Read the book: «Die Seidenstraße – gestern - heute - morgen»

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Cornelia Reiwald

DIE
SEIDENSTRAẞE
GESTERN – HEUTE – MORGEN

EINE INSPIRATION FÜR IDEEN UND DIE ZUKUNFT

Copyright: © 2021 Cornelia Reiwald

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Für Dunja, Antonin, Anda und Noemie meine Familie und Menschen aller Couleur

Alles was man schreibt und liest, ist eine Interpretation. Wir wissen so wenig. Dieses Buch ist ein ernsthafter und humorvoller Wegbegleiter auf der Seidenstraße. Öffne es zufällig oder suche nach Kapiteln. Lass dich inspirieren, die Seidenstraße ist ein langer Weg von Afrika über China und Südostasien in die Zukunft.

Peter Frankopan und Yuval Noah Harari sowie die Seidenstraße-Reise führten zu diesem Buch.

Ich bin Reporterin, Schweizerin, und lebe in Südostasien.

What will you give up to succeed

Jack Ma

VORWORT

Die rapide Entwicklung der Seidenstraße und Chinas verändert den Westen und die Welt. Plötzlich heißen sie nicht mehr Peter oder Elisabeth aber Wang, Youmei, Yuma, Kenai, Nevis, Lootah, Zuni, Alani, Alaula, Kahula, Haku, Hakon, Jörmingandr, Amon, Nika, Akuma, Yara, Ebru, Mayla. Ihre Hautfarbe ist bunt. Sie wohnen über die ganze Seidenstraße verteilt, studieren, lernen, reisen und wollen wissen. Es sind flexible Chinesen, Araber, Russen, Inder, Afrikaner oder Zentraleuropäer aller Religionen an der Spitze von Unternehmen, Banken, Start-ups, Wissenschaft und Politik sowie Service-Anbieter. Ihre Namen haben einen Bezug zur Natur. Dekadenz, Diskriminierung oder Rassismus kennen sie nicht. Sie arbeiten und leben miteinander, ihre Vitalität setzt sich aus allen Kulturen zusammen. Die Seidenstraße ist ihre Heimat. Ihre Inspiration ist die Zukunft.

Ehe wir uns auf Mond und Mars installieren, müssen wir die Menschen auf der Erde ernähren. Die Welt altert, selbst in Afrika und dem Mittleren Osten sinken die Fertilitätsraten, während in China seit Neuestem drei Kinder erlaubt sind. Maßstäbe der Zukunft sind unberechenbar.

Die Entwicklung der Seidenstraße von Afrika bis zur Beringstraße, Russland nach Alaska, hat unglaubliches Potenzial und bietet Konnektivität aller Spezies der Welt. Seit Jahrzehnten wurde daran gebastelt, bis der chinesische Präsident Xi Jinping im Jahr 2000 die Idee des Ost-West-Austausches oder die Neue Seidenstraße ausrief, die Jahrtausende alte Geschichte der Seidenstraße in die Zukunft versetzte, wiederbelebte und alle Länder einlud mitzumachen. Anfänglichem Tumult folgte Interesse, immer mehr Länder machten mit, die Straße weckte den Bedarf von Wirtschaft und Wissenschaft. Investitionen überholten Neinsager. Kritik folgte Interesse und Präsenz. Die Seidenstraße vermeidet es, zum Medienspektakel zu werden, auch wenn bald so gut wie jedes Produkt bei uns dort produziert wird und über die Straße reist. Chinas Macht beeindruckt und fordert heraus. Einen Weg zurück gibt es nicht.

Verfolgt man die westlichen Medien, glaubt man sich in zwei Welten: der alte, starke, reiche, laute, bequeme, arrogante weiße Westen gegen den sich rapide und kolossal schnell entwickelnden, prickelnden, unbequemen, unbekannten, kreativen, immer selbstsicheren Osten. Es wird nicht lange dauern, bis Belgrads Jugend den Campus der Fudan, einer der weltbesten chinesischen Universitäten, als Bereicherung verstehen oder mit der Highspeed-Bahn nach Belgrad surfen wird.

Von den Uiguren zu den Olympischen Spielen, Hongkong, das Südostasiatische Meer, TikTok, Wirtschaft und Handel … der Westen greift China an. Was hat er zu bieten? Demokratie ernährt die Welt nicht.

Die Vergangenheit der Seidenstraße ist so faszinierend wie ihre Zukunft. Das Buch mischt auf – Forschung, Wissen, gestern, heute, morgen, suchen, staunen und lernen, von Archäologie zu Highspeed, von berühmten Feldherren zu moderner Kriegsführung, vom Rad zum Internet der Dinge, von der Ruine zur Smart-City. Die Karte der Seidenstraße und ihrer Grenzen wurde immer wieder neu gezeichnet und noch heute rütteln Vergangenheit, Religion und Politik daran. Die Seidenstraße bewegt sich ständig, verzweigt sich und wird zum immer größeren Netz. Der Input aller Länder ist anregend; nicht nur die Jugend einer ganzen Straße horcht auf und interessiert sich für saubere Luft, Erhaltung der Natur, Ausbildung, Business, Flexibilität. Sport und Tourismus. Vieles ist neu und spannend, schon da oder unterwegs, der Reisende staunt über Infrastruktur, IT, AI, Nano, Forschung, Universitäten und immer neue und schnellere Ideen. Neben alt explodiert modern. Museen stehen neben Silicon Valleys, gigantische Transportnetze über Land, Gleis, Meer, Pipelines und Luft werden ausgebaut. Das Netzwerk Seidenstraße überzeugt jeden, der an die Zukunft glaubt.

Von Timbuktu/Afrika über Europa, den Mittleren Osten, Zentralasien, Indien, China, Südostasien bis Russland, über oder unter der Beringmeer Enge nach Kanada bis nach Amerika wird die Seidenstraße zur Interkontinentalen Straße des Friedens rund um die Welt. Seit 1905 bzw. 2007 gibt es Tunnelpläne vom russischen Tschukotka/Jakutsk nach Alaska, wo Eskimos ihr Land beschützen. 6000 km Autobahnen auf beiden Landseiten sowie ein breitspuriger Highspeed-Zug, Stromleitungen, Pipelines und Datenkabel sollen unter den Diomedes-Inseln von Ost nach West führen. 2011 gab Dmitri Medwedew grünes Licht für den Tunnelbau.

In zwei Tagen würde der von chinesischen Ingenieuren konzipierte Hochgeschwindigkeitszug über 13.000 km von Nordostchina über Ostsibirien, Alaska und Kanada die USA erreichen und 70 Millionen Tonnen Fracht pro Jahr über die Seidenstraße transportieren. Das fantastische 100-Milliarden-Dollar-Projekt wartet auf Zusammenarbeit der betroffenen Länder, die hinter verschlossenen Türen planen. Der Tunnel wird kommen, auch im Rahmen eines globalen neuen Bahnkonzeptes, dem Talpino Öko Trans. Aus dem Beringstraßentunnel werden die Seidenstraße, Russland, China, und die ganze Welt enormes Potenzial schöpfen.

Aber der Westen, bisher Alleinherrscher, kann sich eine neue Welt nicht vorstellen und hält am Alten fest, während die Jugend neugierig nach Osten drängt und die ganze Welt umarmen will. China und alle Länder der Seidenstraße fordern den Westen heraus, ihre Welt ist die von morgen. Berlin, Paris, New York sind perfekte Klassiker, aber Schanghai, Dubai, Tel Aviv, Seoul, Tokyo, Damaskus, Beirut sind tausendmal anziehender und interessanter. Jung und Alt will sie sehen, erleben und erobern. Statt zu kooperieren sucht der Westen Konkurrenzprojekte und vergisst, dass die Seidenstraße asiatisch ist und die Beringstraße uns alle zu Verwandten macht.

Einst waren wir alle schwarz und lebten in Afrika, bis uns Schimpansen die Wanderlust ergriff und wir uns vor mehr als 150.000 Jahren auf die Reise begaben. Der Weg nach Osten nahm kein Ende, wo führte er hin? Man war jahrelang unterwegs. Schimpansen wurden zu Homo sapiens. Im kalten Norden warf dieser sich Felle über seine Haut, die dadurch immer heller wurde, während die südlich Wandernden ihre braungetönte Haut unter der Sonne behielten. Schnee im Norden ließ die Augen ohne Sonnenbrille schmaler werden, die Südländer behielten runde Augen. Multikulturelle, verschiedene und bunte Menschen entstanden. Sie wanderten, ritten, schwammen, wateten durch damals noch niedrige Meere, bauten Holzboote, Flöße oder Schiffe. Die Homo sapiens erreichten den Mittleren Osten, die Mongolei, Russland, China, Formosa/Taiwan und begannen die Besiedelung der 7500 Inseln im ozeanischen Meer. Sie entdeckten die Beringstraße und dessen niedriges Wasser, überquerten es und waren in Alaska/Amerika, das sie besiedelten und wo man sie später Eskimos nannte, während andere nach Südamerika wanderten, wo man sie Indianer nannte, weil man glaubte, sie stammten aus Indien.

Inzwischen hatten sich den afrikanischen Auswanderern unterwegs Europäer, Zentralasiaten, Russen, Asiaten aus China, Araber und Mongolen angeschlossen. Schamanismus und Natur waren ihr Glaube. Sie fühlten sich verwandt und wussten bald nicht mehr, wo sie herkamen. Die Seidenstraße bis Amerika wurde zu ihrer Heimat. Sie gründeten Stämme und Völker, eine Mischung aller Rassen, die sich erst ums Überleben, später für Ruhm und Gold bekämpfte, aber nie im westlichen Stil kolonisierte.

Der Zusammenprall der Kulturen fand im 17. Jahrhundert statt, als die Europäer mit Kolumbus, Vasco da Gama, Magellan, den Missionaren und anderen weißen Eroberern die schwarzen Wilden zähmten, versklavten, verkauften und Land wie Ureinwohner zu ihrem Eigentum erklärten.

Es folgte die Einwanderung der Europäer, die Amerika zur Supermacht entwickelten und die übrig geblieben Ureinwohner in Reservate ohne Rechte verpflanzten. Es bleiben heute etwa 500 davon in ständigem Kampf um ihr eigenes Urland mit einem weißen Besitzer. Die Geschichte der afrikanisch-asiatischen Ureinwohner wird bis heute verschwiegen. Die Macht Amerikas war und ist weiß und trägt noch heute meist europäische/christliche Namen.

Die indigenen Nachkommen horchen auf, Ausbildung und Wissen verlangen ihre Rechte. Ureinwohner wehren sich 2021 gegen einen Amazon-Campus in Südafrika, Stamm gegen Staat ist in Bewegung, die Jugend steht auf.

Die etwa 40 Millionen Schwarzen in Amerika stammen von den 6,5 Millionen Menschen ab, die während des atlantischen Sklavenhandels 1619–1808 von europäischen Menschenhändlern nach Amerika verschleppt und dort ausgebeutet wurden. Noch heute sind sie Bürger zweiter Klasse. Der Mord an George Floyd wird daran wenig ändern.

Im 19. Jahrhundert und mit den chinesisch amerikanischen Seehandelsbeziehungen sowie dem Goldrausch kamen Chinesen, die sich bald zum Mittelstand emporarbeiteten und heute etwa 3,3 Millionen zählen. Wieder waren Hautfarbe und das Asiatische den Weißen Amerikanern unsympathisch und so entstanden die Chinatowns. Angriffe auf Asiaten während vor und nach COVID zeigen den bestehenden Rassismus.

Organisationen versuchen, den Nachkommen der Ureinwohner ihre Rechte einzuräumen. Man spricht von bis zu 5000 Völkern weltweit. Etwa 100 unkontaktierte Gruppen leben in Brasilien. Wer sich ihnen nähert, wird mit Pfeil und Bogen angegriffen. Im Amazonas-Gebiet und in Neuguinea leben kleine Stämme, die in Ruhe gelassen werden wollen und es gibt vereinzelte Einsiedler in Höhlen. In Malaysia, Vietnam oder auf den Andaman-Inseln oder Südamerika leben Indigene, die traditionelle Kultur bewahren. Es gibt sie auch in Afrika, Australien, Ozeanien und Asien. An der Bering-Meerenge leben 125 Eskimos, die das Land als ihres betrachten. Ihr Recht ist das der Selbstbestimmung. Öl, Gas, Palmplantagen oder Holz Nutzung und Straßen vertreiben sie und andere Indigene, Missionare verbinden Krankheiten mit der Außenwelt. Abgelegen leben Ureinwohner in den Bergen der Seidenstraße. Manche werden in die Stadt umgesiedelt oder sie ziehen weiter. Die Entwicklung der Seidenstraße stellt sie und die Regierung vor Fragen. Bei einem DNA-Test würden sich viele von uns über ihre Herkunft wundern.

Für Westler sind Ureinwohner Exoten, die der Wirtschaft und dem Tourismus dienen sollen, was überall bereits geschieht. Viele Indigene akzeptieren das aber nicht, sie wollen frei leben. Entwicklung ist unvermeidlich, wir können alle voneinander lernen. Es gibt viele Wege in die Zukunft. Die Türen der Seidenstraße sind halb geöffnet, man drücke sie auf und entdecke.

Der moderne Mensch verdankt den Ureinwohnern seine Existenz und sein Wissen, dessen sich die Bewohner der Seidenstraße unbewusst bedienen. Ihre erfinderische Natürlichkeit, Respekt vor dem Älteren, Tausende Jahre alte integrierte Philosophie, Dinge oder Menschen als gegeben annehmen, hart arbeiten, Natur ist Leben, Leichtigkeit des Seins, Geduld oder Vergänglichkeit … Ost und West können voneinander lernen.

Die weiße westliche Überheblichkeit ist tief verwurzelt, aber die junge Generation geht mit Hautfarben und Kulturen anders um. Sie reist und sieht Fakten. Die Verschieden- oder Andersartigkeit der Menschen, Toleranz und Akzeptanz anderer Auffassungen machen uns reich. Die bunte Seidenstraße wird die Uniformierung der westlichen Welt und ihre Dogmen verändern, verjüngen. Kinder und Jugend sind unterwegs, die Zukunft neu zu gestalten.

Smart-Citys im Westen haben den perfekten, etwas langweiligen klassischen Touch, während der Osten oder China, Yanbu, oder Neom – eine Saudi- und internationale Stadt in der Wüste Tabuk am Roten Meer mit einer Million Einwohnern, 170 km lang, hyper connected, ohne Straßen und Autos, international finanziert – oder Singapur weit kreativer sind, weil sie als Rohentwurf starten müssen. Politisch unmotiviert arbeiten sie mit Firmen weltweit. China und die USA ergänzen sich in digitaler Infrastruktur, die installierte westliche Konformität gibt es nicht. Internationale Firmen und Wissenschaftler, Forscher, Erfinder arbeiten unabhängig. Europa schläft nicht. Dänemark baut eine grüne Offshore-Insel ins Meer wie in Dubai. Briten, Iren, Deutsche entwickeln digitale Ruhepausen für Bienen, andere Tiere oder die Landwirtschaft, die ähnlich deren gesundes Wachstum fördern. Der Wettbewerb der Wissenschaftler auf der ganzen Welt ist angekurbelt. Tokyo, Chongqing, die größten Städte der Welt entwickeln Smart-Citys mit grüner Lebensqualität. Sie sind nicht allein. Die Welt spielt mit. China, dessen ökologische Entwicklung allen anderen voraus ist, inspiriert die Seidenstraße.

Die Entwicklung Afrikas und des Mittleren Ostens steht nicht hinten an, sie ist Chance und gleichzeitig Grund für radikalen Fundamentalismus. Die Realität ist nicht schwarz und weiß. Beispiel: Afghanistan, wo die Bürger unter den Taliban und der Regierung in Kabul oder in entlegenen Dörfern leben. Nach westlichem Hin und Her und schließlich Abzug, wird nun über Frieden in Qatar verhandelt. Islamisten wollen an der Macht teilhaben, ernst genommen werden. Sie sind brutal und gutmütig, Bärte dürfen gelegentlich rasiert werden, Straßen, von Kabul finanziert, werden akzeptiert, weil man sie braucht. Schulen werden geöffnet und geschlossen, Mädchen hier eingeschult und dort nicht. Die Gesundheitsversorgung ist ungenügend, die Armut groß, aber die meisten können damit leben. Versteckte Fernseher zeigen das Öffnen der Saudis, deren Smart-Citys nicht mit eingesperrten Frauen einhergehen. Die Jugend in Afghanistan will an der digitalen Welt teilhaben, radikalen Islam gegen Freiheit eintauschen. Vom Leben der Vergangenheit auf den Bergen in die Zukunft der Smart-Citys?

Mohammed bin Salman Al Saud, Kronprinz von Saudi-Arabien, modernisiert sein Land und spielt eine immer größere Rolle auf der Seidenstraße. SeineVision 2030 ist die größte arabische Freihandelszone, Neom oder Davos in the Desert, Rechte für Frauen, Visa für Ausländer, FDI (Foreign Direct Investment), der Hochgeschwindigkeitszug nach Mekka oder Korruptionsbekämpfung – der Prinz verteilt gerade Friedenszweige an Israel, das in Dubai eine Botschaft eröffnet, an Ägypten, Iran, Syrien, Jemen, Oman, setzt deutliche Zeichen eines modernen Islam und öffnet damit Türen auf der Seidenstraße.

SEIDENSTRAẞE

Es war einmal Amerika … Heute sind es Tokyo, Schanghai, Xian, Seoul, Manila, Jakarta, Almaty, Kashgar, Kiew, Nowosibirsk, Islamabad, Samarkand, Teheran, Baku, Oman, Israel, UAE, Istanbul, Kairo, Belgrad, Budapest, Prag, Piräus, Triest, Alexandria, Axum, Dschibuti, Timbuktu …

Die Jahrtausende alte Seidenstraße führt in die Zukunft. Große Veränderungen und der Wechsel vom Zentrum der Macht in den für viele so unbekannten Osten sind eine Erfrischung, die wir nötig haben, in einer Welt, die sich schneller denn je verändert und deren Zukunft die NextGen begeistert.

Was und wo ist diese Straße? fragen die einen, während andere mit ihr vertraut sind. Wann, warum und mit wem entstand die Seidenstraße? Warum gestalten wir sie neu? Dieses Buch ist ein Einblick in die größte Kulturgeschichte der Welt, von der Wiege bis heute, ohne die man die Zukunft nicht mehr planen kann.

Es war einmal und ist immer noch Amerika, aber heute ist es Asiens Jugend, die uns alle herausfordert. Sie sucht und findet ihre Rolle im Weltgeschehen, schnell und anders. Asiatisch, chinesisch, zentraleuropäisch, afrikanisch. Sie sind die Bewohner der Seidenstraße, Hautfarbe egal, sie reden mit, ohne sich unterzuordnen.

Chinas Idee, diese Straße wiederzubeleben, stieß auf Misstrauen bei allen, die sich bald des Pharaonismus bewusst wurden. Man kritisiert, was man nicht kennt. Aus Jahrtausende alter Geschichte, Wissenschaft, Philosophie und Kultur wird Zukunft und Inspiration – die Welt von morgen.

Das Buch ist ein Puzzle, das man selber zusammensetzt und an dem wir alle teilnehmen. Man erlebt die Seidenstraße gestern und morgen. Von Südostasien nach Xian, von Konstantinopel nach Ägypten und Timbuktu oder Mali: Diese Straße läutet das Jahr 3000 ein. Wir sind alle Nomaden mit Ursprung Seidenstraße.

Es ist an der Zeit, die Weltordnung auf den Kopf zu stellen. Nicht mit Revolution auf der Straße, aber mit Ideen. Es gibt sie und sie sind überall. In Shenzhen/China soll die obligatorische Schule bald zwölf Jahre dauern. Wissen gibt Kraft und Macht. Fast jeder Chinese studiert und ist auf der Überholspur. Die Seidenstraße folgt. Wir gestalten die Zukunft, die Natur hat das letzte Wort. Ist Asteroidenabbau und Gier nach Rohstoffen die Antwort?

Facebook, Google, Alibaba, Amazon glaubten sich unbezwingbar. Sie werden angeknackt von ByteDance, TikTok und Start-ups, die flexibel den Mächtigen auf die Füße treten: Es macht mehr Spaß zu kreieren als Geld anzuhäufen. Politik ist kein Thema, sie wollen die Welt und sich selber amüsieren; die Seidenstraße zählt 65 % der Weltbevölkerung.

Alte Giganten wie Microsoft oder Disney diversifizieren, oft mit Produkten, die keiner versteht. Alt klammert sich an alt. Bewegung ist gesund. Eine Minute TikTok zum Frühstück erfrischt. Es gibt TikTok-Karrieren, die TikTok-Queen, den Rapper Lil Nas X mit seinem Lied Old town Road. TikTok bietet Grass root und NGO-News, Ausbildung, Macron lädt ein Coronavideo hoch, TikTok oder ByteDance haben ein massives Potenzial, das weit über ein soziales Netzwerk hinausgeht. TikTok überholte im September 2018 Facebook, Instagram, YouTube, Snapchat bei den Downloads. Eine Milliarde Videos werden jeden Tag geladen.

»Stay hungry, stay young«, sagt der 36-jährige Zhang Yiming, der Gründer von TikTok der in China und Amerika IT studiert hat. »Junge Menschen haben andere Regeln und Gesetze, weniger Ego, arbeiten hart und machen keine Kompromisse.«

Der Bedarf an klugen Bildungszentren ist riesig. Die YoYo-Ma-Stiftung spendet 2021 drei Millionen USD für die musikalische Ausbildung von Kindern auf der Seidenstraße. Die Liste der Sponsoren ist lang.

Es ist wie Flut und Ebbe: Zeiten ändern sich, wir werden uns daran gewöhnen, dass es nicht mehr Washington, sondern Beijing heißt.

Die Seidenstraße ist eine Schule des zauberhaften Wissens.

Arkadiy Petrov

ÄTHIOPIEN, ABESSINIEN

Äthiopiens Geschichte oder die des Horns von Afrika ist nicht einfach zu beschreiben, jeder erzählt sie anders und alle haben recht.

Die einstige Nil-Region, Sahara-Wüste oder Alt-Libyen wird schon in der Ilias von Homer und in der Odyssee erwähnt. Herodotus nannte die Region nicht bewohnbar, nachdem er dorthin gereist war und Menschen in Hütten sah. Später nannte man es Maghreb oder alles, was westlich vom Nil liegt. Der Name Äthiopien kommt vom Griechischen mit Bezug auf dunkle verbrannte Menschen. 500 v. Chr. schreibt Hecetäus, die Menschen hätten Füße, groß genug, um Schatten zu spenden. Später las man in Reiseberichten, es gäbe auch helle und olivfarbene Menschen.

Äthiopien, einst das Königreich Aksum, liegt am Horn Afrikas und beherrschte die Küste vom Roten Meer über den Golf von Aden zum Indischen Ozean bis ins 9. Jahrhundert. Aksum war ein gigantisches alles eroberndes Reich, das im 4. Jahrhundert christianisiert wurde und dadurch gute Beziehungen zu Ägypten und Byzanz sowie dem Süden Arabiens hatte, wo es Jemen zum Vasallen machte. Ende des 6. Jahrhunderts machten es die Perser dem Aksum-König immer schwerer und übernahmen die ganze Macht im 8. und 9. Jahrhundert. Es folgten die Osmanen, die Tigray und andere Stämme oder Monarchien bis zum äthiopischen Königreich 1844, das alle Länder zusammenfügte. Im Kampf um Afrika schafften es nur Äthiopien und Liberia, nicht kolonisiert zu werden: Sie führten Krieg und verteidigten sich.

1869, mit dem Suezkanal, begehren die Europäer Äthiopien, welches das koloniale Italien 1896 und 1935–1936 schlägt und die Faschisten hinauswirft. Mit Eritrea und Somalia gründet Äthiopien das italienisch-orientale Afrika, das Haile Selassie 1961 beendet und Eritrea zu einer äthiopischen Provinz macht. Es folgt ein 31-jähriger Krieg.

Eritrea wurde 1993 von Äthiopien unabhängig und behält dabei den Meereszugang mit Dschibuti und Somalia, der Äthiopien abhandenkommt. Seit 1890 herrschte Krieg mit Italien, den die Briten und Franzosen mit Kolonialverträgen 1954 ablösten.

Das faschistische Italien besetzte Äthiopien 1935 im Abessinienkrieg mit chemischen Massenvernichtungswaffen und Giftgas, eine Million Äthiopier kamen ums Leben. Italien wollte Ostafrika erobern.

Äthiopien befreite sich im 2. Weltkrieg und entwickelte sich zum ersten unabhängigen afrikanischen UN-Mitglied. 1974 wurde Kaiser Selassie gestürzt und eine Militärregierung mithilfe der Sowjetunion eingesetzt. Zwei Mal überworfen kam 1991 die Revolutionäre Demokratische Front an die Macht.

