Read the book: «Endlich richtig angekommen»

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Corinna Friedel

Endlich richtig angekommen

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Kapitel 35

Kapitel 36

Kapitel 37

Kapitel 38

Impressum neobooks

Kapitel 1

Plopp. Ok. Ich bin mir nicht gaaanz sicher ob es das ist was ich tatsächlich denke. Aber ich glaube schon. Es fühlt sich ziemlich danach an. Es ist alles nass. Oh mein Gott!

Die Fruchtblase ist geplatzt!

Jetzt ganz ruhig bleiben, nicht in Panik verfallen. Ich versuche verzweifelt, mich daran zu erinnern, was als Erstes zu tun ist. Gar nicht so leicht in dieser doch nicht alltäglichen Situation, wie ich merke. Meine Schlafanzughose klebt unangenehm und am Rücken wird es auch schon etwas feucht.

Ich werde als Erstes meinen Mann wecken. Es ist mitten in der Nacht, kurz vor null Uhr. Wir sind erst vor ein paar Minuten eingeschlafen.

„Schatz…“, flüstere ich. Frau will ja nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen. „Schaaaatz…?“ Keine Reaktion. Merkt er denn nicht an meinem Tonfall, dass es jetzt ernst wird? Männer, denke ich, habe aber nicht allzu viel Zeit mir darüber den Kopf zu zerbrechen, da es im unteren Bauchbereich doch anfängt, stärker zu ziehen. Wehen! Das ging ja schnell. „SCHATZ, WACH AUF!“

„Mmhhh…“, Henry brummt im Halbschlaf.

„Die Fruchtblase ist geplatzt!“, sage ich nun doch in etwas gereiztem Tonfall. Notiz an mich: Ich wollte versuchen in Stresssituationen ruhig und besonnen zu reagieren.

„Was? Deine Blase ist geplatzt?“, kommt es von der anderen Bettseite ungläubig zurück.

„Henry! Meine Fruchtblase! Nicht meine Blase, herrje!“

Mein Mann springt förmlich aus dem Bett und ruft „Ja! Dann geht´s jetzt los, worauf wartest du, wir müssen ins Krankenhaus!“

„Jetzt ganz in Ruhe, Schatz, so schnell werden Kinder nicht geboren. Ich muss mich zumindest noch anziehen.“

Spontan beschließe ich, dass es durchaus Sinn machen könnte, auch nochmal unter die Dusche zu hüpfen, vor der bevorstehenden Geburt. Man will schließlich nicht schon vollkommen verschwitzt und verklebt dort ankommen. Quasi schon „durch“ und am Ende, bevor man sich richtig angestrengt hat.

Mein Mann glaubt nicht, dass jetzt der richtige Zeitpunkt für eine Duschsession ist. Er fängt an zu lamentieren und wie ein aufgescheuchtes Huhn durchs Bad zu laufen. Bevor er mich umstimmen kann, stehe ich aber schon unter dem prasselnden Wasserstrahl.

Es dauert nochmal gut rund dreißig Minuten, bis ich mich mit dem großen Bauch, den zunehmenden Schmerzen, der doch sehr schwierigen Überlegung „Was ziehe ich jetzt tatsächlich an zu diesem besonderen Anlass?“, ins Auto manövriert habe.

„Josi, hast du alles, können wir los?“ Unsicher blickt mich Henry von der Seite an.

„Ja“, schnaufe ich, „kann losgehen.“ Bereits nach ein paar Minuten bereue ich die Duschaktion. Jetzt tut es nämlich schon ganz schön weh. Als wir endlich gegen kurz vor ein Uhr nachts im Kreißsaal ankommen, kann ich schon fast nicht mehr sprechen, da sich die Wehen offenbar munter die Klinke in die Hand drücken.

Die nächsten Stunden ziehen an mir vorüber. Ich versuche mich krampfhaft an meinen Plan zu erinnern. „Komm schon, Josi“ spreche ich mir Mut zu. „Du schaffst das! Du musst dich nur an den Ablauf halten“.

„Aaaaaaaaaaaaaaaaahhhhhhhh“, unterbricht mein eigener Schrei diesen Gedanken. Okay, wer um Himmelswillen hat gesagt, dass eine Geburt das schönste Ereignis im Leben einer Frau ist?

Acht Monate zuvor…

Ich sitze im Büro und starre auf meinen Monitor. „Josi?“, meine Kollegin Susi schaut mich fragend an. „Ist alles okay bei dir? Du bist so blass. Und du hast seit mindestens zwanzig Minuten nicht mehr geblinzelt.“

„Oh“, erschrocken drehe ich mich zu ihr um. Susi und ich sind schon sehr lange Kollegen. Genau genommen seit rund fünfzehn Jahren. Wir haben beide nach dem Studium hier unser Volontariat begonnen. Seither sind wir befreundet. Susi ist im Ressort Politik. Ich bin zuständig für den Teil Lokales.

„Du, alles gut. Mir ist heute nur etwas flau im Magen. Und ich komme nicht weiter an meinem Artikel über den Bau der neuen S-Bahn- Trasse.“

Susi mustert mich weiter von der Seite. „Hattest du Streit mit Henry?“, fragt sie mich.

„Nein, wie kommst du denn darauf?“ Ich versuche mich an einem Lächeln.

„War nur so eine Frage “, gibt Susi zurück und wendet sich wieder ihrem Laptop zu. Meine Gedanken schweifen wieder ab….

Susi kann ich eh nichts vormachen. In letzter Zeit hatten Henry und ich tatsächlich schon die ein oder andere Auseinandersetzung. Das ist echt mehr als untypisch für uns. Allgemein gelten wir als DAS Vorzeigepaar schlechthin in unserem Freundeskreis. Wir sind gefühlt schon ewig zusammen. Kennengelernt haben wir uns vor mittlerweile rund zwanzig Jahren. Henry war zwei Klassen über mir. Noch heute, mit fünfunddreißig, denke ich immer noch gerne an den Moment zurück, als wir uns zum ersten Mal begegnet sind. Rückblickend muss man sagen, dass es wohl nicht unbedingt Liebe auf den ersten Blick war. Ich war fünfzehn und habe ihn für die Schülerzeitung interviewt. Thema: Zukunftspläne nach dem Abitur. Ich fand ihn von Anfang an toll. Groß, aber nicht zu groß, schlank. Schwarze Haare und große braune Augen, die mich sofort in ihren Bann gezogen haben. Ich glaube, ihm ging es nicht ganz so. Ich war zu dem Zeitpunkt eher der Typ „graue Maus“. Zu dünn, lange braune Haare, braune Augen, Sommersprossen, langweilige Klamotten und irgendwie unscheinbar. Dass dieses Auftreten gar nicht zu meinem eigentlichen Charakter passt, hat Henry dann nach mehreren Aufeinandertreffen - Folgeinterviews für die Schülerzeitung - auch gemerkt.

„Du bist einer der fröhlichsten und ehrlichsten Menschen, die ich kenne“, war ein prägender Satz während unserer Kennenlernphase. So ähnlich müsste man auch Henry beschreiben. Er ist allerdings deutlich introvertierter als ich. Anders ausgedrückt: Wenn ich dabei bin, ist sein Redeanteil deutlich niedriger. Und er ist, im Gegensatz zu mir, ein absoluter Ruhepol. Ich bin oft ein bisschen hektisch, lauter und quirliger. Wir ergänzen uns einfach gut.

Seit dieser Zeit sind wir unzertrennlich. Wir machen wirklich alles zusammen. Na gut, nicht ganz. Manches. Wir haben ehrlich gesagt etwas unterschiedliche Interessen, was absolut nicht schlimm ist. Ich lese gerne - er nicht, berufsbedingt quasi. Er beschäftigt sich gerne mit Technik - ich nicht. Auch berufsbedingt. Er hat IT - Informatik studiert und arbeitet in einem großen schwäbischen Unternehmen. Ich liebe Kochen über alles. Henry liebt mein Essen über alles. Sportlich sind wir, na ja… nicht ganz auf einer Wellenlänge. Ich bewege mich, weil ich muss oder sollte. Gesundheit ist mir sehr wichtig und allein schon, um die nicht zu gefährden, muss ich mich halt bewegen. Wollen tu ich eher nicht. Vom Wollen her bin ich eher der gemütliche Typ. Hyggelig wie man heute so schön sagt. Nein, es hat nichts mit Hügeln zu tun. Es ist das dänische Wort für „Gemütlichkeit“. Ein absoluter Trend im Moment. Das dänische Lebensgefühl zu Hause einrichten, quasi. Henry ist da etwa anders. Er schafft gerne. Schaffen ist das schwäbische Wort für arbeiten. Es kann sich um den Beruf handeln oder um alle anderen anfallenden Arbeiten. In Henrys Fall steht es für alle handwerklichen Arbeiten in und ums Haus. Wir haben vor einigen Jahren ein hyggeliges Häuschen in seinem Heimatort gekauft. Umgebaut haben wir vieles selbst. Wenn ich „wir“ sage, meine ich in diesem Fall hauptsächlich Henry. Aber seit der Hochzeit vor zehn Jahren sagt man ja eigentlich „wir“. Er ist da einfach deutlich begabter als ich und auch fleißiger. Nicht, dass es jetzt den Eindruck erweckt, ich sei faul. Das wirklich nicht. Aber körperliche Arbeiten, die über Gartenarbeit hinaus gehen, sind mir ein Gräuel. Hier kann ich ja ehrlich sein. Im Normalfall behaupte ich nämlich steif und fest, dass dem nicht so ist. Trotzdem habe ich geholfen, wenn möglich.

Da ich aber nicht wirklich begabt bin, war es nicht so oft möglich. Leider. Henry ist ein richtiger Schwabe, was das Schaffen angeht, auf jeden Fall. Er kann halt auch fast alles Handwerkliche. Außer Silikonfugen. Sag ich. Sagt er aber auch selbst. Unser Häuschen ist mittlerweile fertig. Innen wie außen. Und wir lieben es einfach! Es ist idyllisch! Fünfzigerjahre. Innen durch den Umbau schön luftig. Mit einer alten Holztreppe und im Obergeschoß tolle, alte, knarzende Dielen. Wir haben einen schönen Kontrast zwischen Alt und Neu geschaffen, wie ich finde.

Unser Haus liegt in Henrys Heimatdorf Kerningen, im Einzugsgebiet von Stuttgart, rund fünfzig Kilometer entfernt. Schön ländlich in der sogenannten Schwäbischen Toskana. Sanft eingebettet in Hügeln mit Weinanbau. Das Dörfchen hat gerade mal zweitausend Einwohner, wächst aber dank seiner Lage im Stuttgarter Umland stetig.

Da ich nicht vom Dorf komme, sondern aus der nächstgelegenen Kreisstadt, war es anfangs doch ein wenig schwierig, bis ich mit allen dörflichen Gepflogenheiten vertraut war. Die übliche Frage am Anfang „Wo ghörschn du no?“, soll direkt die Zugehörigkeiten innerhalb der Dorfgemeinschaft klären. Die Antwort auf diese Frage ist meist ein begeisterter Ausruf „Ach, Henrys Frau!“

Ebenfalls sehr wichtig, ist eine Vereinszugehörigkeit in irgendeiner Form. Das ist leider nicht so mein Ding. Daher habe ich mich eher halbherzig überreden lassen, dem Tennisverein beizutreten. Ab und zu schaffen es Henry und ich sogar mal ein paar Sätze zu spielen. Die meiste Zeit allerdings sind wir einfach Mitglieder, mit allen Rechten und Pflichten.

Mir gefällt es hier auf jeden Fall sehr gut. Es ist einfach toll, seine Nachbarn zu kennen. Das ist ja in der Stadt leider oft nicht der Fall. Wir haben hier kurze Wege zum Bäcker, Friseur. Ein kleines Lebensmittelgeschäft mit allem, was man braucht. Es gibt einen schönen Kindergarten und eine Grundschule. Eine Sparkasse gibt es auch. Das wird uns Schwaben oft nachgesagt, dass das besonders wichtig für uns ist. Sparen, sparen, Häusle bauen und so.

Ich bin in diesem Bereich auch kein typischer Schwabe. Ich finde schon, dass wir es unserer heimischen Wirtschaft schuldig sind, einen Teil unseres Einkommens auch wieder in diesen Kreislauf einzubringen. Henry ist da in manchen Bereichen bei mir. Im Bereich Deko und Raumgestaltung vermutlich nicht ganz so, wie im Bereich Elektronik.

Irgendwann hat auch der längste Arbeitstag ein Ende und ich verabschiede mich eilig aus der Firma. Mein Weg führt mich direkt zur nächstgelegenen Drogeriefiliale. Ich laufe, nach außen entspannt, durch die Gänge, um dann möglichst unauffällig, am Regal mit den Pflastern und Verbänden, stehen zu bleiben. Ich recke meinen Hals so weit wie möglich nach links, um die Auslage mit den Schwangerschaftstests zu sondieren. „Hi Josi, na bist du auch am Einkaufen?“ Erschrocken zucke ich zusammen und drehe mich um. Vor mir steht ausgerechnet mein Ressortleiter! Der hat mir hier nach Feierabend gerade noch gefehlt. „Hi Micha, grüß dich. Ja, ich, äh, hab meine Hausapotheke überprüft, weißt du. Das sollte man dringend sehr regelmäßig tun“, hasple ich weiter. Lässig lehne ich mich an das Pflasterregal.

„Ja, auf jeden Fall“, kommt es nicht ganz überzeugt von Micha zurück. „Geht´s dir denn gut? Du bist doch sehr blass, das ist mir heute im Büro schon aufgefallen.“

„Blass? Ja…ha ha“, Ich versuche, schnell ein Lachen einzuschieben. „Ich habe vermutlich Eisenmangel, nichts weiter“, versuche ich ihn abzulenken, damit sein Blick nicht direkt auf das Regal mit den Schwangerschaftstests gelenkt wird, das direkt neben den Pflastern platziert ist. Und was soll ich sagen, das funktioniert prima. Micha ist bei uns in der Firma bekanntlich sehr gut informiert im Bereich Gesundheit, beziehungsweise glaubt es zu sein. Man könnte auch zweifelsohne sagen, er ist ein völliger Hypochonder. Wie aufs Stichwort schaut er mich mit großen Augen und einem bedauernden Blick an. „Oh oh, Josi, Eisenmangel. Damit ist auf keinen Fall zu spaßen, weißt du. Am Anfang mag das ja noch gehen, aber ich kann dir aus eigener Erfahrung sagen, dass es recht bald schlimmer wird. Zu Beginn bist du müde und fühlst dich schlapp, aber dann…“ Den Rest höre ich nicht mehr so genau. Das ist die einzige Taktik, um Michas Gesundheitsvorträge schnell hinter sich zu bringen. Und immer schön nicken und lächeln. Als wir uns endlich verabschieden ist fast schon eine halbe Stunde vergangen. Es ist schon viertel acht - schwäbischer Ausdruck für Viertel nach sieben, ob am Morgen oder am Abend ist dabei egal.

Ich beeile mich und kann es kaum erwarten, nach Hause zu kommen.

Henry hat einen Abendtermin und so bleibt mir genug Zeit in Ruhe - okay, davon kann natürlich keine Rede sein, sagt man halt so - den Schwangerschaftstest anzuschauen.

Klingt eigentlich ganz einfach. Schutzkappe abziehen, draufpinkeln, nach einer Minute das Ergebnis ablesen. Minus: nicht schwanger, plus: schwanger. Sollte machbar sein. Ich starre auf den Test. Nach exakt einer Minute ist immer noch das Minus - Zeichen zu sehen. Kein zweiter Strich, der das Ganze ein Plus werden lässt. Das macht mich ganz schön traurig. Dann soll es wohl noch nicht geklappt haben. Ich werfe den Test in den Mülleimer. Und fange an zu Googlen. Schwangerschaftstest falsch negativ. Scheint es zu geben, wenn auch nicht sehr wahrscheinlich. Vielleicht taugt das Fabrikat nichts? Schon wahrscheinlicher, wenn man den vielen Usern einschlägiger Foren Glauben schenken möchte. Kurz bevor Henry heimkommt, halte ich es nicht mehr aus und krame den Test doch nochmals aus dem Müll. Und siehe da, mehr zu erahnen als zu sehen: ein Plus! Ein leichter Hoffnungsschimmer macht sich in mir breit. Was, wenn es doch geklappt hätte? Im selben Moment höre ich die Haustüre ins Schloss fallen.

