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Dion Tabrett

Burnett wiederentdeckt

Klinische Strategien des großen

Homöopathen für die heutige Praxis –

Wirkungsrichtung von Arzneien –

Organmittel – Pathologisches

Simillimum – Vaccinosis


Impressum

Dion Tabrett

Burnett wiederentdeckt

Klinische Strategien des großen Homöopathen für die heutige Praxis – Wirkungsrichtung von Arzneien – Organmittel – Pathologisches Simillimum – Vaccinosis

1. Auflage 2017

ISBN: 978-3-95582-241-5

© 2017 Narayana Verlag GmbH

Originalausgabe: Burnett Rediscovered

Clinical Strategies of the Great Homeopath for Modern Practice – Line of Action of Remedies – Organ Remedies – Pathological Similimum – Vaccinosis

© 2017 Narayana Verlag

Übersetzt aus dem Englischen von Shiela Mukerjee-Guzik

Coverabbildung vorne: © Shutterstock – Scorpp;

hinten: © Shutterstock – Kamomeen

Herausgeber: Narayana Verlag,

Blumenplatz 2, 79400 Kandern, Tel.: +49 7626 974970-0

E-Mail: info@narayana-verlag.de, Homepage: www.narayana-verlag.de

Alle Rechte vorbehalten. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags darf kein Teil dieses Buches in irgendeiner Form – mechanisch, elektronisch, fotografisch – reproduziert, vervielfältigt, übersetzt oder gespeichert werden, mit Ausnahme kurzer Passagen für Buchbesprechungen.

Sofern eingetragene Warenzeichen, Handelsnamen und Gebrauchsnamen verwendet werden, gelten die entsprechenden Schutzbestimmungen (auch wenn diese nicht als solche gekennzeichnet sind).

Die Empfehlungen dieses Buches wurden von Autor und Verlag nach bestem Wissen erarbeitet und überprüft. Dennoch kann eine Garantie nicht übernommen werden. Weder der Autor noch der Verlag können für eventuelle Nachteile oder Schäden, die aus den im Buch gegebenen Hinweisen resultieren, eine Haftung übernehmen.

Inhalt

Einführung

1. Organopathie

Einleitung

1.1 Definition der Organopathie

Organopathische Medizin

Fallstudie

1.2 Pathologisches Simillimum

1.3 Liste der Organmittel

1.4 Materia Medica der führenden Organmittel

Arzneien für die Leber

Arzneien für die Milz

Arzneien für die Gebärmutter

1.5 Synorganopathie

Varizen

Herzversagen

1.6 Zusammenfassung

Weiterführende Literatur

2. Homöopathie/Ähnlichkeit der Symptome

Einleitung

2.1 Burnetts Definition des Ähnlichkeitsgesetzes

2.2 Wirkungsort

2.3 Wirkungsart

2.4 Wirkungsspektrum und Haltepunkt

Haltepunkt der Wirkung

Fallbeispiel

2.5 Pathologisches Simillimum

Fallstudie Mammatumor

Fallstudie Ekzem

2.6 Kombination von drei oder vier Arzneien, turnusmäßiger Wechsel von Arzneien

2.7 Abwechselnde Gabe von Arzneien (Doppelgabe und die abwechselnde Gabe von Arzneien nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten)

Fallstudie

Fallstudie

2.8 Zusammenfassung

Weiterführende Literatur

3. Medizinische Doktrinen

Einleitung

3.1 Miasmen und Nosoden

Vererbtes Miasma

Erworbenes Miasma

Infektiöses erworbenes Miasma

Nicht-infektiöses erworbenes Miasma

Offenliegendes Miasma

Aktives Miasma

Schlafendes Miasma

3.2 Materia Medica der Nosoden/ Zoische Arzneien

Die Krebsnosoden

Fallstudie

3.3 Vakzinose

3.4 Ätiopathologie

Ätiologische Faktoren

Zwei ätiologische Fälle

Ein Fall von Angstzuständen und Milzschwellung

3.5 Hybrid-Fälle und Konstellation der Symptome

Ein Hybrid-Fall

3.6 Zusammenfassung

Schlusswort

4. Anhang

4.1 Weiterführende Literatur

4.2 Burnetts Therapeutika von A-Z

4.3 Glossar

4.4 Arzneimittelverzeichnis

4.5 Stichwortverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Über den Autor

Einführung

Willkommen in der Welt von James Compton Burnett. Burnett war ein überaus erfolgreicher Homöopath und Autor zahlreicher Bücher zum Thema homöopathische Medizin. In seinen Werken schrieb er eine Vielzahl von geheilten Fällen von Tumoren, Tuberkulose und Vakzinose nieder, deren Heilung oftmals die Verschreibung von Nosoden und Organmitteln zugrunde lag. Darüber hinaus erweiterte er die Definition und Auslegung des Ähnlichkeitsgesetzes. Was gäbe es also, was man an Burnett nicht schätzen könnte?

Dieses Buch eignet sich ebenso für Studenten der Homöopathie wie für Homöopathen, die ihre Ausbildung bereits abgeschlossen haben. Die Lektüre empfiehlt sich besonders für Studenten, die bereits ein Studienjahr absolviert haben. Sie sollten in dieser Zeit die wesentlichen Prinzipien der homöopathischen Philosophie gelernt sowie sich grundlegende Kenntnisse in den Bereichen Materia Medica, Miasmentheorie, Anatomie und Physiologie angeeignet haben. Das Verständnis der Methodik der klassischen Homöopathie wird vorausgesetzt. Absolventen und praktizierende Homöopathen können mithilfe dieses Buches ihre Kenntnisse über Burnett auffrischen. Sollte Burnetts Arbeit hingegen Neuland für Sie sein, kann dieses Buch als Wegweiser durch sein Gesamtwerk dienen. Anmerkung: Dieses Buch ist als Lehrbuch für Studenten des Orion Postgraduate Course vorgesehen.

Burnett verfasste seine Schriften eher für praktizierende Homöopathen als für Studenten, daher ist es ratsam, bei der Lektüre eine umfassende Arzneimittellehre und ein medizinisches Wörterbuch zur Hand zu haben.

Chitkaras Buch Best of Burnett ist sehr empfehlenswert, aber, wie Chitkara in seiner Einleitung selbst schreibt, es ersetzt nicht Burnetts Originalwerke. Best of Burnett kann sozusagen als eine Zusammenstellung der „größten Hits” betrachtet werden. Aber wie jeder Musikliebhaber weiß, muss man die Originalwerke hören, um ein wahres Verständnis zu entwickeln. Das vorliegende Buch hat nicht die Absicht, Burnetts Originalwerke zu ersetzen, sondern birgt die Hoffnung, das Interesse an diesen zu wecken und dazu anzuregen, sie zu lesen bzw. erneut zu studieren.

Burnett liebte die Philologie: die Wissenschaft der Sprache und die Liebe zum Lernen und zur Literatur. Dies ist vermutlich der Grund dafür, warum er austauschbare Begriffe verwendete und sogar neue Begriffe erfand, um seinen Gedanken und Ideen Ausdruck zu verleihen. Seine Sprachkenntnisse in Französisch, Deutsch, Griechisch und Latein trugen sicherlich wesentlich dazu bei. Allerdings kann das Studium seiner Schriften dadurch manchmal etwas knifflig sein. Damit es leichter ist, sich in Burnetts Originalwerken zurechtzufinden, habe ich ebenfalls viele der von ihm geprägten Begriffe (in Fettdruck dargestellt) verwendet und diese mit entsprechender Erklärung in einem Glossar zusammengefasst. Dieses enthält darüber hinaus im Hinblick auf die Studenten unter der Leserschaft auch die allgemeine homöopathische Terminologie.

Burnett ist in den letzten 23 Jahren mein treuer und zuverlässiger Begleiter und „klinischer Kompass” gewesen. Bei dem Versuch, ein Verständnis für Burnetts Vorgehensweise bei der Fallanalyse zu entwickeln, habe ich festgestellt, dass dieser ein breit gefächerter und weitreichender Ansatz zugrunde lag. Dabei integrierte Burnett je nach Erfordernis die verschiedensten Disziplinen oder schuf sogar neue, wenn es noch keine entsprechenden gab. Er war ein therapeutischer Pionier, der trotz seiner fantastischen klinischen Arbeit und Erfolge auf das Heftigste kritisiert wurde.

Burnett versuchte selten, einen Fall vollständig mit einer einzigen Arznei zu lösen. Und je komplexer oder vermischter ein Fall war, desto wahrscheinlicher war es, dass er mehrere Mittel einsetzte – je komplizierter der Fall, desto mehr Arzneien. In all seinen Werken wird deutlich, dass er sich mit jedem einzelnen Fall sehr intensiv befasste und ihn von allen Seiten betrachtete. Dabei suchte er nach Organmitteln, Arzneien, die zur Symptomatik passten, Symptommustern für die Verordnung von Nosoden, Anzeichen für eine vorliegende Vakzinose und Hinweisen auf mögliche Ursachen – ähnlich einem Astronom, der den Nachthimmel nach bekannten Sternen und Sternenkonstellationen absucht. Manchmal erkennen wir bestimmte Sterne oder Muster wie z. B. den Großen Bären, und dann wieder sind wir vollkommen verloren, bis wir schließlich doch eine Reihenfolge erkennen und zum Ziel geführt werden. Deshalb habe ich den neuen Begriff „Konstellation der Symptome” geprägt, und ich hoffe, dass damit die Bedeutung der Suche und des Erkennens bestimmter und verschiedener Muster von Symptomen deutlich wird, die wiederum anzeigend für spezifische und unterschiedliche Arzneien in einer individuellen Fallgeschichte sind. So wie die Sterne am Nachthimmel verschiedene Konstellationen bilden können, können auch Symptome und Arzneien Fallgeschichten entstehen lassen.

