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Lieblingsplätze Schönbuch

Hansjörg Jung / Ute Böttinger

Impressum

Autor und Verlag haben alle Informationen geprüft. Gleichwohl wissen wir, dass sich Gegebenheiten im Verlauf der Zeit ändern, daher erfolgen alle Angaben ohne Gewähr. Sollten Sie Feedback haben, bitte schreiben Sie uns! Über Ihre Rückmeldung zum Buch freuen sich Autor und Verlag: lieblingsplaetze@gmeiner-verlag.de

Bildverzeichnis: Erich Tomschi 11, 32, 46, 56, 80, 88, 100, 136, 138, 140, 142, 148, 150, 156, 166, 168, 170, 176, 178, 184, 186; Gerhard Bäuerle 12, 14, 24, 26, 28, 30, 34, 36, 38, 42, 44, 50, 52, 64, 78, 82, 162, 174; Bäckerei Baier/Wolfgang Schmidt 16; Mauerwerk GmbH 18; René Mikesch 22; Hansjörg Jung 20, 40, 48, 58, 62, 68, 70, 76, 96, 98, 106, 108, 132, 134, 146; Ute Böttinger 54, 90, 104, 112, 114, 124, 158, 182; René Micklich 22; Evert Nikesch 60; Peplau/Böblinger Mineraltherme 66; Bernhard Strobel 72; Heinz Frank, Gemeinde Dettenhausen 74; Ritter Sport 84; Museum Ritter (Franz J. Wamhof) 86; Landgasthaus zur Linde 92; Gemeinde Kirchentellinsfurt 94; Mathias Allgäuer 108; Staudengärtnerei Jantzen 116; Mark Ripperger 120; Boxenstop Museum 122; Stadt Tübingen 126; Generationentheater Zeitsprung 128; Stadtmuseum Tübingen 130; Friedwald GmbH 144; Petra Anna Schmidt 152; Restaurant Im Gärtle 160; Mathias Allgäuer 164; Breitenholzer Igelverlag 172; Landkreis Böblingen 180

Alle Seitenangaben in diesem Buch beziehen sich auf die Seitenzahlen der gedruckten Ausgabe.

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1., aktualisierte Neuauflage 2021

© 2018 – Gmeiner-Verlag GmbH

Im Ehnried 5, 88605 Meßkirch

Telefon 07575/2095-0

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Alle Rechte vorbehalten

Lektorat/Redaktion: Anja Kästle

Herstellung: Julia Franze

E-Book: Mirjam Hecht

Umschlaggestaltung: Susanne Lutz

unter Verwendung der Illustrationen von © SimpLine – stock.adobe.com; © Fiedels – stock.adobe.com; © VRD – stock.adobe.com; © Sylwia Nowik – stock.adobe.com; © Susanne Lutz; © Katrin Lahmer; © Benjamin Arnold

