Read the book: «Welpen»

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© 2007 animal learn Verlag

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung, Verbreitung und Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werks darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

ISBN 9783936188264

Lektorat: Petra Schmidt, Johannes Dürr

Fotos Umschlag vorne: Annette Gevatter, Dagmar Spörl,

Susanne Artmann, Andreas Wille;

Schmutztitel: Olaf Schröder;

Umschlag hinten: Burkhard Pretzer

alle anderen: siehe Bildnachweis

Satz & Layout: Annette Gevatter, Riegel a. K.

animal learn Verlag

Am Anger 36, 83233 Bernau

Email: animal.learn@t-online.de

www.animal-learn.de

eBook-Herstellung und Auslieferung:

readbox publishing, Dortmund

www.readbox.net

Inhalt

Vorwort

Einleitung

Die sozialen Entwicklungsphasen des Welpen

Woher soll der Welpe kommen?

Ein guter Züchter

Ein Welpe aus dem Tierschutz

Die erste Ausstattung für Ihren Hund

Wann sollte der Welpe in sein neues Zuhause umziehen?

Das Erlernen der Beißhemmung

Die Fremdelphasen

Früh und Spätentwickler

Der Tag der Abholung

Was Sie schon vor der Abholung tun sollten

Was Sie bei der Abholung beachten sollten

Die Rückreise und Ankunft im neuen Zuhause

Stubenreinheit

Die folgenden Tage und Wochen

Ruhe- und Aktivitätsphasen

Wie oft und wie lange spazieren gehen?

Wann, wie oft und wie viel füttern?

Ihr Welpe muss Erfahrungen sammeln

Kinder und Welpen

Die Regeln des täglichen Zusammenseins – Grundlagen der Erziehung und des Lernens

Das Lernverhalten von Hunden

Die Eckpfeiler einer erfolgreichen Erziehung: Vertrauen, Erklärung und positive Verstärker

Das einfache Herankommen ohne Vorsitzen über „schau mal her“

Die Richtungsanzeige über „weiter“

Erste Übungen zur Leinenführigkeit

Gewöhnung an das Alleinsein

Training zur Futterabgabe oder Training zur Futteraggression?!

Die Auswahl einer Hundeschule/ eines Trainers

Wie erkennt man einen guten Hundetrainer?

Welpenspielgruppen

Worauf Sie bei der Auswahl einer Welpenspielgruppe achten sollten

Medizinisches Basiswissen rund um den Welpen

Die Schmerzäußerungen beim Hund

Die Normwerte

Besonders schmerzempfindliche Körperregionen

Krankheiten erkennen

Der Zahnwechsel

Parasiten

Impfungen

Vorbereitung auf den Tierarztbesuch

Gedanken zum Schluss

Dank

Anhang

Stich- und Sachwortverzeichnis

Bildnachweis

Buchtipps


Vorwort


Der erste Welpe, ein Collie namens Arco, kam in mein Elternhaus, als ich fünf Jahre alt war. Mit kindlicher Neugier staunte ich über dieses kleine Wesen, das noch jünger war als ich selbst, was ich damals besonders erwähnenswert gegenüber Nachbarn und Freunden fand, denn bisher war ich die jüngste, die kleinste in der Familie und nun gab es jemanden, der mich als „Nesthäkchen“ ablöste. Ich fühlte mich schon fast erwachsen, wollte bei der Pflege und Aufzucht des Hundebabys helfen – und machte natürlich ganz viele Fehler. Dank der Anleitung meiner Eltern aber keine sehr gravierenden, weshalb aus Arco durch ihre Erziehung und trotz meiner Einmischung letztendlich ein gut sozialisierter, stattlicher Rüde wurde, der durch nichts und niemanden aus der Ruhe zu bringen war.

Die Erziehung bestand darin, dass Arco gelobt wurde, wenn er etwas richtig machte, ein Leckerchen bekam, wenn er ein Kommando befolgte und gesagt bekam, dass bestimmte Verhaltensweisen inakzeptabel seien, zum Beispiel, wenn er die Tapete anfraß, das Blumenbeet umpflügte oder sonstige Dinge tat, die ein Welpe eben so tut, während er heranwächst.


Wir Kinder, es gab außer mir noch einen damals siebenjährigen Bruder, wurden angeleitet, den Hund immer fair und freundlich zu behandeln. Der Leitspruch unserer Eltern war: Behandle den Hund (später die Hunde, denn es kamen noch einige hinzu) immer so, wie Du selbst behandelt werden möchtest. Ich erinnere mich noch genau, wie ich mich eines Tages lauthals plärrend bei meinem Vater darüber beklagte, dass Arco mich gezwickt hatte, worauf dieser nur in aller Ruhe antwortete, da werde der aber sicher einen Grund dafür gehabt haben. Natürlich bestritt ich dies energisch, aber auf bohrende Nachfragen meines Vaters gab ich dann doch zu, dass ich Arco frisiert und dabei vielleicht im Fell geziept hatte, als ich ihm die Zopfspangen meiner Puppe einflechten wollte. Mein Vater erklärte mir, dass der Hund sich in diesem Moment etwa so gefühlt hatte wie ich, wenn meine Mutter mir morgens die langen Haare bürstete und mir dabei – wenn auch nicht absichtlich – weh tat. Das leuchtete mir ein und so erklärte ich meiner Mutter am nächsten Tag, dass ich „Abschnappen“ würde, falls sie mir beim Kämmen weh täte. Das sei ein ganz normales Verhalten bei Hunden und da wir Kinder ja davon ausgehen sollten, dass sich Kinder und Hunde sehr ähnlich seien und etwa gleich empfinden und reagieren würden, müsse sie ab jetzt vorsichtig sein, wenn sie nicht meine Zähne in ihrer Hand spüren wolle. Kindliche Logik. Nach längerer Debatte entschieden wir uns für eine Kurzhaarfrisur für mich und so wurden meine Haare kurz nach Arcos Ankunft in unserem Haushalt abgeschnitten. „Ja, so was kommt von so was.“, sagte meine Großmutter immer oder „Ein Hund verändert Dein Leben.“

Aus heutiger Sicht hat Arco in seiner Welpen- und Junghundezeit die Höhen und Tiefen kennen gelernt, die ein ganz normaler Haushund mit einer Familie durchlebt, die sich durchschnittlich begabt bei der Haltung ihres ersten Hundes anstellt. Eine Hundeschule, Welpenspielgruppe oder Ähnliches besuchte er Zeit seines Lebens nie und manchmal frage ich mich, ob er vielleicht gerade deshalb ein so unkomplizierter und freundlicher Hund wurde?! Aber mehr dazu im Kapitel über Hundeschulen und Welpenspielgruppen weiter hinten im Buch…

Arco ist längst verstorben, andere Hunde lebten mit uns, inzwischen gründete ich eine eigene Familie, die ebenfalls aus Menschen und Hunden besteht und aus meiner kindlichen Begeisterung für diese wunderbaren Tiere wurde zuerst ein Hobby und dann mein Beruf. Seit mehr als 15 Jahren arbeite ich nun als Trainerin und habe viele Welpen in meiner Hundeschule betreut, sie mit aufwachsen sehen und in einigen Fällen erlebt, wie sie nach der Blütezeit ihres Lebens langsam alt wurden und schließlich starben. Doch nicht allen Welpen war es vergönnt, in ihren Familien glücklich zu werden und viele Male habe ich bei der Vermittlung in ein neues Zuhause geholfen, weil die „frisch gebackenen Hundeeltern“ vollkommen überfordert mit der Pflege, Aufzucht und Erziehung eines jungen Hundes waren.


