Read the book: «Engelgeschichten der Bibel»

Inhaltsverzeichnis
Vom Himmel hoch – Vorwort
Boten Gottes
Eine Botschaft zum Lachen? – Abraham und Sara
Das rettende Wort in letzter Sekunde – Abraham und Isaak
Ein flammender Auftrag – Mose am brennenden Dornbusch
Eine Botschaft und viele Einwände – Gideons Berufung
Nachfragen erlaubt? – Ein Engel kündigt Simsons Geburt an
Schutzengel
Schutz für den Flüchtling – Jakobs Traum
Schutz für den Hoffnungslosen – Elija in der Wüste
Schutz für die Zurückgesetzte – Hagar
Schutz in der Fremde – Drei Männer im Feuerofen
Schutz vor Gottes Strafgericht – Lot und seine Töchter
Auf Händen getragen, von Ängsten befreit – Psalm 91 und Psalm 34
Hilfreiche Begleiter
Ein Engel sorgt für das Gelingen der Reise – Isaak und Rebekka
Ein Engel versperrt den falschen Weg – Bileam und die Eselin
Ein himmlischer Reisebegleiter – Rafaël hilft Tobias
Gottes himmlischer Hofstaat
Der Chor der Engel – Psalm 148
Die mächtigen Serafen – Jesajas Berufung
Die funkelnden Keruben – Ezechiëls Visionen
Die Ratsversammlung der Gottessöhne – Ijob
Die dunkle Seite der Engel
Der Todesengel in Ägypten – Die Nacht des ersten Passafestes
Drei Tage lang Pest – Gott straft Davids Vergehen
Von Würmern zerfressen – Herodes Agrippa I.
Gejagt vom Engel des Herrn – Psalm 35
Ein Satansengel schlägt zu – Paulus’ »Stachel im Fleisch«
Jesus und die Engel
Gabriel erscheint Zacharias – Die Geburt des Täufers wird angekündigt
Gabriel erscheint Maria – Die Geburt Jesu wird angekündigt
Von Engeln verkündet und besungen – Jesus wird geboren
Der Engel des Herrn führt Josef – Die Geburtsgeschichte Jesu nach Matthäus
Zwischen Teufel und Engeln – Jesu Taufe und Versuchung
Vom Engel gestärkt – Jesus im Garten Getsemani
Ein Engel am Grab – Jesus lebt
Die richtige Relation – Jesus steht über den Engeln
Die Apostel und die Engel
»Warum steht ihr hier und schaut nach oben?« – Die Himmelfahrt Jesu
Gefängnistore öffnen sich – Die Apostel verkünden die Gute Nachricht
»Mach dich auf den Weg!« – Philippus und der Eunuch aus Äthiopien
Ein Engel besucht einen Heiden – Petrus und Kornelius
Alle Ketten fallen ab – Die Befreiung des Petrus
»Hab keine Angst!« – Paulus im Seesturm
Engel am Ende der Zeit
Sieben Engel mit Posaunen – Schwere Zeiten vor dem Jüngsten Gericht
Michael kämpft mit dem Drachen – Der Satan wird überwunden
Sieben Engel mit goldenen Schalen – Die letzten Plagen
Eine Stadt der Engel – Das neue Jerusalem
»Ich bin ein Diener Gottes« – Abschließende Mahnung
Nachwort
Reihe Biblische Taschenbücher
Impressum
Vom Himmel hoch
Vorwort
Vom Himmel hoch, da kommen sie her, die Engel. Zur Weihnachtszeit begegnen sie uns überall. Unsere Weihnachtslieder sind voll von singenden Engeln. Als Figur der Weihnachtskrippe oder des Krippenspiels – mit weißem Gewand, Flügeln und goldenem Heiligenschein – darf der Engel nicht fehlen. Ebenso wenig als Motiv auf Postkarten und allen Arten von Weihnachtsdekoration. Die Engel bringen himmlischen Glanz in die Weihnachtszeit und lassen nicht nur Kinderaugen leuchten.
Doch auch außerhalb der Weihnachtszeit sind die geflügelten Wesen präsent. Viele Engelsdarstellungen aus der Kunst sind weltberühmt. Etwa das »Engelskonzert« auf dem Isenheimer Altar von Matthias Grünewald, die »Verkündigung« von Leonardo da Vinci oder Michelangelos Trompete blasende Engel auf dem »Jüngsten Gericht« in der Sixtinischen Kapelle. Die beiden als Putten gestalteten Engelchen am unteren Bildrand der »Sixtinischen Madonna« von Raffael sind sogar bekannter als das Gemälde als Ganzes. Und auch in der klassischen Moderne sind Engel ein Thema, etwa bei Chagall oder Paul Klee.
Engel faszinieren die Menschen. Zu allen Zeiten und überall auf der Welt. Auch wenn die wenigsten Menschen je einen leibhaftigen Engel zu Gesicht bekommen haben – eine Welt ganz ohne Engel scheint kaum vorstellbar. Fast alle Religionen kennen diese Zwischenwesen zwischen dem Göttlichen und dem Irdischen, die Mittler, die uns Menschen einen kleinen Einblick in die Sphäre des Jenseitigen, Himmlischen gewähren. Ja selbst die Menschen, die keiner Religion angehören und nicht einmal mehr an Gott glauben, glauben heute vielfach noch – oder wieder – an Engel. In unserer aufgeklärten Welt, in der sonst nur das Sicht- und Messbare zählen, ist das einigermaßen erstaunlich. Was macht die Faszination der Engel aus?
