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Das Buch

Mediale Menschen, die „Botschaften aus dem Jenseits“ übermitteln, gibt es nicht wenige. Doch wie können wir entscheiden, was echt und wahr ist – und was Fantasie, Wunschvorstellung oder ausgedachtes Drama?

Gordon Smith warnt in seinem Buch vor Irrwegen und fordert uns auf, als Erstes unseren rastlosen eigenen Geist kennenzulernen, ihn still werden zu lassen – und erst dann „auf Empfang“ zu gehen. Erst dann sind wir offen für authentische Botschaften und heilende Energien.

Auf Basis seiner über 30-jährigen Praxis zeigt Smith, wie wir mit der „Anderen Welt“ kommunizieren, die Aura – den erweiterten Lichtkörper des Menschen – wahrnehmen und unsere medialen Fähigkeiten entfalten und vertiefen können. Nicht nur für unser eigenes Wohl, sondern zum Wohle aller, des Lebens, der Liebe.

Der Autor

Gordon Smith, geb. 1962 in Glasgow, Schottland, gilt in Großbritannien als das derzeit fähigste und treffsicherste Medium. Nach Jahren des Studiums arbeitet er seit über 30 Jahren medial. Er gibt öffentliche Demonstrationen seines Könnens, schreibt Bücher, organisiert Workshops und hat in seiner Arbeit rund um den Globus zahllose Menschen in ihrer geistigen Entwicklung inspiriert. Smith beeindruckt durch seine Natürlichkeit und Klarheit und plädiert für eine offene Zusammenarbeit von Wissenschaft und Spiritualität.

Gordon Smith

Das Medium in dir und wie du es erweckst

Übersetzt von Johanna Ellsworth


Dieses Buch ist allen großen medial Begabten und Sehern der Vergangenheit gewidmet.

Und allen, die ich persönlich kenne: Jean Primrose, Albert Best und Mary Duffy, um nur ein paar zu nennen.

Mein Rat an alle, die in ihre Fußstapfen treten, ist: Trage die Fackel immer mit Stolz und Aufrichtigkeit.

Inhaltsverzeichnis

Umschlag

Das Buch / Der Autor

Titel

Widmung

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Kapitel 1 Die Höhen und Tiefen des Geistes

Übung: Bring den Geist ins Gleichgewicht

Kapitel 2 In der Kraft sitzen

Übung: Zufriedenheit im stillen Geist

Kapitel 3 Die Arbeit in der Aura

Übung: Die aurische Energie eines anderen erfühlen

Kapitel 4 Die Visitenkarte

Übung: Suche nach der Visitenkarte

Kapitel 5 Die drei Fähigkeiten eines Mediums

Übung: Auf das Medium in dir achten

Übung: Lies die Schwingungen (richtig)

Kapitel 6 Die Arbeit im medialen Zirkel

Übung: Wenn du allein meditierst

Kapitel 7 Teile deine Gabe

Schlusswort

Der Autor

Impressum

Einleitung

Die mediale Arbeit ist Teil meines Lebens seit ich denken kann. Schon als kleines Kind war ich recht feinfühlig. So sehr, dass ich die Trauer oder den Schmerz anderer spüren konnte und ihre Freude und Glücksgefühle mich genauso beglückten wie sie. Wie ich heute leicht erkennen kann, war ich von Geburt an intuitiv und wurde oft von der Atmosphäre um mich herum beeinflusst.

Die Aufgabe eines Mediums ist es, zwischen dem irdischen Leben und dem Leben im Jenseits oder der feinstofflichen Welt zu vermitteln. Jedes Medium ist intuitiv oder übersinnlich veranlagt, doch nicht jeder medial begabte Mensch ist auch ein Medium. Im Rückblick erkenne ich deutlich, dass mein sensibles Wesen als Kind schon Teil der Entwicklung war, die zur medialen Gabe führte. Mein inneres Medium habe ich kurz vor meinem siebten Geburtstag zum ersten Mal erlebt.

Noch heute zählt dieses Erlebnis zu meinen klarsten Kindheitserinnerungen. Ich spielte damals gerade allein in unserem kleinen Vorgarten, als ich einen Mann auf der Straße sah, der auf unser Haus zukam. Er kam mir irgendwie bekannt vor. Als er näher kam, erkannte ich ihn: Er war ein Freund meiner Eltern und hatte den ungewöhnlichen Spitznamen Ummy. Ummy besuchte uns öfter, und jedes Mal brachte er uns Kindern etwas mit oder schenkte uns etwas Kleingeld, meist, wenn er beim Pferderennen gewonnen hatte. Die Rennbahn war ein wichtiger Teil seines Lebens.

Ich weiß noch, dass ich mich freute, ihn zu sehen, und dass ich auf ihn zulaufen wollte. Doch es war, als hätten meine Füße Wurzeln geschlagen. Auch erinnere ich mich daran, dass ich in einer Art Blase oder dünnen Haut steckte, die sich sicher und wie ein Traum anfühlte. Sie vibrierte auch auf eine angenehme Weise.

Wie immer lächelte Ummy mich an, und seine strahlenden Augen wirkten lebendig. Er sang leise eine Melodie, die ich noch nie zuvor gehört hatte: „Wir werden in Dalbeth begraben sein.“ Ich hatte zwar keine Ahnung, was das bedeuten sollte, aber sein fröhlicher Gesang wirkte ansteckend, und so sang ich mit.

Ich weiß nicht, wie lange er so vor mir stand, doch als er sich mit gleichmäßigen Schritten wieder in die Richtung entfernte, aus der er gekommen war, spürte ich, dass die Blase, in der ich steckte, geplatzt war. Instinktiv rannte ich ins Haus.

In der Küche stand meine Mutter vor der Spüle und schälte Kartoffeln.

„Mami, Ummy war da, Ummy war da!“, sprudelte es aufgeregt aus mir heraus.

Meine Mutter ließ Kartoffel und Messer fallen. Während ich das Liedchen „Wir werden in Dalbeth begraben sein“ sang, weiteten sich ihre Augen vor Schreck.

