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Dr. med. dent. Wolf Brockhausen

Ein Zahnarzt macht den Mund auf

Für eine ganzheitliche Zahnmedizin

ISBN 978-3-99025-438-7

Alle Rechte vorbehalten

© Freya Verlag 2021

Layout: freya_art, Regina Raml-Moldovan

Lektorat: Dorothea Forster

Der Inhalt dieses Buches wurde mit größter Sorgfalt erstellt, doch wie jede Wissenschaft entwickelt sich auch die Medizin ständig weiter. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Inhalte kann keine Garantie übernommen werden. Eine Haftung des Autors und des Verlags für Personen-, Sach- oder Vermögensschäden ist somit ausgeschlossen.

Inhalt

Einleitung
Einstimmung
Regelung für den Erwerb des Homöopathie-Diploms
Kleine optische Korrekturen
Alles nur geklaut
BPA in Kunststoff-Füllungen
Was Sie als Verbraucher tun können?
Keine Karies mehr
Alternative 1
Alternative 2
Biokompatibel
Amalgam
Kunststoffe
Reines Gold und Legierungen
Das Versiegeln
Der überempfindliche Zahn
Akuter und chronischer Schmerz
Pulpitis
Entzündung der Zahnwurzel
Andere akute Zahnschmerzursachen
Chronische Zahnschmerzen
Nicht-dentale Ursachen für Zahnschmerzen
Das Budget
Der Weisheitszahn
Der falsche Biss
Craniosacrale Phänomene
Bruxismus (das Knirschen)
Der tote Zahn
Amalgam
Das Entfernen von Amalgamfüllungen
Das sogenannte Ausleiten
Welche Zahnfüllungen also nach Amalgam-Entfernung
Das Inlay – Der Mercedes unter den Füllungen
Das Ölziehen
Der Zahnherd
Fluor – Fluoride
Natriumfluorid – Aminfluorid
Füllungen allgemein
Kunststoff-Füllungen
Die Wurzelspitzen-Resektion = WSR
Homöopathie und Zahnarzt
Kolloidales Silber
Kieferorthopädie (KFO)
Die Crozat-Schiene
Heileurhythmie
Kinder beim Zahnarzt
MIH
Mondeinfluss – Biorhythmus
Biorhythmus
Parodontose – und ihre Behandlung
Prophylaxe – Professionelle Zahnreinigung – PZR
Schüßler-Salze
Karies und Steinzeit-Kost
Unser Kind – gesund im Mund
Die ersten Monate
Das Stillen
Das Trinken
Nuckeln
Das Zahnen
Platzhalter
Zahnungsschmerzen
Putzen, vom ersten Zahn an
Zahnpflege und Zahnpasta
Zahnpasta
Versiegeln – Lacke – Prophylaxe
Der Zahnarztbesuch
Füllmaterialien
Zahn-Organ-Beziehungen
Zahnpasta – aus der eigenen Küche
Über den Autor
Einleitung

In unseren täglichen Lebensabläufen gibt es nur noch wenige Überraschungen. Sie sind durchgetaktet, durchgeplant und durchorganisiert.

Wenn Sie Lebensmittel kaufen möchten, betreten Sie den Markt, laden das Gewünschte in den Einkaufswagen und gehen zur Kasse. Damit es keine bösen Überraschungen gibt, stehen auf Anordnung des Gesetzgebers auf den Etiketten der Lebensmittel die verwendeten Inhaltsstoffe, die Sie entweder akzeptieren oder die Ware wieder zurückstellen. SIE entscheiden also, wie und wovon Sie sich ernähren und was Sie Ihrem Körper zuführen oder zumuten.

Im Zweifelsfalle besorgen Sie sich ein entsprechendes Buch, fragen bei Freunden nach oder googeln. Und wissen anschließend in der Regel, was Sie möchten oder ablehnen.

Ganz anders beim Zahnarztbesuch: Hier entscheiden nicht Sie, sondern der Zahnarzt, was für Sie richtig oder falsch ist. Auch wenn Produkte umstritten sind wie beispielsweise Fluoride, gegen die es wissenschaftlich-fundierte Gründe gibt – der Zahnarzt entscheidet, oftmals für Sie nicht nachvollziehbar, nach Gutsherrenart.

Wenn Sie Pech haben, müssen Sie endlos diskutieren, doch der Arzt setzt in der Regel seine Überzeugung durch, nicht zuletzt deswegen, weil er glaubt, es besser zu wissen oder weil er die ständigen Diskussionen leid ist und am längeren Hebel sitzt.

Immer wieder erreichen mich E-Mails wie die folgende als Hilferuf:

„Ich wollte Sie fragen, ob Sie einen Kollegen im Raum ... kennen, vor dem ich mich nicht rechtfertigen muss, warum ich Fluorid ablehne, wozu mir gerade auch die Stärke fehlt. Ich bin chronisch krank und mit 39 aktuell berentet.“

Nun – wie Sie in diesem Buch erfahren werden, ist ein Zahnarzt sowieso kein richtiger Arzt. Der rein allgemein-medizinische Anteil seiner Ausbildung (nicht die zahntechnisch/medizinische) entspricht, vorsichtig formuliert, der Stufe light.

Der Gesetzgeber formuliert das so: Ein Arzt oder eine Ärztin ist eine medizinisch ausgebildete und zur Ausübung der Heilkunde zugelassene Person.

Genau das ist der Zahnarzt aber nicht, er ist nicht zur Ausübung der Heilkunde zugelassen. Sondern lediglich zur Reparatur von Zähnen.

Der Apotheker darf daher keine allgemeinen Rezepte mit seiner Unterschrift annehmen, nur solche über Schmerz- und Beruhigungsmittel (Sedativa) und Antibiotika. Alles andere ist ihm gesetzlich verboten, weil der Zahnarzt in allgemeiner Medizin, aus gesetzlicher Sicht, zu wenig bewandert ist.

Mit welchem Recht fordert daher ein solch ärztlicher Schmalspur-Fachmann von Ihnen Rechtfertigungen, wenn seine eigenen medizinische Kenntnisse mal gerade für die Ausstellung eines Schmerz- und Antibiotikarezeptes ausreichen?

Es ist Ihr gutes Recht und Ihre Sorgfaltspflicht Ihnen selbst gegenüber, die Zuführung von Substanzen abzulehnen, von denen Sie nicht überzeugt sind, die Sie aber nach dem Willen des Zahnarztes Ihrem Körper ein Leben lang zumuten sollen. Das klingt doch sehr nach allwissendem Chefarzt-Modus, noch dazu mit dem medizinischen Halbwissen eines Zahnarztes.

Bitte haben Sie also in Zukunft den Mut, in solchen Fällen einfach aufzustehen und die Praxis zu verlassen. Diskutieren macht nur Sinn, wenn der Zahnarzt sich den Argumenten stellt, Ihre Meinung nicht von vorneherein vom Tisch wischt und auch Gegenteiliges gelten lässt, es geht schließlich um IHRE Gesundheit. Ich werde das noch mehrfach thematisieren.

Denn ein würde- und respektvolles Miteinander sieht anders aus. Ein Arzt, der seinem Beruf gerecht wird, hört Ihnen zu und schlägt Lösungen vor, die so gut es geht den Vorstellungen beider Seiten gerecht werden.

Ich wollte dieses Buch ursprünglich Das Abenteuer Zahnarzt nennen, weil die angesprochene ärztliche Arroganz leider immer noch weit verbreitet ist und Sie nicht sicher sein können, ob die Entscheidungen des Zahnarztes letztlich auch Ihren Bedürfnissen entsprechen. Denn ein arroganter Arzt hört Ihnen nicht ernsthaft zu – weil er natürlich alles besser weiß.

Bei allgemeinmedizinischen Auskünften und Ratschlägen wäre ich da aus diesen Gründen sehr skeptisch. Wie ernst manche Zahnärzte es dabei mit ihrer Verantwortung durch ihr mangelhaftes medizinisches Hintergrundwissen nehmen, sehen Sie am Beispiel des Hilferufes einer Mutter, deren Sohn am Von-Willebrand-Syndrom leidet, der bei weitem häufigsten angeborenen Blutungsneigung.

Diese Erkrankung zeigt sich durch eine schwere, nicht behebbare Störung im Blutgerinnungssystem, die auch unstillbare Blutungen im Magen-Darm-Trakt und im Nierensystem verursachen und daher tödlich enden kann.

„Ich brauche und bitte um eine zweite Meinung über Weisheitszähne. Mein Sohn ist 18 Jahre alt und unser Zahnarzt empfahl die Extraktion der Weisheitszähne. Da meine Sohn das Von-Willebrand-Syndrom hat mach ich mir darüber Sorgen. Gibt es eine Option damit noch zu warten, weil der Zustand beschwerdefrei und nicht kritisch ist?“

(E-Mail an mich im Januar 2021).

Der Leser denkt an dieser Stelle, er ist im falschen Film! Da ist ein junger Mann mit unauffälligen Weisheitszähnen, deren einziges Problem ist, dass sie nach Meinung des ZA dort nicht hingehören, also schleunigst gezogen werden müssten und deren Entfernung zu seinem Tod durch eine nicht-stillbare Blutung führen kann. Trotzdem empfiehlt sein Zahnarzt ihre Extraktion. Und das ist nicht der einzige mir bekannte Fall.

Dieses Buch berücksichtigt unangenehme Folgen einseitiger schul-zahnmedizinischer Überzeugungen für Sie, zeigt Ihnen, wie es anders oder vielleicht besser gehen kann und was einen ganzheitlich denkenden und handelnden Kollegen ausmacht.

Sie erfahren, warum die klassische Zahnmedizin für Ihre allgemeine Gesundheit nicht immer die beste Wahl ist und was die ganzheitliche Behandlungsweise anders macht. Und Sie erkennen, mit welch einfachen Mitteln, die obendrein nichts kosten, Sie auf diesem Wege Ihre Zahngesundheit dauerhaft erhalten können. Ich möchte hier ganz bewusst nicht die übliche Reklame machen für tägliches Zähneputzen und professionelle Zahnreinigung, die meiner Überzeugung nach eher dem Umsatz als der Zahnerhaltung dient. Die Begründungen dafür liefere ich Ihnen später.

Weil die Zahnmedizin ein sehr spezielles Fachgebiet ist, kann ich all das, was Sie interessiert, nicht auf wenigen Seiten abhandeln. Sicherlich werden Fragen und Themen offenbleiben. Aber ich habe versucht, die meisten der Antworten auf die Fragen meiner Patienten in 40 Jahren Praxis hier zusammenzufassen.

Da ist als typisches Beispiel die E-Mail eines besorgten Patienten, der eine Veränderung an seinem Weisheitszahn folgendermaßen beschrieb:

„Der Weisheitszahn ist gewachsen und oberhalb nicht mehr mit Fleisch bedeckt. Die volle Größe hat er noch nicht ganz erreicht. Zwei angedunkelte Stellen deuten aus meiner laienhaften Sicht auf Karies hin – eine an einer Zahnspitze, die andere in der Zahnmitte. Nun befürchte ich, dass der Zahnarzt schon wieder, wie auf der Gegenseite, eine Extraktion vorschlagen wird. Wir möchten aber einem solchen Vorschlag aus den schon besprochenen Gründen nicht folgen. Nebenbei bemerkt ist der im Kiefer gegenüberliegende Weisheitszahn schon seit Jahrzehnten mit einer Zahnfüllung versehen ohne je zu Sorgen Anlass zu geben. So hoffen wir, dass auch der problembeschwerte Weisheitszahn eine Zahnfüllung gut vertragen könnte. Dürfen wir Sie um Ihren Rat bitten?“

Ich antwortete ihm, dass ich zwar keine Ferndiagnosen stellen dürfe, die Antwort aber dennoch ganz einfach sei. Das Problem liege in seiner zu hohen Einschätzung des medizinischen Wissens eines Zahnarztes. Da dieser weder allwissend noch ein Allgemein-Arzt ist, stellt er seinen Patienten – wie im Übrigen jeder Handwerker – lediglich sein angelerntes Fachwissen zur Verfügung, ohne Anspruch auf Richtigkeit bzw. Vollständigkeit.

Mancher Zahnarzt sieht das anders und ist von seiner Unfehlbarkeit überzeugt. Das ist sein gutes Recht, entspricht aber nach allgemeiner Erfahrung kaum der Wirklichkeit.

Daher: Sagen Sie ihm freundlich und unmissverständlich, dass Sie ihn in diesem Falle einfach um zwei Füllungen am Weisheitszahn bitten – und nicht um seine ablehnende Meinung dazu.

Natürlich kann er ablehnen und es als unmöglich, zahntechnisch zu schwierig oder sinnlos darstellen. Und Sie können dann entscheiden, ob Sie diesem Menschen Ihr Gebiss weiterhin anvertrauen oder doch lieber zu einem geschickteren und zugänglicheren Kollegen wechseln. Wir Zahnärzte sind ausgebildet, auch schwierige technische Aufgaben zu lösen. Wenn er sich das nicht zutraut oder lieber Zähne zieht, sagt das etwas über sein Berufsverständnis aus und nicht über eine eventuelle Machbarkeit.

Bitte niemals vergessen: Sie sitzen ihm NICHT als Bittsteller, sondern als Auftraggeber und Kunde gegenüber. Manchmal genügt bereits der Wechsel zu einem erfahreneren oder geschickteren Kollegen, um Ihren Wünschen zu entsprechen. Denn wenn ein Handwerker einen Auftrag als schwierig bis unmöglich bezeichnet, muss das nicht immer den Fakten entsprechen. Es kann z. B. auch finanzielle Gründe haben, weil eine andere Lösung einfach mehr Gewinn bedeutet (Da lohnt sich keine Reparatur mehr – das kaufen Sie besser neu).

Also Kopf hoch und Ihrem Gegenüber Ihre Vorstellungen (NICHT als schüchterne Bitte) verdeutlichen. Und wenn das angeblich nicht geht – einfach einen anderen Zahnarzt fragen. Der Kollege in der nächsten Straße freut sich sicherlich über einen neuen Patienten. Es geht schließlich um IHRE Gesundheit. Nicht um die des Kollegen.

Natürlich darf ein Zahnarzt nicht auf Wünsche eingehen, die Sie nachweislich schädigen. Einen Zahn zu ziehen auf Ihren Wunsch hin brächte ihn vor den Kadi. Aber zwischen nachweislich schädigen und anderer Überzeugung sein liegt schon ein weites Feld.

Wenn er daher Ihre Wünsche ablehnt, sollte er das in einer für Sie verständlichen Sprache ohne Fremdworte tun und Ihnen genau erklären (oder Sie fragen nach, bis Sie ihn verstanden haben) WARUM er das nicht für sinnvoll hält. Für dieses ärztliche Gespräch muss immer ausreichend Zeit sein.

Ein einfaches Ablehnen in Form von: Das machen wir nicht, Das geht nicht oder noch übler Das müssen Sie schon mir überlassen ohne unmissverständliche und freiwillige Erklärung zeugt von Hochmut und Missachtung Ihrer Person und Ihrer eigenen Wichtigkeiten. Seien Sie konsequent und verdeutlichen Sie ihm das. Sie können außer Ihrer Gesundheit nichts verlieren. Wenn Sie Ihrem Zahnarzt diese Mühe nicht wert sind, wechseln Sie einfach den Behandler. Sie brauchen Vertrauen zu Ihrem Zahnarzt. Und das muss er sich erstmal verdienen.

Und was das Lieblingsthema der meisten Praxen, die Prophylaxe / Professionelle Zahnreinigung angeht: Anstatt dafür zu schwärmen, sage ich Ihnen lieber, warum das Vorbeugen durch Prophylaxe längst nicht bei jedem den gewünschten Erfolg hat und das Geld dafür manchmal besser im Sparschwein aufgehoben ist. Warum die Aussage langfristig gesunde Zähne sehr kritisch gesehen werden kann und vor welchen der üblichen Materialien, die Ihr Zahnarzt für völlig ungefährlich hält, Sie sich meines Erachtens hüten sollten, wenn Ihnen etwas an Ihrer Gesundheit liegt.

Wenn es einen einfachen, allgemeingültigen Weg zur Zahngesundheit gäbe mit effektiver Vorbeugung, hätten wir längst keine Karies und keine Zahnlücken mehr. Und es gäbe als Folge kaum noch Zahnmedizin und keine Dentalindustrie mit märchenhaften Umsätzen:

2019 Umsätze Deutschland im Durchschnitt

 Zahnärzte je Praxis 530.000 €

 Dentallabore 515.000 €

 Dentalindustrie insgesamt 5,545 Mrd. € pro Jahr.

[Quelle: Wikipedia, daher ziemlich sicher untertrieben]

Und alle verdienen märchenhaft daran, dass es eben NICHT so einfach, sondern unter normalen Bedingungen kaum möglich ist.

Könnte es nicht sein, dass in einem marktwirtschaftlichen System, in dem sich letztlich alles um Zähne dreht, das Interesse an gesunden Zähnen möglicherweise doch recht begrenzt ist, weil am Bearbeiten und Ersetzen von Zähnen märchenhafte Umsätze hängen?

Ein Zahnarzt mit einer Vielzahl von längerfristig zahngesunden Patienten verdient hingegen – NICHTS. DAS sollten Sie bei allem Kummer um Ihre Zähne immer im Hinterkopf behalten, wenn Ihnen jemand einfache Wege verspricht.

