Read the book: «Männergrippe»

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Inhalt

Prologitis

Teil 1Die Anatomie der Männergrippe

Kapitel 1TMG statt PMS – Genetik und Hormone

Kapitel 2Vorsorge statt Sorge – wie man Infekte vermeidet

Kapitel 3Prophylaxe … sprich vorher und überhaupt

Kapitel 4Erwischt! Wo alles anfängt – die Nase und ihre Höhlen

Kapitel 5Wenn man nichts hören kann – Land unter im Mittelohr

Kapitel 6Der Rachen und seine Virenauffangstation

Kapitel 7Die Stimme – Sitz der Seele

Kapitel 8Hallo, hier spricht dein Schwamm! Oder: Wie funktioniert eigentlich die Lunge?

Teil 2Jetzt wird’s ernst: Die Viren gehen, die Bakterien kommen

Kapitel 9The heat is on! Eine kleine Abhandlung über das Fieber

Kapitel 10Viren, Bakterien, Antibiotika und so – Aufklärung ganz ohne Sex

Kapitel 11»-itis« oder »-ose«? Auf die Endung kommt es an

Kapitel 12Nebenhöhlenvereiterungen – im Spiegel des Röntgengeräts

Kapitel 13Aua Mittelohr! Wenn sich Wasser in Eiter verwandelt

Kapitel 14Angina ist kein Frauenname – warum mit Mandelentzündungen nicht zu spaßen ist

Kapitel 15Laryngitis, Pharyngitis, Tracheitis und andere »-itisse«

Kapitel 16Jetzt wird’s wirklich ernst – Bronchitis und Lungenentzündung

Kapitel 17Die Psyche oder worüber auch Helden stolpern

Bullshit-Bingo

Gemeine Glossaritis

Hühnersuppenrezept

Nützliche Links

Epilogitis

Danke!


Die Autorinnen haben ihren Text mit Sorgfalt geschrieben. Dennoch können sich Fehler eingeschlichen haben. Und natürlich bietet dieses Buch keinen Ersatz für kompetenten medizinischen Rat. Der richtige Ansprechpartner bei Erkrankungen ist ein Arzt.

Alle Angaben erfolgen in diesem Buch daher ohne jegliche Gewährleistung oder Garantie seitens des Verlags oder der Autorinnen. Eine Haftung der Autorinnen beziehungsweise des Verlags und seiner Beauftragten für Personen-, Sach- und Vermögensschäden ist ebenfalls ausgeschlossen. Die Fallgeschichten sind frei erfunden. Sämtliche Ähnlichkeiten zu lebenden Personen sind rein zufällig.

Prologitis

Ich habe einen sehr tapferen Mann. Wirklich. Ich erinnere mich, es ist schon einige Jahre her, da kam ich von einem Elternabend nach Hause und fand einen Zettel von ihm auf dem Küchentisch mit der Nachricht:

Habe mir beim Baumschneiden in die Hand gesägt. Bin ins Krankenhaus gefahren. Mach dir keine Sorgen!

Ich habe mir selbstverständlich Sorgen gemacht. Wenn ein Mann sich freiwillig ins Krankenhaus begibt, steckt definitiv etwas Ernstes dahinter. Später stellte sich heraus, dass er nicht nur allein ins Krankenhaus gefahren war, sondern vorher auch noch sein Blutbad beseitigt hatte, damit keines der Kinder oder gar die liebende Ehefrau erschrecken muss, sollte irgendjemand von uns aus Versehen die Diele durchqueren, durch die er sich ins Haus geschleppt und die Küche betreten hatte, wo unser Erste-Hilfe-Kasten steht.

Verantwortungsvoll, heldenhaft, stark.

So ist er.

Mein Mann.

Ich wäre vermutlich allein beim Anblick des Blutes ohnmächtig geworden und niemals in der Lage gewesen, selbst zu fahren – und zwar egal, ob er oder ich mir in die Hand gesägt hätte. (Nur fürs Protokoll: Mir wäre es nicht passiert, denn ich halte mich von Sägen fern.)

Seine Verletzung war in der Tat ernst. Er hatte sich nämlich die Daumensehne durchtrennt und musste operiert werden. Ja, das konnte ambulant gemacht werden, und, so erzählte er mir, als er mit einem Schnaps in der gesunden Hand und einer beeindruckenden Gipsschiene an der anderen auf unserer Couch saß, er hätte für diese Lappalie auch keine Narkose gebraucht, wenn der behandelnde Arzt nicht darauf bestanden hätte. Ihm hätte was zum Draufbeißen gereicht. Gut, das mit der Sehne ist eben auch eine richtige Männerverletzung. Blut, beinahe abgehackte Gliedmaßen, Unfälle aufgrund von unsachgemäßem Gebrauch von Fortbewegungsmitteln jeglicher Art, erhöhter Geschwindigkeit oder irgendwas, was einem beim Ballspielen passieren kann: eine Lappalie. Etwas, worauf man stolz sein kann. Lässig binden sich Männer verletzte Arme, Beine oder Köpfe mit alten T-Shirts ab und gehen ein Bier trinken. Ganz nach dem Motto: War was?

Völlig anders verhält es sich mit Befindlichkeiten, die sie nicht selbst hervorgerufen haben oder die keine Narben verursachen, mit denen man in Umkleidekabinen oder bei Söhnen nicht angeben kann und die von selbst und innen heraus entstanden sind. Blut ist sexy. Mit einem fehlenden Finger kann man immer noch alles machen, was fürs Mann-Sein so nötig ist. Mit Halsweh, Schnupfnase oder Husten hingegen kann man nichts. Überhaupt nichts. Nur sterben möglicherweise. Und zwar schneller, als einem lieb ist.

Eine verstopfte Nase ist – bedrohlich. Lebensgefährlich.

Damit ist nicht zu spaßen. Das erfordert sofortige Maßnahmen. Mindestens absolute Bettruhe – wobei Ruhe relativ ist und maximal die Belästigung durch sprechende Ehefrauen oder spielen wollende Kinder beinhaltet, aber in keinster Weise die Fähigkeit beeinträchtigt, Sportsendungen im Fernsehen zu verfolgen. In maximaler Lautstärke. Ganz im Gegenteil: Es gibt Studien, die belegen, dass Sportsendungen sich positiv auf den Genesungsprozess auswirken und die Lebensdauer eines dahinsiechenden männlichen Wesens erheblich verlängern. Erheblich! Zur Not geht auch irgendwas auf DMAX.

Es gibt übrigens einen Ausruf, einen Initialmoment, der – aufgrund seiner Lautstärke und Brisanz – sofort die Welt aus ihren Angeln hebt. Er hat schon Ehen zerstört, große Unternehmen ruiniert und politische Krisen hervorgerufen. Er ist kurz, kraftvoll und hat genügend Power, die Zeit anzuhalten. Nein, danach ist nichts mehr, wie es war.

Und er läutet die Apokalypse aka Männergrippe ein. Beiname: die gemeine. Wir sprechen von: »Hatschi!«

Ja, Männergrippe ist bedrohlich – und zwar für Männer und Frauen gleichermaßen. Die einen leiden und die anderen erst recht. Aber wie kann man eine gewöhnliche Erkältung überhaupt von einer wirklich bedrohlichen Männergrippe unterscheiden? Und wie kann Betroffenen geholfen werden, diese schwere Krankheit ohne nachhaltige Schäden beiderseits zu überstehen?

Anna und ich sind beide verheiratet, wir haben insgesamt acht Kinder (ja, auch Söhne dabei), eine von uns hat als HNO-Ärztin gearbeitet (Anna) und eine als Heilpraktikerin (ich, Lucinde). In diesem Büchlein suchen wir die Wahrheit über die Männergrippe, gehen der Frage nach, ob auch Frauen Männergrippe bekommen können, ob andere Kontinente ebenfalls betroffen sind (denn dann müsste man selbstverständlich von einer Pandemie sprechen), wir fragen uns, wie man am besten damit umgeht und ob es evolutionäre Rechtfertigungen für dieses Phänomen, pardon, diese Bedrohung der männlichen Menschheit gibt. Wir sammeln wertvolle Tipps von Betroffenen, Erfahrungsberichte und spenden Trost und Mitleid. Sehr viel Mitleid.