Dieses Buch besteht aus drei Hauptteilen:

Organopathische Medizin

Ähnlichkeit der Symptome (Hahnemanns Homöopathie)

Medizinische Doktrinen (Miasmen/Nosoden, Vakzinose, Ätiologien)

Wir beginnen mit den Organmitteln, arbeiten uns dann in die komplexen Grundlagen des Ähnlichkeitsgesetzes ein und wenden uns abschließend den medizinischen Doktrinen zu. Am Ende des Buches findet der Leser einen therapeutischen Index von A bis Z, der auf Burnetts klinischer Arbeit beruht.

Ich möchte mich an dieser Stelle bei zwei Menschen bedanken, die mich beim Schreiben dieses Buches sehr unterstützt haben. Beide sind großartige Homöopathen (und daneben auch exzellente Schachspieler). Dabei handelt es sich zum einen um Lynn Forte, die mich vor nunmehr etlichen Jahren in die Homöopathie einführte. Zum anderen stehe ich in der Schuld von Mike Bridger, der seine Gedanken zu Arzneimittelbeziehungen, Dreifachmitteln, Fall-Mapping und Mittelkonstellationen auf großzügigste Weise mit mir teilte. Mike ist der einzige andere Homöopathe, den ich kenne, der auf wahrhaft Burnettsche Manier verordnet und lehrt, Hand in Hand mit einem tiefgründigen Verständnis der Kentschen Fallbeschreibungen und Arzneimittellehre.

1994 hielt ich am Londoner College of Homoeopathy des Regents Park College meine erste Vorlesung vor Studenten. Diese Vorlesung trug den Titel „James Compton Burnett” und hatte die Erläuterung von Burnetts Vorgehensweise in der Praxis zum Inhalt. Nun sind bereits mehr als 20 Jahre vergangen, und ich halte immer noch eine ähnliche, wenn auch deutlich aktualisierte Version dieser Vorlesung.

Die Arbeit an diesem Buch hat mir großes Vergnügen bereitet, und jedes Mal, wenn ich eines von Burnetts Büchern zum wiederholten Male lese, lerne ich wieder etwas Neues. Ich muss allerdings ausdrücklich darauf hinweisen, dass der Versuch, die besten Teile aus all seinen Werken zu extrahieren und in einem Buch zusammenzufassen, ein unmögliches Unterfangen ist. Ich kann nicht eine große Menge in ein kleines Gefäß schütten, sei es ein Bierglas oder ein Buch über Burnett.

Dion Tabrett

1 Organopathie
Einleitung

Der erste Teil dieses Buches behandelt die organopathische Medizin. Er enthält eine Definition des Begriffs Organopathie und gibt eine Einführung in das pathologische Simillimum. Darüber hinaus findet der Leser eine umfassende Auflistung von Organmitteln sowie einen Abschnitt zur Materia Medica. Für ein tieferes Verständnis der Organopathie wird der von Burnett geprägte Begriff Synorganopathie ausführlich erläutert. Dieser Ansatz wird nur selten im Zusammenhang mit den Organmitteln gelehrt, obwohl er in sich vollkommen stimmig ist, insbesondere wenn er mit dem Wissen von Anatomie und Physiologie kombiniert wird.

1.1 Definition der Organopathie
Organopathische Medizin

Organopathische Medizin ist die Behandlung von Organkrankheiten mit Organmitteln.

Organkrankheiten sind beispielsweise Zustände wie Gelbsucht oder Gallensteine in der Leber und Gallenblase oder Myome bzw. Polypen in der Gebärmutter, die von einem Arzt diagnostiziert werden. Auch Entzündungen, Über- oder Unterfunktionen, ebenso wie jedwede andere Pathologie können als Organerkrankung klassifiziert werden.

Organmittel sind Arzneien mit einer gezielten Affinität zu spezifischen Lokalisationen im Körper. Klassische Beispiele für Organmittel, die in der Materia Medica gefunden werden können, sind:

Ceanothus (Cean) für die Milz

Chelidonium (Chel) für die Leber

Thlaspi bursa pastoris (Thlas) für die Gebärmutter

Organmittel entstammen überwiegend, aber nicht ausschließlich, dem Pflanzenreich. So ist z. B. der herkömmliche Name für Chelidonium Schöllkraut und für Thlaspi bursa pastoris Hirtentäschelkraut. Einige Organmittel sind mineralischen oder auch tierischen Ursprungs. (Siehe auch die vollständige Liste in Abschnitt 3.1.)

Bekannte Polychreste wie z. B. Arsenicum album, Lycopodium und Nux vomica sind gleichzeitig auch Organmittel und werden einerseits eingesetzt, um Leberstörungen zu behandeln, haben andererseits aber auch noch viele weitere mögliche Einsatzgebiete in ihrem Spektrum. Weisen die Symptome eines Patienten auf ein Polychrest hin, das auch die Organerkrankung vollständig abdeckt, werden kleinere Organmittel nur selten benötigt.

Chelidonium ist gut für seine starke selektive Wirkung auf die Leber bekannt. Burnett nannte diese Affinität zu einem bestimmten Organ Spezifität der Lokalisation. Den pathologischen Zustand des Organs bezeichnete er als Primärort. Er postulierte, dass der schnellste Weg zur Heilung darin besteht, den Primärort der Erkrankung zu identifizieren und dann eine Arznei oder mehrere Mittel zu verschreiben, die eine Affinität sowohl zur Lokalisation als auch zur Pathologie aufwiesen. Anders ausgedrückt, der pathologische Zustand eines Organs (Primärort) wird in Bezug gesetzt zu Arzneien, die eine ähnliche Pathologie (Spezifität der Lokalisation) hervorrufen bzw. heilen können, worauf dann die Verschreibung erfolgt.

Die pathologische Affinität des Organmittels spiegelt die Organpathologie des Patienten wider.

Die Spezifität der Lokalisation entspricht dem Primärort.

Analysiert man einen Fall nach Burnetts System, ist es nicht zwangsläufig notwendig, die charakteristischen mentalen und emotionalen bzw. die allgemeinen und speziellen körperlichen Symptome (Gesamtheit der Symptome) einzubeziehen. Allerdings bedarf es zur Bestätigung der Mittelwahl einer pathologischen Diagnose wie z. B. Gallensteine oder Gelbsucht.

Burnett betrachtete die organopathische Medizin als „elementare Homöopathie” oder „Homöopathie ersten Grades” (Erkrankungen der Milz, S. 11). Er schrieb, dass Organmittel „die Fundamente unseres homöopathischen Hauses” bilden (Organerkrankungen bei Frauen – Die Wechseljahre der Frau, S. 36). Seine Begründung ist einfach: Eine Organerkrankung wird in Übereinstimmung mit einem Organmittel gebracht. Eine Arznei, die allein anhand der Gesamtheit der Symptome verordnet wird, wird als Simillimum bezeichnet; im Gegensatz dazu nannte Burnett die Arznei für eine Organbehandlung (Organopathie) Simile.

Ich möchte ausdrücklich darauf hinweisen, dass in einem Fall, in dem eine angezeigte homöopathische Arznei gleichzeitig das Simillimum ist und den pathologischen Zustand des Organs vollständig abdeckt, spezifische Organmittel nicht benötigt werden. Sehr oft deckt ein Polychrest sowohl die Symptome als auch die Pathologie ab, aber in genauso vielen Fällen tut es das nicht, und dann ist ein Organmittel überaus nützlich. Im Vergleich zu einer allgemeinen homöopathischen Behandlung ist der Grad der Ähnlichkeit bei einer organopathischen Behandlung geringer. Aus diesem Grund gab Burnett Urtinkturen (Ø), niedrige Dezimal- (D) oder tiefe Centesimal-(C) Potenzen. Die Dosis der Urtinktur betrug meist 5 bis 20 Tropfen, die zwei- oder dreimal täglich eingenommen werden sollten. Dezimalpotenzen wurden im Allgemeinen als D1 bis D3 zwei- bis dreimal täglich verordnet. Centesimalpotenzen waren meist Potenzen zwischen C1 und C5 und sollten ebenfalls zwei- oder dreimal täglich eingenommen werden. Jede Verordnung sollte zwei bis vier Wochen lang eingehalten werden, worauf der Fall neuerlich betrachtet wurde. Eine organopathische Behandlung dauert in der Regel einen bis sechs Monate. Die Ergebnisse können sehr eindrucksvoll sein, auch wenn nur tiefe Potenzen eingesetzt werden.

Betrachtet man die Homöopathie als mächtige Eiche, könnte man die Organopathie als Eichel bezeichnen.

Burnett verfolgte den Ursprung der organopathischen Medizin bis zu Philippus Aureolus Theophrastus Bombastus von Hohenheim (1493–1541), besser bekannt als Paracelsus, zurück. Er formulierte eine erste These zur organopathischen Medizin, indem er postulierte, dass Organe Gegenspieler in der Natur hätten, die sich bei Krankheitszuständen als heilsam erweisen könnten.