Gleich darauf bekam ich eine Ohrfeige und wurde angebrüllt. Ich hatte keine Ahnung, warum die gute Nachricht meine Mutter so erschreckt hatte und wütend machte.

Wie meine Mutter mir erst Jahre später sagte, hatten meine Worte und das Lied sie so schockiert, dass sie völlig ausgerastet war. Ummy war damals schon bei einem Unfall gestorben, doch meine Eltern hatten es nicht für nötig gehalten, uns Kindern das zu sagen. Auch hatten sie für seine Beerdigung aufkommen müssen und hatten so wenig Geld, dass er in einem Armengrab in einer Ecke des Dalbeth-Friedhofs außerhalb von Glasgow begraben wurde. Meine Eltern hatten beide ihren Stolz und hatten es niemandem gesagt, da sie sich dafür schämten, sich kein anständiges Grab für ihren guten Freund leisten zu können.

Ich werde oft gefragt, ob ich als Kind Angst bekam, wenn sich Geistwesen aus dem Jenseits mir zeigten. Ich habe mich jedoch nie vor ihnen gefürchtet. Die Reaktionen meiner Umwelt machten mir viel mehr zu schaffen als irgendwelche Geistwesen.

Auch wenn ich mit übersinnlichen Fähigkeiten geboren wurde, musste ich erst noch lernen, wie ich meine Gabe verfeinern und perfektionieren konnte. Ich musste herausfinden, wie sie wirkt, warum ich sie habe und wofür sie da ist.

Wenn ich mir heute die Kombination von Feinfühligkeit und die Arbeit als Medium ansehe, weiß ich, wie meine Gabe funktioniert und wie ich sie vereinfachen und zerlegen kann, um sie anderen Menschen, die ihre eigenen Fähigkeiten entwickeln wollen, besser erklären zu können.

Die meisten medial Begabten, die ich auf meinen Reisen kennenlerne, sind irgendwann auf ihrem Weg einem Lehrmeister begegnet – jemandem, der ihnen half, ihre spirituellen Fähigkeiten anzunehmen, und der ihnen zeigte, wie sie sie am besten anwenden können. Ich hatte das große Glück, schon mit Anfang zwanzig meiner Lehrmeisterin zu begegnen. Damals waren meine medialen und sensitiven Fähigkeiten durch den Tod eines Freundes wiedererweckt worden. Er war mir genauso real erschienen wie Ummy bei dem Erlebnis in meiner Kindheit. Durch diese Erfahrung lernte ich Jean Primrose kennen. Sie war eine tolle spirituelle Lehrmeisterin, die mich unter ihre Fittiche nahm und mir die einfachen Werte und den Moralkodex vermittelte, die ich brauchte, um meine Gabe zum Nutzen anderer auf der ganzen Welt anzuwenden.

Das Großartige an Mrs. Primrose war, dass sie ihren Schülern die Grundlage für ihre Weiterentwicklung gab. Ihre Lehren waren schlicht und klar, und alle im Unterricht mussten zuerst an sich arbeiten, bevor sie ihre Gedanken auf die feinstoffliche Welt ausdehnen durften. Sie wollte, dass uns allen klar wurde, wie viel von dem, was in unserem Kopf vorging, von uns selbst kam, und dass wir durch die richtigen geistigen Übungen lernen würden, zwischen unseren eigenen Gedanken und Fantasien und den Eindrücken, die die uns umgebenden Geistwesen uns schickten, zu unterscheiden.

Es dauert eine ganze Weile, bis man sich genügend weiterentwickelt hat, um sein sensitives Bewusstsein oder inneres Medium anwenden zu können. Der Grund dafür ist, dass man erst lernen muss, die Verantwortung für alles, was man Hilfesuchenden sagt, zu übernehmen. Damals dachte ich, da ich schon in sehr jungen Jahren übersinnliche Erfahrungen gesammelt hatte, würde ich dieses ganze Zeug sehr schnell lernen, vor allem, weil ich jetzt eine Lehrmeisterin wie Mrs. Primrose hatte. Doch ich irrte mich gewaltig.

Mrs. Primrose brachte mir als Erstes bei, den menschlichen Geist während der Meditation verstummen zu lassen. Sie ließ neue Schüler wie mich erst mal eine Weile meditieren, und nachdem sie mich aus diesem Ruhezustand herausgeholt hatte, forderte sie mich auf zu beschreiben, was mir gerade durch den Kopf ging. Dann schilderte ich es immer in allen Einzelheiten und war überrascht, wenn sie meine ausschweifenden Gedanken mit einem Nicken abtat. Natürlich hielt ich meine Gedanken für brillant. Und ich war gezwungen zu überlegen, was während meiner Meditationen in meinem Kopf passierte.

Eines Abends nahm Mrs. Primrose mich beiseite und bat mich, beim nächsten Mal die Augen offen zu lassen. Ich sollte nur die anderen Schüler beobachten und versuchen, nicht über sie oder das, was in ihnen vorging, nachzudenken.

Da ich immer tat, was Mrs. Primrose mir auftrug, saß ich in der folgenden Woche nur still da und beobachtete die anderen Schüler. Nach einer Weile fing ich an, mir Gedanken darüber zu machen, was in ihren Köpfen vor sich ging, doch dann fiel mir wieder ein, dass ich sie ja bloß beobachten und nicht bewerten oder beurteilen sollte. Anfangs fiel mir das gar nicht so leicht, doch dann kam ich allmählich zur Ruhe und hing nicht mehr meinen eigenen Gedanken nach. Ich glaube, das war das erste Mal, dass ich die Trennung zwischen meinem Bewusstsein und meinen Gedanken vollzog.

Wie ich bald merkte, trieben meine Gedanken nur wie Blätter auf einem Fluss durch mein Bewusstsein. Wenn ich sie nicht weiter beachtete, flossen sie an mir vorbei. Mir wurde allmählich klar, dass ich dies in meine Meditation einbringen müsste, während ich mit geschlossenen Augen dasaß.

