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Hernán Cortés (1485-1547)

kam als Sohn armer spanischer Adeliger zur Welt. Schon früh war er fasziniert von den Entdeckungsreisen des Christoph Kolumbus. Nachdem er sein Studium in Salamanca abgebrochen hatte, arbeitete er kurzfristig als Jurist, bis er schließlich in den Kriegsdienst eintrat und seiner Berufung als Soldat und Eroberer folgte.

Hermann Homann

ist Autor und Herausgeber zahlreicher Bücher aus dem Gebiet der Reiseliteratur. In der Edition Erdmann editierte er die Originaldokumente zum Fall der Meuterei auf der Bounty.

Zum Buch

Dass die Geschichte zuweilen einem Blutbad gleicht, kann man sich exemplarisch anhand der Aufzeichnungen des Konquistadoren Hernán Cortés vor Augen führen. Zweifellos ein fähiger Feldherr, war ihm und seinem Gefolge bei der Eroberung des aztekischen Großreiches mehr als nur ein Quäntchen Glück beschieden: Die Prophezeiung des einheimischen Kalenders gibt den Spanier als Nachfolger der ,Weißen Gottheit’ aus und veranlasst den Aztekenkönig Moctezuma ihm ohne große Gegenwehr den Einzug in die Reichshauptstadt Tenochtitlán zu gewähren. Hier genießen die Eroberer die aztekische Gastfreundschaft, doch dauert es nicht lange, bis die Lage eskaliert: Die Spanier setzen Moctezuma gefangen und lassen ihn als Marionette weiterregieren. Als die stolzen Eingeborenen schließlich aufbegehren und ihr König im Handgemenge den Tod findet, entfesseln sie die spanische Kriegsmaschinerie und es dauert zwei qualvolle Jahre, bis die Hauptstadt endgültig fällt.

Wie auch immer die Nachwelt über die Taten von Hernán Cortés urteilen mag, seine beeindruckende Tapferkeit und seine machiavellistische Intelligenz machen den Spanier ohne Zweifel zu einem der größten Eroberer der Weltgeschichte. Cortés‘ Berichte von den Eroberungsfeldzügen in Mexiko bemänteln seine mitunter äußerst brutalen Unterjochungsmanöver nicht ohne Grund, der Wahrheitsgehalt einiger Passagen wurde durch die Forschung mittlerweile stark in Frage gestellt, und so kommen in dieser Ausgabe auch andere Augenzeugen zu Wort – etwa in den Gegendarstellungen des legendären spanischen Chronisten Bernal Díaz del Castillo, der ein Weggefährte von Cortés war.

Trotz ihrer beschönigenden Einseitigkeit gehören die Schilderungen des vielleicht bedeutendsten Konquistadors der spanischen Krone wegen der unmittelbaren und detaillierten Beschreibung des Aztekenreiches zu den faszinierendsten Werken der Entdeckungsliteratur.

DIE 100 BEDEUTENDSTEN ENTDECKER


Hernán Cortés (Nach einem Gemälde im Hospital der Unbefleckten Empfängnis in Mexiko)

Hernán Cortés
Die Eroberung
Mexikos

Eigenhändige Berichte an Kaiser Karl V.

1520 – 1524

Neu herausgegeben und bearbeitet

von Hermann Homann

Mit 26 zeitgenössischen

Darstellungen und einer Karte


Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über https://dnb.d-nb.de abrufbar.

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Alle Rechte vorbehalten

Copyright © by marixverlag GmbH, Wiesbaden 2013

Der Text basiert auf der Ausgabe Edition Erdmann, Wiesbaden 2012

Lektorat: Stefanie Evita Schaefer, marixverlag GmbH

Korrekturen: David Zettler, marixverlag GmbH

Covergestaltung: Nicole Ehlers, marixverlag GmbH

nach der Gestaltung von Nele Schütz Design, München

Bildnachweis: akg-images GmbH, Berlin

eBook-Bearbeitung: Bookwire GmbH, Frankfurt am Main

ISBN: 978-3-8438-0284-0

www.marixverlag.de

INHALT

Vorbemerkung zur Edition

Hernán Cortés – Entdecker und Eroberer Mexikos

Jugendjahre in einer bewegten Zeit – Konquistadoren ohne Glück – Ein großes Unternehmen unter Hernán Cortés – Landung auf Cozumel und Yucatán – An den Grenzen des großen Reiches

Bericht vom 30. Oktober 1520

Erstes Kapitel

Hinweis auf den ersten Bericht – Lob des neuentdeckten Landes – Entschuldigung etwaiger Unvollständigkeit des Berichtes

Zweites Kapitel

Aufbruch nach Cempoala – Meuterei des Juan Escudero und seiner Genossen – Zerstörung der Schiffe

Drittes Kapitel

Gefangennahme einiger Leute von der Expedition des Francisco de Garay – Erste Nachrichten vom Fluss Pánuco

Viertes Kapitel

Abmarsch von Cempoala – Überschreitung des ersten und zweiten Cordillerenpasses – Missglückter Bekehrungsversuch

Fünftes Kapitel

Einmarsch in die Republik Tlaxcala – Harte Kämpfe mit den Tlaxcalteken – Mutlosigkeit der Spanier – Schlussendlicher Sieg

Sechstes Kapitel

Einzug in die Stadt Tlaxcala – Gesandtschaft Moctezumas – Cortés nutzt die Feindschaft zwischen Mexiko und Tlaxcala

Siebtes Kapitel

Marsch nach Cholollan – Pomphafter Empfang und Hinterlist – Niederwerfung und Versöhnung – Beschreibung der Stadt

Achtes Kapitel

Verhandlungen mit Gesandten Moctezumas – Besteigung des Popocatépetl – Erster Blick ins Tal von Tenochtitlán

Neuntes Kapitel

Moctezumas Gesandte fordern zur Umkehr auf – Weitermarsch und Einzug in Iztapalapa – Aufbruch in die Hauptstadt von Mexiko

Zehntes Kapitel

Moctezuma empfängt Hernán Cortés – Einzug in die Quartiere – Moctezumas Willkommensrede und Antwort

Elftes Kapitel

Ermordung einiger Spanier in Veracruz – Quauhpopocas Verhaftung und Hinrichtung – Fesselung Moctezumas

Zwölftes Kapitel

Spanier auf der Goldsuche – Erkundung des Flusses Grijalva in Coatzacoalcos – Unterwerfung des Kaziken Tuchintecla – Erste Ansiedlung

Dreizehntes Kapitel

Rebellion des Fürsten Cacama von Texcoco – Gefangennahme und Absetzung Cacamas – Einsetzung des Nachfolgers

Vierzehntes Kapitel

Feierliche Unterwerfung Moctezumas und seiner Vasallen – Cortés verlangt kostbare Geschenke für seinen Kaiser

Fünfzehntes Kapitel

Beschreibung der Stadt Mexiko – Götzentempel und Menschenopfer – Beschlagnahmung des Haupttempels für den christlichen Gottesdienst

Sechzehntes Kapitel

Versorgung der Hauptstadt – Moctezumas Reichtum – Hofhaltung und Etikette im Palast des Herrschers

Siebzehntes Kapitel

Ankunft des Pánfilo de Narváez an der Ostküste – Cortés sucht Unterhandlungen anzuknüpfen – Sicherheitsmaßregeln

Achtzehntes Kapitel

Cortés marschiert zur Küste – Fruchtlose Unterhandlungen – Ein Anschlag des Narváez wird entdeckt

Neunzehntes Kapitel

Überrumpelung und Gefangennahme von Narváez – Die Mannschaft tritt zu Cortés über – Alarmierende Nachrichten aus Mexiko

Zwanzigstes Kapitel

Rückkehr nach Mexiko – Verlustreiche Kämpfe gegen eine Übermacht – Moctezuma wird tödlich getroffen – Brand des Haupttempels

Einundzwanzigstes Kapitel

Blutige Kämpfe – Eroberung einiger Brücken – Vorbereitung des Abzugs aus der Stadt – Die »Traurige Nacht«

Zweiundzwanzigstes Kapitel

Mühseliger Rückzug – Hunger und Not – Schlacht und Sieg bei Otumba – Weitermarsch nach Tlaxcala – Furcht und Hoffnung

Dreiundzwanzigstes Kapitel

Freundliche Aufnahme in Tlaxcala – Hiobspost aus dem ganzen Land – Gute Nachrichten aus Veracruz

Vierundzwanzigstes Kapitel

Cortés gibt nicht auf – Kriegszug nach Tepeaca – Gründung der Stadt Segura de la Frontera – Unterwerfung mehrerer Provinzen

Fünfundzwanzigstes Kapitel

Gesandtschaft aus Oaxaca – Die Sachen stehen gut – Nachrichten aus Mexiko – Hilfe von Española – Cortés rüstet zum Kampf

Bericht vom 15. Mai 1522

Erstes Kapitel

Ein Schiff des Garay strandet – Mannschaftszuwachs – Abmarsch nach Cholollan – Bau von Brigantinen in Tlaxcala – Expedition übers Gebirge

Zweites Kapitel

Einnahme von Texcoco – Expedition nach Iztapalapa – Otumba unterwirft sich – Kämpfe um Chalco – Durchstechung eines Dammes

Drittes Kapitel

Transport der Brigantinen – Züchtigung eines Dorfes, in dem Spanier ermordet wurden – Ankunft der Brigantinen in Texcoco

Viertes Kapitel

Tacuha wird geplündert und in Brand gesteckt – Sandoval steht Chalco bei – Ankunft neuer Schiffe – Neue Pferde und Krieger

Fünftes Kapitel

Einnahme zweier Felsenhügel – Sturm auf ein Felsendorf – Kämpfe um Xochimilco – Cortés wird aus großer Gefahr errettet

Sechstes Kapitel

Siegreiche Gefechte – Gefangennahme und Opferung zweier Spanier – Cortés rächt die Spanier – Gute Nachrichten von Verschollenen

Siebtes Kapitel

Stapellauf der dreizehn Brigantinen – Cortés mustert seine Truppen und feuert sie an – Hilfsvölker aus Tlaxcala und Cholollan

Achtes Kapitel

Beginn der Belagerung – Unterbrechung der Wasserleitung – Sieg der Brigantinen – Vorrücken auf dem Damm – Eroberung zweier Türme

Neuntes Kapitel

Einschließung der Stadt – Cortés dringt bis zum Haupttempel vor – Rückzug und neuer Angriff – Harte Kämpfe – Verbissene Abwehr

Zehntes Kapitel

Sturm von drei Seiten – Niederlage der Spanier – Opferung von gefangen genommenen Spaniern

Elftes Kapitel

Kriegszüge in die Umgebung – Tapfere Tlaxcalteken – Hilfe für die Otomiten – Scheinkapitulation der Mexikaner

Zwölftes Kapitel

Nachschub aus Veracruz – Zerstörung der eroberten Stadtteile – Die Feinde geraten in einen Hinterhalt – Hungersnot in der Stadt

Dreizehntes Kapitel

Fortschreitung von Angriff und Zerstörung – Vergebliche Aufforderung zum Frieden – Entsetzliche Not der Belagerten – Letzter Angriff

Vierzehntes Kapitel

Gefangennahme des Aztekenherrschers – Cortés verlässt die verpestete Stadt – Teilung der Beute – Unterwerfung von Michoacán

Fünfzehntes Kapitel

Zwei Spanier dringen zum Stillen Ozean vor – Unterwerfung einiger Völker – Wiederaufbau von Mexiko – Machtausdehnung

Sechzehntes Kapitel

Ankunft und Abfertigung eines Bevollmächtigten – Villafañas Aufruhr – Abermalige Besteigung des Popocatépetl – Schluss

Bericht vom 15. Oktober 1524

Erstes Kapitel

Expedition zum Coatzacoalcos – Unterwerfung und Rebellion – Niederlage bei Colima – Kolonisation in Oaxaca – Mangelnde Ordnung

Zweites Kapitel

Ankunft eines Unruhestifters – Cortés‘ Kriegszug zum Pánuco – Gründung einer Kolonie – Häutefund von ermordeten Spaniern im Tempel

Drittes Kapitel

Streifzüge mit wechselndem Glück – Eine Amazoneninsel – Planung großer Expeditionen – Abermalige Ankunft des Francisco de Garay

Viertes Kapitel

Verhandlungen mit Garay – Zusammenkunft beider Befehlshaber – Zügellose Soldaten – Empörung am Pánuco – Tod des Garay

Fünftes Kapitel

Furchtbares Strafgericht am Pánuco – Feuertod für vierhundert Indianer – Beginn der Expeditionen nach Honduras und Guatemala

Sechstes Kapitel

Unterjochung wilder Bergvölker – Bau von vier Schiffen im Hafen von Zacatula – Fortschritte beim Wiederaufbau Mexikos

Siebtes Kapitel

Cortés organisiert die Stückgießerei und Pulverfabrikation – Reise zur Ostküste – Suche nach der Durchfahrt zum Stillen Meer

Achtes Kapitel

Kostenerstattung – Gelder und Kostbarkeiten für Kaiser Karl V. – Neue Intrigen des Diego Velázquez

Neuntes Kapitel

Vorschläge für das Missionswesen – Ordnung der kirchlichen Hierarchie – Verwendung des Zehnten für das Kirchenwesen

Zehntes Kapitel

Aufhebung des Ausfuhrverbots von Kuba und Española – Einfuhr von Pflanzen und Sämereien – Treuegelöbnis – Ende des Berichts

Nachwort: Ein sinkender Stern

Gewagte Unternehmungen – Der Tod des letzten Aztekenherrschers – Intrigen in der Hauptstadt – Streit um die Statthalterschaft – Der Eroberer reist nach Spanien – Anarchie und Willkürherrschaft – Expeditionen in die Südsee – Die Reise ohne Wiederkehr

Quellennachweis

VORBEMERKUNG ZUR EDITION

Die drei Berichte des Eroberers Hernán Cortés, die den Hauptteil dieses Buches bilden, sind der ältesten deutschen Ausgabe entnommen: »Drei Berichte des General-Kapitäns von Neu-Spanien Don Fernando Cortés an Kaiser Karl V. Aus dem Spanischen übersetzt von Dr. Carl Wilhelm Koppe. Königl. Preuß. Geh. Regierungs-Rath. Berlin 1834. Verlag von Theodor Chr. Fr. Enslin.«

Die in den Text der Briefe eingefügten Ergänzungen und Gegendarstellungen stammen vorwiegend von dem »bis zum heutigen Tag als Spaniens größter Chronist« (Madariaga) geltenden Mitkämpfer Bernal Díaz, d. h. aus den »Denkwürdigkeiten des Hauptmanns Bernal Díaz del Castillo, oder wahrhafte Geschichte der Entdeckung und Eroberung von »Neu-Spanien«, von einem der Entdecker und Eroberer selbst geschrieben, aus dem Spanischen ins Deutsche übersetzt von Ph. J. von Rehfues, Kurator der Bonner Universität. 4 Bände. Bonn, bei Adolph Marcus. 1838.«

Unter den neueren Werken sei hervorgehoben das ausgezeichnete historisch-biographische Werk »Cortés, Eroberer Mexikos« von Salvador de Madariaga (Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf., München-Zürich 1960), dem außer mancher Einzelheit insbesondere die einheitliche neuzeitliche Schreibung der mexikanischen und spanischen Namen angeglichen wurde, wie Hernán Cortés und Moctezuma.

Sämtliche kursiv gehaltenen oder mit eckigen Klammern versehenen Passagen sind zitierende oder erläuternde Anmerkungen des Herausgebers (Anm. d. Verl.).


Aztekischer Kalenderstein (Fundort im Bezirk des Haupttempels von Tenochtitlán. Durchmesser 3,60 Meter, Gewicht 24 Tonnen.)

HERNÁN CORTÉS – ENTDECKER UND EROBERER MEXIKOS

Jugendjahre in einer bewegten Zeit – Konquistadoren ohne Glück – Ein großes Unternehmen unter Hernán Cortés – Landung auf Cozumel und Yucatán – An den Grenzen des großen Reiches

JUGENDJAHRE IN EINER BEWEGTEN ZEIT

Als Hernán Cortés zu seinem Eroberungszug nach Mexiko ausfuhr, war er dreiunddreißig Jahre alt, er stand also auf der Schwelle der Entwicklung vom draufgängerischen Heißsporn zum mutigen, überlegenen Führer, und die Geschichte seiner Taten zeigt denn auch, dass er ein wahrer Held und zugleich ein kluger, falls erforderlich sogar listenreicher Staatsmann war. In Medellín, einer Stadt in der spanischen Provinz Estremadura, der Heimat vieler Abenteurer und Konquistadoren, wurde er als Sohn eines Hidalgos, des Gutsbesitzers Martín Cortés de Monroy, geboren. Seine Mutter war Doña Catalina Pizarro Altamarino, deren Titel auf einen höheren Adelsrang hinweist. Hernán wuchs in recht kargen Verhältnissen auf, aber in einer Zeit, als Spanien sich nach siebenhundertjährigem wechselndem Geschick zur endgültigen Befreiung von der Herrschaft der Mauren anschickte, und der siebenjährige Knabe wird sicher mit heißem Herzen die Eroberung Granadas und damit das Ende des letzten Maurenreiches auf der iberischen Halbinsel mitverfolgt haben.

Noch mehr aber beeindruckten den Knaben wie die ganze spanische Jugend die im Jahr 1492 unternommene Reise des Christoph Kolumbus und die Entdeckung Amerikas. Als Kolumbus sich mit sechs Schiffen auf der dritten Reise befand, wurde der vierzehnjährige Hernán Cortés auf die berühmte Universität Salamanca geschickt, um Rechtswissenschaft zu studieren. Nach zwei Jahren brach er das Studium ab, ohne das Baccalauréat, den niedrigsten akademischen Grad, erreicht zu haben. Immerhin hatte aber seine zweifellos ungewöhnliche Begabung ihn dahin gebracht, dass er lateinischen Disputationen folgen und Reden halten konnte und sich später bei juristischen Fragen außerordentlich geschickt zeigte.

Nach Hause zurückgekehrt, stand der junge Hidalgo nun am Scheideweg zwischen Jurisprudenz und Waffendienst, und er entschied sich für das Soldatenleben. Aber auch hier boten sich zwei Wege: der eine führte nach Italien, wo der berühmte Feldherr Gonzalo de Córdoba, »el gran capitán«, vor dem die Mauren 1492 in Granada kapituliert hatten, nun siegreich den spanischfranzösischen Feldzug um Neapel führte, der andere Weg wies in die Neue Welt, »deren Wunder, Gefahren und Schätze die Phantasie der spanischen Jugend damals mächtig erregten«, wie Bernal Díaz berichtet. Es traf sich gut, dass der gerade vom spanischen Hof ernannte Generalgouverneur Nicolás de Ovando mit einem Geschwader von dreißig Schiffen nach Española (Haiti) auslaufen wollte, und da Ovando ein Freund der Familie Cortés war, schien die Karriere des siebzehnjährigen Hernán unter solchem Protektorat gesichert. Aber der unglückliche Ausgang eines Liebesabenteuers machte dem jungen Hidalgo einen Strich durch die Rechnung. Als er auf dem nächtlichen Weg zu einer jungen Dame über eine brüchige Mauer stieg, brach diese zusammen und begrub den Galan unter sich. Der Eigentümer stürzte aus seinem Haus und würde in seiner Wut den Burschen erdolcht haben, wenn eine alte Frau ihn nicht daran gehindert hätte. Hernán konnte entweichen, musste aber wegen seiner Verletzungen und wegen der »Malaria quartana« das Bett hüten – und die große Flotte davonsegeln lassen.

Bis zur nächsten günstigen Gelegenheit, in die Neue Welt zu reisen, ließ Hernán Cortés nun zwei volle Jahre verstreichen, und seine Biographen schweigen darüber, was er in dieser Zeit getrieben haben mag.

Zu Beginn des Jahres 1504 begab sich endlich der nun neunzehnjährige Hernán Cortés in Sanlúcar auf eins der fünf Schiffe eines kleinen Geschwaders, das mit Waren für Española aus laufen sollte. Die Schiffe erreichten ungefährdet La Gomera auf Teneriffa, wo alle spanischen Geschwader befehlsgemäß Station machen und sich sammeln mussten, wenn sie durch Sturm oder andere Gefährdungen auseinandergeraten waren. Bei dieser Gelegenheit wurden auch Proviant und Wasser eingenommen. Der Kapitän Alonso Quintero wollte nun mit seinem schnelleren Schiff, auf dem sich auch Hernán Cortés befand, den anderen davonsegeln, um als erster seine Waren mit größerem Gewinn absetzen zu können, er geriet aber in einen Sturm und musste mit gebrochenem Mast nach La Gomera zurückkehren. Die anderen Kapitäne warteten nun, bis die Havarien beseitigt waren, und fuhren dann gemeinsam aus.

