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Table of Contents

Title Page

Stimmen zum Buch

Inhalt

Vorwort

Einführung

Kapitel 1: Das Vaterunser

Kapitel 2: Gehorsam oder Ungehorsam – Was will Gott?

Kapitel 3: Die Auswirkung von Pfingsten

Kapitel 4: Ostern: Fest von gestern, heute und morgen?

Kapitel 5: Waffenrüstung im neuen Stil

Kapitel 6: Was ist deine Geschichte?

Kapitel 7: Das Reich Gottes

Werbungsseiten Bruggeman - Näher beim Vater fuer epub

Henk Bruggeman

Näher beim Vater

Da bist du zu Hause!

GloryWorld-Medien

1. Auflage 2021

© 2020 Henk Bruggeman. Originaltitel: „Dichter bij de Vader – Daar ben je thuis!“; erschienen bei Great Life Publishing, Westervoort, Niederlande

© der deutschen Ausgabe 2021 GloryWorld-Medien, Xanten, Germany, www.gloryworld.de

Alle Rechte vorbehalten

Bibelzitate sind, falls nicht anders gekennzeichnet, der Elberfelder Bibel, Revidierte Fassung von 1985, entnommen. Weitere Bibelübersetzungen:

HFA: Hoffnung für alle, Basel und Gießen, 1983

JNT: David Stern, das jüdische Neue Testament, Hänssler 1994

LUT: Lutherbibel, Revidierte Fassung von 2017

SLT: Schlachter 2000

NLB: „Neues Leben. Die Bibelübersetzung“, Holzgerlingen, 2017

Außerdem wurden verschiedene englische Bibelübersetzungen direkt ins Deutsche übersetzt:

TMB: Aus der englischen Bibelübertragung „The Message: The Bible in Contemporary Language” von Eugene Peterson, NavPress, 2002, direkt ins Deutsche übersetzt.

AMP: Aus der englischen Bibelübertragung „Amplified® Bible“, The Lockman Foundation, 1987, direkt ins Deutsche übersetzt

TPT: The Passion Translation © 2017, 2018 by Passion & Fire Ministries, Inc.

Hervorhebungen sind vom Autor

Das Buch folgt den Regeln der Deutschen Rechtschreibreform. Die Bibelzitate wurden diesen Rechtschreibregeln angepasst.

Übersetzung: Markus Amolsch,

Lektorat/Satz: Manfred Mayer

Umschlaggestaltung: KoningKleur – Erwin van Deutekom / Markus Amolsch

Foto: www.depositphotos.com

ISBN (epub): 978-3-95578-492-8

ISBN (Druck): 978-3-95578-392-1

Stimmen zum Buch

Unabhängig zu sein, ist in unserer Gesellschaft des 21. Jahrhunderts sehr populär: Anderen nicht zur Last fallen, gut für dich selbst sorgen können, deine finanziellen Angelegenheiten gut geregelt haben. Darum streben viele danach, selbstständiger und mündiger zu werden, mehr Selbstvertrauen zu entwickeln und dadurch in Freundschaften und Beziehungen freier sein zu können. Durch die (sozialen) Medien erhält dieses Streben eine Bühne, wodurch es für andere zu einer einflussreichen Quelle der Inspiration wird. Für viele unserer Mitmenschen bedeutet dieses Verlangen nach völliger Unabhängigkeit, dass der Gedanke von Gott als Schöpfer nicht mehr zu ihrer Überzeugung passt. Er wird als Ballast empfunden, der schnellstmöglich als „überholter Unsinn“ abgeworfen werden muss.

Henk Bruggeman beschreibt in seinem neuen Buch „Näher beim Vater“ eine Art zu leben, die genau konträr dazu ist, aber ebenso große Auswirkungen auf uns und unsere Umgebung hat. Indem wir völlig abhängig von unserem Schöpfer sind, können wir in unserem persönlichen Leben erst richtig zur Blüte kommen und damit eine Quelle der Inspiration und ein Segen für andere sein. Henk versteht es, dem Leser auf eine scharfsinnige und humorvolle Weise Einblick in das Leben biblischer Personen zu geben, die die Wahrheit von Jesu Worten „Ohne mich könnt ihr nichts tun“ in der Praxis erfahren haben. Es ist fesselnd zu lesen, wie Menschen wie Petrus und Paulus dadurch persönlich geformt wurden und für ihre Umgebung letztendlich ein „salzendes“ Salz wurden. Der Autor bezieht sich auch auf Geschehnisse aus seinem eigenen Leben, um dem Leser seinen persönlichen Wachstumsprozess in die Abhängigkeit von Gott vor Augen zu führen.

Im Mittelpunkt dieses Wachstumsprozesses steht die Liebe unseres himmlischen Vaters und die Bestimmung, für die er den Menschen geschaffen hat: Als Söhne und Töchter mit ihm zu wandeln, wobei er uns immer wieder einlädt, die Intimität mit ihm zu suchen. Denn durch das Opfer seines Sohnes Jesus Christus ist der Zugang zu seinem Vaterherzen wieder möglich! Durch seinen Geist offenbart unser himmlischer Vater in diesem Prozess nach und nach immer mehr von sich selbst und werden wir Träger seines Bildes.

Durch ein falsches Bild von Gott finden sich viele Christen jedoch in verkrampften Anstrengungen wieder, um dem, was der Vater von seinen Kindern erwartet, aus eigener Kraft gerecht zu werden. Henk versteht es, diese falschen Bilder in treffender Weise zu beschreiben und zu enttarnen. Wenn Gott uns sein Vaterherz offenbart, wird unser Gehorsam ihm gegenüber eine tiefe Liebestat für ihn; wenn unser Herz nicht berührt wurde und wir probieren, Jesus nachzufolgen, dann folgen wir nur einem auferlegten Gebot.

Mit diesem Buch erhalten wir außerdem eine wichtige prophetische Botschaft von dem Weg, den der Herr in der heutigen Zeit mit Israel und der Gemeinde geht, und welche Rolle das „Offenbarwerden der Söhne Gottes“ (vgl. Röm 8,19) darin spielt.

Wie schon beim Lesen von Henks erstem Buch „Das Herz des Vaters entdecken“, wurde ich auch bei diesem Buch von den wunderbaren Offenbarungen vom Vaterherzen Gottes bewegt. Jedem, der auf der Suche nach einem tieferen Leben mit ihm ist, kann ich „Näher beim Vater“ daher nur wärmstens empfehlen. Lieber Leser, auch an dir möge sich Paulus’ Gebet erfüllen, „dass der Gott unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Herrlichkeit, euch gebe [den] Geist der Weisheit und Offenbarung in der Erkenntnis seiner selbst“ (Eph 1,17).

Arjan van den Bijgaart

Stiftung Ecovata/Oisterwijk, Niederlande

Henk Bruggeman hat großartige Arbeit darin geleistet, uns Offenbarung darüber zu vermitteln, was es wirklich bedeutet, in der Freiheit der Sohnschaft zu leben, statt in der Gebundenheit eines Sklaven.

Ich muss bekennen, dass, als ich gebeten wurde, Henks erstes Buch „Das Herz des Vaters entdecken“ zu lesen und eine Rezension dazu zu schreiben, ich mich fragte, ob wir noch ein Buch über das „Vaterherz Gottes“ brauchten. Ich merkte schnell, dass es nicht einfach nur ein weiteres Buch zu diesem Thema war, sondern dass es wohl die klarste Offenbarung ist, die ich darüber jemals gelesen habe.

Ich weiß, dass ich ein Beispiel davon bin, wie es ist, in Intimität zu leben und die Liebe vom Vater zu erfahren. Dadurch durfte ich in den vergangenen gut zwanzig Jahren tiefe Offenbarungen in diesem Punkt empfangen. Zu meiner Überraschung und auch Freude, hat Henk mich durch seine eigene Erfahrung und seinen persönlichen Lebenswandel mit dem Vater tiefer in meine eigene Reise zum Herzen des Vaters eintauchen lassen. „Das Herz des Vaters entdecken“ musste man einfach gelesen haben, wenn man das Vaterherz Gottes wirklich tiefer kennenlernen wollte. Darum kann ich dir auch Henks neuestes Buch „Näher beim Vater“ nur wärmstens empfehlen.

Kenn Gott

Redner, Autor und Gründer von House of Prayer Europe

Inhalt

Vorwort

Einführung

1 Das Vaterunser

2 Gehorsam oder Ungehorsam – Was will Gott?

3 Die Auswirkung von Pfingsten

4 Ostern: Fest von gestern, heute und morgen?

5 Waffenrüstung im neuen Stil

6 Was ist deine Geschichte?

7 Das Reich Gottes

Sei beim Lesen dieses Buches gesegnet!

Henk Bruggeman

Vorwort

Ich bin noch immer am Lernen!

