Read the book: «Loslassen ... und heilen»
Clif Sanderson
Loslassen … und heilen
Deep Field Relaxation (DFR)
– die Tiefenfeldentspannung

VAK Verlags GmbH Kirchzarten bei Freiburg
Titel der Originalausgabe:
Inhalt
Vorwort
Einführung
1. Leicht ver-rückt
2. Der Pilot und sein Logbuch
3. Unerforschte Gewässer
4. Der Versicherungsvertreter
5. Das Mantra
6. Die englische Ärztin
7. Das Geschenk
8. Spiritualität [Being Spiritual – Spiritual Being]
9. „Heiler?“
10. Wie unser Schiff gelotst wird – der kosmische Plan
11. Der burmesische Mönch
12. Das Feld
13. Pflanzen und Tiere tun es
14. Bienen tun es auch
15. Die Delfine von Hawaii
16. Der Matai
17. Wir wissen (es) nicht
18. Deep Field Relaxation (DFR)
19. Der Film
20. Der tibetische Lama
21. Die Freude, Ja zu sagen
22. Der Moskauer Chirurg
23. Was möglich ist und was nicht
24. Mehr als wahr-scheinlich
25. Wieder in Russland
26. Tschernobyl
27. Eine unmögliche Hochzeit
28. Ich tue mein Bestes, so gut ich kann
29. Atmen
30. Freiheit von Meditation
31. Die Angst überwinden
32. Der Mittlere Weg
33. Am Ende … – Leben und Sterben
34. Sterben und nicht gehen
35. Das Überleben [Survival of the Fittest]
36. Erfahrungsberichte
37. Fragen und Antworten zu DFR
38. Fallgeschichten
39. Das A und O von DFR
40. DFR praktizieren – aber wie?
41. Merkposten
42. Danksagungen
Anhang:
Literatur
Anmerkungen
Stimmen zum Buch
Weiterführende Informationen und Adressen zur DFR-Methode
Über den Autor
Hinweis des Verlags
Dieses Buch informiert über DFR, die Tiefenfeldentspannung. Sie hat sich in der Praxis als sicher und effektiv bewährt. Wer sie anwendet, tut dies in eigener Verantwortung. Autor und Verlag beabsichtigen nicht, individuelle Diagnosen zu stellen oder Therapieempfehlungen zu geben. Die hier beschriebenen Verfahrensweisen sind nicht als Ersatz für professionelle Behandlung bei ernsten gesundheitlichen Problemen zu verstehen.
Die Aufgabe des
Trägers der Weisheit
besteht darin, den Verstand in
den Augenblick der Stille zu leiten,
in dem Wunder möglich sind.
Unmittelbare Ergebnisse werden nicht angestrebt,
obwohl sie oft genug auftreten.
Denn es kann Jahre dauern
oder gar mehrere Generationen,
bis die Veränderungen von heute
heranreifen.
Deshalb hält der Weise
an der Zuversicht fest und
bleibt im stillen Wissen des Zulassens.
Denn Zulassen ist ein Ausdruck wirklicher Verbundenheit
mit dem Ewigen, eine lebendige Teilnahme an dem
großen Plan, der über eine Lebensspanne hinausreicht.
So getröstet
macht der Verstand
in einem Augenblick
ruhigen Verstehens die Erfahrung
einer schwingenden, begreifenden Gewissheit
des spirituellen Universums.
Clif Sanderson
Ein untrügliches Zeichen
spiritueller Bewusstheit ist es,
freudig sagen zu können:
„Ich habe mich geirrt.“
Und wir ersparen uns viele Schwierigkeiten im Leben,
wenn wir diese kühne Aussage wagen:
„Wir wissen es nicht.“
Eknath Eswaran
Vorwort
Am majestätischen pazifischen Ozean sagt man zur Begrüßung einen feierlichen persönlichen Segensspruch, sein Karanga. Er schließt den Respekt für die Erde ein, auf der ich stehe, besonders wenn ich fremd bin. Er drückt meine Achtung für die Ahnen aus und weist auf meine Abstammung hin.
Erst dann kann ich gehört werden.
Meine eigene Begrüßung, mein Karanga, besteht darin,
… alle Kräfte des Lebens zu rufen,
… sich mit uns zu vereinen und
… unsere sprechenden Lieder, unsere Geschichten miteinander zu teilen.
Haere mai ra
nau mai ra
hau mai ra.
Hui mai ra
whakatau mai ra.
Koutou nga tipuna
kua kore kitea
tatou te kanohi ora
kei te tipu tonu
rangona mai tatou
me te reo rangatira
nga wai korero
kia hui e
kia taiki e!
Komm herbei,
willkommen,
pulsierende Lebenskraft.
In dieser Versammlung
lass dich nieder, hier, jetzt.
Ihr, die Vorfahren,
nicht mehr gesehen.
Wir, das sichtbare Antlitz,
noch in der Entwicklung.
Lasst gemeinsam erklingen
mit prachtvoller Stimme
die sprechenden Lieder,
damit wir uns verbinden,
damit unser Licht aufgeht.
Wenn wir reden und Geschichten erzählen, finden und erfinden wir uns zuweilen selbst – in erlebten, wirklichen und in ausgedachten Geschichten. Manche lehren durch Metaphern etwas Neues, andere sind wie gute Gedichte, die erheitern und Spaß machen, über die Freude und Liebe in den Familien
Vielleicht handeln sie von der Kraft und Macht des Nicht-Wissens oder vom Geheimnis einer persönlichen Veränderung, vielleicht entdecken wir darin nebenbei, warum wir geboren wurden, wozu wir hier sind und was wir mit dem größten aller Geschenke, dem Leben, anfangen können. Vor allem dürfen wir Geschichten nicht zu ernst nehmen.
Ein gut erzählter Witz ist ebenso viel wert wie ein Jahr Philosophiestudium.
Einführung
Liebe Leserin, lieber Leser, wenn ich Ihnen dieses Buch vorstelle, wünsche ich mir zutiefst, es möge Ihnen Mut und Freude vermitteln, damit Sie Ihre Träume und Sehnsüchte leben, damit Sie die Schranken von Körper und Verstand hinter sich lassen und sofort mit Ihrer Heilertätigkeit anfangen. Seien Sie überzeugt davon, dass Sie dann sicher weiter gehen können als ich.
Einen guten Lehrer kann man daran messen, dass seine Schüler seine Lehre aufnehmen, sie vertiefen und weiterführen und einem größeren Publikum übermitteln.
Deep Field Relaxation, wie ich es unterrichte, unterscheidet sich stark von Handbüchern und Lehrbüchern über das Heilen. Sie haben einen ganz anderen Aufbau. Die Methode ist für mich nicht „meine Arbeit“, sondern vielmehr eine Lebensweise im Licht der Liebe. Sie öffnet unser Leben für das Feld, eigentlich in das Feld der Tiefenentspannung hinein.
Und wie könnte man die Kräfte, die das Leben einen und vereinen, besser teilen und mitteilen als in einer Geschichte?
Warum also erzählen wir Geschichten? Warum können wir uns an Märchen so gut erinnern und warum erzählen wir unsere Lieblingsmärchen gern weiter? Welche historische Erinnerung drückt sich in den überlieferten Geschichten aus? Nun, solange es Menschen gibt, haben alte Gesellschaften und Stammeskulturen ihr Wissen durch die Überlieferung bewahrt, auf diese Weise ihre Entdeckungen und Vorstellungen verbreitet und dadurch besondere Bewusstseinszustände hervorgerufen; doch nicht nur das. Geschichtenerzählen öffnet die Türen zur Fantasie, umreißt den Sinn unseres Seins, unsere Ziele und Zukunftsaussichten. Geschichtenerzählen macht „Zauberei“ und Veränderung für jeden von uns möglich. Ich mag diese mühelose Art und Weise, Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, Informationen und Erfahrungen „herunterzuladen“, die ich auf Reisen und in meinen Studien gesammelt habe
Wie zur Bestätigung, dass ich damit richtig liege, hören Sie vielleicht mit Interesse die Worte von Paracelsus, dem berühmten Schweizer Arzt des beginnenden 16. Jahrhunderts, der einmal sagte: „Der Heiler sollte nicht die nackte Wahrheit sagen. Er soll Bilder benutzen, Allegorien, Figuren, wundersame Sprache und andere verborgene Umwege.“ Genau das meine ich mit Geschichtenerzählen.
Die Zeilen und Seiten, die Sie hier zunächst lesen werden, bereiten Sie darauf vor, die Grundlagen meiner DFR-Methode mit Leichtigkeit aufzunehmen; DFR steht für Deep Field Relaxation, das ist die „Heilmethode“, die ich vor 40 Jahren begründet habe. Zum Glück brauchen Sie keine 40 Jahre zum Lernen, das ganze Wissen ist in diesem Buch wie in einer guten zip-Datei für Sie komprimiert worden, aber nehmen Sie sich bitte die Zeit, langsam voranzugehen, kosten Sie die Erfahrung aus, führen Sie die vorgeschlagenen Übungen mit dem Logbuch durch. Es geht hier darum, Ihre eigene Geschichte neu zu erzählen. Dabei entwickeln Sie auch die Disziplin, bestimmte Übungen jeden Tag auszuführen, und Ihre Selbstsicherheit, ein erfolgreicher DFR-Anwender zu werden, nimmt zu.
Ich lade Sie ein, zuerst die Geschichten zu lesen und sich dann mit der DFR-Methode zu befassen und damit zu experimentieren, also erst in Kapitel 18 und in den Kapiteln 36 bis 41.
Der Grund dafür ist folgender: Hinter jeder unbeschwert erzählten Geschichte verbirgt sich eine subtile Botschaft der Weisheit, die sich Ihnen erschließt, wenn Sie über die Grundlagen von DFR lesen. Sie stimmen sich also erst in die Frequenz des Neuen ein, dann – immer noch entspannt und lächelnd – lassen Sie sich auf die neuen Möglichkeiten ein, hegen und pflegen Sie die Samen Ihrer neuen Bewusstheit und kommen zu neuen Schlussfolgerungen. Dann können Sie getrost die Wahrheiten von DFR erkennen und sofort anwenden.
Lassen Sie Erfahrungen und Gefühle kommen und gehen.
Erkennen Sie an, dass wir nicht wissen. Wenn wir zugeben, dass es so vieles gibt, was wir nicht wissen, und vieles, was wir auch nicht wissen müssen, dann können wir die klare Absicht entwickeln: „Ich möchte lernen, mich und andere zu heilen. Ich bin bereit, in der Heilkunst zu dienen.“
Kleben Sie nicht an der Erwartung eines bestimmten Ergebnisses und übernehmen Sie trotzdem die Verantwortung für das, was Sie tun. Dann wird es uns gelingen, anderen die Freiheit zu lassen, den Veränderungsprozess zu wählen, an den sie selbst glauben.
Eine kleine Warnung: Die Nachwirkungen unserer gemeinsamen Reise werden lange anhalten – eine tiefgreifende Erweiterung des Bewusstseins und veränderte Wahrnehmung, eine ausgelassene Heiterkeit und die Bereitschaft, aus den Beschränkungen herauszutreten, die andere die Wirklichkeit nennen. Sind Sie bereit? Los geht’s!
Möge Ihr Leben immer erfüllt sein von Liebe, Licht und Lachen!
Aroha Nui
Clif
1. Leicht ver-rückt
Ich höre unheimlich gern Geschichten und ich erzähle Geschichten mit Begeisterung. Ich hatte nie einen Guru; Avatare lassen mich kalt; akademischer Sprache kann ich nichts abgewinnen. Hochtrabende Formulierungen und überhebliche Standpunkte sind nichts für mich.
Wir leben, damit wir lieben; wir atmen, um zu hüpfen und zu tanzen, um die Ängste zu überwinden, die durch die Nachrichtenmacher künstlich geschürt werden. Lehrbücher lenken unsere Aufmerksamkeit ab von dem Vergnügen, der Morgendämmerung zuzuschauen, sie lenken uns ab von dem himmlischen Gefühl bei einem tiefroten Sonnenuntergang; von der unglaublich überwältigenden Farbe eines Blümchens.
„Optimismus“ hat keinen Platz in meinem Leben – er lenkt uns ab von der Wahrheit, dass wir jetzt lebendig und bewusst sind. Einatmen … ausatmen. Ah!
Alle Geschichten sollten anfangen mit:
Es war einmal …
Der dreijährige Sasha lebte mit seiner Mutter, seinem alkoholkranken Vater und ungefähr 150 Verwandten, zusammengepfercht in einer winzigen Wohnung in einer Moskauer Arbeitersiedlung.
Er litt an Kinderlähmung und seine Muskeln waren zu schwach zum Sitzen und erst recht zum Laufen. Ansonsten war er ein aufgeweckter, fröhlicher Junge.
Als seine Mutter den Behandlungsraum betrat, sah sie sich um und wollte eigentlich schon wieder gehen, abgeschreckt von der Hitze, dem Gestank der offenen Kanalisation vor dem Fenster und dem trostlosen Ausblick auf die Ölraffinerie. „Mir bleibt nur noch die Hoffnung“, sagte sie, hoffnungslos seufzend, „weil ich schon alles versucht habe, was ich konnte, doch nichts hat geholfen“. Sasha war ganz anders drauf. Er legte sich hin mit einem breiten Lächeln, als wäre die Sonne nur für ihn erschaffen worden.
Seine strahlend blauen Augen in dem kleinen, runden Gesicht beobachteten alles, was ich machte, ganz genau. Er sprach kein Englisch und ich konnte nur ein paar Brocken Russisch, deshalb nickten wir uns oft zu, schnitten Grimassen und fanden langsam in eine Ruhe.
Dann hörte ich, wie er leise mit sich selbst sprach. Erst konnte ich ihn kaum verstehen, doch ich kannte das Wort, das er dauernd wiederholte: „Khoroshò, Khoroshò“, „so gut, soo guut, sooo guuuut.“
Im Laufe der nächsten Wochen kam er mit seiner Mutter mehrmals wieder. Allmählich trat eine Veränderung ein, bis zu dem Tag, an dem Freudentränen die Ängste der Mutter ablösten; wir erlebten, wie er sich stolz aufsetzte und dann vom Bettrand aufstand. Sein wonnevoller Gesichtsausdruck war ein Bild für die Götter – er strahlte wie ein Kleinkind im Krabbelalter, das plötzlich laufen gelernt hat.