Das Buch, das Sie nun in Händen halten, enthält viele der gemachten Erfahrungen und soll eine Anleitung für alle sein, die sich entweder überlegen, einen Welpen ins Haus zu holen oder dies bereits getan haben. Es ist so aufgebaut wie eine Beratung in meiner Hundeschule. Stellen Sie sich vor, Sie säßen jetzt vor mir im Besprechungszimmer, vor Ihnen auf dem großen Buchentisch stünde eine Tasse heißer Tee und ich würde Ihnen alles erzählen, was ich im Zusammenhang mit der Aufzucht, Anschaffung, Pflege und Erziehung eines Welpen als Basiswissen an Sie weiter geben möchte.

Wenn Sie dieses Buch gelesen haben, werden Sie hoffentlich viele gute Ideen, Anregungen und Tipps gefunden haben. Gesagt ist dann aber längst noch nicht alles. Lassen Sie Ihren Welpen zu Wort kommen, denn er weiß noch einiges mehr zu berichten…

Einleitung

Einen Welpen groß zu ziehen ist eine wundervolle und zugleich gewaltige Aufgabe – und genau das gilt es zu bedenken. In der Regel denken Menschen aber über die Anschaffung eines Welpen nach, während sich in ihren Gedanken niedliche Bilder von kleinen, putzigen Hundekindern auftun, die sie unschuldig, verträumt oder auch mal etwas schelmisch anschauen. Mit diesen Bildern im Kopf suchen sie sich einen Welpen aus, nehmen ihn mit nach Hause – und erfahren, dass die Ernüchterung auf dem Fuße folgt.

Denn selbstverständlich ist es so, dass ein Welpe uns anrührt, wir ihn niedlich finden und am liebsten hegen und pflegen möchten, denn durch das von Konrad Lorenz beschriebene Kindchenschema im Aussehen werden unsere elterlichen Instinkte wach gerufen. Aber zu einer guten Aufzucht und Erziehung eines Hundekindes gehört viel mehr, als ihn niedlich zu finden, ihm Futter und Wasser bereit zu stellen und ab und zu mit ihm raus zu gehen. Da viele Hundehalter dies aber erst bemerken, wenn der kleine Kerl bereits seit einiger Zeit bei ihnen lebt, kommt es dann leider allzu häufig zu einer Rückgabe des jungen Hundes, weil sie sich schlichtweg überfordert fühlen.

Damit Ihnen das nicht passiert, möchte ich Ihnen raten, die Anschaffung eines Welpen noch einmal zu überdenken, auch wenn Sie dieser Rat als Einleitung zu einem Buch über Welpen vielleicht überraschen mag. Denn es gibt viele gute Gründe, sich für einen ganz jungen Hund zu entscheiden – aber auch einige dagegen. Betrachten wir letztere genauer.

Ich würde Ihnen zum Beispiel von der Anschaffung eines Welpen abraten, wenn ein oder mehrere Kinder unter fünf Jahren in Ihrem Haushalt leben. Die Erfahrung zeigt, dass die sorgfältige Erziehung eines oder mehrerer kleiner Kinder sehr viel Zeit, Mühe, Arbeit und Geduld erfordert. Als liebevolle Mutter oder Vater werden Sie all das sicher gern investieren, aber die Frage ist, ob dann noch ausreichend viel Energie, Zeit und Geduld dafür übrig bleibt, ein weiteres Baby, das noch dazu einer anderen Art angehört und daher ganz andere Bedürfnisse hat, aufzuziehen. Zusätzlich handelt es sich um ein Baby, das sich rasend viel schneller entwickelt als der eigene Nachwuchs – was den Vorteil hat, dass der Hund schneller aus den sehr pflegeintensiven Phasen herauswächst, aber auch den Nachteil, dass diese Phasen in ihrer Kürze sehr viele richtig gesetzte Lernreize beinhalten müssen, damit der Welpe sich dann auch zu dem ausgeglichenen, gut sozialisierten, erwachsenen Hund entwickelt, den Sie sich wünschen.


Es gibt viele unterschiedliche Überlegungen diverser Autoren und Kynologen dazu, was in diesen Entwicklungsphasen passiert und wann genau sie stattfinden. In Anlehnung an die Einteilung von Feltmann-v. Schröder hier eine kurze Beschreibung, die Ihnen einen Überblick darüber verschafft, wie schnell ein Hund heranwächst und wie viel er dabei über seine belebte und unbelebte Umwelt lernen muss, damit er sich später problemlos darin zurecht findet.


Die sozialen Entwicklungsphasen des Welpen
Das vegetative Stadium
(1. + 2. Lebenswoche)

Welpen sind Nesthocker, die taub und blind geboren werden. Sie sind noch völlig hilflos, weshalb die Aktivitäten der Mutterhündin beinahe ausschließlich der Betreuung der Welpen dienen. Der Tastsinn, Temperatursinn, Geschmackssinn, das Schmerzempfinden und der Gleichgewichtssinn wurden schon vor der Geburt und die Geruchswahrnehmung über das Mund-Riechorgan unmittelbar nach der Geburt entwickelt, während die Geruchswahrnehmung über die Nase erst später ausgeprägt wird.


Das Stadium des Erwachens
(3. Lebenswoche)

Im Alter von ca. 10 bis 14 Tagen öffnen die Welpen die Augen und der Gesichtssinn wird aktiviert. Der Gehörsinn wird kurz darauf, etwa im Alter von 17 Tagen, ausgebildet. Beides ermöglicht, dass Umwelteindrücke differenzierter wahrgenommen werden können. Die Mutterhündin betreut ihre Welpen sorgfältig, aber sie hält sich nicht mehr ausschließlich bei ihnen auf.


Das Stadium der Eroberung der Umwelt
(4. bis etwa 20. Lebenswoche)

In dieser Zeit werden die motorischen Fähigkeiten verstärkt trainiert, die Umwelt erobert und die psychischen Reaktionen darauf erlernt. Das Sozialverhalten dem Artgenossen und dem Menschen gegenüber entwickelt sich. Es wird geübt und ausprobiert, welches Verhalten welche Reaktionen nach sich zieht. Die intensive Betreuung durch die Mutterhündin nimmt mit dem Selbständigwerden der Welpen ab. In dieser Zeit werden die Welpen den übrigen Rudelmitgliedern vorgestellt (sofern vorhanden) und diese dürfen selbständig Kontakt mit ihnen aufnehmen. Die ersten spielerischen Elemente von späteren Disziplinierungsmaßnahmen, wie zum Beispiel der Schnauzengriff, werden schon ab der vierten Woche ausprobiert. Ab der sechsten Woche muss der Welpe lernen, die Individualdistanz zu beachten.