Johann Gottfried Rademacher (1772–1850) griff Paracelsus‘ Theorie erneut auf und erweiterte sie. Nach seiner Zeit verschwand die Praxis der organopathischen Medizin allerdings größtenteils wieder von der Bildfläche. Wenn Rademachers Rolle darin bestand, die Hohenheimsche Organopathie wiederzubeleben, so lieferte Burnett wiederum die dazu nötigen Elektroden und eine therapeutische Dosis elektrischer Energie, um die Defibrillation auszulösen, das Herz der Organmedizin wieder zum Schlagen zu bewegen und das Gebiet der Organmittel zu erweitern. Burnett war in Großbritannien der führende Kopf dieser homöopathischen Behandlungsform, was sicher zu einem erheblichen Teil durch seine anatomischen Studien gestützt wurde. Burnett nahm sein Medizinstudium an der Universität in Wien auf und machte 1869 seinen Abschluss. Die Wissenschaft der Anatomie interessierte ihn so sehr, dass er ihrem Studium noch zwei weitere Jahre widmete. Anschließend kehrte er nach Großbritannien zurück und schrieb sich für das Studium der Medizin an der Universität in Glasgow ein, das er 1872 abschloss. Seine Abschlussprüfung in Anatomie dauerte anderthalb Stunden; der Professor, der Burnett geprüft hatte, schüttelte diesem anschließend die Hand und sagte, dass er noch niemals einem derart brillanten Studenten begegnet wäre, der solch tief gehende und umfassende anatomische Kenntnisse gehabt hätte. 1875 legte Burnett seine Abhandlung „Specific Therapeutics” [Spezifische Therapeutika] vor, um die Doktorwürde zu erlangen. Diese Arbeit wurde allerdings aufgrund ihrer Bezüge zur Homöopathie von den Gutachtern abgelehnt. Burnett wartete darauf ein Jahr, bevor er erneut eine zweite, akzeptablere Dissertation vorlegte, die ihm 1876 schließlich den Doktortitel einbrachte. Auf der Grundlage seiner umfassenden anatomischen Kenntnisse untersuchte Burnett seine Patienten mit Techniken wie Palpation, Perkussion und Auskultation, um den Zustand der inneren Organe zu bestimmen und den Primärort der Erkrankung festzustellen. So ließ beispielsweise die Entzündung der Leber an verschiedenen Lokalisationen einen Rückschluss auf das am ehesten infrage kommende homöopathische Lebermittel zu, wie z. B. Carduus marianus, Chelidonium oder Chelone glabra. (Siehe auch die Materia Medica der Organmittel, Abbildung 1.) Nach einer solchen Untersuchung stellte Burnett eine Diagnose und begann mit der angemessenen Behandlung. Allerdings gingen viele andere Organopathen früher nach dem Prinzip der Organtestung vor. Hier wird das Ähnlichkeitsgesetz auf eine Ebene heruntergeschraubt, wo es lediglich darum geht, die Erkrankung eines Organs mit der Organaffinität einer Arznei in Übereinstimmung zu bringen. So wurde eine Störung der Leber einfach mit Chelidonium, Carduus marianus oder irgendeiner anderen primären Leberarznei behandelt. Stellte sich eine Besserung ein, wurde die Testung als positiv beurteilt. Dies erlaubte die Fortsetzung der Behandlung nach den gleichen Gesichtspunkten. (Kam es hingegen zu keiner Besserung, war das Testergebnis negativ und andere Behandlungsstrategien, wie z. B. Ähnlichkeit der Symptome/Gesamtheit der Symptome, Vakzinose, Miasmatik etc. mussten einbezogen werden.) In vielen Fällen wurde ein Lebermittel einen Monat lang gegeben und dann von einer weiteren Leberarznei abgelöst, die ebenfalls einen Monat lang verabreicht wurde. So folgte beispielsweise auf Chelidonium häufig das Mittel Carduus marianus. Anschließend wurde entweder zu einer dritten Arznei gewechselt oder es erfolgte die Rückkehr zu Chelidonium. Burnetts Grundgedanke bestand darin, entweder die Suche nach dem wirksamsten Mittel fortzusetzen oder die Behandlung so aufzubauen, dass jede Arznei einen gewissen Prozentsatz zur Heilung des Falles beitrug. Immer wenn die Wirkung der einen Arznei erschöpft war, wurde zu einem neuen Mittel gewechselt, das wiederum einen weiteren Prozentsatz zur Heilung beisteuerte. Dies wurde so lange durchgeführt, bis die Heilung vollständig war.

Dieser turnusmäßige Wechsel von Arzneien — die aufeinanderfolgende Gabe von ähnlich wirkenden Arzneien — wurde von Burnett nicht nur im Rahmen der Verschreibung von Organmitteln vorgenommen, sondern auch bei homöopathisch-therapeutischen Verordnungen und Nosoden. (Siehe auch die Abschnitte zur Symptomenähnlichkeit und die Kapitel zu den medizinischen Doktrinen.)

Für ein umfassendes Verständnis ist es erforderlich, einige der Begriffe zu definieren, die Burnett v. a. im Zusammenhang mit der organopathischen Medizin verwendete, die aber auch bei der Behandlung nach Symptomenähnlichkeit hilfreich sind.

Burnetts Terminologie (modifiziert entsprechend der heute üblichen Definitionen):

Primärort: die Lokalisation der Pathologie bzw. einer Entzündung in einem bestimmten Organ, z. B. Gallensteine in der Gallenblase;

Spezifität der Lokalisation: die Affinität von Arzneien zu einem bestimmten pathologischen Zustand spezifischer Organe, z. B. Chelidonium zur Gallenblase und Gallensteinen;

Symptomatisches Simillimum: eine Arznei, welche die Gesamtheit (Totalität) der Symptome abdeckt. Das symptomatische Simillimum kann dabei auch die Organpathologie abdecken, muss es aber nicht;

Pathologisches Simillimum: eine Arznei, welche die Pathologie des Falles vollständig abdeckt. Das pathologische Simillimum kann dabei auch die Gesamtheit (Totalität) der Symptome des Falles abdecken, muss es aber nicht.

Dies erscheint auf den ersten Blick verwirrend, aber das nachfolgende Fallbeispiel wird jeden Begriff erklären. Burnetts Ansatz bestand darin, innerhalb der Gesamtheit der Symptome nach einer bestimmten Konstellation von Symptomen zu suchen. Diese konnte manchmal wiederum einer behandlungsbedürftigen Organpathologie zugeschrieben werden.

Fallstudie

Anfang 1993 erschien ein 77jähriger Mann in der Praxis; nach der Diagnose einer Herzschwäche war ihm geraten worden, mit der Einnahme schulmedizinischer Medikamente zu beginnen. Als er seinen Arzt fragte, wie lange diese Behandlung dauern würde, bekam er zur Antwort, dass er die Medikamente höchstwahrscheinlich bis zum Ende seiner Tage einnehmen müsse. Diese Prognose missfiel ihm sehr, deshalb suchte er nach alternativen Behandlungsmöglichkeiten. In der Vergangenheit war er ein überaus ambitionierter Gärtner und Wanderer gewesen. Jetzt hatte er ein schwaches Herz und war sehr niedergeschlagen. Es waren ihm auch Antidepressiva empfohlen worden, die er aber abgelehnt hatte. Ich übernahm seinen Fall, und da ich erst kürzlich meinen Abschluss in Homöopathie gemacht hatte, folgte ich dem Rat so vieler und analysierte den Fall entsprechend der Gesamtheit der Symptome. Ich stufte die mental-emotionalen Symptome der Depression am höchsten ein und nahm noch verschiedene Allgemeinsymptome und spezielle Symptome seiner Herzerkrankung hinzu. Dadurch konnte ich mit großer Zuversicht Aurum LM1 verschreiben.

Als er allerdings einen Monat später zur Folgekonsultation kam, zeigte er keinerlei Besserung. Ich verordnete erneut Aurum, diesmal aber in Hahnemannischer Manier als Centesimalpotenz – C12, zweimal täglich einzunehmen. Ein weiterer Monat verstrich und immer noch stellte sich keine Besserung ein. Nun kam ich ziemlich ins Schwitzen. Dieses Mal verschrieb ich Crataegus als Urtinktur, zweimal täglich 5 Tropfen aus einer 30 ml Flasche in Wasser aufgelöst. Dadurch wollte ich mir Zeit verschaffen, um darüber nachzusinnen, was ich als Nächstes tun sollte. Bei der dritten Folgekonsultation zeigte der Patient eine deutliche Besserung. Die Symptome der Herzschwäche waren so gut wie verschwunden. Im darauffolgenden Monat nahm der Patient seine geliebte Gartenarbeit wieder auf und begann auch wieder mit großem Elan spazierenzugehen bzw. zu wandern. Er nahm das Crataegus noch zwei weitere Monate ein und wurde dann weiter konstitutionell behandelt.

Was war in diesem Fall passiert? Ich war viel zu analytisch vorgegangen und hatte die Dinge unnötig verkompliziert. Der Patient war depressiv, weil er aufgrund seiner Herzschwäche nicht mehr wie gewohnt im Garten arbeiten oder spazieren gehen konnte. Crataegus tonisierte sein Herz, sodass er wieder all das tun konnte, was ihm Spaß machte. Allein dadurch hob sich seine Laune beträchtlich, und die Depression löste sich in Wohlgefallen auf. Wenn wir jetzt Burnetts Terminologie anwenden wollen, so war der Primärort der Erkrankung der Herzmuskel. Beide gewählten Arzneien hatten eine Spezifität der Lokalisation für den Herzmuskel. Als erstes Mittel wurde Aurum verabreicht, da es sowohl die Symptome des Falles wie z. B. die Depression als auch die Herzschwäche abdeckte. Aber Aurum war nicht das Simillimum und spiegelte die Herzschwäche nicht genau wider. Crataegus hingegen war das pathologische Simillimum. Es deckte die Herzmuskelschwäche vollständig ab und konnte sie damit komplett heilen. Der depressive Zustand wurde durch die Einschränkungen hervorgerufen, welche die Herzerkrankung mit sich brachte. Dieser Fall endete zugegebenermaßen glücklich und hat mich gelehrt, die Organbehandlung dort, wo sie angezeigt ist, als gleichwertig gegenüber der Vorgehensweise anhand der Gesamtheit der Symptome zu betrachten.