Äthiopien liegt am Horn Afrikas ohne Meerzugang, den ihm Somalia, Eritrea und Dschibuti wegnehmen. Äthiopien hat eine drei Millionen Jahre alte Geschichte und Kultur und liegt in den tropischen Breitengraden. Es ist eines der ältesten Länder der Welt und gehört zu den Wiegen der Menschheit.

4 v. Chr. bis zum 10. Jahrhundert n. Chr. gründeten lokale Afrikaner die Stadt Aksum, die sich zu einem der wichtigsten Handelsmärkte für Schildkrötenpanzer, Gold, Smaragde, Elfenbein, Seide und Gewürzen entwickelte. Vom Nil nach Alexandrien bis China wurde über die Seidenstraße gehandelt. Bis zum 9. Jahrhundert n. Chr. herrschte das Reich über das Rote Meer, den Golf von Aden, Somalia und Dschibuti und machte das Meroe-Königreich zunichte. Aksums (2131 m über dem Meeresspiegel) archäologische Stätten sind ein UNESCO-Weltkulturerbe. Das Imperium entwickelte distinktive Architektur und gigantische Obelisken. Einer der ausgegrabenen, beschädigten, wird auf 2000–5000 v. Chr. geschätzt. Die Handelsmacht war eine der vier Weltmächte.

Im 4. Jahrhundert christianisierten sich die Könige von Aksum. In der St.–Mary-of-Zion-Kirche soll der Ark of the Covenant, eine mit Gold besetzte Holztruhe, in der sich die Steintafeln mit den Zehn Geboten befinden, aufbewahrt sein. Dies ist im Buch vom Exodus sowie im Neuen Hebräischen Testament bestätigt. Deshalb ist Aksum ein heiliger Pilgerort für Christen, Muslime und Juden. – Königin Sheba soll nach einem Besuch bei König Salomon in Jerusalem zwei Söhne gezeugt haben, wovon einer in Äthiopien aufwuchs und danach mehrere Jahre beim Vater in Jerusalem lebte, von wo er die Tafeln nach Aksum brachte.

Aksum verband sich mit dem byzantinischen Ägypten und machte Jemen zum Vasallen. Im 6. Jahrhundert wurde das Reich von den Arabern geschlagen, diese machten dem Handel vorläufig ein Ende. Aber das Christentum installierte sich solide, Jahrzehnte lang. Lokale Geschichten erzählen von einer jüdischen Königin Judith, die 960 alle Kirchen verbrennen ließ, oder es war eine lokale Herrscherin, sicher ist nur, dass kurz eine Frau regierte.

Das Land entwickelte sich fantastisch, aber verlor im 15. Jahrhundert an Glanz unter dem Islam und wegen Umweltkatastrophen. Mit der Ankunft der christlichen portugiesischen Missionare 1542 entstand dann Uneinigkeit mit dem Islam.

Die Europäer zwingen dem Land Haile Selassie als Regent auf. 1941 befreien die Franzosen und Briten Äthiopien. Eritrea erlangt 1993 die Unabhängigkeit aber Grenzkonflikte führen zu militärischer Intervention.

Äthiopien stellt Militär in Somalia. 2018 schließen alle einen Friedensvertrag. Der neue Premier Abiy Ahmed verspricht viel (wofür er 2019 den Friedensnobelpreis erhielt) und tut wenig. Die ethnische Vergangenheit interessiert ihn nicht. Das Volk ist unzufrieden, es finden blutige Straßenkämpfe statt. Wirtschaft und Tourismus verlieren an Fahrt. Ahmed lässt sich auf keine Versöhnung ein, aber verschiebt die Wahlen 2020 wegen Corona auf unbestimmte Zeit, was die Wut der Menschen noch fördert. Trotz alledem: Abiy Ahmed gewinnt die Wahlen 2021 erneut massiv.

Äthiopien, Sudan und Ägypten streiten um den Nil-Staudamm. Es droht ein Wasserkrieg. Wem gehört das Nilwasser? Nach dem Mord eines populären Musikers und der Entlassung eines Ministers, der für Reformen war, eskalieren die Uneinigkeiten. Auch Corona macht die Zukunft ungewiss.

Äthiopien gehört zu den ersten UN-Mitgliedern, unterstützte die Dekolonisation Afrikas und gründete 2002 die Organisation der afrikanischen Einheit. Kulturell, wirtschaftlich, historisch ist Äthiopien ein wichtiges Mitglied der Seidenstraße am Start des phänomenalen Weges.

Addis Ababa ist eine quirlige, lebendige Hauptstadt mit Menschen aller Couleur, von denen man auf dem Markt nicht genug bekommt. – Man ist in Nordafrika! Das Museum ist ein Highlight, wo man nicht nur die Replika der 3,2 Millionen Jahre alten Lucy, dem aufrecht gehenden etwa zwölfjährigen Mädchen, bestaunen kann. Der älteste moderne Homo sapiens, 160.000 Jahre alt, wurde in Äthiopiens Osten gefunden. In Äthiopien lebten archaische Homo sapiens, die man nicht zuordnen kann. Dies ist noch heute mit den Neandertalern so.

Armut und Arbeitslosigkeit im ältesten unabhängigen Land Afrikas sollten für den ebenso betroffenen Sudan und Ägypten eine Einladung zu Zusammengehörigkeit und Frieden sein. Die Seidenstraße gehört zu den Hoffnungen.

Statt Flieger wählt man den neuen chinesischen Zug von Addis Abeba nach Dschibuti für 36 USD, Einheimische zahlen die Hälfte. 728 km in 12 Stunden. Seit 2018 fährt der Zug zwischen 80 und 100 km die Stunde. Am Anfang wurden Kamele und Ziegen überfahren, die jeweiligen Besitzer der Tiere ausbezahlt. Manche haben die Tiere dafür absichtlich auf die Gleise getrieben, heißt es. Verspätung heißt, unterwegs ins Hotel, das die Chinesen bezahlen und sich der Passagiere annehmen. Immigration, Gepäck, Check-in und Ticket sind durchorganisiert. Es gibt VIP, Dining, Schlafwagen oder harte Sitze. Aus dem Fenster sieht man Afrika vom Feinsten: Wüste, Kamele, Vulkane, Berge, Busch und bunte Dörfer. Eine tolle Fahrt.

Im Norden ist Lalibela ein Pilgerort für koptische Christen und deren im 12. Jahrhundert in die Felsen geschlagenen Kirchen, wo Adam begraben liegen soll. Geschichte und Archäologie faszinieren, man geht auf und ab tief unter die Kirchen.

Man kann trekken, fischen, wandern oder in Wasserfälle tauchen, den aktiven Vulkan bestaunen, eine noch wenig berührte grandiose Natur entdecken und abends erschöpft im Highlife der Stadt untergehen.

In Äthiopien wurde der Kaffee entdeckt, hier gibt es den besten Honig und die schnellsten Goldmedaillen-Sportler. Äthiopien hat den größten Viehbestand Afrikas.

Äthiopien ist ein sicheres Land, aber das kann sich schnell ändern. Vor Abreise gilt es, die Lage zu prüfen.

KELTEN, NEANDERTALER, GOTEN, WIKINGER, HUNNEN, ALEMANNEN

Europas Völker, Stämme und Nomaden lebten während der Eisenzeit 1000 v. Chr. und hatten eine gemeinsame Sprache und Kultur, die man teilweise noch immer in Schottland und Irland spricht. Aus Westfrankreich und Südwestdeutschland strömten sie in alle Richtungen. Sie glaubten an die Druiden (Kult, geistige Elite) oder viele Götter. Ihre Handelsware war Salz, damit wurden sie reich. England, Spanien, Italien und die Kelten expandierten bis nach Kleinasien, kämpften gegen die Römer und Cäsar, gewannen und verloren. Sie waren robust und stark im Kampf gegen die Türken und die Mazedonier, sie gründeten neue Zusammenschlüsse, waren eine Großmacht, bis sie 52 v. Chr. im Römischen Reich untergingen, nur Irland blieb frei.

Die Kelten haben durch ihre Völkerwanderungen bis in die Türkei und Mazedonien und später im Römischen Reich auf der Seidenstraße Kultur und Menschen, Sprache, Handel, Wissen und europäisches Gedankengut hinterlassen. Viele Kelten zogen mit Alexander dem Großen und kehrten nicht in den Westen zurück. In vielen Ländern Europas findet man keltische Architektur noch heute. Man staunt, wie viel keltische Steine da noch stehen und liegen, unter anderem in Stonehenge.

Man nannte sie Vandalen, Barbaren, Germanen, Slaven, Mongolen, Wikinger, Plünderer, Mörder, Diebe, Heiden … die Nomadenstämme der Seidenstraße. Von Sibirien über die Mongolei, Ukraine, Polen, Balkan, Rumänien bis Persien und die Thrakien-Region – von und in Nord- oder Westeuropa verbreiteten sie sich und ihren Terror. Sie eigneten sich an, wovon und was sie gehört hatten, blieben frei oder integrierten sich in die römischen, persischen oder anderen gut bezahlenden Armeen. Steppenvölker mit Frau und Kind, die nichts zu verlieren, aber alles zu gewinnen hatten, die schnell die hohe Kunst von Krieg, Kultur und Politik verstanden. Bald wurde der Sieg über Rom ihr Ziel. Die Germanen aus dem Westen, die Hunnen, Goten und Mongolen aus dem Osten mit ihren eigenen Gesetzen und dem Streben nach Macht. Sie hatten ihre eigenen Götter und Glauben, die Natur war ihr Wahrzeichen. Es wird wenig und nur unklar über Westroms Verteidigung und Versagen berichtet.

Alexander der Große wurde zum Helden, der ganz Asien über Persien bis Rom eroberte. Er war Königssohn, Mazedonier, Grieche und fast Gott. Seine Soldaten waren wild.

Die Neue Seidenstraße bringt die alte Weltgeschichte zu neuem Leben, es sind Erinnerungen die einmal gelebt, beschrieben und viel vergessen wurden. Hochkulturen begannen in Asien, von China über das Perserreich, von Rom über die Levante bis nach Afrika, wo der erste aufrechte Schimpanse sich auf den Weg nach Osten machte. Die Zukunft der Forschung könnte uns überraschen.

Die wilden Goten wurden zu Beratern der Römer, sie hatten Europa im Jahr 300 erobert und nicht nur kulturell zertrümmert. 378 in Hadrianopolis, damals Thrakien, heute Edirne in der Türkei, kam es zur Schlacht zwischen Goten und Römern, die 30.000 Mann und ihr Reich verloren. Es gab römische Verräter und Soldaten oder vertriebene Barbaren überall, sie traten der gotischen Armee bei, um das weströmische Reich zu Fall zu bringen.

Ethnien entlang der Seidenstraße und aus dem Norden Europas gründeten das visigotische Königreich in Ravenna unter dem Motto: Mach Römer aus allen Flüchtlingen. Es gelang nicht immer, aus Freund wurde Feind. Man wechselte Seiten. Barbaren aller Stämme waren überall, sie blieben, zivilisierten sich und wurden reich und mächtig.

Binnen zehn Jahren hatten die Goten 500 Schiffe, Hunderttausende Soldaten und Tonnen Kriegsmaterial, Pferde und Wagen. Sie kämpften, gewannen, verloren, eroberten Rom in zehn Jahren. Sie beherrschten Politik, Kultur, Wissen. Von Westrom zum Balkan.

Das west- und oströmische oder byzantinische Reich fanden nie wieder zusammen, mit dem islamischen Kalifat 711 verloren die Goten an Einfluss. Es entstanden Spanien und Portugal, wo sich viele Goten niederließen und sich in Gold, Metall und wertvollen Steinarbeiten kultivierten. Durch die byzantinisch-westlichen Wurzeln entstanden kulturelle Meisterwerke, die auch in der Architektur des gotischen Mausoleums in Ravenna 520, heute ein Christliches Oratorium, erhalten sind. Römische Paläste wurden von den Goten beschützt und damit für uns erhalten. Kathedralen in Frankreich zeugen von hoher gotischer Kunst. Die Hoffnung auf Wohlstand in einer zivilisierten Welt hatte sich für viele verwirklicht.

Goten behandelten das Volk gut, sie erhoben keine Steuern, niedergelassene Römer unterstanden denselben Gesetzen und wollten nicht nach Hause zurückkehren.

Bis zum 19. Jahrhundert betrachtete Schweden Goten als Teil ihres Volkes, die skandinavische Abstammung konnte nicht bewiesen werden.

Gothic-Rock, Death-Rock, Post-Punk, Ethereal-Welle, Punk und Neue-Romantik-Mode, Farbe Schwarz. Goten beeinflussten die keltische, christliche, ägyptische Mythologie und Paganismus. Gothic beeinflusste Dali, Allan Poe, Oscar Wilde, Baudelaire … Geschichten über Dämonen, Vampire, Geister und Monster. Gothic-Kunst und Kultur gibt es noch heute.

Alle Barbaren haben damit zur Entwicklung Roms und der Seidenstraße beigetragen und eine wichtige Rolle gespielt, Geschichtsbücher ignorieren sie, dabei sind die nordischen Völker bis über die Balkan-Seidenstraße eine fantastische Bereicherung.

Höhlenmalereien von Steinzeitmenschen fand man bis 40.000 Jahre v. Chr. in Südfrankreich, Spanien, Afrika, Südamerika und Asien. Wer hat sie gemalt? Es sind Tiere in roter oder schwarzer Farbe. Der Neandertaler entwickelte sich langsam zum Homo sapiens. Es soll einen Genfluss gegeben haben. Fossilteile wurden bis ins Altai-Gebirge auf der Seidenstraße gefunden. Helle Haut und rote Haare wurden beschrieben. In Zentralasien trifft man sie noch heute. Zur Verteidigung wurden Wurfspeere, Stoßlanzen, Speere produziert. In Jordanien grub man Tausende davon aus. Sie sollen gesprochen haben und entwickelten Stein- und später Knochenwerkzeuge, ein Schritt in Richtung Homo sapiens. Kleider aus Tierhaut wurden ausgegraben.

Die Neandertaler durchlebten Kaltzeiten. Knochen von Feuerstellen zeugen von organisiertem Zubereiten von Mammut und Bären. Das Umgehen mit natürlichen Farben datiert bis 200.000 v. Chr. Gewisse Bestattungen in der Ukraine und in Persien weisen auf Schamanismus hin. Ob Homo sapiens wirklich vom Neandertaler abstammt, weiß man nicht. Es gibt die Hypothese vom multiregionalen genetischen Ursprung des Menschen. Von Afrika über die Seidenstraße nach China gibt es Zeichen dafür. Ehe 120.000 v. Chr. die Seefahrt und 3500 v. Chr. das Rad erfunden wurde, wanderte, paddelte, schwamm und watete der Mensch bereits in alle Richtungen und wunderte sich, wo die Seidenstraße hinführte. Er wusste nicht, woher er kam und wohin er ging.

Sind die Neandertaler vom Homo sapiens ausgerottet worden? Weil sie als grob, dumm, brutal und primitiv eingeschätzt wurden? War es ein Völkermord? Neandertaler waren mutig, stark, muskulös, 160 cm hoch und bis 89 kg schwer. Ihr Hirn war größer als unseres. Damit hätten sie mit dem eher schwachen, aus Afrika stammenden Homo sapiens wenig zu tun. Neandertaler waren exzellente Jäger, sie schliffen Steine schärfer als ein Messer, hielten Familienordnung. Ausgrabungen zeugen von schweren Verletzungen, Jagdunfällen, in Israel fanden Forscher heraus, dass sie sogar singen konnten.

Zwischen Frankreich und Israel fand man zahlreiche Friedhöfe, Beigaben gab es keine. Sie entfernten das Fleisch der Toten, zerbrachen, zerstückelten die Knochen, Schädel wurden separat ins Grab gelegt. Ein Ritual wird vermutet. Neandertaler wurden 35–40 Jahre alt. Sie lebten in Jurten-artigen Zelten aus Mammutknochen, die man in der Ukraine fand. Groß genug für zwei Feuerstellen. Man aß viel Fleisch, um nicht zu erfrieren. Kräuter dienten als Medizin und Mahlzeit, Auseinandersetzungen und Streit gab es mit den Homo sapiens. Noch heute haben etwa fünf Prozent der Menschen ein Neandertaler-ADN. Forscher fanden bei ihnen eine Corona-Resistenz.

Der moderne Mensch stamme vom Homo erectus in Afrika ab, heißt es. Die auf der Seidenstraße, Levante, gefundenen Fossilien deuten auch auf eine andere Herkunft hin: Alle Stämme hätten sich vermischt. Vom Schimpansen stammen wir alle ab. Was ist dazwischen geschehen? Menschen im sibirischen Altai-Gebirge deuten auf Gen-Kreuzungen hin, von Homo sapiens, die über den Mittleren Osten auf der Seidenstraße gewandert sind.

Hunnen sind Mongolen, aus denen sich später die Tataren bildeten. Sicher ist, dass Attila der Hunnenkönig war (siehe Attila).

Die Wikinger oder Normannen kamen vom Nord- und Ostseeraum von 790–1070, manche waren Skandinavier. Sie betrieben Ufer-Raub und Überfälle, sie waren tapfere mutige Seekrieger, auf Plünderungszügen. Der Name Wikinger soll vom Wort Seeräuber kommen … Sie waren die Rebellen von einst, mordeten Mönche und Nonnen, um an deren Gold und Geld zu kommen. Brannten Dörfer und Städte nieder. Die Schweden segelten bis Russland und Konstantinopel und in die Ukraine, die sie zerstörten.

Die Wikinger sind keine Ethnie, kein Stamm oder Volk, sondern eine lose Gefolgschaft, die rasend schnell Sandstrände anpeilte, am Fluss- oder Meeresufer Beute machten und das Weite suchten. Ihre Boote waren wenig Meer-tauglich, sie zogen Flüsse vor. Die langestreckten Boote mit furchterregenden Drachen- und Schlangenköpfen am Bug werden noch heute für ihre Schnelligkeit gebaut und dienen in ganz Asien den berühmten Dragon-Boat-Rennen.

Wikinger wurden schlicht Barbaren genannt, sie dienten als Spione, informierten über Sicherheitslücken in anderen Ländern. Sie waren Diebe und gleichzeitig vorzügliche Händler, die ihr gestohlenes Gut tauschten oder verkauften. Honig, Wachs, Bernstein, Felle, Tierhäute, Waffen, Silber, Seide, Brokat, Gewürze, Helme, Rüstungen und Sklaven. Als ausgezeichnete Segler und Ruderer gelangten sie auf der maritimen Seidenstraße bis China und weiter nach Südostasien. Viele kamen nie zurück, siedelten sich kurze Zeit an, wurden ermordet, ertranken, endeten auf einem Bootsfriedhof.

Von den Alemannen weiß man nicht viel. Im frühen Mittelalter lebten sie in Kantonen, so wie sie es nannten, im heutigen Baden-Württemberg, Bayern, Schwaben, Elsass, Liechtenstein und der Deutschschweiz. Sie sprachen alemannische Dialekte. Im 7. und 8. Jahrhundert vermischte sich Alemannia mit Ostfrankreich, kam im 12. Jahrhundert zurück zu den Schwaben. Die Alemannen setzten sich aus mehreren Deutschen, Helvetiern sowie Stämmen von Main und Elbe, Schwarzwald, Rhein und der Donau zusammen.

Die Geschichte der Alemannen ist in den Byzantinischen Schriften enthalten. Julius Cäsar nahm alemannische Krieger in seine Armee auf, um deren ständige Angriffe auf seine Armee zu vermeiden. Von 259–557 n. Chr. schlugen sich die Alemannen und Rom 14-mal. Das Königreich der Alemannen dauert bis 496, als es von den Ostfranzosen geschlagen wurde und für diese in den Krieg zog. 843 wurde Alemannia eine Provinz unter Louis dem Deutschen, die 1268 verschwand.

Bei einer Schlacht der Römer unter Caracalla an der Donau, 213 n. Chr., waren die Gegner Alemannen. Die römische Armee stand unter dem blutdürstigen Marcus Aurelius, dessen Vater Nordafrikaner, seine Mutter Syrerin und er selber in Lyon geboren war. Die Seidenstraße war ihre Heimat. Marcus Aurelius führte ein Massaker gegen die Alemannen aus, tötete die Menschen in Alexandrien und wurde selber in der Türkei getötet. Sein Traum als Herrscher der Seidenstraße war zu Ende.

Im 10. Jahrhundert wurden Lothringen, Elsass und Aargau vom Burgund beansprucht und der Name Alemanne geriet außer Gebrauch.

ÄGYPTEN

Wann wanderten die ersten Primaten und Westafrikaner in Richtung Kairo, wateten oder ruderten auf einem Holzboot in die Levante?

Als interkontinentaler Staat war Ägypten bereits 12.000 v. Chr. die Landbrücke von Afrika nach Asien, zur Sinai-Halbinsel. Von vor 10.000 Jahren v. Chr. stammen Felsritzungen und Malereien von Nomaden. 3000 v. Chr. gründete Pharao Menes das erste Königreich. Unter ihm breitete sich das Reich bis Assuan aus. Staat, Gesellschaft, Kunst, Soziales und Ziviles, Religion entwickelten sich. 1000 Jahre später entstanden Luxor und Theben. Ägypten wurde zur Hochkultur der Welt. Es verband Nord-, West- und Ost-Afrika mit dem Mittleren Osten und Alexandrien mit dem Mittelmeer. Die Hauptstadt Memphis lag am Nil. Ägypten, das sind die Pharaonen, Jahrtausende alte Monumente am Nil, kolossale Pyramiden, die Große Sphinx, Luxor, Hieroglyphen, der Karnak-Tempel oder das Tal der königlichen Grabmäler. Entstanden aus Zehntausenden Jahren Geschichte. Viel ist geschrieben, wenig weiß man. Man soll Hasen, Stachelschweine, Wildkatzen, Büffel, Gazellen, Krokodile und Elefanten verspeist haben. Fledermäuse? Die Temperaturen stiegen, man zog an den Nil. Man aß Fisch.

Bei Steingrabungen in einem Galerienbau fand man das Skelett eines 165 cm hohen kräftigen Mannes, dessen Kopfform dem ältesten Fund eines modernen Menschen in Europa, in Rumänien gleicht. Es wurden Sichel und Werkzeuge gefunden. Ein Friedhof-Fund zeigte mit Pfeilspitzen getötete Familien, ein Massaker. Hier fand man auch Felsmalereien, datiert auf 10.000 v. Chr. Um 5000 siedelten sich Hirten mit Schafen und Ziegen an. Man fand ägyptische Keramik in immer größer werdenden Dörfern. Der Wassertransport erfolgte in Straußeneiern. Es gab Mahlsteine und Wildgras, Sorghum, aber vor allem Fleisch. Man baute Lehmhütten um 5600 v. Chr. und besuchte die Umgebung am Mittel- und am Roten Meer. Die Keramik wurde raffinierter: Henkelgefäße mit Fischgräten-Muster. Man fand ein menschlich gestaltetes Idol, Schmuck aus Süßwassermuscheln, Straußenperlen, Knochen mit Ösen und Rötel zur Körperbemalung. Aus derselben Zeit fand man bei Kairo bereits hochstilisierte stabile Keramik, auch große und ovale Gefäße. Es gab rote und grau polierte unifarbene Tonkrüge. Kultgefäße fand man keine. Man produzierte trianguläre Spitzen-Pfeile mit langen Flügeln, es gab Sicheln und Bohrer. Es wurde viel Schmuck getragen, Perlen, Hundezähne, Elfenbein, Alabaster, aus Steinen und aus Knochen wurden Geräte gefertigt.

In Ägypten kann man die Entwicklung der Keramik mitverfolgen: Gebrauchskeramik wurde immer feiner, die Bemalung pastös, die Suche nach Qualität ist erkennbar. Die Steingeräte wurden anspruchsvoller. Kleinfunde zeugen später von Menschenfiguren, es gab eingelegte, verzierte Armbänder.

Man aß Fisch, Rind und Schwein.

1650–1000 v. Chr. entstanden Luxor und Theben, die Hauptstädte. Die asiatische Hyksos-Dynastie riss die Herrschaft kurz an sich. Ägypten eroberte sein Land jedoch zurück, unter den Ramses-Herrschern entstand eine gigantische Blütezeit. Architektur, Kunst und Kultur. Von 1347–1338 v. Chr. regierten die berühmte Nofretete und später Tutanchamun. Ägypten war reich an erobertem Gold und Smaragden sowie eigener Wissenschaft. Die römischen Eroberer glaubten ihren Augen nicht und schickten Entdecker auf der Seidenstraße gen Osten über das Rote Meer. Zurück kamen Berichte aus Indien bis China, wo es seit Jahrtausenden Hochkulturen gab.

Es folgte das Ende der ägyptischen Einigkeit, fremde Dynastien wie die Assyrier übernahmen die Herrschaft, sie bauten grandiose Tempel, bis die Perser 525 v. Chr. Ägypten und die Region bis zum Indus eroberten, gefolgt 332 v. Chr. vom Großreich Alexander des Großen, der es hellenisierte und verwaltete. Nach seinem Tod 323 regierte Ptolemaios in Alexandrien und entwickelte den Mittelmeerraum.