Seine Mutter erzählte noch eine andere tolle Geschichte. Als sie eines Tages von der Behandlung bei mir nach Hause kamen, sagte er zu seiner Großmutter: „Babuschka, ich bin Clif, leg dich hin und ich heile deine Beschwerden und Schmerzen.“
Klar ist, dass wir gemeinsam der Natur die Chance gegeben hatten, das zu tun, was sie am besten kann. Die Natur will, dass sich alles zum Besten entwickelt. Einstein formulierte es ungefähr so: „Die Natur strebt immer nach Harmonie.“
Wenn wir dieses unabänderliche Gesetz nach und nach begreifen, können wir Wunder geschehen lassen, ohne unser Ego zu bemühen oder unseren vernünftigen Verstand in Aufruhr zu versetzen.
Für Sasha hat damals niemand etwas Ungewöhnliches gemacht! Niemand war jemand Besonderes! Zeit, Ort und Umgebung für Sashas Veränderung stimmten einfach, alle Faktoren passten zusammen und führten zu einem völlig angemessenen, stimmigen Ergebnis.
Wir wollen in diesem Buch genau betrachten, wie wir die Kluft überwinden können zwischen Logik und praktischer Anwendbarkeit, zwischen dem vernünftigen Verstand und der Freiheit, auch die mystische, seltsame, unerklärliche und spirituelle Seite des Lebens anzuerkennen.
Wir werden feststellen, dass jede und jeder „Wunder“ bewirken kann! Das erfordert Mut. Doch mit der festen Absicht und jeder Menge Lachen ist alles möglich! Das hört sich erst einmal an wie: völlig unmöglich. Gut! Denn Geheimnisvolles geschieht, selbst wenn wir es noch so heftig abstreiten.
Ob Sie in diesem Zug sitzen oder nicht, er fährt jedenfalls rechtzeitig ab, voller glücklicher Fahrgäste. Ihre Fahrkarte ist unbezahlbar, nicht für alles Geld der Welt zu kaufen; kein Reisebüro kann sie Ihnen verkaufen. Das Paradox ist: Sie kostet nichts.
Unsere Reise beginnt in der geheimnisvollen Welt der Geschichten.
Los geht’s!
Wie wäre es, fragen wir mitunter insgeheim, wenn wir diese Wunschträume aus unserer Kindheit („Ach, wenn doch nur …“) einfach weitergeträumt hätten?
Was wäre, wenn wir in unserer Vorstellung eine eigene Welt entstehen ließen, wie wir es als Kinder taten?
Das klingt wunderbar gefährlich! Spielen Sie mit mir?
Dabei können wir doch nicht in Schwierigkeiten geraten, oder? Sollten dennoch Probleme oder heikle Fragen auftauchen, können Sie einfach meine Mutter zitieren. Sie nahm uns unsere kindlichen Ängste und Sorgen mit den Worten: „Es wird alles gut, keine Angst, in hundert Jahren ist das alles egal!“
Sie hatte wunderbare Redewendungen und war eine ganz erstaunliche Frau.
Jeden Abend brachte sie ihre sechs Kinder zu Bett, danach holte sie ihre alte mechanische Schreibmaschine hervor und bis tief in die Dunkelheit der Nacht hörten wir sie hämmern: zwanzig Romane, Krimis, Liebesgeschichten, Kinderbücher und viele, viele Hörspiele …
Als Kind verfolgte mich jahrelang ihre Radioserie mit dem Titel Slightly out of True [dt. etwa: Leicht ver-rückt, die Überschrift dieses Kapitels im Original; Anmerkung d. Übers.] – über unerklärliche Dinge, die sich dem Zugriff der Vernunft beinahe entziehen. Die Serie war eine Art Akte X ohne Bilder.
Endlose Geschichten strömten aus ihrer Feder und wir lernten, besser nie zu fragen, ob sie „wahr“ seien oder nicht. Welche Freiheit uns das bot! Geschichten können alles sein, was wir haben wollen.
Wir müssen kein gängiges Glaubenssystem übernehmen. Statt unseren gesunden Menschenverstand preiszugeben, damit er in die Hosentasche eines Gurus passt, bemerken wir nur: Es gibt in diesem Universum mehr, als uns bisher beigebracht wurde.
Nein, wenn wir ein spannendes Leben führen wollen, müssen wir diesen alten Kram vergessen.
Warum schwänzen wir nicht miteinander die alltägliche Welt und probieren es mit etwas „Zauberei“. Es macht doch keinen Spaß, immer in der „wissenschaftlichen“ Zwangsjacke zu stecken.
Nur weil etwas nicht erklärt ist, heißt das noch lange nicht, dass es sich nicht erklären lässt. So sind Wunder nun einmal.
Wissen Sie was? Niemand kann letztlich erklären, warum in den Leitungen Strom fließt. Aber wenn Sie bei hoher Geschwindigkeit vom Fahrrad stürzen, zweifeln Sie überhaupt nicht an der Existenz der Schwerkraft. Hier ist noch ein gutes Beispiel: Warum um alles in der Welt dreht sich dieser Planet ständig um eine mehr oder weniger feste Achse, die wir nicht sehen, anfassen, riechen oder spüren können?
Dort draußen ist niemand, der die „Räder“ ölt – Sie verstehen, was ich meine.
In Wirklichkeit wissen wir sehr wenig.
Die meiste Zeit leben wir hier auf dem Planeten wie Mieter von einem andern Stern.
2. Der Pilot und sein Logbuch
Die folgende Geschichte eröffnete ein ganz neues Kapitel in meinem Leben.
Als junger Mann hatte ich drei Leidenschaften: Fotografie, Kunst und Flugzeuge. (Klar, später kamen noch ein paar andere Leidenschaften hinzu …)
Für eine Fluglizenz musste man unter anderem vom Heimatstandort zu einem mindestens 80 Kilometer entfernten Flughafen fliegen, dort landen, eine halbe Stunde warten und dann wieder nach Hause fliegen.
Als ich um acht Uhr morgens abhob, spürte ich schon diesen Zauber der ersten Frühlingstage, mit leichtem Bodenfrost und wolkenlosem Himmel.
Ich drehte nach Süden, unter der rechten Tragfläche meiner geliebten kleinen Piper PA18 glitzerte prachtvoll der Schnee der neuseeländischen Südalpen. Zur Linken bildete das herrliche Blau des Pazifik einen Flickenteppich mit irisch-grünen Schafweiden und dem satten Schwarz frisch gepflügter Felder.
Dann änderte sich etwas: Nach zwanzig Minuten Flugzeit blieb meine Armbanduhr stehen.
Das stellte an sich kein Problem dar. Ich flog weiter und landete ganz normal.
Dann fiel mir auf, dass ich kein anderes Flugzeug in der Luft gesehen hatte. Auf dem Parkplatz standen keine Autos. In den Büros hätten Menschen sein sollen. Die Flugzeughallen waren wie ausgestorben – als wären alle zum Mond geflogen.
In der gespenstischen Stille erschien es mir sinnlos, die geplante halbe Stunde zu warten, deshalb flog ich nach zehn Minuten wieder los.
Wieder in der Luft und die Sonne im Rücken, schien alles wieder normal zu laufen.
Doch das tat es nicht. Nach meiner Landung kam der Chef der Flugschule in Riesenschritten quer über das Rollfeld auf mich zu. „Wo warst du denn so lange?“, wollte er wissen. „Du bist so spät dran, dass wir die Suchmannschaft und das Rettungsteam alarmiert haben. Das ist ein 90-Minuten-Flug und du bist seit mehr als einer Stunde überfällig!“
Das war meine erste persönliche Erfahrung eines „Herausrutschens“ aus der Zeit, mein persönliches „Bermudadreieck“. Daran war nichts zu deuteln.
Wie merkwürdig! Wie interessant!
Schließlich trug ich mit einem feinen Lächeln ganz selbstverständlich die „richtige“ Zeit in mein Logbuch ein!
Natürlich zögerte ich von da an, andere Personen beim Fliegen mitzunehmen!
Solche Dinge haben wir alle schon erlebt. Normalerweise ignorieren wir sie und verscheuchen sie wie Fliegen im Sommer, oder aber wir fürchten, verrückt zu werden. Manche behaupten felsenfest, ihnen sei so etwas noch nie passiert – können Sie sich das vorstellen?
Das brachte mich zwangsläufig auf die Frage: Wenn irgendetwas jemals irgendjemandem widerfahren ist, muss es dann nicht einem allgemeingültigen Gesetz folgen? Ein Gesetz kann doch nicht nur für einige gelten oder funktionieren und für andere nicht!
Es kann keine Ausnahmen von dieser Regel geben. Niemand reist erster Klasse. Wir sind alle in der Touristenklasse zusammengepfercht.
Falls Sie ausprobieren wollen, ob so etwas Ihnen auch passiert, oder wenn es Ihnen schon passiert ist und Sie das häufiger erleben wollen, schlage ich Ihnen Folgendes vor:
→ Besorgen Sie sich ein gutes Notizbuch; eines, das Sie immer bequem in Ihrer Hosentasche oder in einem Beutel bei sich tragen können.
Die Lieblingsnotizbücher von van Gogh, Matisse, Hemingway und Chatwin waren die legendären „Moleskines“. Wenn man die eigene Kreativität entwickeln will, ist man mit ihnen also in guter Gesellschaft. Sie haben ein kleines Gummiband und ein praktisches Innenfach zum Aufheben aller spontan hingekritzelten Gedankenfetzen, die einem in den Sinn kommen, wenn man über das Leben, das Universum und alles mögliche nachdenkt.
Ich gehe nie ohne ein Notizbuch aus dem Haus.
Um Ihr Notizbuch wirklich zu nutzen, müssen Sie anderen damit auf die Nerven gehen: während einer Mahlzeit, während eines Telefongesprächs, sogar im Bett. Denn Sie müssen sich angewöhnen, jederzeit Notizen zu machen. Selbst an den unpassendsten und ungeeignetsten Orten. Wehe, Sie erwischen einen Gedanken nicht sofort – am nächsten Morgen ist er weg, hat er sich in Luft aufgelöst!
Dabei ist das der Ausgangsstoff, der wahrgenommen, geordnet, neu bewertet und dann in Ihr Notizbuch geschrieben werden will.
Wir müssen ein wenig Platz für Ruhe schaffen im Gewimmel und Geplapper unseres Lebens.
Es ist nicht wichtig, was uns gerade einfällt. Keine Auseinandersetzungen, keine weltbewegenden Offenbarungen, keine Anstrengung. Sitzen Sie einfach da mit dem Notizbuch in der einen und einem Stift in der anderen Hand.
Moment! Moment! Ich habe gerade einen Gedanken … nein, er ist schon weg.
Bleiben Sie noch ein paar Minuten so sitzen.
Nichts?
Keine Sorge.
Wir haben viel Zeit.
Immer noch nichts?
Stecken Sie das Notizbuch wieder ein. Graben Sie den Garten um, machen Sie das Auto sauber, kochen Sie ein gutes Essen … Ihre Bitte ist schon im riesigen „Logbuch“ im Himmel registriert. Innerhalb von Tagen oder gar Stunden werden Sie sich an eine gute Geschichte aus Ihrem reichen Erfahrungsschatz erinnern.
Üben Sie, üben Sie! Bleiben Sie wachsam und aufgeschlossen für Neues! Es erfordert Mut, Ihren gebildeten Verstand umzukrempeln. Er wird ständig und überall dagegen aufbegehren.
Hallo, einen Augenblick noch, ich hatte gerade eine tolle Idee: Warum versuchen Sie nicht gleich, ein echtes Pilotenlogbuch zu finden?!
| Flug Nr. 101: Flugplan, Cockpit-Check und Flugbericht | |
Vor jedem Flug muss jeder Pilot beim Kontrollturm einen Flugplan einreichen. Die versammelten Spezialisten dort oben geben Sturmwarnungen weiter, teilen Ihnen die geeignete Flughöhe zu und lotsen Sie durch jede erdenkliche Schwierigkeit hindurch. Als Nächstes müssen Sie vor dem Flug Ihr Cockpit überprüfen. Schließlich führt jeder Pilot nach der Landung seine „Nachbesprechung“ durch – und notiert einen kurzen Bericht der Ereignisse während des Fluges.
1. Halten Sie Ihr Logbuch und Ihren Lieblingsstift bereit.
2. Vergewissern Sie sich, dass Sie entspannt sind und sich wohlfühlen. Legen Sie in Gedanken den Sicherheitsgurt an.
3. Kopfhörer über die Ohren, damit Sie die Sphärenmusik hören oder die Anordnungen des höheren Selbst.
4. Ihre Geistführer haben ihren freien Tag, deshalb entscheiden Sie selbst, welche Richtung Sie einschlagen.
5. Klappen Sie Ihr brandneues Logbuch auf.
6. Kleben Sie auf die linke Innenseite ein Foto von sich selbst. Ein Foto von einer Situation, als Sie besonders glücklich waren. Von nun an werden Sie von Ihrem wunderbaren Selbst begrüßt, wann immer Sie Ihr Logbuch aufschlagen.
7. Lächeln Sie sich selbst zu. Gut aussehend, wunderschön. Sooo glücklich!
8. Lassen Sie zwei Seiten leer – sie erinnern Sie an den grenzenlosen Raum aller Möglichkeiten und an die Entscheidungen, die Sie treffen können.
9. Auf die nächste Seite (eine rechte) schreiben Sie Ihren Namen. Nein, nein, nicht einfach mit einem stumpfen Bleistift oder einem schmierenden Kuli. Nutzen Sie die ganze Seite und lassen Sie sich eine oder zwei Stunden dafür Zeit. Farbstifte, Wasserfarben, Ihre liebsten getrockneten Blätter, leuchtende Wollfäden. Einen Menschen, der kein Künstler ist, gibt es nicht. Niemand bewertet das, es sei denn sie selbst.. Sie tun das allein für sich selbst. Ihr Name soll die ganze Seite einnehmen.
