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Die Prinzessin auf dem Mars
Edgar Rice Burroughs
Für meinen Sohn
JACK
Vorwort
An den Leser dieses Werks:
Während ich Hauptmann Carters seltsames Manuskript für Sie in Buchform zusammenstellte, kam mir die Idee, dass ein paar Worte zu dieser bemerkenswerten Persönlichkeit interessant wären.
Meine frühesten Erinnerungen an Hauptmann Carter gehen auf eine Zeit zurück, als er ein paar Monate Gast in meines Vaters Haus in Virginia war. Das war kurz vor dem Bürgerkrieg. Ich war nur ein Kind von fünf Jahren, aber ich erinnere mich gut an den großen, dunklen, athletischen Mann mit sanftem Gesicht den ich ›Onkel Jack‹ nannte.
Er schien immer zu lachen und spielte mit uns Kindern mit der gleichen kameradschaftlichen Hingabe, mit der er sich auch dem Zeitvertreib unter Erwachsenen widmete. Oft saß er eine Stunde mit meiner alten Großmutter zusammen und vertrieb ihr die Zeit mit Geschichten aus seinem ungewöhnlichen, wechselhaften Leben in allen Teilen der Welt. Wir liebten ihn alle und unsere Sklaven verehrten fast den Boden, auf dem er schritt.
Er war ein außergewöhnlicher Mann, sechs Fuß und zwei Inch groß, mit breiten Schultern, schmaler Hüfte und der Figur eines durchtrainierten Kämpfers. Seine Gesichtszüge waren regelmäßig, sein Haar schwarz und kurz geschoren, während seine stahlgrauen Augen einen starken und loyalen Charakter mit Feuer und Initiative wiederspiegelten. Seine Manieren waren perfekt, sein Benehmen glich dem eines Südstaaten-Gentlemens ersten Ranges.
Seine Reitkunst, besonders zusammen mit Hunden, war hervorragend und prächtig, selbst für ein Land mit vielen exzellenten Reitern. Ich hörte oft, wie mein Vater ihn in seiner wilden Sorglosigkeit zurückhalten wollte, aber er lachte nur und sagte, dass der Sturz, der ihn umbringen würde, von einem Pferd wäre, das noch nicht geboren ist.
Nach Kriegsausbruch verließ er uns und ich sah ihn für fünfzehn oder sechzehn Jahre nicht mehr wieder. Als er ohne Ankündigung zurückkehrte war ich sehr überrascht, dass er keine Minute gealtert zu sein schien, es war derselbe angenehme, lustige Kamerad, den wir von früher kannten. Aber wenn er sich unbeobachtet glaube, sah ich ihn stundenlang herumsitzen und in die Ferne schauen, mit einem wehmütig-sehnsüchtigem und hoffnungslos-leidvollem Gesichtsausdruck. Auch nachts saß er so da und schaute zum Himmel, auf was, habe ich erst erfahren, als ich sein Manuskript las.
Er erzählte uns, dass er nach dem Krieg in Arizona auf der Goldsuche war; sein Erfolg wurde durch die unbegrenzte Menge Geld, über die er verfügte, sehr augenscheinlich. Er erzählte aber nie Einzelheiten aus seinem Leben in diesen Jahren.
Nachdem er ein Jahr bei uns verbracht hatte, ging er nach New York, wo er sich ein Grundstück am Hudson kaufte. Dort besuchte ich ihn einmal im Jahr während meiner Handels-Reisen nach New York – mein Vater und ich besaßen zu dieser Zeit eine Kette von Gemischtwarenläden in Virginia. Hauptmann Carter besaß ein keines, hübsches Landhaus an einer Klippe, von der aus man den Fluss überblicken konnte. Während eines meiner letzten Besuche, im Winter 1885, war er sehr mit Schreibarbeiten beschäftigt, ich vermute das er an diesem Manuskript arbeitete.
Zu dieser Zeit bat er mich, dass ich mich um sein Anwesen kümmern solle, falls ihm irgend etwas zustoßen sollte. Er gab mir einen Schlüssel zu seinem Tresor in seinem Arbeitszimmer und sagte mir, dass ich sein Testament und ein paar persönliche Weisungen darin finden würde. Ich musste schwören, dass ich diese Weisungen getreulich erfüllen würde.
Nachdem ich mich zur Nachtruhe zurückgezogen hatte, sah ich ihn am Rand der Klippe über dem Hudson im Mondlicht stehen. Er hatte die Arme zum Himmel ausgestreckt wie bei einem flehenden Gebet, was mich verwunderte, da ich ihn nie als religiösen Mann kennengelernt hatte.
Einige Monate nachdem ich nach Hause zurückgekehrt war, ich denke es war am 1. März 1886, erhielt ich ein Telegramm von ihm, in dem er mich bat, sofort zu kommen. Ich war immer sein Liebling in meiner Generation der Carters, also beeilte ich mich, seinem Wunsch nachzukommen.
Am Morgen des 4. März 1886 erreichte ich einen kleinen Bahnhof, etwa eine Meile von seinem Anwesen entfernt. Als ich den Mann in Livree bat, mich zu dem Anwesen zu fahren, teilte er mir mit, dass er schlechte Neuigkeiten für mich habe. Der Hauptmann war an diesem Morgen von einem Wachmann, der auf dem danebenliegenden Anwesen beschäftigt war, tot aufgefunden worden.
Aus irgendeinem Grund überraschte mich das nicht, aber ich eilte um mich so schnell wie möglich um seinen Leichnam und seine Angelegenheiten zu kümmern.
In seinem Arbeitszimmer waren der Wachmann der ihn fand, der dortige Polizeichef und einige andere Bürger bereits versammelt. Der Wachmann berichtete, wie er ihn fand und merkte an, dass er zu diesem Zeitpunkt noch warm war. Carter lag, wie er sagte, in voller Länge ausgestreckt im Schnee, die Arme über den Kopf in Richtung Klippenrand weisend. Als er mir die Stelle zeigte, erinnerte ich mich daran, dass ich ihn in jener Nacht hier an gleicher Stelle gesehen hatte, wie er dir Arme flehend zum Himmel erhob.
Es gab keine Spuren von Gewaltanwendung an seinem Körper und mit der Unterstützung eines ansässigen Arztes kam der Leichenbeschauer schnell zu dem Ergebnis, dass die Todesursache Herzversagen war. Als ich schließlich alleine war, öffnete ich den Tresor im Arbeitszimmer und entnahm seine Anweisungen. Diese waren zum Teil sehr absonderlich, aber ich befolgte sie bis ins letzte Detail, soweit dies möglich war.
Er wies mich an, seinen Körper ohne Einbalsamierung nach Virginia zu bringen und ihn dort in einem, von ihm selbst konstruierten Mausoleum, in einem offenen Sarg zur letzten Ruhe zu betten. Wie ich später feststellen konnte, war die Grabkammer gut belüftete. Es war sein ausdrücklicher Wunsch, dass ich mich persönlich um die genaue Ausführung seiner Wünsche kümmern sollte; falls nötig sollte dies im Geheimen durchgeführt werden.
Sein Eigentum wurde in der Weise vererbt, dass ich in den nächsten fünfundzwanzig Jahren die jährlichen Einkünfte erhalten sollte. Danach sollte mir das gesamte Vermögen übertragen werden. Seine weiteren Anweisungen betrafen sein Manuskript, das in den nächsten elf Jahren versiegelt und ungelesen bleiben sollte und nicht vor Ablauf von einundzwanzig Jahren nach seinem Tod veröffentlicht werden durfte.
Die Gruft, in der heute immer noch liegt, ist seltsam. Die massive Tür hat nur ein großes, vergoldetes Schnappschloss, das ausschließlich von innen geöffnet werden kann.
In aufrichtiger Verbundenheit
Edgar Rice Burroughs.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Inhalt
1. In den Hügeln von Arizona
2. Dem Tod entronnen
3. Meine Ankunft auf dem Mars
4. Ein Gefangener
5. Ich entkomme meinem Wachhund
6. Ich gewinne Freunde durch einen Kampf
7. Kindererziehung auf dem Mars
8. Reiche Beute aus der Luft
9. Ich lerne die Sprache
10. Kämpfer und Häuptling
11. Beisammensein mit Dejah Thoris
12. Ein Gefangener mit Macht.
13. Liebe auf dem Mars
14. Ein Zweikampf bis zum Tod
15. Sola erzählt mir ihre Geschichte
16. Wir planen eine Flucht
17. Eine aufwändige Rückeroberung
18. Gefangen in Warhoon
19. Der Kampf in der Arena
20. In der Atmosphären-Fabrik
21. Luftaufklärer für Zodanga
22. Ich finde Dejah
23. Verloren im Himmel
24. Tars Tarkas findet einen Freund
25. Die Plünderung von Zodanga
26. Durch das Massaker zum Glück.
27. Vom Glück zum Tod
28. In der Höhle von Arizona
Kapitel 1 – In den Hügeln von Arizona
Ich bin ein sehr alter Mann, ich weiß nicht genau wie alt. Möglicherweise einhundert oder mehr; ich kann es nicht sagen denn ich altere nicht wie andere Menschen und kann mich auch nicht an irgendeine Kindheit erinnern. Soweit ich mich erinnern kann, war ich immer ein Mann, ein Mann um die dreißig. Ich sehe heute noch so aus wie vor vierzig oder mehr Jahren. Doch fühle ich, dass ich nicht für ewig leben werde, eines Tages werde ich den wahren Tod erleiden, von dem es keine Auferstehung mehr gibt. Eigentlich gibt es für mich keinen Grund, den Tod zu fürchten, da ich schon zweimal gestorben und immer noch am Leben bin. Aber ich fühle dieselbe Angst vor dem Tod wie du, der noch nie gestorben ist. Wegen dieser Furcht bin ich von meiner Sterblichkeit überzeugt.