Nach dem Tod Kleopatras, der letzten Herrscherin Ägyptens, wurde dieses zu einer römischen Provinz. Die Griechen regierten gefolgt, von den Römern, 69 v. Chr., Byzanz etablierte die koptische Kirche. Es entstand Christlich-Konstantinopel, das die Seidenstraße nach Osten immer berühmter machte.

Ostrom und Byzanz regierten Ägypten, gefolgt von römisch-persischen Kriegen. Nach einem Jahrtausend regierte Persien wieder über das Land am Nil. 630 ging es zurück an Ostrom oder von 359–639 an Byzanz. 17 Millionen Bewohner kamen aus vielen Ethnien und Stämmen und verteilten sich auf 5,5 Millionen m2. Der Einfluss auf die ganze Seidenstraße – vom Austausch des spektakulären Persiens mit Ägypten, Mazedonien bis weit in den Osten, von Griechenland und Rom, wo überall Kultur und zivile, soziale Systeme geübt wurden, wo starke Ordnung und Gerechtigkeit herrschten, wo Philosophen schrieben und lehrten – war gewaltig.

Ägypten wird 640–642 n. Chr. von den Arabern erobert und das muslimische Reich installierte sich. 1517 war Ägypten eine Provinz der Ottomanen. 1869 entstand der Suezkanal. Die Briten dominierten seit 1882 und machen 1922 aus Ägypten ein unabhängiges Königreich mit britischen Truppen im Land.

1936–1952 etablierten sich die Muslimbrüder. 1953 wurde Ägypten eine Republik. Der Assuan-Damm über dem Nil wurde von den Russen finanziert.

1958–1961 wurden Ägypten und Syrien gemeinsam zu einer arabischen Republik unter Präsident Nasser. 1967 schloss Israel, nach dem gewonnenen Sechs-Tage-Krieg, den Suezkanal und besetzte Sinai. Sadat folgte auf Nasser. Ägypten holte 1973 den Suezkanal im Kippur-Krieg gegen Israel zurück. 1981 unterschrieb Ägyptens Präsident Sadat einen Friedensvertrag mit Israels Präsident Begin und Jimmy Carter, für den sie den Friedensnobelpreis erhielten. Sadat wurde im selben Jahr ermordet.

Mubarak wurde Präsident der Republik in enger Zusammenarbeit mit den USA. Er war sehr besorgt um seine Sicherheit, besuchte Israel nie, förderte seine Beziehungen zu Russland und war gegen islamischen Fundamentalismus. Sein Stil war alt-herrscherisch, aber sein Volk war ihm wichtig – solange es ihn nicht verriet. 1982 holte Ägypten den Sinai zurück und wurde in die Arabische Liga integriert. 2011 eskalierten die Drohungen des Volkes, das auf der Straße gegen Mubarak demonstrierte. Mubarak ging, aber die Muslimbrüder erreichten ihr Ziel nicht, es folgte das Militär, 2013 mit der Wahl von General Al-Sisi, der als weit diktatorischer als Mubarak gilt. Heute werden die Armen immer ärmer, die Reichen reicher. Ägypten ist ein gespaltenes Land.

Kairo ist die größte Stadt der arabischen Welt und spielt eine wichtige, politische und wirtschaftliche sowie kulturelle Rolle. Tempel, Universitäten, Museen, Baudenkmäler sowie Moscheen sind beeindruckend. Die islamische Baukunst der Altstadt ist UNESCO-Weltkulturerbe, die Gartenanlagen am Nil fantastisch. Die Infrastruktur für den normalen Bürger oder Besucher ist bescheiden, Fünf-Sterne-Einrichtungen hingegen grandios. Es gibt Versuche moderner Infrastruktur. Es gibt Verbote. Ein Drittel der Bevölkerung ist ärmer als unter Mubarak. Die Infrastruktur ist ungenügend, aber sie bewegt sich in die Zukunft. Kairo ist ein wichtiges Erlebnis und Muss auf der Seidenstraße. Ägypten ist ein sicheres Land, das sich nicht in die Angelegenheiten anderer Länder einmischt.

Krieg und Frieden, Ägypten gehört zur Seidenstraße; Geschichte und Zukunft, das Land hat sein letztes Wort noch nicht gesagt. Alles ist möglich. Lokale Reiseberater werden zu Freunden, Frauen halten sich bedeckt und zurück und behalten damit das Sagen.

VOM URPRIMATEN ZU EINSTEIN

Unsere Urprimaten lebten vor 50–90 Millionen Jahren (oder lange vorher, wie man auch liest) auf der Seidenstraße, es waren die Altweltaffen. Nach der Bewegung der Erdteile verteilten sich die Affen über ganz Asien, von wo sie nach Afrika trieben. Dort wurden sie zu Homo sapiens, von denen wir abstammen.

Alle Affen waren immer schwarz. Erst als Menschenaffen in weniger warme Gebiete wanderten, hellte sich ihre Haut langsam auf. Weiße Haut ist eine rein biologische Anpassungsreaktion auf verändertes Klima. Diskriminierung ist nicht vertretbar. Dem Affen folgten die Lemuren auf Madagaskar vor 40 Millionen Jahren, die einzig in Pakistan Verwandte haben.

Winzige Halbaffen-Fossile, 20 Millionen Jahre alt, fand man in Ägypten. Affenarten können 0,5–275 Kilo wiegen. Alle haben ein Fell, alle klettern auf Bäume. Der lange Schwanz hilft dabei. Manche schlafen auf dem Baum, andere ziehen den Erdboden vor. Sie schlafen bei Tag oder bei Nacht. Sie benutzen ihre vier Beine zum Gehen, Klettern und Springen. Sie lieben Gesellschaft und organisieren sich hierarchisch – Monogamie, Harem, Gruppe, Familie oder Erziehung der Kinder. Sie kommunizieren mit Tönen, Grimassen, Körperhaltungen und Geruch. Sie essen ausgeglichen; Kohlehydrate, Gemüse und Früchte wie wir. Sie sind meist Vegetarier. Alle Affen sind sehr sauber, die Fellpflege wird gegenseitig ausgeführt.

Wie kamen Urprimaten vor Millionen Jahren aus Myanmar/Burma/Asien nach Afrika? Klimawechsel, Erdbewegung und Wanderlust. Sie ließen sich in Afrika nieder, wurden zu Homo sapiens, gingen aufrecht, schliffen Steine zur Axt. Auf dem Hin- und Rückweg hinterließen sie Verwandtschaft auf dem ganzen Seidenstraßennetz. Die Entwicklung des Primaten zum Sapiens und zum modernen Menschen dauerte lange und man weiß noch wenig über die Affen, die die Wissenschaftler immer mehr faszinieren. Vom Urprimaten zu Einstein, vom Orang-Utan zu Algorithmen – wir wissen so wenig. Auch Darwins Evolutionstheorie kann sich nur an Tatsachen festhalten.

Die Domestizierung der Natur beginnt 12000 v. Chr. Homo erectus, dann Sapiens später Nomaden organisierten sich. Es gab Herrscher und Volk, Schrift, Geld, Götter. 4250 v. Chr., im heutigen Irak, Iran, Syrien und der Türkei entstand das Akkad und erste zentralasiatische Kaiserreich im damaligen Mesopotamien. 4500 v. Chr. erreichte Sapiens Austrasien oder das mediävale Europa – Affe oder Mensch?

Die Seidenstraße erlebte dramatische Klimaveränderungen. Menschen und Tiere wanderten weiter. 2500 v. Chr. entstand das Persische Reich. Buddha veränderte die Seidenstraße mit seiner Philosophie. Aus Göttern und Propheten wurden Religionen.

Lange zuvor hatte sich China zur Hochkultur entwickelt, von der nur wenige wussten und manche ahnten. Kolumbus oder Alexanders Traumziel war China, wo die Dächer aus Gold wären.

Gestern, heute, morgen. Primaten, Menschen. Der Übergriff auf Natur und Tiere ist fast gelungen. Technologie soll sie ersetzen. Umweltkatastrophen und Pandemien aus Natur und Tierwelt antworten. Kann die Neue Seidenstraße Völker, Natur und Tiere versöhnen? Können Algorithmen die Zukunft errechnen?

Die Seidenstraße ist die Wiege der Menschheit, wo sich Affen, Nomaden. Sapiens und der moderne Mensch tummelten. Wo Perser, Römer, Griechen, Mongolen und Han-Dynastien philosophierten. Was für eine fantastische Vorstellung!

Den ältesten Homo-Schädel fand man in Burma und Afrika, 470.000–807.000 Jahre alt. Es folgten der Dmanisi Man in Georgien, derPeking Man in Peking, der Yuanmu Man in Yunnan, Alesi in Kenia, Lucy, Ötzi und mehr. In China fand man Steinwerkzeuge, die auf 2,1 Millionen Jahre geschätzt werden. Die Wissenschaft steht vor Überraschungen.

Man weiß nicht, warum manche Affen zu Homo und dann Sapiens wurden. Heute gibt es beide überall auf der Welt, außer in der Antarktika, wo es für Affen zu kalt ist. Nicht Kolumbus brachte sie nach Amerika, sie hatten es längst vorher an Perus Küsten geschafft.

Affen in China, Thailand und Burma gehören der Orang-Utan-Gruppierung an. Während Menschen im Westen von Gorillas und Schimpansen abstammen, die die höchste Lebenserwartung haben. Affen werden im Zoo 15, in freier Wildbahn bis zu 50 Jahre alt. Übrigens sind sie über die Jahrtausende gewachsen.

Neue paläontologische Ausgrabungen mit internationalen Forschern bestätigen, dass die Burma-Zähne Fossilien Afrasia zugeordnet werden müssen, einer unbekannten Primatenrasse von vor 37 Millionen Jahren. Interessant ist die Tatsache, dass die Primaten aus Afrika und Burma miteinander verwandt sind und die Einwanderung auf der Seidenstraße vor den dort ersten Fossilienfunden stattgefunden hat. Unterwegs hat Afrasia nicht nur in Libyen, wo man Fossilien fand, Verwandte hinterlassen. Der Primat aus Burma entwickelte sich aber erst in Afrika zum Sapiens. Warum, ist noch ein Rätsel.

Der Weg unserer Vorfahren über die Seidenstraße war schwierig. Eurasien und Afrika waren durch das Thetys – heute Mittel- und Kaspisches Meer – getrennt. Affen können nicht schwimmen. Es gibt Hypothesen, dass sie, bevor sie zu Sapiens wurden, schwimmen konnten, sich treiben ließen, über sumpfige Übergänge wateten oder ertranken.

Vor 24 Millionen Jahren war der Planet mit Affen bevölkert. Vor 12 Millionen Jahren erfanden sie den Aufrechten und damit unseren Gang.

Noch heute lebt die Mehrzahl der Affen auf der Seidenstraße von Afrika bis Japan. Die Individuen reichste Affenart ist heute der Mensch mit sieben Milliarden und die größte Säugetierpopulation. Neuweltaffen leben in Amerika, Altweltaffen auf der Seidenstraße.

Das Max-Planck-Institut freut sich, in Marokko fossile Knochenreste und Steinwerkzeuge ausgegraben zu haben. Homo sapiens, 300.000 Jahre alt, 177 cm groß. Solche Meldungen überholen einander immer schneller, fast jeden Tag.

Der anatomisch moderne Mensch lebte ausweislich eines Fossils in Tianyuan, China, seit 40.000 Jahren. Wurden Asiens Primaten damit weit früher über die Seidenstraße katapultiert? Äthiopien, Georgien, Marokko, China … man baut, gräbt und findet. Die Wissenschaft ist erst am Anfang, in Düsseldorf grub man einen Neandertaler aus, der in Europa, Nordafrika Zentral- und Vorderasien spazierte. China ist ein Friedhof von schwer zuzuordnenden Fossilien, 350.000–1.000.000 Jahre alt. Alle Funde zeugen von wandernden Urmenschen; Sapiens, Erectus, Nomaden. Sie alle liebten das Reisen. Paläontologen, Archäologen, Forscher und alle die graben sind fasziniert, bis heute kennt man erst sieben Prozent der Affengeschichte, die sich auf der Seidenstraße abgespielt hat. Im August 2021 machten chinesische Wissenschaftler die ersten 3D-Aufnahmen mit der weltweit höchsten Auflösung eines Affenhirns für neurologische Untersuchungen, von dem sie sich viel versprechen.

Vieles führt direkt in unsere Zukunft und vielleicht zu fluorgrünen Affen, die einmal im Highspeed-Zug oder in fliegenden Objekten mit uns als neue Spezies reisen werden. Man lasse seiner Fantasie freien Lauf.

Der Mensch zähmte das Feuer für Licht und Wärme, mit den Steinwerkzeugen tötete er Tiere, auch Affen, seine Brüder. Er aß Früchte und Wurzeln dazu. Es gab eine Zeit, vor etwa einer Million Jahren, als sich Uraffe und Urmensch trennten und begegneten. Was geschah?

Bestattungen von Familienmitgliedern und Grabbeilagen zeugen vom Glauben an Magie und dem Weiterleben nach dem Tod. Rituale und Opfergaben sollten die Geister gnädig stimmen.

Von den 500 Affensorten ist jede zweite wegen Bedrohung ihres Lebensraumes in ihrem Bestand bedroht. Löscht der Mensch seine eigene Spezies aus?

Die Stadt Basel/Schweiz räumte den Affen 2020 das Affenrecht ein.

ZHOU-, XIA-, SHANG-DYNASTIE

Die Zhou- und Xia Dynastien hinterließen kaum Schriften. Traditionelle Geschichte wurde immer mythisch ergänzt. So hätten sich Dynastien das Mandat des Himmels eigens zuerkannt. Was auf Knochen und Bambus in chinesischen Schriftzeichen gefunden wurde, betrifft Überirdisches oder Medizin, aus denen man die Namen der Könige und deren Zeit lesen kann. Man fand Spuren alter Kulturen und Städte lange vor 2000 v. Chr. und ehe es Kaiserreiche gab. Tausende Orakelknochen zeugen von besonderen Ereignissen wie astronomisch Ungewöhnlichem, Sonnen- oder Mondfinsternis, von Wissenschaftlern verschieden interpretiert. Fünf Planeten hätten sich zweimal für ein Ereignis verbunden, liest man. Ist Urzeitkultur unwahrscheinlich und obskur? Xia, Shang, Zhou … die Ming-Dynastie beschreibt sie neu, Forscher sind fasziniert.

Die Shang-Dynastie (1600–1066 v. Chr.) wurde von Cheng Tang, einem tugendhaften König in der Bronzezeit gegründet. 30 Könige folgten ihm in 600 Jahren. Die Shang- oder Yin-Dynastie lebte in der Bronzezeit am Gelben Fluss. Ritualobjekte, Kalendersystem, Schrift, Opfer und Bestattungsriten, große unterirdische Grabanlagen, Schriftzeugnisse auf Muschelschalen und Orakelknochen wurden gefunden. Die Shang-Dynastie war ein Zusammenschluss vieler kleiner Stämme, die sich von Barbaren und Nomaden abgrenzten.

Es war die Zeit der großen Philosophen und Kultur Chinas. Die Hauptströmungen waren viele Götter, die später zu Taoismus und Konfuzianismus in Verbindung mit marxistischen Theorien und neuen gesellschaftlichen und politischen Situationen führten. Philosophie in China bedeutet Weisheit, eine zutreffende Übersetzung des Wortes Zhexue ist nicht möglich, am ehesten ist Wandlungen und Veränderungen während im Westen Wahrheit und Sicherheit im Vordergrund steht. – In China gibt es eine einzige Bewegungskraft, aus der hundert Gedanken und Pläne entstehen, sie haben alle das gleiche Ziel und gehen nur unterschiedliche Wege oder Methoden.

1046–314 v. Chr. beeinflusste die chinesische Zhou-Dynastie das philosophische Denken in Japan, Korea, Taiwan und Teilen Südostasiens. Das Grunddenken blieb überall dasselbe, aber wurde durch den 2. Weltkrieg, die Einmischung des Westens, importierte Religionen, asiatische Kriege und das Hochkommen Chinas verändert.

In der Jungsteinzeit gab es in China komplexe regional verschiedene Kulturen. Diese fand man in Hubei und Fujian, während am Gelben Fluss bereits Ackerbau betrieben wurde. Dort fand man aus Holz gebaute Behausungen und Utensilien aus Stein und Knochen. Man fand Hirse in Dreifuß-Bronzebehältern. In Südchina fand man 11.500 Jahre alten Reis. Die Kultur hatte bereits ein hohes technisches Niveau, es gab Textilproduktion – vor 6000 Jahren! Es wurde Seide mit einem Alter von 5300 Jahren gefunden und die Bronzeverarbeitung begann bereits 3000 v. Chr.

Die Xia-Dynastie goss Bronze und hatte eine starke Armee. Das Rad transportierte, der Kompass diente dem Ziel. Kaiser Yu hielt die Flut des Gelben Flusses mit gelben Drachen und weißen Schildkröten an.

Die Xia-, Shang- und Zhou-Dynastien des chinesischen Altertums scheinen aus verschiedenen Stämmen zusammengewachsen zu sein. Während der Bronze- und Eisenzeit entstand aus einem Priesterstand namens Fangshi (beinhaltend Alchemie, Astrologie, Exorzismus, Geomantie, Medizin, Religion, Mystik, Okkultismus, Physik, Technik, Zauberei …) das kulturelle Fundament, das zum Taoismus und der chinesischen Philosophie wurde. Es entstanden das taoistische Daodejing (Weg, Fluss, Prinzip, Tugend) im 6. und das Zhuangzi (berühmtes philosophisches Werk vom gleichnamigen Philosophen und Dichter) im 4. Jahrhundert v. Chr. sowie die Lehre des Taiji (kosmisches Urprinzip der Natur), die bereits als längst verbreitete Lehren bekannt waren. Es waren die Hundert Schulen des Denkens.

Der Konfuzianismus beruht auf Konfuzius, Personen und regierungsbezogene Korrektheit, Moral, Gerechtigkeit, Ehrlichkeit, Freundlichkeit. Er fasste im 5. Jahrhundert v. Chr. die Lehren zusammen und erweiterte sie um politische Dimensionen. Später mit dem Buddhismus bildeten Taoismus und Konfuzianismus die drei Lehren, die neben der einheitlichen Schrift wichtige Grundpfeiler der chinesischen Kultur bildeten und sie bis heute prägen. Trotz einst westlichem Einfluss, der heute zugunsten eines neuen Selbstbewusstseins stark abnimmt, sind Asiaten von dieser Philosophie für immer geprägt.

China ist die Wiege der Kultur, die lange vor der Zhou-Dynastie 510–314 v. Chr. begann, sie bildete mit Persien und Mazedonien, Griechenland und Rom die Grundpfeiler der Hochkultur der Welt.

Die Welt veränderte sich mit den Menschen. Genügsamkeit gab es nie. Die ersten Menschen wollten überleben. Dem geschliffenen Stein folgte die Waffe, die dem Überleben, der Verteidigung oder Eroberung diente. Mehr Land bedeutete mehr von allem, Macht und Gold, Kultur und Schönheit, Besitz von Frauen und Sklaven. Philosophie und Religion waren miteinander verbunden. Dem Entstehen von Leben folgten Hunger und Not, Terror, Krieg und Epidemien sowie Macht und Zufriedenheit. Der Mensch ist derselbe geblieben, er hat die Welt nie verstanden und wird sie nie verstehen. Dafür kann er nichts. Unser Planet ist ein Mysterium.

Während der drei Dynastien erlebte die Seidenstraße zwischen 115 v. Chr. und dem 13. Jahrhundert ihre größte wirtschaftliche Entwicklung und Bedeutung im Austausch von Waren. Schon vor und während dem Römischen Reich waren die Handelskarawanen zwischen Ägypten, der Levante, Mazedonien und China unterwegs, Kultur, Wissenschaft, Kaufleute, Rebellen, Gelehrte, Armeen, Propheten, Religionen reisten und bereicherten alle Richtungen.

Die chinesische Seide reiste über Sri Lanka, wo indische Kaufleute sie aufkauften. Arabische und griechische Händler erwarben sie an der südwestlichen Küste des indischen Halbkontinents, von wo sie auf die Insel Sakotra im Indischen Ozean gelangte, um schließlich im antiken ägyptischen Rotmeerhafen Berenike zu landen. Kamelkarawanen transportierten sie zum Nil, von wo die Fracht nach Alexandrien reiste. Hier kauften römische Händler die Seide für Italien ein. Chinesische Verkäufer blieben in Sri Lanka zurück. Der Handel ging an die Inder. Am meisten verdienten oft die Griechen. Die Reise dauert 18 Monate. Eine andere Variante begann in Xian, folgte der Chinesischen Mauer nordwestlich durch die Taklaman-Wüste, das Pamir Gebirge überwindend erreichte die Ware Afghanistan und die Levante, von wo sie ins Mittelmeer verschifft wurde. Algorithmen und Wissenschaftler berechneten das damalige Handelsvolumen in die Zukunft und kamen auf gigantische Milliardenzahlen.

100 v. Chr. belebten Kaiser Wu Di und Offizier Zhang Qian, den er zu Handelsbeziehungen entsandt hatte, die Seidenstraße neu. Die Handelsroute war deutlich komplexer als erwartet und der Weg verschob sich je nach politischen Verhältnissen. Typische Umschlagplätze waren Herat, heute Afghanistan, Samarkand, heute Usbekistan, Isfahan, Iran. Zur See spielten die Griechen die wichtigste Rolle im Westen, Chinesen im Osten, über Land waren es jüdische, armenische und syrische Zwischenhändler. Die Karawanen wechselten an den dafür vorgesehenen Orten.

Es entwickelten sich die römischen Glas-Manufakturen in Alexandrien und Syrien, die nach Asien exportierten. Insbesondere Han-China liebte Luxusartikel wie goldbestickte Teppiche, goldfarbige Textilien, Asbest-Stoffe und Byssusseide aus Muscheln. Für Chinas weltbeste Seide wurde jeder Preis bezahlt.

Mit dem allmählichen Verlust von römischem Territorium in Asien und dem Aufstieg Arabiens in der Levante wurde die Seidenstraße zunehmend unsicher und weniger bereist. Die Mongolen belebten die Route im 13. und 14. Jahrhundert wieder, es begann eine neue Ära.

Im Jahre 1500 unternahm Zhen He (oder Ho) vor Kolumbus oder Magellan erstaunliche sieben Schiffsexpeditionen, die ihn von Guangzhou über die Malakka-Straße nach Südindien, Mogadischu, Aden und Medina brachten. Jede Reise beinhaltete 300 Schiffe mit 27.000 Männern, wertvollen Gütern und Gold für die Könige und Sultane unterwegs, die auf je 700 Tonnen geschätzt wurden. Zahlreiche Historiker aus Ost und West, Marco Polo oder Ibn Battuta hinterließen Beschreibungen der Flotten und Schiffbauer. Von der Ming-Dynastie existieren Schriften zur Nanjing-Werft und deren Dimensionen.

Die Seidenstraße ist die älteste und spannendste Handelsroute der Welt. Was einst Karawanen und Kamele waren, sind heute Highspeed-Züge, Beton und Stahl ersetzen Erde und Knochenbau. Aber zwischen den hohen Bergen, auf abgelegenen Steppen und Weiden, in Dörfern und vergessenen Stadtbezirken, bleibt das Leben noch lange unberührt.

DARIUS, KÖNIGE DER KÖNIGE

521 v. Chr.: Darius folgt Kyrus, dem Begründer des persischen Weltreiches und Eroberer Babylons. Über Darius gibt es viele Sagen. So soll er am Ende des 70-jährigen Exils der Juden in Babylon als Herrscher im Buch Daniel mehrmals auftreten. Im Buch Esther findet eine Verwechslung mit Xerxes statt, es handelt sich nämlich um Dareios der Meder und chaldäischer König, eingesetzt durch Kyros 539 v. Chr.

Weitere Verwechslungen mit Darius I, Darius II und III, den Herrschern des persischen Reiches und Kyros sind oft nicht zuverlässig recherchiert oder mit anderen Daten beschrieben. Es ist über 2500 Jahre her, vieles wurde ohne die Möglichkeit der Verifizierung und viel später geschrieben. Forscher arbeiten und wir interpretieren. Geschichte entspricht oft einer mystischen Wahrheit, Daten und Namen ändern sich. Man weiß so wenig. Die wissenschaftliche Arbeit geht weiter. Dies ändert am fantastischen Seidenstraße-Abenteuer nichts.

Und nun zu einer wahrscheinlich wahren Geschichte. Die drei Darius-Könige gehören zu den wichtigen Königen der Seidenstraße, sie führten in Persien, heute Iran, eine Verwaltung mit Beamten und einen Postdient ein. Die Ruinen des Palastes stehen noch heute in Persepolis. Und noch heute erinnert der Marathonlauf an die Schlacht von Marathon 490 v. Chr. gegen die Griechen.