10. Inzwischen leuchten alle Anzeigen im Cockpit startbereit auf.
11. Greifen Sie zum Stift und beginnen Sie zu schreiben.
12. Schreiben Sie das Datum und die genaue Uhrzeit auf.
13. Was hat Sie als Kind fasziniert? Ein paar seltsame Ereignisse vielleicht?
14. Schreiben Sie, soviel Sie können, und lassen Sie Ihren Stift für Sie sprechen.
15. Erinnern Sie sich an einen Ihrer Tagträume.
16. Haben Sie jemals ein Herausrutschen aus der Zeit erlebt?
17. Welche Hindernisse, Widerstände fallen Ihnen auf?
18. Irgendwelche anderen Gedanken?
19. Nehmen Sie sich so lange Zeit, wie Sie wollen, legen Sie dann Ihr Logbuch auf den Schoß, schließen Sie die Augen und lauschen Sie auf alle Geräusche in Ihrer äußeren Umgebung. Lassen Sie meine CD Mind Music laufen [Näheres dazu weiter hinten und am Schluss des Buches. Anm. d. Verlags], um Ihre Erinnerungen ins Gleichgewicht zu bringen.
20. Später, wenn Sie wieder gelandet sind, nehmen Sie Ihr Logbuch noch einmal zur Hand und notieren Sie körperliche, emotionale, spirituelle und ausgedachte Veränderungen.
Glückwunsch! Sie haben soeben zum ersten Mal erfolgreich einen Alleinflug absolviert. Heben Sie sich den Kunstflug für später auf; jeder beginnt mit seinem geschlossenen Stromkreis im Kopf und seinem Rundflug des Verstands. Noch keine internationalen Flüge, nur ein kurzer Start mit Landung.
3. Unerforschte Gewässer
Haben Sie vielleicht Angst vorm Fliegen? Vielleicht zieht es Sie eher ans Wasser? Die draufgängerische Kühnheit der Piraten; die Abenteuer salzverkrusteter Erforscher der Meere; der Geruch des Eichendecks unter einem verblichenen Segel, das sich nach neuen Horizonten reckt …
Die Abenteuergeschichten aller Kinder beginnen auf dem offenen Meer ihrer Vorstellungskraft. Keines war Galeerensklave oder schrubbte das Deck. Jedes Kind war in seiner Fantasie der Schiffskapitän.
Es war der Kapitän seines Schicksals, ein Kind des Universums, das voll Tapferkeit den gefährlichen Untiefen, den Sandbänken und den lebensbedrohlichen Riffen trotzte. In treuer Pflichterfüllung, Tag für Tag, legte es im Logbuch gewissenhaft Rechenschaft ab über alle Enttäuschungen und Triumphe.
Der Kapitän war auf Gedeih und Verderb der Macht der Stürme ausgesetzt, die ein Schiff im Nu zerfetzen konnten; der absolute Albtraum, in einer endlosen Flaute verloren zu sein.
Sein Logbuch barg die Geschichte des Schiffs, die Lebensgeschichten der Besatzung; die Herausforderungen, Schwierigkeiten, die Todesfälle und die plötzlichen Momente höchsten Glücks, wenn die Sonne die leuchtend grünen Wellenkämme hascht.
Das war harte, andauernde Arbeit.
Wenn er auch immer wieder mal nicht wusste, wo er auf seiner Reise war, lernte er dennoch zu vertrauen.
In unserer eigenen Geschichte kommt, wenn wir nur gut hinhören, ein wundervoller Tag, an dem unser eigenes Schiff im Hafen einläuft.
Wir hören die Willkommensfanfaren einer neugierigen, neidischen und verschlafenen Menschenmenge; diese Menschen sind nicht imstande, ohne die Sicherheiten einer starren, festgefügten Gesellschaft die Härten des Lebens auszuhalten.
Jetzt ist aber Zeit, sich hier zu Hause zu entspannen. Schlagen Sie Ihr kostbares Logbuch auf und lesen Sie noch einmal seelenruhig die Aufzeichnungen über all die Jahre der Frustration, der Täuschungen, Schwierigkeiten und Triumphe.
Auf einmal stellen Sie wie durch einen Zauber fest, dass Sie die Schatzkarte des Piraten entschlüsseln können. In diesen Kritzeleien und den verlorenen Gedichten Ihres Lebens verbirgt sich ein deutlicher Plan. Den kannten Sie zwar die ganze Zeit, haben ihn aber nie verstanden.
Alle Verwirrung hat sich aufgeklärt. Erstaunt erkennen Sie, dass das eigentlich gar keine Schwierigkeiten waren.
Nur sanfte Schubse vom höchsten Lehrmeister.
Mit einem tiefen Seufzer der Zufriedenheit stellen Sie schließlich fest, dass Sie wirklich zu Hause sind. Der erfolgreiche Seefahrer, der auf rauer See und an fernen Küsten unterwegs war.
Ihre Belohnung besteht darin, sich selbst in den tiefen Meeresströmungen und in den launischen Luftwirbeln zu entdecken.
4. Der Versicherungsvertreter
Erst ein paar unmissverständliche Erfahrungen – so geht es wohl den meisten von uns – ließen mich in der Wirklichkeit aufwachen.
Zwar habe ich das Fliegen nie ganz aufgegeben, aber dann trat noch die Kunst in mein Leben und ich lernte von und litt unter der Einsamkeit des Künstlers: die leere Leinwand, die leere Staffelei, das erste Wort eines Gedichts …
Dennoch machte mich die Arbeit in meinem Studio für Design glücklich. Vielleicht war mein Ego ein wenig zu aufgedreht, doch ich war jung, ich war verheiratet, hatte zwei wundervolle Kinder und ich war mein eigener Chef (– so dachte ich!).
Ich hatte Poster und Siebdrucke zu entwerfen, Zeichentrickfilme für das Fernsehen, einige Porträts zu malen und unzählige Geschichten zu schreiben.
Und wenn man gerade meint, alles läuft reibungslos, dann kommt etwas dazwischen, mit dem man weder einverstanden ist, noch hat man es sich bewusst gewünscht. Ist Ihnen das auch schon aufgefallen?
Nun, zu mir kam Reg Duder, ein untersetzter Mann mit freundlichem Lächeln. Er wollte mir unbedingt eine Versicherung verkaufen. Woher hätte ich wissen sollen, dass er mir erzählen würde, wie ich Parkplätze und andere Sachen bekäme?
„Ich habe jetzt keine Zeit für Sie“, sagte ich , „ich muss unbedingt zur Bank, bevor sie schließt, und es ist um diese Zeit unheimlich schwer, dort einen Parkplatz zu finden.“
„Keine Sorge, ich bringe Sie hin“, erwiderte er in der Hoffnung, mich in der Zwischenzeit zum Abschluss zu überreden.
Schließlich war es nur eine kurze Fahrt zur Bank am Cathedral Square in Christchurch.
Im Auto hörte ich nur mit halbem Ohr zu, als er sagte: „Wenn Sie ein Geschäftsmann sind, sind Sie erst richtig im Geschäft, wenn Sie über Tulip Bescheid wissen; alle erfolgreichen Geschäftsleute kennen Tulip.“
„Hmm, natürlich. Danke.“ Wir suchen dringend einen Parkplatz und er hält dabei eine Religionsstunde ab!
„Tulip kümmert sich um Geschäftsleute“, wiederholte er nachdrücklich, „sie hilft Ihnen, Parkplätze zu finden, sie sorgt dafür, dass Verträge hereinkommen, dass Ihre Mitarbeiter zufrieden sind …“
In der verkehrsreichsten Straße der ganzen Stadt bog er direkt vor der Bank in eine Parklücke und redete immer noch. Eindrucksvoll!
Doch ich blieb skeptisch. Allerdings suchte ich einige Tage später verzweifelt einen Parkplatz und probierte es aus.
Ob Sie es glauben oder nicht, Tulip verhalf mir an diesem Tag und an allen anderen Tagen des Jahres immer zu einem Parkplatz! Nicht nur vor der Bank, sondern auch an anderen Orten.
Sie können es selbst ausprobieren. Ich garantiere Ihnen: Sie werden staunen.
Die Übung funktioniert so: Sie lassen alte Überzeugungen los und gestatten neue Möglichkeiten, indem Sie sich mit den machtvollen Kräften des Universums verbinden, die ganz von alleine angemessene Ergebnisse herbeiführen.
→ „Loslassen“ … was bedeutet das? Leicht gesagt, aber nicht so leicht getan!
Loslassen: Am besten fangen Sie in der allernächsten Umgebung an. Nein, nicht die Partnerin oder den Partner, Freunde und die Familie, sondern all die beruhigenden kleinen Gewohnheiten, die wir entwickelt haben, die aber für ein leichtes und glückliches Leben nicht wesentlich sind.
Hier haben Sie eine Reihe von Vorschlägen, womit Sie anfangen können:
→ Stellen Sie das Bett auf die andere Seite des Zimmers.
→ Ordnen Sie das Besteck in der Schublade neu.
→ Geben Sie allen Tellern und Gläsern einen neuen Platz.
→ Räumen Sie die Bücherregale um, sodass die großen Bücher weit oben und die kleineren unten stehen.
→ Stellen Sie den Fernseher um (in den Keller!).
→ Setzen Sie sich zum Frühstücken an einen anderen Platz – und zum Abendessen nochmals auf einen anderen …
Weil Sie bewusst einwilligen, Ihre Umgebung neu zu ordnen, muss Ihr „Gewohnheits-Gehirn“ aufwachen und tatsächlich hinschauen, was Sie die ganze Zeit über gemacht haben. Es versteht die Botschaft. Etwa so:
„Oh, ach du je, ich habe beim Telefonieren noch nie gern mit dem Rücken zur Tür gesessen. Oh! Und noch etwas, ist es nicht an der Zeit, etwas gegen diese quietschende Tür zu unternehmen?!“ Und so weiter.
Wir können das alles ganz fröhlich machen, denn es kostet nichts und tut nicht weh!
Wenn wir gerade über Veränderungen reden: Ich glaube, mein Verstand ist damals mit mir durchgegangen! Was geschah wohl mit mir, als ich diese Idee der Veränderung so bereitwillig begrüßte?
Das Leben packte mich und überzeugte mich, dass die passende Veränderung darin bestand, Kisten zu „verrücken“, mit Sack und Pack und meiner Familie 2 000 Kilometer weg-, nämlich nach Melbourne in Australien umzuziehen. Dann ging der Spaß erst richtig los.
Bald nach unserer Ankunft beging ich eine Dummheit.
Ich willigte ein, einen Freund in die Spiritualist Church in der A’Becket Street zu begleiten. Damals hatte ich mit Religion nichts am Hut. Ich hatte es redlich mit ihr probiert. In jüngeren Jahren war ich mit zwei Freunden in alle Kirchen gegangen, die wir finden konnten. Doch als ich dort die Antworten, die ich suchte, nicht fand, gab ich auf. Jetzt trottete ich, wie Sie sehen, aus reiner Neugier mit.
Als wir die wenigen Stufen hinaufstiegen, erspähte mich eine zierliche alte Dame mit weißem Haar.
Ohne das geringste Zögern kam sie direkt auf mich zu und sagte: „Sie kommen am Dienstag zu Tulips Geburtstagsfeier.“
Zu sagen, ich war überrascht, wäre untertrieben! Was hätte ich sagen sollen als: „Tulips Geburtstag? Ja, ja, gut, richtig, am Dienstag? In Ordnung.“
Mehr als fünfzig Menschen feierten diesen Abend. Die Party war für eine zwölfjährige Tulip, die allerdings vor vielen Jahrhunderten in Spanien als Hexe auf einem Scheiterhaufen verbrannt worden war, wie sie mir dann erklärten. Warum sie sich entschied, die nächsten paar Jahrtausende herumzuhängen und den Menschen zu helfen, verstand ich nicht so ganz. Doch ich war froh, dass sie das machte.
Also: Können wir das wirklich alles nur als ungewöhnliche Fügung bezeichnen?
Dass zwei verschiedene Personengruppen, die Tausende von Kilometern getrennt voneinander in verschiedenen Ländern leben, an die gleiche Geschichte glaubten? Sie glaubten alle an Tulip. Die eine Gruppe „benutzte“ sie für ihre Geschäfte und die andere für ihre spirituellen Überzeugungen.
Trotz all dieser Hinweise bedrängten mich noch viele Fragen.
Ich wusste, meine eigenen Großeltern (die ich nie gesehen habe) hielten jede Woche mit ihren dreizehn Kindern, darunter natürlich meine Mutter, Séancen ab, beschworen Geister und hingen dem Spiritismus an.
Doch mein Vater war ein strenger Pastor. Konflikte über Konflikte.
Wenn die Widerstände aufeinanderprallen, klappt Ihnen die Kinnlade herunter, der Verstand springt auf den Köder an und im nächsten Moment zappeln Sie herum und versuchen, die Vorstellung zu schlucken, dass Sie von nichts eine Ahnung haben; Sie können sie nur samt Angelleine und Bleigewicht verschlingen.
Dann plötzlich stehen Sie mit beiden Beinen auf der Erde. Sie wachen auf. Die Farben werden kräftiger. Es ergreift Sie, wenn Sie beobachten, wie sich eine goldene Narzisse im Frühling öffnet. Sie schauen einem Schmetterling zu und spüren die Freude der Zugvögel, die nach Tausenden von Kilometern zu ihrem Nest zurückkehren; Sie bestaunen die winzige Welt im Mikroskop und die unvorstellbare Herrlichkeit des Universums. Das ist Freiheit.
