haben wir im Laufe der Zeit eine riesige Anzahl von unbewussten Denkmustern, Entscheidungsstrategien und Verhaltensweisen gelernt, die eine negative Wirkung haben, uns von unseren Zielen abhalten und uns sogar schaden können.

Und schon sind wir beim großen Dilemma. Denn wie wollen Sie etwas verändern, verbessern oder weiterentwickeln, das Ihnen überhaupt nicht bewusst ist, weil es sich um automatisierte Prozesse in Ihrem Unterbewusstsein handelt? Okay, das war natürlich eine rhetorische Frage, denn es ist schlichtweg unmöglich. Wir kommen daher zu einem der wichtigsten Sätze dieses Buchs. Er kommt sehr unscheinbar daher, hat aber – wenn Sie ihn wirklich in seinem vollen Ausmaß verinnerlichen – das Potenzial, Ihr Leben dramatisch zu verbessern. Habe ich den Spannungsbogen genug aufgebaut? Sehr schön, dann kommt er nun, der alles entscheidende Satz:

Sie können nur das verändern, was Ihnen bewusst ist!

Klingt einfach und logisch, oder? Aber wenn Sie davon ausgehen, dass 99 Prozent Ihrer Gedanken, Strategien und Verhaltensweisen unbewusst ablaufen, dann steckt eine Menge Dynamit in dieser Aussage. Denn Hand aufs Herz, wie sehr führen Sie ein Leben im Autopilotmodus? Wie häufig tun Sie Dinge nur, weil Sie es schon immer so getan haben, weil es normal ist oder weil alle es tun? Wie sehr funktionieren Sie eigentlich nur noch, anstatt mit einem hohen Grad an Bewusstheit Ihren Job zu erledigen, Ihren Alltag zu gestalten und mit den Menschen in Ihrem Umfeld zu kommunizieren? Das Leben wird erst dann so richtig intensiv, wenn Sie es mit allen fünf Sinnen aufsaugen und sich dem jeweiligen Moment voll und ganz hingeben.

Doch wie sieht die Realität aus? Menschen hetzen von einem Meeting zum nächsten, spielen mit ihren Kindern, während sie nebenbei »mal schnell« die wichtige Präsentation für den Chef vorbereiten, und sind während der täglichen U-Bahn-Fahrt so in das Spielen von Candy Crush auf dem Smartphone vertieft, dass sie es nicht mal mitbekommen würden, wenn die Mitreisenden um sie herum alle nackt wären. Ich habe immer häufiger den Eindruck, dass der Alltag so hektisch geworden ist, dass kaum noch Zeit für bewusste Kommunikation, echtes Interesse am Gegenüber und den hohen Anspruch an die eigenen Resultate bleibt. Und wenn man sich doch einmal auf eine Aufgabe fokussiert, dann ist man gedanklich schon wieder in der nächsten Telko, beim Kunden von morgen oder dem wöchentlichen Meeting, auf das man sich schon wieder nicht rechtzeitig vorbereitet hat. Kommt Ihnen bekannt vor, nicht wahr?

Nur wenn wir ganz achtsam unsere äußere und innere Realität wahrnehmen, gelingt es uns, die unzähligen Automatismen, Gewohnheiten und Strategien aus dem Unterbewusstsein an die bewusste Oberfläche zu befördern, um sie dann entsprechend zu verändern. Das größte Geschenk, das Sie sich selbst machen können, ist, den Autopilot auszuschalten und das Leben bei den Hörnern zu packen. Vor einigen Jahren habe ich von meinem britischen Kollegen Nigel Risner einen Satz gehört, der Ihnen dabei als gedanklicher Leuchtturm dienen kann: »Wenn du im Raum bist, dann sei im Raum.« Im Original heißt es: »If you’re in the room, be in the room.« Ja, es lohnt sich, diesen Satz mehrmals zu lesen und ihn auf sich wirken zu lassen. Es reicht nicht, nur körperlich im Raum zu sein, wir müssen es auch mental sein. Nicht nur ein wenig, sondern ganz. Zu 100 Prozent.

Der Schlüssel, um dem Teufelskreis aus Belanglosigkeit, Unzufriedenheit und Mittelmaß zu entkommen, heißt Bewusstheit.

Je achtsamer Sie sich auf eine Situation einlassen, desto selbstbestimmter werden Sie. Weil Sie plötzlich Dinge wahrnehmen, die sonst im Sauseschritt an Ihnen vorbeigerauscht wären. Machen Sie ruhig die Probe aufs Exempel und stellen sich ganz bewusst die folgenden Fragen:

Wie sieht meine Einstellung aus?

Nach welchen Kriterien treffe ich meine Entscheidungen?

Warum tue ich, was ich tue?

Wie wirke ich auf meine Mitmenschen und woran merke ich dies?

Woran erkenne ich, dass ich glücklich und zufrieden bin?

Wie kommuniziere ich mit meinen Mitarbeitern und Kunden?

Wer denkt meine Gedanken?

Welche Trigger lösen bei mir immer wieder das gleiche Verhalten aus?

Erinnern Sie sich so häufig wie möglich daran: Sie können nur das verändern, was Ihnen bewusst ist! Das gilt für Ihre Kommunikation, Ihre Gewohnheiten, Ihre Entscheidungen, Ihre internen Strategien und besonders für Ihr Verhalten. Ich würde mir daher nichts sehnlicher wünschen, als ein entschiedenes »Au Ja«8 zur Achtsamkeit. Treffen Sie die Entscheidung, ab sofort nur noch ganz bewusst durchs Leben zu gehen und besonders auf die vermeintlichen Kleinigkeiten zu achten. Ihre alltäglichen Automatismen kritisch zu hinterfragen und mutig in den Spiegel zu blicken. Das Leben mit allen Sinnen zu genießen. Je mehr die Bewusstheit Einzug in Ihren Alltag erhält, desto mehr werden Sie wissen, was Sie alles nicht wissen. Aber Sie können die Entscheidung treffen, dies zu ändern. Als Persönlichkeit zu wachsen, sich weiterzuentwickeln und besser zu werden. Ein selbstbestimmtes und zufriedenes Leben zu führen, anstatt nur zu funktionieren. Schließen möchte ich diesen Abschnitt daher mit den berühmten Worten von Hermann Hesse: »Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben.« Genießen Sie den Beginn einer neuen Ära. Der Ära der Achtsamkeit.

