Read the book: «Hängematten-Lektüre»
Gerhild Decker
HÄNGEMATTEN-LEKTÜRE
Querbeet durchs Leben
Engelsdorfer Verlag
Leipzig
2014
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Copyright (2014) Engelsdorfer Verlag Leipzig
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Hergestellt in Leipzig, Germany (EU)
www.engelsdorfer-verlag.de
Inhalt
Cover
Titel
Impressum
Ich will mit dir
Hommage an meinen Schreibtisch
Vom Rock’n Roll zum Badewannen-Tango
Duett
Caféhaus-Momente
Begegnungen
Zweisamkeit
Gedankenspirale
Ein Flügelpaar
Lebenserkenntnis
Gestimmtsein
Der Knalleffekt
Ein Handschlag
Meditation
Harmonie
Quintessenz
Unsterbliche Gedanken
Lebensstraße
Der Seelenfänger
Tierische Völkerverständigung
Lebenszeit
Leben in der Vergangenheit
Worte
Ich-Suche
Findung
Seelenkosmetik
Gedanken sind wie Schmetterlinge
Seifenblasentraum
Tanz der Sinne
Runderneuerung
Schluckspecht oder Schnapsdrossel?
Stundenglasmomente
Stimmungswechsel
Innere Einkehr
Lebensteppich
Ein stummer Schrei
Demenz
Bitteres Erbe
Balance
Wetterdepression
Nein, ich gehe nicht zum Babyschwimmen!
Erfahrungen
Nötigung
Mitternachtsspitzen
Rezeptur für Seelen-Nektar
Der Ahornzweig
Auf der falschen Spur
Menschenantlitz
Der Barbar
Fassadenkünstler
Menschenbild
Frauenlist und Männerhose
Neues Zeitalter
Urlaubswehen
Museschmollen
Komm, fliege mit mir
Kokon-Gefühle
Leben?
Maskenball der Seelen
Unbekannt verzogen
Verzweiflung
Torschlusspanik
Warteschleife
Der neue Computer
Nächtliche Störung
Gaumenerotik
Weingenuss
Ist Backen ein Muss?
Mein rotes Poesie-Album
Radlerfreuden
Meine erste Yogaerfahrung
Aber Hallo!
Motten-Limerick
Standpunkt
Erkenntnis
Lebensblüte
Lebensweisheit
Zeit
Abendstimmung in den Allgäuer Bergen
Erden-Reich
Haltlos
Sternschnuppen
Mittagsläuten in den Bergen
Sandwege
Hühnergötter I
Hühnergötter II
Kräuterwind
Nachtweide
Steinmänner-Steinmännchen-Stoamandl
Schreiben ist Leben
Versöhnung
Vollmond
Sprichwörtliches 1 – 22
Sprichwörtlich – Tierisches
Insektendank
Igelfreuden
Darf ich mich vorstellen?
Rotkehlchen’s Klage
Schneckenpost oder Zuchtstation?
Stammtisch-Treffen
Tierische Woche
Tiere alphabetisch verbogen
Tierische Verse
Schreibblockade
Bisher im Engelsdorfer Verlag erschienene Bücher der Autorin:
Dieses Gedicht ist ein kleines „Danke“ für meinen Ehemann Werner, der immer Geduld und Verständnis zeigte, wenn ich beim Schreiben in meinem „Poetenstübchen“ um mich herum die Zeit vergaß.
Stets war er für meine Fragen offen, wies mich auf manchen Holper-Reim hin. Ohne seinen technischen Beistand beim Erstellen des Manuskripts wäre ich sicherlich mehr als einmal verzweifelt.
Ich will mit dir ...
Ich will mit dir
das Leben spüren
den Mond berühren
Ich will mit dir
im Regen tanzen
und viele bunte Blumen pflanzen
Ich will mit dir
auf Wolken schweben
die Erde aus den Angeln heben
Ich will mit dir
das Meer durchschwimmen
und den Mount Everest erklimmen
Ich will mit dir
die Sorgen teilen
in dieser Zeit bei dir verweilen
Ich will mit dir
geh’n bis zu jenem Tag
da Kraft all dies nicht mehr vermag
Hommage an meinen Schreibtisch
Schreibtisch
Ruhepol und Stimmungsfänger
Zufluchtsort der Gedanken
Sammelstätte von Ideen
Beginn und Endstation
meiner Gedankenspiele
und Fantasiereisen
Keimzelle der Gedankensamen
die Worte reifen
lassen
und erst Ruhe finden
auf einem
Blatt Papier

Vom Rock’n Roll zum Badewannen-Tango
Ich tanze leidenschaftlich gerne. Auch heute, im „fortgeschrittenen“ Alter, kann ich vor allem flotten Rhythmen nicht widerstehen. Damit meine ich in erster Linie den guten alten Rock’n’ Roll. Immerhin habe ich als Teenager für Peter Kraus geschwärmt. Er war mein Idol! Da passte einfach alles, um mich träumen oder mitreißen zu lassen; sein Aussehen, die tolle Stimme, das Temperament und die schwungvollen Tanzeinlagen, mit denen er seine Songs vortrug.