Wenn wir das erst können, dann lösen sich alle Fragen über die Wirklichkeit vergangener Leben, über Wiedergeburt, Nahtoderfahrungen und das Channeln von Weisheit durch körperlose Außerirdische. Das verschwimmt im Netz der Ungewissheiten. Es spielt für Sie keine Rolle mehr, ob es einen kosmischen Plan gibt oder ob alles vom Zufall abhängt.
| Flug Nr. 102: Flugplan, Cockpit-Check und Flugbericht | |
Fertig zum Abflug
1. Halten Sie Ihr Logbuch und Ihren Lieblingsstift bereit.
2. Vergewissern Sie sich, dass Sie entspannt sind und sich wohlfühlen. Legen Sie in Gedanken den Sicherheitsgurt an.
3. Kopfhörer über die Ohren, damit Sie die Sphärenmusik hören oder die Anordnungen des höheren Selbst.
4. Planen Sie die Flugdauer genau: 20, 30, 50 Minuten.
5. Stellen Sie den Wecker.
6. Versuchen Sie nicht, früher zu landen.
7. Startablauf durchgehen – konzentrieren Sie sich, bevor Sie auf den Startknopf drücken. (Prüfen)
8. Vergewissern Sie sich, dass niemand und nichts Sie stört, während Sie langsam zur Start- und Landebahn rollen. (Prüfen)
9. Bereiten Sie sich auf den Start vor. Starten Sie gegen den Wind. Sie dürfen immer vor allen anderen Flugzeugen starten.
10. Heben Sie den Stift hoch und beginnen Sie zu schreiben.
11. Schreiben Sie das Datum und die genaue Uhrzeit auf.
12. Was ist seit Ihrem letzten Flug passiert?
13. Fällt Ihnen auf, dass andere (Freunde, Familienmitglieder, Partner) sich Ihnen gegenüber anders verhalten?
14. Sind jene alten Tagträume immer noch verlockend?
15. Wie geht es Ihnen mit den Widerständen (siehe Flug 101)? Schreiben Sie eine ausführliche Geschichte über Ihre Schwierigkeiten, neue Ideen aufzunehmen – aber hören Sie nicht auf, wenn Sie meinen, Sie kämen schon irgendwie damit zurecht.
16. Ich möchte nicht …
17. Ich würde liebend gern …
18. Legen Sie das Buch sofort beiseite, wenn der Wecker klingelt, auch wenn Sie mitten im Satz sind. Besser eine abrupte Landung als ein zielloses Dahintreiben. Legen Sie das Logbuch auf Ihren Schoß, schließen Sie die Augen und lauschen Sie auf alle Geräusche um Sie herum. Lassen Sie meine CD Mind Music laufen, um Ihre Gedanken zu erden.
Nehmen Sie viel später, wenn Sie längst wieder in die Flugzeughalle im Hier und Jetzt zurückgekehrt sind, Ihr Logbuch zur Hand und lesen Sie vom ersten bis zum letzten Eintrag. Ergänzen Sie alles, was Ihnen wichtig erscheint, besonders alle körperlichen, emotionalen, spirituellen Veränderungen und die Veränderungen in Ihren Vorstellungen.
5. Das Mantra
Eine ausgefallene Philosophie nützt nicht mehr viel, wenn der Gerichtsvollzieher an die Tür pocht und die Miete eintreibt:
„Ach, Entschuldigung, ich muss eben noch meine tägliche Unterredung mit den Sternenwesen zu Ende führen, dann habe ich Zeit für Sie – nehmen Sie sich doch einfach ein Kissen und meditieren Sie ein, zwei Stunden für das Wohlergehen der Orangenbäume in Kalifornien …“
Nein, ich glaube nicht, dass das so geht.
Um Freude an unserem eigenen Dasein zu haben und um gut für uns zu sorgen, müssen wir Enttäuschungen in den Griff bekommen, auch Ärger, Leiden, das durch Täuschungen und Illusionen entsteht, sowie all die eingebildeten Verletzungen, die wir von der Wiege bis zur Bahre herumschleppen, … alles, was schließlich die Realität ist! Das zauberhafte Leben gelingt uns nur, indem wir kopfüber in das Durcheinander springen, das die meisten von uns vernünftiger Verstand nennen.
Dummerweise gleicht der noch nicht neu geordnete Verstand einem Schwalbenschwarm im Frühling: Alle Vögel flattern am Himmel herum, jeder schießt einzeln herab, steigt wieder auf und schnappt im Flug nach winzigen Leckerbissen. Jedes einzelne Tier gibt sich ganz der Aufgabe hin, sein Nest des letzten Jahres für eine neue Familie zu renovieren. Jedes konzentriert sich auf seine eigenen unmittelbaren Bedürfnisse. Eine übergeordnete gemeinsame Aufgabe ist nicht im Blick. Im Laufe des Sommers verlassen die Jungvögel das Nest und fliegen zum ersten Mal allein.
Allmählich richtet sich der bisher zerstreute „Geist“ aller Vögel auf eine einzige Absicht:
Wenn der Winter naht, fliegen sie die enormen Strecken von Stuttgart nach Sydney, von Amsterdam nach Adelaide, von Belgrad nach Brisbane. Um das zu schaffen, müssen sie als eine Einheit unterwegs sein, wie ein Kopf handeln, verbunden und zielgerichtet.
Genau wie die Schwalben im Herbst sind wir selbst mit zig Milliarden Gedanken gesegnet; der Trick besteht darin, dass wir ihnen den Formationsflug beibringen.
Denn wenn man um die halbe Welt fliegen will und nicht größer als eine Handfläche ist, muss man alle seine Absichten und Körperkräfte darauf konzentrieren.
Und das führt uns zu einem der größten Widersprüche des zauberhaften Lebens.
Buckminster Fuller (1895 – 1983, ein amerikanischer Architekt und Erfinder) beschreibt ein Phänomen aus der Natur, das er „Präzession“ nennt; es besagt, dass wichtige Ereignisse oft im rechten Winkel (90 Grad) zur Richtung der wirkenden Kraft geschehen.
Erklären können wir die Präzession am Königreich (eigentlich Königinnenreich) der Bienen. Die Arbeitsbiene richtet ihr ganzes Leben darauf aus, Nektar zu sammeln. Doch daran denkt sie nicht: Während sie mit ihrem Kopf alle möglichen Verrenkungen macht, um das köstliche Zeug tief in der Blüte herauszusaugen, wischt sie den Pollen ab, der an ihrem Hinterteil klebt. Das bedeutet, die Blumen werden bestäubt, was wiederum bedeutet, dass nächstes Jahr wieder Blumen blühen, und so weiter …
Wenn wir uns auf ein einziges Konzept versteifen, um dadurch unsere Träume zu verwirklichen, dann bekommen wir vielleicht den Nektar, doch wir verpassen die Bedeutung des Pollens. Er kreuzt unseren erwünschten Weg sozusagen im rechten Winkel. Wir haben keinen Raum gelassen für diese natürliche Präzession. Wenn wir unsere Ambitionen an der kurzen Leine führen und alle anderen Optionen ausschließen, dann hören wir den Telefonanruf nicht, wenn er aus einer Richtung kommt, aus der wir ihn nicht erwarten. Wenn das Telefon tatsächlich klingelt – und das wird es immer tun –, stellen wir den Anruf meist derart zaghaft und misstrauisch infrage, dass die Natur beim Warten die Geduld verliert und auflegt.
Es ist wirklich so, dass die meisten von uns so konditioniert sind, dass uns der Zauber des Lebens entgeht, die freudige Erkenntnis, dass die Wünsche von uns einfachen Sterblichen immer noch geringer sind als das, was uns alles zugedacht ist!
Die gleiche Gefahr besteht, wenn wir uns zu eng auf unsere Wünsche konzentrieren.
Um das zu vermeiden, empfehle ich eine Jahrtausende alte Methode. Mit ihr können wir den Verstand von diesen zig Milliarden schwirrender Gedanken erlösen, ohne 19 000 Kilometer nach Australien reisen zu müssen, ja, wir müssen uns dafür nicht einmal aus unserem Polstersessel bequemen. Was für ein Glück!
In Esoterikkreisen heißt diese Übung Mantras rezitieren. Ein Mantra ist ein kurzer Spruch, so etwas wie ein Buch in Kurzform für faule Leser. Oder vielleicht eine bequeme Art, wie „Erleuchtete“ Kurzschrift miteinander reden.
Nichts hilft Ihnen besser, sich an etwas zu erinnern, als die Wiederholung. Das ist ganz einfach die Kunst der Gehirnwäsche.
Das hat gar nichts mit Religion zu tun.
Nehmen wir doch mal an, Sie wollen Mantras rezitieren, dann können Sie mit einem ganz bekannten beginnen, dem tibetischen Om Mane Padme Hum. Dieses Beispiel zeigt sehr schön, wie eine endlose Wortwiederholung einen Rhythmus aufbaut, der nach und nach den ganzen Verstand in Anspruch nimmt und ausfüllt.
→ Es steht Ihnen völlig frei, die tibetischen Worte zu verwenden oder, für den Anfang vielleicht noch besser: Suchen Sie sich irgendein Wort, das auf einen Vokal endet; das könnte auch Ihr Name sein. Setzen Sie sich ruhig hin und wiederholen Sie das Wort eine halbe Stunde oder länger.
Sie werden merken, dass die Bedeutung des Wortes bedeutungslos wird.
Sprechen Sie Ihr Mantra laut aus! Dann passieren zwei kraftvolle Dinge: Der Verstand ist auf nette Weise gezwungen, zu enträtseln, womit Sie ihn gerade füttern, und gleichzeitig kommt Ihnen die Vorstellung Ihrer eigenen Wichtigkeit abhanden. Was ist das wert?
Eines meiner Lieblingsmantras murmelte ein tibetischer Mönch vor sich hin, mit dem ich von Hongkong nach Lhasa reiste. Aus verschiedenen Gründen hatten wir zwei Tage lang nichts Richtiges gegessen. Die letzte Etappe der Reise war die Fahrt vom Flughafen zur Stadt, 90 Kilometer in einem überfüllten Zwölfsitzer-Bus.
Weil ich neben ihm saß, hörte ich ihn ein Mantra flüstern. „Was“, so fragte ich müde, hungrig und ein wenig respektlos, „ist denn das Mantra für heute?“
Mit breitem Lächeln sprach er lauter: „Om lunch. Om lunch. Om lunch.“ Auf Deutsch: Om Mittagessen. Om Mittagessen. Om Mittagessen.
Das Mantra hält unseren Verstand beschäftigt, während das Leben stattfindet.
John Lennon sagte einmal „Leben ist das, was geschieht, während man eifrig andere Pläne schmiedet.“
Es ist nicht wichtig, unbedingt eine vollständige, wissenschaftliche Beschreibung für unseren wirkenden Verstand zu finden. Lassen Sie uns für unsere Zwecke einfach sagen: Er ist der Teil von Ihnen, der Ihnen mitteilt, dass Sie Hunger haben, schwitzen oder frieren, wütend oder gelangweilt sind … oder irgendwelche andere Überlebensmechanismen, die meist ohne unsere bewusste Zustimmung mit uns geschehen. Man könnte sagen, er hat seinen eigenen Kopf und regt sich mächtig auf, wenn Sie ihn bitten, die Klappe zu halten und Ihnen ein wenig Ruhe und Frieden zu lassen.
Es geht darum, den ruhelosen Verstand zu überflügeln. Wir müssen ihn von einer anderen Seite packen.
Wie ein Spion in der Nacht schleichen wir uns am besten an und geben ihm etwas, was seine Aufmerksamkeit ablenkt, während wir zum Kern unserer Wünsche vordringen.
In den folgenden Kapiteln kommen wir auf die Verwendung von Mantras zurück.
Bis dahin ist hier eines, das nicht nur gut ist fürs Gehirn, sondern auch unglaublich nützlich, um Unsicherheit zu überwinden, Selbstzweifel und das ständige Gefühl der Erfolglosigkeit. (Das klingt jetzt aber beinahe wie die Verschreibung eines bekannten Bach-Blüten-Mittels!)
Es lautet:
„Ich tue mein Bestes, so gut ich kann.“
Wenn immer ich das Gefühl habe, etwas nicht so gut gemacht zu haben, wie ich es gern gemacht hätte, sage ich mir: „Ich tue mein Bestes, so gut ich kann“, im Flüsterton (damit mich niemand hört – ich möchte ja nicht, dass man mich für völlig gestört hält!).
Egal, was Sie jetzt dazu sagen, Sie werden Ihren Alltag anders erleben.
Hier ist noch ein Mantra zum Aufschreiben und Üben. Probieren Sie es unbedingt aus:
„Ist das nicht interessant?!“
Beobachten Sie, wie es sofort seine Wirkung entfaltet, wenn Sie einen Streit schlichten wollen oder wenn Sie sich wundern, warum das Pech gerade wieder Sie Unglücksraben ereilt.
„Wie interessant, dass ich auf meinen besten Freund wütend bin.“
„Wie interessant, dass mein Chef nicht sieht, wie wertvoll meine Arbeit für die Firma ist.“
In meinen Seminaren schlage ich den Teilnehmern vor, diese nützliche Übung regelmäßig zu verwenden. Ja, ich habe auch schon oft gesagt, ich hätte gern diesen Spruch „Ist das nicht interessant“ auf meinen Grabstein gemeißelt.
6. Die englische Ärztin
Bei mir zeigte sich die „Präzession“ (siehe oben) so:
Kurz nach der denkwürdigen Begegnung mit Tulip in Melbourne bekam ich meinen Traumjob. (Tulip sei Dank!) Das war ein Arbeitsplatz, für den man – so sagt man bei uns – seinen linken Arm opfern würde. (Oder, falls Sie Linkshänder sind, … ach, vergessen Sie’s!)
Künstlerischer Direktor für Grafik bei GTV9, Australiens bedeutendstem privaten Fernsehsender.
Das waren noch Zeiten … Schwarz-Weiß-Tage in mehrfacher Hinsicht. Alles war neu. Das war lange, bevor der alles verschlingende Kommerz überall maßgebend wurde. Wir hatten im Wesentlichen völlige Freiheit und machten, was uns gerade einfiel.
Wir schürften in unserer eigenen Diamantenmine und schöpften aus dem Vollen.