Schon seit mehr als zwanzig Jahren liegt mein Schwerpunkt nur auf der Offenbarung des Vaterherzens Gottes. Mit der Zeit habe ich neue Erkenntnisse empfangen, sogar mehr als ich jemals erwartet hätte. Ich staune jedes Mal wieder, wenn ich mehr darüber entdecke, wie er wirklich ist.

Es ist mir gelungen, diese Offenbarungen in Worten auszudrücken und sie sogar in Form von Büchern aufzuschreiben. Trotzdem merke ich, dass diese Entdeckungen an sich noch immer nicht ausreichen. Jedes Mal, wenn ich die Worte betrachte, darüber spreche und schreibe, ist es, als würden sie einen neuen Zugang finden, um in mein Herz vorzudringen. Das ist an sich schon eine Offenbarung für mich, die mir erst vor Kurzem aufging. Jetzt verstehe ich auch besser, weshalb ich schon so lange, Jahr für Jahr, über dasselbe „Thema“ sprechen kann, ohne mich zu langweilen. Es berührt und verändert mich noch immer. Aber es hat auch Konsequenzen für den Leser und Zuhörer.

Du kannst die Worte, die ich spreche, hören, sie aufnehmen und dadurch gesegnet werden. Dein Herz kann davon berührt werden, und du kannst sogar Heilung empfangen. Aber meine Worte allein werden nie genug für dich sein. Die Worte, die geradewegs aus dem Herzen des Vaters kommen, müssen deine Worte werden!

Die Offenbarungen, die ich empfange, die Worte, die ich weitergeben darf, sind als Wegweiser gedacht, die allesamt zum Herzen des Vaters weisen. Die Absicht dahinter ist, dass du diese Worte selbst hören kannst, direkt vom Vater, und dass du danach anfängst, diese Worte, Gedanken und Bilder selbst anderen weiterzugeben. Indem du das tust, wird dies eine doppelte Wirkung haben. Sie werden anderen als Wegweiser dienen und diese werden dadurch gesegnet werden, und gleichzeitig werden sie auch tiefer in dein eigenes Herz eindringen.

Darum trägt dieses neue Buch den Titel „Näher beim Vater“.

Henk Bruggeman

Einführung

Nachdem mein erstes Buch, „Das Herz des Vaters entdecken“, erschienen war, wusste ich, dass es eine Fortsetzung geben würde. Diese hältst du nun in Händen. Im ersten Buch habe ich betont, dass man die Bibel auf unterschiedlichste Weise lesen kann. Man kann sie sozusagen durch verschiedene Brillen lesen. Das zu wissen ist wichtig, weil es weitreichende Folgen hat für das Bild, das wir von Gott haben. Wenn du zum Beispiel die vier Wörter „Adam, wo bist du?“ durch die Brille eines strengen Vaters liest, dann hörst du einen zornigen Gott. Liest du diese Worte dagegen durch die Brille eines Vaters, der gerade seine Kinder verloren hat, dann eröffnet sich dir ein völlig anderes Bild von Gott als Vater.

In meinem ersten Buch habe ich aufgezeigt, an welcher Stelle ein falsches Bild von Gott in uns entstanden ist. Das ist oft ein unbewusster Prozess. Um diese Bilder korrigieren zu können, brauchen wir eine Offenbarung darüber, wie Gott wirklich ist. Aber wir brauchen auch Offenbarung, um zu erkennen, wo wir noch an alten Bildern von Gott festhalten, damit wir uns davon verabschieden und uns auf die neuen einlassen können.

„Näher beim Vater“ baut auf einigen grundlegenden Offenbarungen über Gottes Vaterherz auf, die ich in „Das Herz des Vaters entdecken“ beschrieben habe. Ich werde des Öfteren gefragt, wie ich diese Offenbarungen empfange oder entdecke. Es hängt manchmal damit zusammen, dass ich gebeten werde, über ein bestimmtes Thema im Licht des Vaterherzens Gottes zu sprechen. Wenn ich mich dann mit diesem Thema auseinandersetze, kann es sein, dass ich überraschende Entdeckungen mache. Es kommt auch vor, dass ich einen Bibeltext aufschlage und daraufhin einen anderen Text lese, der in der Nähe steht, und plötzlich merke, wie sich die Dinge zusammenfügen. Ich bin dann nicht auf eine Offenbarung aus, sondern sie widerfährt mir einfach.

Des Weiteren habe ich Offenbarungen empfangen, indem ich sehr gezielte Fragen an Gott gestellt habe. Manchmal lese ich einen Abschnitt aus der Bibel, in dem ich das liebevolle Herz des Vaters nicht gleich entdecken kann. Ich habe mir angewöhnt, Gott dann zu fragen: „Lese ich das eigentlich richtig? Was willst du mit diesem Abschnitt sagen?“ So bekam ich zum Beispiel ein völlig anderes Bild vom Gleichnis von den fünf klugen und den fünf törichten Jungfrauen und dem darauffolgenden Gleichnis von den anvertrauten Talenten. Darüber habe ich in meinem ersten Buch geschrieben.

Im vorliegenden Buch schreibe ich darüber, wie wir Gott als unseren Vater besser kennenlernen können. Das geschieht nicht durch das bloße Lesen. Ich möchte dich in den folgenden Kapiteln dazu ermutigen, das jeweils Gelesene auf dich anzuwenden. Dadurch eignest du dir nicht nur Kopfwissen an, sondern es kann für dich zu einer persönlichen Erfahrung werden. Wir können uns erst dann näher beim Vater, bei ihm zuhause, fühlen, wenn wir ihn kennengelernt haben und ihm vertrauen.

Vielleicht sagt der eine oder andere jetzt: „Aber ich vertraue Gott doch schon.“ Aus Erfahrung kann ich jedoch sagen, dass man oft noch näher beim Vater sein kann. Häufig hat das mit verborgenen Bildern von Gott zu tun, die, manchmal unbewusst, irgendwo in meinem Herzen oder meinem Denken vorhanden waren. Auf diese Weise habe ich erkannt, dass ich nicht nur Offenbarung darüber brauche, wer Gott ist, sondern auch darüber, wer ich bin. Das gilt zum Beispiel für das bekannteste Gebet der Welt, das „Vaterunser“. Davon handelt das erste Kapitel. Zu diesem Gebet hatte ich immer eine gewisse Distanz. Ich konnte nicht so viel damit anfangen. Es berührte mein Herz nicht mehr, bis …

Gerne nehme ich dich mit auf eine Entdeckungsreise zu neuen Offenbarungen. Diese Reise hat mich oft über Gottes Güte und Größe staunen lassen. Ich hoffe, dass du dich an diesem Buch erfreuen kannst und dass es dich tatsächlich unserem liebevollen Vater näherbringt, dorthin, wo sein Herz dir noch mehr offenbaren kann.

Kapitel 1: Das Vaterunser

Israel, ich wollte dich zu meinem geliebten Kind machen und dir ein herrliches Land geben, das prächtigste weit und breit. Ich dachte, du würdest mich dann „Vater“ nennen und dich nicht mehr von mir abwenden.

Jeremia 3,19 HFA

Das Vaterunser

Ich möchte dieses Buch mit einer Herausforderung beginnen, nämlich dass wir neue Offenbarungen aus dem Vaterherzen Gottes empfangen. Das wünsche ich mir. Das ist der Zweck dieses Buches. Ich möchte aus der Offenbarung heraus schreiben, statt einen bestimmten Bibeltext zu erklären. Das ist es, was wir in dieser Zeit so dringend brauchen. Leben aus der Offenbarung.

Dieses Kapitel handelt vom „Vaterunser“. Das ist wohl einer der bekanntesten Texte aus der Bibel, aber ich hoffe, dass ich dir eine neue Perspektive aufzeigen kann. Jesus lehrte uns, dieses Gebet zu beten, und du findest es im Matthäusevangelium. Ich muss ehrlicherweise zugeben, dass ich für lange Zeit nicht so recht wusste, was ich mit diesem Gebet anfangen sollte. Für mich war es ein vorformuliertes Gebet, doch freie Gebete liegen mir mehr. Ich weiß, dass es viele Leute gibt, die es täglich beten. Aber oft ist es zu einer Tradition geworden, statt eines wirklichen Gesprächs mit Gott. Und wie geht es wohl Gott damit? Ich konnte mir nur schwer vorstellen, dass er sich noch immer freuen und davon überraschen lassen würde, wenn er – zum x-ten Mal – dieses Gebet hörte.

So bekannt das Vaterunser auch ist, aber wissen wir eigentlich, warum Jesus ausgerechnet diese Worte gewählt hat? Könnten wir vielleicht doch noch neue Aspekte an diesem Gebet entdecken, obwohl wir es schon unzählige Male gelesen und gesprochen haben?