Es gab drei große Könige von Persien. Darius I ermordete den legitimen König, um an die Macht zu kommen: 550–486 v. Chr., Achämeniden-Dynastie. Darius, brutaler König der Könige. Persien war Westasien bis zum Kaukasus, Mazedonien, Ägypten, Griechenland, das er in einer ersten Schlacht verlor und vor der zweiten starb. Darius besaß Teile des Balkans bis zum Schwarzen Meer und dem Indus, Nordost-Afrika, Teile Libyens und Sudans. Die Dynastien der Darius waren Krieger, ständig involviert in Rebellionen um Macht. Darius I brachte das Achämeniden-Reich zusammen. Susa, Persepolis, Babylon und Ägypten verdankten ihm großartige Infrastruktur und Kultur. Er respektierte die Religionen seiner Untertanen, Darius I war Zoroastrier und glaubte, seine Expeditionen wären eine Aufgabe seines Gottes Ahura Mazda. Er restaurierte den israelischen Tempel und baute einen Tempel für Amon, den ägyptischen Gott. Er baute Kirchen und Paläste für alle Religionen, ließ Menschen aus dem ganzen Reich arbeiten, um interkulturelle Beziehungen zu pflegen.

Darius III versuchte Alexander den Großen zu schlagen, es gelang ihm nicht, er flüchtete und wurde dabei umgebracht.

Über Darius II weiß man wenig. Mord und uneheliche Geburt in ebensolchen Verwandtschaften spielten eine Rolle, seine Frau hatte das Sagen, er unterhielt einen Harem, hatte einen schlechten Ruf und war nachweisbar kein Nachfolger der Darius, den Namen hatte er sich zugelegt. Beim Empfang von einem griechischen olympischen Champion musste dieser einen Unsterblichen vor ihm umbringen. Die Skulptur des Mordes kann man im Olympischen Museum in Athen besichtigen.

So viel über den Beginn eines Weltreiches, das 550–330 v. Chr. dauerte und ein Beispiel vom Kampf um Macht war. Gleichzeitig gab es gutes Regieren, Kultur und Wissenschaften.

Die griechischen Städte in Asien fielen unter Darius persische Kontrolle. Perikles, der griechische Staatsmann holte sein Land 454 v. Chr. zurück und machte es zu einer Hochburg der Künste und Philosophie und zur Schule Hellas. 450 v. Chr. kam es zum endgültigen Frieden zwischen Persien und den Griechen.

Darius hatte gegen Alexander den Großen 330 v. Chr. keine Chance. Dieser regierte über ganz Persien und weit darüber hinaus. Nach dem Tod von Darius führt Xerxes die Arbeiten fort, aber das Persische Reich verlor an Größe. Xerxes verlor die Schlacht um Salamis in Griechenland, gewann in Babylon und Ägypten und wurde 465 v. Chr. ermordet.

Noch heute sind viele Griechen Stolz auf ihre Siege gegen das mächtige Perserreich.

UNTERWEGS 1

Menschen auf der Seidenstraße, von Schanghai bis Äthiopien, sind vielschichtig. Elegant und reich in Schanghai-City, die älteren in den vielen Parks mit gerollten oder Brillantine-schwarzen Haaren, pummelig, die Mode von gestern, die echten Chinesen. Mittelklasse mit Geld. Sie singen, machen Qi Gong, plappern fröhlich und winken zum Mitmachen. Sitzend die Männer, Trompete blasend, Jazz, klassisch chinesisch oder Mozart. Manche sind berühmt, üben in Parks ist erlaubt und beliebt.

Schon in Xian, 1500 km weiter westlich, ist alles anders. Die bunte Welt der Ethnien beginnt. Uiguren, Chinesen und alle anderen Stämme leben miteinander und stellen sich nicht die Fragen des Westens oder dessen Antworten, die politisch motiviert sind. In China macht man Business und handelt, wir sind schließlich auf der Handelsstraße. Lanzhou, Dunhuang, Turpan, Ürümqi, wo man China fast vergisst und sich in die interkulturelle Welt von über 100 Ethnien, die hier leben und ihre bunte Kultur pflegen, verliebt. China sorgt für Ordnung und wer sich daran hält, hat keine Probleme. Ist das nicht überall so?

Ob Han oder nicht: freundlich und hilfsbereit, einladend und kurios sind alle. Englisch und meist auch Chinesisch hilft nicht viel, sie sprechen ihren eigenen Dialekt. Anders die Jugend, die schon im Kindergarten Sprachen lernt und sich unterhalten kann und stolz will. Die muslimische Jugend will keine Scharia, aber an der Zukunft teilhaben. Sie trägt Jeans und Lederjacke. Nur das Kopftuch bleibt. Sie will studieren. Wissen. China macht es möglich.

Im Zug trifft man den Onkel aus Amerika, die Familie in Deutschland, alle auf dem Smartphone. Amerika? fragen sie mich oder Schon gegessen? den Onkel. Fotos gehen hin und her und wir lachen. Sie zeigen mir ihr Haus in den uighurischen Bergen. Das Baby wird auf meinem Schoss versorgt, viele Kinder rennen und klettern über die Doppelbetten. Was auf den Boden fällt, bleibt dort, Jobs erhalten, Putzfrau; die kommt jede Stunde. Nüsse und getrocknete Früchte werden verteilt; Eigenproduktion. Ständig holen die Männer Heißwasser für den Tee. Schweiz wo? Kopftuch wo? Mann, Kinder wo? Schanghai weit weg, teuer, sagen sie. Der Sohn spricht Chinesisch und Englisch, er will Pilot werden, die Mädchen wollen nicht heiraten, aber schön sein und in einem Hochhaus arbeiten.

Mann und Frau leben vor der Heirat separat, so ist es. Die islamische Welt hält an gewissen Traditionen fest. Mit der Seidenstraße und neuen Reisemöglichkeiten werden Menschen offener, hören zu und selbst der Imam vermittelt. Genau wie in anderen Ländern sieht man den Menschen die Religion nicht mehr an – oder macht Mode daraus, wie es manche Start-ups tun. Scharia Fashion. Geld verdienen.

Es gibt kolossale Märkte, Bazaars, Souks innen oder außen, bestehend aus Tausenden kleinen Geschäften die kaufen, verkaufen und Geld rund um die Welt machen, die islamische Diaspora ist groß. Millionen Bauarbeiter plus werden ausgebildet, sie arbeiten mit am größten Infrastrukturprojekt der Welt, der Seidenstraße, und schicken Trillionen nach Hause, die zur Entwicklungshilfe werden. Wissenschaft, Medizin, Management, Uni-Abschluss, Facharbeiter sind gefragt oder werden ausgebildet.

Die Seidenstraße ist das fantastischste Naturreservat der Erde und gleichzeitig ein Tummelplatz für Wissenschaftler, Entdecker, Abenteurer, Archäologen, Jobsucher, Studenten, Familien. China ist Die Zukunft der Wissenschaft, sagt die Konrad-Adenauer-Stiftung.

Eine junge Frau im Zug sagt: »Im Westen reißen sie den Fröschen die Beine aus, um sie zu essen, die Chinesen aßen einst Fledermäuse, wo ist der Unterschied?« – »Gesunder Menschenverstand statt Arroganz«, meint ein Ägypter im Straßencafé, er ist Israeli und lebt in Syrien, ich traf ihn im Iran. Kreativität statt Dekadenz.

Ein arabischer Arbeiter steigt ein, die Frauen kümmern sich um sein Gepäck, die Männer schauen zu. Dann kommt die Polizei und holt ihn raus: No ticket.

Es ist Mitternacht, Frauen und Kinder schlafen, die Männer reden laut bis um vier in der Früh. Alles, was unterwegs einsteigt, schläft sofort ein. Frühstück ist Nudelsuppe aus dem Pappbecher, ehe sie ihre tausend Sachen im Wagen verstreut zusammenpacken und aussteigen.

Armenier steigen ein und stellen die üblichen Fragen. »Armenien«, erklärt die Frau, »lebt mit Konflikten, seitdem ich geboren bin, die Nachbarländer lassen uns nicht in Ruhe, es gibt neunzehn Prozent Arbeitslosigkeit, Korruption, Anspruch auf Karabach, Erdbeben und Völkermord.« – »Das verstehst du nicht«, sagt ihr Mann, »wir schaffen das schon, der Westen soll sich raushalten, er versteht das nicht. Wir spielen immer wieder Frieden mit der Türkei und Russland. Ein paar Tote und die Medien tun, als würde das die Welt interessieren.« Er erklärt, das Kaspische Meer bei Baku in Aserbaidschan habe den Wolga-Zugang nach Russland. Öl, Gas, Tourismus und Finanzen machten das Land relativ stabil mit nur fünf Prozent Arbeitslosigkeit, Baku würde zur neuen Feriendestination. Baku am Kaspischen Meer sei eine moderne Stadt mit Geschichte und 40.000 Jahre alten Felsmalereien. Armenien, erste christliche Nation der Weltgeschichte, und Aserbaidschan haben eine geopolitische schwierige Lage zwischen der Türkei, Iran und Russland. Der Konflikt wegen Karabach wird von Terroristen und fremder Einmischung gefördert, für die Unruhen in der Region von Nutzen sind. Wer nicht vor Ort ist, kann die Situation schwer abschätzen. Russland bittet um Ruhe und tut gut daran, denn die Region braucht Festigkeit, nicht Verzettelung. »Ein Balanceakt«, fährt er fort, »besuchen Sie uns, aber sprechen Sie nicht über Armenien, Karabach oder Religion. Kleine Dörfer rund um Jerewan laden friedlich ein, wir sind nicht der Mittlere Osten oder Afrika. Viele reden, ohne unsere Geschichte zu kennen, wir wollen Frieden, nicht Einmischung.«

Seine Frau meldet sich zu Wort: »Probleme sind hier andere, aus der Sowjetzeit, der Islam«, sagt sie leise, »das Öl und die Pipelines. Wir sind keine Araber, wir stammen von den Mongolen ab, das ist eine andere Familie … Der Mann unterbricht schnell, wechselt das Thema: »Hören Sie zu. Weißrussland protestiert ohne klare Gegenbewegung gegen den autoritären Präsidenten, Russland interveniert, Lukaschenko besucht die Aufrührer im Gefängnis. Jedes Land setzt seine eigenen Prioritäten zuvorderst. Besuchen Sie die Ex-Sowjet-Länder, besuchen Sie Russland, die Seidenstraße, China, das mir gerade einen Job als Ingenieur beschert.«

Die Seidenstraße ist jeden Tag neu. Ein Japaner am Ende des Wagens mischt sich ein: »Es gibt dunkle Momente, aber nach dem Dunkel kommt das Licht. Yin und Yang. Die Seidenstraße ist wie eine internationale Schule. Wir müssen voneinander lernen.«

Während sich der Westen sucht, findet Asien langsam zusammen. Russland selbstbewusst, die Türkei nach Osten tendierend, die Friedensanstrengungen des Mittleren Ostens, das wache Zentralasien, die Kraft Chinas und Südostasiens, das aufmerksame Japan erstarken.

»Die Vergangenheit ist im Museum, die Zukunft eine Überraschung«, ruft jemand.

UNTERWEGS IN INDONESIEN

Der westliche Tourismus wird sich verändern. Der Westen hat viele Inseln gestohlen und bräunt sich an deren Stränden. Ureinwohner erwachen und wehren sich. Hunderte Grass-root-Gruppen arbeiten am Erhalt ihrer Naturreservate, Cardamon in Kambodscha ist nur ein Beispiel, 4,4 Millionen Hektar Regenwald erlauben uns zu atmen, man informiere die sozialen Medien, schließe sich einheimischen Gruppen online an. Ideen sind oft mehr als Geld und Tourismus.

Indonesien ist ein muslimisches Land auf 17.000 Inseln – Sumatra, Java, Borneo, Bali die berühmtesten –, wo 1300 Ethnien über 700 Sprachen sprechen. Die Lage am Meer und mehr als 2000 Häfen, die gerade modernisiert werden, machen Indonesien seit Jahrhunderten zu einem wichtigen maritimen Handelspartner. Hier lebte Java Man vor 1,5 Millionen Jahren.

50000–2000 v. Chr. wanderten das Taiwan und negroid australoid People über niedriges Meerwasser oder Land ein, man weiß so wenig. Die Verwandtschaften sind bewiesen, man forscht weiter. 200 v. Chr. folgte die buddhistische und insbesondere Hindu-Beeinflussung und Hochkultur bis zum 13. Jahrhundert (Borobudur oder Yogyakarta aus dem 11. Jahrhundert). Im 13. Jahrhundert kam der Islam, der erst die Mongolen verdrängen musste, um das Malakka-Sultanat einzurichten. Es folgten Sultanate, die archäologische und historische Rekorde oder ein Goldenes Zeitalter hinterließen.

1511 eroberten die Portugiesen das Land und importierten das Christentum und internationalen Handel. Gefolgt 1596 von den Niederländern, die die Ostindienkompanie gründeten, Zwangsarbeiter auf Kaffee-, Gewürz- und Tee-Plantagen ausbeuteten, was bewaffnete Rebellionen hervorrief und den Beginn einer modernen, sich wehrenden Gesellschaft bedeutete.

Die Japaner unterwarfen das Land genauso brutal 1942–1945, als Hatta und Sukarno gefolgt von General Suharto die Unabhängigkeit ausriefen, was die Niederländer mit einem blutigen Krieg auf Java beantworteten. 1949 wurden diese Kriege mit einer Erklärung der UNO beendet. (Japan förderte den Islam und radikalisierte das Volk im 2. Weltkrieg gezielt für seine eigenen Interessen und sein zukünftiges Weltreich. Sukarto und Suharto regierten autokratisch Millionen Kommunisten und die chinesische Minderheit wurde ermordet. Bis 1975 herrschte Rebellion.)

1997 gipfelte die Finanzkrise in blutige Unruhen in Jakarta, Osttimor wurde aufgegeben, Aceh und Sumatra befriedet, freie Wahlen fanden statt.

Indonesien ist der größte muslimische Staat der Welt. Fast alle sind Sunniten, die man in orthodoxe und gemäßigtere Formen teilt. Es gibt dschihadistische Orientierungen. In 16 Provinzen gilt die Scharia. Die wichtigste Partei orientiert sich an der ägyptischen Muslimbruderschaft.

Islam ist nicht de jure die Staatsreligion, dies ist die von Sukarno 1945 formulierte Staatsideologie Pancasila, die auf Ausgleich und Toleranz zwischen den Völkern und Religionen Indonesiens abzielt und sechs davon offiziell anerkennt.

Indonesien wächst. Vergangenheit ist Geschichte, die Herausforderung der Seidenstraße erwartet eine schnelle Erholung nach der Pandemie. Die formelle Wirtschaft soll gefördert werden. Ein BIP von 7 % soll wieder erreicht werden. Indonesien ist jung, 27 % arbeiten im Agrarsektor, zweitgrößter Produzent von Naturkautschuk weltweit. Indonesien ist Reis-, Zuckerrohr-, Kaffee-, Tee-, Tabak-, Palmöl-, Kokosnuss- und Gewürz-Produzent. Palmöl, Kohle, Gas und Gold werden exportiert.

Das Ease of doing Business in Indoniesien steigt. Im Index ist das Land moderat frei. Mit 4.640 privaten und staatlichen Institutionen im Bereich der tertiären Ausbildung hat Indonesien eines der größten und divergentesten Hochschulsysteme der Welt. 577 Universitäten, 2500 hohe Schulen, 1200 Akademien, 250 Polytechniken. Realität ist eine arme/untere Mittelklasse bis Reichtum. Eine Jugend, die den Islam wie jede andere Religion betrachtet. Scharia kann, aber muss nicht sein. Eine Jugend mit Blick auf die Außenwelt, die Öffnung Indonesiens, internationale An- und Aussichten ohne Einmischung. Teilhaben an der Zukunft, Politik ist kein Thema.

Ein Moschee-Besuch mit dem Imam ist spannend und verbunden mit viel Humor sowie dem Erklären des Islam Konzepts. Er reist um die Welt, auf der Seidenstraße, und freut sich, andere Menschen zu treffen und sich auszutauschen. Er verteidigt mich im Bus gegen stoßende Massen und gewinnt zwei Sitzplätze für uns. Frauen schauen verblüfft.

Da ist der Motorradfahrer am Bahnhof, der mich über 50 km Berg und Tal über holprige Erdstraßen in mein Luxusresort fährt und keinen Dank will, weil das normal ist … Der Hotelbesitzer, der mich jeden Tag mit dem Motorrad in eine andere Kulturstätte fährt und Indonesien erklärt, dass wir Westler falsch interpretieren. Der Antiquar, der mich 30 km ins Landesinnere zu Ausgrabungen fährt, um mir ein riesiges Muschelfeld zu zeigen, wo einst das Meer war, mich im Dorf zum Tee mit Familie einlädt, wobei ich einmal mehr verstehe, dass wir im Westen mehr zuhören sollten. Da war die Familie, die mich im Luxusauto ins Hotel fährt, nachdem ich im Nirgendwo meinen Bus verpasste, und mir stolz ihre Fotos von der Jungfraujoch-Reise in der Schweiz zeigt.

Tage in Jakarta und Java, mit Indonesiern, verschleiert oder nur Kopftuch, aber immer Kappe, reich oder arm, von denen ich lerne, zuhöre, Fotos austausche, das unglaublich gut gemachte Museum vom Java Man besuche, Yogyakarta bewundere, Bali vermeide, mit Chinesen, Buddhisten, Hindus und Christen rede, Kultur zu verstehen versuche und Muslimen zuhöre. Später am Meer die halbe Welt beim Bier um den Tisch antreffe. We love Indonesia. Es begann mit Java Man, gefolgt von Krieg und Rebellion und entwickelt sich heute zu einem modernen, selbstbewussten Staat an der Seidenstraße.

ROUTEN, WEGE, STRAẞEN DER WELT

Alle Wege der Welt haben eine Geschichte. Manche sind berühmt, andere nicht. Nicht alle werden wiederbelebt, aber die meisten gibt es noch. Genuss vergangener Zeiten.

Heute sind es die längsten, höchsten, schnellen Autobahnen, Tunnels und Brücken, See und Luftwege. Aus Genuss wird Extrem.

Wer sich nicht bewegt, versteinert.

Hier ein paar Millionenfach befahrene mystische Straßen die Bücher, Filme und unsere Erinnerungen beleben.

Die Route 66 zwischen Wüste, grellem Neon und Jukebox im Oldtimer.

Via Domitia heißt der von den Gaulen gepflasterte und von den Römern benutzte Bergweg vom Piemont nach Port Vendres.

Von Tokyo nach Kyoto führt der Tokaido-Weg neben Ozean, Schnellstraßen und Zügen, die man vermeiden kann.

Qhapaq Nan heißt das Inka-Abenteuer von Kolumbien nach Santiago, durch sechs Länder und über den Monte Picchu.

Von den Bahamas nach Spanien führt der Transatlantische Seeweg. Von Andalusien und zurück mit dem Schiff ist eine Weltreise mit Magellan.

Sprung nach Indien von Kalkutta über Land nach Peshawar/Pakistan im Bus über die alte Lastwagenstraße.

Von Afrika und über alle Straßen nach Amerika führen die Sklavenrouten über den Atlantischen Ozean.

Von Madagaskar nach Algerien testete Andre Citroen seine Autos auf der Schwarzen Kreuzfahrt.

Von Assuan nach Alexandrien durch die Wüste vorbei an Luxor oder Kairo segelt man auf dem Nil.

Auf Kamelen reitet man von Alexandrien oder Gaza nach Somalia, Jemen oder Oman auf der Gewürze-Straße.

Von Cornouailles in der Bretagne gab es die Zinnstraße per Schiff und Pferd seit der Bronzezeit.

Von China, Indonesien und Indien über das Cap der guten Hoffnung segelten Gewürze.

Vollgepackte Esel oder Pferde trugen Esswaren und Tee von Yunnan, Sichuan, nach Lhassa auf dem Cha Ma Gu Dao (China).

Von Agadez in Libyen über Bilma nach Agadez in Niger auf der Salzstraße trugen Kamele Salz, Datteln und Hirse durch die Wüste.

Die Hanseatische Liga oder Handelsstraße führte über das Baltische Meer und über sechs Länder von Estonien nach Dänemark.

Eine der alten französischen Salzstraßen führte von Nizza nach Turin und ist noch heute auf dem Esel begehbar.

Gemütlich schwimmt das Hausboot von Sete nach Toulouse in Frankreich auf dem Canal Du Midi.

Auf dem Atlantischen Ozean, auf der Kaffeeroute von Costa Rica nach Le Havre, transportieren Kähne die Bohnen.

Tausende Schiffe passieren jedes Jahr den Suezkanal.

Von Paris zur Cote d’Azur führt die berühmte Nationale 7.

Pousse-Pousse, Fahrrad, Bus, Auto oder Vespa und zu Fuß … alles ist möglich auf der Cordillere Annamitique von Hanoi nach Saigon.

London, Paris, Istanbul durch die Schweiz im luxuriösen Luxuszug oder dem Orient Express.

Es ist kalt und eisig auf der Fähre von Bergen nach Krikenes auf der Fjord Route, einem Transportmittel für Norweger und Abenteurer.

In Australien fahren Trucks und Autos auf dem Stuart Highway von Darwin nach Melbourne.

Von Peking oder Wladiwostok nach Moskau und Europa in der Transsibirischen Eisenbahn, die immer schneller fährt.

Einst hochmodern, heute mit Schlaglöchern: die Route US 1 von Maine nach Miami.

Trucker, Lokale und Touristen mit viel Zeit mögen die Panamerika von Alaska nach Ushuaia oder Uruguay.

Über fast 5000 km führt eine der modernsten Bergstraßen der Welt, der Karakorum Highway von Kashgar/China nach Islamabad/Pakistan.

Oft geradeaus durch den brasilianischen Urwald führt die Transamazonienne und dient Einheimischen, Trucks und Traveller aller Art.

Einmal im Leben nach Mekka, sagt der Koran: Die Straße des Hadj. Millionen muslimische Pilger zu Fuß, im Bus oder Auto.

Die Christen pilgern hoch zu Ross oder zu Fuß von Vezelay nach Arles über den Somport-Pass nach Tours auf den Spuren von Compostelle. Zu seinem Grab pilgern sie nach Spanien auf dem Camino.

Zu Fuß auf steilen Erdwegen und oft im Regen klettert man die Pilgerwege der Kii-Gipfel von Kyoto nach Yoshino.

Von Varanasi am Ganges in die Höhen des Himalajas nach Leh führen die Indischen Götterwege für Hindus und Buddhisten.

Seit über 2000 Jahren pilgern Hilloulas, Juden im Süden von Marrakesch, über die Berge nach Aghabalou zum Grab von Rabbi Shlomo Bel Hansh.

Von Salerno nach Sorrente auf den Spuren großer Künstler führt die Amalfi Cote.

In Südafrika gibt es die Cape Route 62 von Port Elizabeth zum Kap am Meer, Landwirtschaft, Reben und Berge.

Erfahrene Alpinisten, Trekker und gut Trainierte klettern die Annapurna Trek Route über 8000 m von Bhulbule nach Pokhara.

Für die Wein oder Rebenliebhaber gibt es die Weinwege in Frankreich.

Wer Schlösser vorzieht, fährt im Auto von Culan nach Gien auf der Jacques Coeur Straße.

In Kanada fahren Trucks mit Tonnen Holz beladen oder Autos auf dem eisigen neuen und verschneiten Dempster Ice Highway von Dawson nach Tuktoyaktuk.

Rustikale Bergliebhaber und Trekker marschieren von Nord- nach Süd-Korsika, Conca/Calenzana auf der GR 20.

Literarischen Tourismus bietet die neue Route von Toledo nach Albacete auf dem Don-Quichotte-Weg (Aus dem Buch von Elisabeth Dumont-Le Cornec: Les routes mythiques.)

FLUECHTLINGE AUF DER SEIDENSTRAẞE

Menschenrechte oder Demokratie werden heute wie Pizza verwendet. Sie dienen immer und vor allem niemanden. Es gab sie schon lange, wenig hat sich verändert. Schimpansen und Homo sapiens kannten sie nicht, der Stärkere gewann.

Es flüchten immer noch mehr Menschen von Ost nach West als umgekehrt. Es wird mehr Geld ausgegeben, um Länder zu bombardieren, als dafür, sich um deren Menschen zu kümmern. Die meisten Flüchtlinge lieben ihre Heimat, sie gehen nicht freiwillig. Auf der Flucht verlieren sie ihr Leben oder gehen durch die Hölle, um den Westen zu erreichen, wo sie nicht willkommen sind. Sie werden zurückgeschickt. Trotzdem integrierten sich Tausende in der westlichen Welt zum Vorteil von allen und arbeiten oft unter Bedingungen, die kein Westler akzeptieren würde – sie sind moderne Sklaven oder tauchen unter. Es gibt Erfolgsgeschichten.