Das Stadium des Umgangs mit der Umwelt
(etwa 21. Lebenswoche bis zur Geschlechtsreife)

Der junge Hund wird zunehmend selbstbewusster und unabhängiger. In den Spielinhalten findet sich verstärkt das Beute- und Jagdverhalten wieder und im Sozialverhalten gegenüber Artgenossen entscheidet in erster Linie die psychische Sicherheit darüber, wie Begegnungen verlaufen.

Das Ausbilden der Geschlechtsreife ist von hormonellen Schwankungen begleitet, die das Verhalten des Hundes beeinflussen. Er unterliegt Stimmungsschwankungen, ist unkonzentrierter und fahriger, manchmal auch betont alberner oder melancholischer als bisher. Bei der Erziehung ist die Geduld und das Einfühlungsvermögen des Halters jetzt besonders gefragt. Es gilt, dem jungen Hund das ein oder andere Verhalten verständnisvoll nachzusehen, während gleichzeitig aber auch klare Grenzsetzungen erfolgen müssen, wenn er allzu sehr über die Strenge schlägt. Diese Grenzsetzungen dürfen niemals durch übertriebene Strenge erfolgen, da dies das Vertrauen des Hundes in seinen Halter untergraben kann. Gerade in dieser Zeit der Gefühls- und Stimmungsschwankungen ist eine ruhige, souveräne und faire Führung besonders wichtig, an der sich der Hund vertrauensvoll orientieren kann.

Zusätzlich muss der junge Hund vieles lernen, durchlebt den Zahnwechsel und einige typische „Kinderkrankheiten“ und muss an das Mitfahren im Auto, das Alleinbleiben und viele weitere Verhaltensweisen und Dinge gewöhnt werden. Damit er keine Trennungsangst entwickelt, sollte er anfangs gar nicht und später nur kurz allein gelassen werden und zusätzlich muss er behutsam an Erfahrungen wie zum Beispiel den Tierarztbesuch herangeführt werden.

Deshalb empfehle ich Familien mit kleinen Kindern, aber auch Menschen, die beruflich sehr angespannt, chronisch krank oder sonst übermäßig belastet sind, lieber über die Anschaffung eines erwachsenen Hundes nachzudenken, der bereits über eine ausgereifte Persönlichkeit verfügt und schon gelernt hat, „…wo’s im Leben lang geht“.

Wenn Sie jedoch nach reiflicher Überlegung und realistischer Einschätzung Ihrer Möglichkeiten überzeugt davon sind, ausreichend gerüstet für die Aufnahme eines Welpen zu sein, so müssen Sie als nächstes darüber nachdenken, welche Art von Hund bei Ihnen einziehen soll. Welcher passt zu Ihnen? Heinz Weidt und Dina Berlowitz schreiben hierzu:

Für eine tier- und gesellschaftsgerechte Hundehaltung muss die Passung zwischen Mensch und Hund stimmen. Sie wird im Wesentlichen durch zwei sich unterstützende Faktoren erreicht:

Die realistische Auswahl eines Hundes nach denjenigen Eigenschaften einer Rasse und differenzierter Zuchtrichtung (oder eines Mischlings, Anmerkung der Autorin), die zu den Lebensumständen des Halters tatsächlich passt.

Die an einen Hund gestellten Erwartungen erfordern als Gegenleistung aber auch die entsprechenden Beschäftigungsmöglichkeiten und die passende Haltungsumwelt.

Es geht also darum, sich als sportlich ambitionierter Mensch nicht ausgerechnet einen Basset anzuschaffen, der stundenlange Wanderungen nicht mitmachen kann, weil seine kurzen Stummelbeine das Gewicht seines mächtigen Körpers sowieso kaum tragen können oder sich nicht für einen Border Collie oder Malinois zu entscheiden, wenn man es sich eher gern zu Hause auf dem Sofa gemütlich macht und einen schon der Gedanke an ausgedehnte Spaziergänge und körperliche Betätigung erschöpft.

Dann gibt es noch grundsätzliche Überlegungen wie

Wer übernimmt innerhalb der Familie welche Aufgaben bei der Versorgung und Betreuung des Hundes?

Wer kann sich um den Hund kümmern, wenn man krank ist oder in den Urlaub fliegen möchte?

Falls es einen Vermieter gibt: Stimmt dieser der Hundehaltung zu? Lassen Sie sich sein Einverständnis unbedingt schriftlich geben!

Können und wollen Sie sich einen Hund leisten? Es fallen Kosten für die Anschaffung, das Futter, Impfung und Entwurmung, die erste Ausstattung an Näpfen, Leinen usw. an. Der Hund muss versichert werden und braucht bei Krankheit oder Verletzung medizinische Betreuung.

Sind alle Familienmitglieder mit der Anschaffung eines Hundes einverstanden? Es ist insbesondere für einen Welpen, aber auch für einen erwachsenen Hund keine schöne Erfahrung, mit jemandem zusammen leben zu müssen, der/ die ihn eigentlich ablehnt.

Machen Sie sich eine Checkliste, auf der Sie alle für Sie wichtigen Punkte notieren und klären Sie diese im Familienrat oder mit Freunden und Bekannten, falls Sie allein leben. Gehen Sie sicher, dass der Wunsch nach einem Welpen nicht nur einer spontanen Idee entspringt, sondern ein sorgfältig geplanter Schritt ist, auf den Sie und alle Familienmitglieder sich freuen. Erst dann stellt sich die Frage…

Woher soll der Welpe kommen?

Vielleicht ist Ihr erster Gedanke, sich einen Welpen bei einem Züchter zu kaufen. Den meisten Menschen geht es so, allerdings gibt es auch gute Gründe, die gegen diese Möglichkeit sprechen – zum Beispiel der Gedanke an den Tierschutz. Allein in deutschen Tierheimen sitzen etwa 300.000 Hunde, die ein neues Zuhause suchen, darunter auch viele Welpen und Junghunde. 300.000 verlorene Seelen, die darauf warten, von „ihrem“ Menschen gefunden zu werden.


Allein in deutschen Tierheimen sitzen etwa 300.000 Hunde, die ein neues Zuhause suchen…


… darunter auch viele Welpen und Junghunde.