Mein kleines Taschengeld sparte ich, um mir jede seiner Single-Platten kaufen zu können. Dann wurde daheim „abgerockt“. A- und B- Seite – alle waren gleichermaßen schön für mich. Der Blick auf die an die Wand gehefteten Peter-Kraus Poster aus der Bravo machten alles komplett. Ich war glücklich!
Mit meinem damaligen Freund nahm ich sogar an Tanzwettbewerben teil, die seinerzeit regelmäßig in dem am Kölner Hohenzollernring gelegenen Lokal „Cascade“ stattfanden. Eine Liveband spielte im Wechsel Twist und Rock’n’ Roll. Zweimal gelang es uns, die „Siegertrophäe“ – eine Flasche Sekt – zu ertanzen und wir waren überglücklich!
Mit diesem kleinen Rückblick will ich nur meine damalige Tanzbegeisterung hervorheben.
Als ich später meinen seit nunmehr fast 50 Jahren angetrauter Ehemann kennenlernte, freute ich mich, dass auch er gerne tanzte und – wie könnte es anders sein – vor allem Rock’n’Roll.
Inzwischen bleiben die Gelegenheiten, diese Tanzleidenschaft auszuleben immer mehr auf der Strecke. Vielleicht ist es ja auch besser? Peinlich wäre es doch, käme man aus dem kreisenden Twistkniestand nicht mehr hoch! Auch beim Rock’n’ Roll spüren wir, dass die schwungvollen Drehungen Atemluft kosten. Diese Erfahrung machten wir noch vor kurzer Zeit im „Trauten Heim“, als wir spontan eine flotte Sohle zu einem Oldie aus dem Radio – natürlich von Peter Kraus gesungen – aufs Echtholzparkett unseres Wohnzimmer legten.
Na ja, immerhin, Spaß hat es gemacht und Peter Kraus bleibt nach wie vor – neben meinem Mann – mein Idol!
Sie fragen sich bestimmt, warum ich Ihnen all das erzähle und was das mit einem „Badewannen-Tango“ zu tun hat?
Gut, Sie werden es erfahren.
Dass wir mit den Jahren nicht nur reifer werden, sondern auch immer noch dazulernen können, ist eine Tatsache. Und dass das gut so ist, bestätigt mir zumindest mein letztes skurriles Erlebnis.
Ich darf verraten, dass ich das neue Jahrzehnt, mit einer netten „Sieben“ vor der Null noch freudig begrüßte. Sogar einen sicher nicht bös gemeinten Kommentar einer Dame – frei übersetzt „von nun an geht’s bergab“ – habe ich ignoriert.
Im Nachhinein überlege ich allerdings schon, ob da nicht ein Fünkchen Wahrheit mit im Spiel ist.
Beim Jahr 2013 war für mich offensichtlich doch eher die Zahl „13“ stärker als die „70“. Es begann mit einer OP, bei der im Anschluss viel Geduld gefordert war.
„Geduld“ – Zauberwort – ich kann es ehrlich gesagt nicht mehr hören, übte mich dennoch brav darin. Da unweigerlich „Ruhe“ dazugehört, bringt es aber durchaus nicht nur Vorteile. So blieb manches gewohnte Fitnesstraining auf der Strecke.
Als ich wieder einmal zaghaft mit dem Walken beginnen wollte, bekam ich gleich die Quittung. Mein rechtes Knie schwoll danach so stark an, dass es punktiert werden musste. Dann folgten 15 Akupunkturbehandlungen und immer wieder hörte ich mein „Zauberwort“!
Als es mir gerade etwas besser ging, erwischte mich ein grippaler Infekt.
Triefende Nase, Luftnot, dick angeschwollene Augenlider, Kopf wie ein „Bahnhof“. Frösteln…. Ja, in diesem Zustand kam dann der irrwitzige Sehnsuchtsgedanke nach einem befreienden Erkältungsbad und damit wurde von mir der „Badewannentango“ kreiert.