Ich kann das sogar an einem genauen Datum festmachen, denn ich war an der Sendung zur ersten Mondlandung mit Neil Armstrongs Mondspaziergang beteiligt. Unsere Abteilung war, ebenso wie die Techniker, monatelang mit den Vorbereitungen beschäftigt.
Wegen der Position des Mondes zum Zeitpunkt der historischen Mondbegehung wurde – was kaum bekannt ist – die gesamte Mondübertragung von GTV9 in Melbourne aufgenommen und von dort nach Houston/Texas und in die ganze Welt übermittelt.
Sie können sicher sein, dass ich im Kontrollraum war, als dieses Ereignis geschah. Damit gehörte ich für ein paar Mikrosekunden lang zu den allerersten vier Menschen weltweit, die den Mann auf dem Mond sahen!!
Beim Fernsehen zu sein gab mir mehr, als ich mir je hätte träumen lassen. Es bot mir die Gelegenheit, eine ungewöhnliche englische Ärztin kennenzulernen, die ein Kollege damals interviewte.
Dr. Nell Holmes war nicht irgendeine Ärztin. Sie hatte im Vereinigten Königreich durch ihre natürliche Fähigkeit, Menschen zu heilen, und durch ihre Erfolge bei hartnäckigen Patienten Neid und Misstrauen ihrer Kollegen auf sich gezogen. Es blieb ihr kaum etwas anderes übrig, als zur Rechtfertigung eine Ausbildung in geistigem Heilen (in Verbindung mit Numerologie) anzugehen; und das wiederum stellte ihre eigene Welt im wahrsten Sinn des Wortes auf den Kopf, als sie einen Ruf nach Tasmanien annahm und dort Vorlesungen über ihre Arbeit hielt.
Der Empfang war, glaube ich, überwältigend. Jedenfalls beschloss sie, sich in Melbourne anzusiedeln, und wohnte in einer gepflegten Nachbarschaft, umgeben von Wildblumen und gebildeten Menschen.
Mit meiner Frau Dinah und meinen beiden Kindern machten wir gerne Ausflüge zu ihrer „Ranch“ und verbrachten gemeinsam einen netten Sonntagnachmittag.
Doch kein einziges Mal erwähnten wir, dass mein sechsjähriger Sohn Craig seit seiner Geburt auf dem linken Auge blind war. Verschiedene Ärzte hatten uns gesagt, dass diese Fehlsichtigkeit aufgrund fehlender Nervenenden nie korrigiert werden könne.
Es war ja nicht so, dass wir gar nicht daran dachten, doch um im Alltag zu bestehen, muss man eine solche Diagnose zu einem gewissen Grad verdrängen. Aus irgendeinem Grund, der mir nie ganz klar war, fragte ich an einem sonnigen Tag, nachdem Nell Plätzchen und englischen Tee serviert hatte: „Kannst du dir mal Craigs Auge anschauen?“
Noch während ich dies schreibe, habe ich ihr seltsames leises Lächeln vor Augen. Als hätte sie uns die ganze Zeit die Schokolade vorenthalten. „Ich kann nur helfen, wenn jemand um Hilfe bittet“, erklärte sie.
Draußen zirpten die Zikaden und ein paar Kängurus hüpften am offenen Fenster vorbei, während Nell mit zwei Fingern irgendeine Stelle an Craigs Hinterkopf rieb. „Ah“, meinte sie, „da ist es ja.“
Einen Augenblick war Pause, dann wandten wir uns wieder unserer Unterhaltung, dem Tee und den Keksen zu.
Am nächsten Morgen kam Craig zu uns ins Bett geklettert. „Mama, Papa“, sagte er, „ich sehe mit diesem Auge!“
Ist das etwa ein Wunder oder was sonst?
Er konnte nun mit seinem „blinden“ Auge Umrisse und Farben sehen. Wir waren überwältigt und überglücklich. Das einzig Beunruhigende an der Sache war, dass Nell, nachdem sie Craig geholfen hatte, sich zu mir wandte und sagte: „Du kannst das auch. Irgendwann wirst du so etwas machen.“
Ich möchte in aller Deutlichkeit klarstellen, dass ich mir das absolut nicht hätte vorstellen können; unter keinen Umständen.
Es war in Ordnung, dass eine fertige Ärztin mit jahrelanger Ausbildung und Erfahrung in Medizin und geistigem Heilen das machte. Aber ich? Ausgerechnet ich! Ich hatte niemals mit jemand zu tun, der sich auch nur den Knöchel verstaucht hatte, geschweige denn ernstlich krank war.
Damals galt es schon als sehr fortschrittlich, wenn man diese Art des Heilens auch nur in Erwägung zog. Für uns waren die Besuche bei Nell so ziemlich das Äußerste, wozu wir bereit waren. Rückblickend hat mich das Universum bei manchen Gelegenheiten mit manchem Rückwärtssalto verblüfft, aber es hatte mich nie so unmittelbar mit einer so ungeheuerlichen Idee konfrontiert.
Nun war es geschehen.
Heute, dreißig Jahre danach, sitze ich hier in Deutschland und schreibe dieses Buch (die erste Fassung); dabei bin ich mir sehr wohl bewusst, welche Auswirkungen Nell in meinem Leben anstieß. Sie wusste einfach, dass jede und jeder so etwas kann! Dafür ist kein Guru-Trip notwendig! Nicht nötig, ein Aussteiger zu werden! Es braucht nichts weiter als eine gute Tasse Tee, ein sonniges Zimmer und die Bereitschaft, anderen zu dienen.
Danke, Nell, … wo immer du bist …, hier ist ein „Schüler“, der dir auf ewig dankbar ist.
7. Das Geschenk
Neuseeland hat bekanntlich von allen erreichbaren Orten aus die größtmögliche Entfernung – es sei denn, Sie leben dort, dann ist es einfach der Mittelpunkt Ihres Universums.
Neuseeland ist vorwiegend ein Agrarland mit nur vier Millionen Menschen und 80 Millionen Schafen. Man munkelt, dass die meisten Politiker in Wirklichkeit wiedergeborene Schafe sind.
Obwohl es so ein kleines Land ist, kommen hier fast alle geografischen Merkmale vor, die sonst auf der weiten Welt verstreut vorhanden sind! Neuseeland gleicht einem geografischen Reiseführer für das Universum in Taschenausgabe.
Ein Neuseeländer hat den Bungeesprung erfunden, ein anderer die Schädlingsbekämpfung aus der Luft. Neuseeland war das erste Land, in dem die Frauen das allgemeine Wahlrecht bekamen, und das erste (und einzige?), das sich als ganze Nation zur kernkraft- und atomwaffenfreien Zone erklärte.
Und es schenkte der Welt die Kiwifrucht!
Die Maori von Aotearoa (Neuseeland) hatten die höchste Steinzeitkultur, die überliefert ist.1 Diese neolithische Kultur beruhte auf einem komplexen Sozialwesen.
Die Maori sind bekannt für ihre Naturverbundenheit und den Respekt der Natur gegenüber.
Sie sind die größte Gruppe der Polynesier, die sich als Seefahrer im Pazifik einen Namen gemacht haben. Ihr Gebiet umfasst Hawaii, Tahiti, die Cookinseln, Samoa und Hunderte von Atollen und Inseln.
Nach der polynesischen Kosmologie gibt es keine Trennung zwischen Zeit und Raum. Die moderne Physik fängt gerade erst an, dieses Konzept wissenschaftlich nachzuvollziehen.
Wenn wir dem zustimmen, dann stimmt es auch und ist wahr, dass alle unsere Vorfahren und Nachkommen genau jetzt existieren und den Kosmos gemeinsam mit uns erleben.
Ich hatte Glück, weil meine Mutter, lange bevor sie anfing zu schreiben, als Krankenschwester in einem Krankenhaus auf dem Lande arbeitete und mit den Heilmethoden der Maori sehr vertraut war. Sie sprach nicht oft darüber in aller Offenheit, aber wenn, dann hörte man unterschwellig ihre Achtung für diese Vorstellungen heraus und etwas ganz Tröstliches.
Bekamen Sie jemals, vielleicht zum Geburtstag oder zu Weihnachten, ein Geschenk und wussten dann nicht recht, wie Sie sich bedanken sollten, weil Sie das Ding nicht wirklich brauchten?
So ging es mir. Ich wusste nicht, was ich damit anfangen sollte. Ja, ich hatte nicht einmal eine Idee, was es war! Es, … nun ja, es geschah einfach irgendwie.
Tatsächlich brauchte ich sehr lange, bis ich selbstverständlich damit umgehen konnte.
Was die Sache noch komplizierter machte: Erst in den letzten Jahren wurde die Möglichkeit anerkannt, dass ein Mensch ohne ersichtliche Intervention unmittelbar auf den körperlichen Zustand eines anderen einwirken kann.
Heute ist das Allgemeinwissen.
Doch damals bemerkte ich nur, dass etwas Ungewöhnliches um mich herum vor sich ging, weil mich häufig Menschen um Hilfe bei ihren Problemen ansprachen. Wenn ich einmal eine Freundin hatte – und das geschah selten genug –, war ich immer wieder frustriert, weil sie alle nur reden wollten!
Oft kamen kranke Tiere zu mir.
Wenn Sie diese natürliche Begabung haben, klopft Ihnen niemand auf die Schulter und sagt: „Richtig, im nächsten Semester studieren Sie Heilung Nr. 101. Sie haben nur eine 4 in Mathematik, deshalb ist Heilung der geeignete Kurs für Sie, fangen Sie schon an zu lesen.“
In den westlichen Kulturen stößt die Vorstellung, dass ein Mensch den Gesundheitszustand eines anderen unmittelbar verändern kann, immer noch auf Misstrauen. Eine rühmliche Ausnahme ist die katholische Kirche.
Welch eine Überraschung für mich! In einem Interview mit mir bei Radio Pittsburgh entgegnete Ron Lindgren, der damalige Pressesprecher der katholischen Kirche in den USA, einem skeptischen Anrufer: „Wir sollten nicht überkritisch sein, denn viele Jahrhunderte hat die Kirche Wunderheilungen anerkannt. Wir haben immer zugegeben, dass manche Menschen die Fähigkeit besitzen, geistige oder körperliche Veränderungen bei Kranken herbeizuführen.“
Die Aufzeichnungen belegen, dass die meisten Heiligen deshalb heiliggesprochen wurden, weil ihre heilerische Fähigkeit wie ein Wunder aussah.
Glücklicherweise drohen einem Heiler im 21. Jahrhundert nicht mehr Folter und Exkommunikation – wie das früher der Fall war, wenn er nicht gerade Priester war.
Der berühmte russische Schriftsteller Leo Tolstoi wurde exkommuniziert, weil er 1895 wagte, ein Buch zu schreiben mit dem Titel Das Himmelreich in euch; in die heutige Sprache übersetzt heißt das: Jeder ist von Natur aus ein Heiliger, ein Heiler, ein Held.
Das erste Buch, das ich von vorn bis hinten las, war Tolstois Krieg und Frieden. Mein ältester Bruder Ralph hatte es mit nach Hause gebracht und wollte es gerade lesen, als ich es mir schnappte und buchstäblich verschlang! Diese Geschichte weckte meine Faszination für Tolstois Russland. Noch ohne jede Vorstellung davon, dass ich später einmal für so viele Jahre meines Lebens dort leben würde. (Ja, mir bot sich dann sogar die unglaubliche Gelegenheit, auf dem Stuhl zu sitzen, auf dem Tolstoi seine Bücher geschrieben hatte, und sein schlichtes Grab besuchte ich im Wald, den er so liebte. Schauen Sie sich den Film Die letzte Station an, über die letzten Wochen seines Lebens!)
Ständiges Lesen steigerte meinen ohnehin starken Wunsch zu reisen; allerdings nahm ich noch kaum zur Kenntnis, dass polynesische Heiler – Kahili King beschreibt das in seinem Buch Der Stadtschamane – auf zweierlei Arten Wissen erwerben: tohunga, die Art der Maori, und kahuna, die hawaiianische Art:
Bei der einen sitzt man einem Lehrer zu Füßen und hat ziemlich dieselbe Beziehung wie zwischen Guru und Schüler in Indien.
Bei der anderen erwirbt man Wissen durch unermüdliches Reisen, finanziell (mehr oder weniger!) unterstützt durch seine Fähigkeit, anderen Menschen zu dienen. Man begegnet Dutzenden von Lehrern, hört sie an, ohne sich einem Einzelnen in besonderer Verehrung anzuschließen.
Könnte das auf mich zutreffen? Könnte es sein, dass ich ein Seefahrer bin? Ein Reisender, der überall zu Hause ist!
Ich werde jetzt nicht so tun, als ob „Gott“ mich eines Morgens angerufen hätte, ich mit bebenden Händen und einem andauernd leuchtenden Heiligenschein erwacht wäre und mein Geist seither ringsherum bedingungslose Liebe und Frieden ausströmte.
Nein, tut mir leid; das wäre eine tolle Geschichte gewesen! Die Wahrheit ist, dass ich jeden Gedanken an eine Begabung oder eine Aufgabe verscheuchte, bevor ich ihn denken konnte.
Viel Arbeit war nötig, um die Verwirrungen und die Brüche aus all den ungeheuerlichen und einzigartigen Ereignissen in meinem Leben zu überwinden.
Natürlich vergingen noch viele Jahre, in denen ich mir nie vorstellte, dass meine Fähigkeiten einmal von der Welt der Wissenschaft und Medizin gemessen würden.
Wie bei mir so gibt es für die meisten Menschen einen besonderen Augenblick im Leben, in dem wir die Chance haben, innezuhalten. Man erinnert sich an seltsame oder gar unerklärte Dinge und erhascht plötzlich einen kurzen Ausblick auf den vorbestimmten Weg.
Wenn wir erst einmal wissen, wie wir nach diesen Chancen suchen können, bemerken wir, dass sogar in den allergewöhnlichsten Momenten ganz Außergewöhnliches passiert.