Wie schon gesagt, hatte mich dieses Gebet nie sonderlich angesprochen. Ich bin damit aufgewachsen, wie so viele mit mir. Und trotzdem kann ich mich nicht erinnern, früher jemals darüber gesprochen zu haben. Das hat sich inzwischen geändert. Es begann mit einer Vaterherzkonferenz in Veendam (Niederlande), zu der David und Faith Daley eingeladen waren und die gut besucht war. Zu den Besuchern gehörten auch einige Mitglieder einer der örtlichen Baptistengemeinden. Als die Woche vorbei war, meinten einige von ihnen, sie würden gerne mehr über das Vaterherz Gottes hören. Schon bald fiel mein Name, und so kam es, dass ich eines Tages einen Anruf des Pastors erhielt, ob ich dazu bereit wäre, ab und zu an einem Sonntag zu sprechen. Ich stimmte zu und danach sprach ich mehr oder weniger regelmäßig in der Baptistengemeinde in Veendam.

Irgendwann erhielt ich eine Mail mit der Bitte, mich mit meiner Predigt dem Monatsthema anzuschließen. Das sollte ja keine große Sache sein, nachdem mein Thema das Vaterherz Gottes war und ich gebeten wurde an dem Sonntag zu sprechen über … das Vaterunser!

Meine erste Reaktion: Nein!!! Ich kann mit dem Vaterunser nicht viel anfangen, was soll ich denn dazu sagen? Ich kann es vorlesen, ich kann es sogar auswendig aufsagen, aber sonst? Also schrieb ich in meiner Mail als Antwort: „Natürlich werde ich das gerne tun …!“ In dem Moment stellte ich mich vor vollendete Tatsachen. Das war der Anfang einer überraschenden Entdeckungsreise.

Das Gebet

Obwohl viele dieses Gebet auswendig können, schreibe ich es hier trotzdem nochmal für dich auf.

Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet.

Darum sollt ihr so beten:

Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt.Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. [Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.] Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben. Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben (Mt 6,8-15 LUT).

Nun drängt sich die Frage auf, was eigentlich der wirkliche Sinn dieses Gebets ist. Warum hat Jesus es uns gelehrt? Und warum sind dies Worte, die direkt aus dem Herzen des Vaters kommen?

Nachdem ich es selbst auch noch ein paar Mal gelesen hatte, überlegte ich, ob es etwas gab, das mir wirklich auffiel. Und meine Aufmerksamkeit wurde auf das Wort „unser“ gelenkt. Unser Vater … Ich hatte es schon so oft gelesen, so oft ausgesprochen, doch plötzlich berührte es mein Herz. Jesus spricht hier von seinem Vater, doch ganz von Anfang an macht er deutlich, dass wir daran teilhaben dürfen. Sein Vater will auch unser Vater sein! Überrascht von der Emotion, die in meinem Herzen entstand, hielt ich etwas inne, um diese Wahrheit auszukosten. Aber dann fiel mir gleich danach noch etwas auf. In dem kompletten Gebet wird von uns gesprochen. Es geht also nicht nur um die Beziehung zu Jesus, sondern auch um die Beziehung zu uns als Menschen, als Gläubige. Genauso verhält es sich mit unserem Vater. Er möchte auch unser Vater sein.

Und dann heißt es weiter: „Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.“ In nur fünf Versen wird das Wort „uns“ hier wohlgemerkt achtmal genannt! In unserer individualistischen Welt wäre es passender, wenn wir stattdessen die Wörter „mir“ und „mich“ benutzen würden. „Gib mir, führe mich, vergib mir, wie auch ich …“ Aber das steht da nicht. Da steht „uns“. Und plötzlich sah ich etwas, das mir so noch nie aufgefallen war. Jesus stellt uns unserem Vater vor. Und gleich danach verdeutlicht er, wie wichtig es ist, dass wir zusammen die Familie dieses Vaters sind. Jesus lehrt uns kein auf uns bezogenes Gebet (mein Vater … mein tägliches Brot gib mir heute), sondern legt die Betonung darauf, zusammen der Leib zu sein.

Warum ist das so wichtig?

Hier wird die Basis dafür gelegt, zusammen „Gemeinde zu sein“. In diesem Gebet liegt das Bild von Gemeinde und ihrer gemeinsamen Beziehung mit dem Vater verborgen.

Schauen wir uns dieses wohlbekannte Gebet noch näher an. Ich überspringe für den Moment einen Teil, auf den ich später noch zurückkomme. Das Nächste, worüber ich nachdachte, war: „Unser tägliches Brot gib uns heute …“ Warum ist es Jesus so wichtig, dass wir in diesem Gebet um unser tägliches Brot bitten? Warum Brot? Die Hälfte der Weltbevölkerung isst kein Brot, sondern Reis! Warum nicht zwei unterschiedliche „Vaterunser“, eins für Brot und eins für unsere tägliche Portion Reis?

Wenn ich in meinen Seminaren über das Vaterunser spreche, frage ich, ob es Leute gibt, die dieses Gebet an einem Tag nicht gebetet haben. Es gehen dann immer viele Hände hoch. Aber wenn ich danach frage, ob sie an diesem Tag trotzdem Brot gegessen haben, erhalte ich auch immer eine bestätigende Antwort. Also gibt es Menschen, die um Brot bitten, aber Reis bekommen, und es gibt Menschen, die nicht beten und trotzdem Brot bekommen …

Was für einen Grund hatte Jesus, diesen Abschnitt in sein Gebet für uns aufzunehmen?

Zuallererst denke ich, dass Jesu Ziel nicht war, dass wir nach dem Motto beten: „Sorge bitte für Brot, damit wir leben können.“ Ich glaube auch nicht, dass er sagte: „Bitte ja für Brot, sonst bekommst du nichts …!“ Tatsächlich geht es nicht in erster Linie ums Essen …

Was will Jesus uns lehren?

Warum ist es Jesus so wichtig, dass wir um unser Brot bitten?

Ich habe in der Bibel nach der Stelle gesucht, wo zum ersten Mal von Brot die Rede war. Während einer Konferenz stelle ich auch immer die Frage, wo das steht. Einige der häufigsten Antworten sind dann: Das Brot, das Abraham den Fremden anbietet, die vorbeikommen. Und natürlich das Manna, das Gott für das Volk Israel in der Wüste vom Himmel regnen lässt. Darauf komme ich nachher noch zurück, aber das ist nicht das erste Mal, dass in der Bibel von Brot die Rede ist. Es ist interessant, dass Gott schon direkt nach dem Sündenfall von „Brot essen“ spricht.

Und zu Adam sprach er: Weil du auf die Stimme deiner Frau gehört und gegessen hast von dem Baum, von dem ich dir geboten habe: Du sollst davon nicht essen! – so sei der Erdboden deinetwegen verflucht: Mit Mühsal sollst du davon essen alle Tage deines Lebens; und Dornen und Disteln wird er dir sprossen lassen, und du wirst das Kraut des Feldes essen! Im Schweiße deines Angesichts wirst du [dein] Brot essen, bis du zurückkehrst zum Erdboden, denn von ihm bist du genommen. Denn Staub bist du, und zum Staub wirst du zurückkehren! (1 Mose 3,17-19).

Hier lesen wir, dass wir unser Brot nach dem Sündenfall essen werden, aber nur unter einer bestimmten Bedingung: aus eigener Kraft! Das ist völlig anders, als es am Anfang war. Es gibt genau wieder, was sich durch den Sündenfall verändert hat. Ab dem Moment, als Gott den Menschen schuf, gab es eine Einheit zwischen Gott dem Vater und seinen Kindern. Sie waren miteinander verbunden und Gott sorgte für seine Kinder. Das tat er gerne, und so teilte er alles, was er hatte, mit seinen Kindern.

Durch die Sünde hat eine Entfremdung stattgefunden. Wir sind in eine Stellung der Unabhängigkeit von Gott geraten. Durch diese Entfremdung konnte der Vater nicht mehr so für seine Schöpfung sorgen, wie er das gerne getan hätte. Der Mensch war jetzt auf sich selbst angewiesen, und das Einzige, das ihm blieb, war seine eigene Kraft! „Im Schweiße deines Angesichts wirst du Brot essen …“

Die gesamte Schöpfung ist in diese Situation geraten. Aber es scheint, als habe der Vater noch etwas eingeplant, damit wir alle die Erfahrung machen können, wie es ursprünglich gedacht war und wie es einmal wieder sein wird. Es ist im Mutterschoß, dass wir nicht für uns selbst sorgen müssen. Dort wird in allem völlig für uns gesorgt. Wir befinden uns vor unserer Geburt in einer Situation der völligen Abhängigkeit. Es ist, als wollte der Vater uns allen diese Erfahrung als Basis mitgeben und als würde darin die Verheißung einer hoffnungsvollen Zukunft liegen – einer Zukunft, in der einmal alles wiederhergestellt sein wird.

Jetzt zurück zu unserem Text aus dem Gebet.

Was Jesus uns hier eigentlich lehrt, ist nicht, dass wir beten sollen, damit der Vater uns insbesondere mit Brot versorgt, sondern dass wir beten: Vater, versorge uns! Sorge für uns, damit wir uns darüber keine Sorgen machen müssen, und damit du dich als der Vater offenbaren kannst, der für seine Kinder sorgt! Diese Tatsache finden wir auch in Matthäus 6, wo Jesus uns sagt, dass wir nicht besorgt sein sollen.

