Read the book: «Der Fragebogen»
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Elisabeth Steiner, Prof. (FH), DSA, Mag.a Dr.in, ist Dipl. Sozialarbeiterin und Klinische und Gesundheitspsychologin. Sie ist Studiengangsleiterin des Masterstudiengangs
„Sozialraumorientierte und Klinische Soziale Arbeit“ an der FH Campus Wien.
Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der Sozialarbeitswissenschaft.
Kontakt: elisabeth.steiner@fh-campuswien.ac.at
Mxichael Benesch, Dr., ist Wirtschaftspsychologe und Geschäftsführer der M. Benesch Unternehmensberatung. Er ist als Trainer und Berater in der Organisationsentwicklung und sozialwissenschaftlichen Forschung tätig sowie Lehrbeauftragter an mehreren
österreichischen Universitäten und Fachhochschulen. Sein Spezialgebiet ist die
Verbindung empirisch-quantitativer mit qualitativen Informationen unter Anwendung der Dialogischen Kommunikation nach David Bohm und Martin Buber. Nähere
Informationen unter www.benesch.co.at.
Über facultas bei UTB außerdem erschienen:
Michael Benesch: Der Dialog in Beratung und Coaching, 2020 (UTB)
Michael Benesch, Elisabeth Steiner: Klinische Studien lesen und verstehen,
2. Auflage, 2018 (UTB)
Die Lehrbeispiele in diesem Buch wurden mit der SPSS-Version 26 statistisch ausgewertet.
Den Übungsdatensatz zum Buch finden Sie unter https://www.utb-shop.de beim Zusatzmaterial zu diesem Buch zum kostenlosen Download.
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
Alle Angaben in diesem Fachbuch erfolgen trotz sorgfältiger Bearbeitung ohne Gewähr,
eine Haftung der Autorin, des Autors oder des Verlages ist ausgeschlossen.
6., aktualisierte und überarbeitete Auflage 2021
Copyright © 2021 Facultas Verlags- und Buchhandels AG
facultas Universitätsverlag, Stolberggasse 26, 1050 Wien, Österreich
Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und der Verbreitung
sowie der Übersetzung, sind vorbehalten.
Umschlagfoto: „Excellent Performance © istockphoto/bluestocking
Lektorat: Verena Hauser, Wien
Satz: Facultas Verlags- und Buchhandels AG
Einbandgestaltung: Atelier Reichert, Stuttgart
Druck und Bindung: Friedrich Pustet, Regensburg
Printed in Germany
utb-Nummer 8406
ISBN 978-3-8252-8788-7 (Print-Ausgabe)
ISBN 978-3-8385-8788-2 (Online-Leserecht)
ISBN 978-3-8463-8788-7 (E-PUB)
Vorwort
Vor mittlerweile zwölf Jahren, im Oktober 2008, erschien die erste Auflage unseres Buches, das die Erstellung von Fragebögen und die Herangehensweise an einfachere statistische Auswertungen mit SPSS für Anfänger*innen zum Inhalt hatte. Dabei wird der Forschungsprozess von der Idee bis zur statistischen Auswertung und Berichterstellung vermittelt, um eine Grundlage für die weitere Beschäftigung mit dem Thema zu schaffen.
Die Idee zu diesem Buch entstand im Zuge unserer langjährigen Lehrtätigkeit in den unterschiedlichsten Bereichen und der dabei gewonnenen Erfahrungen in der Vermittlung statistischer Grundkenntnisse an Einsteiger*innen. Dabei konnten wir immer wieder eine wesentliche Beobachtung machen, nämlich die, dass eine eher intuitive, auf „Alltagsverständnis“ aufbauende Herangehensweise, welche auf formalistische Zugänge weitestgehend verzichtet, von den Studierenden sehr geschätzt wird und das Interesse am Fach fördert.
Das didaktische Konzept des Buches hat sich auch in der vorliegenden 6. Auflage nicht geändert, wenngleich es zu einigen kleineren Anpassungen im Inhalt gekommen ist, etwa was das Statistikprogramm SPSS (in dieser Auflage auf Basis von SPSS 26) betrifft. Die Rückmeldungen von Studierenden ebenso wie Lehrenden aus österreichischen und deutschen Fachhochschulen und Universitäten, was das Konzept des Buches und die einfachen, eher alltagssprachlichen und intuitiv verständlichen Erklärungen statistischer Begriffe, den weitestgehenden Verzicht auf Formeln und Ableitungen sowie die gut verständlichen Beispiele betrifft, legen nahe, nichts Wesentliches zu verändern. Der Bedarf an einer 6. Auflage spricht für sich. Dies ist kein Lehrbuch für Profis, sondern soll Studierenden unterschiedlicher Studienrichtungen den Einstieg erleichtern sowie lehrenden Kolleg*innen, die in der Praxis der Vermittlung von quantitativen Forschungsmethoden stehen, Anregungen für ihren Unterricht bieten. Und last, but not least werden auch Personen aus verschiedenen Anwendungsfeldern, wie Psycholog*innen, Sozialarbeiter*innen, Mediziner*innen, Kollegen*innen aus unterschiedlichen Gesundheitsberufen, wie Logopädie, Physiotherapie, aus der Krankenpflege u. v. m., deren Ausbildungszeit schon einige Jahre zurückliegt, gerne auf dieses einfach verständliche Buch zurückgreifen, um einige Lücken aus Theorie und Praxis des wissenschaftlichen Arbeitens zu füllen – das zumindest legen die mittlerweile unzähligen Rückmeldungen nahe, die wir in den letzten zwölf Jahren erhalten haben.
Alle im Buch angeführten Beispiele können mithilfe von SPSS selbst nachgerechnet werden – das entsprechende Datenfile finden Sie auf https://www.utb-shop.de/ beim Zusatzmaterial zu diesem Buch. Die Daten sind fiktiv und beziehen sich auf den im Anhang abgebildeten Übungsfragebogen. Wir empfehlen auch die selbstständige Bearbeitung der jedem Kapitel angehängten Übungsbeispiele – zu Ihrer Kontrolle finden Sie Musterlösungen auf den Seiten 175 bis 186.
Es bleibt uns nun wieder die Hoffnung, dass das vorliegende Buch auch weiterhin Unterstützung bei der Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten bzw. Abschlussarbeiten bietet und vielleicht ein wenig Lust auf die Generierung von Daten und deren statistische Auswertung macht. Zumindest wäre es schon ein wesentlicher Schritt in die richtige Richtung, wenn Ängste bzw. Vorbehalte, die quantitativen Zugängen oft entgegengebracht werden, reduziert bzw. ein wenig ins Positive verändert werden!
Wien, im Dezember 2020Elisabeth Steiner, Michael Benesch
Inhaltsverzeichnis
1 Elementare Definitionen
1.1 Deskriptive Statistik und Inferenzstatistik
1.1.1 Deskriptivstatistik (beschreibende Statistik)
1.1.2 Inferenzstatistik (beurteilende bzw. schließende Statistik)
1.2 Stichprobenarten
1.2.1 Einfache Zufallsstichprobe (Random Sample)
1.2.2 Geschichtete Zufallsstichprobe
1.2.3 Klumpenstichprobe (Cluster Sample)
1.2.4 Zufall versus willkürliche Auswahl
1.2.5 Abhängigkeit der Stichproben
1.3 Schluss von der Stichprobe auf die Grundgesamtheit
1.4 Zusammenfassung des Kapitels
1.5 Übungsbeispiele
2 Messung in den Sozialwissenschaften
2.1 Skalenbzw. Messniveaus
2.2 Nominalskala
2.3 Ordinalskala
2.4 Intervallskala
2.5 Verhältnisskala
2.6 Zusammenfassung des Kapitels
2.7 Übungsbeispiele
3 Die Untersuchungsplanung – von der Idee zur empirischen Forschung
3.1 Die Themensuche
3.1.1 Das Anlegen einer Ideensammlung
3.1.2 Die Replikation von Untersuchungen
3.1.3 Die Mitarbeit an Forschungsprojekten
3.1.4 Weitere kreative Anregungen
3.2 Konkretisierung und Formulierung einer Forschungsfrage
3.3 Die Literaturrecherche
3.4 Auswahl der Untersuchungsart – Forschungsdesign
3.5 Ethische Bewertung einer Forschungsfrage
3.6 Zusammenfassung des Kapitels
3.7 Übungsbeispiele
4 Datenerhebung: Die schriftliche Befragung (Fragebogen)
4.1 Methoden der quantitativen Datenerhebung
4.2 Allgemeine inhaltliche Vorbemerkungen zur Fragebogenkonstruktion
4.3 Erste inhaltliche Schritte
4.4 Prinzipien der Konstruktion
4.4.1 Fragenauswahl
4.4.2 Einleitung, Instruktion und Anrede
4.4.3 Richtlinien zur Formulierung der Items
4.4.4 Antwortformate
4.5 Pretest
4.6 Negative Antworttendenzen
4.6.1 Absichtliche Verstellung
4.6.2 Soziale Erwünschtheit (Social Desirability)
4.6.3 Akquieszenz oder „Ja-Sage-Bereitschaft“ 62
4.6.4 Bevorzugung von extremen, unbestimmten oder besonders platzierten Antwortkategorien
4.6.5 Wahl von Antwortmöglichkeiten, die eine bestimmte Länge, Wortfolge oder seriale Position aufweisen
4.6.6 Verfälschung aufgrund der Tendenz, zu raten, oder aufgrund einer raschen Bearbeitung des Tests
4.6.7 Tendenz zur ersten passenden Kategorie
4.6.8 Beeinflussung durch motivationale Bedingungen
4.6.9 „Mustermalen“
4.7 Zusammenfassung des Kapitels
4.8 Übungsbeispiele
5 Computerunterstützte Datenaufbereitung mittels SPSS
5.1 Was ist SPSS?
5.2 Vom Fragebogen zur SPSS-Datei
5.2.1 Wie rufe ich SPSS auf?
5.2.2 Wichtige Anmerkungen vor der Dateneingabe
5.2.3 Kodierung und Kodeplan
5.2.4 Erstellung eines Datenfiles
5.2.5 Datencheck/Data-Cleaning
5.2.6 Weitere Datenaufbereitung
5.3 Zusammenfassung des Kapitels
5.4 Übungsbeispiele
6 Deskriptivstatistische Datenanalyse
6.1 Tabellarische Darstellung der Daten
6.1.1 Häufigkeitstabellen
6.1.2 Kreuztabellen bzw. Kontingenztafeln
6.2 Grafische Darstellung der Daten
6.2.1 Balkendiagramme
6.2.2 Histogramme
6.2.3 Boxplots
6.2.4 Streudiagramme
6.3 Lagemaße – Lokalisationsparameter
6.3.1 Normalverteilung
6.3.2 Das arithmetische Mittel – der Mittelwert
6.3.3 Der Median
6.3.4 Der Modus (Modalwert)
6.4 Dispersionsmaße (Streuungsmaße)
6.4.1 Varianz
6.4.2 Standardabweichung
6.4.3 Der Quartilabstand
6.4.4 Spannweite
6.4.5 Perzentilwerte
6.5 Zusammenfassung des Kapitels
6.6 Übungsbeispiele
7 Schluss von der Stichprobe auf die Population
7.1 Alltags- und statistische Hypothesen
7.2 Statistischer Test
7.3 Fehler erster und zweiter Art und die Macht eines Tests
7.4 Der Standardfehler des Mittelwerts
7.5 Zusammenfassung des Kapitels
7.6 Übungsbeispiele
8 Statistische Tests
8.1 T-Test für unabhängige Stichproben
8.2 T-Test für abhängige Stichproben
8.3 U-Test nach Mann & Whitney
8.4 Wilcoxon-Test
8.5 Friedman-Test
8.6 Vierfelder-Chi-Quadrat-Test
8.7 Zusammenfassung des Kapitels
8.8 Übungsbeispiele
9 Korrelation und lineare Regression
9.1 Produkt-Moment-Korrelation
9.2 Rangkorrelation nach Spearman
9.3 Vierfelderkorrelation
9.4 Partielle Korrelation
9.5 Biseriale Korrelation
9.6 Korrelation und Kausalität
9.7 Einfache lineare Regression
9.8 Multiple lineare Regression
9.9 Zusammenfassung des Kapitels
9.10 Übungsbeispiele
10 Varianzanalyse
10.1 Grundlagen der Varianzanalyse
10.2 Einfaktorielle Varianzanalyse ohne Messwiederholung
10.3 Einfaktorielle Varianzanalyse mit Messwiederholung
10.4 Zusammenfassung des Kapitels
10.5 Übungsbeispiele
11 Der statistische Auswertungsbericht
11.1 Der Theorieteil
11.2 Der Methodenteil
11.3 Der Ergebnisteil
11.4 Diskussion und Ausblick
11.5 Einige Zitierregeln
11.6 Das Literaturverzeichnis
11.7 Zusammenfassung des Kapitels
11.8 Übungsbeispiele
Anhang
Lösungen zu den Übungsbeispielen
Beispiel: Fragebogen zur Studien- und Lebenssituation bei Studierenden
Literaturverzeichnis
Stichwortverzeichnis
1 Elementare Definitionen
1.1 Deskriptive Statistik und Inferenzstatistik
Grundsätzlich wird bei der Analyse quantitativer Beobachtungen bzw. Messungen und deren Beschreibung die Inferenzstatistik von der Deskriptivstatistik unterschieden. Diese beiden prinzipiellen Zugänge in der Statistik sollen im folgenden Kapitel in ihrer Unterschiedlichkeit und Anwendbarkeit genauer dargestellt werden. Diese Darstellungsform soll jedoch nicht den falschen Eindruck entstehen lassen, dass die beiden Zugänge konkurrierend auftreten. In der Praxis stellen sie einander ergänzende und inhaltlich bereichernde Zugänge dar.