Unbestritten gibt es Züchter, die ihre Aufgabe in der Hundezucht sehr ernst nehmen und eine gute und verantwortungsvolle Arbeit leisten. Sie sind bemüht, Erbkrankheiten zu vermeiden und den Hund während seiner ersten Lebenswochen so gut zu betreuen, dass er sich optimal entwickeln kann. Sie investieren sehr viel Zeit, Geld und Engagement und verkaufen die Hunde nur an Menschen, die sie eingehend beraten und überprüft haben. Ich möchte die Arbeit dieser Menschen in keiner Weise herabsetzen, aber trotzdem möge mir so mancher Züchter, der diese Zeilen liest, verzeihen, wenn ich frage, welche moralische Rechtfertigung wir eigentlich überhaupt haben, immer mehr Hunde zu produzieren, solange so viele bereits vorhandene in Tierheimzwingern sitzen und sehnsüchtig auf ein neues Zuhause warten?!

Denn auch falls Sie sich für einen Welpen einer ganz bestimmten Rasse wie zum Beispiel Collie, Dackel oder Pudel entschieden haben, werden Sie mit etwas Recherchearbeit und Geduld im Tierschutz fündig. Fragen Sie im örtlichen Tierheim nach und suchen Sie bei den vielen überregionalen und teilweise auch international tätigen Tierschutzorganisationen. Im Anhang dieses Buches finden Sie Adressen von Organisationen, mit denen ich schon erfolgreich zusammen gearbeitet habe, aber natürlich sind dies nur einige wenige und es gibt noch viele weitere. Die meisten Tierschutzvereine, die sich einer bestimmten Rasse verschrieben haben, haben Internetadressen wie zum Beispiel www.collie-in-not.de.

Auf den folgenden Seiten finden Sie Hinweise, worauf Sie bei der Auswahl des Züchters oder der Tierschutzorganisation achten sollten, von der Sie sich einen Welpen holen möchten.

Ein guter Züchter

Ein guter Züchter sollte nicht mehr als eine oder maximal zwei Rassen züchten und nicht mehr als zwei bis drei Zuchthündinnen haben. Von so genannten Massenzüchtern, die mit bunten Prospekten oder in Serie geschalteten Kleinanzeigen damit werben, viele Rassen jederzeit verfügbar vorrätig zu haben, sollten Sie unbedingt Abstand nehmen. Bei ihnen handelt es sich um reine Geschäftemacher, die Tiere – Mutterhündin wie Welpen – als Ware betrachten. Diese „Ware Hund“ bleibt oftmals im wahrsten und traurigsten Sinne des Wortes auf der Strecke. Die Tiere sind mangelhaft versorgt und sozialisiert, in der Regel gar nicht oder unzureichend geimpft, oftmals krank, schlecht (weil möglichst billig) ernährt und meistens sehr lieblos in Zwingeranlagen oder umfunktionierten Ställen gehalten.

Achten Sie deshalb darauf, dass ein für Sie in Frage kommender Züchter immer nur einen Wurf großzieht, denn eine verantwortungsvolle Aufzucht von sechs bis zehn Welpen (je nach Größe des Wurfes) verlangt enorm viel Zeit, Arbeitseinsatz und Engagement. Die Welpen müssen liebevoll umsorgt werden, um Vertrauen zum Sozialpartner Mensch aufbauen zu können. Sie müssen geimpft und entwurmt und regelmäßig in ihrer körperlichen und geistigen Entwicklung beobachtet werden. Diese Arbeit bei gleich mehreren Würfen gleichzeitig bewältigen zu wollen, ist unmöglich.


Diese Welpen eines guten Züchters erkunden mit ihrer Mutter die Umwelt.


Welpen von Hundevermehrern hingegen haben meist nichts außer ihrem Zwinger kennengelernt.

Außerdem sollten Sie darauf achten, dass die Tiere mit im Haus oder zumindest mit engem Familienanschluss leben, denn nur so kann es zu einer vertrauensvollen und vor allem ausreichenden Prägung auf den Menschen kommen, so dass diesem angstfrei begegnet werden kann. Ebenso sollte der junge Hund an einen ganz normalen Tagesablauf und die in einem Haushalt üblichen Geräusche wie Staubsauger, Fernseher, Telefonklingeln usw. gewöhnt sein – und das ist er nicht, wenn er draußen im Stall aufwächst, abgeschirmt vom Familienleben. Bedenken Sie das, wenn Ihnen ein Züchter mit blumigen Worten erzählt, wie schön die Hunde es draußen im Garten in „ihrem eigenen Reich“ haben!

Wenn Welpen und Mutterhündin einen zufriedenen und ausgeglichenen Eindruck machen, ist das ein gutes Zeichen.

Manche Züchter übertreiben ihre Bemühungen einer guten Sozialisation allerdings auch und setzen die Welpen zu früh zu vielen Reizen aus. Der Welpe kann so viele neue Lerninformationen auf einmal aber gar nicht verarbeiten und wirkt überfordert und gestresst. Machen die Welpen einen zufriedenen, ausgeglichenen Eindruck, ist dies ein gutes Zeichen.

Das Fell sollte nicht stumpf oder verklebt sein; dies lässt Rückschlüsse auf eventuelle Krankheiten und/ oder mangelnde Hygienemaßnahmen zu. Natürlich machen sich Welpen auch mal schmutzig, ebenso wie kleine Kinder, und das ist auch gut und richtig so. Wenn Sie aber einen jungen Hund vorfinden, der einen insgesamt schmuddeligen, verwahrlosten Eindruck macht und in dessen Umgebung Sie verdreckte Näpfe, gammeliges Wasser, viele Kotreste usw. vorfinden, sollten Sie gewarnt sein. Auch die Augen eines Hundes geben Auskunft über die Haltungsbedingungen. Sie sollten klar sein, denn verklebte, geschweige denn vereiterte Augen zeigen, dass der Hund krank ist. In der Regel sind die Verkäufer in solchen Aufzuchtstätten nicht sehr auskunftsfreudig und weichen auf gezielte Fragen nach den Elterntieren, nach bestimmten Eigenschaften der Welpen oder anderen Details aus oder beantworten sie mit allgemeinen Floskeln wie „Ja, aufgeweckt sind die alle.“ oder „Die werden schon noch zutraulich, wenn man sich mit ihnen befasst.“ usw.

Ich kann Ihnen nur dringend empfehlen, einen Welpen, der in solchen Haltungsbedingungen aufwächst, nicht zu kaufen, denn bei einem solchen Vermehrer (Züchter sollte man ihn gar nicht nennen) wird mit dem Elend der Hunde und dem Mitleid der Menschen, die diese Hunde in ihrem Elend sehen, verdient. In dem Moment, in dem Sie für den armen Wurm zahlen, geht die Rechnung des Händlers also auf – und es ist ihm vollkommen egal, was Sie von ihm denken oder ob Sie ihn mit strafenden Blicken ansehen. Außerdem werden für diesen von Ihnen bezahlten Welpen andere nachrücken, denen es genauso schlecht ergehen wird, da sich ja immer wieder Menschen finden, die sie aus Mitleid „freikaufen“.