Nach exakt eingehaltener 20 Minuten Badedauer, untermalt von schöner Entspannungsmusik aus dem Radio, wollte ich meinem Wohlfühlbad entsteigen.
Sie ahnen was folgt?
Etliche Stemmversuche, die Wanne zu verlassen, scheiterten kläglich. Ich rutsche und wand mich im eukalyptusgeschwängerten Badewasser, das offensichtlich nur aus ätherischen Ölen bestand. Schließlich zog ich den Badewannenstöpsel und hoffte, mich nach Ablauf des Wassers, ganz sicher aus der misslichen Lage befreien zu können. Es blieb beim Wunschgedanken und weiterhin glitschig.
Einziger Trost bei meinen kläglichen Rutschversuchen blieb das Radio, aus dem gerade leidenschaftliche Tangoklänge zu hören waren und mich sicherlich verwöhnen und nicht etwa „verhöhnen“ sollten. Mir jedenfalls wurde dabei nicht warm, nein, ich begann zu frieren! Stufe „Wut“ war erreicht und diese wiederum ließ schließlich den Hilferuf an meinen Mann zu und mich beschämt über meinen Schatten springen.
Sein zunächst noch etwas „schadenfrohes“ Grinsen verwandelte sich doch bald in Sorge, da auch er mit seinen nur einseitig möglichen „Hebeversuchen“ scheiterte.
Irgendwie gelang es mir dann zumindest in die „Hockstellung“ zu kommen und gestärkt von der sich immer mehr steigernden Wut (ob meiner Dummheit), erreichte ich schließlich, begleitet von einem kniebedingten Schmerzschrei, den Zweifüßerstand!
Was ich daraus gelernt habe und weitergeben möchte, sind zwei Dinge:

Erstens, mein Rat an Sie: „Glauben Sie nicht daran, dass Sie genauso schmerzfrei einer Badewanne entsteigen können, wie Sie in diese eingestiegen sind!“
Mein zweiter Wunsch richtet sich an die Betreiber der Herstellung von Badzusätzen: „Bitte nehmen Sie künftig den gängigen Hinweis „Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie bitte Ihren Arzt oder Apotheker“ (oder Gerhild Decker) in ihren Beipackzettel auf!“
Duett
Im Einklang, voller Harmonie
Vertrauen und Geborgenheit
Fühlt man viel mehr als Sympathie
Im Strudel uns’rer lauten Zeit.

Caféhaus-Momente
Oh weh, ist die Nacht etwa schon wieder vorüber?
Mein Wecker – ein dröhnender und zischender Kaffeeautomat – bestätigt es mir.
Gleichzeitig nehme ich den ersten Kaffeeduft wahr. Für mich sind das die täglichen Rituale und Zeichen, mit denen mein Arbeitstag beginnt.
Die Inhaberin des Cafés ist stets das erste menschliche Wesen, das ich zu Gesicht bekomme.
Sie heißt Marion, ist eine recht Nette und hat immer gute Laune. Ab und zu streichelt sie mich sogar, meistens dann, wenn sie auf mir einen Krümel entdeckt.
Brrrh, heute Morgen ist es irgendwie besonders ungemütlich. Draußen scheint es kalt zu sein, ich fröstele. Doch ich kann nicht klagen, mein Stammplatz direkt am Fenster ist soweit o.k. Hier sehe ich auch etwas von der übrigen Welt. Manche meiner Kollegen sind da viel schlechter dran. Sie müssen mit spärlich beleuchteten Ecken vorlieb nehmen. Besonders bedauere ich einen Mitstreiter, dem stets der Garderobenständer im Nacken sitzt. Die dort aufgehängten Mäntel und Jacken müffeln mitunter stark. Da trifft dann schon mal Knoblauchgeruch auf Frittenfett und vermischt sich mit schwerem, süßem Parfumduft aus einer Damenjacke. Außerdem wird er oft genug von Gästen angerempelt, die es eilig haben auf dem Weg zur Toilette, deren Türen ebenfalls in seinem direkten Umfeld sind. Er hat den schlechtesten Arbeitsplatz von uns allen.
Besuch bekommt er so gut wie nie. Allenfalls, wenn alle Tische im Café besetzt sind, wird ihm als Notstopfen die Ehre eines Gastes zuteil.