1.1.1 Deskriptivstatistik (beschreibende Statistik)
„Ein wesentlicher Teil der Statistik ist die Datenbeschreibung einschließlich einer systematischen Suche nach aufschlussreichen Informationen über die Struktur eines Datenkörpers. Strukturen in den Daten und bedeutsame Abweichungen von diesen Strukturen sollen aufgedeckt werden.“ (Hedderich & Sachs, 2011, S. 11)
Es werden also bestimmte Charakteristika (Eigenschaften) einer Stichprobe beschrieben, allerdings noch ohne den Anspruch, etwas über die dahinterstehende Grundgesamtheit (Population) auszusagen. Dies wäre der Ansatz, den die Inferenzstatistik verfolgt. Bei dieser Beschreibung interessieren im Grunde die Ableitungen von gewissen, in den Daten auffindbaren Gesetzmäßigkeiten, die auch die Basis für weitere inferenzstatistische Verwertungen darstellen.
Es handelt sich um einen summarischen Zugang zu quantitativen Informationen. Wenn wir z. B. etwas über eine Stichprobe von Studierenden (n = 127) wissen möchten, müssen wir im ersten Schritt entscheiden, welche Eigenschaften dieser Stichprobe uns interessieren, und im nächsten Schritt, ob wir diese Eigenschaften zunächst grafisch veranschaulichen und/oder ob Maßzahlen wie Mittelwerte und Streuungen zur Beschreibung herangezogen werden (mehr dazu in Kapitel 6). Wir müssen also entscheiden, wie wir die wichtigsten „Eigenschaften“ der Stichprobe in geeigneter Form und gut überschaubar darstellen.
Nehmen wir an, uns interessiert die Geschlechterverteilung in der Stichprobe der 127 Studierenden. Für ihre Darstellung würde sich aufgrund der geringen Anzahl der Ausprägungen der Variable Geschlecht, nämlich männlich und weiblich, eine einfache Grafik wie das Kreisdiagramm (Abb. 1.1) anbieten:
Besteht diese Stichprobe von StudentInnen aus 70 männlichen und 57 weiblichen Personen, wird die Verteilung durch das Kreisdiagramm auf einfache und anschauliche Art und Weise grafisch dargestellt.

Abb. 1.1: Geschlechterverteilung/Angabe in absoluten Häufigkeiten
Eine weitere deskriptivstatistische Methode wäre die Darstellung einer einfachen Häufigkeitstabelle.
In Tabelle 1.1 sind zusätzlich zu diesen absoluten Häufigkeiten von 70 und 57 die Prozente angegeben. Man berechnet sie, indem man die absoluten Zahlen jeder Gruppe durch die Stichprobengröße dividiert und anschließend mit 100 multipliziert (57/127 = 44,9% und 70/127 = 55,1 %).
Tab. 1.1: Geschlechterverteilung/Häufigkeiten und Prozent
| Häufigkeit | Prozetn | ||
| Gültig | weiblich | 57 | 44,9% |
| männlich | 70 | 55,1% | |
| Gesamt | 127 | 100,0% |
Natürlich ist Statistik mit Informationsreduktion verbunden, das ist eine ihrer Grundideen und bedeutet in unserem Beispiel: Aus dem Kreisdiagramm (Abb. 1.1) oder der Tabelle (Tab. 1.1) ist nicht mehr ersichtlich, welches Individuum der Stichprobe männlich oder weiblich ist. Wir kennen nur noch die entsprechenden Anteile (45 % und 55 %) bzw. Häufigkeiten (57 und 70).
Eine weitere gängige Methode der Deskriptivstatistik, um Stichproben zu beschreiben, besteht darin, sogenannte deskriptivstatistische Maßzahlen zu berechnen. Die bekanntesten sind das arithmetische Mittel (meist nur „Mittelwert“ genannt) und die Standardabweichung (dazu eine ausführliche Beschreibung in Kapitel 6), die dazugehörige Streuung.
Den Mittelwert (x̄ = arithmetisches Mittel) erhält man, indem alle Messwerte (wie z. B. das Alter in Jahren) addiert werden und die resultierende Summe durch die Anzahl der Messwerte (n = Stichprobengröße) dividiert wird.
x̄ = 24 Jahre für die männliche Stichprobe
Zieht man einen der siebzig Studenten aus der Gruppe und erfragt sein Alter, so ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es im Bereich um 24 Jahre liegt. Allerdings ist die Angabe des Mittelwertes praktisch sinnlos, wenn man nichts über die Verteilung der ursprünglichen Messwerte weiß. In einer Stichprobe von drei 20-jährigen Personen beträgt der Mittelwert zwanzig Jahre [(20 + 20 + 20) / 3 = 20]. Auch in einer Stichprobe mit einem 10-Jährigen, einem 11-Jährigen und einem 39-Jährigen macht der Mittelwert zwanzig Jahre aus [(10 + 11 + 39) / 3 = 20].
Dies führt uns zum nächsten Schritt – der Angabe der dazugehörigen Streuungsmaße (Dispersionsmaße), die Aufschluss über die „Differenzen“ in der Altersverteilung geben können, z. B. die Standardabweichung = s = 3 Jahre.
Das heißt, in Kombination mit der Angabe des Mittelwerts von 24 Jahren kann unter der Annahme der Normalverteilung (dazu ebenfalls mehr in Kapitel 6) davon ausgegangen werden, dass rund 68 % der Studenten im Altersbereich von 21 bis 27 Jahren liegen (d. h. im Bereich 24 Jahre +/– 3 Jahre).
Durch die so durchgeführte Beschreibung der Stichprobe gewinnt man bereits einen guten Überblick über deren Charakteristika, also wesentliche Informationen über ihre Beschaffenheit: Wir wissen bis jetzt, dass die Stichprobe aus 57 weiblichen und 70 männlichen Studierenden besteht. Dies könnte mit einer Häufigkeitstabelle unter der zusätzlichen Angabe von Prozenten noch ergänzt werden. Der Altersdurchschnitt der männlichen Studierenden liegt bei 24 Jahren. Und rund 68 % der männlichen Studierenden liegen im Altersbereich von 21 bis 27 Jahren.
Statistische Methoden zur Beschreibung der Daten von Stichproben in Form von Grafiken, Tabellen oder einzelnen Kennwerten (Lagemaße bzw. Streuungsmaße) bezeichnen wir zusammenfassend als deskriptive (beschreibende) Statistik.
Sie gibt einen Überblick über die Merkmalsausprägungen einzelner Variablen und stellt oft eine fundierte Basis für weitere statistische Berechnungen dar.
1.1.2 Inferenzstatistik (beurteilende bzw. schließende Statistik)
Auf Basis von Erfahrungen, Beobachtungen und Wissen ziehen wir Rückschlüsse – dieser Prozess wird als Inferenz bezeichnet. Dabei können zwei Zugänge verfolgt werden: Vom „Allgemeinen“ auf das „Besondere“ zu schließen wird als deduktiver Zugang bezeichnet. Im Gegensatz dazu spricht man vom induktiven Zugang, wenn man vom „Besonderen“ auf das „Allgemeine“ schließen möchte. Durch diese Differenzierung werden auch grob qualitative von quantitativen Forschungszugängen unterschieden.
Während die Deskriptivstatistik eine Stichprobe beschreibt, ermöglicht die Inferenzbzw. analytische oder beurteilende Statistik, über diese Stichprobe hinaus etwas über die dahinterstehende Grundgesamtheit (Population) auszusagen, also Verallgemeinerungen zu treffen.
Die Inferenzstatistik bzw. „Beurteilende (Schließende) Statistik untersucht […] nur einen Teil, der für die Grundgesamtheit, deren Eigenschaften uns interessieren, charakteristisch oder repräsentativ sein soll“ (Hedderich & Sachs, 2011, S. 9).
Die Grundidee liegt also darin, von einer kleinen Auswahl (Stichprobe) auf die dahinterliegende Grundgesamtheit zu schließen.
Es gibt neben den bereits erwähnten Begrifflichkeiten Inferenzstatistik, beschreibende bzw. analytische Statistik auch noch die Bezeichnung induktive (hinführende) Statistik. Alltagssprachlich wird eine solche Hinführung als logischer Schluss dargestellt. Die Verwendung dieser Begriffe verwirrt oft, bezeichnet aber den gleichen Zugang zur Statistik.
Wir stellen in der Stichprobe fest, dass sich die männlichen von den weiblichen Studierenden hinsichtlich des Lernaufwandes für eine bestimmte Prüfung unterscheiden, also eine Gruppe für dieselbe Prüfung länger lernt. Mittels der Methoden der Inferenzstatistik, mit denen wir uns später beschäftigen werden, kann nun festgestellt werden, ob es sich in der Grundgesamtheit (alle StudentInnen dieser Studienrichtung an dieser Universität) genauso wie in der Stichprobe verhält. Dieses Schließen von der Stichprobe auf das Dahinterstehende – die Grundgesamtheit – ist allerdings nicht mit absoluter Sicherheit möglich, sondern nur mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit. Die Verallgemeinerung auf die Population ist stets unsicher. Wir können mithilfe statistischer Auswertungen prinzipiell nur Wahrscheinlichkeitsaussagen treffen – und dies mit unterschiedlicher Genauigkeit.
In sozialwissenschaftlichen Untersuchungen möchte man also meist über die Beschreibung einer ausgewählten (spezifischen) Gruppe von Untersuchungseinheiten (Stichproben) hinausgehen und allgemein gültige Aussagen treffen. Dazu ist die rein deskriptive Statistik, die Beschreibung der Daten in Form von Häufigkeitstabellen, Grafiken und einzelnen Kennwerten, in den wenigsten Fällen ausreichend.
Die Inferenzbzw. beurteilende Statistik nimmt sich des Problems an, wie man Ergebnisse, die an einer verhältnismäßig kleinen Zahl von Personen (Stichprobe) gewonnen wurden, auf die Grundgesamtheit (Population) umlegen, also allgemein gültige Aussagen treffen kann. Die allgemein gültige Aussage (über die Grundgesamtheit) wird als Hypothese formuliert, die anhand von Stichproben zu überprüfen ist. Hierin liegt ein wesentlicher Unterscheidungspunkt der zwei Zugänge. Die Inferenzstatistik stellt Hypothesen auf und ermöglicht deren Überprüfung.
Aus der Grundgesamtheit wird eine von vielen möglichen Stichproben gezogen. Die folgende Abbildung 1.2 verdeutlicht dies. Aus einer größeren Grundgesamtheit (der große Kreis) gibt es nahezu unendlich viele Möglichkeiten, einzelne Stichproben (kleine Kreise) zu erhalten. Wichtig ist, dass diese gezogene Stichprobe „repräsentativ“ ist, also die wesentlichen Charakteristika der Grundgesamtheit widerspiegelt.