„Hey Schatz!“, begrüßt mich Henry und nimmt mich in den Arm. „Hattest du einen schönen Tag?“

„Ja“, antworte ich. “Nichts Besonderes bis gerade.“

Ich mache eine bedeutungsschwangere Pause und lächle. Und warte auf seine Reaktion. Er müsste doch jetzt spüren, was los ist, oder? In Filmen und Büchern sind das stets die Reaktionen, die auf so etwas folgen. Den Gefallen tut mir Henry heute nicht. Er ist schon auf dem Weg Richtung Wohnzimmer und lässt sich mit einem erleichterten Seufzer auf unsere Wohnzimmercouch fallen.

„Was meinst du damit?“, fragt er und schaut mich neugierig an. Nicht zu fassen! Man sollte doch meinen, dass zwischen Seelenverwandten etwas mehr Kommunikation zwischen den Zeilen stattfindet. Ja, gut, das mit der Seelenverwandtschaft sage ich. Ich bin mir nicht sicher, ob Henry das auch so sieht. Oder überhaupt weiß, dass es so etwas gibt und wie cool das ist. Kann man in jedem Ratgeber zum Thema „Wie perfekt ist meine Beziehung?“ nachlesen.

Ich gebe mich geschlagen und verschwinde mit einem kurzen „Warte!“, im Badezimmer. Mit triumphierendem Blick halte ich ihm den Schwangerschaftstest unter die Nase. Gespannt warte ich seine Reaktion ab.

„Mhhmm...“, brummt er. „Josi, ich kann da nichts sehen. Er sieht für mich negativ aus.“

„Neeeein…“, Ich erkläre ihm gutmütig, dass man eben momentan noch sehr genau hinschauen muss. Als er das nicht so ganz glauben mag, mache ich kurzen Prozess und baue das Ding auseinander. Wer sich jetzt nach dem Sinn des Ganzen fragt, dem kann ich nur ein mildes Lächeln schenken. Jeder, der sich halbwegs in „Wie werde ich Schwanger“ Foren auskennt weiß, dass man so das Ergebnis besser sehen kann.

Wir starren also beide am Fenster gegen das Licht - Das ist wichtig! - auf das Stäbchen. Mein Herz rast. Eindeutig positiv!!!!!!!!

Mein Höhenflug wird jäh von einem immer so realistischen Henry unterbrochen.

„Ähh, Schatz, müsste das dann nicht gut zu sehen sein, das Pluszeichen?“. Er schaut mich vorsichtig an.

„Ja, weißt du, es ist ja noch ganz frisch. Da ist es dann auch einfach noch ganz zart“ Ich gehe strahlend über seinen Einwand hinweg. „Das bedeutet, wir bekommen ein Baby Schatz!!!!freust du dich denn gar nicht? Das ist die Kirsche auf der Schwarzwälder Torte unserer Beziehung!“

Wo sind denn die Freudentränen? Ich beobachte ihn sehr genau. Da ist nix, muss ich feststellen. Er sieht mich ganz lässig an. Naja, das kommt bestimmt beim ersten Ultraschall. Ich bin da realistisch. Sobald er sein Baby auf dem Monitor sieht, wird er sich nicht mehr halten können.

Kapitel 2

Am nächsten Morgen wache ich völlig gerädert auf. Henry und ich saßen noch den restlichen Abend zusammen gekuschelt auf der Couch. Und haben geredet. Über unsere Ängste, Sorgen, aber vor allem Freuden. Wir hoffen sehr, dass wir die Krise, die wir in letzter Zeit hatten, jetzt hinter uns lassen können. Ich war recht schnell verzweifelt, als es mit der Schwangerschaft nicht gleich klappen wollte, Henry war tiefenentspannt. Fast die ganze Zeit. Die Stimmung ist allerdings gekippt, als ich ihm damals einen Termin beim Urologen ausgemacht habe. Ohne zu fragen. Blöd im Nachhinein. Wir haben uns jetzt jedenfalls ausgesprochen und sind wieder in der Spur.

Als ich aus der Dusche steige und meinen noch flachen Bauch im Spiegel anschaue, muss ich unwillkürlich lächeln. Ein Baby! Allein die Vorstellung macht mich überglücklich. Ich betrachte meinen Körper mit anderen Augen. Meine braunen Haare, die mich an normalen Tagen wahnsinnig machen, weil sie nie so liegen wie sie sollen, leuchten heute schöner als sonst und liegen sanft auf meinen Schultern auf. Mit meinen braunen Augen bin ich ganz zufrieden. Meine Sommersprossen leuchten mich an. Heute stören mich nicht mal die kleinen Polster an Bauch, Hüfte und Oberschenkel. Die Schwangerschaft stimmt mich offensichtlich milde, meinen zahlreichen vermeintlichen Makeln gegenüber.

Nach einem kurzen Frühstück mit Henry fahre ich mit meinem alten, türkisfarbenen VW - Bus namens Lotte, Richtung Redaktion. Ich liebe dieses Auto! Wir sind seit meiner bestandenen Fahrprüfung mit achtzehn Jahren ein großartiges Gespann. Mit Lotte sind Henry und ich schon weit umhergereist. Wie schön das erst sein wird mit Baby….

Als ich am Schreibtisch sitze wird mir langsam bewusst, dass jetzt eine schwierige Zeit kommt. Ich muss auf den Frauenarzttermin in vier Wochen warten. Da bin ich dann in der neunten Woche. Erzählen vom Baby wollen wir erst in der zwölften Woche. Das sind summa summarum noch sieben Wochen. Oh weia, das kann heiter werden. Geduld zählt bekanntlich nicht zu meinen überragenden Eigenschaften.

Gegen Feierabend muss ich schon die erste Schwierigkeit in dieser Hinsicht meistern. Mein Kollege und gleichzeitig bester Freund Nicolas, von allen nur Nic genannt, stürmt gut gelaunt in unser Büro. Nic ist bei allen sehr beliebt. Er ist der Typ „Sunnyboy“, gut gebaut, blond, grüne Augen und immer gut gelaunt. Er streckt mir seine Hand entgegen und strahlt mich an. „Naaaaa?“.

„Hi Nic, wie naaa?“, gebe ich feixend zurück. Er wedelt mit der linken Hand, da fällt es mir auf. Ein schöner Ring in Silber steckt an seinem Ringfinger. „Oh, Nic! Soll das heißen Jan hat dich endlich gefragt?“

„Ja, gestern, es war so romantisch!“, seufzt er und schaut träumerisch. „Deshalb möchte ich gleich mit meinen Lieblingskollegen anstoßen, ich hoffe, du hast einen Moment Zeit für mich?“

„Ja natürlich. Gibt es schon einen Termin für die Hochzeit?“, frage ich, während ich Nic fest an mich drücke.

„Am 10. August. Wir werden auf Schloss Monrepos heiraten mit allem Drum und Dran. Ach, Josi davon habe ich so lange geträumt und jetzt soll es endlich so weit sein“, schwärmt Nic. „Schloss Monrepos! Stell dir vor – wie im Märchen. Ich und mein Prinz! Ich muss dir das unbedingt alles in Ruhe erzählen, du wirst es nicht glauben, wie er mir den Antrag gemacht hat“. Nic kommt aus dem Strahlen gar nicht mehr heraus. Wir verabreden uns für den nächsten Abend in unserer Stammkneipe. Nick verabschiedet sich, nicht ohne vorher meine Zusage für den kurzen Sekt Empfang am Abend einzuholen.

Innerlich seufzend stimme ich zu.

Als sich nach Feierabend alle unsere Kollegen im Büro versammeln und Nick die freudige Nachricht mit uns teilt, bekomme auch ich automatisch ein Glas Sekt in die Hand gedrückt. Das bringt mich jetzt etwas in die Bredouille. Ich stelle das Glas so unauffällig wie möglich in einem unbeobachteten Moment zur Seite, und nehme mir stattdessen ein Glas O - Saft. Auf einmal steht unser Ressortleiter Micha neben mir.

„Josi, bist du krank? Normalerweise bist du doch einem guten Tropfen nicht abgeneigt, oder?“, Micha hat die Stimme gesenkt „Ist es wegen der Sache mit dem Eisen die du mir anvertraut hast?“ So sehr er mich mit seinem lauernden Blick nervt, der nur darauf wartet, dass ich noch mehr Schauergeschichten zu meiner Gesundheit hinter dem Ofen hervorzaubere, so froh bin ich. Micha hat mir die beste Ausrede auf dem Silbertablett geliefert. Ich beeile mich ihm zu versichern, dass er absolut Recht hat. Das Eisen. Eisen und Alkohol passt nicht zusammen, Alkohol hemmt die Eisenzufuhr, das sei ja bekannt. Zum Glück gibt er sich wissend nickend mit dieser Antwort zufrieden. Den restlichen Abend überstehe ich ohne weitere Pannen.

Am nächsten Abend steht meine Verabredung mit Nic an. Er sitzt schon an unserem Stammtisch in unserer Lieblingskneipe „Jerrys“. Hier ist alles im angesagten „Industrial Style“ eingerichtet und der Besitzer Thomas weiß immer schon genau, was wir trinken. An diesem Abend ändere ich meine Bestellung schnell um in einem Virgin Daiquiri. Als wir vor unseren Gläsern sitzen sieht mich Nic von der Seite an.

„Süße, Was ist los mit dir? Irgendetwas stimmt doch nicht. Du bist die Tage im Büro so still und gestern beim Sekt Empfang hast du dein Glas gegen einen O - Saft ausgetauscht. Magst du mir nicht sagen, was los ist?“, fragt Nic besorgt.

„Oh, na ja weißt du, aber du musst mir versprechen es für dich zu behalten vorerst“, stammle ich. „Henry und ich, wir, nun wir, wir bekommen ein Baby!“

Nic strahlt mich mit seinen leuchtenden grünen Augen an und umarmt mich freudig. „Josi, das ist ja furchtbar aufregend! Herzlichen Glückwunsch! Ich freue mich so sehr für euch beiden. Ich dachte mir sowas schon, du scheinst seit Tagen von innen zu strahlen.

Du, ich wollte dich noch Fragen, ob du meine Trauzeugin sein würdest? Das heißt, wenn das überhaupt geht, ich habe gar nicht gefragt, wann das Baby eigentlich kommt“, meint Nic mit einem Lächeln.

„Der Geburtstermin laut Onlinerechner wird der 01.09. sein. Genaueres weiß ich erst nach dem Arzttermin in rund drei Wochen. Ich wäre aber sehr gerne deine Trauzeugin, vorausgesetzt es stört dich nicht, dass ich bis dahin watschle, schnaufe wie ein Elefant und meine Beine nicht mehr sehen kann“, gebe ich ihm lachend Antwort.

„Das stört mich überhaupt nicht. Du wirst immer meine allerschönste, hübscheste, zarteste, elfengleiche, beste Freundin sein“, entgegnet Nic mit einem schelmischen Zug um den Mundwinkel. „Und wer weiß, vielleicht bildet den krönenden Abschluss unserer Hochzeit eine Livegeburt?“ Glucksend nimmt er einen Schluck von seinem Daiquiri.

„Nee, nee lass mal“, wehre ich schnell ab, „das soll euer Tag sein. Jetzt erzähl doch mal, wie der Antrag war“, bitte ich ihn. In den nächsten Minuten komme ich aus dem Staunen nicht mehr heraus. Der Antrag war bis ins kleinste Detail perfekt vorbereitet. Feines Restaurant, Rote Rosen, Champagner, Ring im Glas - nicht ohne Risiko, wenn man mich fragt. Ich freue mich sehr für die beiden, dass sie nach zehn Jahren Beziehung den nächsten Schritt wagen. Wir plaudern noch über die Hochzeitsplanungen, über die anstehenden Babyvorbereitungen und verabschieden uns früher als gewöhnlich. Die Schwangerschaft fordert ihren Tribut, mir fallen fast die Augen zu.

„Bist du auch so aufgeregt Schatz?“, will ich von Henry wissen, als wir am Frühstück sitzen. Er hat sich den Vormittag frei genommen. Heute ist der große Tag! Wir haben den ersten Frauenarzttermin. Die Zeit bis heute erschien mir unendlich. Ich bin gleich einfach froh, wenn uns der Arzt mitteilt, dass es unserem „Böhnchen“ hoffentlich einfach gut geht.

„Es geht. Das kommt bestimmt noch. Möchtest du Kaffee?“ „Nee. Lass mal. Ich mach mir lieber einen Fencheltee.“

„Fencheltee, Josi? Dein Ernst?“, er verzieht angewidert das Gesicht mit einem Grinsen. „Warum das denn?“

„Weil man laut diversen Ratgebern lieber keinen Kaffee trinken sollte in der Schwangerschaft“, verkünde ich mit gewichtiger Miene. Also mal ehrlich, man sollte doch meinen, dass er sich als werdender Vater ein bisschen mehr Wissen aneignet.

„So, so sagen das die diversen Ratgeber?“, gibt er zurück und schaut mich unschuldig aus seinen braunen Augen an. „Möchtest du dazu nicht vielleicht lieber Doktor Strick nachher fragen? Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen wie ausgerechnet du die acht Monate bis zur Geburt ohne Kaffee überstehen willst.“

„Du kannst dir deinen ironischen Ton sparen“, gebe ich unwirsch zur Antwort.

Seine Anmerkung ist allerdings nicht von der Hand zu weisen. Ich liebe Kaffee. Und trinke daher gerne mal mehrere Tassen am Tag. Mehr als Kaffee liebe ich nur Schokolade, um mal bei den Genussmitteln zu bleiben.

Eine Stunde später sitzen wir aufgeregt wie Kinder im Wartezimmer von Dr. Strick. Als ich aufgerufen werde ins Labor, wird Blutdruck gemessen und ich werde gewogen. Ähh? Wie jetzt? Würde ich am liebsten rufen, ich bin hier, weil ich schwanger bin, nicht weil ich Probleme mit meinem Gewicht habe! Die Assistentin notiert mein Gewicht mit undurchdringlicher Miene und schickt mich anschließend, mit Henry zusammen, zu Dr. Strick ins Behandlungszimmer. Er begrüßt uns hinter seinem großen Eichenschreibtisch mit einem freundlichen Lächeln. Ich bin schon seit meinem sechszehnten Lebensjahr bei ihm in Behandlung und schätze ihn sehr. Er ist ein aufmerksamer, graumelierter älterer Herr, der sich immer viel Zeit nimmt für seine Patienten.

„Frau Meile, meine Assistentin hat mir schon Bescheid gegeben, dass sie heute hier sind, um ihre Schwangerschaft zu bestätigen. Haben Sie vorab eventuelle Fragen?“.

„Ja“, sprudle ich los, „vorausgesetzt mit dem Baby ist alles in Ordnung, wie ist das mit dem Kaffee?“

Dr. Strick schaut mich an und muss herzhaft lachen. „Sie überraschen mich Frau Meile, normalerweise gilt die erste Frage eher dem Koitus denn dem Kaffee, aber auch das beantworte ich natürlich gerne“, zwinkert er mir verschwörerisch zu. „Sie dürfen gerne eine Tasse am Tag zu sich nehmen, das ist kein Problem. Das andere, nur falls die Frage auftauchen sollte, ist bei einer intakten Schwangerschaft ebenfalls erlaubt“. Ich versuche huldvoll zu nicken, obwohl ich feuerrot bin und meine Wangen brennen. Wie peinlich!

Wenige Minuten später starren wir gebannt auf den Ultraschallbildschirm. Dr. Strick ist hochkonzentriert. „Das schaut alles gut aus“, verkündet er nach einer Weile. „Es ist alles zeitgerecht entwickelt. Laut Berechnung ist der errechnete Geburtstermin der 31.08. Aber vierzehn Tage davor und vierzehn Tage danach, da ist alles drin“.

Erleichtert seufzen Henry und ich auf. Er erkundigt sich noch bei Dr. Strick wann das Geschlecht ungefähr zu erkennen sein wird, dann verabschieden wir uns mit dem ersten Ultraschallbild unserer kleinen Bohne.

Erleichtert gehen wir Hand in Hand Richtung Parkhaus. Auf einmal sieht Henry wie erstarrt in eine Richtung und bleibt stehen.

