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Foto auf der Titelseite


Der alte August August Karl Plaumann. 1883 – 1965
Der junge August Hans August Ernst Plaumann. *1932
Aufnahme: etwa 1935/36

Hans Plaumann

Der alte und der junge August

Keine Clownsgeschichte

Engelsdorfer Verlag

Leipzig

2017

Bibliografische Information durch die Deutsche Nationalbibliothek.

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie. Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.dnb.de abrufbar.

Copyright (2017) Engelsdorfer Verlag Leipzig

Alle Rechte beim Autor

Lektorat: Dr. Malte Kerber

Hergestellt in Leipzig, Germany (EU)

www.engelsdorfer-verlag.de

Für Walli

Meiner Lebensliebe

Mutter meiner Kinder

Inhalt

Cover

Bildnachweis

Titel

Impressum

Widmung

Großvater August – ein Enkel erinnert sich

Großvater August – ein Tatmensch

Göring heißt jetzt Meier

Erst Sachsen – dann Berlin

Auch eine Fluchtgeschichte

Gitler kaput! – Berlin kaputt

Nun also: P-an-

Der falsche Waldemar

In einer Tanzschule im Herzen Berlins

In Revolution

Die Dialektik des Neuen

Autenrid

Wie der junge August das Ende Glagolitiens erlebte

Meetings

Bacillus bulgaricus

Dakia und Ovid

Nachwort oder Nach-Gedachtes

Biografische Daten des Autors

Kleine Rezepte

Popara

Mlechna Popara

Tarator

Kaffee in der Jeswe

Volksweisheiten/Sprüche/Redensarten

Hintergründe

Endnote

Großvater August – ein Enkel erinnert sich

Es heißt, der Enkel wird wie der Großvater. Das schreckte mich. Mein Großvater August hatte eine Glatze. Nicht so eine Stoppelglatze wie die Jungnazis, er war auch nicht kahlgeschoren wie die amerikanischen GIs, die im Frühjahr 1945 mit ihren stählernen Kampfmaschinen in unser Dorf einrollten. Sie hielten, jeglicher vor einem Gehöft, kletterten durch die Luken ihrer Panzer heraus, streiften die Wollmützen vom Kopf und – sie waren kahlgeschoren – alle. Und sie wollten Wasser, hielten den Dorffrauen ihre Helme entgegen, die füllten diese mit Wasser, die GIs kletterten wieder auf ihre gepanzerten Maschinen und rasierten sich. So lernte ich unsere Feinde kennen. Uns Kindern schenkten diese, vor allem die schwarzen GIs, Schokolade, Kekse, Konfitüre, alles in kleine Dosen eingeschweißt, den Frauen des Dorfes Zigaretten, Seife und Chewinggum. Dieses englische Wort für Kaugummi lernten wir wie andere schnell.


Der alte August: Polizeiwachtmeister August Karl Plaumann

Also Großvater August hatte eine Glatze, sie war glatt und blank, sah aus, als hätte er sie poliert. Bekommen hatte er sie im Krieg, im Ersten Weltkrieg. Er wurde, um dabei mitzutun, gemeiner Soldat. Der Krieg war ihm keine Badekur, neben ihm explodierte eine feindliche Granate. Der gemeine Soldat, mein späterer Großvater, stürzte in den entstandenen Granattrichter, wurde verschüttet und erst nach dem Ende der gegenseitigen von Feind und Freund geführten Kanonade vermisst und freigeschaufelt. Der Soldat August Plaumann war mit dem Schrecken und einer Glatze davongekommen.

Von wem ich das weiß? Er erzählte es mir. Und das kam so. Ich studierte damals, 1953 bis 1957, an der Hopla, der Hochschule für Planökonomie in Berlin-Karlshorst. Am 4.10.1950 gegründet als Hochschule für Planökonomie, später in Hochschule für Ökonomie „Bruno Leuschner“ umbenannt. Da ich mein Abitur 1952 an der Käthe-Kollwitz-Oberschule1*) in Prenzlauer Berg mit der Note 2 bestanden hatte, bekam ich 240 Mark Stipendium und einen Platz im Wohnheim der Hochschule. Deren Studenten vermehrten sich, nicht aber die Zimmer und Betten im Wohnheim. Alle Berliner, die können, möchten in die heimischen Gefilde wechseln, appellierte die Hochschulleitung an uns. Und ich zog zu meinem Großvater August in die Prenzlauer Allee 53. Seine zweite Ehefrau war ihm verstorben, und er behielt ihre Wohnung, zwei Zimmer, ein großes und ein kleineres, Küche, kein Bad, Toilette außerhalb, vom Treppenflur zu begehen.

Das kleine Zimmer wurde also meine Studentenbude. Um de Ecke, berlinisch gesprochen, in der Schodowiki, wieder berlinisch, geschrieben: Chodowieckistraße, gesprochen polnisch, in der Chodowetzkistraße, hatte meine Freundin, Waltraud Frisch, genannt Walli, wir heirateten 1958, ein Zimmer gemietet. Das war echt mies! Schmal wie ein Handtuch, in der einen Ecke stand ein Berliner Kachelofen, der reichte bis an die Decke, hatte aber keinen Rost. Walli musste warten, bis Kohle oder Holz verbrannt und ausgeglüht, dann erst konnte sie die Asche herausnehmen. Die Kohlen stapelte sie im Zimmer, im Winter war es am wärmsten in ihrem Bett. Walli studierte Pädagogik an der PädFak der Humboldt-Universität, also an der Pädagogischen Fakultät. Sie bekam nur ein Stipendium von 160 Mark, obwohl auf ihrem Abiturzeugnis die Note 1 ausgewiesen wurde. Das lag an ihrer sozialen Herkunft. Mutter Erna Frisch war Angestellte, und Wallis Vater war Offizier gewesen, über Frankreich abgeschossen. Der Kommodore schrieb der Witwe, ihr Mann sei den ehrenvollen Heldentod gefallen, für Führer, Volk und Vaterland. „Scheißkrieg“, sagte Walli, auch ich sagte es. Ein Onkel von mir, August, hat dem Führer und dem Volk und dem Vaterland einen Arm geopfert. Scheißkrieg!

