Read the book: «Cadwell und die Banditenstadt: Harte Western Edition»
Heinz Squarra
UUID: 6536e262-251c-4c4e-87d3-00d5992dda2a
Dieses eBook wurde mit StreetLib Write (https://writeapp.io) erstellt.
Inhaltsverzeichnis
Cadwell und die Banditenstadt: Harte Western Edition
Copyright
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
32
33
34
35
Cadwell und die Banditenstadt: Harte Western Edition
Western von Heinz Squarra
Der Umfang dieses Buchs entspricht 131 Taschenbuchseiten.
Mike Cadwell hat zwei Jahre in seiner Goldmine geschuftet und nun ist die Ader erschöpft. Also beschließt er, sein Gold zu nehmen und nach Texas zu ziehen. Mike bittet Russ Okland, ihn auf seinem Weg nach Texas zu begleiten. Als die beiden von Banditen überfallen werden, können sie ihr Lager zwar verteidigen, doch Mike wird schwer verwundet. Okland hilft ihm nicht. Ohne Pferd und Verpflegung lässt er ihn zum sterben zurück, nimmt das Gold und verschwindet. Doch Mike überlebt und nimmt die Verfolgung auf.
Copyright
Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von
Alfred Bekker
© Roman by Author / COVER FIRUZ ASKIN
© dieser Ausgabe 2021 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.
Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.
Alle Rechte vorbehalten.
www. AlfredBekker.de
postmaster@alfredbekker.de
Folge auf Twitter
https://twitter.com/BekkerAlfred
Zum Blog des Verlags geht es hier
https://cassiopeia.press
Alles rund um Belletristik!
Sei informiert über Neuerscheinungen und Hintergründe!
1
Am Rio Penasco, dicht am Fuße der Capitan Mountains in New Mexiko, standen drei jämmerliche, windschiefe Hütten, denen Mister Dayton seinen Namen gegeben hatte. Es war ein Saloon, ein Store und ein Mietstall. Mister Dayton war der einzige ständige Bewohner seines Ortes. Die Männer, die sonst auftauchten, verschwanden immer schnell wieder. Es kamen Goldsucher aus der Umgebung und Banditen, denen es in zivilisierten Gegenden zu heiß geworden war. Die Goldsucher kehrten stets schnell zu ihren Claims in den Bergen zurück, wenn sie ihre Einkäufe getätigt hatten und ihr Durst gestillt war, und auch die Banditen verzogen sich immer schnell, denn in Dayton gab es weder etwas zu rauben, noch andere Abwechslungen, wie sie die gesetzlosen Elemente liebten.
An diesem Tage war in Dayton allerhand los. Aus dem Saloon dröhnte wildes Lachen auf die Straße und am Rande des Stepwalks lag ein Betrunkener, den der resolute Wirt bereits aus seiner Schenke befördert hatte.
Vom Mietstall kam ein Mann, der drei ledige Packpferde hinter sich herzog. Es war Mike Cadwell, ein großer Mann mit blonden Haaren und breiten Schultern. Der Mann ging an dem Betrunkenen vorbei und band die Zügel seiner Pferde an den Holm. Er trat auf den Stepwalk und wollte eben durch die Tür, als ein schmaler Junge herausgeflogen kam und an seiner Brust landete.
Mike Cadwell wurde einen Schritt zurückgeschleudert. Der Bursche krachte auf die Bohlen, stand dann auf und schüttelte die Benommenheit von sich ab.
„Sie!“, fauchte er wütend. „Ich werde Ihnen einheizen!“
Er schien noch nicht richtig klar zu sehen, denn er hielt Mike für seinen Gegner. Gleich holte er auch aus und schlug zu.
Mike erkannte die Absicht des Jungen sehr spät. In letzter Sekunde drehte er sich zur Seite und so ging der Schlag an seinem Kinn vorbei und traf die Schulter.
Das war für Mike zu viel. Er packte den Burschen einfach am Kragen, hob ihn hoch und schleuderte ihn über die Hälse der Pferde hinweg. Der Junge krachte auf die Straße, rollte noch zweimal um sich selbst und blieb dann stöhnend liegen, Mike ging in den Saloon. Der Raum war halbdunkel und wie alle Saloons des Westens roch es auch hier nach kaltem Rauch und billigem Fusel.
An der Theke lümmelten drei Gestalten und im Raum standen zwei weitere Männer.
„Doc“, sagte eben der eine zu seinem Kumpan. „Dieses Nashorn hat Howdy auf die Straße geworfen. Geh und gib es ihm.“
Der mit Doc angesprochene Mann war ein klotziger Kerl mit einem zerhackten Gesicht und Händen, die mit Schaufeln konkurrieren konnten. Der Mann war betrunken und sein Kopf pendelte stark hin und her. Jetzt setzte er sich in Bewegung und kam direkt auf Mike zu.
Mike tat der Mann fast leid. Er wusste, dass er nicht mehr geradeaus sehen konnte und demzufolge kaum eine Chance hatte.
Die Männer an der Bar blickten angespannt herüber und beleckten ihre Lippen. Banditen, dachte Mike, die etwas sehen wollen. Nun gut, sollen sie ihren Spaß haben.
Inzwischen war der Doc heran, senkte den kantigen Schädel und stieß ein tierhaftes Brummen aus.
„Komm, Stranger“, lallte er. „Ich werde dir eine Lektion erteilen!“ Gleichzeitig schwang er die Fäuste wie Schmiedehämmer.
Mike wich nach der Seite aus und der Klotz taumelte an ihm vorbei. Er krachte gegen einen Tisch, stieß diesen um und drehte sich schwerfällig in die neue Richtung. Sein Brummen wurde noch tiefer.
Die Männer an der Bar lachten schallend.
Mike war plötzlich im Rücken des Doc. Er hätte ihn jetzt leicht überwinden können, aber es lag ihm nicht, einen Mann auszuschalten, der im Moment fast wehrlos war. So wartete er geduldig, bis sich der Doc erneut gedreht hatte.
Und da sah der Doc sein Opfer dicht vor sich und schlug zu. Der Schlag kam hart und erbarmungslos, und er traf Mike in der Hüfte.
Mike krümmte sich leicht zusammen, dadurch entging er dem zweiten Schlag, der auf seinen Kopf gezielt war. Sekundenlang hing der Mann über ihm. Die Wucht des fehlgegangenen Schlages hatte ihn mitgerissen.
Mike schüttelte den Burschen ab, zielte dann nach der Kinnspitze seines Gegners und holte einen Schlag tief aus der Schulter.
Ein dumpfes Krachen kam aus dem Munde des Doc. Mike ließ ihm keine Zeit. Er setzte eine Gerade aufs Ohr seines Gegners, eine zweite auf das linke Auge und dann einen mächtigen Kinnhaken in die Bartstoppeln.
Der Doc wankte zurück, flog halb über den Tisch und hing sekundenlang schräg über der schimmernden Platte. Mike packte nach den Beinen, schob kräftig nach und schon flog der Mann über die Platte und krachte auf der anderen Seite zwischen die Stühle.
Holz splitterte, der Doc stöhnte, und dann fluchte der Wirt.
Mike wollte sich umdrehen, aber da waren die restlichen vier Männer über ihm.
Was nun folgte, war selbst für einen Mann von Mike Cadwells Format hart. Aber so schnell gab er nicht auf. Die Fäuste trommelten von allen Seiten auf ihn ein und der üble Atem der Männer nahm ihm fast die Luft.