Bleib Du selbst, um Dich zu verändern

»Be yourself, no matter what they say!« Ich weiß nicht, ob mein damaliger Chef den wunderbaren Song »Englishman in New York« von Sting im Ohr hatte, als er mir den wohl wichtigsten Rat meiner Karriere gab: »Ilja, was auch immer du in der Zukunft tun wirst, das Wichtigste ist, dass du dich traust, du selbst zu sein.« Ich werde es wohl nie vergessen. Ich nickte damals zustimmend und dachte mir: »Na klar, wer soll ich denn bitteschön sonst sein?« Und trotzdem habe ich mich in den folgenden Jahren an so ziemlich allem und jedem orientiert, nur nicht an meinen innersten Bedürfnissen, Werten und Prinzipien. Weil diese Prozesse unbewusst abliefen, konnte ich sie auch erst verändern, als ich achtsamer mit mir umging.

Aus Angst vor Ablehnung und dem Drang nach Anerkennung habe ich die unterschiedlichsten Masken getragen und immer wieder versucht, es so vielen Menschen wie möglich recht zu machen. Ich muss wohl nicht erwähnen, dass ich mich dadurch immer weiter von mir selbst entfernt habe. Dabei ist die eigene Persönlichkeit der wichtigste Faktor für erfolgreiche Veränderung. Nur wer sich an seinen innersten Bedürfnissen orientiert, der kann auch in seinem Verhalten maximal flexibel sein. Oder noch deutlicher ausgedrückt: Eine einzigartige und stabile Persönlichkeit ist in Zeiten von komplexem und intensivem Wandel der beste Kompass, den Sie sich wünschen können. Wir müssen wir selbst bleiben, um uns verändern zu können.

Bleiben Sie Sie selbst, um sich verändern zu können.

Es lohnt sich also, einen genaueren Blick auf dieses wunderbare Konstrukt namens Persönlichkeit zu werfen. Denn wenn wir wissen, wie wir wirklich ticken, dann verstehen wir auch unser Verhalten und unsere grundsätzlichen Strategien im Leben viel besser. Dadurch wird jede Form von Kommunikation einfacher, was uns wiederum dabei hilft, in sämtlichen Lebensbereichen erfolgreicher zu sein. Doch ist es wirklich möglich, in Menschen hineinzublicken und herauszufinden, was ihre innersten Bedürfnisse sind? Die Antwort hierauf ist ein eindeutiges Ja. Dies gelingt aber nur, wenn Sie wissen, worauf Sie achten müssen. Denn unser äußeres Verhalten ist immer ein Spiegel unserer tiefsten Motive. Dieser Zusammenhang ist mir vor vielen Jahren zum ersten Mal so richtig bewusst geworden, als ich Tony Robbins in einem Ted Talk von den Six Human Needs sprechen hörte.9 Sofort war ich von dem Ansatz fasziniert und kombinierte die Grundidee mit weiteren Philosophien und Denkschulen, etwa der Maslow’schen Bedürfnispyramide, den Satir-Kategorien, dem DISG-Modell und weiteren Ansätzen der Persönlichkeitsanalyse. Herausgekommen ist nach vielen Jahren intensiven Studiums mein eigenes Modell der Kernbedürfnisse, welches mir seither als bevorzugtes Werkzeug dient, wenn ich mit Unternehmern an Veränderungen arbeite.

Das Modell der Kernbedürfnisse

Die grundlegende Idee hinter den Kernbedürfnissen ist folgende: Jeder Mensch wird von den gleichen Grundbedürfnissen angetrieben. Vier davon basieren auf Mangel. Sind diese erfüllt, dann gibt es noch zwei weitere, die persönliches Wachstum als Antrieb haben. Bevor wir uns die einzelnen Motive etwas genauer anschauen, möchte ich Ihnen zuerst das komplette Modell vorstellen, welches ich in der folgenden Abbildung zusammengefasst habe.

Das Modell der Kernbedürfnisse


Schauen wir uns nun die Kernbedürfnisse im Einzelnen an:

1.Kernbedürfnis Freiheit: Einer unserer stärksten inneren Antreiber ist die Freiheit. Wir alle brauchen Abwechslung in unserem Leben und genießen das Gefühl von Unabhängigkeit, Überraschungen und neuen Reizen. Typische Merkmale sind: Sprunghaftigkeit, regelmäßiger Job- oder Partnerwechsel, sich nicht festlegen wollen, Experimentierfreude und Umsetzungskompetenz. Das Kernbedürfnis in einem Satz lautet: Niemand schreibt mir vor, was ich zu tun oder zu lassen habe.

2.Kernbedürfnis Sicherheit: Genauso intensiv ist unser Sicherheitsbedürfnis, das Streben nach Kontinuität, Stabilität und Beständigkeit, mit dem wir Ruhe, Geborgenheit und Schutz sicherstellen wollen. Typische Merkmale: Routinen, Gewohnheiten, Zögern, Zaghaftigkeit, Verlässlichkeit und Risikoaversion. Das Kernbedürfnis in einem Satz: Alles soll so bleiben, wie es ist.

3.Kernbedürfnis Individualität: Hier geht es um das starke Bedürfnis nach Anerkennung, danach Bedeutung zu erlangen und unsere Einzigartigkeit herauszustellen. Egal, ob im Job oder zu Hause: Jeder von uns will sich einmalig fühlen, wichtig sein und das Gefühl haben, einen Unterschied zu machen. Typische Merkmale: auffällige Kleidung, Extravaganz, Selbstzweifel, Kreativität, im Mittelpunkt stehen wollen, laut sein und Extravertiertheit. Das Kernbedürfnis in einem Satz: Nimm mich wahr, denn ich bin besonders.