Eines Tages hatte ich schlimme Zahnschmerzen. Es war Sonntag und mein Zahnarzt, Patulla in der Bötzowstraße, Vater eines ehemaligen Mitschülers von mir aus der Volksschule, nicht zu erreichen. Was tun? Großvater August wusste es: „Damals draußen im Feld“, ich vermutete; er meinte das Feld, dort wo die Granaten einschlugen, Menschen zerfetzten oder verschütteten, manche nannten es „Feld der Ehre“, aber wir lebten jetzt in der DDR, da war solch eine Vokabel nicht opportun. „Also draußen im Feld“, so mein Großvater, „damals, ja da kurierten wir zum Beispiel Zahnschmerzen mit Schnaps. Wir nahmen einen kräftigen Schluck Wodka, spülten ihn zum schmerzenden Zahn, betäubten ihn und hatten für einige Zeit Ruhe, bis er wieder anfing zu puckern, dann erneute Wodkatherapie.“

Als er mir dieses Rezept verriet, war es abends, sonntags, ich hatte Semesterferien, Walli hatte tagsüber mit allerhand liebreichen Zuwendungen meinen schmerzenden Zahn vergessen zu machen versucht, vergeblich, er tuckerte und tuckerte, da kam dieser Feldversuch vom Großvater August. Und er hatte auch gleich eine Halbliterflasche mitgebracht, nicht Wodka, nur Cognacverschnitt, nicht 45 Prozent, sondern nur 38. Und ich versuchte es. Und es klappte, ungefähr ½ Stunde, dann erneut ein kräftiger 38prozentiger Schluck. Und Großvater August schluckte aus Solidarität mit. Feuerwasser löst die Zunge. Das machten in ihrem Interview mit „Kongo-Müller“ meine späteren Kollegen Scheumann & Heynowski2 sich zu Nutze. Als jener, reichlich aufgefüllt mit Wermut, über seine und seiner Truppe Gräueltaten im Kongo zu plaudern begann. Unsere Unterhaltung in meiner Studierstube handelte nicht von begangenen Scheußlichkeiten. Großvater August erzählte davon, warum er aus Ostpreußen flüchten musste und nach Berlin kam. Er war damals Pferdeknecht auf einem Rittergut in Ostpreußen. Sein Vater war auch Knecht, die Mutter Magd. Die Gutsherren in Ostpreußen, oftmals adlig, langweilten sich in den langen und kältestrengen Wintermonaten. Wenige von ihnen hatten eine Wohnung in der Stadt, in die sie ausweichen konnten. Dort gab es Restaurants, Lichtspieltheater, Opern- und Konzerthäuser und manch andere Etablissements wie Nachtlokale und Bordelle.

Der Herr von Pferdeknecht August war dagegen, wie andere seines Standes auch, an die gutsherrliche Scholle gebannt. Deshalb besuchten sie sich, jetzt im Winter, auf ihren Klitschen gegenseitig, um ihre Langweil durch Wein und Schnaps in Kurzweil zu ersäufen. Die Schlittenpferde wurden vorsorglich in Ställe untergebracht, die Schlittenkutscher sich selbst überlassen. Irgendwann dann nach Mitternacht torkelten die nunmehr bis zur Halskrause vollgesoffenen Herren heran, kletterten in ihre Schlitten, wurden mit dem Pelz zugedeckt und begannen zu schnarchen. Der letzte Gutsherr war endlich verstaut, die Kutscher knallten mit der Peitsche, und los ging das wilde Pferdeschlittenrennen. Nicht so bei Knecht August. Dessen Rittergutherr wollte selbst knallen und peitschen. Er wollte dem Kutscher die Zügel aus den Händen reißen, wollte. Doch das nicht mit Knecht August! Der zog dem Erlauchten mit der Pferdepeitsche eins über den Schädel.

Wieder nüchtern, mit einer mächtigen Beule am Kopf, tobte der Gutsherr am Tag darauf wild durch das herrschaftliche Haus. Doch alles Toben und Wüten und Schreien brachten Pferdeknecht August nicht herbei. Der blieb verschwunden, den ganzen Tag, die Tage darauf, die Woche, den Monat, er wurde nie mehr in Ostpreußen gesehen.

Die Flasche des 38-Prozentigen war von uns getrunken, von mir als Medizin, von Großvater August aus Mitgefühl für mein Leiden. „Es heißt, der Enkel wird wie der Großvater“, rumorte es in mir weiter. Wie war er, mein Großvater? Er war also geflüchtet von Ostpreußen nach Berlin. Geflüchtet, weil er befürchtete, der Gutsherr werde ihn eigenhändig züchtigen oder ihn vor den Kadi schleppen. Aber wie sollte es nun weitergehen, in Berlin, in der großen Stadt, alles ungewohnt dort für ihn? Flüchtlinge haben eines gemeinsam: Wenn die Angst oder die Euphorie verflogen, setzt wieder das normale Denken ein: „Wozu hast du gesunde Beine? Vor der Polizei oder deinen Widersachern wegzulaufen! Wozu hast du gesunde Hände und Arme? Um zu arbeiten!“

Mein zukünftiger Großvater brauchte Arbeit. Gelernt hatte er. Ja, was eigentlich? Mit Pferden umzugehen, Kutscher also war er. Und als solcher fing er in der Wäscherei Seefeld in Köpenick an, als Kutscher. Die zu waschende Wäsche kutschierte er von den Filialen der Wäscherei in Berlin nach Köpenick und die gewaschene wieder retour zu den Filialen in Berlin.

Und auch das haben die Flüchtenden damals wie heute gemeinsam, sie bleiben nicht lange allein. Mein zukünftiger Großvater schrieb seiner Braut Auguste, sie solle zu ihm nach Berlin kommen, er stehe in Arbeit, und auch eine Unterkunft für beide sei da. Und sie kam, in der Belforter Straße war neben anderen Dialekten nun auch das Ostpreußische Plattdeutsch zu hören.

Die 31. Volksschule für Knaben stand in der Pasteurstraße. In sie wurde ich Ostern 1939 eingeschult. Großvater August wohnte mit Auguste, meiner Großmutter, auch in der Pasteurstraße, Nr. 38, im Vorderhaus, im obersten Stockwerk, dem vierten. Seine Kinder, also mein Vater Erich, meine Tante Erna und mein Onkel August, waren alle schon sehr erwachsen, hatten geheiratet, Kinder gezeugt, nur Onkel August hatte aus all dem sich herausgehalten. Er war mehrmals verlobt, z. B. mit der Tochter des schwerreichen Zigarren-und Zigarettenhändlers, der eines seiner Geschäftsfilialen im Parterre des Hauses Pasteurstraße 38 betrieb.

Der Zigarrenhändler war eine imposante Person, er trug einen grauschwarzen Mantel mit Pelzkragen, einen Hut auf dem Kopf, und einen Stock mit Elfenbeinknauf schwenkte er in der linken Hand. Er hatte ein großes schwarzes Sechs-Personen-Automobil, eine Villa mit einem riesigen Garten in einem Villenvorort Berlins. Eines Sonntags fuhr die Zigarrenhändlerfamilie zur Villa. Onkel August als Verlobter der Tochter gehörte quasi dazu, und mich hatten sie als kleinen Anstands-Wauwau mit eingeladen. Mir gefiel die Fahrt in dem großen schwarzen Sechs-Personen-Automobil, zumal es meine erste Autofahrt war.

Der Garten imponierte mir nicht, unser Schrebergarten in der Wehlauer Straße war viel kleiner, aber er hatte Obstbäume, Birnen, Äpfel, Kirschen, und der von Großvater August in der Kniprodestraße erst recht. Warum Onkel August die Zigarrenhändlertochter dennoch nicht heiratete? Ich weiß es nicht, vielleicht hatte er nicht den richtigen Stallgeruch.