Ein günstiger Wind verleitete Quintero, sich in der Nacht wieder auf und davon zu machen, diesmal versagte jedoch sein Steuermann Francisco Niño aus der angesehenen Familie in Palos, die zur ersten Reise des Kolumbus das Schiff »Niña« beigesteuert hatte. Seine Fähigkeiten scheinen nicht groß gewesen zu sein, denn er verlor so völlig die Orientierung, dass das Schiff wochenlang umherkreuzte, so dass Proviant und Wasser fast zur Neige gingen. Hinzu kam die Furcht, womöglich bei den Menschenfressern zu landen, aber in der höchsten Not erschien am Osterabend eine Taube und setzte sich auf den Mast, was für die gläubigen Spanier nichts anderes als ein Zeichen des Himmels war. Als die Taube weiterflog, folgte der Steuermann ihrer Richtung und sichtete nach wenigen Tagen Land. Er schwor, dass es das Kap Samaná auf Española sei, und soll gesagt haben: »Wenn es nicht stimmt, dann schlagt mir den Kopf ab und werft meinen Leib in den Kochkessel!« Nach wenigen Tagen lief das Schiff wirklich in den Hafen von Santo Domingo auf Española ein, aber groß war die Enttäuschung des Kapitäns Quintero, als er die vier anderen Schiffe sah, die bereits eingetroffen waren und ihre Waren auf den Markt geliefert hatten.

Enttäuscht war sicher auch Hernán Cortés, als er erfuhr, dass der Adelantado (Statthalter und Oberrichter) Ovando nach Santiago abgereist sei, aber der Gubernialsekretär Medina nahm ihn freundlich auf, nicht zuletzt wegen der mitgebrachten Empfehlungsschreiben, und als der Gouverneur zurückgekehrt war, übertrug er seinem Schützling das Amt eines Ratsschreibers in der neugegründeten Stadt Azua. Cortés erhielt nach den Gesetzen der Konquista Land und Sklaven zugeteilt und verwaltete nun Amt und Gut fast sechs Jahre lang.

KONQUISTADOREN OHNE GLÜCK

Hernán Cortés war ein tüchtiger und gewandter Notar, der unter den besitzhungrigen Siedlern und besitzlosen Abenteurern reichlich zu tun hatte, aber Bernal Díaz, sein späterer Mitstreiter und bester Chronist der Eroberung Mexikos, berichtet auch, dass er es »munter mit den Frauen getrieben habe und deshalb mehrmals mit streitbaren Männern in Händel geraten sei«. Als Cortés schließlich das beschauliche Leben auf der Insel satt hatte und eine Konquista in Richtung der Landenge von Panama mitmachen wollte, musste er zurückbleiben, da er, wie Cervantes de Salazar berichtet, an schmerzhaften Bubonen in den Beinen litt, womit »Indianerfrauen ihre Besucher noch häufiger anstecken als Spanierinnen«.

So verpasste Hernán Cortés noch zwei weitere Expeditionen, einmal die des verwegenen Konquistadors Alonso de Hojeda, eines Kampfgefährten von Kolumbus auf dessen zweiter Reise. Hojeda segelte im Jahr 1509 mit dreihundert Mann und zwölf Pferden zur Bucht von Maracaibo. Andauernde Kämpfe mit den Indianern, dazu Hunger und Seuchen rieben die Mannschaft immer mehr auf, bis Hojeda beschloss, heimwärts zu segeln. Das Schiff strandete jedoch bei Kuba, und nach einem langen, strapazenreichen Marsch über Land wurde er mit dem Rest seiner Mannschaft von einer Karavelle aufgenommen, die Pánfilo de Narváez befehligte, derselbe, der später eine verhängnisvolle Rolle gegen Hernán Cortés spielen sollte. Alonso de Hojeda starb bald nach seiner Rückkehr auf Santo Domingo in völliger Armut, so dass nicht einmal sein Begräbnis bezahlt werden konnte.

Unterdessen war auch die andere Expedition, die Diego de Nicuesa mit siebenhundert Mann und sechs Pferden nach Darién unternommen hatte, völlig gescheitert. Cortés berichtet, dass der Kapitän eines Hilfsschiffes die letzten Überlebenden – vierzig Mann – »ausgetrocknet vom schlimmsten Hunger, schmutzig und scheußlich anzusehen« auffand. Nicuesa wurde mit seinen Schicksalsgenossen in eine Schaluppe gesetzt, die aber nie ihr Ziel erreichte. In diese Zeit fiel auch die Eroberung der Insel Puerto Rico, die Christoph Kolumbus bereits 1493 entdeckt hatte. Als dessen Sohn Don Diego Colón nach jahrelangen Bemühungen endlich seine Erbansprüche durchgesetzt und die Würde des Vizekönigs von Indien erhalten hatte, landete er im Juli 1509 mit einem großen Geschwader in Santo Domingo und brachte im Gefolge seiner Gemahlin auch einige junge Damen mit, die den Edlen der Inseln als Gattinnen zugedacht waren.

Der Vizekönig gab nun den Befehl zur völligen Eroberung der Insel, die noch im gleichen Jahr mit solcher Härte durchgeführt wurde, dass von der eingeborenen Bevölkerung nur ein Rest überlebte. Auch diesmal reizte es Hernán Cortés noch nicht zu kriegerischen Taten und vermutlich interessierten ihn wohl mehr die adligen Damen des Gefolges, von denen er auch wirklich eine, Catalina Xuárez, später zur Frau nahm.

Im Jahr 1511 beschloss der Vizekönig, die noch kaum besiedelte Insel Kuba völlig zu erobern, und er beauftragte mit dieser Aufgabe Diego Velázquez, einen der reichsten und angesehensten Männer aus seinem Gefolge. Als Velázquez mit dreihundert Mann nach Kuba übersetzte, war Hernán Cortés endlich dabei, jedoch nicht als Truppenführer, sondern als Sekretär und Berater des neuernannten Gouverneurs, wozu er sich zweifellos als Stadtsekretär und Notar von Azua qualifiziert hatte. An den kriegerischen Operationen nahm er nicht teil, aber er bewährte sich als Berater und Schatzmeister des Feldherrn. Bald traf von Jamaica zur Verstärkung eine Truppe von dreißig Bogenschützen unter Pánfilo de Narváez ein. In Begleitung Narváez’ befand sich Fray Bartolomé de Las Casas, der später als »Apostel der Indianer« einen leidenschaftlichen Kampf gegen die Sklaverei und Ausrottung der Eingeborenen führte.

Narváez übernahm als Feldhauptmann anstelle des fettleibig gewordenen Velázquez die nicht allzu schwierige Eroberung der Insel, während der sechsundzwanzigjährige Cortés sich die Gunst des Gouverneurs in dessen Gefolge errang, wo er sich »verschlagen und vorsichtig zeigte, doch noch nicht so weise und tüchtig wie später unter schwierigen Umständen«, wie Las Casas berichtet. So war es gewiss recht unklug, dass Hernán Cortés sich auf die Seite der Gegner des dicken Gouverneurs schlug, der je nach persönlicher Gunst und aktueller Laune die Ländereien und Sklaven verteilte.

Die heimlichen Feinde des Gouverneurs beschlossen, sich beim Obersten Gericht auf Española zu beschweren, und Cortés erbot sich, die Beschwerdeschrift dorthin zu bringen. Als er aber gerade im Begriff war, ein Boot zu besteigen, mit dem er die Meerenge zwischen Kuba und Haiti überqueren wollte, wurde er verhaftet und in Ketten gelegt. Nur der Fürbitte seiner Freunde hatte er es zu verdanken, dass der Gouverneur ihn nicht hängen ließ, wie es durchaus der Brauch war.

Der verwegene Cortés blieb aber nicht lange im Gefängnis eingesperrt, »er zerbrach die Fesseln, entriss dem Wärter Schwert und Schild, ließ sich durch das Fenster hinab und floh in eine Kirche«, wie der Chronist Gomara, sein späterer Hauskaplan, berichtet. Er hielt es aber nicht lange in der kirchlichen Freistatt aus, und als der Frauenheld sich vor der Kirche mit Catalina Xuárez traf, einer der edlen Damen aus dem Gefolge der Vizekönigin, wurde er von einem Trupp Soldaten unter Juan Escudero überwältigt und gefangen genommen. Derselbe Escudero nahm sieben Jahre später an dem Eroberungszug nach Mexiko teil, wurde aber in Veracruz wegen Meuterei zum Tod verurteilt und gehängt.

Der Gouverneur ließ den Gefangenen auf ein Schiff bringen, um ihn nach Española zu schaffen und dort vor Gericht zu stellen. Aber wieder brachte Cortés es fertig, die Fesseln zu brechen, er gelangte unbemerkt auf das Schiffsdeck, stieg in ein Boot und ruderte an Land. Hier begab er sich zu Juan Xuárez und erklärte ihm, dass er seine Schwester Catalina heiraten wolle. Klugerweise begab er sich aber wieder in den Schutz einer Kirche und wartete dort, bis Xuárez zwischen Velázquez, der eine Schwester Catalinas heiraten wollte, und dem zukünftigen Schwager Hernán Cortés Freundschaft gestiftet hatte. Der dicke Gouverneur, offensichtlich nicht allzu nachtragend, ließ sich versöhnen und seine Gunst steigerte sich später sogar noch, als er Taufpate bei einer Tochter wurde, die Cortés geboren wurde, wozu Las Casas allerdings bemerkt: »Ich weiß nicht, ob von seiner Frau oder nicht.« Velázquez begünstigte die Wahl seines Schwagers Cortés zum Bürgermeister und Stadtrichter von Baracoa, das wenig später Santiago genannt wurde. In dieser mit Ländereien und Sklaven reich dotierten Stellung verblieb Hernán Cortés nun sechs Jahre.

Der Gouverneur von Kuba, Diego de Velázquez, suchte sich vom Vizekönig Don Diego Colón unabhängig zu machen. Er strebte danach, seine Stellung durch den spanischen Hof bestätigen zu lassen und damit unabsetzbar zu sein. Vorerst führte er auf Kuba den Hof eines mächtigen Fürsten und um Macht und Ansehen zu gewinnen versuchte er seine Herrschaft durch große Expeditionen in Richtung Festland zu erweitern und vor allem von den sagenhaften Schätzen jener Länder einen Großteil zu gewinnen.

Er schickte, allerdings mit wenig Glück, zwei Expeditionen aus. Am 8. Februar 1517 segelte eine Flotte von drei Schiffen unter dem Befehl von Francisco Hernández de Córdoba westwärts, geriet aber in einen fürchterlichen Sturm und sichtete erst nach drei Wochen die Küste von Yucatán. Als die Spanier an Land gingen, um Wasser zu holen, wurden sie von einer Übermacht von Indianern angegriffen, die immer wieder riefen: »Al Calachoni! Al Calachoni! – Schlagt den Hauptmann tot!« Mehr als fünfzig Spanier wurden getötet, die Übrigen retteten sich mit Mühe auf die Schiffe, mussten aber eins davon in Brand setzen, weil nicht mehr genügend Hände an Bord waren, um die Segel zu bedienen. Die Expedition wurde abgebrochen und als die Schiffe endlich in Havanna ankamen, begab sich der Hauptmann Córdoba sogleich auf sein Gut, wo er zehn Tage später an seinen Wunden starb.

Die Schiffe segelten weiter nach Santiago, wo der Statthalter Velázquez residierte, dessen Habgier durch ein mitgebrachtes Kästchen mit goldenen Götzen und anderen Figuren mächtig angeregt wurde. Als nun auch noch zwei aus Yucatán mitgebrachte Indianer, die auf die Namen Melchorillo und Juanillo getauft worden waren, entgegen der Wahrheit berichteten, dass es in Yucatán Goldbergwerke gebe, rüstete er eine neue Expedition von vier Schiffen unter dem Generalkapitän Juan de Grijalva und den Kapitänen Pedro de Alvarado, Francisco de Montejo und Alonso Dávila aus. Sie erreichte nach zwei Wochen die Insel Cozumel und eine Woche später die Küste von Champotón, wo die erste Expedition ihre große Niederlage erlitten hatte. Diesmal aber gingen die Spanier mit überlegenen Waffen an Land und brachten die Häuptlinge mit Hilfe der Dolmetscher Melchorillo und Juanillo dazu, sich dem Kaiser als Oberherrn zu unterwerfen. Zur größten Enttäuschung der Spanier hatten jedoch die Geschenke der Indianer nur einen geringen Goldwert, umso mehr Hoffnung weckte die Mitteilung, »gegen Sonnenuntergang gebe es ein Land, wo sich Gold in großer Menge finde, dabei wiederholten sie immer wieder die Worte Culúa und Mexiko«.


Feindseliger Empfang der Spanier in Yucatán

(Nach einer zeitgenössischen Darstellung)

Grijalva segelte nun weiter, um das Goldland zu suchen. Als er in einer Bucht mit seiner ganzen Mannschaft an Land ging, traf er unter den Häuptlingen zum ersten Mal auf einen Statthalter Moctezumas, des Aztekenherrschers, der ihn mit Ehrerbietung empfing. Die Spanier tauschten, was ihnen die Hauptsache zu sein schien, Glasperlen und anderen Flitterkram gegen Gold und Goldwaren ein. Grijalva nahm das Land förmlich in Besitz, während der Statthalter alles Gesehene auf Sisaltücher malen ließ, die dem fernen Herrscher vorgelegt werden sollten. Da Grijalva nun eine Stadt gründen wollte, wozu ihm jedoch die Mittel fehlten, schickte er Pedro de Alvarado mit dem eingetauschten Gold nach Kuba zurück, wo er von dem bereits recht besorgten Gouverneur mit größter Freude empfangen wurde. Alvarado erzählte nachher, dass Velázquez ihn unaufhörlich umarmt und geküsst habe und dass die Freudenfeste und Ritterspiele acht Tage gedauert hätten. Der Generalkapitän Grijalva gelangte unterdessen bis Tampico, dann kehrte er um, jedoch nicht ohne häufiger zu landen und Tauschhandel zu treiben, der besonders am Fluss von Coatzacoalcos blühte, wo es den hochbeglückten Spaniern gelang, sechshundert goldglänzende Streitäxte einzutauschen. Als sie aber nach der Rückkehr in Santiago hervorgeholt wurden, zeigten sie sich gänzlich überlaufen, da sie aus Kupfer waren. Es fehlte nun nicht an Spott, aber auch nicht an Bewunderung, da die Expedition Grijalvas dem sagenhaften Goldland ohne Zweifel recht nahe gekommen war.

EIN GROSSES UNTERNEHMEN UNTER HERNÁN CORTÉS

Es ist nun eine schwer zu beantwortende Frage, warum Hernán Cortés diese beiden ebenso kühnen wie Erfolg versprechenden Expeditionen unbeteiligt ziehen ließ. Er war nicht einmal als Initiator oder auch nur als Nutznießer dabei, obwohl er ohne Zweifel die Vorbereitungen aus nächster Nähe erlebt hatte, da er zur Oberschicht der Insel gehörte und zum engsten Gefolge des Statthalters zählte. Nicht einmal die damals schon als rechte Haudegen und Abenteurer bekannten jungen Kapitäne hatten ihn zur Mitreise verlockt. Nun aber trat er auf den Plan – in das grelle und häufig auch unheilvoll flackernde Licht der Geschichte. Nun war – so kann man wohl ohne Übertreibung sagen – seine Stunde gekommen.

Diego Velázquez trug sich mit dem Plan, eine neue größere Expedition auszuschicken. Er war klug, wenn nicht sogar verschlagen genug, dass er sich aber zuerst um die Gunst am Hof bewarb, was durch einen seiner Kapläne, Benito Martínez, geschah, der ein gewandter Unterhändler war. Benito Martínez verhandelte so geschickt, dass er nicht nur die Erlaubnis zu weiteren Unternehmungen, sondern auch die für Diego Velázquez so wichtige Ernennung zum Adelantado von Kuba erwirkte. Diese Ernennungen kamen allerdings erst an, als die nächste Expedition längst unterwegs war.

Schwer zu verstehen ist nun, weshalb Velázquez gerade Hernán Cortés dazu auserwählte, das neue Unternehmen zu leiten. Gewiss hatte der Alkalde (Bürgermeister) von Santiago in seinem Amt und auch als enger Berater des Statthalters seine Verdienste errungen, sicher hatte er auch seine Entschlusskraft, staatsmännische Klugheit und eine edle männliche Haltung bewiesen, und nicht zuletzt fiel ins Gewicht, dass er ein Schwager des Gouverneurs war, wodurch Treue und Ehrlichkeit verbürgt zu sein schienen. Bernal Díaz weiß mehr darüber zu berichten, er zählte eine ganze Reihe von Bewerbern auf, »wir Soldaten wollten dagegen von keinem anderen wissen als von Juan de Grijalva, weil er ein tüchtiger Offizier und überhaupt ein Mann ohne Tadel war, der sich auf das Kommandieren wohl verstand. Während aber die Reden hin und her gingen, wurde die Sache in aller Stille zwischen zwei Vertrauten des Diego Velázquez, dem Sekretarius Andrés de Duero und dem königlichen Zahlmeister Amador de Lares, und Hernán Cortés abgemacht. Letzterer hatte ihnen versprechen müssen, allen Gewinn an Gold, Silber und Juwelen mit ihnen zu teilen, und dieser Gewinn konnte recht bedeutend werden. Duero und der Zahlmeister wandten nun all ihre Überzeugungskraft bei dem Statthalter an. Sie strichen Cortés bei jeder Gelegenheit heraus, rühmten seine Tapferkeit und erklärten ihn überhaupt zum tüchtigsten Mann für ein solches Kommando. Ihre Bemühungen blieben nicht ohne Erfolg und Diego Velázquez ernannte Hernán Cortés zum Generalkapitän der Unternehmung. »Als diese Wahl bekannt wurde, gefiel sie dem einen, dem anderen aber nicht.« Die Gegner des Hernán Cortés wandten nun jedes Mittel an, ihn aus der Gunst des Gouverneurs zu verdrängen.

Hernán Cortés jedoch ging nach seiner Ernennung sogleich mit Tatkraft und Umsicht daran, die Schiffe auszurüsten, Waffen und Proviant zu beschaffen und Offiziere und Soldaten anzuwerben. Er verfuhr dabei recht umsichtig, aber auch großzügig, gab sein beträchtliches Vermögen dafür aus, belieh seine Besitzungen und veranlasste reiche Freunde, ihr Geld in das Unternehmen zu stecken. Dabei wich er dem Gouverneur kaum von der Seite und versicherte ihm immer wieder, dass er ihn reich und glücklich machen werde. Seine Feinde gewannen jedoch immer mehr Einfluss auf den misstrauischen Statthalter, besonders da Cortés nun begann, sich auch äußerlich den Anschein eines großen Herrn zu geben.

Als Hernán Cortés durch seine Freunde am Hof erfuhr, dass der Statthalter immer mehr dazu neigte, ihm das Kommando wieder zu nehmen, lief er aus dem Hafen Santiago aus, nachdem er sich in auffälliger Eile von dem überrumpelten Velázquez verabschiedet hatte. Wenige Tage später trafen die Schiffe im Hafen von Trinidad ein. Hernán Cortés ging an Land, stellte vor seinem Quartier die königliche Fahne auf, ließ Proviant und Waffen einkaufen und mit Pauken und Trommeln Offiziere und Soldaten anwerben. »In dieser Stadt schlossen sich noch sämtliche Alvarados an, nämlich der Hauptmann Pedro, seine Brüder Gonzago, Jorge, Gomez und ihr Bastardbruder Juan.« [Bernal Díaz] Dazu kamen noch viele Andere, »lauter Männer von Gewicht und Ansehen. Sie hatten alle in der Nähe der Stadt ihre Landgüter, wo sie Kassavebrot backen und Schweinefleisch einsalzen und mit anderem Proviant an Bord bringen ließen.« [Bernal Díaz] Es wurden Soldaten angeworben und Pferde eingekauft, und da der Reiter Puertocarrero nicht genug Geld für einen Grauschimmel besaß, gab Hernán Cortés die goldenen Borten seines Samtrocks dafür her.