Wegen dieser Überzeugung beschloss ich, die Geschichte der interessantesten Abschnitte meines Lebens und meines Todes aufzuschreiben. Ich kann das Phänomen nicht erklären. Mit den Worten eines einfachen Glücksritters berichte ich von den ungewöhnlichen Erlebnissen, die ich während der zehn Jahre hatte, in denen mein Körper tot und unentdeckt in einer Höhle in Arizona lag.
Ich habe die Geschichte noch nie erzählt und kein Sterblicher soll dieses Manuskript zu Gesicht bekommen, bevor ich in die Ewigkeit gegangen bin. Ich weiß, dass ein normaler Mensch mir nicht glauben wird und ich strebe auch nicht an, von der Öffentlichkeit, der Kirche und der Presse als kolossaler Lügner angeprangert zu werden, wenn dich die einfachen Fakten berichte, für die es vielleicht eines Tages eine wissenschaftliche Erklärung gibt. Möglicherweise werden die Hinweise, die ich auf dem Mars fand und die Erfahrungen, die ich in dieser Chronik niederlege, zu einem früheren Verständnis der Mysterien auf unseren Schwesterplaneten führen. Für dich sind es Mysterien, aber nicht mehr für mich.
Mein Name ist John Carter, besser bekannt als Hauptmann Jack Carter von Virginia. Kurz vor dem Bürgerkrieg besaß ich ein Vermögen von einigen hunderttausend Südstaatendollars und einen Posten bei der Kavallerie in einer Armee, die es nicht mehr gibt. Ich war der Diener eines Staates der mit den Hoffnungen des Südens verschwand. Heimat- und mittellos brach ich in den Südwesten auf, um dort mein Glück als Goldsucher zu versuchen.
Zusammen mit einem anderen Südstaaten-Offizier, Hauptmann James K. Powell von Richmond, suchte ich nahezu ein Jahr nach Gold. Wir waren äußerst erfolgreich. Nach vielen Nöten und Entbehrungen, entdeckten wir im Winter 1865 einen goldhaltigen Quarzgang. Der Fund übertraf unsere wildesten Träume. Powell, der ausgebildeter Bergbau-Ingenieur war, schätze, dass wir in drei Monaten über eine Million Dollar aus der Mine herausholen würden.
Unsere Ausrüstung war vollkommen unzureichend und wir beschlossen, dass einer von uns in die Zivilisation zurückkehren müsse, um die nötigen Maschinen und Arbeitskräfte zu beschaffen.
Da Powell mit dem Land vertraut war und sich bestens mit der erforderlichen Minenausrüstung auskannte, wurde beschlossen, dass er diese Reise unternehmen solle. Ich sollte die Fundstelle bewachen und sicherstellen, dass kein anderer Goldsucher diese in Besitz nahm.
Am 3. März packten wir seine Sachen auf zwei Lastesel, er verabschiedete sich, stieg auf sein Pferd und ritt den Berg hinab in das Tal, durch das wir gekommen waren.
Der Morgen von Powells Abreise war so wie die meisten in Arizona klar und schön. Ich konnte ich ihn noch lange Zeit sehen, wie er zusammen mit seinen Tieren ins Tal ritt. Selbst am späteren Vormittag sah ich ihn dann und wann, wenn er eine erhöhte Stelle passierte. Zuletzt sah ich ihn am Nachmittag, als er die gegenüberliegende Seite des Tals erreichte.
Etwa eine halbe Stunde später, als ich zufällig über das Tal blickte, erspähte ich drei kleine Punkte ungefähr an der Stelle, wo ich meinen Freund mit seinen Packtieren zuletzt sah. Ich neige nicht zu unnötigen Befürchtungen, aber je mehr ich mir sagte, dass mit Powell alles in Ordnung war und das die drei Punkte, die ich auf seiner Spur sah, nur Antilopen oder Wildpferde waren, desto mehr zweifelte ich.
Seit wir in der Gegend waren hatten wir noch keinen feindlichen Indianer zu Gesicht bekommen, dies machte uns sehr sorglos. Wir lachten über die Berichte von der großen Anzahl grausamer Rothäute, die angeblich die Gegend unsicher machen und die jeden Weißen töten oder an den Marterpfahl binden würden, der ihnen in die Hände fiel.
Powell war gut bewaffnet und ein erfahrener Indianerkämpfer. Aber auch ich hatte jahrelang unter den Sioux im Norden gelebt und gefochten, und so wusste ich, dass seine Chancen gegen eine Bande listiger Apachen schlecht standen. Schließlich konnte ich die Untätigkeit nicht länger ertragen, also bestieg ich mein Pferd und folgte dem Pfad, den Powell am Morgen genommen hatte. Meine Bewaffnung bestand aus zwei Colts und einem Karabiner, außerdem hatte ich noch zwei Gürtel mit Munition mitgenommen.
Als ich den Grund des Tals erreichte, spornte ich mein Pferd zum Kanter an und behielt diese Gangart bei, wo immer dies möglich war. Kurz vor der Abenddämmerung kam ich an die Stelle, wo eine Spur mit der von Powell zusammentraf. Es waren die Spuren von drei unbeschlagenen Ponys, im Galopp.
Ich folgte schnell bis mich die Dunkelheit zwang, anzuhalten und den Mondaufgang abzuwarten. Da hatte ich Gelegenheit darüber Nachzudenken, ob meine Verfolgungsjagd eine gute Idee war. Möglicherweise benahm ich mich wie eine alte Hausfrau, die sich vor allen möglichen und unmöglichen Dingen fürchtet, und Powell wurde mich auslachen, wenn ich ihn schließlich einholte. Ich bin eigentlich nicht sehr empfindsam, aber das Gefühl meine Pflicht tun zu müssen, begleitete mich durch mein ganzes Leben. Dies war einer der Gründe für die Ehrungen, die mir von drei Nationen zuteil wurden und für die Freundschaft mit einem alten und mächtigen Kaiser und einigen Königen, in deren Diensten ich mein Schwert oft rot färbte.
Um neun Uhr schien der Mond hell genug, so dass ich die Verfolgung fortsetzen konnte. Ich hatte keine Schwierigkeiten, dem Weg im schnellen Schritt, manchmal sogar im Trab, zu folgen. Um Mitternacht erreichte ich das Wasserloch, an dem Powell sein Nachtlager aufschlagen wollte. Der Ort war vollkommen verlassen, es gab keine Spur von einem kürzlich errichteten Lager.
Die Spuren der Reiter – von denen ich nun überzeugt war, dass sie Powell folgten – zeigten, dass sie sich mit der gleichen Geschwindigkeit wie der Verfolgte bewegten. Nur an dem Wasserloch hatten Sie eine kurze Pause eingelegt.
Ich war auch davon überzeugt, dass die Verfolger Apachen waren und diese vorhatten, Powell lebend zu fangen um sich an den teuflischen Martern zu erfreuen. Ich sporne mein Pferd zu einer gefährlich schnellen Gangart an, gegen alle Hoffnung hoffend, die roten Schurken doch noch einzuholen, bevor sie ihn angriffen.
Weitere Überlegungen meinerseits wurden durch zwei Schüsse unterbrochen, die ich weit vor mir hörte. Ich wusste, dass Powell meine Hilfe jetzt oder nie benötigte. Also spornte ich mein Pferd zum schnellsten Lauf an, den schmalen und schwierigen Bergpfad hinauf.
Ich stürmte ungefähr eine Meile vorwärts, ohne dass ich weitere Geräusche vor mir hörte, als der Pfad schließlich nahe der Höhe des Passes an einem schmalen, offenen Plateau vorbeiführte. Der Anblick, der sich mir bot, als ich gerade eine schmale Schlucht verlassen und die Hochebene erreicht hatte, erfüllte mich mit Bestürzung und Schrecken.
Die kleine Landfläche war voll von Indianerzelten und etwa ein halbes tausend roter Krieger war in der Mitte des Dorfes um ein Objekt versammelt. Ihre Aufmerksamkeit war vollständig darauf gerichtet und sie bemerkten mich nicht. Ich hätte leicht umdrehen und mich in der Dunkelheit der Schlucht in Sicherheit bringen können. Der Umstand, dass mir diese Idee erst am folgenden Tag kam, schließt aus, dass meine folgende Handlung von der ich hier berichte, als Heldentat bezeichnet werden darf.
Ich glaube nicht, dass ich aus dem Stoff gemacht bin aus dem Helden bestehen, denn bei den hunderten von Gelegenheiten, in denen ich im Laufe meiner Abenteuer dem Tod ins Auge blickte, kann ich mich an keine einzige erinnern, wo mir der Gedanke an eine alternative Handlungsweise nicht erst Stunden später kam. Mein Unterbewusstsein führt mich immer auf den Pfad der Pflicht, ohne ermüdenden Denkprozess. Wie auch immer, ich habe nie bedauert das Feigheit keine Option für mich war.
In diesem Fall war natürlich klar, dass Powell die ganze Aufmerksamkeit auf sich zog. Ob ich zuerst handelte oder dachte, weiß ich nicht. In dem Moment in dem ich die Situation erfasste, zog ich meine Revolver und stürmte auf die Armee von Kriegern zu, schnell schießend und mit dem lautesten Geschrei, zu dem ich fähig war. Genaugenommen war das die beste Taktik die ich anwenden konnte, denn die Rothäute waren in ihrer Überraschung überzeugt davon, dass sie von einem ganzen Regiment Soldaten überfallen wurden. Sie rannten in alle Richtungen davon, um ihre Bögen, Pfeile und Gewehre zu holen.
Der Anblick, der durch ihr Herumrennen enthüllt wurde, erfüllte mich mit Befürchtungen und Wut. Ich sah Powell im hellen Mondlicht liegen, sein Körper war gespickt mit den Pfeilen der Krieger. Ob er bereits tot war, konnte ich nicht feststellen, im Zweifel hätte ich seinen Körper vor der Entweihung durch die Hände der Apachen genau so schnell gerettet, wie sein Leben.