Mike sah unter halbgesenkten Lidern eine schwache Stelle. Er fegte den Mann vor sich aus dem Wege und hechtete vorwärts.
Er landete unter einem Tisch. Schnell kroch er weiter, kam auf der anderen Seite hoch und blickte sich um.
Die Männer waren schon wieder heran.
Da nahm Mike einen Stuhl auf und wirbelte diesen über seinem Kopf. Zwei der Männer wurden getroffen und gingen ächzend zu Boden.
Nun war Cadwell richtig warm geworden. Er warf den Stuhl achtlos zur Seite und fegte den Tisch aus dem Weg. Dem einen Burschen rammte er die Faust in den Magen, dass er zurücktaumelte, und den anderen packte er am Hemd, hob ihn hoch und feuerte ihn wie einen Ball über die Theke.
Aber da war der Mann von links wieder heran. Er schlug Mike nach der Hüfte, rutschte aber halb ab. In seinem Gesicht explodierte dafür ein Schwinger, der ihn für mindestens eine Stunde außer Gefecht setzte.
,,Du Hund!“, zischte einer der am Boden liegenden Kerle.
Mike hörte den gefährlichen Unterton aus der brutalen Stimme. Er fuhr auf dem Absatz herum, sah, dass der Mann nach dem Colt fingerte und riss mit einer blitzschnellen Bewegung seine eigene Waffe heraus. Mit einem schnellen Schnappen des Handgelenkes warf er den Colt.
Der Kerl schrie auf. Die eben gezogene Waffe landete auf den schmutzigen Dielen.
Plötzlich krachte ein Schuss.
Mike fuhr erneut herum.
Vor der Bar lag ein Mann, der eben haltlos in sich zusammenrutschte. In seine Stirn war eine Kugel gefahren. Er hielt einen gespannten Colt in der Hand und dieser fiel nun auf den Boden.
Mike blickte hoch.
An der Schwingtür stand ein mittelgroßer Bursche mit wuchtigen Schulterblättern und mattschwarzen Haaren, die unter dem Hutrand hervorquollen. Auch dieser Mann hielt einen Colt in der Hand und diese Waffe hatte den tödlichen Schuss abgegeben.
„Er wollte Ihnen ans Leder, Fremder“, sagte der Mittelgroße lässig. Er schob seinen Revolver ins Halfter und kam näher.
„Danke“, sagte Mike mit belegter Stimme. „Wahrscheinlich haben Sie mir das Leben gerettet.“
„Ja“,brummte der Mann, „das habe ich.“
Der Wirt kam um die Theke herum und betrachtete das Durcheinander.
„Sie werden diesen Schaden bezahlen!“
„Dayton“, erwiderte Mike, „Sie brauchen dringend eine Brille. Nicht ich habe diesen Kampf angefangen, sondern diese Gents.“ Dabei zeigte er auf die am Boden Liegenden.
Da kam der Doc auf die Beine, schüttelte sich und taumelte auf die Theke zu. Lange starrte er Mike an, dann sagte er:
„Dafür werde ich dir die Ohren zerschneiden, Sonny!“
„Schlafe besser deinen Rausch aus“, gab Mike zurück, „und dann verschwinde aus der Gegend.“
„Wer bezahlt nun den Schaden?“, rief der Wirt.
Der Doc schüttelte sich wieder.
„Halt dein Maul, du fetter Hund“, grölte er. „Wenn du noch lange jammerst, dann werden wir den lächerlichen Schuppen in die Luft jagen.“
Mike ging an die Theke und der Fremde stellte sich neben ihn.
„Wir trinken zwei Whisky“, verlangte Mike Cadwell.
Fluchend verschwand der Wirt hinter der Theke und schenkte zwei Gläser ein. Es war nicht das erste Mal, dass Rowdys seinen Saloon in Trümmer schlugen. Er zog es anscheinend vor, nicht mehr darüber zu reden.
Mike trank dem Fremden zu. Der Mann war keineswegs sein Geschmack, denn er hatte irgend etwas Hinterhältiges an sich. Aber in Dayton konnte man nicht wählerisch sein, und außerdem hatte der Fremde ihm mit ziemlicher Sicherheit das Leben gerettet.
„Ich bin Mike Cadwell“, sagte er. ,,Ich bin Ihnen wirklich sehr verbunden. Falls sie einen Job suchen, wüsste ich etwas für Sie.“
Der Fremde hob sein Glas, trank und setzte es dann langsam auf die Theke.
,,Soo — “, dehnte er. „Nun, ich bin Russ Okland — lassen Sie hören, vielleicht gefällt mir die Story.“
„Ich könnte einen Mann brauchen, der mir hilft, eine Goldladung nach Texas zu bringen. Der Weg ist weit und beschwerlich. Ich möchte mit drei Lasttieren nicht allein ziehen, denn die Berge sind gefährlich und in der Prärie gibt es mehr Banditen als Wölfe.“
Okland trank noch einen Schluck. Er gab sich gelassen, als würde die Geschichte ihn wenig interessieren. „Wie ist die Bezahlung?“
„Nun, zweitausend Dollar.“
Russ Okland pfiff durch die Zähne. „Sie haben viel Gold gefunden?“
„Ich habe zwei Jahre in den Capitan Mountains gehaust. Well, ich hatte Glück.“
Okland trank sein Glas aus und schob es über die Theke. Er drehte sich eine Zigarette und schien nachzudenken. Dann sagte er:
„Eigentlich wollte ich nach Arizona, aber ein derartiges Angebot kann ein Mann wohl nicht ausschlagen. Zweitausend Dollar. Teufel, dafür muss ein Boy unter normalen Bedingungen einige Jahre arbeiten, Well, Cadwell, ich bin Ihr Mann!“
2
Genau einen Tagesritt westlich von Dayton hatte Mike Cadwell sein einsames Camp in den Capitan Mountains. Es war nicht mehr als eine kleine Hütte, die roh aus Stämmen zusammengefügt war. Durch die Ritzen pfiff im Sommer der Staub und im Winter der Schnee.
Zwei volle Jahre hatte Mike Cadwell hier gelebt. Hin und wieder war er nach Dayton geritten und hatte seine Vorräte aufgefrischt, sonst war er immer auf seinem Claim gewesen und hatte das funkelnde Metall aus der harten Erde geholt.
Russ Okland nahm die Goldbrocken mit Kennermiene in die Hand und wog sie abschätzend.
„Eine mächtige Ader“, sagte er anerkennend.
Sie packten die Brocken in Ledersäcke und luden diese auf die Rücken der Packpferde.
„Ich schätze den Wert auf einhunderttausend Dollar“, fuhr Okland fort.
„Yeah, das kann sein“, sagte Mike. „Okland, sehen Sie doch mal nach, ich glaube, das Teewasser kocht.“
Okland ging in die Hütte und Mike schnallte die letzten Säcke fest. Er war kaum fertig, als er Hufschlag hörte.
Okland stand an der Tür.
„Wir bekommen Besuch“, sagte er.
Um eine Felsnase bogen drei Reiter und hielten an. Es waren die Rowdys aus Daytons Saloon — nur einer fehlte, der Doc.
Die Burschen stiegen von ihren Mustangs und kamen langsam heran. Sie hielten die Hände an den Colts und zeigten grimmig entschlossene Gesichter.