Sobald mir das bewusst geworden war, schaute meine Lehrmeisterin mich an und nickte. Es war das Ende der Sitzung, und die Teilnehmer wurden wieder aus ihrer Meditation herausgeholt. Ich konnte es kaum erwarten, Mrs. Primrose von meiner tollen Erkenntnis zu berichten.

Mittlerweile war ich schon ein Jahr in ihrem Kurs, und die ganze Zeit über hatte sie sich den Unsinn angehört, den ich am Ende meiner Meditation fabriziert hatte, ohne je ein Wort darüber zu verlieren. Nun begriff ich, dass sie die ganze Zeit über meine Fortschritte begleitet und instinktiv erkannt hatte, wo ich in meiner Entwicklung gerade stand.

Wie aufregend war es damals, von einer so erfahrenen Lehrmeisterin durch die Gänge meines Geistes geführt zu werden und dabei die Psyche und die feinstoffliche Welt kennenzulernen! Es war erstaunlich, vor allem, da ich vorher mit niemandem über meine Gabe oder Gedanken über das Leben nach dem Tod hatte sprechen können. Ich war immer davon ausgegangen, von den anderen ausgelacht oder für verrückt erklärt zu werden. Es war mir nie in den Sinn gekommen, dass das, was manche für irre halten, von anderen als einzigartig angesehen wird.

Ich bin Mrs. Primrose sehr dankbar dafür, dass sie mir beigebracht hat, in meiner Arbeit und meinem Wissen über spirituelle Techniken geerdet zu bleiben. Ohne ihre bodenständigen Lehren und Führung wäre ich nie so weit gekommen, wie ich heute bin. Die Grundlage, die sie mir mitgegeben hat, ermöglicht es mir heute, auf der ganzen Welt zu unterrichten und vor Tausenden von Menschen meine Gabe anzuwenden, mein Wissen über das Wesen von Medien und die feinstoffliche Welt beständig zu erweitern und erstaunliche neue Erkenntnisse darüber zu gewinnen. Diese Grundlage gibt mir auch das Selbstvertrauen, zuzulassen, dass parapsychologische Forscher der Universität von Glasgow meine Fähigkeiten testen und wissenschaftliche Berichte über ihre Erkenntnisse schreiben.

Der Schwerpunkt meiner Arbeit liegt heute darin, die Tätigkeit als Medium zu lehren, da so viele Menschen ganz bewusst mediale oder intuitive Erfahrungen machen und nach Erklärungen dafür suchen. Auch möchten sie diese Fähigkeiten auf der höchstmöglichen Ebene entwickeln. Jeder, der eine sensitive Gabe hat, verdient die Chance, von einem erfahrenen Lehrmeister sanft durch den Irrgarten des menschlichen Verstands geführt zu werden. Und wenn man einen Plan hat, wie man seine Begabung entwickeln kann, wird der Weg dorthin umso klarer und geradliniger.

Vor ein paar Jahren wurde ich gebeten, meine Lehren auch in Deutschland anzubieten, wo viele Schüler an einem leicht verständlichen Kurs zur Entwicklung ihres inneren Mediums interessiert waren, der als Raster für zukünftige Kurse dienen könnte. Ich hielt das für eine Superidee, und deswegen stellte ich den Kurs zur spirituellen Weiterentwicklung zusammen, den ich nun in diesem Buch mit dir teile.

Ich möchte die Gelegenheit wahrnehmen, falsche Vorstellungen über die Arbeit als Medium zu berichtigen und den Entwicklungsprozess zu vereinfachen. Doch noch wichtiger ist mir, dir klarzumachen, dass es mehr als richtig ist, deine sensitiven Gaben auszuloten und sie für andere Menschen zu nutzen. Schließlich ist etwas nur dann eine Gabe, wenn man es mit anderen teilen kann.

Und du sollst wissen, dass du als Medium die Verantwortung für das, was du anderen gibst, trägst. Ich kenne viele Leute, die sich Medium oder Hellseher nennen und andere durch ihre Arbeit verunsichern. Es gibt sogar Individuen, die Menschen mit ungefilterten Bemerkungen über ihre Zukunft oder persönlichen Angelegenheiten regelrecht Angst einjagen.

Die Arbeit in der Öffentlichkeit, vor allem, wenn man als Hoffnungsträger oder Heiler angesehen wird, bringt enorme Verantwortung mit sich. Du solltest daher den Prozess der medialen Arbeit genau kennen, bevor du sie bei anderen anwendest. Das bedeutet, dass du mental und psychisch stabil und ausgeglichen sein musst. Aus diesem Grund wollen wir uns zuerst die Höhen und Tiefen des menschlichen Geistes näher ansehen.

Kapitel 1

Die Höhen und Tiefen


Vor Beginn des medialen Trainings untersuche ich den menschlichen Geist und wie er auf die Arbeit mit der feinstofflichen Welt vorbereitet werden kann. Diese Informationen gebe ich meinen Schülern immer zu Anfang eines neuen Kurses und teile sie nun mit dir, damit du deinen Geist besser begreifst und verstehst, wie er von der feinstofflichen Welt und von deinen eigenen Gefühlen beeinflusst werden kann.

Der Anfang

Ich schlage vor, dass du dir vor Beginn deiner spirituellen Entwicklung einen guten Lehrmeister oder einen medialen Zirkel suchst, in dem du dich wohlfühlst und es dir leicht fällt, dich den anderen anzuvertrauen. Eine Gruppe hat etwas, was ich schon immer als hilfreich für meine spirituelle Arbeit empfunden habe. Ich kenne viele medial Begabte, die nicht gemeinsam „im Kreis sitzen“, wie es heißt, und mehrere, die das noch nie versucht haben. Häufig argumentieren sie damit, dass man seine spirituellen Fähigkeiten nicht gemeinsam mit anderen, also „im Kreis“ entwickeln muss und dass die Gabe, wenn sie echt ist, sich ganz von alleine weiterentwickelt.