4.Kernbedürfnis Gemeinschaft: Genauso brauchen wir aber auch die Zugehörigkeit zu anderen Menschen. Wir streben nach Gemeinsamkeiten, Verbindungen und Beziehungen und sehnen uns nach Liebe, Respekt und Zuneigung. Typische Merkmale: Unterwürfigkeit, Drang nach Harmonie, Gerechtigkeitssinn, leise sein, der Wunsch, es allen recht machen zu wollen, die Bedürfnisse anderer Menschen stehen über den eigenen. Das Kernbedürfnis in einem Satz: Was kann ich für dich tun, damit du mich liebst?

Dies sind die vier grundlegenden Kernbedürfnisse eines jeden Menschen. Ja, wirklich von jedem. Wir alle streben nach Freiheit, Sicherheit, Individualität und Gemeinschaft und versuchen die einzelnen Bedürfnisse durch unsere Verhaltensweisen sicherzustellen. Selbstverständlich laufen auch diese Prozesse automatisiert ab, sodass wir uns unserer Kernbedürfnisse selten bewusst sind. Das klingt erst einmal alles ganz logisch, nicht wahr? Doch es gibt ein paar wichtige Punkte zu beachten:

Jeder Mensch wird von allen vier Kernbedürfnissen angetrieben. Diese vier Motive versuchen wir permanent und so gut wie immer unbewusst durch unser Handeln zu befriedigen.

Die beiden Paare »Freiheit und Sicherheit« sowie »Individualität und Gemeinschaft« stehen miteinander in Konflikt. Wir können keine Freiheit genießen, ohne dafür die Sicherheit aufzugeben. Und das Gefühl von Sicherheit gibt es nur, wenn wir dafür die Freiheit opfern.

Das Gleiche gilt für das nächste Bedürfnispaar. Um individuelle Anerkennung zu genießen, müssen wir uns von der Gemeinschaft lösen. Auf Gemeinsamkeit basierende Beziehungen funktionieren hingegen nur, wenn wir auf das Merkmal der Einzigartigkeit verzichten.

Alle vier Grundbedürfnisse befinden sich hierarchisch auf derselben Stufe, und keines ist besser, wichtiger oder erstrebenswerter als die anderen.

Gleichzeitig besitzt jeder Mensch ein dominantes Kernbedürfnis, das ihn mehr antreibt als der Rest. Diese Dominanz kann dabei sehr extrem oder auch nur in Nuancen vorhanden sein.

Es ist also sehr sinnvoll, das eigene dominierende Kernbedürfnis und auch das seiner Mitmenschen zu kennen. Warum? Ganz einfach. Wenn wir wissen, welches Motiv einen Menschen am stärksten antreibt, dann können wir ihn nicht nur besser verstehen, sondern auch viel besser mit ihm umgehen und kommunizieren. Stellen Sie sich nur einmal vor, Sie haben einen Mitarbeiter, dessen dominierendes Kernbedürfnis die Sicherheit ist. Wenn Sie diesem Menschen keine festen Rahmenbedingungen setzen, dann wird er schnell unzufrieden werden. Wäre hingegen die Freiheit das wichtigste Motiv, dann wären zu viele Routinen, Vorschriften oder Regeln kontraproduktiv. Sowohl für den Job als auch den persönlichen Alltag gilt darum:

Je besser Sie verstehen, was Sie und Ihre Mitmenschen antreibt, desto einfacher erreichen Sie Ihre Ziele.

Es sollte mittlerweile keine große Überraschung mehr sein, dass auch die Kernbedürfnisse keine rationalen Motive sind, sondern auf unbewusster Ebene ihren regelmäßigen und zuverlässigen Dienst tun. Kein Wunder, sind sie doch das Resultat unserer innersten Wünsche, Werte und Träume. Trotzdem kann man sie ziemlich gut an die Oberfläche holen und dann dort – wenn gewünscht – natürlich auch verändern. Achten Sie dann sehr bewusst auf ein konkretes Verhalten – bei Ihnen selbst und auch bei anderen Menschen – und stellen Sie sich dann folgende Frage:

»Welches Kernbedürfnis ist dadurch sichergestellt?«

Sie werden erstaunt sein, wie häufig Sie ab sofort ein Schmunzeln auf den Lippen haben werden. Eine Freundin postet überdurchschnittlich oft Selfies auf Instagram? Ganz klar, dies geschieht wegen ihres Bedürfnisses nach Anerkennung. Ihr bester Freund hat schon wieder ein neues Projekt gestartet, weil ihm langweilig wurde? Die Freiheit lässt grüßen. Ihr Kollege sagt immer wieder Ja, obwohl er eigentlich Nein meint? Logisch, es ist die Angst vor der Ablehnung und das Bedürfnis nach Verbindung zu anderen Menschen. Jemand ist seit Jahren unzufrieden mit dem aktuellen Job, traut sich aber nicht, etwas Neues zu beginnen? Das Sicherheitsbedürfnis ist einfach stärker als der Wunsch nach Veränderung.

Dies sind nur vier Beispiele von tausend anderen, und ich bin mir sicher, dass Ihnen auf Anhieb noch viele weitere aus Ihrem Alltag einfallen werden. Je bewusster Sie darauf achten, desto mehr werden Sie feststellen, dass so gut wie alle Verhaltensweisen dazu dienen, die vier Kernbedürfnisse Freiheit, Sicherheit, Individualität und Gemeinschaft sicherzustellen. Diese Quadriga zeigt: Die Bedürfnisse basieren alle auf einem Mangel, den wir durch unser Verhalten auszugleichen versuchen. Gelingt uns dies dauerhaft und ist insbesondere unser dominantes Kernbedürfnis erfüllt, dann kommen die beiden Wachstumsbedürfnisse ins Spiel.

Entscheidend ist, dass Sie Ihr dominantes Kernbedürfnis erkennen und erfüllen.