„Haben wir euch gerade noch erwischt?“, fragte einer und schob sich etwas aus der Reihe seiner Kumpanen. „Hoh, dieses Gold trailt mit uns — nicht mit euch.“
Und schon hatte er seinen Colt aus dem Halfter und schoss.
Die Kugel jagte heran, zupfte Mike an der Schulter und knallte dann in die Wand der Hütte. Holz splitterte, und dass Moos fiel aus den Fugen.
Mike und Russ warfen sich geistesgegenwärtig zu Boden und zogen ihre Waffen. Die Pferde wieherten und brachen nach den Seiten aus.
Zirpend flogen die Geschosse hin und her. Sie klatschten in die Hüttenwand und prallten gegen die Felsen. Sirrend zischten Querschläger durch den Felskessel.
Der vorderste Bandit wurde in die Brust getroffen und gegen den Felsen geschleudert. Langsam brach er zusammen und lag dann verrenkt zwischen mannshohen Steinen.
Mike wollte sich nach der Seite schieben, als eine Kugel ihn traf. Er fühlte einen heißen Stich in der Brust, presste die Hand auf das Hemd und merkte, wie es warm und klebrig wurde. Blut!, durchzuckte es ihn. Und schon begannen sich seine Sinne zu verwirren.
Der links liegende Bandit sprang vor Freude hoch und stieß einen jubelnden Laut aus.
Mike biss die Zähne zusammen, dass es knackte. Er sah den Mann durch die Nebel, die seinen Blick bereits verdunkelten. Mit übernatürlicher Anstrengung riss er den Colt hoch und drückte ab. Der Bandit schrie wild und brach über einem Stein zusammen.
Russ Okland lag in der Hütte, nahe der Tür und spähte hinaus.
„Noch einer“, murmelte er dumpf. Er stand auf und holte Mikes Winchester aus einer Ecke. Als er wieder an die Tür kam, zog sich der Bandit gerade in den Sattel und suchte sein Heil in der Flucht.
Russ Okland legte kalt an. In seiner Hand zuckte die Waffe im Rückstoß.
Der Bandit war genau zwei Pferdelängen gekommen, als sich die Kugel in seinen Rücken bohrte. Er wollte schreien, aber der Laut erstarb auf seiner Zunge. Langsam kippte er zur Seite. Als er die harte Erde erreichte, war er bereits tot.
3
Russ Okland stellte das Gewehr ab und kam langsam aus der Hütte. Er blickte auf die Toten, dann auf die Packpferde und grinste breit.
Plötzlich stöhnte Mike Cadwell.
Russ Okland ging zu ihm und drehte ihn auf den Rücken. Mike war ohne Bewusstsein.
„Du wirst hier sterben, Sonny“, sagte Okland hämisch. Er riss das Hemd des Verletzten auf und betrachtete die Wunde.
„Vielleicht könnte ein guter Arzt die Kugel herausholen — aber warum? Zweitausend Dollar, haha. Ich nehme die ganze Ladung, Freundchen, die ganze Ladung! Verrecke du hier — was kümmert es mich! Ich bin nicht dein Mörder — nein, der bin ich nicht. Wenn ich dir kein Pferd hier lasse, dann nur, dass der Gaul nicht neben dir verendet, denn selbst wird er kaum einen Weg aus dieser Wildnis finden.“
Russ Okland stand auf und fing die Pferde der Banditen ein. Er sattelte sein eigenes Pferd, zog Mikes Mustang aus dem angebauten Stall und halfterte alle Pferde mit langen Lassos aneinander. Die Packpferde hatte er ganz vorn.
„So long, Amigo!“, rief er, und sein gemeines Lachen hallte von den Felsen wider.
Dann ließ er die Zügel locker und trabte an. Er verließ den Felsenkessel durch einen schmalen Canyon, der sich weiter unterhalb, wie ihm Mike berichtet hatte, wieder mit der Hauptschlucht vereinigte.
4
Mike erwachte spät am Abend. Bleich und verwirrt blickte er um sich. Er fühlte den höllischen Schmerz in der Brust und sank stöhnend zurück. Die Wunde hatte sich verkrustet, aber nun brach sie erneut auf.
Ich muss in die Hütte, dachte Mike mit einem letzten Rest Klarheit. Ich muss in die Hütte, sonst gibt mir die raue Nachtkälte den Rest.
Und so versuchte er es wieder und wieder und schließlich kam er zitternd und ächzend auf die Beine und schleppte sich an der Wand entlang bis in die Hütte. Hinter der Schwelle brach er in die Knie und die fallenden Nebelschleier griffen erneut nach ihm. Er riss allen Lebenswillen zusammen und tatsächlich schaffte er es bis zu einem Felllager. Mike rollte sich darauf und war sofort wieder bewusstlos.
Als er wieder erwachte, war es heller Tag. Er war noch bleicher geworden und seine Wangen noch mehr eingefallen, aber davon wusste er nichts. Müde suchten seine Augen den Raum ab.
Saß nicht ein Mann am Tisch?
Mike hob die Hand und wollte über die Augen wischen, aber der Arm sank kraftlos zurück.
„Bleib ruhig liegen, Sonny“, sagte der Mann am Tisch und stand langsam auf. Nun erkannte Mike, dass es der Doc war.
„Ich habe dir die Kugel herausgeholt, Stranger“, sagte der Doc. Eigentlich war ich gekommen, um die Sache von Daytons Saloon zu wiederholen. Ich war damals nicht besonders in Form, verstehst du. Nun, diesmal hattest du einen schlechten Tag. Übrigens scheint dein Partner durchgegangen zu sein. Howdy hat auf dich geschossen, ich erkannte es am Kaliber. Nur Howdy trägt einen 48er Colt, sonst schleppt sich keiner mehr mit solchen Mordinstrumenten ab. Ihr habt die Burschen sauber abgeputzt. Vielleicht war es mein Glück, dass mein Pferd sich kurz hinter Dayton ein Bein brach und ich noch einmal zurück musste. Mag es sein wie es will, ich werde dich wieder auf die Beine bringen, denn um den Kampf mit mir kommst du nicht herum.“
„Sehr nett von dir, Doc. Wahrscheinlich hätte ich die Sonne nie wieder gesehen.“
„Kaum.“
„Okland ist also fort?“
„Ja, er hat alle Pferde mitgenommen. Ich ersehe daraus, dass er dir unter Umständen zutraute, bis in die Stadt zu kommen. Das ist natürlich Blödsinn, denn du wärst niemals mehr aufgewacht. Auch jetzt könntest du nicht reiten — vielleicht in zwei Wochen.“
Mike schloss die Augen wieder. Er war noch zu erschöpft, als dass er alles verstanden hätte. Nur eines war ihm klar: Russ Okland hatte alle Pferde genommen und war fortgezogen, ohne sich um ihn zu kümmern.
Der Doc nahm einen Ledereimer aus einer Ecke und ging aus der Hütte. Nach wenigen Minuten kam er zurück, der Eimer war voll Wasser. Er stellte ihn ab, fachte das Herdfeuer an und machte es sich in der Hütte gemütlich. Einmal lachte er unterdrückt und sagte leise:
„Schön an der Nase hat er dich herumgeführt, dein sauberer Partner.“ Mike erwachte erst spät am Abend wieder. Der Doc gab ihm zu essen und zu trinken, dann schlief Mike sofort wieder ein.
Am nächsten Tag sah er frischer aus.
„Bringst du mich wirklich nur auf die Beine, um mich dann wenn möglich halbtot schlagen zu können?“, fragte Mike und blickte den Doc sinnend an.