Bis zu einem gewissen Maß bin ich ihrer Meinung, dass ein echtes Medium wahrscheinlich eine Möglichkeit findet, seine besonderen Fähigkeiten im Leben zu nutzen, aber ich muss auch sagen, dass es mein Zirkel war, der mich wirklich geprägt und gelehrt hat, großen Respekt vor der feinstofflichen Welt und der Art und Weise zu haben, wie ihre Wesen uns liebevoll führen, wann immer wir sie brauchen. Wie ich meinen neuen Schülern immer sage, geht es bei der spirituellen Entwicklung darum, aus sich einen besseren Menschen zu machen, durch den der Geist channeln kann. Das ist mit mir geschehen und es geschieht mit so vielen anderen, die ich kenne und die in einer Gruppe damit angefangen haben. Es gibt zahlreiche spirituelle Kirchen und andere Organisationen, die die Möglichkeit bieten, sich in einem Kreis weiterzuentwickeln, und in deiner Gegend findet sich bestimmt auch eine.

Das soll nicht heißen, dass du dich nicht auch alleine weiterentwickeln kannst. Doch in diesem Fall solltest du spezielle Praktiken anwenden, so als würdest du an einem Entwicklungskurs teilnehmen. Wie auch immer du damit anfängst – versuche, deine Entwicklung so ernsthaft wie nur möglich anzugehen. (Mehr über Zirkel und Meditation zuhause findest du in

Kapitel 6.)

Der Prozess an sich ist derselbe, egal ob du allein oder in einer Gruppe bist: Du beginnst deine mediale Entwicklung, indem du still dasitzt und versuchst, einen meditativen Zustand zu erreichen. Es ist hilfreich, sich dafür einen bequemen und friedlichen Ort auszusuchen. Wenn du zu Hause bist, solltest du einen Raum wählen, in dem du dich wohlfühlst. Versuche, immer zur gleichen Zeit anzufangen und den Raum dafür auszustatten. Manche Leute zünden eine Kerze oder ein Räucherstäbchen an. Was auch immer du tust – es geht darum, deinen Geist in eine spirituellere Richtung zu lenken, bevor du mit der Praktik anfängst. Und das bedeutet, den Kopf zu leeren.

Den Kopf leeren

Heute blicke ich zurück auf das, was Mrs. Primrose mir über das Zuhören und Beobachten ohne Gedanken oder Beurteilungen beigebracht hat, und verstehe den wahren Wert dieser Fähigkeit. Das Problem, das die meisten Schüler am Anfang haben, ist, dass sie glauben, mehr Botschaften aus der feinstofflichen Welt zu empfangen, als sie tatsächlich erhalten. Sie gehen davon aus, dass jeder Gedanke, der ihnen durch den Kopf geht, wenn sie mit verschlossenen Augen dasitzen, von einer anderen Quelle als ihrem eigenen denkenden Geist kommen würde.

Wie meine Lehrmeisterin es tat, höre auch ich jedem Schüler zu und versuche aus ihrer Stimmlage herauszuhören, von wo aus sie wirklich zu mir sprechen. Ich habe gelernt, wie wichtig es ist, auf alles, was sie mir sagen, zu achten – selbst wenn ich weiß, dass das, was sie sagen, mit der feinstofflichen Welt und ihrer spirituellen Entwicklung nichts zu tun hat. Ein guter Lehrmeister sollte seine Schüler immer beobachten und ihnen aufmerksam zuhören.

In diesem frühen Stadium erhalten die meisten Menschen einen winzigen Anteil an medialen Mitteilungen durch den Geist und einen hohen Prozentsatz an eigenen Gedanken und Fantasien, je nach Gefühlszustand vor Beginn der Übung. Wenn dir von alltäglichen Dingen der Kopf schwirrt, während du zu meditieren anfängst, und du diese Gedanken nicht abschalten kannst, wird sich mit großer Wahrscheinlichkeit die Sitzung auf diese Dinge konzentrieren, und dann kannst du nicht wirklich meditieren und schon gar nicht Botschaften aus der feinstofflichen Welt empfangen.

Deshalb ist es in der Anfangszeit ratsam, den Alltag, aus dem du gerade kommst, erst einmal in Gedanken abklingen zu lassen, bevor du mit dem Meditieren beginnst. Es hilft auch, sich eine Weile mit anderen zu unterhalten, um einfach alles loszulassen, was womöglich im vorderen Bereich deines oberen Verstands festsitzt. Das ist der Teil deines Verstands, den du tagsüber normalerweise nutzt. Wenn du zehn oder zwanzig Minuten vor Meditationsbeginn ankommst, gibt dir das die Zeit, Dampf abzulassen, vielleicht auch mit anderen über deinen Alltag zu reden, während du dich bei der Vorstellung entspannst, um aus der Alltagssituation in die Meditation überzugehen. Nimm den Alltag nicht mit an den stillen Ort deines meditativen Geistes, wenn du es irgendwie verhindern kannst.

Eine der besten Übungen vor Beginn meines wöchentlichen Entwicklungskurses war, nach der Arbeit ganz bewusst hinzulaufen, statt mit dem Bus zu fahren. Beim frühabendlichen Spaziergang vom Norden in den Westen von Glasgow wurde mein Kopf klar und ermöglichte es mir, viele wirre Gedanken, die sich tagsüber angesammelt hatten, loszulassen. Ich bin überzeugt, dieser Spaziergang war meine erste echte Achtsamkeitserfahrung: Ich ging nur und beobachtete, ohne irgendwas zu bewerten oder zu beurteilen. Als ich die Kirche erreicht hatte, war mein Kopf schon fast leer.

Auch die Einstellung, dass dein Entwicklungskurs auf einer anderen Ebene als der des Alltags stattfindet, hilft. Schon allein die Vorstellung, dass du an einen besonderen Ort gehst, kann deinen Geist in eine höhere Schwingung versetzen, noch bevor du im Zirkel Platz nimmst. Wenn du das schaffst, versetzt du dich gleich in den richtigen geistigen Zustand, den du zur Weiterentwicklung brauchst.

Bei jeder Form der medialen Verbindung geht es darum, dein Bewusstsein auf eine höhere Ebene zu bringen. Da Geistwesen Teil des Göttlichen sind, existieren sie in diesem höheren Zustand.