Die Zuchthündinnen bei Massenzüchtern werden als Gebärmaschinen missbraucht und unter unwürdigen Bedingungen gehalten.

Ich kann das Gefühl des Mitleids und der Wut angesichts solcher Zustände gut verstehen und gerade deshalb rate ich Ihnen: Kaufen Sie wirklich nicht. Aber werden Sie aktiv! Verständigen Sie den zuständigen Amtstierarzt, den ansässigen Tierschutzverein und die Lokalpresse. Verbreiten Sie über Mund-zu-Mund-Propaganda und über das Internet, vor allem in den entsprechenden Rasseforen, was Sie gesehen haben und ergreifen so die Möglichkeit, solchen Geschäftemachern ihren Profit zu nehmen, denn dies ist die einzige, gleichzeitig aber wirksamste Methode, die Massenzucht auf Dauer abzuschaffen oder doch zumindest einzudämmen. Wenn keiner mehr kauft, wird nicht mehr für Nachschub gesorgt, denn die Nachfrage regelt das Geschäft.

Von einem guten Züchter dürfen Sie hingegen erwarten, dass sich die Tiere in einem einwandfreien physischen wie psychischen Zustand befinden und dass er sich wirklich Zeit für Ihre Fragen nimmt und Sie umfassend über die Eigenschaften der Rasse, der Elterntiere und der einzelnen Welpen informiert. Im Gegenzug sollten Sie aber auch Verständnis dafür haben, dass er Ihnen viele Fragen über Ihre Erwartungen an den Hund stellt und Ihre generelle Einstellung gegenüber Hunden prüft. So könnte er Sie zum Beispiel fragen, wie Sie wohnen, ob der Hund bei Ihnen vollen Familienanschluss haben wird, mit welchen Methoden Sie ihn erziehen möchten usw. Verstehen Sie dies bitte nicht als Misstrauen Ihnen gegenüber, sondern im Gegenteil als verantwortungsvollen Versuch, Sie und einen Welpen bestmöglich auf dem neuen, gemeinsamen Weg zu unterstützen.


Ein guter Züchter kümmert sich liebevoll um Muttertier und Welpen, sorgt frühzeitig für eine gute Sozialisierung und berät Interessenten gewissenhaft.

Manche Züchter geben sich wirklich sehr viel Mühe und stellen zum Beispiel eine Mappe mit allen wichtigen Informationen für Sie zusammen. Oftmals sind diese Mappen sehr liebevoll gestaltet und geben Ihnen Auskunft über

die Rasse

die Elterntiere

den von Ihnen ausgesuchten Welpen mit Fotos verschiedener Entwicklungsstadien

die bisher verwendete Fütterung inkl. der Fütterungszeiten

allgemeine Ratschläge zur Erziehung und zum Umgang mit dem Welpen

Literaturempfehlungen.

Außerdem enthalten sie

die Papiere (Zuchtbucheintragung, Impfausweis, Entwurmungskalender, Chipnummer bei entsprechender Registrierung usw.)

die Visitenkarte/ den Hausprospekt des Züchters, damit Sie bei eventuell aufkommenden Fragen seine Telefonnummer parat haben

den Kaufvertrag.

WICHTIG: Werden Sie ruhig ein wenig misstrauisch, wenn Ihnen ein Züchter seine Hunde allzu fabelhaft und „ganz ohne Nachteile“ anpreist. Es liegt zwar in der Natur der Sache, dass ein Mensch die Rasse züchtet, von der er begeistert ist und diese deshalb auch entsprechend anpreist, aber ein fairer Züchter sollte Ihnen auch sagen, wo sich eventuell Schwierigkeiten aufzeigen könnten. Hierzu zwei Beispiele, für die ich extra Rassen ausgewählt habe, für die ich mich ausdrücklich begeistere, damit nicht der Eindruck entsteht, ich hätte speziell gegen sie etwas einzuwenden.


Collies gelten als aufgeschlossene und fröhliche, aber auch sehr bellfreudige Hunde.

Wenn Sie sich für einen Collie entscheiden, haben Sie einen Hund gewählt, über den es viel Gutes zu sagen gibt: Er ist in der Regel leicht zu erziehen, verhält sich im Haus eher ruhig und unauffällig, macht draußen aber die meisten Freizeitaktivitäten begeistert mit. Bei normaler Sozialisation ist er ein ausgesprochen aufgeschlossener und fröhlicher Hund, der sich gut an das Leben mit Erwachsenen und Kindern und auch anderen Hausbewohnern wie Katzen, Kaninchen usw. anpasst. Insgesamt wundervolle Hunde, ich habe selbst zwei. Allerdings tragen auch viele Collies einen Gendefekt in sich, der sie sehr empfindlich auf eine Vielzahl von Medikamenten reagieren lässt, was bei tierärztlichen Behandlungen unbedingt berücksichtigt werden muss und diese Rasse ist sehr bellfreudig, insbesondere bei guter Laune. Letzteres kann einem selbst oder auch den Nachbarn schon mal auf die Nerven gehen.

Haben Sie sich für einen Hovawart entschieden, werden Sie einen stattlichen, selbstbewussten und wunderschönen Hund erhalten, der – wie der Name schon sagt – beachtliche Fähigkeiten darin entwickelt, das Haus/ den Hof zu bewachen. Ehe Sie es sich versehen, steht Ihr Besuch an der Wand und wird von Ihrem gerade dem Junghundalter entwachsenen Hovawart unmissverständlich aufgefordert, nicht weiter in das Territorium der Familie einzudringen, solange dem nicht ausdrücklich zugestimmt wurde. Mein Hovawart-Mischlingsrüde zum Beispiel erledigt diese Aufgabe mit einer solchen Souveränität und Eleganz, dass es mich immer wieder beeindruckt und ich sehr zufrieden feststelle, dass niemand unser Haus betritt, den ich da nicht haben möchte. Aber – man sollte mit den Fähigkeiten dieser Rasse umgehen und sie in gewünschte Bahnen lenken können. Für mich zählt der Hovawart zu den Rassen, die ich wirklich zu schätzen weiß, sehe ich einen, „schlägt mein Herz höher“ wie man so schön sagt und doch würde ich zum Beispiel einem Anfänger in Sachen Hundehaltung von dieser Rasse abraten.



Der Hovawart ist ein intelligenter, selbstbewusster Hund, dessen Führung Erfahrung und Fingerspitzengefühl erfordert.

Sie sehen also, den perfekten Hund gibt es nicht, es gibt vieles zu bedenken und deshalb ist es gut, sich umfassend zu informieren. Hierfür gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten:

Informieren Sie sich bei mehreren Züchtern und machen Sie sich Notizen darüber, welche Auskünfte Sie erhalten. Manchmal zeigt sich eine gute Übereinstimmung, manchmal klaffen die Lücken in den jeweiligen Beschreibungen aber auch erheblich – was einen zum Nachdenken anregen sollte.