Wenn Sie also tatsächlich Ihre Zahngesundheit verbessern wollen, nützt meiner Erfahrung nach die alleinige regelmäßige Prophylaxe überhaupt nix. Die füttert nur das dentale System.

Ich sage Ihnen, warum das so ist und was Sie alternativ besser machen können.

„Tut mir leid, morgen kann ich nicht, da habe ich einen Zahnarzt-Termin.“

Der Mensch am anderen Ende der Leitung seufzt tief. „Ich wünschte, ich hätte es schon hinter mir.“

Warum sind wir bloß derart mit Unbehagen erfüllt, wenn wir uns in die Hände eines Zahnarztes begeben? Die moderne Zahnmedizin sorgt schon dafür, dass wir nicht unnötig leiden müssen. Trotzdem haben viele Menschen ein Gefühl von drohendem Unheil und entsprechend mitfühlend wird das auch von der Umwelt kommentiert.

Hat der Patient erst einmal Platz genommen, ist kaum Zeit für erläuternde Gespräche. Denn Zeit ist Geld, auch beim Zahnarzt. Nicht selten ist der Patient eingeschüchtert durch die erhoffte Fachkompetenz des Arztes. Und traut sich natürlich nicht den Zahnarzt zu unterbrechen oder gar nachzufragen. Ich möchte Ihnen also Mut machen zu einem ernsthaften Dialog mit dem behandelnden Zahnarzt.

Time is money, sicherlich – aber doch bitte nicht auf Ihre Kosten! Wenn der Zahnarzt nicht bereit ist, dem im Moment wichtigsten Menschen in seinem Leben, dem Patienten vor sich, der immerhin seine gut gepolsterte Existenz finanziert, ausreichend Zeit für befriedigende Antworten zu schenken, sollten Sie sich fragen, ob Sie in den richtigen Händen sind.

Sicherlich spielt bei Ihrem Unbehagen auch der Eindruck ausgeliefert zu sein eine wichtige Rolle. Denn kaum ist die Begrüßung vorbei, beginnt der Zahnarzt unverzüglich mit seiner Arbeit. Leider nimmt sich nicht jeder Zahnarzt aus wirtschaftlichen Gründen Zeit für ein persönliches Wort, für Erklärungen oder Erläuterungen. Ich kenne Kollegen, die aus Rentabilitätsgründen den Patienten nicht einmal begrüßen, er liegt bereits im Behandlungsstuhl perfekt vorbereitet, den Speichelsauger schnorchelnd im geöffneten Mund.

Time is money.

Das weiß auch der Patient und traut sich daher kaum den Doktor zu unterbrechen und noch seltener nachzufragen, was der Arzt denn nun in seinem Mund gefunden hat, was der Befund für ihn bedeutet und erst recht nicht, ob es zur Meinung des Arztes eine Alternative gibt.

Wie bemerkte noch ein kluger Mensch leicht satirisch:

„Wenn du deinen Arzt wechselst, solltest du dich vorher nach seiner Lieblingsdiagnose erkundigen.“ Denn die wird er möglicherweise auch bei Ihnen stellen, ganz gleich, was Sie plagt.

Der Doktor ist für viele Menschen immer noch eine Respektsperson. Das soll auch gerne so bleiben. Aber Sie können im Gegenzug auch seinen Respekt Ihnen gegenüber erwarten und einfordern. Vielleicht würde Ihnen das viel Kummer ersparen.

Er sollte Ihnen genauso respektvoll zuhören, wie Sie ihm, und Ihre Gedanken und Befürchtungen ernst nehmen und darauf eingehen. Er sollte versuchen, Ihnen seine Meinung und Überzeugung in verständlicher Sprache, möglichst ohne Fremdworte, darzulegen, ohne Sie zu bevormunden oder Ihnen seine Meinung überzustülpen oder gar Ihre Befürchtungen ohne Erläuterung vom Tisch zu wischen. Tut er das nicht, fragen Sie so lange nach, bis Sie es verstanden haben. Das gehört zu seinen Pflichten!

Sie wollen ja gar kein Besserwisser sein – Sie wollen nur verstehen und mitentscheiden dürfen. Denn vielleicht ist Ihnen ja ganz anderes wichtig als dem Fachmann vor Ihnen.

Er ist – genau wie Sie – nur ein Mensch mit all seinen Ängsten, Vorurteilen, seelischen Verwundungen, gelegentlichem Unausgeschlafensein, Ärger mit Kids, Partner, Finanzamt oder Angestellten, Abneigungen und Lieblingsmeinungen und daher wie jedermann anfällig für Fehler und Irrglauben.

Das DR. vor seinem Namen ist lediglich so etwas wie ein Fleißkärtchen als sichtbares Zeichen, dass er sich für ein paar Monate mit einem selbst gewählten Thema beschäftigt hat, das nicht einmal mit Medizin zu tun gehabt haben muss. Es genügen bereits statistische Themen, also Rechenaufgaben. Es sagt daher nichts über besondere intellektuelle, menschliche oder ärztliche Fähigkeiten aus!

Denn der Weißkittel vor Ihnen ist bei weitem nicht klüger als Sie ... er hatte lediglich das Glück eines Elternhauses, ihm eine Ausbildung mit anderen Schwerpunkten zu finanzieren.

Daher sollten Sie von ihm als Zeichen seines Respektes vor Ihnen seine Akzeptanz Ihrer Meinung erwarten können. Auch wenn er anderer Meinung sein sollte – die letzte Weisheit hat niemand mit Löffeln gefressen und irren ist menschlich.

Bereits Albert Einstein litt unter der Einsicht:

Es ist schwieriger, eine vorgefasste Meinung zu zertrümmern, als ein Atom.“

Einstimmung

Es roch immer irgendwie nach heißem Wachs. Doktor Gensler gehörte zu den Zahnärzten, die die Zahnprothesen selbst in der Praxis anfertigten. Und da war im Nebenraum auch immer wieder dieses eigenartige hohe Sirren, das sich mit dem Klirren von abgelegtem Stahl auf Porzellan abwechselte.

Ich war etwa vier Jahre alt, als sich mein Lebensweg in den Räumen dieser betagten Praxis mit ihrem abgelaufenen Linoleum und dem bunten Sammelsurium an verschlissenen Wartezimmerstühlen entschied. Auch heute noch vermittelt mir der Geruch von heißem Modellierwachs im zahntechnischen Labor jene eigenartige Faszination meiner Kindheit, die geheimnis- und verheißungsvoll von handwerklichem Geschick und Medizin sprach.

Natürlich kann ich nur bei sehr wenigen Menschen eine ähnliche Begeisterung für meinen Beruf wecken. Der Gang zum Zahnarzt ist nun mal für viele Menschen wie ein Gang zum Schafott. Dieses Buch soll aber ohnehin keine zahnärztliche Leidenschaft wecken. Es soll Ihnen als Laien deutlich machen, was Sie von Ihrem Zahnarzt erwarten können, wo seine Grenzen sind und wo Sie als Patient getrost anderer Meinung sein können und dürfen. Seine weiße oder uni-farbene Kleidung oder sein Arzt-Titel ist kein Freifahrtschein fürs Rechthaben.

Oder wenn Sie unnötige Risiken für Ihre Gesundheit in Kauf nehmen sollen. Beispiel: Der Zahnarzt versichert Ihnen mit ernster Miene: Amalgam ist längst nicht so schädlich, wie es immer von der Boulevard-Presse dargestellt wird. Ich habe es selber im Mund.

Erstens wird er Ihnen das wohl kaum mit aufgerissenem Mund zu beweisen versuchen und zweitens, wenn er denn tatsächlich noch Amalgam im Mund haben sollte – ich habe solche Kollegen erlebt – kann jeder mit seiner eigenen Gesundheit machen, was er will. Er sollte Ihnen nur nicht seine Überzeugungen als allgemeingültig verkaufen.

Nichts liegt mir dabei ferner, als das Vertrauen der Patienten in meinen Beruf untergraben zu wollen.

Frau Schmelzinger war eine imposant geschminkte und stets mit eindrucksvollem Schmuck behängte ältere Dame. Sie legte offensichtlich großen Wert auf ein gepflegtes Äußeres, betonte bei jeder Gelegenheit, dass sie die Ehefrau eines Konsuls war, und wünschte, auch so angesprochen zu werden. Nun saß sie ratlos und verzweifelt vor mir und schilderte einen deprimierenden Leidensweg mit ständigen unklaren Schmerzen, die kurz nach dem Eingliedern einer Brücke aufgetreten waren. Mehrere Kollegen waren an seiner Lösung bereits gescheitert.

Mir dämmerte, dass dieses Problem eine völlig andere Ursache haben musste, denn mein Ausbildungswissen aus Feinmechanik und medizinischem Grundwissen half hier nicht. Ich wusste zwar, wie man mit perfekten Kronen und Brücken aus einem hässlichen Entlein einen wunderschönen Schwan zauberte – wie dieselbe zahnärztliche Arbeit jedoch aus einer energiegeladenen Frau ein Häuflein Elend machte, wusste ich (damals noch) nicht.

Und diese Ratlosigkeit war der Anlass, mich mit dem Unsichtbaren hinter dem gelernten Wissen zu beschäftigen.

Meine Mutter war 2 Jahre zuvor an Brustkrebs erkrankt. Diese Erkrankung hing wie eine dunkle Wolke über unserer Familie. Die linke Brust wurde entfernt und der Chirurg drängte auf eine Bestrahlung, verbunden mit Chemotherapie.

Die 70er-Jahre waren die Zeit des Aufbruchs aus alten Denkzwängen, ich durfte außerhalb der Wohnung keine Jeans tragen, weil das doch Arbeiterhosen waren. Und auch am Familientisch waren sie nur als Ausnahme gestattet.

Meine Haare trug ich lang, wie die Beatles sie trugen. Und auch in der Medizin war dieser Aufbruch zu spüren.

Mein Vater war selbstständiger Ingenieur und musste zum Missfallen meiner Mutter immer wieder mal mit Geschäftspartnern essen gehen. Meine Mutter lehnte es in der Regel ab, ihn zu begleiten, weil die Tischgespräche sich meist um Beruflich-Technisches drehten.

Anlässlich eines dieser Essen bekam mein Vater die Adresse eines alten Dortmunder Arztes, Dr. Heinz Kubina, der, für die damalige Zeit noch völlig unüblich, mit alternativen Methoden behandelte.

Und daran erinnerte mein Vater sich nun. Meine Mutter bekam rasch einen Termin bei ihm, verbunden mit der dringenden Empfehlung, sich auf gar keinen Fall bestrahlen zu lassen und auch statt der Chemotherapie gäbe es anderes und ließ sich, ebenfalls auf seinen Rat hin, zwei tote Zähne entfernen.

Wir alle änderten in der Folge unsere Ernährungsweise grundlegend und konsequent: viel Rohkost, keinen Zucker mehr (nicht der Karies wegen, sondern aus ernährungsphysiologischer Sicht), milchsaures Gemüse, regelmäßige Fastentage und statt der aggressiven Medikamente gab es nun einen regelmäßigen Cocktail aus Ozon, Enzymen, Mistel, Eigenblut (ist zur Zeit leider verboten), Nahrungsergänzungsmitteln, meditative Einkehr mit Imaginationsübungen (Simonton, siehe später) und manches andere – für die damalige Zeit (1975) sehr ungewöhnlich, denn die offizielle Medizin verteufelte mit ihrer allzu bekannten Arroganz selbstherrlich und überheblich dieses gesamte unwissenschaftliche Zeugs, ohne auch nur im Geringsten zu wissen, worum es sich dabei handelte. Eben Schulmedizin vom Feinsten.

Meine Mutter hatte jedoch Vertrauen gefasst. Die Psychoonkologie, die Dr. Carl Simonton (1942–2009) zusammen mit seiner Frau Stephanie gefunden hatte und deren Regeln sich mit dem Gedankengut meiner Mutter verbanden, wies dabei verblüffende Erfolge auf.

70 % der vorher ausbehandelten Patienten (so nennt man Kranke, denen mit herkömmlichen Methoden nicht mehr weitergeholfen werden konnte) und die mit einer prognostizierten Lebenserwartung von vielleicht noch einem halben Jahr nach Hause geschickt wurden, hatten nach Anwendung der Simonton-Methode anschließend keine feststellbare Krebserkrankung mehr. Auf Simonton komme ich später noch einmal zu sprechen.

Was immer man auch von der alternativen Medizin und solchen ungewöhnlichen Methoden halten mochte – meine Mutter starb erst 40 Jahre später, gesund, mit der Welt versöhnt und in sich ruhend mit 96 Jahren, ohne auch nur einen einzigen Rückfall gehabt zu haben. Ihr damaliger Chirurg hingegen suchte diesen alternativen Arzt wegen seiner Erfolge leider zu spät nach dem Auftreten von eigenem Lungenkrebs und dem Versagen der Schulmedizin an ihm selbst auf – und wurde kaum ein Jahr später zu Grabe getragen.

Heute weiß ich, dass die Ganzheitliche Zahnmedizin die Zahnmedizin der Zukunft sein wird. Wenn wir das Kausystem nicht mehr isoliert vom Rest des Organismus und den ganzen Menschen nicht mehr isoliert von seinem Umfeld betrachten und behandeln, können wir besser und erfolgreicher auf die Bedürfnisse unserer Patienten eingehen.

Die Notwendigkeit ganzheitlichen Denkens ergibt sich schon aus den vielfältigen Vernetzungssystemen unseres Organismus. Wir lernen in der modernen Medizin immer weitere Vernetzungssysteme kennen:

 das System der Grundregulation

 das unspezifische Immunsystem

 das spezifische Immunsystem zusammen mit dem Lymphsystem

 das Blutkreislauf-System

 das hormonelle System usw.

Damit war für mich der Weg vorgezeichnet, das universitäre Wissen nur als Handlauf zur Orientierung und nicht als für alle Zeiten festgefügte Eisenbahnschienen, an denen nicht gerüttelt werden durfte, zu begreifen.

So begann mein Weg in die eigentliche Medizin, mein Freischwimmen aus dem von der Schulmedizin betreuten Denken, dem endlich fruchtbaren Neben- und Miteinander der verschiedenen Denkschulen, dem Mut zum Wer heilt, hat Recht, statt der Frage Wo und wann ist diese Studie denn veröffentlicht worden?, wie auch den Streitereien der Ärzte untereinander: Da kenne ich aber ganz andere Studien.

Denn genau hier liegt unser aller Problem: Wir leben oftmals widerspruchslos in einer Welt voller (zumeist) selbst ernannter Fachleute. Das Internet ist dafür das beste Beispiel. Ob derjenige, dessen Auskunft wir auf dem Bildschirm suchen, nun ein sog. Influencer oder ein Oberarzt der Charité in Berlin ist, spielt dabei keine Rolle. Wir können aus unserem bequemen Sessel heraus nicht die Kompetenz desjenigen beurteilen, der uns anscheinend kluge Ratschläge erteilt.

Es reicht meist, dass er sich als kompetent dar- oder vorstellt – wie der damalige Chefarzt am Krankenbett meiner Mutter, der ihr nicht helfen konnte, der namenlose Autor im Internet oder der Verfasser der Hitler-Tagebücher im STERN, Konrad Kujau, die für Experten aufregende Originalexemplare waren – und sich lediglich als genial-kreativer Umgang mit der Leichtgläubigkeit der Menschen herausstellten.

Das geschriebene (und veröffentlichte) Wort, das Gesicht auf dem Bildschirm oder die weiße Berufskleidung allein verleihen einer Aussage dummerweise eine Kompetenz, die unserem Bauchgefühl, unserem normalerweise instinktiven Beurteilen einer Situation, sehr schnell den Wind aus den Segeln nimmt.

Denn es war ja im Fernsehen oder es stand ja in der Zeitung oder Du kannst es ja googeln.

In der Naturwissenschaft (und dazu gehört auch die Medizin) wird auf dieser Schiene in unfassbarem Umfang gemogelt, betrogen und geklaut. Wissenschaftler (und damit auch Ärzte) nutzen und missbrauchen oftmals ihren bisher untadeligen Ruf, um Kritiker abzuschmettern und zu Kongressen und Vorträgen weltweit eingeladen zu werden. Auch dazu finden Sie in diesem Buch ein kurzes Kapitel (Alles nur geklaut).

Die Leidtragenden sind dann meist die Kranken, die sich Hoffnungen machen auf ein Verkürzen ihrer Leiden oder hoffen, sie sogar beenden zu können.

Im schlimmsten Falle bringen sie anschließend missgebildete Contergankinder zur Welt, weil sich die Mütter darauf verließen, dass dieses Schlafmittel ja nach einhelliger offizieller Meinung der Experten und Aussagen der Hersteller mit Sicherheit völlig unschädlich, in langen Testreihen erprobt und die Zulassung staatlich genehmigt war.

