Read the book: «Lost & Dark Places Berlin»

Kapitel 17: Verlassenes Riesenrad im Spreepark
Corinna Urbach | Christine Volpert
Lost & Dark Places
BERLIN
33 vergessene, verlassene und
unheimliche Orte

Inhalt
Vorwort
Verhaltensregeln im Lost Place
INDUSTRIE
1Das »Schloss im Norden«
Bötzow-Brauerei an der Prenzlauer Allee
2Verblasste Strahlkraft
Kernkraftwerk Rheinsberg
3Darauf hat Berlin gebaut
Museumspark Rüdersdorf
4Handgeschöpftes Büttenpapier aus der DDR
Papierfabrik Wolfswinkel
5Zurückbleiben, bitte!
Die stillgelegte Siemensbahn
6Gigantischer Industriekoloss
Chemiewerk in Rüdersdorf
ZWEITER WELTKRIEG
7Lost City
Garnisonsstadt Jüterbog
8Hitlers Germania
Schwerbelastungskörper
9Brote für den Krieg
SS-Brotfabrik Sachsenhausen
10Trügerische Idylle
SS-Wohnsiedlung in Ravensbrück
DDR
11Isoliert und streng bewacht
ABOAG-Betrieb in Treptow
12Geheimobjekt 05/206
Atombunker Garzau
13Klangerlebnis
Funkhaus Nalepastraße
14Folter im Sperrgebiet
Gefängnis der sowjetischen Spionageabwehr
15Ausgekundschaftet
Irakische Botschaft
16Sport frei
Sporthotel Hohenschönhausen
17Und es dreht sich doch
Spreepark Berlin
18Industriekultur
Transformatorenwerk und Kabelwerke
19Idylle am Röblinsee
VEB Kraftfuttermischwerk
20Niemandsland
VEB Kühlautomat
21Blutige Bandenkriege
Vietnamesen-Wohnheim
22Zutritt verboten
»Verbotene Stadt« in Wünsdorf
23Totale Kontrolle
Zentrale des Ministeriums für Staatssicherheit
BESONDERE ORTE
24Frische Luft
Beelitz-Heilstätten
25Mayday, mayday!
Flugplatz Karlshorst
26Mönche und Quacksalber
Franziskaner-Klosterkirche
27Eskurial von Ruppin
Herrenhaus Gentzrode
28Unterricht fällt aus
Institut für Anatomie der FU
29Das modernste Krankenhaus in Europa
Säuglings- und Kinderkrankenhaus Weissensee
30Kein Land in Sicht
Schiff Dr. Ingrid Wengler
31Höchst ausgeklügelt
Schrotkugelturm in Berlin-Rummelsburg
32Trockenschwimmen in Endlosschleife
Hubertusbad in Lichtenberg
33Der Feind hört mit!
US-Abhörstation auf dem Teufelsberg
Register
Impressum
Kapitel 2: Kernkraftwerk Rheinsberg

Kapitel 7: Lost City Jüterbog

Kapitel 17: Spreepark Berlin

Kapitel 18: Kabelwerke Oberspree
KAPITELÜBERBLICK
1Das »Schloss im Norden«
2Verblasste Strahlkraft
3Darauf hat Berlin gebaut
4Handgeschöpftes Büttenpapier aus der DDR
5Zurückbleiben, bitte!
6Gigantischer Industriekoloss
7Lost City
8Hitlers Germania
9Brote für den Krieg
10 Trügerische Idylle
11 Isoliert und streng bewacht
12 Geheimobjekt 05/206
13 Klangerlebnis
14 Folter im Sperrgebiet
15 Ausgekundschaftet
16 Sport frei
17 Und es dreht sich doch
18 Industriekultur
19 Idylle am Röblinsee
20 Niemandsland
21 Blutige Bandenkriege
22 Zutritt verboten
23 Totale Kontrolle
24 Frische Luft
25 Mayday, mayday
26 Mönche und Quacksalber
27 Eskurial von Ruppin
28 Unterricht fällt aus
29 Das modernste Krankenhaus in Europa
30 Kein Land in Sicht
31 Höchst ausgeklügelt
32 Trockenschwimmen in Endlosschleife
33 Der Feind hört mit!