„Natürlich — was sollte ich sonst für einen Grund haben? Halte mich ja nicht für einen Menschenfreund. Ich bin ein verkommenes Subjekt, und in besseren Städten als Dayton eine ist, hält man mich für so schlecht, dass ein Schuss Pulver für mich zu schade sein soll. Ich war mal ein bekannter Arzt — ist schon lange her. Der Whiskyteufel führte mir einmal das Messer bei einer Operation. Ich schnitt einem armen Schlucker ein Stück vom Herz ab. Sei froh, dass ich gestern nüchtern war — bei dir saß die Kugel kaum einen Zentimeter unter der Herzspitze.“ Mike durchrieselte ein eisiger Schauer, obwohl er verdammt genau wusste, dass er ohne den Doc erledigt gewesen wäre.
„Seither sank ich immer tiefer“, fuhr der Doc fort. „Nicht von Stufe zu Stufe, sondern glatt hinunter, wie von einem Turm gesprungen.“
Eine Weile blieb es ruhig zwischen den Männern, die so verschieden waren. Mikes Atem ging rasselnd, und der Doc drehte sich eine Zigarette. Seine klobigen Hände ließen niemals vermuten, dass er ein Mediziner war, zumindest gewesen war.
„Und du willst keinen Versuch machen “
„Höre“, unterbrach der Doc Mike rau und kratzig. „Ich habe dir das Blei aus der Brust gelangt und du kannst mir dafür einen Gefallen tun.“
„Welchen?“
„Stelle keine Fragen.“
„Okay“, sagte Mike knapp. Dann drehte er sich auf die Seite und schlief auf der Stelle wieder ein. Am nächsten Tag war der Doc verschwunden. Auf dem Tisch lag ein Zettel.
,,Wenn du wieder fit bist, dann melde dich bei mir. Ich werde in Dayton auf dich warten.“
Mike lächelte verzerrt. Dieser Mann war ihm schleierhaft.
Nach einer Woche ging es Mike bedeutend besser. Er lief wieder im Freien herum und einmal erlegte er einen Hasen, den er über dem Herdfeuer briet. Die Wunde schmerzte und stach noch immer, aber von Tag zu Tag wurde es besser.
Nach der zweiten Woche stieg er in seinen Claim, hackte ein Loch in das harte Erdreich und legte eine Sprengpatrone an.
Die Ausbeute war mager, aber das hatte er gewusst. Die Ader war schon zu Ende gewesen, als er beschlossen hatte, das Tal zu verlassen.
Mike sammelte die kleinen Körner zusammen und füllte sie in ein Säckchen. Er blieb noch drei Tage und suchte an der erschöpften Ader. Er fand Gold, das noch zirka dreihundert Dollar wert sein mochte. Nun wusste er, dass kein Stäubchen übriggeblieben war.
„Ich werde aufbrechen“, sagte er und blickte die Wände seiner Hütte an, die keine Antwort gaben.
„Ich werde aufbrechen und den Schuft suchen, der mich um den Ertrag von zwei Jahren harter Arbeit gebracht hat. Irgendwo werde ich ihn bestimmt finden, irgendwo —.“
5
Fünf Tage brauchte Mike Cadwell, bis er endlich hungrig und total entkräftet Dayton erreichte.
Der Doc saß auf dem Stepwalk vor dem Saloon und sah ihn kommen.
„Du solltest fit sein“, brummte er bitter. „Du bist ein Wrack — ein jämmerliches Wrack, das ich umblasen könnte.“
„Verschiebe deinen Kampf, Doc. Ich will nicht kneifen, aber jetzt kann ich nicht warten. In welcher Richtung ist er geritten? Er muss doch hier gewesen sein?“
„Dayton hat ihn gesehen“, sagte der Doc. „Er hat hier seine überflüssigen Pferde verkauft und ist nach Südosten. Du wirst ihn nicht mehr einholen.“
„Einmal muss er anhalten.“
„Er hat aber viel Gold — und vielleicht hat er es jetzt schon zu Geld gemacht. Ein Mann mit viel Geld kann überall untertauchen. Bleib hier.“
Mike schüttelte den Kopf.
„Nein, Doc. Wenn ich am Ende dieses Lassos bin, dann will ich umkehren und du sollst deinen Kampf haben. Jetzt aber muss ich weiter, denn die Fährte wird mit jedem Tag kälter.“
„Und wenn ich dich hindere?“
„Du wirst mich nicht hindern. Doc. Versuche es besser nicht — so dankbar ich dir bin, ich würde dich vielleicht über den Haufen schießen.“
„Ah, ich weiß, dass du ein höllisch schnelles Eisen hast. Well, Mike Cadwell, dieser Name war vor einigen Jahren ein Begriff in Texas. — Auch ich komme aus Texas, Stranger —ich kenne deinen Ruf.“
„Du wirst warten?“
„Okay, du sollst deine Chance haben. Du brauchst nicht in diese Drei Hütten Stadt zurückzukommen. Ich werde dich finden, Cadwell.“
Zusammen betraten sie den Saloon und stellten sich an die Theke.
Der Wirt kam aus einem Hinterzimmer und verzog das Gesicht
Der Doc lachte.
„Ich habe dir doch gesagt, dass Cadwell wiederkommt, du Nashorn. Er wollte nicht glauben, dass dein Partner ein Schuft ist, Cadwell.“
„Hat er meinen Wallach hier verkauft?“
„Ja“, sagte der Wirt. „Ich habe ihm achtzig Dollar dafür gegeben.“
„Das ist er auch wert“, brummte Mike. Er zählte seine Goldkörner auf den Tisch, denn Dayton wechselte auch Gold in harte Dollars um. „Was gibst du dafür, Dayton?“
Der Wirt blickte erst das Gold an, dann Mike, dann den Doc und schließlich wieder das Gold.
„Dreihundert“, sagte er widerstrebend.
,,Okay, zweihundertzwanzig und mein Pferd.“
Eine Stunde später stand Mikes Pferd gesattelt auf der Straße. Mike zog sich schwerfällig in den Sattel und sah den Doc an.
„Einen Rat“, sagte der Doc. „Reite langsam, lege öfters Pausen ein und schone dich — sonst schaffst du es nicht. Ich werde in sechs Monaten in San Antonio zum Rodeo kommen — ich hoffe, ich treffe dich dort.“
Mike nickte vage und ritt an.
„Ich werde kommen“, sagte er über die Schulter.
6
Mike Cadwell beherzigte den Rat des Doc. Er brauchte drei volle Wochen, bis er die kleine Stadt Riverton am Pecos River erreichte.
Riverton bestand aus einer langen Straße, die zu beiden Seiten von verschieden großen Holzhäusern flankiert wurde. Die Straße selbst war breit, staubig und von tiefen Fahrrinnen durchfurcht. Nach der Mitte der Stadt zu wurden die Häuser größer und gerader.
Riverton hatte drei Saloons, eine Bank und eine Poststation.
Mike ging zuerst in die Bank. Er hielt es für sehr wahrscheinlich, dass Okland seinen Weg den Pecos heruntergenommen hatte und in dieser Stadt sein Gold in harte Währung umsetzte.
Hinter dem Schalter stand ein schmalbrüstiger Clerk mit gelblicher Gesichtsfarbe, der über die blütenweißen Ärmel seines Hemdes schwarze Stulpen gezogen hatte. Der Mann reckte seinen spindeldürren Hals und blickte Mike fragend an.
