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Frank Rehfeld, Rolf Michael

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Inhaltsverzeichnis

  Romantic Thriller Doppelband 1301 - Zweimal Liebe, Spannung und Geheimnis

  Copyright

  Jagd auf den Jenseitsmörder

  Die Burg der Totenvögel

Romantic Thriller Doppelband 1301 - Zweimal Liebe, Spannung und Geheimnis
Rolf Michael, Frank Rehfeld

Dieser Band enthält folgende Romane:

Jagd auf den Jenseitsmörder (Rolf Michael)

Die Burg der Totenvögel (Frank Rehfeld)

Auf Einladung ihrer Tante Lady Mary reist Jennifer Miles gemeinsam mit ihrem Freund Dr. Michael Rhodes nach Crow Castle. Doch als sie dort eintrifft, muss sie erfahren, dass das Oberhaupt der O'Brian-Familie kurz zuvor unter mysteriösen Umständen verstorben ist. Der ganze Clan reist an, um der Herrin von Crow Castle die Letzte Ehre zu erweisen – und der Testamentseröffnung beizuwohnen. Der Neffe Lady Marys, Patrick O'Brian, sowie Sean O'Brian, ihr Nachlassverwalter, verhalten sich Jennifer gegenüber äußerst abweisend, und nur durch Michaels Einsatz entgeht sie einem Mordanschlag. Scheinbar existiert ein neues Testament, in dem jemand anderes als Patrick O'Brian als Alleinerbe genannt wird …

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author / COVER FIRUZ ASKIN

© dieser Ausgabe 2021 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

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Jagd auf den Jenseitsmörder

Romantic Thriller von Frank Rehfeld

Der Umfang dieses Buchs entspricht 120 Taschenbuchseiten.

Helen Chambers malt Bilder, die sich unbewusst mit dem Tod beschäftigen. Das zieht den Verbrecher Bannister magisch an, der den Tod selbst als Kunstwerk begreift. Nachdem er von Helen in Notwehr erschossen wurde, kehrt er als Geist zurück. In ihrer Not sucht sie Hilfe beim Geisterjäger Sutton, der sich jedoch als Hochstapler entpuppt. Dennoch nehmen beiden Kampf gegen den Geist auf, weil ihnen niemand sonst helfen kann.

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© by Author

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

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1

„Nein, George‟, sagte Heather Chambers entschieden und schüttelte den Kopf. Am liebsten hätte sie gelacht, obwohl die Situation eher zum Weinen war. „Das würde nicht funktionieren. Schlag es dir aus dem Kopf.‟

„Du lehnst es einfach kategorisch ab, weil du dich gar nicht näher damit beschäftigen willst‟, behauptete er und drehte nervös seine Kaffeetasse in den Händen. „Denk doch wenigstens einmal darüber nach. Schon seit Jahren, seit Pauls Tod, vergräbst du dich hier wie eine Einsiedlerin, während das Leben an dir vorbeizieht.‟

Nachdenklich betrachtete Heather den blonden, leicht übergewichtigen Mann, der ihr gegenüber auf einer Bank des Diners saß, in dem sie gegessen hatten. Vielleicht hatte George Wilton in mancherlei Hinsicht gar nicht mal so unrecht.

Es stimmte, dass sie seit Pauls Tod, also seit nunmehr vier Jahren, sehr abgeschieden lebte und sich beinahe völlig in ihre Arbeit vergrub. Sie war fünfundzwanzig Jahre alt, in einem Alter, in dem andere ihr Leben in vollen Zügen genossen, während sie es weitgehend an sich vorbeistreichen ließ. Das war ihr schon seit langem bewusst, und es war nicht das erste Mal, dass sie mit George darüber sprach.

Dennoch konnte sie nicht anders. Der Gedanke an die Welt dort draußen, außerhalb ihres eigenen kleinen Reichs, ängstigte sie, und sie war noch nicht bereit, sich ihr wieder zu stellen.

Früher war sie anders gewesen. Eine lebenslustige junge Frau, die viel unternahm, gerne ausging und keine Probleme damit hatte, auf Leute zuzugehen. Dann aber hatte sie Paul Chambers kennengelernt. Er war die große Liebe ihres Lebens gewesen. Sie hatten geheiratet, aber ihre Verbindung hatte unter keinem günstigen Stern gestanden. Nicht einmal ein Jahr nach der Hochzeit war Paul bei einem unverschuldeten Autounfall ums Leben gekommen, und von diesem Moment an hatte sich alles für Heather geändert.

Sie hatte allein sein wollen, um mit ihrer Trauer fertig zu werden. Durch das Geld, das sie von Paul geerbt und dem, das sie von seiner Lebensversicherung erhalten hatte, war sie finanziell relativ unabhängig. Sie hatte ihren Job als Angestellte einer Kunstgalerie aufgegeben und war aus Seattle weggezogen. In der kleinen Ortschaft North Bend, die etwa fünfzig Kilometer östlich von Seattle ebenfalls im amerikanischen Bundesstaat Washington lag, hatte sie ein abgelegenes Haus gekauft, wo sie seither lebte.

Eine Einsiedelei, wie George es nicht ganz zu Unrecht bezeichnet hatte, denn nach und nach hatte sie im Laufe der folgenden Wochen und Monaten den Kontakt zu beinahe allen ihren Freunden abgebrochen. Ihre mehr oder weniger hilflosen Versuche, ihr Trost zu spenden, waren Heather immer unangenehmer geworden.

Den einzigen wirklichen Trost spendete ihr ihr Hobby, die Malerei. In ihren Bildern gelang es ihr, all ihren Kummer und Schmerz zum Ausdruck zu bringen. Schon früher hatte sie vereinzelte Bilder verkauft, und angesichts der Obsession, mit der sie dieser Tätigkeit nun nachging, hatte sie bald weitere Werke angeboten.

George Wilton, der Inhaber der Galerie in Seattle, bei der sie früher gearbeitet hatte, war bereit gewesen, eine Ausstellung für sie zu organisieren, und zu ihrer eigenen Überraschung hatte sie fast jedes angebotene Bild innerhalb kurzer Zeit verkaufen können.

Inmitten ihrer privaten Trauer hatte sie dadurch zumindest auf einem Gebiet Erfolg. Wie sie es sich schon früher manchmal erträumt hatte, hatte sie die Malerei von einem bloßen Hobby zum Beruf machen können und verdiente nicht einmal schlecht dabei. Mittlerweile hatte sie sich einen Namen geschaffen und erzielte für jedes neue Bild einen beachtlichen Preis.

„Ich brauche nicht weiter darüber nachzudenken, George‟, antwortete sie mit Verspätung und strich sich eine Strähne ihres rötlich-blonden Haares aus der Stirn, das ihr in Locken bis weit über die Schultern fiel. „Ich kenne dich schon seit so vielen Jahren, dass du wie ein Bruder für mich bist. Und auf genau diese Art mag ich dich auch. Mach das nicht kaputt, indem du plötzlich mehr willst. Du bist mein bester Freund, eigentlich sogar mein einziger, aber mehr wird niemals zwischen uns sein. Ich bin nun einmal nicht in dich verliebt, und so etwas lässt sich auch nicht erzwingen.‟

Warum bloß hatte er überhaupt damit angefangen? Begriff er denn nicht, welcher Zerreißprobe er ihre Freundschaft aussetzte, indem er plötzlich behauptete, sich in sie verliebt zu haben?

„Weil du dir nicht gestattest, überhaupt irgendwelchen Gefühlen nachzugeben, alles sofort unterdrückst. Mein Gott, du kannst doch nicht glücklich sein, so völlig allein. Aber wahrscheinlich willst du gerade das ja auch nicht. Du glaubst immer noch, du würdest eine Mitschuld an Pauls Unfall tragen, und dafür versuchst du dich zu bestrafen. Du meinst, du hättest gar kein Recht, jemals wieder glücklich zu sein.‟

„Es reicht jetzt‟, stieß sie heftig hervor. „Hör auf, den Amateurpsychologen zu spielen. Vielleicht habe ich meine Gefühle zu sehr verdrängt, aber das hat absolut nichts mit dir zu tun. Ich habe dir gesagt, dass ich dich nicht liebe, wie viel du mir aber als Freund bedeutest. Damit musst du dich begnügen, wenn du nicht auch diese Freundschaft zerstören willst.‟

Er schien regelrecht in sich zusammenzusinken, und fast taten ihre barschen Worte ihr schon wieder leid, denn sie konnte sehen, wie weh sie ihm damit tat. Aber anscheinend waren sie nötig gewesen, um ihm die Wahrheit begreiflich zu machen. Anderenfalls hätte er sich wahrscheinlich gänzlich zum Trottel gemacht und noch stundenlang versucht, sie zu etwas zu überreden, wozu man niemanden überreden konnte. Eine Liebesbeziehung mit ihm war für Heather schlichtweg unvorstellbar, daran würde George auch mit noch so liebevollem Verhalten und noch so viel Überredungskunst nichts ändern. In dieser Hinsicht war er absolut nicht ihr Typ.

„Ich glaube, wir sollten allmählich fahren‟, sagte sie mit einem Blick auf die Uhr. „Es ist schon spät.‟

„In Ordnung.‟ George nickte und rang sich ein verkniffenes Lächeln ab. „Dann muss ich wohl heute Nacht doch noch zurück nach Seattle fahren.‟

„Hättest du mir schon am Telefon gesagt, was es so Wichtiges gab, worüber du unbedingt mit mir sprechen musstest, hättest du dir die ganze Fahrt sparen können.‟

„Tja, hinterher ist man meistens schlauer. Aber ich hielt es für wichtig, persönlich mit dir zu sprechen. Und auch wenn das Ergebnis nicht so war, wie ich es mir erhofft habe, bedauere ich nicht, dass ich gekommen bin. Ich habe wirklich geglaubt, du würdest mehr als nur Freundschaft für mich empfinden, würdest dich aber nicht trauen, den ersten Schritt zu unternehmen.‟

„Da hast du dir etwas eingebildet. Und jetzt lass uns das Gespräch nicht wieder von vorne beginnen.‟

„Schon gut.‟

George winkte eine Kellnerin herbei, bat um die Rechnung und bezahlte. Das Diner, eine Art Mischung zwischen Café und Schnellimbiss, war zwar nicht übermäßig gemütlich, aber hier gab es die besten Hamburger, die Heather je gegessen hatte. Um in einem gemütlicheren Lokal zu essen, hätten sie außerdem wesentlich weiter fahren müssen, da es in North Bend kein einziges richtiges Restaurant gab.

Verglichen mit einer Großstadt wie Seattle musste man hier deutliche Abstriche machen, was kulturelle Angebote und ganz allgemein die Möglichkeit zum Ausgehen betraf. Zusammen mit dem Nachbarort Snoqualmie und sämtlichen weit verstreut außerhalb liegenden Häusern hatte die gesamte Ortschaft nicht einmal viertausend Einwohner.

Eine gewisse Bekanntheit hatten die beiden Orte im regnerischen Nordosten der USA lediglich vor einigen Jahren als Drehorte der Fernsehserie „Twin Peaks‟ erlangt. Gerade weil die Landschaft mit ihren endlosen Wäldern und den beiden titelgebenden Zwillings-Berggipfeln ihr in der Serie so gut gefallen hatte, war Heather hierher gezogen und hatte dies bislang nie bedauert. Die Kriminalitätsrate war äußerst niedrig, die Luft klar und gesund.

Hier war insgesamt ein sehr viel natürlicheres und naturverbundeneres Leben als in der Großstadt mit ihrer schnelllebigen Plastikkultur möglich, wo man gerade als Künstler allzu schnell den so wichtigen Bezug zu seinen Wurzeln verlor.