Kapitel 23: Ministerium für Staatssicherheit
Vorwort
Geschichten vergangener Tage
In keiner anderen Stadt Deutschlands kann man so viel Historie hautnah erleben wie in Berlin. Durch die wechselvolle Vergangenheit könnten zahlreiche alte Gebäude und Ruinen sicher einmalige Geschichten erzählen. Auch wenn sich Berlin in den letzten Jahren immer rasanter verändert, gibt es dennoch viele verlassene Orte und baufällige Häuser, um die sich scheinbar niemand mehr kümmert. Lost Places finden sich in der Hauptstadt und auch in Brandenburg an diversen Orten. Einige wurden in den vergangenen Jahren aufwendig saniert, viele stehen weiterhin leer. Wind und Wetter haben ihre Spuren hinterlassen, Bäume wachsen auf den Dächern, Fenster sind eingeschlagen. Solche Orte versprühen zurecht für viele eine Faszination. Lost Places haben oft etwas Düsteres und Geheimnisvolles. Eine gewisse morbide Schönheit. Gleichzeitig schwingt auch eine Art Melancholie mit. Warum stehen diese teilweise so schönen Gebäude seit Jahren leer? Es ist schade und traurig, und mit jedem weiteren Jahr Leerstand wird ein Abriss vermutlich unausweichlicher. Bis dahin kann man sich die Vielzahl an Lost Places in Berlin und Brandenburg aber noch ansehen. Zumindest von außen, denn es gilt stets »Betreten verboten«. Auch wenn es oft nicht den Anschein macht, haben alle Gebäude und Gelände einen Eigentümer. Wie bereits erwähnt, werden einige der Lost Places nach und nach saniert. Es kann also sein, dass so zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Buches einige Lost Places gar nicht mehr so »lost« sind.
Die Zeit steht still
Bei den verlassenen Orten in diesem Buch ist die Zeit wahrlich stehen geblieben. Bei unserer Recherche sind wir auf Hunderte verlassener Gebäude gestoßen. In diesem Buch haben wir eine bunte Mischung zusammengestellt. Dabei war es auch für uns als Ur-Berliner interessant, zum einen die Geschichte verlassener Gebäude zu erfahren, an denen wir schon häufig vorbeigefahren sind. Zum anderen haben wir bei der Suche Orte und Ecken unserer Stadt entdeckt, die wir so noch nicht kannten. Die Auswahl von Lost Places in Berlin und Brandenburg ist dabei so vielfältig wie die Geschichte und die Region an sich. Die berühmten Beelitz-Heilstätten, verlassene Kasernen und VEB-Betriebe sind sicher vielen ein Begriff. Darüber hinaus finden Sie in diesem Buch aber auch ein Kernkraftwerk, ein wunderschönes Herrenhaus, ein Krankenhaus und sogar ein Schiff – allesamt verlassen und vergessen.
VEB Betriebe im Dornröschenschlaf
Was bedeutet VEB? VEB ist die Abkürzung für Volkseigener Betrieb und war die gängige Betriebsform in der DDR. Der Name ist jedoch etwas irreführend. Die Betriebe gehörten natürlich nicht dem Volk, sondern dem Staat. Diese Betriebsform entsprach jedoch der kommunistischen Philosophie vom gesellschaftlichen Eigentum. Produktionsbetriebe in der DDR gingen so nach und nach in Volkseigentum (also Staatseigentum) über. In vielen Fällen jedoch nicht freiwillig, sondern durch Enteignung und Verstaatlichung.

Kapitel 19: VEB Kraftfuttermischwerk in Fürstenberg
Verhaltensregeln im Lost Place
1. Behandeln Sie die Orte mit Respekt Jedes Bauwerk und jedes Gebäude erzählt eine Geschichte aus vergangenen Tagen. Dies gilt es zu schützen. Und auch wenn es teilweise nicht so aussieht, hat jeder Lost Place einen Eigentümer. Das sollten Sie respektieren. Betreten Sie keine Gebäude oder Grundstücke unbefugt, zerstören oder beschädigen Sie nichts, öffnen Sie nichts gewaltsam. Sind Fenster oder Türen verschlossen, soll das auch so bleiben. Gehen Sie in jedem Fall respektvoll mit dem Ort um.
2. Nehmen Sie nichts mit, lassen Sie nichts da Wenn Sie etwas von einem Lost Place mitnehmen, und sei es noch so klein, ist es Diebstahl, denn alle diese Orte haben einen Eigentümer. Daher gilt die Regel: Alles bleibt, wie es ist. Belassen Sie es bei den schönen Einblicken und Fotos, die Sie an solchen Orten machen. Das bedeutet auch: Lassen Sie nichts zurück. Keine Essensreste, keine Kaugummis, keine Zigarettenkippen.
3. Rauchen verboten Das bringt uns zum nächsten Punkt: Rauchen ist hier generell verboten. Zollen Sie dem ehrwürdigen Ort Respekt und verzichten Sie für die Zeit, die Sie da sind, auf das Rauchen. Zigarettenkippen brauchen nicht nur 15 Jahre zum Verrotten (sie sollten übrigens nirgends achtlos weggeworfen werden), sondern sie können schnell ein verheerendes Feuer verursachen.

Kapitel 22: Verbotene Stadt Wünsdorf

Kapitel 7: Panzerkaserne Forst Zinna

Kapitel 22: Ehemaliges streng bewachtes Sperrgebiet
4. Keine Graffitis Dass Sie nichts hinterlassen sollen, gilt auch für »Kunstwerke« an den Wänden. Lassen Sie Wände und Mauern, wie sie sind. Auch die Menschen nach Ihnen sollen den Ort so erleben können, wie er ist.

Kapitel 26: Franziskaner-Klosterkirche
5. Seien Sie vorsichtig Vorsicht ist besser als Nachsicht. Das gilt vor allem bei Lost Places. Marodes Holz, verrostete Geländer, einsturzgefährdete Decken, lockere Böden (teilweise befinden sich noch Kellergeschosse darunter), eingeschlagene Fenster – die Liste der Gefahren an solchen Orten ist lang. Seien Sie daher immer wachsam. Begeben Sie sich niemals in Gefahr – auch nicht für das eine Foto. Das ist es nicht wert. Treppen und obere Etagen sind eine gängige Gefahrenquelle. Schauen Sie sich den Zustand der Treppe und der Decke genau an. Nehmen Sie auch eine Taschenlampe für dunkle Räume und Keller mit.
6. Gehen Sie nicht allein Es ist ratsam, immer mindestens zu zweit, besser noch zu dritt einen Lost Place zu besuchen. Da gilt die alte Regel: Ist eine Person verletzt, bleibt die zweite vor Ort und die dritte holt Hilfe. Zudem weiß man nie, wen man vor Ort trifft. Plünderer, Spinner oder Betrunkene sind auch oft in Lost Places anzutreffen. Da ist es beruhigender, nicht allein unterwegs zu sein. Das alles gilt natürlich nur, wenn Sie die Erlaubnis haben, einen Lost Place zu betreten. Da die Lost Places in der Regel in Privatbesitz sind, heißt es sonst generell »Betreten verboten«. Auch, wenn das Tor angelweit aufsteht oder ein riesiges Loch im Zaun klafft.
Ausrüstung Wir empfehlen Folgendes beim Erkunden der Lost Places und ihrer Umgebung:
•Festes Schuhwerk, hohe Socken (Schutz vor Zecken)
•Reißfeste Kleidung, ggf. leichte Regenjacke
•Kamera inkl. Zusatzakku, Speicherkarten, Stativ
•Proviant und Getränke (nehmen Sie aber alles wieder mit)
•Kopf- oder Stirnlampe, um die Hände frei zu haben
•Taschenlampe mit weitem Winkel für Keller und dunkle Räume
•Taschenmesser
•Aufgeladenes Handy (ggf. Powerbank)
•Notizblock und Stift
•Pflaster und Taschentücher für Verletzungen
•Mücken- und Zeckenspray