Burnett schrieb, dass ein erkranktes Organ den gesamten Organismus in Mitleidenschaft zieht, wie der obige Fall auch belegt. Sobald das kränkelnde Organ korrekt behandelt wurde, besserte sich auch der ganze gesundheitliche Zustand des Patienten. Burnett beschrieb dies so:

„Wenn Patienten das richtige Organmittel bekommen haben, ist es oft sehr erstaunlich, wie sich ihr Wohlbefinden steigert: Sie werden nicht nur einfach wieder gesund, sie fühlen es sehr deutlich, sie sind gewissermaßen voller Kampfeslust gesund.” (Die Lebererkrankungen, S. 57)

In dem obigen Fall fand eindeutig eine Verkettung von Ereignissen statt:

Schwaches Herz => Einschränkungen der Lebensgewohnheiten => Depression

Die organopathische Behandlung stärkte das Herz so weit, dass der Patient wieder im Garten arbeiten und spazieren gehen konnte. Damit waren die Einschränkungen der Lebensgewohnheiten beseitigt und es gab keinen kausalen Faktor mehr, der die Symptome der Depression länger aufrechterhalten konnte. Die Behandlung der zuletzt entstandenen Symptome der Depression wäre in diesem Fall lediglich palliativ gewesen (d. h., die Symptome wären nur abgeschwächt, die Ursache der Erkrankung aber nicht beseitigt worden). Die veranlassende Ursache, sprich das schwache Herz, wäre immer noch vorhanden. Das Phänomen der Besserung mental-emotionaler Symptome durch eine organopathische Behandlung ist nicht ungewöhnlich. Frauen mit starken Regelblutungen entwickeln leicht eine Anämie und geraten in einen massiven Erschöpfungszustand, was wiederum zu Reizbarkeit und Launenhaftigkeit führt. Die Behandlung des emotionalen Zustandes führt nicht zur Heilung. Eine Besserung des übermäßigen Blutflusses durch arzneiliche Intervention hingegen hilft, bessert und heilt letztendlich die Reizbarkeit und sonstigen emotionalen Symptome, weil die Ursache, in diesem Fall die erschöpfende Metrorrhagie, beseitigt wird.

Hätte in unserem obigen Fall eine Arznei sowohl die Herzschwäche als auch die Depression perfekt abgedeckt, wäre diese das ideale homöopathische Simillimum gewesen.

Deckt das Simillimum die zugrunde liegende Pathologie ab, wird die Organopathie nicht benötigt.

Allerdings findet man häufiger nur eine passende Arznei für das betroffene Organ. Aber auch dann werden die krankheitsbedingten Einschränkungen gemindert und die Depression gebessert. Burnett zufolge ist das schwache Herz in diesem Fall der „Primärort” der Erkrankung. Er würde zudem die Meinung vertreten, dass wir Arzneien brauchen, die sowohl eine Affinität zum Ort der Erkrankung haben als auch in ähnlicher Weise wie die natürliche Erkrankung wirken, d. h. Arzneien mit einer „Spezifität der Lokalisation”.

Das Mittel, das den Primärort der Erkrankung und das gesamte Spektrum der organbezogenen Pathologie abdeckt, wird als pathologisches Simillimum bezeichnet.

1.2 Pathologisches Simillimum

Wie bereits erläutert, handelt es sich bei dem pathologischen Simillimum um eine Arznei, die sowohl die Organaffinität als auch die Organpathologie abdeckt. Burnett schrieb, dass in vielen Fällen nicht nur eine einzige Arznei zur Behandlung ausreicht, sondern mehr als ein Mittel benötigt wird. Je komplizierter ein Fall ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine ganze Reihe von Arzneien eingesetzt werden muss. Das symptomatische Simillimum deckt vielleicht die Pathologie ab, möglicherweise aber auch nicht. Tut es dies nicht, kann und wird es nicht heilen. Das bedeutet, dass wir in Fällen mit pathologischen Veränderungen möglichst immer von einer fundierten Diagnose ausgehen müssen, um überhaupt eine Chance auf Heilung zu haben. Bei der Anamnese und Analyse eines Falles müssen wir immer überlegen, ob das symptomatische Simillimum auch im Hinblick auf die bestehende Pathologie homöopathisch ist.

1.3 Liste der Organmittel

Die nachstehende Liste ist meines Wissens zum gegenwärtigen Zeitpunkt so gut wie vollständig. Als Quellen wurden vorrangig die Bücher von Burnett sowie Clarkes A Dictionary of Practical Materia Medica und Ian Watsons Guide to the Methodologies of Homoeopathy herangezogen. Die Darstellung der Wertigkeit der Arzneien folgt dem Repertoriumsstandard mit Fettdruck, Kursivdruck und Normaldruck. Allerdings habe ich die Gewichtung selbst vorgenommen. Angaben zu den empfohlenen Potenzen sind in der Regel solche, die Burnett selbst am häufigsten eingesetzt hat oder die von mir vorgeschlagen wurden, wenn ich versuchte, die immer wiederkehrenden kniffligen Fragen meiner Studenten nach der zu wählenden Potenz zu beantworten.

Nervensystem

Avena sativa Ø, Hypericum Ø-C6, Ignatia C1-C3, Kalium phosphoricum D1-D6, Zincum aceticum D1, Cypripedium pubescens D3, Scutellaria D3

Milz

Ceanothus Ø-D1-C1, China C6, Chininum sulphuricum C6, Quercus Ø-D3, Rubia tinctorum Ø, Scilla maritima Ø, Urtica urens Ø, Berberis Ø, Chelidonium Ø, Conium D3, Helianthus Ø, Oleum succinum Ø, Polygonum persicaria C30, Ferrum phosphoricum C6, Juglans regia Ø

Gebärmutter

Aurum D3, Aurum muriaticum D3, Aurum muriaticum natronatum D3, Bellis perennis Ø, Caulophyllum C1, Cimicifuga Ø-C1, Fraxinus americana Ø, Helonias Ø, Pulsatilla Ø, Sabina C30, Thlaspi bursa pastoris Ø, Guaco C3, Hydrastis Ø, Secale D3, Viburnum opulus Ø, Aletris farinosa Ø, Cedron D3, Cypripedium pubescens 3x, Fragaria vesca Ø, Sabal serrulata Ø, Salix nigra Ø

Eierstöcke

Colocynthis D3, C3, C6, C12, Folliculinum C12, Ovininum C12, Viscum album D1

Brust

Bellis perennis Ø, Lac caninum C12, Phytolacca Ø, Fragaria vesca Ø

Leber

Carduus marianus Ø, Chelidonium Ø, D3, C3, Chelone glabra Ø, Cholesterinum D3, Hydrastis Ø, Myrica cerifera Ø, Natrium sulphuricum C4, Nux vomica D1, C1, C30, Berberis Ø, Crocus Ø, Diplotaxis tenuifolia Ø, Euonymus europaeus D3, Ferrum picricum D3, Helianthus annuus Ø, Iodoformum D3, Leptandra D3, Magnesium muriaticum C30, Muriaticum acidum C6, Podophyllum D6, C6, Quassia amara Ø, Sanguinaria Ø, Terebinthinae oleum D3, Bilirubinum C5, Calendula Ø, Picricum acidum C3, Prunus spinosa Ø, D6, C6, Taraxacum C6

Bauchspeicheldrüse

Iris C30, Phosphorus C30, C100, Kalium iodatum C30, Nux vomica D1, C1, C30, Pulsatilla C6, Mercurius solubilis C12, Iodum C1, Jaborandi D3, Pilocarpinum, Atropinum C12

Prostata

Sabal serrulata D3, Thuja D3, Conium D3, Chimaphila umbellata C12, Pulsatilla D6, Ferrum picricum D3

Männliche Genitalien

Agnus castus Ø, Titanium C30, Caladium C6, Chionanthus Ø, Oxalicum acidum D3, Selenium C5, Stigmata-p Ø, Stillingia silvatica Ø, Urea C6

Nieren

Berberis Ø, Cantharis D3, C3, Solidago D1, Coccus cacti Ø, Cocculus C6

Blase

Equisetum Ø, Cantharis D3, C3, Triticum repens Ø, Taraxacum C6

Herz Cactus Ø, Convallaria Ø, Crataegus Ø, Digitalis C3, Glonoinum D3, Naja C30, Strophanthus Ø, Kalmia C12, Lycopus virginicus C12, Spongia C12, Adonis Ø

Magen

Hydrastis Ø, Alfalfa Ø

Blut

Echinacea Ø, Ferrum D1, Pyrogenium C5, C6, Sulphur C30, Gunpowder D6, Baptisia D3

Arterien

Belladonna C30, Glonoinum D3, Sanguinaria Ø, D1, Bryonia Ø

Haut

Levico aqua Ø, Berberis aquifolium Ø

Schilddrüse

Fucus vesiculosus Ø, Iodum C6

Venen

Aesculus Ø, D3, C3, C12, Ferrum phosphoricum D3, D12, C6 (wirkt hervorragend bei älteren Patienten), Fluoricum acidum C5, C6, C12 (wirkt gut bei jüngeren Patienten), Nux vomica D1, C1, C30, Pulsatilla Ø, Sulphur Ø, Ferrum D3, Rhus toxicodendron D3, C3

1.4 Materia Medica der führenden Organmittel

Der nachstehende Materia-Medica-Teil wurde folgendermaßen gegliedert:

Name der Arznei und Abkürzung im Repertorium

Herkömmlicher Name

Natürliche Ordnung (N.O.)