Zusammen mit George verließ sie das Diner und stieg in seinen Wagen, mit dem sie auch hergekommen waren.

2

Das Haus, das sie bewohnte, lag einige Kilometer außerhalb des Ortskerns. Heather bezeichnete es gerne als ihre „Farm‟, obwohl es vermutlich noch nie eine gewesen war. In dieser Gegend wurde so gut wie keine Landwirtschaft und Viehzucht betrieben. Auch sie selbst bestellte lediglich einen kleinen Gemüse- und Kräutergarten hinter dem Haus, und das einzige Tier, das sie jemals aufgezogen hatte, war ein Schäferhund mit Namen Rocky.

Dennoch erschien die Bezeichnung ihr passend, da das Gebäude wie eine Mischung aus einem Farmhaus und einer spät-viktorianischen Villa aussah. Sie liebte es, hätte es um nichts in der Welt wieder gegen ein Haus oder ein Apartment in der Großstadt eingetauscht.

George hielt den Mercedes auf der halbkreisförmigen Auffahrt ein Stück vor ihrer Haustür an.

„Danke für die Einladung und deinen Besuch‟, sagte Heather. „Nimm es nicht so schwer, auch wenn du dir etwas anderes erhofft hast. Ich rufe dich Ende der Woche wegen der neuen Bilder an.‟

Sie beugte sich zu ihm hinüber und gab ihm einen freundschaftlichen Kuss auf die Wange, weil sie erst gar nicht damit anfangen wollte, bisherige Gewohnheiten nur aufgrund seines Geständnisses an diesem Abend zu ändern, dann stieg sie aus.

Der Kies der Auffahrt knirschte unter ihren Füßen, während sie im Licht der Wagenscheinwerfer auf die Haustür zuging. Als Kavalier, der er schon immer gewesen war, wartete George, bis sie im Haus war.

Heather holte den Haustürschlüssel aus ihrer Tasche, stutzte dann aber und blieb stehen. Irgend etwas stimmte nicht, auch wenn sie nicht sofort wusste, was es war. Erst nach ein paar Sekunden wurde ihr bewusst, um was es sich handelte.

Es war zu still.

Nachdem sie ihn den ganzen Abend über allein gelassen hatte, hätte Rocky eigentlich bereits von innen an der Haustür kratzen und vor Freude bellen und winseln müssen, um sie zu begrüßen, doch von dem Hund war nichts zu hören.

Hinter ihr streckte George den Kopf zum Wagenfenster heraus.

„Was ist los?‟, rief er. „Stimmt etwas nicht?‟

„Rocky‟, gab sie zurück. „Er rührt sich nicht, und du weißt ja, wie er sich normalerweise verhält.‟

George stieg aus, schlug die Wagentür zu und kam auf sie zu, wofür sie ihm sehr dankbar war. Sie hatte das Gefühl, dass sie einen Beschützer brauchen konnte.

„Das ist allerdings merkwürdig‟, sagte er. „Ich begleite dich noch ins Haus, und wir sehen nach.‟

Heather nickte. Ihre Finger zitterten leicht, als sie den Schlüssel ins Schloss steckte, und sie brauchte mehrere Anläufe dazu. Wie eine düstere Wolke schien Unheil vor ihr zu lauern.

Sie öffnete die Tür und schaltete das Licht ein.

Der Hund lag nicht weit von ihr entfernt, direkt im Durchgang zwischen dem kleinen Flur und dem Wohnzimmer. Eine große Blutlache hatte sich unter ihm ausgebreitet, war teilweise bereits auf dem Parkettfußboden getrocknet.

Jemand hatte ihm die Kehle durchgeschnitten.

„Rocky!‟, schrie Heather voller Entsetzen und wollte auf den Hund zustürmen.

„Warte!‟, rief George und griff nach ihr, um sie zurückzuhalten, bekam jedoch nur einen Ärmel ihrer Jacke zu packen und wurde von ihrem Schwung selber zwei Schritte nach vorne gezogen.

Dennoch wurde sie aufgehalten und musste sich umdrehen, um sich loszureißen. Nur deshalb sah sie den Mann, der im toten Winkel hinter der Tür gelauert hatte. Sie öffnete den Mund zu einem Warnschrei, doch es war bereits zu spät.

Ein ersticktes Röcheln drang aus Georges Kehle, und er riss die Augen weit auf, als der Fremde ihm von hinten ein Messer tief in den Rücken rammte. Sofort zog er es wieder heraus und stach erneut zu.

Georges Augen wurden glasig. Blut quoll aus seinem Mund, und im nächsten Moment brach er zusammen. Reglos blieb er mit dem Gesicht nach unten liegen. Das aus den Wunden in seinem Rücken dringende Blut begann sein Jackett dunkel zu färben.

Erst jetzt gelang es Heather, den entsetzten Schrei, der sich in ihr aufgestaut hatte, auszustoßen, obwohl sie wusste, dass so abgelegen hier draußen niemand sie hören würde. Das nächste Haus lag mehr als einen Kilometer entfernt.

Mit dem Fuß drückte der Fremde die Haustür zu. Mit dem Messer in der Hand kam er auf sie zu. Blut tropfte von der Klinge.

„Hallo, Heather‟, sagte er mit volltönender, sonorer Stimme. „Ich freue mich, dass wir uns endlich einmal kennenlernen.‟

3

Der fremde Eindringling mochte Mitte dreißig sein, war groß und breitschultrig, sehr kräftig. Sein Körper war durchtrainiert, das zeigte jede seiner Bewegungen. Er war ganz in schwarz gekleidet; schwarzer Rollkragenpullover, schwarze Hose und schwarze Schuhe, sogar sein kurzgeschnittenes Haar und seine dünnen Handschuhe waren schwarz. Das einzig Helle an ihm war sein Gesicht. Es sah fast weiß aus, wie das eines Vampirs, als wäre er seit Jahren nicht mehr in der Sonne gewesen.

Ansonsten wirkte es nicht einmal unsympathisch. Mit seinen kräftigen Wangenmuskeln, den vollen Lippen und der schmalen, sehr geraden Nase sah der Mann sogar recht gut aus. Wäre er Heather unter anderen Umständen begegnet, hätte sie ihn sicherlich sehr attraktiv gefunden.

Jetzt aber, als Einbrecher in ihrem Haus, der ihren Hund und vor ihren Augen gerade ihren besten Freund getötet und das gleiche Schicksal sicherlich auch ihr zugedacht hatte, kam er ihr wie ein Dämon vor, ein Schreckgespenst, das direkt aus den tiefsten Abgründen der Hölle emporgestiegen war.

Seine bläulich-grauen Augen unterstrichen diesen Eindruck noch und zerstörten die Attraktivität seines Gesichts. Keine Spur von Leben und Gefühl war in ihnen zu erkennen. Sie waren tot wie Glasmurmeln, kalt wie Eis.

Obwohl Rocky ein ausgewachsener, großer Schäferhund gewesen war, hatte der Fremde beim Kampf gegen ihn keinerlei sichtbare Verletzung davongetragen. Das allein zeigte schon, wie stark, schnell und geschickt er war.

Heather wollte herumfahren und wegrennen, doch sie konnte sich kaum bewegen. Nur langsam, zentimeterweise, wich sie nach hinten zurück, während er ebenso langsam weiter auf sie zu kam. Die ganze Zeit über starrte sie ihn mit vor Entsetzen weit aufgerissenen Augen an, wie eine Maus, die vom Blick der herankriechenden Schlange hypnotisiert und gelähmt wurde.

„Hab keine Angst vor mir‟, sagte er. Seine Stimme klang sanft, fast beruhigend. „Ich bin nicht hier, um dir etwas anzutun. Schon seit einiger Zeit bin ich ein großer Bewunderer deiner Kunst. Leider habe ich mir niemals selbst eins deiner Bilder leisten können, aber ich habe jede deiner Ausstellungen besucht und mir deine Werke angesehen. Dabei habe ich gemerkt, wie ausgesprochen seelenverwandt wir zu sein scheinen.‟

Er ist verrückt!, schoss es Heather durch den Kopf. Sie hatte geglaubt, es mit einem Einbrecher zu tun zu haben, der es auf ihre Wertsachen abgesehen hatte, bevor sie und George ihn unglücklicherweise überrascht hatten. Wie es aussah, ging es ihm jedoch um ganz etwas anderes. Er wusste genau, wer sie war und was sie machte. Anscheinend hatte er gezielt hier auf sie gewartet.

Aber wozu? Welcher Art war sein Wahnsinn? Die Antworten auf diese Fragen würden möglicherweise lebenswichtig für sie sein. Er war doch sicherlich nicht in ihr Haus eingebrochen, hatte ihren Hund und nun auch George getötet, nur um mit ihr eine Diskussion über ihre Arbeit zu führen.

„Was ... was wollen Sie von mir?‟, keuchte sie.

„Herausfinden, ob du wirklich die bist, für die ich dich aufgrund deiner Bilder halte‟, erwiderte er. „Jemand, der so denkt wie ich.‟

Sein Akzent klang etwas fremd; er schien nicht direkt aus dieser Gegend zu stammen. Eher hörte er sich nach dem mittleren Westen an, nach Utah, Arizona oder einem der angrenzenden Bundesstaaten. Entfernte Verwandte, bei denen Heather als Kind mehrfach gewesen war, besaßen eine kleine Ranch in der Nähe von Salt Lake City, und dort hatte man mit ähnlichem Akzent gesprochen.

„Ich ... verstehe nicht, was ... Sie meinen.‟

Sie war bis an die Wand zum Wohnzimmer zurückgewichen. Wenn sie noch weiter wollte, musste sie mit einem Satz über Rocky hinweg springen, und dazu fehlte ihr momentan die Kraft.

Ihr Gegenüber hatte diese Probleme nicht. Er stieg über Georges Leichnam hinweg, ohne auch nur den Blick nach unten zu senken, und kam langsam weiter auf sie zu.

„Natürlich verstehst du‟, sagte er barsch. „Ich spreche von der Aussage deiner Bilder, von dem, was du so meisterhaft auf die Leinwand gebannt hast. Es ist dir gelungen, dem Tod in all seiner Pracht und Herrlichkeit unvergängliche Denkmäler zu setzen, wie auch ich ihm in anderer Form fröne.‟

Die Gedanken überschlugen sich in Heathers Kopf. Der verrückte Eindringling war nicht der erste, der dies behauptete.

Schon früher hatten einige Kritiker angemerkt, dass sie sich in ihren Werken hauptsächlich mit dem Tod zu beschäftigen schien, während ihr selbst dies gar nicht so bewusst gewesen war. Sicher, viele ihrer Bilder waren düster, zeugten von Entfremdung und Einsamkeit in der modernen Gesellschaft, aber es war ihr niemals darum gegangen, gezielt den Tod darzustellen.

Wenn, dann war dieser Aspekt höchstens unbewusst eingeflossen, eine Reaktion auf den Verlust Pauls. Möglich, dass sie dieses Gefühl in den Bildern zum Ausdruck gebracht hatte, um durch diese Form der Verarbeitung leichter darüber hinwegzukommen.

Bislang hatte sich Heather jedoch trotz der entsprechenden Kritiken – die zudem ja nicht einmal negativ gewesen waren – keine allzu intensiven Gedanken darüber gemacht. Schließlich hatte sie nie auch nur im Traum ahnen können, dass sie aufgrund dieses Aspekts ihrer Malerei eines Tages das Interesse eines geistesgestörten Mörders erringen könnte.

Im Moment schien sie sich nicht in akuter Gefahr zu befinden. Offenbar wollte der Kerl sie nicht direkt töten, sondern sich vorläufig wirklich nur mit ihr unterhalten, um herauszufinden, ob sie tatsächlich so dachte wie er – was natürlich nicht der Fall war.