Kapitel 24: Beelitz-Heilstätten
INDUSTRIE

Kapitel 4: Papierfabrik Wolfswinkel
1 Das »Schloss im Norden«
Bötzow-Brauerei an der Prenzlauer Allee
Die einst größte Berliner Privatbrauerei machte zu ihren Hochzeiten sogar den bayerischen Brauereien Konkurrenz. Doch warum wird nun kein Bier mehr gebraut?
Kollwitzkiez, Bezirk Prenzlauer Berg, Berlin Ort Prenzlauer Allee 242, 10405 Berlin GPS 52.530295, 13.418247 Anfahrt Mit der Tram M2 bis zum Halt Prenzlauer Allee/Metzer Straße und man ist direkt dort. Nimmt man die Tram M8 bis zum Halt Mollstraße/Prenzlauer Allee oder die U2 bis zum Senefelderplatz, ist es noch ein kleiner Fußweg bis zum Ziel.
Denkmalgeschütztes Areal mit langer Geschichte Die gelb-roten Klinkerbauten an der Prenzlauer Allee 242–247 sind – zumindest im Winter – nicht zu übersehen. Man kann auch jederzeit von der Saarbrücker Straße einen Blick auf das Gebäudeensemble werfen, was das Ganze nicht weniger beeindruckend macht. Am besten sollte man das Gelände und seine langjährige Geschichte jedoch bei einer offiziellen Führung erkunden. Dann sieht man auch die alten Lagerkeller, die sonst nicht zugänglich sind.

Klinkerbauten der Bötzow-Brauerei

Schier endlose Gänge verbanden die zahlreichen Gewölbekeller, in denen das Bier gelagert wurde.
Getränk des Volkes Bis Mitte des 19. Jahrhunderts wurde in Berlin vor allem obergäriges Bier hergestellt. Das Lieblingsprodukt der Berliner Brauereien und ihrer Kunden war die Berliner Weisse. Sie wurde im Fass produziert und musste anschließend in der Flasche reifen. Das bekannte Berliner Bier konnte leider weder direkt ausgeschenkt noch lange gelagert werden. Das war mit den untergärigen Lagerbieren hingegen kein Problem, weshalb diese langsam ihren Siegeszug antraten. Julius Bötzow, der Enkel eines Spirituosenfabrikanten, hatte das früh erkannt. Zusammen mit seinem Onkel Franz gründete er 1864 eine Brauerei an der Alten Schönhauser Straße und beschloss, untergäriges Bier zu brauen. Auch wenn der Herstellungsprozess aufwendiger als bei obergärigem Bier war und Kühlkeller erforderlich waren, wurden diese vermeintlichen Mühen leicht durch die Vorteile der längeren Haltbarkeit und industriellen Herstellung aufgewogen. Die Nachfrage wuchs und Julius Bötzow produzierte bald mehr Lagerbier als die Konkurrenz.
Eine Expansion war unausweichlich Mit dem nahe gelegenen Windmühlenberg, einem hügeligen Gelände vor den Toren Berlins, war schnell der ideale Ort für die neue Produktionsstätte gefunden. Hier gab es ausgezeichnetes Grundwasser und ausreichend Platz für die 4000 Quadratmeter großen Gewölbekeller, in denen das Bier kühlen und reifen sollte. 1884 wurde der Grundstein gelegt und bereits ein Jahr später mit der Bierherstellung begonnen.
Größte Privatbrauerei Norddeutschlands Das Brauereigelände war weitläufig und beeindruckte mit neuester Technik wie Tiefbrunnen, Dampfmaschine und elektrischem Licht. Neben der technischen Ausstattung legte Julius Bötzow aber auch Wert auf ein ansehnliches Äußeres. Die gelb-roten Klinker und vielen Rundbogen verliehen der Brauerei ihr besonderes Antlitz. Der riesige Biergarten mit einem im Rokoko-Stil erbauten Orchesterpavillon bot 6000 Gästen Platz und wurde schon nach kurzer Zeit zu einem beliebten Ausflugsziel. Die Berliner strömten zum Windmühlenberg, der fortan nur noch Bötzow-Berg hieß. Am Ende des 19. Jahrhunderts gehörten Bierkutscher ebenso wie der Duft von Bierwürze zum Berliner Alltag. Die Stadt war mit ihren etwa 130 Brauereien zeitweise sogar der größte Bierproduzent Europas. In diesem Zusammenhang wurde Julius Bötzow 1886 eine besondere Ehre zuteil. Als erster Brauer im Deutschen Reich durfte er sich mit dem Titel »Hoflieferant Seiner Majestät des Königs von Preußen« schmücken. Diese Auszeichnung steigerte den Bekanntheitsgrad verdientermaßen zusätzlich. In den Folgejahren wurde die Brauerei immer wieder um- und ausgebaut, sodass sie zeitweise als größte Brauerei Norddeutschlands galt. Von besonderer Bedeutung waren für die Familie Bötzow aber nicht nur die Firmengebäude, sondern auch der Bau des eigenen Wohnhauses auf dem Areal der Brauerei. Wegen ihrer Größe und der prunkvollen Ausstattung erhielt die im Jahr 1900 fertiggestellte Villa den Namen »Schloss im Norden«. Ob dies der Work-Life-Balance des Schlossherren Julius Bötzow dienlich war, ist nicht überliefert, aber mit seinem Ableben kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs hinterließ er seiner Familie ein florierendes Unternehmen.
Niedergang der Brauerei Auch wenn der Familienbetrieb technisch nach wie vor auf dem neuesten Stand war, konnte er in den Folgejahren nicht mehr mit den in Aktiengesellschaften (AG) umgewandelten Großbrauereien mithalten. 1927 wurde die Bötzow-Brauerei zwar selbst zur AG und unterstützte mit den Aktienerlösen zahlreiche kulturelle und soziale Projekte innerhalb Berlins, doch die goldenen Zeiten waren nun endgültig vorbei. Während des Zweiten Weltkriegs wurden Großteile des Brauereigeländes zerstört. Der Rokoko-Pavillon, das »Schloss im Norden« und einige Produktionsanlagen fielen den Kriegswirren zum Opfer. Auch wenn die Produktion 1948 wiederaufgenommen und ab 1949 als VEB Bötzow fortgeführt wurde, konnte das nicht die Stilllegung des Betriebs zum Ende desselben Jahres abwenden. Die Anlagen wurden 1950 demontiert und größtenteils von anderen Ostberliner Brauereien übernommen. Die Gebäude der ehemaligen Brauerei dienten nun vor allem als Lagerhallen für Fisch und Genussmittel.