„Was ist denn?“ Ich will ihn weiterziehen. Er scheint sich erst bei meiner Berührung zu erinnern, dass ich neben ihm stehe.

Er schüttelt den Kopf, „alles gut, ich dachte nur eben ich hätte da jemanden gesehen…eine Kollegin“. Er murmelt so leise, dass ich ihn fast nicht verstehe.

„Ich habe mich wohl getäuscht.“ Er fährt sich mit der Hand über das Gesicht und schiebt mich Richtung Parkhauseingang.

Merkwürdig. Ich muss ihn bei Gelegenheit noch mal drauf ansprechen, er sah wirklich aus als hätte er einen Geist gesehen.

Henry wechselt schnell das Thema, bevor ich näher nachfragen kann „wir haben ja vorab darüber gesprochen, dass wir unsere Eltern gleich einweihen. Bleiben wir dabei?“

„Ja, klar“, versichere ich. Ok, ja, ich habe Nic bereits eingeweiht, aber er hat es so oder so geahnt. Zudem ist er mehr Familie als „nur“ ein Freund. Die restlichen Freunde und Bekannten erfahren es auf jeden Fall erst nach den kritischen zwölf Wochen.

Kapitel 3

Am folgenden Sonntag sind wir zuerst zum Mittagessen bei meinen Eltern eingeladen. Meine Mum, Paula, eine begnadete Köchin, hat ganz regional typisch, Roschdbraden und Schbätzle mit Sooß gezaubert (Rostbraten, Spätzle und Soße). Es schmeckt wie immer himmlisch. Da werden bei mir Kindheitserinnerungen wach, an gemütliche Sonntage mit der Familie. Und einmal mehr wird mir innerlich ganz warm, das werden wir auch bald haben. Eine eigene kleine Familie!

Als wir meinen Eltern nach dem Essen das Ultraschallbild zeigen, fängt meine Mum vor Freude an zu weinen. Mein Dad Matthias, ein graumelierter Herr mit liebenswerten Lachgrübchen, einem Bart und Brille freut sich auch sehr, aber er ist kein Mann der großen Emotionen. Er ist Rechtsanwalt und somit eher bei der Fraktion Zahlen, Daten, Fakten, zuhause. Das macht meine Mum aber wett. Sie hat schon lange von „Enkele“ geträumt, wie sie sagt, und überlegt sofort, welches Zimmer meines großzügigen Elternhauses als Babyzimmer fungieren kann. Und wo im Garten Platz für Sandkasten und Schaukel ist. Nachdem meine Schwester Susanne und ich nicht mehr zuhause leben, hat sie viel ehrenamtlich für die Gemeinde gearbeitet und in der Kreisstadt unter anderem bei der Tafel ausgeholfen. Daher hätte sie jetzt viel Zeit und Liebe für die Enkelchen übrig. Da meine Schwester, ohne Mann und eher der Typ „freier Vogel“ ist, kann meine Mum in der Hinsicht von ihr nichts erwarten. Ich will ihre Euphorie nicht dämpfen, aber erlaube mir doch zu sagen, dass die kritischen 12 Wochen noch nicht ganz um sind und man ja nichts überstürzen braucht. Ich schaue hilfesuchend zu Henry. Das geht mir alles zu schnell! Der hat allerdings, anstatt mich zu unterstützen, schon einen Meterstab aus seiner hinteren Hosentasche gezaubert - warum um alles in der Welt hat er den zum Sonntagsessen bei den Schwiegereltern dabei? - und folgt meiner Mum freudestrahlend, als er das Wort „Umbau“ hört. Er ist in seinem Element. Mein Dad und ich sitzen eine Weile stumm am großen Eichenholzesstisch zusammen.

„Ich freu mich sehr für dich Josi. Henry und jetzt noch ein gemeinsames Baby. Mein Mädchen wird erwachsen“. Er sieht mich an und lächelt wehmütig.

„Ach Papa, ich bin schon lange erwachsen das weißt du doch. Und du wirst ein toller Opa sein“. Ich nehme in fest in den Arm.

Als wir uns einige Zeit später verabschieden und in Richtung meiner Schwiegereltern fahren, sie leben zwei Ortschaften weiter, habe ich ein flaues Gefühl im Bauch. Nicht, dass ich sie nicht mögen würde, Gott bewahre. Ich finde sie höchstens ein bisschen, naja, eigen. Henrys Mutter Pauline ist Künstlerin. So mit Atelier und allem Drum und Dran. Sie malt abstrakte Bilder mit geheimnisvollen Farbverläufen und fertigt Skulpturen. Die meisten zeigen zwei, oder mehr, ineinander verschlungene Körper. Und sie sind bunt. Ziemlich cool auf jeden Fall. Pauline ist unkonventionell, extrovertiert – ein Paradiesvogel. Das klingt alles ganz gut, meinen Sie? Das stimmt. Sehr anstrengend allerdings ist die Tatsache, dass sie immer der Meinung ist, den ultimativen Blick auf die Dinge zu haben. Um es mal nett zu formulieren. Man könnte auch sagen, sie weiß immer alles besser!

Mein Schwiegervater Peter ist Illustrator für ein Politmagazin. Er ist das was man wohl als „Alten Hippie“ (nicht im Bezug aufs Alter natürlich) bezeichnet. Lange graue Haare zum Zopf gebunden, zerrissene Jeans und Schlappen. Im Winter werden die Schlappen gerne mit gestrickten, bunten Wollsocken kombiniert. Die Gedanken sind frei, lautet sein Motto. Er ist tiefenentspannt und lässt sich nie aus der Ruhe bringen.

Als wir auf Henrys Elternhaus zufahren, muss ich mich zusammennehmen, um nichts Abfälliges zu äußern. Ich hab’s halt gerne ordentlich, wie meine Mum. Unterschiedlicher könnten unsere Eltern nicht leben. Seine Eltern sind immer so unkonventionell, mit allem beschäftigt, dass eher keine Zeit bleibt für die konventionellen Dinge, wie Gartenpflege. Das Haus ist an sich sehr schön. Fachwerk mit roten Holzläden. An der Vorderseite wuchert Efeu und wilder Wein, bis fast unters Dach. Der Garten, zweifelsohne ein Paradies für Insekten, ist schwer begehbar. Diverse Sträucher und Bäume versuchen das durch enormes Wachstum zu verhindern.

Als Pauline die Tür öffnet versuche ich einen erschreckten Schrei zu ersticken. Dieser Look ist neu! Nicht, dass das an sich ungewöhnlich ist. Sie probiert sich gerne aus. Es vergeht kein Monat, in dem sie sich nicht fast komplett neu erfindet. Rote kurze Haare, lange blaue Haare, diverse Kleidungskombinationen, alles war schon dabei. Aber heute ist es besonders gruselig. Ein Undercut auf der einen, Flechtwerk auf der anderen Seite, ziert ihren Kopf. Dazwischen schimmert blaue Farbe, mit gelb gemischt. Am Körper trägt sie eine Art indischen Sari, aus Taft in Regenbogenfarben. Diese Farben hat sie offensichtlich auch versucht an den Augenlidern aufzugreifen. Alle! Es sieht ein bisschen aus wie ein Unfall. Hämatomartig! Auf jeden Fall weder besonders gesund noch besonders gut. Aber das ist nur meine persönliche Meinung. Muss jeder selbst wissen!

Als wir gemeinsam am Couchtisch sitzen - der Esstisch ist von etlichen Unterlagen und diversen Katzen (Peterle, Mizele und Susele) - belagert, versuche ich mich nicht in diesem künstlerischen Chaos umzusehen.

Es gibt Kaffee - eine Tasse am Tag darf ich ja - und etwas das wohl ein Hefezopf hätte werden sollen. Es sieht leider mehr nach Küchenunfall aus. Teigig, weiß, schaut uns das Hefemonster an. Ich beschließe spontan, dass ich keinen Appetit mehr habe.

„Greift zu ihr lieben, ich hab heute mal einen echten schwäbischen Hefezopf ausprobiert“, freut sich Pauline. „Altes Familienrezept“, zwinkert sie mir verschwörerisch zu und klatscht begeistert in die Hände. „Ihr wisst ja, wie gerne ich mich ab und zu in der Küche austobe, das kurbelt meine Kreativität an. Ich besuche seit neustem einen Backkurs, weisch Josi, von einem Blogger. Das sind die ...“ „Äh ja, Pauline super“, grätsche ich dazwischen, sonst dauert der Vortrag sehr lange. „Ich weiß was Blogger sind, das ist sicher großartig“, lächle ich sie unschuldig an.

Henry nutzt den Moment. „Wisst ihr, wir müssen euch etwas wichtiges erzählen.“ Er schiebt das Ultraschallbild unserer kleinen Bohne auf den Tisch. Sein Vater gibt ein leises, glucksendes Lachen von sich „Gugg mol Pauli, des sieht aus wie die Bilder von unsere Katzenjunge, von der Susele, findsch ned?“ Er schiebt das Bild zu Pauline rüber.

Wie bitte, denke ich, Katzenjunges? Das hier ist ein wunderschönes, einzigartiges Bild unseres Wunschbabys „Böhnchen“. Es wird ein Vorzeigebaby! Einmalig, klug, schön! Ich will grade etwas erwidern, als Pauline einwirft, „Herzlichen Glückwunsch ihr beiden! War das geplant oder eher ein klitzekleiner Unfall?“ Neugierig schaut sie uns an.

„Nein Mama, selbstverständlich ist das ein Wunschkind, oder denkst du wir sind zu blöd zu verhüten?“, gibt Henry missmutig zurück.

„Da wärt ihr nicht die ersten“, gibt Pauline zu bedenken. „Das hat ja nicht unbedingt mit blöd zu tun. Ich habe erst neulich auf einem Blog gelesen…“, weiter kommt sie nicht, Peter fällt ihr ins Wort.

„Du haschs gehört Pauli, es war gebland. Und mehr muss mer jetzt ned wissen“, kontert Peter in seinem breiten schwäbisch.

Dankbar nicke ich ihm zu. Vergessen ist sein blöder Kommentar mit den Katzenbabys.

„Aber euch isch klar, dass wir keine typische Oma und Opa sind. Wir sind halt nicht wie deine Eltern, Josi. Wir haben so viele unterschiedliche Hobbys und Interessen. Da können wir wirklich nicht dauernd auf euer Babyle aufpassen, gell Peter?“ Sie schaut ihren Mann stirnrunzelnd an als er nicht direkt nickend zustimmt.

„Ja, na ja“, gibt Peter brummend von sich. „Ab und zu werde mer schon nach dem Poppele schaue könne“, meint er lächelnd. „Ja, ab und zu“, fällt Pauline ein, „aber das heißt bitte schön nicht, dass wir permanent Zeit hätten. Ist ja auch egal, ich muss dir was ganz Wichtiges erzählen Henry.“ Ihr Blick hat etwas Sensationsgieriges an sich. Das gefällt mir nicht. „Rate, wen ich wieder getroffen hab?“

Sie wartet Henrys Antwort nicht ab, sondern spricht atemlos weiter, „die Heike und die Nea. Ja, da schaust du! Genau die Nea! Wir hatten uns ja vor einigen Jahren aus den Augen verloren, die Heike und ich. Aber jetzt hab ich einen Yoga Kurs angefangen. Heike und Nea leiten ihn, beide sind ausgebildete Yogameisterinnen. Es ist so toll, das könnt ihr euch gar nicht vorstellen. Ich hab mich selten so gut und wohl gefühlt. Naja, auf jeden Fall sind die beiden jetzt für ein paar Monate hier im Ländle. Und der Kurs, also Josi, da solltest du unbedingt mal mitkommen, grade jetzt ist es ja umso wichtiger, dass du „in shape“ bleibst, wie man so schön sagt.“ Sie fährt mit den Händen ihre Hüfte nach, als sie das sagt.

Sie lacht glockenhell auf, als hätte sie mir das netteste Kompliment ever gemacht, und schaut mich ganz unschuldig an. Mir ist schlagartig übel! Und das liegt nicht alleine am Hefeteigmonster, das mich immer noch anzuglotzen scheint. Es liegt tatsächlich an der Erwähnung von Henrys ehemaliger Sandkastenfreundin: Nea. Typ: schmal, blond, athletischer Körper und vor allem eines – hinterhältig! Und hinter Henry her. Der das leider nicht begriffen hat, bevor sie vor einigen Jahren dann dankbarer Weise aus unserem Leben verschwunden ist. Ich hoffe einfach, dass wir um eine Begegnung herumkommen. Ich schaue Henry von der Seite an, denn als ich sehe, wie er sich freut, fällt mir seine Reaktion von vor ein paar Tagen wieder ein.

„Oh, das ist ja eine Überraschung! Die Nea. Nach so langer Zeit. Wir sollten mal alle zusammen essen gehen, das wäre sicher nett.“ Henry strahlt mich an. „Oder, Schatz? Ist doch schade, dass wir uns damals aus den Augen verloren haben. Wir haben uns immer gut verstanden.“

Ja, denke ich für mich. Super haben wir uns verstanden. Vor allem ich und sie. Kommunikation zwischen den Zeilen. Das hatten wir perfektioniert. Augenscheinlich haben wir nett geplaudert, aber in Wahrheit wurde eine Spitze nach der anderen ausgeteilt.

Als wir uns endlich verabschieden können, ist es schon Abend. Ich bin so müde, ich will nur noch auf die Couch. Der Tag hat mich geschlaucht, die Erwähnung des Namens Nea auch. Vielleicht tut die Schwangerschaft ihr übriges.

Auf der Heimfahrt muss ich aber eine Sache noch abklären.

„Henry, deine Kollegin, die du letztens meintest gesehen zu haben, das könnte nicht zufällig Nea gewesen sein?“

Henry atmet schwer ein, bevor er antwortet „ich glaubte sie gesehen zu haben, ja“, gibt er leise zu. „Ich hätte nach so langer Zeit nicht damit gerechnet, deshalb war ich so perplex. Außerdem weiß ich ja, dass du damals, kurz bevor sie wegzogen, einige Vorbehalte gegen sie hattest. Da wollte ich den Moment nicht verderben, nachdem wir doch grade erfahren haben, dass es unserem wundervollen Wunschkind, gut geht.“ Sein liebevoller Blick streift mich an der Seite.

„Da sie ja jetzt wohl tatsächlich einige Zeit wieder da ist, wäre es doch schön, wir könnten die Differenzen zwischen euch begraben und alles wird wieder so harmonisch wie früher“, wirft Henry noch ein.

Super! Ich wollte das Thema eben begraben, jetzt muss er nochmal nachlegen. Ich will das Biest auf keinen Fall sehen – grummel!

Kapitel 4

„Was ist denn mit dir passiert, Schatzi? Du siehst furchtbar aus - diese Augenringe!“, werde ich am nächsten Morgen von Nic in der Kaffeeküche im Büro begrüßt. Er ist wie immer modern gekleidet, blaues Hemd, dunkelblaue Chinohose, rote Socken und schwarze Budapester. Immer einen Tick extravagant.

„Danke für das liebe Kompliment!“, ich kann einen gewissen Zynismus nicht unterdrücken. „Wir waren gestern Nachmittag bei Henrys Eltern zum Kaffee. Und haben ihnen von unserem „Böhnchen“ erzählt. Anstatt sich zu freuen hat Henrys Mutter gleich wieder von ihrem neusten Hobby erzählt - Yoga. Ja ich weiß, du musst mich nicht so belustigt ansehen, das ist nicht der Grund, über den ich mich aufregen musste. Die Yogalehrerin heißt Nea! Pauline hat in den höchsten Tönen von ihr geschwärmt. Blond, langbeinig, …“

Langsam scheint es Nic zu dämmern.

„Nea? Doch nicht etwa Mrs. Perfekt - die, - Ich bin so geil und spann dir den Ehemann aus - Nea? Nicht dein Ernst!“ Entrüstet hört er sich die ganze Geschichte von gestern Abend an und wirft ab und an ein entsetztes „Nein! Das glaub ich nicht!“, ein.

Das liebe ich so an Nic! Er ist mein bester Freund. Mit ihm kann ich auch mal einfach ein bisschen ablästern, oder einfach rumalbern. Er versteht mich immer! Henry versucht mich immer zu verstehen, es gelingt nur nicht wirklich.

