Read the book: «Zeit für Weiblichkeit»
Titel der englischen Originalausgabe:
Tantric Orgasm for Woman, Destiny Books
Ebook-Ausgabe 2018
Umschlaggestaltung: Silke Bunda Watermeier, www.watermeier.net
Übersetzung: Rajmani H. Müller, Jivana Werner
Copyright© Diana Richardson
Copyright© der Übersetzung, Innenwelt Verlag GmbH
Alle Rechte vorbehalten.
Nachdruck und fotomechanische Wiedergabe, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung der Innenwelt Verlag GmbH, Köln
www.innenwelt-verlag.de
eISBN 978-3-947508-08-2
DIANA RICHARDSON
Zeit für Weiblichkeit
DER TANTRISCHE ORGASMUS DER FRAU

Für die Liebe in jeder Frau
Inhalt
Vorwort
1.Das natürliche Orgasmuspotenzial der Frau
2.Orgasmus als spirituelle Erfahrung
3.Einen Orgasmus haben oder orgasmisch sein
4.Die Quelle orgasmischen Seins
5.Die Brüste sind der Schlüssel zum Orgasmus
6.Die Vagina spielt eine sekundäre Rolle
7.Die Klitoris und die Erregung
8.Der Einfluss der Frau auf die Erektion
9.Durch Entspannen zum Orgasmus
10.Liebe und Emotionalität
11.Die Frau als Liebespartnerin in Zeiten der Menstruation, Fruchtbarkeit, Schwangerschaft, Mutterschaft und Menopause
12.Tantrischer Orgasmus und gleichgeschlechtliche Partner
13.Die weibliche Kraft umarmen
Die symptothermale Methode der Fruchtbarkeitsbestimmung
Anhang
Danke!
Meinen aufrichtigen Dank möchte ich den vielen Frauen aussprechen, die im Laufe der Jahre ihre Erfahrungen mit mir teilten und von denen ich eine unschätzbare Menge gelernt habe. Insbesondere bin ich allen jenen Frauen dankbar, die mir die Erlaubnis gaben, ihre persönlichen Worte und Erfahrungsberichte zu verwenden. Dies hat enorm dazu beigetragen, ein wirklichkeitsgetreues Abbild weiblicher Sexualität zu vermitteln, und damit der Liebe.
Ich danke auch den Partnern dieser Frauen, die ich zitieren durfte, denn es waren ihre gemeinsamen Erfahrungen in der Liebe, die diese Beiträge aus erster Hand ermöglicht haben. Ich habe einige Erfahrungsberichte von Männern mitverwendet und danke ihnen, dass sie mir dies erlaubt haben.
Ich verbürge mich für die absolute Authentizität der von mir zitierten persönlichen Beiträge. Der Einfachheit halber und zum Schutz der Privatsphäre habe ich mich dafür entschieden, die einzelnen Personen, von denen die Beiträge stammen, nicht namentlich oder mit Initialen zu nennen.
VORWORT
IM SANSKRIT, DER URALTEN RELIGIÖSEN und klassisch-literarischen Sprache Indiens, steht das Wort Tantra in Verbindung mit Konzepten wie „Fähigkeit zur Erweiterung“ oder „etwas, das sich immer weiter ausdehnt“, aber auch mit Begriffen wie Kontinuum, Gewebe, Kontext und Transformation.1
Tantra lehrt die Bejahung unseres ganzen Seins: Von der Grobstofflichkeit des physischen Körpers bis hin zu den feinstofflichen Dimensionen der Seele. Im Tantra geht es um Energieumwandlung, um die Befreiung des Geistes, um die Verwirklichung unseres höchsten Potenzials.
Die harmonische Vereinigung der Gegensätze gilt als Weg zur Befreiung von der Identifikation mit Körper und Geist sowie zur Befreiung von dem scheinbar endlosen Kreislauf unbewusster Wiedergeburten. Tantra hatte schon vor mehr als fünftausend Jahren begriffen, wofür jetzt die moderne Wissenschaft durch die Erforschung der Chromosomen den Nachweis lieferte: Die Frau ist halb Mann und der Mann ist halb Frau.
Die inneren polaren Gegensätze in ein harmonisches Gleichgewicht zu bringen ist der Weg zur Erlangung unseres vollständigen Potenzials. Durch einen inneren alchemistischen Prozess wird die Frau transformiert, wenn sie bei der sexuellen Vereinigung völlig in ihrer weiblich-rezeptiven Seite aufgeht.
Dieses Buch, mein zweites über Tantra, ist im Wesentlichen eine Erforschung der tantrischen Erfahrung aus der weiblichen Perspektive. Auf den kommenden Seiten will ich versuchen, die wichtige Rolle zu beschreiben, die der weiblich-rezeptiven Energie im sexuellen Austausch zwischen Mann und Frau zukommt. Wenn wir von Sex reden, ist es nicht realistisch, eine klare Trennlinie zwischen weiblich und männlich zu ziehen, denn gerade im Sex gehen diese beiden polaren Energien die engste Verbindung überhaupt ein.
Allerdings gibt es bestimmte Aspekte der Sexualität, die ausschließlich auf die Frau zutreffen, und dieses Wissen ist ohne Frage vorteilhaft, um das sexuelle Erleben – der Frau ebenso wie des Mannes – positiv zu beeinflussen und zu intensivieren. Von diesem Wissen können aber auch Frauen profitieren, die keinen Partner haben, denn es vermittelt ihnen ein neues Gefühl für sich selbst und ihren Körper. In vielen Fällen zieht die Frau durch ihr neu gewonnenes Bewusstsein einen passenden Partner an.
Als Forschende, Lehrende und Schreibende über das Thema Sex bin ich gleichermaßen von Frauen und Männer ermutigt worden, über die Sexualität vom weiblichen Blickwinkel aus zu schreiben. Die Frauen haben mich direkt darauf angesprochen, und obwohl die Männer es mir nicht so offensichtlich zu verstehen gaben, fühlte ich mich indirekt ermutigt: durch ihr Verhalten und durch das, was ich in den letzten zwanzig Jahren von ihnen gelernt habe.
In dieser Zeit haben viele Paare die Making-Love-Seminare für Paare besucht, die ich zusammen mit meinem Partner Raja leite. In diesen Seminaren ereignen sich Tag für Tag wahrhaftige, sehr berührende Wunder. Viele Paare erleben hier wieder die dynamische Liebe, die sie ursprünglich zusammengebracht hatte, und es gelingt ihnen auch nach dem Seminar, in liebevoller Harmonie gemeinsam weiterzugehen.
Aber nicht alle Partnerbeziehungen verlaufen so, und manche Paare haben sich auch getrennt. Nach einer gewissen Zeit entstanden dann neue Beziehungen, und in Folge davon konnte ich in den Seminaren eine erstaunliche und ziemlich unerwartete Beobachtung machen: Männer, die bereits an meinen Gruppen teilgenommen hatten, tauchten plötzlich mit ihren neuen Partnerinnen wieder auf. Es sind die Männer, die wiederkommen, um diese andere Art von Sexualität mit der neuen Partnerin zu leben, weil sich durch diese tantrische Herangehensweise ihre Liebesfähigkeit erhöht. Überraschend war, dass die Frauen nicht so schnell wieder zum Seminar kamen, obwohl sie beim ersten Mal genauso begeistert waren wie ihre damaligen Partner. Erst in jüngster Zeit kommen manche Frauen wieder zum Seminar, mit dem neuen Liebsten im Schlepptau.
Die Tatsache, dass schon eine ganze Reihe von Männern, aber erst wenige Frauen mit neuen Liebespartnern in den Seminaren wieder aufgetaucht sind, hat mir zwei wichtige Einsichten vermittelt: Einerseits, dass wir Frauen offenbar Angst haben, mit unserem Partner über Sex zu reden, und uns scheuen, ihm offen zu sagen, was unser Körper am liebsten mag. Wir scheuen uns, den Partner auf Alternativen zum üblichen Sex aufmerksam zu machen.
Die größte Angst der Frau ist wohl, ihren Partner zu verlieren bzw. für ihn sexuell nicht mehr attraktiv zu sein, wenn sie neue Wege geht. Aber so traurig es ist: Wenn wir Frauen uns mit dem herkömmlichen Sex begnügen – der im Grunde eine Verzerrung männlicher Sexualität darstellt –, geben wir unseren einzigartigen femininen Zauber und unsere weibliche Kraft weg.
Die zweite Einsicht ist viel ermutigender und wird hoffentlich den Frauen Mut machen, sich im sexuellen Bereich stärker durchzusetzen: Die Tatsache, dass die Männer mit ihren neuen Partnerinnen wiederkommen, zeigt eindeutig, dass die Männer, wenn sie erst einmal eine Kostprobe von dieser anderen Form der Sexualität hatten, auf den Geschmack kommen. Aber wie soll der Mann auf den Geschmack kommen, wenn er es noch nie kennengelernt hat? Oft ist also ein Vorgeschmack tantrischer Sexualität notwendig, damit Sehnsucht danach entsteht.
Von Männern, aber auch von Frauen, die noch keine persönlichen Erfahrungen mit Tantra haben, höre ich öfter die Bemerkung: „Tantra scheint doch eher etwas für Frauen zu sein als für Männer!“
Durch meine eigenen Nachforschungen und aufgrund der positiven Reaktionen meiner männlichen Seminarteilnehmer kann ich aber mit aller Bestimmtheit sagen: „Nein, Tantra ist keineswegs nur für Frauen, es ist garantiert was für Männer!“
Tantra ist also nicht etwas, das nur dazu da ist, Frauen glücklich (und die Männer weniger glücklich) zu machen. Und es ist auch keine Taktik, um den Frauen mal für ein Weilchen das Ruder zu überlassen. Jeder Mann, der einmal auf den Geschmack von diesen wundervollen Tiefen und Höhen einer sich ausdehnenden sexuellen Energie gekommen ist, will es unweigerlich wieder erleben! Aber solange wir Frauen den Männern unsere wahre Weiblichkeit vorenthalten – wie und wo und wann sollen sie dann je auf den Geschmack kommen?
Hier und da findet man vielleicht eine Frau, die es auf natürliche Weise versteht, die sexuelle Energie des Mannes beim Sexakt in sich aufzunehmen und nach oben zu kanalisieren, sodass sie mit ihrem Partner eine höhere sexuelle Dimension erlebt. Es ist wichtig zu wissen, dass eine Frau diese Kunst bewusst lernen kann und so den Mann in eine Sphäre sich ausdehnender sexueller Energie mitnimmt – was ihr selbst größere sexuelle Erfüllung bringt. Die Frau hat von Natur aus allein aufgrund ihres weiblichen Geschlechts die Fähigkeit, in diese Sphäre einzutreten. Als rezeptiver Pol der männlich-weiblichen Dynamik kann die Frau nach innen gehen und den Mann mit sich ziehen bzw. mit emporheben. Das ist die Kraft, die ihr von Natur aus gegeben ist. Durch ihre Empfänglichkeit, ihr Mitfließen und ihre Hingabe wird eine solche innere Bewegung möglich.
Umgekehrt ist das nicht unbedingt der Fall. Für den Mann als aktiver Pol ist es im Allgemeinen nicht so einfach, diese Tür zu öffnen und die Frau in sich aufzunehmen. Um dazu in der Lage zu sein, muss der Mann eine große innere Stille und Klarheit über seine wirkliche männliche Autorität haben. Wenn das empfängliche (weibliche) Element nachgibt und das, was ihm entgegenkommt, wirklich aufnimmt, wird aufgrund dieser Empfänglichkeit die dynamische (männliche) Energie aktiviert und kommt ins Fließen. Dadurch kann der Mann auf mühelose und natürliche Weise der Frau in höhere Energiebereiche folgen und wortlos mitfließen – wenn er in der glücklichen Lage ist, auf solch eine rezeptive weibliche Energie zu treffen.
Eine sexuelle Neuorientierung ist notwendig, und sie muss im Wesentlichen von der Frau ausgehen. Diese neue Erziehung in Sachen Sex muss in den Frauen Wurzeln schlagen und sich von ihnen ausgehend in der Gesellschaft verbreiten – über die Ehemänner, Liebhaber, One-Night Stands, über Mütter, die es ihren Töchtern vermitteln, und Väter, die es den Söhnen beibringen. Was es braucht sind Frauen, die anfangen für sich selbst zu sprechen, sich äußern über ihre wirklichen Bedürfnisse und Empfindungen – und dass die Männer diese Botschaften unbedingt beachten. Das höchste Potenzial wirklicher sexueller Erfüllung und Liebe zwischen Frau und Mann liegt auf ihrem gemeinsamen Weg der sexuellen Selbsterforschung.
Nichtsdestotrotz kann die Frau auch ohne bewusste Mitwirkung des Mannes viel bewirken. Sex ist uns so nahe wie nur irgendetwas, Sex erreicht, berührt und verändert jede einzelne Zelle unseres Körpers. Durch das Erforschen unserer Sexualität können wir – jenseits aller gesellschaftlichen Fassaden und Konventionen, hinter denen wir für gewöhnlich unser tieferes sexuelles Selbst verbergen – entdecken, wer wir in Wirklichkeit sind.
Die Quelle meiner tantrischen Inspiration und Unterweisung ist Osho, mein spiritueller Meister. Osho lehrt Meditation nicht als bloße Übung, sondern als Lebensweise. Er ist ein Mystiker, der die zeitlose Weisheit des Ostens auf die drängenden Fragen anwendet, mit denen Männer und Frauen in unserer heutigen Zeit konfrontiert sind. Er spricht vom Streben nach Harmonie, Ganzheit und Liebe, das den Kern sämtlicher religiöser und spiritueller Traditionen bildet, und beleuchtet für uns die Essenz von Christentum, Hassidismus, Buddhismus, Sufismus, Tantra, Tao, Yoga und Zen.
Es fehlen mir die Worte, um meiner großen Dankbarkeit Ausdruck zu verleihen – für seinen tief gehenden, anhaltenden Einfluss auf mein Leben. Oshos Interpretationen der alten tantrischen Schriften stellen eine herausragende, umfangreiche Sammlung von Wissen und Erkenntnis dar, die mir glücklicherweise zugänglich gewesen ist, seit ich Mitte zwanzig war.
Tantra ist jenseits aller Techniken. Es ist ein tiefgreifender Weg der Selbstentdeckung und Selbsttransformation, ein alchemistischer Umwandlungsprozess der Basisenergien in höhere, spirituelle Erscheinungsformen verwandelt. Auf diesem Weg kann zwar manche Technik benutzt werden, aber das Geheimnis von Tantra besteht darin, unser sexuell Unbewusstes ins volle Licht der Bewusstheit zu bringen.
„Tantra ist die Umwandlung von Sex in Liebe – durch Bewusstheit“, sagt Osho. Das bedeutet, dass es unendlich viel wichtiger ist, wie wir etwas tun, als was wir tun.
Es ist mir eine Ehre, einige Kostproben von Oshos tantrischen Inspirationen hier und da in dieses Buch einzustreuen. Vielleicht mag es die Leserin und den Leser interessieren, dass Oshos Worte, die hier als schriftliche Texte wiedergegeben sind, ursprünglich in spontanen mündlichen Vorträgen völlig aus dem Stegreif und ohne jede Vorbereitung in Zusammenkünften mit Schülern und einem interessierten Publikum in Indien übermittelt wurden. Erst später wurden sie in Buchform veröffentlicht. Ich möchte betonen, dass die in diesem Buch wiedergegebenen Zitate nur eine sehr kleine, von mir getroffene Auswahl darstellen. Sie repräsentieren in keiner Weise die enorme Bandbreite und außergewöhnliche Vielfalt und Tiefe von Oshos spirituellen Einsichten in die menschliche Natur.
OSHO ÜBER SEX
In meinem Namen sind (bisher) fast vierhundert Bücher erschienen. Von all diesen Büchern handelt nur ein einziges Buch von Sex, und auch in diesem geht es nicht wirklich um Sex. Vielmehr geht es darum, wie Sex transzendiert werden kann, wie man die sexuelle Energie in einen sublimierten Zustand überführen kann – denn sie ist unsere Grundenergie, sie kann Leben hervorbringen… Aber nur dem Menschen ist es Vorbehalten, Wesen und Qualität der sexuellen Energie zu verändern. Der Name dieses Buches lautet „Vom Sex zum kosmischen Bewusstsein“* – aber keiner verliert ein Wort über das kosmische Bewusstsein. Doch darum geht es in diesem Buch, um das kosmische Bewusstsein. Sex ist nur der Anfang – dort, wo alle sind.