Nicht alle Türen führen zum Ziel.
Immer gut zu wissen, wo der Notausgang ist.
Pläne für eine Umgestaltung des Geländes Mit der Wiedervereinigung wuchs die Ungewissheit über die Zukunft des Geländes. Im Jahr 1990 stellte man das Bötzow-Areal unter Denkmalschutz und in den Folgejahren wechselte es mehrfach den Besitzer. Das Grundstück erfuhr verschiedene Zwischennutzungen, bis es Ende 2010 vom Unternehmer Hans Georg Näder erworben wurde. Zusammen mit dem Architekten David Chipperfield, der die Sanierung des Neuen Museums und den Bau der James-Simon-Galerie in Berlin verantwortete, möchte er das Areal für die zukünftige Nutzung umgestalten. Die ursprüngliche Bausubstanz mit ihren großen Freiflächen wird, so der Plan, weitestgehend erhalten bleiben und auch ein Biergarten soll hier wieder entstehen.
Das besondere Erlebnis
In der näheren Umgebung, also fußläufig, gelangen Sie zum Kollwitzplatz mit seinem Wochenmarkt, zahlreichen Cafés und Restaurants sowie den vielen kleinen, inhabergeführten Geschäften, die zum Bummeln einladen. Die etwas turbulentere Schönhauser Allee und der Alexanderplatz sind ebenfalls nicht weit entfernt. Sollten Sie es etwas ruhiger mögen, empfiehlt sich ein Spaziergang zum Volkspark Friedrichshain.
2 Verblasste Strahlkraft
Kernkraftwerk Rheinsberg
Was passiert eigentlich mit stillgelegten Kernkraftwerken? In Rheinsberg, im Norden von Brandenburg, kann man sich dies zum Beispiel bei einer Führung ansehen.
Rheinsberg, Landkreis Ostprignitz-Ruppin, Brandenburg Ort Am Nehmitz See 1, 16831 Rheinsberg GPS 53.1478055, 12.9882277 Anfahrt Mit dem Auto über die B167 bis Gransee, dann weiter auf der L222. In Stechlin links abbiegen auf die Roofenstraße. Dieser Straße folgen Sie ca. 4 km.
Kraftwerk mit Aussicht Es ist idyllisch gelegen zwischen Großem Stechlinsee und Nehmitzsee, umgeben von Wald und Natur – das ehemalige Kernkraftwerk Rheinsberg. Man würde es vielleicht nicht vermuten, aber hier, hoch oben im Norden von Brandenburg, befindet sich das erste kommerziell genutzte Kernkraftwerk der ehemaligen DDR. Im Mai 1966 wurde es feierlich in Betrieb genommen, der Dauerbetrieb begann dann im Oktober 1966. Angedacht war zunächst eine Laufzeit von 20 Jahren. Nach aufwendigen Rekonstruktionsarbeiten konnte diese dann 1986 um weitere fünf Jahre verlängert werden. Die eigentliche Abschaltung sollte somit 1992 erfolgen. Nach 24 Jahren wurde es wegen anstehender umfangreicher Anpassungen im Zuge nunmehr geltender gesamt-deutscher Gesetzgebung (AtG) bereits 1990 geschlossen und abgewickelt.
Eines der ersten Versuchs- und Forschungskraftwerke weltweit Hier kam auch der erste Kernreaktor, der von der Sowjetunion exportiert wurde, zum Einsatz. Neben der Stromerzeugung war dieses Kraftwerk auch eine wichtige Forschungs- und Ausbildungsstätte in der DDR. Getreu dem Motto »Vorwärts immer, rückwärts nimmer« wurden in dem VE Kombinat Kernkraftwerke Bruno Leuschner einst Atome gespalten, um die DDR mit Energie zu versorgen. Für die über 600 Mitarbeiter des Betriebs baute man in der Stadt Rheinsberg eine eigene Wohnsiedlung. Bis zum Zeitpunkt seiner Schließung leistete das Kraftwerk etwa 130.000 Betriebsstunden.