Immer wieder kamen dem Generalkapitän glückliche Zufälle zu Hilfe, so als ein mit Brot und Salzfleisch für ein Bergwerk beladenes Schiff des Juan Sedeño eintraf, der sich von Cortés überreden ließ, ihm das Schiff samt Ladung zu verkaufen und die Unternehmung mitzumachen. Während all dieser Vorbereitungen platzte ein Schreiben des Gouverneurs Velázquez an den Alkalden Verdugo von Trinidad herein mit dem Befehl, Cortés zu verhaften und nach Santiago zu bringen. Ein anderes Schreiben ging an Diego de Ordás, den Velázquez zur Beobachtung des Generalkapitäns der Expedition zugeteilt hatte. Hernán Cortés aber zeigte nun sein diplomatisches Geschick, das fast an Verschlagenheit grenzte. Er besprach seine Pläne mit Diego de Ordás und gewann ihn dazu, den Alkalden Verdugo zu veranlassen, den Befehl des Gouverneurs nicht auszuführen und das Schreiben geheim zu halten. Ordás erklärte Verdugo, der ein Schwager des Velázquez war, dass Cortés dem Statthalter treu ergeben sei, außerdem habe er zu viele Soldaten auf seiner Seite, die für ihn kämpfen würden. Die ganze Stadt könne in den Streit verwickelt und sogar von den aufgebrachten Anhängern des Cortés geplündert werden. Der Alkalde Verdugo ließ sich überreden, während Pedro Laso, einer der Kuriere, sich sogar der Expedition anschloss. Der andere Kurier wurde mit einem Schreiben an Velázquez zurückgeschickt, in dem es hieß, dass Hernán Cortés nichts anderes im Sinn habe, »als Gott, Sr. Majestät und insbesondere dessen kaiserlichem und königlichem Namen ihm, dem Statthalter, zu dienen«.

Velázquez versuchte jedoch noch einmal, Hernán Cortés abzusetzen. Er schickte an Pedro Barba, seinen Stellvertreter an der Südküste Kubas, und an seine Verwandten und Anhänger in der Flotte dringende Schreiben, in denen er sie beschwor, die Schiffe nicht auslaufen zu lassen und Cortés gefangen zu nehmen und nach Santiago zu bringen. Der Kurier Garnica hatte aber auch das Schreiben eines Paters von den Barmherzigen Brüdern an dessen Ordensbruder Bartolomé de Olmedo, der zum Geschwader gehörte, mitgebracht, worin dieser von allem unterrichtet wurde und sein Wissen an Cortés weitergeben konnte. So erreichte der Gouverneur nur, dass sich die Anhänger des Generalkapitäns umso fester um ihn schlossen. Der Unterstatthalter Pedro Barba konnte denn auch nur an Velázquez berichten, dass er es nicht wagen dürfe, Cortés gefangen zu nehmen, weil er zu mächtig und zu beliebt bei seinen Offizieren und Soldaten sei. »Cortés schrieb auch selbst an Velázquez all die schönen Worte und Versprechungen, die er so wohl zu formulieren wusste. Er versicherte ihn seiner treuen Anhänglichkeit und meldete ihm, dass er am folgenden Tag die Segel setzen werde.«

LANDUNG AUF COZUMEL UND YUCATÁN

Der Generalkapitän hatte es nun recht eilig, auf die Reise zu gehen. In wenigen Tagen wurden die Waffen in Ordnung gebracht, wobei die Schmiede in der Stadt alle Hände voll zu tun hatten. Schließlich schlug Cortés den Schmieden vor, die Expedition zu begleiten, worauf sie bereitwillig eingingen. Er schickte ein Schiff zu einem Dorf, das dem Gouverneur gehörte und in dem Brot gebacken und Fleisch eingesalzen wurde. Das Kommando hierzu übergab Cortés dem Haushofmeister Diego de Ordás, der im Namen des Gouverneurs Verfügungen treffen konnte, außerdem schaffte der Generalkapitän ihn so bis zur Abreise aus seiner Nähe, da er ihm nicht recht trauen mochte.

Am 10. Februar 1519, nach einer feierlichen Messe, lief die Flotte mit neun Schiffen aus. Zwei Schiffe, die mit Ordás und Alvarado vorausgeschickt worden waren, sollten sich am Kap San Antonio wieder mit dem Gros vereinigen. Die elf Schiffe hatten eine Bemannung von fünfhundertacht Offizieren und Soldaten und hundert Seeleuten. Sechzehn Pferde waren auf die Schiffe verteilt worden, ebenso zehn Bronzekanonen und vier Feldschlangen. Zu den Soldaten zählten zweiunddreißig Armbrust- und dreizehn Büchsenschützen, die Übrigen kämpften nur mit Schwert und Tartsche. Um keine Zeit zu verlieren, beschloss Cortés, die Musterung seiner Streitkräfte auf Cozumel vorzunehmen.

Am Kap San Antonio stieß Diego de Ordás verabredungsgemäß zur Flotte, aber Alvarado fand sich nicht ein. Sein Schiff mit sechzig Mann, zu denen auch Bernal Díaz gehörte, war geradeswegs zur Insel Cozumel weitergesegelt. Als Alvarado dort mit seiner Truppe an Land ging, flohen die Indianer und er konnte nur vierzig Hühner und einige ziemlich wertlose Schmuckstücke erbeuten, außerdem zwei Indianer und eine Indianerin gefangen nehmen.

Als Cortés kurz darauf mit seiner Flotte eintraf, ließ er den Steuermann Comacho in Ketten legen, während er Alvarado als den eigentlich Verantwortlichen nur mit der Bemerkung zurechtwies, das sei nicht das rechte Mittel, die Länder friedlich zu gewinnen. Er mochte den Draufgänger, der ihm noch häufiger große Sorgen bereitete, wohl nicht verärgern. Cortés ließ den Gefangenen die geraubten Dinge zurückgeben und beschenkte sie für die bereits verzehrten Hühner mit spanischen Hemden. Dabei diente Melchorillo als Dolmetscher, Juanillo war bereits gestorben. Am nächsten Tag fand sich der Kazike mit vielen Indianern ein, »und sie gingen alle so zutraulich mit uns um, als wenn sie uns ihr ganzes Leben schon gekannt hätten. Cortés hatte aber auch den strengsten Befehl gegeben, ihnen nicht das geringste Leid zuzufügen. Überhaupt fing er auf dieser Insel sein Werk bereits kräftig an und der Herr gab auch seinen Segen dazu.«

Cortés hatte von den Eingeborenen mehrfach das Wort »Castilan« gehört, und er erfuhr schließlich durch den Dolmetscher, dass sich zwei spanische Gefangene als Sklaven bei einem Kaziken im Landesinnern befänden. Unverzüglich schickte er nun ein Schiff unter Diego de Ordás an die Festlandsküste und ließ indianische Boten mit Schreiben an die Gefangenen ins Land gehen. Tatsächlich wurden die beiden Spanier entdeckt, aber während der eine, Gerónimo de Aguilar, zur Heimkehr bereit war, erklärte der zweite, er habe eine Frau und drei Kinder und gelte im Krieg als Anführer, außerdem sei sein Gesicht auf indianische Weise entstellt, er wolle also lieber im Land bleiben. Als Aguilar nun an der Küste anlangte, war Ordás bereits mit seinem Schiff zurückgekehrt, aber es gelang dem Heimkehrer, mit einem Boot die Flotte bei Cozumel zu erreichen.

Gerónimo de Aguilar war acht Jahre zuvor nach einem Schiffbruch mit fünfzehn Männern und zwei Frauen an diese Küste verschlagen worden. Die meisten seiner Gefährten wurden den Göttern geopfert oder erlagen später den Mühsalen des Sklavenlebens. Mit dem nun endlich befreiten Spanier hatte Cortés aber einen tüchtigen Dolmetscher gewonnen, der sich noch über die Maßen bewähren sollte.

Im März 1519 lief die Flotte aus, um in den Golf von Mexiko zu segeln, aber schon am ersten Tag gab das Schiff des Escalante Notsignale und kehrte um. Da es mit Kassavebrot beladen, also für die Expedition sehr wichtig war, ließ Cortés die ganze Flotte nach Cozumel zurückkehren. Dort wurde das Schiff in vier Tagen ausgebessert.

Als die Flotte wieder ausgelaufen war, erreichte sie die Bucht, an der Aguilar gelebt hatte. Er sagte, die Eingeborenen besäßen Gold, wenn auch nicht allzu viel, und er wolle die Spanier dorthin führen, aber Cortés lachte über seinen Vorschlag und meinte, dass er »wegen solcher Lappalien nicht ausgezogen sei, sondern zum Dienste Gottes und des Königs«. Er entsandte darauf den Hauptmann Escobar mit einem kleinen Schiff in die Bucht, um zu erforschen, ob sie sich zur Ansiedlung eigne und ob die Jagd wirklich so gut sei, wie Grijalva und seine Leute berichtet hatten. Es stimmte.

Eine Woche später, am 12. März 1519, lief die Flotte in die Mündung des Tabasco ein. Grijalva soll hier friedliche Einwohner angetroffen haben, aber nun zeigten sie sich äußerst feindlich. Wie die Spanier später erfuhren, waren sie von den Nachbarstämmen als Feiglinge verhöhnt worden und nun wollten sie diesen Makel löschen. Aguilar gab sich alle Mühe, die am Ufer versammelten Krieger zum Friedensschluss zu bewegen, aber sie drohten mit ihren Waffen und machten einen fürchterlichen Kriegslärm mit ihren Muschelhörnern und Kriegspauken. Die Spanier landeten trotzdem mit ihren Booten und den kleineren Schiffen, aber das Ufer war seicht und schlammig, so dass Cortés einen seiner Schuhe steckenlassen musste. Mit Mühe gelangten sie an Land, doch Cortés ließ noch nicht angreifen, »und wie er alles gern in gehöriger Form verrichtete, ließ er die Einwohner durch den königlichen Sekretarius Diego de Godoy auffordern, uns an Land gehen zu lassen.« [Bernal Díaz]

Es kam jedoch gleich zu einem erbitterten Kampf, wobei die Indianer unaufhörlich schrien: »Al Calachoni! Schlagt den Hauptmann tot!«, während die Spanier mit ihrem Feldgeschrei »Santiago!« antworteten und die Feinde bis zur nächsten Ortschaft zurückschlugen. Hier ließ Cortés haltmachen, um in aller Form Besitz von dem Land zu nehmen, und der Sekretarius nahm alles zu Protokoll. »Nur Velázquez’ Parteigänger waren mit dieser Formalität nicht zufrieden, da der Statthalter darin mit keinem Wort erwähnt worden war.« [Bernal Díaz]

Als am nächsten Morgen Melchorillo als Dolmetscher und Unterhändler ausgeschickt werden sollte, war er verschwunden. Er hatte seine spanische Kleidung, wohl das Einzige, was er vom Christentum angenommen, an einen Baum gehängt und war zu seinen Stammesgenossen übergelaufen. Cortés ließ die Pferde an Land schaffen, und als die spanischen Soldaten von einer wohl dreihundertfachen Übermacht angegriffen wurden und sich kaum noch halten konnten, attackierte er an der Spitze der Reiter die Indianer im Rücken, und alle ergriffen vor diesen unbekannten vierbeinigen Ungeheuern die Flucht, umso eiliger, als auch der tüchtige Stückmeister Mesa seine Kanonen abfeuerte.

Cortés schickte nun fünf Gefangene, unter denen sich zwei Häuptlinge befanden, zum Gegner zurück und ließ sie seine Bereitschaft zu Frieden und Freundschaft erklären. Daraufhin schickten die Kaziken fünfzehn Indianer in Kriegsbemalung, aber Cortés erkannte gleich, dass es Sklaven waren, und wies sie ab. Nun kamen vierzig Kaziken, die dem Eroberer überaus reiche Geschenke aus Gold überreichten, darunter vier Diademe, viele Tierfiguren, zwei Goldmasken und zwei goldene Sonnenscheiben. Als besonderes Friedensgeschenk übergaben sie dem Feldherrn zwanzig indianische Frauen, darunter eine Kazikentochter aus Mexiko. Ihre Mutter hatte sich nach dem Tod ihres Vaters mit einem anderen Kaziken wieder verheiratet. Als sie einen Sohn bekam, wurde die Tochter nach Tabasco geschickt, damit der Stiefbruder zum alleinigen Erben der Herrschaft wurde. Sie wurde nun mit den anderen Indianerinnen in der christlichen Religion unterrichtet und erhielt bei der Taufe den Namen Doña Marina. Da sie die aztekische Sprache beherrschte und bald auch geläufig spanisch sprach, trat sie von nun an bei allen Verhandlungen als Dolmetscherin auf. Cortés gab die getauften Indianerinnen seinen Offizieren, Doña Marina überließ er dem »Alonso Hernández Puertocarrero, der ein wackerer Kavalier und Vetter des Grafen von Medellín war. Als derselbe später nach Spanien ging, nahm Cortés sie zu sich und bekam einen Sohn von ihr, welcher Don Martín Cortés genannt und Komtur von Santiago wurde.« [Bernal Díaz]

Nachdem der Palmsonntag mit Messe und Prozession gefeiert worden war, segelte die Flotte nach San Juan de Ulúa. Kaum lag sie dort vor Anker – Obersteuermann Alaminos kannte die Insel von früher – da kamen zwei große Pirogen zum Schiff des Generalkapitäns, das sie an der großen Flagge erkannten. Sie wurden bewirtet und erklärten dabei, dass ihr Gebieter ein Statthalter des großen Moctezuma sei und dem fremden Herrn seine Aufwartung machen wolle. Am nächsten Tag ließ Cortés das Heerlager in den Dünen aufschlagen. Sie bauten Hütten aus Baumzweigen und errichteten einen Altar, an dem sogleich eine Messe gelesen wurde.

Moctezuma*, der Herrscher der Azteken, hatte längst erfahren, dass fremde Männer auf hohen Schiffen an den Küsten seines Reiches gelandet waren. Er brachte aber die Ankunft der Spanier in einen für ihn verhängnisvollen, für Cortés äußerst günstigen Zusammenhang mit einer alten Überlieferung, wonach der Gott Quetzalcóatl, der dem Land Frieden und Wohlstand bringen wollte, das undankbare Volk verlassen habe und nach Westen über das Meer gegangen sei. Er hatte die Prophezeiung hinterlassen, dass er einmal von Osten wiederkehren werde. Und nun waren diese fremden Männer dort angelangt, weißhäutig und bärtig wie Quetzalcóatl, in schwimmenden Häusern, wie geschrieben stand, und sie beherrschten unheimliche Tiere und traten furchterregend auf mit Donner und Blitz. Noch aber schwankte Moctezuma zwischen Zweifeln und Gewissheit, deshalb hatte er seine Statthalter beauftragt, die Ankömmlinge zu beobachten und genaue Berichte über sie zu erstatten. So trafen also zwei der Statthalter, Teuhtile und Cuitlalpitok, die die umliegenden, von den Azteken vor gar nicht langer Zeit unterworfenen Provinzen beherrschten, im spanischen Lager ein. Hernán Cortés unterbreitete den Gesandten seine Absicht, den Herrscher der Azteken aufsuchen zu wollen. Er berichtete ihnen über den großen fernen Herrscher, über das Weltreich, das er beherrsche, und dass er ihn beauftragt habe, neue Länder unter seine Krone zu bringen.

Cortés gab dem Statthalter recht kümmerliche Geschenke für den großen Moctezuma mit: einen Armsessel, eine Purpurmütze mit einer Goldmünze daran und andere Kleinigkeiten, darunter auch den Sturmhelm eines Soldaten, der die Aufmerksamkeit des Gesandten erregt hatte, wozu der Feldhauptmann den Wunsch äußerte, der Aztekenherrscher möge diesen Helm mit Goldkörnern gefüllt zurücksenden, damit man die Reinheit des Goldes mit dem heimischen vergleichen könne.

Da die Spanier bemerkt hatten, dass zum Gefolge des Statthalters einige Zeichner gehörten, die alles, was sie sahen, geschickt auf Sisaltücher malten, führten sie dem Azteken ein großes Kriegsmanöver vor, wobei vor allem die Reiter ihre Künste zeigten. Die Musketen krachten und der Stückmeister Mesa ließ seine Kanonen donnern. Die Berichte darüber verfehlten denn auch nicht einen gewaltigen Eindruck auf den Aztekenherrscher. Wie Bernal Díaz berichtet, habe aber der Helm die stärkste Wirkung gehabt. »Als er die Sturmhaube erblickte und sie mit der seines Götzen Huitzilopochtli verglich, zweifelte er keinen Augenblick länger, dass wir zu dem Volk gehörten, von dem seine Vorfahren prophezeit hatten, dass es dereinst kommen und sich der Herrschaft über das Land bemächtigen werde.«

Nach einer Woche kehrte der Gesandte von Moctezuma zurück, begleitet von einem Kaziken, der große Ähnlichkeit mit Cortés hatte und deshalb zu diesem Amt ausersehen worden war. Hundert Lastträger trugen Geschenke, die nach langen Zeremonien vor Cortés ausgebreitet wurden. »Das erste war eine Scheibe von der Größe eines Wagenrades, die die Sonne darstellte, ganz aus feinstem Gold und von der schönsten Arbeit, ein Kunstwerk, das nach Aussage derer, die es gewogen haben, über zwanzigtausend Goldpiaster Wert gehabt haben soll. Das zweite eine Scheibe, größer noch als die erste, schwer von Silber, von großem Wert und den Mond darstellend, mit vielen Strahlen und Figuren darauf, das dritte war die Sturmhaube, ganz mit gediegenen Goldkörnern gefüllt.« [Bernal Díaz]

Die Gesandten eröffneten dem Generalkapitän, es sei nicht nötig und überdies sehr schwierig, den Aztekenherrscher in seiner Hauptstadt zu besuchen. Die reichen Geschenke, die offensichtlich Cortés zufrieden stellen und zur Umkehr bewegen sollten, bewirkten aber das Gegenteil, denn der Eroberer erkannte nun erst, welch reiches Land da vor ihm lag. Er erklärte den Gesandten, sein Kaiser und Herr würde es ungnädig aufnehmen, wenn er zurückkehre, ohne den Zweck seiner weiten Reise über so große Meere erfüllt zu haben. »Er gab ihnen aus unserer Armut einen florentinischen Pokal mit Vergoldungen und geschliffenem Laubwerk, dazu drei Hemden aus holländischer Leinwand und andere Kleinigkeiten als Geschenk für Moctezuma mit und empfahl ihnen, ihrem Herrn seine Antwort zu überbringen.« [Bernal Díaz]

Da das Lager der Spanier an einem denkbar ungünstigen Küstenstrich lag und die Versorgung aus dem Land immer schwieriger wurde, schickte Cortés den Hauptmann Montejo mit zwei Schiffen aus, eine Küste nach Norden zu erkunden und einen günstigen Hafen zu suchen. Sie kehrten nach zwei Wochen zurück und Montejo berichtete dem Generalkapitän von einem guten Hafen bei einer Stadt, die Quiauitzlan hieß.

Die Anhänger des Velázquez, nicht Wenige unter den Offizieren, drängten zur Rückkehr nach Kuba. Damit fanden sie aber kaum Gehör bei den Soldaten, da sie den Tauschhandel mit Gold, den Cortés stillschweigend geduldet hatte, unterbinden wollten, womit der arme Landsknecht noch ärmer werden sollte. Cortés aber ging, sicher nur zum Schein, auf ihre Forderung ein, die Expedition abzubrechen. Er hatte richtig kalkuliert, denn die Mehrheit der Truppe, abenteuerlustig und beutehungrig, wollte nicht gerade jetzt heimkehren, wo die Strapazen und Leiden erst anfingen, sich zu lohnen. Cortés gab nur zu gern dem Druck der großen Mehrheit nach und sah sich gezwungen zu tun, was er ohnehin gewollt hatte.

Es wurde nun beschlossen, an der ausgekundschafteten Bucht eine Stadt zu gründen, die den Namen Villa Rica de la Vera Cruz – Reiche Stadt vom Heiligen Kreuz – erhielt. Ganz nach spanischem Recht und in beachtenswert demokratischer Weise wählte dann die Gesamtheit der Soldaten und ihrer Führer die Alkalden, Ratsherren, Richter und Sekretäre und auch einen Kolonieverwaltungsrat, deren Wahl nun nur noch vom König bestätigt werden musste, eine Formsache, die die Gründung der Stadt und vor allem die Amtsübernahme durch die Gewählten aber nicht verzögerte.

Es bleibt kaum zu erwähnen, dass die meisten Ämter von Freunden und Anhängern des Hernán Cortés besetzt wurden, während er selber nun in feierlicher Form zum Generalkapitän und Oberrichter berufen wurde. Damit war die ganze Unternehmung der Oberhoheit des Statthalters Velázquez enthoben und nach spanischem Recht unmittelbar dem König und Kaiser unterstellt. Cortés war jetzt nicht mehr der abtrünnige Gefolgsmann des dicken Gouverneurs oder gar ein gesetzloser Abenteurer, sondern ein gehorsamer Diener des Königs.