Indikationen

Charakteristika

Symptome

Verwandte Arzneien

Dosierung

Quellen

Arzneien für die Leber

Carduus marianus, Chelidonium majus, Chelone glabra, Cholesterinum, Hydrastis canadensis, Leptandra virginica, Myrica cerifera

Carduus marianus (Card-m.)

Herkömmlicher Name Mariendistel, Silybum marianum

N.O. Compositae

Indikationen Alkoholabusus. Blutungen. Epistaxis. Gallensteine. Gelbsucht. Hämorrhoiden. Hepatitis. Influenza. Ischialgie. Lebererkrankungen. Metrorrhagie. Milzerkrankungen. Pleuritis. Rheumatismus. Typhlitis. Variköse Geschwüre. Varizen. Zirrhose.

Charakteristika Der Name Mariendistel stammt von den gefleckten weißen Blättern, von denen es heißt, dass sie durch Milchtropfen aus den Brüsten der Jungfrau Maria entstanden sind.

Symptome Carduus marianus ist primär eine Arznei für die Leber und das Pfortadersystem und insbesondere angezeigt bei Alkoholabusus, v. a. wenn dieser durch Bierkonsum entstanden ist. Chronische Leberschwäche, Zirrhose, Hepatitis, Pfortaderstauung und Gallensteine. Die Leber ist vergrößert und geschwollen, v. a. in horizontaler Richtung (Chelidonium in vertikaler Richtung), siehe auch Abbildung 1. Burnett bezeichnete dies als die Wirkungsrichtung einer Arznei. Die Wirkungsrichtung von Carduus marianus verläuft horizontal von der Leber zur Milz. Stiche in der Leber, schlimmer durch Liegen auf der linken Seite. Stiche in der Milz, schlimmer durch Einatmen und Zusammenkrümmen. Lebererkrankungen, die auf die Lunge übergehen und Hämoptyse verursachen.

• Melancholie, Apathie und Freudlosigkeit.

• Leberbedingte Kopfschmerzen (Chelidonium, Lycopodium, Sanguinaria) und Migräne, oft schlimmer auf der rechten Seite. Kopfschmerzen besser durch Essen. Schwindel besser durch Nasenbluten.

• Bitterer Geschmack, weiß belegte Zunge; Gefühl auf der Gaumenschleimhaut, als wäre sie mit Fett belegt.

• Übelkeit, Würgen und Erbrechen. Stiche auf der linken Seite des Magens, in der Milzgegend.

• Stuhl sehr hart und knollig.

Burnett identifizierte ein Schlüsselsymptom für Carduus marianus. Dieses bezeichnete er als Hautausschlag auf dem Sternum. Dabei handelt es sich um einen bräunlichen Hautausschlag im Brustbeinbereich, der oftmals bei Leber- und Herzbeschwerden auftritt. Ist der linke Leberlappen vergrößert und es besteht gleichzeitig Herzkopfen oder ein systolisches Herzgeräusch, dann ist dies eine deutliche Indikation für die Verschreibung von Carduus marianus.

Verwandte Arzneien Lycopodium, Chelidonium, Chionanthus, Nux vomica, Podophyllum.

Dosierung Urtinktur und niedrige Dezimal-/Centesimalpotenzen.

Quellen Boericke, Burnett, Clarke, Murphy, Stearn (Dictionary of Plant Names for Gardeners).


Abbildung 1

Abbildung 1.) Wirkungsrichtung. Diese Abbildung zeigt die Lokalisation der Leber und Milz (schraffierte Flächen) sowie die „Wirkungsrichtung” der Arzneien Carduus marianus, Chelidonium und Chelone glabra.

Beachten Sie, dass Carduus marianus eine horizontale oder diagonal-transversale Wirkungsrichtung von der Leber zur Milz hat. Die Wirkungsrichtung von Chelidonium hingegen erstreckt sich senkrecht nach oben zur rechten Brustwarze. Die Wirkung von Chelone glabra wiederum zieht nach unten in Richtung der Blase und Gebärmutter.

Chelidonium majus (Chel.)

Herkömmlicher Name Schöllkraut

N.O. Papaveraceae

Indikationen Gallenbeschwerden. Gallenblase, Schmerzen. Gallensteine. Gelbsucht. Hepatitis. Influenza. Keuchhusten. Kopfschmerzen. Krebs. Lebererkrankungen. Nasenbluten. Pneumonie. Tumoren. Warzen.

Charakteristika Chelidonium leitet sich aus dem Griechischen von chelidon ab, was Schwalbe bedeutet. Der Tradition nach blüht die Pflanze, wenn die Schwalben zurückkehren.

Symptome

„Über Chelidonium majus würde ich sagen, dass es in diesem Lande das größte Lebermittel ist, das wir überhaupt haben, und es gibt wahrhaftig keinen Mangel an Lebererkrankungen.” (Die Lebererkrankungen, S. 27)

• Chelidonium war eines von Burnetts Lieblingsmitteln in Fällen mit Leberbeteiligung. In einem Fall suchte er in Vertretung eines anderen Arztes eine Patientin auf, die allerdings starke Vorbehalte gegenüber neuen Ärzten hatte. Als sie Burnett bei seiner Ankunft erspähte, fand sie den Anblick dieses großen bärtigen Mannes abscheulich, und so schickte sie ihn durch ihre Tochter wieder fort. Binnen weniger Tage kehrten ihre Leberschmerzen zurück, und der Arzt sandte Burnett erneut zu ihr. Dieses Mal wurde ihm Zutritt gewährt, und er fand die Patientin mit großen Schmerzen in der Lebergegend und einer stark vergrößerten Leber vor. Er verordnete Chelidonium, und die bereits dreißig Jahre währenden Leberschmerzen ließen schneller nach als jemals zuvor und wurden schließlich ganz geheilt. Die Patientin überreichte Burnett ein Geschenk und schickte nachfolgend viele ihrer Freunde zur Behandlung zu ihm.

• Die Wirkungsrichtung dieser Arznei erstreckt sich von der Leber senkrecht nach oben zur rechten Brustwarze (siehe Abbildung 1). Ein führendes Symptom sind stechende Schmerzen unterhalb des rechten medialen unteren Schulterblattwinkels in Verbindung mit Leberstörungen. Burnett bezeichnete diese Art von Schmerzen, die als Begleitsymptom einer Entzündung oder krankhafter Veränderungen bestimmter Organe auftreten, aber in einem anderen Körperteil lokalisiert sind, als Synalgie.

• Verärgert, reizbar, leicht aufgebracht. Forsch und sehr starrsinnig. Besorgt um die Gesundheit.

• Flattern der Nasenflügel (Lycopodium, Phosphorus, Antimonium tartaricum).

• Ein Leitsymptom ist Gelbfärbung durch Ikterus (Gelbsucht). Gelbfärbung der Skleren, gelbgraue Farbe der Haut. Gelbe und schwammige Zunge mit Zahneindrücken (Mercurius, Hydrastis). Urin gelb, schaumig, wie Bier. Stuhl pastös, gelb, schwimmend. Hautjucken. Neugeborenengelbsucht (Chamomilla, Phosphorus).

• Besser nach Essen. Verlangen nach und Besserung durch heiße Speisen und Getränke (Arsenicum album, Lycopodium).

Verwandte Arzneien Bryonia, Lycopodium, Phosphorus.

Dosierung Urtinktur und niedrige Dezimal-/Centesimalpotenzen.

Quellen Boericke, Burnett, Clarke, Murphy, Stearn.

Chelone glabra (Chelo)

Herkömmlicher Name Schlangenkopf, Schildkrötenkopf

N.O. Scrofulariaceae

Indikationen Gelbsucht. Lebererkrankungen. Varizen. Würmer.

Charakteristika Das griechische Wort chelone bedeutet Schildkröte, als Hinweis auf die Blütenform dieser mehrjährigen Pflanze. Daraus leiten sich die Namen Schlangenkopf und Schildkrötenkopf ab.

Symptome Die Organaffinität erstreckt sich auf den linken Leberlappen (siehe Abbildung 1).

• Die Wirkungsrichtung verläuft nach unten zum Nabel, zur Blase und Gebärmutter.

„Chelone wirkt in einer Linie zwischen dem Leberhilus und dem Fundus der Gebärmutter.” (Clarke, A Dictionary of Practical Materia Medica, S. 467.)

• Burnett bezeichnet Chelone als wichtiges Lebermittel, dessen Wirkung sich von von rechts nach links und von oben nach unten erstreckt.

Verwandte Arzneien Carduus marianus, Hydrastis.

Dosierung Tinktur.

Quellen Boericke, Burnett, Clarke, Murphy, Stearn.

Cholesterinum (Chol.)

Wird aus der epithelialen Auskleidung der Gallenblase und größeren Gallengänge hergestellt. Trituration (Verreibung mit Mörser und Stößel) von Gallensteinen.

Indikationen Gallensteine. Gelbsucht. Lebererkrankungen, Leberkrebs. Trübung des Glaskörpers.

Symptome Burnett erfuhr durch Dr. Ameke aus Berlin von dem Einsatz von Cholesterinum. Burnett setzte dieses Mittel bei hartnäckigen Stauungszuständen der Leber und bei Leberkrebs ein, insbesondere wenn Letzterer den linken Leberlappen betraf.

„Cholesterinum ist mein Notanker bei organischem Leberleiden, an dem die gewöhnlichen Leberheilmittel Chelidonium, Carduus marianus, Myrica cerifera, Kalium bichromicum, Mercurius und Diplotaxis tenuifolia alle scheiterten.” (Die Lebererkrankungen, S. 64)

• Cholesterinum ist eine Sarkode, d. h. eine Arznei, die aus gesundem Gewebe hergestellt wird. Eine Nosode dagegen wird aus erkrankten Geweben oder krankhaften Sekreten hergestellt. (Siehe auch Kapitel 3 zu den Nosoden.)