Für viele ist es die Vorstellung eines Schutzengels, die sie besonders berührt: der Gedanke, dass eine besondere Macht ihre Hand über den Menschen hält und ihn vor Schaden bewahrt. Und zwar nur ihn persönlich. Der allmächtige Gott, der für alle Menschen gleichzeitig zuständig ist, erscheint manchem zu fern, um dieses heimelige Gefühl aufkommen zu lassen, das man mit dem persönlichen Schutzengel verbindet. Da ist einer nur für mich ganz allein da.
Auch wenn ein Mitmensch in einer kritischen Situation unerwartet mit Rat und Hilfe zur Stelle ist, sagen viele: »Da ist mir ein Engel begegnet!« Sie spüren, dass hier etwas ganz Besonderes geschehen ist, bei dem das erfahrene Gute über das Normalmaß hinausgeht. Die Deutung als Engelsbegegnung macht das Erlebte fassbar.
Für andere ist die Rede von Engeln mehr eine Metapher. Der Benediktinerpater Anselm Grün stellt in seinen zahlreichen Veröffentlichungen verschiedenste Engel vor: den Engel der Liebe, den Engel der Dankbarkeit, den Engel des Verzeihens, den Engel des Humors … Die Engel werden hier zu einer Personifikation von positiven psychischen Kräften. Was sonst abstrakt bleiben würde, bekommt durch die Verbindung mit den Engeln ein Gesicht.
Doch wie auch immer sie genau gedeutet werden, das Festhalten an den Engeln auch in unserer vom Rationalen geprägten Welt ist Ausdruck der Ahnung, dass es mehr gibt zwischen Himmel und Erde, als man sehen kann.
Die Vorstellungen von Engeln haben in unserem Kulturkreis ihren Ursprung letztendlich alle in der Bibel. Aber nur ein Bruchteil der biblischen Engelsgeschichten dürfte allgemein bekannt sein. In fast allen Teilen der Bibel finden sich Erzählungen, in denen Engel vorkommen. Die Engel haben dabei unterschiedliche Erscheinungsformen und unterschiedliche Aufgaben. Doch immer spricht die Bibel ganz selbstverständlich von ihnen. Dass es sie gibt, steht für das Buch der Bücher nie in Frage.
Sehen wir genau hin. Manchmal treten die Engel womöglich ganz anders auf, als wir es erwarten. Auf der einen Seite machtvoller und gewaltiger. Mit kindlichen Weihnachtsengelchen haben sie meist nicht viel zu tun. Auf der anderen Seite aber auch viel schlichter. Selten ist die Rede von wallenden weißen Gewändern, und viele der biblischen Engel tragen keine Flügel. Und doch sind sie etwas ganz Besonderes. Sie kommen vom Himmel zu den Menschen und machen auf ihre Weise deutlich, dass Gott sich den Menschen liebevoll zuwendet.
Boten Gottes
Unser deutscher Begriff »Engel« geht auf das griechische Wort »angelos« zurück, das mit »Bote« oder »Gesandter« übersetzt werden kann. Auch die Engel der Bibel sind vor allem Boten. Sie überbringen Botschaften und Aufträge von Gott. In vielen Fällen treten sie dabei wie Menschen auf. Sie fliegen nicht, sie strahlen kein übernatürliches Licht aus, ja sie tragen zumeist nicht einmal auffällig weiße Gewänder. Ihr Aussehen scheint entweder so normal oder aber so nebensächlich zu sein, dass es in der Regel gar nicht weiter erwähnt wird. Entscheidend ist nicht ihr Äußeres, sondern ihre Stimme: Sie sprechen einen Menschen an und übermitteln ihm die göttliche Nachricht, und zwar in verständlichen menschlichen Worten. Mit den Engeln kann man reden, so wie man mit Gott selbst wohl nie reden könnte. Sie schaffen damit eine Nähe zu Gott, die ansonsten kaum möglich wäre. Mitten im Alltag Gott begegnen – das halten Menschen wohl nur vermittelt durch einen Engel aus.
Die Botschaften selbst können sehr unterschiedlich sein: ein Versprechen, eine Ankündigung, eine herausfordernde Aufgabe. Immer kommen die Engel überraschend, oft lösen sie zunächst einmal Verwunderung oder sogar Ablehnung aus. Doch die biblischen Engel sind geduldig und wissen die Bedenken der Menschen gekonnt zu zerstreuen.
Eine Botschaft zum Lachen?
Abraham und Sara
Abraham, der spätere Erzvater Israels, wartet schon lange auf eine gute Nachricht. Gott hat ihm Nachkommen versprochen, so unzählbar viele, wie es Sterne am Himmel gibt. Doch noch immer hat seine Frau Sara kein einziges Kind bekommen.
Inzwischen sind Abraham und Sara alt geworden. Eine Nachkommenschaft so groß wie ein ganzes Volk ist mehr als unwahrscheinlich.
Da erhalten die beiden ungewöhnlichen Besuch: Drei Männer tauchen wie aus dem Nichts vor Abrahams Zelt auf. Oder ist es doch nur einer? Die Erzählung lässt die Gestalten eigentümlich changieren. Sind es ganz normale Gäste? Sind es Engel? Oder ist es womöglich Gott selbst, der Abraham besucht?