Abb. 1.2: Grundgesamtheit mit verschiedenen Stichprobenziehungen
Ein bekanntes Anwendungsgebiet ist die Hochrechnung vor Wahlen. Die Meinungsforschungsinstitute konkurrieren jeweils um die korrekteren Vorhersagen des Wahlausgangs. Sie gehen dabei so vor, dass sie eine kleine (aber repräsentative) Stichprobe von WählerInnen befragen, von der sie auf die Grundgesamtheit der Bevölkerung schließen können.
Repräsentativität bedeutet in diesem Beispiel, dass die „kleine“ ausgewählte Gruppe möglichst die reale Situation der „Grundgesamtheit“ beschreibt, also die Variablen (Eigenschaften), wie z. B. Geschlecht, Alter, Ausbildungsstand, soziale Schicht usw., real abgebildet sind.
Natürlich sind Ergebnisse, die aufgrund von Daten einer Stichprobe gewonnen werden, mit Ungenauigkeiten behaftet. Das ist auch der Grund, weshalb bei einer Wahlprognose stets ein Bereich angegeben wird, z. B. +/–2 %, in dem das „wahre“ Ergebnis (also der An teil der WählerInnen an der Grundgesamtheit) mit gewisser Wahrscheinlichkeit liegt.
Neben den Ergebnissen, die durch analytische Verfahren gewonnen werden, können deskriptivstatistische zusätzlich zu einer übersichtlichen und anschaulichen Informationsaufbereitung beitragen.
Das Zusammenspiel der beiden Methoden kann sich gut ergänzen und zu einem Höchstmaß an Information führen.
Die Inferenzstatistik wird häufig auch als analytische Statistik oder schließende Statistik bezeichnet. Der wesentliche Unterschied zur deskriptiven Statistik liegt darin, dass es zur Überprüfung von Hypothesen, die sich auf die dahinterstehende Grundgesamtheit beziehen, kommt. Auf diese Weise sollen allgemein gültige Aussagen über die Stichprobe hinaus getroffen werden. Es wird ein deduktiver Zugang verfolgt.
1.2 Stichprobenarten
In der Empirie (wissenschaftlich gewonnene Erfahrung) werden unterschiedliche Zugänge zur Auswahl einer repräsentativen Stichprobe verfolgt. Mittels eines Stichprobenplans wird das Zufallsverfahren festgelegt, um repräsentative Elemente zu ziehen.
Der Begriff „Stichprobe“ bezeichnet eine kleine Teilmenge der sogenannten Grundgesamtheit, deren Auswahl nach bestimmten Kriterien erfolgen sollte, um verallgemeinerbare Aussagen treffen zu können.
Die Ziehung einer Stichprobe hat einen sehr pragmatischen Ursprung, nämlich jenen, dass die Befragung der Grundgesamtheit (Vollerhebung, z. B. der österreichischen Gesamtbevölkerung) nicht (oder nur sehr aufwendig) möglich ist und den Rahmen einer Untersuchung meist sprengen würde. Allerdings ist bei sozialwissenschaftlichen Fragen anzunehmen, dass gezogene Stichproben auch unter sehr guten Überlegungen und Bedingungen die Verteilung der Merkmale in der Population nicht exakt abbilden. Man müsste im Vorfeld bereits exakte Angaben über Verteilungen und Merkmalsausprägungen haben, was in der Realität kaum gegeben ist. Nichtsdestotrotz ist der grundsätzliche Zugang bei der Ziehung von Stichproben das sogenannte Induktionsprinzip (vom lateinischen inductio, Hineinführen), bei dem vom besonderen Fall auf den allgemeinen geschlossen wird.
„Unter Grundgesamtheit ist diejenige Menge von Individuen, Fällen, Ereignisse zu verstehen, auf die sich die Aussagen der Untersuchung beziehen sollen und die im Hinblick auf die Fragestellung und Operationalisierung vorher eindeutig abgegrenzt werden muss“ (Kromrey, 2009, S. 255).
Beispiele für Grundgesamtheiten sind: alle BewohnerInnen von Wien, alle RaucherInnen einer Zigarettenmarke in Österreich, alle RechtshänderInnen, alle ostösterreichischen StudentInnen einer bestimmten Studienrichtung etc.
Eine gezogene Stichprobe sollte die Grundgesamtheit möglichst genau abbilden. Je besser diese kleine Teilmenge die Grundgesamtheit abbildet, desto präzisere Aussagen können über sie gemacht werden. Dies stellt jedoch eine gewisse Herausforderung dar, denn die Repräsentativität in allen Merkmalen kann in den seltensten Fällen im statistischen Sinne erfüllt werden, besonders dann, wenn die Untersucherin/der Untersucher keinerlei Hinweise auf die Verteilung der relevanten einzelnen Variablen in der Stichprobe hat.
Neben der Art und Weise, wie die Stichprobe gezogen (zufallsgesteuert bzw. nicht zufallsgesteuert) wird, ist natürlich auch deren Größe von Bedeutung. Im Allgemeinen kann jedoch eine auch noch so große Stichprobe gravierende Fehler bei der Stichprobenziehung nicht wettmachen. Möchte man beispielsweise etwas über das Durchschnittseinkommen der StudentInnen wissen und befragt dazu fünftausend Studierende, wird man stark verzerrte Ergebnisse erhalten, wenn diese fünftausend Personen zum Großteil nebenberuflich studieren, also vollwertige Einkommen haben. Diese Stichprobe wäre nicht repräsentativ für „die StudentInnen“, wenn diese zum Großteil eben nicht nur nebenberuflich studieren. Es würde zu einem „Bias“ kommen, einer systematischen Verzerrung. Die Stichprobe müsste, um zu sinnvollen Schlussfolgerungen zu kommen, so gezogen werden, dass sie die realen Verhältnisse gut abbildet – eine Vorerhebung der Verteilungen wäre unerlässlich.
An dieser Stelle sollen nun die in den Sozialwissenschaften gängigen Stichprobenarten dargestellt werden. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Zufallsstichprobe, welche die häufigste Variante darstellt.
1.2.1 Einfache Zufallsstichprobe (Random Sample)
Liegen, wie oben erwähnt, keinerlei Hinweise auf die Verteilung relevanter Variablen in der Grundgesamtheit vor, empfiehlt sich die Ziehung einer Zufallsstichprobe (Random Samples), denn bei dieser Stichprobe hat dann jedes Merkmal die gleiche Wahrscheinlichkeit, in die relevante Stichprobe gezogen zu werden.
„Eine Zufallsstichprobe ist dadurch gekennzeichnet, dass jedes Element der Grund gesamtheit mit gleicher Wahrscheinlichkeit ausgewählt werden kann“ (Bortz, 2010, S. 87).
Man spricht in diesem Fall von einer reinen (einfachen) Zufallsstichprobe (Simple Random Sample). Die Wichtigkeit dieser Stichprobenziehung in den Sozialwissenschaften muss besondere Beachtung erhalten. Es ist dies oft die einzige Möglichkeit des Zugangs.
1.2.2 Geschichtete Zufallsstichprobe
Eine weitere Möglichkeit wäre es, eine geschichtete (stratifizierte) Zufallsstichprobe zu ziehen. Dabei wird die Stichprobe anhand einer ausgewählten Schichtungsvariable in einander nicht überschneidende Schichten geteilt. Diese Schichten sollten in sich ziemlich homogen sein, untereinander aber sehr unterschiedlich. Aus diesen Segmenten zieht man dann eine Zufallsstichprobe. Diese Vorgangsweise macht natürlich nur dann Sinn, wenn die Schichtungsvariable einen hohen Zusammenhang mit dem eigentlich interessierenden Untersuchungsmerkmal hat. Man muss über die Verteilung der Merkmale in der Grundgesamtheit Bescheid wissen, um eine repräsentative Stichprobe erzeugen zu können. Die so gezogene Stichprobe wird als geschichtet oder stratifiziert bezeichnet (vgl. ebd., S. 88). Ein Beispiel: Wenn das Freizeitverhalten Jugendlicher untersucht werden soll, muss bei der Ziehung der Stichprobe auf Alter, Taschengeldhöhe, Stadt/Land, Geschlecht etc. geachtet werden. Aus diesen einzelnen Schichten (Strata; Sg. Stratum) werden dann zufällig Jugendliche gezogen, also aus der Gruppe Stadt/Land, der Gruppe Taschengeldhöhe usw.
Bei der stratifizierten Zufallsstichprobe muss bekannt sein, welche Faktoren die Verteilung des untersuchten Merkmals beeinflussen, um eine geeignete Auswahl treffen zu können.
1.2.3 Klumpenstichprobe (Cluster Sample)
In der praktischen Arbeit mit Daten kommt es immer wieder vor, dass vorgruppierte Teilmengen der Grundgesamtheit vorliegen. Man spricht in diesem Fall von sogenannten Klumpenstichproben, diese werden neben den geschichteten Stichproben ebenfalls den mehrstufigen Zufallsstichproben zugeordnet. Klumpenstichproben sind dann sinnvoll, wenn die Elemente der Grundgesamtheit nicht erfasst werden können, aber Informationen darüber vorhanden sind, wo diese Elemente gefunden werden können. Ein Beispiel: Es gibt keine Listen darüber, welche und wie viele Wiener PatientInnen an Bluthochdruck leiden. Aber Spitäler führen Aufzeichnungen über ihre eigenen PatientInnen, und so könnte man eine bestimmte Anzahl an Wiener Spitälern (das wären die „Klumpen“ oder „Cluster“) auswählen und aus diesen Clustern Zufallsstichproben von Bluthochdruck-PatientInnen ziehen.
„Eine Klumpenstichprobe besteht aus allen Untersuchungsteilnehmern, die sich in mehreren, zufällig ausgewählten Klumpen befinden“ (Bortz, 2010, S. 87).
Diese Klumpenstichproben müssen allerdings von Ad-hoc-Stichproben (anfallenden Stichproben) differenziert werden – es müssen mehrere zufällig ausgewählte Klumpen vollständig untersucht werden. Ad-hoc-Stichproben wären eine Schulklasse, eine Seminargruppe, Kranke auf einer Station im Krankenhaus. Bei diesen anfallenden Stichproben wird ohne spezielle Planung und ohne genaue Kenntnis der Merkmalsausprägungen in der Population vorgegangen.
Bei einer Klumpenstichprobe wird die Grundgesamtheit in einzelne, sich ähnelnde Klumpen (Homogenität der Klumpen) zerlegt. Daraus wird eine Zufallsstichprobe genommen, z. B. werden zuerst einzelne Schulklassen (Klumpen) aus allen Klassen (Grundgesamtheit) gezogen und dann die SchülerInnen daraus befragt.
Das Grundproblem liegt darin, dass die Gefahr der nicht hinreichend gegebenen Repräsentativität sehr hoch ist.
Zu berechnende Kenngrößen unterscheiden sich in Abhängigkeit von der Klumpenauswahl. Je homogener die Gruppen sind, desto größer die Schwankungen zwischen den Auswahlen.
1.2.4 Zufall versus willkürliche Auswahl
Dem Prinzip der Zufallsstichprobe steht die willkürliche Auswahl von Stichproben gegenüber. Dabei werden von der Befragerin/dem Befrager willkürliche Kategorien eingezogen. Wahrscheinlichkeiten darüber, ob ein bestimmtes Element in die Stichprobe aufgenommen wird, können dabei nicht angegeben werden.
Es geht um eine bewusste Auswahl. Beispiele hierzu sind:
▮ eine rein willkürliche Auswahl – ein sehr unwissenschaftlicher Zugang, z. B. Befragungen auf der Straße, bei denen jeder zehnte Passant angesprochen wird;
▮ eine Schneeballauswahl – diese wird häufig als Methode für den Zugang zu kleinen bzw. schwer zugänglichen Gruppen genutzt. Eine Person dieser Gruppe gibt das Erhebungsinstrument (z.B. Fragebogen) an eine von ihr als relevant eingeschätzte Person weiter.
▮ eine Auswahl der Elemente, die als sehr typisch angesehen werden;
▮ eine Quotenauswahl – vorausgehende Festlegung der Gruppen, die gezogen werden müssen. Das setzt voraus, dass über die diesbezüglichen Informationen verfügt wird.