Für mich tauchten eine Reihe von Dingen auf, die ganz bestimmt nicht in die Welt der Werbung oder des gesunden Menschenverstandes passten. Wohin ich mich auch wandte, das „Feld“ gab mir einen leichten Tritt in den Hintern, um mich auf dem Weg in Bewegung zu setzen, für den ich hierhergekommen war. Und ich erwies mich als langsam lernender Schüler!
Zu meiner Rechtfertigung kann ich einiges anführen. Ich hatte mir einen überzeugten Methodistenpfarrer als Vater ausgesucht. Ich respektierte seine Ansichten, doch als Kind konnte ich bei seinen Predigten nicht still sitzen, ohne ununterbrochen Fragen zu stellen, genauer gesagt: zu denken.
An der Rückwand unserer bescheidenen Holzkirche hingen künstliche Lorbeerblätter, etwa fünfzig Zentimeter groß, auf denen nur drei Wörter standen. Sie verkündeten: Gott ist Liebe. Da hatten wir den Salat. Wie musste dieses Durcheinander heißen? Meine kindlichen Gedanken gingen ungefähr so: Ist Gott Liebe? Oder gilt gleichermaßen: Liebe ist Gott! Vielleicht sogar: Gott Liebe ist.
Daran kaute ich mindestens zehn Jahre herum, Ich saß da und sah mit an, wie die Blätter immer stärker verblassten und verstaubten, bis ich eines Tages alt genug war und mir sagte: „Es reicht.“
Ich hatte mich entschieden: Gott Liebe ist.
Wenn Gott Liebe existiert, dann müssen wir sie auch erleben können.
Sie erwartet bestimmt nicht von Ihnen, dass Sie einfach glauben. Schließlich ist Glaube [engl.: belief] nur etwas, was dem Gefühl nach wahr ist. Der Glaube als Bekenntnis [faith] ist anders. Da erwartet jemand von Ihnen, dass Sie glauben, weil er es selbst tut.
Glaube und Bekenntnis sind wie Bäume ohne Wurzeln – viel Blattwerk, aber kein Halt.
Man wird das unangenehme Gefühl nicht los, dass etwas fehlt.
Schlimmstenfalls zermürben und quälen wir uns, verachten uns als wirklich böse Ungläubige, die ja wohl geisteskrank sein müssen. Bestenfalls setzen wir ein Lächeln auf, ringen uns zu dieser Sicht durch, begleitet von einem Stoßgebet, dass es um Himmels willen echt sein darf.
Die felsenfeste Überzeugung, dass jeder einen Weg finden kann, seine eigene heilerische Fähigkeit zu entdecken, ist der Grund, warum ich dieses Buch schreibe. Wenn es mir passieren kann, dann kann es Ihnen auch passieren. Sie können Ihre Familie und Ihre Freunde heilen und mit etwas Übung den Sinn Ihres Lebens entdecken, indem Sie anderen dienen. Ich möchte Ihnen nur zeigen, wie Sie das erreichen.
8. Spiritualität
[Being Spiritual – Spiritual Being]
Als Erstes ist das angestrengte Bemühen zu vermeiden, unbedingt „spirituell“ sein zu wollen. Damit können Sie ein ganzes Leben vergeuden, denn Sie befinden sich ohnehin auf einer Rundreise. Jeder bekommt bei der Geburt automatisch eine gültige Rückfahrkarte nach Hause ausgestellt (– ein Visum ist nicht nötig). Es gibt keine Ausnahmen. Spirituell waren Sie, bevor Sie hier ankamen, und spirituell werden Sie auch wieder ans Ziel zurückkehren.
Die Zwischenzeit – machen Sie etwas daraus!
In Boston hörte ich diese nette Geschichte von einer Familie mit zwei Kindern: Die ältere, Jennifer, war vier Jahre alt, ihre Schwester drei Monate. Eines Abends saßen die Eltern beisammen und lasen in aller Ruhe. Durch das Babyfon hörten sie, wie Jennifer in das Zimmer ihrer kleinen Schwester ging. Sie beugte sich über sie und flüsterte: „Kannst du mir sagen, wie Gott ist? Ich vergesse es allmählich.“
Das sind die Voraussetzungen.
Achtung, eine Durchsage: Sie haben im größten Preisausschreiben aller Zeiten gewonnen. Dem allergrößten. Hätten Ihre Mutter oder Ihr Vater nicht im richtigen Moment geniest, würde jetzt Ihr Bruder oder Ihre Schwester dieses Buch lesen.
Und hier ist Ihr Gewinn: die Chance, in der materiellen Welt zu leben.
Und das sind die Spielregeln:
1. Sie werden nicht wissen, warum Sie das große Los gezogen haben.
2. Sie werden sich nie sicher sein, ob Sie richtig spielen.
3. Alle um Sie herum haben keine Ahnung, wer Sie wirklich sind oder warum Ihr Gewinn immer wieder anderen Gewinnanteilen in die Quere kommt.
4. Sobald Sie meinen, Sie wüssten, worum es geht, ändert sich das Spielfeld und Sie fangen wieder von vorn an.
5. Menschen, die genauso verloren sind wie Sie, finden Trost im angestrengten Bemühen, Sie das Spiel verlieren zu lassen.
Als ob das noch nicht genug wäre: Sie sind mitten in einer menschlichen Kultur ausgesetzt worden, die sich weder um den Ort kümmert, an dem Sie leben, noch um die anderen Mitreisenden, noch um die Natur selbst.
Das sieht nicht gerade nach einem tollen Preis aus!
Doch Sie sind offensichtlich hier. Falls Sie nicht wissen, warum Sie leben – hier ist eine einfache Antwort.
→ Schreiben Sie Folgendes auf: Wir sind hier, um zu lernen, anderen zu dienen. Das ist keine allzu schwierige Aufgabe. Nicht nur das, Ihre Rückkehr zur Freude hängt davon ab.
Sind Sie schon einmal jemand begegnet, der immer deprimiert schien? Vielleicht ein Freund oder ein Partner? Jemand, den Sie gut kennen. Eine Depression tritt auf, wenn das Leben keine Aufgabe hat, stimmt‘s?
In fast allen Fällen liegt die Ursache der Depression in mangelndem Lebenssinn, der fehlenden Verbindung zur Ganzheit.
Nur zwei Dinge im Leben wissen wir sicher:
1. Ich bin hier und lebendig.
2. Jedes fühlende Wesen (eines davon sind Sie) wird eines Tages sterben.
Alles andere ist Spekulation und Täuschung.
Wenn Sie das nicht unsicher macht!
| Flug Nr. 103: Flugplan, Cockpit-Check und Flugbericht | |
Änderung von Plänen
1. Halten Sie Ihr Logbuch und Ihren Lieblingsstift bereit.
2. Vergewissern Sie sich, dass Sie entspannt sind und sich wohlfühlen. Legen Sie in Gedanken den Sicherheitsgurt an.
3. Kopfhörer über die Ohren, damit Sie die Sphärenmusik hören oder die Anordnungen des höheren Selbst.
4. Abflugkontrolle. Lesen Sie noch einmal, was Sie zwischen den Flügen aufgeschrieben haben. Schreiben Sie weiter, wann immer Sie in der Stimmung dafür sind. Verwenden Sie ganz bewusst Zeit darauf zurückzublicken, einen Zusammenhang zu früheren Erinnerungen herzustellen.
5. Nehmen Sie den Stift zur Hand. Schreiben Sie das genaue Datum und die Uhrzeit auf.
6. Gerade als Sie sich zum Start einreihen, teilen Ihnen die lästigen Wichtigtuer vom Kontrollturm mit, dass Ihr ganzer Plan nicht genehmigt wird.
7. Was machen Sie?
8. In einem einzigen Augenblick verändert sich Ihr ganzes Leben. Wie kommen Sie damit zurecht?
9. Schreiben Sie auf, wie Sie sich in ähnlichen Situationen verhalten haben, schreiben Sie weiter! Denken Sie darüber nach und schreiben Sie (ausführlich), was Sie getan haben, als es nicht Ihre eigene Entscheidung war, Veränderungen zu vollziehen. Seien Sie ehrlich.
10. Wie oft haben sich rückblickend solche Ereignisse als nützlich herausgestellt?
11. Erstellen Sie eine Liste mit Veränderungen, mit denen Sie problemlos „spielen“ können.
Legen Sie Ihr Logbuch auf Ihren Schoß, schließen Sie die Augen und lauschen Sie auf alle Geräuschen um Sie herum. Lassen Sie die CD Mind Music laufen, um Ihre Gedanken zu erden.
Tief in jeder lebenden Zelle
wohnt die Ur-Erinnerung an die
mächtigste Kraft im Universum
– den Überlebenswillen.
*
Allein unsere Unwissenheit hindert uns daran,
diese Freude zu erkennen.
9. „Heiler?“
Tut mir leid, falls ich Sie verwirre, doch immer, wenn ich das Wort „Heiler“ schreibe oder denke, möchte ich ein Fragezeichen dahintersetzen.
Es wurde so oft missbraucht und fehlinterpretiert, dass es eigentlich seine ursprüngliche Bedeutung verloren hat. Wir müssen unseren Sprachgebrauch klären, damit wir dasselbe meinen, wenn wir miteinander sprechen.
Es war einmal ein Mann, der liebte Schokolade über alles. Wie glücklich war er, als er einen Traumjob in einer Schokoladenfabrik bekam! An seinem zweiten Arbeitstag roch er die köchelnde Schokolade, in einem riesigen Kessel. Ahh! … Der Geruch! Ohh! … Die Farbe … mmmh!
Vielleicht, so dachte er, „könnte ich ein klein wenig probieren, wenn ich mich nur ein bisschen weiter vorbeuge.“ Dann nahm das Unheil seinen Lauf, er rutschte aus und schwupp!, flutschte er in die dicke, schwarze Masse.
Aus Todesangst fing er an zu schreien: „Feuer, Feuer!“
Seine Kollegen kamen angelaufen, fischten ihn heraus und fragten: „Wo ist das Feuer, wir haben kein Feuer gesehen?“
Da antwortete er: „Hättet ihr mich so schnell gerettet, wenn ich, Schokolade, Schokolade’ geschrien hätte?“
Wenn uns der Sprachgebrauch zwingt, „Heilen“ statt „Schokolade“ zu sagen, dann wissen wir zumindest in diesem Buch, dass wir etwas anderes als – nun ja, eben Heilen? meinen.
„Heilen?“ Mit diesem Wort wollen wir sehr vorsichtig umgehen.
Wenn es um die Ausübung von Heilen? geht, springen uns viele wichtige Fragen an.
Sind da überall Heiler? am Werk?
Im Laufe der Geschichte hat es immer Schamanen, Kräuterhexen, Medizinmänner, Magier gegeben und wie sie alle genannt wurden. Gemeinsam war ihnen, dass sie ihr ganzes Leben ihrer Kunst weihen und lernen mussten, um in ihrer Gesellschaft anerkannt zu werden. Das Recht zur Ausübung wurde meistens von einer Generation auf die nächste vererbt.
Es ist heute Mode und prestigeträchtig, sich als „Heiler“ zu bezeichnen. Dieser Titel verschafft hohes Ansehen, doch nur sehr wenigen Menschen ist bewusst, dass damit eine große Verantwortung einhergeht und eine ganz andere Lebensweise erforderlich ist.
Wenn wir wissen, dass die Natur uns schon mit einem Wiederherstellungsprogramm zur Selbstregeneration ausgestattet hat, dann können wir uns völlig entspannen und sicher sein, dass wir unsere eigenen Heiler sind.
Für die meisten Menschen ist das Schwierige an diesem Ansatz, dass er zu einfach erscheint.
Selbst wenn wir diesen Punkt akzeptieren, erfordert es immer noch viel Mut, über die rationale Bildung und Erziehung hinauszugehen, unter der die meisten von uns irgendwie gelitten haben.
Anfangs finden wir es sehr tröstlich, diese neue Philosophie anzunehmen, doch sie nützt uns erst, wenn sie zu unserer Lebensweise geworden ist.
Zum Glück ist der neue Weg so klar und förderlich, dass wir uns schon bald fragen, warum um alles in der Welt wir nicht schon viel früher davon gehört haben, vor all diesen dummen „Fehlern“ bei unseren Entscheidungen.
Obwohl meine Welt sich exponentiell erweiterte, war all dies für mich immer noch eher eine Unterbrechung als ein ernsthafter Kurswechsel. Jahrelang beschränkte sich mein Engagement auf die Lektüre von Büchern wie Die Möwe Jonathan, Bücher von Lobsang Rampa. Das bahnbrechende Buch PSI: Die wissenschaftliche Erforschung und praktische Nutzung übersinnlicher Kräfte des Geistes und der Seele im Ostblock – nur ein Echo auf mein zartes Interesse an allem Russischen.
In dieser Zeit entwarf ich Werbekampagnen; schrieb eine wöchentliche Film- oder Theaterkritik für eine größere Zeitung; ich unterrichtete an einer Schule für Film und Fernsehen und war absolut süchtig nach dem Adrenalinpegel, den man braucht, um Termine einzuhalten und Drehbücher zu schreiben.
Nein, nein, da war kein Blitzstrahl, doch als ich mich eines Morgens hinsetzte, um eine dringende Fernsehwerbung zu schreiben, war es auf einmal, als hätte jemand einen Schalter umgelegt. Kein Zweifel: Ich konnte einfach nicht mehr schreiben. Der Rhythmus der Tastatur hatte seine Anziehungskraft verloren.
Da wusste ich, es war an der Zeit, alles zu verkaufen, ein paar Habseligkeiten ins Auto zu packen und die 2 000 Meilen von Perth nach Sydney zu fahren. Bestimmungsort und Bestimmung völlig ungewiss.
Folgendes lohnt sich zu merken: Wenn wir aus den tiefen Furchen heraustreten, die wir aus Gewohnheit und Angst vor dem Loslassen, gezogen haben, ist die Hölle los!
Zum ersten Mal in meinem Leben ging mir das Geld aus und ich wurde nicht gerade höflich gebeten, aus der gemieteten Wohnung zu verschwinden. Ich lebte nun in meinem Auto; witzigerweise hatte ich diesen Nobelschlitten behalten; da saß ich nun mit meinem Hund ohne einen Cent Geld am Straßenrand und dachte über mein Schicksal nach. Natürlich befragte ich Gott dazu. Doch in einem etwas anderen Tonfall als Neale Donald Walsch [Autor der Gespräche mit Gott, Anm. d. Verlags].