Kartendesign: © Maps4News.com/HERE

ISBN 978-3-8392-6822-3

Inhalt

Impressum

Vorwort

1 Die Glucke über dem Gäu

Herrenberg: Glockenmuseum in der Herrenberger Stiftskirche

2 Aus dem Schatten ans Licht

Herrenberg: Jerg-Ratgeb-Skulpturenpfad

3 Am Anfang war die Schneckennudel

Herrenberg: Bäcker Baier

4 Von der Kirche zum Kulturtempel

Herrenberg: Kulturstätte Mauerwerk

5 Feuerböcke und Eselsrücken

Herrenberg: Fachwerkpfad in der Herrenberger Altstadt

6 Alles Käse

Herrenberg: Fromagerie Holzapfel

7 Ein Fole und seine Gnome

Herrenberg: Narrenumzug durch die Altstadtgassen

8 Gerne zu Gast

Herrenberg: Hotel Hasen

9 In den oberen Stockwerken des Waldes

Herrenberg: Waldseilgarten Herrenberg

10 Wo die Röhre zur Brücke wird

Herrenberg: Der Schönbuchtunnel

11 Flottes Volk

Gärtringen-Rohrau: Imkerei Minak

12 Mühlen mahlen langsam

Gärtringen-Rohrau: Historische Gips- und Sandmühle

13 Kirche, Speicher und Remise

Ehningen-Mauren: Hofgut Mauren

14 Im alten Reich der Köhler

Hildrizhausen: Kohlweiher

15 Herzlich und heimelig

Hildrizhausen: Café Fuchsbau

16 Laufend im Herbst

Hildrizhausen Schönbuchlauf

17 Ein zauberhaftes Fleckchen Wasser

Altdorf: Birkensee

18 Kaiser Wilhelm und Gräfin von Paris

Holzgerlingen: Golfplatz Schaichhof

19 Keine Pfifferlinge im dunklen Tann

Weil im Schönbuch: Auf Pilzsuche

20 Urgemütlich schwäbisch

Weil im Schönbuch: Waldgasthof Weiler Hütte

21 Die Frau des Hirschs ist nicht das Reh

Weil im Schönbuch: Rotwilderlebnispfad

22 Die Falknerin und ihre Greife

Weil im Schönbuch: Garuda Falknerei

23 Bei den weißen Ziegen

Weil im Schönbuch: Die Käsmacher

24 Aug in Aug mit dem Trampeltier

Weil im Schönbuch: Kamelhof Weil im Schönbuch

25 Erfolgsmodell auf der Schiene

Böblingen: Schönbuchbahn zwischen Böblingen und Dettenhausen

26 Urlaub vom Alltag

Böblingen: Mineraltherme Böblingen

27 Ein Schuss mehr Limo

Böblingen: Schönbuch Braumanufaktur

28 Landjäger und Sammler

Dettenhausen: Polizeimuseum Dettenhausen

29 Charmantes Bädle!

Dettenhausen: Freibad Dettenhausen

30 Von Steinen und Wilderern

Dettenhausen: Schönbuchmuseum

31 Nachschub für das Ulmer Münster

Waldenbuch: Sandsteinbruch am Betzenberg

32 Die Riesen aus der Saat des Königs

Waldenbuch: Mammutbaum

33 Der jüngste Sternekoch der Republik

Waldenbuch: Gasthof Krone Waldenbuch

34 Immer der Nase nach

Waldenbuch: Besucherzentrum Ritter Sport

35 Die Welt ist ein Quadrat

Waldenbuch: Museum Ritter

36 Aufgebrezelt

Altenriet: Brezelmarkt

37 Sternegenuss

Pliezhausen-Dörnach: Landgasthaus Zur Linde

38 Abtauchen

Kirchentellinsfurt: Baggersee Epple

39 Wo Graf Eberhards Weißdorn wurzelt

Kirchentellinsfurt: Hofgut Einsiedel

40 Im Zeichen der gekreuzten Schlüssel

Kirchentellinsfurt: Geschichtlicher Lehrpfad Einsiedel

41 Naturpark statt Großflughafen

Tübingen-Pfrondorf: Zeitungseiche und ehemalige Waldklause Henne

42 Heimat der letzten Königin

Tübingen-Bebenhausen: Kloster Bebenhausen

43 Kein Schattendasein

Tübingen-Bebenhausen: Rundgang durch den Ortskern

44 Wo die alten Mönche schrieben

Tübingen-Bebenhausen: Naturpark Informationszentrum

45 Hier speiste schon Seine Majestät

Tübingen-Bebenhausen: Schranners Waldhorn

46 Mit der Elite spurten

Tübingen: Läuferstrecke

47 Grünes Herz

Tübingen: Staudengärtnerei Jantzen

48 Magie auf dem Neckar

Tübingen: Stocherkahn und Zauberfloß

49 Maserati zum Anfassen

Tübingen: Museum Boxenstop

50 Tübingen maritim

Tübingen: Bootshaus am Neckar

51 Hier ruht nicht nur Hölderlin

Tübingen: Stadtfriedhof

52 Kreatives Miteinander

Tübingen: Generationentheater Zeitsprung

53 Scherenschnitte im Kornhaus

Tübingen: Stadtmuseum Tübingen

54 Wo schon Dichter das Glas erhoben

Tübingen: Schwärzlocher Hof

55 Ein guter Zug für Wanderer

Tübingen: Die Ammertalbahn zwischen Tübingen und Herrenberg

56 Auf des Hügels grüner Welle

Rottenburg-Wurmlingen: Wurmlinger Kapelle

57 Für Wein, Leib und Seele

Rottenburg-Wurmlingen: Weinberg am Kapellenberg

58 Mordsteine und Brunnen

Tübingen-Hagelloch: Kleindenkmale im Schönbuch

59 Letzte Ruhe im Naturpark

Tübingen-Hagelloch: FriedWald Schönbuch

60 Schlosshof mit Aussicht

Tübingen-Hagelloch: Schloss Hohenentringen

61 Eine Insel in der Weinlandschaft

Tübingen-Unterjesingen: Weinbau

62 Lindwurm und Froschkönig

Tübingen-Unterjesingen: Märchenwanderung im Schönbuch

63 Feuer und Flamme für die Brennerei

Tübingen-Unterjesingen: Destillerie Ammertal Whisky

64 Über den Baumwipfeln

Ammerbuch-Poltringen: Rundflug über den Schönbuch

65 Pasta aus Sizilien

Ammerbuch-Entringen: Hofladen Alte Zimmerei

66 Schwäbisch auf Feinbürgerlich

Ammerbuch-Entringen: Restaurant Im Gärtle

67 Raum für ein Lebenswerk

Ammerbuch-Entringen: Kunstmuseum Manfred Luz

68 Spielend Würstchen brutzeln

Ammerbuch-Entringen: Grillplatz und Wildgehege Saurucken

69 Das Grab im Großen Goldersbachtal

Ammerbuch-Breitenholz: Soldatengrab

70 Ein Lieblingsplatz des Königs

Ammerbuch-Breitenholz: Königliche Jagdhütte

71 Kleine Kunst ganz groß!

Ammerbuch-Breitenholz: Museum Anthon

72 Atelier und Kulturtreff

Ammerbuch-Breitenholz: Art-Road-Way Kunstschule

73 Im Reich der Ungarischen Platterbse

Herrenberg-Mönchberg: Grafenberg

74 Genießen für die Streuobstwiesen

Herrenberg-Mönchberg: Streuobsterlebnisweg Mönchberg

75 Ein Leuchtturm für den Naturpark

Herrenberg: Schönbuchturm

76 Des Wanderers Einkehr

Herrenberg: Naturfreundehaus am Schönbuch

77 Nichts für Angsthasen

Herrenberg: Mountainbike-Trail

Karte 1

Karte 2

Karte 3

Vorwort

»Auf den Punkt bringen können wir Ihnen den Schönbuch nicht. Sie müssen den Naturpark selbst erleben – mit all seinen Naturschönheiten, seiner artenreichen Pflanzen- und Tierwelt mitten im Ballungsraum Stuttgart. Wandern und verweilen Sie an idyllischen Plätzen wie dem Birkensee oder im Goldersbachtal. Kommen Sie mit auf eine Erlebnisreise: ins einzige Polizeimuseum und auf den Kapellenberg, auf Kahnfahrt mit einem Magier und in die Mineraltherme. Lassen Sie sich Schönbuch-Radler oder schwäbischen Whisky schmecken und kehren dort ein, wo der König schon speiste. Sie werden sehen: ein schönes Stück Heimat!«

Ute Böttinger und Hansjörg Jung


1 Die Glucke über dem Gäu
Herrenberg: Glockenmuseum in der Herrenberger Stiftskirche

»Herrenberg liegt unter einem Berg, an dessen Ruck, oder Grad, eine sehr schöne Kirche ist«, schrieb Matthäus Merian 1643. Doch der alte Kupferstecher würde seine »sehr schöne Kirche« kaum noch erkennen: War der Turm damals noch von zwei Spitzen gekrönt, ist es heute eine barocke Zwiebel. Wegen Einsturzgefahr wurden die beiden Turmspitzen 1749 abgebrochen.