Ich ritt nahe an ihn heran, reichte aus dem Sattel zu ihm herunter und zog ihn an seinem Patronengurt auf mein Pferd. Als ich zurückblickte erkannte ich, dass eine Rückkehr auf dem Weg den ich kam riskanter war als den Weg vorwärts über das Plateau fortzusetzen. Ich gab meinem armen Tier die Sporen und raste auf den Pass zu, den ich am anderen Ende des Plateaus sah.
Inzwischen hatten die Indianer gemerkt, dass ich alleine war und verfolgten mich mit Verwünschungen, Pfeilen und Gewehrkugeln. Die Tatsache, dass es sehr schwierig ist mit irgend etwas anderem, als mit Verwünschungen im Mondlicht genau zu zielen, ihre Erregung über meinen plötzlichen und unerwarteten Überfall und der Umstand, dass ich mich schnell bewegte, rettete mich vor den tödlichen Schüssen der Feinde. Ich erreichte den Schatten der umgebenden Gipfel bevor eine regelrechte Verfolgung aufgenommen werden konnte.
Ich ließ mein Pferd laufen ohne es zu lenken, da ich wusste, dass es den Weg besser finden würde als ich, und so geriet ich in einen Hohlweg, der zur höchsten Erhebung des Geländes führte und nicht zu dem Pass, der mich ins Tal und damit, wie ich hoffte, in Sicherheit führen würde. Dennoch verdanke ich diesem Umstand mein Leben und die bemerkenswerten Erfahrungen und Abenteuer der nächsten zehn Jahre.
Ich merkte erst, dass ich auf dem falschen Weg war, als das Geschrei der mich verfolgenden Wilden plötzlich immer leiser wurde weit zu meiner Linken verklang.
Ich erkannte, dass sie links an einer gezackten Felsformation am Rande des Plateaus vorbeiritten, während mein Pferd mich und den Körper von Powell zur rechten Seite derselben trug.
Auf einer kleinen Erhebung, von der aus ich den Pfad unter mir und zu meiner Linken übersehen konnte, zügelte ich mein Pferd. Ich sah die Bande der verfolgenden Wilden hinter der Spitze eines benachbarten Gipfels verschwinden.
Mir war klar, dass die Indianer schnell herausfinden würden, dass sie der falschen Spur folgten. Sie würden bald umkehren, die richtige Spur finden und mir wieder folgen.
Ein kleines Stück weiter fand ich einen guten Pfad, der scheinbar um eine hohe Klippe herumführte. Er war breit und eben, führte leicht aufwärts und ungefähr in die Richtung, die ich einschlagen wollte. Die Klippe erhob sich einige hundert Fuß zu meiner rechten. Links von mir ging es nahezu senkrecht in eine Schlucht, die mindestens genau so tief war, hinab.
Ich war dem Pfad für ein paar hundert Yards gefolgt, als er plötzlich scharf nach rechts abbog und zum Eingang einer großen Höhle führte. Der Pfad endete vor dieser Öffnung, die rund vier Fuß hoch und drei bis vier Fuß breit war.
Ein neuer Tag brach an und wie in Arizona üblich kam das Tageslicht fast ohne Dämmerung und Vorwarnung.
Ich stieg ab und legte Powell auf den Boden. Trotz sorgfältigster Untersuchung konnte ich keinen Funken Leben mehr in ihm entdecken. Ich goss Wasser von meiner Feldflasche in seinen Mund, wusch sein Gesicht und rieb seine Hände. Fast eine Stunde lang versuchte ich alles um ihn wiederzubeleben, obwohl ich eigentlich sehr genau wusste, dass er tot war.
Ich mochte Powell sehr gerne, er war in jeder Hinsicht ein Ehrenmann und ein zuverlässiger und treuer Freund. Mit dem Gefühl allergrößter Trauer gab ich die armseligen Wiederbelebungsversuche schließlich auf.
Ich ließ Powell liegen wo er war und kroch in die Höhle um mich umzusehen. Ich fand eine große Kammer, ungefähr einhundert Fuß im Durchmesser und dreißig bis vierzig Fuß hoch. Der Boden war glatt und abgenutzt und ich fand weitere Anzeichen, dass die Höhle früher einmal bewohnt war. Der Hintergrund der Höhle lag im Dunkeln, ich konnte nicht feststellen, ob es dort Passagen in weitere Abteilungen gab.
Während ich die Höhle weiter erforschte überfiel mich eine angenehme Müdigkeit, welche auf meinen langen, anstrengenden Ritt, den aufregenden Kampf und die Verfolgung zurückführte. Ich fühlte mich hier relativ sicher, denn ein einzelner Mann konnte den Pfad zur Höhle gegen eine ganze Armee verteidigen.
Bald wurde ich so schläfrig, dass ich kaum dem dringenden Verlagen, mich auf den Boden der Höhle zu legen um einen Moment auszuruhen, widerstehen konnte. Ich wusste aber, dass dies den sicheren Tod durch die Hand meiner roten Freunde bedeuten würde, die jeden Moment hier eintreffen konnten. Ich strengte mich an um zum Eingang der Höhle zurückzugelangen, aber ich torkelte wie betrunken gegen die Höhlenwand und rutschte an ihr zu Boden.
Kapitel 2 – Dem Tod entronnen
Eine süße Verträumtheit war über mich gekommen. Ich entspannte mich und war fast soweit, meinem Verlangen nach Schlaf nachzugeben, als ich den Hufschlag ankommender Pferde hörte. Ich versuchte aufzuspringen, aber mit Entsetzen musste ich feststellen, dass mein Körper mir nicht gehorchte. Obwohl ich nun vollständig wach war, konnte ich mich nicht bewegen, als wäre ich zu Stein verwandelt. Erst jetzt bemerkte ich einen feinen Dunstschleier in der Luft. Er war extrem dünn und nur zu sehen wenn, man zum Tageslicht am Höhleneingang blickte. Nun bemerkte ich auch einen schwachen, stechenden Geruch. Ich vermutete das ich in giftiges Gas geraten war, aber warum ich mich nicht bewegen konnte obwohl ich hellwach war, war mir unerklärlich.
Ich lag mit dem Gesicht zum Eingang und konnte das kurze Stück des Pfades, dass vom Höhleneingang bis zur Kurve führte, einsehen. Das Geräusch ankommender Pferde war verklungen und ich vermutete, dass die Indianer sich nun an mich heranschlichen. Ich erinnere mich, dass ich hoffte sie würden kurzen Prozess mit mir machen, denn die unzähligen Dinge, die sie sonst mit mir hätten anstellen können, wären wesentlich unangenehmer gewesen.
Ich musste nicht lange warten, bis mir ein leises Geräusch ihre Ankunft ankündigte. Ein Gesicht mit voller Kriegsbemalung schob sich langsam um die Ecke und wilde Augen blickten in meine. Ich war sicher, dass er mich trotz des gedämpften Lichts in der Höhle sehen konnte, denn die frühe Morgensonne schien direkt durch den Eingang.
Anstatt näher heranzukommen, stand der Bursche einfach nur da, die Augen schienen ihm aus den Höhlen zu treten und der Kinnlade war ihm heruntergefallen. Ein weiterer Wilder erschien, dann ein dritter, vierter und fünfter. Sie reckten ihre Hälse über die Schultern ihrer Kameraden, an denen sie wegen der Enge der Passage nicht vorbeikamen. In jedem der Gesichter las ich Angst und Ehrfurcht, den Grund dafür kannte ich nicht und konnte ihn auch zehn Jahre später nicht in Erfahrung bringen.
Plötzlich hörte ich ein leises aber deutliches Heulen in den Tiefen der Höhle hinter mir. Sobald die Indianer dies hörten, drehten sie sich um und flohen in Panik. Ihre Flucht vor dem unsichtbaren Ding hinter mir war derart überstürzt, dass einer der Krieger von der Klippe gestoßen wurde und in die Schlucht fiel. Ich hörte ihre wilden Schreie noch für eine Weile, dann war es wieder still.
Das Geräusch, welches sie erschreckt hatte, wiederholte sich nicht. Es war jedoch deutlich genug und ich überlegte mir, welcher Alptraum möglicherweise in den Schatten hinter mir lauerte. Furcht ist ein relativer Begriff und ich kann meine Gefühle zu diesem Zeitpunkt nur an den Erfahrungen messen, die ich in vergleichbaren Gefahrensituationen gemacht hatte. Ich kann ohne Scham sagen, dass das Gefühl das mich in den nächsten paar Minuten beherrschte schrecklichste Angst war. Gott helfe allen Feiglingen, denn Feigheit trägt die Strafe in sich selbst.
Bewegungsunfähig festgehalten, eine schreckliche und unbekannte Gefahr im Rücken deren Geräusch genügte, die tapferen Apachen-Krieger zu einer wilden Flucht zu veranlassen – so verrückt wie eine Herde Schafe, die vor einem Rudel Wölfe fliehen würde – das scheint mir die furchterregendste Lage zu sein, in die ein Mann geraten kann, der gewohnt ist, mit all seiner Kraft für sein Leben zu kämpfen.
Ein paar mal glaubte ich noch ein leises Geräusch hinter mir zu hören, so als würde sich jemand leise bewegen, aber bald war es wieder ganz still und ich wurde bei der Betrachtung meiner Situation nicht mehr unterbrochen. Ich hatte nicht die leiseste Ahnung, was meine Bewegungsunfähigkeit hervorrief und konnte nur hoffen, dass diese so plötzlich aufgehoben wurde, wie sie begann.