Wenn ich morgens zur Schule trabte und nach Schulschluss wieder zurück zu unserer Wohnung, Hufelandstraße 30, kam ich an der Nummer 38 in der Pasteurstraße vorbei. Auf dem Balkon stand meine Großmutter Auguste, winkte mir zu und rief: „Kumm ruff, hab wat Scheenes zu essen!“

Die Mehrzahl meiner Klassenkameraden wohnte im Hinterhaus, also im Quer- oder im Seitenflügel. Wir wohnten im Quergebäude, im 1. Stock. Die Wohnung gehörte der alten Oma, sie war die Adoptivmutter meiner Mutter. Wir nannten sie alte Oma, weil die andere Oma die jüngere Oma war. Wir waren quasi Untermieter der alten Oma. Davor waren wir Laubenpieper. Und das kam so.

Jung-Erich, der später mein Vater wurde, war kein Kraftprotz. Im Gegenteil, er war schmächtig, nicht groß, anfällig gegen Krankheiten. Das macht die Berliner Luft, meinte sein Vater August, dem fehlt Landluft, der muss zu den Großeltern nach Ostpreußen. Und so erfuhr Jung-Erich, dass Landluft nach Kuh und Pferd roch, seine stadtgeschwächten Lungen gesundeten und er über die Stoppelfelder barfüßig laufen lernte und bald auch ostpreußelte. Nicht Landflucht, sondern Stadtflucht war zukünftig sein Panier.

Was den Stadtmenschen heute ihre Datsche, das war Jung-Vater Erich sein Traum von einer Klitsche am Stadtrand von Berlin. Nur das Geld dafür fehlte. Es reichte nur für die Pacht einer Parzelle in einer Laubenkolonie. Und die fand er in der Wehlauer Straße in Prenzlauer Berg, neben der dortigen Volksschule. Wir wohnten dort sommers wie winters. Geheizt wurde in der Küche mit einem Petroleum fressenden Ofen. Schlaf- und Wohnstube profitierten, gemäß dem physikalischen Gesetz, was an aufgewärmter Luft in sie einströmte. Bruder Kalle und ich, wir waren es zufrieden, mit dem Leben dort in Natur. Schulpflichtig waren wir noch nicht, und so suchten wir uns an jedem Tag unsere kleinen Abenteuer.

Vater Erich radelte morgens zur Fabrik, und Mutter Irmgard wurde Zeitungszustellerin, um das vom Vater zugeteilte Haushaltsgeld aufzubessern. Denn Vater musste zwar als Bügler in einer der Schneiderfabriken am Moritzplatz in Berlin Mitte schwer schuften, wurde aber dafür nur leicht entlohnt.

Jeden morgen früh um fünf Uhr warf der Zeitungszubringer, das waren Radfahrer, die auf ihrem Gepäckträger einen riesigen Turm Zeitungen von der Ausgabestelle im Mosse-Zeitungshaus in Mitte zu den Zeitungszustellerinnen ausfuhren, den für meine Mutter bestimmten Zeitungspacken über das Tor zur Laubenkolonie.

Und dann gingen wir, meine Mutter und ich als ihr Ältester, Bruder Karl, drei Jahre jünger, durfte weiter schlafen, auf Tour, wie sie das nannte. Den schweren Zeitungspacken beförderten wir in Kalles Kinderwagen. Die Laubenpieper, so nannten die Berliner diese ihre Mitbürger, die in zumeist aus Brettern gezimmerten Lauben wohnten, waren zu dieser frühen Morgenstunde bereits zugange. Wir konnten es daran erkennen, dass nach und nach, erst da und dann dort, in den Behausungen das Licht angeknipst wurde. Für uns Zeitungsausträger hieß das, rechtzeitig die abonnierte Zeitung in den Kasten zu stecken oder wenn´s diesen nicht gab, über den Zaun zu werfen.

Kamen wir nach unserer Tour nach Hause, war mein Vater bereits mit dem Rad unterwegs zur Knochenschinderei am Moritzplatz. Ja, ich wollte trotz des Grauens vor dem frühen Aufstehen später zur Zeitung. Nicht als Zusteller oder Zeitungsausfahrer, sondern als Redakteur. Doch das ist eine andere Geschichte, die hat ebenfalls mit Großvater August zu tun.

Für meinen jüngeren Bruder Karl, sein Leben lang Kalle gerufen, und für mich war das sommerliche Leben auf unserem Familiengrundstück mit der Laube in der Wehlauer Straße immer wieder ausgefüllt mit kleinen Abenteuern. So hatte unsere Mutter eines Morgens ein Huhn eingefangen, eines aus unserer „Hühnerflottille“. Die Hühner liefen frei im Garten umher, pickten die Regenwürmer auf und anderes, was sie verdauen konnten, legten täglich Eier, wurden auch dann und wann geschlachtet, wie jetzt von unserer Mutter. Sie köpfte das Huhn, doch es glitt ihr aus der Hand und sprang im Garten umher. Ohne Kopf!


Beim Frühstück vor der Hütte im Schrebergarten in der Laubenkolonie Wehlauer Straße/Berlin-Prenzlauer Berg. Rechts der junge August: Hans August Ernst Plaumann, links sein Bruder Karl, genannt Kalle. Aufnahme: wahrscheinlich 1938.

Neben der Hütte befand sich ein großer und tiefer und geräumiger Keller, in das Erdreich von unserem Vorgänger gegraben. Wahrscheinlich diente er als Kohlenkeller. Er war überdacht und auf einer Leiter konnte man nach unten gelangen. Eines Sonntags kamen Tante Lucie, Onkel Max und Tochter Eva zu Besuch. Als sie sich abends verabschiedeten, blieb Onkel Max bei uns. Später, nach dem Krieg erzählte mir meine Mutter, Onkel Max hätte dort in dem Erdbunker ein paar Nächte geschlafen. Tagsüber war er bei Frau und Tochter im Haus des „Nussbaum“, das war ein Restaurant in Mitte, dort hatte Familie Selten eine Ein-Zimmer-Wohnung. Onkel Max war zu dieser Zeit aus dem Zuchthaus entlassen worden. Er war Jude und KPDler, die Nazis hatten ihn verhaftet und eingesperrt. Da er aber eine arische Ehefrau und eine Tochter hatte, die nach arischer Rasseneinteilung Halbjüdin war, wurde er befristet freigelassen. Mit der Auflage, sich täglich auf dem Polizeirevier zu melden. Tagsüber glaubte Max sich einigermaßen sicher, nachts aber fürchtete er sich vor „alten Kameraden“. Deshalb also sein nächtlicher Aufenthalt in unserem Schrebergartenverlies.

Großvater August – ein Tatmensch

Mein Großvater August war ein Tatmensch, abhold jeglichem Müßiggang. Tatmenschen können ihre Mitmenschen auch nerven. Meine Cousine Hannelore schrieb darüber in ihren Erinnerungen an ihre Mutter Erna Habermann, meine Tante.