AN DEN GRENZEN DES GROSSEN REICHES

Eines Tages trafen Abgesandte des Kaziken von Cempoala ein, die sich Totonaken nannten. Sie berichteten, ihr Land werde von Moctezuma hart unterdrückt und ihr Kazike bäte Cortés um seinen baldigen Besuch. Cortés erfuhr hier zum ersten Mal, dass der mächtige Aztekenherrscher auch unterdrückte Völker zu seinem Reich zählte, und er beschloss sogleich, diesen für seine Unternehmung günstigen Umstand klug und rücksichtslos zu nutzen. Er zog mit seiner ganzen Streitmacht nach Cempoala. Als die Truppen sich der Stadt Cempoala näherten, vorsichtshalber in kriegsmäßiger Ordnung, kamen ihnen zwanzig vornehme Indianer entgegen, um sie im Namen des Kaziken willkommen zu heißen, da ihr Herr sich »wegen seiner schweren Leibesfülle« nicht zu ihnen begeben könne. Der »dicke Kazike«, wie Bernal Díaz ihn nun nannte, empfing Cortés in dem Quartier, das er für die Spanier bereitgestellt hatte, und ließ seine Gäste reich bewirten. Dann folgte die Audienz, in der er bittere Klagen über seinen Zwingherrn Moctezuma führte, die Cortés mit der Erklärung beantwortete, er sei ein Vasall des großen Kaisers Karl, der ihn ausgesandt habe, »die Bösen zu bestrafen und seinen Befehl zu verkünden, dass keine Menschenopfer mehr verübt werden sollten«.

Am nächsten Morgen zog die Truppe weiter nach Quiauitzlan, wo die nach allen demokratischen Regeln längst gegründete, aber noch mit keinem Stein existierende Stadt Veracruz nun erbaut werden sollte. »Man gab uns vierhundert Lastträger mit, die in dieser Gegend Zlamemes genannt werden, und wir waren höchst erfreut, als jeder von uns einen Mann für sein Gepäck bekam, denn vorher hatten wir unsere Schnappsäcke immer selbst tragen müssen.« [Bernal Díaz]

Die Spanier erreichten in Kriegsordnung die Felsenstadt Quiauitzlan, aber die Einwohner hatten aus Furcht vor den ungestümen Eindringlingen die Stadt geräumt, bis auf etwa fünfzehn Indianer, die die Fremden in einem Tempel erwarteten und unter vielen Zeremonien beweihräucherten. »Cortés erwiderte ihren Empfang mit größter Freundlichkeit und sagte ihnen Vieles über unsere heilige Religion und über unseren großen Kaiser, wie dies immer unser Brauch war, wo wir hinkamen. Er machte ihnen auch gleich einige Geschenke in Form von grünen Glaskorallen und anderen Siebensachen aus Spanien.« [Bernal Díaz]

Währenddessen wurde unvermutet der dicke Kazike herbeigetragen. Er erneuerte seine Klagen über Moctezuma und alle übrigen Vornehmen stimmten ihm zu. Weinend berichtete er, dass der Unterdrücker alljährlich eine große Zahl ihrer Söhne und Töchter wegschleppen ließ, um sie den Göttern zu opfern oder in Sklaverei zu werfen. »Seine Steuereintreiber nähmen ihre Frauen und Töchter, wenn sie hübsch seien, und missbrauchten sie zu ihren Lüsten.« Cortés tröstete den Kaziken und versprach ihm seine Hilfe.

Während dieser Unterredung traf plötzlich die Nachricht ein, dass soeben fünf mexikanische Steuerbeamte angelangt seien. Der Kazike wurde blass vor Angst und gab seinen ebenso bangen Gefolgsleuten den Befehl, Moctezumas Boten in ihr Quartier zu geleiten. Auf dem Weg dorthin kamen die stolzen Mexikaner an den Spaniern vorüber, würdigten sie jedoch keines Blickes. Als Cortés bald darauf den Kaziken zu sich rief, erfuhr er, dass die Steuereintreiber Moctezumas als Sühne für die den Spaniern erwiesene Gastfreundschaft zwanzig totonakische Männer und Frauen gefordert hätten, um sie ihrem Gott Huitzilopochtli zu opfern. Cortés forderte den vor Angst zitternden Kaziken nun auf, die fünf Steuerbeamten festzunehmen, und wirklich wurden die Mexikaner auf seinen Befehl überwältigt und an Pfähle gebunden. Nun einmal in Aufruhr, wollten die Totonaken ihre Peiniger auch den Götzen opfern, aber Cortés nahm die Gefangenen in seine Obhut.

In der folgenden Nacht wurden zwei von ihnen freigelassen und nach Mexiko zurückgeschickt. Cortés spielte dem Kaziken seine Überraschung über die Flucht der zwei Mexikaner vor und ließ die übrigen drei in Ketten legen und auf ein Schiff bringen. Dort aber wurden ihnen die Fesseln abgenommen mit der Ankündigung, dass sie bald schon nach Mexiko zurückkehren könnten. So hatte Cortés es mit List und Gewandtheit erreicht, dass er die Totonaken zum Aufruhr angestiftet und damit von seiner Hilfe abhängig gemacht hatte, während er dem fernen Herrscher der Azteken seine Neutralität beweisen konnte.

Die Kaziken von dreißig totonakischen Städten erklärten nun dem Generalkapitän, seinem großen König und Kaiser Treue geloben zu wollen, und der immer auf Recht und Gesetzlichkeit bedachte Hernán Cortés ließ durch seinen Notar Diego de Godoy einen förmlichen Unterwerfungs- und Bündnisvertrag aufsetzen, der allen Totonaken mitgeteilt wurde. So waren die Kaziken des Landes glücklich darüber, die Gewaltherrschaft Moctezumas abgeworfen zu haben, während Cortés die ersten Bundesgenossen für die kommenden Auseinandersetzungen gewonnen hatte.

Umso wichtiger war es nun, in dem befreundeten Land, einem volkreichen Hinterland für die kommenden Operationen, die geplante Stadt Veracruz anzulegen. Spanier und Totonaken arbeiteten denn auch einträchtig daran, Straßenzüge anzulegen und Häuser zu bauen, vor allem aber die öffentlichen Gebäude, und zur Verteidigung eine Zitadelle zu errichten. »Cortés selbst legte zuerst Hand an, nahm den Korb mit Steinen und Erde auf den Rücken und arbeitete beim Ausgraben der Fundamente mit.« [Bernal Díaz]

Während solch rastloser Arbeit erschienen neue Gesandte von Moctezuma, der Cortés für die Freilassung der beiden Steuerbeamten danken und dazu erklären ließ, nur die Anwesenheit der Spanier halte ihn davon zurück, die Totonaken zu züchtigen. Cortés ließ jetzt auch die drei anderen Gefangenen frei und gab den Gesandten die Erklärung mit, dass die Totonaken nun Untertanen des Kaisers seien, doch wolle er darüber und über vieles andere mit dem Aztekenherrscher reden, wenn er die Ehre haben werde, ihm seinen Besuch zu machen. Er entließ die Gesandten nicht, ohne ihnen die billigen, aber recht begehrten Glasperlen zu schenken, und um sie gehörig einzuschüchtern, führte er ihnen zum Abschied die wilden Künste seiner Reiterei vor.

Die Cempoalaer aber, die nichts anderes erwartet hatten, als dass Moctezuma ihr Land mit Krieg überziehen werde, stattdessen aber eine vornehme Gesandtschaft mit Haufen von Geschenken vor Cortés sahen, der sie gelassen empfing, waren nun vollends überzeugt, dass die unheimlichen fremden Männer Götter sein müssten. Der dicke Kazike fand denn auch die Gelegenheit günstig, Cortés um Hilfe gegen die mexikanische Garnison in Cingapacinga zu bitten, da von dort aus immer wieder Raubzüge in das Land der Totonaken unternommen würden. Cortés versprach ihm, das Land von dieser Plage befreien zu wollen.

Als das spanische Heer, voran der Stückmeister Mesa mit den Geschützen, die Stadt Cingapacinga erreichte, zeigte sich, dass die mexikanische Besatzung bereits abgezogen war. Nur mit Mühe verhinderte Cortés, dass die zweitausend Mann starke Hilfstruppe der Totonaken die Stadt trotzdem plündern wollte, womit sie bereits begonnen hatte. Er tadelte deswegen den dicken Kaziken und die anderen Häuptlinge recht scharf, weshalb diese sich beeilten, die Spanier freundlich zu stimmen. Sie boten ihnen gute Quartiere, reichlichen Unterhalt und als besonderes Geschenk acht ihrer Töchter an, »um eine gemeinsame Nachkommenschaft zu erzielen. Eine davon, eine Nichte des dicken Kaziken, bekam Cortés.« [Bernal Díaz]

Der Feldherr dankte dem Kaziken »mit viel Heiterkeit, aber sie müssten nun auch auf ihre Götzen verzichten und ihnen keine Opfer mehr bringen. Von nun an wolle er von all diesen Abscheulichkeiten, von Menschenopfern und Sodomitereien nichts mehr sehen und hören. Die Frauen müssten zuerst Christinnen werden, ehe wir sie annehmen könnten, und dann müsste jede unnatürliche Lust unter ihnen aufhören und keiner ihrer jungen Burschen mehr in Frauenkleidern herumlaufen und aus der verfluchten Unzucht ein Gewerbe machen dürfen. Und wirklich war auch kaum ein Tag vergangen, an dem diese Leute nicht vor unseren Augen drei, vier und sogar fünf Indianer opferten und ihnen die Herzen aus der Brust rissen, um sie ihren Götzen darzubringen und das Blut an die Tempelwände zu schmieren. Die Arme und Beine wurden sodann den unglücklichen Schlachtopfern abgeschnitten und aufgezehrt, gerade wie man bei uns das Fleisch aus dem Schlachthaus isst. Ich glaube sogar, dass Menschenfleisch stückweise auf ihren Märkten verkauft wurde.« So berichtet Bernal Díaz.

Es entstand nun ein Disput zwischen den Spaniern und den Kaziken und Götzenpriestern, wobei die Cempoalaer erklärten, dass sie ihre Götter, von denen alles Gute käme, unmöglich aufgeben könnten. Darauf hielt Cortés eine leidenschaftliche Ansprache an seine Soldaten, in der er erklärte, der Götzendienerei müsse nun ein Ende gesetzt werden, und wenn es ihrer aller Leben koste. Der dicke Kazike, nicht weniger fanatisch als Cortés, wollte nun seine Untertanen zur Gegenwehr aufrufen, aber nachdem Doña Marina ihn mit leidenschaftlichen Worten gewarnt hatte, gab er den Widerstand auf und verhüllte sein Gesicht vor dem Entsetzlichen, was nun geschehen würde.

Fünfzig Spanier stürzten auf einen Befehl die Tempelstufen hinauf und warfen die Götzenbilder hinunter. Die Statuen zerschellten, ohne dass die Götter mit Blitz und Donner dreinfuhren. Als nun angesichts dieses Frevels doch einige Pfeile auf die Spanier abgeschossen wurden, nahm Cortés den dicken Kaziken und mehrere Götzenpriester gefangen, worauf sofort Waffenruhe eintrat. Nun machten die Spanier sich mit allem Eifer daran, den Tempel in ein christliches Gotteshaus umzuwandeln. Sie errichteten einen Altar und schmückten ihn mit vielen Blumen. Vier Papas (Götzenpriester) bekamen den Auftrag, das Haus reinzuhalten und täglich mit neuen Blumen zu versehen. Der halblahme Invalide Juan de Torres sollte das Amt des Kirchendieners übernehmen. Den Götzenpriestern aber wurden die langen, blutverkrusteten Haare abgeschnitten und die schmutzigen Mäntel ausgezogen und durch weiße ersetzt. Nun folgte die feierliche Taufe der acht indianischen Jungfrauen, denn dann erst konnten die Spanier sie zu sich nehmen, wenn auch zu einer permanenten Todsünde oder gar zur Bigamie. Die Nichte des dicken Kaziken erhielt den Namen Catalina. »Sie war garstig und wurde dem Cortés gegeben, der sie mit allem Anschein von Vergnügen annahm.« [Bernal Díaz]

Als die Spanier von diesem Zug nach Veracruz zurückkehrten, war dort ein Schiff mit dem Hauptmann Luis Marín, zwölf Mann und zwei Pferden angelangt, eine geringe, aber willkommene Verstärkung. Es brachte die wichtige Nachricht mit, dass der Gouverneur Velázquez vom spanischen Hof seine Ernennung zum Adelantado von Kuba und das Privileg erhalten hatte, auf dem Festland zu handeln und Kolonien zu gründen, Grund genug für Cortés, umso mehr auf der Hut zu sein, Grund aber auch zur Freude für seine Gegner.

In Veracruz wurde nun mit Eifer weitergebaut, und als die Zitadelle errichtet und nichts mehr zu tun war, brannten die Krieger darauf, endlich in das Reich des reichen Aztekenfürsten zu marschieren. Sie wären aber schlechte Spanier gewesen, wenn sie nicht darauf gedrängt hätten, einen Bericht an den Kaiser abzusenden und ihm an Schätzen zu Füßen zu legen, was sie als Geschenk oder als Beute bekommen hatten. Um diesen Schatz recht ansehnlich und eines Kaisers würdig zu machen – die goldene Sonne und der Silbermond bildeten die Hauptstücke darin –, verzichteten die Soldaten und Offiziere sogar auf ihren Anteil, allerdings in der Hoffnung, in der Folgezeit umso mehr erbeuten zu können.

Der Stadtrat von Veracruz schrieb nun also einen ausführlichen Bericht über den bisherigen Verlauf der Expedition, wobei die Verdienste des von ihnen gewählten Generalkapitäns und Oberrichters Hernán Cortés gebührend hervorgehoben wurden. »Nachdem alles fertig war«, schreibt Bernal Díaz, der kenntnisreiche Berichterstatter, »begehrte Cortés das Schreiben zu lesen, und als er den ganzen Bericht so treu und wahr aufgesetzt und sich selbst darin so hoch gepriesen fand, war er sehr erfreut, dankte uns herzlich und versprach uns goldene Berge. Nur bemerkte er, dass es gut sei, das Fünftel von allem Gold, das wir ihm zugesagt hatten, nicht zu erwähnen und auch von den ersten Entdeckern des Landes zu schweigen. In seinem eigenen Bericht dazu schrieb er auch über die Pläne des Gouverneurs von Kuba und stellte dessen Unternehmungen als Spekulationen eines habsüchtigen Statthalters dar, die eigene Expedition aber als eine opfervolle Tat zu Ehren und zum Nutzen der Krone.«

Der Stadtrat wie auch der Generalkapitän baten in ihrer Eingabe um die königliche Bestätigung aller bereits unternommenen Schritte und Maßnahmen, weiter um die Ernennung des Hernán Cortés in seinen vorläufig übernommenen Ämtern. Zu Überbringern der Berichte und Anträge erwählte Cortés seinen Vertrauten Alonso Hernández Puertocarrero und Francisco de Montejo, einen Anhänger des Velázquez, und gab ihnen auf seinem besten Schiff den tüchtigen Steuermann Alaminos mit, der die gefährlichen Gewässer um die Bahama-Inseln kannte. Die Kuriere erhielten den strikten Befehl, vor Spähern des Velázquez auf der Hut zu sein und auf keinen Fall auf Kuba zu landen.

Am 26. Juli 1519 ging das Schiff mit fünfzehn Matrosen bemannt unter Segel. Es war ein Unternehmen, von dem nicht nur die glückliche Überbringung einer großen und bis dahin nie gesehenen Beute, sondern auch die durch königliche Gnade legalisierte Eroberung – wenigstens in den Augen der Spanier – abhängen sollte. Hernán Cortés wartete allerdings die königliche Ernennung nicht ab, sein Tatendrang und das Gebot der Stunde zwangen ihn dazu, nun auch in das große Reich einzudringen, zu dem das Tor bereits aufgestoßen war.


Der Sonnengott Tonatiuh (Nach einer indianischen Zeichnung)

Über alle weiteren Unternehmungen berichtete Hernán Cortés dem Kaiser und König in ausführlichen Briefen, die nun folgen und von den Taten und Abenteuern des großen Eroberers und seiner mutigen Schar mit seinen eigenen Worten künden sollen.

* Der daneben üblichen Schreibweise »Montezuma« wurde unter Berücksichtigung texteditorischer Gesichtpunkte die ursprünglichere, hier verwendete Schreibweise »Moctezuma« vorgezogen, da die abendländische Schreibweise Ergebnis einer phonologischen Fehldeutung ist (Anm d. Verl.).

BERICHT VOM 30. OKTOBER 1520

ERSTES KAPITEL

Hinweis auf den ersten Bericht – Lob des neuentdeckten Landes – Entschuldigung etwaiger Unvollständigkeit des Berichtes

Allerhöchster, Großmächtigster,

Sehr katholischer Fürst,

Unüberwindlicher Kaiser und Herr!

Mit einem Schiff, das ich aus diesem neuspanischen Reich Eurer Majestät am 16. Juli 15 19 abgefertigt habe, übersandte ich einen langen und eingehenden Bericht über alle Begebenheiten, die sich seit meiner Ankunft in diesem Land ereignet hatten. Überbringer dieses Berichtes waren Alonso Hernández Puertocarrero und Francisco de Montejo, Prokuratoren der Villa Rica de la Vera Cruz, die ich im Namen Eurer Hoheit gegründet hatte. Seitdem habe ich, weil Mangel an Schiffen war und weil ich mit der Eroberung und Pazifizierung dieser Länder außerordentlich in Anspruch genommen wurde und nichts von den abgesandten Prokuratoren gehört hatte, keinen weiteren Bericht an Eure Majestät darüber geschrieben, was überdies geschehen ist, und Gott weiß, welches Ungemach ich dabei erduldet habe.

Nun wünsche ich, dass Eure Hoheit jetzt die Verhältnisse dieses Landes kennenlernen, die so zahlreich und solcherart sind, dass Eure Majestät sich noch einmal Kaiser nennen könnte und dass dieser Titel nicht weniger Wert haben würde als der von Deutschland, den Eure Majestät durch die Gnade Gottes besitzen. Von diesen Ländern und Reichen aber alle Einzelheiten und Dinge berichten zu wollen, das würde heißen, sich gleichsam in die Unendlichkeit zu begeben. Wenn ich daher nicht über alles so ausführlichen Bericht erstatte, wie ich wohl sollte, so bitte ich um Vergebung, weil weder meine Fähigkeiten dazu ausreichen, noch die Zeitumstände, in denen ich mich befinde, mir günstig sind. Dennoch werde ich mich bemühen, so gut ich es vermag, die Wahrheit über alles zu berichten, was Eurer Majestät zu wissen nottut.

ZWEITES KAPITEL

Aufbruch nach Cempoala – Meuterei des Juan Escudero und seiner Genossen – Zerstörung der Schiffe

Im vorigen Bericht habe ich die Städte und Dörfer genannt, die sich bis dahin zum königlichen Dienst erboten hatten und die ich in Unterwerfung und Untertänigkeit hielt. Ich habe auch bereits berichtet, wie ich von einem großen Herrn Kunde erhielt, der sich Moctezuma nennt und nach den Angaben der Eingeborenen neunzig bis hundert Leguas von unserem Hafen entfernt im Innern des Landes wohnt, weiter, dass ich ihn im Vertrauen auf die Größe Gottes und die Macht des Königs aufzusuchen gedächte. Ich entsinne mich auch, dass ich Eurer Majestät versichert habe, ihn gefangen oder tot oder als Untertan der königlichen Krone zu sehen.

Mit diesem Entschluss und in dieser Absicht rückte ich am 16. August 1519 mit fünfzehn Reitern und dreihundert Mann Fußvolk aus der Stadt Cempoala aus. In Veracruz ließ ich eine Besatzung von einhundertfünfzig Mann und zwei Reitern zurück, die dort die Festung bauen sollten, die fast vollendet war. Die ganze Provinz Cempoala mit etwa fünfzigtausend Kriegern in fünfzig Städten und Flecken, alle friedlich und zuverlässig und treue Vasallen Eurer Majestät, unterstellte ich der Besatzung von Veracruz. Sie waren mit Gewalt und erst seit Kurzem Untertanen jenes Herrn Moctezuma geworden, aber als sie durch mich Kenntnis von Eurer Majestät und Eurer Majestät großer Macht erhielten, verlangten sie, Vasallen Eurer Hoheit und meine Freunde zu werden. Sie baten mich um Schutz gegen jenen großen Herrn, der sie mit Gewalt und Tyrannei unterdrücke und ihre Kinder raube, um sie zu schlachten und seinen Götzen zu opfern. Nun sind sie sehr zuverlässig und treu, und ich glaube, sie werden es immer sein, weil ich sie von der Tyrannei befreit habe. Zur größeren Sicherheit der Spanier, die ich in der Stadt zurückließ, führte ich einige ihrer Vornehmen mit mir fort, dazu anderes Volk, das sich auf meinem Marsch recht nützlich erwies.