In der Woche darauf ging ich in die öffentliche Badeanstalt, wusch mir die Haare und bewarb mich um eine Stelle. Sofort bot man mir einen Job als Direktor einer Filmgesellschaft an, für die ich erster Klasse im Land herumreiste, mögliche Kunden besuchte und zu wichtigen Geschäftsessen einlud.
Diesen Job behielt ich so lange, bis ich wieder eine Bleibe hatte, dann packte mich das vertraute Gefühl wieder. Ich sagte zu mir selbst: „He, ich bin ein Reisender in der ersten Klasse. Ich muss weiter.“
Damals gab es in Australien eine neue Regierung (Gott segne sie!), die mit ihrer Kunstförderung über jedes Ziel hinausschoss. Wer sich mit der Bezeichnung Kunstschaffender wohlfühlte, der entdeckte über kurz oder lang, was wir schönfärberisch den „inoffiziellen Zuschuss“ nannten.
In anderen Ländern heißt das eher Arbeitslosenunterstützung oder Sozialhilfe. Doch wir brauchten dieses indirekte Einkommen, es gab uns Raum für neue Ideen. Das funktionierte hervorragend. Die meisten australischen Filme aus dieser Zeit wurden mithilfe jener inoffiziellen Subvention geschrieben und gedreht.
Es spielte keine Rolle, dass ich am Ende der Woche nur zwanzig Cent in der Tasche hatte. Ich hatte eine unglaubliche Freiheit, widmete mich wieder dem Schreiben und legte ungezählte Kilometer auf meinem Lieblingsfahrrad zurück.
Schon bald probierte ich andere Lebensstile aus – als ob es nicht schon genügend Veränderungen in meinem Leben gegeben hätte!
10. Wie unser Schiff gelotst wird – der kosmische Plan
Zwar konnte ich mich noch gut an Nells Worte erinnern, doch jahrelang tat ich nichts dafür. Meine Werbe- und Filmfirma nahm meine Aufmerksamkeit sieben Tage in der Woche in Anspruch.
Damals praktizierten in den meisten Ländern nur Mitglieder der spiritistischen Freikirchen (Spiritualist Church) geistiges Heilen. Das fühlte sich besser an. Ich ging ab und an zu ihren Treffen.
Mir fiel nicht auf, dass ich bei diesen Treffen wahrgenommen wurde.
Doch nach den wenigen Besuchen fragte mich eine junge Dame, die ich kaum kannte, ob ich ihr ein „Healing“ geben könne.
Sie erzählte mir, dass ihre Schilddrüse nicht funktionierte und in der darauffolgenden Woche operativ entfernt werden sollte. Puh! Ich hatte und habe bis heute keine Ahnung davon, was eine Schilddrüse ist. Doch in meiner naiven Unwissenheit dachte ich mir: Wenn das Ding lediglich nicht funktioniert, aber nicht verdorben ist und zu stinken anfängt, kann man es dann nicht drinlassen?
Wie auch immer. Weil sie solche Angst hatte, verabredeten wir uns für den nächsten Tag bei mir zu Hause. Mir blieb keine Zeit für einen Rückzieher.
Bevor sie kam, stellte ich einen gewöhnlichen Küchenstuhl mit gerader Lehne mitten in mein Wohnzimmer. (Es war mir zu peinlich, ihr vorzuschlagen, sich hinzulegen, auch wenn das für sie viel bequemer gewesen wäre.)
Ich bat sie, ihre Augen zu schließen (– diesen Teil der Übung wusste ich immerhin schon) und wedelte irgendwie mit meinen Armen, um ihre Aura zu reinigen, … so dachte ich jedenfalls.
Ich trat einen Schritt zurück und wartete auf ein dankbares Seufzen. Sie bewegte sich nicht. Eine Minute. Zehn Minuten. Nichts. Funktioniert Heilung so? Ohne Ausbildung hatte ich keinen Lehrer, den ich hätte anrufen können. Ich hatte doch nur mit meinen Händen um sie herumgefuchtelt.
In mir stieg Panik hoch. Sie schien in einer Art Koma zu sein. Vielleicht in einer Trance. Rühr‘ sie nicht an!, sagte mir meine innere Stimme.
Sollte ich einen Krankenwagen rufen? Und wenn er kam? Was sollte ich den Sanitätern sagen? „Diese Dame, die ich nicht kenne, kam herein, setzte sich hin und bekam diesen Anfall …“?
Wenn die medizinische Wissenschaft sagt, es sei unmöglich, jemand auf diese Weise zu beeinflussen, kann ich dann für diese Tragödie verantwortlich gemacht werden?
Viel zu lange verharrte sie in diesem Zustand, doch plötzlich zuckte sie zusammen und riss ihre Augen auf, wie nach einem elektrischen Schlag. „Vielen, viiieeelen Dank!“, sagte sie. „Ich fühle mich sooo wohl!“
Ich mich nicht. Ich lotste sie rasch zur Tür, bevor noch mehr geschehen konnte. Wenn sie das noch einmal macht, dann aber bitte nicht in meiner Nähe!
Reichlich erschüttert (bei diesem Termin hatte ich nicht das Gefühl, ich hätte Geld verlangen sollen!), beschloss ich augenblicklich, dass meine Laufbahn als Heiler sich meiner Karriere als Filmdirektor genauso wie die Schilddrüse dieser Dame anschließen sollte: operativ entfernt – ohne jeden Widerspruch!
In der darauffolgenden Woche versteckte ich mich die meiste Zeit wie ein Verbrecher, aus Angst, der Sheriff käme mit einem Suchtrupp, würde sich gewaltsam Zutritt verschaffen und mich am nächsten Baum aufknüpfen.
Dann klingelte das Telefon. Sie rief an. Wieder geriet ich in Panik.
Wie freundlich sie klang: „Der Chirurg untersuchte mich vor der Operation noch ein letztes Mal“, sprudelte es aus ihr heraus. „Seiner Meinung nach muss es sich um eine Fehldiagnose gehandelt haben, meine Schilddrüse arbeitet sogar besser als normal für eine zweiunddreißigjährige Frau.“
Zurück ans Reißbrett, wie wir damals sagten. Ein neuer Anfang!
Mir entfuhr ein tiefer Seufzer der Erleichterung und Dankbarkeit, nicht nur ihr gegenüber für ihre Eingebung, ausgerechnet mich blutigen Anfänger auszusuchen, sondern meine Erleichterung und Dankbarkeit reichten weit hinaus in den Raum und in das Universum jenseits menschlicher Erkenntnis.
Was können wir aus dieser Geschichte lernen?
Es steht außer Frage: Falls das Prinzip je gewirkt hat, muss es im Rahmen eines unveränderlichen Naturgesetzes wirken. So sicher, wie sich die Schwerkraft nicht nach Lust und Laune des Schülers an- oder abschalten lässt. Oder nach der Fähigkeit des Anwenders.
In meinem Fall: Ich hatte keine richtige Ausbildung – nur den Wunsch, einem Menschen in Schwierigkeiten zu helfen.
In einem Zustand, in dem ich nicht wusste, was ich tat, war etwas Einschneidendes geschehen.
Ganz beiläufig hatte ich eine Wendung benutzt, die mir später sehr wichtig wurde, wann immer ich um Hilfe gebeten wurde: „Lassen Sie uns mal sehen, was wir tun können.“
Die Betonung liegt auf dem „Wir“. Das schiebt völlig zu Recht das Ego des „Heilers“ beiseite und fordert gleichzeitig den „Patienten“ auf, ein Stück Verantwortung für die Besserung des Zustands mit zu übernehmen. Das Wichtigste aber ist, dass diese Formulierung die momentane Erfahrung fühlbar macht und geschickt aufräumt mit der Erwartung eines einmaligen Wunders durch einen Wunderheiler.
Nachdem ich mich von dieser qualvollen Woche erholt hatte, willigte ich zaghaft ein, wenn andere kamen, um ihre eigene „Schilddrüsengeschichte“ zu erleben. Es ging nicht nur um körperliche Beschwerden, sondern auch um emotionale Verstimmungen, um Beziehungsgeschichten und Probleme wie Asthma oder Zusammenbrüche.
Nach und nach bekam ich immer mehr zu tun und war nicht länger auf die unwissentliche Hilfe der Regierung angewiesen.
Schon bald wurde ich „aus heiterem Himmel“, wie man so sagt, von Leuten eingeladen, die in Sydney eine Gruppe zur Information und Unterstützung für Krebskranke gründeten.
Das war ein riesiger Sprung für mich. Ich hatte nie einen Krebskranken gesehen. Wie sehen die aus?
Können sie sprechen, gehen, essen, überhaupt irgendetwas?
Mir war noch nicht klar, dass wahres Heilen die Krankheiten nicht unterteilt in „die schwierigen“ und die „leichten“. Behalten Sie das im Hinterkopf. Krebs wird als eine schlimme Krankheit dargestellt weil die Medizin solche Schwierigkeiten damit hat.
Sind Sie bereit für eine weitere Synchronizität oder Fügung, die ich erlebte?
Als ich die Gruppe das allererste Mal in Hunter’s Hill traf, stand ich am Empfang hinter einem Mann, dem die Krebsklinik in Bristol, England, eine Heilersitzung pro Woche gegen seinen inoperablen Gehirntumor verordnet hatte. Die Selbsthilfegruppe kenne keinen Heiler, erklärte die Dame an der Rezeption. Mit einem verlegenen Hüsteln trat ich näher und bot meine Hilfe an.
Bevor wir mit Davids erstaunlicher Geschichte fortfahren, möchte ich etwas abschweifen und erklären:
„Heilen“ ist eine ganz natürliche Erweiterung unseres Mitgefühls für andere.
Es gibt keinen Grund zu glauben, dass nur wenige Auserwählte heilen können. Mit diesem ganzen Buch möchte ich Ihnen zeigen, dass Sie selbst eine Menge tun können, um Ihr Leben sehr viel glücklicher zu gestalten, auch wenn Sie nicht Ihr ganzes Leben dem Heilen widmen wollen. – Verbinden Sie sich einfach mit dem natürlichsten aller Zustände: mit der Gesundheit.
Unser ganzes Leben lang sind wir irgendwie „Heiler“. So werden wir geboren. Unsere DNA besteht darauf!
Wir sollten alle unseren Tag beginnen mit der Wiederholung: „Khoroshooor … khoorooshooor …“
An Davids Geschichte wollen wir akzeptieren, dass sie nur ein Beispiel dafür ist, was immer und überall möglich ist.
Ich bin mir ziemlich sicher, David kam eher aus Verzweiflung zu mir als im Vertrauen auf meine beeindruckenden Fähigkeiten, er hatte nur noch wenige Möglichkeiten.
Seine Frau Barbara schien noch weniger beeindruckt: „Du fährst zweimal in der Woche 80 Kilometer, um diesen Menschen zu treffen! Du musst verrückt sein!“
Dennoch kam er ein drittes, ein viertes Mal. Beim fünften Besuch kam seine Frau mit. Ich vermutete, sie wollte mir die Hölle heißmachen.
Er saß ruhig da und schaute mürrisch drein. Dann blickte er mir fest in die Augen und sagte: „Clif, ich hatte vor zwei Tagen eine Computertomografie“, … dramatische Pause …, „und die Ärzte sagten: Da ist kein Tumor!“ Die beiden kugelten sich vor Lachen. Ich hatte Tränen in den Augen, so viel ist sicher.
David war kein junger Mann mehr und starb ein Jahr später an einer Lungenentzündung. Ich würde ja lieber sagen, er habe sie sich beim Skifahren zugezogen. Aber Sie wissen schon, dass es in Australien nicht so oft schneit.
Das war vor 24 Jahren; Barbara, die eine gute Freundin von mir wurde, heiratete wieder und wir sind seitdem in Kontakt, meist über E-Mails.
Meine Arbeit lief wirklich nicht immer glatt. Eine Zeit lang ritt ich auf der Welle des geistigen Heilens mit, das immer noch sehr populär ist. Diesen Weg fand ich damals ganz gut.
Geistiges Heilen ist zweifellos sehr wirkungsvoll, aber ich konnte all diese flüchtigen geistigen Helfer bei meiner Arbeit nicht spüren.
Um Tulip zu wissen war zwar sehr beruhigend, doch klaffte da immer noch eine Lücke zwischen dem vernünftigen Verstand und der Tatsache, dass ich solche überwältigenden Ereignisse erleben konnte.
Irgendwo in diesem Feld der Information entfaltete sich für mich ohne meine bewusste Zustimmung genau der Lernprozess, den ich brauchte und den ich verkraftete.
Nicht durch Zufall (ist das nicht eine nette, absolut treffende Wendung?) wurde ich dem Sozialarbeiter am St. George Hospital vorgestellt, der größten Krebsklinik von Sydney. Er organisierte Vorträge für mich und alle zwei Wochen traf ich die Selbsthilfegruppe im Krankenhaus, um zu helfen und ein paar Tränen zu trocknen.
Über diesen Kontakt wurde ich zu einem schwerkranken Mann gebeten, der das Haus nicht mehr verlassen konnte.
Ich hielt mich an die Methode, die sich als so erfolgreich bewährt hatte. Er sollte sich hinlegen, ich saß hinter seinem Kopf und ich schenkte ihm so viel Aufmerksamkeit, wie ich nur aufbringen konnte. Es tat sich nichts.
Mehr Energie geben!, sagte ich zu mir selbst. – Nichts passierte.
Plötzlich schoss mir ein fürchterlicher Gedanke durch den Kopf. Da ich oft ehrenamtlich arbeitete, hatte ich immer sehr wenig Geld. In meiner Eile, zu diesem Mann zu kommen, hatte ich in einer 20-Minuten-Zone geparkt. Das könnte 50 Dollar Bußgeld kosten …!