Heather glaubte nicht, dass George sein erstes Opfer gewesen war. Mit großer Wahrscheinlichkeit hatte er schon früher getötet. Seinen Worten zufolge empfand er dabei auch keinerlei Reue, sondern war eher stolz darauf. Offenbar betrachtete er das Morden als eine Art von Kunst, sah sich als eine Art Todesengel.

Aufgrund ihrer düsteren Bilder glaubte er, in ihr eine Gleichgesinnte gefunden zu haben, die den Tod verherrlichte, obwohl das nie ihre Absicht gewesen war. Das aber durfte er auf keinen Fall merken. Heather zweifelte nicht daran, dass er auch sie gnadenlos umbringen würde, wenn er zu dem Schluss gelangte, dass er sich in ihr getäuscht hatte. Das zeigte sich schon daran, dass er nicht einmal eine Maske trug.

Fieberhaft überlegte sie.

Wollte sie ihr Leben retten oder zumindest etwas Zeit gewinnen, blieb ihr also nichts anderes übrig, als auf sein abartiges Spiel einzugehen, und dabei musste sie äußerst überzeugend wirken.

„Der Tod‟, stammelte sie und ärgerte sich über ihre eigene Unbeholfenheit im Augenblick der Gefahr. Die panische Angst, die sie empfand, lähmte nicht nur ihren Körper, es fiel ihr auch schwer, klar zu denken, dabei war gerade dies jetzt wichtiger als jemals zuvor. „Ja, natürlich habe ich ihn gemalt, schon oft, und zwar so, wie ich ihn sehe.‟

„Herrlich und erhaben, ein unbarmherziger Schnitter, für den es keine verschlossenen Türen gibt. Er ist überall zugleich, und selbst die Mächtigsten dieser Welt müssen sich ihm beugen‟, raunte er ehrfurchtsvoll.

Heather nickte und bemühte sich, begeistert auszusehen.

„Genauso habe ich ihn immer darzustellen versucht‟, log sie.

„Ich wusste, dass ich in dir eine verwandte Seele gefunden habe, dass wir vieles gemeinsam haben und auf die gleiche Art sehen‟, rief er voller Freude. „Ich heiße übrigens Jack Bannister.‟

Ein höflicher Einbrecher, dachte sie zynisch und erwartete fast schon, dass er ihr seine Hand entgegenstreckte. Brich ruhig in ein Haus ein und morde ein bisschen, aber vergiss bloß niemals deine guten Manieren.

Dass er ihr so bereitwillig seinen Namen verriet – auch wenn sie nicht nachprüfen konnte, ob er wirklich so hieß – verriet ihr aber noch etwas anderes, was kein bisschen lustig war. Zusätzlich zu dem Verzicht auf eine Maske war es ein Beweis, dass er sie auf keinen Fall am Leben lassen würde, wenn er herausfand, dass sie ein falsches Spiel mit ihm trieb.

„Einen grundlegenden Unterschied gibt es allerdings zwischen uns‟, fuhr er fort. „Du verkörperst gewissermaßen die Theorie, während ich ein Mann der Praxis bin. Bei dieser Konstellation denke ich, dass wir gegenseitig viel voneinander lernen können.‟

„Was meinen Sie?‟

„Hast du schon einmal getötet?‟

Heather überlegte blitzschnell, ob sie lügen sollte, entschied sich dann aber, bei der Wahrheit zu bleiben. Sie hatte das Gefühl, als ob Bannister ihr eine solche Lüge erst gar nicht glauben würde, und sie wollte ihn nicht zusätzlich misstrauisch machen.

„Nein‟, antwortete sie. „Noch nie. Ich habe nur beim Malen schon oft darüber nachgedacht, wie es wohl sein würde.‟

„Es ist einfach ein unvergleichliches Gefühl, und das ist es, was ich dir beibringen werde. Du musst deine inneren Schranken überwinden, was nicht ganz einfach ist, aber wenn du es einmal getan haben, wirst du diese Erfahrung nicht mehr missen wollen. Wir beide, Heather, wir sind Auserwählte. Werkzeuge, um die Herrschaft des Todes zu verkünden und sein Reich zu vergrößern. Und als Dank für unsere Dienste als seine treuesten und eifrigsten Diener wird er uns als einzige verschonen, wenn unsere Zeit gekommen ist.‟

Das war es also, worauf sich sein entsetzliches Weltbild gründete, dachte sie schaudernd. Indem er andere tötete, hoffte er, für sich selbst Unsterblichkeit zu erlangen. Er war wirklich völlig wahnsinnig.

Wenn sie ihn nur ein paar Sekunden ablenken könnte, um mit etwas Vorsprung ins Wohnzimmer zu gelangen, sahen ihre Chancen etwas besser aus. Dort gab es eine Tür zur Terrasse, und wenn sie es schaffte, ins Freie zu flüchten, konnte sie sich eventuell im Garten oder im direkt an das Anwesen angrenzenden Wald verstecken.

Dafür müsste sie aber wirklich schon einen beträchtlichen Vorsprung gewinnen. So durchtrainiert, wie er offensichtlich war, würde er sehr viel schneller als sie laufen und sie wahrscheinlich innerhalb kürzester Zeit einholen, noch bevor sie ein Versteck fand.

Es gab aber noch eine andere Möglichkeit. Er schien nur mit dem Messer bewaffnet zu sein. Solange sie selbst unbewaffnet war, bräuchte er aber selbst das vermutlich nicht einmal, um sie zu töten. Bei seinen Muskeln würde er ihr spielerisch auch mit bloßen Händen das Genick brechen oder sie erwürgen können.

In ihrer Nachttischschublade bewahrte sie eine Pistole auf. So einsam, wie sie hier draußen wohnte, hatte sie sich nach ihrem Umzug zunächst Rocky als Wachhund aus einem Tierheim geholt, kurze Zeit später aber zur Sicherheit auch die Waffe gekauft. Sie sollte in erster Linie zur Abschreckung dienen, falls sie einmal ungebetenen Besuch bekommen sollte. Bislang war sich Heather nicht einmal sicher gewesen, ob sie überhaupt in der Lage wäre, sie auf einen Menschen zu richten.

Jetzt hatte sie diese Bedenken nicht mehr. Wenn es ihr gelingen sollte, an die Waffe zu kommen, würde sie ohne Skrupel auf Bannister schießen, um ihr eigenes Leben zu retten, um den Tod Rockys und den kaltblütigen Mord an George zu rächen, und um zu verhindern, dass der Wahnsinnige noch weitere Morde begehen konnte.

Der Nachteil jedoch war, dass sich ihr Schlafzimmer im oberen Stockwerk befand. Um die Treppe zu erreichen, die sich dicht neben der Haustür befand, musste sie zunächst an Bannister vorbei, und dazu würde er ihr so leicht keine Gelegenheit geben.

In diesem Moment gab George Wilton ein leises, gequältes Stöhnen von sich. Er hatte die Augen geschlossen und bewegte sich auch jetzt nicht, aber das Stöhnen war eindeutig von ihm gekommen. Heathers ohnehin schon rasend schneller Herzschlag beschleunigte sich noch mehr. Trotz seiner furchtbaren Verletzungen lebte George!

„Hartnäckiger, als ich gedacht habe‟, kommentierte Bannister mitleidlos. „Aber eine gute Gelegenheit für einen kleinen Test, ob du wirklich würdig und bereit bist, dich mir anzuschließen. Töte ihn, Heather. Für den Anfang wird es dir bei ihm leichter als bei einem anderen fallen, denn er wird ohnehin sterben. Wenn nicht an den Verletzungen, die er bereits erlitten hat, dann werde ich ihn töten. Er ist schon so gut wie tot, also sollst du dieses Werk vollenden.‟

„Nein!‟, stieß Heather entsetzt hervor.

„Du musst! Um es dir zu erleichtern, kannst du dir sagen, dass du ihn nur von seinen Qualen erlöst, da er ohnehin dem Tode geweiht ist. Denk daran, wie erhaben und prachtvoll du den Tod stets gesehen und gemalt hast. Oder sollte ich mich vielleicht doch in dir getäuscht haben? Töte ihn als Beweis, dass du die Wahrheit gesagt hat, und damit ich weiß, dass wir zusammen gehören. Anderenfalls zeigst du, dass du nicht besser als die jämmerlichen Kreaturen bist, die den Tod fürchten. Dann verdienst du es auch, ebenso wie sie zu sterben.‟

Er hielt Heather das Messer entgegen, und sofort erkannte sie ihre Chance. Natürlich würde sie George nicht ermorden, niemals, aber wenn sie erst einmal das Messer hatte und Bannister waffenlos war, standen ihre Chancen schon wesentlich besser.

Scheinbar zögernd trat sie auf ihn zu. Langsam, als müsste sie sich selbst überwinden, streckte sie die Hand nach dem Messer aus. Sie rechnete damit, dass Bannister es im letzten Moment zurückziehen würde, doch als das nicht geschah, nahm Heather die Waffe nach einem weiteren kurzen Moment des Zögerns an sich.

An Bannisters Haltung erkannte sie, dass er vorsichtig war. Er war darauf gefasst, dass sie einen Angriff auf ihn unternehmen würde, und bereit, ihn abzuwehren. Anders, als es bei ihm wahrscheinlich der Fall war, hatte Heather im Messerkampf keinerlei Erfahrung. Wenn sie jetzt einfach plump nach ihm stach, würde er ihr bestimmt ausweichen können und sie anschließend sofort wieder entwaffnen. Dann wäre auch ihr Leben verwirkt.

Irgendwie musste sie ihn überrumpeln.

„Aber George ist mein Freund‟, presste sie hervor, während sie sich mit dem Messer in der Hand bückte und neben ihm in die Hocke ging. Auch jetzt bewegte George sich nicht, war immer noch bewusstlos.

„Freundschaft ist nur eine Illusion‟, behauptete Bannister. „Etwas, woran du doch selber nicht glaubst, wenn du dir selbst gegenüber ehrlich bist. Sonst hätte sich davon auch in deinen Bildern etwas gefunden. Wirf diesen Ballast über Bord und töte ihn. Du wirst sehen, es wird wie ein Schritt in eine neue Welt für dich sein.‟

Heather registrierte, dass er seine Abwehrhaltung lockerte. Offenbar rechnete er jetzt nicht mehr wirklich damit, dass sie ihn aus dieser für sie sehr ungünstigen Position angreifen würde, und plötzlich wusste sie, was sie zu tun hatte.

Mit aller Entschlossenheit und Kraft rammte sie ihm das Messer durch den Schuh in seinen rechten Fuß. Noch während Bannister vor Überraschung, Schmerz und Wut aufschrie, warf sie sich bereits zur Seite und sprang auf.

Trotz seiner Schmerzen reagierte er unglaublich schnell und versuchte nach ihr zu greifen, bekam ihre Jacke jedoch nicht richtig zu packen. Heather riss sich los und war im gleichen Moment an ihm vorbei. So schnell sie konnte, hastete sie die Treppe hinauf.

„Das wirst du bereuen, du Miststück!‟, brüllte Bannister ihr nach, während er sich bückte, und das Messer aus seinem Fuß zog. „Warte nur, ich kriege dich!‟

Heather rannte weiter. Sie erreichte ihr Schlafzimmer und hastete hinein. Mit zitternden Fingern zog sie ihre Nachttischschublade auf und ergriff die Pistole. Ihre Nerven waren wie hauchdünne Seidenfäden und drohten jeden Moment zu zerreißen, doch mit der Waffe fühlte sie sich bereits ein klein bisschen sicherer.