Betroffen ist Südostasien und insbesondere der Mittlere Osten und Zentralasien. Öl brachte Geld, Entwicklung und Krieg. Flüchtende enden in Auffanglagern oder bleiben arm. Flüchten heißt: Hoffnung auf Frieden und Brot. Immer mehr Menschen aber bleiben zu Hause, die Seidenstraße bietet Ausbildung und Jobs. Der Onkel aus der Türkei oder Deutschland schickt Geld. Das Leben im Osten ist billiger, man spricht seine Sprache und hat Familie.

Noch bleibt der Mittlere Osten ein gefährlicher Hotspot für Flüchtlinge, Terroristen, Abenteurer, Reporter. Die Route von Pakistan über Afghanistan, Irak, Iran in die Türkei zu Fuß, per Bus oder Truck, von Syrien oder Libyen übers Meer ohne Papiere … es profitieren teure Schlepper. Wer Geld und Visum hat, fliegt. Sklaven zahlen für eine düstere Zukunft. Der Preis ist zu hoch, die Seidenstraße bietet inzwischen mehr, Schlepper haben es schwer. Nur wer dumm ist, glaubt ihnen noch. Der Westen bietet gefährliche Schwarzarbeit.

Die Neue Seidenstraße durch Zentral- und Ostasien, Ost- nach Westeuropa entwickelt sich zu einer weltwichtigen Handelsstraße, mit Kameras und Polizei. Flüchtlinge sieht man hier kaum. Gibt die Neue Seidenstraße den Menschen Möglichkeit und Hoffnung, im eigenen Land etwas erreichen zu können? Investoren und Entwicklung schaffen Jobs, Hoffnung, Zukunft.

Wer zu Hause keine Arbeit findet geht ins östliche Nachbarland, der Traum vom Westen verändert sich. Die Neue Seidenstraße bietet neue Gelegenheiten. Internationale Karrieren, Ausbildung, Kriminalität. Chinesisch ist die zweite Wahlsprache, schon im Kindergarten, gefolgt von Arabisch. Die Seidenstraße ist ein fantastischer Katalog von Möglichkeiten, die der Westen immer weniger bietet.

Man wird sich daran gewöhnen, dass die nächste Generation nicht Demokratie und Menschenrechte verlangt, aber Ausbildung und Wissen, mit dem man mehr erreicht. Asiatische Universitäten und |Hochschulen überholen westliche 2021.

Jobs und freier Handel, nicht Politik, wird die Welt verändern, die Seidenstraße gibt einen Anstoß.

Flüchtlinge dienen immer der Politik. Die Seidenstraße aber ist eine Handelsstraße.

SKLAVEN

Moderne Sklaven kann man allen Ländern der Welt trotz Verbot zuordnen. Know-how macht Sklaven frei.

Sklaven wurden einst lebendig mit ihrem Herrn begraben. Machte ein Sklave einen Fehler, wurden alle bestraft. Trotzdem gab es schon 73–71 v. Chr. Sklavenaufstände, die in Rom gewaltige Ausmaße annahmen. Gladiatoren waren Sklaven, Kriminelle, Freiwillige, die sich in der Arena gegeneinander und gegen Löwen und Hyänen blutige Schlachten liefern mussten, bis sie tot umfielen, zum großen Spaß der Römer auf den Tribünen.

Sklaven wurden und werden verschleppt, schöne Frauen gestohlen, Kinder zur Arbeit gezwungen. Seneca war nicht allein, als er sagte, ein Sklave könnte ein Freund sein. Es gab Freilassungen, nicht nur im Christentum. Es gab und gibt Menschen, die ihre Sklaven gut behandeln.

Prostitution, Kinderarbeit, Angebot und Nachfrage … das hat sich bis heute nicht verändert. 100 Millionen Menschen in der Welt haben kein Recht zu widersprechen. Organisationen stehen für moderne Sklaven ein. Viele Menschen sind Sklave ihres eigenen Lebens. Ich habe keine Wahl, sagen die Hostessen, wir brauchen das Geld. Ausbildungsangebote auf der Seidenstraße multiplizieren sich.

1980 gab Mauretanien als letztes Land die Sklaverei auf. Mit den Kolonien endete der Sklavenhandel offiziell. Versklavt werden heute aber immer noch Millionen in allen Staatsformen.

Sieht man den Film Gladiator von Ridley Scott, scheint sich die Welt in ihren Grundsätzen nicht verändert zu haben. Demokratie und Menschenrecht sind Worte, die der Politik dienen.

ZHANG QIAN

Der bekannteste und vielleicht früheste Wegbereiter der Seidenstraße war Zhang Qian, 164 v. Chr. geboren, ein chinesischer Diplomat. Er reiste aus der Provinz Shaanxi an, um Kaiser Wu in Xian zu dienen.

Kaiser Wu aus der zweiten chinesischen imperialen Han-Dynastie 206–220 v. Chr. entsandte Zhang Qian 138–134 v. Chr. als Diplomaten und Edelmann vom westlichen Chang’ An (Xian) nach Zentralasien, um ihm über von Nomaden überbrachte Geschichten von Völkern und Kulturen sowie vom erstaunlichen hellenistischen indo-griechischen Königreich zu berichten. Unterwegs sollte er ein Bündnis mit den Xiongnu und den Yuezhi in Tadschikistan erreichen – zwei verfeindete wichtige Stammesvereinigungen, die schon vor der Han-Dynastie existierten.

Auf dem Weg wurde er von einem Xiongnu/Hunnen, der von den feindlichen Yuezhi übergelaufen war, in der heutigen Mongolei gefangen genommen. Sie sprachen Indoeuropäisch. Er nahm sich eine Frau und befreundete sich mit dem Xiongnu-Stammesführer, der ihn zehn Jahre lang festhielt. Dann konnte er flüchten und reiste nach Ferghana, heute Tadschikistan, blieb ein Jahr, um über das Volk, die Kultur und Wirtschaft berichten zu können. Hoch entwickelt und städtisch, schrieb er über das 4–2 v. Chr. von Griechen/Sogdien besiedelte Land.

Dann bereiste er das Land der Yuezhi-Nomaden, die über 100.000 Bogenschützen hatten, um Kriege zu führen. Die Yuezhi lebten in Afghanistan (heute Balch), Usbekistan und Tadschikistan und trieben intensiven Handel. Zhang dokumentierte ihre Bräuche und Wirtschaft, entschied sich aber, mit dem Xiongnu-Bündnis zu warten.

Im Tarim-Becken (heute Xinjiang, China) fand man mehrere europäisch anmutende und indogermanische Mumien aus der Zeit 3200–800 v. Chr., die auf griechische Präsenz hinweisen. Die Wissenschaft staunte. Im Museum von Ürümqi schaut ein Europäer den Besucher an: 176 cm groß, lange Nase, blondbraunes Haar, helle Haut, europäische Kleidung. Wo kam er her?

1937 wurden die ersten Trocken-Mumien gefunden, aber China behielt das Geheimnis für sich. Wer waren diese Leute? Einfach oder mit Leder bekleidet, keine Accessoires, nichts. Hunderte Mumien wurden ausgegraben, ausgestellt, im Keller versorgt, sie waren, gewollt oder nicht, mit Wüstensand überschüttet. China hatte vor 80 Jahren kein Geld für Wissenschaft. Sand und Salz hatte die Mumien erhalten. Was geschah 3000–5000 v. Chr. im damals mongolischen Tarim-Becken? Nicht alle Mumien sind europäisch, manche scheinen kaukasisch, andere asiatisch.

DNA-Resultate ergaben Österreich, Skandinavien, Deutschland was widerlegt wurde. Es wären Tocharer, aber wer waren die Tocharer? Ihre Sprache stand dem Keltischen, Italienischen, Germanischen und Griechischen nahe, aber es war Tocharisch und wurde bis zum 4. Jahrhundert für religiöse Texte verwendet. Die Mumien sollen deren Vorfahren sein, die sich dem mächtigen Yuezhi-Stammesverband angeschlossen hätten. Bis ins Mittelalter hieß ihr Land Tocharistan und lag im nördlichen Afghanistan.

Wie aber sind diese Tocharer nach Westchina gekommen? Wissenschaftler sind sich einig: lang anhaltende Wanderbewegungen, die im 4. Jahrhundert v. Chr. begonnen haben.

Barbaren aus dem Norden Europas, vom Kaukasus bis in die Mongolei, interessierten sich für die Hochkulturen Mesopotamiens, wo sie Kriegsführung und politische Organisation lernten und damit weitere unbedarfte Stämme für ihre ostasiatischen Expeditionen gewannen. Oder waren diese Barbaren oder Hunnen etwa einst aus Zentralasien nach Europa gewandert? Sind die Hunnen aus dem Kaukasus in die Mongolei und von dort bis nach Italien und Orleans gewandert?

Viele Stämme machten die Xiongnu und die Yuezhi aus, diese stammten aus dem sibirischen Norden, dem Kaukasusgebiet, Mesopotamien, dem Indus, dem Iran oder Sibirien der Mongolei, Han-China oder Ostasien, gar Korea. Die Gründer von Xiongnu und Yuezhi waren Asiaten, die die Fremden zur Han-Zeit hinauswarfen. Diese zogen oft als Söldner nach Westen und eroberten alles, was ihnen im Weg stand. Wanderungsaustausch in alle Richtungen. Manche Sand-Mumien könnten dabei verdurstet sein.

Es ist lange her, man weiß nur wenig und liest dennoch viel. Neue Technologien und Ausgrabungen werden die Antworten geben. Die Seidenstraße ist eine gigantische Fundgrube.

Damit könnte Qian einer der ersten Chinesen gewesen sein, der als Diplomat und nicht als Eroberer reiste. Kaiser Wu wollte mehr über die Yuezhi und die Xiongnu erfahren. Sie waren seine Nachbarn – Feind oder Freund? Die Beziehungen waren komplex – Söldner, Händler, Heirat, Geschenke, Bruderstaat, äußerer Vasall? Die Xiongnu gründeten drei eigene Dynastien im Norden Chinas: Zhou, Liang, Xia. Drei Jahre vor der Gründung der Han-Dynastie waren die Xiongnu bereits eine große Macht. Friedensverträgen folgten Krieg und als Kaiser Wu Zhang Qian auf Erkundungsreise schickte, bahnte sich gerade ein solcher an.

Nachdem die Yuezhi nach Zentralasien gezogen waren, wurden die Xiongnu erste Macht in der Mongolei, Sibirien und dem heutigen Ostchina/Xinjiang. Die Xiongnu hinterließen wenig Schriften auf Chinesisch, dafür auf Iranisch, Mongolisch, Türkisch, Tibetisch, Burmesisch und mehr. Sie waren wandernde Steppenvölker, während die Chinesen bereits eine Hochkultur waren.

Kontakte und Austausch beider gab es schon lange. Aus diesen Begegnungen profitierten die Xiongnu zu ihrem Vorteil und ihrer Entwicklung. Modu Chanyu, General, und Gründer, organisierte die Xiongnu 205 v. Chr. zu einer Großmacht, deren Kultur bald der Chinas glich. Erhoffte er sich eine Vereinigung mit China? Chanyu unterwarf sich mehrere Staaten und machte aus den Yuezhi einen Berg von Schädeln. Xiongnu war nun China ebenbürtig. Harmonische Verwandtschaft bedeutete Heiraten zwischen beiden, Austausch von Seide und Reiswein sowie Respekt vor der großen Mauer.

Als Kaiser Wu seinen Diplomaten Zhang Qian zu den Yuezhi schickte, bereitete er wie gesagt gerade wieder einmal einen Krieg gegen die Xiongnu vor. Dafür benötigte er die Yuezhi. Auch wenn Zhang Qians Xiongnu-Frau ihm gerade einen Sohn geboren hatte, hielt er seinem Kaiser die Treue und assistierte China beim Aufbau einer gigantischen Armee auf der Seidenstraße gegen die Xiongnu.

Es folgten Kriege mit Pferden und mehr als 100.000 Toten. Dazwischen gewannen die Han gegen das Dayuan, oder griechisch-baktrische Königreich, was ihnen Tausende der berühmten Ferghana-Pferde einbrachte. Die Xiongnu ermüdeten sich auf der Seidenstraße, ein Stamm nach dem anderen gab auf, trotzdem gingen die Kriege weiter.

58 v. Chr. wurden die Xiongnu zu Han-Chinas äußeren Vasallen, sie erhielten einen Palast, Pferde, Seide und Gold. Eine Heirat wurde abgelehnt, dafür gab es fünf schöne Frauen. Die Vasallen-Situation dauerte bis 48 v. Chr., als die Xiongnu Wuhan oder Nord-Xiongnu eroberten und es 155 n. Chr. wieder verloren. In einem weiteren Krieg entstand Süd-Xiongnu, das in ständigem Krieg mit der Han-Dynastie stand. 215–216 nahm Cao Cao, ein einflussreicher chinesischer Warlord und Poet, die Xiongnu in seine Kavallerie auf. 304–439 entstanden Xiongnu–Königreiche. Es gab viele Jahre lang einen Han-Xiongnu-Macht-Wettlauf, bis die Xiongnu um 441 n. Chr. keinen Einfluss mehr hatten. Die Han-Dynastie dominierte. Die Xiongnu gehören zu den am längsten existierenden Konföderationen der Seidenstraße. Sie lebten vom Tribut, den China für ihre militärischen Dienste bezahlte.

Die Mumien im Tarim-Becken sind mit Chinas Geschichte eng verbunden. Chinas Geschichte fängt lange vor den Yuezhi und vor den Xiongnu an. Deren lange Verbindung mit China durch die vielen verschiedenen Stämme wird die Forschung noch lange faszinieren.

Das Ende des griechisch-baktrischen Königreichs fand Qian in Daxia, heute Afghanistan, das er als schwach und ohne Führung bezeichnet. Ohne König waren sie Lehnherren der Yuezhi, hoch entwickelt und reich an Han-Produkten. Kaiser Wu eröffnete neue Botschaften.

Zhang Qian reist weiter nach Shendu, heute Pakistan, wo er 180 v. Chr. über ein indo-griechisches Königreich berichtete. Menschen ritten auf Elefanten und wohnten an einem großen Fluss, dem Indus. Viele Bewohner von Shendu etablierten sich 464–495 mit dem Buddhismus in China. Auch der Gründer des Shaolin-Klosters, Bodhidharma, Gründer des Zen-Buddhismus, wo der älteste Kung Fu noch heute gelehrt wird.

Zhang Qian besuchte Anxi, heute in China, ein urbanes, entwickeltes, ummauertes Königreich mit goldenen Münzen, die den König zeigten. Das Volk schrieb auf Lederstreifen. Anxi zählte zu den prominenten Handelsposten zwischen China und Rom und gehörte einst zum Reich Alexander des Großen und Darius.

Tiaozhi, ein Königreich in Transoxiana, war die nächste Stadt am Persischen Golf, wo es Reis, Ackerbau und viele kleine Fürsten gab, die einen Sommer- und einen Winterpalast hatten. Diese befahlen dem Volk, was zu tun sei, sie zählten 100.000 fähige Bogenschützen und waren Vasallen der Xiongnu und Yuezhi. Sie wurden in Katakomben begraben.

Als Nächstes waren da die Kangju, ebenfalls Vasallen der Yuezhi, die auch 90.000 ausgebildete Bogenschützen hatten.

Das Ende von Zhang Qians Reise war Yancai, heute Turkestan, an einem uferlosen See, dem Aralsee, wo Nomaden mit vielen kriegerischen Bogenschützen lebten. Eine weitere beeindruckende Handelsstadt auf der Seidenstraße.

Auf der Rückkehr nach China nahmen ihn die Xiongnu wieder fest, ließen ihm aber sein Leben, da er mutig war. Qian flüchtete und erreichte damit nach mehr als 13 Jahren nach dem Beginn seiner Reise wieder China.

Seine sehr ausführlichen Berichte machten dem Kaiser

deutlich, dass in ganz Zentralasien hoch entwickelte Zivilisationen existierten, mit denen China lohnende Handels- und Kultur-Bande knüpfen konnte. Der Kaiser erfuhr von Ländern, die reich an ungewöhnlichen Gütern waren und deren Völker das Land bestellten und ihr Leben in manchen Dingen wie die Chinesen führten. Alle diese Staaten und Nomaden waren militärisch schwach und am Wohlwollen der starken Han im Kampf gegen die Mongolen und Hunnen oder Xiongnu und Yuezhi interessiert.

Diese ersten detaillierten und belegten Berichte der Seidenstraße waren für die Han und die folgenden drei Dynastien, oder Chinas goldener Zeit, von enormer Wichtigkeit, sie öffneten Türen für Austausch und Handel, Kultur und Diplomatie auf der Ost-West-Route. Qian informierte sich intensiv über Länder, die er nicht besuchen konnte, oder schickte einen Assistenten. Eine zweite Reise führte ihn in nach Persien, wo der Seidenhandel florierte und intensiver Handel betrieben wurde. Am faszinierendsten sind seine Han-, Xiongnu- und Yuezhi-Berichte. Qian starb 113 v. Chr. begütert und in hohen Ehren. Ein Pionier der Seidenstraße.

Der Austausch auf der Seidenstraße entwickelte sich mit immer neuen Botschaften erheblich und schnell organisierten Überland-Karawanen, Pferde, Kamele und Esel sowie maritime Routen kreuzten sich. Was Nomaden begonnen hatten, wurde zum Welthandel und die Seidenstraße dessen Symbol.

PFERDE

Mongolen reiten, bevor sie auf den Füßen stehen können, sie sind auf dem Pferd geboren und leben im Sattel. Vor jeder Jurte steht ein Pferd. Seine Vorgänger gab es schon vor 50 Millionen Jahren, etwa 25–50 cm hoch. 25 Millionen Jahre später war es 50 cm hoch und weitere 10–15 Millionen Jahre später 115 cm hoch. Diese Pferde lebten im Wald und aßen Kräuter. Sie hatten Zehen wie Füchse, die sich später zu Hufen entwickelten. Esel und Zebras gehören derselben Familie an.

5000 v. Chr. wurde das Pferd wohl in Zentralasien und später auf der ganzen Welt domestiziert und machte Transporte schneller. Das Pferd diente im Krieg und war Nahrung. Der Sattel wurde von den Nomaden kreiert. 1000 Jahre v. Chr. erreichte das Pferd Europa, wo es, laut Funden, schwere Landwirtschaftsarbeit leistete. In keltischen Heiligtümern fand man geopferte Pferde. In Deutschland waren sie Orakel und wie die Stimmen von Vögeln befragte man das Wiehern und Schnauben des Pferdes. In der griechischen Antike deutete das Pferd je nachdem den Tod des Helden voraus. Die Wagenrennen gehörten zu den Olympischen Spielen und dienten dem Kaiser. Im 9. Jahrhundert erfanden die Chinesen ein revolutionäres Zuggeschirr, Kummets, das das Pferd beim Ziehen des Pfluges nicht würgte und die Arbeitskraft verdreifachte. Pferde wurden robuster.

Die älteste Rasse ist die Araber, die auf der arabischen Halbinsel gezüchtet wurden. Sie erreichten Europa und wurden bis zu 160 cm groß. Es waren aber keine Kaltblüter (große, schwere, gutartige Pferde), sondern moderne Pferde. Vollblutaraber sind die teuersten, sie können Millionen Kosten, gefolgt vom englischen Vollblut. Das American Quarter Horse ist weltweit die am meisten registrierte Pferderasse mit 4,6 Millionen Tieren. Sie alle sind schnell. Das teuerste Pferd der Geschichte ist Pegasus: 64 Millionen USD.

Die amerikanischen Wildpferde wären vor der Besiedlung des Menschen fast ausgestorben, wenige überlebten und wurden zu den Mustangs, die die Mobilität der Indianer vorteilhaft veränderte.

Im 17. Jahrhundert mischte man englisches Vollblut mit orientalischen Hengsten für den Galopprennsport.

Bis ins 19. Jahrhundert benötigte man Pferde für den Handel und Transport. Traktor und Automobil machte sie später überflüssig. In vielen Ländern ziehen sie aber noch heute Karren zwischen Autos.

In der Mongolei und auf der Seidenstraße dient das Pferd weiterhin Transport, Tourismus sowie Landwirtschaft und ersetzt in unbefahrbaren Geländen Motorrad und Auto. So haben sich die wilden Pferderassen seit Dschingis Khan nicht verändert, es gibt davon mehr als Menschen. Das Pferd sowie der Hund gehören zur Familie. Pferde leben bei Hitze und Eis, finden ihr Futter selber und liefern Milch für das Nationalgetränk Airag. Schon 3000 Jahre v. Chr. sagten die Chinesen der Stutenmilch heilende Wirkung nach.

Pferd, Kamel und Maulesel sind die letzten Seidenstraße-Ureinwohner. Sie wissen, was der Mensch nie verstehen wird.

Wie die Menschen sind Pferde der modernen Welt und der Umweltveränderung ausgesetzt. Das einst grüne Weideland vertrocknet, Schafe und Vieh verdursten, das Einkommen ist gefährdet. Das Land wird für Bewässerungsversuche und die Entstehung moderner Infrastrukturen abgesperrt. Die Stadt rückt naher und bietet besseres Leben und Ausbildung. Wohin mit den Viehzüchtern, den Tieren, den Pferden? Wohin mit der Kultur des Tieres, das uns Jahrtausende zur Seite stand?

Die Kinder freut die neue Schule in der Stadt, sie wollen vom neuen Leben profitieren, während die Eltern in der Fabrik oder auf dem Bau für sie arbeiten, damit es ihnen einmal besser geht.

Gute mongolische Pferde sind gefragt, Chinesen entwickeln sich zu Liebhabern und Kennern, der neue Reichtum ließ sie das Tier entdecken, sie kaufen teuer ein und pflegen und lieben sie. Es gibt immer mehr Pferdefans und Touristen, Reitschulen. Polo, Rennen, Turniere auf der Seidenstraße – aber das Pferd als Arbeitstier wird nie ganz verschwinden, Bergregionen und Armut werden es erhalten. Dafür entsteht der Handel rund ums Pferd, vom Ledersattel und hundert Accessoires, die das Tier verlangt.

Es entstehen Orte der Ruhe, wo sich alte Pferde ihres Alters erfreuen. Mongolen, Kasachen, Chinesen, Nomaden-Gemeinschaften, die sich für das Pferd einsetzen. Es gibt wieder bewässerte Weiden, grüne Steppenteile, Touristen-Jurten mit viel Land.

Die Przewalski-Pferde, robust und dickfellig, sind nicht die letzten Wild- sondern verwilderte Pferde. Ähnlich wie die ersten Seidenstraße-Wanderer sind diese Urpferde ausgestorben. Domestizierung, Zähmung, Züchtung, natürliche oder vom Menschen geschaffene Kreuzungen auch mit Eseln, ließen die Urpferde verschwinden.

Das afrikanische Berberpferd, später mit dem Araber gekreuzt, wurde in vielen Kriegen eingesetzt und könnte von Nordafrika über die Seidenstraße galoppiert, sich gekreuzt und angepasst haben; manch perfektes Pferd ist nicht reinrassig aber eine gelungene Zufallskreuzung. Pferde sind nicht störrisch, sie sind der Menschen bester Freund.

KAMEL

Sie sind Säugetiere: Allweltkamel, zweihöckriges Trampeltier, einhöckriges Kamel, Dromedar. Es gibt die Lamas und die höckerlosen Kleinkamele oder die Alpakas. Sie reichen von 150–700 kg. Kamele gibt es fast auf der ganzen Seidenstraße bis zum arabischen Raum, heute gibt es sie auch in Nordafrika und Australien. Ein ähnliches Tier soll es vor 50 Millionen Jahren in Nordamerika gegeben haben. 3,5 Millionen Jahre alte Knochen fand man in der Arktis. Von dort haben sie sich über Alaska und Russland nach Eurasia ausgebreitet, wo sie sich vom weichen Schnee an den Sand gewöhnten.

Kamele lieben es heute trocken, können im ganzen Körper Wasser speichern, ihre Körpertemperatur regulieren; die Höcker dienen als Fettspeicher, sie leben in bis zu 5700 m Höhe. Hybridbildungen stammen von alten und modernen Kamelen. Und während ein Pferd bis zu zehn Liter Urin pro Tag abgibt, sind es beim Kamel nur ein paar Knollen Kot. Das Kamel ist ein wahrer Überlebenskünstler in der Wüste, genügsam und widerstandsfähig. Schnell und geduldig zugleich trägt es bis zu 450 Kilo – im Tourismus sind es 150 Kilo –, die es 20–40 Kilometer am Tag transportiert. Es kann fünf bis sieben Tage ohne Wasser überleben. Es liebt Datteln und Weizen. Das Kamel ist wie die Kuh Vegetarier und sein Dung wertvolles Brennmaterial.