So ruht die Herrenberger Stiftskirche wie eine dicke Henne am Südwesthang des Schönbuchs über der Stadt. Nicht umsonst nennt man sie »Die Glucke vom Gäu«. Doch die Glucke ruht nicht, die Glucke kommt. Seit ihrem Baubeginn um 1276 rutschen Hang und Kirche der Stadt entgegen. Bei umfangreichen Renovierungsarbeiten in den 70er-Jahren konnte das Gebäude zwar weitgehend gesichert werden, doch aufgehalten wurde es nicht.

Die der Stadt zugewandte mächtige Westwand der Kirche ist eine riesige Sonnenuhr, die unter anderem stets die Mittagsstunde anzeigt, wenn der Schatten des Strebepfeilers senkrecht auf die Mitte der Wand fällt. Auch im Inneren wartet die Kirche mit Besonderheiten auf: Da ist vor allem das Chorgestühl aus der Werkstatt von Heinrich Schickhardt dem Älteren, dem Großvater des großen Renaissance-Baumeisters desselben Vornamens. Den Hochaltar von Jerg Ratgeb, heute in Besitz der Staatsgalerie, haben die Herrenberger 1890 verkauft.

Die durch den barocken Umbau des Turms entstandene große Glockenstube beherbergt das Glockenmuseum. Wer die 146 Stufen erklimmt, findet dort über 30 Bronzeglocken aus zwölf Jahrhunderten und ein Carillon mit 50 Glocken. Dass dies nicht nur museale Ausstellungsstücke sind, zeigt sich beim Rundgang, wenn die Viertelstunde, die Stunde oder nach der Läuteordnung ein liturgisches Ereignis geschlagen werden. Hier wird Schall zu einem spürbaren Erlebnis.

Zu den Glockenkonzerten der Herrenberger Stiftskirche erklingt das Geläut in der Regel jeden ersten Samstag eines Monats von 17 bis 18.10 Uhr.


1

Glockenmuseum Herrenberg

Kirchgasse 7

71083 Herrenberg

www.glockenmuseum-stiftskirche-herrenberg.de

2 Aus dem Schatten ans Licht
Herrenberg: Jerg-Ratgeb-Skulpturenpfad

Sein Ende war schrecklich. Er wurde gevierteilt. Im Jahre 1526 in Pforzheim. Weil er für die Sache der Aufständischen im Bauernkrieg Partei genommen hatte und sich von den Bauern zum Kanzler und Kriegsrat wählen ließ. Doch Jerg Ratgeb war auch Maler und schuf unter anderem 1519 den Hochaltar für die Herrenberger Stiftskirche – der heute in Besitz der Staatsgalerie in Stuttgart im Zentrum der mittelalterlichen Sammlung steht. Und doch gilt Ratgeb lange zumindest als unterschätzter Künstler. Vielleicht weil über sein Leben und Schaffen nicht allzu viel dokumentiert ist.

Grund genug für eine Gruppe von Herrenberger Bürgern, dem Künstler ein Denkmal zu setzen – oder vielmehr deren mehr als 20: den Jerg-Ratgeb-Skulpturenpfad. Vom Bahnhof bis hinauf zum Schlossberg, gleichsam aus dem Schatten der Tiefe hinauf ans Licht, reihen sich die Werke zeitgenössischer baden-württembergischer Künstler wie an einer Perlenkette durch die Herrenberger Innenstadt und entlang des gewundenen Spazierwegs zum Schlossberg. Aus verschiedenen Materialien, in unterschiedlichen Abstraktionsformen. So soll der Skulpturenpfad auch eine Art künstlerisches Lehrstück sein. »Die Besucher bekommen dabei einen Einblick in die unterschiedlichen bildhauerischen Materialien und Techniken, welche die Bildhauer aus Baden-Württemberg und darüber hinaus angewandt haben«, schreiben die Initiatoren.

Die Arbeiten haben meist Bezug zu Jerg Ratgeb – seiner Zeit, seinem Werk und nicht zuletzt seinem Leben. So sind es auch geschundene Figuren, wie bei Michaela Fischers Bronzeplastik Ratgebs Frau, bei der die Leibeigenschaft thematisiert wird, oder bei Thomas Putzes Bauernkriegsfamilie, die Ohnmacht und Zerrissenheit des einfachen Volkes in feudalen Zeiten darstellt.

Der Spaziergang bietet nicht nur dem Kunstfreund Aus- und Einblicke. Auf dem Schlossberg weitet sich der Blick zur Schwäbischen Alb und zum Schwarzwald.


2

Jerg-Ratgeb-Skulpturenpfad

Beginn: Bahnhof (Endstation der S-Bahn-Linie S1)

Bahnhofstraße

71083 Herrenberg

www.skulpturenpfad-herrenberg.de

3 Am Anfang war die Schneckennudel
Herrenberg: Bäcker Baier

Es begann mit einer Schneckennudel. Warm, weich und doch ein wenig kross. Eine Offenbarung für Jochen Baier. »Das hat mir die Augen geöffnet, was man mit Mehl, Butter, Zucker und ein paar Rosinen machen kann«, sagt der Spross der Herrenberger Bäcker-Dynastie. Seit Jacob Friedrich Baier 1835 damit begonnen hatte, in der Bronngasse Brot und Brezeln zu backen, hatte jede Generation den Betrieb weiterentwickelt.

Nur in der sechsten Generation, bei Jochen Baier, war das zunächst nicht so klar. Der wollte Banker werden, zumal Mehl und Staub in der Backstube seiner Gesundheit zusetzten. Bis die Schneckennudel kam. Doch ein wenig Rebellion muss schon sein. Also lernte er nach der Realschule nicht Bäcker – sondern Konditor. Und das wohl ganz gut, denn zum Abschluss seiner Lehre wurde er Bundessieger. Die Bäckerlehre daraufhin schloss er wieder als Jahrgangsbester ab – bundesweit. Bis heute treiben ihn Ehrgeiz und Lust auf besondere Backwaren über den Herrenberger Backblechrand hinauszuschauen, ob bei internationalen Wettbewerben – er war unter anderem Weltbäcker des Jahres 2018 – oder an der Seite von Johann Lafer als Juror in der ZDF-Sendung Deutschlands bester Bäcker.