Wachstumsbedürfnis 1: Die Vision

Wir Menschen sind Wesen, die wachsen müssen. Um erfüllt und zufrieden leben zu können, reicht es nicht, ein statisches Dasein zu führen, mit dem wir nur den Status quo verwalten. Und weil das so ist, streben wir danach, einen Unterschied im Leben zu machen, etwas Bedeutendes zu hinterlassen und eine riesige Delle ins Universum zu hauen. Und hier kommt das Wort Vision ins Spiel. Darunter verstehe ich ein klares, anziehendes und hoch emotionales Bild unserer eigenen Zukunft, welches uns magisch anzieht und fast schon von selbst ins Handeln kommen lässt. Unsere Lebensvision ist sehr individuell und dient uns als Nordstern für die persönliche Entwicklung und das permanente Wachstum als Mensch.

Wachstumsbedürfnis 2: Die Mission

Echte Erfüllung erfahren wir immer dann, wenn unser Streben nicht egozentriert ist, sondern andere Menschen einbezieht. Genau hier setzt die Mission ein. Auf unbewusster Ebene haben wir das tiefe Bedürfnis, etwas zurückzugeben, unseren Erfolg zu teilen und andere Menschen zu unterstützen: in Form einer Stiftung, durch soziales Engagement oder schlicht und einfach dadurch, dass wir für unsere Mitmenschen da sind. Nicht, weil wir uns davon einen Vorteil versprechen, sondern einzig und allein, weil es nichts Schöneres gibt, als in strahlende Augen zu blicken. Die Mission ist größer als wir selbst und kommt immer erst dann ins Spiel, wenn wir einen gewissen Wachstumsgrad erreicht haben.

Eine kleine Zusammenfassung

Jeder Mensch wird von sechs Kernbedürfnissen angetrieben. Vier davon basieren auf Mangel (Freiheit, Sicherheit, Individualität und Gemeinschaft, wovon eines immer das dominierende ist), den wir durch unser Verhalten zu kompensieren versuchen. Sobald wir diese vier Bedürfnisse dauerhaft sichergestellt haben, kommen die beiden Wachstumsbedürfnisse Vision und Mission ins Spiel. In der Gesamtheit beschreibt das Modell daher auch so wunderbar, warum Wachstum für uns Menschen so wichtig ist. Erst, wenn wir uns als Persönlichkeit weiterentwickeln und im zweiten Schritt etwas an andere Menschen zurückgeben, erfahren wir dieses Gefühl der Zufriedenheit, welches mit Worten so schwer zu beschreiben ist. Und genau aus diesem Grund mag ich die Kernbedürfnisse so sehr.

Nicht nur verstehen wir dadurch besser, wie wir selbst und andere ticken, sondern es erklärt auch so wunderbar, warum persönliche Entwicklung nicht nur ein Selbstzweck ist, sondern die notwendige Voraussetzung für ein auf Sinn und Erfüllung basierendes Leben.

Je mehr wir verstehen, was uns wirklich antreibt und was unser dominantes Grundbedürfnis ist, desto leichter fällt es uns, ein Leben fernab den Erwartungen anderer zu führen und unsere Zukunft selbstbestimmt zu gestalten.

Das Motto heißt Change or die. Und in einer Zeit, in der die Rahmenbedingungen immer komplexer, die technische Entwicklung schneller und die Taktung der Veränderung rasanter werden, ist unsere individuelle Persönlichkeit der einzige Faktor, auf den wir uns wirklich verlassen können. Das Beste daran: Diesen Faktor können Sie von vorn bis hinten selbst beeinflussen.

Schließen möchte ich das Kapitel daher mit den Worten von Ralph Waldo Emerson, der diese Gedanken so treffend auf den Punkt gebracht hat: »Dich zu trauen, du selbst zu sein, in einer Welt, die permanent versucht, dich zu jemand anderem zu machen, das ist die größte Leistung überhaupt.« Trauen Sie sich also. Horchen Sie auf Ihre innere Stimme und finden Sie heraus, was Sie wirklich antreibt. Denn je mehr Ihr Wirken auf dem wahren Kern Ihrer Persönlichkeit basiert, desto leichter werden Ihnen notwendige Veränderungen fallen. Und im nächsten Kapitel werden wir uns ganz genau anschauen, wie Ihnen das am besten gelingt.

MACHER-MEMO: Die fünf großen Ideen dieses Kapitels

1.Die alte Changekurve ist nicht mehr aktuell. Stattdessen sind die vier Elemente des Change Loops für erfolgreiche Veränderung von entscheidender Bedeutung: Bewusstheit. Antrieb. Strategie. Handeln.

2.Alles verändert sich, nichts bleibt gleich. In Zeiten des permanenten Wandels lautet das Motto: Change or die. Verändern oder untergehen.

3.Der persönliche Umgang mit Veränderung wird die wichtigste Schlüsselkompetenz der Zukunft sein.

4.Sie können nur das verändern, was Ihnen bewusst ist.

5.Nutzen Sie das Modell der Kernbedürfnisse, um Ihre Persönlichkeit als Erfolgsfaktor einzusetzen.

2. Was wichtig ist

»Was wichtig ist, das ist nicht, was du hast.

Nicht, ob dein Leben andern Leuten passt.

Ich bin vor keinem Traum zurückgescheut,

doch habe ich auch nichts bereut.

Was wirklich wichtig ist, weiß ich erst heut.«

Udo Jürgens, »Was wichtig ist«

Ein Frosch und ein Skorpion stehen vor einem reißenden Fluss. Weil nirgendwo eine Brücke zu sehen ist, fragt der Skorpion: »Lieber Frosch, ich kann nicht schwimmen. Würdest du mich auf deinem Rücken mit zur anderen Uferseite nehmen?« Der Frosch ist empört: »Nein, das werde ich auf keinen Fall tun. Sobald wir in der Mitte des Flusses angekommen sind, wirst du mich mit deinem Giftstachel stechen, und wir werden beide sterben.« »Aber warum sollte ich das tun?«, erwiderte der Skorpion, »wenn ich dich steche, werde auch ich ertrinken und hätte somit überhaupt keinen Vorteil davon.« Der Frosch dachte kurz darüber nach und beschloss, den Skorpion mit zum anderen Ufer zu nehmen. Der eine auf dem Rücken des anderen, machten sie sich auf den Weg. Doch als sie sich in der Mitte des Flusses befanden, stieß der Skorpion seinen Stachel in den Frosch und pumpte das tödliche Gift in den kleinen Körper hinein. Mit allerletzter Kraft fragte der Frosch: »Aber wieso? Warum hast du das getan, nun werden wir beide sterben.« Die Antwort kam prompt: »Ich bin ein Skorpion. Es liegt einfach in meiner Natur und ich kann nicht anders.« Sekunden später waren beide ertrunken.