Oh, die Eingangstüre öffnet sich! Ein älterer Herr tritt ein, schaut sich suchend um und wählt mich zum Objekt seines Begehrens aus. Mit einem Seufzer lässt er sich nieder.
Marion kommt an den Tisch, fragt nach seinen Wünschen. Mein Besetzer erzählt, dass er noch nüchtern sei, gerade vom „Vampir“ – dem Arzt gegenüber – käme und sich nun auf ein Frühstück freue. Diabetes habe er, müsse häufig zur Blutkontrolle ... Ähnliche Geschichten habe ich schon oft gehört. Meistens beginnt mit diesen auch mein Arbeitstag. Der heutige Gast ist Gott sei Dank eher ein Leichtgewicht, da piekst es nicht so, wenn sich die Brötchenkrümel auf mir breit machen. Am frühen Morgen bin ich da besonders empfindlich.
Der mir sympathische Vampirgeschädigte hat sein Frühstück ziemlich hastig eingenommen und verlässt mich wieder. Schade, gerne hätte ich ihm länger Asyl gewährt.
Nach und nach füllt sich das Café. Das Stimmengewirr nimmt zu. Viele Angestellte aus den umliegenden Bürogebäuden nehmen hier ihr Mittagessen ein und die Luft wird zunehmend stickiger. Heute ist wieder „Kasseler mit Grünkohl-Tag“, da ist es immer besonders schlimm. Dieser gewöhnungsbedürftige Geruch setzt sich stets hartnäckig in meiner Kleidung fest!
Außerdem brennt mir jetzt zusätzlich die Sonne kräftig auf den Rücken – kein schöner Tag!
Solch ein Fensterplatz hat also doch Schattenseiten!
Am Nachmittag lässt sich ein munteres Damenkränzchen an meinem Tisch nieder.
Die – Verzeihung – stärkste Dickmamsell wählte ausgerechnet mich zur lastentauglichen Sitzgelegenheit aus. Ich fürchte, das wird eine langwierige Geschichte, denn es mangelt den vier Damen nicht an Gesprächsstoff. Nicht alles ist dabei wirklich ladylike und am schlimmsten sind ihre schrillen Stimmen, die nur von Lachanfällen bis zur einsetzenden Luftnot unterbrochen werden. Die Beschallung ist fast unerträglich! Nein, das ist heute nicht mein Tag!
Nach zwei Stunden kann meine Dickmamsell offensichtlich nicht mehr richtig sitzen. Ständig rutscht sie hin und her. Meine Beine werden langsam zittrig. Auch habe ich berechtigte Angst um mein Outfit, das an einer Stelle sowieso etwas angegriffen aussieht. Bin ja immerhin schon etwas in die Jahre gekommen. Eine Aufpolsterung mit Botox, von der eine der Möchtegernschönen eben so lautstark schwärmte, käme für mich nie in Frage!
Marion versucht durch musikalische Untermalung Wohlfühlstimmung zu vermitteln. Sie hat diese „ganz spezielle“ Wellness-CD aufgelegt, die ich schon in- und auswendig kenne und die mich immer sooo müde macht.
Bei den Damen zeigen sich keine Müdigkeitssymptome. Oder haben sie gerade Proseco bestellt, damit sie nicht in einen unerwünschten Entspannungszustand gleiten?
Jetzt tut sich etwas am Nebentisch. Eine sichtlich nervöse Dame mittleren Alters nimmt dort Platz. Am Revers ihres Blazers trägt sie eine weiße Stoffrose. Für meinen Kennerblick ein klarer Fall, eine „Blind-Date-Kandidatin“!
Sie hat ihren Platz, wie zu erwarten, mit Blick auf die Eingangstür gewählt. Immer, wenn sich diese öffnet und ein Mann eintritt, taxiert sie ihn unverhohlen und mehr oder weniger interessiert.
Nervös stochert sie an einem Stück Kuchen herum, bis sie schließlich vor leerem Teller sitzt. Auch dem Kaffeekännchen ist kein Tropfen mehr zu entlocken. Ebenfalls leer bleibt der Platz neben ihr. Ihr Gesicht ist gerötet, als sie schließlich zahlt und geht. Irgendwie tut sie mir leid.
Meine Tischgesellschaft kommt jetzt offensichtlich in Aufbruchstimmung.
Beim Bezahlen der Rechnung geben sie sogar „großzügig“ 50 Cent Trinkgeld!
Als sie endlich laut schnatternd das Café verlassen, atme ich erleichtert auf.