Es gibt Methoden, wie diese Energie zum Aufsteigen gebracht werden kann, und im Osten hat sich seit mindestens zehntausend Jahren dafür eine spezielle Wissenschaft entwickelt: Tantra. Der Westen kennt keine Parallele zu einer solchen Wissenschaft. Seit zehntausend Jahren hat es Menschen gegeben, die damit experimentiert haben, sexuelle Energie in Spiritualität umzuwandeln, und herauszufinden, wie Sexualität zu Spiritualität werden kann. Dass es möglich ist, wurde jenseits allen Zweifels bewiesen. Tausende von Menschen haben eine solche Transformation erfahren. Es scheint, dass Tantra als Wissenschaft früher oder später auf der ganzen Welt Anerkennung finden wird. Die Menschen leiden an allen möglichen Perversionen. Nur deshalb reden die Leute ständig von Sex – als würde darin meine ganze Arbeit bestehen, als würde ich vierundzwanzig Stunden am Tag nur über Sex reden. Das Problem ist ihre eigene unterdrückte Sexualität.
Mein ganzes Bemühen geht dahin, eure Sexualität zu einem natürlichen, akzeptierten Phänomen zu machen, damit nichts unterdrückt zu werden braucht. Dann braucht ihr keine Pornografie; dann braucht nichts unterdrückt zu werden, dann träumt ihr auch nicht vom Sex.
Dann kann diese Energie umgewandelt werden. Es gibt brauchbare Methoden, mit deren Hilfe dieselbe Energie, die neues Leben auf die Welt bringt, euch selbst ein neues Leben geben kann. Das ist das ganze Thema dieses Buches. Aber niemanden interessiert dieses Thema, und niemanden interessiert es, weshalb ich darüber sprach. Allein das Wort Sex im Titel … das reicht! Das Buch ist nicht für Sex. Tatsächlich ist es das einzige existierende Buch, das gegen den Sex ist, aber seltsam … Dieses Buch sagt, dass es einen Weg gibt, den Sex zu transzendieren, über den Sex hinauszugelangen – denn das bedeutet „Vom Sex zum kosmischen Bewusstsein“.
Ihr seid noch auf der Stufe des Sex, obwohl ihr schon auf der Stufe des kosmischen Bewusstseins sein könntet. Der Weg ist einfach: Sex muss zu einem Teil eures religiösen Lebens werden; er sollte euch heilig sein. Sexualität sollte nichts Obszönes, Pornografisches sein und sie sollte nicht verurteilt und unterdrückt, sondern voller Ehrfurcht gewürdigt werden, denn schließlich sind wir daraus geboren. Sie ist unsere Lebensquelle. Und die Lebensquelle zu verurteilen bedeutet, alles zu verurteilen. Sex sollte auf immer höhere Stufen gehoben werden, bis zu seinem höchsten Gipfel. Und dieser höchste Gipfel ist Samadhi, kosmisches Bewusstsein.
Osho, Sex – Das missverstandene Geschenk
* Dies ist der Originaltitel des englischen Buches „From Sex to Superconsciousness“, das mittlerweile in Deutsch unter dem Titel „Sex – Das missverstandene Geschenk“ publiziert ist.
1. Kapitel
Das natürliche Orgasmuspotenzial der Frau
JEDE FRAU AUF DIESER WELT IST mit der Fähigkeit geboren worden, die Ekstase des Orgasmus zu erleben. Mutter Natur hat in ihrer unbeirrbaren Weisheit den weiblichen Körper in besonderer Weise ausgestattet, um diese Erfahrung zu machen. Alle Frauen haben das Potenzial, ihre Sexualität voll und ganz zu leben – als bewusste, lenkende Kraft. Und obwohl die Natur dies aufrichtig für uns vorgesehen haben mag, können im realen Leben nur wenige Frauen von sich sagen, dass sie in der Lage sind, ihre orgasmischen Erfahrungen selbst zu steuern. Stattdessen bleibt der Orgasmus für die meisten Frauen eine ziemlich unberechenbare Angelegenheit, die sich hin und wieder einstellt und mehr auf einer gelungenen Orchestrierung zu beruhen scheint als auf der intimen Kenntnis unserer inneren Beschaffenheit. Die Liebe wird so zu einer Erfahrung mit ständigen Höhen und Tiefen. Sie scheint nie lange bei uns zu bleiben, ist launisch wie der Wind – heute hier, morgen da. Viele Frauen, in deren Leben die Liebe fehlt, leiden unsagbar darunter und erleben häufig Zustände akuter Depression und Verzweiflung.
Diese unglückliche Situation ist zum großen Teil auf mangelnde Kenntnis des weiblichen Körpers und des Wesens der weiblichen Energie zurückzuführen. Den Frauen fehlt einfach das Wissen, wie sie einen orgasmischen Zustand willentlich herbeiführen und das göttliche Geschenk des Orgasmus zu einem festen Bestandteil ihres Lebens machen können. In diesem Wissensvakuum fehlen Frauen intime und fachliche Informationen über sich selbst. Infolge dieser Naivität in Bezug auf ihren Körper, handeln sie oft unbewusst gegen ihr eigenes, besseres Interesse – im Leben, in der Liebe und beim Sex.
Kürzlich hat ein Mann, der mit seiner Frau an einem meiner Paarseminare teilgenommen hatte, am Ende der Gruppe seine Erfahrungen mit folgenden Worten zusammengefasst: „Es ist einfach unfassbar! Da habe ich mich nun fünfunddreißig Jahre lang bemüht ein wirklich guter Liebhaber zu werden, um jetzt hier innerhalb von einer Woche zu entdecken, dass alles, von dem ich dachte, es würde eine Frau anmachen, in Wirklichkeit genau das Gegenteil bewirkt.“
Seine Beobachtung war richtig. Ich selbst habe festgestellt, dass bei fast allem, was die Leute über Sex denken und reden, genau das Gegenteil für mich zutrifft. In der Summe haben all diese irrigen Vorstellungen über Sex zur Folge, dass Frauen generell mit ihrem Sexualleben alles andere als glücklich sind und es aus den unterschiedlichsten Gründen für ziemlich unbefriedigend halten. Das mag vielleicht am Anfang einer sexuellen Beziehung noch nicht so zutreffen, aber wenn man den Erzählungen vieler Frauen Glauben schenkt, wird nach einer gewissen Zeit die Unzufriedenheit zur Regel. Der Körper beginnt sich mehr und mehr zu verschließen. Enttäuschung, Unlust und allgemeines Desinteresse am Sex machen sich breit. Für manche Frauen vollzieht sich dieser Umschwung innerhalb von wenigen Monaten, bei anderen kann es Jahre dauern. Wie schnell diese Veränderung vor sich geht, ist weniger bedeutsam als die Tatsache, dass dieser Rückzug aus der Sexualität bei den Frauen so weit verbreitet ist.
Wenn die Frau ihren Körper nicht kennt und nicht weiß, wie sie ihre weibliche Energie ausdehnen kann, wird sie beim Sex automatisch nur reduzierte, begrenzte Erfahrungen machen können – und damit auch in der Liebe! Und wenn diese Realität auf die Frau zutrifft, trifft sie natürlich auch für den Mann zu. Wenn die Frau sexuell auf Sparflamme lebt und liebt, wird auch ihr männlicher Partner (dessen Energie die weibliche als polar entgegengesetzte Kraft ergänzt) sich nur auf diesem minimalen Niveau bewegen.
Der sexuelle Notstand zeigt sich bei vielen Frauen durch ihre enormen Schwierigkeiten, einen Orgasmus zu haben. Wie oft haben Frauen mir ihre Befürchtungen anvertraut, dass mit ihnen grundsätzlich etwas nicht stimmen könne, weil sie überhaupt nie zum Orgasmus kommen. Oder sie machen sich Sorgen, weil sie oft eine Stunde oder länger brauchen, bis sie zur Penetration ein wirkliches Ja in sich fühlen. Oder sie berichten, dass der Sex mit der Zeit jede Anziehung für sie verloren habe, wohl aber die Sehnsucht nach Zärtlichkeit und Intimität geblieben sei.
Wenn uns solche negativen Gedanken durch den Kopf gehen, können alte, nie ausgedrückte Gefühle von „Nichts-wert-sein“ und Unzulänglichkeit hochkommen; und schnell untergräbt die Unsicherheit die Freude unseres liebenden Herzens. Für die Frau kann sexuelle Unzufriedenheit zur akzeptierten, ja geradezu erwarteten Regel werden. In Frauenzeitschriften findet man ständig Ratschläge für besseren Sex und über den weiblichen Orgasmus – Hinweise und Tipps für die Frauen, wie sie leichter einen Orgasmus bekommen können. Solche Artikel sprechen zwar offen über sexuelle Themen (was in unseren Alltagsgesprächen eine Seltenheit ist) und geben deshalb so mancher Frau für eine gewisse Zeit etwas Trost und Erleichterung. Aber diese Ratschläge berühren, wenn überhaupt, nur die Oberfläche eines viel tiefer gehenden Bereiches unserer Sexualität, der für uns alle existent ist. Die in diesen Zeitschriften gegebenen Antworten verdeutlichen den herrschenden Mangel an konkreten, stimmigen Informationen über den weiblichen Körper. Wann haben wir denn zuletzt etwas wirklich Neues und Inspirierendes zu diesem Thema gehört? Etwas, das funktioniert? Etwas, das sich richtig anhört und richtig anfühlt? Etwas, das im Körper, im Herzen und in der Seele der Frau Resonanz findet?
Wahr ist: Dein Körper ist fähig tiefe und intensive, erfüllende Orgasmen zu erleben. Der Schlüssel liegt darin, nach innen zu gehen und die physischen Empfindungen im eigenen Körper wahrzunehmen – ohne zu urteilen. Sammle Informationen über die Reaktionen deines Körpers.
Was fühlst du, wenn du mit deinem Partner Sex hast?
Was spürst du, wenn du mit dir Sex hast?
Was genießt du?
Was irritiert dich?
Was hinterlässt in dir ein Gefühl tiefer Enttäuschung?
Vergiss nicht: Solange du ehrlich bleibst, wirst du sehen, dass Gefühle immer wahr sind. Kein Gefühl kann jemals „falsch“ sein. Zum Beispiel, wenn dein Partner in höchster Erregung plötzlich total in Fahrt kommt und immer härter und schneller auf seinen Höhepunkt zusteuert (der sogenannte „Presslufthammer“) … Fühlst du dich dann unsichtbar, im Stich gelassen, von einer Woge der Enttäuschung überrollt, weil er gleich wieder fix und fertig sein wird, während du selbst noch nicht einmal angefangen hast, warm zu werden?
Oder wenn dein pflichtbewusster Partner das Gefühl hat, zuerst dich befriedigen zu müssen, bevor er sich selber Befriedigung verschafft, und sich nun abmüht, dich durch Stimulieren der Klitoris zum Orgasmus zu bringen. Und weil er so bemüht ist, alles „richtig“ zu machen, bringst du es nicht übers Herz, ihn zu kritisieren. Aber eigentlich reibt er doch zu fest, oder zu schnell? Oder du bist zu trocken? Stehst du dann unter Leistungsdruck und hast das Gefühl, du müsstest dich beeilen und endlich den Höhepunkt erreichen, damit er endlich zur „Sache“ kommen kann – zur Penetration und Ejakulation?
Machst du dir Sorgen, es könnte ihn langweilen, wenn er dich stimuliert? Oder wird dir plötzlich selber langweilig? Gehst du manchmal aus deinem Körper raus und schreibst in Gedanken deinen Einkaufszettel? Oder fällt dir plötzlich ein, dass du deinem Jüngsten für den morgigen Schulausflug noch ein paar Brote schmieren musst? Oder steigst du auf irgendeine andere Weise aus deinem physischen Körper aus, etwa indem du dich in eine heiße sexuelle Fantasie hineinsteigerst, um zum Höhepunkt zu kommen? Oder hast du eigentlich schon das Interesse verloren, machst aber trotzdem weiter mit deiner Fantasie, nur weil dein Partner sonst enttäuscht wäre und sich nicht gut fühlen würde, wenn er es nicht schafft, dich zum Orgasmus zu bringen? Und täuschst du gelegentlich sogar einen Orgasmus vor, nur um die ganze leidige Sache endlich hinter dich zu bringen?
Damit bist du nicht allein. Leider kennen heutzutage die meisten Frauen einige oder alle dieser Gefühlszustände aus eigener Erfahrung. Aber all diese Vorstellungen lassen eine essenzielle Wahrheit außen vor: dass dein Körper absolut dazu imstande ist, einen tiefen, anhaltenden, total erfüllenden orgasmischen Zustand zu erleben.
Der Orgasmus ist aber kein Ziel, das wir erreichen, indem wir darauf losgehen – wenn wir das Richtige machen oder das Richtige denken. Vielmehr ist der Orgasmus ein Seinszustand, der sich auf ganz natürliche Weise einstellt, wenn wir uns beim Sex mehr entspannen. Durch Entspannung öffnet sich die Frau für ihr inneres Erleben und holt das Zentrum ihrer Aufmerksamkeit nach innen, zu sich selbst zurück. Dadurch kann sich das exquisite Zusammenspiel der männlich-aktiven und weiblichrezeptiven Energien entfalten und für beide, Mann und Frau, zu einer länger andauernden, lustvollen Erfahrung aufblühen. Jetzt könntest du die berechtigte Frage stellen: „Wenn das wahr ist, wieso wissen dann nicht mehr Menschen darüber Bescheid? Warum ist sexuelle Unzufriedenheit für so viele Frauen eher die Regel statt die Ausnahme?“
Man könnte es so beantworten: Wir Menschen bleiben, wenn es um unsere wahre sexuelle Natur geht, unwissentlich kurzsichtig. Wir haben keine Ahnung von unserem höheren Potenzial, und wie wir Zugang zu ihm bekommen. So wie die Dinge stehen, sind wir bei der üblichen Art, wie Sex praktiziert wird, weder körperlich noch seelisch sensibel, offen und empfänglich genug, um eine höhere sexuelle Erfahrungsebene einzuladen – beziehungsweise uns von der göttlichen Energie berühren zu lassen, was eine präzisere Beschreibung wäre. Eigentlich sind wir die Gastgeber und das Göttliche ist unser Gast, aber damit das Göttliche in uns eintreten kann, muss erst der Raum dafür geschaffen werden.
Die heute allgemein akzeptierte Ansicht über „normalen“ Sex hält die Frauen in Abhängigkeit von einer männlich geprägten Sexualität. Diese lässt dem ebenso wichtigen weiblich-rezeptiven Gegenpol keinen Raum, sich sexuell so auszudrücken, wie es dem weiblichen Wesen und der weiblichen Energie entspricht. Die gängige männlich orientierte Vorgehensweise ist geprägt von einem nach außen gerichteten, nach Erregung heischenden sexuellen Verhalten, durch das die ureigensten weiblichen Qualitäten förmlich an die Wand gedrückt und „platt gewalzt“ werden. Durch den üblichen Sexstil wird der Same von Unzufriedenheit und sexuellen Fehlfunktionen fest eingepflanzt – und zwar in beide Geschlechter! Im Grunde sind es gerade die weiblichen, empfindsamen Qualitäten (sofern sie nicht durch kulturelle Fehlleitung deformiert sind), die das Eintreten eines orgasmischen Zustandes bei Frau und Mann ermöglichen. Dazu muss die Frau körperlich mehr in ihrer Mitte ruhen und sich entspannen, damit sie die echte männliche Kraft in sich aufnehmen, sie umwandeln und durch ihre weiblich-rezeptive Kraft auf eine höhere Ebene heben kann.
Heutzutage unterstützen viele Frauen unwissentlich, oft aber auch wissentlich, die Dominanz des Mannes im sexuellen Verhalten. Viele Frauen berichten von häufig schmerzhaften Erfahrungen während und nach dem Geschlechtsverkehr, die sie aber stillschweigend über sich ergehen lassen, um den Partner zufrieden zu stellen. Zahllose Frauen nehmen es als unvermeidlich hin, dass Sex für sie eine grobe, aggressive Erfahrung ohne jeden Ausdruck von Zärtlichkeit und Liebe bedeutet. Ich erinnere mich, wie mir während eines Seminars eine Frau erzählte, sie hätte keine Ahnung gehabt, dass Sex so behutsam und sanft sein kann. Oft machen wir Frauen bei dem allgemein üblichen „Geschlechtsverkehr“ auch einfach deshalb mit, weil „man es schon immer so gemacht hat“ und es uns deswegen inzwischen völlig „normal“ vorkommt. Wir haben einfach keine Ahnung, dass man es auch ganz anders machen könnte.