Die Überwindung der Angst

Wie mir viele Schüler berichten, empfangen sie zwar erstaunliche Botschaften aus der feinstofflichen Welt, aber sie haben Angst vor den Geistwesen, die diese Nachrichten übermitteln. Oder es gefällt ihnen zwar, Teil einer Entwicklungsgruppe zu sein, doch sie befürchten, in einen ‚komischen Trancezustandʻ versetzt zu werden, aus dem sie nie mehr aufwachen. Oder sie sind sich nicht sicher, ob die Geistwesen gut oder böse sind, um nur ein paar der Ängste zu nennen.

Aufgrund von Befürchtungen wie diesen habe ich eine Methode entwickelt, mit der Menschen geholfen werden kann, ihre Angst vor Geistwesen und medialer Entwicklung zu überwinden und ihnen zu zeigen, dass sie vor nichts – außer ihren eigenen Ängsten – Angst zu haben brauchen.

Das folgende Diagramm zeigt, wie leicht es ist zu erkennen, wie der menschliche Verstand funktioniert, wenn er von seinen eigenen Gefühlszuständen – den Höhen und den Tiefen, den positiven wie den negativen Emotionen – beeinflusst wird:

LIEBE


ANGST

Im Diagramm sieht man zwei Dreiecke, die übereinanderliegen. Das untere Dreieck steht für den unteren, menschlicheren Teil des Geistes und ist mit ‚Angst‘ beschriftet. Das soll dich daran erinnern, dass unsere tiefsten Gefühlszustände, in denen wir Depressionen, Wut und Eifersucht empfinden, aus der Angst heraus geboren werden. In diesem schwermütigen, verdichteten Teil unseres Bewusstseins fühlen wir auch die allermenschlichsten Sehnsüchte, wie beispielsweise Lust, Gier und natürlich unser Ego. Es ist genau dieser Teil des menschlichen Geistes, den wir auf unserer medialen Reise hinter uns lassen wollen.

Der Begriff „Balance“ verläuft durch den Teil, an dem sich die Punkte der beiden Dreiecke berühren. Hier möchten wir während des Meditierens unser Bewusstsein wissen. Wenn wir diesen Bereich erreichen können, versetzen wir uns in den richtigen Zustand, in dem wir uns einer höheren Quelle öffnen können. Diese Quelle ist die feinstoffliche Welt; es sind unsere Geistführer und Lehrmeister, die über uns wachen und die mit uns kommunizieren und uns führen können, sobald unser Geist klar und im Gleichgewicht ist, so dass sie damit arbeiten können.

Es ist ganz wichtig zu lernen, dass Negativität etwas Menschliches ist, was mit der feinstofflichen Welt nichts zu tun hat. Je früher du das begreifst, umso schneller kannst du dich medial weiterentwickeln.

Stell dir jemanden vor, der zwar an die feinstoffliche Welt glaubt, doch dessen Bewusstsein ständig in die tieferen Bereiche des Geistes hinuntergezogen wird. Die feinstoffliche Welt, die dieser Mensch während des Meditierens erlebt, kann ziemlich dunkel erscheinen. Solche Leute sprechen häufig von ‚bösenʻ oder ‚dunklenʻ Geistwesen und ,Orten, an denen der Geist hängenbleiben kannʻ und Ähnlichem. Diese Beschreibungen kommen jedoch nicht aus der feinstofflichen Welt, sondern aus ihnen selbst.

Meiner festen Überzeugung nach befindest du dich nicht am richtigen Ort, um das Medium in dir zu entwickeln, wenn dein Geist voller Angst und böser Vorahnungen ist. Du solltest nicht vergessen, dass ein Medium jemand ist, der anderen hilft, die Angst haben – und nicht jemand, der seine eigenen negativen Fantasien auf andere überträgt.

Es ist nicht schwer, dieses Verhalten bei einem neuen Schüler zu erkennen, und es ist ganz leicht, es aus den Dingen herauszuhören, die er beschreibt. Meines Erachtens steckt eine solche Person in dem unteren Teil ihres Geistes, also dem unteren Dreieck, in dem Angst die Kontrolle über ihre Gedanken hat.

Immer wenn ich Menschen begegne, die zwar übersinnliche Erlebnisse haben, doch deren Geist voller Ängste ist, rate ich ihnen, ihre Entwicklung in Entspannungsgruppen und sehr sanften Meditationskursen zu beginnen, wo sie keine medialen oder hellseherischen Übungen machen, sondern nur den Körper entspannen und den Geist ins Gleichgewicht bringen. Sobald sie den Geist auf eine hellere Ebene, weg von ihren eigenen Angstgedanken, versetzen können, werden sie bessere Fortschritte in der Selbsterfahrung und im Meditieren unter der Leitung eines erfahrenen Lehrmeisters machen.

Eine deutsche Teilnehmerin einer Gruppe, die ich vor einiger Zeit leitete, verlor während des Meditierens regelmäßig die Fassung, weinte und zitterte vor Angst, als würde ihr etwas Schreckliches zustoßen. In Wahrheit saß sie nur in einer kleinen Gruppe anderer Schüler, schloss die Augen und versuchte ihre Gedanken verstummen zu lassen und ihren inneren Raum zu fühlen. Ihr innerer Raum war jedoch voller Angst und schlimmer Vorahnungen.

Das erlebte sie schon seit vielen Jahren und hielt sie nachts oft lange wach.

Sie erklärte mir, sie habe Angst, loszulassen, und auch die Vorstellung, die Kontrolle über ihre Gedanken abgeben zu müssen, mache ihr Angst. Das fand ich faszinierend, da sie ja eigentlich nur still dasitzen und Meditieren lernen sollte. Es ist hochinteressant, dass manche Menschen das Meditieren als etwas Mystisches statt Entspannung oder Sinnieren ansehen.

Doch ich musste mich um diese Teilnehmerin individuell kümmern, und das tat ich auch, weil es wichtig war, dass sie ihre Angst überwand. Sonst wäre sie in ihrer Entwicklung nie weitergekommen – und schon gar nicht im Leben.