Liebe Leserinnen und Leser, möglicherweise fragen Sie sich, warum ich das Kapitel gerade mit dieser ungewöhnlichen und gleichsam traurigen Anekdote beginne. Ganz einfach, weil wir alle dem Skorpion sehr ähnlich sind. In jedem von uns schlummern Bedürfnisse, die nur darauf warten, an die Oberfläche zu gelangen. Wir alle haben unerfüllte Träume, tief verborgene Hoffnungen und prägende Werte, die gelebt werden wollen. Doch im Gegensatz zum Skorpion aus der Fabel warten viele Menschen sehr lange auf den Moment, in dem sie sich endlich trauen, diesen Dingen den notwendigen Raum zu geben. Und bei so manchem Zeitgenossen passiert es sogar nie. Sie leben so, wie man es eben tut, orientieren sich an den Erwartungen anderer und tragen mehr oder weniger bequeme Masken. Und das ist tragisch. Extrem tragisch. Denn die Folge ist eine tiefe Unzufriedenheit, weil die inneren Bedürfnisse nicht mit den äußeren Handlungen im Einklang stehen.

Ich weiß, wovon ich spreche, denn viel zu lange habe ich ein Leben gelebt, das mich nicht glücklich machte. Ironischerweise war ich von außen betrachtet recht erfolgreich. Ich war Geschäftsführer im Einzelhandel, hatte bereits in jungen Jahren einen steilen Weg auf der Karriereleiter hinter mir und perspektivisch standen mir viele Türen offen. Es gab nur ein Problem: Ich orientierte mich an den Zielen, Standards und Werten anderer Menschen. Ich erzählte mir jeden einzelnen Tag eine Geschichte, die nicht meine war.10

Wir erzählen uns jeden Tag eine Story. Doch wer schreibt das Drehbuch?

Zwar spielte ich die Hauptrolle in dieser Story, die ich damals Leben nannte, doch das Drehbuch schrieben andere. Und das führte dazu, dass sich meine innersten Bedürfnisse, meine Träume und wichtigsten Werte immer weiter von meinen äußeren Lebensumständen entfernten. Es mag paradox klingen, aber je erfolgreicher ich äußerlich wurde, desto unzufriedener wurde ich im Inneren. Doch zum Glück habe ich noch rechtzeitig begriffen, was wirklich wichtig ist. Und wahrscheinlich erstaunt es sie nicht, dass ich damit weder Geld noch das Streben nach Besitztümern oder das Anhäufen von materiellen Statussymbolen meine. Nein, bereits der kleine Prinz wusste, dass das Wesentliche für die Augen unsichtbar ist. Doch leider brauchen wir Menschen manchmal sehr lange für diese Erkenntnis, denn sie ist immer das Resultat persönlichen Wachstums und vieler Fehler, die wir auf diesem Weg machen.

Ich kann mich noch gut an die Phase in meinem Leben erinnern, in der es mir wichtig war, nach außen etwas darzustellen. Ich sammelte Statussymbole, trug teure Klamotten und die Anerkennung anderer Menschen war für mich von hoher Bedeutung. Es war mein damaliger Weg, das Kernbedürfnis Anerkennung sicherzustellen. Doch es kam der Zeitpunkt, an dem ich begriff, was wirklich zählt. Und das war bei mir die Erkenntnis, dass ich auf dieser Welt bin, um ein Leben nach meinen Vorstellungen zu leben. Mich an meinen Träumen, Bedürfnissen und Werten zu orientieren. Nicht länger das zu verleugnen, was mir wirklich wichtig ist. Meine eigene Geschichte zu schreiben, sie von vorn bis hinten zu besitzen und andere Menschen positiv zu beeinflussen. Nennen Sie es Vision, Mission oder auch Erkenntnis, aber ich bin meinem inneren Ruf gefolgt und habe vor genau zehn Jahren die wohl wichtigste Entscheidung meines Lebens getroffen. Ich habe meinen vermeintlich sicheren Job als leitender Angestellter gekündigt und mein eigenes Unternehmen gegründet. Mit null Kunden. Null Kontakten. Und finanziellen Rücklagen für drei Monate.

Warum ich Ihnen das mitteile? Weil ich so häufig höre, dass ich es ja leicht hätte, über Veränderung und Wagnisse zu sprechen, schließlich wären meine Rahmenbedingungen ja paradiesisch gewesen. Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt liegen, denn meine damalige Entscheidung war ein Risiko. Das größte meines Lebens. Doch das innere Feuer, das so lange unterdrückt wurde, konnte endlich an der Oberfläche seine volle Kraft entfalten. Und zum allerersten Mal in meinem Leben hatte ich das Gefühl, die Geschichte, die ich jeden Tag nach außen kommunizierte, auch selbst zu besitzen. Und das bringt mich zu einer wichtigen Frage:

Wer besitzt die Story Ihres Lebens?

Sind Sie selbst Produzent, Drehbuchautor und Hauptdarsteller in einer Person oder orientieren Sie sich hauptsächlich an den Erwartungen, Zielen und Standards anderer Menschen? Ich bin mir durchaus bewusst, dass es einer Menge Mutes bedarf, sich eine ehrliche Antwort auf diese Frage zu geben. Denn viel häufiger, als wir es uns selbst eingestehen wollen, nehmen wir bestimmte Ideen, Meinungen und vermeintliche Zusammenhänge als gegeben hin, einfach, weil man uns diese Dinge oft genug erzählt und sie oft genug wiederholt hat. Hier ein paar Beispiele:

Was ist möglich und was unmöglich?