Infolge der unbewussten gesellschaftlichen Konditionierung der Frau treten die ureigensten weiblichen Qualitäten häufig deformiert in Erscheinung:
. Aus Weichheit wird Schwäche
. Aus Rezeptivität passive Resignation.
. Aus Fürsorglichkeit Bevormundung.
. Aus der Schönheit der Hingabe Unterwürfigkeit.
. Einfühlungsvermögen wird zu klebriger Anhänglichkeit.
. Die Fähigkeit zu geduldigem Abwarten maskiert sich als Trägheit.
. Liebe kann in Eifersucht abgleiten und zum manipulativen Gebrauch der weiblichen Eigenschaften verführen.
. Die Freude des Nicht-Tuns und der Entspannung zu lähmender Trägheit und Untätigkeit verkommt.
. Die weibliche Anpassungsfähigkeit zeigt sich verfälscht als kollabierten Zustand.
. Der freie Ausdruck individueller Gefühle als Sentimentalität und Launenhaftigkeit.
. Intuition und hellseherische Fähigkeiten können die Grenzlinie zu Paranoia und Hysterie überschreiten.
. Die Fähigkeit Ereignisse ohne kontrollierendes Eingreifen sich entfalten zu lassen kann als unangebrachte Unentschlossenheit und Mangel an Initiative auftreten.
. Empfindsamkeit verkehrt sich zur Opferrolle oder wird in den Dienst der Angst gestellt.
. Der Sinn für Schönheit verkommt zum Festhalten an äußeren Erscheinungen.
. Der Nesttrieb wird zum zwanghaften Sicherheitsbedürfnis.
. Aus still duldender Stärke kann masochistische Abhängigkeit werden.
. Das Bewusstsein der Verbindung zum Universum jenseits aller persönlichen Grenzen kann so weit gehen, dass eine Frau zu abgedreht und unverbindlich wird, um sich persönlich abzugrenzen.
Diese Deformation der weiblichen Qualitäten sind die unbewusste Folge unserer kulturell bedingten Entfremdung von unserer authentischen Weiblichkeit und unserem essenziellen Wesen. Es sieht zwar so aus, als würde der Mann bei der üblichen Art des Geschlechtsverkehrs mehr Befriedigung erlangen als die Frau, aber in Wirklichkeit könnte er eine noch viel umfassendere, länger anhaltende Befriedigung beim Sex erleben, als er es bisher kennt. Das hat damit zu tun, dass die Ejakulation allgemein als männliche Version des Orgasmus gilt. Für die meisten Männer bedeutet Ejakulieren gleich Sex. Aber, Ejakulieren ist nicht identisch mit Orgasmus. Der Mann kann einen Orgasmus auch ohne Ejakulation und Samenerguss haben. Die Energie bleibt dadurch im Körper und kann sich orgasmisch nach oben ausbreiten, statt nach außen verloren zu gehen.
Während die Frauen Schwierigkeiten haben, überhaupt einen Orgasmus zu bekommen, haben die Männer – ironischerweise, aber durchaus nicht überraschend – mit dem genau entgegengesetzten Problem zu schaffen: Der Orgasmus (bzw. die Ejakulation!) lässt sich nicht kontrollieren, d.h. er kann weder hinausgezögert noch verhindert werden. Die Ejakulation passiert in der Regel unmittelbar nach oder kurz vor dem Penetrieren, allerhöchstens ein paar armselige Minuten später. Diese kurze Zeitspanne zwischen Penetration und Ejakulation reicht aber bei weitem nicht aus, um die sexuelle Temperatur der Frau ausreichend anzuheizen, sodass sie zum Orgasmus kommen kann.
Wenn die Frau lernt, beim Sex ihrer weiblichen Seite mehr Raum und Ausdruck zu geben und mit mehr Gelassenheit und Rezeptivität präsent zu sein, so wird sie zu ihrer eigenen Überraschung feststellen, dass dadurch die Wahrscheinlichkeit einer vorzeitigen Ejakulation des Mannes abnimmt. Sie vermag auf diese Weise erheblichen Einfluss zu nehmen und das Liebesspiel von Minuten auf Stunden auszudehnen. Sie kann ganz bewusst eine empfindsame, aufmerksame innere Atmosphäre kreieren: Dadurch hat sie es in der Hand, die gesamte Qualität der sexuellen Vereinigung zu verändern – und sie stärkt damit die eigentliche männliche Stärke. Die durch Stress entstehenden männlichen Sexualprobleme – wie Impotenz und vorzeitiges Ejakulieren – sind Symptome der herrschenden sexuellen Verwirrung und des sexuellen Informationsnotstandes, speziell was den weiblichen Körper angeht.
Wenn die Frau die Fähigkeit entwickelt, zu ihrem inneren weiblichen Pol umzuschalten und ihre rezeptiven Kräfte einzusetzen, können viele dieser sexuellen Störungen und Ursachen für Unbefriedigtsein geheilt werden. Zunächst werden die meisten Frauen das Gefühl haben, dass sie wenig Ahnung haben, wie sie zu ihrem weiblichen Pol umschalten können bzw. was das eigentlich bedeutet. In Wahrheit ist es ganz einfach, wenn man erst einmal den Dreh heraus hat, und es ist etwas absolut Natürliches. Wenn wir uns mit unseren ureigensten weiblichen Qualitäten verbinden, können wir so sein, wie wir wirklich sind, ohne etwas erzwingen oder vortäuschen zu müssen. Wir sind einfach bereit, Liebe zu empfangen.
Entspanntheit, Offenheit, Anmut und liebevolle Spontaneität sind wesentliche Qualitäten der weiblichen Energie. Die Frauen in meinen Seminaren beschreiben dieses Umschalten zu sich selbst oft als ein „Nach-Hause-kommen“ zu etwas, das sie schon immer intuitiv wussten. Einige Frauen zeigten mir ihre Trauer darüber, dass sie erst jetzt, oft viele Jahre nach einem ersten Aufblitzen der Wahrheit, erkannt haben, wie wenig Vertrauen sie in sich selbst hatten, um ihrem intuitiven Wissen zu folgen und es in Erfahrung umzusetzen.
Die intuitive Weisheit der Frau ist wie ein Diamant, den die Natur tief in ihrem Inneren verborgen hat. Die kommenden Seiten dieses Buches sind der Versuch, den Frauen zu helfen, etwas wiederzuentdecken, was sie schon immer in sich trugen – einen Kristall, der darauf wartet, das Licht der inneren Intelligenz widerzuspiegeln.
TANTRISCHE INSPIRATION
Energie kann zwei Dimensionen haben: Die eine hat eine Absicht, eine Richtung, ein Ziel. Dieser Augenblick ist nur Mittel zum Zweck, um das Ziel zu erreichen, das irgendwo anders liegt. Dies ist die eine Dimension der Energie, zielorientiert, die Dimension der Aktivität. Alles ist nur Mittel zum Zweck und muss irgendwie getan werden, damit das Ziel erreicht wird – erst dann kann man sich entspannen. Aber mit dieser Art von Energie wird das Ziel nie erreicht, denn eine solche Energie macht aus jedem gegenwärtigen Augenblick ein Mittel zu einem Zweck, der in der Zukunft liegt. Das Ziel bleibt immer am Horizont. Man läuft ihm ständig hinterher, aber die Distanz bleibt immer gleich.
Dann gibt es noch die andere Energiedimension: das unmotivierte Feiern. Hier und jetzt ist das Ziel, nicht irgendwo anders. Tatsächlich bist du das Ziel. Tatsächlich gibt es keine andere Erfüllung als diesen Augenblick – sieh die Lilien! Wenn du das Ziel bist und es kein Ziel in der Zukunft gibt, wenn es nichts zu erreichen gibt und du einfach alles feierst, dann bist du schon am Ziel, bist du bereits angekommen. Das bedeutet Entspannung – Energie ohne Absicht.
Osho, Tantra – Die höchste Einsicht
TRAINING FÜR BEWUSSTHEIT UND SENSIBILITÄT
Ruhe- und Entspannungsposition
Die ideale horizontale Position zum Entspannen geht so: Kopf, Hals und Wirbelsäule bilden eine gerade Linie, die nicht einmal ein paar Millimeter von der Achse abweichen sollte; der Kopf sollte keinesfalls zur Seite gedreht werden. Die Beine sind ausgestreckt und leicht geöffnet, die Fußknöchel nicht gekreuzt. Am besten legst du dir ein etwa 40 mal 80 Zentimeter großes, weiches Kissen oder eine eingerollte Decke unter beide Kniekehlen, damit die Knie leicht gebeugt und ganz entspannt daliegen können. Platziere ein kleines, flaches, festes Kissen oder ein gefaltetes Handtuch unter deinem Kopf. Ziehe das Kinn ein wenig in Richtung Brust, um den Nacken lang zu machen, ehe du das Kissen in Position bringst.
Es sollte dazu dienen, dass die Wirbelsäule möglichst lang gedehnt wird und der Hals nicht zu stark gekrümmt ist. Falls das Kinn zu sehr nach oben zeigt und nicht zur Brust hin geneigt ist, kannst du ein etwas dickeres Kissen nehmen oder das Handtuch stärker falten, um den Hinterkopf noch ein wenig höher zu legen. Das verlängert den Nacken und reduziert die Krümmung des Halses. Lege deine offenen Hände mit den Handflächen nach unten auf die Leistengegend, zu beiden Seiten des Schambeins. Ruhe still mit geschlossenen Augen etwa zwanzig Minuten oder länger und spüre deinen Körper von innen.
TANTRISCHE MEDITATION
Erweiterung des Bewusstseins
Während du in der oben beschriebenen Position daliegst, kannst du deine Erfahrung noch vertiefen, indem du die Augen schließt und dir vorstellst, in deinen Körper hineinzuschauen. Stelle dir vor, du würdest den Blick umkehren und mit den Augen nach innen in den Körper hinunterschauen, bis zu den Genitalien. Atme tief und langsam in den Bauch, sodass der Atem dein Inneres massiert und bis zu den Genitalien geht.
Bringe die Aufmerksamkeit immer wieder in den Körper und seine Empfindungen zurück. Wenn ablenkende Gedanken auftauchen, schiebe sie bewusst beiseite. Lass sie einfach davonschweben und kehre wieder zum Körper zurück. Tauche ein in deinen Körper, sodass sich das Gefühl einstellt, dass du tief im Körper ruhst, in deinem Selbst badest. Lass deine Aufmerksamkeit innerlich zu jenen Stellen wandern, wo du warme, prickelnde Empfindungen und feine Vibrationen spürst, und verschmelze damit.
Wenn sich dieses Eintauchen in die Sinne in dir verankert, wirst du an einem bestimmten Punkt das Gefühl für deine körperlichen Grenzen verlieren. Vielleicht erlebst du dich leicht wie eine Feder, in goldenes Licht getaucht, dahinschwebend im Meer des Bewusstseins. Du bist, und gleichzeitig bist du nicht. Auf diese Weise kannst du dein Bewusstsein immer weiter ausdehnen, bis es alle deine Zellen durchdringt. Wenn die Zellen vom Bewusstsein berührt werden, verändern sie sich; ihre Beschaffenheit verändert sich.
Du kannst dir den Wecker stellen, um die Zeit festzulegen, die du dieser Erfahrung widmen willst, kannst es aber auch deiner inneren Uhr überlassen, die dich nach einer gewissen Zeit zum normalen Bewusstsein zurückholen wird. Du wirst sehen, dass du jedes Gefühl für die Zeit verlierst. Nach dieser Erfahrung wirst du dich erfrischt und verjüngt fühlen, als hättest du direkt von der Quelle des Lebens getrunken. Diese Meditation ist vor allem abends vor dem Einschlafen sehr heilsam, aber auch jederzeit während des Tages, wenn du Energie auftanken möchtest.
2. Kapitel
Orgasmus als spirituelle Erfahrung
WAHRSCHEINLICH HABEN SICH DIE MEISTEN von uns noch keine allzu großen Gedanken gemacht, woher das Wort „Orgasmus“ kommt und was es eigentlich bedeutet. Das Wort stammt vom lateinischen Wort orgia, mit dem eine heidnische religiöse Zeremonie bezeichnet wurde, bei der die Menschen in einen ekstatischen Zustand gelangten. Sie wurden dabei so ekstatisch, dass ihre Körper von überströmender göttlicher Energie erfüllt waren und sie in zeitloser Glückseligkeit aufgingen.
Das Wort „Orgasmus“ erinnert uns also auf der sprachlichen Ebene an unsere eigenen, bis in die Frühzeit zurückreichenden Wurzeln, als die Menschen in großen Gruppen zusammenkamen, um in gemeinsamen Ritualen einen Zustand der Ekstase herbeizuführen. Das Zelebrieren von orgia war ein Weg, um Mutter Erde zu huldigen, ihr die Dankbarkeit zu erweisen und das Wunder ihrer Schöpfung zu feiern. Mit einfachen Tanzschritten und Gesängen zum rhythmischen Schlagen der Trommel wurde tagelang ohne Unterbrechung gefeiert, bis alle trunken waren von göttlicher Ekstase und glückselige Zustände erhöhter Sinnlichkeit und Empfindsamkeit erlebten. Wer an diesen Zeremonien teilnahm, kam verjüngt und überfließend vor Liebe und Lebenslust daraus hervor.
Heute haben wir wenig Gelegenheit für die Erfahrung von orgia. Die ganze Betonung hat sich weg vom physischen Körper, hin zum Intellekt verlagert. Statt Energie bei gemeinsamem Tanzen und Singen auszutauschen, trifft man sich heute lieber in größeren oder kleineren Gruppen, um Gedanken auszutauschen; es wird diskutiert, argumentiert oder über alles Mögliche getratscht. Wir haben die Verbindung zu unserer körperlichen Empfindsamkeit weitgehend verloren und unsere Körper reagieren wie auf Sparflamme. Dadurch bleibt beim sexuellen Austausch ein erfüllender Orgasmus häufig auf der Strecke.
Im sinnlich reduzierten, kopflastigen Klima unserer Zeit hat die sexuelle Vereinigung von Mann und Frau ihre naturgegebenen heilenden und regenerierenden Kräfte eingebüßt. Beide Geschlechter sind somit von der beseligenden spirituellen Verbindung abgeschnitten, die ihnen einstmals durch die sexuelle Verschmelzung über den Körper regelmäßig zugänglich war.
Wir Menschen können erst dann hoffen, das gesellschaftliche Klima auf eine wirklich positive Weise zu beeinflussen und zu verändern, wenn im sexuellen Bereich eine drastische, radikale Neuorientierung eintritt, eine „sexuelle Re-Evolution“. Die in den letzten Jahrtausenden unserer Zivilisation vorherrschende Unterdrückung und Verdrängung der natürlichen, gesunden Sexualität hatte viele krankmachende Auswirkungen auf die sexuelle Vereinigung von Mann und Frau, die ein so wunderbarer, natürlicher Ausdruck von Liebe sein könnte. Es lässt sich heute mit Gewissheit sagen, dass die Ursachen der meisten psychosozialen Störungen ebenso wie der Gewalttätigkeit im sexuellen Bereich liegen – genauer gesagt, in der sexuellen „Unterversorgung“ bzw. im Mangel an tiefen, befriedigenden, nährenden, erhebenden Erfahrungen im Sex.
So wie es aussieht, krankt unsere ganze Gesellschaft am Sex, aber nicht der Sex an sich ist krank, sondern unser Denken über Sex. Die ganze Psychologie der Menschen rund um das Thema Sex ist verkorkst, ungesund, geradezu vergiftet. Das Ausmaß sexuellen Missbrauchs jeder Art, der Tag für Tag, Minute für Minute an irgendeinem Ort stattfindet, legt ein überaus schmerzvolles Zeugnis für den sexuellen Notstand unserer Gesellschaft ab.
Durch übliche falsche Informationen wird die sexuelle Energie unbewusst auf Sparflamme gehalten und die schöpferische Kraft des Menschen beschnitten. Die vorherrschende Unwissenheit über das wahre Wesen des sexuellen Energieaustausches zwischen Mann und Frau führt dazu, dass Sex heutzutage nur noch selten als ganzheitlicher Ausdruck seines spirituellen, regenerierenden Potenzials erlebt wird.
Es mag auf den ersten Blick nicht einsichtig sein, warum sexuelle Perversion, sexueller Missbrauch, Gewalttätigkeit und Krieg in direktem Zusammenhang mit dem Mangel an erfüllenden, nährenden orgasmischen Erfahrungen stehen, aber ganz sicher hat die Unterdrückung dieses wesentlichen Aspektes unserer Natur zu all diesen unerfreulichen Erscheinungen entscheidend beigetragen. Aufgrund der Missverständnisse über die Bedeutung der Sexualität, die über die reine Fortpflanzung hinausgeht, kann sich eine Frau leicht gezwungen sehen, ein liebloses, gefühlloses, aggressives Sexleben als gegeben hinzunehmen.