Männer, wir sind bei euch. Wir lassen euch nicht im Stich. Die Männergrippe existiert! Natürlich! Ihr seid die Allerärmsten!

Frauen, wir sprechen später.

Lucinde & Anna

PS: Natürlich ersetzt dieses Buch nicht den Gang zum Arzt, Männer! Jeder Mann, jede Männergrippe ist anders. Bitte unterschätzt die Symptome nicht, solltet ihr wirklich welche haben – und am besten: Bleibt gesund!

TEIL 1


Die Anatomie der Männergrippe

KAPITEL 1
TMG statt PMS – Genetik und Hormone


Kleine Fallgeschichte

Sarah P., Felix N. (beide 28), München:

»Ooooooh, Sarah! Ich … Sarah, ich … es geht mir so schlecht, ich …«

»Um Gottes willen, Felix! Was ist passiert? Hast du dich verletzt? Bandscheibe? Nierenkolik? Sag doch was, Schatz!«

»Nein, ich … Sarah … oh bitte, sprich nicht so laut!«

»Felix, komm schon! Was ist passiert? Ich habe Angst!«

»Oooooh, Sarah, mein Kopf! Meine Glieder! Oh, und mir ist so schwindelig!«

»Bist du gestürzt? Soll ich den Notarzt rufen? Kann ich …«

»Nein … nicht gestürzt … ich … kannst du mal meine Stirn fühlen? Ich glaube …«

»Fieber? Felix, deine Stirn ist ganz normal. Du siehst auch ganz normal aus, vielleicht ein bisschen … Schnupfen? Felix? Hallo? Taschentücher sind in der Schublade mit dem Thermometer, aber das weißt du doch.«

»Ja, schon, aber … oh, könntest du mir beides holen? Und bitte gleich auch noch ein kühles Tuch für meine Stirn, eine Zitronenlimo … vielleicht … mit Strohhalm … und wenn es nicht zu viel verlangt ist: ein Honigbrot in mundgerechten Stückchen?«

»Äh …«

»Oh, Sarah, ich fühle mich so schwach. So elend. So krank. Ich glaube, ich kann heute nicht zur Arbeit gehen. Und hör mal meine Stimme! Ich krächze ja auch fürchterlich! Ich muss bestimmt sterb…«

»Felix!«

»Doch, doch! Du musst nur genauer hinhören! Kannst du vielleicht auch bei der Arbeit anrufen?«

»Ich soll für dich …?«

»Bitte! Ich flehe dich …«

»Schon gut, schon gut. Ich ruf’ ja schon an. Noch was?«

»Hast du schon mal Hühnersuppe gekocht?«

»Hühnersuppe?«

»Ja, da gibt es dieses Rezept von meiner Mutter, das …«

»Felix?«

»Ja?«

»Am besten wir rufen deine Mutter gleich an und fragen sie, ob sie nicht vorbeikommen und sich um ihren todkranken Sohn kümmern möchte.«

»Echt jetzt? Das würdest du für mich tu…«

»Ganz ehrlich? NEIN. Ich gehe jetzt arbeiten. Und wenn du deine Mutter und deinen Chef benachrichtigen willst, dann mach das. Und zwar selbst. Und nach der Arbeit gehe ich mit Nicky auf einen Drink. Oder fünf.«

»Mann, Sarah! Ich bin echt krank! Warum bist du denn so mies drauf? Frauen, echt! Immer das Gleiche. Hast du deine Tage oder was?«

Dass sich Männer und Frauen unterscheiden, ist ja kein Geheimnis. Nur der Korrektheit halber: Es hat allerdings nichts mit der Fähigkeit zu tun, einen Personenkraftwagen in eine viel zu kleine Parklücke zu zwängen, nur um sich hinterher aufzuführen, als hätte man dafür mindestens den Nobelpreis verdient.

Nein, wir sprechen hier von etwas Großem. Wichtigem. Grundsätzlichem. Und zwar zuallererst von der Genetik. Chromosomen und so. Natürlich wollen wir es damit nicht übertreiben, aber ein paar winzige Erklärungen schaden ja auch nicht. Schließlich wollen wir die Männer und ihre Befindlichkeiten ja verstehen. Sie können nämlich nichts dafür, dass sie so sehr leiden. Um es genau zu nehmen, können sie genauso wenig dafür, wie wir Frauen für das grausame prämenstruelle Syndrom, kurz PMS, das uns einmal im Monat lahmlegt und dem Männer gern mit Unverständnis und Missfallen begegnen. Aber wir wollen es besser machen. Denn wir weiblichen Wesen, die wir empathiebegabt durchs Leben gehen, können hier eine große Versöhnung herbeiführen und müssen uns fortan nie wieder über unsere Männer ärgern, lustig machen oder uns fragen, wie aus dem Held in schimmernder Rüstung nur so ein Weichei werden konnte. Also, wenn der Nobelpreis schon an irgendjemanden geht, dann an uns Frauen. Und zwar für Frieden, Verständnis, Geduld und Wohlwollen.

Fangen wir an: Egal ob Mann oder Frau – wir haben alle 23 Chromosomenpaare, die man in jedem Haar, jeder Hautzelle und einfach überall in unserem Körper exakt gleich wiederfinden könnte, wenn man sich die Mühe machen würde, danach zu suchen.

In diesen Chromosomen finden sich alle Informationen, die den jeweils einzigartigen Menschen zu dem machen, was er ist. Ein Chromosomenpaar besteht aus zwei Chromosomen. Bei Frauen sind es zwei X-Chromosomen und bei Männern einmal X und einmal Y. Genetiker haben nachgewiesen, dass auf den X-Chromosomen mehr Gene liegen, die für die Immunabwehr zuständig sind. Das heißt, wir Frauen sind einfach besser aufgestellt, was das Immunsystem angeht. Rein optisch steht XX natürlich sowieso schon viel stabiler als XY da, oder? Dem Y fehlt ja auch ein Bein. Hätten sie uns gefragt, wir hätten es ihnen gleich sagen können. So oder so: Frauen kommen mit Viren und Bakterien grundsätzlich also schon mal besser klar. Wir haben einfach das bessere Immunsystem. Das ist aber nicht nur ein Vorteil, denn gleichzeitig ist es so stark, dass es gern mal den eigenen Körper angreift, weshalb Frauen dafür eher Probleme mit Autoimmunerkrankungen haben, wie zum Beispiel Rheuma oder Hashimoto-Thyreoiditis, eine Entzündung der Schilddrüse. Aber das ist eine andere Geschichte.

Nun zu den Hormonen. Ein Aufschrei geht durch die eine, maßgeblich testosterongesteuerte, Hälfte der Gesellschaft: Waaas? Hormone? Das sind doch die fiesen kleinen Dinger, die dafür sorgen, dass meine Freundin einmal im Monat so schlecht drauf ist und man nichts mit ihr anfangen kann!

Ja, in der Tat, Männer, das machen Hormone – in diesem Fall vor allem Progesteron und Östrogen. Die sorgen nämlich dafür, dass wir einen funktionierenden Zyklus haben, der es uns ermöglicht, Kinder zu bekommen. Was für ein großartiges Wunder und Geschenk der Natur, oder etwa nicht? So toll es aber ist, dass der weibliche Körper den Fortbestand der Menschheit sichert, so anstrengend sind die Nebenerscheinungen, denn diese Hormone bescheren vielen von uns in schwangerschaftsfreien Zeiten je nach Zyklustag ekelhafte Beschwerden wie Krämpfe, Rückenschmerzen, Migräne, Müdigkeit, Wasseransammlungen, Stimmungsschwankungen – und nicht zu vergessen Blutungen, die uns ein paar Tage lang das Leben schwer machen. Und das ist wirklich so. Messbar. Und vor allem: einmal im Monat, Männer!

Aber eigentlich könnt ihr froh darüber sein, denn dadurch kennen wir die Wirkung von Hormonen ziemlich gut und sind dementsprechend nachsichtig. Wenn uns nun also jemand erklärt, dass die tödliche Männergrippe, kurz TMG, ebenfalls durch Hormone ausgelöst wird – und zwar ganz genau so wie PMS –, dann freut euch über unser neu entflammtes Verständnis. Und arbeitet an eurem. Ähem.

Die Hormone sind aber nicht nur bei PMS und TMG beteiligt, sondern auch beim Muskelaufbau und Knochenwachstum, sie sind für den Stoffwechsel zuständig und regeln den Sexualtrieb, um nur einige ihrer lebenswichtigen Aufgaben zu nennen.