„Ist bei Ihnen ein Mann gewesen, der vor ungefähr drei Wochen Gold umtauschte? — Gold für zirka einhunderttausend Dollar?“
Der Clerk riss die Augen auf und legte seinen Kopf noch schiefer,
„So viel Geld haben wir nur selten im Safe“, sagte er bedauernd. „aber warten Sie mal — ja, da war ein Mann, der diesen Betrag umtauschen...“
Der Clerk wurde plötzlich weggestoßen und dafür trat ein untersetzter Gent an den Schalter. Der Mann hatte ein breitflächiges Gesicht und wirkte fast brutal. Er war nach der neuesten Mode gekleidet und in seiner Krawatte steckte ein wertvoller Edelstein.
„Sie wünschen?“, fragte der Mann eisig, während er Mikes abgerissene Kleidung schnell taxierte.
„Sind Sie der Boss?“
„Ja.“
„Ich suche einen Mann, der vor drei Wochen einhunderttausend Dollar in Gold bei Ihnen flüssig machen wollte.“
„Tut mir leid“, sagte der Mann hinter dem Schalter kurz. „Auskünfte werden hier nicht gegeben. — Mister Lewis, richten Sie sich danach, sonst sind Sie fristlos entlassen!“
Mike lächelte knapp und ging hinaus. Was er von dem Clerk bereits gehört hatte, genügte ihm. Okland war also hier gewesen. Er hatte seinen Weg nach Texas genommen.
Mike schlenderte unter den Vorbauten entlang bis zum ersten Saloon. Er trat in den Raum und ging langsam bis zur Theke. Außer ihm waren noch zwei Männer im Saloon. Hinter der Bar lehnte der Keeper und döste vor sich hin.
„Einen Whisky“, sagte Mike sanft.
Der Keeper füllte ein Glas und schob es über die Theke.
Einer der Männer, die im Raum saßen, erhob sich und stellte sich neben Mike. Herausfordernd musterte er ihn.
Mike trank sein Glas leer, nickte dem Keeper zu und stellte es ab.
„Noch einen“, bestellte er.
Durch die Tür kam ein neuer Gast. Er blickte den Mann neben Mike grinsend an und sagte:
„Lute, der noble Gast hat eine verdammt feine Nase gehabt, dieser Bursche hat sich in der Bank nach etwas Bestimmtem erkundigt.“
Schlagartig war Mike hellwach. Was war hier los? Nun erhob sich auch der dritte Mann und stellte sich an die Wand.
Mikes Nachbar lachte böse.
„Kommst du aus New Mexiko?“, fragte er Mike.
„Ich komme aus Dayton, falls ihr dies meint“, sagte Mike, dabei spannte er unmerklich die Muskeln an und stemmte sich vom Bartisch etwas ab.
„Red“, sagte der mit Lute angesprochene Mann, „versuch es!“
Red kicherte. Es war der Mann hinter Mike.
„Wohin willst du das Blei haben?“, fragte er mit verächtlich herabgezogenen Mundwinkeln.
„Wer hetzt euch auf mich?“, fragte Mike.
Lute zuckte die massigen Schultern.
„Warum sollen wir es ihm nicht sagen? Er fährt in der nächsten Minute doch in die Hölle. Well, Stranger, da kam vor einigen Wochen ein Gent mit vielen Bucks durch diese Stadt. Okland hieß er, ich kenne ihn von früher, als er noch kein Gent war, sondern ein lausiger Buschklepper wie ich. Okland ist ein vorsichtiger Mann — und deshalb lebt er sicher auch noch. Er sagte uns, dass ein toter Mann in der Nähe von Dayton liegt, der bei seinem Wegritt noch seufzen konnte. — Ich verstehe selbst nicht, warum er dir das Seufzen nicht verdammt schnell abgewöhnte — nun, vielleicht scheute er sich, denn ein direkter Mörder ist er nie gewesen. Auf jeden Fall wollte er sicher gehen — und er gab uns tausend Bucks, damit wir uns hier einen schönen Tag machen können und etwas die Augen offen halten. Well, es hat sich gelohnt, denn er wird höllisch staunen und bestimmt noch einen netten Schein locker machen.“
Nun verstand Mike Cadwell alles. Okland, der ihn in den Bergen zurückgelassen hatte, musste später doch Angst bekommen haben, dass seine Geschichte nicht ganz so rund war, wie er es wünschte. Er hatte Killer gedungen, und diese standen nun vor ihm und wollten das nachholen, was Okland in den Bergen vergessen hatte.
Langsam drehte er sich zu Red um. Der Mann hatte ein von Blatternarben zerfressenes Gesicht, sah mächtig unterernährt aus und schielte ein wenig. Tief an seinen Hüften baumelten zwei schwere Colts. Dieser Killer wollte sich also mit ihm anlegen.
Mike gefiel dies gar nicht. Der Mann sah ihm viel zu aufgeblasen aus, als dass er ihm wirklich eine Chance eingeräumt hätte. Nein, es würde einen toten Banditen mehr geben, weiter nichts. Aber da waren noch die anderen. Würden sie ruhig zusehen, wie ihr Kumpan umfiel? Kaum.
„Komm, Freundchen“, sagte da Red in Mikes Gedanken hinein. „Zeig mal, wozu du die beiden Dingerchen mit dir herumschleppst.“
Mike bewegte sich nicht. So wie er stand, stand er günstig. Er hatte eine Hand hinter sich auf der Theke liegen, während die andere griffbereit über dem Kolben schwebte. Sollte er es versuchen, wenn er unbedingt in sein Unglück rennen wollte.
Red schien von der Gefahr, in der er sich befand, nichts zu merken. Er schritt langsam seitwärts und blieb in zehn Schritten Abstand stehen.
„Ist es dir so recht?“, fragte er.
„Weißt du, wo Okland jetzt steckt?“, wandte sich Mike an Lute, wobei er Red nicht aus den Augen ließ.
„Okland? — Nun, er hat es mir nicht gesagt, aber ich könnte mir vorstellen, wo er mit dem vielen Geld hingezogen ist Ich muss es ja wissen, denn für deinen Kopf will ich noch etwas haben. Nun pass aber auf Red auf, sonst bläst er dein Licht aus, ohne dass du einen Finger gerührt hast.“
Mike wandte seine Aufmerksamkeit voll dem schmalen Killer zu.
Red stand leicht nach vorn gebeugt zwischen zwei Tischen und fixierte sein Opfer. Plötzlich zuckten seine Augen zusammen und in der gleichen Sekunde fuhren seine Hände zu den abgewetzten Griffen der Revolver hinunter.
Mike hatte nicht die Absicht sich durchlöchern zu lassen. Nein, ein Narr war er nicht. Und die Dummheit des Burschen machte ihn nun richtig wütend.
Blitzartig hielt er seinen rechten Colt in der Faust und schoss. Die Kugel zischte Red heiß in die Schulter, noch ehe dieser seine Waffen in Anschlag hatte.
Die Wucht der Kugel trieb den Banditen zurück, warf ihn gegen einen Tisch und ließ seinen linken Arm schlaff werden.
Aber Red gab nicht auf. Er fluchte bitter und riss die rechte Waffe hoch. Mike sah die Mündungsflamme und die Kugel streifte seine Wange und krachte in den großen Barspiegel hinter der Theke, der in Scherben ging.
Nun reichte es endgültig.