Sowohl die Gesundheit als auch das Streben nach dem »reinen Genuss« brachten den Herrenberger auf die Bio-Schiene. Seit 20 Jahren verwendet er ausschließlich Mehle aus Demeter-Getreide. Dazu verzichtet Baier in seiner Backstube auf Zusätze aus dem »Zauberkasten«, die das Backen leichter und schneller machen. Dafür lässt er die Teige schonend kneten und lange reifen. »So natürliche Rohstoffe wie möglich, so handwerklich arbeiten wie möglich«, ist sein Credo. Dazu hat er sich 2016 vor den Toren Herrenbergs sein Backhaus mit Café gebaut, um seine Vision zu verwirklichen: »Die beste Backstube für das beste Brot« – und Schneckennudeln, nicht zu vergessen.

Das Backhaus an der B28, das auch einen Blick in die Backstube gewährt, hat sich zu einem beliebten Etappenziel für Ausflügler entwickelt.


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Bäcker Baier

Hewlett-Packard-Straße 2

71083 Herrenberg

07032 9109172

www.baecker-baier.de

4 Von der Kirche zum Kulturtempel
Herrenberg: Kulturstätte Mauerwerk

Gesungen wurde in dem rund 120 Jahre alten Backsteinhaus mit den hohen Fenstern schon immer. Zunächst feierte die evangelisch-methodistische Gemeinde Herrenbergs hier ihre Gottesdienste. Heute sorgen Liedermacher und Chansonniers, Jazz-Combos und Rock-Gruppen für den guten Ton im Saal. und Rockgruppen für den guten Ton im Saal. Von der Kirche zum Kulturtempel – noch bemerkenswerter ist die Tatsache, dass das Haus samt Bühne in privaten Händen ist. »Wir sind in eine Lücke gestoßen. Ein Angebot wie unseres hat offenbar in Herrenberg gefehlt«, sagt Johannes Storost. Seit 2013 bringt der Veranstaltungskaufmann, der sein Handwerk unter anderem im Stuttgarter Theaterhaus gelernt hat, mit seinem Team im Mauerwerk viel Bewegung ins bis dahin eher ruhige kulturelle Leben Herrenbergs.

Das Wagnis hat sich gelohnt. »Natürlich weiß man immer erst hinterher, ob ein solches Angebot funktioniert. Aber wir haben darauf vertraut, dass es in Herrenberg und seiner Umgebung viele kulturaffine Leute gibt«, sagt der Geschäftsführer und Veranstaltungsmanager. Und so geben sich Comedians und Kabarettisten, Musiker und Schauspieler im Mauerwerk die Klinke in die Hand. Jeden Montag gibt es Kino – eine Sparte, die in Herrenberg, einmal abgesehen vom Kommunalen Kino und dem lauschigen Sommernachtskino-Programm auf dem Schlossberg, seit Jahrzehnten brachliegt.

Zur Kultur gesellt sich die Kulinarik, das andere Standbein des Hauses. Dafür steht Küchenchef Karsten Philipp. Sein kulinarisches Credo: »Die Rohstoffe müssen frisch sein und es kommen keine Convenience-Produkte in die Töpfe«, sagt er. Die Speisekarte ist so offen wie das Kulturprogramm. Aus Produkten, die zum großen Teil rund um Herrenberg erzeugt wurden, macht Karsten Philipp internationale Küche. Nicht von ungefähr sagt Johannes Storost: »Unser Konzept heißt Kultur genießen.«

Südländisches Flair bietet in der warmen Jahreszeit das Café/Restaurant La Dolce Vita mit seiner Außengastronomie auf dem Graben.


4

Mauerwerk

Hindenburgstraße 22

71083 Herrenberg

07032 9553280

www.mauerwerk.de

La Dolce Vita

Auf dem Graben 18

71083 Herrenberg

07032 22268

www.bistro-dolcevita.de

5 Feuerböcke und Eselsrücken
Herrenberg: Fachwerkpfad in der Herrenberger Altstadt

Feuerböcke und Eselsrücken, Kopfwinkel und Fußstreben – spätestens nach einem Spaziergang durch die Herrenberger Altstadt auf dem Fachwerkpfad mit seinen 23 Stationen werden diese Begriffe nicht mehr mit sieben Siegeln behaftet sein. Auf dem Rundgang durch die teilweise malerischen Winkel der Altstadt können die Besucher mithilfe von Schautafeln die verschiedenen Konstruktionen und Spielarten von Fachwerk erkunden. Und wen die technischen Details weniger interessieren, der erfreut sich vielleicht an der zeitlosen Schönheit der Häuser. Denn: Herrenberg gilt als eine der schönsten Fachwerkstädte in Baden-Württemberg.

Wirtschaftliche Prosperität gilt oft als Voraussetzung für die Stadtentwicklung. Doch in manchen Zeiten mag der Mangel daran auch ein Segen sein. Im Zweiten Weltkrieg flogen die alliierten Bomber über Herrenberg hinweg. Auch das Wirtschaftswunder im Nachkriegsdeutschland ging zunächst an der alten Oberamtsstadt vorbei. So blieben die Fachwerkhäuser der Stadt auch von der Modernisierungswut der 50er- und 60er-Jahre so lange verschont, bis der Schatz den Herrenbergern hinreichend bewusst wurde. 1983 wurde die Altstadt unter Denkmalschutz gestellt.

Seitdem hat sich das Städtchen hübsch herausgeputzt. Die Fußgängerzone der Stuttgarter Straße und der Tübinger Straße geizt nicht mit dem Charme der alten Bautechnik. Und das Haus Otto, eines der wenigen Häuser in der Tübinger Straße ohne Fachwerk, nimmt dessen Konstruktionsmerkmale am Putz des Giebels stilisiert auf. Prächtig in Form und Farbe sind die Fachwerkhäuser am Marktplatz. Diese Häuser stammen allesamt aus der Zeit nach dem großen Stadtbrand von 1635 und sind, ganz im Stil der Zeit, mit Zierfachwerk ausgestattet. Die Balken sind nicht dunkelbraun oder schwarz, sondern in den klassischen Fachwerkfarben Grau, Rot oder auch Ocker gestrichen.