Männer und Frauen produzieren übrigens beide Östrogen und Testosteron, die jeweiligen Sexualhormone, allerdings in unterschiedlichen Mengen. Das weibliche Sexualhormon Östrogen regt, oh Freude, die Vermehrung der spezifischen Abwehrzellen an (die sogenannten B- und T-Zellen, im Gegensatz zu den Allesfresserzellen). In Superhelden-Personalunion ist die weibliche spezifische Immunabwehr also quasi Lara Croft.

Euer heiß geliebtes männliches Testosteron ist währenddessen eben mit anderen Dingen beschäftigt. Bärte. Muskeln. Tiefe Stimme. Megawichtig. Allein: Es kostet eben Immunkraft. Man muss Prioritäten setzen. (Ihr habt natürlich auch Lara Crofts, die euch verteidigen. Nur eben kleiner. Und schwächer. Und … mit mehr Haaren.)

Weil das weibliche Abwehrsystem eben dementsprechend schneller und aggressiver ist, werden wir schon mal weniger schnell kränklich. Außerdem reagieren Frauen auf Impfungen mit deutlich höherer Immunantwort – dank Lara.

Krank werden wir natürlich auch. Aber da müssen schon schwere Geschütze aufgefahren werden. Männer. Nicht weinen.

Das gute alte Testosteron ist also nicht wirklich eine gute Immununterstützung. Ganz im Gegenteil: Es sorgt nämlich sogar dafür, dass die sogenannten Toll-like-Rezeptoren, also die Türsteher des Immunsystems, verringert werden. Sie, die eigentlich dafür zuständig sind, die bösen Viren, Bakterien und Co. an Lara zu melden, die dann dafür sorgt, dass eure körpereigene Disco verteidigt wird, schauen dann weg, feilen sich die Fingernägel oder beschäftigen sich mit … Unwichtigem. Alle Bösewichte stürmen rein und sagen nicht Bescheid.

Arme Männer.

Und als würde das noch nicht reichen, ernähren die XY-Träger sich auch noch schlechter. Oh nein, nein – natürlich nicht während der Männergrippe, denn da werden sie ja von ihren sie liebenden Frauen umhegt und gepflegt, sondern sonst. Ganzjährig. Immer. Und sie lassen sich weniger gern impfen. Denn was das Testosteron ja auch noch echt gut draufhat, ist, dass es den Männern das Gefühl gibt, unsterblich zu sein. Na ja. Bis eben die TMG zuschlägt.

So ist es eben, Männer, jedes anständige Virus hat bei euch mehr Chancen als bei uns Frauen. Hormone, Gene, Ernährung, eine gewisse Abneigung gegen die Typen in den weißen Kitteln mit den spitzen Spritzen – das alles erklärt also, warum Männer leichter von Viren überwältigt werden als Frauen.

Aber WENN es uns Frauen erwischt, dann zeigen wir zumindest die gleichen Symptome wie die Männer. Also: Warum leiden Männer dennoch mehr? Sind sie etwa zusätzlich zu ihrem … nun ja, etwas minderbemittelten Immunsystem auch noch schmerzempfindlicher?

Natürlich hat sich die Wissenschaft auch auf diese Frage gestürzt und – tadaaa –, sie sind es … NICHT. Nicht schmerzempfindlicher. Ganz im Gegenteil. Und dafür ist verantwortlich? Was schon: das Testosteron! Muss hilfreich sein, wenn man die Zähne des Säbelzahntigers nicht ganz so heftig im Arm spürt. Tatsächlich sind Frauen die Sensibelchen. Und was lernen wir daraus?

Wir wagen es ja kaum auszusprechen, aber: Hier scheint die Psyche beteiligt zu sein. Dieses Zeug, mit dem Frauenköpfe so vollgestopft sind, dass sie Männern diese komplizierten Fragen stellen müssen, die sie beim besten Willen nicht beantworten können …

Männer – davon habt ihr auch etwas abbekommen! Seht gelegentlich einmal nach.

Noch Fragen?

Außer der nach den mundgerecht geschnittenen Honigbroten natürlich …

Übrigens: Annas und Lucindes ultimatives Hühnersuppenrezept ist auf Seite 247 zu finden.

KAPITEL 2
Vorsorge statt Sorge – wie man Infekte vermeidet


Um gleich mit der Tür ins Haus zu fallen: Die beste Vorbeugung gegen wirklich fiese Krankheiten ist – auch wenn einige das anders sehen – die Impfung dagegen. Die fast vollständige Ausrottung der Pocken ist dafür ein gutes Argument. Wer das anders sieht, darf sich aber auch gern einmal mit den in vielen Ländern – unter anderem Indien – nach wie vor sehr real existierenden Auswirkungen des Lyssavirus auseinandersetzen. Spätestens wenn es um die Tollwut geht, die vom Lyssavirus ausgelöst wird, sind sich praktisch alle über die Sinnhaftigkeit einer vorbeugenden Impfung einig.

Ärzte empfehlen Älteren, Kranken und Schwangeren, sich gegen die echte Grippe impfen zu lassen. Und zwar jeden Herbst von Neuem. Was – die gute Nachricht – die echte Grippe meistens erfolgreich verhindert. Warum aber muss man sich immer wieder impfen lassen? Reicht nicht ein Piks? Für zehn Jahre? Wie bei anderen anständigen Impfungen auch?

Und nun die schlechte Nachricht: Nein. Reicht nicht.

Dazu eine kurze und sehr lückenhafte Abhandlung über Abwehrzellen, denn die menschliche Immunabwehr ist unglaublich kompliziert und von der Wissenschaft keineswegs vollständig verstanden. Also: Abwehrzellen sind weiße Blutkörperchen, die ursprünglich alle von derselben Sorte Stammzellen abstammen. Dann aber bekommen sie alle ein unterschiedliches Training, und zwar in ihren Ausbildungsstätten, zum Beispiel den Mandeln und der Milz. Nach Ende der Ausbildung bilden sie eine sehr effektive und fein abgestimmte Köperarmee, die in den Blutgefäßen, in Organen und Gewebe patrouilliert und nach Angreifern sucht. Dabei gibt es die unspezifischen Abwehrzellen – so eine Art Müllabfuhr –, die alles fressen, was ihnen einigermaßen verdächtig vorkommt, darunter auch Bakterientrümmer und was sonst so in der Gegend herumliegt; auch sie sind wieder unterspezialisiert, so wie eine Putztruppe ja auch nicht alles reinigt – die einen machen die Fenster und die anderen die Böden. Grob gesagt. Und dann gibt es die spezifischen Zellen, das sind die B- und T-Lymphozyten, die haben schon etwas mehr auf dem Kasten. Die B-Lymphozyten stellen die Antikörper her, die feindliche Eindringlinge so markieren und zusammenklumpen können, dass die Fresszellen sie als Müll erkennen und beseitigen. Unter den spezifischen Abwehrzellen gibt es nun welche mit einem Gedächtnis. Und zwar merken sie sich die Viren, Bakterien oder Pilze, mit denen der Körper schon einmal sehr unangenehme Erfahrungen gemacht hat, und wenn sie das nächste Mal auf ihre Feinde treffen – paff! –, sind die Krankheitserreger weg vom Fenster, ehe sie wissen, wie ihnen geschieht.

Sie sind sozusagen die Navy SEALs unter den Immunzellen. Sie erinnern sich noch Jahre lang an bestimmte Erreger, manche ein ganzes Körperleben lang. Hat man zum Beispiel einmal die Windpocken oder auch die Masern durchlitten, ist das ein für alle Mal erledigt. Bei manchen Krankheiten hält diese Erinnerung nicht ein Leben lang vor, dazu gehört zum Beispiel der gemeine Keuchhusten. Das ist der Grund, warum Erwachsene manchmal einen bellenden und äußerst hartnäckigen Husten entwickeln, ohne darauf zu kommen, dass sie schlichtweg unter Keuchhusten leiden.

Leider können sie ungeimpfte Babys in diesem Zustand anstecken.