Können Sie sich diese Situation vorstellen? Ich kann mich nicht von der Stelle bewegen! Ich muss so lange bei diesem Mann bleiben, bis meiner Vorstellung von dem, was er braucht, Genüge getan ist.
Gehen oder bleiben? Gehen oder bleiben?
Da erschauerte er gleichsam unter meinen Händen. „Was war das, was ist da passiert?“, sagte, ja schrie er fast: „Das war so heiß, so heftig!“
Mir war fast danach, zurückzuschreien …: „Heureka! Ich hab‘s! Ich glaube, jetzt hab ich‘s.“ Blitzartig hatte ich verstanden, dass die lodernde Fackel einschlug, als ich meinen kleinen Verstand aus dem Weg geräumt und mich auf mein Problem konzentriert hatte!
Wenn Sie wirklich verstehen, was da geschehen war, können Sie das Buch an dieser Stelle zuklappen. Denn der ganze Rest des Buches handelt vom Weg des Loslassens, wie man dem unglaublichen Universum das Flugzeug überlässt.
Halt, einen Moment! Das mit dem Zuklappen habe ich so ernst nicht gemeint!
Wir sind miteinander zu einer bemerkenswerten Reise aufgebrochen. Bitte gehen Sie nicht während der Fahrt von Bord des Schiffs, springen Sie nicht aus unserem Flugzeug.
Stellen Sie sich vor, wie angstfrei unser Leben wäre, wenn wir es als Schiffsreise ansehen würden, etwa von London nach New York. Es gibt einen Kapitän und eine Besatzung, die diese Fahrt schon etliche Male gemacht haben und absolut kompetent sind, sodass wir uns keine Sorgen machen müssen.
Das Schiff fährt fahrplanmäßig von London nach New York – und wir können in der Zwischenzeit tanzen, an den Pokerautomaten spielen, Kinder zeugen, streiten, Affären haben und all die anderen Dinge tun, die in einem Menschenleben so möglich sind. Dann legt das Schiff in New York an.
Bevor Sie sich versehen, ist es Zeit, von Bord zu gehen (hoffentlich mit möglichst wenig angesammeltem Kram).
Bevor wir mit diesen tiefsinnigen und ernsten Gedanken über Bord fallen, kommt hier noch eine Lektion, die mir mein Leben in der Welt beschert hat. Sie handelt von einem Mönch in Burma.
11. Der burmesische Mönch
Es kam die Zeit, als ich mich von meiner Frau trennte – eine schmerzliche und verwirrende Übung im Loslassen. Wieder einmal musste ich zulassen, dass die Dinge in meinem Leben ihre eigene Gestalt annahmen.
Wieder allein, hatte ich den Raum, mich mit der alten Frage des freien Willens gründlich zu beschäftigen. An dieser Idee hängen gewöhnlich Menschen, die eine tiefe Angst davor haben, die Kontrolle zu verlieren – als ob wir sie je gehabt hätten. Vielleicht ist es das Gescheiteste, zu diesen akademischen Gedankenspielen zu sagen: Falls es einen freien Willen gibt, dann beschließe ich mithilfe meines freien Willens, ihn aufzugeben! Wie einfach ist es doch, die Freiheit vom Verstand zu entdecken!
Warum sind wir hier? Was ist der Sinn und Zweck meines Lebens? Von den christlichen Kirchen bekam ich immer noch keine Antworten, doch ich zögerte, mich in andere Philosophien zu stürzen – weil ich erwartete, mit meinen Fragen auf die gleiche Wand der Ablehnung zu stoßen. Als ob Fragenstellen gleichbedeutend wäre mit Ungläubigkeit.
Können Sie sich vorstellen, wie ich mich fühlte, als mich ein Freund in Sydney in einen buddhistischen Tempel mitnahm? Ich warf nur einen kurzen Blick auf die vielen goldenen Buddhas. Heidnische Idole!, dachte ich abschätzig und machte mich so schnell aus dem Staub wie Lance Armstrong bei der Tour de France.
Mein Problem war nur, dass ich mir gern die Finger verbrannte. Je häufiger ich zu hören bekomme, ich befinde mich auf dem Holzweg, desto hartnäckiger beharre ich auf meinem Standpunkt und halte aus Freude am Risiko daran fest.
Ich begann, mich in „verbotene“ Tempel und zu buddhistischen Vorträgen zu schleichen. Ja, ich las sogar Bücher wie As the Buddha said.
Es folgten zehntägige Schweige-Exerzitien weit draußen im australischen Busch, im zauberhaften Waldkloster Thai Wat.
Falls Sie sich einmal zu Tode erschrecken wollen, dann setzen Sie sich eine Nacht lang in den australischen Busch.
Da weinen sogar erwachsene Männer!
Im Gegensatz zum tropischen Regenwald oder der afrikanischen Savanne schläft der Busch tagsüber ganz ruhig; doch sobald der Abend kommt und die Nacht hereinbricht, sind unerklärliche Geräusche zu hören, die dem ungeübten Ohr unheimlich vorkommen.
Was da geschieht: Wenn die Temperaturen sinken, brechen riesige Rindenstücke von den Eukalyptusbäumen ab, fallen krachend durch die trockenen Äste zu Boden und erschüttern die nächtliche Stille.
Dann brauchen Sie unbedingt die buddhistische Technik zum Überwinden der Illusion von Angst: Sie sitzen still und stellen sich den Atem des Tigers vor, der knirschend Ihren Schädel zermalmt. Wer mit Tigern weniger Erfahrung hat, kann die gleiche Wirkung vielleicht beim Gedanken an den Zahnarztbohrer erzeugen.
Es wird noch etwas realistischer, wenn Sie mitten in einem dunklen Wald voller Giftschlangen, marodierender Beutelmäuse, wilder Dingos und sexuell hyperaktiver Kängurus sitzen.
Wer solche Tage in geistiger Gesundheit überlebt, ist bestens vorbereitet, gegenüber wütenden Arbeitgebern, Steuerprüfern und Bürokraten Ruhe und Gelassenheit zu bewahren und, falls erforderlich, auch angesichts von Schlangen, Krokodilen und Schwarzen Witwen (Spinnen).
Mir bot sich die Gelegenheit, nach Burma zu reisen. Damals gab es nur ein Sieben-Tage-Visum, deshalb reiste ich als Tourist; ich unternahm einen kurzen Abstecher nach Mandalay, eine Fahrt im Pferdefuhrwerk um die Tempel in Bagan und absolvierte den Pflichtbesuch der Schwegedon-Pagode (– das können Sie nachschauen!).
Über meine Erfahrungen in Burma könnte ich schon nach dem Kurzbesuch ein dickes Buch schreiben: Wunderbare Menschen, eine unglaubliche Geschichte, riesige Statuen, schreckliche Eisenbahnen …!
Gegen Ende meines Aufenthalts schlenderte ich durch die überfüllten Straßen von Rangun. Die meisten Europäer sind nun einmal größer als die Asiaten. Damit möchte ich sagen, dass ich bei meinen Spaziergängen durch die Straßen, in denen die Menschen herumwuselten, auf ein Meer wippender schwarzer Köpfe schaute.
Das tägliche Menschengewühl gleicht einer Horde, die nach dem Endspiel der Saison das Fußballstadion verlässt. Sie achten dann stärker auf Ihre Füße als auf Ihre Umgebung.
Als ich eines Tages so vor mich hinschlenderte, spürte ich plötzlich, wie sich mein Kopf zur Seite drehte. Es war ein seltsames Gefühl, ganz anders als alles, was ich je gespürt hatte: als würden sich meine Nackenmuskeln auf der rechten Seite zusammenziehen.
Ich widersetzte mich dieser Bewegung.
Nach drei oder vier Schritten war das Gefühl wieder da.
Ich würde ihm nicht nachgeben!
Dieses Mal war es drängender, eindringlicher.
Ich gab dem Druck schließlich nach.
Meine Augen suchten die Ursache dieses Rätsels auf der anderen Seite der ungepflegten Straße und trafen auf das Gesicht eines dünnen, bärtigen Mannes, der mich anstarrte.
Abgesehen von diesem dünnen Bärtchen (Burmesen haben keine Bärte) sah er ganz normal aus. Und da sein konventioneller Sarong (Kleidungsstück) etwas länger und schlichter war als üblich, hielt ich ihn für einen Mönch.
Als unsere Blicke einander begegneten, dröhnte es in meinem Kopf, als würde ein Jumbojet abheben.
Die Wirkung war dramatisch. Ich schwankte ein bisschen und blickte nach unten, damit ich niemanden trat. Im nächsten Moment schaute ich noch einmal hin und der Mönch war verschwunden.
Das Merkwürdigste daran war, alles fühlte sich so unglaublich normal an. Innerlich empfand ich eine leichte Wärme. Kein Klingeln in den Ohren, keine plötzliche Offenbarung, nur beim Gehen ein leichtes Straucheln.
Viel später wurde mir bewusst, dass dieser Mönch sein gesamtes Wissen in mein Bewusstsein „heruntergeladen“ haben musste. Von diesem Zeitpunkt an konnte ich alle möglichen philosophischen Fragen, die man mir stellte, ohne Zögern beantworten. Selbst Fragen zu Themen, über die ich nichts gelesen und mit denen ich mich nicht beschäftigt hatte.
Das ging von ihm aus, ich habe ihn nicht gesucht; verstehen Sie? Ich schlage Ihnen nicht vor, morgen nach Burma zu fliegen. Wahrscheinlich ist er nicht mehr da – falls er überhaupt je da war.
Man könnte also sagen, meinen größten Lehrer gab es nie!
Das Wort, nach dem wir hier suchen, heißt Übertragung.
Es ist eine nonverbale Kommunikation, die nicht nur erfahrene Lehrer, sondern wir alle in ihren einfachsten Formen praktizieren. So habe ich gelernt, meine Schüler zu unterrichten.
Es ist wie ein Aha-Erlebnis – Sie lauschen der komplizierten Erklärung eines Lehrers oder eines Freundes und schlagartig verstehen Sie: Aha!
Drücken wir es so aus: Wir Menschen erzeugen durch unser Denken so etwas wie „Radio“-Wellen und werden von allen Seiten damit bombardiert. Um die Antenne für den Empfang auszurichten, genügen etwas Übung, Aufgeschlossenheit und ganz viel gelassener Humor. Lachen beseitigt das Rauschen, das ein skeptischer Verstand hervorruft, und dann ist der Empfang besser als der von BBC bei schönem Wetter.
Falls Ihnen die Übertragung noch etwas unklar ist, dann fangen Sie erst einmal mit dem an, was ich „ansteckende Nähe“ nenne: Unsere emotionale Befindlichkeit überträgt sich nonverbal auf alle Menschen in unserer Nähe.
Das haben wir zweifellos alle schon erlebt: Gähnt jemand in der Nähe, dann schließen wir uns an, ob wir müde sind oder nicht.
Professionelle Komiker wissen das genau. Um das Publikum zum Lachen zu bringen, konzentrieren sie sich zuerst auf eine Person unter den Zuschauern. Den ersten Witz erzählen sie dieser Person direkt, die aus höflicher Verlegenheit lacht, ob sie den Witz kapiert oder nicht. Der Rest von uns stimmt ein.
→ Probieren Sie Folgendes: Wenn Ihre Partnerin oder Ihr Partner oder ein Arbeitskollege das nächste Mal wütend, durcheinander oder streitlustig ist, halten Sie inne und beobachten Sie, wie sich das auf Ihre eigene Stimmung auswirkt. Ist das nicht interessant?
Wenn ich gelassen bin, werden Sie auch gelassen. Wenn ich durcheinander bin, fühlen Sie sich auch so.
Der burmesische Mönch nutzte das gleiche Prinzip, zugegebenermaßen dem schläfrig Gähnenden weit überlegen! Sie können es im Alltag anwenden. Genau dieses Grundprinzip nutzen wir, wenn wir anderen als „Heiler“ helfen.
Sofern wir uns nicht gedankenlos von der Umgebung und den negativen Emotionen unserer Mitmenschen beeinflussen lassen, können wir anderen Hilfe übertragen, ohne dass auch nur ein Wort über unsere Lippen kommt. Glauben Sie es mir nicht und lehnen Sie es nicht ab, bevor Sie es selbst ausprobiert haben. Nur höfliche E-Mails werden beantwortet!
Wie für alle lohnenden Fertigkeiten bedarf es einiger Übung, bis Sie damit vertraut sind und es berufsmäßig anwenden können. So ist es auch hier. Anfangen können Sie jetzt auf der Stelle.
Das Rätsel lautet: Woher wusste der Mönch, dass ich bereit war, anzunehmen, was er in diesem Moment anbot? Wie kam es, dass ich genau im richtigen Augenblick genau dort war?
Im Zen heißt es, wenn der Schüler bereit ist, erscheint der Meister. Allerdings haben mir die Zen-Leute nie gesagt, dass der Lehrer sich auch manchmal körperlich vor meinen Augen in Luft auflösen kann!
Habe ich Sie eigentlich gewarnt, dass wir in diesem Buch miteinander manchem seltsamen Zauber begegnen werden?
Ach, und noch etwas, ich bin mir nicht sicher, ob ich das schon gesagt und genügend betont habe:
• Wenn irgendetwas jemals irgendwo im Universum passiert ist, dann muss das ein unveränderliches Naturgesetz sein. Und habe ich auch das gesagt? Manches bleibt gleich, egal, ob Sie im Dschungel am Amazonas sitzen oder in einem Raumschiff zum Mars gleiten, zum Beispiel: Zwei und zwei ist vier.
• Das zweite Gesetz lautet: Wenn irgendjemand etwas vollbringen kann, dann kann es jeder tun. Wir können das für Freunde anwenden, für Familienmitglieder, Haustiere und die geplagte Ozonschicht.
Für Ungläubige, die darauf bestehen, mit beiden Füßen auf dem Boden der Tatsachen stehen zu bleiben, gibt es nur Langeweile, kaltes Wetter und eine Gehirnlähmung.
Für alle, die wissen, dass die Sonne über den Wolken immer scheint, gibt es keine trüben Tage mehr.
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