Statt sie in die Meditationsgruppe zu setzen, leitete ich sie im Meditieren an. Ich schlug entspannende Bilder, Orte und Situationen vor und führte sie Schritt für Schritt durch jeden Prozess. Es fiel ihr leicht, sich zu entspannen, und sie schien sich auf jeden meiner Vorschläge zu konzentrieren. Sie runzelte nur dann verwirrt die Stirn und fing an zu zucken, wenn ich kurz innehielt, damit sie meine Worte verarbeiten konnte.

Wie ich merkte, wollte die sympathische Frau nicht allein mit ihren Gedanken sein, solange diese nicht kontrolliert und gelenkt wurden. Sie war in ihrem eigenen inneren Raum und Geist unglücklich. Ich rätselte, was die Ursache dafür sein könnte.

So sprach ich ausführlich mit ihr und versuchte, sie zu ermutigen, mit mir zu reden. Ich erklärte ihr, dass wir das Problem beheben könnten, wenn sie die Ursache für ihre Angst finden würde, doch dazu war sie noch nicht bereit. Es dauerte ein halbes Jahr, bevor ich sie endlich dazu brachte, sich zu öffnen. Dann erzählte sie, dass man ihr als kleines Kind gesagt hatte, wenn sie böse war oder nicht einschlief, würden Gespenster und Dämonen in der Nacht kommen und sie holen.

Wie dämlich! Was dachten sich ihre Eltern nur? Wenn man ein Kind dazu bringen will einzuschlafen, wie kann man ihm dann Angst einjagen, bevor man es ins Bett bringt?

Es ist unglaublich, wie viele Leute unter ähnlichen Ängsten leiden. Die Teilnehmerin hatte auch noch andere Ängste, die aus ihrer Kindheit stammten. Wir sprachen auch darüber, und ich konnte ihr helfen, rationaler zu denken und sich innerlich in einen ausgewogeneren Zustand zu bringen.

Als sie merkte, dass sie die Kontrolle über ihre Gedanken hatte und nicht umgekehrt, gab ihr das die Kraft, ihre Denkweisen zu ändern und innerlich stabiler zu werden. Das nahm sie in die Meditation mit. Innerhalb eines Jahres meditierte sie ohne Angst und Tränen – und nicht nur das: Sie lernte nun, für ihre mediale Gabe und die Fähigkeit, andere zu heilen, wirklich offen zu werden. Seit sieben Jahren wendet sie beides mit großem Erfolg an.

Viele Teilnehmer kommen mit ähnlichen Problemen und Hindernissen in meine Gruppenkurse, ohne zu wissen, dass die meisten solcher Ängste uns nicht wirklich verletzen können, sondern uns nur eingeredet wurden. In Wirklichkeit hat die Intention desjenigen, der es gesagt hat, diese dauerhaften Narben auf der jungen Seele verursacht.

Hier ist eine Übung, die ich erfolgreich bei der Frau angewandt habe. Vielleicht möchtest du sie auch ausprobieren. Die erste wirkliche Herausforderung, der wir uns stellen müssen, wenn wir uns auf irgendeine Weise spirituell weiterentwickeln wollen, ist, uns mit unseren Ängsten und Emotionen auseinanderzusetzen.

Übung: Bringe den Geist ins Gleichgewicht

 Setze dich mit geradem Rücken auf einen Stuhl mit gerader Rückenlehne und stelle die Füße flach auf den Boden.

 Entspanne dich mit jedem tiefen Atemzug und lasse alle Anspannung beim Ausatmen los.

 Visualisiere mein Diagramm der beiden Dreiecke.

 Versuche, dir deiner Gedanken so bewusst zu sein, als würdest du sie aus der Ferne betrachten. Sind sie im unteren Dreieck des Diagramms, also schwer und negativ, oder im oberen Dreieck, also positiv und beschwingt?

 Atme einfach, wenn dein Geist schwer ist und dein Bewusstsein auf die Ebene trauriger oder negativer Erinnerungen herabsinkt, und denke daran, dass du dein Gleichgewicht finden willst.

 Wenn du im Gleichgewicht bist, merkst du es instinktiv, da nun kein Gedanke deinen Zustand der Zufriedenheit beeinträchtigen kann und alle Gedanken durch deinen Kopf strömen, ohne den Geist zu beeinflussen.

 Sobald du im Gleichgewicht bist, atme langsamer und verringere das Bedürfnis, „oben“ oder „unten“ zu denken. Halte einfach nur das Gleichgewicht deines verstummten Geistes ohne das Bedürfnis, deinen Gedanken nachzuhängen.

***

Lerne deinen eigenen Geist kennen

Eine Frage, die neue Kursteilnehmer mich oft fragen, lautet: „Woher weiß ich, was wirklich aus der feinstofflichen Welt kommt und was nur aus meinem eigenen Geist und Kopf?“ Den Unterschied kannst du am besten erkennen, wenn du deinen Geist kennst. Das ist für alle, die sich auf den spirituellen Weg machen, ganz wichtig.

Sieh dir das Diagramm des Geistes (siehe Kapitel 1) noch einmal an. Wir alle können uns durch die verschiedenen Ebenen hinauf- und hinunterbewegen. Die Lebensumstände können uns ganz nach oben katapultieren, wo wir Liebe, Freude und Glück finden. Ebenso leicht können sie uns in die Abgründe von Verzweiflung und Schmerz stürzen. Wenn du das Medium in dir wirklich entwickeln willst, musst du fähig sein, dich in die Mitte beider Dreiecke zu begeben, und aus dem vollkommenen Gleichgewicht heraus arbeiten, selbst wenn dein eigenes Leben dich in Höhen und Tiefen versetzt. Ich versuche immer, mich an einer Botschaft festzuhalten, die mir mein Geistführer einmal geschickt hat: „Wenn alles um dich herum in Bewegung ist, dann halte still und lenke alles um dich herum aus dieser Stille heraus.“

Beginne damit, die normale Ebene deines Denkens zu hinterfragen. Denkst du negativ über dich, deine Zukunftsaussichten oder dein Leben generell? Oder bist du immer voller Hoffnung und denkst positiv, auch wenn etwas dich herunterzieht? Kannst du das Leben, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft immer mit Optimismus betrachten? Findest du einen Weg, alle Höhen und Tiefen des Lebens rational zu sehen, und reagierst du nur selten emotional auf gewisse Situationen? Bist du ausgeglichen?