Ebenso wie als Reaktion auf eine Infektion erzeugt der Körper Erinnerungszellen auch als Reaktion auf eine Impfung, übrigens auch hier teils vermutlich lebenslang (Masern), teils nur für etwa zehn Jahre (Tetanus, Keuchhusten). Der einzige Unterschied zwischen Impfung und echter Infektion: Die Viren oder Bruchteile von Viren oder anderen Erregern, die dabei in die Muskeln gespritzt werden, machen nicht mehr krank. Deshalb ist eine Impfung gewissermaßen Krankheit light. Kein Fieber, keine Gliederschmerzen, kein Tod.

Impfungen verhindern viele Erkrankungen, und glücklicherweise auch viele, die früher die Menschen, besonders Kinder, dahingerafft haben. Hier folgt ein kleiner Umweg: Kinderkrankheiten heißen nämlich nicht so, weil es sozusagen die kleine Version von großen Krankheiten wäre oder diese Form von Krankheit harmlos, sondern weil sie so dermaßen ansteckend sind, dass man sie unweigerlich schon als Kind bekommt. Und als Erwachsener nicht mehr, weil man entweder immun ist (funktionierende Eliteabwehrzellen) oder eben tot.

Was nun aber für Masernviren gilt – ziemlich dämliche Virenvariante, sehen immer gleich aus –, gilt nicht für Grippeviren. Das sind Schlitzohren. Sie haben nämlich die unangenehme Eigenschaft, ihre Gestalt häufig zu ändern. Jedes Jahr, bei jeder neuen Grippewelle, sieht der Körper sich also ihm völlig unbekannten Viren gegenüber und hinkt mit seiner Abwehr immer hinterher. Man kann sich das in etwa so vorstellen, dass die Truppe der Erinnerungszellen, die Navy SEALs, schwer bewaffnet an sämtlichen Körperöffnungen steht und nach dem Feind Ausschau hält, während das Fußvolk seine üblichen Runden durch den Körper dreht.

Der Feind (in diesem Fall das Grippevirus) sah nun letztes Jahr noch etwa so aus wie ein Ork. Groß, hässlich und intensiv unsympathisch. Ergo hält man – so als Immunzelle – Ausschau nach etwas Orkartigem.

Weit und breit nichts, die Immunsoldaten scharren mit den Hufen. Keine Orks. Nichts Hässliches. Niemand sabbert ihnen das Gewehr voll.

Nur ein grinsendes Häschen hoppelt an den bis an die Zähne bewaffneten Soldaten vorbei. Sie beachten es gar nicht, denn der Feind hat bekanntlich keine weißen Plüschöhrchen und schon gar nicht solche netten vorstehenden Zähnchen.

Wenig später hat das Häschen, immer noch grinsend, seinen Plastiksprengstoff an der Zellwand deponiert und gezündet.

Bis die getäuschte und leider nicht sehr intelligente Armee der Abwehrzellen begriffen hat, dass das Häschen nicht so harmlos ist, wie es tut, sind schon viel mehr Hoppelhäschen mit Sprengstoff unterwegs. Sie vermehren sich nämlich, ganz wie die Häschen im echten Leben, rasend schnell. Das ist dann der Teil, in dem es dem gemeinen virenbefallenen Grippekranken wirklich schlecht geht.

Und der männliche Befallene an die Letzte Ölung denkt.

Irgendwann aber hat wenigstens das Fußvolk begriffen, was abgeht, und im Körper findet eine grausame Schlacht statt – das Fieber steigt, der Husten wird unerträglich, die Nase läuft und so weiter –, in deren Verlauf die Häschen besiegt werden und die Spezialeinheit sich mit neuen Waffen eindeckt (häschenspezifische statt orkspezifische; übertragen ins Immunsystem: Antikörper). Und dann folgt das Übliche: Abfieberung, schließlich Heilung, und schon ist der Mann wieder in der Lage, den Müll hinunterzubringen. Jedenfalls theoretisch.

Nächstes Jahr geht das Spiel dann von vorne los. Diesmal halten die Abwehrsoldaten – häschenspezifische Handgranaten in den Flossen – Ausschau nach niedlichen Plüschöhrchen.

Nirgendwo Häschen.

Nächstes Jahr sind es Mammuts.

Uns erinnern die Abwehrzellen immer etwas an Rekruten aus dem ersten Film von Men in Black.

Für die, die MiB nicht kennen: Das ist eine amerikanische Spezialeinheit, deren Mitglieder aus unverständlichen Gründen aussehen wie die Blues Brothers, nur ohne Hüte. Sie tragen schwarze Anzüge, bei Bedarf Sonnenbrillen und außerdem Blitzdingse, Metallstäbe, die Blitzlichter von sich geben, die wiederum die geniale Eigenschaft haben, die neueste Erinnerung eines normalen Menschen auszulöschen. Und das ist nötig, denn die Men in Black bekämpfen verbrecherische Außerirdische (und betreuen nebenberuflich die weniger schädlichen wie Wurmlinge und einen Typen, der so extrem schielt, dass man sich unwillkürlich fragt, ob sie auf anderen Planeten keine fähigen Augenärzte haben. Als Kompensation kann er seinen Kopf nachwachsen lassen wie ein irdischer Hai seine Zähne. Leider ändert das nichts am Schielwinkel, wir hätten wenigstens darauf gedrungen, dass wir uns unterschiedliche Kopfmodelle aussuchen können – sicherlich hätten wir keinen mit derartig vorstehenden Zähnen genommen).

Da aber dem Normalmenschen offensichtlich ein Kontakt mit all diesen teilweise schwanztragenden und teilweise mit wirklich unappetitlichen Eigenschaften ausgestatteten Außerirdischen nicht zuträglich wäre, laufen die Außerirdischen auf den Straßen gut getarnt herum. Ähnlich wie die harmlosen Erreger im Körper, um mal den Bogen zu dem eigentlichen Thema zurück zu schlagen.

Wenn die Außerirdischen nun aber unangenehm auffallen – sei es, weil sie gerade einen Menschen versehentlich um die Ecke gebracht haben oder weil sie mitten auf der Straße ein Baby gebären, das vage aussieht wie ein Tintenfisch –, dann lassen die Men in Black die Menschen anschließend in das Blitzdings schauen. Was ihre Erinnerung an die Außerirdischen zuverlässig löscht. Weswegen sie anschließend ohne posttraumatische Belastungsstörung weiterleben können (nein, Blitzdingse gibt es im Körper nicht, hierfür gibt es also keine Entsprechung bei den Abwehrzellen).

Und nun zu Will Smith.

Es ist nämlich so, dass Experten für Außerirdische, die Men in Black, gelegentlich neue Leute rekrutieren müssen, und zwar aus der normalen Menschenbevölkerung.

Dazu wählen die entsprechenden Ausbilder nur die »Besten der Besten« aus, wie einer der Rekruten begeistert brüllt – aber welche Eigenschaften einen dazu machen, das lässt der Film ziemlich offen. Wenn die Jungs, die dort rekrutiert wurden, dazugehören, dann gute Nacht, Amerika.

Jedenfalls werden die »Best of the Best« in das Gebäude der Außerirdischenbekämpfer eingeladen (im Körper vielleicht die Mandeln?). Für einen Test. Assessment-Center. Ganz wie im echten Leben. Und unter diesen Rekruten befindet sich Will Smith.

Im Verlauf dieses Tests müssen die Männer (es ist keine einzige Frau dabei, möchten wir hier einmal erschüttert bemerken) binnen Sekunden entscheiden, welches von einer Herde von sich langsam auf sie zubewegenden Pappmonstern am gefährlichsten ist. Zu diesem Zweck haben sie jeder eine Pistole in der Hand.

Hemmungslos ballern die Jungs auf sämtliche Monster ein (schlagen wir hier mal wieder den Bogen zum eigentliche Thema. Also: Orks. Viren. Ekelhafte Erreger). Nur ein einziger Mann (Abwehrzelle), Will Smith natürlich, zielt auf ein kleines, unauffälliges Pappmädchen, die kleine Tiffany (Häschen). Will Smith erklärt seine Attacke auf Tiffany anschließend damit, dass ein Grundschulkind, das mitten in der Nacht zwischen einer Herde von ungeheuer brutal aussehenden Monstern mit einem Stapel Bücher über Quantenphysik unter dem Arm auf der Straße unterwegs ist, unmöglich harmlos sein kann. Er ist der Einzige, der anschließend einen Job als Man in Black angeboten bekommt, die anderen »Best of the Best« werden geblitzdingst. Will Smith wäre sozusagen die Steigerung von den Erinnerungszellen, die ultimative mitdenkende Erinnerungszelle.