So seid nun nicht besorgt, indem ihr sagt: Was sollen wir essen? Oder: Was sollen wir trinken? Oder: Was sollen wir anziehen? Denn nach diesem allen trachten die Nationen; denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr dies alles benötigt. Trachtet aber zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit! Und dies alles wird euch hinzugefügt werden (Mt 6,31-33).

Was Jesus uns hier mit seinem Gebet eigentlich lehrt, ist Folgendes: Der Fluch ist gebrochen! Jesus hat dafür gesorgt, dass die Beziehung zwischen Gott dem Vater und seinen Kindern wiederhergestellt werden konnte. Wo der Ungehorsam von Adam und Eva die Entfremdung zur Folge hatte, hat der Gehorsam Jesu für die Wiederherstellung gesorgt. Das lesen wir in dem Brief, den Paulus an die Römer schrieb:

Denn wie durch des einen Menschen Ungehorsam die vielen [in die Stellung von] Sündern versetzt worden sind, so werden auch durch den Gehorsam des einen die vielen [in die Stellung von] Gerechten versetzt werden (Röm 5,19).

Wie Jesus das getan hat, lesen wir im Johannesevangelium:

Da antwortete Jesus und sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Der Sohn kann nichts von sich selbst tun, außer was er den Vater tun sieht; denn was der tut, das tut ebenso auch der Sohn (Joh 5,19).

Was ist mit Adam und Eva schiefgegangen? Sie wollten Gott gleich sein, ohne von ihm abhängig zu sein. Darum kam Jesus, um genau das, was schiefgegangen war, wiederherzustellen. Er entschied sich freiwillig dafür, als Mensch in völliger Abhängigkeit vom Vater zu leben.1

Das Manna

Weiter oben habe ich versprochen, noch auf die Stelle zurückzukommen, die vom Manna handelt. In 2. Mose 16 lesen wir, dass Gott dort eigentlich schon mit seinem Wiederherstellungsplan angefangen hat. Anstelle von Brot, um das sie sich „im Schweiße ihres Angesichts“ abmühen müssen, lässt Gott es einfach vom Himmel regnen.

Da sprach der HERR zu Mose: Siehe, ich will euch Brot vom Himmel regnen lassen. Dann soll das Volk hinausgehen und den Tagesbedarf täglich sammeln, damit ich es auf die Probe stelle, ob es nach meinem Gesetz leben will oder nicht. Am sechsten Tag aber, wenn sie zubereiten, was sie einbringen, wird es geschehen, dass es das Doppelte von dem sein wird, was sie tagtäglich sammeln (2 Mose 16,4-5).

Hier sehen wir ganz klar das Herz von Gott als Vater. Er ist ein Vater, der sagt: „Mir ist schon klar, dass ich gesagt habe, dass sie ‚im Schweiße ihres Angesichts‘ Brot essen werden. Und mir ist auch klar, dass das erst durch Jesus wirklich verändert und wiederhergestellt werden kann … Aber es ist mein Volk, sie sind meine Kinder. Sie müssen die Wanderung durch die Wüste doch überleben können!“ Und so gibt ihnen Gott schon mal einen Vorgeschmack davon, wie es in der Zukunft sein wird. Aber Gott will nicht nur, dass sein Volk lernt, dass er für das tägliche Brot sorgt. Er möchte auch, dass das Volk lernt, noch ein anderes Prinzip zu begreifen.

Und Mose sagte zu ihnen, Niemand lasse [etwas] davon übrig bis zum Morgen! Aber sie hörten nicht auf Mose, sondern einige ließen [etwas] davon bis zum Morgen übrig; da verfaulte es [durch] Würmer und stank. Da wurde Mose zornig über sie (2 Mose 16,19-20).

Er möchte sein Volk lehren, was es bedeutet, in eine wiederhergestellte Position der Abhängigkeit von ihm zu kommen. Indem sie nur sammeln, was sie für einen Tag brauchen, können sie lernen, dass ihr Vater im Himmel vertrauenswürdig ist, dass er jeden Tag aufs Neue für sie sorgen möchte. In Johannes 6 spricht Jesus vom Manna, für das Gott in der Wüste gesorgt hat, und sagt dabei klar und deutlich, dass das Manna nur ein Bild dessen ist, was noch kommen wird. Wie es weitergeht, können wir hier lesen.

Ich bin das Brot des Lebens. Eure Väter haben das Manna in der Wüste gegessen und sind gestorben. Dies [aber] ist das Brot, das aus dem Himmel herabkommt, damit man davon isst und nicht stirbt. Ich bin das lebendige Brot, das aus dem Himmel herabgekommen ist; wenn jemand von diesem Brot isst, wird er leben in Ewigkeit. Das Brot aber, das ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt (Joh 6,48-51).

Der Vater hat – durch Jesus – unser Bedürfnis gestillt. Er ist das lebendige Brot. Aber es geht noch weiter. Jesus sagt uns, dass der Vater nicht nur für uns sorgen will, sondern dass er auch wiederherstellen will, was durch den Sündenfall verloren gegangen ist.

[…] aber vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen, davon darfst du nicht essen; denn an dem Tag, da du davon isst, musst du sterben! (1 Mose 2,17).

Im Schweiße deines Angesichts wirst du [dein] Brot essen, bis du zurückkehrst zum Erdboden, denn von ihm bist du genommen. Denn Staub bist du, und zum Staub wirst du zurückkehren! (1 Mose 3,19).

Adam und Eva sündigten und aßen von der Frucht des Baumes der Erkenntnis von Gut und Böse. Dadurch kam der Tod in die Welt. Aber jetzt sagt Jesus: „Ich habe etwas zu essen, durch das dieser Mechanismus aufgehoben wird. Dadurch weicht der Tod und du bekommst das (ewige) Leben wieder zurück!“ In diesen Texten ist natürlich auch zu erkennen, dass Jesus auf das Abendmahl Bezug nimmt. Damit gedenken wir, dass er für uns gestorben und dadurch der Fluch gebrochen, weggenommen ist. Jesus hat die Strafe getragen.

Die Juden stritten nun untereinander und sagten: Wie kann dieser uns sein Fleisch zu essen geben? Da sprach Jesus zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht das Fleisch des Sohnes des Menschen esst und sein Blut trinkt, so habt ihr kein Leben in euch selbst. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat ewiges Leben, und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag; denn mein Fleisch ist wahre Speise, und mein Blut ist wahrer Trank. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, bleibt in mir und ich in ihm. Wie der lebendige Vater mich gesandt hat, und ich lebe um des Vaters willen, [so] auch, wer mich isst, der wird auch leben um meinetwillen. Dies ist das Brot, das aus dem Himmel herabgekommen ist. Nicht wie die Väter aßen und starben; wer dieses Brot isst, wird leben in Ewigkeit. Dies sprach er, als er in der Synagoge zu Kapernaum lehrte (Joh 6,52-59).

Zeit zum Nachsinnen

Vielleicht hilft es, an dieser Stelle eine Pause einzulegen oder sich das Gelesene nochmals vorzunehmen. Wie wunderbar, zu erkennen, was hier geschrieben steht! Welche Tiefe steckt doch in den Worten „Unser tägliches Brot gib uns heute“ aus dem Vaterunser! Wie sehr bin ich dem Baptistenpastor aus Veendam doch dankbar, dass er mich damals bat, über das Vaterunser zu sprechen! Was für ein großartiges Gebet!

Aber es geht noch viel weiter.

Gott wollte den Israeliten in der Wüste beibringen, dass sie ihm vertrauen können. Darum durften sie immer nur Manna für einen Tag sammeln. Nun möchte der Vater uns dasselbe Vertrauen beibringen. Er möchte so gerne, dass du weißt, dass er jeden Tag für dich da ist, um für dich zu sorgen.

Unser tägliches Brot gib uns heute (Mt 6,11 LUT).

Wir haben schon darüber gesprochen, dass Jesus uns nicht einfach für uns selbst beten lässt. In dem gesamten Gebet betont er das Wort uns in der Mehrzahl. Darauf geht auch Paulus im Korintherbrief weiter ein.

Der Kelch des Segens, den wir segnen, ist der nicht die Gemeinschaft des Blutes Christi? Das Brot, das wir brechen, ist das nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi? Denn ein Brot ist’s. So sind wir, die vielen, ein Leib, weil wir alle an einem Brot teilhaben (1 Kor 10,16-17 LUT).

Wunderbar! Wir dürfen zusammen teilhaben an Jesus, der das Brot des Lebens ist.

Zu guter Letzt schauen wir uns noch etwas an, das Jesus uns über „Brot“ sagt. Das war, als er in der Wüste vom Teufel versucht wurde.

Und Jesus antwortete ihm: Es steht geschrieben: „Nicht vom Brot allein soll der Mensch leben.“ (Lk 4,4).