Nach und nach wird es immer ruhiger und gerade schließt sich mit leisem Quietschen die Eingangstüre hinter dem letzten Gast.
Marion wischt die Steinplatten der Tische ab und rückt die Zuckerdosen und Blumenväschen zurecht. Sie sieht müde aus. Mit ihr freue auch ich mich auf den wohlverdienten Feierabend.
Ganz zur Ruhe komme ich allerdings noch nicht, denn die Putzfrau rückt mir bereits mit ihrem dröhnenden Staubsaugerungetüm auf den Pelz.
Uuuiiii, heute meint sie es aber besonders gut! Sie massiert hingebungsvoll mein Polsterkleid mit einer kuschelweichen Vorsatzbürste. Jaaaaa, das könnte ich noch stundenlang genießen! Meine stark beanspruchten Muskeln entspannen sich langsam.
Eigentlich ist mein Leben doch gar nicht so schlecht!
Kurz bevor ich einschlafe, nicke ich dem Stuhl am Garderobenständer noch tröstend zu.
Er soll wissen, dass ich an ihn denke.
– Hoffentlich werden wir beide nie vertauscht! –


Begegnungen
Begegnungen sind wunderbar,
wenn wir sie zu schätzen wissen;
denn Gefühle sind gut teilbar –
schade, müssten wir dies missen.
Viel liegt es in unserer Macht,
alles innig zu gestalten.
Stets hat Segen es gebracht,
lässt statt Hass man Liebe walten.
Zweisamkeit
- Akrostichon -
Z usammenhalten
W orte prüfen
E infälle ausleben
I deen kreieren
S tille genießen
A ufmerksamkeit zeigen
M ußestunden einlegen
K ritik ertragen
E insamkeit aussperren
I nnere Werte schätzen
T oleranz üben


Gedankenspirale
Wer kennt das nicht? Eigentlich ist man hundemüde, wälzt sich aber dennoch schlaflos im Bett hin und her. Nichts wünscht man sich sehnlicher, als endlich in einen erholsamen Schlaf zu fallen, wäre da nicht so ein quirliges Wesen, das durch unseren Kopf spukt und ständig an einer Gedankenspirale dreht. Unaufhörlich zieht diese ihre immer größer werdenden Kreise. Ich fühle mich hilflos ausgeliefert. ...
Den Brief an Anne habe ich immer noch nicht beantwortet, obwohl es eine Menge Neuigkeiten mitzuteilen gibt. Wie mag es Tante Lisbeth gehen, ob die Spritzen gegen ihre starken Rückenschmerzen geholfen haben, ich muss sie unbedingt noch in dieser Woche besuchen. Könnte ich morgen machen … allerdings, im Garten ist auch noch viel zu tun, das Wetter soll wieder schlechter werden … Am Wochenende kommen Inge und Wolfgang zu Besuch, ich wollte sie diesmal mit einem besonders leckeren Abendessen verwöhnen – oder sollten wir doch lieber einen Tisch bei unserem Lieblingsitaliener bestellen, der Tisch im Erker ist recht schön, dort sitzt man gemütlich und ungestört.
… Wie hat bloß meine Mutter früher alles so mühelos geschafft, dabei war das Leben der Eltern damals in den Nachkriegsjahren alles andere als einfach …
Erneut werfe ich mich auf die andere Seite, zum wievielten Mal? – Ich versuche es jetzt mit Atemübungen … tiiiief ein, tiiiief ausatmen – drei bis fünfmal soll man es wiederholen, ich mache es vorsichtshalber sechsmal … oder sollte ich es lieber mit Autogenem Training versuchen? – Mein rechter Arm wird schwer, mein linker Arm wird gaaanz schwer. Wie ging es noch mal weiter? Ach, könnte ich doch endlich schlafen!
Der Rat meiner Freundin Maria fiel mir plötzlich ein mit 100%tiger Erfolgsgarantie. „Stell dir einfach einen leeren Karton vor und pack da alle aufkommenden Gedanken hinein. Ganz zu unterst legst du die Altlasten hinein, dann stapelst du nach Wichtigkeit sortiert und gebündelt alles Verbleibende, verschnürst das Paket fest und entsorgst es. Schmeiß es in hohen Bogen einfach in den Rhein!“
Hmmm, ... Stichwort Paket, das Geburtstagsgeschenk für Maria muss spätesten übermorgen zur Post gebracht werden, damit es noch pünktlich ankommt ...