Leider, leider, leider hat unser Körper keine Will Smiths.

Und deswegen brauchen wir bei jeder Grippewelle eine neue Impfung, nach der die Abwehrzellen dann wenigstens dieses Jahr das Terrorhäschen als gefährlich einstufen.

Nun könnte man natürlich fragen, warum es eigentlich keine Impfung gegen Erkältungen, Entschuldigung, die Männergrippe gibt. Eine Frau würde diese Frage vermutlich beantworten mit »WTF«. Oder – etwas vornehmer – mit: »Wozu?« Denn schließlich ist Schnupfen ja nicht tödlich. Auch wenn Männer das anders sehen.

Einen Mann könnte die Antwort aber interessieren. Sie lautet: weil es zwar nur zwei bis drei unterschiedliche Grippeviren (unterschiedliche Orks, Häschen mit unterschiedlich gefärbten Ohren, Tiffanys) pro Saison gibt, aber zweihundert bis dreihundert unterschiedliche Schnupfenviren.

Dennoch gibt es tatsächlich Bemühungen, gegen zumindest die gefährlichsten von ihnen Impfungen zu entwickeln.

Sie werden von Männern vorangetrieben.

KAPITEL 3
Prophylaxe … sprich vorher und überhaupt


Wir wissen ja, wie sehr Männer Heißgetränke ohne alkoholischen Inhalt ablehnen. Glühwein geht. Jagertee geht auch, obwohl das böse Wort »Tee« darin enthalten ist. Aber immerhin wird er mit schwarzem und nicht mit Kräutertee gemacht. Puh, Glück gehabt, weil Tee ja per se ein Angriff auf die Männlichkeit ist. Wer Tee trinkt, verliert und so. Männer trinken eigentlich alles. Außer irgendwas, was aus getrockneten Blumenwiesen ist.

Manche Männer bestehen ja sogar drauf, dass es nicht Tee-, sondern Kaffeelöffel heißt, und wenn es sich lohnen würde, Kaltgetränke aus Hopfen und Malz in diesen winzigen Dosen zu sich zu nehmen, würden sie sofort eine Petition starten, damit die Dinger in Bierlöffel umbenannt werden. Tja. Empfindlich sind sie nämlich auch noch, die lieben XY-Chromosomenträger.

Bei fast allem. Bei Grippeimpfungen gibt es allerdings solche und solche. Die einen fürchten den Piks – die anderen eben die Grippe. Wir hatten bis zum letzten Jahr immer Glück und blieben gesund, aber dann … hat es Lucinde erwischt. Sonst hatte niemand was, und das ist natürlich auch gut so. Jedenfalls besser. Ätzend und überflüssig ist die Grippe trotzdem so oder so. Und sie hat Lucinde WOCHENLANG lahmgelegt! Gut, es war die echte Grippe und nicht die TMG, aber darum geht es ja nur bedingt. Wir wollen ja weder diese noch die andere kriegen. SCHON GUT! SCHON GUT! Die andere ist auch echt! Nicht aufregen!

SO. Sollten unsere Leserinnen und Leser Grippeimpfungen ablehnen oder eben schon mittendrin in der akuten Phase sein, dann voilà: die naturheilkundlichen Allrounder, die bei uns immer helfen. Wollen wir mal sehen, ob wir euch nicht doch mit der Natur wieder auf die Beine kriegen. Denn (und das ist der Trick dabei, aber pssst, nicht verraten) entweder sie helfen, und die armen Kranken werden gesund (also, diejenigen, die wirklich krank sind) – oder DIE ANDEREN finden ALLES so grässlich, dass sie lieber doch das Bett, die Couch und das Haus verlassen und sich so normal wie eben möglich verhalten, nur um ja nicht mit weiteren »Medikamenten« aus der naturheilkundlichen Hexenküche vergiftet zu werden. Es ist quasi eine Win-win-win-Situation. Und wir, das Pflegepersonal, gewinnen auf jeden Fall. Fangen wir also an.

Am besten werden wir gar nicht erst krank. Man kann all das unten Genannte nämlich auch prima prophylaktisch, sprich vorsorglich, anwenden.

Behandlungsmethoden / Prophylaxe

Der wichtigste und tollste Trick zur Grippevermeidung ist, was auch die Mutter des Männergrippegeplagten schon in des Mannes Kindheit immer gepredigt hat. Sie hat nämlich gesagt: »Nach dem Klo und vor dem Essen Händewaschen nicht vergessen!« Jawohl! Es gibt übrigens eine Studie, die belegt, dass sich Frauen dreimal häufiger die Hände waschen als Männer! Ist ja ein Ding, was? Scheint jedenfalls zu helfen, das olle Händewaschen. Und man kann es sogar durchaus noch erweitern. In der Grippesaison gilt demnach: je mehr Hygiene, desto besser. Wir wollen gar nicht wissen, was an Türklinken, Geländern, Straßenbahngriffen, Einkaufswagen und Sonstigem, was man mit den Händen berührt, so an viralem Sprengstoff klebt. Also, Jungs: Händewaschen! Händewaschen! Händewaschen!

Immer schön jeden Tag an die frische Luft gehen. Ganz genau. Und zwar mindestens eine halbe Stunde lang. Egal, ob es regnet oder schneit, Fußball kommt oder die Couch lauter ruft als je zuvor. Bewegung an der frischen Luft spornt das Immunsystem an, ob ihr es glaubt oder nicht. Es wird dadurch fit und wach und aufmerksam – und wenn ihr Glück habt, trifft das auch auf den ganzen Kerl zu. Das ist gesund und – netter Nebeneffekt – macht auch die Frau glücklich.

Vitamin-C-plus-Zink-Retardkapseln. Ja, das gibt es in der Apotheke und auch im Drogeriemarkt (das ist der Baumarkt für Frauen, falls ihr dort noch nie gewesen seid). Vitamin C und Zink unterstützen ebenfalls das Immunsystem, und »retard« bedeutet, dass es aus einem Speicher quasi dauerhaft abgegeben wird. Das bedeutet aber natürlich nicht, dass ihr das HÄNDEWASCHEN sein lassen könnt!

Natürlich unterstützt eine ausgewogene Ernährung das Ganze. Also: Vitamine zum Beispiel sind eine tolle Möglichkeit, noch ein paar mehr Abwehrsoldaten zu rekrutieren. Sie befinden sich in OBST und GEMÜSE. Das sind diese grünen, gelben und roten Lebensmittel, die man auch in ROHEM Zustand essen kann.

Und was sagt der gemeine Arzt?

Arzt: »Prophylaxe!«

Patient: »Gesundheit!«

Arzt: »Moment! Ich habe nicht geniest. Prophylaxe bedeutet Vorbeugung! Vorbeugung ist besser als Nachbeugung. Also: Sport!!! Gemüse und Obst!!! Nicht rauchen!!! Hände waschen!!! Warm anziehen. Aber nicht zu warm!!! Raus an die frische Luft!!!«

Patient: hat sich verdrückt.

Arzt: murmelt etwas von »mangelnder Compliance« und zündet sich eine Zigarette an.

PS: »Mangelnde Compliance« = Patient tut nicht, was Arzt sagt.

PPS: Im Übrigen raten die Ärzte sowieso dasselbe wie die Naturheilkundler. Nur dass sie sich vorher einen weißen Kittel dazu anziehen.

Quiz

Abwehr und Prophylaxe

(Eine Antwort ist richtig. Oder mehrere. Vielleicht auch gar keine.)

1.Was genau macht das Immunsystem, wenn Männergrippeviren angreifen?

a)Es steht in der Ecke herum und feilt sich die Nägel.

b)Nichts. Männergrippeviren gibt es nicht.

c)Kommt auf das Immunsystem an.

d)Es verteidigt den Körper und versucht, so viele Viren wie möglich zu killen.

2.Was ist das Gemeine an echten Grippeviren?

a)Sie haben lange grüne Stacheln.

b)Nur sehr, sehr gemeine Antibiotika helfen gegen sie.

c)Quatsch, gar keine Antibiotika helfen.

d)Sie ändern ständig ihre Gestalt, weswegen man sich jedes Jahr neu impfen lassen muss.