Die Medien (dazu zähle ich auch die Standesvertreter in weißen Kitteln) stehen dabei stellvertretend für die Welt der Wissenschaft; die selbst ernannten Ratgeber ersetzen schnell kritisches Hinterfragen, weil das unbequem und langsamer ist als das einfache und schnelle Anklicken eines kompetent erscheinenden Unbekannten, von dem wir aber nicht wissen, ob er vielleicht nur ein Influencer, Wichtigtuer, Blender oder Profilneurotiker ist. Mutter GOOGLE hat für viele Menschen mittlerweile die eigene Lebenserfahrung, gesunde Distanz und kritische Selbstwahrnehmung komplett ersetzt.

So auch in diesem Fall von Frau Schmelzinger: Die Kollegen stimmten überein, dass die Patientin seelische Störungen haben MUSSTE, denn die Ursache von Symptomen, deren Herkunft unerklärlich waren, konnte logischerweise NUR in der Psyche der Patientin liegen – und selbstverständlich nicht in der Unfähigkeit der Kollegen. Und so erklärte man sie flugs zur psychisch Kranken und stellte sie mit Psychopharmaka ruhig. Damit wurde sie zu einer bequemen Patientin, denn das Nörgeln über ihre Beschwerden ließ nach, das Umfeld konnte aufatmen und sich endlich Wichtigerem zuwenden.

Welche Ursachen nun Frau Schmelzinger das Leben zur Hölle machten und für viele andere ähnliche Leidensgeschichten verantwortlich sind, werde ich im Kapitel Der falsche Biss näher erläutern.

In meiner Weltschau der Notwendigkeit, nach größeren Zusammenhängen Ausschau zu halten, ist eine Zahnbehandlung untrennbar mit der Sicht auf den ganzen Menschen verbunden. Jedoch – dem klassischen Zahnarzt fällt ein ganzheitliches Denken nicht leicht. Er hat es schlichtweg nicht gelernt. Warum ist das so?

Für die Antwort müssen wir einen kurzen Blick auf seine Geschichte werfen. Die Zahnmedizin ist eine verhältnismäßig junge Wissenschaft und weitaus weniger eine Geschichte der ZahnMEDIZIN als eine Geschichte der ZahnREPARATUR von handwerklich ausgebildeten Wund-Chirurgen, von technischer Reparatur und von Zahnersatz. Der Begriff ZahnARZT stiftet hier Verwirrung. Ein Arzt ist ein medizinisch ausgebildeter und zur Ausübung der Heilkunde zugelassener Heilkundiger. Beides trifft auf den Zahnarzt NICHT zu. Er ist Reparateur technisch-mechanischer Defekte.

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts beschränkte sich die Ausbildung auf eine Lehre bei einem Bader, Barbier oder Chirurgen und wurde ohne den Nachweis einer schulischen Vorbildung absolviert.

Ab 1835 galt in Preußen eine zweijährige chirurgische Ausbildung als Wundarzt 2. Klasse, also eines handwerklich ausgebildeten Chirurgen der zweiten Qualifikationsstufe, als Voraussetzung zur Ausübung des Zahnarztberufes.

1869 erlaubte die sog. Kurierfreiheit die Ausübung ohne medizinische Ausbildung und ohne Approbation (der staatlichen Zulassung).

Noch 1879 nennt der Berliner Zahnarzt Karl Sauer in seiner Erhebung über Fachunkundige, die zahnärztliche Behandlungen ausführten, folgende Berufe:

Barbiere, Friseure, Gastwirthe, Porzellanreisende, Goldarbeiter, Barbierstochter, Malergehilfe, Buchhändler, Lazarethverwalter, Kreisgerichtssecretair, Schauspieler, Kegelbahnwirth, Thier­arzt, Drechslergeselle, Kaminfeger, Wundarzt, Schauspielerswitwe, Opernsänger und Invalide.

Für die Zahnbehandler ohne Universitätsabschluss schlugen die wenigen akademisch ausgebildeten Zahnärzte zur Abgrenzung und zur Sicherung ihrer Pfründe die ironisch-abwertenden Berufsbezeichnungen Zahnarbeiter beziehungsweise Gebissarbeiter vor.

Dem Zahnarzt wurde also recht spät seine universitäre Zugehörigkeit gewährt und er hat daher von der jahrtausendealten Entwicklung der Allgemeinmedizin wie auch vom allgemeinen gründlichen medizinischen Wissen des Allgemeinarztes nicht viel mitbekommen.

Eine klare Voraussetzung, zum begehrten Stand der Doktoren zu gehören, war das Abitur. Aber Mitte des 19. Jahrhunderts war das Abitur in Europa noch keine Voraussetzung für das Studium der Zahnmedizin.

Sie war bis dahin der Philologischen Fakultät zugeordnet, deren Studenten daher als Immature (ohne Reife) galten – als Studierende ohne Abitur. Die Promotion (Erlangung der Doktorwürde) wurde insbesondere deshalb angestrebt, um sich als Akademiker von den Zahnkünstlern und den späteren Dentisten – die sich ebenfalls Zahnärzte nennen durften – zu unterscheiden.

Zahnmedizinische Promotionen nehmen im Vergleich mit Promotionen in anderen Fächern eine Sonderrolle ein. Sie sind hinsichtlich Anspruch und Umfang oft eher mit Diplomarbeiten in naturwissenschaftlichen Fächern zu vergleichen.

Die vorherrschende Beanspruchung von medizinischen Zuständigkeiten durch Allgemeinmediziner war bis in die 1930er-Jahre ein Problem für die junge zahnärztliche Disziplin.

Denn ihre Priorität lag von vorneherein auf dem handwerklichen Aspekt des Berufes und das allgemeinmedizinische Wissen ordnete sich auf das notwendige Maß dem unter. Wer das nicht regelmäßig und freiwillig auf Fortbildungen auffrischte, war bald darauf nur noch akademischer Handwerker.

Aus diesem Selbstbild stammt auch die leichte Geringschätzigkeit, mit der Allgemeinärzte oftmals auf den kleineren Bruder Zahnarzt herabsehen – gepaart mit dem Neid auf ein gutes Einkommen.

Andererseits war da aber auch der dringende Wunsch der Zahnärzteschaft, in ihrem Beruf akademische Anerkennung zu finden. Denn man kann es drehen, wie man will – die medizinische Fachwelt findet außerhalb statt.

Erst im 20. Jahrhundert erlangte die Zahnmedizin für ihr sehr kleines Fachgebiet dann ein vergleichbar hohes wissenschaftliches Niveau, ähnlich der Medizin.

Dieser Weg ist wichtig, um den modernen Zahnarzt zu verstehen. Er begann als Wundarzt 2. Klasse und reifte zum Bio-Techniker und Bio-Ingenieur, der verloren gegangene Zahnsubstanz wiederherstellen, gezogene durch künstliche Zähne ersetzen und sogar künstliche Wurzeln in den Knochen einfügen kann.

Er entfernt kranke oder tote Nerven aus Zähnen, verändert die Position und Anordnung von Zähnen mit Klammern und hilft Menschen, die alle Zähne verloren haben, wieder ausreichend kauen zu können.

Und er tut es aus seinem eigenen technischen Verständnis der Medizin heraus. Er begreift sich weitaus eher als Zahn-Ingenieur, der Probleme in einem technischen Rahmen löst, als jemand, der in übergeordneten Zusammenhängen denkt.

Ein Zahnarzt, der Zähne beispielsweise auch als Symbol für Durchsetzungsvermögen sehen kann (Zähne fletschen, Standort verteidigen) und demzufolge eine Zahnlockerung einem Leiden unter mangelndem Durchsetzungsvermögen zuordnet, ist extrem selten. Er kennt eben eher den technischen Aspekt.

In diesem Ratgeber geht es mir nicht darum, andersdenkende Kollegen oder die sogenannte Schulmedizin belehren zu wollen oder gar zu verunglimpfen.

Der heutige Zahnarzt hat sich mühsam im Laufe der Jahrhunderte vom Bader, der heute Friseur heißt, zum hoch spezialisierten Facharzt weiterentwickelt.

Wenn der Patient einen technisch ausgefuchsten Spezialisten für seine Zahnprobleme sucht, ist er bei einem Zahnarzt, einem akademisch bestausgebildeten Feinmechaniker, an der richtigen Adresse.

Dieser begreift allerdings von seinem Selbstverständnis her den Zahn nicht als Teil einer größeren Einheit mit all seinen Verflechtungen, wie ein Arzt es täte, sondern als handwerklich-technische Herausforderung, den Zahn also NUR als Werkstück, den umzuarbeiten oder anzupassen er angetreten ist.

Der im Laufe der Jahrzehnte seine Arbeiten mit immer verfeinerterem technischem Gerät durchführt, mit dem Mikroskop bewundernswert in schwierigster Umgebung arbeitet, wenn er beispielsweise winzigste Wurzelkanäle im Mund reinigt und füllt.

Aber er ist und bleibt ein Handwerker, der sich auf sein handwerkliches Können auf hohem Niveau verlässt.

Der Patient sollte jedoch keinen Zahn-ARZT erwarten, dessen Wissensgrundlage über das im Studium vermittelte medizinische Grundwissen hinausgeht, wenn wir die allgemeine Definition eines Arztes zugrunde legen.

Aus guten Gründen verbietet der Gesetzgeber dem Apotheker, das Rezept eines Zahnarztes einzulösen, wenn darauf anderes als Dentalpharmazeutika, Analgetika (Schmerzmittel), Antibiotika oder Sedativa (Beruhigungsmittel) verordnet werden. Weil er nur in deren Anwendung ausgebildet ist und die Rezeptpflicht ansonsten sinnlos wäre. Nicht mal die Pille darf er seiner Frau oder Tochter verschreiben, im SARS-CoV-2-Zeitalter keinen Rachenabstrich für einen Corona-Test durchführen und auch nicht Blut abnehmen für andere Tests und Belange. Weil er nun mal kein Arzt nach allgemeiner Definition und Ausbildung ist.

Seit dem Altertum durchlief der spätere Heilkundige, zunächst oftmals ein Priester, sogenannte Ärzteschulen (z. B. Schule von Kos, Schule von Knidos, Alexandrinische Schule), die sich hinsichtlich ihrer Wissensvermittlung an unterschiedlichen ärztlichen Theorien (z. B. Methodiker, Pneumatiker, Hippokratiker) und philosophischen Strömungen (z. B. Epikureer, Stoiker) ausrichteten.

Die moderne Ausbildung von Ärzten begann im 18. Jahrhundert mit der Erweiterung des naturwissenschaftlichen Wissens und der Einführung von systematischem praktischem Unterricht am Krankenbett.

Diese umfassende Ausbildung, verbunden mit tieferem Wissen um die menschliche Natur, hat das Selbstverständnis der Zahnärzte immer schon gewurmt ... nur der kleine Handwerksbruder des ärztlichen Standes zu sein.

Um diese Lücke zu schließen, hat sich in den letzten 40 Jahren der ganzheitlich ausgebildete, biologische oder Ganzheitliche Zahnarzt herausgebildet. Dieser sieht sein Handeln in größere medizinische Zusammenhänge jenseits der Mundhöhle eingebettet und verfügt über ein weitaus umfassenderes Wissensspektrum darüber, was sein zahnärztliches Handeln im Organismus zur Folge haben kann.

Der Zahnfeinmechaniker ist dabei keine Erfindung der Neuzeit. Bereits die Ägypter um 2600 und später die Etrusker 800–300 v. Chr. entwickelten in der Toscana wahre Meisterschaften im Herstellen von Zahnersatz aus gezogenen oder geschnitzten Zähnen, verbunden mithilfe von dünnem Golddraht oder Goldblechen. Ihre Metallurgen erzeugten aus allergenarmen Gold-Silber-Kupfer-Legierungen hochbelastbaren Zahnersatz, der den Vergleich mit modernen Arbeiten nicht zu scheuen braucht.

Ludwig XIV. dem französischen Sonnenkönig, wurden auf seinen Wunsch vorsichtshalber alle Zähne gezogen und dabei der Unterkiefer wie auch der Gaumen mehrmals gebrochen. Und alles natürlich ohne Narkose.

Dr. Daquin, sein Leibarzt, notiert einen Monat später in seinem Tagebuch: „Zum Zweck der Desinfektion habe ich seiner Majestät das Loch im Gaumen 14 Mal mit einem glühenden Eisenstab ausgebrannt.“

Als Folge quollen Speisen und Getränke bei Tisch daher oftmals aus seiner Nase. Auch größere Essensreste verkeilten sich dort und blieben für längere Zeit in dieser Öffnung stecken. Zeitgenossen berichteten von oftmals unerträglichem Gestank in der Nähe des Königs.

Im damaligen 17. Jahrhundert hielt man Zähne für die Ursache der meisten Übel, was in der modernen Medizin für manche Erkrankungen tatsächlich belegt werden konnte.

US-Präsident George Washington verfügte über 6 Totalprothesen, von denen keine wirklich passte. Das Halten von öffentlichen Reden wurde für ihn daher zu einem Albtraum.

Das alles ist zum Glück Vergangenheit. Dank enormer Fortschritte der Zahnmedizin ist für den modernen Menschen der Zahnersatz technisch wie medizinisch unproblematisch geworden. Wir implantieren heute künstliche Wurzeln und setzen Weisheitszähne einfach um in eine vorhandene Lücke. Trennen problematische Wurzeln ab und können den Restzahn stehen lassen. Setzen eigenes Knochenmark einfach an eine andere Stelle oder benutzen dazu entsprechend veränderten fremden Knochen.

Die Zahnmedizin siedelte also vom Hinterzimmer des Baders in moderne OPs um. Dort werden von leidenschaftlichen Kieferchirurgen und Zahntechnikern wahre technische Wunder vollbracht.

Wohlgemerkt – technische Wunder. Das Ergebnis dieses akademischen Handwerks entspricht immer mehr den Wünschen des heutigen Menschen nach Bequemlichkeit, einfacher Handhabung und vordergründiger Ästhetik. Ob wir hierbei dem Patienten letztlich nicht doch einen Bärendienst durch Vorgehensweise und verwendetes Material erweisen, wird der weitere Verlauf seines Lebens zeigen.

Dass im Übrigen nicht jeder Zahnarzt oder Zahntechniker hier seinen für ihn geeigneten Traumberuf gefunden hat, erfährt man spätestens, wenn man sich anschließend im Spiegel nicht wiedererkennt, der Zahnarzt jedoch bedauernd erklärt, dass Farbe und Form der Neuen doch eigentlich wunderbar passen, die eigenen Vorstellungen aber leider technisch nicht umsetzbar seien. Oder wenn die Mitmenschen sich augenzwinkernd zuraunen: „Hast du gesehen ... der hat wohl neue Zähne.“

Und so endet für manchen Menschen der Traum, endlich ein unwiderstehliches Hollywood-Lächeln zeigen zu können, am unüberbrückbaren Gegensatz von Wunsch und seiner technischen Umsetzbarkeit.

Leider setzen Natur, vorhandene Anatomie und Materialeigenschaften von Metall, Kunststoff und Keramik uns Zahnärzten manchmal unüberwindbare Grenzen. Das ist ärgerlich, aber nicht immer vorhersehbar. Und das Ergebnis auch nicht immer einklagbar.

Ein kurzer Ausflug in die Rechtssprechung: Sie schließen mit dem Zahnarzt einen Dienstvertrag mit nicht-garantierbarem Erfolg, sobald Sie sich auf seine Behandlungsliege legen, auch wenn das nicht jedem Patienten von vorneherein klar war. Ein Werkvertrag hingegen, den ich mit der Autowerkstatt schließe, beinhaltet einen eindeutigen und messbaren Erfolg, der einklagbar ist.

Mit der Beauftragung eines Zahnarztes schließen Sie automatisch einen sogenannten Dienstvertrag, der den Arzt zur Ausschöpfung aller seiner individuellen Möglichkeiten und Fähigkeiten verpflichtet, aber von seinem Konzept her keinen Erfolg garantieren kann, der daher auch nicht einklagbar ist. Denn die Natur kennt, anders als das Produkt Auto, weder Normen noch garantierte Reaktionen. Sie kaufen also die Katze im Sack, besser formuliert: die Kunst, die Erfahrung und die Fertigkeiten des Arztes. Aber was dann anschließend im Zusammenspiel mit dem Organismus daraus wird, ist für den Zahnarzt nicht vorhersehbar.

Auch ein Gärtner, bei dem Sie einen Baum oder eine Pflanze erstehen, wird Ihnen keine Anwachs- oder Blühgarantie geben können.

Und hier kommen wir zu den Grenzen des Zahnarztes. Unsere universitäre Ausbildung lässt uns den Zahn als Werkstück begreifen, ähnlich einer Brille oder einem Hörgerät. Und so technisch gehen wir auch damit um:

Wir öffnen ihn, um seinen Nerven herauszunehmen, wenn er schmerzt. Wir schleifen ihn um, wenn er anschließend eine Krone tragen soll. Wir ziehen Zähne, wenn uns die Optik nicht gefällt oder er andere Zähne verschieben könnte (siehe Kapitel Weisheitszähne). Und wir setzen an seine ursprüngliche Stelle Werkstücke aus Metall, Keramik oder Kunststoff in Form von Implantaten, ohne in Erwägung zu ziehen, dass ein Zahn ein komplettes Organ darstellt, wie Herz, Niere oder Leber. Und das ebenso mit der Einheit des Körpers in allen Feinheiten bis hin zur seelischen Ebene untrennbar vernetzt war (oder ist).