In dem aufrichtigen Wunsch, Kinder zu gebären und liebevoll für ihre Familie zu sorgen und sie zu ernähren, widmen sich zahllose Frauen all diesen Dingen mit ganzem Herzen, ohne jemals aus der regenerierenden, beseligenden Erfahrung des Orgasmus neue Kraft schöpfen zu können. Der gleiche Mangel an sexueller Erfüllung herrscht aber auch bei den Männern. Die meisten von ihnen glauben selbst nach einem langen Leben sexueller Erfahrungen, dass Ejakulation dasselbe sei wie Orgasmus – was aber, wie bereits erwähnt, ein Trugschluss ist.
Der biologische Mechanismus, durch den sich Leben hier auf Erden fortpflanzt, ist zweifellos die Basis der Sexualität. Ohne biologischen Sex würde das Leben, wie wir es kennen, ein Ende haben. Bei fast allen tierischen und pflanzlichen Lebensformen vereinigen sich das männliche und das weibliche Element, um neues Leben hervorzubringen. Manchmal befinden sich die beiden Elemente in zwei getrennten Lebewesen, manchmal nicht. Manchmal bedarf es einer körperlichen Vereinigung, manchmal nicht. Wie auch immer das Wunder der Befruchtung stattfinden mag: Sex hat die Funktion, neues Leben zu erschaffen und das kollektive Leben der Spezies fortzusetzen.
Der sexuelle Vorgang durchdringt mit einer erstaunlichen Totalität und Bedingungslosigkeit sämtliche Ebenen des Lebens in all seinen Erscheinungsformen, um den Fortbestand der Arten zu sichern. Auch wenn es nichts Neues ist: Die menschliche Fortpflanzung wird für immer das Ehrfurcht gebietendste aller Wunder sein. Die Unschuld, Unversehrtheit und zarte Vollkommenheit des keimenden, durchscheinend leuchtenden, neuen Lebens berührt, fasziniert und wärmt unser Herz auf die wunderbarste Art und Weise.
Die Fähigkeit, einen neuen Menschen zu erzeugen, ist aber nur der biologische Grundausdruck unserer Sexualität, unser sogenanntes „tierisches Erbe“, und als solches beruht er auf einer abwärts gerichteten Energiebewegung. Der männliche Same wird durch die Ejakulation ausgestoßen (unabhängig davon, ob die Frau einen Orgasmus hat oder nicht). Darauf folgen die Verschmelzung mit dem weiblichen Ei und dessen Befruchtung – und damit wird ein neues Leben erzeugt, das verschieden ist von den beiden Leben, die es hervorgebracht haben.
Die Sexualität des Menschen beinhaltet jedoch sehr viel mehr als nur diese körperliche Funktion der Fortpflanzung. Die Natur hat uns das beglückende Mysterium der sexuellen Vereinigung nicht geschenkt, damit der Mann möglichst schnell seinen Samen los wird und die Frau kontinuierlich schwanger ist. Beim Menschen hat die Sexualität auch noch eine höhere Dimension. Die Vereinigung von Mann und Frau bedeutet mehr, als es auf den ersten Blick erscheint.
Das Aufsteigen der sexuellen Energie
Der Mensch ist so beschaffen, dass er erweiterte Bewusstseinszustände erfahren kann, glückselige Erfahrungen des Einsseins mit der ganzen Schöpfung. Diese orgasmische Fähigkeit unterscheidet uns von unseren Freunden im Tierreich (mit Ausnahme der Delfine, von denen bekannt ist, dass sie beim Liebesspiel höhere Energiezustände erleben). Unser Körper hat die angeborene Fähigkeit, sich durch das Sexzentrum energetisch auszudehnen, und wenn dies auf die richtige Weise geschieht, führt diese Ausdehnung zu erweiterten Bewusstseinszuständen – Tälern ekstatischer Entspannung und Gipfeln orgasmischen Ausdrucks.
Das Wirken der aufsteigenden Sexualkraft ist im Westen relativ unbekannt und nur von wenigen Menschen erforscht worden. Wenden wir uns aber dem Osten zu, dann finden wir dort viel ältere Kulturen, deren Heilkundige diese Energiepraktiken zum Wohle der Gesundheit und Langlebigkeit den Menschen beibrachten. In Indien und in China hatten die alten religiösen Kulturen das spiralförmige Aufsteigen der Energie als spirituellen Aspekt der Sexualität erkannt und als geheiligte Form des Sex kultiviert.1 Wenn diese Energie zum vertikalen Aufsteigen gebracht wird, ist sie Ausdruck einer höheren, regenerierenden Form der Sexualität. Dann entfaltet der Sex seine schützende Wirkung auf den ganzen Körper und wird zu einer verjüngenden, Leben spendenden Kraft im Menschen.
Dieser regenerierende Sex ist in Absicht und Funktion das ziemlich genaue Gegenteil des biologischen Sex. Es besteht keine biologische Notwendigkeit, den Samen auszustoßen (damit er auf ein Ei trifft). Es entsteht kein neues Lebewesen, sondern die sexuelle Energie wird stattdessen bewahrt und bleibt den Beteiligten erhalten, was eine Steigerung der Lebenskraft bewirkt. Auf diese Weise erneuert sich das bereits vorhandene Leben: Mann und Frau fühlen sich energetisiert und bereichert, voller Liebe und Freude.
Diese nach innen und oben gerichtete Energiebewegung geschieht beim regenerierenden Sex ganz von selbst durch das Ausrichten und Harmonisieren des Energieflusses zwischen den männlichen und weiblichen Geschlechtsorganen. Die Energie bewegt sich entsprechend der angeborenen geschlechtlichen Polarität, über die wir im 4. Kapitel ausführlicher sprechen werden. Gemeinsam generieren die Geschlechtsorgane einen biomagnetischen Energiestrom, der durch innere Kanäle aufsteigt und schließlich die endokrinen „Meisterdrüsen“ im Gehirn erreicht, womit er zum Ursprung sämtlicher hormoneller Informationen, die der Körper von dort erhält, zurückkehrt.
Diese Drüsen, insbesondere die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) und die Zirbeldrüse (Epiphyse), sind für die Sexualfunktion zuständig.2 (Bei einem hohen Grad an hormoneller Reinigung ist unser Körper sogar in der Lage, wohlriechende Duftstoffe freizusetzen.) Die Hirnanhangsdrüse liegt zwischen den Augenbrauen oberhalb der Stirnhöhle im Kopfinneren. Sie ist die übergeordnete endokrine Steuerungsdrüse und reguliert das Wachstum, die Funktionen der Geschlechtsdrüsen, der Nebennieren und der Schilddrüse. Diese Drüse steuert das Vorderhirn, das Sehvermögen und das rechte Auge und gilt als der „Sitz“ von Liebe, Mitgefühl, Erkenntnis, Menschenliebe und Hingabe. Sie spielt auch eine wichtige Rolle für die Intelligenz und das Begriffsgedächtnis, das wir zum Lesen, Denken und Studieren benötigen. Ihr benachbart ist die Zirbeldrüse, die über dem Mittelhirn in Richtung Scheitel liegt und deren Funktionen die Sensibilität und den sexuellen Zyklus betreffen.
Die Zirbeldrüse steuert das Rautenhirn und ist zuständig für den Hörsinn, die Körperrhythmen, den Gleichgewichtssinn und die Wahrnehmung des Lichts durch Augen und Haut. Für all diese Funktionen, die wir so selbstverständlich nehmen, erweist es sich eindeutig als Vorteil, wenn diese Steuerungsdrüsen durch das Kanalisieren der sexuellen Energie – unserer Lebenskraft – aktiviert und genährt werden. Die nach oben gerichtete Energiespirale erzeugt eine Vitalität, die vom ganzen Wesen ausstrahlt. Man fühlt sich bis in jede Zelle durchdrungen von Zufriedenheit, Liebe und Frieden. Wird Sex auf diese Weise gelebt, bringt er einen enormen Zuwachs an Energie, Kraft und Vitalität. Energie geht nicht mehr verloren, sondern wird sogar zusätzlich generiert. Dadurch wird das Immunsystem gestärkt, Lebenskraft und Kreativität werden in vielfacher Hinsicht intensiviert.
Durch das Kreieren dieser regenerierenden Energie können Frau und Mann ihr eigenes Leben verlängern, statt sich einfach nur fortzupflanzen, wie es durch die nach unten gerichtete Energiebewegung bei der Empfängnis bzw. Zeugung geschieht. Die Natur hat uns das Geschenk der sexuellen Vereinigung gegeben, damit wir die Beschränkungen durch unsere physischen Grenzen auflösen und uns selbst als vibrierende schwebende Lichtbündel der Liebe erleben können. Eine solche regenerierende sexuelle Erfahrung erhält den Menschen jung, abenteuerlustig und offen für alles, was das Leben bereithält.
Es erscheint unglaublich, dass diese spirituelle Dimension des Orgasmus – das erfüllendste Geschenk, das wir Menschen zur Verfügung haben – in einer Zeit, da die Menschheit mit ihrer hoch entwickelten Technologie alle äußeren Gebiete erforscht hat, immer noch total unerforscht geblieben ist. Trotz unseres enormen technischen Fortschritts tappen wir auf sexuellem Gebiet immer noch im Dunkeln, gefesselt von unserer Unwissenheit und Selbstgefälligkeit. Wir bilden uns ein, allein aufgrund der Tatsache, dass wir Frau oder Mann sind, bereits automatisch alles über den Sexakt zu wissen. Aber wie erklärt es sich dann, dass die meisten Frauen so wenig über ihren Körper wissen und von ihrem enormen sexuellen Potenzial keine Ahnung haben? Vielleicht wurde ihnen in der Vergangenheit dieses Wissen absichtlich vorenthalten, um sie zu bereitwilligen Sklavinnen der Befriedigung männlicher Gelüste zu machen.
Die Frauen finden es aber kaum überraschend, dass die heutigen Männer noch viel weniger als sie selbst über den weiblichen Körper wissen – genauso wenig wie über ihren männlichen. Frauen haben von alters her einen leichteren Zugang zum intuitiven Wissen – die sogenannte „weibliche Intuition“ –, während die meisten Männer viel schwerer an ihre eigene innere Wahrheit herankommen. Aufgrund ihrer Fähigkeit, nach innen zu schauen (und nach innen zu fühlen) sollten die Frauen es deshalb selbst in die Hand nehmen, Raum für den regenerierenden Sex und die daraus erblühende Liebe zu schaffen.
Ohne die Mitwirkung der Frau ist es praktisch unmöglich, die sexuelle Vereinigung als göttliche Erfahrung zu erleben. Die unsensible Behandlung und der Missbrauch der Frau durch den Mann über viele Generationen hinweg haben zu der Situation geführt, dass der Geschlechtsverkehr den Frauen mehr oder weniger lieblos aufgezwungen wurde. Wenn ein Mann des Öfteren in den Körper einer Frau eindringt, obwohl sie noch nicht wirklich dazu bereit ist, wird die Frau allmählich die Lust am Sex verlieren. Ein gewisser Widerwille und sogar Ekel kann sich einstellen, und mit der Zeit machen viele Frauen zu und wenden sich schließlich ganz vom Sex ab, sofern es ihnen ihre Situation erlaubt. Ist der Geschlechtsverkehr unvermeidbar, dann werden sie oft zu wahren Meisterinnen im Aushalten und Erdulden der paar Minuten bis zur Ejakulation des Mannes. Hat die Frau erst einmal resigniert, weil ihr die sexuelle Befriedigung versagt bleibt, dann ist sie geradezu dankbar, wenn der Mann vorzeitig ejakuliert. Ihr bleibt dann zumindest die Gewissheit, dass das Ganze schnell vorbei ist.
Der Mann hat seine männliche Qualität eingebüßt, mit dem Körper der Frau so einfühlsam zu kommunizieren, dass ein Dialog entsteht. Er weiß nicht mehr, wie er sie energetisch so öffnen kann, sodass sie das Penetriertwerden mit ihrem ganzen Wesen willkommen heißt. Die Männer haben sich so sehr daran gewöhnt, dass die Frauen sich nach ihnen richten und sie einfach gewähren lassen, dass sie gar nicht mehr wissen (oder es noch nie erlebt haben), wie sich der Geschmack und das Flair eines gemeinsamen sexuellen Erlebens anfühlt.
Wenn die männliche und weibliche Sexenergie in Balance ist und die Frau mit leidenschaftlicher Sinnlichkeit mitmacht, dann verwandelt sie die ganze Erfahrung in einen wellenförmig auf- und wieder abklingenden, dynamischen Tanz der beiden Körper. Eine solche Erfahrung kann dem Mann das Gefühl vermitteln, dass er ein wertvoller Vertreter der männlichen Spezies ist. Viele Männer erleben sich dann zum ersten Mal in ihrem Leben richtig als Mann.
Die Frau bestimmt das sexuelle Klima
Es ist dem Mann nicht möglich, den Körper der Frau besser kennenzulernen, solange sie selbst sich nicht besser kennt. Durch ein paar konstruktive Hinweise kann die Frau lernen, die Qualität ihres sexuellen Erlebens zu verändern – auch ohne die bewusste Mitwirkung ihres Partners. Die Frau hat einen so starken Einfluss auf das sexuelle Klima, dass sie das ganze Erleben entscheidend beeinflussen kann, wenn sie erst einmal weiß, wie. Dann erhält sie die Möglichkeit, für den Rest ihres Lebens befriedigenden Sex zu haben und darin die Liebe zu finden, nach der sie sich so sehnt, ohne unbedingt ihren Partner wechseln zu müssen.
Da der weibliche Körper meistens nur von außen – nach der Figur, den Proportionen, den Kurven – beurteilt wird, sehen die Frauen sich selbst wie aus der Vogelperspektive. Sie sind daran gewöhnt, sich von außen, aus einer gewissen Distanz zu sehen, aber selten spüren sie sich auch von innen. Wenn die Frau lernt, eine nährende Liebesbeziehung mit ihrem eigenen Körper aufzubauen und innerlich mit ihm zu verschmelzen, wird sie mit ihrer erwachten lebendigen Sinnlichkeit eine atemberaubende weibliche Ausstrahlung haben, die die ganze Atmosphäre um sie herum verändert.
Leider haben die meisten modernen Frauen keine Ahnung, wie man eine solche Veränderung bewerkstelligen kann. Viele kehren voller Enttäuschung und Frustration dem Sex den Rücken und hoffen dann, dass zumindest die Liebe zu ihren Kindern oder ihre Karriere sie für diesen Verlust entschädigen werden. Aber damit tut sich die Frau weiß Gott keinen Gefallen: Sie unterdrückt damit etwas, das für ihr Frausein wesentlich ist. Dann setzt sich die Resignation um ihre Mundwinkel herum fest, und so manche Frau sehnt sich nach Enkelkindern (nach neuem Leben), um das strömende Gefühl der Liebe wieder in sich zu spüren. In einer idealen Welt wären die Großmütter eine Inspiration für ihre Enkelkinder, denn sie würden ihnen bereitwillig von ihren befriedigendsten sexuellen Erfahrungen erzählen und damit die Enkelkinder auf die richtige Spur bringen und ihnen Mut machen, Liebe zu geben und zu empfangen. Aber so wie es mit unserer Kultur bestellt ist, hatten unsere Mütter, Großmütter und Urgroßmütter wie wir selbst keinen Zugang zu den höheren Dimensionen der sexuellen Erfahrung. In ihrem sexuellen Leben gibt es nichts, was sie als Weisheit oder Erkenntnis an die Jungen weitergeben könnten.
Das heißt aber nicht, dass eine solche Weisheit nicht existierte. Wenn wir uns die alten kulturellen Traditionen des Ostens anschauen, finden wir dort einen unverschütteten Zugang zur sexuellen Weisheit. Ein zentraler Gedanke dieser Weisheit ist das Verständnis, dass die Frau das Milieu, das Gefäß, den Kelch für die sexuelle Erfahrung darstellt. Die weibliche Vagina ist der physische „Raum“, in den der Mann eintritt. Und als Gegenpol dazu ist es die Frau, die den Mann physisch empfängt bzw. ihn in sich hineinlässt. Diese beiden Funktionen – das Eintreten und das Empfangen – sind sehr verschieden voneinander. Der Mann ist der Gast, die Frau die Gastgeberin.