Nun waren aber einige aus der mit mir zu Schiff gekommenen Truppe Diener und Freunde des Diego Velázquez, und es hatte sie all das verdrossen, was ich im Dienste Eurer Majestät vollbracht habe. Einige hatten sogar die Absicht gehabt, mich festzunehmen und aus dem Land zu schaffen, namentlich die vier Spanier Juan Escudero, Diego Cermeño, Piloto und Gonzalez de Ungria. Wie sie später freiwillig bekannten, waren sie entschlossen gewesen, sich meiner im Hafen liegenden, mit Brot und Pökelfleisch beladenen Brigantinen zu bemächtigen, den Befehlshaber zu töten und nach der Insel Fernandina [Kuba] zu segeln, um Diego Velázquez vom Abgang des Schiffes, das ich an Eure Hoheit gesandt habe, und von der Ladung und dem Kurs zu berichten, damit ein Schiff auf die Lauer gelegt werden könnte. Wie man mir später berichtete, hat er auch dem Schiff eine Karavelle nachgesandt, aber der Vorsprung war zu groß gewesen. Sie bekannten auch, dass noch andere Personen im Dienst des Diego Velázquez standen, auf Grund solcher Bekenntnisse bestrafte ich die Übeltäter dem Gesetz gemäß und tat, was mir unter den gegebenen Umständen nötig schien.

(Bernal Díaz berichtet genauer darüber: Es wurde ein förmliches Kriegsgericht gehalten und das Urteil lautete für Juan Escudero und Juan Cermeño auf den Strang, dem Steuermann Diego Gonzalez de Umbría wurden die Füße abgehackt und die Matrosen bekamen je zweihundert Rutenhiebe. Wäre der Pater Juan kein Geistlicher gewesen, so würde es auch ihm schlimm ergangen sein. So kam er mit der bloßen Angst davon.)

Außer denen, die als Anhänger des Velázquez das Bedürfnis gehabt hatten, sich aus dem Land davonzumachen, gab es noch andere, die den gleichen Vorsatz fassten, indem sie erwogen, wie groß und bevölkert und überhaupt von welcher Art dieses Land sei, wir Spanier aber nur so Wenige. Und es schien so, als würden sie sich bei erster Gelegenheit mit den Schiffen davonmachen. Ich müsste dann allein zurückbleiben, und der große Dienst wäre vereitelt, der Gott und Eurer Majestät in diesem Land erwiesen worden ist. So ergriff ich denn das letzte Mittel und ließ die Schiffe unter dem Vorwand, dass sie nicht mehr seetüchtig seien, auf den Strand laufen. Damit ging allen, die noch die Absicht hatten, aus dem Land zu entkommen, die letzte Hoffnung verloren. Ich aber konnte mich mit größerer Sicherheit auf den Marsch begeben, ohne befürchten zu müssen, dass mir die Mannschaft, die ich in der Stadt zurückließ, auf und davon gehen könnte.

DRITTES KAPITEL

Gefangennahme einiger Leute von der Expedition des Francisco de Garay – Erste Nachrichten vom Fluss Pánuco

Acht oder zehn Tage, nachdem ich die Schiffe hatte stranden lassen und bereits von Veracruz in Richtung des etwa vier Leguas* entfernten Cempoala abmarschiert war, wurde mir berichtet, dass vier Schiffe an der Küste kreuzten. Der von mir zurückgelassene Befehlshaber sei in einer Barke herangesegelt und habe erfahren, sie gehörten Francisco de Garay, Leutnant und Gouverneur der Insel Jamaica, und gingen auf Entdeckungen aus. Der Stadtkommandant eröffnete ihnen hierauf, dass ich bereits diesen Hafen besetzt und eine Stadt gebaut hätte, nur eine Stunde weit von der Stelle, wo die Schiffe kreuzten. Sie könnten sich dorthin begeben, dann solle mir ihre Ankunft gemeldet werden, und wenn sie sich in Not befinden sollten, könne ihnen dort geholfen werden. Als der Kommandant ihnen die Lage des Hafens zeigte, erklärten sie, ihn bereits im Vorbeisegeln gesehen zu haben, und sie wollten tun, was ihnen geraten worden sei.

Die Schiffe kreuzten aber weiter an der Küste, und man wisse nicht, was ihre Absicht sein könne. Ich begab mich deshalb sogleich zu der Stadt, wo ich erfuhr, dass die Schiffe drei Leguas weit die Küste abwärts gesteuert seien, worauf ich mich mit einigen Leuten die Küste entlang auf Kundschaft begab. Als ich mich auf etwa eine Legua den Schiffen genähert hatte, begegnete ich drei Männern der Besatzung, von denen einer vorgab, ein Notar zu sein und die anderen als Zeugen mit sich zu führen, denn sein Kapitän habe ihm befohlen, eine schriftliche Forderung an mich zu stellen, die er auch wirklich bei sich hatte. Darin gab er mir zu verstehen, dass er dieses Land entdeckt habe und hier siedeln wolle, und er fordere mich auf, mit ihm eine Grenzscheidung zu vereinbaren, da er seinen Sitz abwärts an der Küste zu nehmen wünsche, fünf Leguas jenseits Nautecal [Nauhtla], einer Stadt, die zwölf Leguas von Veracruz entfernt liegt.

Hierauf erwiderte ich, der Kapitän möge selbst kommen und seine Schiffe in den Hafen von Veracruz einlaufen lassen, dort wollten wir uns besprechen, und ich würde dann ja erfahren, welche Bewandtnis es mit seiner Ankunft habe. Wenn seine Schiffe oder Mannschaften irgendetwas benötigten, wolle ich sie unterstützen, soweit es in meiner Kraft stände. Darauf erwiderten sie, dass weder der Kapitän noch irgendwer von der Mannschaft zu mir an Land kommen werde. Ich vermutete nun, dass sie irgendeinen bösen Streich verübt haben müssten, und so begab ich mich, als es schon Nacht geworden war, ganz nahe an die Küste, den Schiffen gerade gegenüber, und blieb dort in einem Versteck bis zum anderen Mittag, da ich glaubte, der Kapitän oder der Steuermann würde an Land kommen, wo ich dann von ihnen erfahren könnte, wo sie gewesen waren und was sie getan hätten, um sie, wenn sie irgendetwas verbrochen, Eurer Majestät zu übersenden. Als aber niemand kam, ließ ich die drei, die an Land gekommen waren, ihre Kleider ausziehen, worauf einige meiner Leute sie anzogen und an den Strand gehen mussten. Dort riefen sie nach den Schiffen, und bald sah man von dort ein Boot abstoßen, in dem zehn bis zwölf mit Armbrüsten und Musketen bewaffnete Männer saßen. Als meine Leute sich in ein nahes Gebüsch zurückzogen, stiegen vier Mann an Land, die nun von meiner Mannschaft umringt und gefangen genommen wurden. Einer von ihnen, der Kapitän des einen Schiffes, wollte bereits Feuer auf den Kommandanten von Veracruz geben und hätte ihn getötet, wenn nicht Gott der Herr gewollt hätte, dass die Lunte nicht zündete. Die Leute, die im Boot geblieben waren, stachen wieder in See und die Schiffe setzten die Segel.

Von den bei mir Zurückgebliebenen erfuhr ich nun, sie seien an einem Fluss gewesen, etwa dreißig Leguas jenseits Almería [Nauhtla], wo sie bei den Eingeborenen Lebensmittel eingetauscht hätten. Im Tauschhandel hätten sie auch einen Wert von 3000 Gold-Kastiliern an sich gebracht. An Land seien sie nicht gegangen, aber sie hätten alles von den Schiffen aus sehen können. Steinerne Häuser gäbe es dort nicht, sondern nur Strohhütten auf einer gemauerten Grundlage.

Hierüber erfuhr ich später mehr durch Moctezuma und Eingeborene jenes Landes, die sich bei ihm befanden und die ich von dort absandte, um mit dem Oberhaupt an jenem Fluss, der Pánuco heißt, zu reden und ihn für den Dienst Eurer Majestät zu gewinnen. Dieser aber sandte an mich einen Herrn von Stand, den Kaziken eines großen Dorfes, der mir Stoffe, edle Steine und Federbüsche überbrachte und mir sagte, dass er und das ganze Land Vasallen Eurer Majestät und meine guten Freunde sein wollten. Ich gab ihm dafür Geschenke aus Spanien, womit er so sehr zufrieden war, dass er, als später andere Schiffe des Francisco de Garay gesichtet wurden, mir die Meldung davon machte und die Mitteilung, er lasse erkunden, ob die Besatzungen meine Landsleute seien, und wenn dies stimme, wolle er ihnen geben, was sie brauchten. Und wirklich hat er ihnen eine Anzahl Frauen, Hühner und andere Lebensmittel gesandt.

* 1 Legua = 5,572 km.

VIERTES KAPITEL

Abmarsch von Cempoala – Überschreitung des ersten und zweiten Cordillerenpasses – Missglückter Bekehrungsversuch

Ich rückte nun drei Tagereisen im Gebiet von Cempoala weiter, wo ich von den Eingeborenen sehr gut empfangen und bewirtet wurde. Am vierten Tag gelangte ich in die Provinz Xochimilco, in der eine wohlbefestigte Stadt lag. Sie war am Abhang eines sehr steilen Gebirges erbaut, und eine schmale Treppe führte hinauf, die nur von Fußgängern begangen werden konnte, aber auch für sie noch schwierig genug war, wenn die Einwohner ihre Stadt [Naolinco] verteidigen wollten. Im Tal liegen viele Dörfer und Landgüter von je zweihundert, dreihundert oder fünfhundert Landwirten, was im Ganzen fünf- bis sechstausend waffenfähige Männer ausmachen kann. All dies steht unter der Herrschaft Moctezumas. Hier wurde ich sehr gut aufgenommen, und ich bekam reichlich Proviant für meinen Marsch. Sie sagten mir, sie wüssten wohl, dass ich ihren Herrn Moctezuma besuchen wolle, der gewiss mein Freund sei, da er ihnen den Befehl gegeben habe, mir in allen Städten den besten Empfang zu bereiten. Ich erwiderte ihnen, dass Eure Majestät bereits Kunde von ihrem Herrn besitze und ihn zu besuchen mir befohlen habe, und einzig um ihn zu besuchen, ginge ich zu ihm.

Nun gelangte ich durch den Gebirgspass am Ende der Provinz, den wir Nombre de Dios [später Paso des Obispo] nannten. Er war der erste, den wir in diesem Land überschritten. Er ist so steil und hoch, dass es in Spanien keinen von gleicher Schwierigkeit gibt. Ich passierte ihn sicher und ohne Widerstand zu finden. Beim Abstieg trifft man auf viele Bauernhöfe, die zu der Festung Ceyconacan gehören, auch diese Eigentum des Moctezuma. Wir wurden recht freundlich empfangen und ich erklärte den Einwohnern wieder den Zweck meiner Reise.

Von hier aus marschierte ich drei Tage durch eine öde Wüste, unbewohnbar durch Unfruchtbarkeit, Wassermangel und große Kälte. Gott aber weiß, welches Ungemach hier das Volk durch Hunger und Durst erduldete, besonders aber durch einen Wirbelsturm mit Hagel und Platzregen, der uns in dieser Wüste packte, so dass ich dachte, es würden viele meiner Leute vor Kälte umkommen. Wirklich starben auch einige Indianer von der Insel Fernandina [Kuba], weil sie zu leicht bekleidet waren.

Am Ende dieser drei Tagereisen passierten wir eine andere Gebirgsenge, die nicht so steil wie die erste war [Sierra del Agua]. Auf der höchsten Spitze stand ein kleiner Turm wie ein Bethaus, wo Götzenbilder aufbewahrt wurden. Um den Turm herum lagen mehr als tausend Fuder geschlagenes Holz, gut aufgeschichtet. Beim Herabsteigen aus diesem Pass fanden wir zwischen einigen sehr steilen Bergrücken ein stark bevölkertes Tal, aber dem Anschein nach von einer recht armen Bevölkerung bewohnt. Nach einem Marsch von zwei Stunden gelangte ich an einen ansprechenderen Wohnsitz, der anscheinend dem Herrn dieses Tales gehörte. Es waren die größten und bestgebauten Häuser, die wir bis hierher gesehen hatten. Sie waren aus behauenen Steinen gebaut und hatten viele große Säle und Zimmer. Tal und Ortschaft führten den Namen Caltamni [Tlantlanquitepec].

Der Kazike [Olintetl] nahm mich sehr freundlich auf. Nachdem ich ihm den Grund meiner Ankunft eröffnet hatte, fragte ich ihn, ob er Vasall von Moctezuma sei oder irgendeinem anderen Verband angehöre. Darauf antwortete er verwundert: »Gibt es denn jemand, der nicht Vasall des Moctezuma ist?« Nun begann ich, von Eurer Majestät großer Macht und Herrlichkeit zu erzählen und wie viele größere Herren als Moctezuma Eure Vasallen seien und die Gnade, es zu sein, nicht geringschätzten. Dazu solle auch Moctezuma aufgefordert werden und damit hochgeehrt sein, aber er müsse bestraft werden, wenn er sich weigere zu gehorchen.

Ich ersuchte ihn, mir einiges Gold zu geben, um es Eurer Majestät zu übersenden. Darauf antwortete er, Gold habe er wohl, aber er werde es mir nicht geben, bis Moctezuma dies befehlen würde, dann aber solle seine Person und seine ganze Habe zu meinen Diensten sein. Ich zeigte gute Miene dazu, um ihn nicht stutzig zu machen, und sagte ihm nur, dass der Befehl Moctezumas, mir das Gold und alles Übrige zu geben, sehr bald eintreffen werde.

FÜNFTES KAPITEL

Einmarsch in die Republik Tlaxcala – Harte Kämpfe mit den Tlaxcalteken – Mutlosigkeit der Spanier – Schlussendlicher Sieg

In diesem Tal besuchten mich zwei andere Herren, die hier ihre Güter hatten. Sie schenkten mir goldene Halsbänder von geringem Gewicht und Wert und sieben oder acht Sklavinnen. Nach einem Aufenthalt von fünf oder sechs Tagen begab ich mich zum Wohnsitz eines anderen Herrn, der zwei Leguas talaufwärts liegt und Ystacmestitan genannt wird. Diese Herrschaft erstreckt sich über drei bis vier Leguas bebauten Grundes, Haus an Haus, am Ufer eines kleinen Flusses, der das Tal durchschneidet. Auf einem hohen Hügel liegt das Herrenhaus mit einer Festung, besser mit Mauern und Graben umgeben, als man sie in halb Spanien findet. Oben auf dem Hügel befindet sich eine Ortschaft mit vier- bis fünftausend Einwohnern. Hier wurde ich gleichfalls freundlich aufgenommen, und auch hier sagte mir der Gutsherr, dass er ein Vasall Moctezumas sei.

Hier verbrachte ich drei Tage, sowohl zur Erholung meiner Leute von den Strapazen, die sie in der Wüste erlitten hatten, als auch um auf die vier Cempoala-Indianer zu warten, die ich nach Tlaxcala geschickt hatte. Die Cempoalaer sagten, dass die Tlaxcalteken ihre Freunde seien, aber Todfeinde des Moctezuma. Da ihr Land überall an das Reich Moctezumas grenze, wünschten sie sich mit mir zu verbünden. Ich glaubte, sie würden sich über mein Bündnisangebot freuen und mir beistehen, wenn etwa jener Moctezuma Lust hätte, mit mir anzubinden. Da die Rückkehr der Boten sich verzögerte, setzte ich mich in Marsch. Am Ausgang des Tales fand ich eine Mauer aus Backsteinen, etwa anderthalb Mannslängen hoch und zwanzig Fuß breit, die das ganze Tal von einem Berg zum anderen durchschnitt. Sie hatte in ihrer ganzen Länge eine Brustwehr, eineinhalb Fuß breit, um von oben herab fechten zu können, und nur einen einzigen, etwa zehn Schritte breiten Durchgang, der aber nicht geradeaus, sondern in Krümmungen verlief.

Die Eingeborenen des Tales baten mich nun, da ich doch ihren Herrn Moctezuma besuchen wolle, nicht durch das Land seiner Feinde zu ziehen, denn diese könnten mir vielleicht Schaden zufügen. Sie aber wollten mich durch das Land Moctezumas führen, in dem ich überall freundlich empfangen würde. Die von Cempoala rieten mir aber, dies nicht zu tun, sondern nach Tlaxcala zu gehen, denn was jene mir gesagt hätten, sei nur, um mich der Freundschaft dieser Provinz zu entfremden. Alle Anhänger Moctezumas seien Bösewichte und Verräter und würden mich ins Verderben führen.

Ich folgte nun dem Rat der Cempoalaer, indem ich den Weg nach Tlaxcala einschlug und den Zug meiner Leute so vorsichtig wie nur möglich ordnete. Ich selbst ritt mit sechs Reitern etwa eine halbe Legua voraus, um das Land zu erkunden und meine Truppe, sollte etwas vorfallen, sofort in Bereitschaft setzen zu können. Als wir einen Hügel hinaufgeritten waren, erblickten die zwei Reiter, die ich vorausgeschickt hatte, eine Anzahl Indianer mit Federbüschen, ihrem Kriegsschmuck, und mit Schwertern und Schilden, die jedoch die Flucht ergriffen. Unterdessen war ich herangekommen und ließ ihnen zurufen, sie sollten näher kommen und keine Furcht haben. Ich ritt zu ihnen hin, worauf sie, es mochten etwa fünfzehn sein, nach ihren versteckt stehenden Landsleuten riefen und gleich so ungestüm mit uns fochten, dass sie uns zwei Pferde töteten und drei verwundeten, ebenso zwei Reiter. Nun aber kam auch das übrige Volk heran, es mochten vier- bis fünftausend Indianer sein. Unterdessen waren noch acht Reiter herangekommen, und wir griffen die Feinde immer wieder an, um Zeit bis zur Ankunft der Spanier zu gewinnen. Dabei töteten wir wohl fünfzig oder sechzig, ohne selbst Verluste zu erleiden. Als sie nun sahen, dass die Unsrigen herannahten, zogen sie sich zurück und überließen uns das Feld.

Nach ihrem Abzug kamen Abgesandte der Kaziken dieser Provinz, die mir sagten, dass ihre Herren nichts von dem wüssten, was vorgefallen sei. Es seien nur einige Gemeinden gewesen, die uns ohne Erlaubnis angegriffen hätten. Ich möchte dreist vorangehen, dann würde ich von ihnen freundlich aufgenommen werden. Ich erwiderte, dass ich ihnen dankbar sei und also weitermarschieren werde.

Da es aber später geworden und meine Leute sehr ermüdet waren, lagerte ich in der nächsten Nacht an einem Bach. (Wir verbanden unsere Wunden in Ermangelung von Öl mit dem Fett eines feisten Indianers, den wir getötet hatten. Unser Nachtessen bestand aus jungen Hunden, die hier in Menge aufgezogen wurden. Die Eingeborenen hatten zwar die Hunde mitgenommen, aber in der Nacht waren die Tiere zu ihren Ställen zurückgekehrt, so dass wir viele einfangen konnten und damit einen schmackhaften Braten gewannen.) Bei Tagesanbruch brach ich auf, selbst meine Vorhut und die Streifen befehligend, die Plänkler voran.

Als ich bei Sonnenaufgang ein kleines Dorf erreichte, kamen meine beiden Boten und berichteten weinend, dass man sie angebunden habe, um sie abzuschlachten, dass sie aber in der Nacht entflohen seien. Und kaum zwei Steinwürfe hinter ihnen zeigte sich eine große Menge Indianer, die mit wildem Geschrei das Gefecht begannen, indem sie ihre Wurfspieße und Pfeile auf uns abschossen. Ich begann nun, ihnen meine friedlichen Absichten in aller Form durch meine Dolmetscher und in Gegenwart eines Notars darzulegen. Je mehr ich sie aber ermahnte, desto eiliger hatten sie es, uns zu schaden, und als ich nun sah, dass mit Ermahnungen und Protesten wenig auszurichten war, begannen wir unsererseits, uns zu verteidigen. So führte uns der Kampf allmählich bis in die Mitte von mehr als hunderttausend Streitern, die uns von allen Seiten eingeschlossen hielten. Wir kämpften mit ihnen bis eine Stunde vor Sonnenuntergang, wo sie sich zurückzogen. Mit einem halben Dutzend Feuerschlünden, fünf bis sechs Büchsenschützen, vierzig Armbrustschützen und dreizehn Reitern tat ich ihnen vielen Schaden, ohne anderen zu erleiden als die Arbeit und Abmattung des Kampfes und etwa den Hunger. Und es wurde wohl offenbar, dass Gott es war, der für uns kämpfte, da inmitten solcher Menge Volkes, solch tapferer und geschickter und mit mannigfachen Trutzwaffen versehener Streiter wir dennoch so frei ausgingen.