Wir neigen aus unserer naturwissenschaftlichen Sicht heraus dazu, den Menschen nur als Ansammlung von Körperzellen zu sehen, als nützliche Maschine, die gefälligst zu funktionieren hat, auch wenn wir sie aus Bequemlichkeit mit Junkfood füttern – oftmals weil uns ein sorgsamerer Umgang mit diesem unfassbar feinen Gespinst aus Materie, Energie und Geist zu mühsam ist.

Der Dichter Heinrich Heine hat unbeabsichtigt dem ganzheitlichen Gedanken ein Denkmal gesetzt. Dass jeder Mensch einzigartig und unfassbar vielgestaltig ist und daher seine Originalität nicht mit Ergebnissen aus Google-Datenbanken erfasst werden kann:

Denn jeder einzelne Mensch ist schon eine Welt, die mit ihm geboren wird und mit ihm stirbt. Unter jedem Grabstein liegt eine Weltgeschichte.

Unter ganzheitlicher Betrachtungsweise hängt also tatsächlich an jedem Zahn eines Menschen letztlich ein gesamter Mensch, mit all seinen feinen und feinsten Verflechtungen, mit seinen Sorgen und Nöten, mit Erfolgen und Misserfolgen, mit all seiner Existenzproblematik, auch mit seiner symbolischen Bedeutung sich im Leben durchbeißen, die Zähne zusammenbeißen, jemandem die Zähne zeigen, jemandem diesen Zahn ziehen, sich an etwas die Zähne ausbeißen, jemandem auf den Zahn fühlen, etwas zähneknirschend tun, und letztlich: ins Gras beißen ...

Kaum jemand wird heute noch auf die Idee kommen, die Wirksamkeit von Akupunktur abzustreiten. Sie ist genügend erforscht und erprobt, Krankenkassen und Gutachter erkennen ihre Wirkung an. Ich selbst habe durch meine Ausbildung auf diesem Gebiet Patienten von Schmerz befreien oder doch ihn zumindest lindern können.

Die Lehre der Akupunktur bezieht sich unter anderem auf dieses feine Gespinst, das den Körper durchzieht und Informations- und Steuerungsaufgaben hat. Und das wir mit feinsten Nadelreizen zu unserem Wohl nutzen, das jedoch auch durch krankhafte oder unnatürliche Umstände (ich denke hier an Implantate, Piercings, Ohrringe, Tattoos ... ja, auch Tattoos, denn auch Bilder und Symbole auf der Haut zeigen unter bestimmten Umständen Wirkung) im Körper Signale erzeugen kann, die denkbar unerwünscht sind. Zeigen Sie einem Menschen, der gerade guter Dinge ist, ein Foto seines Lieblingsfeindes, der ihn gerade gnadenlos über den Tisch gezogen hat. Er WIRD reagieren. Wie auch immer. Oder einem Rechtsradikalen ein Nazi-Symbol. Er bekommt leuchtende Augen.

Das Schwierige an der Deutung dieser Signale ist die nicht-eindeutige Zuordnung seiner Ursache.

Das wird deutlich z. B. in der sogenannten Neuraltherapie (Neur- = Nerv), wo ein jahrelanger Schmerz z. B. in der Schulter durch eine einmalige Injektion mit Procain (ein örtliches Betäubungsmittel) in eine alte Narbe am Bein dauerhaft ausgelöscht werden kann.

Für die Erklärung dieses Phänomens gibt es theoretische Ansätze – eine wissenschaftliche Deutung gibt es nicht, was dem Patienten, den ich gerade von seinem jahrelang quälenden Schmerz befreit habe, herzlich wurscht ist.

Ein Zahn, der aufgrund seiner Zahn-Organ-Beziehungen schmerzt (siehe das entsprechende Kapitel), muss weder eine Karies noch eine Fehlbelastung haben. Auch das Röntgenbild zeigt in diesem Fall dem ratlosen Zahnarzt keinen Befund. Aber die Frage nach chronischen Darmbeschwerden oder einer chronischen Bronchitis kann durchaus Hinweise auf Ursachen aus ebendiesem Bereich des Körpers geben.

Und da sind wir genau an einem jener Punkte, die mich dieses Buch nach 40 Berufsjahren schreiben ließen.

Es soll kein Buch über unfähige Zahnärzte sein. Unfähigkeit findet man in jedem Beruf. Ich möchte vielmehr darlegen, dass Medizin NICHT ein festes System ist, in dem es ein zweifelsfreies Richtig und Falsch gibt. Ich möchte den Patienten Mut zur eigenen Meinung machen durch Informationen über jene Bereiche, in denen man aus guten Gründen anderer Meinung sein kann als der Fachmann in Weiß. Mut machen zum Zweifel an der manchmal arroganten und eingebildeten, weil nicht immer begründbaren Kompetenz des Mediziners (Ihr Kind MUSS eine feste Klammer bekommen). Denn es geht schließlich nicht um seinen, sondern um den Körper des Patienten, um die eigene Gesundheit.

Weitaus weniger Zahnärzte tragen selbst Silberamalgamfüllungen in ihren Zähnen, als man aus ihrem Eintreten für dieses Material vermuten könnte. Und das aus gutem Grund, wie wir später noch sehen werden.

Dieser Fachmann hat sich also irgendwann zu einer Meinung, einer Überzeugung entschlossen, die aber nur sein eigenes Weltbild widerspiegelt. Und die nicht unbedingt der Weisheit letzter Schluss sein muss. Der Naturwissenschaftler, zu denen auch der Arzt gehört, weiß, dass sich mittlerweile die wissenschaftlichen Grundüberzeugungen immer schneller als überholt und teilweise sogar als falsch herausstellen.

Dieses Buch soll unter anderem von der klassischen Zahnmedizin abweichende Meinungen darlegen, die ebenso richtig oder falsch sein können wie die Meinung des Zahnarztes, der gerade vor Ihnen steht. Ich habe gehörigen Respekt vor dem Patienten, der mir sagt „Das kann ja alles sein, Herr Doktor, aber ich habe trotzdem das Gefühl, dass ...“.

Die Pfeiler, auf die sich die Naturheilverfahren seit Generationen gründen, sind hingegen nicht immer wieder korrekturbedürftig wie die Auffassungen der modernen Wissenschaft.

Da wird nicht, wie Altbundeskanzler Kohl es einst spöttisch nannte, jeden Tag eine andere Sau durchs Dorf getrieben, weil mal wieder jemandem ein Mikroskop-Bild photoshoppte und sich damit in der wissenschaftlichen Welt wichtig tuen wollte. Oder eine Studie fälschte, um seinem Umfeld zu imponieren. Oder weil er dafür einfach viel Knete einstrich.

Wir Ganzheitsmediziner gründen uns auf teilweise Jahrtau­sende altes Wissen über den Menschen, entstanden durch beharrliche Beobachtung und Intuition, als man sich noch die Zeit nahm zu beobachten, zu vergleichen und abzuwägen.

Galenos, ein Verehrer des Hippokrates, erkannte bereits 200 v. Chr.:

„Heilkunst ist Lebenskunst. Man muss auf die Natur des Kranken achten, denn für jeden besteht eine besondere Therapie“ ... „Kein Mensch ist wie der andere. Man darf nicht einfach von Krankheiten sprechen und davon, wie sie behandelt werden. Es gibt eigentlich keine Krankheiten, sondern nur kranke Menschen.“

Und mit dieser Erkenntnis, dass es keine Krankheiten, sondern nur kranke Menschen gibt, tut sich die Schulmedizin so unendlich schwer.

Für sie ist eine Erkrankung wie eine defekte Funktion in einem Konsumartikel. Wie ein Auto, das nicht anspringt, weil der Motor abgesoffen ist. Wie ein Staubsauger, der plötzlich streikt, weil der Stecker einen Wackelkontakt hat.

Diese Beispiele sollen darauf hindeuten, dass wir längst noch nicht alle Vokabeln der Körpersprache beherrschen, auch wenn wir eine akademische Ausbildung durchliefen. Und dass vor allem ein bestimmtes Symptom nicht auf dieselbe Bedeutung oder Ursache bei jedem Menschen schließen lassen muss.

Was dem einen sin Uhl, ist dem anderen sin Nachtigal.

Den Heilkundigen zeichnet daher aus, dass er nicht das Symptom des Kranken googelt, also mit einer Datenbank von anonymen anderen Kranken abgleicht, sondern sich dem erkrankten Menschen liebevoll und ausgiebig zuwendet, um herauszufinden, was das Symptom für diesen speziellen Menschen bedeuten könnte.

Und das gilt natürlich auch in der ganzheitlichen Zahnmedizin. Zum Beispiel kann ein unterer kleiner Backenzahn schmerzen, wenn mit dem Magen etwas nicht stimmt, und eine Nieren-/Prostata-/Gebärmutter-Unregelmäßigkeit kann zu Problemen im Schneidezahnbereich führen. Dieses Thema stelle ich Ihnen später im Kapitel Zahn-Organ-Beziehungen vor.

Aber Achtung! Ein Hinweis auf Ganzheitliches Behandeln in der betreffenden Praxis hat sich leider als marktwirksam erwiesen. Mittlerweile nutzt mancher Zahnarzt diesen Begriff inflationär auf seinen Praxisschildern, Briefköpfen, Homepages und Visitenkarten, weil er damit auf Patienten hofft.

In den seltensten Fällen kann der Patient diese Qualifikation überprüfen. Und sie ist auch manchmal nur Marktschreierei mit fantasievoll ausgestalteten Teilnehmer-Urkunden an den Praxiswänden, die von Crash-Kursen und Wochenendseminaren in den entsprechenden Fächern zeugen. Ernsthafte und belastbare Kenntnisse in Naturheilverfahren (die ich hier im Zusammenhang mit einer ganzheitlichen Ausbildung sehe) erlangt man nicht an wenigen Wochenenden.

Kommt der Praxisinhaber gerade wieder frisch von einem der beliebten Wochenend-Crashkurse, werden Anteile dieses neuen Wissens geschwind als neueste Aspekte der Ganzheitlichkeit in das Marketing einbezogen, sofern sie gerade werbe- und imagewirksam im Trend liegen.

Es ist für den gutgläubigen Patienten unvorstellbar, mit welcher Dreistigkeit Marketing-Profis den Praxisinhabern und den Helferinnen Schulungen in Werbe- und Verkaufstechniken anbieten; wie Zahnärzte dabei lernen können, den Verkauf von Privatleistungen zu steigern und dem Kunden schmackhaft zu machen.

Das geht bis hin zum großflächigen Umkreisen mit roten Filzmarkern von unwesentlichen Zahnfleischtaschen auf dem Röntgenbild vor den Augen des Patienten, um ihm über Ängste Prophylaxebehandlungen zu verkaufen. Diese Kurse habe ich selbst erlebt.

Der Patient kann die Dringlichkeit oder die Notwendigkeit der angebotenen Maßnahmen nicht beurteilen. Er darf aber erwarten, dass bei einem ausgewiesen ganzheitlichen Zahnarzt das ganzheitliche Denken und er selbst bei jeder Behandlung im Vordergrund stehen.

Homöopathische Ärzte haben beispielsweise eine 10 (!)-jährige medizinische Zusatzausbildung durchlaufen. (Deutscher Zentralverein homöopathischer Ärzte).

Leider ist der Begriff Ganzheitliche Zahnmedizin oder auch Biologische Zahnheilkunde nicht vom Gesetzgeber geschützt. So kann jeder Hansel diese Begriffe verwenden.

Die homöopathischen Ärzte handhaben das ganz anders. Bei ihnen muss das Homöopathie-Diplom erworben werden, bevor man damit vor Patienten angeben kann. Die folgenden Erwerbsregeln zeigen Ihnen, wie weitläufig ein homöopathisch behandelnder Arzt ausgebildet wird. Das gibt den Patienten Sicherheit, dass der Arzt, dem er seine Gesundheit anvertraut, weiß, was er tut.

Regelung für den Erwerb des Homöopathie-Diploms

Nach Vorgaben des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte: 6 Weiterbildungskurse mit

 je 40 Stunden (Kurs A bis F)

 und praktische Beschäftigung unter Anleitung eines Weiterbildungsbefugten

 über mindestens drei Jahre (300 Stunden Supervision) oder eine

 einjährige Weiterbildung im Krankenhaus.

Jeder Zahnarzt kann sich sein Schild hingegen selbst malen und er darf sich mit diesen Bezeichnungen schmücken, wenn er hofft, damit Patienten anzulocken. Finden Sie nicht auch, dass das ein bisschen nach Wild-West riecht?

Ein ganzheitlicher oder biologischer Zahnarzt durchläuft einen langjährigen und kostspieligen Ausbildungsgang, der noch einmal alle Gebiete der Medizin unter dem Aspekt der Ganzheitlichkeit umfasst. Sie dürfen von ihm also zu Recht fundiertes Wissen und Auskunft auch jenseits der Zahnmedizin auf allen Gebieten komplementärer Verfahren erwarten.

Trauen Sie sich ruhig, im Zweifelsfall den Kollegen nach seiner umfangreichen Qualifikation zu fragen. Wochenend-Diplome an der Wand sagen NICHTS aus. Oder vergewissern Sie sich wenigstens, dass er das Siegel Qualifiziertes Mitglied in der GZM (Internationale Gesellschaft für Ganzheitliche Zahnmedizin www.gzm.org) erworben hat.

Die einfache Angabe Ganzheitliche/biologische Zahnmedizin ohne nachweisliche Qualifikation durch die deutschen Gesellschaften für Ganzheitliche Zahnmedizin (GZM oder BNZ), oftmals noch mit dem veredelnden Zusatz Amalgamfreie Praxis (oder ähnlich) zeugt eher von kreativem Eigen-Marketing als von fundierter Weiterbildung.

Also: Augen auf, wem Sie sich und Ihre Liebsten aufgrund irgendeines Siegels anvertrauen.

Apropos Vertrauen: Scheuen Sie sich nicht, einmal nachzufragen, wie es in dieser Praxis mit dem Notfall-Management gehalten wird. Warum?

Bei einem Herz-Kreislauf-Versagen spielt die Zeit eine entscheidende Rolle. Werden rechtzeitig die richtigen Maßnahmen ergriffen, hat der Patient eine Überlebenschance von etwa 50 bis 70 Prozent. Doch diese sinkt rapide: um etwa zehn Prozent pro Minute. Es geht also tatsächlich um Minuten: Drei, vier, fünf Minuten – mehr sind es nicht.

Jede Spritze in den Unterkiefer birgt die Gefahr eines versehentlichen Treffens von großen Unterkiefer-Blutgefäßen und damit eines Herzstillstandes. Davon kann sich kein Zahnarzt freisprechen.

Daher: Hält diese Praxis regelmäßig (jährlich) Übungen ab und ist sie souverän im Umgang damit? Schließlich gibt es professionelle Trainer, die in die Praxis kommen. Denn es sind SIE und IHRE Familie, die einer Fehleinschätzung gegebenenfalls zum Opfer fallen!

 Jährliche Auffrischung, am sinnvollsten in der Praxis?

 Auffrischung mit dem gesamten Team?

 Kommunikationstraining im Notfall?

 Erste Hilfe bei Kinder-Notfällen?

 Laut European Resuscitation Council geraten die erworbenen Kenntnisse bereits nach drei Monaten langsam in Vergessenheit.

Auch im Rahmen der kontrollierten Fort-/Weiterbildungspflicht werden lediglich die streng fachbezogenen Kenntnisse rund um den Zahn aufgefrischt. Das Wiederholen des gesamten medizinischen Fachwissens außerhalb der Zähne ist freiwillig und wird nicht kontrolliert. Allgemeinmedizinisches Wissen kann nach bestandenem Staatsexamen getrost verfallen, weil es nie wieder geprüft wird. So muss der Zahnarzt sich nicht wundern, dass er in der Medizin nicht für voll genommen wird.

Kleine optische Korrekturen

Ein schönes Lächeln öffnet Türen gilt in einer Zeit, in der Modemarken und Schönheitsoperationen bereits bei Minderjährigen gesellschaftliche Eintrittskarten darstellen, leider in besonderem Maße.

Die moderne Zahntechnik lässt mit modernen Verfahren und modernen Werkstoffen deutliche kosmetische Verbesserungen der sichtbaren Zahnpartien zu.

Nicht immer sind wir mit der äußeren Erscheinung unserer Zähne zufrieden. Sicher – hässlich sind sie nicht. Aber diese kleine Lücke/Spalte zwischen den Vorderzähnen oder dieser gedrehte oder herausstehende Eckzahn müssten nun wirklich nicht sein. Könnte man sie schließen oder das Erscheinungsbild verändern, sähe alles viel gepflegter aus. Das Umfeld hat es zwar noch nicht registriert (jedenfalls haben sie noch nichts gesagt) aber zumindest ich sehe sie jeden Morgen beim Zähneputzen und traue mich manchmal nicht, frei herauszulächeln!

„Meine Zahnärztin sagt, da müssten Kronen drauf, wenn die Lücke geschlossen oder der Zahn eine andere Form bekommen sollte. Billig sind die bestimmt nicht – Muss das sein?“

Ähnliche Aufforderungen sind immer mal wieder zu hören und manchmal sollen sogar Zähne gezogen werden, wenn sie nicht perfekt stehen.