1.2.5 Abhängigkeit der Stichproben
Ein sehr wesentlicher Punkt, falls es zu Gruppenvergleichen mittels analytisch-statistischer Verfahren kommen soll, ist die Frage nach der Abhängigkeit der Stichproben. Dabei muss die abhängige von der unabhängigen Stichprobe unterschieden werden:
▮ Abhängige Stichproben: Typisch für abhängige Stichproben ist das zwei- oder mehrmalige Untersuchen derselben Personen, also beispielsweise vor und nach einem Therapieprogramm. Bei einer Befragung derselben Personen zu zwei Zeitpunkten muss etwa durch entsprechende Probandencodes sichergestellt werden, dass die zweiten Messwerte eindeutig den ersten zugeordnet werden können.
▮ Unabhängige Stichproben: Die Stichproben bestehen aus Elementen, die voneinander unabhängig sind, d. h., wer zur Stichprobe A gehört, kann nicht Teil der Stichprobe B sein. Typisch für ein unabhängiges Design wäre die Befragung von männlichen und weiblichen SchülerInnen zu einem bestimmten Thema, um mögliche Geschlechtsunterschiede zu untersuchen. Wer männlich ist, kann nicht Teil der weiblichen Stichprobe sein und umgekehrt.
1.3 Schluss von der Stichprobe auf die Grundgesamtheit
Die analytische Statistik (Inferenzstatistik) beschäftigt sich also mit dem Schluss von der Stichprobe auf die Grundgesamtheit. Wie bereits mehrfach erwähnt, ist es in den allermeisten Fällen allein schon aus organisatorischen Gründen nicht möglich, die gesamte Population (Grundgesamtheit) zu untersuchen.
Dabei stellt sich aber ein gravierendes Problem: Wie kann man etwas über eine Population aussagen, wenn nur Stichprobenresultate bekannt sind? Derartige Schlüsse sind nicht mit absoluter Sicherheit möglich, sondern nur als Wahrscheinlichkeitsaussagen formulierbar, was wir schon bei unserem Beispiel der Hochrechnung von Wahlen festgehalten haben.
Bei Wahlprognosen finden wir solche Unsicherheiten durch die Angabe eines Intervalls von zumeist „+/–2 %“: Auf die Partei X werden 38 % (+/–2 %) der Stimmen entfallen, womit ausgedrückt wird, dass mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit der „wahre“ Anteil der WählerInnen dieser Partei (also der Anteil der WählerInnen in der Population der Wahlberechtigten) hier im Bereich von 36 % bis 40 % liegt. Könnte man alle Wahlberechtigten befragen und nicht nur eine Stichprobe von zumeist rund tausend Personen, bräuchte man nicht die Wahrscheinlichkeit bemühen, sondern könnte eine „sichere“ Aussage treffen. Die Situation ist vergleichbar mit dem Schwangerschaftstest: Zu Beginn der Schwangerschaft ist es nicht möglich, zu sehen, ob eine Frau schwanger ist oder nicht. Aber mit 99,9 %iger Wahrscheinlichkeit ist sie es nicht, sollte das Testergebnis (dieses steht hier beispielhaft für die Stichprobe) negativ sein, und mit vergleichbarer Wahrscheinlichkeit ist sie schwanger bei positivem Testergebnis. Beim Schluss von einer Stichprobe auf die dahinterliegende Grundgesamtheit muss auch der Stichprobenumfang beachtet werden. Nach dem „Gesetz der großen Zahlen“ nähern sich die Eigenschaften einer Stichprobe mit wachsendem Umfang den Eigenschaften der Grundgesamtheit an. Für die praktische Arbeit muss jedoch eine handhabbare Lösung gefunden werden und oft können aus Zeitbzw. Kostengründen Stichprobenumfänge nicht in optimalem Umfang erhoben werden.
Eine verbindliche Untergrenze kann auch hier nicht in eine Zahl gefasst werden, da dies von einigen Komponenten, wie z. B. der Streuung der untersuchten Variable oder dem relativen Anteil der Stichprobe an der Gesamtpopulation, abhängig ist und individuell entschieden werden muss.
Für die Repräsentativität einer Stichprobe und die Anwendbarkeit der meisten Test- und Schätzverfahren der analytischen Statistik sollte jedoch ein Mindestumfang von 30 Fällen pro Untergruppe (Merkmalsausprägung einer Variable), z. B. Geschlecht mit männlich und weiblich, gegeben sein. Dies ist allerdings nur eine Faustregel, die die Verteilungen der Variablen nicht berücksichtigt.
1.4 Zusammenfassung des Kapitels
Grundsätzlich wird die Deskriptivstatistik von der Inferenzstatistik unterschieden. Deskriptiv heißt, in der Datenaufbereitung beschreibend vorzugehen. Die Darstellung der Ergebnisse erfolgt in Form von Grafiken, Tabellen und einzelnen statistischen Kennzahlen. Im Gegensatz dazu ermöglicht die Inferenzstatistik, über die bestehende Stichprobe hinaus Aussagen über die dahinterstehende Grundgesamtheit zu treffen. Es müssen dazu Hypothesen formuliert werden.
Als Stichprobe wird eine kleine Teilmenge der sogenannten Grundgesamtheit verstanden, die nach bestimmten Kriterien ausgewählt wird. Wir können dabei die einfache Zufallsstichprobe, die geschichtete Zufallsstichprobe, die Klumpenstichprobe und die Ad-hocStichprobe unterscheiden. Selbstverständlich kann eine Stichprobe auch willkürlich gezogen werden, dies wäre z. B. das Quotaverfahren. Diese kleine Teilmenge soll repräsentativ sein, d. h. die Grundgesamtheit in ihren Eigenschaften gut abbilden. Um dies zu gewährleisten, ist in der sozialwissenschaftlichen Untersuchungsplanung die häufigste Art der Stichprobe die Zufallsstichprobe, in ihr hat jedes Element der Grundgesamtheit die gleiche Wahrscheinlichkeit, ausgewählt zu werden.
Ein weiterer wesentlicher Aspekt ist die Differenzierung zwischen abhängigen und unabhängigen Stichproben, vor allem wenn mittels analytisch-statistischer Verfahren Gruppenvergleiche angestellt werden sollen.
Wird von der repräsentativen Stichprobe auf die Grundgesamtheit geschlossen, kann dies nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit getan werden. Eine absolute Aussage wäre nur durch eine Vollerhebung möglich.
1.5 Übungsbeispiele
Überprüfen Sie Ihr Wissen und versuchen Sie, die fünf Übungsbeispiele zu lösen:
1. Was wird unter deskriptivstatistischen Methoden verstanden?
2. Worin liegt der wesentliche Unterschied zwischen deskriptiven und analytischen Methoden der Statistik?
3. Nennen Sie Ihnen bekannte Stichprobenarten.
4. Wann wird von einer abhängigen bzw. unabhängigen Stichprobe gesprochen?
5. Was wird unter einer repräsentativen Stichprobe verstanden?
Die Lösungen zu den Übungsbeispielen finden Sie im Anhang auf Seite 175.
2 Messung in den Sozialwissenschaften
Versuchen wir einen grundsätzlichen Zugang zur Thematik des Messens im sozialwissenschaftlichen Bereich zu finden und holen dazu inhaltlich ein wenig aus.
Eine bereits ältere Einteilung von Steyer und Eid (2001, S. 1) gliedert den Forschungsprozess in zwei Teile, einen theoretischen und einen empirischen. In der theoretischen Phase werden Fähigkeiten, Merkmale oder Eigenschaften strukturiert und definiert. Danach folgt die empirische Überprüfung einer Theorie, welche gegebenenfalls neu formuliert und wieder getestet werden muss (mehr dazu in Kapitel 3). Dazu ist es notwendig, die Theorie mit der Praxis zu verknüpfen und Messmodelle abzuleiten. Die Verknüpfung von Theorie und Praxis bezeichnen Steyer und Eid als „Überbrückungsproblem“ oder „Operationalisierung“ (Bühner, 2004, S. 69). Unter Operationalisierung wird also das Messbarmachen von Konstrukten (Begriffen) verstanden.
Aus den Naturwissenschaften kennen wir Messungen, die auf den ersten Blick als eindeutig und jederzeit wiederholbar erscheinen. Messungen etwa in der Psychologie sind für uns jedoch schwerer nachvollziehbar, da wir an ihrer Genauigkeit und Eindeutigkeit Zweifel hegen und vor allem die zu messenden Objekte andere Eigenschaften besitzen. Sie sind nicht wie in den Naturwissenschaften präzise mit Maßeinheiten und Messinstrumenten erfassbar. Dennoch werden in den Sozialwissenschaften ebenfalls Messmodelle abgeleitet und eingesetzt, mehr noch: Sie sind unverzichtbar.
Aus dieser Feststellung leitet sich eine wesentliche Frage ab, nämlich: Wie können empirische Größen, als Beispiel seien Intelligenz, Aggression, Stress, Ablehnung eines Themas, Zustimmung zu einem Thema etc. genannt, gemessen, also quantifiziert werden? Die Überführung dieser Konstrukte in Zahlen und messbare Größen erscheint auf den ersten Blick als nicht einfach und eindeutig. Die Ermittlung quantitativer Aussagen von physikalischen Größen erfolgt hingegen über festgelegte Maßeinheiten wie Kilogramm, Meter etc. Zur Quantifizierung empirischer (z. B. persönlicher) Merkmale gibt es keine Maßeinheiten. Deswegen muss mit einem Spezialfall der Messung gearbeitet werden – der Skalierung.
Grundsätzlich wird unter einer Skala ein Instrument zur Messung von (theoretischen) Konzepten, wie z. B. Intelligenz oder Einstellungen zu verschiedenen Themen (Arbeitsmotivation, Fremdenfeindlichkeit, Umweltbewusstsein ...), verstanden.
Ziel einer Skalenbildung ist die Zuordnung eines Skalenwerts zu einer Person hinsichtlich eines zu untersuchenden Konzepts oder Merkmals (z. B. Umweltbewusstsein, Geschlecht etc.). Solche Skalen werden innerhalb standardisierter Fragebogen auf unterschiedlichem Niveau vorgegeben.
Dieser Skalenmesswert soll zum Ausdruck bringen, wo sich die Personen mit ihren Einschätzungen auf den untersuchten Dimensionen befinden oder welcher Gruppe sie angehören. Diese Werte sind für die Berechnungen mithilfe von Statistikprogrammen wie SPSS unerlässlich.
Eine Messung ist nach Hatzinger (2009, S. 32) „die Zuordnung von Zahlen zu beobachtbaren Phänomenen. Die Beziehung zwischen beobachteten Phänomenen soll durch die Beziehungen zwischen den zugeordneten Zahlen widergespiegelt werden.“
Ein Beispiel soll dies veranschaulichen: Es bezieht sich auf den im Vorwort bereits erwähnten Übungsfragebogen „Fragebogen zur Studien- und Lebenssituation bei Studierenden der Ernährungswissenschaften im Jahr 2008“, den Sie im Anhang auf S. 188 finden können.
Dort findet man im Fragenkomplex C (zur Person) unter C1.1 die Frage (das Item):
Sie sind □ männlich □ weiblich?
Die befragten Personen müssen sich entsprechend ihrer Zugehörigkeit mit einem Kreuz einer der beiden Kategorien zuordnen. Um die Ergebnisse messbar zu machen, also Aussagen wie jene in Kapitel 1 (z. B. 70 Studierende sind männlich/57 Studierende sind weiblich) treffen zu können, müssen den Ausprägungen der Variablen „Geschlecht“ (männlich/weiblich) Zahlen zugeordnet werden, um danach eine Auszählung zu ermöglichen, dies nennt man auch Kodierung.
Nehmen wir an, dass es eine willkürliche Festlegung gibt, männlichen Personen die Zahl 1 zuzuordnen und weiblichen Personen die Zahl 2, also die Merkmalsausprägung „Mann“ mit 1 und „Frau“ mit 2 zu kodieren. Damit erfolgt eine Vergabe von Messwerten (1 oder 2) – sie könnten in diesem Fall übrigens auch umgekehrt vergeben werden, dazu im Folgenden Genaueres. Es ist somit eindeutig nachvollziehbar, welche Zahl welchem Geschlecht zugeordnet ist. Die empirische Größe „Geschlecht“ wurde durch diesen Vorgang messbar gemacht – eigentlich könnte man sehr vereinfacht ausdrücken, dass der Variablen ein Skalenniveau zugewiesen wurde.