Die Männer scheinen kein außergewöhnliches Aussehen zu haben. Und doch erfasst Abraham sofort, dass diese Gäste etwas Besonderes sind. Im Grunde begegnen wir hier den typischen Engeln, wie wir sie überall in der Bibel finden: Sie sind Boten. Über sie selbst erfahren wir nichts, sie treten ganz hinter der Botschaft zurück. Ja, sie verschmelzen so sehr mit der göttlichen Botschaft, dass man Gott persönlich sprechen hört.
Und diese Botschaft hat es in sich: In einem Jahr wird Sara einen Sohn haben! Sara, 90 Jahre alt, kann darüber nur lachen. Doch ihr ungläubiges Gelächter wird zu einem befreiten Lachen, als alles, was die Boten angekündigt haben, wahr wird. Gott macht das Unmögliche möglich. Hoffnungslosigkeit hat keine Chance. (1Mose/Genesis 18,1-15; 21,1-8)
Abraham wohnte bei den Eichen von Mamre. Dort erschien ihm der HERR.
Abraham saß gerade in der Mittagshitze am Eingang seines Zeltes. Als er aufblickte, sah er wenige Schritte vor sich drei Männer stehen.
Sofort sprang er auf, warf sich vor ihnen nieder und sagte: »Mein Herr, wenn ich Gnade vor dir gefunden habe, dann geh nicht hier vorüber. Ich stehe dir zu Diensten! Man wird euch sogleich Wasser bringen. Ihr könnt euch die Füße waschen und es euch unter dem Baum bequem machen. Ich will inzwischen eine kleine Erfrischung holen, damit ihr euch stärken und dann euren Weg fortsetzen könnt. Wozu sonst seid ihr bei eurem Diener vorbeigekommen?«
»Es ist gut«, sagten die Männer. »Tu, was du vorhast!«
Abraham lief sogleich ins Zelt und sagte zu Sara: »Schnell, nimm drei Backschüsseln von deinem feinsten Mehl, mach einen Teig und backe Fladenbrot!« Dann lief er zum Vieh, suchte ein schönes, gesundes Kalb aus und befahl dem Knecht, es zuzubereiten. Er holte süße und saure Milch, nahm das gekochte Fleisch und trug alles hinaus unter den Baum. Mit eigener Hand bediente er seine Gäste und stand dabei, während sie aßen.
Nach dem Mahl fragten die Männer Abraham: »Wo ist deine Frau Sara?«
»Drinnen im Zelt«, antwortete er.
Da sagte der HERR: »Nächstes Jahr um diese Zeit komme ich wieder zu dir, dann wird deine Frau einen Sohn haben.«
Sara stand im Rücken Abrahams am Zelteingang und horchte. Die beiden waren damals schon alt, und Sara war schon lange über die Wechseljahre hinaus. Sie lachte in sich hinein und dachte: »Jetzt, wo ich alt und verwelkt bin, soll ich noch ein Kind empfangen? Und mein Mann ist auch viel zu alt!«
Da sagte der HERR zu Abraham: »Warum hat Sara gelacht? Warum zweifelt sie daran, dass sie noch ein Kind gebären wird? Ist für den HERRN irgendetwas unmöglich? Nächstes Jahr um die verabredete Zeit komme ich wieder, dann hat Sara einen Sohn.«
»Ich habe doch nicht gelacht«, leugnete Sara. Sie hatte Angst bekommen. Aber der HERR sagte: »Doch, du hast gelacht!«
Der HERR dachte an Sara und tat an ihr, was er angekündigt hatte. Sie wurde schwanger und gebar Abraham noch in seinem Alter einen Sohn. Es war genau zu der Zeit, die Gott angegeben hatte. Abraham nannte den Sohn, den Sara ihm geboren hatte, Isaak. Als Isaak acht Tage alt war, beschnitt er ihn, genau wie Gott es angeordnet hatte.
Abraham war bei Isaaks Geburt 100 Jahre alt. Sara aber sagte: »Gott hat dafür gesorgt, dass ich lachen kann. Alle, die davon hören, werden mit mir lachen. Noch nie hat Abraham es erlebt, dass ihm einer die Nachricht brachte: ›Deine Frau Sara stillt ein Kind.‹ Aber jetzt in seinem Alter habe ich ihm noch einen Sohn geboren!«
Isaak wuchs und gedieh. Als er von der Mutterbrust entwöhnt wurde, feierte Abraham mit seinen Leuten ein großes Fest.
Das rettende Wort in letzter Sekunde
Abraham und Isaak
Würden Sie die Stimme eines Engels erkennen, der zu Ihnen spricht? Und sofort tun, was er sagt? Die meisten von uns würden das wohl verneinen. Wir haben einfach keine Erfahrung mit Engeln, die in ganz normalen Worten wie ein Mensch zu uns sprechen. Abraham jedoch hört und handelt sofort. Gott sei Dank! Sonst hätte die folgende Erzählung ein böses Ende genommen.