Nein – das muss nicht sein. Lücken zwischen den Zähnen können mit haltbar angeklebten Kunststoff-Erweiterungen geschlossen werden, ohne die vorhandenen Zähne für Kronen anzuschleifen. Und diese Erweiterungen, die wie kleine unsichtbare Flügelchen aussehen, können jederzeit rückstandslos wieder entfernt werden.

Diese kosmetischen Korrekturen können an allen Zähnen vorgenommen werden. Die meisten Zähne, die farblich oder in der äußeren Form auffallen, können so optisch wieder eingeordnet und farblich unsichtbar gemacht werden.

Das geht natürlich nur, wenn sie nicht allzusehr aus der Reihe tanzen.

Die Kosten dafür tragen, als kosmetische Korrekturen, natürlich nicht die Krankenkassen. Die müssen Sie mit Ihrem Zahnarzt aushandeln.

Nachteile aus ganzheitlicher Sicht: Alle Probleme, die verarbeiteter Kunststoff im Mund mit sich bringt, wie Abrieb von Nanopartikeln, allergische Reaktionen auf Kunststoffbestandteile oder das Verschlucken von Weichmachern. Aber das müssen Sie bei allen Kunststoff-Füllungen in Kauf nehmen – siehe Kapitel BPA in Kunststoff-Füllungen. Die Alternative Zemente ohne Kunststoffe an Frontzähnen waschen sich zu schnell aus. Nebenwirkungsfreies Füllmaterial mit Kunststoffen ist mir nicht bekannt.

Bei tatsächlich störenden Zahnfehlstellungen ist diese kleine optische Maßnahme nicht mehr möglich. Aber auch bei Erwachsenen können mit kieferorthopädischen Maßnahmen Zähne in ihrer Stellung im Gebiss korrigiert werden.

Die Methode des führenden Herstellers heißt Invisible Aligners (unsichtbares In-die-Reihe-Bringen).

Hier rate ich allerdings aus ganzheitlicher Sicht zur Vorsicht, Jede Veränderung der Stellung der Zähne zueinander kann nicht mehr völlig rückgängig gemacht werden; und es ändert gleichzeitig auch automatisch das Ineinandergreifen der Höcker und das Aneinandervorbeigleiten der Zahnflächen. Wir nennen das den Biss. Und damit greifen Sie in ein hochsensibles eingespieltes System ein, was wie im Kapitel Der falsche Biss beschrieben zu erheblichen orthopädischen Problemen führen kann. Weil der Körper zunächst versucht, alles Störende auszugleichen und gegenzusteuern, spüren Sie die Folgen in den wenigsten Fällen unmittelbar.

Wer seine Freunde mit über Nacht plötzlich strahlend weißen Zähnen überraschen möchte, muss zum Bleaching greifen. Das Zahnbleichen (Bleaching) beruht auf einer Veränderung von Oberflächenstrukturen des Zahnschmelzes mittels gebundenem Wasserstoff-Peroxyd. Ganz ähnlich dem Bleichen von Strähnchen, die mir mein Friseur kopfschüttelnd vor über 30 Jahren in einem Anflug von eigener Eitelkeit ins Haar bleichen musste.

Wie steht es dabei mit der Schädlichkeit? Mikroskopaufnahmen der Zahnoberfläche vorher und nachher zeigen nur geringfügige Unterschiede. Da aber in den USA mittlerweile ca. 30 % des zahnärztlichen Umsatzes mit Bleaching-Behandlungen erwirtschaftet wird, traue ich den Veröffentlichungen unserer auf Umsatz eingeschworenen transatlantischen Brüder über geringe Unschädlichkeit nicht unbedingt.

Profitinteresse in einem schnell wachsenden Markt könnte manche anderslautende Untersuchung unter den Tisch kehren. Mit Peroxyd gebleichte Haare verlieren beispielsweise letztlich ihre Elastizität, werden spröde und brechen.

Sie können natürlich zur Kostenersparnis auch zuhause bleachen (ein schreckliches eingedeutschtes Wort). Da der Zahnarzt dazu das umliegende Zahnfleisch zum Schutz mit einem Zahnfleischverband abdeckt, ist das Verfahren relativ schonend. Dieses Schützen wird Ihnen hingegen als Heimarbeit nicht gelingen, das Eigenbleachen zu Hause endet daher nicht selten mit schmerzhaft-angeätztem Zahnfleisch.

Und der Patient sollte VORHER wissen, dass Bleachen, auch beim Zahnarzt, in sehr seltenen Fällen mit der Überraschung von zwar helleren, aber plötzlich fleckigen Zähnen enden kann. Ohne Reset-Knopf!

Alles nur geklaut

„Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht genug für jedermanns Gier.“

Mohandas Karamchand Gandhi

Wissenschaftler sind Menschen wie du und ich, die eine ziemlich hohe gesellschaftliche Achtung genießen (Party-Smalltalk: „Ach, Sie sind Wissenschaftler – sagen Sie bloß – was ist denn Ihr Forschungsgebiet?“).

Wenn sie in Laboren arbeiten, unterscheiden sie sich lediglich durch das Tragen von weißen Kitteln von allen anderen. Nicht immer, weil sie sich bekleckern könnten, sondern durchaus auch, weil es sich um ein Statussymbol handelt.

Und wenn sie für ihre Arbeit Geld, gesellschaftliche Stellung und kollegiale Anerkennung bekommen, wandeln sie dafür leider durchaus nicht immer auf dem Pfad der Tugend.

„Es ist alles nur geklaut“, singen Die Prinzen, „das ist alles gar nicht deines, nur gestohlen und geraubt.“

Lassen Sie sich in diesem Kapitel überraschen, wie viel in der sogenannten Wissenschaft geklaut und gelogen wird.

Schauen wir uns erstmal den Hintergrund von Studien an. Studien werden in Auftrag gegeben. Kaum ein Arzt kann Studien aus eigenem Interesse durchführen und bezahlen. Daher haben Studienergebnisse auch immer etwas mit dem Auftraggeber zu tun.

Das sollten Sie wissen, wenn Ihnen mal wieder das Ergebnis einer Studie präsentiert wird. Die alten Lateiner hatten dafür ein treffendes Bonmot.

Frag dich immer: Cui bono, zu deutsch: Wem nützt dieses, wer profitiert von dieser Studie? Oder wem nutzt es, wenn ein missliebiges Ergebnis lieber unterdrückt wird?

Nachfolgend erzähle ich Ihnen, wie die Wissenschaft auf Anweisung der Politik einer lieben Freundin vier Jahre ihres Lebens klaute, nur weil das ehrliche Forschungsergebnis unerwünscht war.

Sie schrieb eine Doktorarbeit in Gesellschaftspolitik. Weil das Ergebnis ihrer Arbeit nicht der Erwartung entsprach, die ihre Auftraggeberin, eine SPD-nahe Stiftung, sich davon erhoffte, musste sie die bittere Erfahrung machen, dass die Arbeit in der Schublade ihres Doktorvaters (das ist der Professor, der das Thema vorgibt und die Arbeit bis zum Schluss begleitet) auf Nimmerwiedersehen verschwand. Und vier Jahre Forschungsarbeit für die Katz waren. Sie können sich nicht vorstellen, wie viele unliebsame Studien in Schubladen und Tresoren verschwinden. Denn auch das ist Lügen und Betrügen.

Soviel zur Glaubwürdigkeit dieser Branche. Es ist eben nicht nur alles geklaut, gestohlen und geraubt, sondern auch Wichtiges und ehrlich Erforschtes wird uns vorenthalten.

Dieses Kapitel ist den In Amerika gibt es eine neue Studie-Freaks gewidmet. Der Mensch ist trotz aller Erfahrungen schnell bereit, dem Fachmann zu glauben, wenn er sich nur mit Titel, Beziehungen und Stellung in der akademischen Welt geschickt verkauft.

Ein bisschen Skepsis wäre allein schon beim Begriff Studie angebracht. Denn bei keiner anderen Gattung wissenschaftlicher Veröffentlichungen wird offensichtlich ähnlich so viel gelogen. Denken Sie daran: Der Zeitaufwand für jede Studie muss von irgendjemandem bezahlt werden.

Niemand arbeitet umsonst, wenn er davon seinen Lebensunterhalt bestreiten muss. Und wenn Sie mal schüchtern nachfragen, wer denn die Studie in Auftrag gab, wissen Sie bereits, in welche Richtung das wahrscheinliche Ergebnis zielt. Der Volksmund sieht das ganz pragmatisch und formuliert: Wes Brot ich ess’, des Lied ich sing.

Ich habe Ende der 60er in Köln studiert. Von einem bekannten Zahnpasta-Hersteller wurde während meines Studiums eine Studie über die Reinigungskraft verschiedener Zahnpasten an der Zahnklinik in Auftrag gegeben.

Die konservierende Abteilung (die Abteilung für Löcherbohren) hatte immer schon über fehlende Mikroskope für eigene Forschungsvorhaben geklagt. Jetzt raten Sie mal, mit welchen unerwarteten Kostbarkeiten der glückliche Professor uns Studenten nach Abschluss der Studie überraschte. Und welche Zahnpasta bei dieser Studie am besten abschnitt?

Stürzen wir uns in die hässliche Wirklichkeit:

TAZ, 03.04.09 Scott Reuben, Professor am Baystate Medical Center in Springfield in Massachusetts und bis vor Kurzem ein international renommierter Schmerzforscher hat 21 seiner Studien gefälscht. Viele seiner Empfehlungen wurden auch in Deutschland im Klinikalltag umgesetzt. Angesehene Fachmagazine hatten Reubens Arbeiten publiziert. Jetzt stellt sich heraus, dass Reuben die Ergebnisse seiner Studien teilweise gefälscht, teilweise komplett frei erfunden hat.

Man kam Reubens Machenschaften rein zufällig auf die Spur. Im Mai vergangenen Jahres entdeckte ein leitender Angestellter des Baystate Medical Centers Ungereimtheiten in Reubens Arbeiten. Eine Routineprüfung ergab, dass Reuben für zwei klinische Studien keine nötigen Formulare der teilnehmenden Krankenhäuser besaß. Bei einer anschließenden Untersuchung stellte sich heraus; dass es bei 21 Studien über die Wirksamkeit von Schmerzmitteln keine nennenswerte klinische Forschung gibt. Die älteste Veröffentlichung stammt aus dem Jahr 1996.

Doch es kommt noch schlimmer: Reuben pflegte offenbar ausgezeichnete Kontakte zur Pharmaindustrie. Sein Betrug habe gewerbliche Züge angenommen, erklärte der Anästhesist Volker Wenzel, Universität Innsbruck, gegenüber der Süddeutschen Zeitung. In der Kritik steht unter anderem der Pharmakonzern Pfizer (Umsatz 50 Milliarden, u. a. Viagra, dessen Patent der oberste Gerichtshof Kanadas Pfizer wieder entzog, weil die Offenlegung über die Erfindung und deren Funktionsweise nicht stattgefunden habe.)

Er gewährte Reuben insgesamt fünf Forschungsdarlehen. Zudem war Reuben als bezahlter Sprecher für das Unternehmen tätig.

Scott Reuben ist jedoch kein Einzelfall. Gemäß einer Veröffentlichung des Fachmagazins NATURE wird nur EIN Prozent aller Betrugsfälle aufgedeckt.

Und NATURE zieht unter anderem eine Studie zurück, die behauptet hatte, normale Körperzellen von Mäusen durch ein Bad in Zitronensäure wieder in Stammzellen verwandelt zu haben. Diese Forschungsergebnisse hatten weltweit für Furore gesorgt. Doch dann waren Ungereimtheiten aufgetaucht, unter anderem waren offenbar Abbildungen frisiert worden.

Das Journal of Vibration and Control annullierte gleich 60 seiner Beiträge. Es hatte sich herausgestellt, dass der Peer-Review-Prozess, der eingereichte Beiträge auf ihren Gehalt und ihre Korrektheit prüfen soll, systematisch unterwandert worden war: Wahrscheinlich mehr als 100 Benutzerkonten in dem Online-System waren fingiert – diese Wissenschaftler existieren überhaupt nicht. In mindestens einem Fall hatte ein Forscher seine eigene Studie unter erfundenem Namen begutachtet und zur Veröffentlichung empfohlen.

Demnach ist die Aussage Alles nur gestohlen und geraubt näher an der Wahrheit, als der interessierte, wissenschafts- und fortschrittsgläubige Laie vermutet. Gesellschaftlich sind der Herr Professor und der Wissenschaftler hochgeachtet – sicherlich teilweise zu Recht. Dennoch mehren sich massiv die Fälle, wo Schummelei und dreistes Lügen in diesen Personenkreisen aufgedeckt wird.

Seien Sie also kritisch – nur weil es eine Studie besagt oder ein Professor mit seinem Namen dahintersteht, wird dadurch keine Neutralität oder Wissenschaftlichkeit gewährleistet. Die Aussicht auf Geld oder Ruhm ist in vielen Fällen allzu verlockend.

Die neueste Unverschämtheit, die die Erde weiterhin verpestet und unsere Zukunft auf diesem Planeten aufs Spiel setzt:

Glyphosat-Studien, direkt aus dem Fälscherlabor, vom 15.02.2020. Als die Behörden das unter Krebsverdacht stehende Pestizid als ungefährlich einstuften, beriefen sie sich auch auf das deutsche, staatlich kontrollierte Labor LPT (Laboratory of Pharmacology and Toxicology GmbH & Co. KG, Hamburg), das offenbar Experimente manipuliert hat. Dabei hatten sogar deutsche Aufsichtsämter der Firma attestiert, sauber zu arbeiten.

Mittlerweile wissen wir, dass neben gefälschten Versuchsreihen auch einige der an den Experimenten gestorbenen Versuchsaffen heimlich gegen gesunde Tiere ausgetauscht wurden.

Die Hamburger Tierschutzexpertin der Grünen-Fraktion, Christiane Blömeke, beklagte im Januar 2020, es sei weiterhin unklar, „welche Auswirkungen die Manipulation von Testreihen in den Laboren von LPT auf die Zulassung von Medikamenten hatte“. „Wir wissen immer noch nicht, ob Medikamente auf dem Markt sind, deren Zulassung auf manipulierten Studien basieren. Zu diesen Vorgängen hatten wir bereits eine Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft gestellt und eine Risikoanzeige beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte eingereicht.“ Antworten stünden noch aus.

Also: Namhafte Professoren, Klinikdirektoren, Chefärzte und angesehene Spezialisten mogeln in unglaublichen Ausmaßen – ihnen ist jedes Mittel recht, um Ansehen, lukrative Posten und Finanzierungsmittel für ihre Großforschungsprojekte zu bekommen.

Das System der Big Science (der Wissenschaft in großem Rahmen und mit hohen Zuwendungen) wird dabei immer stärker zum Spielfeld mittelmäßiger und betrügerischer Wissenschaftler.

Nachfolgend eine weitere kleine Auswahl von Betrügereien aus den letzten Jahren im medizinischen Sektor.

Der norwegische Krebsforscher Jon Sudbø gab im Januar 2006 zu, mehrere hundert Patientendaten von Mundkrebskranken frei erfunden, sie zu einer Studie verarbeitet und diese in der angesehenen Fachzeitschrift The Lancet veröffentlicht zu haben. Die Aussage dieser Fälschung war, dass das Risiko für Mundkrebs bei Rauchern angeblich auf die Hälfte gesenkt werden könne, wenn man über längere Zeit Paracetamol einnehme.

Der Fall Reuben erweckt Misstrauen gegenüber der klinischen Forschung. Er wirft Fragen auf. Wieso konnte ein Wissenschaftler über zwölf Jahre lang Studien fälschen, ohne dass dies auffiel? Warum veröffentlichten renommierte Fachmagazine über einen so langen Zeitraum gefälschte Forschungsergebnisse?

Wir leben nun einmal in einer Wirtschaftsform, wo nicht Kartoffeln gegen Eier getauscht werden und beide Handelspartner den Gegenwert abschätzbar in der Hand halten. Wir leben in einer Zeit, wo alles, aber auch wirklich alles gegen Geld aufgewogen werden kann und – leider auch wird.

Auch Gesundheit und Krankheit sind Waren, mit denen viel Geld verdient wird.

Bitte denken Sie also daran, wenn Sie wieder einmal zu einer Kaufentscheidung auf welchem Feld auch immer (Zahnpasta, Wahl eines Zahnarztes, der für seine Praxis wirbt, oder das neueste Katzenfutter) gedrängt werden sollen. Jeder will nur Ihr Bestes – Ihr Geld.

Auch ein guter Ruf einer Firma oder einer Institution oder wenn es ein Professor gesagt hat, spielen auf diesem Spielfeld mit.

Sie allein müssen die Folgen einer Leichtgläubigkeit tragen. Ihr Gegenüber hat sein Geld im Sack und lächelt erfreut.

Und das sollte Ihnen, liebe Leser, eine Warnung und eine Mahnung zugleich sein. Wir Wissenschaftler schmunzeln nicht unbegründet über das geflügelte Wort: Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast ...