Dieser Vers verweist auf das 5. Buch Mose, wo Gott mit der Wiederherstellung begonnen hatte.

Und er demütigte dich und ließ dich hungern. Und er speiste dich mit dem Man, das du nicht kanntest und das deine Väter nicht kannten, um dich erkennen zu lassen, dass der Mensch nicht von Brot allein lebt. Sondern von allem, was aus dem Mund des HERRN hervorgeht, lebt der Mensch (5 Mose 8,3).

Die Passion-Übersetzung drückt es auf eine wunderschöne Weise aus:

Leben entspringt nicht nur dem Essen von Brot, sondern Gott. Leben fließt aus jeder Offenbarung, die aus seinem Mund kommt (Lk 4,4 TPT).2

Es ist natürlich großartig, hier das Zusammenspiel zu sehen, das in Jesus zu finden ist. Ja, er ist das Brot des Lebens, und ja, er ist auch das lebendige Wort! Und beide möchte er nicht für sich behalten. Nein, er möchte alles, was er ist, mit uns teilen.

Jesus verbrachte, vom Heiligen Geist geführt, vierzig Tage in der Wüste. Dort aß er nichts. In Jesu schwächstem Moment versuchte der Teufel, ihn zu verführen. Nämlich als er Hunger hatte. Er sagte zu Jesus: „Wenn du wirklich der Sohn Gottes bist, dann beweise es und verwandle diese Steine in Brot!“ Wo ist hier der Haken, der „giftige Stachel“? Jesus hat gesagt, dass er aus sich selbst nichts tun kann und dass er nur das tut, was er den Vater tun sieht. Darin versucht Satan, ihn zu verführen. Satan versucht, Jesus dazu zu bringen zu beweisen, dass er Gottes Sohn ist. Er will ihn dazu verführen, die Kraft, die der Vater ihm gegeben hat, eigenmächtig zu benutzen. Dasselbe hat Satan, mit Erfolg, bei Adam und Eva getan. Aber bei Jesus misslingt sein Plan. Denn Jesus ließ sich die Intimität mit seinem Vater nicht streitig machen. Genau davon ist im Philipperbrief die Rede.

… der in Gestalt Gottes war und es nicht für einen Raub hielt, Gott gleich zu sein (Phil 2,6).

Jesus hat seine Herrlichkeit, seine Kraft, seine Majestät, ja, alles was er war und was er besaß, im Himmel zurückgelassen, als er als Mensch auf die Erde kam. Er ist uns in allem gleich geworden. Als Mensch empfängt er dann, hier auf Erden, von seinem Vater den Heiligen Geist. Damit empfängt er alles, was der Vater im Grunde seines Wesens ist. Er kann jetzt also alles tun. Er kann Blinde heilen, Lahme wieder gehen lassen, Tote auferwecken, Stürme stillen, Brot und Fisch vermehren. Er kann alles! Doch jetzt kommt es: Jesus ist durch den Heiligen Geist zwar fähig, dies zu tun, doch mit seinem freien Willen entscheidet er sich trotzdem dafür, auch weiter in Abhängigkeit vom Vater zu leben. Dadurch wird er uns zum Vorbild. Er zeigt uns, dass wir, genau wie er, eine intime Beziehung mit dem Vater haben können, wenn wir aus dem Geist geboren werden. Aber auch, dass der Vater durch diesen Geist mit seiner Kraft durch uns wirken will. Der Vater stellt uns genau dieselbe Frage, die er Jesus stellte: „Wirst du dich trotz der Kraft, die ich dir gebe, weiterhin auf mich verlassen?“

Satan fordert Jesus dazu auf, Gottes Kraft eigenmächtig zu benutzen, indem er die Steine in Brot verwandelt. Damit kann er beweisen, dass er der Sohn Gottes ist. Das ist Satans alter Trick. Derselben Verführung hat er sich auch bei Adam und Eva bedient. Dort sagte er: „Esst von den Früchten des Baumes der Erkenntnis von Gut und Böse. Dann werdet ihr wie Gott sein.“ Damit meinte er eigentlich: Dann könnt ihr werden wie Gott, ohne von ihm abhängig zu sein! Jesus kam, um diesen Irrtum zu korrigieren. Daher sagte er zu Beginn seines Wirkens:

Da antwortete Jesus und sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Der Sohn kann nichts von sich selbst tun, außer was er den Vater tun sieht; denn was der tut, das tut ebenso auch der Sohn (Joh 5,19).

Satan versucht, Jesus dazu zu verführen, die von Gott gegebene Kraft aus eigenem Antrieb zu benutzen. In dem Moment hätte Jesus die Abhängigkeit vom Vater verlassen. Adam und Eva sind darauf reingefallen, aber Jesus nicht. Stattdessen benutzt Jesus das Wort Gottes, um Satan Kontra zu geben.

Wir brauchen eine Offenbarung! (Neues Reden direkt von Gott)

In der heutigen Zeit brauchen wir in unserem Leben mehr denn je eine Offenbarung, die aus dem Herzen Gottes des Vaters kommt. Es verhält sich so, wie wir in der Passion-Übersetzung gelesen haben:

… Leben fließt aus jeder Offenbarung, die aus seinem Mund kommt (Lk 4,4b TPT).

Nun bringen wir diesen Vers in Verbindung mit

Unser tägliches Brot gib uns heute (Mt 6,11 LUT).

Dann sehen wir, dass es nicht ausreicht, einmalig Offenbarung zu empfangen. Es ist lebenswichtig für uns, bereit zu sein, täglich neue Offenbarung von Gott zu empfangen. Und jetzt kommt’s:

Wir brauchen Offenbarung, um das Neue zu empfangen. Aber wir brauchen auch Offenbarung, um zu erkennen, was „alt“ ist und was wir loslassen müssen,

was ersetzt werden muss.

Es ist wichtig, dass du deine Hände zuerst leer machst, wenn du Neues empfangen willst. Das tust du, indem du das Alte loslässt. Dann kannst du dich auf das Neue einlassen, es umarmen. Wir haben in Paulus ein wunderschönes Beispiel dafür bekommen, wie das geht. Als er noch Saulus hieß, hat er Gott mit all seiner Kraft gedient. Aber das war nicht, was der Vater mit ihm vorhatte. Auf dem Weg nach Damaskus hatte er eine Begegnung mit Jesus, die sein Leben völlig veränderte. Er empfing eine neue Offenbarung. Er entschied sich, das Alte loszulassen und sich gänzlich auf das Neue einzulassen. Das Schöne daran ist, dass er diese neue Offenbarung nicht für sich allein behielt, sondern sie auch uns weitergab. So können wir das Gebet, das Paulus spricht, mit offenem Herzen empfangen!

… dass der Gott unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Herrlichkeit, euch gebe [den] Geist der Weisheit und Offenbarung in der Erkenntnis seiner selbst (Eph 1,17).

So, das war ein Aspekt des Vaterunsers. Aber man könnte dazu natürlich noch viel mehr sagen. Ich habe aber nicht vor, dieses Gebet ausführlich zu behandeln. Es wurden schon genügend Bücher geschrieben, die es gut erklären. Nein, ich beschränke mich darauf, nur die Dinge herauszugreifen, die mich besonders berührt haben.

Mein heiliger Name

Natürlich steht im Vaterunser nur Eines im Mittelpunkt: der Vater! Es beginnt mit:

Darum sollt ihr so beten:

Unser Vater im Himmel!

Dein Name werde geheiligt

(Mt 6,9 LUT).

Als ich diesen Vers in der Message-Übersetzung las, war ich sehr erstaunt. Dort steht nämlich Folgendes:

Unser Vater im Himmel,

offenbare, wer du bist!3

Als ich diese Übersetzung in The Message las, war mein erster Gedanke: Die Übersetzung kann nicht stimmen, sie kann nicht korrekt sein. Das war so anders als in anderen Übersetzungen. Ich konnte keine Ähnlichkeit zwischen „dein Name werde geheiligt“ und „offenbare, wer du bist“ sehen. Ich habe dann nachgeschlagen, wo in der Bibel von seinem heiligen Namen die Rede ist. Nach nur kurzer Zeit stieß ich auf Hesekiel 36. Dort spricht Gott geradezu überdeutlich von seinem heiligen Namen. Wir finden folgende Situation vor: Israel ist in der Verbannung und über die Nationen zerstreut. Obwohl sie ihr Land verlassen haben, hat Gott sie nicht verlassen. Er gebraucht den Propheten Hesekiel, um sein Wort zu seinem Volk zu sprechen. In Hesekiel 36 geht es unter anderem um den Weg und die Taten Israels, als sie noch in ihrem Land wohnten. Gott benutzt hier einen Vergleich, über den ich erstmal in Ruhe nachdenken musste.

Und das Wort des HERRN geschah zu mir so: Menschensohn, als das Haus Israel [noch] in seinem Land wohnte, da machten sie es unrein durch ihren Weg und durch ihre Taten, wie die Unreinheit der Absonderung war ihr Weg vor mir (Hes 36,16-17).