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Vom 1. April 1927 bis zum 30. September 1930 absolvierte Erna eine Damenschneider-Lehre bei Damenschneidermeister Emma Beckmann. Erich hatte eine Herrenschneider-Lehre gemacht, während August zum Kürschner ausgebildet wurde. Ihr Vater hätte es gern gesehen, eine Werkstatt mit seinen Kindern zu eröffnen, bei der er der Chef wäre und seine Kinder die Arbeit zu absolvieren hätten. Dazu ist es aber nicht gekommen. Die Kinder sind ihre eigenen Wege gegangen. Bei der Geburt unserer Mutter soll sich ihr Vater alle Knöpfe seiner Uniform abgerissen haben, vor Wut darüber, dass es kein Junge war. Unser Großvater stirbt am 18. Oktober. 1965 an den Folgen eines zweiten Schlaganfalls (den ersten hatte er bereits im Alter von 58 Jahren). Er kann nicht mehr die Geburt seines ersten Urenkels Daniel erleben (Enkel des Erich Plaumann und Sohn des Hans Plaumann), der am 29. November 1965 geboren wird. Da er immer sehr viel Wert auf männliche Nachkommen legte, hätte ihm diese Geburt sehr viel Freude bereitet.

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So war er auch, der Großvater August. Als unsere Tochter Aenne geboren wurde, meinte er, wenn Änne, dann aber mit Ae, also Aenne, so wie das Aennchen von Tharau im Lied aus Ostpreußen.

Sein Versuch der „Selbstausbeutung“ scheiterte, zum Glück für seine Kinder. Er aber gab nicht auf in seinem Tatendrang. Er wollte Beamter werden, aufsteigen, mehr sein als nur Kutscher. Er wurde angenommen bei der Schutzpolizei als Anwärter. Er hatte weder ein Gymnasium noch eine Polytechnische Oberschule besucht. Er hatte kein Abitur. Er war ein Klippschüler. Er kannte nicht Lenins Forderung: Lernen, lernen und nochmals lernen! Aber er tat es und büffelte. Er übergab mir später, als ich Pennäler der Blücher-Oberschule für Jungen wurde, ein Mathebuch für den mittleren Polizeidienst.

Er forderte mich immer wieder auf:

„Lerne, lerne mein Junge, du musst studieren!“

Nachdem sein Plan mit der Schneidermanufaktur gescheitert war, wollte er einen Akademiker in seiner Familie haben, und der sollte ich sein, Arzt. „Ärzte werden immer gebraucht, ob im Kaiserreich, in der Weimarer Republik oder jetzt unter Hitler“, meinte mein Großvater. Doch Blut konnte ich nicht sehen. „Dann eben Rechtsanwalt“, meinte mein Großvater. „So lange Eigentum in welcher Form auch immer existiert und herrscht, werden die Menschen streiten, rauben, morden, falsch´ Zeugnis reden“, meinte mein Großvater.

Nur: Paragrafen pauken und schwarze Roben tragen, das war nicht mein Ding! Ich wollte Journalist werden. Und dafür war nun wieder meine Mutter verantwortlich. Siehe: oben. Studieren, wie Großvater August es forderte, das fand ich schon in Ordnung.

Großvater August war Beamter geworden, vom Streifenpolizisten hatte er es mit „Lernen, lernen und nochmals lernen!“ sogar zum Revierbeamten geschafft, der auch orthografisch firm sein musste. Und er liebte die Uniform. Ich habe später lange darüber nachgedacht, warum mein Großvater sich so gerne in Uniform abbilden ließ. Er, der Aufmüpfige gegen einen Vertreter von Macht und Militär. Gutsherren waren Teil der Macht und des Militärs nicht nur in Ostpreußen. Warum nur fühlte mein Großvater sich wohl in einer solchen Tracht der Macht?

Ich denke: Diese von Generation zu Generation immer als Knechte der Reichen und Besitzenden Gebrandmarkten fühlten sich mit der Uniform frei, glaubten sich damit den sie Beherrschenden als Uniformträger gleich. Welch ein Irrglaube! Erstens waren sie nur „Kanonenfutter“ für die Machtherren, und zweiten waren sie weiterhin nur Dienende. Uniformiert mussten sie tun, was ihnen befohlen wurde – auch sterben, geschönt als „Sterben für Kaiser oder Führer, für Volk und Vaterland!“


Die Männer vor dem jungen August

Onkel Walter Habermann, Onkel August Plaumann, Großvater August Karl Plaumann, Vater Erich Plaumann. (Von links nach rechts.) Aufnahme: wahrscheinlich 1941.

Da strahlt er, der Polizeimeister der Schutzpolizei, zum Polizeioffizier hatte er es nicht geschafft, da war die NSDAP davor, in die sollte er eintreten. Er trat nicht ein, er war Mitglied der Bekennenden Kirche, so wie sein Freund Otto Pfitzner, ein Notar. Großvater Augusts Held und „Führer“ war der Feldmarschall Mackensen3.

Mackensen also:

Ein Husarengeneral, der den „Führer“ nicht liebte. Dieser war als Gefreiter nicht fähig, einen Krieg ordentlich und siegreich zu führen. So dachte wohl der Großvater August. Und das Bild von dem Generalfeldmarschall hing im Wohnzimmer über der Anrichte.


Generalfeldmarschall Anton Ludwig Friedrich August von Mackensen

Unübersehbar! 1941 bekam Großvater August einen Schlaganfall. Er war 58 Jahre alt. Sein Revier schickte ihn zur Genesung nach Bad Gastein, danach lebte er als „Vorpensionär“ zu Hause und piekte kleine Fähnchen in die Landkarte, die er unter dem Bild seines Idols auf die Wohnzimmer-Tapetenwand genagelt hatte. Mit den Fähnchen markierte er den Vormarsch der Wehrmacht in Russland, die der Nachrichtensprecher im Radio mit markiger Stimme vermeldete. Da glänzten Großvaters Augen.

Sorge hatten er und Großmutter allerdings, dass es auch ihre Söhne Erich und August im Krieg erwischen könnte. Als dann vor Stalingrad Schluss war mit Vormarsch und Sieg und der Rückzug begann, Begradigung der Front genannt, da behaupteten nach dem Krieg viele der so genannten Volksgenossen: Das musste ja so kommen, das haben wir von Anfang an gewusst, dass der Adolf das nicht schafft!

Da fragte ich Großvater August: „Was hat denn Hitler nicht geschafft?“ Keine ausreichende Antwort. Ich nehme ihm das nicht übel, heute will keiner den Nazis zugejubelt haben, heute will keiner in der NSDAP, in der SA oder gar in der SS gewesen sein. Ich maße mir kein Urteil an, will und kann auch nicht ihre Haltung von damals mit dem Wissen von heute messen. Aber den Mut, sich zu ihrem Verhalten damals zu bekennen, sollten sie doch aufbringen. Oder?

Krieg zu Ende – „Gitler kaput!“ –, wie ein Rotarmist uns sagte, als er mit seinem Panjewägelchen und dem klapprigen Pferdchen davor in Kolonne in unser Dorf Granschütz ankam. Das war im Frühjahr 1945. Die GIs zogen ab, und die „Russen“ zogen ein in Sachsen-Anhalt. Wir, unsere Mutter, Kalle, Traudi und Ebi – die Zwillinge – und ich, wir wurden als „Flüchtlinge“ aus dem Osten von Familie Braunschweig aufgenommen. Vater Braunschweig war Betriebsmaurer in der Farbenfabrik im benachbarten Dorf Webau, und Mutter Braunschweig führte das Regime im Haus. Rief nacheinander alle Kindernamen, unsere vier und dazu ihre zwei, die noch zu Hause lebten, Ilse und Harry, bis es den richtigen traf, den sie meinte.