Anders als zuvor, war sie sich nicht wirklich sicher, ob sie es fertigbringen würde, auf Bannister zu schießen, doch sie hoffte, dass das auch gar nicht nötig sein würde. So gleichgültig ihm das Leben anderer war, so wertvoll schien ihm sein eigenes zu sein. Vielleicht würde er aufgeben, wenn sie die Pistole auf ihn richtete.

Als sie sich umdrehte, hatte auch Bannister die Schlafzimmertür erreicht. Sein Fuß blutete stark, und er humpelte, doch Wahnsinn und Fanatismus halfen ihm, den Schmerz zu verdrängen.

„Das wird dir nichts nutzen‟, keuchte er. Drohend richtete er das blutige Messer auf sie, während er mit der anderen Hand etwas aus seiner Hosentasche zog. „Während ich auf dich gewartet habe, hatte ich genug Zeit, um mich umzusehen, und natürlich habe ich die Pistole auch entdeckt.‟

Er öffnete seine Faust und hielt sie ihr mit einem triumphierenden Grinsen entgegen. Auf seiner Handfläche lag das Magazin der Waffe. Achtlos ließ er es fallen.

„Und jetzt wirst du für alles bezahlen!‟, stieß er hervor und kam weiter auf sie zu.

Heather wusste, dass sie verloren war. Um den einzigen Ausgang aus dem Raum zu erreichen, hätte sie direkt an Bannister vorbei gemusst, und das würde ihr niemals gelingen. Die Verletzung am Fuß behinderte ihn zwar, aber bei Weitem nicht so stark, wie sie gehofft hatte.

Obwohl sie wusste, dass ihr die Waffe ohne Munition nichts nutzen würde, drückte sie in ihrer Verzweiflung den Abzug, und das Unglaubliche geschah. Donnernd löste sich ein Schuss. Die Kugel traf Bannister dicht unterhalb des Halses und schleuderte ihn zurück. Ungläubig starrte er sie einen Moment lang an, dann stürzte er schwer zu Boden und blieb reglos liegen.

Heather selbst war mindestens so fassungslos und überrascht wie er. Erst nach Sekunden begriff sie, was geschehen war. Obwohl er sich selbst als eine Art Todesengel sah, kannte Bannister sich mit Schusswaffen offenbar nicht besonders gut aus. Er hatte zwar das Magazin aus der Pistole gezogen, aber nicht gewusst, dass eine Kugel bei diesem Modell bereits im Lauf steckte, damit man nicht erst durchladen musste.

Als hätte sie sich daran verbrannt, ließ Heather die Waffe fallen. Vorsichtig, immer noch furchtsam, näherte sie sich Bannister, darauf gefasst, dass er sich plötzlich aufrichten und sie erneut angreifen würde.

Sie war kein besonders guter Schütze, und es wunderte sie, dass sie ihn überhaupt getroffen hatte. Erst als sie ihn erreichte und sich über ihn beugte, erkannte sie, dass es sich sogar um einen wahren Meisterschuss gehandelt hatte. Auf Bannisters Gesicht zeigte sich noch immer ein verblüffter Ausdruck, als könnte er nicht glauben, was geschehen war, doch seine Augen waren bereits gebrochen.

Er war tot.

Der Alptraum war vorbei.

4

Heather hatte sich getäuscht.

Mit Bannisters Tod war der Alptraum noch längst nicht vorbei.

War ihr die letzte halbe Stunde mit ihm wie der Vorhof der Hölle vorgekommen, so war das, was danach folgte, die Hölle selbst.

Dank ihrer panischen Angst hatte ihr Körper in der Zeit, in der sie mit dem wahnsinnigen Mörder durchs Fegefeuer gegangen war, massenweise Adrenalin produziert und in ihre Adern gepumpt, so dass sie praktisch die ganze Zeit über unter Hochspannung gestanden hatte. Sie war so damit beschäftigt gewesen, irgendwie zu überleben, dass sie gar nicht zum Nachdenken darüber gekommen war, was überhaupt passiert war. Panik und Entsetzen hatten ihren Verstand blockiert und keinerlei Raum für andere Gefühle mehr gelassen.

Das änderte sich erst, als sie nach Bannisters Tod ins Erdgeschoss zurückhastete, um sich um George zu kümmern, und erkennen musste, dass jede Hilfe für ihn zu spät kam. Das Stöhnen war offenbar nur ein letztes Aufbäumen vor dem Tod gewesen.

Kaum hatte Heather die Endgültigkeit seines Todes registriert, versagten ihr die Nerven vollends. Sie erlitt einen Zusammenbuch, der schließlich in einen minutenlangen Weinkrampf mündete.

Rocky war tot.

George war tot.

Sie selbst wäre um ein Haar ebenfalls ermordet worden, und sie hatte selbst einen Menschen getötet, auch wenn es sich um einen wahnsinnigen Mörder handelte.

Mit all dem auf einmal fertig zu werden, war nicht leicht. Minutenlang vergoss sie bittere Tränen über dem Leichnam ihres besten und einzigen Freundes, der ihr erst vor wenigen Stunden, die ihr mittlerweile wie Wochen vorkamen, einen Liebesantrag gemacht hatte.

Irgendwann versiegten ihre Tränen. Mühsam, als wäre sie eine uralte Frau, die sich kaum auf den Beinen halten könnte, wankte Heather ins Wohnzimmer und wählte mit zitternden Fingern die Nummer der Polizei

Die richtige Tortur für sie begann jedoch erst, als die Polizei nach einer knappen Viertelstunde, die ihr wie eine Ewigkeit erschien, schließlich eintraf.

Sie kannte Sheriff Brennan, einen noch relativ jungen und gutaussehenden Mann, der meist gutgelaunt war, flüchtig, und sie wusste, dass er seine Arbeit zwar gewissenhaft ausübte, aber nicht unbedingt ein absoluter Schnelldenker war. Die beiden Deputys, die er mitgebracht hatte, kannte Heather zwar nicht, aber für die beiden galt so ziemlich das gleiche wie für ihren Chef.

Wieder und immer wieder musste Heather berichten, was sich zugetragen hatte. Entweder begriff Brennan wirklich nicht auf Anhieb, was sie ihm mitzuteilen versuchte, oder er stellte sich noch begriffsstutziger, als er ohnehin war.

Ein Doppelmord mit anschließender Tötung des Täters stellte in einer so kleinen, ländlichen Gemeinde wie North Bend das vermutlich blutigste Verbrechen dar, das es hier je gegeben hatte. Entsprechend genau wollte Brennan alles wissen, um sich bei diesem Fall, der offenkundig ein paar Nummern zu groß für ihn war, nur ja kein Versäumnis vorwerfen lassen zu müssen.

Jedes noch so unbedeutende Detail interessierte ihn, und vor Allem mit Bannisters Motivation hatte er beträchtliche Schwierigkeiten. Sie lag so weit außerhalb seiner eigenen etwas naiven Denkweise, dass er kaum imstande war, sie nachzuvollziehen.

Ihre Aussage stellte für Heather eine grausame Qual dar. Sie wollte endlich allein sein, wollte ein Bad nehmen und sich so bald wie möglich hinlegen, um im Schlaf die schrecklichen Geschehnisse zumindest für eine Weile vergessen zu können.

Ganz bestimmt aber wollte sie sich nicht genauestens an alle blutigen Einzelheiten des Verbrechens erinnern, wozu der Sheriff sie mit seinen Fragen zwang. Es war, als ob sie alles noch einmal durchlebte, und dann ein weiteres Mal, wenn ihm wieder irgendein unwichtiger Punkt unklar erschien, und dann noch einmal.

Irgendwann schließlich konnte sie einfach nicht mehr, und endlich schien auch Brennan zu erkennen, welche Tortur er ihr zumutete. Er klappte sein Notizbuch zu und erhob sich.

„Ich werde dann ein Protokoll anfertigen, das Sie nur noch zu unterschreiben brauchen Mrs. Chambers‟, sagte er. „Bitte kommen Sie doch morgen im Laufe des Tages in meinem Büro vorbei. Falls sich noch weitere Fragen ergeben sollten, können wir diese dann klären.‟

Seine Deputys hatten inzwischen die Beweisaufnahme abgeschlossen, und auch die beiden Leichen waren bereits abtransportiert worden. Mittlerweile stand auch fest, wie Bannister ins Haus gekommen war. Er hatte eines der kleinen Kellerfenster gewaltsam aufgebrochen und sich irgendwie durch die Öffnung gezwängt. Es war nicht durch die im Haus installierte Alarmanlage gesichert gewesen, ein Versäumnis, das sie am nächsten Tag nachholen würde.

Wie sich aufgrund seines Führerscheins herausstellte, hatte er sogar seinen richtigen Namen genannt. Ein Stück entfernt war auf einem kleinen Waldweg auch sein Wagen gefunden und sichergestellt worden.

Die Polizisten verabschiedeten sich, und endlich war Heather allein.

Fast gleichzeitig jedoch schlugen ihre Gefühle ins Gegenteil um. So sehr sie sich vorher auch nach Ruhe gesehnt hatte, kaum waren die Polizisten abgefahren, begann die Einsamkeit, die sich über das Haus senkte, ihr Unbehagen zu bereiten.

Es war keine Ruhe, sondern die Stille des Todes, und immer noch schien die Gewalt, die sich hier in einem explosiven Ausbruch Bahn verschafft hatte, allgegenwärtig zu sein.

So allein fühlte sie sich mit einem Mal schutzlos und ängstlich. Bannister war tot, und ganz sicher würde in dieser Nacht nicht noch ein weiterer wahnsinniger Mörder hier auftauchen, aber das änderte nichts an ihrer Nervosität.

Bislang war ihr das Haus wie ein sicherer Hafen vorgekommen, ein Schutz gegen die Außenwelt. Dieser Funktion jedoch hatte Bannister es mit seinem Eindringen beraubt. Aus der vermeintlich sicheren Festung war eine Strohhütte geworden.

Auch alles andere, was ihr ein Gefühl der Sicherheit verliehen hatte, war fort. Zwar besaß sie einen Waffenschein für die Pistole, dennoch hatte man diese als Beweismittel sichergestellt, und sie würde sie erst in ein paar Tagen zurückbekommen.

Vor allem aber vermisste sie Rocky. Der Hund hatte sie nicht nur beschützt, sondern ihr auch die Einsamkeit vertrieben, war wie ein Freund für sie gewesen.

Im Gegensatz zu den beiden menschlichen Leichen hatte man ihn einfach liegengelassen, ihn lediglich aus dem Durchgang zwischen Wohnzimmer und Flur geräumt und Heather erlaubt, ein Laken über ihn zu breiten. Aber dennoch befand sich der Kadaver des Hundes noch im Haus, und sowohl im Flur, wie auch in ihrem Schlafzimmer kündeten große Blutflecken im Teppich von den Gewalttaten. Da es sich um einen sehr hellen Teppich handelte, würden sie sich auch nicht mehr entfernen lassen.

Heather würde nichts anderes übrig bleiben, als am nächsten Tag eine Teppichfirma kommen zu lassen, die die betroffenen Stellen entfernte und neue Teppichstücke einpasste. Bis dahin jedoch würde sie die Blutflecken ertragen müssen.

Auch ihre Müdigkeit war mit einem Mal wie weggewischt. Sie glaubte nicht mehr, dass sie in dieser Nacht in diesem Haus auch nur eine Sekunde Schlaf finden würde.

Sie überlegte, ob sie nach Snoqualmie hinüber fahren und sich ein Zimmer in der „Salish Lodge‟ nehmen sollte, dem „Great Northern Hotel‟ der Fernsehserie. Schließlich verwarf sie diesen Gedanken jedoch wieder. Wenn sie jetzt auszog, und wenn es nur für eine Nacht war, würde sie dieses Haus aufgeben. Dann würde sie sich hier nie mehr heimisch und sicher fühlen.