„Weißt du was richtig nervig ist? Meine Schwiegermutter möchte, dass wir alle gemeinsam essen gehen. Henry findet, dass das eine tolle Idee ist.“ Aufgebracht verdrehe ich die Augen. „Er versteht einfach nicht, dass sie ein hinterhältiges Biest ist“, schimpfe ich weiter.

„Josi, Schatz, beruhige dich! Sie kann euch jetzt nichts mehr anhaben. Ihr werdet ein Baby bekommen! Henry liebt dich bedingungslos, mach dir keine Sorgen. Sie kann keinen Keil zwischen euch treiben“, versucht Nic mich zu trösten.

Ich weiß, dass er es gut meint, aber wirklich glauben kann ich das nicht. Dafür ist einfach damals zu viel passiert. Nea, die Henry wie zufällig über die Wange streicht, aber dabei sehr bewusst in meine Richtung schaut. Nea, die ihm angeboten hat, ihn von seinem Männerabend abzuholen, als ich wegen eines Interviews nicht rechtzeitig da war.

Nea, im kurzen Röckchen, die Henry rein zufällig besucht, als ich nicht da bin. Warum hat Henry nicht gemerkt, dass sie so auf ihn aus war? Typisch Henry, denke ich mir. Mein lieber, manchmal naiver Henry. Er sieht immer das Gute im Menschen! Das ist meistens eine bezaubernde Eigenschaft, manchmal kann es einen aber wahnsinnig machen. Als ich ihn damals versucht habe darauf hinzuweisen, fand er das so skurril, so absurd, dass er mir nicht glauben wollte. Er hat es einfach als Unsinn abgetan.

Durch diese ganze Aufregung bin ich bei der Arbeit nicht ganz bei der Sache, es belastet mich.

Zudem kommt am Abend unsere Hebamme zum ersten Mal vorbei, um sich vorzustellen. Ich bin so froh, dass wir noch eine gefunden haben! Ich war echt früh dran, direkt nach dem positiven Test. Da ich schon vorher in Ratgebern und online gelesen habe, dass Hebammen leider knapp sind und sehr schnell für Monate im Voraus ausgebucht sind, habe ich mich rechtzeitig gekümmert. Trotzdem war es richtig schwierig noch eine zu finden.

Punkt 19.30 Uhr klingelt es. Ich öffne. In der Tür steht eine gestandene Frau Mitte fünfzig, mit kurzen grauen Haaren und einer streng wirkenden Brille. Sie trägt eine grüne Bluse, einen blauen halblangen Rock mit dicker Strumpfhose. An den Füssen, trotz der winterlichen Temperaturen bequeme Latschen. Sie strahlt mich an und stellt sich als „Hebamme Erika“ vor. Ich darf „Du“ sagen bietet sie direkt an. Ich freue mich, denn Erika ist so, wie ich mir eine Hebamme vorgestellt habe. Anpackend, deutlich und ein bisschen alternativ.

„Okay, also ich bin die Erika. Ich bin seit 35 Jahren Hebamme mit Leib und Seele. Ich habe selbst 5 Kinder, also ich weiß, wie der Hase läuft.“ Sie kichert.

Ich mag sie auf Anhieb und mit ihrer großen Erfahrung fühle ich mich auch sehr gut aufgehoben bei ihr.

„Gut Josi. Was möchtest du denn heute von mir wissen?“

Ich rücke meine Checkliste zurecht - ich bin gerne gut vorbereitet - und fange an sie Schritt für Schritt abzuarbeiten. Erika antwortet geduldig auf alle offenen Fragen. Beim Punkt - welche Musik soll ich im Kreißsaal hören, um die Geburt möglichst harmonisch zu gestalten - winkt sie ab.

„Sei mir nicht böse Josi. Aber zum einen sind es noch Monate bis dahin, zum anderen, glaube mir, bist du in dem Moment mit anderen Dingen beschäftigt als die passende Musik aufzulegen. Lass es einfach auf dich zukommen.“

Ich notiere mir den Punkt „Musik“ für einen späteren Zeitpunkt, ebenso die Suche nach einem Hypno – Birthing Kurs. Das bietet sie leider nicht an. Die Anmeldung für einen Geburtsvorbereitungskurs inkl. Partnerabend -Wichtig! Der Mann muss ja wissen was abgeht -, sowie zur Rückbildung und für die Baby-Massage, fülle ich direkt aus. Ich will ja gut vorbereitet sein!

Ich notiere mir auf meiner To - Do Liste:

 Hypno - Birthing Kurs suchen

 Passende Musik zur Entbindung (Salsa???)

 Schwangerschafts-Floating suchen und buchen (das ist der neuste Schrei bei Bloggern, man schwebt quasi im Wasser und fühlt sich trotz fortgeschrittener Schwangerschaft leicht)

Als meine Checkliste endlich abgearbeitet ist, druckst Henry mit verlegener Miene, in Richtung Erika herum.

„Möchtest du noch etwas fragen, Henry?“ Aufmunternd nickt sie ihm zu.

„Äh, ja, es ist mir ein bisschen unangenehm, aber wie ist das eigentlich, mit dem Beischlaf während der Schwangerschaft?“ Sein Kopf hat nun etwa die Farbe einer Tomate angenommen.

BEISCHLAF? Ich muss mich zurückhalten um nicht laut loszuprusten! Wo hat er denn dieses antiquierte Wort ausgegraben? Aber interessieren tut mich die Antwort schon auch.

„Ja, also, um den Koitus braucht ihr euch bei einer gesunden Schwangerschaft keine Sorgen machen“, erklärt Erika mit ernster Miene. „Auch im späteren Verlauf ist es nicht so, dass der Penis des Mannes, irgendwie das Köpfchen erreichen würde beim Eindringen. Also nur zu!“ Sie lächelt mit einem Gesichtsausdruck, der besagt, dass wir bei weitem nicht das erste Paar und sicher nicht das letzte sind, das sich darüber Sorgen macht. Henrys Gesichtsfarbe ist, wenn möglich, noch dunkler geworden.

Nachdem Erika sich verabschiedet hat, sitzen wir noch zusammen gekuschelt auf der Couch. Im Hintergrund läuft leise Musik und in den Teetassen vor uns dampft Schwangerschaftsgeeigneter Tee. Da habe ich einige Seiten im Internet durchforstet, bis ich wusste, welcher geeignet ist. Keine leichte Sache, das mit dem Tee. Ich merke, wie ich langsam zur Ruhe komme und neue Kraft tanke.

„Warum hast du Erika eigentlich noch einmal dasselbe gefragt, wie Dr. Strick doch bereits beantwortet hatte? Du weißt schon, wegen dem, äh….“

„Weil mir das mit dem Kopf, du weißt schon, keine Ruhe gelassen hat.“ Henry schaut verlegen auf seine Hände. Ich streichle ihm zärtlich über die Wange. Mein lieber Henry, er macht sich also doch viel mehr Gedanken, als er zugeben möchte.

„Schatz, wollen wir eigentlich mal an unserer To - Do Liste weiterarbeiten?“ Ich bin euphorisch, will das Thema wechseln und will gleich loslegen!

„Brauchen wir da so großartig eine Liste? Was braucht denn ein Baby außer einer Babyschale, ein bisschen Kleidung und ein Bettchen?“

„Ach Henry, das meinst du doch jetzt nicht im Ernst? Es ist zwar ein Baby, aber es hat trotzdem Bedürfnisse. Da gibt es eine Menge zu bedenken. Angefangen mit den richtigen Windeln, einem Schlaf - oder Pucksack, bis hin zu einem Mobile und der richtigen Wandfarbe.“

„Wandfarbe?“, gibt Henry ziemlich erstaunt zurück und schaut mich nun ziemlich mürrisch an.

Männer! Muss man ihnen alles einzeln erklären? Ich stelle mir grade in Gedanken vor, wie Henry das Thema Babyvorbereitung angehen würde. Das Baby würde vermutlich 3 Tage hintereinander im gleichen Strampler verbringen, weil die anderen beiden - Baby, braucht ja nicht viel -, viel zu groß und oder zu warm für die Jahreszeit wären.

Ich sehe unser „Böhnchen“ des Nächtens völlig erledigt in einem zu großen Bett - dann spart man sich eins-, ohne Schnuller - besser gar nicht erst angewöhnen -, auf ein hässliches, leuchtendes Mobile starren - war im Angebot. Statt sanfter Babymusik und zartem Sternenhimmel, wirft es grelle Enten an die Wand, dreht sich und es ertönt blechern „Schlaf Kindlein schlaf“. Ok, das gilt es auf alle Fälle zu verhindern!

„Hör mal Henry, Schatz“, flöte ich, „wie wäre es, wenn ich mich um alles wichtige kümmere und wenn größere Entscheidungen zu treffen sind, wie der Kinderwagen, dann gehst du mit?“

Henry nickt eifrig „das klingt super! Aber denk dran es ist ein Baby und braucht nicht viel!“, ermahnt er mich.

„Schon klar“, ich bemühe mich um einen ernsthaften Gesichtsausdruck, während ich im Handy in die Suchmaschine eingebe „Baby Sternenprojektor, sanfte Musik“.

Wow, da gibt es ja jede Menge Auswahl! Ich finde ganz sicher ein passendes…

Am nächsten Morgen frühstücken wir ganz entspannt. Es ist Wochenende, da lassen wir uns Zeit und schlemmen ausgiebig. Croissants, Lachs (für mich jetzt nicht), frisches Obst und Eier. Henry fährt nachher seinen Kumpel Steffen besuchen. Seine Freundin hat sich kürzlich getrennt und er braucht dringend seelische Unterstützung. Da habe ich schon Zeit mich um die Baby Checkliste zu kümmern. Kinderwagen und Kinderzimmer haben teilweise 4-monatige Lieferzeiten, wie ich mit Erschrecken feststellen musste. Das wäre im Juni. Allerhöchste Eisenbahn also!

Nach einer Stunde am Laptop raucht mir der Kopf. Ich glaube mir ist auch schwindelig. Schöne, virtuelle Welt, ha ha. So viele Infos und jeder schreibt was anderes. Das geht schon beim Thema Windeln los. Man sollte doch meinen, das ist das einfachste am Baby. Windeln kaufen! Weit gefehlt, denn man hat die Qual der Wahl. Doppelt saugfähiger Kern, Wabenstruktur, super soft oder doch lieber mit angerauter Oberfläche. Bio, Windelabo, Großpackungen….Hilfe!!!! So komme ich nicht weiter, ich brauch irgendeinen Plan. Ich muss eine Liste erstellen mit den Vor- und Nachteilen. Hätte mir das jemand vor der Schwangerschaft gesagt, dass ich ernsthaft eine Liste anlegen muss, um die passende Windelsorte zu finden, ich hätte herzhaft gelacht.

„Uff!“. Stöhnend reibe ich mir den Rücken, als ich mich nach 2 Stunden durch das Thema Windeln geforstet habe. Da weiß ich jetzt immerhin Bescheid. Genauestens.

In dem Moment klingelt das Telefon, meine Freundin Luise ist dran. Das trifft sich super. Luise hat nämlich schon 2 Kinder. Ben ist 5 und Lea 2. Wir kennen sie und ihren Mann Rolf aus dem Tennisclub. Ja, Sie wissen schon, dem ich beigetreten bin, weil „mer“- schwäbisch für man- das halt so macht.

Wir plaudern ein bisschen über dies und das. Luise ist sehr nett und aufgeschlossen. Leider aber auch sehr anstrengend. Weil sie gefühlt perfekt ist, und man sich in ihrer Gegenwart unzulänglich fühlt. Sie ist vermutlich das, was man pädagogisch besonders wertvoll nennt. Sie gibt alles für ihre Kinder! Bio kochen, Brot backen, Nudeln selbst machen, Biokleidung, Waldorfkindergarten, Holzspielzeug, selbst –

gebackene Dattel-Dinkelkekse, Bastelprojekte mit gesammelten Naturmaterialien, DIY-Knete, gefilzte Handarbeiten, selbstgemachtes Waschmittel…Sie finden auch, dass das schon alleine beim Lesen nach sehr!!!!viel Arbeit klingt? Der Meinung bin ich auch.

Ich erzähle ihr ganz stolz, dass ich mich anfange um die Anschaffungen zu kümmern. Henry und ich hatten ihr einige Tage vorher beim gemeinsamen Grillabend erzählt, dass unser Böhnchen auf dem Weg ist.

„Ich bin jetzt informiert was das Windel - Thema anbelangt“, verkünde ich stolz und plappere munter weiter, welche Sorte grade gut genug für uns ist.

„Oh, oh Josi, ich will dich ja nicht kritisieren, aber DIESE Windelmarke (sie betont jedes Wort in staccato), ist ganz sicher nichts! Du willst deinem Baby doch nicht schon in den ersten Wochen, die volle Chemiebombe in seinen kleinen Körper pumpen?“

Eine rein rhetorische Frage ihrerseits, wie ich merke. „Wenn du die richtige Entscheidung treffen willst, dann nimmst du keine Wegwerf-Windeln sondern Stoffwindeln. Du musst ja auch an unseren Planeten denken! Es dauert Ewigkeiten, bis eine Einmalwindel verrottet ist.“

„Oh“, stammele ich, „da hast du natürlich recht, das geht dann nicht.“ Bumms! Da ist es wieder. Ich komme mir blöd und völlig unfähig vor. Da hätte ich doch selbst draufkommen müssen! Wie soll ich bloß ein Baby versorgen, wenn ich es nicht einmal schaffe die richtigen Windeln auszusuchen?

Als Henry kurz darauf nach Hause kommt, findet er mich in entsprechend düsterer Stimmung vor.

„Ich werde eine völlig unfähige Mutter sein!“, jammere ich. „Das Baby wird die falschen Windeln haben, die falsche Kleidergröße, und selbst wenn ich es schaffe, das richtig zu besorgen, wird es vielleicht zu viel Schadstoffe enthalten. Ich schaff das nicht!“.

„Mausi - so nennt mich Henry nur wenn wirklich eine schwierige Gefühlslage meinerseits vorliegt, und er quasi im Gespräch mit mir, auf rohen Eiern balancierend, versucht die richtigen Worte zu finden - was um alles in der Welt ist passiert? Du wirst eine wunderbare Mutter sein! Klug und lieb und lustig. Wie kommst du denn auf sowas?“. Er schaut mich sehr besorgt an.

„Ha!“ triumphierend springe ich auf und laufe in der Küche auf und ab. Da sie nicht groß ist, muss ich immer nach anderthalb Metern umdrehen.

„Denkst du wirklich das genügt, um eine gute Mutter zu sein? Henry, du bist naiv!“, jetzt schreie ich fast.

„Du musst tausend Dinge bedenken. Du musst Bio kochen, du musst sinnvolle Beschäftigungen einführen, du musst Tannenzapfen sammeln und kleine Männchen filzen!“. Ich befürchte ich klinge völlig hysterisch, aber ich kann nicht anders.

„Kleine Männchen filzen?“ Henrys Mundwinkel zucken verdächtig.

„Oooohhhhh nein! Das hier ist kein Spiel, mein Lieber. Das ist der neue Ernst des Lebens. Die Realität! Ich möchte nicht zur schlechtesten Mutter im Dorf gewählt werden“, fauch ich empört.

Henry kommt auf mich zu, zieht mich an sich und murmelt in meine Haare, „Schatz, kann es sein, dass Luise angerufen hat?“

Sprachlos nickend schaue ich ihn an.

„Woher weißt du…?“

„Ich weiß es nicht, aber ich hab’s vermutet. Wer sonst außer ihr sollte das auslösen? Bitte vergiss es einfach! Wir müssen die Dinge so angehen, wie wir es für richtig halten. Nicht wie irgendjemand es für richtig hält. Versprich mir, dass du das nicht mehr an dich ranlässt“. Er schaut mich mit seinen braunen Augen so lieb an, dass ich mich entspanne und seufzend bejahe.

Kapitel 5

Am nächsten Morgen bei der Arbeit, unterbreche ich meinen Bericht über ein Oldtimer Treffen in Stuttgart, als meine Kollegin Susi etwas verspätet ins Büro kommt. Sie schält sich aus ihrem dicken schwarzen Wintermantel. Der Februar hat Vollgas gegeben und es ist wirklich eisig draußen. Susi reibt sich die kalten Hände und kommt an meinen Schreibtisch.