„Jetzt reicht’s!“ – Ich schalte die Nachttischlampe ein. Ein Blick auf den Wecker sagt mir, dass der neue Tag schon vor zwei Stunden begonnen hat.
Jetzt fällt mir noch etwas ein, man solle sich alles Belastende einfach notieren. Angeblich sieht dann, bei Tag besehen, alles gar nicht mehr so unbeherrschbar aus. Vor Tagen hatte ich mir vorsichtshalber mal das Reklameblöckchen aus der Apotheke und einen Stift in die Nachttischschublade gelegt.
Ich setze mich auf, zücke Block und Stift und überlege: „Was wollte ich nun alles notieren, wollte ich morgen im Garten arbeiten oder die Briefpost erledigen?“ – Meine Füße werden kalt … mit kalten Füßen kann man nicht schlafen, also aufstehen, dicke Socken anziehen! Ach ja, und eine schöne Tasse heißer Milch mit Honig ist geradezu verlockend.
Danach kuschele ich mich wieder zurück in die Federn und fühle mich auf einmal richtig wohl. Der Kobold in meinem Kopf scheint ebenfalls erschöpft und des Drehens an der Gedankenspirale überdrüssig geworden zu sein.
Während ich endlich in die Traumwelt abdrifte, sehe ich ihn, fast gegenständlich, in einer Schlummerecke tief entspannt ruhen.
Ein Flügelpaar

Hätt’ einen Wunsch vor Gott ich frei,
so bät’ ich um ein Flügelpaar;
der Traum von Freiheit ist dabei
und Leichtigkeit, die wunderbar.
Im Flügelgleichklang liegt viel Kraft,
könnt aufsteigen in große Höh,
dort, wo Befreiung Platz sich schafft
und ich auch keine Grenzen seh.
Im Einklang fänd die Seele sich
recht bald mit körperlicher Hülle,
denn stimmig ist das Gleichgewicht -
bewirkt durch eindrucksstarke Fülle.
Spürte ich so der Flügel Macht,
könnt positiv ich vorwärts schaun.
Drum hab ich mir was ausgedacht,
worauf ich immer kann vertraun.
Stellen sich schwere Stunden ein,
lässt mein Geist mir Flügel wachsen;
gleich drauf wird alles leichter sein
und Sorgen werden schnell verblassen.
Lebenserkenntnis
Erfuhrst gar viel in deinem Leben,
durftest nehmen und auch geben.
Das letzte Drittel nun begann,
wie schnell doch all die Zeit verrann!
Du grübelst über viele Dinge
und wie man nun den Rest verbringe.
Doch schau dabei nicht auf die Mängel
wie auf der Rosen dornig Stengel.
Viel schöner ist der Blüte Pracht
und auch der Duft, den sie entfacht.
Schaust stets du in den Abgrund rein,
fällst du ganz sicherlich hinein.
Klagst ständig du dein Schicksal an,
wirst du dran scheitern, irgendwann.
Jammere nicht über die Dunkelheit,
entzünd ein Licht in dieser Zeit.
Lass Leere nicht im Leben zu,
den wahren Sinn findest auch du.
Verfolge ein gesetztes Ziel,
du wirst erkennen, das bringt viel.
Pack’s an mit etwas Lebensmut,
es tut dir ganz bestimmt nur gut.
Mit Zuversicht und etwas Schwung,
verschaffst du dir Erleichterung.
Auch solltest du dir Muße gönnen,
musst doch nicht mehr durchs Leben rennen.
Und nimm dir für die Freunde Zeit,
du brauchst sie auch und ihr Geleit.
Gestimmtsein
Im Leben werden wir begleitet
von Stimmungen auf Schritt und Tritt
Das Schicksal uns’re Wege leitet
es spielt uns manchmal ganz schön mit.
Wenn sich der Gram mit Kummer paart
stellt Unzufriedenheit sich ein.
Trübsinn macht dann das Leben hart
und noch gesteigert wird die Pein.
Missmut leicht in Schwermut endet,
gelingt nicht die Gelassenheit.
Bis das Blatt sich wieder wendet,
vergeht oft eine lange Zeit!
Dazu gehört viel Zuversicht,
und Ungeduld ist fehl am Platz.
Kommt man schließlich zu der Einsicht,
sieht man den richt’gen Denkansatz.
Gleichmut weckt den Frohsinn wieder,
lässt Übermut sogar entsteh’n.
Glücksgefühl drückt Ängste nieder,
kannst fröhlich nun durch’s Leben geh’n.