Es war, als wenn man als Reiter von einem Pferd abgeworfen wurde. Wenn man sich dabei nicht gerade schwere Verletzungen zugezogen hatte, sollte man direkt wieder in den Sattel steigen, damit man erst gar keine Zeit hatte, Furcht davor zu entwickeln. Später würde man womöglich nie wieder den Mut dazu aufbringen.

Ähnlich verhielt es sich auch mit diesem Haus. Diese erste Nacht würde schlimm werden, aber wenn sie erst morgen oder übermorgen hierher zurückkehrte, würde sich bis dahin eine solche Angst und Abneigung gegen das Haus in ihr aufgebaut haben, dass sie sich hier nie mehr wohlfühlen könnte, und diesen posthumen Triumph, sie von hier vertrieben zu haben, wollte sie Bannister nicht gönnen.

Immerhin war dies nicht nur der Ort, an dem er ihr aufgelauert hatte, sondern auch der Schauplatz ihres Sieges über ihn. Und so wie sie ihn besiegt hatte, so würde sie auch die Erinnerung an ihn besiegen.

Wie sich herausstellte, brauchte sie sich über die Einsamkeit in dieser Nacht jedoch ohnehin keine Sorgen mehr zu machen. Sie würde nicht allein sein, wie ihr kurz darauf bewusst wurde, als sie mit einer der besonders abscheulichen Folgen, Opfer eines Verbrechens geworden zu sein, konfrontiert wurde.

Erschrocken zuckte Heather zusammen, als es plötzlich an der Tür klingelte. Sie musste allen Mut zusammenbringen, um zur Tür zu gehen und durch den Spion zu blicken. Ein junger Mann in einem Trenchcoat stand draußen.

„Was wollen Sie?‟, rief sie durch die Tür.

„Steve Burnett von der Snoqualmie Gazette. Ich habe erfahren, was geschehen ist und würde Ihnen gerne ein paar Fragen stellen.‟

Reporter, dachte Heather angewidert. An dieses Pack hatte sie noch gar nicht gedacht. Es hatte eine Weile gedauert, bis sie von dem Vorfall erfahren hatten, aber nachdem nun einmal der Anfang gemacht worden war, würden sie innerhalb kurzer Zeit wie die Heuschrecken hier einfallen. Nein, eher noch wie die Schmeißfliegen.

„Verschwinden Sie!‟, rief sie. „Ich habe Ihnen nichts zu sagen.‟

„Aber Mrs. Chambers, nur ein paar Fragen und eine kurze Stellungnahme für unsere Leser.‟

„Haben Sie mich nicht verstanden?‟, schrie Heather unbeherrscht, eine Folge ihrer stark angegriffenen Nerven. „Gehen Sie! Verlassen Sie auf der Stelle mein Grundstück, oder ich rufe die Polizei!‟

Die Drohung schien zu wirken. Vielleicht war der junge Reporter noch nicht so abgebrüht wie viele seiner erfahreneren Kollegen, jedenfalls wich er tatsächlich bis zur Straße zurück, was allerdings nur eine Distanz von nicht einmal zwei Dutzend Metern ausmachte. Dort wartete er, und er würde sicherlich nicht der einzige bleiben.

Heather stellte die Türklingel ab.

Als sie sich umdrehte, fiel ihr Blick wieder auf Rocky, und sie entschloss sich, ihn jetzt direkt zu begraben. Obwohl es ihr fast das Herz brach, verstaute sie ihn in einem Plastiksack. Aus dem Keller holte sie einen Spaten und hob damit ein Loch unter einem der Bäume auf ihrem großen Grundstück hinter dem Haus aus. Nachdem sie den Hundeleichnam hineingelegt hatte, schaufelte sie es wieder zu und sprach ein kurzes Gebet.

Als sie ins Haus zurückkehrte und einen Blick aus dem Fenster warf, sah sie, dass mittlerweile weitere Journalisten eingetroffen waren. Auch der Übertragungswagen eines Fernsehsenders aus Seattle parkte nun vor dem Grundstück. Sollten die Reporter ruhig warten, irgendwann würden sie schon die Lust verlieren und frustriert abziehen.

Heather ging ins Badezimmer hinauf. Sie zog ihre verschwitzten und vom Graben schmutzigen Sachen aus, stellte die Dusche an, und trat in die kleine Kabine. Sie drehte das Wasser so heiß, wie sie es gerade noch aushalten konnte, und genoss es, sich von den prasselnden Strahlen massieren zu lassen.

Drei-, viermal seifte sie sich gründlich ein. Sie fühlte sich unrein, als hätte Bannister sich auch körperlich an ihr vergangen, als hätte er sie mit seinen Worten über ihre vermeintliche wahnsinnige Seelenverwandtschaft besudelt. Es schien ihr, als ob sie neben Schmutz und Angst auch die Erinnerungen daran abwaschen könnte.

Erst als ihre Haut schließlich krebsrot war und kribbelte, als ob tausend Ameisen darüber laufen würden, drehte Heather die Dusche wieder aus. Sie trocknete sich ab und föhnte ihre Haare.

Ein weiterer Blick aus dem Fenster zeigte ihr, dass sich vor dem Haus mittlerweile ein regelrechter Auflauf von Reportern gebildet hatte. Es hatte einige Zeit gedauert, bis die Nachricht von den Morden hier überhaupt durchgesickert war, aber danach musste sie sich nach dem Schneeballprinzip wie ein Lauffeuer verbreitet haben. Einige Journalisten versuchten auch weiterhin bei ihr zu klingeln, um eine Stellungnahme von ihr zu erhalten.

Heather war froh, dass sie die Türglocke abgestellt hatte, doch damit allein war es noch nicht getan. Die Reporter waren hartnäckiger und kannten kein Erbarmen.

Als sie das Bad verließ, hörte sie, wie im Erdgeschoss das Telefon klingelte. Mit gemischten Gefühlen nahm Heather den Hörer ab. Es meldete sich ein Reporter von einer Nachrichtenagentur. Sie ließ ihn erst gar nicht ausreden, sondern legte auf, kaum dass er sich vorgestellt hatte.

Keine halbe Minute später klingelte das Telefon erneut. Diesmal hob sie den Hörer nur kurz an, legte ihn direkt wieder auf die Gabel zurück und danach neben das Gerät. Nun konnte anrufen wer wollte.

Zwar glaubte Heather nicht, dass sie in dieser Nacht Schlaf finden würde, aber sie wollte es zumindest versuchen. In ihrem Schlafzimmer, wo sie Bannister getötet hatte, und wo der Teppich von seinem Blut besudelt war, würde sie jedoch auf keinen Fall übernachten.

Stattdessen brachte sie ihr Bettzeug ins Gästezimmer und legte sich dort zur Ruhe. Nach allem, was sie erlebt hatte, erschien die Dunkelheit ihr unerträglich, deshalb ließ sie das Licht brennen.

Mit hinter dem Kopf verschränkten Armen starrte sie zur Decke hinauf und bemühte sich, alle Gedanken an Bannister zu verdrängen, stellte sich statt dessen harmonische, beruhigende Landschaftsszenen vor.

Es funktionierte.

Zu ihrer eigenen Überraschung wurde Heather schon nach kurzer Zeit von ihrer Müdigkeit überwältigt und schlief kurz darauf ein.

5

Wie nicht anders zu erwarten war, schlief sie in dieser Nacht äußerst unruhig. Mehrfach schrak Heather aus furchtbaren Träumen auf, in denen Jack Bannister eine Rolle gespielt hatte, doch stets gelang es ihr, kurz darauf wieder einzuschlafen.

Erst spät am nächsten Vormittag stand sie auf. Bis auf eine kleine Schar Unermüdlicher, die in ihren Autos vor sich hin dösten oder sich unterhielten, hatten sich die Reporter mittlerweile verzogen.

Das Wetter an diesem Tag entsprach Heathers Stimmung. War es gestern noch sonnig und heiter gewesen, so wurde der Himmel heute von schweren grauen Regenwolken bedeckt, die so tief hingen, dass man meinte, sie anfassen zu können, wenn man nur die Hand danach ausstreckte. Die Luft war so feucht, dass sich der Frühdunst noch nicht verzogen hatte. Ihr Haus lag etwas erhöht auf einem Hügel, so dass sie einen guten Blick über die umliegende Landschaft hatte. Nebel stieg stellenweise wie Rauch zwischen Bäumen auf, so dass es aussah, als würde der Wald brennen.

Nachdem sie gefrühstückt hatte, rief Heather bei einer Teppichhandlung, einem Reparaturdienst für das herausgebrochene Kellerfenster und schließlich bei einer Firma für Alarmanlagen an. In allen drei Fällen wurde ihr versichert, dass man noch im Laufe des Nachmittags jemanden zu ihr schicken würde.

Um die Mittagszeit machte sie sich auf den Weg zum Sheriffbüro, um das Protokoll zu unterschreiben. Einige der Reporter schossen Fotos von ihr, als sie an ihnen vorbeifuhr, doch das war ein unumgängliches Übel.

Wie kaum anders zu erwarten, waren Sheriff Brennan noch zahlreiche weitere eigentlich überflüssige Fragen eingefallen, so dass es mehr als eine Stunde dauerte, bis sie fertig waren. Zu Heathers besonderer Freude kündigte er ihr an, dass sich wohl auch das FBI in die Ermittlungen einschalten würde, falls sich der Verdacht erhärten sollte, dass Bannister auch in anderen Bundesstaaten Morde begangen hatte. In diesem Fall würde ein Special Agent sie möglicherweise in den nächsten Tagen aufsuchen, was ihr gerade noch gefehlt hatte.

Nachdem sie die kleine Polizeistation verlassen hatte, kaufte sie sich an einem Kiosk einige Tageszeitungen, in denen bereits kurze Berichte über Bannister und sie standen, ehe sie wieder nach Hause zurückkehrte.

Dort überflog sie erst einmal die Berichte. Allzu viele Informationen waren darin noch nicht enthalten, aber was geschrieben wurde, entsprach immerhin der Wahrheit. Auf wilde Spekulationen hatte man glücklicherweise verzichtet, aber wie sie einige besonders gehässige Regenbogenblätter kannte, würde das in den nächsten Tagen noch folgen. Zumindest über Bannisters Motivation würde es sicherlich noch Gerüchte geben, und möglicherweise würde man ihr sogar eine Bekanntschaft mit ihm andichten.

Gegen zwei Uhr kamen zwei Mitarbeiter der Teppichhandlung. Sie rissen die mit dem mittlerweile getrockneten Blut verschmutzten Bahnen heraus und setzten neue ein. Glücklicherweise hatten sie den gleichen Teppich noch vorrätig, so dass es gar nicht auffiel.

Kurze Zeit später traf auch jemand ein, der das aus dem Rahmen gebrochene Gitterfenster im Keller ersetzte, und bald darauf jemand von der Firma für Alarmanlagen. Er sicherte nicht nur die Kellerfenster, sondern überprüfte auch das restliche Alarmsystem und wies sie auf Schwachpunkte hin, die Heather beseitigen ließ.

Zwischenzeitlich gab es auch einige Störungen durch Reporter, die sie jedoch gar nicht erst ins Haus ließ, sondern sofort des Grundstücks verwies. Ebenso wimmelte sie sofort alle Journalisten ab, die bei ihr anriefen.

Fast ohne dass sie bemerkte, wie schnell die Zeit verstrich, wurde es Abend, bis schließlich alle Anlagen installiert waren, und der Mann sich von ihr verabschiedete. Er hinterließ eine gesalzene Rechnung, doch soviel war ihr ihre Sicherheit wert. Wären die neuen Systeme schon gestern installiert gewesen, hätte Bannister bei seinem Eindringen sofort Alarm ausgelöst, und alles wäre anders gekommen.