„Hast du Lust heute mit Jette und mir einen trinken zu gehen? Wir wollten mal wieder Mädelsabend mit Cocktails machen.“

Susi ist seit zwei Jahren Single und hat genug von Männern. Sie genießt lieber das Leben. Ich überlege schnell was ich als Ausrede bringen könnte, ohne das es auffällt.

Da habe ich allerdings die Rechnung ohne Susi gemacht. Sie schnappt mich am Arm, zieht mich in unsere Teeküche und schließt die Tür.

„Josi, willst du es mir nicht endlich sagen? Dass du ein Baby bekommst. Stimmt doch, oder?“ Sie mustert mich.

„Äh ja, aber wie kommst du denn darauf?“, gebe ich zurück.

„Naja, du strahlst seit einigen Wochen so von innen heraus, außerdem bist du oft in Gedanken und um ehrlich zu sein, sieht man schon ein ganz winziges bisschen Babybauch“, antwortet sie lächelnd.

Unwillkürlich streiche ich mit der Hand über meinen Bauch. Und tatsächlich eine kleine Wölbung kann ich fühlen.

„Also, wenn du es eh schon weißt, dann muss ich ja nichts mehr groß sagen. Ich wollte eigentlich noch zwei Wochen warten, weißt du, dann ist die kritische Phase sicher um. Aber du behältst es noch für dich, gell?“.

„Ja sicher, ich freu mich für euch.“ Susi umarmt mich und seufzt. „Ich wünsche mir auch so sehr so einen tollen Partner, wie du ihn hast. Einfach meinen sicheren Hafen mit dem ich eine Familie gründen kann. Aber irgendwie sind nur Idioten auf dem Markt“, beklagt sich Susi.

„Ich bin fest davon überzeugt, dass irgendwo auch dein Traumprinz auf dich wartet, Susi. Du bist so ein toller Mensch, da kommt ganz sicher bald der richtige.“

„Lieb von dir Josi. Lass dich nochmal drücken, du hast dieses Glück wirklich verdient.“

Am Abend sitzen Henry und ich nach dem Abendessen – Gelberüben (schwäbisch für Karotten)-Steckrübeneintopf)- bei einer Tasse Schwangerschaftstee im Wohnzimmer. Henry trinkt den Tee der Einfachheit halber mit, da ich immer eine ganze Kanne aufsetze. Und außerdem sagt man ja „wir“ sind schwanger. Was sich ein bisschen an seinem Bäuchlein widerspiegelt. Offensichtlich ist da also was Wahres dran. Mich stört es aber gar nicht.

„Du Henry, es ist jetzt ganz dolle wichtig, dass du eine frühe Bindung zum Baby aufnimmst. Am besten gelingt das laut Experten, wenn du deine Hand auf meinen Bauch legst und unserem Böhnchen etwas erzählst, oder eine Geschichte vorliest.“

„Das war ein netter Versuch Josi, haha, ja wirklich lustig“! Henry prustet los und kriegt sich fast nicht mehr ein.

Ich merke, wie ich innerlich anfange wütend zu werden. Oh man, meine Emotionen habe ich seit der Schwangerschaft echt nicht mehr gut im Griff.

„Warum lachst du denn so blöd?“, ereifere ich mich, „das ist mein voller Ernst!“. Beleidigt wende ich mich ab.

„Unser Böhnchen hört mich doch auch wenn wir uns unterhalten“, kommt es in versöhnlichem Ton von Henry zurück. „Du bist zurzeit wirklich sehr empfindlich Josi. Man kann es dir nicht recht machen“.

ICH HASSE DIESEN SATZ! Natürlich könnte man - oder in diesem Fall Mann - es mir recht machen, wenn man es richtig machen würde und die Sache ernst nehmen würde.

Ich probiere es nochmal und versuche nicht allzu sauer zu klingen, sonst kommt man bei Henry nicht weiter.

„Schau, es ist doch so, wenn wir uns unterhalten, ist deine Aufmerksamkeit ja nicht bei Böhnchen. Wenn du aber direkt mit ihr sprichst und den Bauch streichelst, dann fühlt sie das. Biiiitttttteeeee!“ Ich schaue in mit großen Augen an.

„Gut, gut, von mir aus. Aber ich komme mir irgendwie blöd dabei vor.“ Er legt seine Hand auf meinen Bauch und schaut ihn unsicher an.

„Hallo! Ich bin`s. Ich hoffe du kannst mich hören. Wie geht`s denn so?“ Henry begleitet die Worte mit hektischen Reibebewegungen der Bauchdecke.

Alles gut, Böhnchen, spreche ich ihr in Gedanken Mut zu. Das ist dein Papa, das werden wir nochmal üben in der nächsten Zeit.

Seufzend schiebe ich seine Hand weg und ziehe meinen Pulli wieder runter.

„Komm, lass uns lieber an der - Baby-Was wird alles benötigt Liste - weiterarbeiten“, sage ich grinsend zu Henry. Erwartungsgemäß schaut er mich so gottergeben an, dass ich lachend die Liste wieder weglege.

Wir haben dann wider Erwarten noch einen ganz kuscheligen Abend….

Kapitel 6

Als ich einige Tage später mit Nic bei einem Gläschen Wein - für ihn, für mich Schwangerschaftstee- zusammensitze, krame ich wieder meine Liste vor. Henry ist wieder bei seinem Kumpel Steffen. Er hat sich nach der Trennung noch nicht wieder gefangen.

„So, dann lass uns mal mit der Planung anfangen, Josi!“ Glücklich grinsend zieht Nic aus einer mitgebrachten Tasche diverse Hochglanzprospekte für Baby-Ausstattung. Meine Augen fangen unwillkürlich an zu glitzern. Wir blättern in den Seiten und werfen immer mal wieder ein verzücktes „Ooh“ und „Ahh“ und „Guck mal“ ein. Das macht richtig Spaß mit Nic. Mit meiner Freundin Susi wollte ich das grade nicht unbedingt machen, weil sie sich ja insgeheim auch ein Baby wünscht, aber ohne Partner ist das momentan schwierig.

Bei dieser Gelegenheit frage ich Nic schonmal, ob er sich vorstellen kann, das Amt des Paten für unser Böhnchen zu übernehmen. Das habe ich natürlich im Vorfeld mit Henry besprochen.

„Wow! Ja!!!! Sowas von Jaaaaaaa!!!!!!Das ist eine Riesenehre für mich Josi, ehrlich. Du weißt ja, dass ich Kinder liebe und damit macht ihr mich sehr glücklich. Danke!“ Er umarmt mich stürmisch.

Nach einer Weile ist unsere Baby-Liste schon deutlich angewachsen. Neuzugänge sind unter anderem:

 Federwiege (elektrisch betrieben, DAS non-plus-Ultra für Babys Tagschläfchen)

 Baby-Hängematte (unbedingt notwendig, wenn man ein entspanntes Baby möchte. Ähhh, ist das eine rethorische Aussage? Wer will das bitte nicht?)

 Baby-Badewanne mit Ablaufschlauch und Gestell (sonst kriegt man´s ins „Kreuz“ (= schwäbisch für Rücken)

 Babymatratze (nicht irgendeine, sondern eine super duper, extra ergonomisch geformte Matratze, mit gewölbter Form, in der das Baby eine (ich zitiere) „semi-fötale“ Haltung einnimmt und somit an den Mutterleib erinnert wird)

 2 verschiedene Tragetücher (eins zum selbstbinden, ein fertiges, wenn’s pressiert (=schwäbisch für es eilt)

 Mitwachsender Holzhochstuhl mit Einsatz für Neugeborene

 Baby-Wippe (superpraktisch um das Baby von Raum zu Raum zu transportieren, beim Putzen oder so)

 Windelkomplettpaket (genähte Windeln aus Stoff mit Einlagen, ich will ja das richtige tun für Baby und Umwelt!)

Das sind jetzt mal nur die größeren Dinge, Kinderwagen, Babybett usw stand schon drauf.

Um die kleineren Dinge wie Kleidung, kümmere ich mich auf einer Extra-Shopping Tour mit Nic und einer Oma-Einkaufstour mit meiner Mum! Ein Hoch auf die Baby-Vorbereitungen.

„Wow, Josi, schau dir das mal an. Das müssen wir für dich unbedingt auch machen“ unterbricht mich Nic euphorisch, als ich eifrig auf meiner Liste weiterschreibe. Er hält mir begeistert den nächsten Prospekt unter die Nase. Ein Lifestyle-Magazin für werdende Mamas. Der Artikel zeigt einen superschönen Wohnraum voller Ballons in rosa, auf dem Bild daneben ist das gleiche Arrangement in hellblau zu sehen. Mit rosa Federn die in großen Vasen stecken, rosa eingedeckter Esstisch, einer riesengroßen Girlande mit der Aufschrift = Baby-Shower = und einem Tisch voller Geschenke in rosa Papier.

Der Artikel zeigt einen Trend aus den USA, der auch bei uns immer beliebter wird. Vor der Geburt wird eine Babyparty ausgerichtet mit den Freundinnen. Es werden Baby-Breie durchprobiert und man muss die Sorte erraten. Eine Puppe wird angekleidet inkl. Windel, der schnellere gewinnt.

Das klingt nach viel Spaß!!!

„Das will ich unbedingt Nic, das ist ja super! Würdest du das denn organisieren wollen?“

„Ja klar, gerne. Gib mir einfach eine Liste mit den Kontaktdaten der Mädels, die du gerne dabeihaben möchtest. Den Rest erledige ich für dich.“

Ich finde dieses ganze Baby-Thema schon jetzt sowas von Spitze!

Henry findet die Liste mit den Anschaffungen die ja zweifelsohne unbedingt!! Notwendig sind, um unser Böhnchen auch nur annähernd artgerecht großzuziehen, gar nicht so spitze.

Es ist sonntags, wir frühstücken wie immer wenn es die Zeit zulässt ganz gemütlich.

Er hat die Liste in den Händen und sieht zu mir hoch.

„Was sind das da alles für Dinge, das braucht doch niemand. Ernsthaft Josi! Ergonomische Matratze mit vorgeformter Wölbung? Kann Böhnchen nicht auf einer normalen Matratze liegen wie alle anderen auch?"

"Nein“, erwidere ich trotzig. Oh, man diese Hormone. So sieht sicher keine zielführende Gesprächsstrategie aus.

„Wir brauchen diese Matratze! Ich will sie unbedingt. Das ist das non-plus Ultra.“

„Non-plus-Ultra, verstehe. Schatz, wie wäre es, wenn wir uns einfach mal in Ruhe im Fachgeschäft dazu beraten lassen und dann entscheiden? Vielleicht magst du einfach einen Beratungstermin ausmachen und wir fahren mal samstags zusammen hin?“

„Ja gut, du wirst sehen, dass sie das auch ganz bestimmt empfehlen“, gebe ich jetzt etwas versöhnlicher zurück.

Als wir grade fertig mit frühstücken sind und uns aufs Sofa kuscheln wollen, klingelt es. Wir sind eigentlich sonntags ganz gerne zuhause und entspannen.

Und wir haben eigentlich für heute keine Verabredung.

Ich öffne und vor der Haustüre steht meine Mum mit den Händen voller Einkaufstaschen. Sie strahlt mich an.

„Hallo Josi-Kind, darf ich reinkommen?“

„Ähh, ja klar, Mum komm rein. Was hast du denn da alles dabei, soll ich dir was abnehmen?“

Aber meine Mum hat sich schon alle Tüten unter den Arm geklemmt, bevor ich ihr etwas abnehmen kann und läuft schnaufend voraus ins Wohnzimmer.

Sie nimmt sich kaum Zeit Henry zu begrüßen, der auf dem Sessel liegt, mit seinem Handy in der Hand. Ich hoffe, dass er Recherchen zum Thema Baby-Ausstattung betreibt.

Voller Begeisterung fängt meine Mutter an die ersten Einkaufstaschen auszuräumen.

„Schau mal, ist DAS nicht zuckersüß!“, quietscht sie und hält einen klitzekleinen, zugegeben sehr goldigen Strampler, in die Höhe. Er ist in zartem gelb, total flauschig. Vorne drauf prangt ein Teddy-Kopf, einer großen deutschen bekannten Marke. Qualität aus Deutschland ohne Frage.

Dem kleinen Strampler folgen noch klitzekleine Jeanshosen, zwei Jäckchen in mint mit kleinen weißen Sternen aufgedruckt, sowie eine wundervolle Babydecke in zartem pastelligem Grün.

Ich fahre mir durch die ungekämmten Haare und linse zu Henry. Er guckt einigermaßen unbegeistert hinter seinem Handy vor, offensichtlich nicht bereit, die Begeisterung meiner Mutter zu teilen, geschweige denn, sich ihr gegenüber ähnlich begeistert zu geben.

„Mum, wo kommt das denn alles her? Wir wollten doch zusammen in Ruhe nach Stuttgart zum Shoppen?“, grätsche ich schnell dazwischen, bevor Henry was falsches sagt.

„Ja, ja unbedingt gehen wir zwei Mädels noch für mein erstes Enkele shoppen, Josi, das darfst du mir glauben. Aber ich war in diesem goldigen kleinen Lädle für Babyausstattung. Und die Verkäuferin war so nett und kannte sich so toll aus, da konnte ich nicht widerstehen. Und ich sag mal so, alles was ihr nicht kaufen müsst, ist doch eine Erleichterung, gell?“ Sie dreht sich zu uns um und wartet mit zufriedener Miene auf Bestätigung.

„Babys brauchen fast nix Paula“, grummelt Henry hinter seinem Handy vor. „Ein Bettchen, eine Babyschale und ein paar Windeln, das sollte im Großen und Ganzen fast genügen.“

Meine Mum schaut Henry mit großen Augen fassungslos an.

„Ist das dein Ernst? Kleidung braucht man eine ganze Menge Henry. Glaube mir. Wir haben schon ein Kind großgezogen. Und ich bin der Meinung man kann nicht früh genug damit anfangen alles zusammen zu tragen. Dann hat man nachher nicht so viel Stress.“

Und schon beugt sich meine Mutter über die nächste Tasche. Offensichtlich will sie sich die Freude nicht durch Henrys pragmatische Art nehmen lassen.

Triumphierend hält sie einen, gefühlt riesengroßen Activity – Würfel, aus Bioholz in Naturfarben, in die Luft.

„Das, also das, ist das allerbeste für Babys!“, stellt sie uns das Ungetüm vor. „Damit trainieren sie die Motorik, die Koordination und das Sortieren.“

„Wozu muss das Baby sortieren können?“, kommt es genervt von Henry aus dem Sessel.

„Henry“, meine Mum spricht jetzt mit ihm wie mit einem kleinen, trotzigen Kind, „natürlich kann das Baby am Anfang noch nichts sortieren. Aber ruckzuck hat es das Alter erreicht, in dem es das kann. Und dann müsst ihr nicht erst los und etwas passendes kaufen, weil Oma schon alles besorgt hat.“

Und damit wendet sie sich der nächsten Tasche zu.

Nach gefühlten zwei Stunden macht sich meine Mum auf den Heimweg und Henry und ich schleppen alles was sie mitgebracht hat, ins zukünftige Kinderzimmer. Hier steht noch nichts drin, daher hat der ganze Kram ausreichend Platz.

„Sag mal, Josi, warum hast du deiner Mutter nicht gesagt, dass wir nicht so viel Zeug wollen? Ich denke wir haben uns darauf geeinigt nur das nötigste zu kaufen?“

„Du hast das gesagt!“, gehe ich sofort in die Offensive. Ich meine es ist nicht so, dass Henry unrecht hat. Ein Baby braucht nicht viel außer Liebe, Zuneigung und ja gut ok, Milch natürlich auch. Aber, jetzt da ich gesehen habe, was für tolle Sachen meine Mum geholt hat, will ich die nicht wieder hergeben. Und ich will ja auch noch ein paar Dinge besorgen.

„Schatz“ ändere ich die Taktik, „wir brauchen doch eh ein paar Dinge. Und wenn meine Mum jetzt halt schon Sachen besorgt hat, die wir nicht brauchen können, wir sie ja immer noch weiterverkaufen.“

Der Schwabe in Henry ist besänftigt.

Kapitel 7

„Hi, meine Hübsche! Schön, dass du mich begleitest.“ Nic stürmt voller Vorfreude auf mich zu.