Verwandte Arzneien Iodoformum (Burnett gab in bösartigen Fällen häufig Cholesterinum D3 im Wechsel mit Iodoformum D3.)

Dosierung D3, C3.

Quellen Boericke, Burnett, Clarke, Murphy.

Hydrastis canadensis (Hydr.)

Herkömmlicher Name Kanadische Gelbwurz

N.O. Ranunculacea

Indikationen Abmagerung. Alkoholismus. Brust, Colon, Leber, Magen, Rektum, Zunge, Krebs. Gallensteine. Gelbfärbung der Haut. Gelbsucht. Geschwüre. Lebererkrankungen, Leberkrebs. Sinusitis. Verstopfung.

Charakteristika Hydor ist die griechische Bezeichnung für Wasser. Der Name entstand irrtümlich aufgrund der Verwechslung von Hydrastis mit Hydrophyllum canadense, (dem „water-leaf“ [Wasser-Blatt]). Die Pflanze wurde von den Cherokee-Indianern als Bestandteil einer Arznei zur Behandlung von Krebs verwendet. Darüber hinaus diente sie auch als Färbemittel. Canadensis steht für das Vorkommen in Kanada, wobei dieser Begriff in früheren Schriften auch für den nordöstlichen Teil der Vereinigten Staaten verwendet wurde.

Dr. Henry Thomas wies darauf hin, dass Burnett Hydrastis bei Gallensteinen und dadurch bedingten Koliken einsetzte. Clarke schreibt, dass es sich zwar keinesfalls um ein Spezifikum, nichtsdestotrotz aber um eines der Hauptmittel handele, das es in Krebsfällen zu berücksichtigen gelte.

Symptome Geistesabwesend, reizbar, depressiv. Ist sich seines bevorstehenden Todes sicher und sehnt ihn herbei.

• Stirnkopfschmerzen durch Sinusitis, dicker, gelbgrüner Schleim. Katarrh der Eustachischen Röhre, vermindertes Hörvermögen (verstopfte Ohren).

• Bitterer Mundgeschmack, gelbe Zunge mit weißen Streifen. Zunge geschwollen, schwammig, mit Zahneindrücken (Chelidonium, Mercurius). Die Zunge fühlt sich verbrüht an, Bläschen an der Zungenspitze.

• Geschwüre in Mund und Rachen.

• Hartnäckige Verstopfung mit dumpfen Kopfschmerzen. Hämorrhoiden.

• Schwache Verdauung, Schwächezustand, Abmagerung.

• Atrophie der Leber, schneidende Schmerzen, die zum rechten Schulterblatt ziehen. Schneidende Schmerzen im Unterbauch, die zu den Hoden ziehen. Gelbsucht mit Magenkatarrh. Die Haut kann gelb oder schmutzig-gelb sein. Gallensteine und Gallenkoliken. Leberkrebs.

Verwandte Arzneien Bacillinum. Burnett gab oft erst Bacillinum und dann ein bis zwei Monate lang Hydrastis oder eine Gabe Hydrastis zwischen zwei Gaben Bacillinum. Er war der Auffassung, dass es den Appetit steigerte und abgemagerten Patienten half, an Gewicht zuzulegen.

Dosierung 5 Tropfen der Urtinktur morgens und abends. Bei Gallensteinkoliken jede halbe Stunde 10 Tropfen in sehr warmem Wasser über einige Stunden.

Quellen Boericke, Burnett, Clarke, Murphy, Stearn.

Leptandra virginica (Lept.)

Herkömmlicher Name Virginischer Ehrenpreis

N.O. Scrophulariacea

Indikationen Durchfall. Dysenterie. Dyspepsie. Gelbfieber. Gelbsucht. Kopfschmerzen. Lebererkrankungen. Schwarze Stühle. Typhus. Verstopfung.

Symptome Bedrückt, schläfrig und reizbar.

• Starke Stirnkopfschmerzen, Gefühl, als würden die Haare ausgerissen.

• Hungrig wie ein Wolf, erwacht um 5 Uhr morgens mit großem Hunger. Heftiges Verlangen nach kalten Getränken, die aber verschlimmern. Flaues Gefühl in der Magengrube (Digitalis, Tabacum).

• Digitalis hat als Leitsymptom weißen und Chelidonium gelben Stuhl, während ein herausragendes Schlüsselsymptom von Leptandra schwarzer Stuhlgang ist. Der Stuhl ist teerartig, schwarz und riecht faulig. Begleitend bestehen oft Schmerzen im Nabelbereich. Dumpfes Brennen in der Leber. Gelbsucht mit schwarzen, teerartigen oder lehmfarbenen Stühlen.

Verwandte Arzneien Bacillinum (tief greifende Kopfschmerzen), Digitalis, Myrica cerifera, Podophyllum.

Dosierung Urtinktur bis zur C3.

Quellen Boericke, Burnett, Clarke, Murphy.

Myrica cerifera (Myric.)

Herkömmlicher Name Wachsgagel, Nordamerikanischer Wachsbaum

N.O. Myricacea

Indikationen Herzerkrankungen. Gelbsucht. Katarrh. Konjunktivitis. Lebererkrankungen. Nesselsucht. Rachenerkrankungen.

Charakteristika Myrica leitet sich von dem griechischen Wort myrike für Tamariske ab. Die Frucht ist mit einer ölig-schmierigen Schicht bedeckt, die eine Art aromatischen Talg liefert, aus dem Myrtenwachskerzen hergestellt werden. Cerifera bedeutet wachsenthaltend.

Symptome Burnett setzte Myrica zur Behandlung von Erkrankungen und Krebs der Leber ein, insbesondere wenn diese mit Gelbsucht verbunden waren.

• Hochgefühl, Erregung und Schlafstörungen im Wechsel mit Depression und einem gedämpften, schläfrigen Zustand. Beim Erwachen starke dumpfe Schmerzen in Stirn und Schläfen.

• Schmutzig-gelbe Skleren. Abnorme Rötung der Lider. Schmutzig-gelber Zungenbelag. Übler Mundgeruch. Dicker Schleim.

• Dumpfe Schmerzen in der Lebergegend, krampfartige Schmerzen, Stuhldrang, aber nur Abgang von Blähungen. Rumoren oberhalb des Nabels. Hellgelber Stuhl, lehmfarben und breiig. Neugeborenengelbsucht.

• Schlaflosigkeit.

Verwandte Arzneien Chelidonium, Cholesterinum, Hydrastis.

Dosierung Urtinktur bis D6.

Quellen Boericke, Burnett, Clarke, Murphy, Stearn.

Arzneien für die Milz

Ceanothus, Helianthus, Quercus, Rubia, Scilla, Urtica urens

Burnett brachte die folgenden Symptome mit Erkrankungen der Milz in Verbindung:

Linksseitige Schmerzen, Schmerzen in der linken Unterrippengegend, Magenschmerzen, anhaltender heftiger und erstickender Husten, chronischer Durchfall, Verstopfung, Asthma, Nierenfunktionsstörungen, Ödeme, übermäßig heftige Regelblutungen und Leukorrhö, Anämie, leichtes Frieren, Störungen im Bereich des Herzens wie z. B. Herzklopfen, Krampfadern [Varizen] des linken Beines.

Ätiologische Faktoren für Milzerkrankungen: Infektionskrankheiten, Sykose, Vakzinose

Ceanothus americanus (Cean.)

Herkömmlicher Name Seckelblume, Wilder Schneeball

N.O. Rhamnaceae

Indikationen Anämie. Gelbsucht. Leukorrhö. Malaria. Menses, unterdrückt. Metrorrhagie. Milzerkrankungen.

Charakteristika Ceanothus entstammt vermutlich dem griechischen Namen für die stachelige Pflanze Ackerkratzdistel (Cirsium arvense). Bei der Arznei in unserer Materia Medica handelt es sich allerdings nicht um eine Distel, sondern um eine Staude. Diese hat normalerweise lilafarbene und blaue Blüten, die Varietät Ceanothus americanus hat jedoch weiße Blüten.

Symptome Die drei wichtigsten Symptome von Ceanothus sind Milzvergrößerung mit linksseitigen Schmerzen, extreme Frostigkeit und reichliche dicke Leukorrhö.

• Chronische Milzvergrößerung mit Völlegefühl und tief sitzenden oder schneidenden Schmerzen. Liegen auf der linken Seite ist unmöglich. Schlimmer bei kaltem Wetter, beständiges Frieren, sitzt ganz nah am Feuer.

• Die Regelblutung ist stark und setzt zu früh ein, alle zwei Wochen, was zu Anämie führt. Metrorrhagie mit Milzschmerzen. Dicke starke Leukorrhö mit Schmerzen unterhalb der linken Rippen.

• Träume von Schlangen und Einbrechern.

Verwandte Arzneien Berberis, Conium, Myrica cerifera und Quercus sind gute Folgemittel.

Dosierung Urtinktur und tiefe Potenzen.

Quellen Boericke, Burnett, Clarke, Murphy, Stearn.

Helianthus annuus (Helia.)

Herkömmlicher Name Sonnenblume

N.O. Compositae/Asteraceae

Indikationen Epistaxis [Nasenbluten]. Erbrechen. Erkältung. Hämorrhoiden. Halsschmerzen. Milzerkrankungen. Nesselsucht. Verstopfung. Verstopfung der Nase. Wunden.

Charakteristika Helianthus ist eine schnellwüchsige einjährige Pflanze, die im Sommer und Herbst blüht. Sie hat ovale, gezackte Blätter mit einem gänseblümchenähnlichen braunen oder purpurfarbenen Zentrum. Der Name leitet sich von dem griechischen Wort helios für Sonne ab und von anthos, das Blume bedeutet. Die Pflanze kann in einer Saison sehr schnell wachsen und bis zu drei Meter hoch werden.