3.Kann man auch gegen die Männergrippe impfen?

a)Im Prinzip ja; es gibt allerdings noch keinen Impfstoff.

b)Nein.

c)Doch.

d)Aber wer will das schon?

4.Was ist eigentlich ein Blitzdings?

a)-.-

b)Ein Dings, das die Erinnerung mittels Blitz löscht.

c)Der Grund, warum so viele coole Typen mit Sonnenbrillen herumlaufen.

d)Gibt es nicht.

5.Zu Obst und Gemüse gehören / gehört …

a)Pommes frites.

b)Gras.

c)Tomatenketchup.

d)Äpfel.

e)Alles ist richtig.

6.Wie heißt es richtig? Nach dem Klo und vor dem Essen …

a)sollst du tausend Schritte tun.

b)ändert sich das Wetter, oder es bleibt, wie es ist.

c)das macht jeden Doktor arm.

d)macht noch keinen Sommer.

e)Händewaschen nicht vergessen.

7.Was ist richtig?

a)Vitamine sind seltene Pflanzen. Möglicherweise aus Venezuela. Blühen blau.

b)Vitamine ist ein Mädchenname. So wie Wilhelmine. Oder Gutemine.

c)Vitamine stecken besonders viel in rotem Fleisch.

d)Vitamine stecken besonders reichlich in diesen roten, grünen und gelben Lebensmitteln, die man auch roh essen kann und die »Obst« und »Gemüse« heißen.

8.Bewegung an der frischen Luft …

a)ist extrem ungesund. Sport ist Mord, und frische Luft bringt dich in die Gruft.

b)Frische Luft ist nur in homöopathischer Dosierung zuträglich, in größeren Mengen verursacht sie Hautausschläge.

c)Besonders im Zusammenhang mit Bewegung.

d)Es regnet. Das ist schlecht für die Frisur.

e)Und schlecht für die Sportbekleidung.

Auflösung:

1.d) natürlich. Das Immunsystem hat keine Fingernägel! Über b) könnte man sich natürlich streiten, und c) wäre die Antwort für Naturwissenschaftler und alle, die es SEHR differenziert lieben. Aber prinzipiell ist d) am richtigsten.

2.Wieder d)! Wobei das mit den langen grünen Stacheln … Aber Elektronenmikroskope können keine Farben, und wir wissen nicht, ob nicht manche Viren Stacheln ausfahren, wenn sie gerade nicht unter Elektronenmikroskopen liegen, insofern ist diese Behauptung nicht abschließend zu klären.

3.Hier ist die Antwort eindeutig a).

4.Entweder a), b) und c) ODER d). Je nach persönlichem Geschmack. Wer zum Beispiel an grüne Virenstacheln glaubt, ist sicherlich eher für a), b) und c).

5.d). d), d), d), d)!!! Zugegebenermaßen sollen manche amerikanischen College-Mensen auch a) und c) dazu zählen, aber so sind wir nicht. Wir sind ehrlich. Und Gras kann der Mensch nicht verdauen. Es fehlt ihm das grasspezifische Verdauungsenzym dazu. Wirklich. Ach, ihr dachtet an das ANDERE Gras. Da könntet ihr natürlich recht haben, aber ESST ihr das etwa?

6.e). Und danach c). Zu diskutieren wäre auch a), aber auf keinen Fall STATT des Händewaschens. Das Wetter hat nichts mit Händewaschen zu tun, sondern nur mit Tellerleeressen. Wenn allerdings das, was auf dem Teller liegt, aus OBST und GEMÜSE besteht, könnte man anschließend wieder zu c) zurückkehren.

7.d). Und danach zurück zu Frage 1, ohne über Los zu gehen, Geld einzuziehen oder die Schlossstraße zu kaufen.

8.Keine Antwort ist richtig. Wer d) angekreuzt hat, wäscht sich gefälligst umgehend das Haargel aus den Haaren!

KAPITEL 4
Erwischt! Wo alles anfängt – die Nase und ihre Höhlen


Die Davos-Regel lässt sich in allen medizinischen Bereichen anwenden und beinhaltet die großartige Erkenntnis, dass man sich bei der Diagnose von jedweden Beschwerden dort damit befassen sollte, »da-wo’s-wehtut«. Das ist bei der gemeinen Männergrippe und beim Mann an genau einer Stelle: ÜBERALL. Kapitel beendet.

Kleiner Scherz. Natürlich tut die Männergrippe weh. Männern. Aber das ist ja nichts Neues. Dennoch gibt es eben auch bei der Männergrippe besonders betroffene Körperteile. Wie eine Studie beweist, ist es äußerst selten das Knie und sehr oft der Kopf, die Nase und so weiter. Übrigens: »nicht sehr oft« heißt in diesem Fall, dass nur jeder Zweite über Schmerzen in den Gelenken, speziell den Knien, klagt. Selbstverständlich werden wir die einzelnen, vordergründig betroffenen Areale im Anschluss individuell beleuchten, aber zuerst ein Fall aus der Praxis.

Kleine Fallgeschichte

Mann und Frau, beide namenlos, Berlin, dazu ein paar müde, sehr müde Ärzte nebst noch viel müderen Sanitätern:

Er wurde abends von seiner Freundin in der Notaufnahme angekündigt. »Er kriegt keine Luft!«, schluchzte sie ins Telefon.

»Da kommt einer mit Luftnot!« Der diensthabende HNO-Arzt warf den Hörer hin, schlüpfte in seinen Kittel und griff mit glitzernden Augen nach seinem Skalpell. »Jetzt wird es kritisch!«, rief er fröhlich seiner diensthabenden Studentin zu, die ihm auf Schritt und Tritt folgte, was ihn nicht immer froh stimmte.

In der Notaufnahme wartete schon die Internistin und trat von einem Fuß auf den anderen. »Luftnot«, jammerte sie vor sich hin. »Fällt irgendjemandem noch etwas anderes ein als galoppierende Lungenentzündung oder ein Pleuraerguss?«

Der HNO-Arzt tippte sich vielsagend und mit immer noch glitzernden Augen und dem noch unausgepackten Einmalskalpell an die Nase.

Die Internistin schnaubte verächtlich. »Ihr Chirurgen kennt wirklich nichts anderes als Messer, Messer, Messer!« Sie verdrehte die Augen.

Der HNO-Arzt grinste von einem Ohr zum anderen. »Sind sehr effektiv, die Dinger.« Verliebt betrachtete er sein Skalpell.

»Luft-röhren-schnitt«, flüsterte er der Internistin zu.

Die erbleichte.

Der HNO-Arzt wandte sich an seinen studierenden Schatten und setzte ein Gesicht auf ungefähr wie ein Mathelehrer, der seinem verhasstesten, weil unfähigsten Schüler endgültig mit einer Frage das Genick brechen will. »Wo genau setzt man noch gleich das Skalpell an bei einem notfallmäßigen Luftröhrenschnitt, also einer Koniotomie für die Fortgeschrittenen unter uns?«, fragte er.

Die Studentin war erst im zweiten Semester. Das ist nicht fortgeschritten. Dennoch glaubte sie zu wissen, wo sich ungefähr die Luftröhre befand, war sich allerdings nicht vollkommen sicher.

»Hast du schon mal etwas von Schild- und Ringknorpel gehört?« Er grinste teuflisch.

»Pfff. Äh … Klingt nach Herr der Ringe?« Sie wusste, dass das keine besonders kluge Antwort war, besonders nicht für eine Medizinstudentin. Aber wenigstens besser als gar keine, oder?

»Nun, gleich wirst du deine Anatomiekenntnisse am lebenden Objekt ausprobieren können«, sagte er und streckte ihr das Skalpell entgegen. »Der Patient ist ein junger Mann, die sind hart im Nehmen, der wird das schon überleben.«

Er hatte sichtlich genug von seiner Studentin.

Sie war sich sicher, dass er das nicht ernst meinte. Ganz sicher. Ihr Puls kletterte ungefähr auf 180, auch wenn sie keine Zeit hatte, das an ihrem Handgelenk zu überprüfen, denn jetzt näherte sich ein Rettungswagen. Mit Sirene.

Das Blaulicht flackerte im Hof, die Internistin stopfte sich zitternd die Ohrstöpsel ihres Stethoskops in die Ohren, und da … trugen die Sanitäter den jungen Mann auch schon auf einer Bahre herein.