Was ist politisch korrekt und gesellschaftskonform?

Wie sieht eine ethisch korrekte Verhaltensweise aus?

Wie setzt man sich Ziele? Und welche davon sind wirklich erstrebenswert?

Wie viel ist genug?

Welche Maßstäbe gelten für Einkommen, Honorare oder Gehälter?

Was gilt als erfolgreich?

Welche Prioritäten gilt es im Leben zu setzen?

Wie wird man glücklich?

Wie sieht der perfekte Lebensentwurf aus?

Sehen Sie, was ich meine? Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass einige oder mehrere der von Ihnen wie aus der Pistole geschossenen Antworten gar nicht die Ihren sind. Weil Sie sich jeden Tag eine Story erzählen, die sich andere für Sie ausgedacht haben. Der mutige Blick in den Spiegel ist also unumgänglich, wenn Sie aus diesem bequemen Käfig ausbrechen wollen. Er ist die unbedingte Grundvoraussetzung für alles Weitere, was in diesem Buch folgt. Denn wenn Sie nicht genau wissen, was wichtig ist, wer Sie sein wollen und was Sie sich unter einem glücklichen Leben vorstellen, wer soll es denn dann sonst wissen? Aus diesem Grund lohnt sich der mutige Blick in den Spiegel. Denn es ist besser, eine unbequeme Erkenntnis zu akzeptieren, als ein Leben zu führen, das von Gleichgültigkeit, Mittelmaß und Frustration geprägt ist. Ich möchte Sie daher inspirieren, ja Ihnen mit lauter Stimme zurufen:

Besitzen Sie Ihre eigene Geschichte. Beginnen Sie, ein Leben mit Bedeutung zu führen. Machen Sie einen Unterschied.

Woran erkennen Sie, dass Sie Ihre Geschichte besitzen? Ganz einfach: Wenn Ihre innersten Bedürfnisse, Motive und Werte mit Ihrem äußeren Handeln im Einklang sind. Um sich diesem wundervollen Zustand zu nähern, möchte ich Ihnen gern einige Fragen stellen, die Ihnen dabei helfen werden:

Zehn kraftvolle Fragen, um die Story zu besitzen, die Sie sich jeden Tag erzählen

1. Wer wollen Sie sein?

2. Was wollen Sie tun?

3. Welche Werte treiben Sie an?

4. Wovon träumen Sie?

5. Welche Prinzipien sind für Sie nicht verhandelbar?

6. Welche Menschen wollen Sie um sich haben?

7. Wofür sind Sie auf dieser Welt angetreten?

8. Welchen Unterschied wollen Sie machen?

9. Was ist für Sie wirklich wichtig?

10. Wie passt das alles zu der Story, die Sie sich und anderen erzählen?

Fangen Sie an, herauszufinden, was Sie glücklich macht und was wirklich wichtig ist. Und zwar für Sie, nicht für jemand anderen. Möglicherweise werden Sie dafür etwas Zeit benötigen, aber dieser Prozess ist unumgänglich, wenn Sie ein von Selbstbestimmung und persönlicher Freiheit geprägtes Leben führen wollen, in dem Sie Ihre wichtigsten inneren Bedürfnisse sowohl in Ihrem Job als auch im Alltag durch Ihre Handlungen nach außen tragen. Warum? Weil persönliche Entwicklung die Grundvoraussetzung für jede Form von Erfolg ist. Oder noch knapper formuliert:

Nur wenn Sie als Persönlichkeit wachsen, können Sie auch ein besserer Chef, Elternteil, Mitarbeiter, Kollege, Verkäufer, Manager oder Unternehmer werden.

Und es spielt überhaupt keine Rolle, wie genau Sie sich Ihre ganz persönliche Zukunft vorstellen. Alles beginnt mit einer der wichtigsten Fragen: Was ist Ihnen wirklich wichtig?

Um Ihnen die Beantwortung etwas zu erleichtern, möchte ich Ihnen ein Konzept vorstellen, welches das Potenzial hat, Ihre Lebensqualität dramatisch zu erhöhen. Ich spreche vom persönlichen Freiheitsplan.

Der persönliche Freiheitsplan

Gegen Ende meines BWL-Studiums verbrachte ich kaum noch Zeit im Hörsaal (zum Glück hatten wir jedoch ein ausgetüfteltes System, um bei den Pflichtveranstaltungen trotzdem immer in den Anwesenheitslisten zu stehen). Kein Wunder, denn zum einen waren die vermittelten Inhalte nicht wirklich spannend. Zum anderen hatte ich als Student extrem interessante Jobs. Neben Dolmetschertätigkeiten für ein texanisches Bauunternehmen, der Betreuung von nigerianischen Firmen, die in Mecklenburg-Vorpommern Kiesgruben besichtigten, und einer coolen Aufgabe als Business Development Manager für ein Softwareunternehmen arbeitete ich auch als Entwickler von Businessplänen für junge Gründer. Davon gab es zu Zeiten der »New Economy« reichlich, jeder wollte ein Stück vom gerade entstehenden Internetkuchen abhaben. Es faszinierte mich schon damals, wie detailliert ein potenzieller Unternehmer seine berufliche Zukunft kalkulieren und für die kommenden Jahre einen detaillierten Plan ausarbeiten muss. Nicht immer verläuft die berufliche Entwicklung dann exakt nach diesen Prognosen, doch je besser man vorbereitet ist, desto höher sind die Chancen auf eine erfolgreiche Zukunft. Schaut man sich jedoch an, wie die meisten Menschen ihr Leben planen, dann kommt man schnell zu einer ernüchternden Erkenntnis: gar nicht! Das »Wie, wo und mit wem?« ist meistens das Ergebnis einer Kette von Zufällen, die sich im Laufe der Zeit eben so ergeben haben. Man ist zwar nicht wirklich zufrieden oder gar glücklich, aber es ist halt, wie es ist. Und darum arrangiert man sich mit dem ungeliebten Status quo und wird in stillen Stunden melancholisch, wenn man an all die Träume denkt, die man als junger Mensch einmal hatte.