Besuchen Sie Internetforen und fragen Sie dort nach Erfahrungen, die Menschen mit dieser Rasse gemacht haben. Geben Sie dort ruhig an, dass Sie die Anschaffung eines solchen Hundes erwägen und gern Ratschläge hätten, was Sie dabei beachten sollten. Es ist immer gut zu erfahren, was Menschen sagen, die tatsächlich mit diesen Hunden zusammen leben und kein Verkaufsinteresse haben.

Eventuell können Sie versuchen, persönlichen Kontakt zu Haltern dieser Rasse aufzunehmen, um die Tiere mal „live“ zu erleben. Es ist ein großer Unterschied, ob man zum Beispiel einen Bernhardiner knuddelig und schlabbernd im Fernsehen sieht oder ob er mit seiner ganzen Kraft und Größe vor einem steht und einem während seines freundlichen Kopfschüttelns die Schleimfäden um die Ohren und auf die Kleidung fliegen…

Sprechen Sie einen Tierarzt darauf an, ob die von Ihnen gewählte Rasse dafür bekannt ist, sehr anfällig für bestimmte Krankheiten zu sein.

Glauben Sie keinesfalls Pauschalisierungen wie „kinderlieb“, „idealer Familienhund“ usw. Ob ein Hund Kinder liebt, hängt davon ab, wie sich die Kinder ihm gegenüber verhalten und ob ein Hund der wird, der ideal in Ihre Familie passt, entscheidet Ihr Umgang mit ihm, seine Erziehung, seine Veranlagung und die Frage, ob „die Chemie“ zwischen Ihnen und ihm stimmt. Erinnern Sie sich an das Thema der richtigen Passung zwischen Hund und Halter, die in der Einleitung angesprochen wurde.


Ob sich ein Hund gut mit Kindern verträgt, hängt auch davon ab, wie die Kinder mit ihm umgehen.

Ein Welpe aus dem Tierschutz

Wenn Sie sich für einen Welpen aus dem Tierschutz entscheiden, gelten ähnliche Kriterien wie beim Kauf vom Züchter, allerdings mit dem Unterschied, dass Sie Verständnis dafür haben sollten, dass Mitarbeiter eines Tierheims keine Zeit dafür haben, liebevoll gestaltete Informationsmappen zu fertigen oder sich stundenlang mit Ihnen zu einem netten Plausch zusammen zu setzen.


Tierheimmitarbeiter beraten Sie gerne, ob der ausgewählte Hund zu Ihnen und Ihrer Familie passt.

Trotzdem gilt auch hier, dass ein Mitarbeiter des Tierheims Zeit für Ihre Fragen haben sollte und genau darüber informieren kann, woher der Welpe stammt, seit wann er im Tierheim ist usw. Der junge Hund sollte einen gesunden Eindruck machen oder Sie sollten ausdrücklich darauf hingewiesen werden, falls er krank ist. Selbstverständlich sollten Sie auch hier Verständnis dafür haben, dass Ihre Qualitäten als Hundehalter überprüft werden, was meist durch eine so genannte vorherige „Platzkontrolle“ geschieht, bei der ein Mitarbeiter des Tierheims bei Ihnen zu Hause vorbei kommt und alle wichtigen Haltungsfragen mit Ihnen bespricht.

Es sollte möglich sein, dass Sie den Welpen (auch mehrfach) besuchen und sich mit ihm beschäftigen dürfen. Sollten Sie sich schließlich für ihn entscheiden, wird ein Abgabevertrag ausgefüllt, der von beiden Parteien, also einem Mitarbeiter des Tierheims und Ihnen, unterschrieben wird. Manchmal erhalten Sie auch hier Merkblätter über den richtigen Umgang mit dem neuen Hausgenossen und allgemeine Hinweise zu Fütterung, Unterbringung usw.

Bevor Sie Ihren Welpen aber mit zu sich nach Hause nehmen, egal ob vom Züchter oder aus dem Tierheim, von einer privaten Pflegestelle oder vom Nachbarn, dessen Hündin Junge bekommen hat, sollten Sie einige Dinge besorgen. Was, erfahren Sie im nächsten Kapitel.

Die erste Ausstattung für Ihren Hund

Sie haben sich nun für einen Welpen entschieden und die Freude, ihn bald zu sich zu holen, ist groß. Damit sein Einzug auch wirklich gut vorbereitet ist, sollten Sie einige Dinge besorgen, die zu einer vernünftigen Ausstattung gehören.

Kaufen Sie ein Brustgeschirr für Ihren Hund, durch das der Druckpunkt auf den Brustkorb gelegt wird. So werden die empfindliche Halswirbelsäule, der Kehlkopf und die Schilddrüse geschont und zusätzlich können Sie Ihren Hund an dem auf dem Rücken befindlichen Steg sicher und bequem halten, wenn es die Situation erfordert. Anders Hallgren hat in seinem Buch „Rückenprobleme beim Hund“ eindrücklich darauf hingewiesen, wie schädlich das Führen über ein Halsband sein kann. Bei der Auswahl und dem Anpassen eines Geschirres empfiehlt er, auf folgende Punkte zu achten:

Das Material, aus dem das Geschirr gefertigt ist, sollte weich und anschmiegsam sein. Am besten auch waschbar, falls sich Ihr Hund einmal in etwas übel Riechendem wälzt.

Das Geschirr sollte an beiden Enden zu öffnen sein, damit es dem Hund bequem angelegt werden kann. Geschirre, in die man den Hund regelrecht hineinzwängen muss oder bei denen man die Pfoten anheben und durchziehen muss, sind nicht sehr empfehlenswert, da viele Hunde diese Prozedur als unangenehm empfinden.


Achten Sie bei der Auswahl des Brustgeschirres darauf, dass es bequem anzulegen ist.

Der Rückensteg sollte fest vernäht sein, damit die an ihm eingehängte Leine nicht hin und her schlabbert. Ebenfalls sollte er nicht zu kurz sein, da sich das gesamte Geschirr sonst beim Tragen nach vorne unter die Achselhöhlen zieht und dort unangenehm scheuert.

Zwischen den Bändern, die seitlich am Rumpf des Hundes laufen, und der Achselhöhle sollte bei mittelgroßen bis großen Hunden eine Handbreit Platz sein, bei kleinen (zum Beispiel Dackel und sehr kleinen (zum Beispiel Chihuahua) reicht die Breite von zwei bis drei Fingern aus.

Die Bänder, aus denen das Geschirr gefertigt ist, dürfen nicht zu schmal sein. Ist die Auflagefläche der Bänder nämlich nicht breit genug, können sie einschneiden.


Zwischen dem Brustgurt und der Achselhöhle des Hundes sollte ausreichend Abstand sein, damit der Gurt nicht einschneidet.

Gerade bei mittelgroßen und großen Hunden ist es wichtig, dass die Verschluss-Schnallen abgerundet und somit der Körperform angepasst sind, damit sie nicht gerade vom Körper abstehen.