Abraham erlebt hier seine wahrscheinlich schwerste Stunde. Gott stellt ihn auf die Probe und verlangt von ihm, Isaak, den lang ersehnten und endlich heranwachsenden Sohn, Gott zurückzugeben. Er soll Isaak opfern! Im entscheidenden Moment greift ein Engel ein und spricht vom Himmel her zu Abraham. Buchstäblich in letzter Sekunde bringt er die rettende Botschaft von Gott: Abraham hat die Probe bestanden, denn er hat Gott gehorcht und war bereit, ihm sogar das Liebste zu geben, was er hat. So ist das Opfer nicht mehr nötig. (1Mose/Genesis 22,1-18)
Einige Zeit danach geschah es: Gott stellte Abraham auf die Probe.
»Abraham!«, rief er.
»Ja?«, erwiderte Abraham.
»Nimm deinen Sohn«, sagte Gott, »deinen einzigen, der dir ans Herz gewachsen ist, den Isaak! Geh mit ihm ins Land Morija auf einen Berg, den ich dir nennen werde, und opfere ihn mir dort als Brandopfer.«
Am nächsten Morgen stand Abraham früh auf. Er spaltete Holz für das Opferfeuer, belud seinen Esel und machte sich mit seinem Sohn auf den Weg zu dem Ort, von dem Gott gesprochen hatte. Auch zwei Knechte nahm er mit.
Am dritten Tag erblickte er den Berg in der Ferne. Da sagte er zu den Knechten: »Bleibt hier mit dem Esel! Ich gehe mit dem Jungen dort hinauf, um mich vor Gott niederzuwerfen; dann kommen wir wieder zurück.«
Abraham packte seinem Sohn die Holzscheite auf den Rücken; er selbst nahm das Becken mit glühenden Kohlen und das Messer. So gingen die beiden miteinander.
Nach einer Weile sagte Isaak: »Vater!«
»Ja, mein Sohn?«
»Feuer und Holz haben wir, aber wo ist das Lamm für das Opfer?«
»Gott wird schon für ein Opferlamm sorgen!«
So gingen die beiden miteinander. Sie kamen zu dem Ort, von dem Gott zu Abraham gesprochen hatte. Auf dem Berg baute Abraham einen Altar und schichtete die Holzscheite auf. Er fesselte Isaak und legte ihn auf den Altar, oben auf den Holzstoß.
Schon fasste er nach dem Messer, um seinen Sohn zu schlachten, da rief der Engel des HERRN vom Himmel her: »Abraham! Abraham!«
»Ja?«, erwiderte er, und der Engel rief: »Halt ein! Tu dem Jungen nichts zuleide! Jetzt weiß ich, dass du Gott gehorchst. Du warst bereit, mir sogar deinen einzigen Sohn zu opfern.«
Als Abraham aufblickte, sah er einen einzelnen Schafbock, der sich mit seinen Hörnern im Gestrüpp verfangen hatte. Er ging hinüber, nahm das Tier und opferte es anstelle seines Sohnes auf dem Altar. Er nannte den Ort »Der HERR sorgt vor«. Noch heute sagt man: »Auf dem Berg des HERRN ist vorgesorgt.«
Noch einmal rief der Engel des HERRN vom Himmel her und sagte zu Abraham: »Ich schwöre bei mir selbst, sagt der HERR: Weil du mir gehorcht hast und sogar bereit warst, mir deinen einzigen Sohn zu geben, werde ich dich segnen! Deine Nachkommen mache ich so zahlreich wie die Sterne am Himmel und die Sandkörner am Meeresstrand. Sie werden ihre Feinde besiegen und ihre Städte erobern. Bei allen Völkern der Erde werden die Leute zueinander sagen: ›Gott segne dich wie die Nachkommen Abrahams!‹ Das ist die Belohnung dafür, dass du meinem Befehl gehorcht hast.«
Ein flammender Auftrag
Mose am brennenden Dornbusch
Auch Mose steht an einem entscheidenden Punkt seines Lebens dem Engel Gottes gegenüber. Diesmal erscheint er in der Feuerflamme eines brennenden Dornbuschs. Wieder geht der Engel ganz in seiner Botschaft auf, sodass kaum mehr zu unterscheiden ist, ob nun der Engel zu Mose spricht oder Gott selbst. Tatsächlich gibt Gott in dem Gespräch mit Mose sein innerstes Wesen preis: Er ist der »Ich-bin-da«, der Gott, der ganz für sein Volk da ist, der es leitet und beschützt. Ein zugewandter Gott, der sich um die Menschen kümmert.
Der Auftrag, den Mose erhält, ist so brennend wie die Flamme, aus der Gott durch seinen Engel spricht: Mose soll das Volk Israel aus der Unterdrückung in Ägypten herausführen in ein Land, das »von Milch und Honig überfließt«. Auch wenn Mose sich dieser großen Aufgabe nicht gewachsen fühlt und sich zunächst dagegen sträubt, sie anzunehmen, so wird aus dieser Begegnung doch schließlich die für das ganze Volk Israel entscheidende Erfahrung mit seinem Gott erwachsen: die Rettung aus der Unterdrückung – ein Erlebnis, das Israel zu Gottes ureigenem Volk macht. Denn Gott brennt für sein Volk so wie der Dornbusch. (2Mose/Exodus 3,1-17)
Mose hütete die Schafe und Ziegen seines Schwiegervaters Jitro, des Priesters von Midian. Als er die Herde tief in die Wüste hineintrieb, kam er eines Tages an den Gottesberg, den Horeb.