Ich hatte mein Pferd vor der Höhle stehen lassen. Am späten Nachmittag wanderte es langsam den Pfad hinab, offensichtlich um Futter und Wasser zu suchen, und so war ich alleine mit meinem mysteriösen Unbekannten und dem toten Körper meines Freundes, den ich immer noch da liegen sah, wo ich ihn am frühen Morgen hingelegt hatte.
Von da an bis Mitternacht, war alles still – eine Stille des Todes. Plötzlich drang das schreckliche Heulen, dass ich schon am Morgen vernommen hatte, erneut an meine erschreckten Ohren. Wieder hörte ich Geräusche von Bewegungen im dunklen Schatten und ein Rascheln wie von trockenem Laub. Es war ein fürchterlicher Schock für meine bereits stark strapazierten Nerven, und mit übermenschlicher Anstrengung versuchte ich meine Starre zu überwinden. Es war eine Anstrengung des Geistes und des Willens, nicht des Körpers, denn ich konnte nicht einmal meinen kleinen Finger bewegen, aber nicht weniger mächtig. Und dann gab etwas nach, ich fühlte einen Augenblick lang Übelkeit, ein scharfes Klicken wie von einem springenden Stahlseil und ich stand mit dem Rücken zur Höhlenwand und sah meinen unbekannten Feind.
Als das Mondlicht die Höhle erleuchtete, sah ich meinen Körper vor mir liegen, so er wie all die Stunden zuvor dort gelegen hatte, die Augen auf den Höhleneingang gerichtet und die Hände schlaff am Boden. Ich sah zuerst auf meinen leblosen Körper auf dem Höhlenboden, dann sah ich an mir selbst herab und entdeckte zu meiner Bestürzung, dass ich vollkommen nackt wie in der Minute meiner Geburt war.
Der Übergang war so plötzlich und unerwartet, dass ich für einen Moment alles um mich herum vergaß und nur an meine seltsame Verwandlung dachte. Mein erster Gedanke war, dass ich gestorben, dass ich für immer in das andere Leben übergegangen war! Aber irgendwie konnte ich das nicht glauben, ich fühlte mein Herz heftig schlagen, so wie dies nach der Anstrengung mich aus der Erstarrung zu befreien zu erwarten war. Mein Atem ging schnell und kalter Schweiß floss aus allen Poren meines Körpers. Der uralte Test, das Kneifen, bestätigte die Tatsache, dass ich irgend etwas anderes war, als ein Geist.
Durch eine Wiederholung des geheimnisvollen Heulens aus den Tiefen der Höhle wurde meine Aufmerksamkeit wieder auf meine Umgebung gelenkt. Nackt und unbewaffnet wie ich war, hatte ich kein Verlangen mich dem unsichtbaren Ding zu stellen, das mich bedrohte.
Meine Revolver steckten noch in meinem Gürtel an meinem leblosen Körper, den ich aus einem unerfindlichen Grund nicht berühren konnte. Mein Karabiner war in seinem Futteral an meinem Sattel befestigt. Da mein Pferd davongelaufen war, war ich somit ohne Verteidigung. Meine einzige Alternative schien die Flucht zu sein. Ich hörte wieder dieses Rascheln und es schien mir, als würde dieses Ding in der Dunkelheit der Höhle leise auf mich zu kriechen.
Ich konnte der Versuchung, diesen schrecklichen Ort so schnell wie möglich zu verlassen, nicht länger widerstehen, also schlüpfte ich schnell durch die Öffnung in die sternenklare Nacht von Arizona. Die kühle, frische Bergluft durchströmte mich und ich fühlte neue Kraft und neuen Mut in mir. Nun machte ich mir Vorwürfe für meine vollkommen unbegründeten Befürchtungen. Ich erkannte, dass nichts mich belästigt hatte, während ich stundenlang hilflos in der Höhle lag. Meine jetzigen klaren und logischen Überlegungen führten mich zu dem Schluss, dass es für die Geräusche die ich hörte eine natürliche und harmlose Erklärung geben müsse. Wahrscheinlich wurden die Geräusche durch irgendwelche Luftströmungen in der Höhle verursacht.
Ich beschloss, dies zu untersuchen, aber zuerst hob mich meinen Kopf und atmete die reine, belebende Nachtluft der Berge tief ein. Ich hatte einen herrlichen Ausblick auf die Felslandschaft und dahinter liegende Ebene mit ihren vielen Kakteen. Im Mondlicht war dies ein wunderbarer, verzaubernder Anblick.
Wenige Wunder des Westens rufen mehr Begeisterung hervor, als die vom Mondlicht beschienene Landschaft von Arizona. Die silbern schimmernden Berge in der Ferne, die seltsamen Lichter und Schatten auf den Hügeln und ausgetrockneten Flüssen, die phantastischen Details der steifen, aber trotzdem schönen Kakteen bildeten einen verzaubernden und anregenden Anblick. Es schien als würde man zum ersten Mal einen Blick auf eine tote und längst vergessene Welt werfen, so sehr unterschied sich die Landschaft von jeder anderen Gegend der Erde.
Als ich so in meine Betrachtung versunken dastand, erhob ich meinen Blick zum Himmel, wo Milliarden von Sternen ein prächtiges und angemessenes Dach für die Wunder der irdischen Szene bildeten. Meine Aufmerksamkeit wurde schnell auf einen großen, roten Stern nahe des fernen Horizonts gelenkt. Als ich ihn ansah, fühlte ich eine überwältigende Faszination – es war Mars, der Gott des Krieges, der mich als Kämpfer immer unwiderstehlich bezauberte. Als ich ihn in dieser weit fortgeschrittenen Nacht ansah, schien er durch die unendliche Leere zu rufen, mich anzulocken und an mir zu ziehen, so wie ein Magnet Eisen anzieht.
Meiner Sehnsucht konnte ich nicht widerstehen, ich schloss meine Augen streckte meine Arme zu dem Gott meiner Berufung aus und fühlte mich mit der Plötzlichkeit eines Gedankens durch die pfadlosen Weiten des Raums gezogen. Einen Moment lang war es extrem kalt und vollkommen dunkel.
Kapitel 3 – Meine Ankunft auf dem Mars
Als ich meine Augen öffnete, sah ich eine fremde, seltsame Landschaft. Ich wusste, dass ich auf dem Mars war. Ohne Zweifel, ich war vollkommen wach und bei Verstand. Ich schlief nicht also war es auch nicht erforderlich, mich zu kneifen. Meine innere Überzeugung sagte mir, dass ich auf dem Mars war, so wie Dir deine innere Überzeugung sagt, dass Du auf der Erde bist. Du stellst diese Tatsache nicht in Frage; ich tat es auch nicht.
Ich lag ausgestreckt auf einem Bett aus gelblicher, moosartiger Vegetation, die meilenweit in alle Richtungen zu sehen war. Ich schien mich in einem tiefen, runden Krater zu befinden, der von einer unregelmäßigen Hügellandschaft begrenzt wurde.
Es war Mittag und die Sonne schien hell auf meinen nackten Körper. Es war recht heiß, aber nicht heißer als es unter gleichen Bedingungen in der Wüste von Arizona gewesen wäre. Hier und dort waren kleine, quarzhaltige Felsen die in der Sonne glitzerten. Links von mir, etwa einhundert Yards entfernt, befand sich ein von einer vier Fuß hohen Mauer umzäunter Bereich. Ich konnte kein Wasser oder irgendwelche anderen Pflanzen außer dem Moos entdecken. Da ich etwas durstig war, beschloss ich, mich ein wenig umzusehen.
Ich sprang auf meine Füße und erlebte meine erste Mars–Überraschung. Die Kraft, die auf der Erde erforderlich war, um aufzuspringen, trug mich drei Yards hoch in die marsianische Luft. Ich landete sanft auf dem Boden, ohne merklichen Stoß oder Ruck. Nun folgte ein Lernprozess, bei dem ich sicher ziemlich lächerlich wirkte. Ich fand heraus, dass ich erneut Laufen lernen musste, denn der Kraftaufwand, den ich für eine leichte und sichere Bewegung auf der Erde aufwenden musste, führte auf dem Mars zu unerwünschten Kapriolen.
Anstelle eines normalen und würdevollen Fortschreitens, führten meine Versuche zu gehen zu unterschiedlichen Sprüngen mit denen ich deutlich vom Boden abhob. Nach jedem zweiten oder dritten Sprung lag ich ausgestreckt auf dem Bauch oder Rücken. Meine Muskeln, die perfekt auf die Gravitation der Erde eingestellt waren, bereiteten mir einiges Ungemach bei dem Versuch, mit der geringeren Gravitation und dem niedrigeren Luftdruck auf dem Mars zurechtzukommen.
Wie auch immer, ich war entschlossen das niedrige Bauwerk, dass das einzige Zeichen von Bewohnern in der Nähe war, zu untersuchen. Ich kam auf die einmalige Idee, zu der ersten Form der Bewegung – dem Kriechen – zurückzukehren. Damit kam ich ganz gut zurecht und kurze Zeit später erreichte ich die niedrige Mauer, die den Bereich umgab.
Auf meiner Seite waren keine Fenster oder Türen. Die Mauer war nur vier Fuß hoch. Vorsichtig richtete ich mich auf und sah über die Mauer. Es war der fremdartigste Anblick, den ich je hatte.
Das Dach war aus solidem Glas, etwa vier bis fünf Inch dick. Darunter sah ich mehrere hundert große Eier, perfekt rund und schneeweiß. Die Eier waren alle etwa gleich groß, ungefähr zweieinhalb Fuß im Durchmesser.