Die Schaltzentrale des Kernkraftwerks
Demontage des Reaktors Viele Teile des Kraftwerks sind im Lauf der Jahre demontiert und zerlegt worden. Dies geht bei einem Gebäude dieses Typs jedoch selten problemlos vonstatten. Verschiedene Materialien erfordern unterschiedliche Herangehensweisen. Beton zerschneidet man mit diamantbeschichteten Sägen, Stahl wird mithilfe von Trennschleifern (sog. Flexen) zerlegt. Die Demontage des Reaktorbehälters war hierbei jedoch die eigentliche Mammutaufgabe. Um zunächst den Ausbau der Einbauten zu bewerkstelligen, wurden die Abklingbecken in der Reaktorhalle vollständig mit Wasser geflutet. Über einen Leitstand zwischen Reaktorhalle und Maschinenhaus konnte man dann mittels Kamera und Joystick die Ausbauarbeiten steuern. Für die eigentliche Zerlegung der Reaktoreinbauten unter Wasser wurden spezielle Sägen sowie ein Plasmaschneider verwendet. Die hohe Energiedichte des vom Plasmaschneider erzeugten Lichtbogens lässt das Material regelrecht schmelzen. Der Reaktorbehälter selbst wurde ins Zwischenlager Lubmin in der Nähe von Greifswald gebracht.

Seit 30 Jahren steht das Werk nun still.
Kontaminierte Gebäude In einigen Bereichen des Kernkraftwerks muss man auch heute Schutzkleidung tragen, da sie noch immer radioaktiv belastet sind. Teilnehmer einer Führung, die hier regelmäßig angeboten wird, müssen diesbezüglich aber keine Angst haben. Seit der Schließung 1990 steht der Betrieb jedoch keineswegs still. Im Gegenteil. Von den einst über 600 Mitarbeitern sind mehr als 100 nach wie vor hier beschäftigt. Damit zählt dieses stillgelegte Kernkraftwerk zu den wichtigsten Arbeitgebern im Ruppiner Land. Die verbleibenden Mitarbeiter sind auch 30 Jahre nach der Betriebsschließung mit dem Rückbau beschäftigt, der wohl noch viele Jahre dauern wird. Ziel des Rückbaus ist die Entlassung aus dem AtG (Atomgesetz). Um dies zu erreichen, müssen sämtliche Gebäude vollständig dekontaminiert sein. Das ist jedoch leichter gesagt als getan, denn in Rheinsberg genügt es nicht, lediglich die Böden, Decken und Wände zu reinigen. Es müssen auch sämtliche Leitungen in den Gebäuden auf Kontamination geprüft werden – und diese wurden zum Schutz vor radioaktiven Partikeln eingemauert.
Langer Rückbau des Kernkraftwerks Schätzungen zufolge wird es wohl noch 15 Jahre oder sogar länger dauern, bis Rheinsberg abgebaut ist. Das wären dann über 40 Jahre Rückbau, während der Bau nur sechs Jahre gedauert hat. Die Gesamtkosten des Rückbaus schätzt der Betreiber, die EWN Entsorgungswerk für Nuklearanlagen GmbH, auf etwa eine Milliarde Euro. Für eine Nachnutzung gibt es derzeit keine Pläne.
Das besondere Erlebnis
Das Kernkraftwerk kann heute im Rahmen einer Führung besichtigt werden. Über die aktuellen Führungen informiert die Webseite der EWN (siehe unten). Auf dem Rundgang hat man die einmalige Möglichkeit, ein Kernkraftwerk von innen zu sehen. Besonders interessant ist dabei die Schaltzentrale, auch Blockwarte genannt, von der aus alles überwacht wurde. Die Führung ist kostenlos, eine Anmeldung ist erforderlich unter: www.ewn-gmbh.de oder Tel.: 033931/572 03.
3 Darauf hat Berlin gebaut
Museumspark Rüdersdorf
Bauwerke wie das Brandenburger Tor, das Berliner Olympiastadion und Schloss Sanssouci würde es ohne den Rüdersdorfer Kalkstein heute wohl nicht geben.
Rüdersdorf, Märkisch-Oderland, Brandenburg Ort Heinitzstraße 9, 15562 Rüdersdorf GPS 52.476015, 13.778149 Anfahrt Mit der S3 bis Friedrichshagen und von dort mit der Straßenbahnlinie 88 bis zum Halt Heinitzstraße in Rüdersdorf. Oder mit dem RE1 bzw. der S3 bis Erkner und dann mit dem Bus 950 bis zum Halt Landhof in Rüdersdorf. Bei Anreise mit dem Auto über die A10 an der Anschlussstelle Rüdersdorf abfahren und den Hinweisschildern folgen.
Museum der besonderen Art Bergbau in Brandenburg? Manche Dinge liegen tatsächlich näher, als man denkt. Der Tagebau ist nach wie vor aktiv und das Zementwerk Rüdersdorf exportiert seinen Zement von hier nach ganz Europa. Noch beeindruckender ist aber der unmittelbar neben dem Tagebau gelegene 17 Hektar große Museumspark Rüdersdorf. Er ist weltweit einzigartig und lässt einen in ein ganz besonderes Stück Industriegeschichte eintauchen. Hier erfährt man nicht nur viel Wissenswertes über die Kalksteingewinnung und -verarbeitung, man kann auch unzählige Denkmäler der Industriegeschichte bewundern, die von solch bekannten Baumeistern wie Schinkel und Schlaetzer entworfen wurden. Bereits beim Betreten des Freilichtmuseums fühlt man sich in eine andere Zeit versetzt. Die Kammer- und Rumdorföfen sowie das Bülow-Kanal-Portal lassen erahnen, wie imposant das Areal zu Zeiten seiner Nutzung gewesen sein muss. Die Kanalanlagen zählen dabei zu den ältesten Bauwerken vor Ort. Sie dienten zur Verbindung der Steinbrüche mit dem Wasserstraßennetz. Die Kanäle wurden am sich stets verlagernden Kalksteinabbau ausgerichtet und verkürzten so die Transportstrecken an Land. Fast unwirklich kommt einem hier der Blick auf die Lkw vor, die sich im nahen Steinbruch fortbewegen. Bei so viel Authentizität weiß man für einen kurzen Moment tatsächlich nicht, durch welche Epoche man sich aktuell bewegt.