Die hohe inhaltliche und praktische Relevanz dieses Vorgangs wird in Zusammenhang mit der Konstruktion eines Erhebungsinstruments (z. B. einer schriftlichen Befragung mittels standardisierten Fragebogens) deutlich, da zu diesem Zeitpunkt genau überlegt werden muss, welche Daten zur Interpretation der Testergebnisse benötigt werden, und im Vorfeld, welche Ausprägungen und somit Zahlen ihnen zugeordnet werden. Allgemeiner: Welche Ergebnisse möchte ich aus der Untersuchung beziehen? Kann ich sie mit meinen Vorgaben aus den gestellten Fragen filtern? (Siehe dazu Kapitel 4)
2.1 Skalenbzw. Messniveaus
Es lassen sich verschiedene Ebenen (Skalenniveaus) unterscheiden, auf denen gemessen werden kann. Es kommt je nach Skalenniveau zu einer unterschiedlich genauen Abbildung empirischer Sachverhalte. Jedes von ihnen hat bestimmte Eigenschaften und entscheidet über die möglichen mathematischen Operationen einer Variablen, die Transformationen ohne Informationsverlust und vor allem, welchen Informationsgehalt das entsprechende Merkmal liefert.
Die vier Skalenniveaus sind: Nominal-, Ordinal-, Intervall- und Verhältnisbzw. Absolutskala. Nominalbzw. ordinalskalierte Merkmale bezeichnet man als kategorial. Die Intervall-, Verhältnisbzw. Absolutskalen werden zur sogenannten Kardinalskala zusammengefasst. Merkmale auf diesen Skalen werden metrisch genannt.
Die Darstellung der Skalenarten erfolgt hierarchisch von der einfachsten, relativ ungenauen bis hin zur exaktesten Messstruktur, die vor allem im physikalisch-naturwissenschaftlichen Bereich Anwendung findet. In den Sozialwissenschaften ist sie eigentlich kaum anzutreffen.
Um zu den erforderlichen Definitionen einen Zugang zu finden, sollen vorweg zwei grundlegende Termini erörtert werden. Es handelt sich dabei um das empirische und numerische Relativ- oder Relationensystem. Bortz (2005, S. 16) verstehen unter einem empirischen Relativ „eine Menge von Objekten und eine oder mehrere Relationen, mit denen die Art der Beziehung der Objekte untereinander charakterisiert wird“. Besteht die Menge von Objekten aus empirischen Objekten, spricht man von einem empirischen Relativ (vgl. ebd.). Dies könnten z. B. Studierende einer Seminargruppe, KursteilnehmerInnen eines Kochkurses, SchülerInnen einer Klasse, aber auch verschiedenste vorhandene Augenfarben sein.
In der Folge wird die Zuordnung von Zahlen (Kodierung) zur Verarbeitung der Daten dargestellt. Es ist uns durchaus aus unserem Leben geläufig, Zahlenzuordnungen für Eigenschaften oder Ergebnisse zu treffen. Dies beginnt schon im Kindergarten mit der Zuordnung zu Gruppen und wird z. B. in der Schule mit den Schulstufen weitergeführt.
2.2 Nominalskala
„Eine Nominalskala ordnet den Objekten eines empirischen Relativs Zahlen zu, die so geartet sind, dass Objekte mit gleicher Merkmalsausprägung gleiche Zahlen und Objekte mit verschiedener Merkmalsausprägung verschiedene Zahlen erhalten“ (Bortz, 2005, S. 18).
Beispiele für Variablen und deren Zahlenzuordnungen (Kodierungen)
| Geschlecht: | 1 = weiblich |
| 2 = männlich | |
| Familienstand: | 1 = ledig |
| 2 = verheiratet | |
| 3 = verwitwet | |
| 4 = geschieden | |
| RaucherIn: | 1 = ja |
| 0 = nein | |
| Sozialforschung ist | 1 = stimme ich zu |
| langweilig: | 2 = stimme ich nicht zu |
Betrachten wir die Variable „Familienstand“: Die Zuordnung der Zahlen 1, 2, 3 und 4 zu den Ausprägungen „ledig“, „verheiratet“, „verwitwet“ und „geschieden“ ist völlig willkürlich und könnte auch anders gewählt werden. Keinesfalls soll ausgedrückt werden, dass ledige vor den geschiedenen Personen eingestuft werden, weil sie mehr Bedeutung (z. B. gesellschaftliche Akzeptanz) haben. Den Zahlen kommt keinerlei empirische Bedeutung zu. Die Ziffern drücken lediglich eine Ungleichheit bzw. Gleichheit aus.
Ebenso hat die Kategorisierung bei der Variablen „RaucherIn“ für die Zuordnung 1 oder 0 keinerlei empirische Relevanz. Eine Person, die nicht raucht (0), ist nicht „schlechter“ als eine Person, die raucht (1).
Die Zuordnung der Zahlen auf Nominalskalenniveau kennzeichnet unterschiedliche Qualitäten oder Kategorien einer Variablen. Dazu sind zwei Annahmen bei der Zuweisung von Zahlen zu treffen:
1. Exklusivität: Unterschiedlichen Ausprägungen einer Variablen (Merkmal) werden unterschiedliche Zahlen zugeordnet.
2. Exhaustivität: Für jede beobachtete oder potenziell bestehende Merkmalsausprägung existiert eine Zahl (vgl. Rasch & Kubinger, 2006, S. 9).
Nominalskalierte Variablen sind aufgrund ihres niedrigen Skalenniveaus in ihrer Auswertungsmöglichkeit sehr eingeschränkt. Statistische Operationen beschränken sich in der Regel darauf, für verschiedene Merkmalsausprägungen eine Häufigkeitsverteilung darzustellen. Deskriptivstatistische Methoden anderer Art, wie Darstellungen in Diagrammen, sind möglich. Dies wird in der Folge noch genauer demonstriert.
2.3 Ordinalskala
„Eine Ordinalskala ordnet den Objekten eines empirischen Relativs Zahlen zu, die so geartet sind, dass von jeweils 2 Objekten das Objekt mit der größeren Merkmalsausprägung die größere Zahl erhält“ (Bortz, 2005, S. 19).
Beispiele für Variablen und deren Zahlenzuordnungen (Kodierungen)
| Rauchgewohnheiten: | 1 = Nichtraucher |
| 2 = mäßiger Raucher | |
| 3 = starker Raucher | |
| 4 = sehr starker Raucher | |
| Höchster Schulabschluss: | |
| 1 = Hauptschule | |
| 2 = Polytechnischer Lehrgang | |
| 3 = Fachschule | |
| 4 = Berufsbildende höhere Schule |
Ein ganz typisches und auch sehr häufiges Beispiel einer ordinalskalierten Variablen ist die Kategorisierung der Altersklassen:
| Wie alt sind Sie? | 1 = bis 24 Jahre |
| 2 = 25 bis 34 Jahre | |
| 3 = 35 bis 44 Jahre | |
| usw. |
Diese Vorgangsweise ist bei der Variablen „Alter“ allerdings eher nicht empfehlenswert, da sie zu einer Reduktion des Informationsgehalts führt. Eine genaue Altersangabe in Jahren wäre sinnvoller, darauf wird noch näher eingegangen.
Wenn wir diese Variablen betrachten, kommt den vergebenen Kodezahlen (1–4) eine empirische Bedeutung zu – sie geben die Ordnungsrelation wieder. Die Variable ist nach ihrer Wertigkeit aufsteigend geordnet: Ein mäßiger Raucher raucht weniger als ein starker Raucher, und der wiederum weniger als ein sehr starker Raucher, wobei über die Differenzen keine Angaben vorliegen.
Variablen, bei denen der verwendeten Kodezahl eine empirische Relevanz hinsichtlich ihrer Ordnung zukommt, nennt man ordinalskaliert, d. h. beispielsweise je größer die Zahl, desto höher die Ausprägung des Merkmals.
Die empirische Relevanz dieser Variablen bezieht sich aber nicht auf die Differenz zweier Kodezahlen. Die Differenz zwischen den Kodezahlen eines Nichtrauchers und eines mäßigen Rauchers einerseits und eines mäßigen Rauchers und eines starken Rauchers andererseits ist jeweils 1, allerdings wird man keinerlei Aussage darüber treffen können, dass dieser Unterschied zwischen einem Nichtraucher und einem mäßigen Raucher einerseits und zwischen einem mäßigen Raucher und einem starken Raucher andererseits gleich ist. Dazu sind die Begrifflichkeiten zu vage und eben in Kategorien gefasst.
Das Wesen ordinalskalierter Daten liegt darin, dass sie vergleichende Aussagen über größer/kleiner oder besser/schlechter und gleich/ungleich zulassen.
Die Ordinalskala inkludiert die Aussagen der Nominalskala (Ungleichheit oder Gleichheit). Zu den erwähnten Annahmen der Exklusivität und Exhaustivität kommt eine weitere hinzu, welche die Eigenart der Ordinalskala kennzeichnet. Es ist dies die Bedingung, dass 3. die gewählten Zahlen Unterschiede einer bestimmten Größe in Bezug auf die Merkmalsausprägungen darstellen (vgl. Rasch & Kubinger, 2006, S. 10).
Neben Häufigkeitsdarstellungen ist auch die Berechnung gewisser statistischer Kennwerte wie etwa des Medians (siehe Kapitel 6.3) möglich. Die Berechnung von Mittelwerten kann in bestimmten Fällen Sinn machen. Auf die Berechnung von Zusammenhängen (Korrelationen) mit anderen Variablen und deren Bedingungen wird später eingegangen (siehe Kapitel 9).
2.4 Intervallskala
Eine Intervallskala ordnet den Objekten eines empirischen Relativs Zahlen zu, die so geartet sind, dass die Rangordnung der Zahlendifferenzen zwischen je 2 Objekten der Rangordnung der Merkmalsunterschiede zwischen je 2 Objekten entspricht“ (Bortz, 2005, S. 21).
Beispiele für Variablen
Intelligenzquotient: IQ 110; IQ 120; IQ 130; hier ist der Unterschied zwischen IQ 110 und IQ 120 ebenso groß wie zwischen IQ 120 und IQ 130 – es sind immer 10 IQ-Punkte.
Temperaturmessung in Grad Celsius: 20 Grad Celsius; 30 Grad Celsius; 40 Grad Celsius; hier gilt dieselbe Zugangsweise – die Abstände sind gleich. Man spricht auch von äquidistanten Abständen.
In diesen Fällen kommt es bei der Eingabe in SPSS nicht zur Zuordnung von Kodezahlen, sondern es werden die einzelnen Werte (z. B. 110, 120, 130) verarbeitet. Diese Vorgangsweise wird bei allen metrischen (intervall- und verhältnisskalierten) Variablen gewählt.
Die oben genannten Werte geben nicht nur eine Rangordnung der beteiligten Personen wieder, sondern der Differenz von zwei Werten kommt auch eine empirische Bedeutung zu. Der Abstand der Zahlen bildet immer den gleichen Qualitätsunterschied in der Merkmalsausprägung ab.
Ein Beispiel hierzu: Wenn Person A einen IQ von 80, Person B einen von 120 und Person C einen von 160 hat, so kann man sagen, dass Person B im Vergleich zu Person A ebenso viel intelligenter ist wie Person C im Vergleich zu Person B, nämlich um 40 IQ-Punkte.
Aber trotz der Werte 80 für Person A und 160 für Person C kann man aufgrund der Konstruktion des IQs nicht sagen, dass Person C doppelt so intelligent wie Person A ist. Das kann damit begründet werden, dass der Bezugspunkt – der absolute Nullpunkt – fehlt.
Rein theoretisch gibt es den Punkt-0-IQ, nur ist er in der Natur nicht auffindbar und auch in der Konstruktion des Intelligenzquotienten nicht umgesetzt. Er ist willkürlich festgelegt, wie auch die Abstände zwischen den IQ-Punkten festgelegt sind.