Der Knalleffekt
Seit vielen Jahren genießen mein Mann und ich in regelmäßigen Abständen eine Auszeit in einem kleinen Allgäuer Bergdorf.
Inzwischen könnte man sagen, dass wir fast mit jedem Stein in dieser herrlichen Bergwelt „per DU“ sind, dennoch zieht es uns stets auf ’s Neue dorthin. Der Erholungswert ist immer sehr gut. Wir kennen inzwischen viele Einheimische und fühlen uns in der vertrauten Ferienwohnung stets wie zu Hause.
Abenteuerliche Fernreisen, Erlebnisurlaube, all das durften wir in früheren Jahren genießen und sind auch für diese Zeiten sehr dankbar.
Heute wissen wir aber besonders die Ruhe, Gelassenheit und Offenheit der Menschen fernab von Hektik und forderndem Konsumdenken zu schätzen.
Wir freuen uns – wenn auch zugegebener Maßen nur für einen doch beschränkten Zeitraum – über die Einfachheit des Lebens, das man auf Almen und Hütten oder auch in solch einem Bergdorf heute immer noch antrifft.
Aus jedem unserer Allgäu-Urlaube haben wir bisher immer ganz „spezielle Eindrücke“ mit nach Hause gebracht.
Viele dieser Anekdoten lassen uns schmunzeln.
So auch diese Erinnerung.
Wir waren mit unseren Rucksäcken zum weiter entfernten Supermarkt gewandert, um Lebensmittel einzukaufen.
Dazu gehörte in erster Linie – es mag erstaunen – ein frischer Weißkohlkopf.
Um es kurz zu machen, ich hatte bei den vielen Wanderungen meine Knie zu sehr strapaziert und mein Laufen glich eher einem Humpeln. Wie gut, dass die naturverbundenen Allgäuer ihre Geheimrezepte haben – man hatte mir zu Weißkohlumschlägen geraten, die garantiert helfen würden.
Im Supermarkt angekommen, fand ich gleich in Eingangsnähe mein „Lebenselixier“. Na ja, die äußeren Blätter sahen schon etwas welk aus, die konnte ich gleich vor Ort entsorgen. Ich hatte gerade ein Blatt entfernt, da wurde ich von einer anderen Kundin angesprochen.
Schade, dass ich das nicht im richtigen Allgäuer Dialekt wiedergeben kann. Es würde nämlich erst richtig den „Knalleffekt“ erzeugen.
Die sympathisch wirkende Allgäuerin fragte, ob ich ihr, statt der Abfalltonne, die Blätter überlassen könne. Sie habe Hasen, die wären ganz verrückt nach Kohlblättern und würden sich über diese Delikatesse ganz bestimmt seeeehr freuen!

Selbst, wenn ich kein Tierfreund wäre, diese Bitte hätte ich niemals abschlagen können und ganz „versehentlich“ landeten gleich mehr als nur die äußeren Blätter in dem Stoffbeutel der Hasenbesitzerin. Mit den Worten: „Ja, ich danke recht schön, da werden sich die Hasen sakrisch freuen! Sie werden’s nett glaub’n, wie man’s dann aus dem Stall knalle hört“, ging sie freudestrahlend weiter, drehte sich nochmals um und wiederholte, welch große Freude ich den Hasen machen würde.
So einfach kann es sein, Glück zu vermitteln – egal ob es um die Hasen oder deren Kohlüberbringerin geht!
Dass mir die Umschläge der restlichen Kohlblätter geholfen haben, mag sicher daran liegen, dass ich Blatt für Blatt an die „knallenden Hasen“ denken musste. Bekanntlich trägt ja Lachen auch sehr zur Genesung bei.
Ein Handschlag
Ein Handschlag ist bedeutungsvoll,
mit ihm kommt stets man in Kontakt.
Verzeiht mit ihm auch manchen Groll,
besiegelt oftmals einen Pakt.
Der Hände Druck sagt sehr viel aus,
lässt Schwäche oder Kraft erspür’n,
– setzt Feingefühl jedoch voraus –
„LASST EUCH VOM HÄNDEDRUCK BERÜHR’N!“
Meditation
Lausche ich dem Ticken einer Uhr, wird mir die eigene Vergänglichkeit besonders bewusst.
Mit jedem Pendelschlag erkenne ich den flüchtenden einmaligen Augenblick.
Nicht wissend, wie viele dieser Augenblicke mir noch bleiben, lerne ich deren Wichtigkeit schätzen, ist es doch gleichzeitig meine Lebensuhr, die abläuft.