In der folgenden Nacht verschanzte ich mich in einem Tempelturm, der auf einem kleinen Hügel stand. Als es Tag geworden war, ließ ich zweihundert Mann mit allen Geschützen als Besatzung in dieser meiner Burg zurück, ich selbst aber brach, um der angreifende Teil zu sein, mit den Reitern, hundert Fußsoldaten, vierhundert Indianern aus Cempoala und dreihundert aus Ystacamatitlan auf, und ehe der Feind Gelegenheit fand, sich zu sammeln, verbrannte ich ihm fünf oder sechs kleine Ortschaften mit etwa hundert Einwohnern und machte ungefähr vierhundert Gefangene, Männer wie Frauen. Dann zog ich mich auf mein Hauptquartier zurück, stets fechtend, aber ohne Verluste.

Am nächsten Tag wurde ich in der Morgenfrühe in meiner Festung angegriffen, von mehr als hundertneunundvierzigtausend Mann, so dass das ganze Feld weithin von ihnen bedeckt war. Der Angriff war so heftig, dass einige von ihnen wirklich eindrangen und mit den Spaniern Schwerthiebe tauschten. Darauf aber machten wir einen Ausfall und Gott dem Herrn gefiel es, uns so zu kräftigen, dass wir in vierstündiger Arbeit hinlänglich Platz schufen, um wenigstens in unserer Burg nicht weiter gefährdet zu sein, wenn auch noch einige Angriffe darauf gewagt wurden. Erst gegen Abend zogen sich die Feinde zurück. Am Tag darauf rückte ich, vom Feind unbemerkt, noch vor Tagesanbruch mit der Reiterei, hundert Mann Fußvolk und meinen indianischen Freunden in eine andere Gegend aus und verbrannte mehr als zehn Dörfer, darunter eins von mehr als dreitausend Häusern. Dort kämpften nur die Dorfbewohner mit mir, anderes Kriegsvolk war nicht zugegen. Und da wir die Fahne des Kreuzes mit uns führten und für unseren Glauben und für Eure Majestät stritten, hat Gott uns einen so großen Sieg verliehen, dass wir viele Feinde töteten und selber keinen Schaden erlitten. Kurz nach Mittag aber, als die Hauptmacht des Feindes von allen Seiten anrückte, waren wir wieder in unsere Burg gerückt.

Am nächsten Tag kamen Abgesandte der Oberhäupter, um uns zu melden, dass sie Vasallen Eurer Majestät zu sein wünschten und Verzeihung ihrer begangenen Fehler erbäten. Und sie brachten mir Lebensmittel und einige Sächelchen von Federschmuck, die sie für wertvoll halten. Ich sagte ihnen, dass sie freilich sehr übel gehandelt hätten, dass ich aber dennoch gewillt sei, ihr Freund zu werden und das Geschehene zu vergeben. Am folgenden Tag erschienen etwa fünfzig Indianer, darunter dem Anschein nach einige Männer von Rang, die sagten, sie kämen, um uns Lebensmittel zu bringen. Sie begannen aber eifrig, die Ein- und Ausgänge unserer Burg zu betrachten, und die von Cempoala kamen zu mir und sagten, dass es Bösewichter seien, nur gekommen, um uns auszukundschaften und zu sehen, wo wir anzugreifen wären.

Ich ließ darauf einen von ihnen heimlich ergreifen, nahm ihn nebst dem Dolmetscher beiseite und setzte ihn in Furcht, dass er mir die Wahrheit sagen solle. Er bekannte nun, dass Xicoténcatl, ihr Oberfeldherr, hinter einigen Hügeln mit einer großen Zahl von Kriegern versteckt stehe, um in der kommenden Nacht über uns herzufallen. Sie wollten es jetzt bei Nacht versuchen, weil ihre Krieger dann vor den Pferden, den Geschützen und unseren Schwertern weniger Furcht haben würden. Er habe sie hergesandt, um zu erkunden, wie man bei uns eindringen und unsere Hütten in Brand stecken könne. Sofort ließ ich nun einen anderen Indianer ergreifen und befragte ihn in gleicher Weise, und als auch er bekannte, ergriff ich noch fünf oder sechs, und sie alle stimmten in ihrer Aussage überein. Darauf ließ ich alle fünfzig verhaften und ihnen die Hände abhauen. Dann entließ ich sie, um ihrem Herrn zu melden, dass er bei Tag oder Nacht beliebig kommen möge, um zu sehen, wer wir wären.

Ich ließ jetzt meine Burg befestigen und meine Leute in den Räumen verteilen, und so war ich auf der Hut, bis sich die Sonne neigte. Kaum war es aber dunkel geworden, da begann das Volk gegenüber durch zwei Schluchten herabzusteigen. Sie glaubten, sich unbemerkt in unserer Nähe aufstellen zu können, aber ich rückte ihnen mit meiner ganzen Reiterei entgegen. Als sie uns ungestüm und ohne Schlachtgeschrei heranjagen hörten, flohen sie in die Maisfelder und warfen ihre Lebensmittel fort, die sie mitgebracht hatten, um ihr Festmahl über uns zu halten. So verschwanden sie für diese Nacht und wir blieben ungefährdet. Nach diesem Vorfall aber verließ ich einige Tage die Burg nicht weiter, als um einige anrennende Indianer abzuwehren, die uns anzubrüllen oder mit uns zu scharmützeln kamen.

In der Nacht rückte ich mit der Reiterei, hundert Fußsoldaten und den Indianern wieder aus. Eine Legua von der Burg entfernt stürzten fünf unserer Pferde und ich ließ sie umkehren. Und obwohl mir die ganze Kameradschaft zusetzte, das Gleiche zu tun, da es eine böse Vorbedeutung sei, verfolgte ich meinen Weg weiter in der Erwägung, dass Gott über der Natur steht. Ehe der Tag begann, fiel ich über zwei Dörfer her und tötete viele Einwohner. Ich unterließ es aber, die Häuser zu verbrennen, um nicht die umliegenden Ortschaften zu alarmieren. Als es tagte, überfiel ich ein großes Dorf mit über zwanzigtausend Häusern darin. Die überrumpelten Einwohner stürzten unbewaffnet aus den Häusern und ihre Frauen und Kinder rannten nackt durch die Straßen. Ich begann ihnen einigen Schaden zuzufügen, aber während ich sah, dass sie keinen Widerstand leisteten, kamen einige Standespersonen zu mir, die mich baten, ihnen nichts Übles mehr zuzufügen, denn sie wollten Vasallen Eurer Majestät und meine Freunde sein. Sie sähen wohl ein, dass es ihre Schuld sei, mir nicht zu glauben, von jetzt an aber sollte ich sehen, dass sie meinen Befehlen folgen würden. Und sofort gingen viertausend von ihnen friedlich mit mir und brachten gutes Essen an eine Quelle vor dem Dorf.

Darauf kehrte ich zu unserer Burg zurück, wo die Zurückgebliebenen in großer Sorge waren, da sie glaubten, ein Unstern habe mich befallen, weil sie in der Nacht die zurückkehrenden Pferde gesehen hatten. Als sie aber von unserem Sieg erfuhren, waren sie hocherfreut, denn keiner war unter uns, der nicht große Furcht darüber empfand, dass wir so tief in Feindesland geraten waren, und ich selber hatte in den Quartieren sagen hören, ich sei der wahrhaftige Peter Kohlenbrenner [Pedro Carbonaro – der »Gottseibeiuns«], der sie an einen Ort hingeführt hätte, aus dem sie niemals wieder herauskommen würden. Einmal hörte ich sogar aus einer Hütte, wenn ich der Narr sei, mich hinzubegeben, an einen Ort aus dem ich niemals wieder heraus könne, so wollten sie es keineswegs sein, sondern ans Meer zurückkehren, und wenn ich nicht mit ihnen zurückkehren wolle, so würden sie mich verlassen. Ich wurde auch mehr als einmal deswegen angegangen, aber ich ermutigte sie und sagte, sie möchten bedenken, dass sie Vasallen Eurer Hoheit seien und dass in allen Erdteilen die Spanier sich stets untadelig bewährt hätten, dass wir im Begriff seien, die größten Königreiche und Herrlichkeiten der Welt zu gewinnen, außerdem seien wir als Christen verpflichtet, uns im Kampf gegen die Feinde unseres Glaubens den Reichtum jener Welt zu gewinnen, in dieser Welt aber größeren Ruhm und Preis, als bis auf unsere Zeit jemals ein Geschlecht erworben habe. Auch möchten sie bedenken, dass wir uns an Gott halten müssten und dass bei Gott kein Ding unmöglich sei, wie sie bei den großen Siegen gesehen, die wir erfochten hätten. Noch mehr sagte ich ihnen, bis sie wieder Mut fassten, und so gewann ich sie für meinen Vorsatz, der nichts anderes bedeutete, als glücklich zu Ende zu bringen, was ich angefangen hatte.

Am nächsten Tag gegen zehn Uhr besuchte mich Xicoténcatl, der Oberbefehlshaber von Tlaxcala, mit fünfzig Würdenträgern und bat mich im Namen des Landesoberhauptes, ich möchte sie zum königlichen Dienst und zu meiner Freundschaft annehmen und ihnen die begangenen Fehler verzeihen. Sie hätten bei Tag und Nacht gegen uns gekämpft, um nicht irgendjemandem untertan zu werden. Sie seien seit undenklichen Zeiten unabhängig gewesen und hätten sich stets gegen die Macht des Moctezuma und seiner Vorfahren verteidigt. Sie seien auch niemals unterworfen worden, obwohl ihr Land ohne irgendeinen Ausgang rundum eingeschlossen sei. Sie hätten weder Salz noch Baumwolle, weil es in ihrem Land nichts davon gebe, und noch viele andere Dinge müssten sie wegen der Abgeschlossenheit ihres Landes entbehren, aber sie erduldeten dies, um unabhängig zu bleiben. Ebenso hätten sie es nun mit mir machen wollen, aber da weder ihre Kräfte noch ihre Listen ihnen geholfen hätten, wollten sie nun lieber Vasallen Eurer Hoheit sein, als ihre Häuser, Frauen und Kinder zu verlieren und zu sterben.

Darauf erwiderte ich, sie müssten erkennen, dass sie allein die Schuld an allem trügen, was sie erlitten hätten. Ich sei in dem Glauben in ihr Land gekommen, darin Freunde zu finden, weil die Leute von Cempoala mir dies versichert hätten. So rief ich ihnen noch mehr ins Gedächtnis zurück, was sie gegen mich getan hatten, aber sie beharrten bei ihrem Entschluss, Untertanen und Vasallen Eurer Majestät zu werden. Sie boten mir ihre Person und ihre Habe an. So haben sie bis heute getan und werden, wie ich glaube, es immer tun, wie Eure Majestät in meinen Berichten sehen werden.

SECHSTES KAPITEL

Einzug in die Stadt Tlaxcala – Gesandtschaft Moctezumas – Cortés nutzt die Feindschaft zwischen Mexiko und Tlaxcala

Ich blieb noch sechs oder sieben Tage in meiner Festung, denn noch traute ich ihnen nicht, obwohl sie mich inständig baten, in ihre große Stadt zu kommen, wo alle ihre Herren wohnten. Endlich kamen diese Herren selber, um mich in ihre Stadt einzuladen, wo ich weit besser aufgehoben sein würde als in meinem Lager. So gab ich endlich ihrer Bitte nach und begab mich in die Hauptstadt, die sechs Leguas von meiner Burg entfernt lag. Diese Stadt ist aber so groß und bewundernswert, dass schon das Wenige, was ich darüber sagen kann, kaum glaubhaft erscheinen muss. Sie ist viel größer und stärker befestigt als Granada, ist auch viel besser versorgt mit Brot, Vögeln, Wild, Fischen, Gemüse und anderen Waren. Es gibt hier einen Markt, auf dem täglich über dreißigtausend Käufer und Verkäufer zusammenkommen, außerdem viele kleinere Märkte in den einzelnen Stadtteilen. Außer Lebensmitteln und Kleidungsstücken findet man hier Kleinodien von Gold, Silber und edlen Steinen und eine Art Federschmuck, wie man ihn auf keinem Markt der Welt finden kann. Fayencen gibt es von allen Arten und sie gleichen in ihrer Qualität den besten spanischen. Holz und Kohlen werden verkauft, außerdem Kräuter als Medizin. Es gibt Barbierläden, wo man sich den Kopf waschen und scheren lässt, und auch Bäder. Man findet bei ihnen jegliche Ordnung und Sicherheit garantierenden staatlichen Institutionen wie etwa die Polizei. Es ist ein praktisches und verständiges Volk, so dass das beste Volk in Afrika ihm nicht gleichkommt.


Hernán Cortés wird nach harten Kämpfen in Tlaxcala empfangen (Aus einer tlaxcatekischen Bilderhandschrift)

Das Land verfügt über viele Täler, die bis auf den letzten Flecken besät und bebaut sind. Es misst im Umfang neunzig Leguas und mehr und hat eine Regierung in der Art wie Venedig, Genua und Pisa, es gibt also keinen eigentlichen Oberherrn, sondern viele Herren, die alle in der Hauptstadt wohnen. Die Dorfbewohner treiben Ackerbau und sind Vasallen jener großen Herren; jeder besitzt sein Grundstück für sich, einige haben mehr als andere. Über Krieg und Frieden beschließt eine Versammlung aller. Vermutlich haben sie auch eine Art justizähnliche Einrichtung, denn als ein Eingeborener einem Spanier etwas Gold entwendet hatte und ich dies dem Magiscazin sagte, dem größten unter den großen Herren, wurde der Dieb bis in die nahe gelegene Stadt Churultecal verfolgt. Von dort brachte man ihn mir mit dem Gold, damit ich ihn bestrafe. Ich sagte aber, da ich mich in ihrem Land befände, möchten sie ihn in herkömmlicher Weise abstrafen. Sie nahmen den Kerl und führten ihn mit einem Herold, der sein Verbrechen ausrief, zum großen Marktplatz. Dort verkündete der Herold noch einmal mit lauter Stimme seine Missetat, dann schlugen sie ihn angesichts aller mit Knüppeln auf den Kopf, bis sie ihn getötet hatten. Wir haben aber auch andere Übeltäter in Gefängnissen gesehen.

Während ich in der Burg verweilte, die mein Hauptquartier gewesen war, kamen sechs vornehme Gesandte von Moctezuma zu mir, von zweihundert Dienern begleitet. Sie sagten mir, sie kämen im Auftrag von Moctezuma, um mir zu eröffnen, dass er Vasall Eurer Hoheit und mein Freund sein wolle. Ich möchte überlegen, wieviel jährlicher Tribut an Gold, Silber, Edelsteinen, Sklaven, Baumwollstoffen und anderen Dingen, die er besitze, an mich gerichtet werden solle. Er wolle alles geben, allerdings unter der Bedingung, dass ich nicht in sein Land komme. Sein Land sei sehr unfruchtbar und arm an Lebensmitteln und es würde ihm leid tun, wenn ich mit meiner Mannschaft Hunger leiden müsse. Zugleich ließ er mir Gold und Baumwollstoffe im Wert von etwa tausend Pesos überreichen.

Die Gesandten sahen mit unbehaglichen Gefühlen, was die Spanier in diesem Land vermocht hatten und wie die großen Herren sich zum Dienst Eurer Majestät erboten. Sie versuchten, mich auf manchen Wegen mit jenen wieder zu überwerfen. Die Tlaxcalteken aber sagten mir, ich möge Moctezumas Vasallen nicht trauen, denn sie seien Verräter und hätten ihr ganzes Land mit List und Gewalt zu unterjochen versucht. Als ich aber die Zwietracht und Uneinigkeit der beiden Parteien sah, empfand ich kein geringes Vergnügen darüber, weil mir diese Spannungen für meine Zwecke recht förderlich erschienen. So manövrierte ich denn mit der einen und der anderen Partei, dankte insgeheim jeder für ihre Ratschläge und schien stets der jeweils anderen in stärkerer Form mein Vertrauen und meine Freundschaft zu erweisen.

SIEBTES KAPITEL

Marsch nach Cholollan – Pomphafter Empfang und Hinterlist – Niederwerfung und Versöhnung – Beschreibung der Stadt

Drei Wochen später sagten mir die immer noch anwesenden Gesandten Moctezumas, ich möge in die Stadt Cholollan gehen, die sechs Leguas von Tlaxcala entfernt liegt. Die Einwohner seien Freunde ihres Herrn Moctezuma und dort werde ich auch den Willen ihres Herrn erfahren, ob ich in sein Reich einmarschieren solle oder nicht. Einige von ihnen würden unterdessen zu Moctezuma gehen, um ihm Bericht zu erstatten und seine Antwort nach Cholollan zu bringen. Als nun die Tlaxcalteken erfuhren, dass ich den Gesandten zugesagt hatte, nach Cholollan zu ziehen, kamen die Oberhäupter sehr bekümmert zu mir und sagten, man habe Verrat geplant und wolle mich in jener Stadt mit allen meinen Leuten ermorden. Zu diesem Zweck habe Moctezuma fünfzigtausend Mann ausgesandt, die in der Nähe der Stadt auf der Lauer lägen. Die große Landstraße sei gesperrt und stattdessen eine neue eröffnet mit vielen Einschnitten und verdeckten spitzen Pfählen, damit die Pferde stürzen und sich verletzen sollten. Außerdem hätten sie viele Straßen mit Lehm überschüttet und unpassierbar gemacht, ferner Steine auf die Dächer gebracht, um uns, wenn wir in die Stadt eingerückt sein würden, zu überwältigen und dann mit uns nach Willkür zu verfahren. Wenn ich mich überzeugen wolle, dass dies die Wahrheit sei, dann möchte ich bedenken, dass die Gebieter jener Stadt noch nicht gekommen seien, mich zu sehen und zu sprechen, obgleich sie mir so nahe wären. Ich möchte sie nur einmal rufen lassen, dann würde ich sehen, dass sie nicht die geringste Lust hätten, zu mir zu kommen.

Ich dankte ihnen für den Rat und bat sie, mir einige Personen zu nennen, die in meinem Auftrag dorthin gehen könnten. Das taten sie, und ich sandte sie an die Häuptlinge jener Stadt mit der Einladung, mich zu besuchen. Meine Botschafter entledigten sich meines Auftrags, und bei der Rückkehr wurden sie von zwei oder drei Personen geringeren Standes begleitet, die mir sagten, sie kämen im Auftrag der Oberhäupter, die selber nicht kommen könnten, da sie krank seien. Ich möchte ihnen sagen, was ich zu sagen hätte. Die Tlaxcalteken aber sagten mir, die Abgesandten seien Leute von geringem Stand und ich möchte keinesfalls dorthin gehen, wenn nicht die Oberhäupter zuvor hierhergekommen seien.

Ich sagte nun den Abgesandten, Aufträge eines so erhabenen Fürsten wie des unsrigen könnten nicht an Personen ihrer Art übergeben werden, sogar ihre Oberhäupter seien noch zu gering, sie zu vernehmen. Doch hätten sie binnen drei Tagen vor mir zu erscheinen, Eurer Hoheit Gehorsam zu leisten und sich zu Ihrem Vasallen zu erklären. Sollten sie aber nach Ablauf der gesetzten Frist nicht gekommen sein, dann würde ich eine Hetzjagd gegen sie starten und mit ihnen als Rebellen verfahren. Zur Beurkundung übergab ich ihnen ein Schreiben, von mir und einem Notarius unterzeichnet, in dem ich ihnen eröffnete, dass alle diese Länder Eurer Hoheit gehörten und dass diejenigen, die Eure Vasallen sein wollten, sich geehrt und begünstigt fänden, Rebellen aber nach den Geboten der Gerechtigkeit gezüchtigt würden.

Am folgenden Tag kamen nun einige Häuptlinge jener Stadt und sagten mir, sie seien deshalb nicht schon früher gekommen, weil die Bewohner dieser Provinz ihre Feinde seien, und sie wüssten wohl, dass mir einiges gesagt und ich vor ihnen gewarnt worden sei. Dies seien jedoch üble Verleumdungen, und die Wahrheit sei, dass sie Vasallen Eurer Hoheit sein und tun wollten, was ihnen befohlen werde. So schrieb es ein Notarius nun mit Hilfe der Dolmetscher nieder, und ich beschloss, mit ihnen zu gehen, einmal um keine Furcht zu zeigen, dann aber auch, um von dort aus meine Verhandlungen mit Moctezuma besser führen zu können.

Als aber die Tlaxcalteken meinen Entschluss vernahmen, waren sie sehr bekümmert, doch da sie nun einmal meine Freunde seien, wollten sie mit mir gehen und mir in allem beistehen, was auch kommen möge. Und obwohl ich sie bat, nicht mitzugehen, weil es gar nicht nottue, folgten sie mir doch mit etwa hunderttausend wohlgerüsteten Kriegern und begleiteten mich bis etwa zwei Leguas vor jene Stadt. Hier kehrten Viele auf mein dringendes Bitten um, aber fünf- bis sechstausend blieben dennoch in meinem Gefolge. Ich brachte die Nacht an einem Bach zu, um das Indianervolk zu entlassen, damit es in der Stadt nicht irgendeinen Skandal anrichtete, außerdem war es zu spät geworden, in Cholollan einzurücken.