Variablen, bei denen der Differenz (dem Intervall) zwischen zwei Werten eine empirische Bedeutung zukommt, nennt man intervallskaliert. Die Intervallskala wird in den empirischen Sozialwissenschaften angestrebt und ist sicherlich die am häufigsten verwendete Skala. Oft wird sie auch dadurch erzeugt, dass eigentliche Ordinalskalen durch die Erhöhung der Kategorien der Antwortformate zur Intervallskala werden, was methodisch nicht korrekt, aber leider gängige Praxis ist.
„Daten, die Differenzbildung (A – B = C – D), Relationen (größer/kleiner oder besser/ schlechter) und Aussagen über Unterschiede (Gleichheit/Ungleichheit) zulassen, haben Intervallskalenniveau“ (Bühner, 2004, S. 70). Zu den genannten Annahmen kommt nun eine vierte hinzu: „Gleich große Abstände zwischen zugeordneten Zahlen repräsentieren gleich große Einheiten des Konstrukts“ (Rasch & Kubinger, 2006, S. 11). Hier wird auf die bereits erwähnte Äquidistanz hingewiesen. Es werden gleich große Abstände zwischen den Einheiten angenommen.
Die Differenzierung von Ordinalzu Intervallskala ist oft strittig und fließend. Ein Beispiel sind die Noten von 1–5, die man als eindeutig ansieht. Wenn sie jedoch auch auf die dahinterliegende Punkteanzahl bezogen werden, könnte man ihnen sehr wohl Intervallskalenniveau zusprechen (d. h., wenn Sehr gut = 60–55 Punkte, Gut = 54–49 Punkte etc.). Der Fall liegt selbst bei Angaben gewisser Anzahlen etwas im Graubereich, z. B. bei der Anzahl von Kindern – dieser Variablen kann ebenfalls Intervallskalenniveau zugesprochen werden, wenn keine Kategorien gebildet wurden (vgl. Zöfel, 2003, S. 22).
Die statistische Bearbeitung intervallskalierter Variablen unterliegt keinerlei Einschränkungen. So ist die Berechnung des arithmetischen Mittels mit dem dazugehörenden Streuungsmaß der Varianz bzw. Standardabweichung eine statistisch sinnvolle Operation zur Beschreibung der Variablen. Das ist auch der Grund, warum sie angestrebt wird. Dazu aber in Folge noch mehr.
2.5 Verhältnisskala
„Eine Verhältnisskala ordnet den Objekten eines empirischen Relativs Zahlen zu, die so geartet sind, dass das Verhältnis zwischen jeweils 2 Zahlen dem Verhältnis der Merkmalsausprägungen der jeweiligen Objekte entspricht“ (Bortz, 2005, S. 22).
Beispiele für Variablen
Wie alt sind Sie? _______ Jahre
Geben Sie Ihr Körpergewicht in Kilogramm an: _______ kg
Die höchste Stufe der Skalierung ist erreicht, wenn auch den Verhältnissen zweier Werte empirische Bedeutung zukommt.
Ein Beispiel wäre das Alter: Ist Max 30 Jahre und Moritz 60 alt, dann ist Moritz doppelt so alt. Man nennt solche Variablen verhältnisskaliert. Es sind dies intervallskalierte Variablen, die einen absoluten Nullpunkt besitzen und somit diese Aussagen zulassen.
In der Praxis ist die Unterscheidung von intervall- und verhältnisskalierten Variablen in der Regel nicht relevant, da ab Intervallskalenniveau wesentliche statistische Operationen durchgeführt werden können und das Verhältnisskalenniveau in der empirischen Sozialforschung selten anzutreffen ist. Beide Skalenniveaus werden in SPSS zum sogenannten „metrischen Niveau“ zusammengeführt.
Zusammenfassend kann man also sagen, dass es vier Skalenniveaus gibt, auf denen Zahlenwerte gemessen werden können (Tab. 2.1):
Tab. 2.1: Skalenniveaus
| Skalenniveau | empirische Relevanz | mögliche Eigenschaften |
| Nominal | keine | = / ≠ |
| Ordinal | Ordnung der Zahlen | = / ≠; < / > |
| Intervall | Differenz der Zahlen | = / ≠; < / >; + / - |
| Verhältnis | Verhältnisse der Zahlen | = / ≠; < / >; + / -; x / : |
Die dimensionale Auflösung (in ihre einzelnen Facetten) der untersuchten empirischen Größe muss unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachtet werden. Die Wahl des Antwortformats hängt damit zusammen, dass die resultierenden Daten ein Skalenniveau haben, welches die erwarteten Interpretationen ermöglicht. Das Antwortformat ordnet Zahlen zu (dazu mehr in Kapitel 4).
Es leiten sich natürlich dadurch Konsequenzen für die Planung empirischer Untersuchungen ab. Man sollte immer ein hohes Skalenniveau anstreben, denn die Reduktion von „viel Information“ auf „wenig Information“ ist bei den Auswertungen und der Interpretation durchaus möglich. Zum Beispiel kann man nach der Erhebung des Alters in Jahren (also auf Verhältnisskalenniveau) eine Reduktion auf Kategorien (Ordinalskalenniveau) durchführen. Umgekehrt ist der Vorgang jedoch nicht möglich. Sind Daten kategorial erhoben, können Einzelangaben zum Alter nicht mehr wiedergegeben werden – und dies macht einige Auswertungen unmöglich. Für die Auswertung von gewonnenen Daten und die Anwendung von statistischen Verfahren muss das Skalenniveau der Variablen bekannt sein.
2.6 Zusammenfassung des Kapitels
Um empirische Größen, wie z. B. Stress, Ablehnung eines bestimmten Themas etc., quantifizieren zu können, müssen sie messbar gemacht werden, also in Zahlen überführt werden.
Da es im Bereich der Sozialwissenschaften zum Großteil nicht um die Messung physikalischer Größen geht, die über eine festgelegte Maßeinheit (kg, cm, dm) verfügen, bedient man sich eines Spezialfalls der Messung – der sogenannten Skalierung. Ihr Ziel ist die Zuordnung einer Person hinsichtlich ihrer Position bzw. Zugehörigkeit zum untersuchten Merkmal bzw. Konstrukt.
Es lassen sich vier Skalenarten voneinander unterscheiden. Es sind dies – beginnend mit der einfachsten und ungenauesten – die Nominal-, Ordinal-, Intervall- und Verhältnisskala:
▮ Die Nominalskala drückt lediglich eine Gleichheit bzw. Ungleichheit aus. Sie differenziert z. B. zwischen roten und blauen Kugeln.
▮ Die Ordinalskala drückt zusätzlich zu dieser Gleichheit bzw. Ungleichheit eine Rangordnung zwischen den Ausprägungen der Variablen aus. Es sind Aussagen wie größer/ kleiner, besser/schlechter oder mehr/weniger möglich.
▮ Die Intervallskala ist dadurch gekennzeichnet, dass sie ebenfalls zwischen ungleich/gleich differenziert und zusätzlich eine Rangordnung wiedergibt. Das Spezielle an ihr ist, dass den Differenzen von zwei Werten auch eine empirische Bedeutung zukommt.
▮ Die Verhältnisskala ist die höchste Stufe der Skalierung. Bei ihr kommt auch den Verhältnissen zweier Werte (nicht nur Differenzen) empirische Bedeutung zu. Sie hat im Gegensatz zur Intervallskala einen absoluten Nullpunkt, der in der Natur auffindbar ist.
In der Praxis ist die Unterscheidung zwischen intervall- und verhältnisskalierten Variablen in der Regel nicht relevant, da ab Intervallskalenniveau wesentliche statistische Operationen durchgeführt werden können und das Verhältnisskalenniveau in der empirischen Sozialforschung selten anzutreffen ist. SPSS führt aus diesem Grund beide Skalenniveaus zum sogenannten metrischen Skalenniveau zusammen.
2.7 Übungsbeispiele
Überprüfen Sie Ihr Wissen und versuchen Sie, die fünf Übungsbeispiele zu lösen:
1. Nennen Sie die Skalenniveaus hierarchisch vom ungenauesten bis zum exaktesten.
2. Welche Eigenschaften besitzt eine Intervallskala?
3. Welches Skalenniveau hat die Variable (Alter), C1.2 des Übungsfragebogens? Das Item lautet: Sie sind _______ Jahre alt.
4. Welches Skalenniveau hat die Variable (Sportlichkeit), C1.5 des Übungsfragebogens? Das Item lautet: Als wie sportlich würden Sie sich selbst auf einer Skala von 0 % bis 100 % einstufen?
| 0% | 10% | 20% | 30% | 40% | 50% | 60% | 70% | 80% | 90% | 100% |
total unsportlich total sportlich
5. Was ist der wesentliche Unterschied zwischen der Intervall- und der Verhältnisskala?
Die Lösungen zu den Übungsbeispielen finden Sie im Anhang auf Seite 175 f.
3 Die Untersuchungsplanung – von der Idee zur empirischen Forschung
(Sozial)wissenschaftliche Forschung definiert ihre Ziele in vier wesentlichen Bereichen. Allgemein können Forschungsarbeiten einem dieser vier Bereiche zugeordnet werden:
▮ Deskription, also die Beschreibung von Tatbeständen und Sachverhalten
▮ Überprüfung von Theorien und Hypothesen
▮ Evaluation, das ist die Überprüfung der Wirksamkeit von Projekten, Prozessen oder sozialen Interventionen
▮ Exploration, also die Erforschung/Erkundung von Tatbeständen
Grundsätzlich wird die Qualität einer empirischen Arbeit bzw. Untersuchung daran gemessen, ob sie das bestehende Wissen in ihrem Untersuchungsfeld erweitern und bereichern kann, ob also in gewisser Weise ein „Neuigkeitswert“ besteht. Selbstverständlich wirft dieser Anspruch in der jetzigen Zeit, in der ForscherInnen einer fast unüberschaubaren Menge an Materialien und Untersuchungen unterschiedlicher Niveaus und Qualitäten gegenüberstehen, gewisse Schwierigkeiten in der Umsetzung auf. Die grundsätzliche Problematik beginnt schon damit, dass schwer einzuschätzen ist, ob ein Thema einzigartig ist und als einzigartiges auch umsetzbar wäre.
Fragen wie „Ist das Thema schon mehrmals behandelt worden? Besteht eigentlich ein sehr hohes Risiko im Replizieren von bereits mehrfach bekannten Ergebnissen?“ tauchen auf und sind in sehr vielen Fällen nicht unberechtigt und in der ersten Phase der Überlegungen sehr wichtig. Ebster und Stalzer (2013) beschreiben drei grundsätzliche Möglichkeiten, ein Thema zu finden. Sie unterscheiden persönliche, interpersonelle und literaturbasierte Strategien (vgl. ebd., S. 29 f.). Zu den persönlichen Strategien gehören u. a. eigene Erfahrungen. Bei den interpersonellen Strategien wird über den Kontakt zu anderen Personen ein Thema gefunden. Bei den literaturbasierten Strategien können z. B. Journale ausgewertet werden und die Ergebnisse können dann zu einem Thema führen (vgl. ebd., S. 31).
Der erste empfehlenswerte Zugang, um eine empirische Arbeit in Angriff zu nehmen, ist, sich einen Themenüberblick zu verschaffen. Die Art, wie dies geschieht, ist sicherlich auch sehr stark von persönlichen Strategien abhängig. Vielen Personen fällt es z. B. nicht schwer, mit anderen ins Gespräch zu kommen, um über interessante, für eine Forschungsarbeit relevante Themen zu diskutieren (interpersonelle Strategie). Andere Personen hingegen empfinden im persönlichen Kontakt Hemmungen und finden zuerst einen Zugang über schriftliches Material (literaturbasierte Strategie). In diesem Zusammenhang wäre eine Wertung der Zugänge völlig falsch, da unterschiedliche Strategien verfolgt werden können und zum Ziel führen.
Der optimale Zugang wäre selbstverständlich gegeben, wenn eine Forschungsidee heranreifen könnte, sich also entwickeln könnte und nicht unter zeitlichem Druck entwickelt werden müsste. Falls es sich um eine Abschlussarbeit für ein Studium handelt, ergeben sich oft Anregungen durch einzelne Lehrveranstaltungen. Weitere Anregungen können durch Literatur, eigene Beobachtungen, Praktika und Gespräche entstehen und zur Hypothesenformulierung führen.