Ich erwidere seine Umarmung lachend, „ich lass dich doch nicht alleine, deinen Hochzeitsanzug aussuchen. Eine schöne Trauzeugin wäre ich da.“

Wir schlendern durch Stuttgart. Es ist ein schöner sonniger Märztag und die Stadt erwacht. Überall sitzen die Menschen in den Cafés und genießen ihr Getränk oder ein Eis. An den Bäumen sind schon die ersten grünen Blätter zu sehen, es ist einfach herrlich. Wir schlendern über den Schlossplatz, als auf einmal eine bekannte Stimme meinen Namen ruft. Ich schau mich um und tatsächlich, meine Schwiegermutter winkt von einem Tisch im Schloss Café` zu uns rüber.

Neben ihr sitzt eine jüngere Frau, die ich auf den ersten Blick nicht kenne. Als wir in Richtung ihres Tisches gehen, erkenne ich sie. Nea! Die eingebildete, immer von sich überzeugte Nea.

Ich seufze innerlich auf und sage mir im selben Moment, dass ich sie so lange nicht gesehen habe und sie sich ja komplett geändert haben könnte. Ich sollte wohl erstmal vom Besten ausgehen.

„Hi Josi“, begrüßt mich meine Schwiegermutter mit einer Umarmung. Sie ist wieder in ein Sari-ähnliches Gewand gehüllt in grellem pink mit rosa und roten Punkten. Und Goldverzierungen. Die Haare sind mittlerweile auch pink.

Mein Blick wandert zu Nea. Sie bleibt sitzen, mustert mich während der Begrüßung von oben bis unten und grinst mich an. Ein ziemlich arrogantes Grinsen würde ich mal sagen. Also sie hätte sich echt ändern können, wollte sie offensichtlich aber nicht.

Ich stelle den beiden meine Begleitung Nic vor. Und es ist wie immer. Der Sunnyboy lächelt und die Damenwelt schmilzt dahin.

Nea erhebt sich sogar von ihrem Stuhl, fährt sich wie beiläufig mit der Hand durch ihr blondes Haar, schlendert zu Nic rüber und begrüßt ihn mit einem nonchalanten Lächeln und murmelt ein „Hey“. Küsschen rechts und links runden das Prozedere ab.

Zum Kotzen! Nea muss sich offenbar an alles ranmachen das jung, charmant und männlich ist.

Ich kann nicht anders als zu sagen: „Nic und ich sind grade unterwegs, um seinen Hochzeitsanzug auszusuchen. Er heiratet bald seinen Jan!“, und strahle in die Runde.

Nea glotzt blöde. Lief nicht gut für sie. Erstens er wird heiraten, zweitens er interessiert sich nicht für Frauen. Und speziell nicht für sie. Das wird sie eine Weile beschäftigen.

Ich amüsiere mich innerlich über ihre doofe Miene.

„Ja, also nett euch getroffen zu haben, aber wir müssen jetzt weiter, gell“, sage ich über die Schulter und ziehe Nic mit mir weg vom Tisch.

„Das war also die hinterlistige Nea, jetzt habe ich sie mal live und in Farbe gesehen“, flüstert mir Nic zu. „Also, sie sieht ja ganz gut aus, aber sie ist schon sehr von sich eingenommen“, bemerkt er stirnrunzelnd. „Du bist viel schöner Josi und du hast eine schöne Seele“.

Hach, das tut gut zu hören!!!

Trotz dieser Begegnung haben Nic und ich einen fantastischen Nachmittag. Wir lassen uns beim Herrenausstatter ausführlich beraten. Nic probiert verschiedene Anzüge an und Smokings. Am Ende entscheidet er sich für ein Ensemble in Nachtblau, mit silbergrauen Ornamenten und passend dazu tolle italienische Schuhe.

Anschließend lassen wir den Tag beim Italiener ausklingen bei einer fantastischen Pizza.

„Guten Morgen mein Liebling“ werde ich sanft von einem verstrubbelten Henry geweckt.

„Mhhhhh…guten Morgen Schatz“, murmele ich völlig schlaftrunken ins Kissen. Ich bin in der Nacht wohl zu Henry gerutscht und stecke jetzt quasi im „Gräbele“ - schwäbisch für die Mitte, der Graben zwischen den Matratzen - fest.

Ich rolle vollends zu Henry und kuschle mich an ihn.

„Heute sehen wir unser Böhnchen wieder. Bist du aufgeregt?“

„Ja, schon. Vor allem, dass wir dann den Kollegen, Freunden und allen erzählen können, dass du schwanger bist.“ Zärtlich schaut Henry mich an. Beiläufig erzählt er mir, dass seine Mum für nächste Woche in ihrem Lieblingsrestaurant einen Tisch reserviert hat für sich, uns und Nea plus Mutter.

Na prima! Der Tag hat so schön begonnen. Wir wollten gemütlich frühstücken, dann zum Frauenarzt und anschließend zusammen einige Dinge fürs Baby besorgen. Henry hat sich extra auch den ganzen Tag freigenommen. Und jetzt muss er ausgerechnet diese Frau erwähnen! Ich nehme mir vor erstmal nichts dazu zu sagen, um die Stimmung nicht zu drücken, obwohl es Innerlich schon leicht brodelt.

Dieser gute Vorsatz hält exakt so lange bis wir am Frühstück sitzen. Hatte mich schon gewundert, dass ich den Mund so lange halten kann. Das ist normal nicht meine Stärke.

„Josi warum bist du denn so ruhig auf einmal?“

„Ich frage mich nur grade, ob wir wirklich zu diesem Abendessen mitmüssen, Henry?“

„Warum willst du nicht hingehen? Das wird bestimmt ein netter, lustiger Abend. Wir haben Nea so lange nicht gesehen und haben uns sicher sehr viel zu erzählen.“

„Du meinst wohl SIE hat DIR so viel zu erzählen?“, maule ich Henry an. Eigentlich könnte er jetzt langsam wissen, dass die Situation demnächst unschön wird. Dafür kennt er mich lange genug.

Aber anstatt das Thema jetzt zu beenden, fängt er an zu argumentieren.

„Fängst du wieder damit an. Natürlich hat sie auch mir viel zu erzählen. Schließlich ist sie eine alte Sandkastenfreundin. Wenn ihr euch besser kennen lernen würdet, wärt ihr bestimmt gute Freundinnen. Sie ist ein ganz liebenswerter Mensch. Gib ihr doch eine Chance Josi!“, bittet Henry mich und nimmt meine Hand.

„Will ich nicht!“ Mürrisch schaue ich ihn an. „Sie hat versucht dich anzubaggern. Ich möchte sie nicht sehen und du solltest es auch nicht.“

„Josi! Du hast das damals völlig falsch verstanden. Sie wollte mich nicht anbaggern. Wir haben uns nur gut verstanden das war alles.“

Ist es zu fassen, dass mein Henry, jawohl! MEINER! So klug und intelligent er ist, das nicht bemerkt hat. Ich merke, dass ich so leider absolut nicht zu ihm durchdringen kann. Ich muss mir einen Plan überlegen bis nächste Woche. Stichwort: Nea loswerden!

Eine Stunde später starren wir völlig fasziniert auf den Bildschirm bei Dr. Strick. Unser Böhnchen bewegt sich munter im Ultraschall. Jetzt hebt es die Hand und winkt. Sentimental wische ich mir eine Träne aus dem Augenwinkel.

Dr. Strick erklärt gerade was im Bild zu sehen ist. Oh, die Hand ist gar nicht die Hand, sondern das Bein. Naja egal, Hauptsache alles dran an unserem Böhnchen!

„Es schaut alles bestens aus. Ihr Baby ist aktiv und entwickelt sich gut. Die kritischen 12 Wochen sind auch vorbei“, fasst der Arzt seine Erkenntnisse zusammen.

Erleichtert lächeln Henry und ich uns zu. Beim nächsten Termin kann man vielleicht schon das Geschlecht erkennen.

Als wir kurz darauf das Babyfachgeschäft betreten, bin ich völlig fasziniert. Ich weiß gar nicht wohin ich zuerst schauen soll. Es sieht alles so toll aus! Der Laden ist riesengroß und eine absolute Institution in unserer Region. Seit fast 70 Jahren ein familiengeführtes Unternehmen. Es gibt verschiedene Bereiche, alle liebevoll dekoriert. Teddybären, aus einer weltberühmten Manufaktur, strahlen mich aus einem wunderschönen weißen Vintage - Regal an. Ich bin schon auf dem Weg mir die Bären mal genauer anzusehen, als Henry mich ausbremst.

„Mooooment mal Josi, wohin gehst du denn? Auf meiner Liste steht als erstes das Babybett. Lass uns da mal jemanden suchen für eine Beratung“.

Grrrmppfff… darf man nicht mal ein bisschen durchstöbern. Hätte ich mir denken können, dass Henry da wenig Verständnis aufbringen kann.

Die nette Verkäuferin die Henry anspricht, zeigt uns ganze tolle Babybettmodelle. Theoretisch gäbe es ein Beistellbettchen für den Anfang mit einer Seite offen. Das kann ganz an das Elternbett gestellt werden.

„Da könnte man doch aber auch gleich ein normales Bett nehmen und sich das Sparen?“ erkundigt sich Henry.

„Sicher, das wäre möglich“, räumt die Verkäuferin mit einem professionellen Lächeln ein. „Jedoch ist diese Variante für die ersten Monate doch komfortabler.“

„Wissen Sie, wir wollen nicht so viele Dinge horten. Ein Baby braucht letztlich nicht viel“, versucht Henry der Dame zu erklären.

Ihr Lächeln wird etwas schmallippiger. Es scheint ihr langsam zu dämmern, dass Henry wohl nicht der typische Erstlingspapa ist, der bereitwillig alle Ratschläge annimmt. Ich weiß genau, wie sie sich grade fühlt, die Ärmste. Mir ist das Ganze auch peinlich, offen gestanden. Ich würde mir etwas mehr Euphorie von Henry wünschen.

Irgendwann, nach einer gefühlten Ewigkeit, einigen wir uns auf ein Beistellbett und verschieben die Anschaffung des Babybetts dafür auf einen späteren Zeitpunkt. Ich bin bereits jetzt fix und alle. So habe ich mir das Babyshopping eigentlich nicht vorgestellt. Henry geht das ganze irgendwie zu technisch an. Zahlen- Daten-Fakten. Einkaufsliste abarbeiten.

Ich hätte mich gerne eher treiben lassen und Böhnchen entscheiden lassen was es braucht. Ja, da haben Sie richtig gelesen. Ich bin überzeugt, dass unser Böhnchen indirekt klar machen kann welches Bett, Kinderwagen, Kleidung es möchte.

Das zeigt sich einige Minuten später in der Kinderwagenabteilung.

Henry fragt nach einem Wagen, der zweifelsohne superpraktisch wäre. Große Reifen, Farbe: Schwarz („da sieht man den Dreck net so“), stabil.

Genau NICHT meine Traumvorstellung!!!!!!

Die Verkäuferin zeigt uns ein entsprechendes Modell.

„Das ist jetzt das Modell “Über Stock und Stein“. Große Bereifung mit Profil, schwarzer robuster Stoff, Federung für bequeme Waldspaziergänge auf unebenem Boden…“

Sie spricht noch eine Weile weiter und zeigt Henry diverse Funktionen. Ich habe leider schon abgeschalten, denn Böhnchen hat mir signalisiert, dass dieses Modell nicht das richtige für uns ist.

Uns zieht es zu einem wunderschönen Retro-Wagen in Mintgrün. Große Reifen mit nostalgischen Stahlfelgen, eine wunderschöne Form mit Stoffüberhang, gegen die Sonne. Lederner Griff. Ich sehe mich schon mit Böhnchen in diesem Modell über die Felder fahren.

„Schatz“, Henry kommt freudestrahlend auf mich zu. Er nimmt meine Hand und sagt „wir haben das perfekte Modell! Komm guck es dir mal an. Ich würde sagen den nehmen wir. Vernünftiger Preis und superpraktisch.“ Das ist das erste Mal heute, dass er so bei der Sache ist.

„Schau dir erst mal diesen hier an“, erwidere ich schnell und zeige ihm das Retro-Modell.

„Oh ein toller Wagen!“, bemüht sich die Verkäuferin direkt zu sagen. „Dieser Wagen nennt sich „i går“. Er wird in Schweden produziert in einer kleinen Manufaktur. Fast alles Handarbeit.“

Liebevoll streicht Sie über den Griff.

Ich will diesen Wagen!!!!Schweden, kleine Manufaktur und dieses Design! Böhnchen ist auch begeistert.

„Henry, lass uns dieses Modell nehmen. Es ist perfekt!“ Atemlos schau ich ihn an.

Er ist derweil näher an den Wagen getreten und hat das Preisschild im Visier. Oh, oh…Darauf hab ich ehrlich gesagt nicht geachtet.

Er schaut drauf, schluckt und meint dann „auf keinen Fall! Das ist ja Wucher! Der Wagen kostet schlappe 1800.- Euro. Dafür bekommen wir die komplette Ausstattung fürs Baby. Auf keinen Fall!“

„Aber Böhnchen will den Wagen auch unbedingt haben“, beharre ich trotzig. Ok, ich weiß wie blöd sich das anhören muss für Außenstehende. Aber ich habe einfach das Gefühl, dass ich schon mit unserem Baby kommuniziere. Und es mir Signale aussendet. Und es möchte diesen Wagen.

Henry sieht mich nach diesem Erklärungsversuch an als sei ich nicht ganz richtig im Kopf.

„Böhnchen kommuniziert also mit dir, ja? Und sagt, dass wir den teureren Wagen brauchen, der dir besser gefällt, anstatt den superpraktischen viel günstigeren?“ Lauernd wartet er auf meine Antwort.

„Ja, so in etwa“, gebe ich zurück. Henrys Mundwinkel zucken spöttisch.

„Ach Schatz, sag doch einfach, dass du den Wagen willst. Diese Ausrede mit Böhnchen ist echt kindisch. Aber du weißt so gut wie ich, dass das einfach viel zu teuer ist, für etwas das man auch für viel weniger bekommen kann.“

Ich weiß, wann ich bei Henry nicht mehr weiterkomme, und so beschließen wir die Entscheidung zu verschieben.

Himmel, ich dachte nicht, dass Baby-Shopping so stressig ist. Vermutlich liegt das an Henrys Art alles zu hinterfragen damit wir nur nicht zu viel anhäufen.

Und weiter geht´s mit der netten Verkäuferin in Richtung Babybadewanne. Zu meiner Überraschung stimmt Henry recht schnell meinem Wunschmodell mit Gestell und Ablaufschlauch zu.

Bei den Tragetüchern zeigt mir die Trageberaterin (ja, sie haben hier extra eine spezielle Beratung für die Tragetücher, mega Service), ein klassisches Tragetuch. Eine Babypuppe ist mein Sparringspartner. Sie zeigt mir einmal an sich selbst wie das Tuch gewickelt werden muss. Als ich das gefühlt 8 Meter lange Ungetüm um mich und die Puppe wickle, stöhnend diesen Teil hierhin, einen anderen gekreuzt dorthin, läuft mir der Schweiß bereits am Rücken runter. Ich fühle mich wie eine Raupe im Kokon. Stelle ich mir jedenfalls so vor. Oder eine Mumie im Alten Ägypten. Es ist so viel Stoff um mich gewickelt. Ich fühle mich leider gar nicht wohl und „Eins mit dem Baby“, wie der Werbeslogan verspricht.

„Schnell, helft mir raus, mir wird ganz schwindelig“, bitte ich Henry und die Beraterin. Sie wickeln mich aus und ich falle mit hochrotem, erhitzen Kopf in einen Stillsessel. Oh, der ist mega bequem. Das habe ich auf meiner Liste glatt vergessen. Da muss ich mich bei Gelegenheit drum kümmern.

Ich erkundige mich bei der Trageberaterin ob es auch eine einfache Tragetuchvariante gibt ohne, dass man vorher ein Knoten-Seefahrerdiplom ablegen muss. Zu meiner Beruhigung bringt sie mir etwas, das quasi idiotensicher ist. Es kann nicht falsch angelegt werden.

Hurra, Böhnchen schickt mir auch ganz erfreute Signale. Dann nehmen wir diese Trage!