Erfrischung nach dem Spaziergang versprechen die Straßencafés auf dem Marktplatz. Auch vor dem Lamm in der Schulstraße kann man schön draußen sitzen.


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Fachwerkpfad

Startpunkt: Marktplatz

71083 Herrenberg

I-Punkt Herrenberg

Marktplatz 1

71083 Herrenberg

07032 9240

www.herrenberg.de

6 Alles Käse
Herrenberg: Fromagerie Holzapfel

Nicht nur samstags drängt sich die Kundschaft in dem Laden. Dabei ist in der ersten Glastheke alles Käse – aber vielleicht gerade deswegen. Hier ist Käse alles. Dutzendweise liegt er in unterschiedlichen Sorten und Reifestadien in der Auslage. Die Fromagerie Holzapfel hat ihren Sitz in einem der alten Handelshäuser Herrenbergs. Zwischen den mittelalterlichen Mauern und Balken bieten Birgit Böhme und ihre Schwägerin Martina Holzapfel einen Laden mit feiner Kost – vom Käse bis zu italienischen Wurstwaren, Bio-Weinen und selbst eingelegten Oliven.

Mit Oliven und Käse hat die Firmengeschichte vor 30 Jahren begonnen, als Birgit Böhme mit ihrem Mann Markus Holzapfel in Freiburg ihren Marktstand hatte. Zurück in Herrenberg, der Heimat von Markus Holzapfel, eröffneten die beiden ihren ersten Laden in einem Herrenberger Teilort. Auf Märkte zu gehen, gehörte damals wie heute noch zum Geschäft. Als ihnen das Haus Böckle in der Herrenberger Schulstraße angeboten wurde, ging ein Traum in Erfüllung. »Wir wollten schon immer mit dem Laden in die Stadt«, sagt Birgit Böhme.

Der Käse ist keine Massenware, sondern von ausgesuchten kleinen Käsereien. Ihre Urlaube verbringen die Herrenberger Käseverkäufer stets auf der Suche nach neuen Spezialitäten – ob auf der Käsemesse im piemontesischen Bra, in Lyon oder einer Alm im Allgäu. Grund genug für Birgit Böhme, sich noch mehr in den Käse zu vertiefen und die Ausbildung zur Käse-Sommelière zu absolvieren. Das Angebot hat sich herumgesprochen und die Kundschaft reist zum Teil von weit her an. Nicht nur aus dem Großraum Stuttgart, auch ein Koch aus Duisburg meldet sich Jahr für Jahr an, um den Käse kiloweise in den Ruhrpott zu fahren. Doch bei allem Renommee: »Ich möchte, dass auch Familien bei uns kaufen«, sagt Birgit Böhme. Ein Blick samstags in den Laden zeigt: So ist es.

In der Herrenberger Schulstraße gibt es noch mehr an Genuss – beispielsweise gegenüber in der Alten Brennerei bei ausgesuchten Weinen und Whiskys.


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Charmante Käse-Expertinnen: Martina Holzapfel (links) und Birgit Böhme

Fromagerie Holzapfel

Schulstraße 8

71083 Herrenberg

07032 930950

www.fromagerie-holzapfel.de

7 Ein Fole und seine Gnome
Herrenberg: Narrenumzug durch die Altstadtgassen

»Fole, Fole – komm ond hol me«, tönt an jedem Faschingsdienstag der Schlachtruf der Ersten Herrenberger Narrenzunft durch die Herrenberger Altstadtgassen. Alljährlich stellt der Verein einen Fasnetsumzug auf die Beine, der sich wahrlich sehen lassen kann. Über 2.500 Hästräger in über 70 Gruppen zählte man im Jahr 2016, und das im 20. Jahr nach Gründung des Vereins. Dabei war die Stadt am Rande des Schönbuchs ursprünglich gar keine Fasnetshochburg.

Dass der Fole und seine Gnome nun jedes Jahr zwischen 15.000 und 20.000 begeisterte Zuschauer aus nah und fern in Feierlaune versetzen, ist einer Handvoll junger Männer zu verdanken. Die saßen 1996 bei launigem Bier und allerlei Schabernack im Kopf auf dem Herrenberger Schlossberg zusammen, sinnierten über närrisches Treiben und konstatierten: Herrenberg braucht eine eigene Narrenzunft. Auf der Suche nach einer würdigen Zunftmaske stießen sie in den Herrenberger Geschichtsbüchern auf einen Waldschütz mit Namen Fole. Dieser sei Anfang des 18. Jahrhunderts für die Hege und Pflege des Stadtwaldes zuständig gewesen. Aber als er feststellen musste, dass die Bäume auf der Gemarkung des Kuppinger Waldes größer, schöner und grüner waren, versetzte er kurzerhand den Grenzstein. Das betrügerische Tun wurde allerdings entdeckt und die Kuppinger brachten Fole vor die Herrenberger Ratsherren. Schmach und Schande waren für den Waldschütz zu viel und er wählte den Freitod im Stadtwald. Der Sage nach ereigneten sich danach furchterregende Dinge dort und seltsame Erscheinungen trieben ihr Unwesen. Der Fole sei es gewesen, zusammen mit seinen Gnomen.

Auf allerlei Schelmereien muss sich denn auch das Publikum am Umzug einstellen: Den Hästrägern bereitet es diebische Freude, Zuschauer zum Beispiel ein Stück des Wegs mitzuziehen, mit Konfetti zu beregnen oder ihnen die Schnürsenkel aufzuknoten.

Am Faschingsdienstag herrscht Ausnahmezustand in Herrenberg. Vor allem auch in den vielen Lokalen der Altstadt. Dort hockt man dicht und gerne zusammen.


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Narrenumzug durch die Altstadt

(Faschingsdienstag)

Rund um den Marktplatz

71083 Herrenberg


1. Narrenzunft Herrnberg e. V.

c/o Sandra Buehler

Belchenweg 2

71134 Aidlingen

www.erste-narrenzunft-herrenberg.de

8 Gerne zu Gast
Herrenberg: Hotel Hasen

Sieben Gulden musste ein Henker für seine Mahlzeit plus einer anschließenden Nächtigung auf den Tisch legen. Das war anno 1271 und ist so dokumentiert im Herrenberger Stadtarchiv. Was zeigt, dass im Wirtshaus am Hasenplatz schon im Mittelalter gezecht und gebechert wurde. Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Hasen dann im Jahre 1620. Heute ist das Ringhotel Hasen ein traditionsreiches, familiengeführtes Viersternehaus.