Mikes nächste Kugel traf in die Stirn des Killers. Red röchelte dumpf, auch sein zweiter Colt sank nieder. Dann brach der Bursche in die Knie und fiel auf das Gesicht.
Lute stieß einen heiseren Fluch aus.
„Da nimm!“, schrie er.
Mike warf sich zu Boden und die ihm zugedachte Kugel streifte über seinen Rücken und bohrte sich in die Wand. Aber noch im Fallen schoss Mike selbst. Er hätte Lute gern nur eine Verletzung beigebracht, aber er konnte in dieser Lage nichts riskieren. Er musste ganz sicher sein.
Als sich Mike erhob und den Staub von seinen Kleidern klopfte, war Lute tot. Er lag direkt vor der Theke und um seinen Körper bildete sich eine Blutlache, die sich schnell vergrößerte.
Der Keeper tauchte hinter der Theke auf. Er sah noch völlig verstört aus und fragte gepresst:
„Ist es vorbei?“
„Es scheint so“, gab Mike zurück. Er blickte auf die Tür, die noch leise hin und her pendelte.
„Der dritte“, rief er plötzlich. Er hastete an die Schwingtür und sah den Mann, der eben sein Pferd wendete und wie der Teufel die Straße hinunterjagte.
Mike schnellte zum Holm und blieb keuchend stehen. Es war sinnlos, sein Pferd stand noch vor der Bank.
Langsam ging er in den Saloon zurück.
Der Keeper trank eben einen großen Whisky, er erholte sich sichtlich.
Nun drängten Männer in den Raum, und bald gab es viele Meinungen über den Kampf, die einander widersprachen.
Nach einer halben Stunde erschien der Sheriff. Mike war schon an der Tür und prallte mit dem Mann direkt zusammen.
Der Sheriff maß Mike mit finsteren Blicken. „Haben Sie hier geschossen? Ich schlief gerade.“
„Dann schlafen Sie ruhig weiter, Sheriff, es ist vorbei.“
„Stopp!“, donnerte der Sheriff, als Mike an ihm vorbei wollte. „Schön langsam. Kommen Sie mit zurück.“ Mike ging mit dem Mann in den Saloon zurück. Die Männer im Saloon wichen auseinander und der Sheriff blieb vor Lute stehen. Er drehte den Mann auf den Rücken und stieß einen erstaunten Pfiff aus. Kopfschüttelnd blickte er Mike an.
„Das ist Lute Tighter“, sagte er. „Ein gefährlicher Bursche. In meinem Office hängen zwei Steckbriefe, die seinen Namen tragen. Seit wann ist er denn in der Stadt?“
„Wenn ich nicht irre, schon drei Wochen. — Kann ich jetzt gehen.“
Der Sheriff brummte vor sich hin. Mike drehte sich um und ging hinaus. Er überließ es den anderen Männern, für diesen Kampf eine Fassung zu finden, die ihren Wünschen entsprach.
Vor der Bank knüpfte Mike die Zügel seines Pferdes los und stieg in den Sattel.
Zwei Männer hatte er getötet, die hier in Oklands Auftrag auf ihn gewartet hatten. Er hatte plötzlich einen faden Geschmack auf der Zunge. Der dritte Mann war entkommen — er war nach Westen geritten. Nun würde Russ Okland sicher sehr schnell wissen, dass Mike Cadwell noch lebte und nicht in den Bergen der Capitan Mountains gestorben war, wie er anfänglich angenommen hatte. Er würde gewarnt sein, sein Geheimnis vielleicht noch besser hüten — und Mike musste sich darauf gefasst machen, dass viele Fallen seinen Weg säumen würden.
Langsam ritt er aus der Stadt. Er folgte der Spur des Banditen nach Westen.
7
Nach einer Stunde wusste Mike genau, dass er in Riverton die richtige Fährte erwischt hatte. Er hatte nur auf eine Spur getippt, die ein schnell galoppierendes Pferd hinterlassen hatte. Diese Fährte zeigte schnurgerade nach Westen, umging Ranches und kleine Ortschaften und führte am nächsten Tag in die Guadelupe Mountains hinein.
Auf dem harten Boden gab es bald kein einziges Zeichen mehr. Aber es war ein tiefeingeschnittener Canyon und diesen konnte der Bandit nicht verlassen haben. Der Canyon schlängelte sich nach Westen, bog nach einigen Reitstunden nach Süden ab, um wieder wenig später nach Osten zu verlaufen.
Mike verließ die Berge am anderen Tag in der Nähe von Hoban, und die Spur war noch vor ihm. Der Bandit war einen weiten Bogen geritten. Nun strebte er nach Osten.
Hatte dieser Mann mit einem Verfolger gerechnet? Es schien fast so. Ob er überhaupt wusste, wo Okland zu finden war? Vielleicht hatte er auch nur eine Vermutung, wie sein Kumpan Lute Highter.
Es war egal, Mike Cadwell klammerte sich an das kleinste bisschen Hoffnung. Hier war Hoffnung.
Aber inzwischen hatte der Bandit seinen Vorsprung weiter ausgebaut. Er musste die Berge besser gekannt haben als Mike. Sein Vorsprung betrug mindestens fünf Stunden.
Drei Tage lang folgte Mike Cadwell dieser Fährte. Weit unten im Süden erreichte er wieder den Pecos River und durchfurtete ihn. Auf der anderen Seite drang er in ein Waldstück, das ihm im ersten Moment, wo er aus der grellen Sonne kam, fast undurchsichtig erschien.
Plötzlich krachte ein Gewehrschuss und unter Mike brach der treue Wallach zusammen. Mike rettete sich durch einen schnellen Seitensprung, dadurch entging er gleichzeitig der zweiten Kugel.
Im Nu war er hoch und jagte vorwärts. Er riss beide Colts heraus und feuerte auf eine schattenhafte Bewegung.
Ein höhnisches Lachen war die Antwort und dann trommelte schneller Hufschlag durch den Wald, der sich entfernte.
Der Bandit musste seinen Verfolger bemerkt haben. An dieser günstigen Stelle hatte er ihm eine Falle gestellt.
Müde und ausgepumpt ging Mike zu seinem toten Pferd zurück. Er schnallte den Sattel ab und warf ihn über die Schulter. Die Winchester hielt er in der Hand, sie schleifte klappernd hinter ihm her.
Bald lichtete sieh der Wald. Der Boden stieg an, und dort, wo die letzten Bäume standen, war der Untergrund fast nur noch aus hartem Stein.
Mike schritt in die Berge hinein. Er musste weiter vorwärts, es hatte keinen Zweck, wenn er zurück ging. Er marschierte in eine Schlucht hinein, und als es Nacht wurde, schlief er in einer Höhle.
Am nächsten Tag erreichte er bei Sonnenuntergang ein winziges Nest — fast so klein wie Dayton — das Comstock hieß.
Mike wankte bis vor den einzigen Saloon, zog sich mühsam auf die Veranda und warf den schweren Sattel von der Schulter. Schleppend ging er in den Raum. Wenn jetzt ein Gegner auf mich wartet, dachte er, dann kann er mich schnell erledigen.
Aber es wartete niemand. Im Saloon war nur der Wirt, der halb auf einem Tisch lag und laut schnarchte. Eine Katze verschwand durch die Hintertür, sonst war nichts zu sehen.
Mike setzte sich dem Wirt gegenüber an den Tisch und stieß sanft den Tisch an. Der Mann schreckte hoch, riss die Augen auf und stieß die Hand unter die Schürze.