Dort erschien ihm der Engel des HERRN in einer lodernden Flamme, die aus einem Dornbusch schlug. Mose sah nur den brennenden Dornbusch, aber es fiel ihm auf, dass der Busch von der Flamme nicht verzehrt wurde.
»Das ist doch seltsam«, dachte er. »Warum verbrennt der Busch nicht? Das muss ich mir aus der Nähe ansehen!«
Als der HERR sah, dass Mose näher kam, rief er ihn aus dem Busch heraus an: »Mose! Mose!«
»Ja«, antwortete Mose, »ich höre!«
»Komm nicht näher!«, sagte der HERR. »Zieh deine Schuhe aus, denn du stehst auf heiligem Boden.«
Dann sagte er: »Ich bin der Gott, den dein Vater verehrt hat, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs.«
Da verhüllte Mose sein Gesicht, denn er fürchtete sich, Gott anzusehen.
Weiter sagte der HERR: »Ich habe genau gesehen, wie mein Volk in Ägypten unterdrückt wird. Ich habe gehört, wie es um Hilfe schreit gegen seine Antreiber. Ich weiß, wie sehr es leiden muss, und bin herabgekommen, um es von seinen Unterdrückern zu befreien. Ich will es aus Ägypten führen und in ein fruchtbares und großes Land bringen, ein Land, das von Milch und Honig überfließt. Ich bringe es in das Land der Kanaaniter, Hetiter, Amoriter, Perisiter, Hiwiter und Jebusiter. Ich habe den Hilfeschrei der Leute von Israel gehört, ich habe gesehen, wie grausam die Ägypter sie unterdrücken. Deshalb geh jetzt, ich schicke dich zum Pharao! Du sollst mein Volk, die Israeliten, aus Ägypten herausführen.«
Aber Mose wandte ein: »Ich? Wer bin ich denn! Wie kann ich zum Pharao gehen und das Volk Israel aus Ägypten herausführen?«
Gott antwortete: »Ich werde dir beistehen. Und das ist das Zeichen, an dem du erkennst, dass ich dich beauftragt habe: Wenn du das Volk aus Ägypten herausgeführt hast, werdet ihr mir an diesem Berg Opfer darbringen und mich anbeten.«
Mose sagte zu Gott: »Wenn ich nun zu den Leuten von Israel komme und zu ihnen sage: ›Der Gott eurer Vorfahren hat mich zu euch geschickt‹, und sie mich dann fragen: ›Wie ist sein Name?‹ – was soll ich ihnen sagen?«
Gott antwortete: »Ich bin da«, und er fügte hinzu: »Sag zum Volk Israel: ›Der Ich-bin-da hat mich zu euch geschickt: der HERR! Er ist der Gott eurer Vorfahren, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs.‹ Denn ›HERR‹ (Er-ist-da) ist mein Name für alle Zeiten. Mit diesem Namen sollen mich auch die kommenden Generationen ansprechen, wenn sie zu mir beten.
Geh nun und rufe die Ältesten des Volkes Israel zusammen! Sag zu ihnen: ›Der HERR, der Gott eurer Vorfahren, ist mir erschienen, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Er hat zu mir gesagt: Ich habe genau gesehen, was man euch in Ägypten antut. Darum bin ich entschlossen, euch aus diesem Land herauszuführen, in dem ihr so unterdrückt werdet. Ich bringe euch in das Land der Kanaaniter, Hetiter, Amoriter, Perisiter, Hiwiter und Jebusiter, ein Land, das von Milch und Honig überfließt.‹«
Eine Botschaft und viele Einwände
Gideons Berufung
Kann man mit einem Engel über seine Botschaft diskutieren? In der Bibel kommt das immer wieder vor. Die Nachrichten und Aufträge, die Gott durch seine Engel übermittelt, sind in vielen Fällen so außergewöhnlich, dass die Angesprochenen zunächst ungläubig verblüfft bis ablehnend reagieren.
Und tatsächlich nimmt Gott die Einwände und Vorbehalte der Menschen ernst. Er lässt seine Engel mit der sprichwörtlichen Engelsgeduld Auskunft geben und lässt sich sogar dazu bewegen, sich selbst als »Absender« ihrer Botschaft auszuweisen.
So geschieht es auch bei Gideon. Er lebt in einer Zeit, in der es Israel nicht gut geht. Das Volk hat zwar das Land Kanaan in Besitz genommen, gerät aber immer wieder in Auseinandersetzungen mit Nachbarvölkern. In diesem Fall sind es Beduinen, die wiederholt in das Land einfallen, es ausrauben und verwüsten. Gideon ist gerade damit beschäftigt, Weizen zu dreschen – versteckt in der Weinkelter statt offen auf dem Dreschplatz, damit nicht auch dieser Weizen an die Plünderer verloren geht –, da kommt der Engel Gottes zu ihm und erklärt, dass Gideon zum Retter Israels werden soll. Lesen Sie selbst, was Gideon alles einzuwenden hat und wie beharrlich der Engel ihn Schritt für Schritt von seiner Berufung überzeugt. (Richter 6,11-24)
Der Engel des HERRN kam und setzte sich unter die Eiche bei Ofra. Der Platz gehörte zum Grundbesitz Joaschs, eines Mannes aus der Sippe Abiëser. Sein Sohn Gideon war gerade dabei, in der nahe gelegenen Weinkelter Weizen zu dreschen, um ihn vor den Midianitern in Sicherheit zu bringen.