BPA in Kunststoff-Füllungen

Die Büchse der Pandora ist längst weit offen. Um 1900 wurde die Substanz mit östrogener Wirkung erstmalig synthetisiert und seit Mitte des vorigen Jahrhunderts in immer neuen Anwendungsbereichen auf unsere Umwelt losgelassen. Wobei Östrogen den Oberbegriff für weibliche Hormone darstellt. Weltweit werden pro Jahr sechs Millionen Tonnen Bisphenol A (BPA) hergestellt, davon knapp eine halbe Million in Deutschland.

Der mittlere Gehalt an BPA im menschlichen Blut ist mittlerweile höher als die Konzentration, die bei Mäusen zu einer Beeinträchtigung der Sexualentwicklung führt

In allen zahnärztlichen Kunststoff-Füllungen ist BPA mit seiner ständigen Abgabe von Östrogenen mittlerweile zu finden. BPA sorgt chemisch gesehen dafür, dass das verwendete Plastik härter und damit länger haltbar wird, und ist damit in vielen alltäglichen Gegenständen aus Kunststoffen enthalten, wie eben leider auch in Zahnfüllungen.

Bisphenol A (BPA) gehört zu den hormonellen Schadstoffen, die bereits in winzigen Mengen in unseren Hormonhaushalt eingreifen. Es ist außerdem ein gutes Beispiel dafür, wie wenig die traditionelle Risikobewertung noch geeignet ist, tatsächliche Schäden zu erfassen: Möglicherweise ist es durch eine direkte Einwirkung auf Hormonrezeptoren in geringeren Konzentrationen schädlicher als in größeren Mengen. Frühreife, eine reduzierte Spermienzahl oder auch Verhaltensstörungen werden als mögliche Folgen diskutiert.

Wird die Substanz erhitzt, direkt oder in der Spülmaschine, löst sich die Chemikalie und gibt den Stoff an unseren Organismus ab.

Unser aller Problem, das sich in der Zukunft noch erheblich verschärfen wird, ist eben diese Östrogen-ähnliche Wirkung und damit eine massive Störung im Hormonhaushalt des Menschen.

In vielen Ländern haben bis zu 40 Prozent der jungen Männer eine verminderte Spermienqualität, verbunden mit immer häufiger werdenden Missbildungen der Geschlechtsorgane wie Hodenhochstand. Komplikationen in der Schwangerschaft nehmen zu wie Frühgeburten und ein geringes Geburtsgewicht.

Auch die hormonbedingte Krebshäufigkeit darf nicht fehlen: Z. B. Brust-, Prostata- und Hodenkrebs haben in den vergangenen 40 bis 50 Jahren weltweit zugenommen. Ein Trend zu verfrühter Pubertät bei Mädchen (verbunden mit einer frühen Brustentwicklung) ist zu beobachten und Fettleibigkeit und Diabetes-Typ-2 traten in den vergangenen 40 Jahren weltweit deutlich häufiger auf.

Hormonelle Schadstoffe wirken meist nicht akut giftig. Sie können jedoch wichtige Entwicklungsprozesse stören, die in ganz bestimmten Zeitfenstern des Wachstums ablaufen. Föten im Mutterleib, Kleinkinder und Pubertierende reagieren besonders empfindlich auf hormonelle Schadstoffe. Sie sind störungsanfälliger, weil sich ihre Organe in der Entwicklung befinden. Sie stehen noch dazu im Verdacht, Schädigungen der Gehirnentwicklung hervorzurufen.

In Deutschland ist ein Verbot von BPA jedoch noch in weiter Ferne. Immer wieder heißt es, dass der enthaltene BPA-Wert für Menschen noch im sicheren Rahmen sei.

In Kanada, Dänemark und Frankreich hingegen ist BPA zumindest bei der Herstellung von Kinderprodukten verboten.

Es gibt jedoch auch einige Unternehmen, die nicht auf BPA verzichten möchten. Laut ihnen ist BPA nicht nachgewiesen schädlich und Studien zu dem Thema seien Mythen.

Nun ja – was wir von Beschwichtigungen der Regierung und ihrer Beamten zu halten haben, sollte jedem klar sein. Unruhe unter der Bevölkerung führt zwangsläufig zu Mehrarbeit in den Verwaltungen. Und wer könnte es den armen vielbeschäftigten Staatsdienern bis hinauf ins Kanzleramt verdenken, wenn sie ihre Ruhe haben wollen vor aufsässigen Bürgern und lästigen Fragen?

Was Sie als Verbraucher tun können?

Kunststoffprodukte aus BPA oder Polycarbonat (dessen Ausgangsmaterial BPA ist) nicht über 50 Grad erhitzen (Vorsicht – Spülmaschine!), Teller, Tassen, Gläser danach kalt abspülen, um die freigesetzten BPA-Rückstände zu entfernen.

Wenn Sie Kunststoff-Füllungen im Mund tragen ... nun ja ... Sie werden sie deshalb nicht wieder entfernen lassen. Aber es gibt, wenn auch wenige, Alternativen, siehe Kapitel Füllungen. Trotzdem bleibt ein unsicheres Gefühl.

Bezüglich des BPA-Gehaltes der Zahnfüllungen schauen Sie bitte ins Kapitel Füllungen – Kunststofffüllungen.

Ansonsten: Als Verbraucher können wir mehr erreichen, als wir uns zutrauen. Wenn Sie sich weigern, Produkte mit BPA zu kaufen, werden Firmen irgendwann zu einer Änderung gezwungen (Hinweis: BPA-frei).

Kaufen Sie Ihre Lebensmittel daher am besten frisch und noch besser unverpackt. Gerade die Klarsichtfolien für Lebensmittel geben beängstigende Mengen an BPA unmittelbar an die damit eingeschlagenen Lebensmittel ab, wie Wurst und Käse.

Wasser in Plastikflaschen ist ebenfalls ein großes Problem. Steigen Sie am besten auf Glasflaschen oder auf einen Wassersprudler mit BPA-freien Glasflaschen um.

Auch in Konservendosen ist BPA meistens als Kunststoff-Auskleidung enthalten. Versuchen Sie also, möglichst darauf zu verzichten – frisch ist ohnehin gesünder.

Stichproben des BUND in handelsüblichen Konservendosen zeigten erschreckende Ergebnisse. Untersucht wurden Konserven mit Thunfisch, Tomaten, Kokosmilch sowie Mais und Sauerkraut. Knapp 74 Prozent der untersuchten Lebensmittelproben waren belastet. Der BUND hat die gesundheitsschädliche Chemikalie in häufig konsumierten Thunfisch-, Tomaten- und Kokosmilchkonserven aus den Regalen der großen Handelsketten Lidl, Rewe, Aldi, Edeka, Netto und Penny nachgewiesen.

Ich habe selbst immer wieder unter Kollegen gehört, dass BPA kein Problem sei – Bedenken werden abgewiegelt, weil es ja oft unter der Nachweisgrenze liegt. Merkwürdig jedoch, dass Schmetterlinge mithilfe ihrer Riech-Antennen auf einzelne Moleküle in der Luft auf Entfernungen von Hunderten von Kilometern reagieren. Damit hätte sich das Problem der biologischen Wirksamkeit kleiner Mengen erledigt. Dass wir ihre Wirkung im Organismus (noch) nicht nachweisen können, steht auf einem anderen Blatt. Millionen von Kindern mit lebenslangen Östrogenschäden sprechen eine andere Sprache.

Auch hier gilt wieder: Bangemachen vor weißen Kitteln gilt nicht. Nicht alles glauben, was Weißkittel selbstgefällig von ihrer Kanzel verkünden. Weißkittel haben in den seltensten Fällen die Studien selbst erstellt, auf die sie sich stützen. Sie vertrauen ihnen einfach. Und damit denen, die sie finanziert haben. Bzw. denen, die sie fälschten. Und wie vertrauenswürdig diese sind ...

Sich informieren und dann selbst entscheiden ist der bessere Weg.

Keine Karies mehr

Öffnet der Patient seinen Mund und dreht man die sanfte Hintergrund-Musik im Behandlungszimmer leiser, kann man bei angestrengtem Lauschen, das Ohr dicht am Mund des Patienten, ein leises Tuscheln, Rascheln und Knistern vernehmen. Aha, da sind sie ja wieder.

Wird dann blitzschnell die Lupe herausgeholt und in Stellung gebracht, kann man vielleicht noch die letzten winzigen Kerlchen mit den roten Augen und dem gelb gefärbten Punkerschopf sehen, die nicht schnell genug in den Lücken zwischen den Zähnen verschwunden sind.

Der Patient schaut mich entgeistert an und fragt verunsichert, was denn mein Ohr an seinem Mund solle. Er ist von mir ja einiges an alternativen Behandlungsmethoden gewohnt. Aber das jetzt übersteigt seine Vorstellungskraft.

Lösen wir geschwind das Rätsel: Wenn man schnell genug und vorurteilsfrei ist, kann man das Treiben der aufdringlichen und dreisten Kariesbakterien rund um die Zähne für Sekundenbruchteile hören und beobachten.

Zurück in die Wirklichkeit ohne Punkerschopf: Kariesbakterien richten so viel Schaden an, weil sie sich am Zahn festklammern können (im Zahnbelag) und dort ungestört Säuren produzieren. Liegen diese längere Zeit an derselben Stelle, beginnt die Auflösung des Kalks im Schmelz.

Die einzige der Schulmedizin bekannte Möglichkeit, diese Auflösung des Schmelzes zu verhindern, ist die Fluoridgabe. Das Fluorid soll die Oberfläche widerstandsfähiger machen.

Auch wenn diese Fähigkeit mit gutem Grund bezweifelt werden darf, gibt es für diesen Zweck längst bessere Alternativen.

Alternative 1

Süßt man seine Speisen mit Xylit (Xylitol = Birkenzucker), verhungern die armen Kerlchen aus 2 Gründen:

 Sie können das süße Xylitol nicht verstoffwechseln und schieben Kohldampf. Das alleine führt schon zu einer Kariesreduktion von 85 %. Denn chemisch betrachtet gehört es nicht zu den Kohlenhydraten, sondern zu den Zuckeralkoholen. Das hat jetzt nix mit Schnaps zu tun, sondern mit chemischer Klassifizierung. Und macht es damit zu einem beliebten und weit verbreiteten Zuckeraustauschstoff mit dem Namen E 967.

 Darüber hinaus regt Xylit die Speichelproduktion an und fördert die Bildung von Komplexen mit Calcium und Speicheleiweißen in der Mundhöhle, was schließlich in eine Remineralisation von Zahnhartsubstanz mündet – also eine Reparaturfunktion.

 Das Xylit zerstört die Oberflächen-Haftung der Plaque am Zahn (der Zahnbeläge), in denen sich die Bakterien vorher so trefflich verstecken konnten. Damit verlieren sie die Festklammerungs-Möglichkeit am Zahn und plumpsen hinunter. Der Säureangriff auf den Zahn ist vereitelt. Daher ist ein tägliches Lutschen von Xylit-Pastillen, wenn es gerade nichts zu süßen gibt, ebenso sinnvoll.

 Es führt bei alter vorhandener Karies zu Wiedererhärtungsprozessen – wie nützlich!

 Und es übergreift sogar Generationen: In einer weiteren Turku-Studie aus dem Jahr 2000 wurden die Wechselwirkungen zwischen Müttern, die regelmäßig xylithaltige Kaugummis kauten, und ihren Kindern (bis 2 Jahre alt) untersucht. Ein Ergebnis der Studie war, dass der regelmäßige Konsum von Xylit-Kaugummis durch die Mütter den Befall mit Streptococcus mutans (den typischen Karies-Bakterien) bei den Kindern signifikant hemmt.

 Empfohlene tägliche Menge an Xylit/Xylitol ca. 5–10 g in Form von Lutschpastillen oder Kaugummi

Aber Achtung, es gibt bei Xylit wichtige Unterschiede. Xylit ist nicht unbedingt gleich Xylit. Aufgrund der steigenden Nachfrage erfolgt die industrielle Gewinnung nicht mehr aus der Rinde von Hölzern, sondern hauptsächlich aus Maiskolbenresten (oft sogar dann, wenn Birkenzucker auf dem Etikett steht!).

Leider muss auf den Verpackungen nicht darauf hingewiesen werden, ob diese aus genmanipuliertem Anbau stammen. Auch die Enzyme, die bei der Herstellung verwendet werden, kommen oft aus gentechnisch veränderten Mikroorganismen. Hier gibt es ebenfalls keine Kennzeichnungspflicht. Beim Kauf also unbedingt auf Bio-Produkte achten und darauf zurückgreifen.

Beruhigend: Unser Körper kennt Xylit. Dieses wird täglich dann erzeugt, wenn die Leber Kohlenhydrate umwandelt (zwischen 5 bis 15 Gramm pro Tag). Unser Organismus nimmt diese Substanz daher sehr gut an und verarbeitet sie hervorragend, weil er auch die notwendigen Enzyme selber herstellt, um Birkenzucker im Stoffwechsel zu verarbeiten.

Im Dickdarm wird das restliche Xylit (etwa ⅔ der eingenommenen Menge) dann durch Bakterien zerlegt und zu kleinen Fettsäurebestandteilen abgebaut und resorbiert. Diese werden anschließend zu Kohlendioxid (CO2) und Wasser verstoffwechselt. Dabei entstehen also keine unerwünschten oder schwer abbaubaren Nebenprodukte.

Jedoch: Xylit kann bei Mengen oberhalb 30 g abführend wirken. Entsprechende Hinweise müssen sich auf Lebensmitteln befinden, deren Anteil an Xylit mehr als zehn Prozent beträgt. Die Darmbakterien bauen Birkenzucker sehr schnell ab. Deswegen kann Durchfall folgen auf eine Mahlzeit mit hohen Mengen an Xylit. Durch einen Gewöhnungseffekt verschwindet aber auch das nach ca. vier Wochen.

Bisher gilt Xylit für den Menschen als unbedenklich. Individuell kann jedoch eine Unverträglichkeit auftreten, vergleichbar mit einer Fruktosemalabsorption mit Symptomen wie Durchfall, Blähungen und Schmerzen.

Für Kinder unter drei Jahren ist unkontrollierter Verzehr daher nicht zu empfehlen.

Löst sich Xylit im Speichel, entzieht es der Umgebung Wärme und erzeugt auf der Zunge einen Kühleffekt, ähnlich dem Effekt von Menthol.

Alternative 2

KREMO 058 von Dr. Pandalis – Urheimisch®, ein Produkt aus einer Mischung eines Oregano- und Schwarze-Johannisbeere-Extrakts mit Bio-Zertifikat, das nach offiziellen Studien die Kariesentstehung nachweislich und deutlich bremst. Angeboten wird es als Spülung und als Mundreinigungspastillen.

Kremo 058 verhindert nachweislich die Haftung der Bakterien am Zahn (und damit die Säureproduktion dort) und wirkt noch dazu antibakteriell, schmeckt aber leider sehr gewöhnungsbedürftig.

Unter allen angebotenen Methoden ist wohl dieser Extrakt demnach der zur Zeit wirksamste.

Seit einiger Zeit ist ein Buch auf dem Markt, das uns Zahnärzten vorwirft, nicht an wirklicher Vorbeugung interessiert zu sein, sondern nur, und teilweise sogar vorsätzlich, durch eher unsachgemäße Reparaturen das Gebiss und den Geldbeutel des Patienten in den Ruin zu treiben: Zahnarztlügen, Wie Sie Ihr Zahnarzt krank behandelt, von Dorothea Brand und Dr. Lars Hendrickson.

Abgesehen davon, dass das Buch durch zum Teil fehlende Sachkenntnis und daher laienhafte Darstellung, hineingemischte Falschinformationen und auch böswillige Unterstellungen Stimmung gegen Zahnärzte machen und den Verdruss der Patienten schüren soll, ist der angegebene Co-Autor auch durch intensive internationale Recherche nicht ausfindig zu machen, obwohl er angeblich Verfasser zahlreicher Studien und Vorträge, sogar im Rahmen der WHO, sein soll.

Das Internet kennt seinen Namen als Arzt nicht – obwohl das Internet nichts vergisst. Auch seine angebliche langjährige Praxis in den USA steht in keinem offiziellen, auch in keinem rückwirkenden Verzeichnis.

Daher könnte der Leser geneigt sein anzunehmen, dass die angeblich nur begleitende Journalistin das Buch allein schrieb, als Ausdruck von Frust und Wut auf ihren eigenen Zahnarzt. Was ja vorkommen soll. Niemand wird gezwungen, seine Zähne zu vernachlässigen.

Aber hinterher den Zahnarzt für die Folgen verantwortlich zu machen, ist schon schräg. Passt aber zum Zeitgeist, der gern die Selbstverantwortung leugnet und weitergibt.

Nun gibt es in jedem Beruf schwarze Schafe und ärgerliche Zeitgenossen, aber der weitaus größte Teil der Zahnärzte versieht meines Wissens gewissenhaft seine tägliche Arbeit, auch wenn jeder von uns seine eigenen Schwerpunkte und Grundüberzeugungen hat.

Selbstverständlich obliegt uns Zahnärzten auch die Aufgabe, unsere Patienten vorbeugend vor (kariösem) Schaden zu bewahren. Und alle Kollegen, die sich ernsthaft mit dem Thema beschäftigt haben und den aktuellen Forschungsstand kennen, geben ihren Patienten entsprechende Ratschläge mit auf den Weg.