Henkersmahlzeiten gibt es bei den Geschwistern Margrit, Arnold und Gerhard Nölly freilich keine. Vielmehr verspricht die feine – und immer fest im Fokus stehende – regionale und saisonale Küche einen Gaumenschmaus, bei dem man gerne wiederkommt. Dafür sorgt Küchenchef Gerhard Nölly. Zum Beispiel mit dem Heimat-Genuss-Menü: Da kommt die »Geschmelzte Maultasche in der Brüh« vorweg, gefolgt vom »Duo vom Rind« – einem Rinderfilet und geschmortem Bäckle, Selleriepüree, breiten Bohnen, gebackenen Zwiebeln und Dauphine-Kartoffeln. Süß krönen dann die Apfelküchle mit Vanilleeis, Zimtzucker und Sahnetupfer den Abschluss der Mahlzeit. Die natürlich begleitet werden muss von einem guten Tropfen. Das ist das Augenmerk von Arnold Nölly, zertifizierter wie ausgezeichneter Sommelier. 85 Plätze finden sich im Restaurant und weitere 60 Plätze in der Tessiner Grotte, einem urig-gemütlichen Kellergewölbe. Darüber hinaus beherbergt der Hasen noch Räumlichkeiten für Veranstaltungen wie Hochzeiten, Firmenfeiern, Tagungen et cetera.

Das Hotel, die Domäne von Margrit Nölly, wurde 2016 komplett renoviert. Mit 66 Zimmern und 108 Betten findet man daher eine ansprechende Herberge direkt in der Altstadt. Gut essen kann man im Hasen von mittags bis spätabends mit durchgehend warmer Küche. Und im Sommer lädt der lauschige Biergarten mit den schattenspendenden Kastanienbäumen zum gemütlichen Verweilen ein.

Vom Hasenplatz einen Katzensprung weit weg ist das Herrenberger Naturfreibad. Sandstrand, Wasserfall und Sprungturm versprechen im Sommer Badespaß pur!


8

Hotel Gasthof Hasen GmbH

Hasenplatz 6

71083 Herrenberg

07032 2040

www.hasen.de

Naturfreibad Herrenberg

Längenholz 4

71083 Herrenberg

07032 2018919

www.naturfreibad.herrenberg.de

9 In den oberen Stockwerken des Waldes
Herrenberg: Waldseilgarten Herrenberg

Der Weg könnte einfacher sein. Auf Seilen, Leitern oder auf schwankenden Trittbrettern geht es durch die oberen Stockwerke des Waldes. Doch dies ist der Reiz hier im Herrenberger Waldseilgarten auf dem Alten Rain, ein paar Schritte vom Naturfreundehaus entfernt. An über 50 Kletterelementen und unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden können sich die Klettermaxen, nach allen Regeln der alpinen Sicherungstechnik angeleint, an dem Abenteuer von Höhe und Geschicklichkeit versuchen. Spaß und Mutprobe zugleich für Familien, Individualisten oder auch Gruppen in Höhen zwischen vier und 13 Metern. Der Parcours für Kinder ab drei Jahren bewegt sich in Höhen von bis zu eineinhalb Metern. Kinder im Alter von sechs und sieben Jahren dürfen in Begleitung von zwei Erwachsenen schon mit ganz nach oben.

Dort wartet eine Herausforderung, um das Mütchen zu kühlen: der Power Fan. Von der 13 Meter hohen Plattform geht es im nicht ganz freien Fall hinab. Auch wenn der Nervenkitzel abgesichert ist, es bedarf schon an Überwindung, den Schritt ins Leere zu tun und der Schwerkraft zu folgen. Einen Kick verspricht auch das Nachtklettern: Nach Einbruch der Dunkelheit werden die beleuchteten Parcours im Schattenspiel der Bäume bewältigt. Gemütlicher ist es beim Dinner im Baum, wo auf Plattformen in bis zu acht Metern Höhe getafelt wird – angeleint, versteht sich. Serviert wird ein Menü aus heimischen Zutaten, zubereitet vom Küchenteam des Naturfreundehauses. Für das Servieren ist der Gast selbst zuständig: Er darf sich sein Menü Gang für Gang im Körbchen nach oben ziehen.

Die Klettersaison im Herrenberger Waldseilgarten beginnt im April und endet Anfang November.


9

Waldseilgarten Herrenberg

Beim Naturfreundehaus

71083 Herrenberg

07032 201545

www.waldseilgarten-herrenberg.de

10 Wo die Röhre zur Brücke wird
Herrenberg: Der Schönbuchtunnel

»Hinterm Tunnel« – das klingt bei manchen Städtern aus Böblingen oder auch aus Sindelfingen wie »hinterm Mond«. Denn spätestens hinter dem Schönbuchtunnel wechselt der Landkreis Böblingen in seinem Südzipfel seinen Charakter – hier gilt der Alltag als ländlich geprägt, auch wenn in den Gewerbegebieten bisweilen ebenfalls große Hallen von Industrie- oder Logistikunternehmen aus der fruchtbaren Gäulandschaft emporragen. Die Ackerflächen waren einst die Kornkammer des Landes.

Von hier, hinterm Tunnel, ist es nur eine knappe Stunde bis in die Schweiz. Die Tangenziale Ovest bei Mailand, Wegmarke zu den Sehnsuchtsorten vieler Urlauber, ist von hier gerade mal viereinhalb Stunden entfernt. Doch nicht nur deshalb kommen die Städter gerne hinter den Tunnel. Hier lockt im Oberen Gäu so mancher Mostbesen nach der Fahrradtour, öffnet sich das Ammertal zum Ausflug in den Schönbuch und bildet die blaue Kette der Alb den Horizont. Alles nicht so ganz weit entfernt und obendrein mit einem hohen Potenzial an Freizeitvergnügen.