Allerdings war sich Heather auch bewusst, dass es keine absolute Sicherheit gab. Statt ins Haus einzubrechen, hätte Bannister ihr womöglich bei ihrer Rückkehr im Freien aufgelauert, oder er hätte bis heute gewartet, einfach bei ihr geklingelt und sich als Telegrammbote oder etwas ähnliches ausgegeben, um sich Zutritt zu verschaffen.

Daran aber wollte sie jetzt nicht denken.

Nach einem kurzen Regenschauer hatte das Wetter im Laufe des Nachmittags etwas aufgeklart. So entschloss sie sich, vor Einbruch der Dunkelheit noch einen Spaziergang zu unternehmen, um etwas frische Luft zu schnappen.

Nach ihrer Rückkehr ging sie in ihr Atelier, einen großen, hellen Raum im hinteren Teil des Erdgeschosses. Sie hatte ein wenig Angst davor, denn was sie überprüfen wollte, würde ihr möglicherweise ein paar unangenehme Erkenntnisse über sich selbst vermitteln. Deshalb hatte sie dies bislang hinausgezögert, und auch der Spaziergang hatte ihr im Grunde nur einen weiteren Aufschub verschaffen sollen.

Sie arbeitete stets an mehreren Bildern gleichzeitig, konnte sich im Gegensatz zu vielen anderen Malern nicht ausschließlich auf ein Werk konzentrieren. Auch mehrere ältere Bilder, von denen sie sich nicht trennen wollte, bewahrte sie hier auf, und sie fotografierte sämtliche Bilder, bevor sie sie verkaufte.

Nacheinander musterte sie kritisch alle ihr Werke unter dem Blickwinkel, wie Bannister sie gesehen haben mochte. Völlig unrecht hatte er nicht gehabt, wie sie widerstrebend zugeben musste. Zwar hatte sie nie bewusst versucht, den Tod darzustellen oder gar zu verherrlichen, aber ihre Bilder waren unbestreitbar sehr düster, ein Spiegel ihres von Einsamkeit, Abschottung gegenüber der Außenwelt, Furcht und Verlust geprägten Seelenlebens.

Es erschreckte sie, dies herauszufinden, weil sie es sich nicht so schlimm vorgestellt hatte. Viele der Bilder stammten direkt aus ihrem Unterbewusstsein, und sie hatte bislang immer gedacht, dass es sich zu einem beträchtlichen Teil um reine Phantasie handeln würde.

Dem aber war nicht so. Die Gemälde vermittelten fast ausschließlich Leere, Trostlosigkeit und Trauer, so dass man tatsächlich glauben konnte, den Tod darin zu entdecken. Wenn sie wirklich ihren Seelenzustand widerspiegelten, dann musste es in ihr ziemlich finster aussehen.

War sie denn wirklich so? Es gab viele Kleinigkeiten des alltäglichen Lebens, über die sie sich freute, und sie war im Grunde eigentlich auch nicht depressiv veranlagt. Erstaunlich nur, dass ständig nur Negatives in ihre Arbeit geflossen war.

Bevor sie dazu kam, weiter darüber nachzudenken, wurde sie durch ein Vibrieren des Bodens aufgeschreckt. Auch die Fensterscheiben begannen leicht zu klirren.

Im ersten Moment glaubte Heather, es würde durch ein Flugzeug ausgelöst, doch war keinerlei Fluglärm zu hören. Statt dessen vernahm sie ein dumpfes Wummern, fast wie Herzschlag, und das Vibrieren verstärkte sich noch. Ein Pinsel, der auf einem Tisch lag, geriet in Bewegung, rollte bis zur Kante und fiel zu Boden.

Immer heftiger wurde das Vibrieren, und erst jetzt begriff sie, dass es sich um ein Erdbeben handelte. Die Fensterscheiben klirrten so stark, als wollten sie zerspringen.

Weitere Malutensilien fielen von ihren Ablagen. Terpentin schwappte aus einem Glas über, in dem sie ihre Pinsel nach Gebrauch einweichte.

Ein letztes Mal noch bebte die Erde, diesmal so stark, dass eine der Staffeleien umstürzte, dann war wieder Ruhe.

Heather konnte es kaum glauben. Anders als in Kalifornien war hier eigentlich kein ausgesprochenes Erdbebengebiet. Höchstens wenn sich die Kontinentalplatten an der St. Andreas Spalte, an der unter anderem San Francisco und Los Angeles erbaut waren, besonders stark bewegten, pflanzten sich leichte Ausläufer der Erschütterungen schon mal bis soweit in den Norden herauf fort, doch auch sie waren meistens kaum zu spüren.

Ein so starkes Beben wie gerade hatte Heather noch nie erlebt. Wenn das Epizentrum wie zu erwarten in Kalifornien lag, um wie viel schlimmer mochte es dann dort gewesen sein? Handelte es sich womöglich gar um das ganz große Beben, das jeder dort befürchtete, und das zwangsläufig irgendwann einmal kommen musste?

Heather ging ins Wohnzimmer hinüber und schaltete im Fernsehen den Nachrichtensender CNN ein. Da es dem Sender sehr auf Aktualität ankam, würde man dort wohl sehr schnell über das Beben berichten.

Aber die Minuten verstrichen, ohne dass eine entsprechende Meldung gebracht wurde. Offenbar waren doch keine größeren Schäden entstanden, Vielleicht hatte die Erde ja auch doch nur hier in der Gegend gebebt und das nicht einmal besonders stark, so dass CNN gar nicht erst darüber berichtete.

Um zehn Uhr schaltete Heather auf einen Lokalsender aus Seattle um, der Nachrichten brachte, doch auch dort wurde das Beben mit keinem Wort erwähnt. Dafür jedoch kam nach Berichten über bedeutende Vorfälle im In- und Ausland eine Meldung, die sie ebenfalls interessierte

Der Sprecher teilte mit, dass „die bekannte Malerin Heather Chambers gestern Nacht Opfer eines heimtückischen Überfalls wurde.‟

Weiter konnte Heather die Meldung nicht mehr verfolgen. Erschrocken fuhr sie aus ihrem Sessel hoch, als der Boden unter ihr plötzlich erneut zu vibrieren begann.

Im gleichen Moment verschwand das Gesicht des Nachrichtensprechers vom Fernsehschirm. Für einen kurzen Moment blieb das Bild dunkel, dann war plötzlich ein anderes Gesicht darauf zu sehen.

Schockiert und völlig fassungslos starrte Heather Jack Bannister an.

„Hallo, Heather‟, begrüßte er sie mit einem diabolischen Grinsen. „Hast du wirklich geglaubt, mich so leicht loszuwerden? Habe ich dir nicht gesagt, dass ich ein Todesengel bin und der Tod mich als seinen treuen Diener verschonen wird, wenn meine Stunde gekommen ist? Du hast mich enttäuscht, hast mich betrogen und gedemütigt, aber schon bald werde ich zurückkehren, mächtiger als je zuvor, und dann werde ich Rache an dir üben. Ich werde kommen, um dich zu holen!‟

Er stieß ein gellendes Gelächter aus.

Heather begann zu schreien.

6

Ein, zwei Sekunden lang verschmolzen Bannisters Lachen und Heathers Schrei zu einem einzigen Laut, einem schrillen, disharmonischen Kreischen.

Dann endete das Beben, und Bannister verschwand vom Fernsehschirm. Gleich darauf war wieder das Gesicht des Nachrichtensprechers zu sehen. Als wäre nichts geschehen, trug er weiter seine Meldungen vor, war mittlerweile beim Sport angelangt.

Heather hörte auf zu schreien. Immer noch fassungslos vor Schrecken ließ sie sich keuchend in ihren Sessel zurücksinken und wartete, dass das rasende Hämmern ihres Herzschlages sich allmählich beruhigte.

Sie konnte nicht glauben, was sie gerade gesehen und gehört hatte.

Jack Bannister war tot!

Wie Sheriff Brennen ihr mitgeteilt hatte, war seine Leiche sogar schon am Vormittag obduziert worden. Wie also konnte er dann im Fernsehen erscheinen und sich noch dazu an sie persönlich wenden? Es musste sich um eine Bandaufzeichnung handeln, die geschmackloserweise im Fernsehen ausgestrahlt worden war.

Kurz entschlossen suchte Heather aus dem Telefonbuch die Nummer des Senders heraus, rief dort an und verlangte den Leiter der Nachrichtenredaktion zu sprechen. Dass man sie tatsächlich zu ihm durchstellte, hatte sie wohl nur ihrer gerade bei Presseleuten seit vergangener Nacht sprunghaft gestiegenen Bekanntheit zu verdanken.

„Ich freue mich sehr, dass Sie anrufen, Mrs. Chambers‟, sagte der Redaktionsleiter, nachdem er sich ihr als William Stanton vorgestellt hatte. „Wir haben bereits mehrfach versucht, Sie zu erreichen, um ein Interview oder zumindest eine kurze Stellungnahme zu den Ereignissen der vergangenen Nacht zu erhalten.‟

„Eigentlich rufe ich nur an, um zu erfahren, was dieser makabre Scherz mit Bannister gerade sollte.‟

„Ich verstehe nicht, wovon Sie sprechen‟, behauptete Stanton. „Wir legen Wert auf eine seriöse und objektive Berichterstattung. Sollte unsere Meldung einen Fehler enthalten oder eine unserer Formulierungen Ihren Ärger erregt haben, so bedauere ich das und möchte Ihnen hiermit direkt die Gelegenheit zu einer Richtigstellung geben.‟

Schlauer Fuchs, auf diese Art zu versuchen, doch noch eine Stellungnahme zu erhalten, dachte Heather. Zugleich verwirrten seine Worte sie aber auch. Er schien nicht einmal zu wissen, wovon sie sprach, und wenn sie es sich recht überlegte, war es eine Schnapsidee gewesen, überhaupt beim Sender anzurufen.

Bannister hatte direkt zu ihr gesprochen, und das würde mit Sicherheit nicht in dieser Form offiziell ausgestrahlt werden. Sie erinnerte sich, dass kurz bevor und nachdem sie ihn gesehen hatte, der Bildschirm für einen Moment schwarz geworden war. Außerdem war der Nachrichtensprecher mitten im Satz ausgeblendet worden und hatte seine Meldungen in der Zwischenzeit anscheinend ganz normal weiter verlesen.

Vielleicht hatte ein Piratensender ganz in ihrer Nähe sich kurzfristig auf der entsprechenden Frequenz zugeschaltet. Die Erklärung klang nicht einmal für sie selbst sonderlich überzeugend, war aber die einzige, die ihr spontan einfiel. Sie würde in Ruhe darüber nachdenken müssen. Wenn sie Stanton jetzt erzählte, was sie gesehen hatte, würde er sie vermutlich für verrückt halten, deshalb verzichtete sie darauf.

„Schon gut‟, sagte sie. „So schlimm war es nicht. Nur eins noch: Wissen Sie schon, ob es bei dem Erdbeben schlimmere Schäden gegeben hat?‟

„Ein Erdbeben?‟, hakte Stanton nach. Offenbar wusste er auch davon nichts.

„Ja, vor etwa einer halben Stunde hat hier kurz die Erde gebebt, und vor wenigen Minuten hat es ein leichtes Nachbeben gegeben.‟

„Davon habe ich noch nichts erfahren. Würde es Ihnen etwas ausmachen, einen Moment in der Leitung zu bleiben? Ich werde mich sofort erkundigen.‟

Heather wurde in eine Warteschleife geschaltet. Musik säuselte aus dem Hörer, während eine Automatenstimme sie zum Warten aufforderte. Sie musste sich nur eine knappe Minute gedulden, bis Stanton sich wieder meldete.