Diese Einstellung hilft mir Unwichtiges von Wichtigem zu trennen.
Ich erkenne, dass mir zwischen Gegenwart und Zukunft die Gunst und die Kunst gewährt wird, meine Zeit sinnvoll zu gestalten.

Harmonie
Harmonie möcht’ in dir baden –
will dich hüten wie einen Schatz.
Falsche Freunde ich auslade –
sie finden bei mir keinen Platz.
Harmonie, bist der Liebe Kind!
Dir steht meine Tür stets offen.
Komme doch bitte ganz geschwind,
du lässt mich auf Ruhe hoffen.
Harmonie, melodisches Wort –
zauberst gleich harte Töne fort.
Bringst nur Wärme, niemals Kühle
schaffst so stimmige Gefühle.
Quintessenz
M e n s c h
du hast
gesunde Beine, doch du willst nur ruhn,,
du kannst
hören, doch du stellst dich taub
du hast
Augen zum Schauen, doch du willst nichts sehen,
du hast
eine Stimme zum Reden, doch du bleibst stumm,
du hast
ein gesundes Herz, aber sicher niemanden, der es schlagen hören will.
Unsterbliche Gedanken
Gedanken – wie die Wolken ziehn –
mal drückend schwer, mal federleicht.
Sie festzuhalten – mein Bemühn –
damit die Nachwelt wird erreicht.
So bleibt von mir noch etwas hier,
wenn ich schon lange nicht mehr bin.
Gedanken, die ein Teil von mir
finden in Versen ihren Sinn.
Lebensstraße
Regennass glänzt der Asphalt,
steh’ im Dunkeln ganz allein.
Wind zerrt an mir eisig kalt,
fühle mich ganz winzig klein.
Unter mir die Autobahn,
Kolonnen seh’ ich ellenlang.
Alle Spuren dicht befahr’n,
es geht nur noch im Schneckengang.
Blutrot ziehen Lichter Streifen –
fast utopisch sieht es aus,
Scheinwerfer von vorn angreifen,
setzen noch den i-Punkt drauf.
Mensch, was bist du in der Masse?
Nur Statist vor den Kulissen!
Kleiner Teil der Lebensstraße,
wer wird dich einmal vermissen?
Der Seelenfänger
Missgunst, auch Neid und falsche Zungen
haben SIE in die Knie gezwungen.
Sie, die voller Nächstenlieb’
völlig auf der Strecke blieb.
Ehrlichkeit, Bescheidenheit,
stets für Andere bereit,
all dies passte nicht ins Leben
da ganz anders SEIN Bestreben.
Nur Streit und Gier sind seine Welt,
Brutalität und Jähzorn zählt.
Als Seelenfänger stets auf Tour
bevorzugt er die Besten nur.
Vernichten will er alles Gute,
nur dabei ist’s ihm wohl zumute.
Er reißt so alle Brücken ein,
für alle ist er nur ein Schwein.
In Wahrheit ist’s ein armer Wicht,
denn Lieb’ und Freundschaft kennt er nicht.
Im Fangkorb seine Seele liegt,
die dort am allerschwersten wiegt.
Daran hat er in fernen Tagen
ganz sicherlich sehr arg zu tragen.
Der Teufel reibt sich schon die Hände
und freut sich auf des Fängers Ende.
Tierische Völkerverständigung
Auf einem Salatblatt, ganz zufrieden,
sieht man eine Schnecke liegen.
Sie ruht sich wohl gerade aus,
vor Sonne schützt sie gut ihr Haus.
Was sie nicht sieht – im Buckelgang –
naht eine Raupe sich heran.
Das Blatt beginnt recht bald zu schwanken,
reißt sie aus traumhaften Gedanken.

Als sie die Fühler raus gestreckt,
hat sie voll Schreck sofort entdeckt,
dass unter ihrem Schneckenhaus
ganz plötzlich tut ein Loch sich auf.
Die Raupe sie gleich drauf erblickt,
die ebenso, wie sie, erschrickt.
Obwohl nun beide ängstlich zittern,
sie ihren Absturz förmlich wittern,
beäugen sie sich mal genauer,
bedenken dann, vielleicht wär’s schlauer,
wenn wir uns dieses Blatt hier teilen,
könnten friedlich beieinander weilen.
So ist es letztlich auch geschehen;
heut kann man sie als Freunde sehen.
Warum, so frag ich, ist’s so schwer,
nimmt Menschen man zum Beispiel her?
The free sample has ended.