Oft wird gerade dafür zu wenig Zeit geplant und mit Ungeduld krampfhaft etwas „Untersuchbares“ gesucht. Selbstverständlich entstehen die meisten Arbeiten auch unter externem Druck, z. B. sind sie mit dem Abschluss eines Studiums verbunden.
Allerdings soll an dieser Stelle schon erwähnt werden, dass es gerade in dieser Phase wichtig wäre, mit Ruhe und kritischem Blick an die Auseinandersetzung mit dem Thema zu gehen, da sich eine detaillierte Beschäftigung mit dem Thema längerfristig bezahlt macht und in weiterer Folge Zeit einbringt.
3.1 Die Themensuche
Bortz und Döring (2006, Kap. 2.1) nennen verschiedenste Möglichkeiten der Themensuche für eine empirische Untersuchung. Da es sich um grundlegende Zugänge handelt, sollen sie kurz dargestellt werden. Als erste Empfehlung findet sich dort:
3.1.1 Das Anlegen einer Ideensammlung
Oft sind es die spontanen Einfälle, die einer näheren Betrachtung wert sind. Allerdings müssen sie auch in geeigneter Form archiviert werden, um in Folge auf ihre Brauchbarkeit überprüft werden zu können. Wichtig erscheint dabei auch eine zeitliche Dokumentation, damit die Nachvollziehbarkeit der Entwicklung gegeben ist.
Karmasin und Ribing (2007) konkretisieren die Tipps zur Auswahl eines Themas und raten ebenfalls zu einer Ideensammlung und zur Dokumentation
▮ interessanter Fachartikel,
▮ von Beiträgen aus Radio und Fernsehen,
▮ im Studium aufkommender Ideen, die durch Anregungen aus Lehrveranstaltungen und Lehrmaterialien entstehen,
▮ auch individueller Fragen – eigener Fragestellungen,
▮ von Anregungen von anderen Personen (z. B. Angebote von Instituten),
▮ von Möglichkeiten von Praxisstellen, Firmen und mit dem Thema befassten Organisationen, eventuell laufen auch Forschungsaufträge, an denen man sich beteiligen könnte (vgl. ebd., S. 19).
Die Überprüfung der Ideen kann/soll parallel dazu laufen – es muss unbedingt recherchiert werden, ob bereits wissenschaftliche Arbeiten zu diesem Thema vorliegen. Die meisten Themen sind selbstverständlich schon vielfach bearbeitet worden – es geht jedoch darum, die Herangehensweisen auch dahingehend zu überprüfen, ob sie identisch sind. Dazu empfiehlt es sich, Internetrecherchen durchzuführen und im Titel- und Stichwortregister von Bibliotheken (z. B. Universitäts-/Nationalbibliothek) Erkundigungen einzuziehen.
Es muss schon vorweg auf eine ausreichende Differenzierung der Arbeiten geachtet werden. Das gewählte Thema muss sich von anderen Arbeiten abheben – nicht nur im Titel, sondern hinsichtlich der zu bearbeitenden Fragestellungen.
3.1.2 Die Replikation von Untersuchungen
Auf den ersten Blick scheint die Wiederholung einer Studie weniger interessant, da die Idee und die dazugehörigen Hypothesen praktisch vorgegeben sind. Allerdings ist dies eine gängige Variante in der Wissenschaft, um unerwartete Ergebnisse einer nochmaligen Überprüfung zu unterziehen. Dies passiert bei Erkenntnissen, die dem derzeitigen Forschungsstand nicht entsprechen, aber eine höhere Aussagekraft hätten (vgl. Bortz & Döring, 2006, S. 37).
3.1.3 Die Mitarbeit an Forschungsprojekten
Die Möglichkeit der Mitarbeit im Rahmen einer Lehrveranstaltung oder als Studienassistenz besteht leider nur für wenige Studierende. Die Mitarbeit an Projekten, die einige Institute dennoch anbieten können, ist mit einem sehr großen Vorteil verbunden. Meist hat schon Vorarbeit stattgefunden und Studierende treffen auf eine Rohstruktur. Die Fragestellungen sind meist erarbeitet, was einen gewissen Druck nehmen kann, allerdings auch das Risiko birgt, an Projekten beteiligt zu sein, die einen inhaltlich nicht ganz ansprechen (vgl. Bortz & Döring, 2006, S. 38).
3.1.4 Weitere kreative Anregungen
Die weiteren Anregungen, die Bortz und Döring (2006, S. 38) zur Themensuche geben, sollen hier nur auszugsweise aufgezählt werden, um einen Überblick zu vermitteln:
▮ Intensive Fallstudien: Schon Sigmund Freud hat durch gründliche Beobachtung einzelner Patientinnen Forschungsideen entwickelt. Selbstverständlich müssen die untersuchten Personen nicht berühmt und herausragend sein, es genügen Beobachtungen von einzelnen „gewöhnlichen“ Menschen.
▮ Selbstbeobachtung (Introspektion): Bei kritischer Selbstbeobachtung können interessante Fragestellungen entstehen, die vielleicht an anderen Personen überprüft werden können.
▮ Sprichwörter: In ihnen verbergen sich oft Erfahrungen über Generationen und sie können auch für die Gegenwart noch von hoher Relevanz sein.
▮ Paradoxe Phänomene: Bei genauerer Betrachtung ergeben sich in unserem Handeln oder in der Beobachtung anderer oft widersprüchliche Situationen, wie z. B. das bekannte Phänomen aus der Notfallpsychologie, dass Personen auf die Überbringung einer schrecklichen Nachricht mit Lachen reagieren können. Warum ist das so?
▮ Die Analyse von Faustregeln: Sie ergeben sich in gewisser Weise durch „Erfahrungslernen“ und etablieren sich über Jahre. Gerade deshalb sind sie einer genaueren Betrachtung und detaillierten Analyse wert.
▮ Wandel von Alltagsgewohnheiten: Gesellschaftliche Veränderungen, die über eine gewisse Zeit beobachtet werden, werfen eine Vielzahl von möglichen Forschungsideen auf, z. B. Wandel in den Geschlechtsstereotypien, Veränderungen in der Familienstruktur, Veränderungen im Berufsleben etc.
▮ Probleme der Gesellschaft: Es können sich durch tägliche Berichterstattungen via Medien Ideen für eine Forschungsarbeit ergeben.
▮ Überprüfung widersprüchlicher Theorien: Oft stößt man beim Literaturstudium auf Theorien, die inhaltlich auseinanderstreben. Daraus können sich sehr interessante Teilaspekte für die Entwicklung eines wissenschaftlichen Themas ergeben. Eigene wissenschaftliche Zugänge müssen entwickelt werden, um die Theorien zu überprüfen.
3.2 Konkretisierung und Formulierung einer Forschungsfrage
Die intensive Auseinandersetzung mit einem Thema und die Entwicklung verschiedenster Fragen daraus stellen leider noch keine Garantie auf eine erfolgreiche Arbeit dar, allerdings eine sehr gute Basis.
Erfahrungsgemäß werden Themen für wissenschaftliche Arbeiten, im Speziellen für Diplomarbeiten bzw. Masterarbeiten, in ihren ersten Formulierungen thematisch viel zu weit, also sehr allgemein und wenig aussagend formuliert. Dies sind Formulierungen wie „Sprache in der Sozialarbeit“ oder „Migration in Österreich“. Würde man diese Themen bearbeiten, könnte man daran nur scheitern, da sie in ihrem Umfang nicht bearbeitbar sind. Ihrer Mehrdimensionalität könnte man in letzter Konsequenz nie gerecht werden. Sie würde den zeitlichen Rahmen der Arbeit sprengen.
Eine Fokussierung auf eine Teilfrage des Themas muss erfolgen – eine Präzisierung. Wichtig ist es, in diesem Stadium darauf zu achten, dass die zu erfassenden Konstrukte auch wirklich empirisch umsetzbar sind. Man muss sich immer bewusst vor Augen halten, dass nur kleine Ausschnitte aus Themenkomplexen empirisch erfasst werden können. Es soll eine beantwortbare, konkret eingegrenzte Frage definiert werden. Deshalb ist die bewusste Differenzierung zwischen Arbeitstitel und Forschungsfrage ein wichtiger gedanklicher Schritt.
Das formulierte Thema stellt den Arbeitstitel dar, also in gewisser Weise einen Überbegriff, an dem man sich während der Bearbeitung immer wieder orientieren kann und natürlich soll.
Jedoch sind umfangreiche Ausarbeitungen zu einem gewählten Thema noch lange kein Beitrag zur Weiterentwicklung einer Disziplin oder eines Fachbereichs und der Wissenschaft. In erster Linie geht es, wie bereits in der Einleitung zu diesem Kapitel erwähnt, um den Erkenntniszuwachs.
Dies kann in der Folge nur durch die Formulierung und Beantwortung einer Forschungsfrage geschehen.
Karmasin und Ribing (2014, S. 24) bringen dies mit einem Satz auf den Punkt: „Das Ergebnis Ihrer Arbeit soll eine Antwort liefern, und zwar eine Antwort auf eine Forschungsfrage!“ Womit wir nun auch bei der großen Herausforderung angelangt wären, denn allgemeine Themen zu finden, ist sicherlich einfacher, als abgegrenzte und vor allem beantwortbare Forschungsfragen zu formulieren.
Nun wenden wir uns einigen Zugangsweisen zur Formulierung zu. Es handelt sich hierbei um einen sehr zeitaufwendigen Prozess am Beginn der wissenschaftlichen Arbeit, der aber unabdingbar ist und sich in letzter Konsequenz auch bezahlt macht. Je präziser sich diese Vorüberlegungen gestalten, desto mehr profitiert man während der Bearbeitung des Themas davon.
Als erster Schritt bei der Formulierung einer Forschungsfrage kann nur der Versuch empfohlen werden, die Arbeit in einer einzigen Frage zu formulieren. Daraus ergeben sich nämlich unmittelbar der Zweck und das Ziel der Arbeit (vgl. ebd., S. 24).
Welche Strategien zur Formulierung der Forschungsfrage sollen nun weiterverfolgt werden? Einige Tipps:
▮ Prinzipiell ist ein ganz wesentliches Kriterium, dass sich die Fragestellung von anderen thematisch ähnlichen Arbeiten unterscheidet.
▮ Empfehlenswert sind sogenannte W-Fragen: wie? warum? wozu? was? etc.
▮ Es ist sicherlich zielführend, Forschungsfragen z. B. zeitlich, räumlich oder sachlich einzugrenzen.
▮ Abzuraten ist von einer Frage, die widersprüchlich ist oder eine verkleidete Behauptung darstellt.
▮ Es besteht auch kein großes Interesse daran, die Fragenformulierung so unklar zu lassen, dass die Beantwortung nicht möglich ist.
▮ Vorsicht vor falschen Vorannahmen, beeinflussenden, tendenziösen Fragen und vor allem auch vor dem Gebrauch von unklaren Wörtern oder, was sicherlich noch mehr ins Gewicht fällt, Konzepten (vgl. ebd.).
Ist die Formulierung der Forschungsfrage gelungen, so wird diese in weitere Fragen aufgeteilt. Es werden Unterfragen entwickelt, deren Beantwortung die Basis der Arbeit darstellt. Sie sind auch der erste Ansatzpunkt für eine gezielte Literatursuche. Welche Informationen sind für die Beantwortung erforderlich? Danach richten sich die nächsten Schritte.
3.3 Die Literaturrecherche
Nachdem ein interessantes Thema gefunden wurde, beginnt nun die Suche nach gezielten Informationen dazu. Um eine grobe Einschätzung des inhaltlichen bzw. formalen Ausmaßes einer Arbeit zu erhalten, ist es ratsam, andere Arbeiten, die sich mit dem Themenbereich beschäftigen, durchzusehen. Dies stellt gerade bei Diplomarbeiten bzw. Masterarbeiten eine gängige Praxis dar.
Zusätzlich kann sich bei der Sichtung der Arbeiten die eigene Forschungsidee an anderen Ergebnissen und Theorien orientieren. Es können offene oder widersprüchliche Ideen und/oder Theorien aufgeworfen werden, die interessante und relevante Aspekte für die eigene wissenschaftliche Arbeit neu beleuchten. Zusätzlich bekommt man Informationen über den Aufbau einer wissenschaftlichen Arbeit.