Schluchzend folgte seine Freundin.

Während die beiden Ärzte sich auf die Luftnot stürzten, um den dazugehörigen jungen Mann zu untersuchen, warf die Studentin einen Blick auf die Sanitäter. Sie verdrehten unisono die Augen, was sie verwirrte.

Tatsächlich ließen sowohl HNO als auch Innere Medizin schlagartig von dem Patienten auf der Bahre ab. Der HNO-Arzt streckte sich und fragte misstrauisch: »Sind Sie die Luftnot?«

»Was denn sonst?«, fauchte ihm der junge Mann auf der Bahre entgegen.

»Also, lassen Sie mich das noch einmal zusammenfassen: Sie bekommen schlecht Luft?«, vergewisserte sich der HNO-Arzt.

»Ja!«, bellte der junge Mann diesmal so laut, dass die Internistin, das Stethoskop auf dem Brustkorb des Patienten, zurückzuckte.

»Nun«, schlug der HNO-Arzt vor. »Wie wäre es, wenn Sie uns die Schwierigkeiten, die die Luft dabei hat, in Ihre Lunge zu gelangen, einmal vormachten?«

Voller Verachtung schloss der junge Mann den Mund.

Er riss ihn aber sofort wieder auf. »Haben Sie das gehört?«

»Was?«

»Nun, die erstickten Geräusche, die meine Nase macht?«

Jetzt stand dem HNO-Arzt der Mund ebenfalls offen. Er sagte eine Weile nichts. Das gab der Internistin wenigstens die Gelegenheit, die Geräusche, die die Lunge des Patienten zum Glück deshalb machte, weil die Luft ungehindert hinein- und hinausfloss, weiter zu erforschen.

»Sie meinen …«, flüsterte der HNO-Arzt zuletzt. »Sie meinen, weil Sie keine Luft durch die Nase bekommen, haben Sie sich gerade von Sanitätern mit Blaulicht ins Krankenhaus fahren lassen?«

»Überhaupt kein bisschen Luft!«, bekräftigte der Patient und machte es zur Sicherheit noch einmal vor. »Krockkrock macht meine Nase. Das ist alles. Und riechen kann ich auch nichts mehr.«

»Ich mache auch gleich krockkrock«, murmelte der HNO-Arzt. »Und zwar wenn ich dir dein Nasenbein breche.«

Zum Glück sagte er es nicht laut, jedenfalls nicht so laut, dass der Patient es hätte verstehen können.

Wohl aber die Internistin.

Sie warf dem Diensthabenden einen langen Blick zu und presste die Lippen zusammen.

»Versuchen Sie mal eine Weile, nicht krockkrock zu machen, ich möchte endlich Ihre Lunge abhören!«, befahl sie dem jungen Patienten.

Ängstlich sah seine Freundin zu, wie die Internistin mit besorgtem Gesicht seinen Brustkorb abhörte.

Währenddessen verschwand der HNO-Arzt spurlos.

Als er zurückkam, trug er eine Flasche mit einem Sprühaufsatz bei sich, die der Studentin vage bekannt vorkam.

Er schubste die Internistin beiseite und stellte sich vor den jungen Krockkrockmann. »Und jetzt spreizen wir ein wenig unsere Nasenflügel …«, und ehe der junge Mann sich versah, hatte der HNO-Arzt ihm schon eine Ladung aus der Pulle in beide Nasenlöcher verpasst.

Er trat zurück, der HNO-Arzt natürlich, nicht der Patient. »Na?«

Die Sanitäter hatten sich schon seit einer ganzen Weile verzogen und tranken mit der hübschen Pflegerin aus der Notaufnahme einen Kaffee.

»Was, na?«

»Probieren Sie noch einmal, Luft durch die Nase zu holen.«

Misstrauisch gehorchte der junge Mann. »Pfff, pfff«, machte die Nase und dann, ganz plötzlich, keine Geräusche mehr.

»Das nennt sich Nasentropfen«, informierte ihn der HNO-Arzt. »Ein wahres Wundermittel, und wissen Sie was?«

Der junge Mann und seine Freundin schüttelten gleichzeitig den Kopf.

»Man kann es in der Apotheke kaufen«, informierte ihn der HNO-Arzt. »Ist das nicht toll?«

Der junge Mann wurde rot.

Die Internistin aber straffte sich. »Was für ein Wundermittel!«, stieß sie aus. »Aber wissen Sie was …«, wandte sie sich ebenfalls an den Patienten.

Wieder schüttelten die beiden gleichzeitig den Kopf.

»Ich habe da etwas auf Ihrer Lunge gehört …«, fuhr sie fort. »Ich glaube, also eventuell, handelte es sich um …«

Der junge Mann und seine Freundin zogen scharf die Luft durch die Zähne ein.

»Eine beginnende Erkältung.« Die Internistin nickte. »Und wie wir alle wissen, kann so eine Erkältung ja ganz unangenehme Dinge nach sich ziehen. Ich denke da an …« Sie tippte sich gegen die Unterlippe: »Lungenentzündungen. Oder Pleuraergüsse.«

Der junge Mann wurde blass, extrem blass.

»Ich glaube, ich nehme Sie lieber stationär auf.« Die Internistin nickte. »Das kann man ja nicht riskieren, oder? Ich meine, wo Sie doch schon mal da sind. Nur zur Beobachtung?«

Immer noch blass, nickte der Patient.

»Bist du verrückt? Der hat doch nichts!«, zischte der HNO-Arzt seiner Kollegin zu. Und sie murmelte aus dem Mundwinkel zurück. »Das weiß man nie. Mein Mann ist auch so – man denkt, er hat nichts, typische Männergrippe eben, und dann …«

Sie wandte sich an den jungen Mann auf der Liege. »Wissen Sie, ich mache gerade eine Zusatzausbildung in Naturheilkunde …«, ihre Augen leuchteten auf. »Und bei erhitzten Menschen wie Ihnen soll ein Aderlass ja Wunder wirken. Ich denke da so an einen guten halben Liter. Das müssen wir dringend einmal ausprobieren, oder?«

Es ging alles viel zu schnell. Der Studentin gelang es nicht, den diensthabenden HNO-Arzt rechtzeitig aufzufangen, er sackte einfach in sich zusammen. Es war auch nicht ganz klar, ob sie es wirklich intensiv versucht hatte.

Als die Internistin die Liege mit dem jungen Mann, der inzwischen so blass war, dass er aussah, als würde ihm ein Aderlass nicht wirklich wohltun, an dem ohnmächtigen HNO-Arzt vorbeischob, grinste sie.

Breit, teuflisch und unverschämt.

»Leg ihm schnell die Beine hoch«, flüsterte sie der Studentin zu. »Sonst musst du nachher die Schicht hier allein schieben. Und das wirst du ja wohl nicht wollen, oder?«

Der junge Mann aus Berlin hatte offensichtlich eine sehr nasenlastige Version der Männergrippe. Böse Menschen würden vermutlich behaupten, dass es sich dabei um einen gewöhnlichen Schnupfen handelte. Aber wir machen das natürlich nicht.

Wir hingegen erklären die Nase und wozu sie eigentlich da ist, außer um zu verstopfen.

Um die Entstehung einer Männergrippe im Innersten zu verstehen, ist es hilfreich, zunächst die Angriffsorte der Viren zu beleuchten. Also:

Die Nase besitzt einen äußeren, sichtbaren Teil, der mehr oder weniger wohlgeformt ist und manche Gesichter ausgesprochen gut definiert. Unter anderem deswegen besitzt die Nase eine Reihe von Spitznamen, hauptsächlich aus der Botanik, und wird dementsprechend gern Gurken-, Kartoffel- oder Zwiebelnase genannt. Die männliche Variante ist in der Regel deutlicher ausgeprägt als die weibliche, und manch einer behauptet, die Größe der Nase würde mit einem anderen spezifisch männlichen Körperteil korrespondieren, aber hierzu hält die Forschung (und die Botanik) sich bisher bedeckt.

Sie ist außen von Haut überzogen und imponiert – je nach Hormonstatus – durch mehr oder weniger ausgeprägte Pickel.

Interessanter als der äußere Nasenanteil – insbesondere für die Schnupfenforschung – ist allerdings, was sich unter dem Gesichtshügel verbirgt, denn die Nase hat, ähnlich wie ein Maulwurfshügel oder eine Hobbithöhle, ein unerwartet reiches Innenleben und ist von innen deutlich größer, als man von außen erwarten würde.