Am folgenden Morgen aber kamen sie aus der Stadt, um mich mit Pauken und Trompeten zu empfangen, darunter viele Papas in ihrer üblichen Tracht, die ihre Gesänge anstimmten, wie sie es in den Tempeln zu tun pflegen. Wir wurden feierlich in ein gutes Quartier geleitet und sie brachten mir zu essen, wenn auch nicht sehr reichlich. Unterwegs aber hatten wir manche Anzeichen gefunden, die die Warnungen der Tlaxcalteken bestätigten. Wir fanden die große Heerstraße wirklich gesperrt und einen anderen Weg hergerichtet, der einige Löcher aufwies, wenn auch nicht viele. Einige Stadtstraßen waren mit klebrigem Lehm beschüttet und auf den Azoteen [Flachdächern] lagen viele Steine. Das veranlasste uns zu größter Vorsicht.

Hier fand ich einige Abgesandte des Moctezuma, die aber nur gekommen zu sein schienen, um mit denen zu sprechen, die bereits bei mir waren. Sie reisten wieder ab, als sie mit ihnen gesprochen hatten, begleitet von dem vornehmsten Gesandten der ersten Abordnung. Während der nächsten drei Tage wurde ich nur sehr schlecht mit Nahrungsmitteln versorgt und die Standespersonen der Stadt kamen recht selten, um mich zu besuchen. Und als ich mich deshalb in einiger Besorgtheit befand, erfuhr ich durch eine Dolmetscherin, eine Indianerin, die ich in Tabasco bekommen und über die ich bereits berichtete [Doña Marina], dass sie von einer Einwohnerin gehört habe, ganz nahe bei der Stadt habe sich Kriegsvolk des Moctezuma postiert, und die Bewohner von Cholollan hätten Frauen, Kinder und ihre ganze Habe fortgeschickt, da sie beabsichtigten, uns zu überfallen und uns alle niederzumetzeln. Und wenn sie sich retten wolle, möge sie mit ihr gehen, sie wolle sie beschützen. Marina aber hinterbrachte dies dem Gerónimo de Aguilar, dem Dolmetscher, der in Yucatán zu uns gekommen war, und dieser brachte es zu meiner Kenntnis. Ich ließ darauf einen sich beim Haus herumtreibenden Eingeborenen einfangen, ohne dass jemand es bemerkte, und befragte ihn. Er bestätigte, was die Indianerin gesagt hatte. Ich beschloss deshalb und auch wegen der Anzeichen, die ich schon zur Kenntnis genommen hatte, dem Feind zuvorzukommen.

Ich ließ einige Häuptlinge zu mir rufen, weil ich mit ihnen zu reden hätte, und sperrte sie dann in einen Saal. Unterdessen hatte ich unseren Leuten befohlen, sich in Bereitschaft zu halten und auf das Signal eines Büchsenschusses über die Indianer herzufallen, die sich sehr zahlreich im Quartier und in der Nähe versammelt hatten. Und also geschah es, denn als ich die Häuptlinge im Saal hatte, ließ ich sie fesseln, stieg zu Pferde und ließ den Büchsenschuss abfeuern. Und wir führten eine solche Hand, dass in zwei Stunden mehr als dreitausend Menschen zu Tode kamen.

Wie vorbereitet sie waren, geht daraus hervor, dass sie, noch ehe ich aus meinem Quartier hervorbrach, schon alle Straßen besetzt und ihr ganzes Volk aufgestellt hatten. Nichtsdestoweniger waren sie leicht zu zerstreuen, da ihre Anführer fehlten, die ich bereits gefangen genommen hatte. Ich ließ einige Türme und feste Häuser in Brand stecken, von denen aus sie sich noch verteidigten. So durchzog ich kämpfend die Stadt, mehr als fünf Stunden lang. Ich trieb das ganze Volk aus der Stadt, wobei die Tlaxcalteken und Cempoalaer mir gute Hilfe leisteten.

Nachdem ich ins Quartier zurückgekehrt war, redete ich mit den gefangenen Oberhäuptern und fragte sie, warum sie mich in so verräterischer Weise hätten ermorden wollen. Sie antworteten, dass sie nicht schuld daran seien, sondern die Bewohner von Culúa [Mexiko] hätten sie dazu verleitet. Moctezuma halte hier, etwa anderthalb Legua entfernt, eine Besatzung von fünfzigtausend Mann bereit, um es zu vollbringen. Da sie aber jetzt einsähen, dass sie betrogen worden seien, möchte ich einen oder zwei von ihnen freilassen, die sollten dann das Volk der Stadt wieder zusammenbringen und die Frauen und Kinder und alle Habseligkeiten zurückkommen lassen. Sie versicherten mir, von nun an solle niemand sie wieder überlisten und sie würden zuverlässige und treue Vasallen Eurer Hoheit sein.


Das Blutbad von Cholollan (Aus einer tlaxcatekischen Bilderhandschrift)

Ich befreite zwei von ihnen und am nächsten Tag war die Stadt wieder bevölkert und voll von Frauen und Kindern, als wäre überhaupt nichts vorgefallen. Jetzt gab ich auch die übrigen Gefangenen frei, und während ich dort noch verweilte, blieben Stadt und Land so friedlich und belebt, dass nichts zu fehlen schien, und alle Märkte wurden in gewohnter Weise abgehalten. Ich brachte es auch dahin, dass die Einwohner von Cholollan und von Tlaxcala wieder Freunde wurden, wie sie es vorher gewesen waren, während Moctezuma jene erst vor kurzer Zeit mit Geschenken zu seiner Freundschaft verlockt und beide untereinander verfeindet hatte.

Die Stadt besitzt viel fruchtbares Land, das zum größten Teil bewässert werden kann. In ihrem Aussehen ist sie schöner als irgendeine Stadt in Spanien und so reich an Türmen, dass ich von einem Turm aus vierhundert andere gesehen habe, alle zu Tempeln gehörig. Von allen Städten, die ich bisher sah, ist diese am meisten geeignet, auf spanische Weise darin zu leben, denn es gibt hier Gemeindeeinrichtungen und Wasser für die Viehzucht, wie wir dies noch bei keiner Stadt gesehen haben. Die hier wohnende Menschenmenge ist aber so groß, dass es keine Handbreit Erde gibt, die nicht bebaut wäre. Aber dennoch leiden sie in einigen Gegenden an Brotmangel und man sieht viel armes Volk auf den Straßen, Märkten und in den Häusern die Reichen anbetteln, geradeso wie es die Armut in Spanien und in anderen von vernünftigen Völkern bewohnten Ländern macht.

ACHTES KAPITEL

Verhandlungen mit Gesandten Moctezumas – Besteigung des Popocatépetl – Erster Blick ins Tal von Tenochtitlán

Nun sprach ich zu Moctezumas Gesandten, die sich bei mir befanden, auf den Verrat an, den sie nach Aussage der Häuptlinge angestiftet hätten. Es scheine mir keineswegs eines großen Herrn würdig, mir durch seine Gesandten zu sagen, dass er mein Freund sei, während er anderswo Mittel suche, mich durch fremde Hand zu verletzen, um sich reinwaschen zu können, wenn der Plan nicht seiner Absicht gemäß ausfalle. Da er mir also weder Wort halte noch die Wahrheit sage, wolle auch ich mein Vorhaben ändern und nicht als Freund, sondern nach Kriegsweise in sein Land einrücken und ihm als einem Feind so viel Schaden tun, als ich nur vermöchte.

Die Gesandten erwiderten, sie wüssten nichts von einem Anschlag, sondern nur, was hier in der Stadt vorgefallen sei. Sie könnten nicht glauben, dass dies auf Befehl Moctezumas geschehen sei, und sie bäten mich, einen von ihnen zu beurlauben, um zu ihm zu gehen und die Wahrheit zu erforschen. Ich war damit einverstanden und ließ einen der Gesandten abreisen. Nach sechs Tagen kehrte er zurück und mit ihm auch der andere, der schon früher abgegangen war. Sie brachten mir zehn goldene Schüsseln und eintausendfünfhundert Stück Gewebe, ferner einen großen Vorrat an Hühnern und Panicap, ein bei ihnen sehr beliebtes Getränk aus gegorenem Maissirup. Sie berichteten mir, Moctezuma sei äußerst betrübt gewesen über den schlimmen Anschlag, der in Cholollan habe ausgeführt werden sollen, ich möge aber nicht glauben, dass er durch Rat oder Befehl daran beteiligt gewesen sei. Die Kriegsleute, die in der nahe gelegenen Garnison lägen, seien ohne Befehl ausgerückt, nur auf Veranlassung derer von Cholollan. In Zukunft werde ich aus seinem Verhalten schließen können, ob es die Wahrheit sei, was er jetzt sage. Nichtsdestoweniger aber bitte er mich noch immer, nicht in sein Land zu kommen, denn ich würde Not darin leiden.

Ich erwiderte, dass der Zug in sein Land nun einmal nicht vermieden werden könne, denn ich sei verpflichtet, darüber Bericht an Eure Majestät zu erstatten. Da ich also meinen Besuch nicht unterlassen dürfe, möge er es gutheißen und sich nicht in Dinge einlassen, die ihm zu großem Schaden gereichen müssten. Als ihm nun klargeworden war, dass es mein fester Entschluss war, ihn und sein Land zu besuchen, ließ er mir sagen, es möge zu einer glücklichen Stunde geschehen, und er werde mich in seiner großen Residenzstadt erwarten. Er schickte mir viele seiner Leute entgegen, da ich jetzt sein Land betreten musste. Sie wollten mich nun eine Straße entlangführen [über Calpulalpa], wo es viele Brücken und gefährliche Pässe gab und wahrscheinlich irgendein Anschlag gegen uns geplant war. Gott aber zeigte uns einen anderen, zwar etwas schwierigen, aber nicht so gefährlichen Weg. Damit verhielt es sich folgendermaßen:

Acht Leguas von Cholollan entfernt befinden sich zwei Berge [der Popocatépetl und der Iztaccíhuatl]sehr hohe und wunderbar anzuschauende. Ende August tragen sie noch so viel Schnee, dass von ihren Gipfeln nichts anderes als eben dieser sichtbar ist. Aus dem einen, der der höchste ist [Popocatépetl], stieg eine Dampfwolke empor, einem großen Haus gleich, und so groß ist anscheinend die Gewalt, mit der sie hervordringt, dass nicht einmal der starke Wind, der dort ständig weht, sie zu beugen vermag. Da ich dieses Geheimnis erkunden wollte, um darüber Bericht erstatten zu können, schickte ich zehn tüchtige Leute mit einigen Eingeborenen als Pfadfinder aus, den Berg zu besteigen. Sie versuchten den Berg zu erklimmen, mussten es aber zuletzt wegen des vielen Schnees und wegen des Wirbelwindes, der die Asche umhertreibt, vor allem aber wegen der großen Kälte aufgeben. Sie kamen jedoch ganz in die Nähe des Kegels, und gerade als sie oben standen, begann der Dampf hervorzubrechen. Er fuhr, wie sie sagten, mit solcher Gewalt und einem solchen Getöse heraus, als wollte der ganze Berg einstürzen. So stiegen sie wieder herab und brachten Schnee und Eisstücke mit, damit wir selbst sehen möchten, was uns in diesem Erdstrich ungewöhnlich schien, besonders da diese Gegend auf dem zwanzigsten Grad, etwa in der Höhe von Española, liegt, wo ständig eine große Hitze herrscht.

Unterwegs stießen sie auf eine Landstraße und sie fragten die Eingeborenen, wohin sie führe. Die Indianer sagten, dies sei eine gute Straße nach Culúa, die andere aber, auf der man uns dorthin führen wolle, sei nicht gut. Meine Spanier verfolgten die Straße nun bis zum Abhang beider Berge, zwischen denen sie hinunterführt, und sie erblickten das Tal von Culúa und die große Stadt Tenochtitlán [Mexiko] mitten in den Lagunen, worüber ich später noch berichten werde. Sie kehrten zurück und waren sehr froh darüber, eine gute Straße entdeckt zu haben, und Gott weiß, wie sehr auch ich mich freute. Ich sagte nun den Gesandten Moctezumas, ich wolle auf dieser Straße ziehen und nicht auf jener, die sie mir vorgeschlagen hätten, diese sei viel kürzer. Sie erwiderten, darin habe ich Recht, aber ich müsse dann einen Tagesmarsch durch das Gebiet von Guaxocingo ziehen, das ihnen feindlich sei, so dass ich dort nicht versorgt sein werde. Wolle ich aber durchaus diesen Weg einschlagen, so würden sie Proviant dorthin schaffen.

So brachen wir auf, immer noch in der Furcht, dass sie uns einen Streich spielen könnten. Sie sollten aber auch nicht glauben, es fehle uns an Mut, diese Straße zu marschieren. Am ersten Tag gelangte ich an einige Weiler der Stadt Guaxocingo, wo ich von den Eingeborenen gut aufgenommen wurde. Sie schenkten mir einige Sklavinnen und kleine Goldstückchen, im Ganzen aber recht wenig, da sie selbst keins haben, weil sie Bundesgenossen der Tlaxcalteken und wie diese von den Azteken eingeschlossen sind und in großer Armut leben müssen.

Am folgenden Tag stieg ich den Engpass zwischen den beiden Bergen empor, und beim Hinabsteigen, als wir schon das Reich des Moctezuma vor uns liegen sahen, fand ich ein sehr gutes Quartier, erst kürzlich eingerichtet und so groß, dass ich mit allen meinen Truppen darin herbergen konnte, obgleich ich mehr als viertausend Indianer – Eingeborene der Länder Tlaxcala, Guaxocingo, Cholollan und Cempoala – bei mir hatte. Für alle war reichlich zu essen da, und in den Häusern gab es genug Holz und Feuer, denn es war in der Nähe der schneebedeckten Berge sehr kalt.

NEUNTES KAPITEL

Moctezumas Gesandte fordern zur Umkehr auf – Weitermarsch und Einzug in Iztapalapa – Aufbruch in die Hauptstadt von Mexiko

Es kamen nun wieder einige Gesandte, unter ihnen einer, von dem man mir sagte, dass er ein Bruder Moctezuma sei. Sie brachten mir Gold im Wert von dreitausend von Pesos [etwa 130.000 Mark] und sagten mir, ihr Herr lasse mich bitten, nicht darauf zu bestehen, in seine Stadt zu kommen, weil sein Land sehr arm an Lebensmitteln sei. Außerdem würde ich den Weg schlecht finden, da er ganz unter Wasser stünde, so dass ich nur in Kähnen weitergelangen könne. Ich möge überlegen, was Moctezuma mir geben solle, er sei auch bereit, mir jährlich eine Abgabe zu leisten und sie ans Meer oder wohin ich sonst verlange zu bringen. Ich empfing die Herren recht freundlich und schenkte ihnen, besonders dem Bruder von Moctezuma, einiges von unseren spanischen Sachen, worauf sie großen Wert legen. Auf ihre Botschaft aber antwortete ich, ich würde umkehren, wenn dies in meiner Hand läge, um mich Moctezuma gefällig zu erweisen, aber ich sei auf Befehl Eurer Majestät in dieses Land gekommen, und die Hauptsache, worüber ich Bericht erstatten müsse, sei eben Moctezuma und seine große Stadt, von denen Eure Hoheit schon seit langem Kenntnis habe. Sie möchten ihrem Herrscher deshalb sagen, ich bäte ihn, meinen Besuch anzunehmen, da ihm daraus keinerlei Schaden, wohl aber Nutzen entstehen könne. Wenn ich ihn gesehen habe und es dann noch sein Wille sei, mich nicht in seiner Gesellschaft zu lassen, dann würde ich umkehren. Wir würden aber besser unter uns die Art und Weise festlegen, wie er sich im Dienste Eurer Hoheit zu benehmen habe, als durch dritte Personen, selbst wenn sie unser volles Vertrauen hätten. Mit dieser Antwort zogen die Gesandten wieder ab. Sie hatten, wie wir an verschiedenen Anzeichen bemerkten, die Absicht gehabt, uns in der Nacht angreifen zu lassen. Als ich dies aber merkte, ergriff ich solche Maßnahmen, dass sie ihren Plan aufgaben. Sie ließen nun viel Kriegsvolk, das in den nahe gelegenen Bergen versammelt war, ganz heimlich wieder abmarschieren, wie uns von unseren Streifen und Horchposten gemeldet wurde.

Gleich nach Tagesanbruch rückte ich in das zwei Leguas entfernte Dorf Amecameca vor, das zur Provinz Chalco gehört und mit den umliegenden Weilern zwanzigtausend Einwohner zählen mag. Wir wurden in einigen guten, dem Kaziken gehörenden Häusern einquartiert. Hier fanden sich auch einige vornehme Personen ein, die mir sagten, sie seien von Moctezuma geschickt worden, um mich hier zu erwarten und mit allem Nötigen zu versehen. Der Kazike des Dorfes schenkte mir dreitausend Castellanos [Goldpesos] und vierzig Sklavinnen und versorgte uns zwei Tage hindurch reichlich mit allem Notwendigen. Tags darauf zog ich weiter und brachte die nächste Nacht in einem kleinen Dorf zu, das an einer großen Lagune lag und fast zur Hälfte über dem Wasser erbaut war, während an der Landseite ein felsiger Berghang aufragte.

Und auch hier hatten sie noch einmal das Bedürfnis, ihre Kräfte mit uns zu messen, nur dass sie uns zur Nachtzeit unvorbereitet überfallen wollten. Wir hielten aber so gute Wacht, dass von ihren Kundschaftern, die in Kähnen übers Wasser kamen oder vom Berg herabstiegen, fünfzehn bis zwanzig von uns ergriffen und getötet wurden, so dass nur Wenige entkamen. Da sie uns nun solchermaßen auf der Hut sahen, beschlossen sie, ihr Vorhaben aufzugeben und sich mit uns zu vertragen.

Am folgenden Morgen kamen zwölf Gesandte, unter ihnen ein besonders vornehmer Herr von etwa fünfundzwanzig Jahren. Die anderen erwiesen ihm so großen Respekt, dass sie, als er seine Sänfte verließ, den Boden vor seinen Füßen von Steinen und Strohhalmen reinigten. [Es war Cacama, Herrscher von Texcoco, der mächtigste Vasall Moctezumas.] Sie sagten, sie kämen im Auftrag von Moctezuma, um mich zu begrüßen, ihr Herr lasse sich entschuldigen, da er sich nicht wohl fühle. Seine Residenz liege ganz in der Nähe, und da ich noch immer entschlossen sei, mich dorthin zu begeben, würde ich ihn dort sehen und von ihm erfahren, welche Neigung er für den Dienst Eurer Hoheit gefasst habe. Nichtsdestoweniger bitte er mich noch immer, wenn es irgend möglich sei, nicht zu kommen, da ich viel Not und Ungemach ausstehen würde, und da es für ihn sehr beschämend sei, mich nicht nach meinen Wünschen versorgen zu können. Auch die Gesandten bestanden darauf so hartnäckig, dass nur noch fehlte, sie verböten mir den Weitermarsch, wenn ich darauf beharren würde. Ich besänftigte sie aber so gut es ging, indem ich ihnen erklärte, meine Ankunft könne ihnen niemals zum Schaden gereichen, wohl aber zu großem Vorteil. Darauf empfahlen sie sich, nachdem ich ihnen noch einige meiner mitgebrachten Sachen geschenkt hatte.

Unmittelbar nach ihnen setzte ich mich in Marsch, begleitet von vielen Eingeborenen, die in großem Ansehen zu stehen schienen. Ich verfolgte die Straße am Ufer der großen Lagune. Nach einem Marsch von einer Legua gewahrte ich im See, etwa zwei Armbrustschüsse vom Ufer entfernt, eine kleine Stadt, die wohl zweitausend Einwohner haben konnte, ganz im Wasser erbaut, mit vielen Türmen, aber ohne einen äußerlich sichtbaren Eingang. Eine Legua weiter betraten wir einen Damm, nicht breiter als eine Lanzenlänge, der in den See hineinführte. Auf ihm erreichten wir wieder eine kleine Stadt [Cuitláhuac], die die schönste von allen bisher gesehenen Städten war, sowohl wegen ihrer wohlgebauten Häuser und Türme als auch wegen der guten Anlage ihres Fundaments, da sie ganz über dem Wasser erbaut war.

Der Kazike der Stadt und viele Standespersonen besuchten mich und baten mich, bei ihnen Nachtquartier zu nehmen. Die Beauftragten Moctezumas aber sagten mir, ich möchte in die drei Leguas entfernte Stadt Iztapalapa weiterziehen, die einem Bruder von Moctezuma gehöre. Ich befolgte den Rat, und als wir die Stadt erreichten, kam uns der Kazike mit vielen anderen Herren entgegen, um uns zu begrüßen. Sie schenkten mir Gold im Wert von drei- bis viertausend Pesos, einige Sklavinnen und Stoffe.