Schornstein der Schachtofenbatterie

Förderwagenstrecke in der »Kathedrale des Kalks«
Technik, die auch heute noch begeistert
Beliebter Baustoff Kalkstein wird bereits seit 1254 in dieser Gegend abgebaut. Nur an wenigen Orten tritt er in der norddeutschen Tiefebene an die Erdoberfläche. Üblicherweise liegt der Kalk in Tiefen von bis zu 3000 Metern. In Rüdersdorf kann der Kalkstein hingegen sogar im Tagebau gewonnen werden. Der hiesige Kalkberg verfügt über das größte Vorkommen Europas.
Außergewöhnliche Industriearchitektur Äußerst beeindruckend ist auch der Seilscheibenpfeiler, eine riesige Bogen-Pfeilerkonstruktion aus Kalkstein. Mit ihm konnten Eisenbahnwaggons an Stahlseilen über einen Schrägaufzug zur Abbruchstelle herabgelassen, beladen und dann wieder hinaufgezogen werden. Die dafür benötigte Energie wurde von einer Dampfmaschine erzeugt. Die Neugier nahezu aller Besucher wird jedoch durch die weithin sichtbare Schachtofenbatterie geweckt. Sie findet sich am anderen Ende des Museumsparks und enttäuscht dank ihres besonderen, maroden Charmes wohl niemanden. Die Anlage wurde von 1871–1877 gebaut und umfasste ursprünglich 18 Rumfordöfen.

Backstein-Idylle

Seilbahn für den Transport des Kalks aus dem Tagebau
Erfinder Graf von Rumford Mit dem Rumfordofen konnten Kohle und Torf als Brennstoff genutzt werden, während der Kalk in einer anderen Kammer gebrannt wurde. Diese Erfindung kam Anfang des 19. Jahrhunderts einer Revolution gleich, da damit kontinuierlich Kalk gebrannt werden konnte, ohne dass der Ofen durch den Brennstoff verunreinigt wurde. Die Schachtofenbatterie selbst wurde trotz – oder dank – mehrerer Umbauten noch bis 1967 für die Branntkalkherstellung genutzt. Das Herzstück der Anlage ist jedoch die Feuerungshalle, die auch »Kathedrale des Kalks« genannt wird und ihrem Namen alle Ehre macht. Nicht unerwähnt bleiben sollte an dieser Stelle, dass in den 1970er- und 1980er-Jahren mehrere Straßenzüge dem Tagebau weichen mussten. Auch das gab es nicht nur im Ruhrpott. Grundstücke wurden geräumt und abgerissen, die Bewohner in Neubaugebiete umgesiedelt, der Heinitzsee – ein gefluteter Tagebau – verschwand ebenso. Damit war das Ende des Bergmannsdorfs Kalkberge besiegelt.

Schachtofenbatterie
Alter Hafen

»Kunst am DDR-Bau«
Das alles und noch viel mehr Im Museumspark kann man nicht nur Interessantes über die Geschichte des Kalkabbaus erfahren, man kann noch ganz andere Entdeckungen machen. Aufgrund der besonderen Geologie ist die Gegend reich an Mineralien und Fossilien. Beispielsweise fand man hier das Skelett eines Nothosaurus. Die Gebeine dieses ottergroßen Schwimmsauriers können nun im Berliner Naturkundemuseum bewundert werden. In Rüdersdorf haben interessierte Besucher die Möglichkeit, dank einer thematischen Führung selbst zum Geologen oder Paläontologen zu werden.
Das besondere Erlebnis
Das historische Kalk- und Bergwerk kann heutzutage als Freilichtmuseum besichtigt werden. Der 17 Hektar große Museumspark Rüdersdorf kann entweder auf eigene Faust oder im Rahmen einer Führung erkundet werden. Öffnungszeiten: April–Oktober tägl. 10–18 Uhr, sonst Di–So 10:30–16 Uhr. Eintritt: Erwachsene 6 Euro, Kinder (6–16 Jahre) 3 Euro. Weitere Informationen unter www.ruedersdorf-kultur.de

Bülow-Kanal-Portal
4 Handgeschöpftes Büttenpapier aus der DDR
Papierfabrik Wolfswinkel
Was einem bei diesem technischen Denkmal als Erstes ins Auge sticht, ist der Wasserturm. Schon aus der Ferne weist er darauf hin, dass hier ein besonderer Gebäudekomplex zu finden ist.
Eberswalde, Landkreis Barnim, Brandenburg Ort Eberswalder Straße 27–31, 16227 Eberswalde GPS 52.840134, 13.761418 Anfahrt Am einfachsten ist die Anreise mit dem Pkw über den östlichen Berliner Ring A10. Am Dreieck Barnim auf die A11 in Richtung Stettin abfahren und dann die Ausfahrt 12 Finowfurt nehmen. Von dort die B167 in Richtung Eberswalde, an der auch das Gelände liegt. Ein großer Parkplatz befindet sich in der Nähe. Bei Anreise mit der Bahn in Eberswalde Hauptbahnhof aussteigen und von dort den Bus bis zum Halt Finow, Eisenspalterei nehmen.