Leider aber ist der Dreh- und Angelpunkt die Selbstverantwortung des Menschen, die unbequemerweise auch mit Konsequenz und Selbstbeherrschung unlösbar verknüpft ist. Denn die Industrie verführt uns, vor allem die Kinder, zu fast ungehemmtem Zuckerkonsum, oft auch durch versteckte Zucker.

Aber es ist jedem Menschen selbst überlassen, ob er Schokolade oder Kohlrabi, Chips oder Möhren isst. Einschließlich einer Vorbildfunktion bei seinen Kindern.

Und er kann weiterhin selbst dazu beitragen, seine Zähne weitgehend kariesfest zu machen, indem er konsequent einige wenige Grundregeln beachtet, die ich hier nachfolgend aufgelistet habe.

Es ist möglich, die Aktivität des wohl wichtigsten Kariesbakteriums, des Streptococcus mutans so weit zu reduzieren, dass kaum noch Karies auftreten kann.

Der Weg dahin besteht in:

Völliger (!) Verzicht auf Haushaltszucker (dazu gehören auch die sog. versteckten Zucker). Stärkehaltige Nahrung wie Mehlprodukte und Kartoffeln sollten Sie ebenfalls weitgehend meiden. Säurehaltige Getränke (Kohlensäure!), Fruchtsäfte, Schorlen und säurehaltige Obstsorten deutlich reduzieren. Nach jeder Mahlzeit Kremo 058 Pastillen lutschen, alternativ Xylitolkaugummi oder Xylitol-Lutschpastillen Auf kalziumreiche Ernährung achten (ca. 1000 mg/Tag)

Warnen möchte ich vor im Internet beworbenem ACP, weil es bewusst Nanopartikel enthält, die zur Remineralisierung und Reparatur von winzigen Rissen im Zahnschmelz entwickelt wurden. Diese Verletzungen gehen der Bildung von Karies-Löchern voraus. Die Nanopartikel erleichtern beim Putzen das Ablösen der Bakterien von der Zahnoberfläche.

In diesem Zusammenhang möchte ich darauf hinweisen, dass die allgemeine Problematik von sogenannten Nanopartikeln noch nicht zufriedenstellend geklärt ist. Offizielle Stellen warnen zur Zeit noch davor, da diese Partikel aufgrund ihrer unglaublichen Winzigkeit durch Zelllücken schlüpfen und in jedes Organ eindringen können, mit der Folge von dadurch bereits beobachteten Erkrankungen.

Schmelzreparaturen durch Zahnpasten

Künstlicher Zahnschmelz

Die Zahnpasta BIO-REPAIR enthält künstlichen Zahnschmelz.

Moleküle aus einer dem natürlichen Zahnschmelz verwandten Substanz (Hydroxylapatit im Komplex mit Zinkcarbonat) verbinden sich mit der Oberflächenstruktur des Zahnschmelzes und verschließen die winzigen Defekte beim Zähneputzen.

Novamin

Ein sogenanntes bioaktives Glas, das als Inhaltsstoff der Zahnpasta zur Zahnschmelz-Remineralisation dient. Aktiver Inhaltsstoff ist Calcium-Natrium-Phosphosilikat und gibt diese Elemente in ionisierter Form an den Schmelz ab. Soll Zahnhals-Überempfindlichkeiten deutlich bessern.

Der Pharmariese GlaxoSmithKline (vor Kurzem mit Pfizer vereinigt) kaufte das Patent im Mai 2010 auf für 135 Millionen $ US. Damit dürfte jedem Verbraucher klar sein, mit welcher Macht das Produkt in den Markt gedrückt wird und wie die Chancen stehen, von nachteiligen Eigenschaften zu erfahren

Kalziumreiche Ernährung

Eine Literaturübersicht bestätigt die antikariogene Wirkung von Milchprodukten, insbesondere von Käse. Er hemmt die Demineralisation des Zahnschmelzes und fördert die Remineralisation. So konnte bei Testpersonen, die über drei Wochen 6 Mal täglich den Mund mit einer 10 %igen Saccharoselösung spülten, die Zahnschmelz-Entkalkung allein durch das Kauen von 5 g Cheddarkäse eine Minute nach jeder Spülung um 71 % reduziert werden.

Aber auch probiotische Milchprodukte schützen vor Karies. Im Rahmen einer finnischen Studie stellte man fest, dass der Zusatz des probiotischen Keimes Lactobacillus rhamnosus GG das Kariesrisiko und das Kariesvorkommen im Studienzeitraum von sieben Monaten signifikant senken konnte. Während in der Verumgruppe (die Gruppe mit dem eigentlichen Wirkstoff) das Risiko von 40 auf 34 % sank, stieg es in der Placebogruppe von 39 auf 43 % an.

Statt des Apfels am Abend könnte daher ein Stück Käse die Zähne deutlich besser auf die Nachtruhe einstimmen. Zähneputzen im Anschluss sollte aber in jedem Fall selbstverständlich sein.

Abschlussbetrachtung: Aus ganzheitlicher Sicht ist ein regelmäßiger Verzehr von Milchprodukten von zweifelhaftem Nutzen. Abgesehen von Laktose-Unverträglichkeiten nehmen wir hierbei immerhin die Babynahrung von Kühen zu uns, die durch natürliche hormonelle Substanzen das Gewicht der Kälber in kürzester Zeit nach oben treiben soll.

Aber auch hier gilt: die Menge macht’s.

Biokompatibel

Biokompatibel. Noch so ein viel strapaziertes Fremdwort. Bios gr. = Leben + kompatibel = verträglich. Es bedeutet, dass kein schädlicher Einfluss auf eine lebende Umgebung ausgeübt wird, dass zwei Substanzen, biologisch gesehen, vereinbar oder verträglich sind.

Nun – bei der Flut von neuen Produkten, die verkauft sein wollen, oder neuen Anwendungsbereichen verwundert es nicht, dass unser Körper irgendwann die Faxen dicke hat und insgeheim stöhnt: Nein – nicht das auch noch.

Hunderttausende von Kaninchenaugen werden für Verträglichkeitstests zerstört, weil unser Wahn nach neuen kosmetischen und Pflegeprodukten keine Grenzen kennt.

Oder weil weitere Unverträglichkeiten oder neue Allergien plötzlich in unserem Leben auftauchen. Oder ein schleichendes Unwohlsein oder ein scheußliches Asthma.

Wir sollten also auf Bio-Verträglichkeit von Zahnersatz-Materialien mit unserem Körper achten, um weitestgehend allergische und toxische Reaktionen und damit unerwünschte Nebenwirkungen beim Patienten zu vermeiden.

Kein Gegenstand in unserem Alltagsleben ist derart direkt mit dem Inneren unseres Körpers verbunden und gleichzeitig so viel aggressiven äußeren Einflüssen ausgesetzt wie der Zahnersatz oder die Zahnfüllung. Der, der ihn trägt, hat ihn unweigerlich Tag und Nacht im Mund – herausnehmbare Prothesen wie auch festsitzenden Zahnersatz (Kronen oder Brücken) – und das (hoffentlich) über Jahrzehnte. Diskussionen über zahntechnische Werkstoffe wie Gussmetalle und Kunststoffe sorgen immer wieder für Besorgnis bei betroffenen Patienten. Leider behaupten verantwortliche Institutionen, wie z. B. Krankenkassen, immer wieder, dass für eine konkrete Bedrohung keine wissenschaftlichen Beweise vorliegen.

Wie aussagekräftig diese sind, lesen Sie bitte in Alles nur geklaut nach. Die betroffenen Institutionen gehen dabei meines Erachtens sehr fahrlässig mit unserer Gesundheit um. Bei den Kassen als auch bei Zahnärzten und anderen Heilberufen sind Dentalmaterialien mittlerweile ein Reizthema. Der Patient als Betroffener ist daher verunsichert.

Hinzu kommt, dass unsere Mundhöhle und unser Gebiss psychisch stark besetzt sind. Schließlich sind unsere Zähne nicht nur Kau- und Beißorgane, sondern symbolisieren auf der psychischen Ebene Kraft, Gesundheit und Schönheit. Der Konflikt, sich zahnärztliche Maßnahmen mit möglichen Vergiftungen zu erkaufen, ist für Zahnarzt und Patient nicht immer einfach zu lösen.

Amalgam

An vorderster Front stehen sicherlich die als Füllungsmaterial verwendeten Amalgame, die auf Grund ihrer Zusammensetzung (50 % Quecksilber, 50 % Silber) schon seit der Einführung dieses Materials vor beinahe 170 Jahren in Wissenschaft und Öffentlichkeit in der kritischen Diskussion stehen.

Obwohl offiziell keine abgesicherten Hinweise auf die Existenz eines Krankheitsbildes Amalgamvergiftung/Amalgambelastung vorliegen, empfahl das Bundesgesundheitsamt (BGA) vorbeugend, die Quecksilber-Belastung der Bevölkerung durch eine Verringerung der Amalgamverwendung zu reduzieren. Insbesondere riet das BGA bei Schwangeren, Jugendlichen unter 15 Jahren, Nierenkranken, Hautkranken und bestimmten Allergikern von einer Versorgung mit Amalgam ab. Es wurde aber seitens des BGA mehrfach betont, dass keine wissenschaftlichen Erkenntnisse vorliegen, die den Verdacht eines gesundheitlichen Risikos durch Amalgam begründen.

Wenn also tatsächlich keine Erkenntnisse vorliegen, warum dann die Einschränkung, dass die o. a. Bevölkerungsgruppen von der Amalgamversorgung ausgenommen werden sollen?

Ich möchte hier keine Verschwörungstheorie anheizen, aber der gesunde Menschenverstand und die Erfahrung sagen mir, dass die Industrie kein Produkt mit gutem weltweitem Umsatz in seiner Anwendung zurückfährt, wenn man nicht finanzielle oder/und juristische Nachteile befürchtet.

Glücklicherweise gibt es, als USA-Import, mittlerweile Verbraucheranwälte, die nur darauf warten, lukrative Prozesse in Gang setzen zu können.

Mein Rat daher: Machen Sie, wenn auch vorsichtshalber, einen großen Bogen um dieses Material.

Nur gibt es merkwürdigerweise mittlerweile Staaten wie Norwegen und Schweden, die die Verwendung von Amalgam grundsätzlich verboten haben.

Meine persönliche Meinung zu diesem Thema finden Sie hier unter dem gesonderten Stichwort: AMALGAM

Kunststoffe

Kunststoffe haben in der Zahnheilkunde eine große Bedeutung erlangt. Zur Anwendung kommen meist sogenannte Komposit-Kunststoffe, die im Wesentlichen aus Kunstharzen, Füllkörpern und Verbundstoffen bestehen.

Kunststoffe können als plastische (formbare) oder feste Füllungsmaterialien wie auch als Befestigungsmaterialien (Kleber), zum Beispiel für keramische Restaurationen wie Keramik-Inlays oder Keramik-Kronen, eingesetzt werden.

Dentale Kunststoffe werden aus einer plastischen Konsistenz zur gewünschten Form, meist mittels UV-Licht, ausgehärtet, der Fachmann spricht von Polymerisation. Nach dieser Aushärtung hat der Kunststoff zwar seine endgültige Form erreicht, dennoch finden auch noch längerfristig chemische Umwandlungsreaktionen innen wie außen statt. Auch die in den Kompositen verwendeten Zusatzstoffe können chemische Komponenten enthalten und später freigeben, die sich unter Umständen schädlich auf den Gesamtorganismus auswirken.

So wurden zahnärztliche Kunststoffe unter anderem für folgende Erkrankungen verantwortlich gemacht:

 Allergien,

 Antriebs- und Denkstörungen,

 Darmerkrankungen,

 Dermatosen,

 Krebs,

 Lymphknotenschwellungen,

 psychische Erkrankungen.

Ähnlich wie beim Amalgam ist die Vielschichtigkeit der befürchteten Krankheitsbilder auffallend.

Das ist so, weil eventuelle Unverträglichkeiten wie auch überempfindliche oder allergische Reaktionen nicht unbedingt zu erkennbaren lokalen Reaktionen führen, sondern im Sinne von Fernwirkungen an anderen Stellen des Körpers in Erscheinung treten können.

Der Zusammenhang zu einer zahnärztlichen Behandlung dürfte damit oftmals nicht direkt feststellbar sein. Daher besteht die Gefahr, dass künftig schwer diagnostizierbare, chronische Krankheitsbilder mit vielfältigen klinischen Erscheinungsformen zunehmen.

Es gibt bislang keine überzeugenden Beweise dafür, dass das Risiko systemischer (den gesamten Organismus betreffender) Nebenwirkungen bei dentalen Kunststoffen geringer ist als beim Amalgam.

Reines Gold und Legierungen

Reines Gold wird in der Zahnheilkunde nur noch selten eingesetzt, weil es für den alltäglichen Gebrauch zu weich ist.

In Western der alten Art beißt der misstrauische Wirt im Saloon in das zum Bezahlen der Rechnung angebotene Nugget, den Goldklumpen. Zeigen sich Bissspuren, konnte man daraus auf reines Gold schließen und das Nugget wurde akzeptiert.

Die verwendeten Legierungen (Mischungen) werden in Edelmetall- und Nichtedelmetall-Legierungen unterteilt. Als besonders hochwertig gelten die sogenannten hochgoldhaltigen Legierungstypen, die mindestens etwa 70 oder mehr Prozent Gold enthalten.

Weitere Bestandteile sind unter anderem Silber, Palladium (das mittlerweile wegen seiner Wirkung auf die Psyche höchst umstritten ist) und Platin, die in wechselnder Zusammensetzung die werkstoffkundlichen Eigenschaften beeinflussen.

Gold und Hochgoldlegierungen gelten gemeinhin als biokompatibel und ungiftig. Allerdings sind auch Allergien oder Unverträglichkeiten von Gold und Goldlegierungen bekannt, auch wenn Zahnärzte, die sich nicht mit Umweltmedizin beschäftigt haben, das bestreiten.

Viele Bestandteile dentaler Legierungen, wie Chrom, Gallium, Kobalt, Kupfer, Indium, Nickel, Palladium und Vanadium werden jedoch zunehmend kritisch betrachtet. Es gehört zum Grundwissen des Zahnarztes, dass sich diese Elemente auch in den sogenannten Loten befinden, mithilfe derer sich Metallbausteine aneinander löten/schweißen lassen. Potentiell schädigende Effekte durch Korrosionsprodukte aus Legierungen sind wissenschaftlich durchaus nachvollziehbar und werden heute ernster genommen als in vergangenen Jahren. Die Liste der klinischen Erscheinungsformen als Folge toxischer Korrosionsbestandteile umfasst unter anderem Zahnfleisch-Verfärbungen, Geschmacksirritationen, Schleimhautbrennen und Parodontopathien (Zahnbetterkrankungen).

Vor allem Palladium hat sich als ausgesprochen schädigend herausgestellt, mit Schwerpunkt schwerwiegender psychischer Veränderungen. Ich habe selbst eine Patientin erlebt, die nach der Eingliederung einer einzigen palladiumhaltigen Krone Ängste entwickelte, die es ihr unmöglich machte, unbegleitet aus dem Haus und zum täglichen Einkauf zu gehen. Nach Entfernen dieser Legierung brauchte es noch fast ein Jahr, bis die Patientin gesundete.

Sicherheit gibt es für den verunsicherten Patienten nicht, keine wissenschaftlich anerkannte Prüfung oder Untersuchung kann eine Unverträglichkeit klar feststellen; allergische Prüfungen durch den Hautarzt sind viel zu grob und erfassen längst nicht alle Einflüsse und Reaktionen.

Die einzige bis heute bekannte Möglichkeit, eine Unverträglichkeit auszuschließen oder Allergien/Vergiftungen auf die Spur zu kommen, liegt in der Anwendung feinenergetischer Testungen. Diese Prüfungen werden allerdings schulmedizinisch belächelt und abgelehnt.

Sie gliedern sich auf in Elektroakupunktur und Kinesiologie, wobei ich in meiner Praxis über viele Jahre mit der Kinesiologie/Physioenergetik nach von Rasche arbeitete.

Diese Methode ist, wie könnte es anders sein, von Krankenkassen und Kollegen nicht anerkannt, zeigt aber mit verblüffender Genauigkeit reproduzierbare Ergebnisse.

Diese Methoden sind grundsätzlich erlernbar, aber nicht jeder hat Erfolge in seiner Anwendung.

Der Testende geht mit seiner gesamten Persönlichkeit im Testvorgang in Resonanz mit dem Patienten. Daher kann mit dieser Methode unglaublich präzise auch das Unterbewusstsein geprüft werden. (Typische Frage an das Unterbewusstsein eines erkrankten Patienten: Möchten Sie überhaupt gesund werden? Verschafft Ihnen die Erkrankung einen Vorteil? Die Technik und Vorgehensweise dieses Testvorganges ist nicht Gegenstand dieses Buches und kann beispielsweise in den Büchern von Klinghardt nachgeschlagen werden.)

Das kling schnell nach Hokuspokus, ist aber Teil des normalen Testalltags von Kinesiologen. Die geringschätzige Abwertung der Methode im Kollegenkreis war gewiss zum Teil auch der Missgunst wegen meiner Erfolge bei schwierigen Sachlagen und meinem daher großen internationalen Patientenstamm geschuldet.