Da zeigte sich ihm der Engel des HERRN und sagte: »Gott mit dir, du tapferer Krieger!«
Gideon erwiderte: »Verzeihung, mein Herr! Aber wenn wirklich Gott mit uns ist, wie konnte uns dann so viel Unglück treffen? Unsere Väter haben uns doch immer wieder erzählt: ›Der HERR hat uns aus Ägypten hierher geführt.‹ Wo sind denn nun alle seine Wundertaten geblieben? Nein, der HERR hat uns im Stich gelassen und uns den Midianitern ausgeliefert!«
Der HERR aber trat auf Gideon zu und sagte: »Du bist stark und mutig. Geh und rette Israel aus der Hand der Midianiter. Ich sende dich!«
»Aber mein Herr«, wandte Gideon ein, »wie soll ich Israel befreien? Meine Sippe ist die kleinste im ganzen Stamm Manasse und ich bin der Jüngste in meiner Familie.«
»Ich werde dir beistehen«, sagte der HERR, »und du wirst die Midianiter auf einen Schlag vernichten.«
Gideon erwiderte: »Wenn ich vor dir Gnade gefunden habe, dann gib mir ein Zeichen dafür, dass wirklich der HERR selbst mit mir spricht! Geh nicht von hier weg, bis ich dir eine Gabe gebracht habe.«
»Ich warte, bis du zurückkommst«, sagte der HERR.
Gideon ging nach Hause, kochte ein Ziegenböckchen und backte ungesäuertes Brot aus einem ganzen Backtrog voll Mehl. Dann legte er das Fleisch in einen Korb, goss die Brühe in einen Topf, brachte alles zu dem Platz unter der Eiche und bot es dem Engel des HERRN an.
Doch der Engel sagte zu ihm: »Leg das Fleisch und die Brote hier auf den Felsblock, aber die Brühe schütte weg!«
Gideon tat es und der Engel des HERRN berührte mit dem Stab in seiner Hand das Fleisch und die Brote. Da schlug Feuer aus dem Felsen und verzehrte alles. Im selben Augenblick war der Engel verschwunden.
Da wusste Gideon, wer mit ihm gesprochen hatte. »HERR, du mächtiger Gott!«, rief er. »Ich habe deinen Engel gesehen, ich habe ihm gegenübergestanden. Ich muss sterben!«
Doch der HERR sagte zu ihm: »Zwischen uns ist Frieden! Hab keine Angst, du musst nicht sterben.«
Da baute Gideon an derselben Stelle einen Altar für den HERRN und nannte ihn: »Der HERR ist Frieden«. Noch heute steht dieser Altar in Ofra im Gebiet der Sippe Abiëser.
Nachfragen erlaubt?
Ein Engel kündigt Simsons Geburt an
Auch in der folgenden Erzählung bringt der Engel eine so unglaubliche Botschaft, dass die angesprochenen Menschen nicht sofort »Ja und Amen« sagen können. Es geht um Manoach und seine Frau. Sie ist kinderlos und gilt als unfruchtbar. Der Engel kündigt ihr an, dass sie trotzdem einen Sohn bekommen wird und obendrein einen ganz besonderen. Er soll von Mutterleib an Gott geweiht sein und später zum Retter Israels werden, so wie Gideon zu seiner Zeit.
Manoachs Frau erahnt, dass dieser Mann mit seiner unfassbaren Nachricht ein Engel ist – und traut sich nicht, ihm Fragen zu stellen. Manoach dagegen hält ihn offenbar zunächst für einen rein menschlichen Boten – und bestürmt ihn mit Nachfragen. Hätte er sich das auch getraut, wenn ihm bewusst gewesen wäre, wen er vor sich hat? Vielleicht nicht. Die Ehrfurcht vor Engeln ist bei den biblischen Personen eigentlich sehr groß. Denn wer den Engel sieht, sieht Gott, und wer Gott sieht, muss sterben. So überwältigend ist die Begegnung.
Doch hier wie an unzähligen anderen Stellen der Bibel handelt Gott anders, als die Menschen denken. Sein Bote bringt eine gute Nachricht. Gott will nicht töten, sondern retten. (Richter 13,1-24)
Von neuem taten die Leute von Israel, was dem HERRN missfällt; da gab er sie vierzig Jahre lang in die Hand der Philister.