Wie die meisten Menschen hielt ich mich für einen völlig ausgeglichenen Menschen, doch als ich mit meiner spirituellen Entwicklung begann, stellte ich fest, dass ich die Angewohnheit hatte, mich selbst kleinzumachen. Aus irgendeinem Grund konnte ich zwar die Bemühungen anderer toll finden, jedoch nie meine eigenen Anstrengungen. Und ich hatte die schlimme Angewohnheit, die Dinge in meinem Leben mit Zweifeln und Angst zu betrachten. Es fiel mir schwer, meine Zukunft positiv zu sehen, und ich verschwendete viel zu viel Zeit darauf, mir Sorgen über das Sterben und den Tod der Menschen, die mir nahestehen, zu machen.

Mich mit meiner Denkweise vertraut zu machen ermöglichte mir eine weitaus tiefere Einsicht in mein Inneres und meine Gefühle. Daher rate ich dir, dir die Zeit zu nehmen, auf diese Weise an dir zu arbeiten und in den ersten Sessions deiner Meditationspraktik darauf zu achten, was in deinem inneren Raum passiert, wenn du still dasitzt.

Was geschieht in diesen Sitzungen mit deinen Gedanken? Denkst du sofort daran, für einen anderen eine Botschaft zu erhalten? Glaubst du, du würdest nie eine höhere Ebene der Meditation erreichen? Wenn ja, solltest du untersuchen, warum du so darauf fixiert bist, dein Ziel nicht zu erreichen.

Deine Denkweise zu hinterfragen wird es dir möglich machen, dich auf eine angemessene und stetige, ausgewogene Weise weiterzuentwickeln. Es wird dir ermöglichen, Dinge zu hinterfragen, die in deiner Innenwelt stattfinden, und warum sie geschehen. Gedanken bilden sich nicht von alleine. Was steckt hinter ihnen – Ängste, Vorurteile, Gefühle?

Wenn du dich näher mit deinen eigenen Gedanken befasst, so zeigt das, dass du dein inneres Medium aus den richtigen Gründen und auf ausgewogene Weise entwickeln willst. Und wenn du es schaffst, in jeder Sitzung ruhig dazusitzen und nur deinen eigenen Geist kennenzulernen, statt auf sofortige Erfolge aus zu sein, bist du dazu bereit, dich weiterzuentwickeln.

Diesen geistigen Zustand der Ausgewogenheit und Zufriedenheit musst du bei jeder Meditation einnehmen. Es geht nicht darum, ihn einmal, sondern jedes Mal zu erreichen. Teil deiner meditativen Praktik ist es, den Geist ins Gleichgewicht zu bringen und dort zu halten, ganz egal welche Gefühle dich durchströmen. Sitze nur still da und halte das Gleichgewicht, auch wenn deine Fantasie Bilder oder Farben hervorbringt oder du innere Gespräche hörst. Lass dich nicht dazu hinreißen, irgendwelchen Eindrücken, Gedanken oder Gefühlen zu folgen, die dir womöglich kommen. Du musst ein Zuschauer werden – ein Kameramann und nicht der Protagonist des Films. Der Sinn und Zweck dieses Vorgangs ist, die Kontrolle über dein Bewusstsein zu behalten und dich nicht von deinen emotionalen Gedanken nach oben oder unten ziehen zu lassen. Vergiss nicht: Dein Bewusstsein ist der Strom und nicht das Blatt, das auf dem Wasser dahintreibt!

Von diesem Punkt des inneren Gleichgewichts aus bekommst du einen Überblick über deine Gedanken, Gefühle und Wünsche und kannst dein wahres Ich, das mediale Ich, das am Aufblühen ist, wirklich erkennen. Dann kannst du nicht nur auf dein altes Ich hinabschauen, sondern auch hinaufsehen und erkennen, was über dir liegt. Du kannst lernen, aufzusteigen und zuzulassen, dass die höheren Energien Einfluss auf deinen Geist nehmen.

Lerne, die Liebe hereinzulassen

Im oberen Teil unseres Geistes erleben wir die Höhen des Lebens, wie beispielsweise Freude, Glücksgefühle, Mitgefühl und natürlich Liebe. Auch wenn es schön wäre, kann keiner von uns sein ganzes Leben hier oben verbringen. Doch als medialer Schüler ist es dein Ziel, deine Gedanken auf einen Punkt anzuheben, an dem du zumindest das Positive anstatt das Negative sehen kannst. Du musst unbedingt Wege finden, wie du die Liebe in dein Leben hereinlässt!

Als ich mit dem Meditieren zur medialen Entwicklung begann, spürte ich, wie sämtliche Sorgen meiner eigenen Welt an mir zerrten, und die Angst war unterschwellig immer in meinen Gedanken. Schließlich war ich noch sehr jung und hatte eine Frau und zwei kleine Söhne, die ich versorgen musste. Jede Mutter und jeder Vater kennt die schwere Last der Verantwortung, die einen mitunter hinunterziehen kann.

Zwar wollte ich spirituell wachsen und wusste im Inneren meines Herzens, dass ich ein Medium war, doch das Leben war hart und bot nur wenige positive Ziele, nach denen es sich zu streben lohnte. Trotzdem folgte ich dem inneren Drängen und zwang mich, mich meinen Ängsten zu stellen und gegen die innere Stimme anzukämpfen, die flüsterte, dass das Leben einfach zu schwer sei. Zum Glück hatte ich schon immer eine Art geistigen Reflex, der auf natürliche Weise positive Antworten auf Probleme findet.