Das Haus war ein Genossenschaftsbau, gehörte den Braunschweigs, gebaut in mehreren Jahren. Unten war das Wohnzimmer, nach hinten schloss sich die Küche an, und danach gab es einen Hühner-Karnickel-Stall. Im oberen Stockwerk gab es noch ein Zimmer, das bewohnten wir fünf, und noch zwei kleine Kammern für Ilse und Harry. Die hintere Haustür führte zum Gemüsegarten, und dahinter erstreckte sich weites Niemandsland. Dachte ich. Es war ein wenig hügelig und von den Stellungen der Flakgeschütze durchlöchert. Die Kanonen hatten sie abgeholt, und nur da und dort fanden Kalle und ich und die anderen Jungen aus der Siedlung die Brennstäbe, mit denen die Kanoniere die Flakgeschosse abfeuerten. Wir bastelten daraus Raketen, wir klauten von Vater Braunschweig, die anderen von ihren Vätern, Karbid, der für die Stalllaternen gelagert wurde, steckten ihn in leere Bierflaschen, füllten Wasser dazu und die Brennstäbe. Das in der Flasche sich entwickelnde Gas entzündete sich, und mit einem gewaltigen Krach, der die Flaschen sprengte, schossen die Flaschen mit einem breiten Flammenschweif hinter sich in den blauen Frühlingshimmel.

Was für ein herrliches Spiel für uns, und wie gefährlich, tadelten uns die Erwachsenen. Wir spielten Krieg, der wohl immer noch so nah war.

Göring heißt jetzt Meier

Als die Käthe-Kollwitz-Schule noch nicht Käthe-Kollwitz-Schule hieß, sondern Blücher-Oberschule4 und eine Bildungseinrichtung nur für Jungen war, wurde ich im Frühjahr 1943 dort in die 1. Klasse aufgenommen. Um aufgenommen zu werden, musste meine Mutter mich dem Rektor vorstellen. Das war damals Schulleiter i.V. Spindler, später Oberstudienrat Spindler, mein Biolehrer, genannt Spinne oder auch Bobbi. Bobbi – so hieß der Gorilla im Berliner Naturkundemuseum. Und ich wurde nach eingehender Befragung durch den Rektor in die 1. Klasse der Blücher-Oberschule für Jungen eingeschult.

Der Krieg dauerte, und die Bomben auf Berlin fielen immer öfter. Die Berliner nannten Göring jetzt Meier, denn so wollte der heißen, sollte auch nur eine einzige Bombe über Berlin abgeworfen werden. Wir wohnten damals in der Hufelandstraße 30, im Quergebäude, unsere Anderthalb-Zimmer-Wohnung hatte ihre Fenster zum zweiten Hof hinaus, und der grenzte an ein Hinterhaus in der Allensteiner Straße. Dort im Vorderhaus wohnte ein Spielkamerad von mir. Sein Vater betrieb einen Zwischenhandel mit Zutaten für Konditoreien und Bäckereien. Mein Spielkamerad versorgte uns, seine Spielkameraden, mit Marzipanstangen. Und dieser so großzügig handelnde Mensch wurde ein Opfer der ersten Luftmine, die über Berlin abgeworfen wurde. Die traf genau das Haus in der Allensteiner Straße, das an unseren zweiten Hof angrenzte.

Die Bewohner des gebombten Hauses saßen vorschriftsmäßig im Luftschutzkeller, die Luftmine zerriss die Hauptwasserleitung, der Keller wurde überflutet, die festverriegelten metallenen Luftschutzkellertüren verkeilten sich, die Bewohner des Hauses in der Allensteiner Straße ertranken. Granatsplitter in allen Größen zu sammeln und untereinander zu tauschen, das war damals für uns Knaben „in“, würde man heute sagen, für mich war das nach dem Bombentod meines Spielkameraden „out“.

Göring hieß weiterhin Meier, und die Bomben auf Berlin wurden immer mehr und immer größer. Und so ordnete die Schulbehörde im Prenzlauer Berg an, dass unsere Schule, im Zuge der seit einem Jahr praktizierten Kinderlandverschickung, in den Warthegau, einen von Deutschland okkupierten Teil Polens, umgesiedelt werden muss. Wir Schüler selbstverständlich mit.

Meiner Mutter war´s recht. Unseren Vater hatte das Vaterland an die Ostfront geschickt, mitzuwirken am vom deutschen Vaterland begonnenen Überfall auf die Sowjetunion. Mit den Zwillingen, 1940 geboren, konnte sie bei ihrer Tante in Liegnitz im Zuge der so genannten Evakuierung unterkommen. Reisen hat für Angehörige der „Unterschichten“ schon immer seinen besonderen Preis gehabt. Das Geld für eine Fahrkarte nach Liegnitz hätte sie im Frieden niemals gehabt. Und den Bruder Kalle hatte die KLV nach Ostpreußen reisen lassen.

Wir Blücher-Schüler sollten nach Litzmannstadt, dem polnischen Lodz, evakuiert werden, doch wir landeten in Kalisch. Kalisch? Wohin hatte es uns da verschlagen? Das schlaue Lexikon gab mir später noch einmal nähere Auskunft5:

Kalisz. Mittelpolnische Wojewodschaft. 6.512 km2. 650.000 Einwohner. Erstreckt sich über die Niederung des Flusses Prosna in der Tiefebene von Wielkopolska.

Vorwiegend Textilindustrie. Weiterhin: Lebensmittel-, Holzindustrie, Maschinenbau, Metallverarbeitung, Musikinstrumentenherstellung. Landwirtschaft: Getreide, Kartoffeln, Zuckerrüben, Schweinemast.

Kalisz. Bezirksstadt der gleichnamigen Wojewodschaft. Älteste Stadt Polens; 87.000 Einwohner.

Textil-, Chemie-, Lebensmittelindustrie, Maschinenbau. Theater, Museum; bauhistorisch wertvolle Altstadt (vorwiegend neoklassizistisch). Franziskaner-, Bernhardinerkloster.

Wir haben damals weder das Museum noch das Theater besucht, sondern wurden auf Panjewagen von Hilfsdienstwilligen, von den Reichsdeutschen höchst verächtlich als Wasserpolacken bezeichnet, nach Kreuzweg kutschiert, einem ehemaligen polnischen Lungenheilsanatorium. Und da gefiel es uns.

Nächtens mussten wir nicht in den Luftschutzkeller, es fielen auch keine Fliegerbomben, obwohl tagsüber hin und wieder amerikanische und englische Fliegerpulks über unser Lager hinwegdonnerten, gen Osten, vielleicht die Industrie um Litzmannstadt zu bomben. Deutsch und Englisch unterrichtete uns Erstklässler in der Oberschule Dr. Feist, der meinte, Englisch sei ziemlich einfach zu erlernen: „Hau du ju du, wiss´te wie ´nen Jummischuh!“ Mein Großvater kannte ihn von der Adventskirche und bezeichnete ihn als einen strammen Nazi.