Symptome Vergrößerte und schmerzhafte Milz. Schwarzer Stuhl (Leptandra). Verschlimmerung der Symptome durch Hitze und Besserung durch Erbrechen. Trockener Mund.

• Gerötete und heiße Haut mit nesselsuchtartigem Ausschlag auf den Innenseiten der Unterarme und Beine. Schlimmer durch Wärme.

Verwandte Arzneien Leptandra (schwarzer Stuhl), Arnica, Calendula, Hypericum (Wunden), Ceanothus (Milz).

Dosierung Urtinktur.

Quellen Boericke, Burnett, Clarke, Stearn.

Quercus glandium spiritus (Querc.)

Herkömmlicher Name Stieleiche

N.O. Fagaceae

Indikationen Alkoholismus. Fisteln. Gicht. Intermittierendes Fieber. Leukozytose. Milzerkrankungen. Mundgeruch.

Charakteristika Die Eiche ist ein altes Symbol für Stärke und geradezu legendär. Sie ist Jupiter und Thor geweiht. Die Druiden errichteten ihre Altäre unter diesen Bäumen.

Symptome Burnetts Symptome für Quercus:

• Schmerzen in der linken Seite. Schwindelgefühl. Erröten.

Rademacher verwendete dieses Mittel bei chronischen Milzerkrankungen. Er beobachtete, dass es unter der Arznei zu vermehrtem Harnabsatz oder zu Durchfall mit gleichzeitiger Besserung der Allgemeinsymptome kommen konnte. Burnett las von Rademachers Anwendung von Quercus und stellte fest, dass die Arznei bei manchen Patienten eine Art Trunkenheit hervorrufen konnte. Aus diesem Grund setzte Burnett dieses Mittel versuchsweise und mit Erfolg in Fällen von Alkoholismus ein. Er stellte fest, dass dadurch zwar nicht die Alkoholsucht gestoppt werden konnte, aber das Verlangen nachließ und der alkoholisierte Zustand antidotiert wurde.

• Nervös, depressiv, leicht zu Tränen gerührt.

• Störungen der Milz mit Schwindel, schlimmer durch Bewegung, Schwindel wie bei schwerer Trunkenheit. Kann wegen des Schwindelgefühls nicht ohne Unterstützung gehen.

• Faulig riechender Atem. (Ein Patient stank so stark nach Fäkalien, dass Burnett bei der Untersuchung fast erbrechen musste.) Dieser Geruch ist ein unverwechselbares Zeichen für einen chronischen Trinker, und zwar von der Sorte Alkoholiker, die den ganzen Tag über häufig kleine Mengen trinkt, d. h. den Gewohnheitstrinker, bei dem der unverdaute Alkohol zu Mundgeruch führt.

• Reduziert das Verlangen nach Alkohol.

• Verstärkter Harnabsatz. Ausscheidungsdiarrhö mit Besserung der Symptome.

Verwandte Arzneien Angelica atropurpurea zur Verminderung des Verlangens nach Alkohol, Ceanothus, Cedron, Rubia tinctorum, Scilla maritima, Urtica urens.

Dosierung Urtinktur und niedrige Potenzen (D1-D3).

Quellen Boericke, Burnett, Clarke, Murphy, Stearn.

Rubia tinctorum (Rub-t.)

Herkömmlicher Name Färberröte, Krapp

N.O. Rubiaceae

Indikationen Anämie. Knochenkrankheiten. Milzerkrankungen.

Characteristics Ruber ist Lateinisch für Rot und bezieht sich auf das rötliche Färbemittel, das aus den Wurzeln dieser Pflanze gewonnen wird. Tiere, die Krapp fressen, haben rötliche Knochen. Bei Schweinen, die mit Krapp gefüttert werden, verfärbt sich das Gewebe rot.

Symptome Milzassoziierte Anämie nach Influenza.

Verwandte Arzneien Coffea, China, Ferrum (bei Anämie).

Dosierung Urtinktur. Burnett gab 10 Tropfen bei milzassoziierter Anämie, aber auch bei Anämie durch suboptimale Ernährung.

Quellen Burnett, Clarke, Murphy, Stearn.

Scilla maritima (Scil.) Auch bekannt als Squilla maritima (Squill.)

Herkömmlicher Name Meerzwiebel

N.O. Liliaceae/Hyacinthaceae

Indikationen Angina pectoris. Bronchitis. Diuretikum. Dyspnoe. Husten, katarrhalisch. Milzerkrankungen. Pleuritis. Pneumonie. Urin, exzessiv.

Charakteristika Der griechische Name für die Meerzwiebel ist skilla. Die englische Glockenblume wurde auch als Scilla nutans bezeichnet. Maritimus,– a, -um bedeutet „aus dem Meer”. In Hahnemanns Prüfung zeigten sich viele linksseitige Symptome, insbesondere Stiche unter den freien Rippen der linken Seite. Hahnemann wies auch darauf hin, dass eine der besten Indikationen für Scilla übermäßiger Harnabsatz war, der als Begleitsymptom anderer Beschwerden auftrat. Rademacher setzte Scilla bei Erkrankungen der Milz und Magenschmerzen ein, die durch Liegen auf der linken Seite gebessert wurden. Burnett erweiterte Rademachers Werk und verwendete Scilla bei Milzvergrößerung mit dem Begleitsymptom Husten. Der Husten verursacht Tränenfluss, Niesen, Herausspritzen von Urin und sogar unwillkürlichen Stuhlabgang. Herausströmen von Flüssigkeit aus dem Körper.

Symptome Milzschmerzen, Stiche unter den linken freien Rippen. Milzassoziierter Husten kann mit Tränenfluss, Niesen, Harn- und Stuhlabgang einhergehen. Bronchitis, Pleuritis, Pneumonie, katarrhalischer Husten. Bronchitis älterer Menschen. Das Kind reibt sich beim Husten das Gesicht mit der Faust.

Schwarze Flecken auf den Zähnen. Die Nägel werden spröde und splittern.

Related remedies Ceanothus, Quercus.

Dosierung Fünfmal täglich 15 bis 30 Tropfen der Urtinktur. Kommt es dabei zu Durchfall, wird die Dosis auf dreimal täglich 5 Tropfen reduziert.

Quellen Burnett, Clarke, Stearn.

Urtica urens (Urt-u.)

Herkömmlicher Name Brennnessel

N.O. Urticaceae

Indikationen Agalaktie. Allergische Reaktionen. Bienenstiche. Gicht. Harngrieß. Milzerkrankungen. Nesselsucht. Nierensteine. Steinbildung, Prävention. Urticaria nodosa. Verbrennungen.

Characteristics Urtica ist der lateinische Name für die Brennnessel, wobei urens Stechen und Brennen bedeutet. Alle Arten haben diese Eigenschaft und behalten sie selbst, wenn sie getrocknet werden. Ein großartiges Beispiel findet sich in A Gardener’s Dictionary of Plant Names. Als 1941 jedes einzelne Exemplar des Herbariums von Linnaeus fotografiert wurde, für den Fall, dass es im Zweiten Weltkrieg zerstört werden sollte, stach sich die Fotografin, Miss Gladys Brown, an einem getrockneten Exemplar von Urtica und entwickelte eine Nessel. Dieses Exemplar war fast zweihundert Jahre zuvor getrocknet und archiviert worden.

Burnett setzte dieses Mittel häufig bei Gicht und Milzerkrankungen ein.

Symptome Schmerzen im linken Oberbauch. Stechende, brennende Schmerzen und Nesselsucht. Quaddeln und erhabener, roter Nesselausschlag. Urtikaria nach dem Verzehr von Meeresfrüchten. Heftiger Juckreiz. Sonnenbrand. Verbrennungen und Verbrühungen. Nach der Entbindung kommt es zu verminderter Milchbildung.

Burnett postulierte, dass Urtica urens ein echtes Simile bei Gicht ist, wenn die folgenden Symptome vorliegen: Fieber, Hitze und Kälte, Hitzewallungen. Abgang von Harngrieß und Sand. Unbehagen im linken Rippenbereich. Große Unruhe.

Der häufige Einsatz von Urtica urens führte dazu, dass Burnett der Spitzname „Dr. Urtica” verliehen wurde. Die Gabe der Urtinktur von Urtica urens unterstützt den Körper oft bei der Ausscheidung von Uraten in Form von Grieß im Urin. Burnett schätzte diese Wirkung sehr hoch ein, sowohl für seine Arbeit in der Praxis als auch für das Wohl seiner Patienten. Er erfuhr erstmalig von dem Einsatz dieses Mittels, als ihn eine Patientin, die er wegen Wechselfieber (auch als Malaria bekannt) behandelte, aufsuchte und ihm mitteilte, dass sie von ihrem Fieber geheilt sei. Als Burnett in seine Aufzeichnungen sah, da er sich diesen Erfolg selbst zuschrieb, klärte ihn die Patientin auf, dass es nicht seine Arznei gewesen sei, welche die Heilung herbeigeführt hätte, sondern ihre Reinemachefrau, die ihr Brennnesseltee aufgebrüht hätte, um das Fieber zu heilen.

„Meine Hochachtung für die Reinemachefrau mit dem guten Ruf des Brennesseltees!” (Die Gicht und ihre Heilung, S. 42)

Verwandte Arzneien Natrium muriaticum (Gicht, Fieber, Milz), Quercus, Ceanothus, Ricinus communis (verminderte Milchbildung).

Dosierung Morgens und abends 10 bis 12 Tropfen der Urtinktur in einem Glas mit warmem Wasser.