„Hören Sie, Mrs. Chambers? Es hat kein Erdbeben in North Bend gegeben. Ich habe gerade bei Sheriff Brennan nachgefragt, und er konnte nichts Derartiges bestätigen.‟

„Aber ...‟ Heather brach ab. „Dann war es wohl nur ein besonders großer Truck, der die Interstate 90 entlang gedonnert ist‟, legte sie sich eine Ausrede zurecht. „Wenn diese Ungetüme mit zu hoher Geschwindigkeit vorbeirasen, bringen sie schon mal die Fenster zum Klirren.‟

„So wird es wohl gewesen sein. Und was das Interview betrifft ...‟

„Ich werde darüber nachdenken und melde mich dann wieder bei Ihnen‟, fiel Heather ihm ins Wort. „Haben Sie erst einmal vielen Dank. Auf Wiederhören.‟

Bevor Stanton noch etwas sagen konnte, legte sie verwirrt auf. Mittlerweile verstand sie gar nichts mehr.

Die beiden Erklärungen, die sie sich während des Gesprächs selbst zusammengebastelt hatten, waren beide ziemlich aus der Luft gegriffen. Zwar fuhren tatsächlich viele Trucks auf dem Highway, und oft genug auch mit zu hoher Geschwindigkeit, doch Heather wohnte so weit abgelegen, dass nicht das geringste Geräusch davon bis hierher drang.

Vorbeifahrende Trucks konnten also auf keinen Fall für die Beben verantwortlich sein, sonst hätte sie außerdem auch Motorenlärm hören müssen. Dennoch hatte sie deutlich gespürt, wie die Erde unter ihr gezittert hatte.

Noch mysteriöser aber war die Sache mit Bannister. Stantons Verblüffung hatte echt geklungen, sie war überzeugt, dass er wirklich nicht gewusst hatte, wovon sie sprach. Hätte Bannister vor seinem Tod ein solches Video aufgenommen und an den Sender geschickt, so wäre das Band eine Sensation gewesen. Erstens hätte man der Polizei mit Sicherheit davon berichtet, und zweitens hätte man es nicht in einer Überblendung einfach so während der normalen Nachrichten ausgestrahlt. Bestimmt wäre es groß angekündigt und anschließend kommentiert worden.

Die Theorie mit dem Piratensender allerdings klang ebenfalls ziemlich abwegig. Woher hätte jemand wissen können, dass sie gerade zu dieser Zeit genau diesen Sender eingeschaltet hatte, um im richtigen Moment ein Band mit der Nachricht für sie über das normale Programm zu senden?

Vor allem gab es keinerlei Grund, warum Bannister überhaupt ein solches Band hätte anfertigen sollen. Er wollte sie damit offenbar noch über seinen Tod hinaus terrorisieren. Das aber setzte voraus, dass er damit gerechnet hatte, in ihrem Haus womöglich zu sterben, und das passte überhaupt nicht zu ihm.

Er war von sich selbst völlig überzeugt gewesen, und in seinem wahnsinnigen Fanatismus hatte er mit Sicherheit keinen Moment mit der Möglichkeit gerechnet, dass sie ihn besiegen oder gar töten könnte.

Trotzdem musste er das Band vor seinem Tod aufgenommen haben. Die Möglichkeit, dass er wirklich als Geist weiterlebte und auf diesem Wege Kontakt mit ihr aufgenommen hatte, war so absurd, dass Heather sich weigerte, auch nur weiter darüber nachzudenken.

Ihr Blick fiel auf eine kleine Anzeige in einer der Zeitungen, die sie gekauft hatte, und die immer noch aufgeschlagen auf dem Wohnzimmertisch lagen.

Die GHOSTBUSTERS sind nur eine Erfindung des Kinos, hieß es dort. Übernatürliche Phänomene jedoch gibt es wirklich. Wenn auch Sie mit rätselhaften Erscheinungen konfrontiert oder das Opfer eines Spuks werden, scheuen Sie sich nicht, den Rat und die Hilfe eines erfahrenen Parapsychologen und Spezialisten für okkulte Fragen in Anspruch zu nehmen.

Darunter standen der Name Frank Sutton und eine Telefonnummer aus Seattle.

Blödsinn, dachte Heather ärgerlich. Nur ein Scharlatan, der naiven Leuten mit dieser Masche das Geld aus der Tasche zog.

Sie glaubte nicht an Spukerscheinungen, übernatürliche Phänomene und Geister, sondern stand mit beiden Beinen fest auf dem Boden der Tatsachen.

Aber da waren die beiden Erdbeben gewesen, die außer ihr anscheinend niemand bemerkt hatte, als wären sie allein auf ihr Haus beschränkt gewesen.

Und da war der tote Jack Bannister, der genau zu dem Zeitpunkt auf ihrem Fernsehschirm erschienen war, während in einer Nachrichtensendung über seinen Tod berichtet wurde. Unterlegt von dem zweiten Beben, das exakt zu diesem Moment begonnen hatte, hatte er ihr eine angebliche Nachricht aus dem Jenseits geschickt, hatte ihr seine baldige Rückkehr und Rache angekündigt.

Fast eine halbe Stunde rang Heather noch mit sich, dann wählte sie die Nummer aus der Anzeige.

7

Frank Sutton erwies sich als schlanker, fast schlaksig wirkender Mann mit dunklem Wuschelkopf. Er war jünger, als Heather erwartet hatte, höchstens Ende zwanzig. Er hatte ein sympathisches Gesicht und ein überaus einnehmendes Lächeln, bei dem sich kleine Grübchen um seine Mundwinkel bildeten. Seine dunklen Augen blickten sanft, fast ein bisschen verträumt.

Alles in allem entsprach er absolut nicht dem Bild, das Heather sich aufgrund der Anzeige von ihm gemacht hatte, obwohl sie nicht wusste, was genau sie erwartet hatte. Vielleicht einen eiskalten Geschäftemacher, der die Leute mit salbungsvollen Worten und großen Gesten zu beeindrucken und über den Tisch zu ziehen versuchte. Vielleicht auch eine eher düster Gestalt wie den älteren Priester aus dem Film Der Exorzist, denn als ein solcher gab Sutton sich ja gewissermaßen aus.

Zunächst hatte sie geglaubt, bei dem jungen, in Jeans, Rollkragenpullover und einen langen Mantel gekleideten Mann, der leicht verlegen vor ihrer Tür von einem Fuß auf den anderen trat, handelte es sich um einen weiteren Reporter. Deshalb öffnete sie die Tür erst, nachdem sie sich durch den Spion seinen Ausweis hatte zeigen lassen.

„Guten Abend, Mister Sutton‟, begrüßte sie ihn. „Wie ich schon am Telefon sagte, tut es mir leid, dass ich Sie so spät noch gestört habe.‟

„Macht nichts‟, erwiderte er und schüttelte ihr die Hand.

„Ich hoffe, Sie haben noch nicht geschlafen.‟

„Doch, habe ich‟, antwortete er und lächelte verschmitzt. „Aber heute Vormittag. Die meisten Leute rufen abends oder sogar erst spät nachts an. Wenn es irgendwo spukt, dann selten bei Tageslicht. Deshalb habe ich mir angewöhnt, tagsüber zu schlafen.‟

„Oh. Demnach werden Ihre Dienste häufiger benötigt?‟

„Es geht.‟ Er zuckte mit den Schultern. „Bei Weitem nicht so oft, wie ich es mir wünschen würde, aber ich komme über die Runden. Vielfach ist es auch nur blinder Alarm. Vor Kurzem wurde ich beispielsweise wegen eines angeblichen Poltergeistes gerufen, und dann stellte sich heraus, dass sich nur die Verankerung der Hausantenne etwas gelockert hatte und klopfende Geräusche verursachte, wenn sie vom Wind bewegt wurde.‟

Auch Heather musste nun lächeln, während sie ihm den Mantel abnahm und ihn ins Wohnzimmer führte. Sie hatte nicht erwartet, dass Sutton die Bereitschaft einiger seiner Kunden, voreilig an Geister zu glauben, so humorvoll nehmen könnte.

Durch seine Offenheit nahm er ihr etwas von ihrer Befangenheit. Sie war auch jetzt noch nicht bereit, an Spukphänomene und Botschaften aus dem Jenseits zu glauben. Aber wenigstens war Sutton kein Fanatiker, und sie hatte den Eindruck, dass er für diese Skepsis vollstes Verständnis aufbringen würde.

„Sagen Sie, sind Sie die Heather Chambers, über die in den Nachrichten berichtet wurde, wenn ich mir die Frage erlauben darf?‟

„Die bin ich‟, bestätigte sie. „Und ich bin froh, dass Sie schon darüber informiert sind, was gestern Nacht geschehen ist. Das erspart mir umständliche Erklärungen, denn der Grund, aus dem ich mich an Sie gewandt habe, hat damit zu tun. Setzen Sie sich doch.‟

Sie wartete, bis er in einem der Sessel Platz genommen hatte, und setzte sich ihm gegenüber.

„Ich fürchte, das kann ich Ihnen nicht ersparen‟, sagte er. „Ich habe nur am Rande aus den Nachrichten davon erfahren, habe aber nicht besonders gut aufgepasst. Soweit ich mitbekommen habe, sind Sie gestern Nacht von einem Geistesgestörten überfallen worden, der einen Freund von Ihnen ermordet hat und auch Sie zu töten versucht hat, aber Sie konnten ihm zuvorkommen.‟

„Grob zusammengefasst, entspricht es in etwa der Wahrheit. Der Kerl hieß Jack Bannister. Er ist in mein Haus eingebrochen und hat mir hier aufgelauert. Er hat meinen Hund und einen Freund, der mich nach Hause gebracht hat, getötet, aber von mir wollte er eigentlich etwas anderes.‟

Heather zögerte. Sie wusste noch nicht recht, was sie von Sutton halten sollte, und obwohl er einen freundlichen, sympathischen Eindruck machte, widerstrebte es ihr, ihm davon zu erzählen, dass Bannister in ihr eine Gleichgesinnte für seine Morde gefunden zu haben glaubte.

Dann aber sagte sie sich, dass Sutton wahrscheinlich schon viel seltsamere Geschichten gehört hatte und erzählte ihm nach und nach alles, bis hin zu den mysteriösen Ereignissen an diesem Abend. Geduldig und ohne sie einmal zu unterbrechen hörte er ihr zu.

„Das ist ziemlich merkwürdig‟, sagte er stirnrunzelnd, als sie geendet hatte. „Übrigens habe ich vorhin genau die gleiche Nachrichtensendung gesehen und dort erstmals von Ihnen erfahren. Diese Botschaft Bannisters aber war nicht darin enthalten, sie ist also definitiv nicht vom Sender ausgestrahlt worden.‟

„Ich dachte mir, dass sich vielleicht ein Piratensender auf dieser Frequenz eingeklinkt hat.‟

Er schüttelte entschieden den Kopf.

„Das ist ziemlich an den Haaren herbeigezogen. Ich vermute eher, dass es sich wirklich um einen Spuk handelt. Irgendwie hat es dieser Bannister geschafft, die Nachricht auf Ihren Schirm zu projizieren, um mit Ihnen in Kontakt zu treten.‟

„Nehmen Sie es mir nicht übel, Mister Sutton, aber im Gegensatz zu Ihnen fällt es mir ziemlich schwer, an Geister zu glauben‟, erklärte Heather offen. „Ehrlich gesagt, diese Erklärung scheint mir noch wesentlich stärker an den Haaren herbeigezogen zu sein.‟

Wie sie gehofft hatte, stimmte ihre Skepsis ihn nicht ärgerlich. Im Gegenteil, er lächelte sogar.