Der EU-Markt ist für Kamelmilchprodukte geöffnet: Pharma- und Kosmetikindustrie, Nahrungsergänzungsmittel, Proteine, Eiscreme und Schokolade, Vitamin C, Eiweiß. Es gibt große Heilversprechungen. Kamel- statt Kuhmilch ist besser und schmeckt ähnlich. Es gibt klinische Studien, genauso wie die Futterergänzung für die Tiere selbst.

Dubai exportierte bis MERS, ein dem Mittleren Osten zugeordnetes Coronavirus, den Verkauf etwas bremste. Aus Corona-Ländern einreisend zögerte ich und kaufte die Kamelproteine dann doch nicht. Dabei gilt es, diese relativ neue Industrie genau zu beobachten, weil Kamelmilch weniger industriell und natürlicher ist. Ein Tier gibt bei maschinellem Melken bis 15 Liter Milch am Tag. Kamele geben jedoch keine Milch, wenn sie sich nicht wohlfühlen. Schubat heißt der Joghurt in Kasachstan. Eine Molkerei in der Wüste Nouakchot mit Namen Tiviski trägt mit Kamelmilchprodukten seit 1989 zur mauretanischen Wirtschaft bei. Das hochmoderne Unternehmen exportiert seine Produkte in die ganze Welt. Der fabelhafte Kamelweichkäse Caravane und die Dromedarmilch ersetzen Vitamine, die im selten vorhandenen Gemüse in der Wüste nicht vorhanden sind. Ein Schweizer Bauer lanciert Kamelkäse in Australien.

Die ETH in Zürich erforscht die echten Vorteile der mongolischen Seidenstraße. Kamele gibt es immer weniger. Es fehlt an Gras und Wasser. Die Europäer importierten das Kamel im 19. Jahrhundert nach Australien und als es sich tausendfach vermehrte, wurde es aus Helikoptern erschossen. Tier-Rassismus heißt das.

Echte Kamel-Wolle und -Leder können teuer und beliebt sein, für die Exotik-Küche bestellt die ganze Welt in Australien online sehr teures Kamel-Fleisch aus Kulturen. In den arabischen Ländern ist das Fleisch natürlicher, billiger. Kamele bedeuten ein Vermögen für den Nomaden, viele haben nur ein einziges. Man schlachtet sie nur bei Verletzung oder wegen des Alters und beerdigt sie in Ehren. Im Koran trägt Gott viele Namen, der hundertste ist ein Geheimnis, das nur das Kamel kennt und deshalb den Kopf hoch erhoben trägt. Das Kamel ist eine Gabe Gottes.

Kamele sind immer noch wichtige Last- und Nutztiere, insbesondere in unterentwickelten Ländern. Früher dienten sie auch im Krieg. Heute spielen sie eine wichtige Rolle im Tourismus. Freilebend gibt es nicht mehr viele Tiere, wenige findet man in der Mongolei und in China, wo sie sich abends neben den Touristen legen und diesen beschützen.

Das Kamel ist ein treues Tier, mit dem man freundlich umgehen muss. Ohne Kamele wäre die Seidenstraße nicht zur Handelsstraße geworden, sie trugen schon vor Jahrtausenden die halbe Welt von Ost nach West und umgekehrt.

Touristen lieben das Kamel, es ist von der Seidenstraße, aber auch in anderen Ländern nicht mehr wegzudenken. Die Tuareg Nomaden beteiligen es wie damals am Salztransport.

Für Hindus, Juden, Zoroastrier, Kopten und Christen in Ägypten ist das Fleisch tabu sowie Herz und Hoden für Frauen und Füße für Männer in Somalia.

Die UN ruft 2024 zum Jahr des Kamels aus, um auf das ökologisch und ökonomisch wichtige Tier aufmerksam zu machen.

Die chinesische Tang-Dynastie ehrt das Kamel in glasierter Terrakotta seit dem 7. Jahrhundert.

ZUKUNFT 2

2020: Der Mensch hat die Natur seinen Wünschen angepasst. Er glaubt Feuer, Wasser, Luft und Erde, Sonne und Mond gehörten ihm. Vielleicht ist es umgekehrt.

Der Mensch oder Homo sapiens hat vorerst gewonnen. Wann ging die Verbundenheit mit der Natur verloren? Wann waren Tier und Mensch noch gleich? Was geschah? Es war ein Kräftemessen, das Sapiens gewann. Er hatte die Natur erobert.

Naturverbundenheit gibt es nicht mehr, nur noch Menschen und Tiere in der Natur, Aktivitäten, Sport, Nomadenleben, Einsiedler, wie der kirgisische Film Centaur erklärt. Die letzten mit der Natur verbundenen Menschen konnten nicht überleben, weil sie zerrissen, verzweifelt und gequält das Ende des Zusammenlebens von Menschen und Natur nicht ertrugen. Gott und Menschen haderten. Einen Weg zurück gibt es nicht.

China, Japan, Korea, Indien … Kulturen bis Westeuropa bewahren einen starken, oft unbewussten Kontakt zur Natur. Alle Kampfsportarten sowie die asiatische Philosophie und Religionen haben einen direkten Bezug zur Natur. (Der Verzehr von Tieren kam ursprünglich vom Hunger, ehe er degenerierte.) Trotz westlichem Einfluss, der Grundgedanke bleibt: Equal earth. Es ist einer der eklatantesten Unterschiede zwischen Ost und West. Im Westen betet man im Tempel, im Osten ist dieser auch die Natur.

Wir können den Planeten und seine Menschen nicht reparieren und die Zweitwohnungen Mond und Mars sind nicht parat. Lassen wir die da oben in Ruhe und stören wir die Unterwasserwelt nicht.

Das Leben wird digital, mobil; es ist nicht die stärkste Spezies, die überlebt, auch nicht die intelligenteste – es ist die, die sich am besten anpassen kann. Denn so schön die Ideen vom Klimawandel auch sind, sie werden wenig bewirken, die Natur geht ihren Weg. Die Menschen sind ziel- und inhaltslos geworden. Der destruktive Charakter ist jung und heiter, nie zuvor hat sich die westliche Welt so gelangweilt wie heute.

Die Kehrtwende kam zur rechten Zeit und ehe der Westen die ganze Welt von seinen politischen Ansichten überzeugte: Nicht die Menschen, aber die Natur wird den Klimawechsel leiten; wann, wo und wie kann man nicht voraussagen, aber Hellsehern, Magiern, Wahrsagern, Zauberern oder Astrologen zuhören, die man selber interpretiert. Das sind Dienstleistungen, die man gegen Geld erhält.

Jedes Ereignis ist mit anderen Ereignissen verbunden, damit sind exakte Vorhersagen unmöglich. Manches ist wahrscheinlich, aber nie sicher. Der Spiegel zeigt Dinge, die waren, Dinge, die sind, Dinge, die noch werden können. Für sich selber kann jeder einen Blick in die Zukunft werfen, träumen und Wünsche äußern, die realisierbar scheinen, dasselbe kann man für sein Dorf oder die Welt tun. Negative Voraussagen der Medien sind Zeitverschwendung. Abfall auf Bergwegen oder an Stränden sammeln, irgendetwas Gutes tun, mit seinem Gott plaudern oder wie der Opernsänger in Afrika jeden Tag einen Straßenhund waschen …

Die Seidenstraße ist ein Zukunftsmodell und die asiatische Jugend wird sie beflügeln. Ideen, unabhängig davon, woher sie kommen, wirken auf das, was Menschen denken, was sie empfinden und wie sie handeln, Ideen beflügeln. Große existenzielle Ideen wie die von Göttern können die Welt auf den Kopf stellen.

Die Chinesen lesen Nietzsche, sie interpretieren ihn moderner, in die Zukunft gerichtet. 11,2 Milliarden Menschen werden bis 2100 anders oder gar nicht mehr leben. In fünf Millionen Jahren ist die Erde vielleicht ein Eisball. Wir haben sie eingefroren. Sie erholt sich und wird neu zum Treibhaus, in dem wunderschöne Tiere leben. Ob wir dazugehören, wird sich zeigen. Spannende Evolutionstheorie. Einmal mehr wird die Seidenstraße zur Faszination, inspiriert. Faszination Zukunft.

Die besten Antworten geben Thor, Tolkien, Godzilla …

Vieles ist nicht entdeckt, wir kennen den größten Teil des Kosmos nicht. Es gibt vermutlich über eine Billion Galaxien, 70 Trilliarden Sterne. Meteoriten gibt es überall, sie sind Botschafter aus dem All.

NETZWERK SEIDENSTRAẞE

Was ist die Seidenstraße? Eine Handelsstraße von Südostasien, China nach Europa – Konstantinopel, Italien, Afrika. Mit Nord-Süd-Routen. Ein Netz. Seit Jahrtausenden. Natur, Krieger, Wegelagerer, Macht und Glauben machten den Weg gefährlich, nur Abenteurer und Handelsleute wagten ihn. Von Seide zu Pfeffer, Porzellan und Parasiten, Sklaven und Opium – die Seidenstraße war berühmt. Killer, Flüchtlinge, Mönche, Händler, Eroberer, Terroristen und Wissenschaftler bereisten sie. Im 19. Jahrhundert überflog man sie, ehe sie im 21. Jahrhundert vom Tourismus entdeckt wurde. Die meisten Bewohner lebten einfach und wussten wenig, nur Könige, Kaiser, Warlords und Invasoren waren reich.

Viel hat sich für Nomaden und Steppenvölker nicht verändert, während die Städte im Schnellschritt in die Zukunft rasen. Holzkarren mit Pferd, Maserati und gigantische Laster teilen sich heute die Autobahnen. Die Schafe beeindruckt das nicht. Die Alten bleiben unbekümmert, die Jungen zieht es in die Stadt. Die Welt ist offen, sie träumen von Japan, Schanghai, Hongkong, Kuala Lumpur …

Noch vor 2000 Jahren hatten die Nomaden trotz Handelsbeziehungen kaum eine Ahnung oder Vorstellung, dass sie nicht allein waren. Sie hatten utopische Vorstellungen von Mythologien an beiden Enden der Straße, von übernatürlichen Wesen und Göttern, die sie nicht einordnen konnten, es gab Geschichten, wie wir sie heute von Mond oder Mars kennen. Jeden Tag enthüllt die Seidenstraße Geschichte und Schätze, wir5 wissen immer mehr, aber noch lange nicht alles, während in Zentral- und Vorderasien sowie im Orient Terror-Geschichten publiziert werden. Jalalabad, Homs, Aleppo in Syrien, Herat in Afghanistan, Falloudja, Mossoul in Irak, einst Kultur und Schönheit gewidmet, sind Kriegsgebiete. Vergessen ist, dass der Iran damals eine Hochschule der Bildung war, Merv eine der brillantesten Städte des Orients. Metropolen entstanden, wo kulturelle Institutionen sich übertrafen: Isfahan, Kabul, Kashgar. Lange vor Cambridge, Harvard, Oxford gab es in Bagdad, Balch, Bukhara oder Samarkand – intellektuelle Zentren, die 2000 v. Chr. weit in die Welt strahlten.

In der Wiege der Menschheit ist die wehrlose Bevölkerung oft dem Ringen um Erdöl und Religion der ausländischen Mächte ausgeliefert. Und es gibt die Konflikte der arabischen Stämme. Sie sind alt, aber die Bewohner des Mittleren Ostens sehen eine moderne Welt da draußen, die sie zur Handlung herausfordert. Die Seidenstraße und die Jugend sowie deren Kinder sehen eine Welt, in der sich Araber und Israelis die Hand geben, die Geschichte und die ältesten Religionen der Welt teilt, die Mineralien, Landwirtschaft und Tiere hat, wo Hochkulturen Kultur und Wissenschaften hinterließen, wo das Sassaniden- und das Byzantinische Reich sowie die islamischen Kalifate goldene Zeiten bescherten. Bis die Briten nach dem 2. Weltkrieg das Ottomanische Reich zerstückelten und Israel entstand, bis sich die USA in Ölgeschäft und Politik einmischten, um die Sowjetunion und andere Kandidaten auszuschalten, was von einem Krieg zum anderen führte. Der Mittlere Osten war arm, niemand wehrte sich. Sunniten und Shias (Schiiten) sowie Terror standen im Vordergrund.

Noch sind viele Araber arm, aber die Erkenntnis einer neuen Welt, Familie im Ausland, Internet und die Seidenstraße machen Hoffnung. Alle arabischen Nationen wachsen seit 2007, die Türkei, die Saudis und Iran allen voran. Gaza und die Westbank gehören zu den Ärmsten. Tourismus wächst und so die Infrastruktur. Die Arbeitslosenquote liegt bei 13 %, in Syrien und Marokko sind die Zahlen weit höher.

Nordafrika oder Maghreb, unter den Franzosen Afrique du Nord, einst Hochkultur, hat kein Zugpferd, aber Tourismus und Seidenstraße, Mineralien und Landwirtschaft. Im Westen unerwünscht, sieht man Afrikaner auf der ganzen Seidenstraße insbesondere in China, wo sie studieren oder arbeiten.

DIE MODERNE SEIDENSTRAẞE

Der chinesische Präsident Xi Jinping gab der Straße einen neuen Push mit seiner Belt-and-Road-Initiative BRI und erinnerte an die alte Straße. 65 % der Weltbevölkerung sollen 30 % der globalen Wertschöpfung, produzieren. Revolutionär. Ein und Trillionen-Dollar-Projekt. Es hagelte Kritik und Lob. 68 Länder haben bereits 2018 unterschrieben. Das Risiko ist so groß wie der Gewinn. Milliarden von Darlehen verunsichern die einen, nicht nur Singapurs Premierminister aber glaubt, dass das Projekt kohärent ist und alle Länder der Welt diesem folgen werden.

Es sieht aus wie die Geburt eines neuen Kontinents, in die Wüste gebaut, in unfreundliches Klima, wo bis dahin nichts wuchs. Von Erziehung zur Arbeit, Infrastruktur, Transport auf dem Wasser, in der Luft, Straße, Schiene, Pipeline, IT, Produktion, Tourismus und Freihandelszonen … eine neue Welt?

Der Anfang war still, mit Rumoren von großartig zu schwierig. Amerika donnerte, Europa folgte. Das übliche Medienspektakel. Wahrheit, Politik, Erfundenes. Mit den ersten Straßen und Schienen kamen die Interessierten, die Neugierigen, die Medien, Business, Touristen von nah und fern. Altes verschwand für Neues, Kultur wird für Wissenschaft und den Tourismus erhalten, Nomaden leben nicht weit entfernt von Luxus-Malls mit ihren Schafen in Jurten, neu und alt konkurrieren und kommunizieren. Die Alten hängen an der Vergangenheit, die Jugend sieht in die Zukunft. Manche glauben an die Straße, andere nicht.

Die Seidenstraße ist die Welt von morgen. Dubai, Schanghai, Singapur, Museen erzählen, erhalten, erklären. Metropolen der Welt ersticken, die Seidenstraße bietet Raum und grenzenlose Kreativität.

Die Seidenstraße ist ein Netzwerk von Osten nach Westen, vom Süden in den Norden. Das Original aber bleibt Xian über Istanbul nach Italien.

Die Seidenstraße gehört niemandem, nur den einzelnen Ländern. Diese entscheiden, mit wem sie Handel treiben wollen. Internationale Infrastruktur dient allen, insbesondere Straßen, Schienen, Luft und maritimer Verkehr sind für die Entwicklung unerlässlich. Davon profitiert die Bevölkerung, die nicht hintanstehen will. Die Jugend wird studieren, lernen und verstehen, dass die Seidenstraße fantastische Möglichkeiten bietet. Andere werden Schafe, Pferde oder Kamele, Maultiere und Hunde in der Steppe vorziehen und uns die Luft zum Atmen bewahren. Alles ist möglich. Straßen sind gemacht, um sich fortzubewegen. – In die Zukunft.

ZUKUNFT

Man denke Blockchain, Crypto. Satoshi Nakamoto erfandBitcoin vor zehn Jahren und die Entwicklung ist nicht zu Ende. LTC, ETH, Zcash, XRP, XMR, NEO, ADA … man wähle.

Blockchain-Crypto wird die Zukunft der Welt verändern, sagen Bill Gates, Jack Ma oder Justin Sun von der Tron Foundation. Programmierer weltweit konkurrieren, denken und arbeiten Blockchain, Digitalisierung, Algorithmus, AI (Artificial Intelligence). Der Tag, an dem virtuell von reell nicht zu unterschieden ist, liegt nicht in weiter Ferne.

Blockstack dezentralisiert die Welt schon heute. Es geht nicht nur um Geld, sondern um die ganze Gesellschaft. Um Gleichheit und Ungleichheit.

Etherum, Ethernet, Bitorrent.org, Etherbrowse, e-Toro … sei neugierig auf die Welt von morgen.

IOT heißt Internet of Things … das muss man wissen. DieTheorie of Speed ist Schnelligkeit, Self-Learning,Du musst sehen, wenn du schnell fahren willst. ML heißt Machine Learning, Robotics, Rogue Drones, Legal Fly Zones … COVID macht mehr Menschen zu Home-Lernenden, sie müssen mehr selber denken.

Samsung sagt das Verschwinden von Handys bis 2025 voraus, durch Fortschritt von erhöhter Realität. Gesichts-ID ersetzt schon heute Fingerabdrücke, Keine Headphone-Jacks mehr, keine SIM-Karten, keine Auflader, JBL oder Speakers, aber Triple-Rear-Cameras für NextGen-Fotos … Bleistift, Tinte, Farbe, Zeichnung kommen wieder, der Hardware-Handel geht zurück. Die Studium-App von Byju Raveendran ging schief, also startete er Denke und Lerne mit Disney, wurde zum Millionär. Studium für alle.

Blockchain startet Logistik Revolution und Supply-Kette. Es wird schon überall angewendet, du weißt es nur nicht.

Großkonzerne verschwinden, Blockchain wird aufmischen. Start-ups kommen und gehen, so ist es programmiert. Sie hinterlassen Ideen und Inspiration, start up again and again – starten neu und neu. Ein Leben, viele Jobs.

Check Self-Drive-Autos, Anti-Alter-Szene, Transfer Wise, Sound Clouds, Food, Health. Sport wird nie mehr, dasselbe sein. Kein Alter, nur Nummern, dafür Brain …

Es ist schon da, in China, den USA, Deutschland, den Philippinen, Manchester oder Hong-Kong … die Blockchain Boys protestieren, randalieren, revolutionieren nicht auf der Straße, sie sind Blockchain … effizienter.

Die chinesische Regierung übt ein Laisser faire für die NextGen, solange sie von der Straße bleiben. Deren Arbeit ist interessant, die USA sehen das anders und schlagen zu.

Futurzone ist ein deutsches Magazin, dort wird insistiert, zu lesen und Papier zu gebrauchen. Bücher und Zeitungen auf Papier. Weil Tradition Geschichte ist. Geschichte ist Kultur. Gehe 5000 Jahre zurück und lerne.

Dein Banker wird dir nichts verraten, aber er weiß. Er wird dich warnen. Er selber braucht Blockchain seit Langem. Alle Banken tun es, Regierungen. Blockchain und Algorithmen sind dein Leben, du weißt es nur noch nicht. Medien und VIP die dazu einladen, werden stillgelegt.

Outbrain heißt keine falschen News und Pegasus heißt Spionage.

Nicht nur das soziale Algorithmus-System der USA wird mit Make Poor poorer gefüttert, alle Länder wollen reiche und nicht arme Bürger, denn die zahlen mehr Steuern.

Sei vorsichtig und lerne, gestern ist bereits nächstes Jahr. Das neue Messaging heißt TikTok. WhatsApp, Facebook, Twitter, Linkedin ist für die Generation von gestern.

Halt dich am Stuhl fest, er wird bald fliegen … Das klingt nach Science-Fiction – wie die Seidenstraße für manche. Die Jugend lebt damit. Die politische Seidenstraße interessiert sie nicht, die abenteuerliche aber schon.

So wie ich die Seidenstraße 2020 erlebte und mit der Jugend sprach, sind sie Blockchain und Algorithmus. Sie wissen alles. Alles rund um IT fasziniert sie und wenn man es auf der Seidenstraße anwenden kann, umso besser. Die Seidenstraße ist ein Modell der Zukunft und des besseren Lebens ohne Revolution auf der Straße – die zu was geführt hat? Destruktion und Mord. Besserung?

ES WAR UND WIRD EINMAL DIE SEIDENSTRAẞE

Im alten Zug von Paris nach Beijing: drei Wochen, 100 Journalisten. In der Mitte der Wagen das Militär zum Schutz. Jeder Stopp ein Welcome. Chinesisch lernen und mit Beamten flirten. An der Grenze 24 Stunden verschlossene Kabinentüren ohne WC, unsere Plastiksäcke ersetzen dieses. Das Personal amüsiert es. In Beijing großer Empfang mit Musik und tanzenden Löwen. Der damals langsame Zug erlaubte, die Seidenstraße aus dem Fenster zu sehen. Man sah viel Natur, Tiere, Steppen, Dörfer ohne Menschen, vergammelte Fabriken, traurige Städte, den Baikalsee, Ulan Batoor, Schneegipfel, Einsamkeit, sowjetisch-sympathische Zustände. Jugend die noch nichts anderes kennt und vor dem Fernseher träumt. Es war einmal … Der Zug fährt immer schneller.

Ich hörte von der Seidenstraße 2000 in China. Die Medien interessierten sich kaum, waren aber bald voll davon. Was und wo war diese Straße? Kaum einer wusste es. Insider investierten auf einer Straße, die als gefährlich galt. Balkanische Zustände werden mit Gewalt, Korruption, Brutalität, Rückständigkeit gleichgesetzt und dem zivilisierten West-Europa gegenübergestellt. – Ganz schön frech und in Unkenntnis der Tatsachen. Dschingis Khan oder Attila: Die als brutal abgestempelten Mongolen beherrschen die Erinnerungen bis heute. Wissenschaftler raten und widersprechen. Europa sprach von Rom, die Perser wurden nicht erwähnt.

Die Seidenstraße gehört zu den in Vergessenheit geratenen Kultur- und Natur-Giganten der Welt, deren Entwicklung nicht spurlos an der Straße vorbeiging. Noch kennt man wenige, Helden werden vergessen. Die Koordinierung der Straße bedeutet Infrastruktur, Straßen, Flughäfen, Schienen, Häfen, Bahnhöfe, Milliarden-Investitionen, Bildung und Wissenschaften. Mehr Menschen bekommen Zugang zu einem besseren Leben, einen Blick nach draußen in die Welt. Die bereits fortgeschrittene Idee bringt Lob und Kritik.

Die unendliche Seidenstraße bleibt weiterhin unentdeckt und bietet alle Möglichkeiten, Jahrtausende Jahre Natur, Geschichte und Zukunft zu entdecken und mitzuerleben. Entlang der Seidenstraße geschieht etwas, das wir nur langsam begreifen.

Die Seidenstraße ist ein Erlebnis-, eine Business- und Bildungsreise. Vieles ist erhalten, wird noch heute erzählt oder im Museum gezeigt. Diese werden immer intelligenter, ergänzend; Konservatoren suchen, finden, stellen aus und erklären. Die Budgets steigen. Eine Woche, ein Jahr, ein Leben reichen nicht, um zu verstehen. Auf dieser Straße lebten alle Ethnien Asiens oder der ganzen Welt.

Die Seidenstraße gehört laut Statistik zum Traumziel 2020/2025. Noch sind keine Horden unterwegs. Ist die Schweiz ein Land? wird gefragt. Die Seidenstraße ist ein Seidennetz, in dem man sich verirren kann. Online-Infos gibt es Abertausende, was will man auf der Seidenstraße? Stämme, Sippen, Business, Nationalparks, Bazaar, Hamam, Kultur, Hochkultur, Religion, Wüste, Schneegipfel, Cappadoce oder Cumalikizik? Man ist verwirrt.

Die Neue Seidenstraße ist ein Jahrzehnte-/Jahrhundert-/Jahrtausend-Projekt in die Zukunft. Sie wird mit sechs Landkorridoren und maritimen Seidenstraßen China und Asien mit eurasischen Ländern und Afrika verbinden, eines Tages wird sie bis Amerika reichen. Dies wird Auswirkungen auf weltweite Handelsströme haben. Zurzeit verhindern noch schlechte Straßen und veraltete Schienen den Handel und den Zugang zu Rohstoffen, aber die Infrastruktur ist realistisch geplant oder schon da.

Durch neues Wachstum und Infrastruktur entstehen konkurrenzfähige Kosten, Reduzierung der Risiken, Absicherung für den Zahlungsverkehr. Ziel ist, den internationalen Wohlstand zu erhöhen. 30 beteiligte Häfen und 71 bislang beteiligte Länder, insgesamt 65 % der Weltbevölkerung sind betroffen. Und die Zahl steigt.

Noch ist China der Hauptinvestor, der Leader, der Macher. China reiße das Trillionen Projekt an sich, ist eine Übertreibung, weil das nicht möglich ist. Als Gründer aber sieht es anfänglich so aus. China kennt Zentralasien am besten. Jedes Land hat wirtschaftliche und politische Abhängigkeiten, die es lautstark anzubringen hat. Starke Exportabhängigkeit von China oder Russland wird kontrolliert. Bereits bestehende Handelsverträge sind zu berücksichtigen. Die Straße ist eine Schule, wo man jeden Tag dazulernt.