Es bricht mir immer wieder das Herz, wenn ich beobachte, wie detailliert manche Zeitgenossen den Pauschalurlaub am Ballermann, den Kauf eines neuen 3-D-Fernsehers oder die Auswärtsfahrten der kommenden Bundesligasaison planen, aber ihr eigenes Leben passiv dem Zufall überlassen. Ich möchte Sie daher gern ermutigen, Ihr Glück und Ihre Zufriedenheit aktiv zu gestalten, die Zukunft bei den Hörnern zu packen und Ihren persönlichen Freiheitsplan zu entwickeln. Die Formel hierzu lautet wie folgt:

LP + BP = PFP

Lebensplan + Businessplan = Persönlicher Freiheitsplan

Die Kombination aus Ihrem Traumleben in Kombination mit dem dazu passenden Job führt schlussendlich zu einer persönlichen Freiheit, welche die Grundlage für echte Erfüllung bildet. »Aber Ilja, sagst du nicht immer, dass sich ein zufriedenes Leben nicht am Reißbrett planen lässt?« Ja, das ist schon richtig, schließlich hat schon John Lennon gesagt: »Leben ist das, was passiert, während wir damit beschäftigt sind, Pläne zu schmieden.« Trotzdem sollten wir unsere Zukunft so aktiv wie möglich nach unseren Vorstellungen und innersten Bedürfnissen gestalten und uns daran orientieren, was uns wirklich wichtig ist. Mit möglichen Krisen, Schicksalsschlägen und anderen externen Faktoren sollten wir uns dann beschäftigen, wenn sie passieren. Und zwar immer im Bewusstsein, dass wir eine Lösung finden werden. Denn wie sähe die Alternative aus? Das können Sie tagein, tagaus in Ihrem persönlichen Umfeld beobachten. Ist es nicht so? Wie viele Menschen kennen Sie, die sich an den Erwartungen anderer Menschen orientieren, einen frustrierenden Job haben und insgesamt ein sehr tristes Dasein fristen?

Beginnen Sie noch heute mit der Entwicklung Ihres persönlichen Freiheitsplans.

Bei der Entwicklung Ihres persönlichen Freiheitsplans ist die Reihenfolge entscheidend. Zuerst kommt die Frage »Wie stelle ich mir mein optimales Leben vor?«, und dann kommt die dazu passende berufliche Entwicklung. Die Realität sieht leider in 99 Prozent der Fälle genau umgekehrt aus. Man entscheidet sich irgendwann, oft auch zufällig, für einen bestimmten Beruf, das Leben passt sich dann im Laufe der Jahre an diesen an. Auch ich bin mehr zufällig als mit einer bewussten Entscheidung in meine Karriere als Warenhausgeschäftsführer hineingeschlittert. Und mit der beruflichen Aufgabe kam der entsprechende Lebensstil: alle ein bis zwei Jahre eine neue Filiale, eine neue Stadt und ein neues soziales Umfeld. Das bedeutete jedes Mal einen kompletten Neubeginn und brachte die nagende Unsicherheit mit sich, nie zu wissen, wo genau ich in der Zukunft tätig sein würde. Mein Arbeits- und Wohnort hing komplett von den Launen und Entscheidungen meiner jeweiligen Vorgesetzten ab. Und da schon damals die Selbstbestimmung einer meiner wichtigsten Werte war, führte dieser Umstand zu einer immer stärker werdenden inneren Frustration. Als ich noch jung und Single war, machte mir dieser Lifestyle sogar Spaß, aber spätestens mit der Geburt meiner ersten Tochter spürte ich immer intensiver, dass ich mir mein Leben so nicht vorgestellt hatte.

Mit jedem Tag, der verging, fühlte ich mich immer mehr als Opfer. Als Opfer der äußeren Umstände. Als Opfer meiner launischen Chefs. Und in Situationen, in denen alles gegen mich zu laufen schien, manchmal sogar als Opfer des ganzen Universums. Wie so häufig, rettete mich das Leben selbst. Denn eines Tages sagte ein befreundeter Unternehmer einen Satz zu mir, der sich in meine Hirnrinde einbrannte und einen inneren Schalter umlegte. Er ist so wichtig, dass ich ihn besonders explizit hervorheben möchte:

»Du bist nicht das Opfer des Universums, du bist das Universum!«

Selbst heute bekomme ich immer noch Gänsehaut, wenn ich die Worte auf mich wirken lasse. Sobald wir begreifen, dass nur wir selbst und niemand anderes für die erfüllende Gestaltung unserer Zukunft verantwortlich sind, passieren auf einmal faszinierende Dinge. Denn wenn Sie den Schalter umlegen und die Opferhaltung durch eine aktive Gestaltermentalität ersetzen, geht die Post so richtig ab. Doch ich ahne, dass Ihnen gerade eine Variante des folgenden Einwands durch den Kopf geht: »Aber Ilja, ich bin doch nur eine einfache Außendienstmitarbeiterin / Verkäuferin / Abteilungsleiterin, was soll ich da schon groß ändern können?« Glauben Sie mir, ich verstehe diesen Gedanken nur zu gut, ich habe ihn selbst Hunderte Male gedacht und danach meine Träume wieder in der vermeintlich sicheren Schublade verstaut. Und doch können Sie unabhängig von Ihrer jetzigen Situation jederzeit sagen: »Stopp. Bis hierhin und nicht weiter. Ab sofort führe ich ein Leben, das meine innersten Bedürfnisse auch im Außen widerspiegelt.« Alles, was es dazu bedarf, ist eine Entscheidung, denn Sie sind kein Opfer des Universums, Sie sind das Universum.