Quellen Boericke, Burnett, Clarke, Murphy, Stearn.

Arzneien für die Gebärmutter

Aurum-muriaticum-natronatum, Bellis perennis, Fraxinus americana, Helonias dioica, Thlaspi-bursa-pastoris

„Ich habe lange darüber nachgedacht, dass es wohl das Größte auf Erden sein muss, eine Mutter zu sein.” (Organerkrankungen bei Frauen – Die Wechseljahre der Frau, S. 17)

Aurum muriaticum natronatum (Aur-m-n.)

Herkömmlicher Name Natriumchloraurat, Natriumaurichlorid, Goldchlorit-Chlornatrium. Na Cl, Au Cl3 2H2O

Indikationen Gastroenteritis. Haarausfall. Karzinom. Myome. Sykose. Syphilis. Tumoren. Uterusverhärtung, Szirrhus. Warzen. Zungenprobleme.

Charakteristika Früher dachte man, Gold wäre pflanzlichen Ursprungs, da es hauptsächlich in vulkanischem Gestein in kristalliner, verästelter Form vorkam, was ihm das Aussehen einer im Felsen eingewachsenen Pflanze verlieh. Dieser Glaube hielt sich bis zum 16. Jahrhundert, als Agricola, ein Schweizer Metallurge, ihn korrigierte.

Burnett war der Ansicht, dass Aurum muriaticum natronatum bei Tumoren der Gebärmutter weitaus wirksamer sei als jede andere Goldzubereitung.

In vielen Fällen wechselte er im Verlauf der Behandlung von einer angezeigten Arznei zu einem ähnlich wirkenden Mittel. Dies war seine therapeutische Strategie, um den Fall in Richtung Heilung zu bewegen. (Siehe auch turnusmäßiger Wechsel von Arzneien.) So verschrieb er beispielsweise erst Aurum muriaticum natronatum D3, ließ diesem dann Aurum muriaticum D3 folgen und wechselte anschließend manchmal sogar noch zu Aurum D3. Er verordnete Aurum bei Verdickung der Gebärmutter (möglicherweise handelte es sich um eine Endometriose), die mit einer hochgradigen Depression einherging. Aurum muriaticum wiederum war bei spärlicher Menstruation und Unfruchtbarkeit angezeigt. Gelang es ihm in Fällen von Unfruchtbarkeit, durch seine Behandlung eine Schwangerschaft herbeizuführen, notierte er dies in seinen Aufzeichnungen mit der triumphierenden Fußnote „Enceinte!”

Symptome Gebärmutter vergrößert und disloziert. Antevertierter Uterus, der zum Rektum zeigt. Indurierte Zervix. Fehlgeburt durch uterine Verhärtungen. Gebärmuttervorfall. Myome. Uterustumoren. Karzinom der Brust und Gebärmutter. Geschwüre mit Induration des Uterus.

• Geschwüre und Knochenfraß in der Nase.

• Haarausfall. Heftige bohrende Kopfschmerzen, meist über einem Auge.

• Weiße Zunge. Warzen auf der Zunge. Brennen der Zungenspitze.

• Verstopfung ähnlich wie bei Hydrastis, mit Katarrh einhergehend.

Verwandte Arzneien Conium, Lycopodium, Nitricum acidum, Phosphorus, Sulphur.

Dosierung D3, fünf Tropfen morgens und abends.

Quellen Boericke, Burnett, Clarke, Murphy, Stearn.

Bellis perennis (Bell-p.)

Herkömmlicher Name Gänseblümchen

N.O. Compositae

Indikationen Akne. Erschöpfung. Furunkel. Psoriasis. Quetschungen. Schwangerschaftsbeschwerden. Trauma. Tumoren. Überarbeitung. Uterusschwäche. Varizen. Venöse Stase. Verletzungen. Wirbelsäulenverkrümmung.

Charakteristika Bellis leitet sich von dem lateinischen Wort bellus ab und bedeutet hübsch. Perennis steht für perennierend [ganzjährig] und entspringt dem lateinischen per -durch- und annus -Jahr-. Somit lässt sich Bellis perennis als „hübsche Ganzjährige” übersetzen. Der therapeutische Einsatz von Bellis perennis erstreckt sich ebenso wie bei den anderen Mitgliedern der Familie der Compositae Arnica und Calendula insbesondere auf Wunden, Verletzungen, Quetschungen, Überanstrengung und Erschöpfung. Die alten Namen für Bellis perennis Woundwort [Wundwarte] und Bruisewort [Prellwarte] weisen bereits eindeutig auf eine der Hauptwirkungssphären dieser Arznei hin.

Symptome Allgemeine Symptome sind Quetschungs- und Wundheitsgefühl (Arnica). Ätiologisch liegt eine Verletzung oder ein physisches Trauma bzw. Überanstrengung vor (Arnica). Ausgezeichnet nach übermäßiger Gartenarbeit (Arnica). Symptome im Bereich der Gebärmutter sind Wundheits- und Prellungsgefühl, wie gequetscht. Uterustumoren. Verletzungen im Bereich der Beckenorgane. Eine von Burnetts Hauptindikationen für diese Arznei war „Schwierigkeiten beim Laufen während der Schwangerschaft”. Burnett führte dies auf den mechanischen Druck zurück, der während einer Schwangerschaft auf das Gewebe entsteht. Schwangerschaftsbedingte Krampfadern.

Linksseitiges Mittel mit Stichen in der Milzgegend. Diese ist schmerzhaft und vergrößert. Die Arznei Cimicifuga ist ebenfalls ein ausgezeichnetes Mittel für die Gebärmutter und hat auch linksseitige Schmerzen, diese sind allerdings unterhalb der linken Brust lokalisiert und entsprechen damit den klassischen submammären Schmerzen. Burnett schlussfolgerte daraus, dass es bei Frauen einen Zusammenhang zwischen der Gebärmutter und der linken oberen Körperhälfte geben musste.

Akne, Eiterbeulen. Schädliche Folgen des Trinkens von kalten oder eisgekühlten Getränken bei erhitztem Körper, Erkrankungen durch kalten Wind und kaltes Wetter. Erwacht früh und kann nicht wieder einschlafen.

Verwandte Arzneien Arnica, Calendula, Hypericum, Hamamelis.

Dosierung Urtinktur und alle Potenzen, v. a. D1 und C1. Clarke empfiehlt, das Mittel nicht kurz vor dem Schlafengehen zu geben, da es Schlaflosigkeit, Erwachen um 3 Uhr nachts sowie frühzeitiges Erwachen hervorrufen kann.

Quellen Boericke, Burnett, Clarke, Murphy, Stearn.

Fraxinus americana (Frax.)

Herkömmlicher Name Weißesche

N.O. Oleaceae

Indikationen Gebärmuttererkrankungen, Vorfall, Tumoren.

Characteristics Fraxinus ist der klassische lateinische Name für Esche. Burnett bezeichnete die Arznei als „medizinisches Pessar”, da er sie als hilfreich in allen schweren Fällen von Gebärmuttervorfall bzw. Senkungsgefühl und Bänderschwäche [im Bereich der Beckenorgane] ansah.

Symptome Schweregefühl im Unterleib, Hypertrophie, Hyperplasie. Vergrößerung der Gebärmutter und Rückenschmerzen. Uterusmyome, Subinvolution und Prolaps.

Verwandte Arzneien Sepia, Lilium tigrinum, Natrium hypochloricum, Hydrastis.

Dosierung Anfangs dreimal täglich 5 Tropfen, mit Steigerung auf 6 und dann 10 Tropfen.

Quellen Boericke, Burnett, Clarke, Murphy, Stearn.

Helonias dioica (Helon.)

Herkömmlicher Name Falsche Einhornwurzel

N.O. Melanthiaceae

Indikationen Albuminurie. Amenorrhö. Atonie des Uterus. Depression. Fehlgeburt. Gebärmuttererkrankungen. Leukorrhö. Libidoverlust. Menopause. Menorrhagie. Metrorrhagie. Nierenschmerzen. Unfruchtbarkeit.

Charakteristika Helonias entspringt dem griechischen Wort helos, Sumpf, der das natürliche Habitat dieser Pflanzen darstellt. Helonias ist botanisch und medizinisch eng mit einem anderen Organmittel der Gebärmutter verwandt, und zwar mit Aletris farinosa, das ebenfalls unter dem Namen Einhornwurzel bekannt ist. Clarke beschreibt Aletris farinosa als die bitterste aller Pflanzen. Therapeutische Indikationen für Aletris farinosa sind Abscheu gegen Essen, Übelkeit und v. a. anhaltendes Schwangerschaftserbrechen.

Symptome Das herausragende Leitsymptom für dieses Mittel ist „ein ständiges Bewusstsein, dass sie eine Gebärmutter hat”. Schmerzen und Empfindlichkeit in der Nierengegend, v. a. in der Schwangerschaft. Helonias hat hinsichtlich seiner Symptomatik sehr große Ähnlichkeit mit dem Polychrest Sepia; beide haben eine ausgeprägte Affinität zur Gebärmutter, mit Schwäche und Senkungsgefühl im Becken. Beide werden therapeutisch bei Gebärmuttervorfall eingesetzt, und beide haben eine Neigung zu Rückenschmerzen, Reizbarkeit, Depression und mangelnder Libido.

Helonias geht es besser, wenn sie aktiv und gedanklich mit einer Aufgabe beschäftigt ist.

Verwandte Arzneien Aletris farinosa (enge botanische und medizinische Verwandtschaft mit Helonias), Lilium tigrinum, Sepia.

Dosierung Urtinktur bis zu niedrigen Centesimalpotenzen.

Quellen Boericke, Burnett, Clarke, Murphy, Stearn.

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25 May 2021
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