Wenn Sie das Geschirr angelegt und verschlossen haben, achten Sie darauf, dass es nicht zu eng sitzt, weil es sonst auf die Wirbelsäule drückt. Wenn Sie mit Ihrer Hand zwischen das Geschirr und den Rücken des Hundes gleiten können, sitzt es richtig.

über Nacht und bei längeren Aufenthalten zu Hause sollten Sie das Geschirr abnehmen.

Berücksichtigt man all diese Punkte, so sind zum Beispiel die Geschirre der Firma Together® zu empfehlen, die Sie im Fachhandel oder bei www.together-zubehoer.de erhalten. Passend zu den Geschirren gibt es auch ausreichend lange Leinen.

Es liegt in der Natur der Sache, dass Ihr Hund mit zunehmenden Wachstum ein neues Geschirr braucht, denn die Modelle lassen sich zwar verstellen und wachsen somit eine Weile mit, aber irgendwann müssen Sie die nächste oder übernächste Größe kaufen. Ihr altes Geschirr ist damit aber nicht wertlos geworden. Die im Anhang aufgeführten Tierschutzvereine freuen sich sehr über Geschirre für die ihnen anvertrauten Hunde. Wenn Sie das Vorgängermodell also dorthin schicken, liegt es nicht nutzlos herum und Sie haben einen Beitrag zum Tierschutz geleistet.

Lassen Sie sich in einem Fachgeschäft einen Adressanhänger mit dem Namen und der Telefonnummer Ihres Hundes gravieren und bringen Sie diesen am Geschirr an. Sollte Ihr Hund doch einmal aus dem Garten ausbüchsen oder auf einem Spaziergang entlaufen, können Sie so schnellstmöglich informiert werden, wenn er irgendwo auftaucht. Außerdem wird so klar, dass dieses Tier ein Zuhause hat und seine Menschen daran interessiert sind, ihn bald wieder zu finden.



Eine kurze Leine schränkt die Bewegungsfreiheit des Hundes sehr stark ein, weshalb er zu ziehen beginnt. Viel besser sind Leinen mit ca. drei Meter Länge.

Beim Einkauf der Leine achten Sie auf eine ausreichende Länge. Optimal bewährt haben sich drei Meter, denn Ihr Hund soll ja die Möglichkeit haben, sich um Sie herum etwas zu bewegen, am Wegesrand zu schnüffeln usw., ohne gleich durch eine sehr kurze Leine in den Zug zu kommen. Vermeiden Sie einschneidende Materialien aus Kunstfaser und Leinen, die kordelartig verarbeitet sind – sie können sowohl an Ihren Händen, als auch an den empfindlichen Beinen Ihres Welpen zu Verletzungen führen. Auch Leinen, die mehrfach angestückelt und mit Nieten und diversen Metallringen versehen sind, würde ich Ihnen nicht empfehlen, denn die Nieten und Ringe sorgen nur für unnötig viel Gewicht und sind nicht wirklich sinnvoll zu gebrauchen. Am besten eignet sich eine am Stück gearbeitete Leine aus Leder oder Stoff.


Kaufen Sie zwei bis drei Edelstahlnäpfe. Einen davon verwenden Sie als Futternapf, die anderen beiden dienen als Wassernäpfe, die an verschiedenen Stellen, zum Beispiel im Haus und im Garten oder im Erdgeschoss und ersten Stock, aufgestellt werden. Edelstahl ist langlebig, kann nicht splittern wie zum Beispiel Glas oder Porzellan und lässt sich hervorragend reinigen.

Natürlich soll Ihr Hund auch ein Körbchen oder eine kuschelige Liegedecke haben. Im Fachhandel gibt es eine Unmenge von Angeboten und wer die Wahl hat, hat bekanntlich auch die Qual. Ein paar Anhaltspunkte zur Auswahl des richtigen Körbchens gibt es aber schon:

Kurzhaarige Hunde mögen gern ganz warme Körbchen, die einen Rand haben, damit es nicht zieht.

Hunde mit sehr dickem Fell wie zum Beispiel Berner Sennenhunde oder Malamuts hingegen bevorzugen in der Regel flach liegende Decken, eben weil es auf ihnen nicht so warm wird.

Wählen Sie ein waschbares Material aus, falls Ihr Hund sich mal auf seinem Liegeplatz übergeben muss oder darauf pieselt.


Ich werde oft gefragt, wo das Körbchen oder der Liegeplatz aufgestellt werden soll. Meine Antwort: In der Regel sucht ein Hund sich seinen bevorzugten Liegeplatz ganz von alleine aus. Stellen Sie also das Körbchen zunächst in einem zentralen Raum des Familienlebens in eine geschützte Ecke und warten Sie ab, ob er es dort annimmt. Wenn Ihnen auffällt, dass er viel lieber an einem ganz anderen Ende des Raumes liegt, stellen Sie ihm den Korb einfach dorthin. Die meisten Hunde haben im Laufe der Zeit mehrere „Lieblingsecken“ im Haus und liegen mal hier und mal dort. Ich habe für meine sechs Hunde insgesamt 14 Liegeplätze, die unterschiedlich häufig frequentiert werden. Mal liegen die Hunde einzeln, mal zu zweit oder dritt darauf.


Körbchen und Decken aus waschbarem Material lassen sich leicht reinigen.

Ihr Hund sollte zwei oder drei Spielzeuge haben, mit denen er sich beschäftigen kann und die Sie auch gemeinsam mit ihm benutzen, um miteinander zu spielen. Ein Baumwollseil ein Vollgummiring und ein Kong® bieten sich zum Beispiel an. Verwenden Sie keinesfalls alte Schuhe, Socken oder Handtücher zum Spielen – denn Ihr Hund weiß nicht, was ein alter und was ein neuer Schuh oder Socken ist. Wenn Sie ihm ausgediente Kleidungsstücke oder Handtücher als Spielzeug an bieten, dürfen Sie ihm nicht böse sein, wenn er diese Gegenstände auch zukünftig als solches interpretiert und Ihnen freudestrahlend Ihre nagelneuen Schuhe versabbert und angenagt zum Spielen vor die Füße legt…


Baumwollseil und Kong® sind ideale Spielzeuge für Welpen.

Verzichten Sie beim Einkauf auf Gegenstände oder Figuren aus weichen Plastikmaterialien mit künstlichen Augen, Fingern, Stacheln usw. Die Gefahr, dass Ihr Welpe Teile hiervon abbeißt und verschluckt, ist viel zu groß. Außerdem sind viele der bei der Herstellung verwendeten Weichmacher schädlich und stehen in Verdacht, Allergien und sogar Krebs hervorzurufen.