Ich musste an die Frau denken, die zwölf Jahre an Blutfluss gelitten hat. In der damaligen Zeit in Israel lebte sie unter dem Gesetz. Und nach dem Gesetz ist man unrein, sobald man einen Blutfluss hat. Mehr noch: Nicht nur du, sondern auch jeder, den du berührst, wird unrein. Es geht sogar so weit, dass du unrein wirst, wenn der andere sich auf den Stuhl setzt, auf dem du saßt, oder sich auf das Bett legt, auf dem du lagst. Für diese Frau bedeutete das, dass sie zwölf Jahre lang in Isolation leben musste. Niemand durfte sie anfassen; es gab niemanden, der ihr einen Arm um die Schulter legen konnte, niemanden, mit dem sie eng vertraut sein konnte. Jetzt verstehe ich auch das Beispiel, das Gott in obenstehendem Vers benutzt. Er verglich den Weg und die Taten Israels mit jemandem, der an Blutfluss leidet, wodurch es ihm nicht möglich war, in Intimität mit seinem Volk zu treten.

Aber auch das ist noch nicht alles. Er macht deutlich, dass es hier um mehr geht als nur die Verunreinigung des Landes. Es geht um etwas, das ihn persönlich zutiefst trifft. Er sagt: „Ich habe euch unter die Völker zerstreut, aber ihr habt weitergemacht. Und dadurch habt ihr, die ihr meinen Namen tragt, meinen Namen entheiligt …“

Und ich versprengte sie unter die Nationen, und sie wurden in die Länder zerstreut; nach ihrem Weg und nach ihren Taten richtete ich sie. So kamen sie zu den Nationen, [aber] wohin sie [auch] kamen, da entweihten sie meinen heiligen Namen, indem man von ihnen sagte: „Das Volk des HERRN sind diese, und aus seinem Land haben sie hinausziehen [müssen].“ Da tat es mir leid um meinen heiligen Namen, den das Haus Israel unter den Nationen entweiht hatte, wohin sie [auch] kamen. Darum sage zum Haus Israel: So spricht der Herr, HERR: Nicht um euretwillen handle ich, Haus Israel, sondern um meines heiligen Namens willen, den ihr entweiht habt unter den Nationen, zu denen ihr gekommen seid. Und ich werde meinen großen, unter den Nationen entweihten Namen heiligen, den ihr mitten unter ihnen entweiht habt. Und die Nationen werden erkennen, dass ich der HERR bin, spricht der Herr, HERR, wenn ich mich vor ihren Augen an euch als heilig erweise (Hes 36,19-23).

Das ist Gott so wichtig, dass er in nur ein paar Versen fünf Mal (!) erwähnt, dass sie seinen heiligen Namen entheiligt haben. Wenn etwas einmal wiederholt wird, ist uns klar, dass Gott es betonen möchte. Wie wichtig muss das hier also für ihn sein, wenn er es fünf Mal sagt! Ich kenne keine andere Passage in der Bibel, wo dies der Fall ist! Aber wenn es für Gott so wichtig ist, dann ist es auch wichtig zu wissen, warum.

Namensträger

Gott ist dabei, seinen Plan der Wiederherstellung umzusetzen. Von Anfang an war es seine Absicht, dass der Mensch sein Ebenbild ist.

… Lasst uns Menschen machen als unser Bild, uns ähnlich! (1 Mose 1,26a).

Er möchte, dass wir ihn widerspiegeln, dass sein Bild durch uns sichtbar wird. Aber weil wir eine Familie sind, sind wir nicht nur Bildträger, sondern auch Namensträger. Ein Name ist etwas sehr Wichtiges. Er bringt das Wesen einer Person zum Ausdruck.

Ein Beispiel

Anneke und ich haben acht Kinder. Das war nicht immer einfach für alle acht. Es gab einige, die in der Schule einen bestimmten „Namen“ hatten. Sobald eines ihrer Geschwister in die Schule kam, hieß es oft schnell: „Oh, bist du eine(r) von den Bruggemans?“ Der Name Bruggeman hatte einen gewissen Ruf, und der war nicht immer sehr positiv. Das wirkte sich aber nicht nur auf die anderen Kinder aus, sondern auch das Lehrerkollegium hatte ein bestimmtes Bild von mir. Als ich mich bei einem Elterngespräch einmal als Henk Bruggeman vorstellte, war die Reaktion: „Ah, Sie sind Herr Bruggeman?“ Dazu möchte ich anmerken, dass ich auf all das gar keinen Einfluss gehabt hatte. Ich war weder in dieser Klasse noch jemals Schüler dieser Schule gewesen. Aber ich hatte einen bestimmten Ruf, und der war nicht sonderlich positiv. Die Lehrer hatten im Zusammenhang mit dem Namen Bruggeman ein gewisses Bild im Kopf, das durch das Verhalten einiger meiner Kinder entstanden war. Woher kommt das? Weil meine Kinder Namensträger sind! Nämlich die Träger meines Namens; sie heißen alle Bruggeman.

Und so sehen wir, dass Gott vor genau demselben Dilemma steht. Seine Kinder tragen seinen Namen, und die Menschen, die seinen Kindern begegnen, meinen, ihn durch seine Kinder zu kennen! Aber wenn seine Kinder durch ihr Verhalten ein falsches Bild von ihm abgeben, hat Gott der Vater ein Problem. Und genau davon spricht Hesekiel.

Zurück zu Gott und seinem Plan

Von Beginn an sehnt sich Gott danach, Vater zu sein und auch als Vater bekannt zu sein. Aufgrund des Sündenfalls wachsen seine Kinder hier auf Erden praktisch vaterlos auf. Sie sind Waisen geworden. Das schmerzt sein Vaterherz.

Nun ist es für den Menschen schwierig, Gott kennenzulernen, weil er Geist ist und wir Fleisch sind. Paulus beschreibt dieses Problem in seinem ersten Brief an die Korinther.

Ein natürlicher Mensch aber nimmt nicht an, was des Geistes Gottes ist, denn es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen, weil es geistlich beurteilt wird (1 Kor 2,14).

Deshalb hat Gott ein Volk auserwählt, um ihm Vater zu sein, das Volk Israel. Noch war nicht alles ideal. Wegen der Sünde konnte er noch nicht eins mit ihnen sein. Aber unter gewissen Bedingungen war es möglich, dass er unter ihnen wohnte. Sie sollten dann auch seinen Namen tragen, und so würde Gott durch sein Volk auf der Erde sichtbar sein. Auf diese Weise könnten andere Völker dann ein Bild davon bekommen, wer Gott wirklich war. So war es jedenfalls gedacht. In dem Textabschnitt aus Hesekiel sehen wir, dass es mit Israel völlig falsch läuft. Es stellt sich heraus, dass Israel nicht fähig ist, Gott in angemessener Weise zu repräsentieren. Das tut Gott weh, aber statt einer Bestrafung geht er die Sache ganz anders an. Eigentlich verkehrt er sie ins Gegenteil! Im Prinzip sagt er: Was ich von euch verlange, könnt ihr nicht tun. Es gelingt euch nicht aus eigener Kraft! Anders gesagt, ihr könnt es nicht, ohne von mir abhängig zu sein.

Gott ergreift die Initiative

Und so sagt Gott zu Hesekiel: „Sag es ihnen. Ich übernehme die Sache. Ich werde dafür sorgen, dass mein Name gereinigt wird. Und warum? Aus welchem Grund? Weil ich will, dass die Völker, die mich nicht kennen oder ein falsches Bild von mir haben, mich kennenlernen, wie ich wirklich bin.“

Darum sage zum Haus Israel: So spricht der Herr, HERR, Nicht um euretwillen handle ich, Haus Israel, sondern um meines heiligen Namens willen, den ihr entweiht habt unter den Nationen, zu denen ihr gekommen seid. Und ich werde meinen großen, unter den Nationen entweihten Namen heiligen, den ihr mitten unter ihnen entweiht habt. Und die Nationen werden erkennen, dass ich der HERR bin, spricht der Herr, HERR, wenn ich mich vor ihren Augen an euch als heilig erweise (Hes 36,22-23).

Diesen Absatz bringt die Message-Übersetzung so eindrucksvoll rüber, dass ich sie hier noch hinzufüge:

Darum sprich zu Israel: Botschaft von Gott, dem Herrn: Ich tue das nicht für euch, Israel. Ich tue das für mich, um meinen Charakter, meinen heiligen Namen zu schützen, den ihr noch in jedem Land, in das ihr gekommen seid, schlecht gemacht habt. Ich werde nun meinen großen und heiligen Namen offenbaren, der von euch in so vielen Ländern ruiniert wurde, da ihr ihn überall schlecht gemacht habt.