„Das kann ich gut nachempfinden, und es ist gut, dass Sie aus dieser Einstellung keinen Hehl machen. Vielen Menschen geht es wie Ihnen. Es gibt ein paar Leute, die in jedem Schatten und jedem wehenden Vorhang gleich ein Gespenst vermuten, aber die bilden eher die Ausnahme. Viele meiner Kunden sind zunächst skeptisch. Es wird Sie auch kaum überzeugen, wenn ich Ihnen aus meiner Erfahrung bestätige, dass es das Paranormale wirklich gibt.‟

„Ich bin mir nicht einmal sicher, ob es richtig war, Sie anzurufen. Anfangs hatte ich ziemliche Vorbehalte, und ich weiß selbst nicht recht, warum ich es getan habe.‟

„Weil Sie unsicher und verzweifelt sind‟, behauptete er. „Unsicher, weil Sie sich die Vorfälle nicht auf rationalem Wege erklären können und überlegen, ob es vielleicht doch eine übernatürliche Ursache gibt. Und verzweifelt, weil Bannister Ihnen Rache angedroht hat und diese Drohung wahrmachen könnte, wenn er wirklich als Geist zurückgekehrt ist.‟

Sutton machte eine kurze Pause.

„Ich kann Ihnen nur auf diesem Gebiet meine Hilfe anbieten, und Sie müssen sich darüber klar werden, ob Sie diese annehmen wollen. Sie können ruhig weiterhin skeptisch bleiben, aber wenn ich Ihnen helfen soll, müssen Sie sich nach meinen Regeln richten. Anderenfalls verschwende ich hier nur meine Zeit.‟

„Ich werde tun, was Sie sagen‟, antwortete Heather nach kurzem Zögern. „Gehen wir also davon aus, dass ich wirklich von einem Geist bedroht werde. Was wollen Sie dagegen unternehmen?‟

„Bevor wir dazu kommen, lassen Sie uns kurz über mein Honorar sprechen. Ich nehme einen Standartsatz von zweihundert Dollar, zuzüglich Spesen. Ist das für Sie akzeptabel?‟

Heather schluckte.

„Eine Menge Geld.‟

„Von irgendwas muss ich schließlich leben, und da meine Dienste nicht gerade täglich in Anspruch genommen werden, häufe ich auch bei diesem hoch erscheinenden Honorar bestimmt nicht gerade Reichtümer an. Außerdem habe ich mich lange Zeit erst gründlich in die Materie einarbeiten müssen. Auch heute noch verwende ich jeden Tag mindestens zwei bis drei Stunden darauf, Fachbücher und -zeitschriften zu lesen. Darüber hinaus führe ich eine aufwendige Korrespondenz zum Erfahrungsaustausch mit Kollegen, und gelegentlich muss ich Reisen unternehmen, um in Bibliotheken oder an archäologischen Ausgrabungsstellen uralte Schriftrollen im Original studieren zu können, von denen manche ein heute ein längst vergessenes oder vielfach nur noch belächeltes Wissen enthalten.‟

„Schon gut‟, wehrte Heather ab. Sutton hatte sich in seine Rechtfertigung regelrecht hineingesteigert. „Ich bin mit dem Betrag einverstanden und werde Ihnen einen Barscheck ausstellen, wenn Sie fertig sind.‟

Zwar war sie immer noch skeptisch, aber möglicherweise war die Bedrohung durch Bannister ja tatsächlich real, und wenn Sutton ihr helfen konnte, war ihr dies das Geld wert.

„Gut.‟ Er nickte zufrieden. „Dann müssen wir uns zunächst darüber klar werden, um welche Art von Spuk es sich hier handelt. Es muss etwas geben, an das der Geist Bannisters sich klammert. Es könnten Sie sein, sein unbedingter Wunsch nach Rache dafür, dass Sie ihn besiegt haben. Es kann aber auch sein, dass er dieses Haus als eine Art Anker benutzt, als einen Bezug vom Jenseits zu dieser Welt. Am Besten werde ich sofort mit meinen Untersuchungen beginnen.‟

Sutton ging zu seinem Wagen und kehrte mit einem großen Koffer zurück, in dem sich allerlei seltsame Geräte und sonstige Gegenstände befanden. Er nahm etwas heraus, das entfernt an die Hälfte eines Fernglases erinnerte, jedoch mit allerlei Elektronik aufgerüstet war. Als er einen Schalter betätigte, begann ein kleines rotes Lämpchen an der Oberseite zu blinken.

„Was ist das?‟, erkundigte sich Heather.

„Ein Gerät, das Spektralprismen für mich sichtbar macht‟, erklärte er. „Damit kann ich ektoplasmische Rückstände erkennen.‟

„Aha‟, kommentierte sie. Zwar wusste sie weder was Spektralprismen, noch was ektoplasmische Rückstände waren, aber sie hatte keine Lust auf weitere endlose Erklärungen, von denen sie wahrscheinlich ebenfalls höchstens die Hälfte verstehen würde. Die Hauptsache war, dass Sutton wusste, was er tat.

„Zeigen Sie mir bitte, wo Bannister gestorben ist‟, verlangte er. „Wenn es solche Rückstände gibt, dann am ehesten dort.‟

Heather führte ihn in ihr Schlafzimmer und zeigte ihm die Stelle, wo Bannister tödlich getroffen zusammengebrochen war. Durch den neuen Teppich war nun nichts mehr davon zu sehen, dennoch betrachtete Sutton den Boden gerade dort genau durch sein Gerät, ehe er sich den Wänden und der Einrichtung zuwandte.

„Ich glaube, dass bei seinem Tod tatsächlich etwas von Bannister in dieses Haus übergegangen ist, dass sein Geist nun hier umgeht‟, sagte er schließlich. „Aber da es erst in der vergangenen Nacht geschehen ist, hat er noch nicht richtig Halt fassen können und wird sich vermutlich durch einen einfachen Exorzismus austreiben lassen.‟

„Und dazu sind Sie in der Lage?‟

„Wenn nicht, wäre ich mein Geld nicht wert und sollte mir einen anderen Beruf suchen. Kommen Sie, wir führen den Exorzismus im Wohnzimmer durch, da es der zentrale Ort des Hauses ist.‟

Sie stiegen die Treppe wieder hinunter. Sutton stellte zwei Kerzen aus seinem Koffer auf dem Wohnzimmertisch auf und zündete sie an. Sie verbreiteten einen fremdartigen, aber nicht unangenehmen Geruch. Daneben stellte er ein Gefäß, in dem er Weihrauch entzündete. Der Geruch des Rauchs vermischte sich mit dem der Kerzen. Um das Gefäß herum zeichnete er mit Kreide einen fünfstrahligen Stern, dessen Spitzen durch Striche alle miteinander verbunden waren.

„Dämpfen Sie bitte das Licht‟, verlangte Sutton. „Und dann setzen Sie sich bitte dort drüben hin und seien Sie völlig still. Egal was passiert, Sie dürfen mich nicht stören oder ablenken. Diese alten Formeln und Bannsprüche sind sehr kompliziert, und jeder kleine Fehler kann meine Bemühungen zunichte machen oder sogar ins Gegenteil verkehren.‟

„Wie Sie meinen.‟

Er wartete, bis sie sich gesetzt hatte, dann begann er, aus einem Notizbuch mit lauter Stimme Worte aus einer fremden Sprache vorzulesen. Hauptsächlich schien es sich um Latein zu handeln. Andere Sätze hingegen hörten sich eher nach Altgriechisch an.

Zwischen den einzelnen Sätze tauchte er immer wieder seine Fingerspitzen in eine kleine Schale mit einer durchsichtigen Flüssigkeit und verspritzte sie um sich herum. Vermutlich handelte es sich um Weihwasser.

Wie er verlangt hatte, verhielt Heather sich völlig ruhig, obwohl sie nicht recht wusste, was sie von dem Firlefanz halten sollte. Zwar entsprach Sutton selbst absolut nicht dem Bild, das sie sich von ihm gemacht hatte, aber der Hokuspokus, den er nun veranstaltete, war in etwa so, wie sie es erwartet hatte.

„Apanage, Daemon!‟, rief er nach einigen Minuten schließlich abschließend. „Apanage!‟

Er griff wieder nach seinem merkwürdigen Gerät zur Erkennung von ektoplasmischen Rückständen, blickte hindurch und drehte sich dabei einmal komplett um die eigene Achse. Dann nickte er zufrieden.

„Geschafft‟, sagte er, blies die Kerzen aus und legte einen Deckel auf das Gefäß mit dem Weihrauch, damit die Glut erstickte. „Es ist mir gelungen, Bannisters Geist auszutreiben.‟

„Was denn?‟, erboste sich Heather und sprang auf. „Das war alles? Zweihundert Dollar dafür, dass sie ein bisschen aus Ihrem Büchlein vorgelesen haben?‟

„Ich habe Sie von dem Geist befreit, wie Sie es wollten‟, verteidigte sich Sutton. „Und das ist doch schließlich die ...‟

Er kam nicht zum Aussprechen. Wie aus dem Nichts ertönte ein gellendes Lachen, und erneut begann die Erde zu beben.

„Sie haben ihn also ausgetrieben?‟, rief Heather. „Das merke ich.‟

Sutton war blass geworden. Hilflos blickte er sich um.

„Das Lachen scheint von dort zu kommen‟, stieß er hervor und deutete auf die Tür zu ihrem Atelier. Gemeinsam mit Heather eilte er darauf zu, öffnete sie, und sie traten ein.

„Nein!‟, keuchte Heather.

In dem Atelier herrschte ein fürchterliches Durcheinander. Buchstäblich alles, was nicht niet- und nagelfest gewesen war, lag auf dem Fußboden durcheinander verstreut. Sogar die meisten Farben waren aus den Tuben ausgepresst worden und bildeten ineinander verlaufende Lachen auf dem Linoleum. Der scharfe Geruch von verschüttetem Terpentin und anderen Lösungsmitteln erfüllte die Luft.

Das aber war noch nicht einmal das Schlimmste.

Ihre Staffeleien waren bis auf eine umgeworfen worden, und dem noch unvollendeten Bild darauf war etwas hinzugefügt worden. Die Malerei im Vordergrund war im Vergleich mit dem von ihr selbst gestalteten Hintergrund bedeutend schlechter ausgeführt, fast unbeholfen. Hier war kein Könner am Werk gewesen, aber dennoch war das Motiv unverkennbar.

Von der Leinwand blickte Bannisters teuflisch grinsendes Gesicht sie an. Jetzt ist es richtig, stand darüber gekritzelt.

Voller Wut und Schrecken angesichts der vielen Stunden, die sie schon an dem Bild gearbeitet hatte, das nun völlig ruiniert war, wollte Heather darauf zueilen, als sie aus den Augenwinkeln etwas heransausen sah. Sie duckte sich blitzschnell, doch sie war ohnehin nicht das Ziel des Wurfgeschosses.

Fast wie eine zu groß geratene Frisbee-Scheibe raste eine ihrer stabilen Paletten aus Kunststoff, auf denen sie ihre Farben mischte, von schräg hinten auf Sutton zu, der sie erst zu spät bemerkte, um noch auszuweichen. Als wollte Bannister ihn für seinen misslungenen Exorzismus verhöhnen, traf sie ihn am Kopf und ließ ihn bewusstlos zusammenbrechen.

Das gellende Lachen verstummte.

Das Zittern und Beben des Bodens hörte auf.

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Release date on Litres:
23 December 2023
Volume:
210 p. 1 illustration
ISBN:
9783956178528
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