Ausbeutung höre ich immer wieder, dabei öffnet die Straße neue Türen, viele kennen wir noch nicht. Die Zusammenarbeit so vieler Länder ist nicht einfach, Große sollten Kleine beraten und nicht ausnutzen, Kooperationen, Verbesserung des Austausches und Risiken absichern sowie Entwicklung alternativer Finanzierungen vorschlagen.

Der wirtschaftliche Aufstieg Chinas ist einer der größten Entwicklungserfolge der Weltgeschichte. Die Neue-Seidenstraße-Initiative ist einmalig und richtig. China hat das Projekt im Detail ausgearbeitet und bezog erst einmal die Rolle des Erfinders. China kann das Projekt nicht im Alleingang realisieren und sucht Partner und Kommunikation. Kooperation mit und von allen Beteiligten, Informationsaustausch, zuhören und dazulernen von allen, Initiativen einbringen, korrigieren, kritisieren ist besser, als Eigeninitiativen, die versuchen, Handelsabkommen außerhalb der BRI oder Belt und Road Initiative zu machen. Das Projekt Seidenstraße ist dafür zu gigantisch. Mit statt gegen den Strom schwimmen. Gerade für Jungunternehmer ist ein Einblick interessant und eine Inforeise spannend.

Die Seidenstraße wird politisch ausgenutzt, COVID und Trump, verschlechterten das Klima, Biden folgt, und das Ost-West-Säbelrasseln ist hörbar. Was hat der Westen gegen die Seidenstraße? Gar nichts, antworten die Unternehmen, die Seidenstraße ist unsere Rettung, aber Fragen beantworten wir nicht.

Noch ist Amerika die wichtigste Handelsnation. China steht dicht dahinter und entwickelt sich auch zum Wissenschaftsleader mit mindestens zwei der besten Universitäten der Welt. Erstarrter Westen, flexibler Osten, Dekadenz gegen Ideen. Ost und West driften auseinander Langsam gegen Schnell, Probleme kreieren, statt sie zu lösen.

China ist das einzige Land der Welt, das den Mut und die Möglichkeiten hat, ein solches Projekt zu starten. »Die Zeit ist gekommen«, sagte ein deutscher Unternehmer, »an der Welt zu rütteln, ehe sie untergeht. Keiner wagt, es laut zu sagen«, ergänzte er, »Ost und West arbeiten mehr zusammen, als man sich vorstellen kann. Wir publizieren nicht, wir arbeiten.«

VIELE WEGE FÜHREN NACH ROM

Auch die Seidenstraße. Die Via Appia wurde 312 v. Chr. gebaut und führte von Rom nach Brindisi. Man kann die Via Appia Antica noch heute begehen. Antica ist sie nicht mehr überall, man wechselt vom alten Fußweg und Natur entlang von Schnellstraßen und moderner Umwelt in unfreundlicher Umgebung. Keiner geht mehr die Via Appia, in Italien sind nur noch Flüchtlinge zu Fuß unterwegs. Demoliert, verwahrlost und vergessen, liest man. Aber sie gehört zu Italiens Kulturgut und war schon immer eine maritime Handelsroute nach Griechenland, Zentralasien und China.

Die Seidenstraße hat Menschen zu Fuß und zu Tier schon vor Millionen Jahren auf die Reise geschickt. Dann kam das Rad und veränderte die Welt und den Menschen, der diese Welt entdecken und erobern wollte. Die Lust der Eroberer, diesen unbekannten Planeten zu besitzen, war groß. Alexander war einer von ihnen, er verlegte seine Hauptstadt von Mazedonien nach Babylon.

Binnen wenigen Tausend Jahren ist die ganze Welt umgezogen und es gibt immer weniger einheimische Menschen. Viele Indigene wurden umgebracht, um den Kolonial-Stamm zu fördern. Familien sind kurzlebig, man ist dort, wo man überlebt oder Geld verdient. Eroberer gibt es keine mehr, es sind Terroristen, die ihren Glauben und andere Ziele verfolgen. Es geht um Power und Geld. Oder um Flüchtlinge, die keiner haben will oder kann.

Auf der Seidenstraße leben, wandern, ziehen Hunderte Ethnien oder 65–72 % der Menschheit. Grenzen wurden hin- und herverschoben, es gab Diktatoren, Ungerechtigkeit und Machtmissbrauch. Aber die Jugend studiert, Wissen ist Macht, damit wird sie die Seidenstraße erobern. IT erlaubt bald allen Menschen, sich weiterzubilden. Neues Wissen entsteht.

Die Seidenstraße kann Frieden und Verständnis fördern, für Flexibilität plädieren. Menschen akzeptieren, so wie sie sind. Chancen für alle. Korruption und Kriminalität interpretieren. Kulturen respektieren. Keine andere Straße der Welt bietet so viele Möglichkeiten der Ideen-Entwicklung.

ALEXANDER DER GROẞE

War Zhang Qian 139–119 v. Chr. ein Entdecker? Marco Polo 1271–1295 der, der am längsten dort lebte? Alexander der Große oder Dschingis Khan die berühmtesten Eroberer? Nein, Attila, der Hunne war der Erfolgreichste, Genialste, ein Outsider.

Schon vor der Han-Dynastie gab es Reisende aus Sibirien, Indien, Afghanistan und dem Mittelmeer in Loulan (Mumie) oder Yingpan (Man) wo man Weltstädte ausgrub, die man auf 2000 v. Chr. datierte. Sie reisten 2010 nach Kalifornien und wurden begeistert begrüßt. In Nara, Japan, fand man auf 1500 v. Chr. datierte Waren aus Osteuropa, Persien und Zentralasien. Man recherchiert im afro-eurasiatischen Raum, wo die ersten Nomaden lebten und Handel trieben.

Damit ist Alexander eine junge Geschichte, 356 v. Chr. in Pella Mazedonien geboren. Zeus war sein Gott, Herkules sein Vorbild. Mit 18 wurde Alexander König von Mazedonien. Aristoteles Erziehung und Achilles Kriegskunst machten aus ihm eine charismatische und beeindruckende Persönlichkeit. Sein Vater starb, ehe er sich seinen Wunsch, Persien zu erobern, erfüllen konnte. Alexander machte sich 334 v. Chr. auf, Darius, den reichen Perser-König, und Mazedonien vom Mittelmeer zum Indus mit nur 35.000 Mann zu besiegen. Er wollte den Osten bis China erobern, Europa hatte nichts zu bieten.

In der ersten Schlacht bei Troja gewann er gegen 40.000 Perser und verlor nur 110 Soldaten. Alexander marschierte durch Syrien bis Phönizien, 333 v. Chr. wo er Darius Armee ohne Widerstand schlug und 12 weitere Städte auf dem Weg nach Asien eroberte. Nur die Hafenstadt Tyr wehrte sich, wurde geschlagen und versklavt, was den anderen erspart blieb. Alexander genoss den Ruf eines menschlichen Eroberers.

Der Weg nach persisch Ägypten war leicht, in Memphis wurde er zum Befreier und Pharao, gründet im Nil-Delta die Stadt Alexandria, zog weiter in die Wüste und den heiligen Ort Siwa, wo ihm das Orakel von Amon offenbarte, dass er nicht der Sohn von König Philippe, aber von Zeus, dem Gott aller Götter sei. Viele glaubten ihm und er selber am meisten. 331 v. Chr. verließ er Ägypten nach Gaugameles in Assyrien, schlug Darius’ mächtige Armee erneut und nahm Persiens Hauptstadt Babylon, Suse und Persepolis ein, die er symbolisch dem Feuer überließ und nur die heiligen Stätten verschonte. Die Perser schenkten ihm Löwen und Tiger im Käfig und hießen ihn als Helden willkommen. Er nannte sich Herrscher von Asien, mischte sich aber nicht in Staatsgeschäfte ein, solange Steuern bezahlt wurden. Sein Vorstoßen nach Asien wird nicht von allen Erzählern gleich beschrieben, er eroberte schnell und rabiat, zerstörte Kultur, die die Chinesen unterwegs hinterlassen hatten, bewunderte deren Mauer und schützte seine Eroberungen damit. Er lebte in Luxus, liebte Wein und Frauen und hinterließ viel Blut. Manch eine Stadt war froh, als er weiterzog und Kultur und Wissen hinter sich ließ. Seine Kunst des Krieges war brutal, bis er sich plötzlich am Himalaja befand.

Darius flüchtete und wurde von seiner Armee ermordet. Alexander marschierte weiter und nahm ganz Persien ein, ehe er eine letzte Schlacht im heutigen Pakistan am Fluss Hydaspes gewann.

Seine Armee war am Ende und wollte Alexander nicht mehr weiter nach Osten folgen. Er führte sie entlang des Indus bis zum Meer von Oman, dann marschierten sie durch die Wüste von Gedrosie, heute Iran, und erreichten 324 Babylon, die neue Hauptstadt Alexanders und später Mazedonien.

Er konnte seine Pläne nicht mehr fortführen, vertraute diese seinen Generälen an, die sich stritten, nur Ptomelee in Ägypten und Seleucos in Persien gründeten Dynastien.

Alexander blieb berühmt, bis Dschingis Khan ihn an Kampflust überholte. Alexander wurde als einer der Eroberer der Seidenstraße über Land, Vasco da Gama als Eroberer der maritimen Straße berühmt.

Alexander starb mit 32 In Babylon. Umstände unbekannt. Er hinterließ die Kultur der griechischen Zivilisation in Asien bis zum Indus. Abertausende Griechen zogen in die von Alexander gegründeten Städte, förderten den Austausch von Ideen, Kultur, Kommerz und Sprache. In dieser hellenistischen Zeit entstanden Kunst, Wissenschaft, Mathematik, Astronomie (Archimedes, Euklid, Eratosthenes). Es gab die Elite und das lokale Volk, das an seiner Tradition festhielt.

Die Macht von Rom überholte Griechenland 200 v. Chr., gefolgt von den Seleukiden und ptolemäischen Dynastien 64–30 v. Chr. sowie dem Tod Kleopatras. Rom respektierte und anerkannte die mazedonische Kultur Alexanders und der Griechen und übernahm diese in seine eigene. Mazedonien wurde gezwungen, mit Griechenland unter römischer Herrschaft Frieden zu schließen, und wurde damit zum Alliierten Roms, 146 v. Chr. Rom machte aus Mazedonien eine seiner Provinzen aus der bis heute Nordgriechenland, Nordmazedonien und bis 1991 Jugoslawien entstanden, die sich heute mindestens zehn Ethnien teilen.

Alexander gilt als einer der berühmtesten militärischen Strategen und prägte seine Epoche als gigantischer Feldherr und kreativer König bis heute. Alexander brachte die griechisch-römische Hochkultur bis zum Indus, von dort wurde sie weitergetragen. Begegnung und Austausch mit der chinesischen Hochkultur auf der Seidenstraße führte zum Besten, was die Welt kennt, und fasziniert Wissenschaftler und das Publikum in Museen.

Alexanders Leben und Krieg war kurz, aber er hinterließ die griechische Sprache, die Kultur des Mittelmeers bis nach China. Man bewunderte die griechischen Götter und produzierte diese als Andenken an Alexander. Apollo thronte in Tadschikistan, man las Homer in Bulgarien, verglich die griechische Ilias mit dem indischen Mahabharata. Ausgrabungen in wildesten Nomadendörfern auf der Seidenstraße brachten Abbildungen griechischer Kultur und Götter hervor. Die schon immer wissensbegierigen Perser begrüßten Alexanders Reichtum. Umgekehrt entstand ein Austausch mit dem Buddhismus, als dessen Philosophie in den Westen strömte.

Das Tarim-Becken ist stark vom griechisch-buddhistischen Kunst-Stil beeinflusst, dessen Herkunft vom hellenistisch-griechischen baktrischen Königreich 250–130 v. Chr. ins heutige Afghanistan und Indien strahlt, wo eine Interaktion zwischen griechischer und indischer Kultur entstand und das heutige Pakistan, die Region von Gandhara, dann Mathura, Indien im Gupta-Imperium beflügelte. Alexander der Große etablierte hier kraftvolle Regionen, die hellenistische Kunst und Welt hinterlassend. Damit sind die Griechen in Asien und vorerst in Indien bekannt für ihre Bronze-Paletten mit griechisch mythologischen Darstellungen. Apollo und Daphne Athena und Herakles. Die starke Präsenz des Buddhismus im 1. Jahrhundert n. Chr. aus Indien traf auf diese hellenistische Kultur. Manch eine Skulptur trägt west-östliche Züge.

»Vertraue keinem, aber lerne, allein zu leben«, sagte Alexander zu seinen Soldaten.

TÜRKEN, ARABER, OSMANEN, OTTOMANEN

Seit prähistorischen Zeiten wanderten Nomaden oder Horden von Zentralasien zwischen Pamir und Jenissei, der Wolga und den Tian-Shan-Bergen. Die Horden sprachen finno-ugrische Sprachen, Türkisch, Suomi und Mongolisch.

Um Christus Geburt wanderten diese Proto-Türken (deren Herkunft dem dritten Jahrhundert v. Chr. in Nordost-China zugeordnet wird) über West- und Nordwest-China in die Mongolei und wurden zu exzellenten Reitervölkern, die sich schnell überall im asiatischen Kontinent zu Hause fühlten. Die Chinesen berichten von diesen Türken schon 200 v. Chr. und nannten sie Hsiung Nu oder Hun. Sie lebten in den Altai-Bergen um den Baikal-See und waren die Vorfahren der Türken. Sie gründeten das Xiongnu-Reich. 6 n. Chr. unterordnete sich ihr Khan der Tang-Dynastie, konnte sich aber nicht behaupten, während sie sich im Westen Byzanz zuwandten und manche als Söldner arbeiteten. China baute seinen Machtbereich und den der Türken aus, was zum Krieg mit Byzanz führte. 588–589 n. Chr. gewannen die Türken gegen die Sassaniden und vergrößerten das chinesische Reich, dem kein türkischer Khan gewachsen war. 659 wurden alle türkischen Landteile in China eingegliedert.

Viele andere türkische Stämme vereinten sich 683 gegen China und überfielen es bis 727. Es entstanden türkisch geprägte Nomadenstaaten, in Südrussland entstand ein neues Türkenland, die das Judentum als Religion hatte. Es war das multikonfessionale Khazar Khaganat mit einer jüdischen, aus freiem Willen konvertierten Elite, aus denen die Ashkenazy-Juden wurden. Sie wanderten im 19. Jahrhundert nach Deutschland und Frankreich aus, wo sie, im 2. Weltkrieg verfolgt, die jüdische Abstammung verneinten. Eine bis heute polemische Diskussion.

750 erhoben sich die Uiguren gegen die Türken, töteten den letzten Khan und gründeten ein uighurisches Khaganat. Dieses löste sich von der Nomaden-Kultur und pflegte gute Beziehungen mit den Chinesen. Die iranischen Türken traten zur Manichäismus-Religion über, die Uiguren folgten. 840 revoltierten die Kirgisen gegen die Uiguren und zerschlugen deren Reich. Sie wurden erneut zu Nomaden. Blaue Augen, rotblonde Haare, helle Haut, schrieben die Chinesen, was aber eher einem Märchen zugeschrieben wird. Türken glaubten, von einem rothaarigen Wolf abzustammen. – Tengri?

Überlebende Uiguren wanderten in den Süden und gründeten zwei neue Reiche. Eines davon unterstellte sich Dschingis Khan und später der chinesischen Yuan-Dynastie. Die Tibeter löschten das uighurische Reich 1028 aus.

Die Uiguren wanderten nach Konstantinopel, wo sie geschlagen wurden. Was blieb, gliederte sich der mongolisch-türkischen Goldenen Horde an.

Im 8. Jahrhundert n. Chr. drangen die Araber nach Mittelasien vor. Der inzwischen installierte Islam bekehrte die Türken. Diese wurden oft zu Militärsklaven (Mamluken), aber sie wurden auch manchmal zu Sultanen und vergrößerten das Reich des Islams. Der Siegeszug der Osmanen verbreitete sich nach Indien, China und Anatolien. Die islamische Sprache war Persisch und Arabisch.

Die nun osmanische (nach einem Kleinfürsten genannte) Dynastie bedrängte das Byzantinische Reich ab 1071, das im 14. Jahrhundert verschwand. Bis zum 15. Jahrhundert machen die Türken daraus türkisches Land und eine Großmacht. Damit verändert sich die religiöse, soziale und ethnische Kultur in eine türkisch-islamische. Unter Osman dem Ersten sprach man Türkisch und bildete sich in Persisch aus. 1453 fiel Konstantinopel an die Osmanen, große Teile der arabischen Halbinsel und des Mittelmeerraums gingen an die Türkei. Vor den Staatskrisen des 17. und 18. Jahrhunderts hatten Nicht-Muslime und Muslime ähnliche Rechte. (Osman der Erste gründete das ottomanische, später osmanisch genannte Reich 1299.)

Mekka und Medina waren der Beginn des Islams im 7. Jahrhundert n. Chr. Der Islam anerkennt die Propheten Jesus, Solomon, David, Moses, Abraham, Noah und Adam, die Allah untergestellt sind. Die Omeyyaden islamisierten das Land.

Im 8. Jahrhundert entwickelte sich der Islam zu einem goldenen Großreich rund um die Welt, Kultur, Wissenschaften, Astronomie, Mathematik, Physik, Philosophie und Architektur blühten.

Im 1300 n. Chr. verlor das Reich durch mongolische Überfälle, die Tamerlan-Schlacht und den Schwarzen Tod aus China an Gewicht. Muslime wurden zu Sklaven, es war der Beginn vom Ende einer kultivierten Weltmacht.

1258–1515 regierten Türken und Mongolen, sie zerstörten Bagdad, die herrliche und damals größte arabische Kulturstadt der Welt die, 1932 wieder aufgebaut von den USA, im Irak-Krieg bis 2011 bombardiert wurde, und machten damit einen der damals schönsten Punkte auf der Seidenstraße, wo Elfenbein und Diamanten bis Ostafrika gehandelt wurden, zur Stadt mit der heute schlechtesten Lebensqualität.

1515–1546 eroberten die Ottomanen die Stadt zurück. Die Briten besetzten Irak im 2. Weltkrieg. 1921 regierten die Haschemiten unter König Faysal. 1939 wurde Irak nominal unabhängig. 1941 revoltierten nationalistische, pro-deutsche Araber, die Briten setzten König Faysal mit den Alliierten zurück auf den Thron. Irak wurde 1958 eine Republik. 1961 rebellierten die Kurden. 1968 ließ ein Militärputsch die anti-imperialistische Baath-Partei regieren. 1975 einigten sich Iran und Irak im Kurdenstreit. 1979 wurde Hussein Präsident. 1990–1991 war der erste Golfkrieg. 1996 ging die Krise mit der UNO weiter. 2003 attackierten USA und Briten den Irak und setzen eine provisorische Regierung ein. Diese erstellte eine neue Konstitution. 2011 zogen die Friedenstruppen ab, Sunniten und Schiiten waren sich uneinig, Al-Kaida nahm den Westen des Landes ein. 2014 installieren die Islamisten ein Kalifat im sunnitischen Teil, wo es bis heute keinen Frieden gibt.

Trotz Terror spielt der Irak eine wichtige Rolle im Ölgeschäft und ist sich dessen bewusst. Die Türkei beanstandet alte Gebiete in Syrien und im Irak, aus denen sie Trenngebiete gegen Flüchtlinge machen will.

Im 19. und 20. Jahrhundert fiel die islamische Welt unter den Einfluss der Großmächte: Palästina, Kaschmir, Xinjiang, Tschechien, Zentralafrika, Bosnien, Myanmar. Politik regierte die Welt. Amerika First. Öl stabilisierte den Persischen Golf, Free Trade und Tourismus entstanden. Die Türkei lässt sich nicht manipulieren, weder West nach Ost. Weder Süd nach Nord.

730 n. Chr. gab es die ersten schriftlichen Zeugnisse in türkischer Schrift. Türkische und andere Nomaden taten sich zusammen unter einer Gogtürk-Khan-Dynastie, deren Macht vom Aral-Meer bis zum Hindukusch reichte. Manche kämpften als Söldner für den Feind. Weitere türkische Stämme zogen ans Schwarze Meer.

Dieses Türkisch sprechenden Gruppen findet man noch heute in Aserbaidschan, Kasachstan, Turkmenistan, Kirgistan (eigentlich Kirgistan, früher Kirgisien) und Xinjiang/China. Eine verwandte türkische Sprache spricht man in der Türkei. Nicht alle Türken sind Islamisten, alle Religionen der Welt sind in der Türkei vertreten. Türken gab es vor dem Islam. 200 Millionen Menschen sprechen eine türkische Sprache.

Die Seljuk-Türken eroberten und gründeten 1071 die heutige Türkei und beendeten damit das Byzantinische Reich. 1243 kamen die Mongolen und brachen die Türkei auseinander. Es entstanden verschiedene Sultanate. 13 n. Chr. fanden sie wieder zusammen und eroberten den Balkan. Die Turkifikation von Anatolien eroberte Konstantinopel 1453, gefolgt von Suleiman dem Wunderbaren, der das ottomanisch-türkische Reich zum Weltreich machte. Im 18. Jahrhundert wurde das Reich zerrüttet, im 19. modernisiert und reformiert. Der Staatsstreich von 1913 führte das Land in den 1. Weltkrieg, in dem die Regierung Blutbäder gegen Armenier, Assyrier, und Griechen verordnete. Europa fürchtete sich vor dem türkisch-islamischen Reich.

Atatürk beendet das Osmanische Reich und gründet 1923 die Türkische Republik. Als Feldmarschall und Revolutionär modernisierte und industrialisierte er das Land, das er säkularisierte. Er sagte, dass alles, was wir in der Welt sehen, von Frauen kreiert wurde. Er regierte bis zu seinem Tod 1938. Er modernisierte, realisierte progressive kulturelle Reformen, schuf freie Schulen, Wahlrecht für alle. Er gewann den Kampf für Unabhängigkeit gegen die Alliierten und bleibt einer der wichtigsten politischen Führer des letzten Jahrhunderts.

Die heutige Türkei gehört zu den ältesten permanent sesshaften Regionen der Welt. Man sprach Indoeuropäisch. Göbekli Tepe, 10.000 v. Chr., gehört zu den ältesten von Menschen gemachten religiösen Tempelstrukturen. Catalhöyuk ist eine neolithische sesshafte Stadt-Ausgrabung von 7500 v. Chr. und UNESCO-Weltkulturerbe. Spätere Bewohner der Türkei, die Hethiter aus dem Nahen Osten 2000 v. Chr., gefolgt von den Persern, Römern, Griechen, Byzanz, hinterließen Kultur, Philosophie, Wissenschaften und Religionen.

Die Türken verloren mit den Deutschen den 2. Weltkrieg. Das Ottomanische Reich wurde aufgeteilt. Den Türken blieb nicht viel. 1950 wurde das Land wieder traditionell islamistisch, der Wunsch nach Westen und Europa oder Osten und Balkan bleibt offen.

LAWRENCE OF ARABIA

Der vielfach Oscar prämierte Film von 1962 basiert auf einem modernen Alexander. Thomas Edward Lawrence, 1888 in England geboren, war ein britischer Archäologe, Offizier der Armee, Diplomat und Autor. Er begann seine Notizen 1919 bei der Friedenskonferenz in Paris (wo er ein Treffen mit Weizman, Israel und König Faisal, Saudi-Arabien, das die Franzosen ruinierten, organisierte) und schrieb diese, als er zurück in Ägypten war, weiter. Seine fast zehn Bücher oder 250.000 Worte ließ er in einem Bahnhof liegen, sie wurden nie wiedergefunden. 1920 schrieb er das Buch mit 400.000 Worten neu. Aus dem Titel Die arabische Revolte wurde später Die sieben Säulen der Weisheit. Der Film entstand 1962.

1911 reiste Lawrence mit 22 zum ersten Mal auf der Seidenstraße nach Cachemish, die wichtige antike Hauptstadt in Nord-Syrien, wo 5000 v. Chr. bereits Bronze gefunden wurde, um die Hethiter-Kultur zu verstehen. Es war der Anfang seiner Faszination für den Mittleren Osten und die Seidenstraße.

Er studierte in Oxford die Kreuzzüge und ihre Burgen, insbesondere die Zitadelle der Festung von 1031 n. Chr. in Syrien, 30 km von Homs, wichtiger Handels- und militärischer Umschlagplatz vom Landesinnern an die Küste.

Er begab sich auf einer 1000-Kilometer-Wanderung auf und neben der Seidenstraße in Dörfer, die nie zuvor einen Fremden gesehen hatten, er wurde zum Araber, er lebte ihr Leben; nie als Lehrer, sondern immer als Zuhörer und Lernender. Nach vier Jahren in Caschemish brach der 1. Weltkrieg aus. Er kannte die Geschichte des Mittleren Ostens besser als jeder Westler und wurde nach Ägypten entsandt. Dort entwickelte er sich zum Rebellen für die arabische Mission und schwor sich, dafür zu kämpfen. Faisal und Hussain verstanden, dass er auf ihrer Seite kämpfte.