Dann werden die Nationen erkennen, wer ich wirklich bin, nämlich Gott, wenn ich meine Heiligkeit durch euch offenbare, sodass sie es alle mit ihren eigenen Augen sehen können.4

Vielleicht ist es gut, uns nochmal vor Augen zu führen, wie Gott das Thema anschnitt: „Ihr habt das Land verunreinigt. Ihr habt meinen Namen schlecht gemacht. Ihr habt meinen Namen entheiligt.“ Und als Antwort, als Lösung des Problems, sagt er: „Ich habe einen Plan. Ich habe ein Mittel gegen eure Unheiligkeit. Die Lösung ist, dass ich heilig bin. Die einzige Möglichkeit, dass ihr „heilig sein könnt“, oder besser gesagt, meine Heiligkeit tragen könnt, ist, dass ich euch mit meiner Heiligkeit fülle!“ In Hesekiel 39 sagt Gott, was das Endergebnis sein wird. Wunderbar!

Und ich werde meinen heiligen Namen kundtun mitten in meinem Volk Israel und werde meinen heiligen Namen nicht mehr entweihen lassen. Und die Nationen werden erkennen, dass ich der HERR bin, der heilig ist in Israel (Hes 39,7).

Nun zurück zum Vaterunser:

Unser Vater im Himmel!

Dein Name werde geheiligt.

Jetzt wird uns auch deutlich, dass dies der Kern dieses Gebets ist und dass der Rest des Gebets dazu dient, dem Gestalt zu geben! Nämlich die Tatsache, dass Gott durch uns als ein guter Vater gesehen und erkannt werden wird.

Um seines Namens willen

Eine Sache, die mich tief berührt hat, wäre da noch. Damit möchte ich dieses Kapitel dann auch abschließen. Ich habe den Satz „Dein Name werde geheiligt“ immer als eine Art Zwischensatz gesehen. Jetzt ist mir klar, dass das völlig falsch ist! Erst wenn Gottes Name geheiligt wird, hier bei uns auf Erden, ist es möglich, dass man ihn durch uns so sehen kann, wie er wirklich ist! Als mir das klar wurde, wurde mir plötzlich auch bewusst, was es bedeutet, wenn in der Bibel „um seines Namens willen“ steht. Ein paar Beispiele:

Er erquickt meine Seele. Er leitet mich in Pfaden der Gerechtigkeit um seines Namens willen (Ps 23,3).

Ich schreibe euch, Kinder, weil euch die Sünden vergeben sind um seines Namens willen (1 Joh 2,12).

Aber er rettete sie um seines Namens willen, um seine Macht kundzutun (Ps 106,8).

Um deines Namens willen, HERR, vergib mir meine Schuld, denn sie ist groß (Ps 25,11).

Hilf uns, Gott unseres Heils, um der Ehre deines Namens willen. Rette uns und vergib unsere Sünden um deines Namens willen! (Ps 79,9).

Großartig! Ich dachte immer, es würde um Folgendes gehen: Wenn ich auf dem richtigen Weg bleibe, werden meine Sünden vergeben, und dann komme ich in den Himmel. Aber jetzt ist mir klar, dass es in erster Linie nicht um mich geht, sondern um ihn! Darum hat Jesus uns das Vaterunser gegeben. Jetzt lese ich auch Folgendes mit ganz anderen Augen:

Vergib uns unsere Schuld – nicht in erster Linie, damit uns dann vergeben ist. Nein, sondern damit wir fähig sind, anderen seinen heiligen Namen, sein Wesen durch uns zu zeigen.

Erlöse uns von dem Bösen – damit wir hier und jetzt seinem Königreich Gestalt geben können. Und damit seine Kraft, Herrlichkeit und Majestät gesehen und geoffenbart werden!

Und wenn wir dann sehen, dass Jesus nur von „uns“ spricht, dann sehen wir, dass der Vater uns durch all dies die Möglichkeit gibt, als Gemeinde, als Leib Christi sichtbar zu werden als die Braut des Lammes bzw. von Jesus. Und das wiederum hat zum Ziel, den Vater völlig sichtbar zu machen.

Das Vaterunser: Welch ein Gebet von gewaltiger Schönheit!

Zum Nachsinnen

Wenn wir davon ausgehen, dass die Kirche, die Gemeinde, im Moment für die Welt noch nicht als Braut sichtbar ist, dann muss sich daran etwas ändern. Bei mir … Bitte den Vater um Offenbarung, damit wir erkennen können, was anders werden muss. Offenbarung, um zu erkennen, was neu ist und von uns angenommen werden soll, und Offenbarung, um zu erkennen, was alt ist und wir loslassen müssen.

Ein Lied anhören

Cody Carnes, I run to the Father5

I’ve carried a burden

For too long on my own

I wasn’t created

To bear it alone

I hear Your invitation

To let it all go

Yeah I see it now

I’m laying it down

And I know that I need You

I run to the Father

I fall into grace

I’m done with the hiding

No reason to wait

My heart needs a surgeon

My soul needs a friend

So I’ll run to the Father

Again and again

And again and again

Oh, oh, oh

You saw my condition

Had a plan from the start

Your Son for redemption

The price for my heart

And I don’t have a context

For that kind of love

I don’t understand

I can’t comprehend

All I know is I need You

Refrain …

My heart has been in Your sights

Long before my first breath

Running into Your arms

Is running to life from death

And I feel this rush deep in my chest

Your mercy is calling out

Just as I am You pull me in

And I know I need You now

Refrain …

Leseempfehlung

Henk Bruggeman, Eine Liebe ohnegleichen In diesem Büchlein wird auf einfache Weise erklärt, dass es bei Gott, dem Vater, Liebe für jeden gibt.

Raum für Notizen

1 In meinem Buch „Das Herz des Vaters entdecken“ habe ich ausführlich darüber geschrieben.

2 Life does not come only from eating bread, but from God. Life flows from every revelation from His mouth.

3 Our Father in heaven, Reveal who you are.

4 Therefore, tell Israel, „Message of God, the Master: I’m not doing this for you, Israel. I’m doing it for me, to save my character, my holy name, which you’ve blackened in every country where you’ve gone. I’m going to put my great and holy name on display, the name that has been ruined in so many countries, the name that you blackened wherever you went. Then the nations will realize who I really am, that I am God, when I show my holiness through you so that they can see it with their own eyes. […]’

5 https://youtu.be/HTHS4W1bPj8; alle Links zu den Liedern und Übersetzungen findest du unter www.vaterherz-bruggeman.de/naeher-beim-vater.html

Kapitel 2: Gehorsam oder Ungehorsam – Was will Gott?

Denn wie durch des einen Menschen Ungehorsam die vielen [in die Stellung von] Sündern versetzt worden sind, so werden auch durch den Gehorsam des einen die vielen [in die Stellung von] Gerechten versetzt werden.

Römer 5,19

Was will Gott?

Mit dem Titel dieses Kapitels möchte ich dich ein wenig herausfordern. Was will Gott? Dein erster Gedanke ist jetzt bestimmt, dass das doch gar keine Frage ist. Ich kann dich schon sagen hören: „Was meinst du mit ‚Was will Gott?‘? Das ist doch wohl klar. Gott will, dass wir gehorsam sind. Ungehorsam ist ja schon grundsätzlich falsch.“ Aber lass uns am Anfang beginnen und dann Schritt für Schritt entdecken, was sich im Vaterherzen Gottes abspielt.

Zuallererst habe ich eine Frage: Ist es wichtig, dass wir die Stimme Gottes verstehen (können)? Wenn ich diese Frage bei einer Veranstaltung stelle, bekomme ich immer dieselbe Reaktion, nämlich: „Ja, natürlich ist es wichtig, die Stimme Gottes zu verstehen.“ Dann frage ich weiter: „Was ist das Zweitwichtigste, wenn du die Stimme Gottes verstanden hast?“ Sehr oft höre ich dann: „Dem gehorsam sein, was er von einem will!“ Und das ist genau der Punkt, über den ich in diesem Kapitel sprechen möchte.

Erfahrungen

Hättest du mir diese Frage vor ein paar Jahren gestellt, dann hätte ich mit Sicherheit geantwortet, dass eines der wichtigsten Dinge, die du für Gott tun kannst, ist, ihm gehorsam sein. Indem du ihm gehorsam bist, kannst du nach seinem Willen leben. Durch Gehorsam tust du, was er von dir verlangt. Ganz einfach, oder? Das ist eindeutig, nicht wahr? Das liegt doch völlig auf der Hand.

Und doch …

In der Bibel bin ich auf ein paar Beispiele gestoßen, wodurch ich meine Meinung geändert habe. Lass es mich so beschreiben: Bibeltexte, die Raum geben zu denken, dass Gott unseren (Un-)Gehorsam anders sieht als wir. Ich habe entdeckt, dass Gott uns eine Erfahrung schenken will, die uns hilft, gehorsam zu sein. Diese Erfahrung kann sowohl positiv als auch negativ sein. Durch diese Erfahrung können wir in eine Position gelangen, in der wir uns (freiwillig) dafür entscheiden, im Willen Gottes zu wandeln. Ich möchte das später mit einem Beispiel verdeutlichen. Wer mich kennt, wird nicht verwundert sein, dass dieses Beispiel aus Lukas 15 stammt, aus dem Gleichnis vom verlorenen Sohn. Aber zuvor möchte ich dir zeigen, wie Jesus uns geradezu Gehorsam anbietet. Jesus sagt: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.