Wofür entscheiden Sie sich? Stellen Sie sich vor, ich würde wie Morpheus aus dem Film Die Matrix vor Ihnen sitzen und Ihnen zwei Pillen anbieten. Wählen Sie die blaue, dann bleibt alles so, wie es ist. Sie bleiben betäubt und glauben, was Sie glauben sollen. Sie funktionieren wie eine fleißige Ameise, fahren jeden Tag in Ihr Büro und die Wochenenden und Urlaube gehören zu den wenigen Highlights im sonst eher grauen Alltag. Oder wählen Sie die rote Pille? Dann machen Sie sich bereit für eine rasante Achterbahnfahrt durch den Kaninchenbau, den wir Leben nennen. Genau wie Morpheus will ich Ihnen weder eine rosarote Brille aufsetzen noch Ihnen irgendwelche unseriösen Versprechungen machen. Alles, was ich Ihnen zu bieten habe, ist die Schönheit der Chancen, die nur darauf warten, von Ihnen genutzt zu werden.

Die folgenden drei Schritte werden Sie in die Lage versetzen, ein selbstbestimmtes und von persönlicher Freiheit geprägtes Leben zu führen.

Schritt 1: Definieren Sie Ihren Lebensplan

Alles beginnt mit Ihrer großen, anziehenden Vision vom Leben. Wie soll Ihr Alltag aussehen? Mit welchen Menschen wollen Sie an welchem Ort leben? Finden Sie heraus, was wirklich wichtig ist, und bauen Sie dann alles andere um diese Vision herum auf. Gleichzeitig weiß ich, dass dies die Frage ist, die mir am häufigsten nach meinen Vorträgen und Events gestellt wird: »Ilja, ich spüre, dass es Zeit für eine Veränderung ist, aber wie finde ich denn meine ganz persönliche Vision?« Und ich gebe zu, dass dies nicht ganz einfach ist, denn eine Vision können Sie weder planen noch bei Edeka kaufen und auch nicht von anderen Menschen kopieren. Stattdessen ist sie das direkte Resultat persönlicher Entwicklung. Je mehr Sie als Mensch wachsen, desto mehr werden Sie eine innere Klarheit verspüren und das wahrnehmen, was zählt und was Sie wirklich glücklich macht. Wenn Sie es mit Ihrer Vision wirklich ernst meinen, dann möchte ich Sie gern zu einer kleinen Übung einladen. Sie ist ganz einfach: Beantworten Sie die folgenden Fragen. Machen Sie das aber unbedingt schriftlich und hören Sie auf den ersten Impuls, der Ihnen in den Sinn kommt. Suchen Sie bitte nicht nach rationalen Begründungen, gesellschaftskonformen Formulierungen und bewerten Sie auch nicht. Wonach wir suchen, sind die unbewussten Bedürfnisse, die immer dann zu Ihnen sprechen, wenn Sie einen spontanen Impuls verspüren. Diese Bedürfnisse schreiben Sie bitte auf. Und dann beantworten Sie die Fragen morgen wieder. Und übermorgen wieder. Für die nächsten dreißig Tage. Sie werden überrascht sein, wie Ihre Klarheit in dieser Zeit zu wachsen beginnt. Um Ihnen die Sache einfacher zu machen, habe ich für Sie die Fragen in vier Themenblöcke unterteilt:

Themenblock 1: Persönliche Visionsfragen

Was wünsche ich mir am allermeisten?

Was würde ich unternehmen, wenn ich ausreichend Zeit, Mittel und Ressourcen zur Verfügung hätte?

Was würde ich niemals tun, egal, was man mir dafür bieten würde?

Was will ich in meinem Leben noch erreichen?

Was werde ich tun, das auch nach meinem Leben noch Fortbestand hat?

Welche Werte spielen in meinem Leben eine entscheidende Rolle?

Was würde ich machen, wenn ich die Garantie hätte, dass ich erfolgreich bin?

Was ist es, wofür ich anderen Menschen in Erinnerung bleiben möchte?

Was sollen andere Menschen niemals über mich sagen?

Themenblock 2: Finanzielle Visionsfragen

Wenn Geld keine Rolle spielen würde, was würde ich dann mit meinem Leben anfangen?

Wie viel Geld müsste ich verdienen, um die Sicherheit zu haben, die ich brauche?

Wie viel Geld müsste ich verdienen, um echte Entscheidungen treffen zu können?

Wie viel Geld müsste ich verdienen, um echte finanzielle Freiheit zu haben?

Themenblock 3: Berufliche Visionsfragen

Was würde ich tun, ohne dafür Geld zu verlangen?

Was kann ich besser als alle anderen?

Welche besonderen Talente und Fähigkeiten habe ich?

Was tue ich regelmäßig, was eine komplette Verschwendung meiner Talente und Fähigkeiten ist?

In welchen Bereichen halten mich andere für besser, als ich selbst es tue?

Was lässt meine Augen strahlen?

Bei welchen Tätigkeiten vergesse ich gern mal die Zeit?

Themenblock 4: Lifestyle-Visionsfragen

Wie sieht der Alltag aus, den ich mir erträume?

Was langweilt mich? Was macht mich glücklich?

Was gibt mir Energie?

Was frustriert mich und macht mich unglücklich?

An welchen Orten blühe ich richtig auf?

Welche Menschen inspirieren mich?

Wenn ich wüsste, dass ich nicht scheitern kann, was würde ich tun?

Wenn ich für eine einzige Sache bekannt und geschätzt sein könnte: Was wäre diese Sache?

Seien Sie bei der Beantwortung bitte schonungslos ehrlich zu sich selbst. Ich garantiere Ihnen, dass Sie Ihrer persönlichen Lebensvision einen großen Schritt näherkommen werden. Die Übung hat nämlich einen einzigen Zweck: dass Sie sich mit Ihren innersten Bedürfnissen auseinandersetzen. Und ich meine nicht die, die Sie so gern anderen Menschen erzählen, weil Sie das Gefühl haben, dass Sie dadurch beliebter werden. Nein, ich spreche von denjenigen, die tief in Ihnen schlummern und nur darauf warten, endlich von Ihnen gelebt zu werden. Und genau diese Motive, Wünsche und Träume sollten das Fundament Ihres persönlichen Lebensplanes bilden, um den herum Sie dann Ihre berufliche Zukunft aufbauen.

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