Ich erinnere mich noch an eine Begebenheit, während ich in einem Friseursalon arbeitete, in dem alle Kunden mehr emotionale Lasten als Haare loswerden mussten. Eines Tages schnitt ich einer Kundin, die Ende dreißig war, die Haare. Sie hatte ihren Mann und ihr Haus verloren und wohnte nun mit ihren zwei Söhnen, die schon Teenager waren, unter beengten Bedingungen im Haus von Freunden. Ihre Situation machte ihr sehr zu schaffen. Sie war in unseren Salon gekommen, um sich die Haare ohne Waschen schneiden zu lassen – der billigste Haarschnitt auf unserer Preisliste. Ich glaube, sie wollte nur mal mit Menschen zusammen sein, die sie von ihren Problemen ablenkten.

Es waren gerade keine anderen Kunden da, und so erzählte sie mir und den anderen Angestellten ihre Geschichte. Sie suchte wohl nicht wirklich nach einer Antwort, sondern wollte sich nur ihre Last von der Seele reden. Zwar fiel es mir schwer, einer Frau zuhören zu müssen, deren Zukunft so düster war und die scheinbar keinen Mut und keine Kraft zum Weiterleben mehr hatte, doch sie berührte etwas in mir und ich wusste, dass es eine Lösung für ihre Probleme gab. Diese Gewissheit rührte nicht etwa von meinem hellseherischen Talent, sondern von meiner Einstellung her, die sich durch meine Teilnahme an dem Entwicklungskurs allmählich änderte, wie mir heute klar ist.

Ich sagte ihr, dass sie ihr ganzes Leben als eine große Episode sah und dass sie immer gegen eine übermächtige Wand der Hoffnungslosigkeit rennen würde, wenn sie damit nicht aufhörte. Ich riet ihr, sich stattdessen anzusehen, was sie als Erstes brauchte, und das zu ihrem Ziel zu machen. Sobald sie das erreicht hätte – und wenn es auch nur ein kleiner erster Schritt war –, könnte sie diesen Erfolg feiern und den nächsten Schritt machen. Ihre Probleme wirkten so riesig, dass sie noch nicht einmal daran denken konnte, sie anzugehen. Daher schien es mir richtig, ihr zu raten, sie in einzelne Schritte zu unterteilen, um kleinere Erfolge zu erzielen, bis ihr Gefühl der Hoffnungslosigkeit durch die Gewissheit, etwas erreicht zu haben, ersetzt wurde.

Nach unserem Gespräch kam sie von Zeit zu Zeit auf eine Tasse Tee in den Friseursalon, unterhielt sich mit uns und berichtete von ihren Fortschritten. Durch eine Reihe von Ereignissen, die sich über ein halbes Jahr erstreckten, änderte sich ihr Leben zum Besseren. Zuerst schaffte sie es, für sich und ihre Jungen eine hübsche Sozialwohnung zugewiesen zu bekommen. Kurz darauf fand sie eine Teilzeitstelle und fand ihren Lebensmut wieder.

Ich freue mich, sagen zu können, dass die Frau eine gute Freundin von mir wurde und noch heute ist. Mittlerweile hat sie ein Studium abgeschlossen und berät heute Frauen, die das Gleiche durchmachen, was sie durchgemacht hat.

Meiner Meinung nach ist es genau das, was medial Begabte tun: Sie verwandeln Finsternis in Licht. Wie jeder weiß, besteht das Leben aus Höhen und Tiefen – ein Leben muss beides haben –, doch um sich spirituell weiterzuentwickeln, muss man einen Weg finden, wie man das Leben trotzdem meistern und ein gewisses Maß an Kontrolle darüber haben kann. Das gehört zur Aufgabe eines Mediums. Wenn sich also alles in einer Abwärtsspirale zu befinden scheint, dann schaue nach oben. Allein durch diese kleine Handlung kann sich die ganze Richtung ändern.

So wie das Wort „Gleichgewicht“ zwischen den Spitzen der beiden Dreiecke verläuft und zeigt, wo unser Bewusstsein sein muss, wenn wir mit der feinstofflichen Welt arbeiten, steht das Wort „Liebe“ über dem oberen Dreieck und zeigt an, womit wir arbeiten. Dieses Dreieck zeigt nach unten und die Seiten verlängern sich nach außen; sie illustrieren die Ausdehnung des oberen Teils des Geistes. Wenn du lernst, deine Gedanken anzuheben, bereitest du deinen Geist darauf vor, zu lieben und geliebt zu werden.

Meistens arbeitet das Medium in der Energie eines Menschen, der von den Dramen des Lebens sehr niedergeschlagen oder traurig oder gar daran zerbrochen ist. Für diese Arbeit braucht man viel geistige Kraft und eine äußerst positive Einstellung – ein Medium sollte immer nach oben schauen können, wenn der Empfänger seiner Gabe das nicht schafft.

Wenn du deinen Geist darauf trainierst, dich auf einer höheren Schwingung zu halten, dann kannst du gleichzeitig auch damit anfangen, dich selbst zu lieben. Es ist ganz wichtig, die Liebe in sich zu kennen, bevor man sie mit anderen teilt, da es bei der Arbeit eines Mediums im Grunde darum geht, Liebe zu teilen und die Bindungen der Liebe, die durch den irdischen Tod durchtrennt wurden, wieder zusammenzufügen.

Ich erwarte nicht etwa von dir, schon am Anfang deines Entwicklungsprozesses eine starke Verbindung zum Geist zu erreichen, aber ich erwarte von dir, es zu versuchen. Damit meine ich, dass du in einer Meditationsgruppe oder -praktik mit Herz und Seele dabei bist und lernst, den Alltag beiseitezuschieben und diesen heiligen Raum und die gesegnete Zeit zur Stärkung, Klärung und Ausgewogenheit deines Geistes zu nutzen. Bei jedem Versuch, das zu tun, ermöglichst du den Geistführern in deiner Nähe, auf einer höheren Ebene – einer Liebesebene – eine Bindung zu dir aufzubauen.

Wenn du merkst, dass du mit ausgewogenem Geist still dasitzen kannst und deine alten Ängste und Gewohnheitsgedanken unten lassen kannst, dann bist du so weit, den Weg der medialen Entwicklung ein Stück weiterzugehen.

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Release date on Litres:
22 December 2023
Volume:
152 p. 4 illustrations
ISBN:
9783946959656
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