Nach dieser weitreichenden Entscheidung einigen Henry und ich uns das restliche Shopping zu vertagen. Wir sind beide fix und alle und sehnen uns nur noch nach einem Kaffee und einem leckeren Kuchen. Leider darf ich momentan die gute Schwarzwälder Torte nicht essen (Schnaps drin). Aber ich bin auch ein großer Fan von Apfelkuchen mit Streuseln. Den weltbesten gibt es in unserem Lieblingscafé „Kaffee und Kucha“.

„Das war so anstrengend, muss ich denn wirklich mit für die restlichen Besorgungen? Oder wollen wir einfach online bestellen?“

„Oh nee. Ich weiß ja bei vielem auch noch nicht was es genau gibt, da würde ich es schon gerne vor Ort sehen. Aber wenn du nicht magst, kann ich ja meine Mum oder Nic mitnehmen. Aber dann darfst du auch nicht meckern, wenn ich kaufe was ich für richtig halte, gell.“

Grinsend schaut mich Henry über seine Cappuccino-Tasse an und meint, wenn das der Preis sei, dass er nicht mehr mit muss, dann kann er gut damit leben.

Am nächsten Morgen bin ich furchtbar aufgeregt. Heute ist der große Tag gekommen! Wir verkünden Kollegen und den restlichen Freunden die frohe Botschaft „unserer“ Schwangerschaft.

Als ich meinem Ressortleiter Micha gegenübersitze, kann ich vor lauter Nervosität gar nicht mehr stillsitzen.

„Josi, worüber wolltest du denn mit mir reden?“, ermuntert mich Micha.

„Naja, es ist so, also, ähm, nun, ich bin schwanger!“

„Ja Menschenskind, Josi, super! Das freut mich echt für euch! Aber gell, glaub bloß net, dass du nach deiner Elternzeit verschwinden kannst. Wir wollen dich wieder zurück. Wir sind doch eine Familie.“ Strahlend kommt er um seinen Schreibtisch rum und nimmt mich in den Arm.

Ich bin echt erleichtert. Und freue mich, dass ich meine alte Stelle dann wiederhaben kann.

„Du, da hätte ich doch glatt eine Frage, das passt jetzt wie die berühmte Faust aufs Auge“, lacht Micha. „Ich habe letztens über eine Schwangerschafts-Yoga Gruppe gelesen. Das ist ganz neu hier bei uns im Umkreis. Nach der Geburt kann man dann dort auch Baby-Yoga machen. Da habe ich schon überlegt, wer den Artikel für unsere Lifestyle-Seite schreiben könnte. Sag bitte ja! Wir zahlen dir auch die Kursgebühr. Das geht glaube ich 5x je eine Stunde. Am Abend.“

„Ja klar!“, stimme ich begeistert zu. Ich will sowieso Kurse besuchen, um schon vor der Geburt auch Anschluss zu finden an andere Mamas.

„Prima! Ich melde dich an und lass dir alle weiteren Infos per Mail zukommen.“

Die anderen meiner direkten Kollegen freuen sich ebenso wie Micha mit uns über die Schwangerschaft. Bei Henry ist es auch sehr gut gelaufen, wie er mich kurz per WhatsApp wissen lässt. Ich bin sehr erleichtert, dass die Geheimniskrämerei jetzt nicht mehr sein muss. Das ist auf Dauer ganz schön nervig.

Keine Stunde nach dem Gespräch mit Micha habe ich schon die Anmeldung für den Yoga-Kurs per Mail vorliegen. Start ist bereits morgen, hier im örtlichen Yoga-Studio.

Habe ich überhaupt was Passendes zum Anziehen? Ein leichter Anflug von Panik überkommt mich. Ich bin nämlich eigentlich kein besonders sportlicher Mensch. Auch wenn ich es nicht gerne zugebe. Mein Kleiderschrank beheimatet keine supercoolen Sport-Outfits. Aber ich werde schon was finden. Geht schon!

Am Abend sitze ich zwischen sehr vielen Klamotten. Sie liegen teils auf unserem Bett, teils daneben. Ich sitze zwischendrin und merke, dass ich die Zuversicht von heute Vormittag jetzt gar nicht mehr verstehen kann. Es ist allerdings schon nach Ladenschluss. Daher bleibt mir nur etwas aus meinem Bestand zu nehmen.

Ich entscheide mich für eine lilafarbene, enge Leggins, und obenrum für mein einziges Sport-Shirt. Froschgrün. Aufschrift: Bock auf Sport!

Was habe ich mir nur dabei gedacht? Ich bin entsetzt über mich selbst. Soviel Geschmacklosigkeit hab ich mir gar nicht zugetraut. Jetzt heißt es morgen Abend in diesen Klamotten überstehen.

Kapitel 8

Ich bin überpünktlich im Yoga-Studio. Ich bin die erste, weshalb mir Zeit bleibt mich in Ruhe umzusehen. Das Studio besteht aus einem großen, hellen Raum mit Holzboden. Ringsum sind Spiegel an den Wänden angebracht. In jeder Ecke sitzt ein großer goldener, grinsender Buddha. Reihum sind Yoga-Matten ausgelegt. 6 Stück wie ich schnell zähle, plus eine vorne. Sicher für die Yoga-Lehrerin.

Ich nehme mir die Matte, die am nächsten zu ihrer liegt. Schließlich bin ich kein sportliches Naturtalent. Yoga habe ich auch noch nie gemacht und so bekomme ich hoffentlich alles mit.

Als ich es mir grade gemütlich gemacht habe, trudeln die anderen Teilnehmerinnen ein.

Manche mit einer kleinen Babykugel wie bei mir, andere schon mit deutlich größeren Bäuchen.

Als sich alle gesetzt haben, kommt die Yoga-Lehrerin in den Raum. Sie hat das Licht gedimmt. Auf den ersten Blick kann ich auf jeden Fall erkennen, dass sie blond ist und eine wirklich gute Figur hat. Auf den zweiten Blick, als sie sich in meine Richtung dreht, muss ich einen Aufschrei unterdrücken!

Es ist Nea! Mist, Mist, Mist….Warum hab ich nicht vorher nachgefragt wer diesen Kurs leitet?

Darauf habe ich nämlich überhaupt keine Lust! Es reicht, dass wir sie nächste Woche zum Abendessen sehen müssen.

Sie grüßt mich mit einem schwer zu deutendem Lächeln. Ihr Blick bleibt ungläubig an meinem grünen T-Shirt hängen.

Sie hat sich allerdings schnell wieder im Griff und beginnt sich vorzustellen.

„Hi Leute“, grüßt sie lässig in die Runde. Sie trägt schwarze, hautenge Yogaleggins (ich muss nicht extra erwähnen, dass ihre langen Beine und ihr knackiger Po darin perfekt zur Geltung kommen), ein Tank-Top in lässigem Pink mit passendem Sport- BH. Die Haare sind zu einem sogenannten „Messy - Bun“ gebunden. Früher hätte man das wahrscheinlich einfach als schlampigen Dutt bezeichnet. So ändern sich die Zeiten, gell.

„Ich bin Nea, für alle die mich noch nicht kennen und ich leite diesen Schwangerschafts-Yoga Kurs.

Josi - sie deutet auf mich-, schreibt einen Bericht darüber, für die Lifestyle Ausgabe ihrer Zeitung, sie ist Redakteurin.“

Aha, Micha hat seine Hausaufgabe gemacht und mich entsprechend angekündigt.

„Ich komme ursprünglich aus Kerningen“, spricht Nea weiter. „Irgendwann hat es mich dann in die große weite Welt verschlagen. Ich habe einige Zeit in Afrika gelebt und bin von dort weiter nach Indien. Dort habe ich meine Liebe zum Yoga entdeckt. In Goa habe ich dann in einem international renommierten Retreat meine Ausbildung zur Yoga - Lehrerin gemacht und mittlerweile die Auszeichnung als Yoga- Meisterin erhalten.Ich habe meine eigene Yoga Schule in Norddeutschland. Dort lebe ich mittlerweile. Momentan bin ich hier, um meine Freunde und Familie zu treffen und da ich Yoga liebe, bietet es sich an auch hier so lange zu unterrichten.“

Die Mädels hängen an Neas Lippen. Ich muss gezwungenermaßen aufrichtig zuhören, zwecks Berichterstattung.

„Im Yoga geht es darum „sich zu verbinden“. Es geht um die vollständige Vereinigung von Geist, Körper und Seele. Und darum seinen inneren Frieden zu finden.

Wer hat schon Yoga-Kurse besucht?“ Interessiert schaut sich Nea um.

5 Hände gehen in die Höhe. Ok, war ja klar. Ich hab als einzige noch nie Yoga gemacht. Aber das kann ja nicht so schwer sein, das machen ja mittlerweile alle.

„Gut, dann starten wir mit unserer ersten Yoga-Figur zum Aufwärmen. Die Bank! Wir kommen in den Vierfüßler Stand, die Knie und Handgelenke sind senkrecht unter unserem Körper aufgestützt. Die Ellenbeugen leicht beugen. Den Blick richtet ihr zum Boden. Der Hals, die Wirbelsäule und der Rücken sind in einer Linie und ganz gerade. Und immer entspannt ein - und ausatmen“, erklärt Nea mit ruhiger, sanfter Stimme.

Ähh, bitte was? Blick zum Boden geht ja grade noch. Aber wie um alles in der Welt soll ich das Bein dahin bekommen? Bei Nea und den anderen sieht das sehr entspannt aus. Ich schnaufe und pruste jetzt schon wie ein lungenkranker Otter. Der Schweiß läuft mir am Rücken runter. Jetzt erinnere ich mich wieder warum Sport so gar nicht mein Ding ist.

„Josi, hast du Schwierigkeiten?“ Kommt es fragend von Nea.

„Äh nein, eigentlich nicht“, gebe ich so lässig wie möglich zurück, während mein Bein in einem ungesunden Winkel in die Luft steht, und meine Arme anfangen von der ungewohnten Belastung zu zittern.

„Du darfst dich auf keinen Fall überanstrengen. Es muss fluffig und leicht sein. Sonst findest du deinen inneren Frieden nicht und das ist schließlich ein zentrales Thema. Hast du ein bisschen Probleme mit Wassereinlagerungen?“ fragt sie mit Blick auf die Dellen an meinem Hintern, die dank der Hose super zur Geltung kommen.

Dieses Miststück! Ich bin innerlich schon so wütend, dass ich ihr am liebsten ins Gesicht sagen möchte, was ich von ihr halte. Aus Vernunftgründen versuche ich mich jedoch zu beherrschen.

„Ja, Wasser, bestimmt“ schnaufe ich in ihre Richtung. Muss ich ihr ja nicht auf die Nase binden, dass es sich realistisch betrachtet, eher um Cellulite handelt. Mit sowas kennt sich Mrs. Perfect sicher nicht aus.

Sie lächelt mich mitfühlend an und erlöst uns von dieser Figur.

Wenn ich dachte, jetzt würde es einfacher hab ich mich entsprechend getäuscht. Der „nach unten schauende Hund“ (ja, genau so ist es wie es klingt), "der Schustersitz“ (aua, meine Knie) und etliche andere Positionen, Atemübungen und Meditationsübungen später bin ich fix und fertig. Meine Haare kleben nass am Kopf, mein Gesicht ist puterrot. Und bildet somit einen schönen Kontrast zum froschgrünen T-Shirt.

Vorsichtig wage ich einen Blick zu Nea. Ja, es ist wie befürchtet. Sie hat allenfalls ein bisschen geschwitzt. Grade so viel, dass man sieht sie hat Sport gemacht. Aber nicht zu viel, so dass es immer noch gut aussieht. Ihre Wangen sind leicht gerötet.

„So, ihr Lieben, die erste Stunde haben wir geschafft. Ihr habt das alle toll gemacht. Ah, und Josefine, bei dir klappt es beim nächsten Mal sicher auch besser.“

Sie lächelt mich etwas abschätzig an.

Dieses Biest! Sie macht es schon wieder. Mich so darstellen, als ob ich es nicht auf die Reihe kriege.

Der werde ich es zeigen. Ab jetzt mach ich jeden Abend Yoga! Wäre doch gelacht, wenn ich das nicht hinbekommen würde.

Kapitel 9

Einige Tage später, Henry und ich stehen vor dem Lieblingsrestaurant seiner Eltern, muss ich gestehen, dass der Plan vom abendlichen Yoga nicht ganz funktioniert hat. Einen Abend hat Nic angerufen und wir haben länger gebabbelt. Hochzeitsvorbereitungen, Babyvorbereitungen und Schwangerschaft sind aber auch fast unerschöpfliche Themen!

An einigen Abenden war ich so müde, dass ich sehr schnell auf der Couch eingeschlafen bin. Die Schwangerschaft geht nicht spurlos an mir vorüber. Wieder einmal streiche ich über meine immer größer werdende Babykugel in ungläubigem Staunen und unendlicher Vorfreude.

Der Abend direkt nach dem Yogakurs, da muss ich nicht groß erklären, dass ich nichts machen konnte. Mir tat alles weh. Jede Faser. An „kuscheln“ mit Henry war auch nicht zu denken. Er wollte gerne, aber ich bin in der jetzigen Phase der Schwangerschaft so mit den Gedanken bei den ganzen Vorbereitungen, dass ich nicht so richtig viel Lust habe.

Als wir ins Restaurant gehen, ist es schon gut besucht. Es ist ein indisches Restaurant. Überall hängen goldene Spiegel und Bilder von Buddhas. Üppig verzierte Teppiche in Rot, Gold und Grün schmücken die Wände. Typisch indische Musik erklingt leise im Hintergrund.

Seine Eltern sind schon da. Wir haben einen Tisch mit gutem Blick zum Raum.

„Hallo meine Lieben“ begrüßt uns seine Mutter mit Küsschen rechts und links.

Ich bin positiv überrascht. Heute wirkt sie nicht so hibbelig wie sonst. Und auch ihr Outfit ist nicht ganz so wild wie gewöhnlich. Lila und dunkelrot, mit goldenen Ornamenten. Der Sari fügt sich gut in das Gesamtbild des Restaurants ein.

Sein Papa ist wie gewohnt lässig gekleidet mit Jeans und T-Shirt.

Ich habe mich heute so gut in Szene gesetzt, wie ich nur kann. Schließlich will ich neben

„Mrs. Ich kann Yoga und hab eine tolle Figur- Nea“ ja nicht völlig untergehen.

Daher habe ich mich für ein rotes Umstandswickelkleid entschieden das knapp über den Knien endet. Dazu schwarze Pumps, natürlich nicht zu hoch, und einen schwarzen Mantel.

Der Vorteil an Wickelkleidern ist, dass man schwanger oder nicht, immer eine gute Figur darin hat. Das Dekolleté kommt schön zur Geltung, die Hüfte wird kaschiert.

Als wir es uns grade gemütlich gemacht haben, tauchen Nea und ihre Mutter Heike auf. Beide sehen zugegebenermaßen gut aus. Dezentes Make-Up, die Haare leicht gelockt, enge schwarze Hosen und Bluse. Fast wie Zwillinge.

Sie begrüßen zuerst meine Schwiegereltern überschwänglich, dann Henry ausgiebig und überschwänglich und widmen sich dann, wie mir scheint nicht mehr ganz so herzlich, mir zu.

Während des Essens, frage ich mal so beiläufig, wie lange sie denn in Süddeutschland gedenken zu bleiben.

„Ja weißt du, wir wollen eigentlich schon noch ein paar Monate bleiben. Ich möchte vor allem den Kontakt zu meinen alten Freunden vertiefen“ erzählt Nea im Plauderton. Irgendwie schafft sie es währenddessen in meine Richtung zu schauen, gleichzeitig Henry tief in die Augen zu schauen und ihm über den Tisch kurz über die Hand zu streichen. Sie lässt es wie eine zufällige Berührung wirken aber ich weiß, dass alles was sie tut System hat.Ich kann nicht anders als nachzufragen „wer kümmert sich denn derweil um eure Wohnungen oder euer Haus? Um die Post und Pflanzen?“

„Wir leben in einer Art Kommune. Nea und ich, plus 3 weitere Mitbewohner. Ich habe vor Jahren ein altes Bauerngehöft gekauft und renoviert“ erklärt mir Heike.