„Lass die Kanone stecken“, sagte Mike matt. „Hol mir einen Whisky.“
Der Wirt beruhigte sich schnell. Seine groben Hände fuhren über das gelbliche Gesicht und dann durch die schwarzen Haare; er war Mexikaner.
Eilig verschwand er hinter der Theke und schenkte ein großes Glas ein.
„Bitte, Señor“, dienerte er. „Noch einen Wunsch?“
„Ja. Ein Essen und ein Zimmer.“
„Essen? — Señor, das dauert eine halbe Stunde.“
„Okay, dann nehme ich erst das Zimmer und das Essen morgen.“
8
Mike schlief bis zum Mittag des folgenden Tages. Dann wusch er sich in der Schüssel, die nahe dem Fenster stand, kleidete sich an und ging in den Saloon hinunter.
Der Wirt rannte in die Küche und nach wenigen Minuten stand ein dampfendes Essen vor Mike.
Ich habe schon lange nichts Richtiges mehr gegessen, dachte Mike.
Zwischen zwei Bissen fragte er:
„Kann ich bei Ihnen ein Pferd kaufen?“
„Natürlich, Señor“, sagte der Wirt sofort. Er führte Mike nach dem Essen in seinen windschiefen Stall und zeigte stolz seine Pferde.
Es waren drei elende Klepper, denen die Rippen durch die Felle stachen.
„Was kostet dieser Gaul?“ Mike zeigt auf das beste dieser Pferde.
Der Wirt legte den Kopf schief und die Stirn in tiefe Falten. Nach einigem Nachdenken sagte er:
„Einhundert Dollar, Señor.“
Mike drehte sich langsam um und rückte seinen breiten Gurt zurecht.
„Achzig Dollar“, verbesserte sich der Wirt und trat vorsichtshalber zurück. „Es ist mein bestes Pferd.“
„Ich sehe es“, antwortete Mike kühl. „Aber es wird höchstens zwanzig Meilen am Tag laufen. Weißt du, was es ist? Ein elender Schinder! — Ich gebe dir fünfzig Dollar für diesen Bock, mehr ist es nicht wert.“
Der Wirt jammerte und verfluchte diese schlechte Welt, aber er ging auf den Handel ein.
Kaum eine Stunde später verließ Mike Cadwell Comstock. Seine Frage nach einem Fremden, wie er ihn beschrieb, hatte der mexikanische Wirt verneint. Wie er sagte, sei schon seit zwei Monaten kein Fremder mehr in der Stadt gewesen. Mike glaubte dies ohne weiteres. Wer sollte sich schon in diese raue Einsamkeit der Berge verirren?
Er ritt in östlicher Richtung davon.
Einen Tag später kam er an den Devils River, und dann ging es fast einhundert Meilen durch Canyons, Schluchten und über raue Bergschultern.
Er brauchte ein volle Woche, um den Nueces River zu erreichen. In der kleinen Stadt Montell fiel sein abgemagertes Pferd, das inzwischen noch schmaler geworden war, vor Erschöpfung um. Jede Hilfe kam für das Tier zu spät.
Aber auch in Montell erfuhr Mike nicht mehr als er schon wusste — nämlich, dass er die Spur endgültig verloren hatte. Weder der Mann war hier gewesen, der am Pecos sein Pferd brutal zusammenschoss, noch Russ Okland, der mit seinen Packpferden zweifellos aufgefallen wäre.
Mike kaufte ein frisches Pferd und ritt weiter.
Nun hielt er genau nach Norden. Er dachte sich, dass Russ Okland in besiedelteren Countys untergetaucht sei.
Natürlich wird er in der Zwischenzeit auch seinen Namen gewechselt haben.
So kam Mike Cadwell an einem heißen Mittag nach Rode Springs, und dann nach Sonora; er fand nirgends die verlorene Spur wieder.
9
Monate waren vergangen.
Mike Cadwell hatte das südliche Texas in allen Richtungen durchstreift, ohne seinen Mann zu finden. Wie ein einsamer Wolf ritt er von Stadt zu Stadt und schon bald wusste jeder Mann in diesem Landstrich, dass Mike Cadwell einen Mann suchte, der ihn schmählich betrogen hatte.
Mikes Wangen waren eingefallen und er sah sehr müde aus. Aber unter seinem Hemd spielten die Muskeln, die auf dem langen Ritt hart geworden waren.
So kam er eines Tages nach San Antonio und kletterte vor der „Blue Sun“ steifbeinig aus dem Sattel. Er hatte noch genau drei Dollars in der Tasche, und er beschloss, in dieser Nacht in einem richtigen Zimmer zu schlafen.
Mike stieg die Stufen zum Stepwalk hinauf und wollte durch die Schwingtür. Ein Mann kam heraus, blieb breitbeinig stehen und lachte brummig.
„Bist du es, Cadwell?“
Mike rieb sich über die Augen. Ein mattes Lächeln stieg in sein Gesicht. Es war der Doc.
„Ich habe schon zwei Wochen auf dich gewartet, Cadwell. Well, das Rodeo ist längst vorbei. Aber ich wusste, dass du kommen wirst. Du hinterlässt eine breite Spur und in jeder Stadt sprechen die Leute von dir. Okland wird längst gewarnt sein.“
„Das haben schon andere vor mir besorgt. Hast du eine Ahnung, wo er stecken mag?“
Der Doc zuckte die Schultern und sein zerhacktes Gesicht legte sich in Falten.
„Ich habe viel herumgehorcht“, sagte er, „aber ich konnte nichts erfahren. Gib es auf, Cadwell. Okland wird inzwischen mit deinem Golde so mächtig geworden sein, dass er dich gewappnet empfangen wird, falls du ihn jemals findest. Sicher hat er Revolvermänner um sich versammelt, die dich verteufelt schnell kaltstellen werden. Du hast keine Chance.“
„Es gibt Sheriffs, Doc, und diesen werde ich meine Geschichte erzählen.“
„Sheriffs? — Natürlich gibt es die. Aber so wie du aussiehst, wird dir selbst der gutmütigste Gesetzesbeamte kein Vertrauen entgegenbringen können. Cadwell, dich halten die Männer bestenfalls für einen Satteltramp — mehr ist von dir auch nicht übriggeblieben. Von dir und deiner Geschichte wird hier unten viel gesprochen, aber es glaubt dir niemand — und beweisen kannst du es auch nicht. Ich weiß es, deshalb sehe ich alles mit anderen Augen. Aber nun Schluss damit. Wir wollten uns hier aus einem anderen Grund treffen, weißt du es noch, Amigo?“
Mike nickte schwach.
„Ich weiß es, Doc, und du solltest deinen Kampf haben. Ich bin zwar leicht abgemagert — und auch sonst sehe ich verkommen aus — aber ich bin zäh geblieben. Well — wie zäh, das kannst du leicht in Erfahrung bringen.“
Der Doc spuckte sich in die Hände und kicherte vor sich hin.