Grundsätzlich sollte jedes in den Körper eingebrachte Material vor seiner Anwendung am Patienten überprüft werden, das ist in einer dafür ausgestatteten Praxis eine Frage von Minuten. Natürlich kann dieser Testvorgang nicht kostenfrei sein.

Aber wer sich jahrelang mit einer unerkannten Überempfindlichkeit auf einen Klebezement unter einer Krone mit Schmerzen und Hautveränderungen herumgeplagt hat, wird diesen Betrag gerne zahlen. Er hat dann die (relative) Gewissheit, dass er keine unerwarteten Schwierigkeiten mehr bekommt.

Ich schränke die Aussage bewusst ein, weil jedes Testergebnis einer Fehleinschätzung unterliegen kann. Die ist bei routinierten Testern aber selten. Und natürlich gilt auch hier: Der Markt fordert seine Opfer.

Denn wo man ohne große Umstände Geld und/oder Anerkennung verdienen kann, sammeln sich auch Scharlatane. Wenn Sie also von einem guten Kinesiologen gehört haben, nutzen Sie diese Chance zu Verträglichkeitstestungen (meine Patienten zur Kinesiologie kamen aus ganz Europa und den USA). Da hierbei dem Kinesiologen auch ein Dialog mit dem Unterbewusstsein des Patienten möglich ist, sind weitreichende und verblüffende Diagnose- und Therapiemöglichkeiten möglich.

Z. B. die weiter oben beschriebene Frage an den Patienten: „Möchten Sie überhaupt gesund werden?“ Sie wären erstaunt, wie freimütig der Körper des Patienten darauf im Rahmen der Testung antwortet. Und das nicht nur mit Ja/Nein, sondern, je nach Fragegeschick des Testenden, auch über genaue Gründe. Die Methode ist genauer als ein Lügendetektor.

Ich habe beispielsweise mit dieser Frage immer wieder Antworten bekommen wie: Ich habe Angst, wegen Mobbing an meinen Arbeitsplatz zurückzukehren.

Jedoch – wie gesagt: Trauen Sie längst nicht jedem, der sich als Kinesiologe ausgibt. Erkundigen Sie sich, soweit möglich, ausführlich über ihn. Er kann in Ihrem Unterbewusstsein einiges durcheinanderbringen.

Übrigens ist es auch möglich, mithilfe des Surrogattestes Bewusstlose, Schwerkranke, Säuglinge oder Haustiere auszutesten.

Das Versiegeln

Das Versiegeln der Zähne ist als Grundidee bestechend: Nach Aufrauen der Zahnoberfläche wird ein flüssiger Kunststoff aufgetragen und mit UV-Licht gehärtet. Dadurch schließe ich winzige Oberflächenspalten des Zahnes, bevor dort die Karies beginnen kann.

Denn am Grunde der Fissuren, der Täler zwischen den Zahnhöckern, setzt sich die Spalte noch als haarfeiner Spalt in die Tiefe fort. Groß genug, um durch den Gegenzahn beim Zubeißen mit Speisebrei gefüllt zu werden, aber im Durchmesser kleiner als die einzelne Borste der Zahnbürste. Daher ist das Säubern dieses Spaltes mit der Zahnbürste nicht möglich. Und daher beginnt dort oder zwischen den Zähnen, am Kontaktpunkt, oftmals die erste Karies.

Wieso haben wir denn dann überhaupt diese blöden Spalten in den Zähnen, wenn dort Karies entstehen kann? Nun, unsere Zähne sind von der Natur ursprünglich nur für faserreiche, schleimfreie Nahrung entworfen. Und für Fasern (Stichwort Rohkost) sind diese Spalten nun mal zu winzig.

Also empfiehlt Ihnen Ihr Zahnarzt, technisch ganz einleuchtend, eine Versiegelung, damit möglichst alle Spalten mit flüssigem Kunststoff verschlossen werden, sie also zu versiegeln. Dummerweise ändert sich die Substanz der Nahrung von grob-faserig in weich-breiig, sobald man sie kocht. Die sich wunderbar beim Kauen vom Gegenzahn in diese feinen und feinsten Spalten pressen lässt. Bis auf den Grund. Und sich von dort als Karies in den Zahn hineinfrisst.

Also macht ein Versiegeln doch Sinn?

Ja, wenn ich

1 vorher ausnahmslos sämtliche Reste aus den Fissuren (den Spalten) herausbekomme.

2 es schaffe, den Kunststoff überall nahtlos mit dem Zahn zu verbinden.

3 dafür einen methacrylat- und BPA-freien (siehe Kapitel) Kunststoff verwenden kann.

Punkt 1 ist nicht erfüllbar, die Spalten sind für einen Reinigungsvorgang zu eng.

Zu Punkt 2: Der Kunststoff kann sich chemisch nicht mit der Zahnoberfläche verbinden. Ein Verschmelzen der Oberflächen geht chemisch und technisch nicht, sie bleiben durch einen, wenn auch mikroskopisch-feinen, Spalt getrennt.

Die vom Zahnarzt geschaffene Verbindung Kunststoff – Zahn ist daher lediglich eine grobe mechanische Verzahnung, bei der die Zahnoberfläche mit Säure aufgeraut wird und der Kunststoff sich in der Rauigkeit verkrallt. Von nahtloser Verschmelzung und bakteriendichtem Verschluss kann hierbei keineswegs die Rede sein.

Zu Punkt 3: Es gibt zurzeit nur Methacrylate als Füll- resp. Versiegelungs-Kunststoff. Ein anderer Kunststoff ist nicht in Sicht. Und Allergologen warnen heute schon vor einer Flut von Allergien, die auf uns zurollt, durch die ungebremste Verwendung von Methacrylat-Kunststoffen im Mund (siehe Kapitel Kunststoff-Füllungen).

Noch dazu haben universitäre Studien im In- und Ausland bereits seit Längerem Bedenken gezeigt wegen des verwendeten Kunststoffes. Dieser hat durch Freisetzen von künstlichen Östrogenen Veränderungen im Hormonhaushalt der Kinder zur Folge (er stört nicht nur die Sexualentwicklung, sondern auch die Gehirnentwicklung und fördert Tumore).

Diese Veränderungen betreffen allerdings erschreckenderweise nicht nur Sexualorgane, sondern auch andere Symptome wie aggressives frühkindliches Verhalten, Dicksein und Asthma der Kinder sowie Brust- und Eierstock-Krebs, Ovarialzysten, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Potenzstörungen und Fruchtbarkeitsstörungen von Erwachsenen.

Für all diese Folgen der Aufnahme von Bisphenol A (BPA) existieren internationale Studien. Skandinavische Länder haben bereits kritisch Stellung bezogen zu diesen Problemen.

Deutsche Zahnärzte werden hingegen von zuständigen Stellen noch in Sicherheit gewiegt, u. a. durch Beschwichtigungen wie: Wirkungen nicht bewiesen und Konzentrationen viel zu schwach, um Wirkung zu zeigen, Nachweisführungen nur sehr schwer möglich.

Professoren der Zahnmedizin wiegeln regelmäßig ab, beispielsweise mit: „... dürfen Ergebnisse, die aus Zellmodellen ermittelt wurden, nicht überinterpretiert werden, ihre Tauglichkeit zur Prüfung der Toxizität von Dentalmaterialien ist umstritten. Insbesondere darf aus in-vitro-Tests (Labortests), die eine Zytotoxizität (Zellgiftigkeit) einzelner Inhaltsstoffe von Kompositen wie zum Beispiel TEGDMA ergeben, nicht der Fehlschluss gezogen werden, dass Präparate, die diese Substanzen enthalten, für die klinische Anwendung nicht geeignet wären.“

Alleine schon diese doppelte Verneinung ist eine geschickte Nebelkerze. Diese Aussagen sollen uns lediglich dahingehend beruhigen, dass die Fachleute hoffen, dass es wohl nicht so schlimm kommen wird, wie die Kritiker befürchten. Genau wissen sie es aber nicht. Sie legen lediglich Glaubensbekenntnisse ab, keine harten Fakten, nur butterweiches Wischi-Waschi-Geschwätz.

Auch wenn ich das Thema BPA hier mehrmals, aus verschiedenen Blickwinkeln, abhandle – bitte sehen Sie es mir nach. Es wird von stets zunehmender Wichtigkeit sein, die Aufmerksamkeit auf diese schleichende Vergiftung und Allergisierung mit Spätzünder-Effekt zu richten und dafür ein Gespür zu entwickeln.

Bitte bedenken Sie: Wir haben nur einen Körper, ohne Ersatzteile und ohne Version B. Wenn der kaputt ist, IST er kaputt und niemand verschafft uns einen neuen. Auch diese überschlauen Professoren nicht. Und gerade diese Kunststoffe, die uns täglich mehr überschwemmen, sägen unerbittlich an dem Ast, auf dem wir sitzen. Der zwar auch mit Sparflamme noch läuft, dessen eingeschränktes Funktionieren jedoch bei all den chronischen Erkrankungen erschreckend zunimmt.

Den Beschwichtigungen der zahnärztlichen Professoren setze ich beispielsweise die Meinung von Natalie von Götz vom Institut für Chemie und Bioingenieurwissenschaft der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich entgegen, die immerhin kritisch anmerkt, die Bedeutung sehr geringer Mengen der Substanz sei zumindest unklar. „Zum Zusammenspiel der Hormone im Körper und zu hormonwirksamen Substanzen gibt es noch viele offene Fragen und einen hohen Forschungsbedarf.“

Wir niedergelassenen Zahnärzte – wie jeder Arzt – sind nicht in der Lage, die Ergebnisse von Fachfragen selbst wissenschaftlich untersucht und das Ergebnis selbst erlebt zu haben. Wir müssen lesen oder hören ... und glauben. Und das Geglaubte dann unseren Patienten als richtig vermitteln.

Wir werden überschwemmt mit Studien, die ein bestimmtes Ergebnis zeigen. Und Studien sind für uns zunächst mal wissenschaftliche Untersuchungen, die seriöse Ergebnisse zeigen, an denen wir unsere Meinungen orientieren und an denen wir unsere Arbeit ausrichten.

Und wenn Professoren öffentlich von nicht bewiesen und Konzentrationen viel zu schwach, um Wirkung zu zeigen, sprechen, ist es uns zunächst unmöglich, hier Industrieinteressen von interessensfreier Information zu trennen.

Denn jedes Versiegelungsmaterial enthält BPA.

Nur sind leider Studien nicht gleich Studien. Studien werden in Auftrag gegeben (siehe Kapitel Alles nur geklaut). Kaum ein Arzt kann Studien aus eigenem Interesse durchführen und bezahlen. Daher haben Studienergebnisse auch immer etwas mit dem Auftraggeber zu tun.

Das sollten Sie wissen, wenn Ihnen mal wieder das Ergebnis einer Studie präsentiert wird. Uns Zahnärzten wird in jeder betreffenden Fortbildungsveranstaltung vermittelt: Versiegeln ist unbedenklich und daher im Sinne der Zahnerhaltung unbedingt zu empfehlen. Und wenn man die Quelle für glaubwürdig hält, sagt man genau dieses auch seinen Patienten.

Hat man aber ein gewisses Misstrauen zur Gesundheitsindustrie behalten und scheut den Aufwand nicht, sich durch internationale Fachliteratur zu kämpfen, so ist eine der Grundsubstanzen, aus der der Versiegelungskunststoff gefertigt wird, keineswegs unbedenklich: das Bisphenol A = BPA.

Es findet sich in vielen Gegenständen des täglichen Bedarfs: Thermopapier, CDs, Armaturen und Plastikteile im Auto, Haushaltsgegenstände, transparente Babyplastikflaschen, Babynuckler, Nahrungs- und Getränkeverpackungen. Nahrungsmittel- und Getränkedosen werden in der Regel innen mit einem BPA-haltigen Epoxidharz überzogen. In den seltensten Fällen werden die Verbraucher auf den Inhaltsstoff aufmerksam gemacht.

Doch auch, wenn uns Wissenschaftler immer wieder versichern, dieser Stoff sei völlig unschädlich, ist das Misstrauen gegen ihn nicht neu. Der Toxikologe Professor Ibrahim Chahoud betreibt mit seinem Team am Berliner Benjamin Franklin Medical Center Forschungen zu Bisphenol A. Seine Studie in der Novemberausgabe 2002 der Fachzeitschrift Environment Health Perspectives analysiert 37 Paare und die Plazenta ihrer Neugeborenen – und kommt zu dem Schluss, dass Bisphenol A (BPA) eine Gefahr darstellen könnte.

„Wie für alle hormonähnlich wirkenden Stoffe gilt hier der sogenannte low dose effect“, so Chahoud: Gerade bei geringer Dosierung, wie sie im Alltag vorkommt, befürchtet man Auswirkungen wie etwa seltene Krebsarten an den primären Geschlechtsteilen der Nachkommen. Die normale Schulmedizin und die Hersteller wiegeln allerdings ab: Die gemessenen Dosen seien zu niedrig. Und wenn Sie Chahouds Ergebnisse dagegenhalten, dass gerade geringe Dosierungen kritisch zu sehen sind, ist man geneigt, die Nebelkerzenwerfer z. B. bei Bayer zu finden.

Hersteller wie die Bayer AG warten mit eigenen Studien auf – laut deren Aussage ihr Tun NATÜRLICH ungefährlich ist. So beruft sich Bayer auf internationale Richtlinien, die allerdings den low dose effect noch nicht ausreichend berücksichtigen. Aber auch Nestle sieht derzeit keinen Grund, BPA zu meiden. Dabei vertreibt die Firma Getränke in Plastikflaschen, die BPA abgeben. Bei der Deutschen Gesellschaft für Kunststoff-Recycling war BPA auf Nachfrage nicht einmal bekannt – geschweige denn als Gefahrenquelle im Visier. In Brüssel ist man offenbar weiter: Inoffiziell gibt es dort schon eine Diskussion um ein BPA-Verbot.

Bis in jüngste Zeit wurde jedoch völlig ignoriert, dass 1938 – bereits 5 Jahre nach der Entdeckung der weiblichen Geschlechtshormone – östrogenähnliche Wirkungen des BPA nachgewiesen wurden. Hormone sind Stoffe, die in winzigsten Mengen von Drüsen nach innen (endokrin) abgegeben werden und Steuerungsfunktionen haben. Die Östrogene gehören dabei zu den wichtigsten: Zum Beispiel können sie in der Schwangerschaft den gesamten Organismus der Mutter zum Wohle des Kindes umprogrammieren.

Der WWF legte erstmals eine umfassende Studie (Bisphenol A: a known endocrine disruptor) vor, in der das drohende Risiko ausführlich dokumentiert wurde. Danach ging alles sehr schnell. Die Industrie verwies auf entsprechende eigene Experimente, die fast keine Effekte zeigten oder eine andere Interpretation nahelegten.

Dadurch entstand eine Pattsituation: Die Gefährlichkeit des BPA wurde wissenschaftlich nicht anerkannt, die Harmlosigkeit aber ebenfalls nicht bewiesen. Eine vom Umweltbundesamt veranstaltete Tagung im November 2000 konnte dieses Dilemma ebenfalls nicht lösen. Wissenschaftler berichteten, dass sogar Föten im Mutterleib betroffen sind, da sich in der Plazenta bis zu 100 Mikrogramm BPA pro kg fänden. Der Vertreter der Industrie, Professor Herwig Hulpke von der BAYER AG, vertrat als Einziger die Meinung, dass die chemische Industrie vorerst keine Konsequenzen bei Herstellung von Produkten mit BPA ziehen müsste; dies sei erst erforderlich, wenn die Gefährlichkeit von BPA eindeutig wissenschaftlich nachgewiesen wäre. Dann ist es aber für krebskranke Kinder zu spät.

Zahnärzte stehen also vor der Frage, ob sie abwarten wollen, bis die Industrie aufgrund neuerer Untersuchungen die Gefährlichkeit ihrer Produkte bestätigt, oder den Versicherungen der Hersteller glauben und weiterhin Kinderzähne versiegeln – und damit tickende Zeitbomben installieren. Denn eine einmal entstandene Allergie verschwindet nie wieder. Und Missbildungen und Krebs durch Hormone sowieso nicht. Eine gestörte Gehirnentwicklung, Tumore, ein aggressives frühkindliches Verhalten, Dicksein und Asthma der Kinder sowie Brust- und Eierstock-Krebs, Ovarialzysten, Herz-Kreislauf-Erkrankungen erst recht nicht!

GREENPEACE fordert im Übrigen, dass wir von der Industrie verlangen sollten, die Ungefährlichkeit ihrer Produkte nachzuweisen, statt ihr mühsam zu beweisen, dass gewisse Substanzen giftig sind.

Eine winzige Auswahl der getürkten und frei erfundenen Untersuchungen, Studien und Fakten, die uns mit bodenloser Dreistigkeit ständig verkauft werden, lesen Sie im Kapitel Alles nur geklaut.

Konsequenz: Finger weg von den Versiegelungen, auch wenn es noch so praktisch erscheint; bei Kontrollen fand ich sowieso immer wieder unter dem milchigen Lack schwer zu erkennende neu entstandene Kariesnester, die erst nach deutlichem Größerwerden der Karies auffielen, und damit viel zu spät für eine sinnvolle Gegenmaßnahme.

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9783990254387
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