Und wohin ich gehe, dahin wisst ihr den Weg. Thomas spricht zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Und wie können wir den Weg wissen? Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als nur durch mich (Joh 14,4-6).

Hier lesen wir, dass Jesus uns nicht nur auf unser Ziel hinweist, zum Vater zu kommen. Dann käme es einzig auf Gehorsam an. Nein, Jesus sagt uns, dass er der Weg ist! Statt uns ein Gebot aufzuerlegen und Gehorsam zu verlangen, sagt er: „Ich sage dir, was dein Ziel ist, und ich gebe dir die Möglichkeit, dieses Ziel zu erreichen. Ich bin der Weg. Wir machen uns zusammen auf den Weg zum Vater.“ Er weist dir also nicht nur den Weg. Nein, er macht diesen Weg für dich auch zu einer Erfahrung mit ihm. Zu dieser Erfahrung gehört auch Intimität, wodurch sich eine Beziehung entwickelt. Indem du diesen Weg gehst, lernst du ihn auch besser kennen. Und das Bemerkenswerte ist, dass du diesen Weg auch für andere freimachst, sobald du deinen Weg zum Vater verfolgst. Dieser Weg kann danach auch von anderen gefunden werden und auch sie können ihm folgen.

Ein Lied anhören

Wenn du jetzt einen Moment innehalten willst, empfehle ich dir, auf YouTube das Lied „Pioneer“, gesungen von Rick Pino, anzuhören:1

Pioneer, Pioneer

Keep pressing onwards beyond your fears

And only your Father goes before you to your own frontier

Youʼre a Pioneer

Uncharted wilderness stretches before you

And you thrive on going where no one has gone

Still it gets lonely when darkness rears

So sing by the fire until the dawn

You travel light and you travel alone

And when you arrive nobody knows

But your Father in heaven, He is glad you can go

Cause those who come after you will need the road

And what you have done, others will do

Bigger and better and faster than you

But you canʼt look back,

you gotta keep on pressing through

Thereʼs a wilderness pathway and itʼs calling you

Calling you, calling you

Keep pressing onwards, you can't stay here …

And only your Father goes before you to your own frontier

Youʼre a Pioneer

Zwei Arten von Gehorsam

Welche positive Erfahrung brauchen wir? Wir brauchen es, dass wir die Liebe des Vaters selbst empfangen, ganz direkt. Du kannst hören und lesen, dass der Vater dich liebt. Aber das verblasst im Vergleich mit einer persönlichen Erfahrung seiner Liebe. Der eine ist Gott einfach gehorsam, weil er seine Stimme gehört hat. Der andere hat die Stimme von Gott dem Vater gehört und sein Herz wurde von seiner Liebe bewegt. Das ist ein großer Unterschied. Vom ersten könnte man sagen, dass er aufgrund eines Gebotes gehorcht, das ihm ein anderer auferlegt hat. Der zweite will gehorchen, weil er sich von ganzem Herzen auf den einlassen will, der ihn bittet.

Gehorsam und Ungehorsam

Die Frage, um die es geht, ist: Ist Gehorsam wirklich das, was Gott der Vater von uns will? Die Frage scheint sich nach wie vor einfach beantworten zu lassen. Natürlich! Oder …? Doch es stellt sich heraus, dass Gott zwar Gehorsam will, aber er verlangt nicht von uns, dass wir einfach nur seine Gebote halten.

Ein Beispiel

Schauen wir uns mal ein praktisches Beispiel an. Manchmal gibt es Situationen in deinem Leben, in denen du eine klare Entscheidung treffen musst. Das war beispielsweise so, als Gott mich fragte: „Henk, du sprichst viel über die Wichtigkeit, von mir abhängig zu sein. Und das ist schön! Nun frage ich dich, möchtest du in finanzieller Hinsicht vom VaderHuis oder von mir abhängig sein?“

Das ist eine dieser Fragen, bei denen du schon von vorneherein weißt, für was er gerne möchte, dass du dich entscheidest. Eigentlich hast du gar keine Wahl. Also sagte ich (mit zusammengepressten Lippen): „Ich möchte ‚gerne‘ von dir abhängig sein.“ Dazu muss ich sagen, dass wir eine Zeit lang drei Tage die Woche vom VaderHuis2, unserer Gemeinde in Den Haag, bezahlt wurden. Mit der Zeit wurde das auf anderthalb Tage die Woche reduziert. Die Einkünfte vom VaderHuis waren etwas zurückgegangen. Trotzdem konnten wir davon noch fast die Miete für unser Haus aufbringen. Ich überlegte, den Kassenverwalter anzurufen und ihm zu sagen, dass er uns kein Geld mehr überweisen soll. Ich wollte ihm sagen, dass wir ganz von unserem Vater abhängig sein wollten. Aber als ich so darüber nachdachte, habe ich diesen Anruf dann lieber doch nicht getätigt. Mir kam nämlich ein ausgezeichneter Gedanke. Diejenigen, die dem VaderHuis Geld gaben, gaben es nicht wirklich dem VaderHuis. Eigentlich gaben sie ihr Geld Gott! Wenn ich nun Geld vom VaderHuis empfing, kam dies also direkt von Gott. So konnte ich abhängig von ihm bleiben und guten Gewissens weiterhin Geld vom VaderHuis bekommen. Das Herz ist manchmal arglistig, aber das interessierte mich in dem Moment nicht.

Es dauerte circa drei Monate, bis ich den Eindruck hatte, dass Gott nochmal zu mir sprach. Das lief ungefähr so:

„Hallo Henk!“

„Hallo … Vater.“

„Nochmal kurz wegen der Frage, ob du von mir oder vom VaderHuis abhängig sein willst …“

„Ähm … okay.“

„Willst du, dass ich dir dabei helfe?“

Und ehe ich mich versah, sagte ich: „Ja.“

Hier nun eine Warnung an alle, in solch einer Situation nicht sofort „ja“ zu sagen, sondern zumindest erst kurz darüber nachzudenken! Ab dem Moment, in dem ich zum Vater „ja“ gesagt hatte, ging so gut wie kein Geld mehr auf dem Konto des VaderHuis ein. Es reichte noch gerade so, um die Raummiete zu bezahlen. Als fast nichts mehr überwiesen werden konnte, war ich dann in der Lage, zum Telefon zu greifen und unseren Kassenverwalter anzurufen. Ich sagte ihm, er brauche ab sofort kein Geld mehr auf mein Konto zu überweisen. „Ja, das macht Sinn“, antwortete er, „es ist auch nichts mehr auf dem Konto, was man überweisen könnte …“

Ich musste zuerst die Realität erleben, dass kein Geld mehr auf dem Konto war, um diese Entscheidung von Herzen treffen zu können. An diesem Beispiel sehen wir, dass Gott der Vater nicht einfach stumpfen Gehorsam will. Er kommt uns entgegen und möchte uns sogar helfen, damit wir ihm gehorchen können.

Eine negative Erfahrung kann interessanterweise einen positiven Effekt haben. Dadurch kann bei uns nämlich ein inneres Verlangen nach Veränderung entstehen. Wir wollen schlicht nicht in der negativen Situation steckenbleiben. Das hat übrigens einen weiteren sehr wichtigen Nebeneffekt: Sobald wir zum Vater zurückkehren und uns entscheiden, ihm zu gehorchen, ist das zu einer Herzensentscheidung geworden. Das ist etwas anderes, als einem auferlegten Gebot zu gehorchen!

Eine negative Erfahrung kann uns also aus eigenem Antrieb dorthin bringen, wo wir Gott dem Vater begegnen können. Das möchte ich gerne anhand des schönsten Beispiels erklären, das ich kenne. Es stammt natürlich aus Lukas 15, aus dem Gleichnis vom verlorenen Sohn.

Der ältere Sohn in dieser Geschichte gehorcht seinem Vater, während der jüngere Sohn ungehorsam ist. Er tut den Willen seines Vaters nicht und verschwindet einfach von der Bildfläche! Wir wollen uns zunächst mit dem jüngeren Sohn befassen. Eines Tages verlangt er von seinem Vater sein Erbteil. Er sagt ihm, dass er weg möchte, in ein fernes Land. Wie reagiert der Vater darauf? Wir sehen, dass der Vater den freien Willen seines jüngeren Sohnes respektiert, auch wenn er sehr gut weiß, dass das nicht gerade die beste oder vernünftigste Entscheidung ist.

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Release date on Litres:
22 December 2023
Volume:
190 p. 18 illustrations
ISBN:
9783955784928
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