Die grotesken Geschöpfe, die bereits aus fünf oder sechs dieser Eier geschlüpft waren und nun dasaßen und in die Sonne blinzelten, waren Grund genug für mich, um an meinem Verstand zu zweifeln. Sie schienen im wesentlichen nur aus einem Kopf zu bestehen, hatten einen dürren Körper, einen langen Hals und sechs Beine – oder wie ich später erfuhr, zwei Arme und zwei Beine; das mittlere Paar Extremitäten konnte sowohl als Arm als auch als Bein verwendet werden. Die Augen waren, etwas oberhalb der Mitte, an den gegenüberliegenden Seiten des Kopfes angebracht, und konnten unabhängig voneinander nach vorne oder hinten gerichtet werden. Dies erlaubte dem komischen Tier in alle Richtungen zu blicken, oder in zwei Richtungen gleichzeitig, ohne den Kopf zu bewegen.
Die Ohren waren etwas oberhalb der Augen angebracht und lagen etwas näher beieinander. Sie waren wie zwei tassenförmige Fühler geformt, die bei diesen jungen Exemplaren nicht höher als ein Inch waren. Die Nasen bestanden nur aus länglichen Schlitzen in der Mitte zwischen ihren Ohren und Mündern.
Ihre Körper waren unbehaart und von gelblich–grüner Farbe. Bei den Erwachsenen, die ich bald kennenlernen sollte, war die Farbe zu einem olivgrün nachgedunkelt, bei den männlichen Exemplaren dunkler als bei den weiblichen. Weiterhin waren die Köpfe der Erwachsenen nicht derart überproportioniert, wie dies bei den Jungen der Fall war.
Die Iris ihrer Augen war blutrot, wie bei Albinos, mit einer schwarzen Pupille. Der Augapfel war ansonsten sehr weiß, genau so wie die Zähne. Die zuletzt genannten fügten ein grimmiges Detail zu der ansonsten schon furchterregenden und schrecklichen Erscheinung hinzu, denn die unteren, leicht gekrümmten Eckzähne standen hervor wie Stoßzähne und endeten mit einer scharfen Spitze etwa in der Höhe, wo ein Mensch seine Augen hat. Das Weiß war Elfenbein unähnlich, es glich eher schneeweißem, chinesischen Porzellan. Im Kontrast zur olivgrünen Haut wirkten die Stoßzähne wie eine äußerst beeindruckende, hervorragende und einzigartige Waffe.
Die meisten der genannten Details nahm ich erst später zur Kenntnis, denn ich hatte zurzeit wenig Gelegenheit, über die Wunder meiner Entdeckung nachzugrübeln. Die Eier waren ausgebrütet und wie ich so dastand und dabei zusah, wie die abscheulichen, kleinen Monster schlüpften, übersah ich die Annäherung eines Trupps voll ausgewachsener Marsianer vollkommen.
Das weiche und geräuschdämpfende Moos – welches die gesamte Marsoberfläche bedeckt, ausgenommen die gefrorenen Gegenden an den Polen und die verstreuten, kultivierten Flächen – hätte es ihnen leicht gemacht, sich unbemerkt zu nähern und mich gefangenzunehmen, aber ihre Absichten waren wesentlich bösartiger. Der Instinkt des Kriegers in mir warnte mich plötzlich.
Dass ich meine leichte Rettung nur einem kleinen Umstand zu verdanken hatte, wundert mich heute immer noch. Hätte nicht das Gewehr des Anführers der Truppe gegen den Metall-Schuh seines Speers geschlagen, so wäre es um mich geschehen gewesen, bevor mir überhaupt bewusst geworden wäre, dass der Tod nahe war. Aber das kleine Geräusch veranlasste mich, mich umzudrehen. Ich sah einen vierzig Fuß langen, mit einer glänzenden Eisenspitze versehenen Speer, nicht mehr als zehn Fuß vor meiner Brust, den eine berittene Kopie der kleinen Teufel, die ich beobachtet hatte, auf mich richtete.
Aber wie winzig und harmlos wirkten diese neben dieser schrecklichen Inkarnation von Hass, Rache und Tod. Der Mann – als solchen will ich ihn bezeichnen – war volle fünfzehn Fuß groß und auf der Erde hätte er ein Gewicht von 400 Pfund gehabt. Er saß auf seinem Tier, so wie wir auf einem Pferd sitzen, die unteren Gliedmaßen umfassten dessen Leib, während er mit den Händen seiner beiden rechten Arme den gewaltigen Speer auf mich gerichtet hielt und die linken Arme ausgestreckt hatte, um die Balance zu halten. Das Ding das er ritt hatte weder Zaumzeug oder Zügel, noch war sonst eine Vorrichtung zu dessen Lenkung sichtbar.
Und sein Reittier! Wie können menschliche Worte es beschreiben! Es hatte eine Schulterhöhe von zehn Fuß und vier Beine an jeder Seite. Der lange, flache Schwanz war am Ende breiter als an der Wurzel und wurde beim Laufen gerade nach hinten ausgestreckt. Ein klaffendes Maul teile seinen Kopf von der Schnauze bis zu seinem langen, massigen Hals.
Wie sein Herr war es vollkommen haarlos, seine Haut war grau–blau, weich und glänzend. Sein Bauch war weiß und den Beinen sah man einen Farbübergang vom Grau–blau der Schultern zu einem lebhaften Gelb an den Füßen. Die Füße selbst waren stark gepolstert ohne Fußnägel, dieser Umstand hatte viel zu der Geräuschlosigkeit ihrer Ankunft beigetragen. Zusammen mit der Vielzahl von Beinen waren solche Füße ein typisches Merkmal der Tiere auf dem Mars. Lediglich die höchste Menschenrasse und das einzige Säugetier auf dem Mars haben wohlgeformte Fußnägel, weiterhin existieren hier keine Huftiere.
Dem angreifenden Dämon folgten neunzehn weitere, die dem ersten in jeder Hinsicht glichen. Wie ich später erfuhr, gab es durchaus individuelle, einzigartige Unterscheidungsmerkmale, genau so wie keiner von uns mit einem anderen identisch ist obwohl wir alle nach gleichem Muster gemacht sind. Dieses Bild, oder besser, dieser wahr gewordene Alptraum, den ich gerade ausführlich beschrieb, machte einen erschreckenden Eindruck auf mich, als ich mich umdrehte.
Unbewaffnet und nackt wie ich war, kam das erste Naturgesetz bei der Lösung meines derzeitigen Problems zum Tragen, und das war, dass ich mich so schnell wie möglich aus der Reichweite des Speers entfernte. Auf eine sehr irdische Art – in diesem Fall mit übermenschlicher Kraft – sprang ich hoch um auf das Dach des marsianischen Brutkastens, denn ein solcher musste es sein, zu gelangen.
Meine Anstrengungen waren von einem derartigen Erfolg gekrönt, der mich nicht weniger erschütterte, als er die marsianischen Krieger zu überraschen schien. Mein Sprung trug mich volle dreißig Fuß hoch in die Luft und einhundert Fuß weit weg von meinen Verfolgern auf die andere Seite der Einzäunung.
Ich landete mit Leichtigkeit und ohne Unfall auf dem weichen Moos. Mich umdrehend sah ich die Feinde, wie sie sich an der Mauer auf der anderen Seite aufreihten. Einige sahen mit einem Ausdruck an, der – wie ich später lernte – das allergrößte Erstaunen ausdrückte während andere sich scheinbar damit zufrieden gaben, dass ich ihre Jungen nicht belästigt hatte.
Sie unterhielten sich mit leiser Stimme, gestikulierten und zeigen nach mir. Die Entdeckung, dass ich ihren Jungen nichts zu Leide getan hatte und das ich unbewaffnet war, schien sie zu beruhigen. Wie ich später erfuhr war jedoch die Darbietung meiner Sprungkraft der Umstand, der am meisten zu meinen Gunsten wirkte.
Die Marsianer waren sehr groß und ihre Knochen sehr lang, aber ihre Muskulatur war nur soweit entwickelt, wie dies zur Überwindung der hiesigen Gravitation erforderlich war. Im Ergebnis waren sie unendlich weniger beweglich und weniger kraftvoll im Verhältnis zu ihrem Gewicht als ein Mann von der Erde. Ich zweifele nicht daran, dass keiner von ihnen aufstehen könnte, wenn man ihn plötzlich auf die Erde versetzen würde.
Meine Fähigkeit war auf dem Mars genau so wundervoll, wie sie auf der Erde gewesen wäre. An die Stelle des Wunsches mich zu beseitigen trat der Wunsch mich zu fangen und ihre wunderbare Entdeckung ihren Freunden zu zeigen.
Der Aufschub, den mir meine unerwartete Beweglichkeit bescherte, erlaubte mir, über mein weiteres Vorgehen nachzudenken und mir diese Krieger etwas genauer anzusehen, denn ich konnte den Vergleich mit den anderen Krieger, welche mich erst am Tag zuvor verfolgt hatten, nicht verdrängen.
Ich stellte fest, dass jeder von ihnen neben dem mächtigen Speer, den ich schon beschrieben habe, mit einigen anderen Waffen versehen war. Die Waffe, die mich veranlasste, mich gegen einen Fluchtversuch zu entscheiden, war irgend eine Art von Gewehr, und aus irgendeinem Grund nahm ich an, dass sie damit gut umgehen konnten.
Diese Gewehre waren aus einem weißen Metall, verbunden mit Holz. Wie ich später erfuhr war das Holz sehr leicht aber trotzdem außerordentlich hart, ein Material wie dieses war uns Erdlingen vollkommen unbekannt, wurde aber auf dem Mars hoch geschätzt. Das Metall des Laufs war eine Legierung die im wesentlichen aus Aluminium und Stahl bestand; mit einem speziellen Verfahren wurde eine Härte erreicht, die die unseres Stahls bei weitem übertraf. Das Gewicht eines solchen Gewehres war vergleichsweise gering, sie verschossen damit explosive Radium-Projektile kleinen Kalibers. In Verbindung mit dem langen Lauf war dies eine extrem tödliche Waffe und das bei einer Reichweite die auf der Erde vollkommen undenkbar wäre. Die theoretische, effektive Reichweite betrug 300 Meilen, aber am wirksamsten war sie bei einer Entfernung von bis zu 200 Meilen, wenn sie mit einer drahtlosen Zielerfassung ausgerüstet war.