Besorgen Sie geeignete Naturkauartikel wie zum Beispiel getrocknete Schweineohren oder getrockneten Lammpansen, damit Ihr Hund etwas zum Knabbern hat. Dies bewahrt Sie unter anderem davor, dass er an Dingen herumknabbert, die Ihnen lieb und teuer sind. Bedenken Sie beim Einkauf, dass Ihr Hund noch sein Milchgebiss hat und kaufen Sie deshalb nur solche Kauartikel, die er mit seinen empfindlichen kleinen Zähnchen bewältigen kann. Ochsenziemer, Rinderkopfhaut usw. sind für ihn noch zu hart und sollten erst nach dem Zahnwechsel angeboten werden. Der Fachhandel wird Sie gern beraten.

Lassen Sie sich aber nicht dazu verleiten, bunt eingefärbte oder mit allerlei chemischen Zusätzen versehene und gewürzte Kauartikel zu kaufen. Sie werden meist mit Werbeslogans wie „Mit zusätzlichen Vitaminen!“, „…dann will Ihr Hund nichts anderes mehr!“, „Die Hundesalami!“ usw. angepriesen und sind alles andere als gesund.


Luftgetrocknete Naturkauartikel wie Schweineohren und getrockneter Pansen sind leckere Knabbereien für Ihren Welpen.

Ihrem Hund ist es auch vollkommen egal, ob der Kauartikel die Form eines nachgeformten Knochens oder einer Wurst hat – er will einfach nur kauen. Desto weniger aber an einem Produkt manipuliert wurde, desto größer die Chance, ein möglichst naturbelassenes Kaumaterial zu erhalten, das zu einem reellen Preis angeboten wird.

Zusätzlich noch folgender Hinweis: Das Thema der sinnvollen Ernährung eines Hundes ist so umfassend und komplex, dass es hier keinesfalls auch nur annähernd erklärt werden kann. Es gibt regelrechte Glaubenskriege über die Frage, wie ein Hund richtig ernährt werden sollte. Mein Motto dabei ist: Es soll gesund sein und dem Hund auch schmecken! Deshalb achte ich beim Einkauf immer darauf, dass das Futter möglichst naturbelassen ist. Es gibt inzwischen auch eine Vielzahl von Firmen, die sich auf die Herstellung von biologischem Hundefutter spezialisiert haben, ohne ihre Produkte dabei extrem viel teurer zu verkaufen als herkömmliche Anbieter. Das Geld, das ich hier für hochwertigeres Futter ausgebe, ist mir die Gesundheit und das Wohlbefinden meiner Hunde wert und außerdem auch dadurch bald wieder reingeholt, dass meine Hunde den Tierarzt nur selten sehen, eben weil sie gesund ernährt werden.


Der Gesetzgeber schreibt vor, dass Ihr Hund im Auto gesichert sein muss. Hierfür gibt es mehrere Möglichkeiten:


Verbindungsstücke zwischen Geschirr und Einklinkverschluss im Auto gibt es im Fachhandel.

Sie können den Hund entweder im Auto anschnallen, spezielle Verbindungsstücke zwischen Geschirr und Einklinkverschluss im Auto gibt es im Fachhandel

oder sich speziell für Ihr Auto eine vergitterte Box einbauen lassen. Achten Sie aber unbedingt darauf, dass diese Box groß genug für Ihren bald ausgewachsenen Hund ist. Er soll sich in ihr bequem hinlegen und auch mal ausstrecken können!

Gleiches gilt für fertig zu kaufende Transportboxen. Auch bei ihrem Kauf bedenken Sie bitte, wie groß Ihr Hund in ausgewachsenem Zustand sein wird und wählen Sie dann eine Größe, in der er sich auch wirklich wohl fühlt. Wichtig ist, dass Sie den Welpen an diese Box langsam und behutsam gewöhnen. Sie können sie zum Beispiel für mehrere Tage oder auch Wochen offen in Ihr Haus stellen, so dass der Welpe sie ganz von selbst als „seine Höhle“ entdeckt. Legen Sie ihm gelegentlich Würstchen- oder Käsestücke hinein, dann wird er das Aufsuchen der Box bald sehr positiv verknüpfen. Wenn Sie die Tür nach einiger Zeit das erste Mal verschließen, tun Sie dies nur für einen kurzen Moment und bleiben Sie unbedingt in der Nähe. Sobald Ihr Hund anzeigt, dass er sie verlassen möchte, lassen Sie ihn heraus!


Eine transportable Hundebox sollte auf jeden Fall im Auto gesichert werden.

Keinesfalls sollten Sie ihn in dieser Box einschließen, wenn Sie zum Beispiel das Haus verlassen oder er die Stubenreinheit erlernen soll. Abgesehen davon, dass Sie ihn über längere Zeiträume der Möglichkeit berauben, sich frei zu bewegen, kann dieser von manchen Menschen auch heute noch gegebene Tipp eine fatale Nebenwirkung haben: Ihr Hund entwickelt Angst vor dem Eingesperrtsein, die sich bis zu einer regelrechten Platzangst auswachsen kann. Und hat er diese Angst erst einmal entwickelt, können Sie ihn nur noch schwerlich davon überzeugen, dass der Aufenthalt in der Transportbox etwas ganz und gar Ungefährliches und Normales ist. Manche Hunde betreten nach solchen Erlebnissen nicht einmal mehr den Raum, in dem die Box steht. Um dies zu vermeiden, bleiben Sie also in seiner Nähe und achten Sie darauf, wann er anzeigt, sie verlassen zu wollen. Oftmals ist es sehr hilfreich, ihm einen Kauknochen anzubieten, an dem er genüsslich herumnagen kann, denn während er nagt, vergeht die Zeit wie im Flug und er wird das Liegen in der Transportbox als etwas ganz Tolles empfinden.


Zusätzlich werden noch eine ganze Reihe von Netzen, variablen Absperrgittern usw. angeboten. Viele davon erweisen sich aber im Alltag als nicht ausbruchsicher und/ oder gewähren Ihrem Hund bei einem Unfall nicht den nötigen Schutz, weil sie dem Aufpralldruck nicht standhalten. Deshalb würde ich diese nicht empfehlen. Einzig sinnvoll sind in diesem Bereich fest verankerte Abtrennungen, die von der Herstellerfirma Ihres Wagens angeboten und auch eingebaut werden. Sie sind in der Regel passgenau und sehr stabil.


Hier also noch einmal zusammenfassend eine Liste der Dinge, die Sie vor der Abholung des Welpen besorgen sollten:

ein Geschirr

eine drei Meter lange Leine aus Leder oder Stoff

drei Edelstahlnäpfe

ein Körbchen oder eine Liegedecke

zwei bis drei Spielzeuge wie ein Baumwollseil, ein Vollgummiring und einen Kong

Kauartikel

eine Sicherung für Ihr Auto


Wenn Sie alle Einkäufe erledigt haben, stellt sich die Frage, wann der beste Zeitpunkt zur Abholung des Welpen erreicht ist. Lesen Sie hierzu das folgende Kapitel.


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Volume:
234 p. 174 illustrations
ISBN:
9783936188622
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