Durch die innere Beschaffenheit der Vagina kann die Frau beim Sex einen starken Einfluss ausüben. Diese Direktive, die die Frau beim Sex hat, da sie die sexuelle Atmosphäre bestimmt, kann am besten durch einen einfachen Vergleich verdeutlicht werden: Wenn du ein Zimmer betrittst, das voll gestopft ist mit Möbeln, wo Hektik durch einen plärrenden Fernseher verbreitet wird und das Telefon ständig klingelt, dann wird diese Atmosphäre vermutlich eher negativ auf dich wirken. Sehr wahrscheinlich wirst du dich überwältigt fühlen von dieser Hektik und dem irrsinnigen Chaos. Vielleicht hättest du das Gefühl, eingezwängt zu sein von all dem Druck und der Spannung, und dein erster Impuls wäre wahrscheinlich, so schnell wie möglich wieder nach draußen ins Freie zu flüchten.
Kommst du hingegen in einen Raum, der leer und großzügig ist, verschönt durch ein paar ausgewählte Möbel, der schwebende Klang einer Flöte in der Luft, die nach Sinnlichkeit duftet … Solch eine Umgebung wird Frieden und Ruhe ausstrahlen. Statt erdrückender Enge vermittelt ein solcher Raum das Gefühl von Platz und innerer Ausdehnung, ein Gefühl von „Nachhausekommen“. Die wohltuende Atmosphäre, in der kein äußerlicher Druck herrscht, und diese großzügige Offenheit lassen dich innerlich entspannen. Während Harmonie und Gelassenheit sich in dir ausbreiten, wirst du vielleicht einen tiefen Atemzug nehmen und damit ganz in deinem Körper angekommen sein.
Nun stelle dir den Moment der Penetration vor, wenn der Mann in den weiblichen Körper eindringt. Genauso wie die Atmosphäre eines Raumes eine tief gehende Wirkung auf die menschliche Psyche hat, vermag auch die Atmosphäre innerhalb des weiblichen Körpers eine transformierende Wirkung auf den Mann zu haben, die äußerst machtvoll ist. Der Mann wird von der Frau sehr beeinflusst – in einem Maße, das ihm selbst nicht einmal bewusst ist. Die Frau hat es in der Hand, durch bewusstes Schaffen einer gelassenen, empfänglichen Atmosphäre die Dauer des Liebesaktes zu verlängern. Sie kann den Mann darin unterstützen, die Ejakulation zu verzögern oder gar zu vermeiden.
Das Traurige ist aber, dass die Frau sich ihrer wahren Fähigkeiten ebenso wenig bewusst ist wie der Mann. Da sie nicht weiß, wie sie Zugang zu ihrer wirklichen Kraft erlangt, kann sie nie die natürliche Macht erfahren, die ihr mitgegeben ist, und darum bleiben ihr die tiefsten Bereiche ihrer weiblichen Sexualität unerschlossen.
Sobald die Frau jedoch das wahre Wesen der weiblichen Sexualität begreift, kann sie sich wieder mit der ihr verliehenen göttlichen Kraft verbinden. Wenn die Frau bei der sexuellen Vereinigung ganz in ihre weibliche Seite hineingeht, sind sexuelle Erfüllung und Liebe die natürliche Folge. Jede Frau besitzt diese natürliche Fähigkeit, das Liebemachen in eine vollkommen befriedigende, spirituell transzendierende Erfahrung zu verwandeln. Und alles, was die Frau dazu braucht, sind entsprechende Informationen, wie sie das angehen kann.
TANTRISCHE INSPIRATION
Orgasmus ist ein Zustand, in dem sich dein Körper nicht mehr wie Materie anfühlt; er vibriert wie Energie, wie Elektrizität. Er pulsiert aus unermesslichen Tiefen heraus, aus der Wurzel des Seins, und man vergisst vollkommen, dass er stofflich ist. Der Körper wird ein elektrisches Phänomen – und er ist tatsächlich ein elektrisches Phänomen.
Die moderne Physik sagt, dass es keine Materie gibt, dass alle Materie nur Schein ist; dass im Grunde, an der Wurzel der Existenz, nichts als Elektrizität existiert, also keine Materie. Im Orgasmus dringst du zu diesem tiefsten Kern deines Körpers vor, wo alle Materie aufhört und nur noch Wellen von Energie übrig bleiben; du wirst zu einer tanzenden, vibrierenden Energie. Plötzlich verlierst du alle Grenzen – es ist einfach ein Pulsieren, ein substanzloses Pulsieren. Und dein Partner pulsiert mit dir. Und nach und nach, je mehr ihr euch liebt und euch gegenseitig hingebt, desto mehr gebt ihr euch diesem Augenblick des Pulsierens, des Vibrierens, der Auflösung in reine Energie hin, verliert ihr alle Furcht davor – obwohl es wie ein Tod ist.
Wenn der Körper seine Grenzen verliert, wenn der Körper sich wie in Dunst auflöst, wenn der Körper seine Substanz verliert, wenn nur Energie zurückbleibt, ein kaum spürbarer Rhythmus, dann siehst du, dass es dich nicht gibt.
Nur in tiefer Liebe kommst du an diesen Punkt. Liebe ist wie der Tod: Was stirbt, ist dein materielles Bild von dir, du stirbst als das, was du für deinen Körper hältst. Du stirbst als Körper und erfährst dich als Energie, reine Lebensenergie. Und wenn Mann und Frau oder die Liebenden oder die Partner anfangen, im selben Rhythmus zu schwingen, dann vereinigen sich die Pulsschläge ihrer Herzen und ihrer Körper, dann werden sie zu einer einzigen Harmonie. Dann kommt es zum Orgasmus und sie sind nicht mehr zwei. Das ist die Bedeutung des Symbols von Yin und Yang: Das Yin dringt in das Yang ein und das Yang in das Yin; der Mann dringt in die Frau ein und die Frau in den Mann, jetzt bilden sie einen Kreis und pulsieren gemeinsam, werden zu einem gemeinsamen Rhythmus. Ihre Herzen sind nicht mehr getrennt, ihre Herzschläge fallen zusammen; sie sind zu einer einzigen Melodie, zu einer Harmonie geworden. Das ist die großartigste Musik, die es gibt. Alle anderen Formen der Musik sind nur schwache Echos, sind Schatten im Vergleich dazu.
Osho, Tantra – Die höchste Einsicht
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Den weichen Blick lernen
Um deine Energie, die sich natürlicherweise nach außen bewegt, nach innen in dein Herz fallen zu lassen, ist es hilfreich, den weichen Blick zu lernen. Beim weichen Blick musst du den üblichen visuellen Vorgang umkehren und dir vorstellen, dass du alles durch die Augen aufnimmst, nach innen, statt durch sie nach außen zu blicken. Gehe in eine stehende, sitzende oder liegende Position (siehe 1. Kapitel). Schließe zunächst die Augen und richte deine Aufmerksamkeit in deinen Körper. Finde eine Stelle – zum Beispiel Bauch, Herz oder Sonnengeflecht –, die sich für dich wie „Zuhause“ anfühlt. Es sollte eine Stelle sein, die dich innerlich gut mit dir in Kontakt bringt und als Anker dienen kann, um deine Aufmerksamkeit im Körper zu halten. Es sollte ein Punkt zum Ausruhen sein, eine Art innerer Quelle, wo du dich sammeln kannst und von wo aus du den gegenwärtigen Augenblick erlebst und erschaffst. Falls sich dein ganzer Körper wie „Zuhause“ anfühlt und kein spezieller Bereich deine Aufmerksamkeit auf sich zieht, kannst du sie auch ganz allgemein in den Körper richten. Sobald du das Gefühl hast, im Körper verankert und gut mit dir im Kontakt zu sein, öffne ganz langsam, Millimeter für Millimeter, die Augen und lasse alles, was in dein Gesichtsfeld tritt, durch die Augen in dich. Das kann eine Blume sein, eine Kerze, eine Pflanze, ein Bild, ein Ausblick im Zimmer, eine Wand, die Decke: Stelle dir einfach vor, dass alles, was vor dir erscheint – die Oberflächen, das Licht, die Farben – in dich hineinkommt. Es tritt durch die Augen in dein Inneres. Dein Schauen wird passiv, als ob der Blick sich umgedreht hätte. Die Augen empfangen nun die Energie und geben sie nicht mehr nach außen ab, wie es sonst beim normalen Sehen der Fall ist. Während du diese Art des Sehens praktizierst, besteht der Trick darin, gleichzeitig auf deinen Körper zu achten und in ihm verankert zu bleiben. Die Absicht dabei ist, die Verbindung mit dir selbst nicht zu verlieren, sobald die Augen sich öffnen. Bei den ersten Versuchen wirst du immer wieder erleben, wie die Verbindung zum Körper verloren geht, sobald die Augen aufgehen.
Wenn du merkst, dass du den Körper vergessen hast und mehr darauf achtest, nach außen zu schauen, statt das Bewusstsein auf deine Innenwelt gerichtet zu lassen, schließe sofort die Augen und verbinde dich wieder für ein paar Sekunden mit deinem Inneren. Wenn du innerlich angekommen und wieder verankert bist, kannst du die Augen wieder ganz langsam öffnen. Mache auf diese Weise weiter, indem du die Augen geöffnet hältst, solange du die Verbindung zum Körper spürst, und sie schließt, sobald du den Kontakt verlierst – bis du ein gutes Gefühl dafür entwickelst. Am Anfang braucht es ein bisschen Übung, aber nach einiger Zeit geht es ganz leicht. Du kannst mit diesem weichen Blick auch in der Natur experimentieren – lenke ihn auf einen Wasserfall, einen Baum, einen Sonnenuntergang, den Mond. Du wirst erstaunliche Erfahrungen machen – von Frieden und Liebe.
TANTRISCHE MEDITATION
Auf Licht meditieren
Wenn dir der weiche Blick bereits vertraut ist, kannst du ihn bei einer speziellen Meditation anwenden, indem du die Kraft des Lichtes nutzt. Auf Licht zu meditieren ist eine der ältesten Meditationen überhaupt. Man wählte das Licht, weil beim Meditieren auf Licht etwas in dir aufblühen kann, was bisher schlummerte.
Nimm dir für diese Übung eine halbe Stunde oder länger Zeit. Schaffe dir eine harmonische Umgebung und setze dich vor eine Kerze. Wende nun den weichen Blick an und lass die Kerzenflamme in dich hineinkommen. Wenn die Augen sich ausruhen müssen oder die Verbindung zum Körper abreißt, kannst du die Augen schließen und dir vorstellen, wie das Licht deine Augen durchdringt. Auf diese Weise kannst du die Augen abwechselnd offen oder geschlossen halten, wie es sich für dich am besten anfühlt.
Mache das Licht zu deiner Meditation. Sooft du Zeit hast, schließe die Augen und visualisiere Licht. Immer wenn du Licht siehst, stimme dich darauf ein. Sei dir dessen gewahr, sei andächtig und dankbar für das Licht.
3. Kapitel
Einen Orgasmus haben oder orgasmisch sein
ÜBER DAS WESEN DES WEIBLICHEN ORGASMUS lässt sich nichts verallgemeinern. Möglicherweise gibt es so viele Arten von Orgasmen, wie es Frauen gibt, die ihn erleben. Um das Wesen der weiblichen Energie zu verstehen, ist es dennoch hilfreich, den Orgasmus aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten.
Ganz allgemein könnte man den Orgasmus in zwei Kategorien einordnen: den Gipfelorgasmus und den Talorgasmus. Natürlich kann es zwischen einem Gipfel und einem Tal ein ganzes Spektrum von möglichen Erfahrungen geben, aber eines unterscheidet die beiden Kategorien grundsätzlich voneinander: Der Gipfelorgasmus beruht auf der aktiven Steigerung der Erregung bis zum Höhepunkt, während der Talorgasmus aus einem Zustand der Entspannung heraus entsteht.
Gipfel und Tal
Wir wollen die Unterschiede zwischen diesen beiden Herangehensweisen an die orgasmische Erfahrung etwas genauer betrachten. Grundsätzlich unterscheiden sich die beiden von Anfang an durch das Vorgehen und die innere Einstellung. Beim Gipfelorgasmus geht es in erster Linie darum, ein Ziel zu verfolgen. Wir wollen ihn „haben“ und „gehen dafür“, das heißt, wir steuern ihn bewusst an und tun einiges dafür, um zum Höhepunkt zu kommen. Das Erreichen eines Gipfelorgasmus wird somit zu einer linearen, zielgerichteten Aktivität, die einer mentalen Absicht bedarf, um von einem Punkt zum anderen zu gelangen. Dabei wird vorausgesetzt, dass wir etwas tun müssen (was auch immer wir für nötig erachten), um das Endziel – den Höhepunkt – zu erreichen. Im Unterschied dazu entspricht eine Talerfahrung eher einer Einladung, ohne die fixe Idee, einen Orgasmus zu erwarten oder zu fordern. Es kann passieren – oder auch nicht.
Und wenn es passiert, passiert es ganz von selbst. Es geht nicht um das Endergebnis. Vielmehr ist die ganze Aufmerksamkeit darauf gerichtet, den Augenblick zu genießen – hier und jetzt in unserem Körper zu sein. Dadurch kann sich die sexuelle Begegnung ohne vorher festgelegte Richtung spontan entfalten.
Statt einen Orgasmus anzupeilen, sind wir einfach offen und sagen Ja zu allem, was im Körper von Moment zu Moment geschieht. Nur auf diese Weise kann sich die notwendige Sensibilität entwickeln, die eine Voraussetzung für die Erfahrung eines orgasmischen Tales ist.
Um einen Gipfelorgasmus zu erlangen, müssen wir uns normalerweise körperlich ziemlich anstrengen. Wir verfolgen dabei die Absicht, durch immer intensivere Stimulation die köstlich erregenden Empfindungen zu einem glorreichen Crescendo zu steigern. Dazu gehören ständig wiederholte mechanische Beckenbewegungen, die zum Ende hin immer schneller und schneller werden. Diese Aktivität ist erforderlich, um die Energie bis zum Höhepunkt zu steigern. Gleichzeitig wird dadurch aber eine Menge Spannung aufgebaut und die ganze Energie sammelt und komprimiert sich in den Genitalien.
Anders als bei dieser üblichen Art kann sich eine orgasmische Talerfahrung erst entfalten, wenn wir uns erlauben, weniger zu tun und mehr zu sein. Das setzt voraus, dass wir die Dinge auf eine möglichst gelassene, entspannte, geruhsame Weise angehen und sich selbst entwickeln lassen. Wir vermeiden bewusste Anstrengungen, Bewegungen oder Stellungen, die unnötige Spannung hervorrufen.
Das Eindringen des Penis in die Vagina geschieht sehr bewusst und ganz langsam, ebenso alle Beckenbewegungen. Diese Entspannung der Genitalien bei beiden Partnern begünstigt das Ausstrahlen und Ausbreiten der Energie in andere Bereiche des Körpers.
Der Gipfelorgasmus ist normalerweise eine ziemlich heiße Angelegenheit. Im Tal läuft alles viel kühler ab. Hier kann jeder einzelne lustvolle Augenblick der Erregung für sich genossen werden, immer gefolgt von einigen Minuten der Entspannung. Die Erregung wird nicht geschürt und angefacht, um zu einem Höhepunkt zu kommen, wie es beim Gipfelorgasmus der Fall ist. Durch die langsamere, weniger auf Aktivität ausgerichtete Vorgehensweise und die Achtsamkeit auf den Energiefluss wird eine innere Feinfühligkeit geweckt, die wenig mit der üblichen Stimulation und Erregung gemein hat. Durch die zunehmende Empfindsamkeit offenbart sich im Körper eine Ebene magnetischer Anregung, die sich kühl, zellaktivierend und ekstatisch anfühlt. Für diese entspannte Art des Orgasmus ist es noch nicht einmal nötig, Erregung gezielt aufzubauen. Ein weiteres Element, durch das sich Gipfel- und Talorgasmus voneinander unterscheiden, ist die Dauer des Geschehens. Ein Gipfelorgasmus dauert – an einem guten Tag – schätzungsweise zehn Sekunden. Man könnte sagen, dass dieser Höhepunkt einen ziemlich präzisen Anfang und ein ziemlich präzises Ende hat. Es ist ein Ereignis. Wir haben einen Orgasmus – oder auch nicht, je nachdem.