Nachmittags hatten wir frei und tobten im weitläufigen Lagergelände, spielten Völkerball, oder unser Lagermannschafts-Fähnleinführer Günter Schabowski 6 hielt uns, wir saßen dann im Karree um ihn auf der Wiese hinter dem Hauptgebäude, aufmunternde Reden vom Endsieg. Das musste er wohl, denn eines Tages tauchte der HJ-Bannführer auf. Ein „von Glasenapp“ – schicke maßgeschneiderte braune SA-Uniform, schwarze blankgeputzte Stiefel – wir mussten antreten, er ließ vom Fähnleinführer sich melden, dass wir ‚flink wie Windhunde, zäh wie Leder, hart wie Kruppstahl‘7 seien, überhaupt kerngesund und voller Siegeszuversicht.

Der Bannführer blieb über Nacht. Am nächsten Morgen hatte mich unser Fähnleinführer auserkoren, des Bannführers Stiefel zu putzen und zu wienern. Das gefiel mir gar nicht. Ich putzte und wienerte, und den Rest der Tube drückte ich ins Innere der Stiefelschäfte. Danach fühlte ich mich wohler, nicht bedenkend, dass meine „mutige Tat“ auch ins Auge hätte gehen können.

Der Winter war kalt und schneereich und die Zufuhr elektrischen Fernstroms oftmals unterbrochen. Im Keller war eine Maschine installiert, die, drehte man ihr großes seitlich angebrachtes Schwungrad, elektrischen Strom erzeugte. Und so wurden wir, besonders wir, die Jüngeren, in den Keller delegiert, um Strom zu machen. Wir taten es gern, denn da unten war es warm. Und – oho! – nicht nur das. In einer Ecke hatte die Wirtschaftsleiterin, die Ehefrau unseres Deutsch- und Geschichts- und Englischlehrers Dr. Feist, ihre Kartoffel- und Mohrrübenvorräte stapeln lassen.

Die so genannten Pferdemohrrüben, gelb, groß und süß, wurden von uns besonders bevorzugt, denn die allmorgendlichen Mehlsuppen stillten nicht unseren Hunger, auch nicht fünf und mehr volle Teller davon.

Der Winter 1943/44 war schneereich. Um dem Fähnlein- und Lagermannschaftsführer Schabo zu zeigen, dass wir schnell wie Windhunde, hart wie Kruppstahl und drahtig, ich hab´s vergessen, wie drahtig wir sein sollten, jedenfalls also, dass wir des Führers Worte verstanden und ebenso wie Krupp und die Windhunde und ja eben das andere sein wollten, rollten wir uns nach der morgendlichen Katzenwäsche mit nacktem Oberkörper auf der schneebedeckten Wiese hinter dem Haus. Das Haus hatte im Obergeschoß, mehr als dieses gab es nicht, drei Schlafräume, Saal 1 im rechten Giebel, Saal 3 im linken, und der Schlafraum 2 lag gegenüber der Treppe, war kein Saal und wurde von den älteren Schülern bewohnt, die noch nicht als Flakhelfer einberufen waren, bereit zu sein, für Volk und Führer sich totschießen zu lassen. Der Stube 2 gegenüber waren rechts von der Treppe Waschraum und Toilette, von den Zöglingen aller drei Schlafräume genutzt, und links der Treppe war die Sanitätsstelle. Als ich nachts einmal zur Toilette musste, ich hatte Durchfall, huschte aus dem Sanitätszimmer, in dem nachts die Nachtschwester Dienst tat, ein Knabe in den Schlafraum 2. Als ich nach ungefähr fünfzehn Minuten wieder retour war, dasselbe, wieder eine weißgekleidete Gestalt, die eiligst aus dem Sanitätsraum in der Stube der Älteren verschwand.

Anfangs, also im Herbst 1943, hatte ich mein Bett im Saal 1. Dort hatten wir Erstklässler tagsüber auch Unterricht. Von einem Lehrer, einem Studienrat aus der Friedrichshainer Andreas-Oberschule, behaupteten seine Schüler, die gleich wir hier in Kreuzweg gelandet waren, er habe das Wasserauto erfunden. „Spinnen“ war ein beliebter Sport, die Zeit von der Nachtruhe bis zum Einschlafen erträglicher zu machen.

Gespenstergeschichten standen hoch im Kurs, von einigen meisterhaft ausgedacht. Im Spätherbst wurde ich im Zuge einer Umorganisation – aus der Schlafstube 2 mussten einige in den Saal 1 umziehen – in den Saal 3 verlegt.

Ich hatte Glück, bekam wieder das obere Bett vom Doppelstock-Bett. Mir schräg gegenüber „wohnte“ Heinz Huth. Der spielte gern und laut und einfallsreich „feiger Verrat Badoglio“. Dieser hatte nämlich als Ministerpräsident Italiens am 3. September 1943 einen Waffenstillstand mit den Alliierten geschlossen, also mit unseren Todfeinden, den Amerikanern und Engländern und Franzosen.

Jungen im KLV-Lager: Immer hungrig und immer auf der Suche nach etwas zum Knabbern und nach Erlebnissen und Abenteuer.


Die 1. Klasse der Blücher-Oberschule aus Berlin 1943 im Kinderlandverschickungslager in Kalisch im damaligen Warthegau (Westpreußen), heute: Woiwodschaft Großpolen. Unter ihnen auch der junge August – der damals elfjährige Autor Hans Plaumann.

In den Freistunden nach Unterricht, Mittagsruhe und den Essenzeiten spielten wir im Winter im Essensaal, der dann zum Aufenthaltsraum wurde, Monopoly. Das Spielfeld und die Aktien dafür hatten selbsternannte „Insider“ gebastelt. Und wie in der realen kapitalistischen Ökonomie wurde hier im virtuellen Abklatsch gepokert, geblufft, gezockt, beschissen, betrogen, übervorteilt, bestochen, kurz geübt, was zukünftige Banker und Aktionäre so draufhaben müssen, um im realen Kapitalismus zu bestehen. Da ich dieses „Instrumentarium“ nicht so perfekt beherrschte wie einige andere Mitspieler, hatte ich das von der Bank mir zugeteilte Startkapital auch schnell und radikal verspielt.

Damals war ich darüber wütend, doch heute weiß ich es genauer, getreu dem bulgarischen Sprichwort:

Alles Schlechte hat auch was Gutes!

Schon damals also keimte in mir die abgrundtiefe Abneigung gegenüber einer Gesellschaftsordnung, in der ich heute lebe, oder auch prosaischer, damals wurde in meine Seele das Korn meiner antikapitalistischen Überzeugung gepflanzt. Später kamen noch viele Pflanzungen hinzu. Einer der wichtigsten für mich war Professor Hermann Duncker8. Er hat mit seinen Vorlesungen über dialektischen und historischen Materialismus, die ich 1948 gemeinsam mit einem Mitzögling aus dem KLV-Lager, Ingo Reschke, in der Volkshochschule in der Prenzlauer Allee besuchte, dieses damals gelegte Korn zum weiteren Wachsen gebracht.