Früher Papierkunst, heute Wandkunst
Juwel am Wasser Das bereits vor Jahrzehnten verlassene Gelände der Papierfabrik Wolfswinkel liegt nahezu romantisch am Finowkanal, der ältesten künstlichen Wasserstraße Deutschlands, die noch heute in Benutzung ist. Die Zeit hat jedoch ihre Spuren hinterlassen. Bei einigen der Gebäude muss man leider schon von Ruinen sprechen, so stark sind sie verfallen. Idyllisch und morbide zugleich ist die Stimmung, die einen unweigerlich umgibt. Und dennoch kommt man nicht umhin, Ideen und Konzepte für diesen Ort zu entwickeln. Allzu gern würde man die alten Backsteinbauten zu neuem Leben erwecken, doch ist es dafür wohl bereits zu spät.
Abwechslungsreiche Geschichte Alles begann mit der Königlichen Papiermühle bei Heegermühle, die bereits 1728 entstand, jedoch im Siebenjährigen Krieg (1756–1763) zerstört und dann auf das heutige Gelände nahe der Wolfswinkler Schleuse verlegt wurde. Der Prenzlauer Daniel Gottlieb Schottler pachtete das Areal am Finowkanal und baute hier eine neue Papiermühle. Zu jener Zeit entstand auch der heute noch sichtbare Mühlengraben. 1765 begann die Produktion, die jedoch erst mit der Übernahme durch Johann Friedrich Nitsche und seine Söhne im Jahr 1812 wirtschaftlich erfolgreich war. Mit dem Kauf einer englischen Papiermaschine in den 1830er-Jahren war der Grundstein für die industrielle Herstellung gelegt. Aus der einstigen Papiermühle wurde eine Papierfabrik. Die Wasserräder ersetzte man durch Dampfmaschinen. In den Folgejahren wechselte das Unternehmen mehrfach den Besitzer und wurde weiter ausgebaut. Mit der voranschreitenden industriellen Entwicklung kamen Neuerungen und Erweiterungen hinzu. Ab 1910 bezog die Fabrik ihren Strom vom Märkischen Elektrizitätswerk, das als Musteranlage moderner Kraftwerke galt und Vorbild für viele weitere im In- und Ausland war. Ähnlich oft wie die Eigentümer änderte sich auch das Sortiment der Papierfabrik. Es umfasste sowohl Schreib- und Buchpapier als auch Karton für Postkarten und Aktendeckel. Später kam die Herstellung von Kabel- und Isolierpapier für die Berliner Siemens-Schuckertwerke hinzu, die die Fabrik 1917 komplett übernahmen. Mit diesem Inhaberwechsel gingen bauliche Veränderungen einher, an denen auch der Architekt Hans Hertlein beteiligt war, der als Bauleiter bei Siemens großen Anteil an der Gestaltung der Berliner Siemensstadt hatte.

Große Fenster für große Maschinen

Vielleicht versteckt sich hier noch irgendwo ein Papiertiger …
Verlassenes Fabrikgelände mit Wasserturm
Wiederbelebung einer alten Tradition Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das auf dem Territorium der DDR liegende Unternehmen in Volkseigentum umgewandelt und so 1946 der VEB Papierfabrik Wolfswinkel gegründet. Ebendiesem Volk ist es auch zu verdanken, dass nicht die gesamte technische Ausstattung nach Kriegsende von den Sowjets demontiert wurde. Ehemalige Mitarbeiter schafften rechtzeitig bedeutende Teile der Anlage beiseite. 1956/57 besann man sich auf seine Wurzeln und stellte neben technischen Papieren auch wieder handgeschöpftes Büttenpapier her. Die Büttenabteilung war einzigartig in der DDR und hatte große Bedeutung für das Export- und Devisengeschäft. Die feinen Papiere waren weltweit gefragt. Selbst die britische Queen bestellte hier.
Mit dem Fall der Mauer war alles Geschichte Nachdem das Unternehmen 1992 privatisiert wurde, folgte 1994 der Konkurs. Das Inventar wurde verkauft oder auf anderem Wege entsorgt. Seitdem stehen die Werksgebäude leer. Papier wird man hier vermutlich nie mehr herstellen. Zwischenzeitlich gab es Pläne für ein Papiermuseum, die auch von privaten Initiativen weiterverfolgt werden. Das Gelände selbst ist nur zu besonderen Anlässen wie dem Tag des offenen Denkmals zugänglich.

Blick in die alte Papiermaschinen-Halle
Das besondere Erlebnis
In Eberswalde selbst sollten Sie sich auf jeden Fall die Teufelsbrücke, die sogenannten Kupferhäuser und den Wasserturm im Stadtteil Finow ansehen. Falls Sie etwas mehr Zeit zur Verfügung haben, lohnt ein Besuch des Zisterzienserklosters Chorin und des ältesten, noch in Betrieb befindlichen Schiffshebewerks Deutschlands in Niederfinow.

Von draußen drängen Pflanzen in die Hallen hinein.
5 Zurückbleiben, bitte!
Die stillgelegte Siemensbahn
Einst für die Mitarbeiter der Firma Siemens & Halske gebaut, liegt die S-Bahn-Strecke heute in einem tiefen Dornröschenschlaf. Seit 1980 rollt hier keine Bahn mehr über die Schienen.
Siemensstadt, Bezirk Spandau, Berlin Ort Bhf. Siemensstadt: Rohrdamm 29, 13629 Berlin; Bhf. Wernerwerk: Siemensdamm 54, 13629 Berlin GPS Bhf. Siemensstadt: 52.539423, 13.263677; Bhf. Wernerwerk: 52.534883, 13.276157 Anfahrt Bhf. Siemensstadt: Mit der U-Bahn-Linie 7 bis zur Haltestelle Rohrdamm und von dort zu Fuß zum Rohrdamm, wo der Bahnhof Siemensstadt die Straße kreuzt. Bhf. Wernerwerk: Mit der U7 bis zur Haltestelle Siemensdamm und dann zur gleichnamigen Straße spazieren.
Verräterische Natur Ist man nicht auf der Suche nach der ehemaligen S-Bahn-Strecke im Spandauer Ortsteil Siemensstadt, nimmt man sie vermutlich auch gar nicht als solche wahr. Man könnte glauben, die Bahnlinie sei weiterhin in Betrieb. Erst auf den zweiten Blick ist erkennbar, dass hier schon lange niemand mehr »Vorsicht an der Bahnsteigkante!« gehört hat. Die Sträucher und Bäume, die auf den Gleisen und dem Bahngelände wachsen, verraten, dass der Zugverkehr nicht erst gestern eingestellt wurde. Die Zugänge zu den Bahnsteigen sind zugemauert und vergittert. Ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit macht sich bei diesem Anblick breit. Vom einstigen Pioniergeist beim Bau der Strecke ist nicht mehr viel übrig.