Im Gegensatz dazu ist der Talorgasmus ein länger andauernder Zustand, eine zeitlose Erfahrung ohne einen speziellen Anfang oder ein spezielles Ende. Er kann einige Sekunden, aber auch einige Stunden anhalten. Die Zeitdauer spielt keine Rolle, aber die Erfahrung ist immer ähnlich: Beim Talorgasmus senkt sich ein ekstatischer Friede auf uns herab, umhüllt uns, umarmt und nährt uns; wir fühlen uns, als ob wir schweben. Wir sind orgasmisch. Es handelt sich um einen erweiterten Bewusstseinszustand, nicht um ein flüchtiges Ereignis wie beim Gipfelorgasmus, der innerhalb von Sekunden wieder abgeflaut ist.
Wenn wir völlig eins sind mit den subtilen Empfindungen unseres physischen Körpers, erleben wir diese sexuelle Erfahrung als ekstatische Körperlosigkeit. Das klingt zwar widersprüchlich und paradox, funktioniert aber tatsächlich so.

Abb. 1 Biologische oder reproduktive Phase sexueller Energie.

Abb. 2 Spirituelle oder kreative Phase schöpferischer Energie.

Abb. 3 Vollständiger sexueller Energiekreis, mit zurückgeleiteter sexueller Energie, die sich spiralförmig durch die Energiezentren bewegt.
Die nach innen zurückgenommene Energie breitet sich aus und steigt im Körper orgasmisch nach oben. Statt aus dem Körper ausgestoßen und entladen zu werden, sammelt sich die Energie in unserem System und bewirkt eine Steigerung der Vitalität und Kreativität. Wenn Sex auf diese Weise gelebt wird, intensiviert und stärkt er unsere Lebenskraft. Bestimmte Hormone, die beim Sex freigesetzt werden, gelangen ins Gehirn, wo sie die Hauptdrüsen, Hypophyse und Epiphyse, versorgen. Das wirkt sich positiv auf unser Wohlbefinden, unsere Gesundheit und Langlebigkeit aus – Sex verlängert so das Leben.
Beim Gipfelorgasmus bewegt sich die Energie in entgegengesetzter Richtung. Beim Höhepunkt fließt die Energie nach unten und außen, um den Bedingungen der Fortpflanzung zu entsprechen. Auf die intensive Steigung der Erregung folgt eine lustvolle Entladung der Energie, die nach unten aus dem Körper ausgestoßen wird. Dass eine Entladung stattfindet, zeigt sich am spürbaren Energieverlust des Mannes bei einem Samenerguss. Häufig ist er gereizt, nervös und fühlt Distanz zu seiner Partnerin. Viele Frauen beobachten bei sich ebenfalls einen erheblichen Energieverlust durch den Orgasmus, genau wie der Mann, obwohl sie keinen Samenerguss haben. Plötzlich ist keine Bereitschaft mehr da, Liebe zu machen, und man hat weder Energie noch Lust zum Weitermachen. Dieser Energieverlust beim Orgasmus ist die Ursache dafür, dass sich Frauen oft im Stich gelassen, einsam, traurig oder deprimiert fühlen.
Der Gipfelorgasmus wird als eine mehr oder weniger auf die Genitalien reduzierte Erfahrung erlebt, weil sich die sexuelle Energie nicht in andere Körperteile ausdehnen kann. Durch das Bemühen einen Orgasmus zu bekommen wird eine Ausdehnung der Energie geradezu blockiert; die dabei entstehende Anspannung hindert die Energie daran, sich auszudehnen. Das ganze aufgebaute Energiepotenzial geht verloren und steht nicht mehr zur Verfügung, um seine heilsame, belebende Wirkung auf Körper und Seele auszuüben.
Durch bestimmte Techniken lässt sich der Gipfelorgasmus willentlich verlängern bzw. können mehrere Orgasmen hintereinander erlangt werden. Durch die Abstimmung von Atem, Bewegung und Entspannung ist es möglich, die Energie über die automatischen Barrieren hinwegzuheben und in unbegrenzte Energiezustände zu gelangen. Um dahin zu kommen, braucht man allerdings ziemlich viel Übung und eine zielgerichtete Konzentration; jedenfalls entstehen ganz selten multiple Gipfelorgasmen aus einem entspannten Zustand.
Offen sein für einen neuen Ansatz
Um das sexuelle Erleben befriedigender zu gestalten, wäre es im Allgemeinen für die Frau besser, den „orgasmischen Ansatz“ zu wählen – Orgasmus als eine andauernde Befindlichkeit während des sexuellen Austausches –, statt hinter dem Höhepunkt des Gipfelorgasmus her zu sein. Dieser Ansatz hängt sehr stark von der Bereitschaft ab, zu entspannen und der eigenen femininen Empfänglichkeit zu vertrauen. Statt etwas auf die Reihe kriegen zu wollen, kannst du einfach da sein und empfangen. Durch die Vagina nimmst du die Energie auf und absorbierst sie tief im Zentrum deines Körpers. Das passiert auf ganz natürliche Weise, wenn du einmal ein Gefühl dafür bekommen hast.
Alle einzelnen Elemente des Sex sind vorhanden, aber in einer völlig anderen Zusammensetzung. Den größten Unterschied macht dabei die innere Haltung und Bewusstheit der Frau sowie ihre Bereitschaft, mit ihrem wahren Selbst in Berührung zu kommen. Das setzt ein tiefes Verständnis für den Körper voraus, aber auch den Mut, die innere weibliche Seinsqualität anzuerkennen und zum Ausdruck zu bringen. Die meisten Frauen assoziieren Orgasmus mit der Klitoris, aber eigentlich spielt die Vagina eine viel zentralere Rolle für ihr orgasmisches Erleben. Ein wachsendes Verständnis darüber kann Frauen dazu veranlassen, ihre Erfahrungen mit dem klitoralen Orgasmus völlig neu zu bewerten, wenn sie beim Erforschen ihres orgasmischen Potenzials weiter voranschreiten. (Im 6. und 7. Kapitel werden wir das Thema Vagina bzw. Klitoris ausführlicher behandeln.)
Auch hier gilt: Wenn ich eine andere Annäherungsweise an den Orgasmus empfehle, tue ich dies, um Möglichkeiten aufzuzeigen, dein Spektrum befriedigender sexueller Erfahrung zu erweitern. Ich habe überhaupt nicht die Absicht, dich im dualistischen Denken zu bestärken und zwischen Gipfeln und Tälern oder zwischen Tun und Sein zu unterscheiden. In Wirklichkeit kann das eine ohne das andere nicht existieren, darum ist jede Trennung falsch. Sämtliche Zwischenstufen und wonnevollen Varianten, die diese beiden verbinden, sind mit eingeschlossen.
Mir ist es wichtig, Wahlmöglichkeiten aufzuzeigen.
Ich möchte dich dazu einladen, über deine Erfahrungen zu reflektieren, jetzt, wo du neue Informationen bekommen hast, sodass du herausfinden kannst, was für dich sinnvoll ist. Bei meinem Ansatz geht es in erster Linie darum, sich in einen orgasmischen Seinszustand zu entspannen, statt mit Mühe einen Orgasmus zu suchen.
Und: Verurteile dich nicht für dein „Versagen“, Orgasmen zu haben oder die „falsche“ Art von Orgasmus zu haben. Im Sex gibt es kein Falsch oder Richtig, du brauchst es niemandem recht zu machen, außer dir selbst. Vielleicht verstehst du nach einigem Reflektieren, dass du es dir bisher einfach nicht erlaubt hast, beim Sex nach innen zu gehen, um dich von innen her zu spüren und herauszufinden, was dir wirklich gut tut. Vielleicht erkennst du, dass du dich beim Sex enorm angestrengt hast, Erfolg zu haben – so als müsstest du in einem Theaterstück auftreten oder eine Prüfung ablegen! Vielleicht entdeckst du aber auch, dass du mit deinem Sexleben im Grunde ganz zufrieden bist, und findest den Gedanken, eine neue Methode auszuprobieren, anregend und es spricht deine Abenteuerlust an. Ich hoffe aufrichtig, dass die Einsichten, die du über dich selbst gewinnst, wenn du nach innen schaust, deine Perspektive verändern und es dir möglich ist, deine Erfahrungen zu erweitern.
Entspannung und Anspannung
Entspannung ist immer der Schlüssel, um eine Erfahrung zu intensivieren, darum geht Entspannung auch Hand in Hand mit einem befriedigenderen Orgasmus. Sämtliche Arten von Orgasmus, ob Gipfel oder Tal, können durch Entspannung nur gewinnen. Jedes auch noch so kurze Entspannen eines Körperteils begünstigt die Energieausdehnung, die jedem Orgasmus und jedem erhöhten Erleben vorausgeht; es führt spontan zu erhöhter Aufmerksamkeit, körperlicher Sensibilität und psychischer Offenheit. Darüber hinaus lädt Entspannung gerade jene Energiequalitäten ein, die der weiblichen Energie entsprechen.
Vor allem für die Frau ist Entspannung wesentlich, weil sie zunächst ein Umschalten vom männlich-aktiven, nach außen gerichteten Modus, der beim gewöhnlichen Orgasmus gefragt ist, in den feinfühligeren, weiblich-rezeptiven Modus ermöglicht. Der orgasmische Zustand ebenso wie jeder durch Entspannen hervorgerufene Orgasmus bezieht die tief verwurzelten, weiblichen Energien der Frau mit ein. Erst dadurch kann der Orgasmus für die Frau zu einer total erfüllenden Erfahrung werden. Das ist ein wichtiger Punkt, den du beachten solltest, wenn du dir noch nicht sicher bist, ob du dich darauf einlassen möchtest, neue sexuelle Erfahrungen zu machen. Selbstverständlich können Gipfelorgasmen uns ein fantastisches Gefühl vermitteln, aber sie bewegen uns nur selten wirklich tief. Im Grunde fühlen wir uns dabei kaum in unserem Wesen berührt.
Falls du unschlüssig bist etwas Neues auszuprobieren, das du noch nicht kennst, denke daran: Sex ist mehr als nur die Kerzen auf einer Torte – sie können jeden Moment ausgeblasen werden! Und dabei soll man auch nicht vergessen, dass zahllose Frauen Probleme mit dem üblichen Gipfelorgasmus haben, auch wenn ihre Kerzen auf recht angenehme Weise ausgeblasen werden. Selbst mit den besten Absichten ist es nicht immer möglich, beim gewöhnlichen Sex eine ausreichend hohe sexuelle Spannung aufzubauen, um einen tiefen bzw. länger anhaltenden Höhepunkt herbeizuführen. In unserem eifrigen Bemühen zu „kommen“ werden die Bewegungen immer schneller, härter, aber auch unbewusster und aggressiver, sodass mit jeder Bewegung, die wir machen, unsere Empfindsamkeit abnimmt.
Die körperliche Anspannung, die mit dem zielorientierten Ansteuern des Gipfelorgasmus verbunden ist, wird noch verstärkt durch mentalen und emotionalen Stress, den wir uns über den Orgasmus machen, bevor wir überhaupt mit dem Sex loslegen. Unter Druck erhöht sich diese Anspannung, und leider haben die meisten Frauen das Gefühl, sie müssten – auch dem Mann zuliebe – einen Orgasmus haben.
Der Mann genießt die Momente so sehr, wenn die Frau kommt, dass er alles daransetzt, dass es passiert. Einmal, weil er ihr einfach gerne Lust verschafft, aber auf der anderen Seite spielt dabei auch sein Ego eine wichtige Rolle. Wenn der Mann seine Frau beim Orgasmus erlebt, fühlt er sich als guter Liebhaber bestätigt.
Das sollte man als Frau nicht vergessen – wir werden uns in einem späteren Kapitel noch mehr damit befassen. Es ist einfach gut, sich vor Augen zu halten, dass viele Männer sehr damit identifiziert (und geradezu danach süchtig) sind, die Erregung der Frau bis zum Orgasmus zu steigern – sofern diese in der glücklichen Lage ist, einen zu bekommen!
Das erinnert mich an eine Situation während eines Seminars, als nach ein paar Tagen des Experimentierens eine Frau freudig verkündete, mit dem üblichen Orgasmus sei sie jetzt fertig und könne ihm überhaupt nichts mehr abgewinnen. Und eigentlich ginge es ihr ohne Orgasmus ohnehin viel besser. (Solche und ähnliche Worte habe ich schon von mehr Frauen zu hören bekommen, als ich zählen kann.) Zum größten Erstaunen der Frau nahm ihr Liebhaber diese Worte sehr persönlich und reagierte mit Rückzug und brütendem Schweigen. Er hatte die Erkenntnis seiner Frau als persönliche Beleidigung aufgenommen – die Botschaft war, dass er nicht gut sei, weil er sie nicht befriedigen konnte. Außerdem empfand er es als Bedrohung, dass sie vielleicht nie wieder in der gewohnten Weise Sex mit ihm haben würde, dass sie nie mehr Gipfelorgasmen für ihn oder für sie beide wollte. Vielleicht würde er seinen üblichen Habitus aufgeben müssen.
Den Widerstand des Partners überwinden
Mache dich darauf gefasst, dass es hier und da Proteste von Seiten des Mannes geben wird, aber lass dich dadurch nicht beirren. Versuche das Erforschen neuer Wege im Sex nicht allzu ernst zu nehmen – entwickle einen Sinn für Humor! Sieh dich eher als Abenteurerin und widerstehe der Versuchung, Regeln und Bestimmungen aufzustellen – wozu Frauen leicht neigen, wenn sie in neue Richtungen gehen wollen.
Lass dich nicht dazu verleiten, dem Mann zu sagen, was er tun und wie er es tun soll. Die Frau ist durch ihr empfängliches Wesen der tantrischen Sphäre näher und bewegt sich darin sehr viel natürlicher und leichter als der Mann. Er muss einiges an Arbeit leisten, um den ganzen Überbau seiner erregungsgesteuerten Sexualität abzubauen. Er braucht dein volles Verständnis, ja sogar Mitgefühl. Statt den Mann zu kritisieren, kannst du ihm Brücken bauen, um zwischen der alten und der neuen Methode zu vermitteln.
Wenn der Mann in die tantrische Richtung gehen will, braucht er den gleichen inneren Fokus wie die Frau, um mit seiner natürlichen, männlich-spontanen Kraft in Kontakt zu kommen und auf seine gewohnten männlichen Strategien zu verzichten. Gib ihm Raum zum Experimentieren und kooperiere mit seiner Realität (seiner sexuellen Konditionierung), ohne dich auf ein Ideal zu fixieren, das nur Stress erzeugen und aus eurem schönen gemeinsamen Abenteuer ein einziges Tauziehen machen würde. Viele Männer sind natürlich sehr erfreut, wenn ihre Frau eine bestimmendere Rolle im Sex übernimmt. Es könnte also durchaus sein, dass dein Mann mit einer gewissen Erleichterung auf dein neues Interesse reagiert und es nicht unbedingt als Bedrohung für sein Ego ansieht. Mit Sicherheit liegt das größte Potenzial darin, gemeinsam, mit vereinten Kräften zu forschen, als Einheit und nicht als zwei getrennte Personen, von denen jeder „sein Ding“ macht.
Allerdings kann die Frau viele der in diesem Buch gegebenen Vorschläge für sich selbst ausprobieren, während sie Liebe macht, ohne dass ihr Mann unbedingt damit einverstanden sein muss. (Er wird jedoch nicht umhin kommen zu bemerken, dass die sexuelle Begegnung irgendwie an Zauber gewonnen hat.) Du kommst aber nicht drum herum: Wenn du deinen Stil beim Liebemachen ändern willst, setzt das immer dein individuelles Engagement voraus und nicht unbedingt das gemeinsame Engagement des Paares.
Du als Individuum musst den Wunsch haben, bewusster, empfänglicher und offener zu werden und solltest es nicht davon abhängig machen, was dein Partner möchte oder was er eventuell von dir erwartet. Sonst kann es sein, dass du dich immer nur im Kreis bewegst und nie aus der Falle herauskommst, in der du dich befindest. Zum Beispiel könnte sich die Situation ergeben, dass dein Mann „kommen“ will. Was machst du dann? Du könntest dich ihm anschließen und dir sagen: „Na gut, was soll’s, dann mach ich halt mit.“ Aber das ist kein individuelles Engagement. Das würde bedeuten, die Verantwortung für deine Transformation an den anderen abzugeben, und das funktioniert nicht. Stattdessen könntest du dich dafür entscheiden, nicht zu kommen, sondern dich lieber zu entspannen und es einfach zu genießen, ihn seine Erfahrung machen zu lassen, ohne dich selbst zum Kommen zu zwingen, nur weil er es tut. Und falls du dich tatsächlich dazu entschließt, dieses Mal auch zu kommen, dann gehe es einfach auf eine leichtere, weniger anstrengende Weise an. Sei experimentierfreudig und ermögliche dir, dich einmal ganz anders zu erleben.