Damals lebte in Zora ein Mann aus dem Stamm Dan namens Manoach, dessen Frau war kinderlos. Eines Tages erschien ihr der Engel des HERRN und sagte: »Du bist unfruchtbar und hast keine Kinder bekommen, aber jetzt wirst du schwanger werden und einen Sohn gebären. Sieh zu, dass du während der Schwangerschaft weder Wein noch Bier trinkst und keine unreinen Speisen isst. Denn der Sohn, den du zur Welt bringen wirst, soll von seiner Geburt an ein Gottgeweihter sein. Seine Haare dürfen ihm nie geschnitten werden. Mit ihm beginnt die Rettung Israels aus der Hand der Philister.«
Da ging die Frau zu Manoach und erzählte ihm: »Ein heiliger Mann kam zu mir. Er sah aus wie der Engel Gottes, sodass mir ganz unheimlich war. Ich wagte nicht, ihn zu fragen, woher er kommt, und er hat mir auch nicht seinen Namen gesagt. Er sagte zu mir: ›Du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären. Trink von jetzt an weder Wein noch Bier und iss keine unreinen Speisen; denn dein Sohn wird ein Gottgeweihter sein vom Tag seiner Geburt bis zum Tag seines Todes.‹«
Da betete Manoach zum HERRN und sagte: »Bitte, Herr, lass doch den Gottesmann noch einmal zu uns kommen! Er soll uns genau sagen, was wir mit dem Kind, das er uns angekündigt hat, machen sollen.«
Gott erhörte seine Bitte, und der Engel kam noch einmal zu der Frau, als sie gerade allein auf dem Feld war. Sie lief zu ihrem Mann und sagte: »Komm schnell! Der Mann, der damals zu mir kam, ist wieder da!«
Manoach ging mit ihr hinaus und fragte ihn: »Warst du es, der neulich mit meiner Frau gesprochen hat?«
»Ja, ich war es«, sagte der Engel und Manoach fragte weiter: »Wenn deine Ankündigung eingetroffen ist, wie sollen wir es dann mit dem Kind halten? Was darf es tun und was nicht?«
Der Engel des HERRN erwiderte: »Seine Mutter soll alles meiden, was ich ihr genannt habe. Sie darf keine Trauben essen und weder Wein noch Bier trinken und sie soll auch keine unreinen Speisen essen.«
Manoach hatte den Engel des HERRN nicht erkannt. Er sagte: »Geh noch nicht weg! Wir möchten dir gerne ein gekochtes Ziegenböckchen bringen.«
Der Engel erwiderte: »Auch wenn du mir noch so sehr zuredest, ich werde nichts essen. Aber wenn du willst, kannst du es dem HERRN als Brandopfer darbringen.«
Manoach fragte ihn: »Wie heißt du denn? Wir möchten dir doch unseren Dank abstatten, wenn deine Voraussage eingetroffen ist.«
Aber der Engel des HERRN erwiderte: »Frage mich nicht nach meinem Namen! Er ist voller Wunder.«
Da nahm Manoach das Ziegenböckchen und dazu Brot als Speiseopfer und verbrannte beides auf einem Felsblock als Opfer für den HERRN, der Wunder tut. Manoach und seine Frau standen dabei. Und als die Flamme vom Altar zum Himmel stieg, da stieg der Engel des HERRN in der Flamme nach oben. Sie sahen es und warfen sich zu Boden, mit dem Gesicht zur Erde. Manoach wusste jetzt, dass er mit dem Engel des HERRN gesprochen hatte. Er und seine Frau sahen ihn von da an nicht wieder.
Erschrocken sagte Manoach zu seiner Frau: »Wir haben Gott gesehen! Jetzt müssen wir sterben!«
Doch seine Frau erwiderte: »Wenn der HERR unseren Tod wollte, hätte er unser Opfer nicht angenommen, das Brand- und das Speiseopfer, und uns nicht das alles sehen lassen. Dann hätte er uns auch nicht solch eine Ankündigung gemacht.«
Manoachs Frau gebar einen Sohn und gab ihm den Namen Simson. Er wuchs heran und der HERR segnete ihn.
Schutzengel
Am ehesten stellen wir uns Engel heute wohl als Schutzengel vor. »Da hast du aber einen Schutzengel gehabt!«, entfährt es zum Beispiel der erschrockenen Mutter, deren Kind vom Klettergerüst gefallen und glücklicherweise ohne ernsthafte Verletzungen geblieben ist. Ein Plakat am Rand der Autobahn, auf dem ein Motorradfahrer zu sehen ist, empfiehlt: »Gib deinem Schutzengel eine Chance!« Der Spruch will zu umsichtiger Fahrweise auffordern und suggeriert, dass bei waghalsigem Verhalten womöglich auch der Schutzengel nichts mehr ausrichten könne. Wer weiß schon genau, was alles in der Macht eines Schutzengels liegt und was nicht? Aber die Vorstellung, dass es jemanden gibt, der mich beschützt – jemanden, der nur für mich allein da ist! –, diese Vorstellung hat für viele Menschen etwas Faszinierendes.
Auch die Bibel kennt Schutzengel. Dass das Leben der Menschen zu allen Zeiten vielfältigen Gefahren ausgesetzt ist, steht außer Zweifel. Den christlichen Glauben prägt jedoch die Überzeugung, dass das Leben der Menschen trotz aller Gefährdungen und Anfeindungen unter Gottes Schutz steht. Dieser Schutz wird in den Engeln greifbar, sozusagen leibhaftig. Und sogar die Vorstellung, jeder Mensch habe einen persönlichen Schutzengel im Himmel, begegnet uns in der Bibel (Matthäus 18,10).
Schmökern Sie – gemütlich in der Sicherheit Ihres Lesesessels – in den folgenden Erzählungen. Sie geben einen Eindruck, in welch vielfältiger Weise Gott seinen Schützlingen durch seine Engel unter die Arme greift. Von guten Ratschlägen bis zur Abwehr tödlicher Flammen ist alles dabei.