1978 wurde die Autobahn A 81 mit ihrem rund 625 Meter langen Tunnel durch den Westausläufer des Schönbuchs gegraben. Seit 2016 ist der Tunnel sicherheitstechnisch wieder auf neuestem Stand – was dennoch wenig daran ändert, dass bei Staus nach Unfällen im weiteren Verlauf der A 81 entnervte Autofahrer durch Herrenberg und den Schönbuch irren.

Nicht nur durch den Tunnel führt eine wichtige Verkehrsachse, sondern auch oben drüber. Einerseits für Menschen, die vom Parkplatz am Herrenberger Waldfriedhof aus Erholung suchen. Andererseits führt hier ein Wildtierkorridor entlang, der Wildkatzen, Rehen und anderen Tieren des Waldes einen Wechsel vom Nordschwarzwald in Richtung Schwäbische Alb ermöglichen soll: Eine Autobahn-

Brücke für Tiere – ein netter Gedanke.

Bei Staus vor allem in Richtung Stuttgart vor dem Tunnel viel Geduld mitbringen oder frühzeitig die Autobahn verlassen und das Ganze weiträumig umfahren.


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Schönbuchtunnel

A81 zwischen der Anschlussstelle 71083 Herrenberg und dem Rasthof Schönbuch


11 Flottes Volk
Gärtringen-Rohrau: Imkerei Minak

Um eine Jahresausbeute von 20 Kilogramm Honig zu erlangen, müssen gut 40.000 Bienen über die warmen Monate ausschwärmen. In sonnenfreundlichen Jahren kann der Ertrag sogar auf 70 Kilogramm anwachsen. Ein flottes Volk also, die Bienen. Schlechte Erträge gibt es in regenreichen Jahren: »Dann«, so Winfried Minak, »fliegen die Bienen nicht.«

Minak hat ein Händchen für die fleißigen Insekten. Er hat nicht nur eine eigene Imkerei, sondern ist zudem Vorsitzender des Bienenzüchtervereins Herrenberg e. V. Gut 180 Mitglieder stark und 1.340 Bienenvölker groß ist der rührige Verein, der an der Alten Steige in Herrenberg seinen Sitz hat. Die Züchtergruppe besteht aus zehn Imkern. Weil die Nachfrage nach heimischem Honig wächst, verbucht auch die Imkerei Zulauf. So bieten die Herrenberger Bienenzüchter unter anderem Anfängerkurse in Sachen Bienenhaltung an. Einmal im Jahr lädt der Verein zum Tag der offenen Tür, und auf Anfrage gibt es Führungen für Gruppen oder Schulklassen.

Winfried Minaks Imkerei befindet sich direkt vor seiner Haustür in Gärtringen. Dort ist er Herr über 20 Völker und züchtet zudem Königinnen. Seit 1994 ist Wilfried Minak Imker. Seine Leidenschaft fürs Bienenvolk wurde ihm aber quasi schon in die Wiege gelegt: »Vater und Patenonkel waren beide Imker und ich bin mit Bienen groß geworden«, erzählt Minak. Begehrt sind seine Königinnen: »Imker aus ganz Deutschland bestellen aus meiner Zucht«, erzählt er. Begehrt ist auch sein Wissen: Neben Einführungskursen in die Imkerei gibt er zudem Aufklärung in Sachen Königinnenzucht und ist damit »weit und breit der Einzige«. Mit so viel Sachverstand und dem richtigen Händchen braucht Minak auch keine Schutzkleidung, wenn er auf Tuchfühlung mit seinen Tierchen geht. »Man muss einfach ruhig bleiben und vor allem nicht nach ihnen schlagen, dann tun sie einem nichts.«

Wild lebenden Hautflüglern bietet das artenreiche Grünland am Schönbuchrand einen idealen Lebensraum.


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Imkerei Wilfried Minak

Burgenstrasse 8c

71116 Gärtringen-Rohrau

07034 285758

www.minak.de

Bezirksbienenzüchter­verein Herrenberg e.V.

Lehrbienenstand Herrenberg, Alte Steige

71083 Herrenberg

www.bvherrenberg.de

12 Mühlen mahlen langsam
Gärtringen-Rohrau: Historische Gips- und Sandmühle

Runde um Runde dreht das Pferd in dem kleinen Häuschen, während der große, schwere Mahlstein über die Platte rumpelt und die Gesteinsbrocken nach und nach zu feinem Sand verarbeitet. Mit dabei die Rohrauer Sandmänner, die dafür sorgen, dass genügend Nachschub auf die Platte kommt und die Produktion nicht stockt. Es war eine staubige und vor allem eine harte Arbeit, der viele Rohrauer, oft neben der kleinen Landwirtschaft, seit Anfang des 19. Jahrhunderts nachgingen. »Die Unbemittelten, deren es viele gibt, bauen den östlich vom Dorf anstehenden Keupergips ab, den sie in den zwei im Ort vorhandenen Gipsmühlen mahlen und dann in der Umgegend absetzen. Einzelne gewinnen auch aus den nicht fern von den Gipsgruben gelegenen Sandsteinbrüchen weißen Stubensand, durch dessen Absatz sie sich einen spärlichen Verdienst sichern«, heißt es in einer Chronik von 1855.

Das waren Zeiten, als zum Fegen der Holzböden in den Stuben noch Sand eingestreut wurde. Nicht umsonst heißt die Schicht aus rund 200 Millionen Jahre alten Sedimenten deshalb Stubensandstein. Auch wenn der verwitterte Stein leicht zu Quarzkörnern verrieselt, so war es für die alten Rauremer, wie man die Rohrauer nennt, ein Knochenjob, das Gestein an der Steige hinauf in Richtung Hildrizhausen zu brechen, zu zerschlagen und in Brocken zur Sandmühle zu bringen.

Eine dieser Mühlen ist in Rohrau erhalten geblieben und wurde zu einem kleinen Museum ausgebaut. Neben dem Mahlgang sind unter anderem auch die Siebe noch vorhanden, durch die das feine Mahlgut vom groben getrennt wurde. Ein kleiner Videofilm ergänzt den Eindruck dieser Plackerei in alten Zeiten, die den Menschen ein kleines Zubrot ermöglichte. Gleich neben dieser Sandmühle aus dem Jahr 1799 wurde zwischenzeitlich auch eine alte Dorfschmiede eingerichtet.