»Es fährt ein Zug nach nirgendwo.«
Dachschaden deluxe

Berliner Kuriosum: menschenleerer S-Bahnhof
Auf die Zukunft gebaut Ende des 19. Jahrhunderts wuchs das Unternehmen Siemens & Halske unaufhörlich und man war bald auf der Suche nach einem Standort, der weiteres Wachstum ermöglichen sollte. Man entschied sich für ein Grundstück nördlich von Charlottenburg, das von Wald und Sumpf geprägt war: die Nonnenwiesen. Hier liegen die Ursprünge der heutigen Siemensstadt. Genauer gesagt im Kabelwerk Westend, das an diesem Ort 1889 mit einigen Hundert Mitarbeitern den Betrieb aufnahm. Mit den Jahren konnte weiteres Brachland erworben und erschlossen werden. Auch wenn hier die Verkehrsanbindung aufgrund der abgeschiedenen Lage komplett fehlte, sah man in der schieren Möglichkeit der weiteren Ausdehnung deutlich mehr Vor- als Nachteile.

Unten: Eingang zum ehemaligen S-Bahnhof Siemensstadt
Beschwerlicher Arbeitsweg Der Großteil der Beschäftigten wohnte nicht in der Nähe und war auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. In den Anfangsjahren nahmen die Arbeiter und Angestellten oft einen langen Fußweg von entfernt gelegenen Vorort- oder S-Bahnhöfen auf sich, um zum Werk zu gelangen. Der im Jahr 1905 von Siemens errichtete Bahnhof Fürstenbrunn an der Hamburger und Lehrter Bahn wurde zwar rege genutzt, lag aber auch etwa 30 Minuten Fußmarsch vom Firmengelände entfernt. Die Situation verbesserte sich erst 1908 mit der Eröffnung der von Siemens & Halske betriebenen Straßenbahnlinie Nonnendammbahn, die schon im darauffolgenden Jahr bis in die Altstadt Spandaus fuhr. Viele nahmen damals die Bahn bis zum Bahnhof Jungfernheide und von dort die Nonnendammbahn. Da die Straßenbahn mit den Jahren zur Hauptverkehrszeit oft hoffnungslos überfüllt war und teils chaotische Zustände herrschten, wurden die Arbeitszeiten bei Siemens & Halske in den 1920er-Jahren teilweise um bis zu zwei Stunden gestaffelt. Das entlastete zwar den Berufsverkehr, schadete aber der Produktivität.

Baumschule der besonderen Art
Höchste Eisenbahn Die Lage spitzte sich immer weiter zu. Der Straßenbahnverkehr stieß augenscheinlich an seine Grenzen. Man dachte in dieser Zeit viel über Alternativen, beispielsweise die Verlängerung einer bestehenden U-Bahnlinie, eine Ausweitung des Omnibusverkehrs und den Transport auf dem Wasserweg nach. All diese Ideen konnten jedoch nicht realisiert werden. Da sich das Werkszentrum mittlerweile in die nördliche Siemensstadt verlagert hatte und alle bisherigen Pläne verworfen werden mussten, traf das Unternehmen Mitte der 1920er-Jahre zusammen mit der Deutschen Reichsbahn (DR) die Entscheidung zum Bau einer eigenen Bahnstrecke. Mit den Arbeiten an der von der Ringbahnhaltestelle Jungfernheide abzweigenden, voll elektrifizierten zweigleisigen Stichbahn nach Gartenfeld begann Siemens 1927 unter Aufsicht der DR. Das Unternehmen stellte dafür nicht nur das Gelände bereit, sondern finanzierte den Bau auch zu großen Teilen selbst.

»Rast’ ich, so rost’ ich.«
Kurze Strecke mit großer Wirkung Am 18. Dezember 1929 nahm die Siemensbahn schließlich den Verkehr auf der 4,7 Kilometer langen Strecke auf. Im Berufsverkehr gab es eine Pendelverbindung zwischen Jungfernheide und Gartenfeld im Zehn-Minuten-Takt, außerhalb des Berufsverkehrs und sonntags im 20-Minuten-Takt. Zu Stoßzeiten wurden zudem »normale« S-Bahnen auf die Strecke der Siemensbahn gelenkt, was zu einem Fünf-Minuten-Takt führte. Während die Nonnendammbahn mit der Einweihung der neuen S-Bahn-Strecke über die Hälfte ihrer Fahrgäste verlor, wurde die Siemensbahn zum neuen Haupttransportmittel in die Siemensstadt. Etwa ein Fünftel der inzwischen 90.000 Beschäftigten nutzte die Siemensbahn für ihren Arbeitsweg. Am Wochenende wiederum wurde sie rege von Ausflüglern genutzt. Im Zweiten Weltkrieg kam es dann regelmäßig zu Einschränkungen im Zugverkehr. Zum Ende des Krieges wurde nicht nur die Spreebrücke nahe des Bahnhofs Wernerwerk zerstört, sondern auch das Viadukt und Teile der Dammaufschüttungen wurden beschädigt. Hinzu kamen umfassende Demontagearbeiten durch sowjetische Truppen zur Abgeltung von Reparationszahlungen. Nichtsdestotrotz konnte der Zugverkehr bereits im September 1945 – unter Einschränkungen – wieder aufgenommen werden. Im Dezember 1956 fuhren die Züge sogar wie vor dem Krieg durchgehend von Jungfernheide nach Gartenfeld.
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