„Nach und nach haben wir dann Zuwachs bekommen. Wir haben uns in unserer Yoga-Schule kennengelernt. Die anderen sind spirituell mit uns auf einer Ebene. Unsere Chakren harmonieren und unsere Spiritualität verbindet uns auf einer höheren Ebene“. Mit verklärtem Blick beschreibt Heike mir das Leben auf ihrer „Yoga-Ranch“.

Zusammengefasst klingt es für mich als bestünde der Alltag aus Yoga, Meditation und irgendwelchen Sitzungen mit spirituellem Hintergrund die dazu dienen irgendeine andere Bewusstseinsebene zu erreichen. Ich merke wie meine Gedanken abschweifen zu unserem Böhnchen. Mit dieser ganzen Bewusstseinssache kann ich leider nicht so viel anfangen. Henry allerdings scheint auf einmal ziemlich interessiert zu sein. Er fragt ganz genau nach, wie der Hof aussieht, was renoviert wurde, wie diese Sitzungen ablaufen.

Das handwerkliche Interesse kann ich ja noch nachvollziehen. Aber seit wann interessiert sich mein Technikaffiner Mann für spirituelles Bewusstsein? Meine Alarmglocken schrillen! Ich bin mir sicher, dass er Nea nach wie vor interessant findet. Und mittlerweile bin ich mir sehr sicher, dass sie ihn nicht nur interessant findet, sondern anbaggert. Sie ist ihm auffällig zugewandt im Gespräch, streicht sich die Haare aus dem Gesicht, fummelt an ihrem Oberteil rum.

Und sie erzählt ihm in vertraulichem Plauderton, dass er auf jeden Fall auf mich aufpassen soll, da ich bereits jetzt schon Wasser eingelagert hätte und das dann mit fortgeschrittener Schwangerschaft in jedem Fall mehr wird, bis die Schuhe nicht mehr passen und die Finger anschwellen wie dicke satte Maden. Hat sie das grade wirklich gesagt?

Ich murmle eine Entschuldigung und verschwinde rasch zur Toilette. Im Spiegel sehe ich mein mittlerweile blasses Gesicht. Mir ist übel. Nea versucht vor meinen Augen mir meinen Mann abspenstig zu machen. Ich kann es nicht fassen, dass sie ihm erzählt, ich würde Wasser einlagern. Da ist es ja kein Wunder, wenn er mich irgendwann total unattraktiv findet. Der dicke Bauch mag ja die eine Sache sein. Aber dicke geschwollene Zehen und Finger findet sicher niemand super.

Ich klatsche mir kaltes Wasser ins Gesicht und fühle mich etwas besser. In mir weckt sich mein Kampfgeist.

Ich werde Henry schon zeigen welches falsche Spiel sie da treibt.

Hoch erhobenen Hauptes marschiere ich zielstrebig und entschlossen Mrs.Perfect jetzt einen Tritt in den Allerwertesten zu geben, natürlich nur sinnbildlich gesprochen, zum Tisch zurück.

Als ich näher komme dreht sich Henry lächelnd zu mir. Die anderen allerdings stutzen kurz und sehen mich erstaunt an.

„Schatz, du äh, bist ein bisschen nass vorne“, flüstert mir Henry diskret ins Ohr. Ich sehe unauffällig an mir runter und japp, was soll ich sagen! Mein gesamter Unterbauchbereich ist nass. Sieht aus, als hätte ich in die Hosen, oder in meinem Fall, ins Kleid gepieselt. „Ein Rolle gemacht“ wie man im schwäbischen so gerne verniedlichend sagt. Ich schwöre es ist Wasser. Ich habe mich übers Waschbecken gebeugt und da muss es nass gewesen sein. Schnell lege ich meine Serviette drüber und lächle strahlend in die Runde.

Irgendwann ist selbst der schlimmste Abend vorüber. Ich habe Trost im Essen gesucht (Butterhühnchen mit Naan Brot).

Zur Verabschiedung hat mir Nea noch fröhlich ein „bis nächste Woche im Yoga“ hinterhergerufen.

Als wir im Auto sitzen fragt Henry mich vorsichtig, ob alles ok ist. Langsam scheint es ihm zu dämmern, dass ich nicht einfach so sehr ruhig war den Abend über. Das ist eigentlich nicht meine Art.

„Um ehrlich zu sein, ist nichts ok“, gebe ich gepresst von mir. „Dieses Biest versucht dich anzubaggern!“

Ich klinge leicht aggressiv. Ich sollte in Ruhe mit ihm sprechen, ich weiß es. Leider kann ich es aktuell nicht umsetzen.

„Josi, ich weiß, du bist momentan in einer besonderen Situation“ kommt es mit ruhiger Stimme vom Fahrersitz zurück. „Nea hatte mich schon vorgewarnt, dass Schwangere Frauen mitunter sehr empfindsam sind“.

„Ach und was befähigt Mrs. Yoga - Perfect zu einer Einschätzung des Gefühllebens schwangerer Frauen“? zische ich giftig zurück.

„Sie versucht nur zu helfen. Sie hat eben viel Kontakt zu Schwangeren, durch ihre Kurse. Und da hat sie mir eben den Tipp gegeben, dass manches gesagte vielleicht gar nicht so gemeint ist“ erwidert Henry mit einem kurzen Seitenblick zu mir.

Als wir in den Hof zuhause fahren, springe ich aus dem Auto und flüchte ins Haus. Ich kann es nicht glauben! Er denkt ich übertreibe und merkt nicht, dass er es ist, der das Problem nicht erkennt.

„Josi warte“ Henry stürmt mir nach Richtung Schlafzimmer.

„Es ist nicht gut für unser Baby, wenn du dich so aufregst. Es gibt wirklich keinen Grund!“ Er greift meine Hände und schaut mir fest in die Augen. „Ich liebe dich und unser Böhnchen über alles. Ihr seid mein Leben! Da kommt niemand dazwischen. Du musst mir glauben!“

Ich sehe in Henrys liebes Gesicht und merke, wie ich mich langsam entspanne und atme tief ein und aus.

Henry zieht mich an sich. Ich seufze. Das hier ist alles was zählt. Ich kann Henry vertrauen. Er hat mir noch nie Grund gegeben, an seiner Aufrichtigkeit zu zweifeln. Soll Nea doch erzählen was sie will. Er wird ihr hoffentlich nicht glauben.

Kapitel 10

Ich sitze über meiner Baby-Liste und versuche irgendeine Form von Vollständigkeit zu erreichen. Immer wenn ich denke, jetzt habe ich alles fällt mir wieder etwas ein. Henry ist heute mit Kumpels unterwegs. Ich habe es mir mit einer Tasse Tee gemütlich gemacht.

Auf einmal klingelt es.

Vor der Tür steht völlig außer Atem Susi. Ihre Augen sind verheult und sie ringt um Fassung.

Ich ziehe sie schnell ins Haus und schließe die Tür.

„Ich, ich.“ Schluchzt sie.

„Ganz ruhig, Susi, ganz ruhig.“ Beruhigend streiche ich ihr über den Rücken und halte sie fest. „Komm, wir setzen uns. Was ist denn passiert?“ Besorgt warte ich auf ihre Antwort.

Als sie sich etwas beruhigt hat, erzählt sie mir die Geschichte.

Sie hatte eine Affäre. Ausgerechnet mit unserem Ressortleiter Micha. Der ist leider verheiratet.

„Ich dachte, das wäre etwas Besonderes zwischen uns“ schluchzt Susi. Er hat mir immer gesagt, dass er sich von seiner Frau trennen will, dass er schon lange unglücklich ist in dieser Ehe. Sonst hätte ich mich doch nie, nie auf einen verheirateten Mann eingelassen Josi!“

Ich bin baff. Susi und ich arbeiten eng zusammen und ich habe wirklich nichts geahnt. Im Gegenteil. Ich dachte sie hat genug von Männern.

„Susi, ich habe nichts geahnt. Ich dachte wirklich du wartest, bis du irgendwann deinen Traumprinzen triffst. Warum hast du mir denn nichts erzählt?“

„Ich bin, es ist kompliziert. Das war alles nicht geplant. Micha und ich wir haben uns ja immer gut verstanden. Und eines Abends, wir waren beide noch länger im Büro, da hat es sich so ergeben.“

Mein Kopfkino springt augenblicklich an. Vor meinem inneren Auge drängt sich mein Schreibtisch ins Bild. Nein, Schluss damit!

Susi erzählt weiter, dass sie schnell gemerkt hat, dass sie echte, tiefe Gefühle für Micha hat. Ihm schien es ebenso zu gehen, wenn man seinen Beteuerungen Glauben schenken will. „Ich hab ihn zu nichts gedrängt. Aber gestern, habe ich einen Schwangerschaftstest gemacht.“

Überrascht schau ich zu ihr.

„Positiv“ seufzt Susi und schaut mit gesenktem Kopf auf ihre Hände. „Ich hab es Micha heute Morgen erzählt, wir waren zum Frühstück verabredet. Seine Frau ist übers Wochenende mit ihren Freundinnen weggefahren. Was soll ich sagen, seine Reaktion war nicht wie erhofft.“ Schluchzend schlägt sich Susi die Hände vors Gesicht.

„Was hat er gesagt, Susi“ dränge ich sie weiterzusprechen.

„Er sagte, dass er seine Frau nicht verlassen kann. Sie ist schwanger in der 10. Woche. Was soll ich denn jetzt tun? Ich fühle mich so beschmutzt. Wenn ich das geahnt hätte. Und er hat mich glauben lassen, dass es nicht gut um ihre Ehe steht und sie eigentlich sowieso schon fast getrennt wären. Jetzt soll alles ganz anders sein. Er liebt sie, er freut sich auf ihr gemeinsames Baby. Und was ist mit mir? Ich werde einfach abgelegt wie ein alter, getragener Handschuh.“

Mitgefühl flammt in mir hoch. Arme Susi! So etwas hat sie nicht verdient. Dieser Dreckskerl hat sie unter falschen Voraussetzungen in eine Affäre gedrängt.

„Micha hat gesagt, seine Frau dürfe auf keinen Fall irgendetwas von uns erfahren oder von meinem Baby. Es sei am besten, wenn ich die Sache diskret angehe. Josi, verstehst du was das bedeutet?“ Mit schmerzverzerrtem Gesicht schaut mich Susi an, als erhoffe sie sich, dass ich ihren Schmerz lindern kann.

„Er will, dass wir tun als wäre nie etwas zwischen uns passiert. Als hätte es nie ein =uns= gegeben. Dafür will er einen auf glückliche Familie mit seiner Frau machen.

„Ich bin für dich da Susi. Versuch an dein Baby zu denken. Du bist stark, du brauchst ihn nicht. Du hast etwas Besseres verdient als Micha.“

Es dauert bis in den späten Abend, bis Susi so weit gefasst wirkt. Ich bleibe nachdenklich zurück, als sie nach Hause geht. So schnell kann es passieren, dass eine scheinbar perfekte Beziehung in einer Katastrophe endet. Vor allem wenn Kinder involviert sind.

Ich bin so froh, dass ich jemanden wie Henry gefunden habe. Er ist sicher nicht perfekt, wer ist das schon. Aber er liebt mich von Herzen und was fast genauso wichtig ist, er erträgt meine Launen. Ich gähne und beschließe, dass es für Böhnchen und mich Zeit wird ins Bett zu gehen. Ich habe grade meinen super-flauschigen Luxus-Schlafanzug (den habe ich mir gegönnt, guter Schlaf ist in der Schwangerschaft extrem wichtig), als Henry nach Hause kommt.

Er ist offensichtlich ziemlich betrunken. Er taumelt mehr rein, als das er läuft.

„Hi Baby“ nuschelt er in meine Richtung und unternimmt einen holprigen Versuch mich zu umarmen. Seine Fahne nimmt mir für einen kurzen Moment die Luft zum Atmen.

„Hattest du einen lustigen Abend? Offensichtlich hast du ein bisschen zu viel getrunken. Komm am besten gleich ins Bett.“

„Jaa, ja, ich komm schon“ Zack, lässt er sich in voller Montur aufs Bett fallen. Die dreckigen Schuhe machen es sich auf der schönen Satinbettwäsche bequem.“…schöne Grüße von ...a….“ geht der Rest des Satzes im Genuschel unter und Henry fängt übergangslos an zu schnarchen.

Da bin ich ja mal auf den morgigen Bericht zu diesem Abend gespannt, schmunzle ich in mich rein.

„DU HAST WAS?“ Ich schreie fast. Es ist Sonntag morgens und das ist nicht gut. Kein guter Start! So sollte das nicht sein! Es sollte ruhig, gemütlich und nett sein. Ist es aber nicht. Alles nicht.

Henry hat mir eben vom vorigen Abend erzählt. Kneipentour mit seinen Jungs. In einer Bar mit Livemusik sind sie dann zufällig!!!! auf „ich-spann-dir-den-Mann-aus“-Nea getroffen.

Und weil er schon gut was getrunken hatte, haben er und die Jungs eben mit Nea und ihren Mädels getanzt und noch ein bisschen weiter getrunken.

Mich überkommt das große Verlangen Henry den frisch gepressten Orangensaft ins Gesicht zu kippen. Macht man aber nicht. Ich wollte solche Situationen doch ruhiger angehen und sachlich klären. Aber innerlich überkommt mich das starke Gefühl, dass sie mir den Mann ausspannen will.

„Es war einfach nur ein Party-Abend, völlig ohne Bedeutung, Schatz“, versucht Henry es nochmal.

„Das ist mir sowas von egal, sie hat Hintergedanken! Sie hat euch mit Sicherheit absichtlich getroffen. Das kann kein Zufall sein.“ Ui ui, meine Stimme klingt ziemlich schrill. Mir egal! Ich bin sauer und das kann er merken.

„Weißt du was, ich kann es nicht mehr hören! Nea hier, Nea da, Nea hat, Nea macht…bla, bla, bla. Du vertraust mir nicht. Das ist das eigentliche Problem. Ich habe kein Interesse an Nea! Aber deine ständigen Unterstellungen nerven. Ich gehe arbeiten“, mault Henry und verschwindet im Arbeitszimmer.

Prima! Geh du nur, denke ich mir. Dann kann ich wenigstens in Ruhe vor mich hin überlegen, wie ich Nea in der nächsten Yoga-Stunde ein deutliches Statement hinterlassen kann: Finger weg von meinem Mann!

Die neue Arbeitswoche startet turbulent und so habe ich erstmal keine Zeit mir Gedanken um den Vorfall zu machen. Susi ist zwar im Büro, aber sie sieht gar nicht gut aus. Dunkle Augenringe, vom Weinen verquollene Augen, fleckige Haut und strähnige Haare. Micha sieht bei genauerem Hinsehen nicht besser aus, gibt sich im Gegensatz zu Susi aber betont fröhlich und verteilt eifrig Aufgaben. Ich versuche ihn so gut es geht mit Missachtung zu strafen. Arme Susi!

In der Mittagspause frage ich vorsichtig nach, was Micha eigentlich zur Schwangerschaft gesagt hat.

„Ich hab es ihm nicht erzählt und er soll es auch nicht erfahren“, bittet sie mich um Stillschweigen.

„Wie soll das gehen Susi? Dein Bauch wächst und du musst ja wohl irgendwann auch in Mutterschutz gehen, da erfährt es Micha ja zwangsläufig“, versuche ich die Fakten aufzurollen.

„Ja, das mag sein. Aber er wird nicht erfahren, dass er der Vater ist! Ich möchte nicht, dass mein Kind mit dem Wissen leben muss, dass sein Erzeuger kein Interesse hat und sich nicht kümmert“, gibt sie trotzig zurück.

Ich kenne Susi lange genug und weiß, wann eine Diskussion keinen Sinn mehr hat. Also erzähle ich ihr zur Ablenkung von meiner Mission, Nea in ihre Schranken zu weisen. Offensichtlich funktioniert es ganz gut, denn sie kriegt sich vor lauter Lachen überhaupt nicht mehr ein und verschluckt sich am Kantinenhühnchen.

„Du bist verrückt!“, japst sie, während sie hustend versucht das Hühnerteil aus ihrer Lunge zu befördern. „Ehrlich, du bist meine Freundin und ich liebe dich, aber das wird nicht funktionieren“, warnt sie mich. „Du bringst dich in Teufels Küche“, fügt sie sicherheitshalber dazu.

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300 p. 1 illustration
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9783754175873
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