Es ist anzunehmen, dass zur Entwicklung der Forschungsidee bereits eine erste grobe Literaturrecherche durchgeführt wurde. Nun ist es an der Zeit, sie detailliert und genauestens zu betreiben. Am Beginn stehen oft Begriffsdefinitionen, dazu sind Lexika, Handbücher und Wörterbücher geeignete Hilfsmittel. Eventuell gewinnt man durch die Lektüren weitere Informationen, wenn z. B. auf relevante Monografien und/oder Artikel verwiesen wird.
Ihr weiterer Weg sollte Sie unbedingt in relevante Bibliotheken, wie Instituts-, National- oder Universitätsbibliotheken führen, um nach themenbezogenen Schlagwörtern zu suchen. Vergessen Sie bei der Stichwortsuche auch nicht, sogenannte Thesauri (Sg. Thesaurus), die synonyme und inhaltlich verwandte Begriffe zur Verfügung stellen, zu verwenden.
Neben Bibliotheken, Instituten, BetreuerInnen und anderem Lehrpersonal ist in der heutigen Zeit sicherlich die Suche über das World Wide Web (WWW) von hoher Relevanz. Angeblich soll es weltweit bereits an die sechshundert Suchmaschinen geben. Lassen Sie jedoch nicht außer Acht, dass man für die Suche im Internet auch gewisse Erfahrung und vor allem Suchstrategien entwickeln muss. Sonst könnte die Suche nicht zufriedenstellend und zielführend sein. Die Prognose auf Erfolg steigt bei der Wahl thematisch spezialisierter Suchmaschinen. Die Suche in Feldern wie Psychologie/Medizin/Forschung ist vielversprechend. Durch die immer übersichtlicheren Darstellungs- und Zugriffsmöglichkeiten im WWW wird diese Art der Informationsgewinnung von immer höherer Relevanz.
Eine Alternative stellen auch sogenannte Online-Datenbanken dar. Sie werden meist täglich aktualisiert und stehen gegen Gebühr zur Verfügung. Sie stellen jedoch nur eine Alternative dar, wenn die anderen Recherchemöglichkeiten nicht zufriedenstellend und erschöpfend gewesen sind, denn das Risiko eines negativen Rechercheerfolgs muss trotz meist hoher Gebühr einkalkuliert werden.
Nach einer ersten Durchsicht der erwähnten Quellen können sich eine Neustrukturierung und die weitere Eingrenzung des Themas ergeben. Es sollten sich in dieser Phase zumindest ein Überblick über die Hauptschwerpunkte in der Forschung zum relevanten Thema und die wichtigsten Ergebnisse der bekanntesten Autorinnen und Autoren, die sich dem Thema schon gewidmet haben, ergeben. Deren Methoden sollten für den/die LeserIn nachvollziehbar und in den Kontext eingeordnet sein.
In der jetzigen Phase ist es bereits wichtig, eine systematische Dokumentation der Literatur zu betreiben, um den Überblick zu bewahren. Dies erleichtert auch die Nachvollziehbarkeit von Zitaten und Inhalten, die man wiederfinden möchte. Ob dies in Form der altbewährten Karteikarten oder mittels einer Datenbank am PC passiert, hat keine Relevanz und obliegt der Person mit ihren individuellen Zugängen und Strategien. Je weiter der Prozess der Ausarbeitung der Fragestellungen fortschreitet, desto fokussierter wird auch die Suche geeigneter Literatur sein. Eine Verlagerung auf speziellere, eingegrenzte Teilaspekte wird erfolgen – Abstracts, Kongressberichte und Bibliografien werden in die engere Wahl gezogen. Meist sind aktuelle Zeitschriftenartikel eine wahre Fundgrube für weiterführende Literatur.
Prinzipiell ist die Verwendung von Primärbzw. Sekundärliteratur zu empfehlen. Tertiärzitate, also Zitate aus Büchern, welche ihrerseits auf Zitaten des Originals aufbauen, sollen völlig vermieden werden. Ebenfalls abzuraten ist von sogenannter „Grauer Literatur“, das sind Skripten, Seminararbeiten, Broschüren, Lernunterlagen, Flugblätter, Arbeitsunterlagen bzw. unveröffentlichte Manuskripte. Vorsicht sollte auch bei Internetadressen und Angaben aus Funk und Fernsehen geboten sein. Gerade die Nachvollziehbarkeit bei Zitaten kann zu späteren Zeitpunkten ein Problem darstellen. Bei der Recherche kann man bereits filtern, welche zitierten URLs seriös wirken, denn die Annahme besteht, dass bekannte Firmen, Organisationen, Institutionen und WissenschaftlerInnen mit Bekanntheitsgrad darauf achten, dass Informationen, die mit ihnen in Verbindung gebracht werden, aktualisiert werden, und Veränderungen, falls diese notwendig erscheinen, nachvollziehbar sind und bleiben. Weiters muss bei der Zitation immer der Tag des Zugriffs angegeben werden.
3.4 Auswahl der Untersuchungsart – Forschungsdesign
Nach den vielseitigen Überlegungen, die zur Forschungsfrage (Was möchte ich überhaupt wissen? Was möchte ich genau wissen?) geführt haben, welche konkret und beantwortbar sein muss, kommt es im nächsten Schritt zur Planung und Erstellung des Forschungsdesigns und der Konstruktion der Instrumente zur Erhebung (siehe Kapitel 4).
Zum jetzigen Zeitpunkt sollte schon geklärt sein, welcher Zugang zur Untersuchung gewählt wird – wobei sich die Darstellung in diesem Buch auf quantitative Zugänge bezieht. Grundsätzliche Überlegungen müssen dazu miteinbezogen werden. Einerseits muss eingegrenzt werden, welche Gültigkeit der Ergebnisse angestrebt wird, konkreter formuliert: Welche Aussagen sollen mit diesen Ergebnissen getroffen werden?
Andererseits soll nach der Sichtung der relevanten Literatur und dem dokumentierten Kenntnisstand entschieden werden, ob mehrere Hypothesen überprüft werden oder nur eine oder ob erst eine Hypothese gefunden werden muss. Letzteres würde eher einem qualitativen Forschungszugang entsprechen.
Je nach Stand der Forschung zum gewählten Thema sind drei Zugänge zu Untersuchungen zu unterscheiden:
1. Explorativ: Bei diesem Ansatz wendet man sich der Erkundung eher unbekannter Themenbereiche zu. Oftmals handelt es sich um Vorstudien. Charakteristische Untersuchungsarten sind im qualitativen Bereich angesiedelt. Dies sind: qualitative Inhaltsanalyse, Einzelfallanalyse, Feldforschung, narrative Interviews, biografische Interviews, Gruppendiskussionen und Aktionsforschung.
2. Deskriptiv: Wir kennen diese Begrifflichkeit bereits aus Kapitel 1. Es handelt sich um einen beschreibenden Zugang. Es geht dabei weniger um die Suche nach Erklärungen oder Ursachenforschung, sondern um die Schätzung von gewissen Merkmalen einer klar definierten Population. Populationsbeschreibende Untersuchungen werden mit einfachen Zufallsstichproben, mit Klumpenstichproben oder mit geschichteten Stichproben durchgeführt.
3. Explikativ: Bei dieser Form wendet man sich der Ableitung und Überprüfung von gut begründeten Hypothesen und Theorien zu. Es handelt sich bei diesem Zugang um die Erforschung von Wirkungen, Ursachen bzw. Zusammenhängen. Ein Hauptthema ist auch die Ergründung von Kausalitäten. Charakteristische Zugänge wären die Untersuchung von Unterscheidungshypothesen, Zusammenhangshypothesen, Veränderungshypothesen oder Einzelfallhypothesen.
Wenden wir uns der letzten Art, also der hypothesenprüfenden bzw. explikativen Untersuchung zu, so liegt ein wesentlicher Unterschied im Zugang der Formulierung der Hypothesen.
Es wird eine unspezifische von einer spezifischen unterschieden. Bortz und Döring (2006, S. 56) beschreiben den Unterschied folgendermaßen: „Während eine unspezifische Hypothese nur behauptet, dass ein ,irgendwie‘ gearteter Effekt vorliegt und allenfalls noch die Richtung des Effekts angibt, konkretisiert eine spezifische Hypothese auch den Betrag des Effektes bzw. die Effektgröße.“ Andere Bezeichnungen wären gerichtete und ungerichtete Hypothese.
Zur Überprüfung der Hypothese/n müssen nun Vorüberlegungen angestellt werden. Die Entwicklung eines Forschungsdesigns wird relevant.
Das Forschungsdesign, auch Versuchsplan genannt, stellt die Basis für jede wissenschaftliche empirische Untersuchung dar.
Es ist quasi die Anleitung zur Untersuchung, in der definiert wird, wie die Fragestellung erhoben wird. Was soll wie, an welchen Objekten und wie oft erhoben werden, um die Fragestellung beantworten zu können?
Man unterscheidet drei Zugänge:
1. Experimentelles Design
2. Quasiexperimentelles Design
3. Ex-post-facto-Design (nichtexperimentelles Design)
Zum Begriff des Experiments sei vorweg definiert, dass es sich dabei um ein lateinisches Wort handelt, welches die Ableitungen „Prüfung“, „Probe“, „Versuch“ oder „Beweis“ erlaubt. Im Kontext der Wissenschaft wird darunter eine methodische Versuchsanordnung verstanden und viele Wissenschaften bedienen sich des Experiments als einer der wichtigsten Methoden zur Theoriebildung.
Es ist durch zwei Bedingungen charakterisiert (vgl. Huber, 2005, S. 69):
1. Der Experimentator (das ist der Forscher/die Forscherin) variiert systematisch mindestens eine Variable und registriert, welchen Effekt diese Veränderung bewirkt
2. Es werden gleichzeitig dazu die Wirkungen von anderen Variablen ausgeschaltet. Dies bezieht sich auf die Kontrolle von Störvariablen.
Wenden wir uns der Differenzierung zwischen experimentellem und quasiexperimentellem Design zu. Bortz und Döring (2006, S. 54) treffen eine der möglichen Differenzierungen der beiden Zugänge durch die Wahl der Gruppe, die zur Untersuchung herangezogen wird.
„Bei experimentellen Untersuchungen werden Untersuchungsobjekte per Zufall in Gruppen eingeteilt (Randomisierung), bei quasiexperimentellen Untersuchungen arbeitet man mit natürlichen Gruppen.“
Man geht davon aus, dass durch die Randomisierung (Zufallsauswahl) eine Überrepräsentation einer Variablen nicht ermöglicht wird, sondern ein Ausgleich hergestellt wird. Die Technik der Randomisierung neutralisiert also Störvariablen (vgl. ebd., S. 54). Dies ist bei quasiexperimentellen Untersuchungen anders, was jedoch zu einer gewissen Unsicherheit hinsichtlich der Ergebnisse führt, da Gruppenunterschiede in Bezug auf die abhängige Variable nicht eindeutig den unabhängigen Variablen zuzuordnen sind. Es stellt sich die Frage nach der Gültigkeit der erwarteten Ergebnisse, also nach deren Aussagekraft.
In diesem Zusammenhang wird von der sogenannten Validität (Gültigkeit) gesprochen, bei der eine interne (innere) von einer externen (äußeren) unterschieden wird.
Von einer hohen internen Validität einer Untersuchung wird ausgegangen, wenn die bei der Untersuchung erzielten Ergebnisse eindeutig interpretierbar sind (beachte Störvariablen). Je mehr alternative Erklärungen für die Ergebnisse gefunden werden können, desto stärker sinkt sie.
Sie wird definiert: „Eine Untersuchung ist intern valide, wenn ihre Ergebnisse kausal eindeutig interpretierbar sind. Die interne Validität sinkt mit wachsender Anzahl plausibler Alternativerklärungen für die Ergebnisse“ (ebd., S. 53).
Von einer hohen internen Validität einer Untersuchung wird ausgegangen, wenn die bei der Untersuchung erzielten Ergebnisse eindeutig interpretierbar sind (beachte Störvariablen). Je mehr alternative Erklärungen für die Ergebnisse gefunden werden können, desto stärker sinkt sie.
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