Falle nicht auf die üblichen Mechanismen herein. Experimentiere für dich selbst und sei neugierig, was dabei herauskommt!
Es kann durchaus sein, dass der Mann beim Liebemachen eine Zeitlang auf seinem Orgasmus besteht. In diesem neuen Kontext könnte das aber nach einer Stunde lustvollen Liebemachens geschehen – was das ganze Bild enorm verändert! Warum auch nicht? Nach einer gewissen Zeit kann es aber sein, dass der Mann nicht mehr unbedingt ejakulieren muss und damit auch zufrieden ist. Er ist erfüllt und hat bemerkt, dass er sich nachher energetisch aufgeladen fühlt.
Durch Experimentieren und das Beobachten der Nachwirkungen bekommt der Sex mit der Zeit einen anderen Stellenwert, der weit über den normalen Zeitvertreib hinausgeht. Unser üblicher Maßstab für guten Sex ist: Hat es Spaß gemacht? War es erquickend? Tatsächlich kann man viel mehr Aufschluss darüber bekommen, ob Sex gut war oder nicht, wenn man beobachtet, wie man sich danach fühlt.
Auf das Hinterher achten
Wir haben die Tendenz, darüber hinwegzusehen, wie es uns nach dem Sexakt geht. Wie fühlen wir uns? Was geschieht in mir, und was passiert zwischen uns? In den Seminaren weise ich die Paare immer daraufhin: „Das Hinterher ist euer Lehrer!“ Und nicht der Seminarleiter – mein Partner oder ich.
Wenn Mann und Frau darauf achten, wie es ihnen nach dem Sexakt geht, werden sie Erkenntnisse darüber bekommen, was wirklich „guter“ Sex für sie ist und wodurch die verschiedenen Zustände beeinflusst werden. Wenn ihr nach dem Liebemachen manchmal ein Gefühl von Distanz spürt und zu anderen Zeiten ein Gefühl von Nähe – was könnt ihr daraus schließen?
Überprüft eure gemeinsame Erfahrung und seht, was ihr daraus lernen könnt. Mit der Zeit werdet ihr eine völlig neue Sichtweise vom Sex bekommen – allein dadurch, dass ihr eure Empfindungen verstehen lernt. Dann verändert sich die obige Fragestellung dahingehend: „Wie lässt sich die wohltuende Wirkung des Sex auf jeden Augenblick meines Lebens, auf den ganzen Tag, ob im Bett oder außerhalb, ausdehnen? Wie kriege ich das Beste aus dem Sex als menschliches Wesen, nicht nur als menschliche Maschine?“
Kürzlich erhielt ich eine Email von einem australischen Paar, die ein Beitrag dazu sein kann, dass Frauen sich entspannen und Männer mutiger werden. Die beiden hatten im Internet einen Ausschnitt meines ersten Buches, Zeit für Liebe, entdeckt und dazu schrieb mir der Mann Folgendes:
„Wir haben uns das alles ausgedruckt und mit in den Urlaub genommen. Allein schon dieser Gedanke des Loslassens aller Zielorientiertheit war eine Offenbarung für unser intimes Beisammensein. Es hat die spirituelle Sensibilität unseres Liebemachens enorm gesteigert – und damit die schiere Lust und Schönheit, jeden einzelnen Augenblick um seiner selbst willen zu genießen. Die Schönheit einer jeden Berührung und Liebkosung zu empfinden, jeden Kuss von Augenblick zu Augenblick zu erspüren, die Süße des Körperkontakts zu fühlen, statt dass jede Handlung nur ein weiterer Schritt auf dem Weg zum Orgasmus ist.
Die Bereitschaft, alle Ziele loszulassen und uns von einem Augenblick zum nächsten führen zu lassen, hat uns in jedem Moment neue Lust gebracht und allen Leistungsdruck beseitigt. Wir sind seit fast fünfundzwanzig Jahren verheiratet und die spirituelle Dimension war uns immer wichtig, aber es ist so leicht, in dieses westlich ausgerichtete Zieldenken zu verfallen, das sich bei allem, was wir tun, zeigt. Und so vieles vom westlichen Ansatz zum Thema Sex, das wir gelesen haben, ist zielorientiert.
Öffne dich für den neuen, anderen Weg, dann kann auch dein Mann anfangen, sich selbst auf eine neue Art und Weise zu erleben. Bedenke, dass man eine Kostprobe braucht, um auf den Geschmack zu kommen. Lass dich also nicht vom üblichen, männlich dominierten Sexstil herumkriegen. Eine wirkliche Frau steht dabei auf verlorenem Posten. Und wenn sie nachgibt (oder aufgibt), sind beide Verlierer, der Mann ebenso wie die Frau; keiner gewinnt wirklich etwas dabei.
Der Orgasmus ist ein göttliches Geschenk, ein Tropfen vom allersüßesten Nektar. Man kann ihn nicht einfordern, für selbstverständlich nehmen oder hinter ihm herjagen. Wenn man seine sexuellen Erwartungen zu hoch steckt, müssen auf das Nicht-erreichen Frustration, Elend und Enttäuschung folgen. Es muss nicht jedes Mal, wenn wir Liebe machen, zum Orgasmus kommen. Eine entspannte, offene, erwartungslose Haltung schafft das richtige Milieu für eine orgasmische Erfahrung. Darum verändere dein Denken über den Orgasmus. Wenn du das nächste Mal Sex hast, probiere mal etwas Ungewöhnliches: Vergiss einfach den Orgasmus. Vermeide Empfindungen, die dich auf den Höhepunkt vorbereiten. Vermeide es, den Orgasmus anzusteuern, sobald der Mann in dich eingedrungen ist.
Sei im Augenblick der Penetration so empfänglich und einladend, wie du nur kannst, und richte deine ganze Aufmerksamkeit in die Vagina. Beobachte in dir all die winzig kleinen, zellulären Phänomene, die sich in jedem Augenblick in deinem Körper ereignen. Die Zeit setzt sich aus millionenfach aneinander gereihten magischen Augenblicken zusammen, deren Einzelheiten sich ununterbrochen wandeln und zu einer ständigen Quelle von Freude und Genuss werden können. All die inneren Veränderungen bewusst mitzuerleben macht aus der sexuellen Erfahrung eine organische Einheit.
Ein Orgasmus muss nicht unbedingt eine dramatische Explosion, ein Vulkanausbruch, sein. Er tritt auch als ruhiges, kühles, friedliches, entspannendes Tal in Erscheinung, in dem der Körper leicht wie eine Feder dahinschwebt und sich, wie in Liebe gebadet, im Nichts auflöst. Er kann eine Erfahrung der Ewigkeit und Zeitlosigkeit sein, wo du mit dem Atem im Raum schwebst, im Einklang mit dem Puls des Lebens. Es kann aber auch wie durch ein Wunder geschehen, dass sich aus dieser Tiefe der Entspannung ein Gipfel von Energie erhebt, ohne jede Anstrengung. Eine subtile Kraft steigt langsam und beständig aus den Tiefen empor und mündet in einen sexuellen Tanz, der die Körper ekstatisch erfasst, wie von göttlicher Energie choreografiert.
TANTRISCHE INSPIRATION
Entspannung ist ein Zustand. Du kannst ihn nicht erzwingen. Du lässt einfach alles Negative, alle Hindernisse los, und dann taucht er auf; er kommt von allein. Was ist Entspannung? Sie ist ein Zustand, in dem deine Energie sich nirgendwohin bewegt, weder in die Zukunft noch in die Vergangenheit – sie ist einfach hier bei dir. Im stillen See deiner eigenen Energie ruhst du, von ihrer Wärme umgeben. Dieser Augenblick ist alles. Einen anderen Augenblick gibt es nicht. Die Zeit bleibt stehen – dann geschieht Entspannung. Solange die Zeit da ist, ist keine Entspannung. Die Uhr bleibt einfach stehen; die Zeit hört auf. Dieser Augenblick ist alles. Entspannung bedeutet, dieser Augenblick ist mehr als genug, mehr als du je erwarten oder verlangen kannst. Nichts bleibt zu wünschen übrig. Es ist mehr als genug, mehr als du dir je ersehnt hast. Dann geht deine Energie nirgendwohin. Sie wird zu einem stillen See. In deiner eigenen Energie löst du dich auf. In diesem Moment geschieht Entspannung. Entspannung gehört weder zum Körper noch zum Verstand – Entspannung gehört zum Ganzen.
Osho, Tantra – Die höchste Einsicht
TRAINING FÜR BEWUSSTHEIT UND SENSIBILITÄT
Partnerübung zum Harmonisieren der Energie
Folgende Übung zum Energieausgleich kannst du mit deinem Partner machen, um euch aufeinander einzustimmen. Nehmt euch dafür etwa eine halbe Stunde Zeit. Ihr könnt die Übung wie beschrieben machen, oder sie als Teil eures sexuellen Vorspiels sehen, das ins Liebemachen übergehen kann. Das Ende der Übung besteht darin, dass ihr aufsteht – die wirklich beste Vorbereitung fürs Liebemachen –, euch umarmt und küsst und dann, wenn ihr möchtet, langsam zum Bett geht.
Schaffe für dich und deinen Partner eine meditative Umgebung. Legt zwei Kissen mit etwas Abstand einander gegenüber auf den Boden oder benutzt gegebenenfalls Stühle. Setzt euch wenn möglich aufrecht und bequem mit gekreuzten Beinen und gerader Wirbelsäule hin. Um den Rücken besser zu unterstützen, solltet ihr direkt auf den Sitzknochen sitzen. Lehnt euch dazu etwas nach vorne und zieht die Pobacken leicht auseinander. Dadurch entsteht eine leichte Krümmung im unteren Rücken, die das Sitzen auf dem Boden mit gekreuzten Beinen leichter macht.
Setzt euch gegenüber, abends bei Kerzenlicht oder im Mondschein, und haltet eure Hände überkreuz. Wendet den weichen Blick an, wie er am Ende des 2. Kapitels beschrieben wurde. Schaut euch etwa zehn Minuten lang in die Augen. Wenn die Körper sich zu bewegen beginnen, lasst es geschehen. Ihr könnt mit den Augen blinzeln, aber haltet Blickkontakt. Lasst eure Hände nicht los, egal was passiert – das dürft ihr nicht vergessen. Nach zehn Minuten schließt die Augen und setzt die wiegende Bewegung noch zehn Minuten lang fort.
Dann steht auf, haltet euch an den Händen und schwingt gemeinsam noch weitere zehn Minuten lang. Dabei könnt ihr die Augen geöffnet oder geschlossen halten, wie es sich am besten für euch anfühlt. Beendet das Ganze mit einer innigen Umarmung. Durch diese Meditation werden eure Energien tief miteinander verschmelzen.
4. Kapitel
Die Quelle orgasmischen Seins
ES GIBT VIELE GRÜNDE, WARUM FRAUEN beim Sex mit ihrem Partner oft keinen Orgasmus bekommen. Ein wesentlicher Grund liegt darin, dass der Sexakt viel zu kurz ist, meist bedingt durch die vorzeitige Ejakulation des Mannes. Ein paar Minuten Geschlechtsverkehr können die orgasmische Energie der Frau nicht einmal annähernd berühren. Der Hauptgrund liegt jedoch in einem weit verbreiteten Missverständnis über die eigentliche Quelle des weiblichen Orgasmus. Wir brauchen konkrete Informationen über die Funktionsweise des subtilen Energiesystems im weiblichen Körper. Der Orgasmus sollte eigentlich eine relativ mühelose Angelegenheit sein, denn Ekstase ist unser natürlicher Zustand. Wir alle sind ekstatisch geboren, doch unglücklicherweise ist uns im Laufe der Kindheit durch die gesellschaftliche Konditionierung unser Zugang zur Ekstase allmählich verloren gegangen. Dennoch sind wir für die Ekstase gemacht – und sie lässt sich wieder erlernen!
Gleichwertige, aber entgegengesetzte Kräfte
Wir neigen zu schnell zu der Annahme, dass der energetische Körper von Mann und Frau gleich ist. In Wirklichkeit unterscheidet sich aber der weibliche Körper sehr erheblich von dem des Mannes, und das Ausmaß dieser Verschiedenheit ist uns nicht bewusst. Dass Mann und Frau verschieden sind, gilt als selbstverständlich, aber die tieferen Implikationen dieser Tatsache wurden bisher übergangen.
Wenn wir die offensichtlichen Unterschiede zwischen dem männlichen und dem weiblichen Körper betrachten, vor allem die Unterschiede bei den Geschlechtsorganen und der damit verbundenen Funktion der Fortpflanzung – was sehen wir da? Auf der einen Seite die einzigartige Fähigkeit des Mannes, Samen zu produzieren und freizusetzen, der zur Hälfte die Matrix des Lebens enthält. Auf der anderen Seite sehen wir die einzigartige Fähigkeit der Frau, den Samen des Mannes zu empfangen, in sich aufzunehmen und ihrerseits die andere Hälfte der Matrix beizusteuern, um daraus in ihrem Inneren neues Leben entstehen zu lassen. An der Fortpflanzung wird deutlich, dass das Männliche und das Weibliche zwei einander ebenbürtige, aber entgegengesetzte Kräfte sind, die zusammen ein Gleichgewicht bilden. Keine Kraft ist stärker, keine schwächer, und jede hat eine einzigartige lebenswichtige Funktion. Der Mann allein kann sich nicht ohne die Frau auf diesem Planeten fortpflanzen, und auch die Frau vermag ohne die Mitwirkung des Mannes kein Leben hervorzubringen. Diese beiden in ihrem Ausdruck völlig entgegengesetzten Kräfte sind absolut gleichwertig und ergänzen sich vollkommen. Die aktive Kraft wird von ihrem rezeptiven Gegenstück in der Balance gehalten.
Der weibliche Körper ist dem männlichen Körper ebenbürtig, aber gleichzeitig energetisch das Gegenteil. Was demnach im Sex für den Mann funktioniert, ist auf der energetischen Ebene nicht unbedingt auch für die Frau zutreffend oder geeignet. Da sie dem Mann energetisch entgegengesetzt, aber gleichwertig ist, repräsentiert sie seinen komplementären Gegenpol, und beide ergänzen sich zu einem Ganzen. Gerade dieses Phänomen des komplementären Gegenpols ist die Grundlage der machtvollen Anziehungskraft, die der Sexualität innewohnt. Wir fühlen uns unablässig zum anderen Geschlecht hingezogen und die sexuelle Triebkraft scheint uns, unabhängig vom Alter, niemals in Ruhe zu lassen, oder zumindest nicht für sehr lange.
Tatsächlich klopft die sexuelle Kraft aber auch deswegen an unsere Tür, um uns auf einen geheimen Weg zu lenken, auf dem wir tiefsten Frieden und Liebe finden können – wenn wir lernen, die männlichen und weiblichen Kräfte richtig zu hand-haben. Durch die Begegnung und verschmelzende Vereinigung mit der entgegengesetzten Kraft können wir ganz werden, können wir eins werden. Das Gefühl der Trennung kann sich in einem Gefühl unendlichen Einsseins mit der gesamten Existenz auflösen. In unserer heutigen Welt werden Sex und Spiritualität von den meisten Menschen immer noch als etwas Getrenntes verstanden, was oftmals unlösbare Konflikte auslöst. Dennoch ist die Sehnsucht nach Verschmelzung – mit dem anderen Geschlecht ebenso wie mit der gesamten Existenz – im Grunde eine spirituelle Sehnsucht. Im Wesentlichen zeigt sich darin die enge Verbindung zwischen Sexualität und Spiritualität.
Frau und Mann sind energetisch verschieden
Über die konstitutionellen und emotionalen Unterschiede von Frau und Mann hört man eine Menge, über ihre energetische Verschiedenheit jedoch verschwindend wenig. Unsere Erziehung sollte ein Grundverständnis darüber vermitteln, wie sich die verschiedenen Energien von Frau und Mann als körperliche Unterschiede manifestieren und was für Auswirkungen dies auf der Ebene des sexuellen Austausches hat. Nicht von ungefähr hat die Natur die weiblichen und männlichen Genitalien mit komplementären Eigenschaften bzw. Energiepolaritäten ausgestattet, damit diese in Kontakt treten und miteinander spielen können. Dem rezeptiven weiblichen Element steht das aktive männliche Element gegenüber. Achte auf den wichtigen Unterschied zwischen Aktion und Aktivität (siehe Osho Inspiration, 9. Kapitel). Aktion kommt aus einem ruhigen Verstand; es ist eine klare Antwort auf eine jetzt stattfindende Situation.