Sie besitzt zwei sichtbare Eingänge, dazu insgesamt sechs Nebengänge und zwei unsichtbare nach hinten in den Nasen-Rachen-Raum führende Ausgänge, wobei das mit den Ein- und Ausgängen relativ ist. Die beiden vorderen funktionieren bei Schnupfen als Ausgänge und die unsichtbaren gleichzeitig für Gerüche als Eingänge. Aber dazu später, wenn wir uns um die Nebenhöhlen und den Rachen kümmern.

Auf jeden Fall ist die Nase für alles Mögliche und Unmögliche in beide Richtungen durchlässig. Manchmal – gern bei kleinen Kindern oder ähnlich funktionierenden Erwachsenen – auch für Gegenstände wie Erbsen, Kaffeebohnen, Murmeln, Insekten, Fleischstückchen oder weißes Pulver … die Liste der Gegenstände, die HNO-Ärzte aus Nasen fischen müssen, weil ihre Besitzer deren Durchgängigkeit letztlich doch überschätzten, ist lang.

Der primäre Sinn einer Nase aber ist nicht, Aufbewahrungsort von kleinen Gegenständen zu sein, sondern die Luft für die Lunge schmackhaft zuzubereiten. Dazu gehört die Entstaubung der Luft, ihre Befeuchtung und ihre Anwärmung.

Zum Zweck der Entstaubung hat die Natur der Nase Haare wachsen lassen (ja, innen, wobei sie bei Männern gelegentlich übertreibt, aber niemand hat behauptet, dass die Natur keinen Humor hat, man muss nur mal einen Blick auf das Schnabeltier oder den Runzelnashornvogel werfen). Für Befeuchtung und Anwärmung hat sie, von außen unsichtbar, pfiffigerweise in die Nase Heizrippen eingebaut, von denen besonders die unterste (und da kann die Heizungsindustrie sich mal eine Scheibe abschneiden) gleichzeitig die Luft auch noch befeuchtet.

Wenn man tief in die Nase hineinschaut, erinnern diese Rippen ein wenig an Haikiemen. Es handelt sich aber um Knochenvorwölbungen, die von Schleimhaut überzogen sind und dafür sorgen, die Oberfläche der Nasenschleimhaut so weit zu vergrößern, dass möglichst viel Luft mit ihr in Berührung kommt (das gleiche Prinzip also wie bei Heizungen, die ja auch mittels Rippen und Lamellen die heiße Oberfläche maximal vergrößern). Nur dass die Natur sich das Ganze schon viel früher ausgedacht hat als der Mensch. Aber damals gab es noch keine Patente.

Die Nase ist gewissermaßen die Vorhut für die Lunge, denn dort soll die Luft möglichst körperwarm, feucht, keim- und erbsenarm ankommen, und in der Regel kriegt die Nase das auch ganz gut hin. Bei extremen Verhältnissen kommt sie allerdings an ihre Grenzen. Und – zack! – wird sie anfälliger für Männergrippen.

Ursprünglich wurde der Mensch ja für ein Draußenleben designt, und zwar in Ostafrika, wo schon seinerzeit keine extremen klimatischen Bedingungen herrschten. Vermutlich hat die Natur bei den Prototypen bestenfalls an eine lokale Ausbreitung gedacht, möglicherweise ist sie davon ausgegangen, dass dieser schutzlose, nackte Mensch eher unter »error« fällt. Vielleicht ist der Mensch auch einfach ein Ausrutscher gewesen; der Natur war gerade langweilig, und wo sie gerade das Schnabeltier …

Jedenfalls hatte sie weder die Tatsache auf dem Schirm, dass sich der Mensch wider Erwarten explosionsartig vermehren würde, noch, dass er in der Folge auch in extrem unwirtliche Gegenden wie Deutschland, Dänemark oder Kanada einwandern würde. Und schon gar nicht das daraus folgende Konzept »Heizung«.

Heizungsluft ist nun mal sehr trocken, und das ist eine Herausforderung für die Nase. Sie muss dann deutlich mehr Feuchtigkeit produzieren. Dazu brauchen die Sekretdrüsen (oder auch Schnupfendrüsen) mehr Sauerstoff und mehr Nährstoffe. Die kleinen Blutgefäße in der Nasenschleimhaut erweitern sich, um mehr vom Benötigten heranzutransportieren und ins Gewebe durchzulassen, und die Schleimhaut schwillt an, besonders die schon erwähnte unterste Nasenrippe.

Daher die oft verstopften Nasen in gut geheizten Räumen.

Nasentropfen tun übrigens nichts anderes, als dafür zu sorgen, dass die Äderchen wieder zusammenschnurren. Die Schleimhaut schwillt ab, die Nase lässt wieder Luft durch. Der Mensch ist glücklich.

Eine Zeit lang.

Denn irgendwann kriegt die Nase den Betrug spitz und wehrt sich, beziehungsweise die Blutgefäße, mit einer überschießenden Reaktion, sprich, die Schleimhäute schwellen erst recht wieder an und nicht wieder ab. Daher wiederum die Empfehlung, Nasentropfen nicht länger als vier Tage hintereinander zu verwenden, wenn man nicht zufällig wild auf eine dauerverstopfte Nase ist. Stattdessen kann man eine Schüssel mit Wasser aufstellen, die für mehr Luftfeuchtigkeit durch Verdampfen sorgt, oder Luftbefeuchter in mindestens einem Zimmer aufstellen (vorausgesetzt man sorgt dafür, dass die Dinger nicht zu Bakterienschleudern werden).

Auch für sehr große Kälte ist die Nase nicht geschaffen.

Wenn es friert, ziehen sich die Blutgefäße in allen Gliedern zusammen, der Körper sorgt so dafür, dass kaum noch warmes Blut in Armen, Beinen, Ohren und Nase ankommt, damit anschließend auch nur wenig kaltes Blut von dort in den sogenannten Körperkern zurückkehrt (Brust, Bauch, Kopf). Denn da sitzen die lebenswichtigen Organe, und die brauchen zum Funktionieren eine gewisse Betriebstemperatur von 36 bis 37 Grad.

Weil so aber nur noch der Körperkern gewärmt wird und die Glieder in die Röhre gucken, wehren sie sich, in dem sie einfach abfrieren.

In Ländern, die einen Hang zu großer Kälte besitzen, Russland zum Beispiel, warnen die Menschen sich gegenseitig, wenn ihre Nasen drohen, den Löffel abzugeben. Sie werden dann nämlich auffällig weiß (die Nasen, nicht die Menschen), weil die Blutgefäße sich so sehr zusammenziehen, dass nahezu keine roten Blutkörperchen mehr hindurchpassen. Das hält keine Nase lange aus.

Aber auch die Schleimhaut in der Nase wird bei Kälte schlechter durchblutet. Und wo weniger Blut, da weniger Abwehrzellen, weniger Men in Black von der kompetenteren und weniger kompetenten Sorte sozusagen. Und wo weniger Abwehrzellen sind, da ist die Wahrscheinlichkeit größer, sich einen Schnupfen einzufangen. Grund Nummer eins für die größere Anfälligkeit für Männergrippe während der kalten Jahreszeit.

Ein weiterer Grund liegt darin, dass sich die Menschen eher gesellig gemeinsam drinnen aufhalten – also eher Fitnessstudio, als einsam in der Natur herumzujoggen, und eher gemeinsam im warmen Bus als einsam auf dem Fahrrad – und so die Viren perfekt verteilen. Sie gehen sozusagen von Hand zu Hand. Beziehungsweise von Klinke zu Klinke.

Und das bedeutet?

Genau. Der Teil mit der Seife. Hilft tatsächlich.

Die Männergrippe ist natürlich nicht so einfallslos, sich auf die Nase zu beschränken. Für sie ist der ganze MANN schließlich ein grandioser Abenteuerspielplatz. Außer den Nasen gibt es schließlich noch die Ohren, den Rachen oder die Lunge. Oh ja. Die Männergrippe hat überall Spaß.

The free sample has ended.

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Release date on Litres:
12 November 2024
Volume:
166 p. 27 illustrations
ISBN:
9783959101998
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Copyright Holder::
Bookwire
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