Lawrence war ein uneheliches Kind aus guter Familie, was zur damaligen Zeit nicht sein Vorteil war. Sein Einsatz für die Araber entstand aus seinem Bedürfnis für Gerechtigkeit. Rebell, Krieger, Pilot der Airforce, General und militärisch exzellent ausgebildet, attackierte er die Türken für England und wurde zum profiliertesten Offizier. Er bombardierte 79 Brücken und zahlreiche Bahnlinien, die die Osmanen wieder aufbauten, ehe Lawrence erneut zuschlug, und von denen noch zahlreiche verrostend in der Wüste liegen. Lawrence ist vergessen, die Bahnverbindungen werden vermisst, nur wenige blieben.

Viele seiner Kenntnisse hatte er sich 1914 in der Negev angeeignet, wohin ihn die britische Armee und der Palestine Exploration Fund als Archäologe und Forscher entsandten, weil hier die Osmanen auf dem Weg nach Ägypten vorbeikamen. Lawrence, offensichtlich fasziniert von der Seidenstraße, besuchte und studierte diese von Akaba und Petra bis Mesopotamien und Syrien. Er interessierte sich für die Wasserversorgung in der Wüste und die Einheimischen. Zu Beginn der britisch-türkisch-arabischen Auseinandersetzungen wurde er als Hauptkommandeur nach Kairo versetzt. Er versuchte immer, sein Gewissen zwischen Briten, Arabern und türkischen Freunden im Gleichgewicht zu halten.

In den osmanischen Gebieten entwickelten sich nationalistische arabische Bewegungen. Der Emir von Mekka, Hussein, bot den Briten seine Hilfe gegen ein unabhängiges Territorium oder Arabien bis Mesopotamien und Syrien an. Frankreich und Indien protestierten, Hussein drohte auf die Seite des Osmanen zu wechseln. Die Briten waren gewillt, ihm ein Stück Land am Mittelmeer zu überlassen. Lawrence wollte einen freien, unabhängigen Staat.

1916 kämpfte Lawrence mit den Arabern bei Kut (Bagdad) während in London Russen, Briten, Franzosen und Italiener die Einflussgebiete gegen die Osmanen diskutierten, ohne Lawrence davon in Kairo zu informieren. Für einen arabischen Staat müssten diese erst Damaskus, Homs, Hama und Aleppo erobern. Auch Lawrence berichtete nicht alles aus Kairo nach London.

Lawrence beschreibt seinen Einsatz von mehreren militärischen Einsätzen während der arabischen Revolte. Die Araber wurden 1916 von den Osmanen bedroht, diese bewegten sich entlang des Roten Meeres, um Mekka einzunehmen. König Faisal erhielt die Unterstützung der Briten und in Erwartung deren Truppen wurde Lawrence’ permanenter Einsatz mit Faisal bestätigt. Januar 1917 attackierten sie Hejaz, drei Monate später die Bahnlinie in Aba el Naam und weitere drei Monate danach die Brücke von Ras Baalbek.

Faisal und Lawrence erreichten Akaba im Juli 1917, wo sie die Osmanen erfolgreich schlugen. Es folgten im selben Jahr die Bahnattacken in Mudawar und Amman.

1918 folgten zahlreiche Attacken in der Nähe des Toten Meeres. Lawrence wurde militärisch befördert. Mit der Ankunft britischer Waffen gelangen Zerstörungen von immer mehr Brücken und Bahnlinien. Die Zivilbevölkerung wurde, wenn möglich verschont.

Ende 1918 schlug Lawrence die Osmanen und die Deutschen, die die Dorfbewohner bei Tafas massakrierten und ein Blutbad anrichteten. Er setzte sich in der Kampagne gegen das Ottomanische Reich im 1. Weltkrieg für die Araber, Sinai und Palästina ein. Sein Buch Die sieben Säulen der Weisheit beschreibt seinen Einsatz bei mehreren militärischen Überfällen während der arabischen Revolte. 1916 war er in Kairo für die Briten stationiert, befreundete sich mit dem Anführer der arabischen Revolte, Emir oder Prinz Faisal.

Lawrence schrieb, dass die arabischen Beduinen-Kämpfer nicht in eine Armee eingeordnet werden konnten, da sie den Feind mit ihren eigenen Strategien angriffen. Feindliche Beduinen-Stämme mussten erst verstehen lernen, um, welche Interessen es ging.

Lawrence traf sich überall mit arabischen Nationalisten und unterstütze Faisals Truppen, indem er eine veritable Guerilla-Aktivität entstehen ließ. Die Briten honorierten sein militärisches Wissen erneut.

Lawrence griff seine Ziele an, so auch Medina, ohne sie zu zerstören, damit ermüdete er die schon isolierten Islamisten, die sich mit dem Wiederaufbau beschäftigten, als Lawrence und die Beduinen wieder zuschlugen. Ähnlich der damaligen Krieger der Seidenstraße entwickelte er eine der Situation angepassten Strategie, instruierte seine Soldaten aller Ethnien und übernahm das Kommando. Er kämpfte für die Araber, an der Front und sein Leben riskierend.

Es ging 1916 um die Einflusszonen und Kontrolle oder Teilung des Ottomanischen Reiches zwischen den Briten und Frankreich, das vom Russischen Reich akzeptiert wurde. Das Abkommen teilte das Ottomanische Reich in französische und britische Zonen. Israel, Palästina, Jordanien, Südirak, Haifa und Acre gingen an die Briten. Südost-Türkei, Nord-Irak und Syrien sowie Libanon gingen an die Franzosen. Russland erhielt West-Armenien, Konstantinopel, Italien Süd-Anatolien. Ein kleiner Teil Palästinas fiel unter internationale Administration.

Die Araber hofften, dass die Briten ihnen die versprochene Heimat zugestehen würden, im Austausch für deren Beistand im Krieg gegen die Türken. Die Briten hatten den Kuchen aber schon verteilt, die Araber wurden vergessen und die Türken jubelten, weil die Kurden damit keinen eigenen Staat erhielten. Diese komplexe Situation hat sich zu einem modernen globalen Terrorkrieg entwickelt.

Danach arbeitete Lawrence für das Auslandsministerium, die Royal Air Force, schrieb Bücher und kam 1935 bei einem Motorradunfall um Leben. Er war 46. Sein Ziel, ein freies Arabien, nicht erreicht zu haben, bedrückte ihn zutiefst.

Die Vermischung von Buch, Tatsachen und britischen Dokumenten ist verführerisch. Lawrence of Arabia geht als mutiger Kriegsheld daraus hervor. Lawrence war ein Denker, Philosoph, Rebell und Krieger. Churchill beschrieb ihn als eines der größten Wesen unserer Zeit: »Ich fürchte, was auch immer wir brauchen, so wie er wird keiner sein.«

WINTERREISE

Es war eine Winterreise: Südostasien, von Ost nach West, China, Schanghai, Xian nach Italien, Venedig, Rom. Ich kenne und liebe Schanghai und Venedig. Was dazwischen liegt, suchte ich auf der Karte. Exotische Namen in 40 Ländern, die neugierig machen. 8.897 km oder weit mehr mit Abstechern in alle Richtungen. Man kann im Zug, auf dem Schiff oder im Flugzeug, per Bus, Auto oder Rad oder per pedes seine Ziele erreichen. Kamele, Pferde und Maulesel stehen für kurze Distanzen zur Verfügung und werden ausgetauscht. Man kann eilig oder langsam reisen, jeder hat seine eigenen Vorstellungen. Eine Reise für Neugierige, die sich gerne überraschen lassen und das Staunen nicht verlernt haben. Eine Reise für Aussteiger, Mutige, die etwas anderes suchen, die Unzufriedenheit in Humor wandeln können. Die sich nicht in Politik, von der sie nichts verstehen, einmischen und nie versuchen, Menschen eines Besseren zu belehren.

Sechs Monate Balkanländer, Ex-Sowjetunion, Belarus, die Stan-Länder, Zentral- und Vorderasien, Osteuropa, Westeuropa, Eurasia mit Abstechern nach Vorderasien, Russland und dem Mittleren Osten. Es gibt viele Wege von Osten nach Westen, ein ganzes Netzwerk, auf dem seit Tausenden Jahren gehandelt, getauscht, verkauft wird. Vom Sklaven zu Chinas Seide, von der die ganze Welt träumte. Von Hard- zu Software.

Eine Reise ohne präzisen Plan, vielen Stopovers in alle Richtungen, mit viel Zeit und einem Ziel: Go west or East. Ohne Guides, dafür Spürnase, den Einwohnern zuhörend und ähnlich den Reisenden vor Tausenden Jahren den Handel im Kopf. Eine kleine Gruppe von wilden Reportern, die schreiben, filmen, YouTuber, TikToker, Filmer, Fotografen, Erzähler. Keine Crews. Keine Gruppenreise. Meist allein unterwegs, weil jeder seine eigenen Ideen realisieren und diese nicht teilen will. Man reist allein anders als zu zweit. Man wird angesprochen und ich höre gerne zu, was Menschen fernab erzählen. Singen. Kochen. Tun. Sind. Wünschen. Leben. Handel. – Politik von fremden Ländern versteht man nicht, Geschichte aber schon. Man reist als Diplomat.

Der Begleiter hieß COVID, er hatte sich still verbreitet und niemand wusste davon.

1000 MILLIARDEN FÜR EINEN WEG

Es ist Zeit, dass wir die Welt auf den Kopf stellen. China zementiert nicht seine Vormacht, aber hatte die Idee der Neuen Seidenstraße. Chinas Investitionen ziehen weitere Ideen an. Es handelt sich nicht um ein Fantasieprojekt; China und alle Beteiligten haben eine präzise Blaupause, die zum Erfolg führen soll. Chinesen sind ein Geschenk des Himmels, hörte ich immer wieder. Henry Kissinger sagte es richtig: »Kritiker kennen und verstehen die Kultur Chinas nicht.«

Beim mehr als eine Trillion teuren Seidenstraße-Projekt von Anfang an mit dabei zu sein, bedeutet Mitspracherecht und Verständnis. Große und auch kleine Firmen sind dabei. Viele Firmennamen kennt man nicht, selbst die Großen bleiben still. Aus einer Idee wurde Realität, die in viele Richtungen still wächst und Erfolg und Verlust verspricht. Wie im Leben. Verlierer gewinnen an Erfahrungen. Die Seidenstraße nach Tausenden von Jahren wieder zu beleben ist ein Abenteuer, an dem jeder teilnehmen kann. Kritiker, Vorsichtige, Enthusiasten. Umweltschützer, Financiers, Demokraten, Sozialisten, Aufbauer und Zerstörer. Investieren vor gewinnen, riskieren, abwarten, arbeiten. Westliche Modelle anpassen und nicht kopieren. Kommunizieren.

Gewinner gibt es schon heute viele, sie reden nicht davon. Die Seidenstraße ist ein Unternehmen in die Zukunft. Verlierer fangen neu an. Die Seidenstraße ist ein Projekt für big and small Business, für die, die daran glauben und überzeugt sind, dass sie gewinnen werden, wie Dschingis, Alexander oder Attila. Mutige Investoren, die daran glauben, dass die Welt neuen Input braucht.

Kein Weg der Welt verbindet so viele Länder und Völker, so viel Geschichte, so viel Unbekanntes, Spannendes und Faszinierendes. So viel, was wir nicht kennen. Drei Viertel der Welt. So viel Zukunft.

ATTILA

Outsider, gefürchteter Bogenschütze, Schwertwerfer, Schildhalter, Krieger, Reiter. Barbar, intelligent und freundlich, wenn es ihm passte. In der Mongolei 400 v. Chr. zu Pferd geboren, auf dem Pferd lebend, ohne stabile Armee mit ihm untergebenen Hunnen, Alemannen, Burgundern, Ostrogoten, Skythen oder Xiongnu und allen Nomaden, die sich ihm entlang der Seidenstraße anschlossen kämpfend. Sein Leben war erobern, überleben, gewinnen. Von Westrom bis und mit China.

Beutelust oder Nahrung? Er zerstörte, was ihm im Weg stand, tötete, hinterließ Steine und Knochen. Seine neue Reiterkampftechnik brachte den Feind außer Kontrolle, diese spielte bis ins 5. Jahrhundert eine bedeutende Rolle.

Attila attackierte unerwartet und verschwand nach gewonnener Schlacht mit der Beute. Er schlug die Goten, die Gallier, Italiener, Griechen. Er jagte die Germanen nach Westrom, wo sie zu dessen Untergang beitrugen. Hunnen und Visigoten schlugen die Römer 378 n. Chr., bis keiner von ihnen mehr aufstand, und plünderten Westrom. China vertrieb Attilas Todesreiter, als sie über die große Mauer klettern wollten, und beschreibt sie als Dämonen. Die Mongolen schafften die Mauer ein Jahrtausend später.

Die Hunnen fielen 375 in Europa ein und wurden zu den gefürchtetsten Feinden. Attilas persönlicher Umgang mit seiner Armee stand in großem Kontrast zu den Römern, die dieses Reich nicht zusammenhalten konnten.

Attila kam aus einer Familie, die ihm und seinem Bruder Bleda Lateinisch und Griechisch, die Kriegskunst, den Umgang mit Pferden und hohen Besuchern beigebracht hatte. Aus welchem Nomadenstamm er kam, ist unbekannt. Kräftige Statur, eher klein, großer Kopf, kleine Augen, flache Nase, braun gebrannt und Bart. Nie ansässig, immer unterwegs, in chinesischer Seiden-Jurte seine Nächte verbringend, die Seidenstraße nach Westen erkämpfend, heimatlos die Welt erobernd. Seine Armee rekrutierte er aus Männern vieler ethnischen Gruppen und machte sich zum Herrscher aller Hunnen. Sie zogen mit Familien, Tieren und Zelten durch die Steppe; bei Angriffen blieben diese zurück. Später etablierte sich Attila zwischen den Feldzügen in einem Holzhaus in Ungarn. Er hatte den Reichtum der Seidenstraße bis Rom erobert. Der Mythos vom ungewaschenen Mann ist falsch und wenn er selten fürstlich Gäste empfing, trank er Wasser aus einem Holzbecher und aß wenig.

Seine Soldaten trugen schwer eingefettete Lederuniformen gegen den Regen, Stahleinlagen schützten vor Pfeilen und Schwertwerfern. Die eingefetteten Lederstiefel waren weich, eben zum Reiten, zum Gehen ungeeignet – man lebte auf dem Pferd.

Sein Vater, König Rugila, starb während des Anschlags auf Konstantinopel. Attila wurde König mit seinem Bruder und einer gigantischen Armee, die Ostrom immer wieder für deren Schutz vor Angreifern in gutem Gold bezahlte. Attila brach den Vertrag mehrmals freundschaftlich. Es ließ seinen Bruder ermorden, um die ganze Macht an sich zu reißen, weil er nur so sein Ziel erreichen konnte. Attila und seine Vandalen waren Roms gefürchtetste und unberechenbarste Feinde. Seine Reiternomaden aus Nord- und Osteuropa waren wild und stark. Attila brachte Ordnung in die Armee und das Leben der Nomaden, das er durchorganisierte. Er kaufte landwirtschaftliche Produkte, Pferde-, Schaf- und andere Tierherden für seine Armee und Familien, was wiederum das Einkommen der sesshaften Bevölkerung bereicherte.

War Attila so grausam, wie man ihn beschreibt? Die US-Armee könnte viel von ihm zu lernen: Attila hat selbst bei Vertragsbrüchen am Ende Wort gehalten, loyal gehandelt, Plünderungen unter das Volk verteilt, seinen Sohn umarmt und war an Reichtum nicht interessiert.

Manche Hunnen kämpften auch für die Römer gegen Gold und wurden reich. Hielten die Römer Tribut-Verträge nicht ein, wurden Städte in Brand gesteckt, ganze Regionen verwüstet. Attila und die Hunnen regierten den florierenden Handel der Seidenstraße, begegneten römischer und griechischer Hochkultur; in ihren Gräbern fand man chinesische Opfergefäße und bronzene Spiegel, Gold und Waffen, Schmuck, Plünderungsgüter der Seidenstraße.

Naturkräfte waren göttlich. Man wusch sich nie, denn das heilige Wasser durfte nicht verunreinigt werden.

Attila starb 453 in der Hochzeitsnacht unter mysteriösen Umständen, niemand weiß, wo er begraben liegt Er hinterließ ein gigantisches Reich, das bald zerfiel. Seine Krieger verteilten sich zurück in ihre Steppen Zentralasiens bis China oder blieben in Europa. Die Hunnen verschwanden mit ihrer Sprache. Attila bleibt im Nibelungenlied erhalten.

Es folgte das westliche Imperium auf dem Boden Attilas und der Hunnen, germanisch-romanische Reiche, die die Kultur des Mittelalters prägten. Attila hinterließ Spuren: Noch heute tauft man Jungen in Ungarn Attila und vergleicht ihn mit Cäsar, den Khan-Dynastien oder Alexander.

Damit waren es viele Stämme und Ethnien, Nomaden und Steppenvölker, genannt Attilas Hunnen, die das weströmische Reich 476 zu Ende brachten. Will man einen Deutschen beleidigen, nennt man ihn einen Hunnen.

Alexander, Attila, Spartakus sind nur einige der großen Krieger, die die Welt auf der Seidenstraße veränderten, die selber auf dem Pferd saßen und die Kunst des Krieges beherrschten. Heute sind es militärische Politiker in Büros, die Soldaten für Geld kämpfen lassen.

Herzblut, Heldentaten, das Gewinnen einer Schlacht, den Feind zu schlagen, seine Kräfte zu messen, all das gibt es heute nicht mehr – außer bei Godzilla, dem ersten Kampfspiel basierend auf den japanischen Samurai oder Blutkriegern, gefolgt von Martial Arts, Karate, Kung Fu, Taekwondo, Judo, Kickboxing, Jiu-jitsu … Sie alle entstanden auf der Seidenstraße in China, Korea, Japan.

Boudica, Keltin, trainierte gegen alle Kultur und Gesellschaft in Kriegskunst, Waffen und Reiten. Als ihr Vater, König Prautagas, 60 n. Chr. in England starb, hinterließ er ihr das Zepter. Die Römer aber annektierten das Königreich, vergewaltigten Boudica und ihre zwei Töchter. Empörte Nomadenstämme zogen gegen die Römer los. Sie töteten 70.000 Römer und massakrierten, was darum herum war.

DIE SEIDENRAUPE

Sie spielt die Hauptrolle auf der nach ihr benannten Straße. War es Chinas Urkaiser Shennong, König der Bauern genannt, in der chinesischen Mythologie ein Kulturheld, der 2727 v. Chr. den Menschen Ackerbau, Tee und Medizin, Wurzeln und Kräuter, das Guqin-Instrument sowie die Seidenraupen-Kultur beigebracht hat? Oder war es ein anderer Urkaiser, dessen Frau die Fäden weit früher entdeckte?

Sein Nachfolger Kaiser Fu Xi führte alle Arbeiten des Urkaisers weiter und nutzte die Seidenraupenfäden zur Seidenproduktion. Noch heute wird die Kultur des Urkaisers in China, Vietnam und den umliegenden Ländern studiert.

Kaiser Fu Xi soll auf die Idee gekommen sein, Seidenraupen-Fäden für Kleider zu nutzen. So wurden aus den Kokons der Seidenraupe oder deren Larve, (vor dem Schmetterling) hauchdünne Fasern gewonnen. Es ist die Einzige in der Natur vorkommende endlose Faser, die die Raupen aus dem Maul (die Raupe ernährt sich von Maulbeerbäumen) bis zu 300.000-mal um sich herumwickeln. Im Heißwasserdampf werden die Raupen getötet, um den Kokon nicht zu beschädigen. Man braucht 3000 Kokons, etwa ein Kilo, um 250 Gramm Seidenfaden zu erhalten, der auf einem Webstuhl geflochten wird. Tierschützer verlangen artgerechte Behandlung der Raupen. Gandhi machte Seidenversuche aus wilden Raupen, ohne diese zu töten, denn mit der Seide sterben Milliarden Schmetterlinge, die nicht ausschlüpfen können.

Aserbaidschan gehört wie China zu den ältesten Seidenproduzenten. 1100 wurde Seide in Russland sehr geschätzt. Bis 1800 war Aserbaidschan der wichtigste Nahost-Seidenexporteur. 1970–1980 exportierte das Land fünf bis sechs Tonnen nasse Kokons und 400 Tonnen rohe Seide in die Sowjetunion und Usbekistan und beschäftigte 150.000 Leute. 1990 gab es eine weltweite Rezession in der aserbaidschanischen Seidenindustrie, Tausende verloren ihren Job. Neue Technologien zeigten der Seide neue Wege. Zusammen mit China entstanden Maschinen, die auch der Baumwollindustrie dienten.

Indien und China produzierten seit 2800 v. Chr. wilde Raupen-Seide. Heute gibt es nur noch die domestizierten Seidenspinner. Allerdings sollen schon die Bewohner von Jianhu, China, 8500 Jahre v. Chr. Seidenkleider mit ins Grab genommen haben. Um 2000 v. Chr. wurde Seide vielerorts aus gestohlenen Kokons produziert, der Export aus China war verboten, Könige und Kaiser aber bestanden auf Chinas Allerfeinster, die der Straße von China nach Italien den Namen gab.

Von China nach Italien oder Timbuktu – der deutsche Geograf von Richthofen gab dem Netzwerk offiziell den Namen Seidenstraße.

Aus China gestohlene Kokons gelangten 12 n. Chr. nach Byzanz, dort wurden sie während des 2. Kreuzzuges geraubt und nach Italien gebracht.

Um 1500 wurden die Raupen auf der Seidenstraße bis Afrika gehandelt. Man bezahlte in Seide, kleidete alle Tempel in Seide, Könige und Kaiser trugen nur Seide … Es wurden Maulbeerbäume über Kilometer angebaut, es gab immer größere Fabriken, aber auch kleine Ateliers, die Seide produzierten. Dabei entstanden etwa 50 Sorten mit weiterer Unterteilung, von höchster zu weniger guter, aber oft für Designer spannender Qualität. Gewicht, Feinheit, Knitterfestigkeit, Isolation, Glanz, Temperaturempfindlichkeit oder Struktur nach dem Färben sind dabei nur einige der Kriterien.

Die Mongolen behaupteten, ihr militärischer Erfolg käme von den schützenden Seidenkleidern unter Leder und Armatur. Seidenpulver endet noch heute in der Kosmetik.

Die Muschelseide wurde aus den Fußdrüsen von einem Meter langen Muscheln gewonnen, deren Sekret Byssus erzeugt, die zu Fäden vereinigt werden. Andere Muscheln produzieren anderen Byssus und werden zu Baumwoll- oder Flachserzeugnissen. Der Brauch stammt aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. Heute ist das Handwerk ausgestorben, auch die weltweit größten Muscheln gibt es nicht mehr. Auf der sardinischen Insel Sant Antioco stehen das letzte Atelier und ein Museum.

Thailand war einst ein wichtiger Seidenproduzent und hatte in Zusammenarbeit mit Japan gute Erfolge erzielt. Jim Thompson importierte Seide nach dem 2. Weltkrieg als populären Stoff aus China und es entstand die kommerzielle versus die alte Seidenproduktion. Jim Thompson machte aus den fetten faulen Seidenwürmern, wie er sie nannte, Arbeitstiere und den Beginn der Thaiseide. (Jim Thompson verschwand auf unerklärliche, nie aufgeklärte Weise.) Die Thais interessierten sich nicht besonders für die Seide. Seide blieb ein unwichtiges Exportprodukt, reserviert für Touristen, die sie in kleinen Shops kauften. Zu teuer und zu warm im heißen Land blieb Seide damit in Thailand die Ausnahme.

80 % der Weltseide stammte aus China und es war die Frau des gelben Kaisers, Lady Li Hsi-Ling-Shih, die 2500 v. Chr. die Kunst der Seide und deren viele Anwendungen, das Färben und die Blumen sowie berühmte Vogelstickereien animierte.

Seide wurde zur gigantischen Schmuggelware. Sie reiste auf komplizierten See und Landwegen auf Kamel, Pferd oder Eselsrücken. Erst nach der Revolution 1911 durfte das Volk in China Seide tragen.

Einer der feinsten und teuersten Seidenproduzenten ist noch heute Italien. Halbseiden nennt man Leute, die diese tragen, ohne zur Bourgeoisie zu gehören. Und wer keine Raupen kochen will und Schmetterlinge liebt, der kauft Kunst-, Soja-, Agaven- oder Bambusseide, bei denen man beim Berühren keinen Unterschied fühlt.

Heute erzeugen China und Indien über 60 % der Weltproduktion.

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9783754165799
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