In den Stunden nach dem Abendessen sammelten wir uns im Speisesaal und „Schabo“ las professionell aus dem Buch „Titanic: Die Tragödie eines Ozeanriesen“ oder er spielte auf dem Akkordeon, das er auf dem Tisch querlegte, so dass er tat, als spiele er Klavier. An der gegenüberliegenden Seite des Tisches saß einer von uns Zöglingen und zog und schob den Balg, um dem Akkordeon die für das Spielen benötigte Luft zuzuführen.

Im Sommer tobten wir durch die weitläufige Tannen- und Fichtenschonung vor dem Haus. Wir glaubten, Hasen zu jagen, doch fangen taten wir keinen. Oder wir holten die unter den Fichten- und Tannensetzlingen von uns versteckten Schmöker heraus, in denen Max Schraut9 von den detektivischen Leistungen seines Freundes Harald Harst berichtete. Wir hatten uns die Hefte von einer Berliner Versandfirma schicken lassen, ohne Wissen der Lehrer. Sicher war sicher! Deshalb die geheimen Verstecke in der Schonung.

Erst Sachsen – dann Berlin

Wir lebten sicher vor dem Krieg, so glaubten wir, in dem wunderschönen Haus im Wald. Nur die Briefe der Mütter von zu Hause und ihre darin beschriebenen Erlebnisse vom Krieg störten unsere Idylle. Unser Wissen über die Umwelt, die nährte sich aus gelegentlichen Ausflügen in die nächste Kreisstadt Bornhagen. Die Wirtschaftsleiterin schickte, selbstverständlich in Absprache und mit Erlaubnis des Direktors Tiedemann, kleine Gruppen von uns dorthin, um Lebensmittel und andere Wirtschaftsgüter, wie zum Beispiel Kerzen, Waschpulver, Petroleum, zu holen, die sie vorher persönlich bestellt und auch bezahlt hatte. In der Apotheke verkauften sie dunkelbraunen wunderbar süßschmeckenden Hustensaft, den tranken wir.

Auf dem Rückweg kamen wir an der Wassermühle vorbei. Das große hölzerne Mühlrad wurde vom Wasser eines kleinen Baches angetrieben. Dort, wo das Wasser, nachdem es seinen Lauf über die Mühlradschaufeln genommen hatte, wieder ins Bachbett zurückfiel, hatte es durch seinen Aufprall eine Art Bucht ausgehöhlt, groß und tief genug, dass wir an heißen Sommertagen, der Warthegau hat ein kontinentales Klima, also sehr warme Sommer und vergleichsweise kalte Winter, mit Lust und Wonne dort hineinsprangen. Ich lernte dabei schwimmen. Weiter auf unserem Weg von Bornhagen zurück nach Kreuzweg lag linker Hand das Gehöft eines polnischen Bauern. Paninetschka Pferdebuhl, ein Mitzögling, der wurde so genannt, weil er schon des Öfteren dieses Gehöft besucht hatte und einige Worte polnisch sprechen konnte.

Er nahm mich eines Tages auf dem Rückweg mit zu diesem Gehöft. Die Eingangstür war niedrig, mehr eine Pforte. Wir kamen in einen großen Raum, dieser nur wenig erhellt durch zwei kleine Fenster, links befand sich der Wohnraum, der wohl auch die Schlafstätte der Familie war, dahinter lag die Küche mit Herd und einer Handschwengelpumpe. Rechts der Eingangstür, durch einen Vorhang vom Hauptraum abgetrennt, war der Stall, dort standen eine Milchkuh und ein recht dünnes klappriges Pferd. Draußen vor und hinter der Hütte im Hof scharrten Hühner, gackerten Gänse.

Bauerngehöfte kannte ich im schlesischen Fischbach, wohin ich 1942 und 1943 im Rahmen der Kinderlandverschickung bei Klara und Hans Kroll untergekommen war. Er war Fleisch- und Trichinenbeschauer, sie führte den Haushalt, gelernt hatte sie das Handwerk einer Schneiderin. Während die Berliner Mitschüler, die bei Bauern untergebracht waren, schwer schuften mussten, wurde ich als Spielkamerad der beiden Grafenkinder vom Schloss, der Junge zehn Jahre, seine Schwester acht Jahre alt, geduldet und hin und wieder gerufen. Die Bauerngehöfte zwischen Fischbach und Krummhübel lernte ich kennen, weil mich Pflegevater Kroll auf seinen Inspektionstouren dorthin mitnahm. Die hatten stattliche Wohnhäuser, riesige Scheunen und Ställe mit mindestens zwei Pferden und mehreren Kühen, dazu Schweine und im Hof eine Heerschar von Hühnern und in einem umzäunten Garten Gänse und Enten. Allein schon der Dunghaufen mitten im Hof, riesig und im Winter in der Kälte dampfend, verriet den Reichtum dieser Bauern. Und nun diese armselige Hütte hier im Landkreis Bornhagen, im Warthegau, von Deutschland okkupiert, einst polnisches Staatsgebiet. Interessant, was hierzu der neudeutsche Brockhaus zu vermelden hat10:

Warthegau, Bessarabien. Deutsche Nachkommen der zwischen 1812 und 1842 ursprünglich im Süden Bessarabiens (heute Ukraine) angesiedelten deutschen Kolonisten (vor allem aus Schwaben und Mitteldeutschland), zumeist pietistische Protestanten. Nach dem deutsch-sowjetischen Vertrag vom 5.9.1940 Aussiedlung der etwa 93.000 Bessarabien-Deutschen und Ansiedlung im Warthegau beziehungsweise in Danzig-Westpreußen. 1945 Vertreibung.

Eine dieser umgesiedelten bessarabiendeutschen Familien wurde Nachbar von unserem polnischen Bauern. Die hatte natürlich nicht so eine mickrige Hütte, die wohnte in einem stattlichen Herrenhaus, das einem zuvor vertriebenen polnischen Gutsbesitzer gehörte, das hatte Ställe mit Rindern und Schafen und einen mit Reitpferden. Manchmal kam die bessarabiendeutsche Jungfrau mit ihrem Pferd uns im Lager Kreuzweg zu besuchen. Und nicht nur unser Fähnleinführer auch einige von uns Pimpfen durften dann auf das Reitpferd unserer bessarabiendeutschen jungen Nachbarstochter aufsitzen und eine Runde im lagereigenen Waldpark reiten.

Zu alle dem, über den altangesiedelten armen polnischen Bauern und den neuangesiedelten reichen Bessarabiendeutschen, machten wir uns weiter keinen Gedanken. Außer vielleicht Heinz Huth, dessen Eltern Kommunisten waren, wie er mir später einmal erzählte. Das war ebenso! Und kamen mir Zweifel, ob das alles rechtens sei, ob es nicht vielleicht doch auch anders bestellt sein könnte, dann dachte ich an meine eigene Familie. Vater war Schneider, war fleißig und in seinem Beruf geschickt, verdiente dennoch nur 240 Mark im Monat, kurz gesagt, wir waren arm. Viele meiner Mitschüler lebten in begüterten Familien, die konnten zum Beispiel wie die Piepers unserer Lehrerin Lipkow zu ihrem Geburtstag ein Stück Seife schenken. Und das im Krieg! Warum ist das so, fragte ich mich und immer öfter, je älter ich wurde.