„Du bist ein verdammt harter Bursche, Cadwell. Eigentlich tut es mir leid, dass wir uns auf zwei verschiedenen Seiten kennenlernen mussten. Yeah, du hättest einen piekfeinen Partner abgegeben. Aber du taugst wohl auch sonst nichts in meiner Klasse. Ich bin ein Säufer, Cadwell — ein verkommener Hundesohn, du aber bist ein Streber, und du hast immer ein festes Ziel. — Komm, Bruder, machen wir es jetzt aus.“
Mike wollte einen Schritt zurücktreten, aber der Schlag des Doc kam schneller. Die schaufelradgroße Hand rammte wie ein Schmiedehammer gegen Mikes Schulter und trieb ihn wie eine Puppe zur Seite. Hart knallte seine Wirbelsäule gegen den Mittelpfosten des Vorbaues.
Sofort drängte der Doc nach. Er hob die Faust und zielte auf Mikes Kopf.
„Acht Tage wirst du auf allen Vieren kriechen“, kündete er düster an. „Ah, es soll mir eine Freude sein, dich wieder zusammenzuflicken.“
Und dann schlug der klotzige Mann zu —hart und erbarmungslos.
Aber Mike wich aus. Die Faust schmetterte gegen den Pfosten, und es gab einen krachenden Laut. Schmerzlich verzog der Doc das Gesicht, und in dieses Gesicht hinein donnerte Mikes erster abgezirkelter Schlag.
Der Doc wankte zurück. Mike setzte nach, landete noch einen mächtigen Schwinger, der seinen Gegner fünf Zentimeter vom Boden abhob, musste aber dann einen Leberhaken einstecken, der ihn bis zum Rande des Stepwalks trieb. Der Doc schlug nach und Mike flog die Stufen hinunter und landete im Staub der Straße.
Mit einem wilden Schrei hechtete sich der Doc auf sein Opfer. Mike drehte sich im letzten Moment zur Seite und der Mann landet dicht neben ihm. Mit der flachen Hand schlug Mike in das Genick seines Gegners. Der Doc ächzte, wälzte sich herum und fing den nächsten Angriff mit den Stiefeln auf. Mike wurde wie ein Ball durch die Luft geschleudert. Er saß plötzlich auf dem Stepwalk, den er gerade verlassen hatte.
Der Doc brauchte eine Weile, und diese Pause kam Mike sehr zustatten. Sie waren beide schon angeschlagen, aber keiner würde es zugeben.
Das war ein harter Kampf.
Langsam sammelten sich Männer, die einen weiten Kreis bildeten. Hier und da wurden Wetten abgeschlossen.
Der Doc kam heran. Er schüttelte sich noch, denn er war hart auf die Ellenbogen geprallt. Außerdem brannte noch der Handkantenschlag in seinem Genick.
Mike stand auf und trat bis zur Wand des Saloons zurück. Er wartete, bis er den Doc wieder vor sich hatte.
„Ich wusste gar nicht, dass du so rau sein kannst, Cadwell. Nun, wir sind noch immer in der ersten Runde.“
Und dann lachte der Doc aus tiefer Kehle und seine Faust zuckte vor.
Mike duckte sich unter dem Schlag hinweg und rammte seinen Kopf in den Magen des Gegners. Er trieb ihn wieder bis zum Rand, schnellte dann zurück und setzte einen Schlag gegen die Kinnspitze.
Diesmal flog der Doc die Stufen hinunter. Mike sprang nicht nach. Er stieg die Stufen langsam hinunter und ließ seinen Gegner auf die Beine kommen.
Der Mann war noch benommen. Sein kantiger Schädel pendelte hin und her. Mike wusste, dass der Doc diesen Kampf nicht aufgeben würde, nein, dazu empfand er ihn sicher als zu schön.
Aber der Doc befand sich bereits in der Verteidigung, und dies war ein schlechtes Zeichen, denn Mike musste fast immer erst warm werden, ehe er richtig kämpfen konnte.
Nun aber war Mike Cadwell warm.
Der Doc schnellte sich mit einem wilden Schrei vor und schwang seine mächtigen Fäuste. Er riss einen Uppercut hoch und warf einen pfeifenden rechten Haken hinterher, aber beide Schläge gingen ins Leere. Mike stand plötzlich auf der linken Seite seines Gegners und er hämmerte ihm die Faust auf das Ohr.
Der Doc warf sich herum, aber nun kamen seine Schläge nur noch unkontrolliert und sie trafen kaum noch ihr Ziel. Mike setzte eine gerade Rechte an und ließ dann seine Linke wie einen Hammer auf den Schädel seines Gegners sausen.
Dafür brachte der Doc einen Schlag auf Mikes Nasenbein an, der Mike die Tränen in die Augen trieb. Das war der letzte Schlag des Doc.
Nun trieb Mike sein Opfer mit gewaltigen Schlägen quer über die Straße, und auf der anderen Seite die Stufen hinauf. Zum Schluss schlug er seinem Gegner einen Rammer gegen die Stirn, der den Doc gegen die Tür des Hauses warf. Die Klinke schnappte auf und der Doc taumelte rückwärts in den Raum. Er stolperte über eine Matte und landete auf dem Rücken. Keuchend blieb er liegen.
Mike stand mit hängenden Schultern auf dem Stepwalk und blickte in das Zimmer hinein. Ein Mann erhob sich und kam langsam näher; er trug einen Amtsstern auf der Brust — es war der County-Sheriff von San Antonio.
Der Sheriff zog blitzartig seinen Colt und richtete ihn auf Mike.
,,Nehmen Sie die Hände hoch“, donnerte er.
Mike hob die Arme in die Luft und auf eine bezeichnende Geste marschierte er in das Arbeitszimmer hinein.
Der Sheriff blieb mitten im Raum stehen. Seine Haltung war nach wie vor drohend.
„Ich belege Sie mit zwanzig Dollar Ordnungsstrafe. In meiner Stadt dulde ich keine Faustkämpfe.“
Mike nahm die Hände vorsichtig herunter und kramte in seinen Taschen. Er legte sein ganzes Geld auf den Tisch und sagte; „Mehr hab ich nicht.“
Der Sheriff grunzte, musterte Mike wie ein Rind, das er kaufen wollte und meinte: „Dann werden Sie ersatzweise zehn Tage in einer massiven Zelle verbringen.“
„Nur langsam“, meldete sich da der Doc. Er erhob sich mühsam vom Boden und schwankte auf den Schreibtisch zu.
„Du bist schwer abgebrannt. Amigo.“ In sein zerschrammtes Gesicht schlich sich ein Grinsen. „Wie viel sagten Sie, Sheriff?“
„Zwanzig Dollar.“
Der Doc zählte siebzehn Dollar auf die Tischplatte.
„So dürfte es stimmen“, brummte er. „Können wir gehen?“
Der County-Sheriff legte die Stirn in Falten. Er verstand gar nichts mehr. Erst hatte der eine den anderen halb tot geprügelt und dann bezahlte dieser noch die Strafe.
Der Doc grinste nun stärker.
„Sheriff, ich bin dreihundert Meilen geritten, um mir diesen Kampf nicht entgehen zu lassen. Teufel, warum soll ich nicht ein paar läppische Dollar drauflegen? — Komm, Cadwell, hier sind wir fertig.“
Die beiden Männer verließen das Office und hinter ihnen blieb ein kopfschüttelnder Sheriff zurück.
Vor der „Blue Sun“ blieben sie stehen.
„Well, Cadwell, ich bin pleite. Ich habe noch zwei Dollar. Ich weiß zehn Meilen außerhalb der Stadt eine schmutzige Spelunke, in der wir für jeden Dollar zehn Whisky bekommen — ich habe einen furchtbaren Durst.“
Sie zogen sich in die Sättel und ritten aus der Stadt.
The free sample has ended.