Das war bei weitem weit genug, um mich mit einem großen Respekt vor marsianischen Feuerwaffen zu erfüllen. Scheinbar hielt mich irgend eine telepathische Macht von einem Fluchtversuch im hellen Tageslicht und unter dem Beschuss von zwanzig dieser todbringenden Maschinen ab.
Nach kurzer Beratung, drehten die Marsianer alle, bis auf einen um und ritten den Weg zurück, den sie gekommen waren. Nachdem sie etwa 200 Yards zurückgelegt hatten, hielten Sie an, wendeten ihre Tiere und beobachteten den einen Krieger, der bei der Einzäunung zurückgeblieben war.
Es war derjenige, dessen Speer mich fast festgenagelt hätte. Er schien der Anführer der Gruppe zu sein, denn ich meinte bemerkt zu haben, dass er den Anderen den Befehl zum Rückzug gegeben hatte. Als seine Truppe in Position war, stieg er ab, warf seinen Speer zur Seite und legte auch seine anderen, kleinen Waffen ab. Dann kam er um den Brutkasten herum auf mich zu. Er war vollständig unbewaffnet und so nackt wie ich, abgesehen von einigen Ornamenten an seinem Kopf, seiner Brust und seinen Gliedmaßen.
Als er mir bis auf fünfzig Fuß nahe gekommen war, löste er ein großes Metallarmband und hielt es mir hin. Er sprach mich mit mir einer klaren, volltönenden Stimme an, aber – das braucht eigentlich nicht erwähnt zu werden – konnte ich ihn nicht verstehen, da ich seine Sprache nicht beherrschte. Dann hielt er an als wolle er eine Antwort von mir abwarten. Er richtete seine antennenartigen Ohren und seine seltsamen Augen auf mich.
Da die Stille langsam peinlich wurde, entschloss ich mich meinerseits, ein Gespräch zu wagen. Es war unschwer zu erraten, dass er mir ein Friedensangebot machte. Dass er seine Waffen abgelegt und seine Truppe weggeschickt hatte, würde überall auf der Erde als Zeichen friedlicher Absicht gedeutet werden, warum sollte es auf dem Mars anders sein!
Mit der Hand auf dem Herzen verbeugte ich mich vor dem Marsianer und erklärte ihm, dass ich seine Handlungen als äußerst willkommenes Zeichen von Frieden und Freundschaft verstehen würde. Natürlich musste ihm meine Ansprache wie das Geplätscher eines Baches vorkommen, aber er verstand die Handlung, die ich meinen Worten folgen ließ.
Meine Hand ausstreckend ging ich auf ihn zu, nahm das Armband aus seiner offenen Hand und befestigte es an meinem Arm oberhalb des Ellenbogens. Dann stand ich lächelnd da und wartete ab. Sein breiter Mund verzog sich zu einem antwortenden Lächeln, er nahm mich am Arm und führte mich zurück zu seinem Reittier. Zur gleichen Zeit winkte er seinen Begleitern näherzukommen. Diese stürmten in einem wilden Rennen auf uns zu, aber er winkte ihnen sofort zu, langsamer vorzurücken. Offensichtlich befürchtete er, dass ich das Gebiet mit einem mächtigen Sprung verlassen würde, wenn sie mich erneut erschreckten.
Er wechselte ein paar Worte mit seinen Männern und bedeutete mir, dass ich hinter einen von ihnen reiten werde, dann stieg er auf sein eigenes Tier. Der ausgewählte Gefährte reichte mit zwei oder drei Händen zu mir herunter, hob mich hoch und setzte mich hinter sich auf den glänzenden Rücken seines Reittiers, wo ich mich so gut es ging an den Gurten festhielt, an denen auch seine marsianischen Waffen und Ornamente befestigt waren.
Der gesamte Reitertrupp wendete und galoppierte in Richtung der Hügel am fernen Horizont.
Kapitel 4 – Ein Gefangener
Wir hatten vielleicht zehn Meilen zurückgelegt, als das Gelände plötzlich steil anstieg. Wie ich später in Erfahrung brachte, waren wir am Rand eines längst ausgetrockneten marsianischen Meeres, auf dessen Grund meine Begegnung mit den Marsianern stattfand.
In kurzer Zeit erreichten wir den Fuß der Berge. Nachdem wir eine schmale Schlucht durchquert hatten, kamen wir auf eine flache Ebene. Auf der gegenüberliegenden Seite erblickte ich eine gewaltige Stadt. Wir galoppierten in die Stadt auf einer Art Straße, die ziemlich beschädigt war. Die Straße führte bis zum Rand der Ebene und endete dort an einem breiten Treppenaufgang.
Im Vorüberreiten konnte ich mir die Gebäude näher ansehen, sie waren verlassen. Auch wenn der Verfall noch nicht weit fortgeschritten war, hatte ich doch den Eindruck, dass diese jahrelang, vielleicht auch jahrhundertelang, nicht mehr in Stand gehalten worden waren. In der Mitte der Stadt war ein großer Platz und auf diesem sowie in den unmittelbar angrenzenden Gebäuden kampierten an die neunhundert bis eintausend der gleichen Kreaturen wie meine Fänger. Denn der Erkenntnis, dass ich ein Gefangener war, konnte ich mich nicht länger entziehen, trotz der sanften Art, mit der man mich in die Falle gelockt hatte.
Mit Ausnahme ihrer Ornamente waren alle nackt. Die Frauen unterschieden sich nur wenig von den Männern, mit Ausnahme der Stoßzähne, die wesentlich länger im Verhältnis zu ihrer Größe waren und einer typischen Rundung in der Nähe ihre Ohren. Ihre Körper waren kleiner und heller gefärbt. An ihren Fingern und Zehen zeigten sich Ansätze von Nägeln, die den Männchen vollkommen fehlten. Erwachsene Weibchen waren zehn bis zwölf Fuß hoch.
Die Färbung der Kinder war noch heller als die der Frauen, und für mich sahen sie alle exakt gleich aus, ausgenommen von einem vermutlich altersbedingten Größenunterschied.
Ich konnte auch keine Anzeichen hohen Alters bei ihnen finden, tatsächlich gibt es solche bei dieser Rasse nicht, obwohl die Lebensspanne eines Erwachsenen von etwa vierzig Jahre bis zum Alter von eintausend Jahren reicht. Im hohen Alter begaben sich die Marsianer auf eine geheimnisvolle, letzte Pilgerfahrt den Fluss Iss hinunter in ein Land, von dem kein lebender Marsianer berichten kann da von dort noch nie jemand zurückgekehrt ist.
Nur Einer von eintausend Marsianer starb an Schwäche oder Krankheit, und möglicherweise zwanzig brachen schließlich zur letzten Pilgerfahrt auf. Die restlichen neunhundertneunundsiebzig starben einen gewaltsamen Tod bei Duellen, bei der Jagd, bei Flugunfällen und im Krieg. Die bei weitem höchste Todesrate gab es bei den Kindern, welche in großer Zahl Opfer der großen, weißen Affen des Mars wurden.
Die durchschnittliche Lebenserwartung eines Marsianers, der das Erwachsenenalter erreicht, beträgt rund dreihundert Jahre, sie wäre näher bei eintausend, gäbe es nicht die zahllosen Ursachen für ein gewaltsames Ableben. Aufgrund abnehmender Ressourcen des Planeten war es offensichtlich erforderlich, der zunehmenden Langlebigkeit, die das Resultat ihres bemerkenswerten medizinischen Könnens war, entgegenzuwirken. Leben hatte keinen großen Wert auf dem Mars was durch gefährlichen Sportarten und die permanenten Kriege zwischen den verschiedenen Gemeinschaften sehr augenscheinlich wurde.
Es gab andere und auch natürliche Ursachen, die den Trend zu einer Verminderung der Population unterstützten, aber nichts verstärkte den allgemeinen Eindruck stärker, als der Umstand, dass kein Marsianer, männlich oder weiblich, jemals freiwillig auf seine tödliche Waffe verzichten würde.
Als wir uns dem Platz näherten wurden wir sofort von hunderten dieser Kreaturen umringt. Sie schienen begierig darauf zu sein, mich von meinem Sitz hinter meinem Wächter herunterzuzerren. Ein Wort vom Anführer der Gruppe beruhigte den Aufruhr und wir setzten unseren Weg im raschen Schritt über den Platz fort, zum Eingang eines Gebäudes. Ein prächtigeres hatte nie ein Sterblicher je zuvor gesehen.
Das Gebäude war niedrig aber umfasste eine enorme Fläche. Die Mauern bestanden aus leuchtendem, weißen Marmor und waren mit Einlegearbeiten aus Gold und Edelsteinen versehen, die im Sonnenlicht glänzten und blitzten. Der Haupteingang war etwa 100 Fuß breit und von einem enormen Vorbau überdacht. Es gab keine Treppen, stattdessen führte eine leichte Schräge zum Erdgeschoss, in dem man zuerst eine große Halle mit einer Galerie betrat.
In dieser Halle standen verstreut einige hölzerne, mit prächtigen Schnitzereien versehenen Stühle und Tische herum. Um die vierzig bis fünfzig Marsianer hatten sich an den Stufen einer Estrade versammelt. Auf der Estrade hatte sich ein gewaltiger Krieger niedergelassen. Er war über und über mit Metall-Ornamenten, grau gefärbten Federn und hübsch gearbeiteten Lederinsignien, die mit wertvollen Steinen besetzt waren, beladen.