Im April 1944 hieß es: „Wir fahren nach …!“ Nein, nicht nach Lodz11, sondern nach Kalisch. Zum 1. Mai sei dort ein großes Sportfest, eine Sportolympiade des gesamten Warthegaus zu Ehren … ich hab’s vergessen zu wessen Ehren. Also Kalisch oder auch richtiger: Kalisz – die Stadt, in der am 28. Februar 1813 ein preußisch-russisches Waffenbündnis beschlossen wurde mit dem Ziel, Napoleons Fremdherrschaft über Europa zu beseitigen. Weiter erfuhren wir bereits aus dem zitierten klugen Nachschlagbuch, dass Kalisz die älteste Stadt Polens ist und 87.000 Einwohner hat und einiges mehr.

Wir wurden in einem ehemaligen Fabrikgebäude untergebracht, in dem vor uns englische, französische, polnische abgeschossene Fliegerbesatzungen gefangen gehalten worden waren. Das sagte uns zwar niemand, aber wir fanden in den Blechschränken Fetzen von englischen und französischen Zeitungen, ein englisches Fliegerkäppi, leere französische Zigarettenschachteln. Abends gab es eine Art Grießbrei aus Maismehl, dazu Rhabarber und Milch. Diese Kombination hatte eine ungeheure Wirkung, nicht nur bei mir. Endlich graute der Morgen und mein Magengrimmen gab Ruh´.

Mich interessierte weder das Sportfest, noch dass in Kalisch irgendwelche Industrie vorhanden war. Ich wollte ins dortige Museum, aber dafür war keine Zeit, keine Gelegenheit, kein Interesse bei den uns anführenden HJ-Führern. Die hatten aus allen LKV-Lagern ihre Lagermannschaften in die Stadt ankarren lassen, und nun marschierten die und wir, in nach Fähnlein geordneten Marschkolonnen, vorneweg ein Musikzug mit Fanfaren, Trommeln und Landknechtspauken, durch die Straßen hin zum Stadion. Das lag in einem weiträumigen Park mit herrlich großen Bäumen, er erinnerte mich an den Friedrichshain bei mir zu Hause. Wir wohnten damals ganz in seiner Nähe in der Hufelandstraße 30. Und als ich daran so dachte, musste ich schlucken, vor Heimweh. Aber solch ein unmännliches Gefühl verging, wenn ich sah, wie uns die Straßenpassanten mit Hakenkreuzfähnchen begeistert zuwinkten. Das mussten welche von denen sein, die ich später, als ich als Korrespondent in Bonn arbeitete, von den Polen als zu Unrecht Vertriebene auf den Landsmannstreffen traf.

Für das großangekündigte Sportfest spielten wir Statisten, wurden zum Stadion befohlen, guckten zu, wie Sportskanonen hoch oder weit sprangen, schnell liefen, Speere warfen, Kugeln stießen, und das war´s auch schon für uns! Schön ordentlich sortiert marschierten wir wieder ab, in das umfunktionierte Fabrikgebäude, fassten Marschverpflegung und dann ab und zurück nach Kreuzweg! Und ich hatte doch gedacht: Oh ja! Kalisch sehen und … Nischt da! Ja, ja!

Noch vor den Sommerferien 1944 wurde ich nebst einigen anderen aus den Jahrgängen 1932/33 zu einem „Führernachwuchslehrgang“ geschickt. Der fand in einem Barackenlager weit entfernt von unserem Kreuzweg in der Nähe der Stadt Kalisch statt. Busse oder LKWs und Benzin gab´s wieder nicht, so kletterten wir denn auf Panjewagen, und die Pferdelenker machten aus der Fahrt eine Art Wettrennen. Sie droschen unbarmherzig auf die, wie mir schien, klapperdünnen Pferdchen ein. Das dämpfte nicht unerheblich meinen Spaß an der Fahrt.

Der Lehrgang dauerte zwei Wochen. Mir langte er schon nach einigen Tagen, obwohl das Essen reichhaltig war und auch schmeckte. Polnische Küche von polnischen Müttern gekocht, lecker! Der Unterricht langweilte mich. Wann und wo wurde Adolf Hitler geboren, was hat er in der Festungshaft geschrieben, was will er uns damit sagen, was will er aus Deutschland machen …? Alles Fragen, die wir beantworten sollten. Mich langweilte das, nicht weil ich etwas gegen das Pimpf-Sein hatte, sondern es war einfach uninteressant. Geländespiele, nach Karte laufen und sich orientieren, mit dem Luftdruckgewehr schießen, Fußball oder Völkerball spielen, ja das wär was, nicht aber: Wann wurde der Führer geboren und warum?

Die HJ-Führer, das waren die Lehrgangslehrer, merkten mein Desinteresse sehr bald und kommandierten mich zum Latrinensäubern mit einer Zahnbürste. Eine vollgeschissene, überquellende, stinkende Scheißbude. Ich rächte mich wenig später, als ich neben dem Lagertor die Aushängetafel unter Glas mit Propagandabildern über den siegreichen Kampf unserer Truppen ausrichten sollte. Ich klebte die Bilder verkehrt herum ein. Auch hierbei war mir nicht bewusst, welche Konsequenzen diese meine „Rache“ hätte haben können, hätte nicht der mir offenbar nachfühlende Kontroll-HJ-Führer, die falsch herum aufgehängten Bilder wieder ordentlich gerichtet.

Fast alle Lehrgangsteilnehmer wurden befördert, nur Trautmann nicht, Diedrich nicht und selbstverständlich ich nicht. Alle wir drei hatten uns der Ehre, Jungvolkführer zu sein, nicht als würdig erwiesen. Als ich später meinem Großvater August davon erzählte, meinte er, anderes habe er von einem Plaumann auch nicht erwartet. Und dann erzählte er mir seine Geschichte, weshalb und wie er aus Ostpreußen damals sich absetzte. Und ich stellte wieder einmal meine Lauscher auf.

Nach Kreuzweg zurückgekehrt, begann wieder das Einerlei des Lager- und Schullebens. Hilfreich ist es, wenn ein Zeitzeuge sich auch erinnert, an jene Zeit, die ich jetzt aus meinem Gedächtnis versuche aufleben zu lassen. Ein solcher Zeitzeuge ist mein alter Schulkamerad aus der Volksschule, der 31. für Knaben, der wie ich im Sommer 1943 in die Blücher-Oberschule für Jungen wechselte, Klaus E. Diedrich, mit Spitznamen Nibble. Er schickte mir Anfang Juli 2004 seine Erinnerungen an unsere gemeinsame Zeit in Kreuzweg. Warum wir ihm damals den Spitznamen „Nibble“ verpassten, das habe ich vergessen. Es kann schon sein, dass er häufig an etwas herumknabberte, immer auf der Suche nach etwas zum Mümmeln oder zum Nagen war. Wir waren ja damals fast immer hungrig. Wie dem auch sei, nachfolgend sein Bericht über das Leben im KLV-Lager und die Flucht aus Kreuzweg.

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Release date on Litres:
22 December 2023
Volume:
155 p. 10 illustrations
ISBN:
9783961450992
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