Zwölf- bis fünfzehntausend Einwohner mag die Stadt Iztapalapa haben, die am Ufer einer großen Lagune von Salzwasser liegt, die eine Hälfte im Wasser, die andere auf dem Festland. Der Herr dieser Stadt besitzt neue Häuser, so gut wie die besten in Spanien, sowohl im Mauer- und Zimmerwerk wie in Fußböden und Bequemlichkeiten aller Art, aber ohne Stückarbeiten wie man sie in spanischen Häusern sieht, und anderen Luxus. In vielen Gemächern, sowohl zu ebener Erde als auch darüber, findet man frische Ziergärten mit vielen Bäumen und duftenden Blumen, auch Bassins mit süßem Wasser. Neben dem Haus liegt ein großer Wirtschaftsgarten und auf dem Haus ein Obergeschoss mit schönen Sälen und weiter Aussicht. Im Garten befindet sich ein sehr großes Bassin, vierhundert Schritte im Quadrat, mit einem gepflasterten Weg rundherum. Der Garten ist mit Mais bestellt und mit Gebüschen, aber auch mit wohlriechenden Kräutern und Stauden bepflanzt. In dem Bassin tummeln sich viele Fische und Wasservögel in solcher Menge, dass sie zuweilen das ganze Wasser bedecken.

Am nächsten Tag brach ich wieder auf, und nach halbstündigem Marsch betraten wir einen Damm, der sich zwei Stunden weit durch die Lagune bis zur Hauptstadt Tenochtitlán [so nannten die Azteken ihre Hauptstadt] erstreckt, die mitten in der Lagune gegründet ist. Der Damm ist fest gebaut und zwei Lanzen breit, so dass acht Reiter in Front darauf marschieren können. Auf dieser Strecke von zwei Leguas liegen auf beiden Seiten des Dammes drei Städte, die eine, Mexicalcingo genannt, ist größtenteils in den See hineingebaut, die beiden anderen aber liegen am Ufer, obwohl auch von ihren Häusern noch viele im Wasser stehen. In allen dreien gibt es sehr gute Gebäude, Häuser wie Türme, besonders die Wohnhäuser der Vornehmen, sowie die Tempel und Bethäuser, in denen sie ihre Götzen halten. In diesen Städten wird starker Handel mit Salz getrieben, das sie aus dem Wasser der Lagune und aus der Kruste des von ihr bespülten Erdreichs gewinnen. Sie kochen es auf eine bestimmte Weise und verkaufen es in Stücken an Eingeborene als auch über die Grenze.

So zog ich denn auf diesem Damm weiter. Etwa eine halbe Legua vor der Stadt Tenochtitlán befand sich an der Einmündung eines anderen Dammes, der vom Festland her sich mit unserem Damm verband, ein sehr festes Bollwerk, von einer zweistöckigen Mauer mit zwei Türmen und die Mauer ringsum von einer Brustwehr umgeben. Es beherrscht beide Dämme und hat nur zwei Tore zum Eingang und zum Ausgang. Hier kamen mir etwa tausend Standesherren entgegen, um mich zu sehen und zu sprechen, Einwohner der Hauptstadt, alle in der gleichen und nach Landessitte sehr reichen Tracht. Bevor sie mich aber anredeten, vollbrachte jeder von ihnen, sobald er in meine Nähe gelangte, eine bei ihnen gebräuchliche Zeremonie, indem er mit der Hand die Erde berührte und sie küsste. Ich musste mich eine Stunde damit aufhalten, bis mich alle begrüßt und geehrt hatten. Dicht vor der Stadt befindet sich nun eine hölzerne Brücke von zehn Schritten Breite, unter der das Wasser durchfließt, wenn es steigt und fällt, die aber auch zum Schutz der Stadt geöffnet werden kann, denn die sehr langen und breiten Balken, aus denen die Brücke besteht, können fortgenommen und wieder hingelegt werden. Brücken solcher Art gibt es viele in der Stadt, worüber ich noch berichten werde.

ZEHNTES KAPITEL

Moctezuma empfängt Hernán Cortés – Einzug in die Quartiere – Moctezumas Willkommensrede und Antwort

Als wir die Brücke überschritten hatten, kam uns der große Moctezuma mit etwa zweihundert Gefolgsleuten entgegen, alle barfuß und in der gleichen Tracht, aber noch reicher als die vorigen gekleidet. Sie kamen zu beiden Seiten der Straße heran, Moctezuma ging in ihrer Mitte mit zwei Herren zur Rechten und zur Linken. Der eine war jener große Herr [Cacama], der in der Sänfte zu mir gekommen war und über den ich bereits berichtet habe, der andere der Kazike von Iztapalapa, ein Bruder des Herrschers. Alle drei waren in gleicher Weise gekleidet, nur dass Moctezuma eine Fußbekleidung trug, die beiden anderen aber barfuß gingen. Beide unterstützten ihn mit dem Arm. Als wir zusammentrafen, stieg ich vom Pferd und ging allein auf ihn zu, um ihn zu umarmen, aber seine Begleiter hielten mir die Hände vor, so dass ich ihn nicht berühren konnte, und sie sowohl als er vollführten die beschriebene Zeremonie, indem sie die Erde küssten.

Darauf näherte ich mich Moctezuma, nahm mein Halsband aus Perlen und Glasdiamanten ab und legte es ihm um den Hals. Darauf kam einer seiner Diener mit zwei in einem Korb verpackten aus roten Muscheln hergestellten Hummerhalsbändern, die sie sehr schätzen. An jedem Halsband hingen acht goldene Hummer von vortrefflicher Arbeit, etwa einen halben Fuß hoch. Er wandte sich zu mir und legte sie mir um den Hals. Dann verfolgte er wieder seinen Weg die Straße entlang, bis wir an ein sehr großes und schönes Haus kamen, das er zu unserem Quartier bestimmt hatte.


Erste Begegnung zwischen Hernán Cortés und Moctezuma (Nach einem Gemälde von L. Kowalsky)


Empfang im Palast Moctezumas

(Nach einem Gemälde im Nationalmuseum Mexiko)

Moctezuma nahm mich bei der Hand und führte mich in einen großen Saal dem Hof gegenüber, durch den wir eingetreten waren. Hier bot er mir Platz auf einer Estrade, die er für sich hatte machen lassen, und bat mich, ihn hier zu erwarten, worauf er sich entfernte. Kurze Zeit nachher, als meine Leute schon einquartiert waren, kehrte er zurück mit vielen Kleinodien aus Gold und Silber, mit Federbüschen und sechstausend Stück Baumwollzeug, sehr reich und verschieden gearbeitet. Nachdem er mir die Geschenke überreicht hatte, setzte er sich auf eine andere Erhöhung, die schnell für ihn hergerichtet worden war, und begann folgende Rede:

»Seit langer Zeit schon besitzen wir durch unsere Vorfahren Kenntnis davon, dass weder ich noch alle jetzigen Bewohner des Landes Eingeborene sind, sondern vielmehr Fremde, die aus sehr entfernten Gegenden stammen. Wir wissen auch, dass unser Volk durch einen Herrscher hierhergeführt worden ist, dessen Untertanen sie alle waren. Er kehrte in sein Geburtsland zurück und kam erst nach so langer Zeit wieder, dass die Zurückgebliebenen sich unterdessen mit eingeborenen Frauen verheiratet, viele Kinder gezeugt und neue Ortschaften gegründet hatten, in denen sie lebten. Als er sie nun wieder hinwegzuführen gedachte, wollten sie ihm nicht folgen und ihn nicht einmal als ihren Herrn anerkennen, und so entfernte er sich wieder.

Wir haben stets geglaubt, dass seine Nachkommen dereinst erscheinen würden, um dieses Land zu unterjochen und uns wieder zu ihren Untertanen zu machen. Der Gegend, aus der Ihr gekommen seid, das heißt vom Sonnenaufgang her, und Euren Berichten zufolge von jenem großen König, der Euch entsendet hat, glauben wir und halten es für gewiss, dass er unser angestammter Herrscher sei, besonders da Ihr sagt, dass er schon seit langer Zeit Kunde von uns erhalten hat. Seid deshalb überzeugt, wir werden Euch gehorchen und Euch als Statthalter jenes großen Herrn anerkennen. Ihr mögt daher in meinem ganzen Land nach Willkür befehlen, denn es wird befolgt werden, und über alles, was wir besitzen, mag Euch zu verfügen gefällig sein.

Da Ihr Euch nun in Eurer Heimat befindet und im eigenen Haus, so ruhet aus von der Mühseligkeit des Weges und von den Kriegen, die Ihr geführt habt, denn ich kenne sehr wohl alles, was Euch solcherart bis hierher begegnet ist. Ich weiß auch wohl, dass die Einwohner von Cempoala und Tlaxcala viel Übles über mich gesagt haben, glaubt aber nicht mehr davon, als Ihr mit eigenen Augen sehen werdet, besonders denen nicht, die meine Feinde sind und bei Eurer Ankunft gegen mich rebelliert haben.

Ich weiß auch, dass sie Euch gesagt haben, ich besäße Häuser mit Wänden aus Gold und der Belag meiner Fußböden und andere Gegenstände des häuslichen Bedarfs seien gleichfalls aus Gold, und ich sei ein Gott oder erhöbe mich zum Gott und dergleichen mehr.« Darauf lüftete er seine Gewänder, zeigte mir seinen bloßen Leib und fuhr fort: »Hier seht Ihr auch, dass ich aus Fleisch und Blut bin wie Ihr und jeder andere und dass ich sterblich und antastbar bin« – wobei er sich an den Leib und an die Arme griff –, »seht also, dass sie Euch belogen haben. Wahr ist freilich, dass ich einige Sachen aus Gold besitze, die mir von meinen Ahnen hinterlassen worden sind, aber alles, was ich besitze, wird Euer sein, sobald Ihr es wünschen werdet. Jetzt gehe ich in ein anderes Haus, in dem ich wohne. Ihr werdet hier mit allem Nötigen für Euch und Eure Leute versorgt werden. Ihr braucht Euch um nichts zu sorgen, denn Ihr befindet Euch in Eurem Haus und in Eurer Heimat.«

Ich antwortete nun auf alles, was er gesagt hatte, ihn in allem zufriedenstellend, wo es mir ratsam erschien, besonders ihn in seinem Glauben bestärkend, dass Eure Majestät wirklich der längst von ihnen Erwartete sei. Darauf empfahl er sich und als er fort war, wurden wir sehr gut mit Hühnern, Brot, Früchten und anderem versorgt, besonders auch mit allem Notwendigen zur Einrichtung unseres Quartiers. So vergingen sechs Tage, an denen wir wohl versorgt waren und viel Besuch erhielten.

ELFTES KAPITEL

Ermordung einiger Spanier in Veracruz – Quauhpopocas Verhaftung und Hinrichtung – Fesselung Moctezumas

Schon zu Anfang dieses Berichts habe ich erwähnt, dass ich bei meinem Abmarsch hundertfünfzig Mann in Veracruz zurückließ, die die angefangene Festung vollenden sollten. Ich habe auch erwähnt, dass ich dort viele Städte und die Eingeborenen als treue Untertanen Eurer Majestät verließ. Während meines Aufenthaltes in Cholollan aber bekam ich bereits Briefe von meinem in Veracruz zurückgelassenen Hauptmann [Juan de Escalante], worin er mir mitteilte, dass Qualpopoca, der Kazike von Almería [Nauhtla], ihm durch Abgesandte habe sagen lassen, er wolle Vasall Eurer Hoheit werden. Er sei bis jetzt nicht gekommen, weil er durch das Gebiet seiner Feinde ziehen müsse. Wenn ihm aber vier Spanier zu seiner Begleitung zugeordnet würden, wolle er sofort kommen. Der Hauptmann habe ihm die vier Spanier geschickt, doch als sie in seinem Haus angelangt waren, befahl er, sie zu töten, aber auf solche Weise, dass er selbst nicht in Verdacht kam. Zwei Spanier wurden dann auch getötet, die beiden anderen aber nur verwundet, und sie entwischten in die Wälder. Der Hauptmann sei daraufhin mit fünfzig Spaniern, seinen zwei Reitern, zwei Geschützen und zehntausend verbündeten Indianern nach Almería gezogen. Dort habe er viele Einwohner getötet, die übrigen hinausgejagt und die Stadt verbrannt und zerstört. Jener Qualpopoca, der Kazike der Stadt, habe sich aber durch die Flucht gerettet.

Von einigen Gefangenen konnte er erfahren, dass Moctezuma dem Kaziken Qualpopoca und dessen Verbündeten befohlen habe, dass sie, sobald ich Veracruz verlassen haben würde, auf jede mögliche Art die von mir zurückgelassenen Spanier umbringen sollten, auf keinen Fall ihnen aber Hilfe leisten oder sie sonstwie begünstigen. Deshalb hätten sie es getan.

Danach schien es mir, dass es dem königlichen Dienst und unserer Sicherheit nützlich sei, wenn ihr Herrscher sich in meiner Gewalt befände und nicht in völliger Freiheit, damit er nicht etwa in seinem Entschluss, Eurer Hoheit zu dienen, wankend werde, besonders da wir Spanier ziemlich unverträglich und ungestüm sind, was ihn vielleicht einmal verdrießen würde, worauf er uns großen Schaden zufügen könnte, so dass bei seiner großen Macht nicht einmal das Gedächtnis an uns übrigbleiben würde. Ich bedachte auch, dass wenn ich ihn in meinem Gewahrsam hätte, alle von ihm unterworfenen Länder leichter zu Vasallen Eurer Majestät würden, was nachher auch wirklich geschah. Ich beschloss also, ihn gefangen zu nehmen und in mein Quartier zu bringen, das wohlbefestigt war. Um aber bei seiner Verhaftung jeden Skandal oder Aufruhr zu vermeiden, überlegte ich mir alle Möglichkeiten, wie ich sie vollziehen könnte. Da erinnerte ich mich dessen, was mir der in Veracruz gebliebene Hauptmann über die Vorfälle in Almería berichtet hatte, insbesondere dass man in Erfahrung gebracht hatte, dass alles dort Vorgefallene auf Veranlassung Moctezumas geschehen sei.

Ich stellte also starke Wachtposten an allen Straßenkreuzungen auf und begab mich zum Haus von Moctezuma, wie ich es auch sonst schon getan hatte. Nachdem ich mich freundlich und gefällig mit ihm einige Zeit unterhalten und er mir goldene Kleinodien, eine seiner Töchter und andere Frauen vornehmer Herkunft für meine Offiziere geschenkt hatte, sagte ich ihm, ich wisse nun von dem, was sich in der Stadt Almería oder Nauhtla begeben habe, auch von den Spaniern, die man dort ermordet hatte, und Qualpopoca führe zu seiner Entschuldigung an, dass alles auf Befehl Moctezumas geschehen sei. Weil ich aber glaube, dass Qualpopoca es nur so darstelle, um sich zu entschuldigen, so scheine mir, er müsse ihn hierherholen lassen, damit man die Wahrheit erführe und die Schuldigen bestrafen könne. Ich sei aber vollkommen überzeugt, dass die Wahrheit sicher das Gegenteil von jener Aussage sein müsse.

Darauf ließ Moctezuma sofort einige seiner Gefolgsleute kommen, gab ihnen eine kleine Figur aus Stein nach Art eines Siegels und befahl ihnen, sich nach Almería zu begeben, Qualpopoca herzubringen und nachzuforschen, wer sich sonst an der Ermordung der Spanier beteiligt habe, die ebenfalls zu verhaften seien. Sollten sie sich der Verhaftung widersetzen, so müssten angrenzende Gemeinden aufgeboten werden, um sie mit bewaffneter Hand zu fangen. Die Beauftragten machten sich sofort auf den Weg, worauf ich Moctezuma für den Eifer dankte, mit dem er die Sache betreibe. Jetzt bleibe nur noch übrig, dass er sich zu mir in mein Quartier begebe, bis sich die Wahrheit aufgeklärt habe und man wisse, dass er ohne Schuld sei. Er solle aber keineswegs als Gefangener, sondern in voller Freiheit bei mir sein. Im Dienst und in der Verwaltung seines Landes solle er nicht behindert werden, er möge die Räume zu seinem Aufenthalt beliebig auswählen, er werde ganz nach Belieben leben können, und es solle ihm weder Verdruss noch Leid zugefügt werden. Außer seinem Hofgesinde sollten ihm alle meine Leute zu Diensten sein, wo immer er es befehlen werde.

Wir wechselten viele Gründe und Gegengründe, die alle niederzuschreiben zu weitläufig sein würde. Ich begnüge mich damit, dass er endlich einwilligte, mit mir zu gehen. Er befahl, das Zimmer, das er bewohnen wollte, in Bereitschaft zu setzen. Als dies geschehen war, kamen viele Herren seines Gefolges, rissen sich die Kleider vom Leib, die sie unter den Arm nahmen, brachten eine Sänfte herbei und hoben ihn weinend hinein. So begaben wir uns zu dem Quartier, in dem ich wohnte, ohne dass es in der Stadt Tumult gab, wenn auch einige Bewegung erkennbar wurde. Moctezuma befahl, dass nichts dergleichen geschehen solle, und so verblieb alles in völliger Ruhe, auch die ganze Zeit hindurch, in der ich ihn gefangen hielt. Er lebte ganz nach seinen Wünschen, mit seiner ganzen Bedienung, wie er sie in seinem Palast gehabt hatte. Ich aber und meine Gefährten erzeigten ihm alle Gefälligkeiten, die uns nur irgend möglich waren.

Drei Wochen nach der Verhaftung von Moctezuma kehrten seine Leute zurück, die er nach Qualpopoca und zu den übrigen Mördern der Spanier ausgesandt hatte. Sie brachten den Kaziken Qualpopoca und seinen Sohn und fünfzehn andere Indianer mit, die angeblich an dem Mord beteiligt gewesen waren. Qualpopoca wurde als großer Herr in einer Sänfte getragen. Die Gefangenen wurden mir übergeben und ich ließ sie in gute Verwahrung bringen. Nachdem sie den Mord an den Spaniern eingestanden hatten, ließ ich sie fragen, ob sie Vasallen Moctezumas seien. Qualpopoca antwortete darauf, ob es denn einen anderen Herrn gäbe, dessen Vasall er sein könne. Dann fragte ich sie, ob die Untat auf Moctezumas Befehl geschehen sei, was sie zwar verneinten, aber später, als das Urteil, das sie zum Feuertod verdammte, vollzogen wurde, sagten sie alle wie aus einem Mund, es sei wahr, auf Moctezumas Befehl hätten sie es getan.

So wurden sie denn auf einem großen Platz öffentlich verbrannt, ohne dass es dabei zu einem Aufruhr kam. Am gleichen Tag ließ ich Moctezuma, der nach den Geständnissen die Morde befohlen hatte, Fußfesseln anlegen, worüber er sich nicht wenig entsetzte. Ich ließ sie aber am Abend wieder abnehmen, worauf er recht zufrieden war. Seitdem strebte ich immer danach, ihm gefällig zu sein, soweit es mir möglich war. Ich ließ bekanntmachen und erklärte auch allen Eingeborenen, dass Moctezuma in seinem Herrscheramt verbleibe, da er die Oberhoheit Eurer Majestät anerkannt habe. Seine Untertanen würden also den Willen Eurer Hoheit tun, wenn sie ihm gehorchten, wie sie es vor meiner Ankunft getan hätten.

Unser Verhältnis zueinander war so gut, dass ich es einige Male wagen konnte, ihm die Freiheit anzubieten und ihn zu bitten, wieder in sein Haus zurückzukehren. Er aber sagte mir jedes Mal, er fühle sich hier wohl und es fehle ihm an nichts, ganz als ob er in seinem eigenen Haus sei. Es könne sich leicht ereignen, dass die großen Herren des Landes, seine Vasallen, ihn beeinflussen würden, etwas zu unternehmen, was nicht zu Eurer Hoheit Diensten passe. Falls sie ihm aber hier etwas einflüstern wollten, so könne er alles mit der Antwort umgehen, dass er sich ja nicht in Freiheit befinde.

Oft bat er mich um Erlaubnis, einige Zeit in seinen Lustschlössern zuzubringen, sowohl innerhalb als außerhalb der Stadt, und niemals wurde es ihm abgeschlagen. So lustwandelte er oft mit fünf oder sechs Spaniern bis zwei Leguas weit von der Stadt und kehrte stets fröhlich und guter Dinge in das Quartier zurück. Jedes Mal wenn er ausging, verteilte er Geschenke an die Spanier und auch an die Eingeborenen, die ihn mit wenigstens dreitausend Mann umlagerten, meist große Herren und Standespersonen. Er gab viele Gastmähler und Feste, wovon seine spanischen Begleiter dann jedes Mal viel zu erzählen wussten.

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