Aktivität ist ein unnötiges Rausschmeißen innerer Unruhe, die aus der Vergangenheit mitgeschleppt wurde.
Zur Beschreibung der polar entgegengesetzten Wesensqualitäten werden auch noch andere Begriffe verwendet, wie Yin-Yang, Mond-Sonne, Nacht-Tag, passiv-dynamisch. Wenn das weibliche und das männliche Element Zusammentreffen, kommen die entgegengesetzten Pole zusammen, und dadurch entsteht zwischen ihnen ein Energiestrom.
Auf der subtilen Energieebene ruft diese komplementäre Polarität relativ leicht einen orgasmischen Zustand hervor. Dadurch, dass diese gleichstarken, aber entgegengesetzten Kräfte nicht identisch sind, bilden sie ein pulsierendes Ganzes, eine Einheit. Erst wenn die beiden Hälften Zusammenkommen, ist die sexuelle Einheit vollständig. Stell dir ein Schloss und einen Schlüssel vor: Ohne Schlüssel ist das Schloss im Grunde nutzlos, und der Schlüssel ohne Schloss ebenso. Erst gemeinsam – wenn eins ins andere passt – erfüllen sie eine wichtige Funktion. So verschieden diese beiden Teile konstruiert sind: Wenn die Verbindung passt, kann sich die Einheit als Ganzes bewegen. Dann öffnet sich eine geheime Tür und offenbart uns das Paradies einer bislang unbekannten sexuellen Erfahrung.
Abgesehen von dieser Polarität muss auch verstanden werden, dass die Frau in Wirklichkeit halb Mann und der Mann halb Frau ist. Dieses innere Phänomen schafft die notwendige Voraussetzung für die Meditation. Das Bild des Magneten kann als hilfreiches Modell zum besseren Verständnis unserer inneren Beschaffenheit dienen. Traditionell bezeichnet man die beiden Magnetpole als „positiv“ und „negativ“, um ihre Hauptcharakteristiken zu beschreiben.
Die Frau ist, im Ganzen gesehen, energetisch negativ und rezeptiv, trägt aber den komplementär entgegengesetzten Pol als Erfahrung in sich. Ihrem weiblich-rezeptiven Wesen gemäß stellt die Vagina, die den Mann physisch in sich aufnimmt, den negativen Pol dar, während sich in den Brüsten und im Herz der Frau ihr eigener männlicher Gegenpol befindet.
Auf diesen inneren positiven Pol der Frau lassen sich die männlichen Attribute und Eigenschaften, wie dynamisch, aktiv, Sonne, Yang, ebenso anwenden. Von ihren Brüsten und vom Herz her öffnet sie sich, strahlt sie und dehnt sich aus, gibt sie, drückt sich aus und tritt mit der Welt in Kontakt. Durch die Vagina hingegen empfängt sie und nimmt mit süßer Gelassenheit den Penis in sich auf, absorbiert seine Energie und entspannt sich. Solcherart repräsentiert die Frau als passiver weiblicher Aspekt den negativen Pol – aber gleichzeitig hat sie in ihrem Inneren eben auch den aktiven positiven Pol.
Zwischen diesen beiden entgegengesetzten Polen entsteht ein Energiefluss. In einem Kanal, der im Tantra „Magnetstab “ genannt wird, fließt die Energie, die man als elektromagnetische Energie bezeichnen könnte, im weiblichen Körper zwischen dem oberen und dem unteren Pol. Diese subtile elektromagnetische Energie bewegt sich zwischen Positiv und Negativ in einem spiralförmigen Strom, der zum Ursprung der orgasmischen Erfahrung wird. Somit befindet sich die Quelle der orgasmischen Erfahrung eines Individuums nicht außen, sondern innen drin.

Abb. 4.1 Plus- und Minuspol zwischen den Brüsten und der Vagina bilden den Magnetstab.
Der Orgasmus als auto-ekstatisches Phänomen
Seinem Wesen nach ist der Orgasmus ein auto-ekstatisches Phänomen, das aus dem Wechselspiel der komplementär entgegengesetzten Pole resultiert. Die Frau verkörpert nach außen das passive weibliche Prinzip, das aber innerlich durch ihren männlichen Aspekt in der Balance gehalten wird. Durch den äußeren weiblichen Pol wird der innere männliche Pol bei der Frau aktiviert, wodurch ein Kanal geöffnet wird, in dem die elektromagnetische orgasmische Energie strömt.
Interessanterweise ist der genitale Kontakt von Penis und Vagina für diese orgasmische Erfahrung nicht unbedingt notwendig. Der Mensch ist ein auto-ekstatisches Wesen. Mit der richtigen Einstimmung kann jeder den Zustand von Ekstase allein erlangen. Jeder kann die segensreiche Erfahrung ekstatischer Glückseligkeit haben, auch ohne Geschlechtsverkehr.
Das bedeutet, dass in Wirklichkeit der andere gar nicht an deiner Ekstase beteiligt ist. Zwar kann sie beim Liebesspiel durch den Partner ausgelöst werden, aber die innere Erfahrung von Ekstase und Freude gehört dir allein. Der andere kann eine ähnliche Erfahrung mit dir teilen – oder auch nicht –, je nachdem wie präsent und empfindsam er ist. Eine Frau kann zum Beispiel eine ekstatische sexuelle Erfahrung haben, während der Mann schläft und ohne Erektion noch in ihr ruht. Beim Sex verbinden wir uns energetisch miteinander, wodurch die Quelle der orgasmischen Energie aktiviert wird, aber letztlich erleben wir diesen Zustand als unseren eigenen. Er wird nicht immer von beiden Seiten als die gleiche Sache zur gleichen Zeit erfahren.
Glückseligkeit erfordert nur drei Grundelemente: Zeitlosigkeit, Egolosigkeit und Natürlichkeit.1 Das Schöne und Elegante am Sex ist, dass diese drei wesentlichen Elemente durch die sexuelle Situation an sich auf natürliche Weise ermöglicht werden. Sobald wir uns aufmachen, unser unschuldiges, natürliches, egoloses Selbst im Sex wiederzuentdecken, begeben wir uns in einen Bereich, in dem die Zeit verschwindet und Glückseligkeit sich ausbreitet.
Eine Frau berichtet von ihrer Erfahrung
„Ich hatte dieses Energiefeld jenseits unserer Körper sehr stark wahrgenommen und sah unsere beiden Körper in diesem Raum von Energie. Komischerweise passierte das, als mein Partner sich total unglücklich fühlte und überhaupt nichts davon mitbekam. Ist das möglich? Es erinnerte mich an ähnliche, frühere Erfahrungen, als ich oben auf dem Mann lag, ohne mich zu bewegen, während er noch in mir war. Ich war in seliger Freude, und er fing unter mir auf einmal an zu schnarchen! Er war überhaupt nicht da, zumindest nicht bewusst. Ich dachte dann immer, ich hätte mir diese Seligkeit und diese Energien nur eingebildet, und habe es sofort gestoppt.“
Zwei Magnete treffen sich an den Gegenpolen
Obwohl wir Frauen also im Grunde auto-ekstatisch sind, können wir uns dennoch mit den Männern zusammentun, um unseren inneren Gegenpol lebendig werden zu lassen, um unsere innere Quelle der Ekstase aufzuwecken. Aus dem oben Gesagten folgt, dass der Mann – die uns entgegengesetzte gleichwertige Kraft – in seinem Körper die umgekehrten Magnetpole aufweist. Sein positiver Pol ist der Penis, der physisch zur Penetration der Vagina geschaffen ist, und sein negativer Pol sind Herz und Brustkorb. Wie bei der Frau bewegt sich auch beim Mann zwischen diesen beiden Polen ein elektromagnetischer Strom, ein ekstatischer Energiefluss.
Im Vergleich zur Frau steht der männliche Magnet „auf dem Kopf“, also in umgekehrter Position. Sobald Mann und Frau sich gegenüberstehen, treffen sich ihre inneren Magnete an den entgegengesetzten Polen – die negative Vagina und der positive Penis, die positiven Brüste und der negative Brustkorb.
Deshalb vermeiden viele Menschen enge Umarmungen, außer mit ihrem Intimpartner. Und selbst da sehe ich viele Paare, die ihr Becken aus der körperlichen Umarmung heraushalten, einfach aus lebenslanger Gewohnheit. Wir vermeiden Berührung und Druck zwischen den Geschlechtsorganen und der Brust, weil dort eine so machtvolle polare Verbindung besteht, und wenn wir Bekannte oder Fremde umarmen, ist eine solche Verbindung in der Regel nicht angebracht.
Kommen zwei Magnete einander näher, sodass ihre entgegengesetzten Pole einander gegenüberliegen, entsteht eine ungeheure gegenseitige Anziehungskraft. Andererseits stoßen Magnete, deren gleiche Pole sich näher kommen, einander ab und drücken sich weg. Berühren sich aber die zwei Magnete an den entgegengesetzten Polen, so wird das Magnetfeld enorm verstärkt. Tatsächlich ist das Magnetfeld dann viel größer und intensiver als nur die Summe seiner beiden Elemente.
Die magnetische Anziehungskraft beruht auf dem Zirkulieren der elektromagnetischen Energie, die zwischen zwei Magneten erzeugt wird, wobei der Strom an beiden Enden jeweils vom Plus zum Minus (vom Mann zur Frau) und vom Plus zum Minus (von der Frau zum Mann) fließt.

Abb. 4.2 Gegensätzliche weibliche und männliche Polarität mit Magnetstäben und dem dadurch entstehenden potenziellen Energiekreis – bei der „Yab-Yum"-Position.
Die Frau bringt die durch die Vagina empfangene Energie in den Kreislauf zurück, indem sie diese nach oben leitet und über ihre Brüste zum Mann strahlt, weil Positiv zu Negativ hinfließt. Der Mann strahlt von seinem Penis in die Frau hinein und empfängt entsprechend von der Frau durch sein Herz. Dadurch entsteht ein reziproker Kreis, eine kreisende Energie.
Beim körperlichen Kontakt durchlässig werden
Paare können die Macht und Anziehung dieses Phänomens fühlen, wenn sie einander gegenüberstehen, selbst wenn ihr Abstand ein bis zwei Meter beträgt. Manche Paare finden es sogar leichter, den Energiekreis aus der Distanz zu fühlen, als wenn sie im direkten Körperkontakt sind. Denn sobald sie sich körperlich einander nähern, werden sie leicht durch andere Dinge abgelenkt: Angst vor wirklicher Nähe und Offenheit, die Befürchtung, nicht wirklich akzeptiert zu werden, oder die Sorge, die Berührung könnte zu fest sein und so die feineren Empfindungen im Energiefeld zwischen den Körpern abtöten. Darum empfiehlt es sich, beim direkten körperlichen Kontakt, etwa bei einer Umarmung, ein Gefühl von Durchlässigkeit herzustellen.
Die körperliche Berührung sollte behutsam sein, weil die feineren Empfindungen sonst leicht überdeckt werden. Wenn dich ein Mann mit festem Druck in die Arme nimmt, wirst du diese Umklammerung nicht lange aushalten können. Nach wenigen Sekunden wirst du das dringende Bedürfnis haben, dich in deine eigene Energiesphäre zurückzuziehen. Es fühlt sich einfach zu körperlich und zu grob an, und du kannst eine solche Umarmung nicht wirklich genießen, speziell nach der ersten Wiedersehensfreude und dem Begrüßungskuss. Es sollte immer diese Qualität von Durchlässigkeit vorhanden sein, wobei jeder den Energiekörper des anderen respektiert, der über die körperlichen Umrisse weit hinausreicht.
Eine durchlässige Umarmung kann man stundenlang aufrechterhalten, und dann können die Energiekörper immer tiefer miteinander verschmelzen. Normalerweise achten wir, sobald wir in Körperkontakt sind, nicht auf den Energiekörper des anderen. Aber jeder von uns besitzt einen solchen Energiekörper, manche Menschen sind sich dessen stärker bewusst und dafür empfindsamer als andere.
Wenn wir feinfühliger für uns selbst und unseren Partner werden, entwickeln wir eine Sensibilität für die wahre Vereinigung zwischen Mann und Frau. Der Mann als positiver Pol gibt der Frau, und die Frau als negativer Pol empfängt vom Mann. Durch ihr Empfangen wird sie mit Energie aufgeladen und gibt diese Energie an den Mann zurück. Auf diese Weise bekommt er von ihr zurück, was er ihr gegeben hat. Also empfängt der Mann durch das Geben und die Frau gibt durch das Empfangen. Wenn der Mann verstanden hat, wie er mit dem Körper der Frau auf dem Wege der Polarität kommunizieren kann, kommt die Liebe, die er ihr gibt, von der Frau wieder zu ihm zurück.
Es heißt, dass ein buchstäblicher Lichtkreis zwischen einem Paar zu zirkulieren beginnt und sie anfangen, Licht auszustrahlen. Dieses Bild kann als Inspiration dienen, doch das Erreichen dieser höheren Dimension erfordert eine lange Vorbereitung und liebevolle Geduld.
Das Kreisen der Liebesenergie
Das Bild des Energiekreises kann für dich hilfreich sein. Mit der Zeit und durch Üben kann ein solcher Kreis entstehen, aber er ist nicht ein Ziel an sich. Wenn der Mann seine Frau als einen ebenbürtigen komplementären Gegenpol erlebt und behandelt, entsteht Liebesenergie in ihr, die sie ihm über ihre Brüste und ihr Herz zurückgibt. Damit ist die zweite Hälfte des magnetischen Kreises vollständig. Die inneren und äußeren Magnete befinden sich in Übereinstimmung miteinander. Dies geschieht wie von selbst, sobald Mann und Frau die Grundelemente entsprechend ausrichten. Wenn sich ihre beiden Magnetstäbe an den entgegengesetzten Polen treffen, kann diese kreisende Energie ins Fließen kommen.
Dieser Kreislauf stellt sich leichter und spontaner ein, wenn Mann und Frau Liebe füreinander empfinden. Wenn die Liebe fehlt, dann treffen sich nur die Sexzentren – ein positiver Pol und ein negativer Pol. Es findet dann zwar ein Energieaustausch statt, aber die Energie bewegt sich nur linear und nicht innerhalb des Kreislaufes. Das ist der Grund, warum Sex ohne Liebe nie sehr befriedigend sein kann. Eine Weiblichkeit, die auf innerer Bewusstheit beruht, ist auf wundersame Weise magnetisch.
Der innere Fokus und die Freude einer in sich selbst ruhenden Frau haben eine unausweichliche Wirkung auf den Mann als gleichwertigen komplementären Gegenpol. Ein Mann kann sich auf überwältigende und unwiderstehliche Weise quer durch einen ganzen Raum zu einer bestimmten Frau hingezogen fühlen. Plötzlich ist da eine Weite, ein Vakuum, ein Gefäß, in das seine Energie mühelos hineinfließen kann. Wenn die Energie des Mannes von der Frau aufgenommen, absorbiert und an ihn zurückgegeben wird, stellt sich bei ihm ein Gefühl des Zur-Ruhe-Kommens und eine tiefe Befriedigung ein. Eine Frau, die auf diese Weise geliebt wird, wird selbst zur Liebe. Ihr Herzzentrum erlangt eine immer stärkere Ausstrahlung. Dann kann ein orgasmischer Zustand eintreten, indem beide sich einfach entspannen und auf die elektromagnetischen Energien zwischen der männlichen und weiblichen Energie vertrauen.
Die sieben Chakras
Der positive und der negative Pol passen auch in das esoterische System der sieben Energiezentren (Chakras), die es im Körper gibt. Diese sind mit fünf weiteren Energiezentren verbunden, die unseren Kontakt zum kosmischen Bewusstsein, zur Schöpfungsenergie herstellen. Das erste Energiezentrum liegt in der Gegend des Damms (Perineum), im Genitalbereich des Körpers. Das zweite befindet sich wenige Zentimeter unterhalb des Nabels und wird auch Hara genannt. Das dritte Zentrum ist das Sonnengeflecht (Solarplexus). Das vierte Zentrum ist das Herz. Das fünfte ist die Kehle. Das sechste ist das „dritte Auge“, zwischen den Augenbrauen. Das siebente liegt am Scheitel des Kopfes und heißt auch Scheitelzentrum oder Kronenchakra.
Im weiblichen Körper ist das erste Chakra negativ (Vagina), das zweite positiv, das dritte negativ, das vierte positiv (Brüste), das fünfte negativ, das sechste positiv, das siebente negativ. Im männlichen Körper ist es umgekehrt, beginnend mit dem ersten Chakra als positiv (Penis), und aufsteigend abwechselnd negativ und positiv, wobei das vierte Chakra (Herz) negativ ist.
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