In den Feuchtwiesen des Naturschutzgebietes Krebsbachaue bei Rohrau können unter anderem Kiebitze beobachtet werden.


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Rohrauer Sandmühle

Ecke Gärtringer-/ Hildrizhauser Straße

71116 Gärtringen-Rohrau

07034 923210

www.rohrau.de

13 Kirche, Speicher und Remise
Ehningen-Mauren: Hofgut Mauren

Wäre da nicht die Hochspannungsleitung, wollte man glauben, dass hier die Zeit stehen geblieben ist. Auf einer Geländekuppe des Würmtals reckt neben einem Gehölz die Pelagius-Kirche ihren aus Sandsteinen gemauerten Turm in die Höhe. Dies ist der erste Eindruck auf dem Weg von Holzgerlingen in Richtung Mauren.

Längst ist das Kirchenschiff aus dem 15. Jahrhundert seiner eigentlichen Bestimmung entzogen und dient seit fast 200 Jahren dem Hofgut als Speicher und Remise. Dennoch werden das Jahr über immer wieder Gottesdienste gefeiert, vor allem auch an Heiligabend, wenn dazu das Kirchenschiff ausgeräumt wird.

Schon in frühen Zeiten strömten die Menschen nach Mauren, um zu beten. Die Vorgängerkirche war »zur Ehre der seligen Jungfrau Maria, des Pelagius, des Erhard und zur Ehre des Heiligen Kreuzes, der Jungfrau Margaretha und anderer Heiliger« geweiht, so heißt es in einem alten Ablassbrief, und seit dem 14. Jahrhundert ein Wallfahrtsort, der mit einem jährlichen Markt verbunden war. An Mauren vorbei führte ja auch das Rheinsträßle, eine uralte Handels- und Heerstraße, die Augsburg mit dem Bistum Speyer oder auch die Handelsstädte der Bodensee-Region mit der Frankfurter Messe verband.

Der Bolai-Markt der Wallfahrtskirche ist Vergangenheit. Dafür hat der Hofladen in der Regel werktags geöffnet. Dort stehen aus eigener Produktion vor allem frische Eier, Champignons und Fleischerzeugnisse aus Mutterkuhhaltung und Schweinezucht zum Verkauf. Das Angebot wird durch Produkte anderer Landwirte ergänzt.

Gegenüber des Hofguts stehen die Grundmauern eines Renaissanceschlosses, das 1943 durch Bomben zerstört wurde. Über den Grundmauern haben sich die Besitzer, die Familie Krohmer, auf einer Stahlkonstruktion zwei Wohnkuben gebaut, die über den Mauern zu schweben scheinen – ein architektonisch reizvolles Ensemble.

Zwischen den Grundmauern des Schlosses betreibt Felix Krohmer eine kleine Weinhandlung, in der er immer wieder Verkostungen und Seminare veranstaltet.


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Hofgut Mauren

Mauren 9

71139 Ehningen-Mauren

07034 653542

www.hofgut-mauren.de

Krohmer Wein

Mauren 1

71139 Ehningen-Mauren

07034 655082

www.krohmerwein.de

14 Im alten Reich der Köhler
Hildrizhausen: Kohlweiher

Es war ein hartes Brot, das sich die Köhler einst verdienen mussten. Auch im Schönbuch qualmten die Kohlenmeiler – darauf deuten Namen wie die Tübinger Kohlplatte oder auch der Wald Kohlhau südlich von Hildrizhausen hin. Bis Ende des 18. Jahrhunderts in der Metallverarbeitung mehr und mehr Koks eingesetzt wurde, war Holzkohle der wichtigste Energielieferant, der in den Dorfschmieden, den Metall- und Glashütten die notwendigen Temperaturen erzeugen konnte, um Metall oder auch Glas zu verarbeiten. Der Energieeinsatz war groß, schon um die Holzkohle herzustellen. Rund fünf Tonnen Brennholz mussten durch den Meiler, um eine Tonne Holzkohle zu gewinnen. Damit eine Tonne Schmiedeeisen verarbeitet werden konnte, mussten wiederum sechs Tonnen Holzkohle in der Esse verglühen.

Köhler gibt es im Schönbuch keine mehr. Doch der Kohlweiher hätte ihnen bestimmt gefallen. Das 1975 angelegte Biotop erhielt seinen Namen in Anlehnung an den Kohlhau. Der Teich mit einer Wasserfläche von rund 3.200 Quadratmetern wird vom Vorderbach gespeist und bietet Wanderern die Möglichkeit, durchzuatmen und Wasservögel zu beobachten.

Der Weg zum Kohlweiher führt über den Wanderparkplatz Kohltor, der vom Kreisverkehr am Hildrizhausener Ortsende in Richtung Herrenberg zu erreichen ist. Die kleine Straße führt am Friedhof vorbei zum Waldhaus, einer sozialpädagogischen Einrichtung, und zum Wanderparkplatz. Von dort aus führt der Saufangweg in südlicher Richtung zur Lausterer Eiche und zum Vorderbach. Auf der rechten Seite liegt nun der Kohlweiher. Wer weiterspazieren möchte, folgt beispielsweise dem Saufangweg weiter ins Lindachtal bis zur Lindachspitzhütte, um auf dem Sulzbachweg zur Lausterer Eiche zurückzukehren. Von dort ist es nur noch ein Katzensprung zum Wanderparkplatz.

Werfen Sie in Hildrizhausen einen Blick auf die Nikomedes-Kirche. Sie ist sehr alt und stammt wohl aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts.


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Kohlweiher

Beim Wanderparkplatz Kohltor

Kohltorstraße

71157 Hildrizhausen

Informationen:

Rathaus Hildrizhausen

Herrenberger Straße 13

71157 Hildrizhausen

07034 93870

www.hildrizhausen.de

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Age restriction:
0+
Release date on Litres:
26 May 2021
Volume:
222 p. 171 illustrations
ISBN:
9783839268223
Publishers:
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