Was mir am meisten in dieser Halle, in der sie sich versammelt hatten, auffiel war, dass die verschiedenen Tische, Stühle und anderen Möbel in keinster Weise zu den Proportionen der Kreaturen passte; sie schienen eher für Menschen wie mich gemacht zu sein. Kein Marsianer hätte sich auf einen der Stühle quetschen können und unter den Tischen gab es keinen Platz für ihre langen Beine. Offensichtlich gab es noch andere Marsbewohner außer den wilden, grotesken Kreaturen, in deren Hände ich gefallen war. Der Eindruck des hohen Alters, den alles um mich herum machte, ließ mich denken, dass eine längst ausgestorbenen und vergessene Rasse in der Frühgeschichte des Mars die Gebäude errichtet haben könnte.
Unsere Gruppe hielt am Eingang des Gebäudes und auf ein Zeichen des Anführers wurde ich auf dem Boden abgesetzt. Erneut nahm er mich am Arm und führte mich in den Audienz-Saal. Bei der Begegnung mit einem marsianischen Häuptling waren einige Formalitäten zu beachten. Mein Begleiter schritt bis vor die Plattform, die anderen machten ihm Platz, als er voranging. Der Häuptling stand auf und sagte den Namen meines Begleiters, dieser wiederum nannte den Namen des Herrschers gefolgt von seinen Titeln.
Zu diesem Zeitpunkt hatte die Zeremonie und die Worte die sie sprachen keine Bedeutung für mich, später erfuhr ich, dass dies die übliche Begrüßung unter grünen Marsianern war. Begegneten sich Fremde, dann war die Nennung der Namen natürlich nicht möglich, also tauschte man stumm ein Ornament aus, sofern ihre Mission eine friedliche war – andernfalls tauschte man halt Kugeln oder vollzog das Vorstellungsritual mit einer anderen Waffe.
Mein Begleiter, sein Name war Tars Tarkas, war der Vize-Anführer der Gemeinschaft; ein Häuptling mit großen Fähigkeiten als Staatsmann und Krieger. Offensichtlich erzählte er kurz die Ereignisse seines Ausflugs, einschließlich meiner Gefangennahme und als er geendet hatte, sprach der Häuptling längere Zeit zu mir.
Ich antwortete ihm in unserem guten alten Englisch, hauptsächlich um ihn davon zu überzeugen, dass keiner den anderen verstehen konnte. Ich bemerkte, dass mein Lächeln am Ende meiner Rede von ihm erwidert wurde. Dieser Umstand, und das gleichartige Erlebnis bei meinem ersten Gespräch mit Tars Tarkas überzeugte mich davon, dass wir zumindest eine Gemeinsamkeit hatten, nämlich die Fähigkeit zu lächeln, vielleicht auch zu lachen und dies wiederum ließ einen gewissen Sinn für Humor vermuten. Aber ich musste noch lernen, dass das Lächeln der Marsianer nur rein mechanisch war, und ihr Lachen ließ selbst einen starken Menschen vor Schreck erbleichen.
Der Humor der grünen Marsianer hat nichts mit unserem Konzept vom Anstecken zur Fröhlichkeit zu tun. Der Todeskampf eines Wesens war für diese fremdartigen Kreaturen der Auslöser zur ausgelassensten Heiterkeit; ihr vergnüglichster Zeitvertreib war, Kriegsgefangene auf unterschiedliche, genial–grausame Weise zu töten.
Die anwesenden Krieger und Unterhäuptlinge untersuchten mich genau, sie befühlten meine Muskeln und die Oberfläche meiner Haut. Der Oberhäuptling schien nun den Wunsch nach einer Aufführung meines Könnens zu äußern, er winkte mir, ihm zu folgen und bewegte sich zusammen mit Tars Tarkas in Richtung des Platzes.
Seit meinen ersten Fehlversuchen hatte ich keinen Versuch mehr unternommen zu gehen, ausgenommen die Gelegenheiten bei denen mich Tars Tarkas fest am Arm hielt. So bewegte ich mich nun zwischen den Tischen und Stühlen vorwärts, springend wie ein monströser Grashüpfer. Nachdem ich mir, sehr zum Vergnügen der Marsianer, mehrfach eine ordentliche Prellung zugefügt hatte, wollte ich wieder anfangen zu kriechen. Das schien den Marsianern nicht zu gefallen und ich wurde von einem, der vorher herzlich über mein Unglück gelacht hatte, wieder brutal auf die Füße gestellt.
Als er mich hart auf meine Füße stellt und dabei sein Gesicht zu mir herunter beugte, tat ich das einzige, was ein Gentleman, der eine derartige brutale, flegelhafte und alle Rechte eines Fremden missachtende Behandlung erdulden musste, tun konnte: ich verpasste ihm eine Gerade an den Kiefer. Er fiel um wie vom Blitz getroffen. Als er auf den Boden sank, postierte ich mich schnell mit dem Rücken zu einem Tisch, da ich nun die Rache seiner Kameraden befürchtete. Trotz der sehr ungleichen Chancen war ich entschlossen, ihnen mein Leben so teuer wie möglich zu verkaufen.
Meine Befürchtungen waren grundlos, die Marsianer waren zuerst vor Überraschung erstarrt, brachen dann in Gelächter aus und applaudierten. Ich erkannte den Applaus nicht als solchen, aber später, nachdem ich mit ihren Gewohnheiten vertrauter geworden war, erkannte ich, dass mir eine seltene Form der Anerkennung zuteil geworden war.
Der Bursche, den ich niedergeschlagen hatte lag noch dort, wo er umgefallen war, keiner seiner Kameraden kümmerte sich um ihn. Tars Tarkas kam auf mich zu, nahm mich wieder am Arm und so gingen wir schließlich auf den Platz, ohne das ich weiteres Ungemach erlitt. Ich kannte natürlich nicht den Grund, aus dem wir ins Freie gegangen waren, aber es dauerte nicht lang, bis ich erleuchtet wurde. Einer wiederholte das Wort ›sak‹ ein paarmal und Tars Tarkas sprang einige Male, wobei er vor jedem Sprung dieses Wort wiederholte, dann drehte er sich zu mir um und sagte: »Sak!«. Ich verstand was sie wollten und ›sakkte‹ mit wunderbarem Erfolg. Ich sprang gut 150 Fuß weit ohne aus dem Gleichgewicht zu geraten und landete auf meinen Füßen ohne umzufallen. Dann kehrte ich mit kleinen Sprüngen von fünfundzwanzig oder dreißig Fuß zu der kleinen Gruppe von Kriegern zurück.
Meine Vorstellung wurde von mehreren hundert niederrangiger Marsianer gesehen und sie verlangten eine sofortige Wiederholung, welche vom Häuptling dann auch angeordnet wurde. Ich aber war hungrig und durstig und beschloss sofort, diese Kreaturen dazu zu zwingen meinen Bedürfnissen Beachtung zu schenken, denn freiwillig schienen die nicht auf diese Idee zu kommen. Daher ignorierte ich das Kommando zu ›sakken‹ und jedes mal, wenn es gegeben wurde, zeigte ich auf meinen Mund und rieb meinen Bauch.
Tars Tarkas wechselte einige Worte mit dem Häuptling, rief dann ein junges Weibchen aus der Menge herbei, gab ihr einige Instruktionen und bedeutete mir, ihr zu folgen. Ich ergriff ihren angebotenen Arm und zusammen überquerten wir den Platz zu einem großen Gebäude auf der anderen Seite.
Meine liebliche Begleiterin war rund acht Fuß hoch, sie war gerade erwachsen geworden aber noch nicht zur vollen Größe herangereift. Sie hatte hell–olivgrüne, weiche und glänzende Haut. Ihr Name war, wie ich bald erfuhr, Sola und sie gehörte zum Gefolge von Tars Tarkas. Sie brachte mich in ein geräumiges Zimmer in einem der an den Platz grenzenden Gebäude, das, wie ich aufgrund der auf dem Boden herumliegenden Decken und Felle schloss, das Schlafquartier von mehreren Eingeborenen war.
Der Raum wurde von einigen großen Fenstern hell erleuchtet und war mit schönen Wandmalereien und Mosaiken geschmückt. Über all dem lag eine undefinierbare, künstlerische Note, die mich davon überzeugte, dass die Architekten und Erbauer dieser Stadt nichts mit den primitiven Halbwilden, die sie jetzt bewohnten, gemein hatten.
Sola bedeutete mir, auf einem Haufen Decken in der Mitte des Raumes Platz zu nehmen und stieß dann ein eigenartiges Zischen aus, so als wolle sie jemandem in einem angrenzenden Raum ein Zeichen geben. Die Antwort auf ihr Zeichen war für mich ein weiteres marsianisches Wunder. Es watschelte auf seinen zehn kurzen Beinen herein und ließ sich vor dem Mädchen nieder, wie ein gehorsames Schoßtier. Das Ding war etwa so groß wie ein Shetlandpony, aber sein Kopf hatte eine entfernte Ähnlichkeit mit dem eines Frosches, ausgenommen die Kiefer, die mit drei Reihen von langen, scharfen Hauern versehen waren.
Kapitel 5 – Ich entkomme meinem Wachhund
Sola sah in Augen des Biests, murmelte ein oder zwei Kommandos, deutete auf mich und verließ den Raum. Ich fragte mich, was diese wild aussehende Kreatur wohl mit mir anstellen würde, wenn man sie, mit so einem relativ zarten Leckerbissen aus Fleisch in greifbarer Nähe, alleine lassen würde; aber meine Ängste waren grundlos, denn nachdem mich das Biest für einen Moment sorgfältig gemustert hatte, rannte es quer durch den Raum zum einzigen Ausgang der auf die Straße führte und legte sich quer auf die Schwelle.
Dies war meine erste Erfahrung mit einem marsianischen Wachhund und es sollte nicht meine letzte sein, denn der Bursche bewachte mich sorgfältig während der ganzen Zeit, in der ich Gefangener des grünen Volkes war. Er rettete mir zweimal das Leben und wich nie von meiner Seite.
Ich nutze Solas Abwesenheit um mir den Raum, in dem ich festgehalten wurde, genauer anzusehen. Die Wandbilder zeigten Szenen von seltener und wunderbarer Schönheit. Berge, Flüsse, Seen, Ozeane, Haine, Bäume und Blumen, gewundene Wege, sonnendurchflutete Gärten – all dies hätten Impressionen von der Erde sein können, wenn die Vegetation nicht in anderen Farben dargestellt worden wäre. Die Arbeit war offensichtlich von Meisterhand ausgeführt worden, so subtil war die Atmosphäre und so perfekt die Technik. Allerdings war nirgends das Abbild eines Lebewesens zu sehen, weder Mensch noch Monster, von dem ich auf das Aussehen dieser anderen, möglicherweise ausgestorbenen Rasse des Mars schließen konnte.
Während ich mich meiner wilden Begeisterung für die möglichen Erklärungen der fremdartigen Anomalien, die ich bis jetzt auf dem Mars vorgefunden hatte, hingab, kehrte Sola mit Nahrung und Getränken zurück. Sie stelle dies auf dem Boden neben mir ab und nahm in rücksichtsvoller Weise ein Stück von mir entfernt Platz. Die weitestgehend geschmacklose Nahrung bestand aus einer festen Substanz mit der Konsistenz von Käse und wog etwa ein Pfund. Bei der Flüssigkeit schien es sich um die Milch irgendeines Tiers zu handeln. Sie hatte keinen unangenehmen Geschmack und war leicht säuerlich. Bald sollte ich dieses Getränk sehr schätzen. Wie ich später entdeckte, kam es nicht von einem Tier – denn es gibt nur eine Säugetierart auf dem Mars und diese ist sehr selten – sondern von einer großen Pflanze, die praktisch ohne Wasser gedieh; sie schien den reichlichen Vorrat an Milch mit Hilfe der Nährstoffe im Boden, der Luftfeuchtigkeit und dem Sonnenlicht zu erzeugen. Eine einzelne Pflanze dieser Art produzierte acht bis zehn Quart Milch am Tag.
Mein Mahl kräftigte mich außerordentlich, aber da ich recht müde war, streckte mich auf den Decken aus und war sofort eingeschlafen. Ich musste mehrere Stunden geschlafen haben, denn als ich erwachte war es dunkel und sehr kalt. Irgendjemand hatte ein Fell über mich geworfen, aber ich hatte mich ein wenig bewegt und in der Dunkelheit gelang es mir nicht, es wieder über mich zu ziehen. Plötzlich bemerkte ich eine Hand, die das Fell über mich zog und kurz darauf wurde ein zweites hinzugefügt.
Mit der Vermutung, dass es sich bei meinem aufmerksamen Wächter um Sola handelte, lag ich nicht falsch. Unter all den grünen Marsianern, die mir begegnet waren, war das Mädchen die einzige, bei der ich so etwas wie Sympathie, Freundlichkeit und Zuneigung entdeckte. Zuverlässig sorgte sie für meine körperlichen Bedürfnisse und ihre Fürsorge bewahrte mich vor manchen Beschwernissen und Leiden.
Wie ich nun merkte, waren die Nächte auf dem Mars extrem kalt. Da es so gut wie keine Dämmerung gab, waren die Temperaturwechsel sehr plötzlich und unangenehm, so wie der Wechsel vom hellen Tageslicht zur Dunkelheit. Die Nächte waren entweder strahlend beleuchtet oder sehr dunkel. Wenn keiner der beiden Monde des Mars am Himmel stand, war es nahezu vollständig dunkel denn das Fehlen der Atmosphäre, oder besser gesagt, die sehr dünne Atmosphäre war nicht in der Lage, das Sternenlicht weit genug zu streuen. Sofern beide Monde des Mars schienen, war die Oberfläche hell erleuchtet.
Die beiden Marsmonde sind dem Planeten wesentlich näher als der Erdenmond der Erde; der Nähere [Phobos] ist nur 5.000 Meilen entfernt während der andere [Deimos] in einer Entfernung von rund 14.000 Meilen seine Bahn zieht. Uns dagegen trennen rund eine viertelmillionen Meilen vom Erdenmond. Der nähere Mond des Mars vollendet einen Umlauf um den Planeten in etwas mehr als siebeneinhalb Stunden, so dass man ihn wie einen großen Meteor zwei bis dreimal pro Nacht über den Himmel rasen sehen kann; wobei alle Mondphasen während des Überflugs durchlaufen werden.
Der weiter entfernte Mond umkreist den Mars einmal alle 30,25 Stunden. Zusammen mit seinem Schwesternsatellit erzeugt er eine nächtliche, marsianische Szene von großartiger und seltsamer Pracht. Es ist gut, dass die Natur so gnädig und reichlich die marsianische Nacht erleuchtet, denn die grünen Marsbewohner sind eine nomadische Rasse ohne hohe intellektuelle Entwicklung und haben nur primitive Mittel für eine künstliche Beleuchtung. Sie verwenden Fackeln, eine Art Kerzen und eine einfache Öllampe, in der ein Gas erzeugt wird das ohne Docht verbrennt.
Die zuletzt genannte Vorrichtung erzeugt ein helles, weitreichendes, weißes Licht, aber die natürlichen Fundstellen für das benötigte Öl waren verstreut und weit entfernt. Es konnte nur durch Arbeit in einer Mine gewonnen werden. Die Kreaturen planten kaum im Voraus und hassten körperliche Arbeit, was dazu führte, dass sie sich in Äonen nicht weiter entwickelt hatten und immer noch Barbaren waren.
Nachdem Sola meine Decken wieder gerichtet hatte, schlief ich ein und erwachte nicht vor dem Morgen. Die anderen Bewohner des Raumes, fünf Weibchen, schliefen noch unter einem bunten Haufen von Decken und Fellen. Das schlaflose Wach-Monster lag immer noch ausgestreckt auf der Schwelle, so wie ich ihn am Tag zuvor gesehen hatte; offensichtlich hatte er sich keinen Millimeter bewegt. Er behielt mich im Auge und ich fragte mich was geschehen würde, sollte ich einen Fluchtversuch wagen.
Ich war schon immer bereit, Abenteuer zu suchen, zu Erforschen und zu Experimentieren, auch in Situationen in denen klügere Leute sich zurückgehalten hätten. Ich kam zu dem Ergebnis, dass die sicherste Methode, die Haltung des Biests mir gegenüber genau in Erfahrung zu bringen, darin bestand, zu versuchen den Raum zu verlassen. Ich war mir ziemlich sicher, dass ich einer Verfolgung durch ihn leicht entkommen könne, wenn ich erst einmal das Gebäude verlassen hatte, denn ich war stolz auf meine Sprungkraft. Außerdem erkannte ich an der Kürze seiner Beine, dass das Biest wahrscheinlich weder ein guter Springer noch ein guter Läufer war.
Langsam und sorgfältig stand ich auf und stelle fest, dass mein Bewacher das gleiche tat. Ich bewegte mich vorsichtig auf ihn zu und fand heraus, dass ich mich mit einem schlurfenden Gang einigermaßen rasch vorwärts bewegen konnte ohne das Gleichgewicht zu verlieren. Als ich dem Biest nahe kam, wich es vorsichtig vor mir zurück und wich zur Seite um mich vorbei zu lassen als ich die Tür erreichte. Dann hängte es sich an meine Fersen und folgte mir in einem Abstand von zehn Schritten, während ich durch die verlassene Straße schritt.
Offensichtlich war sein Auftrag nur, mich zu beschützen, so dachte ich zumindest im Moment, aber als ich den Stadtrand erreichte sprang es plötzlich vor mich, gab merkwürdige Laute von sich und fletschte seine hässlichen und grimmigen Hauer. Ich dachte mir, ein wenig Spaß auf seine Kosten könne nicht schaden, also hastete ich darauf zu, kurz bevor ich es erreichte sprang ich und landete weit hinter ihm und weit weg von der Stadt. Er verfolgte mich sofort mit der erschreckendsten Geschwindigkeit, die ich je gesehen hatte. Ich hatte mir vorgestellt, dass seine kurzen Beine keine großen Geschwindigkeiten erlauben würden, tatsächlich aber würde ein Windhund gegen ihn wirken wie eine Schnecke im Vergleich zu einem Eilzug. Später erfuhr ich, dass seine Rasse die schnellste Tierart auf dem Mars war. Wegen seiner Intelligenz, Loyalität und Wildheit wurden die Tiere bei der Jagd, im Krieg und als Beschützer eines Marsianers eingesetzt.
Ich sah ein, dass es schwierig werden würde, seinen Fangzähnen zu entkommen, wenn ich einen geraden Kurs beibehielt, also erschwerte ich seine Verfolgung, indem ich es einen Haken schlagend übersprang, sobald es mich fast erreicht hatte. Dieses Manöver verschaffte mir einen kleinen Vorteil und ich erreichte die Stadt mit einen kleinen Vorsprung. Als es rasend ankam, sprang ich zu dem Fenster eines Hauses, welches rund dreißig Fuß über dem Boden lag und von dem aus man das Tal überblicken konnte.
Ich packte die Fensterbank und zog mich in eine sitzende Position hoch, ohne einen Blick in das Gebäude zu werfen, dann betrachtete das verblüffte Tier unter mir. Mein Triumph war nur von kurzer Dauer, als ich gerade sicher auf der Fensterbank saß, packte mich eine große Hand im Nacken und zerrte mich gewaltsam in den Raum. Hier wurde ich auf meinen Rücken geworfen und über mir stand eine kolossale, affenähnliche Kreatur; weiß und haarlos abgesehen von einem enormen Büschel struppiger Haare auf dem Kopf.
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