Schutz für den Flüchtling
Jakobs Traum
Wer auf der Flucht ist, wird für eine beschützende Macht besonders dankbar sein, denn er hat sie bitter nötig. Eine solche Erfahrung macht auch Jakob, der Sohn Isaaks. Herausgerissen aus der Sicherheit des Hauses und seiner gewohnten Umgebung, befindet er sich auf der Flucht vor seinem Zwillingsbruder Esau. Jakob ist nicht unschuldig an der Situation: Er hat sich bei seinem Vater den Segen ergaunert, der eigentlich Esau, dem Erstgeborenen, zugestanden hätte. Nun will sich Esau rächen. Jakob läuft davon. Als er, weit weg von seiner Familie und eine ungewisse Zukunft vor sich, völlig schutzlos im Freien übernachtet, hat er einen besonderen Traum: Er sieht eine ganze Schar von Engeln auf einer Treppe zwischen Himmel und Erde hinauf- und heruntersteigen. Am Tiefpunkt seines Lebens tut sich plötzlich ein Tor zum Himmel auf! An dieser »Himmelsleiter« kommt Jakob Gott ganz nah. Und Gott verspricht: Er wird Jakob nicht im Stich lassen. Er beschützt ihn, trotz allem, was passiert ist, und geht mit ihm. (1Mose/Genesis 28,10-17)
Jakob machte sich auf den Weg von Beerscheba nach Haran. Er kam an einen Platz und übernachtete dort, weil die Sonne gerade untergegangen war. Hinter seinen Kopf legte er einen der großen Steine, die dort umherlagen.
Während er schlief, sah er im Traum eine breite Treppe, die von der Erde bis zum Himmel reichte. Engel stiegen auf ihr zum Himmel hinauf, andere kamen zur Erde herunter.
Der HERR selbst stand ganz dicht bei Jakob und sagte zu ihm: »Ich bin der HERR, der Gott deiner Vorfahren Abraham und Isaak. Das Land, auf dem du liegst, will ich dir und deinen Nachkommen geben. Sie werden so unzählbar sein wie der Staub auf der Erde und sich nach allen Seiten ausbreiten, nach West und Ost, nach Nord und Süd. Am Verhalten zu dir und deinen Nachkommen wird sich für alle Menschen Glück und Segen entscheiden. Ich werde dir beistehen. Ich beschütze dich, wo du auch hingehst, und bringe dich wieder in dieses Land zurück. Ich lasse dich nicht im Stich und tue alles, was ich dir versprochen habe.«
Jakob erwachte aus dem Schlaf und rief: »Wahrhaftig, der HERR ist an diesem Ort, und ich wusste es nicht!« Er war ganz erschrocken und sagte: »Man muss sich dieser Stätte in Ehrfurcht nähern. Hier ist wirklich das Haus Gottes, das Tor des Himmels!«
Schutz für den Hoffnungslosen
Elija in der Wüste
Auch Elija ist auf der Flucht. Anders als Jakob ist er aber bereits völlig verzweifelt und hat nur noch den Wunsch zu sterben. Er hatte für Gott gekämpft, hatte vor aller Augen gezeigt, dass der kanaanäische Fruchtbarkeitsgott Baal die Verehrung nicht wert ist, die die Israeliten ihm zukommen lassen. Doch es scheint alles nichts genutzt zu haben. Anstatt sich endlich wieder dem wahren Gott zuzuwenden, will Isebel, die Frau des Königs Ahab und wichtige Befürworterin des Baalskultes, Elija umbringen lassen. Elija gibt auf. Doch da erscheint ein Engel und durchbricht die Hoffnungslosigkeit. Elija bekommt neue Kraft, einen neuen Auftrag und vor allem die Gewissheit, dass er nicht allein ist. Mit veränderter Perspektive kann er sein Leben wieder in Angriff nehmen. Ohne einen solchen Schutzengel wäre es wohl hier zu Ende gewesen. (1Könige 19,1-18)
Ahab berichtete Isebel alles, was Elija getan und dass er alle Propheten Baals umgebracht hatte. Da schickte Isebel einen Boten zu Elija und ließ ihm sagen: »Die Götter sollen mich strafen, wenn ich dich morgen um diese Zeit nicht ebenso umbringen werde, wie du meine Propheten umgebracht hast!«
Da packte Elija die Angst und er floh, um sein Leben zu retten. In Beerscheba an der Südgrenze von Juda ließ er seinen Diener zurück und wanderte allein weiter, einen Tag lang nach Süden in die Steppe hinein. Dann setzte er sich unter einen Ginsterstrauch und wünschte den Tod herbei.
»HERR, ich kann nicht mehr«, sagte er. »Lass mich sterben! Ich bin nicht besser als meine Vorfahren.« Dann legte er sich unter den Ginsterstrauch und schlief ein.
Aber ein Engel kam, weckte ihn und sagte: »Steh auf und iss!«
Als Elija sich umschaute, entdeckte er hinter seinem Kopf ein frisches Fladenbrot und einen Krug mit Wasser. Er aß und trank und legte sich wieder schlafen.
Aber der Engel des HERRN weckte ihn noch einmal und sagte: »Steh auf und iss! Du hast einen weiten Weg vor dir!«
Elija stand auf, aß und trank und machte sich auf den Weg. Er war so gestärkt, dass er vierzig Tage und Nächte ununterbrochen wanderte, bis er zum Berg Gottes, dem Horeb, kam.
Dort ging er in die Höhle hinein und wollte sich darin schlafen legen. Da hörte er plötzlich die Stimme des HERRN: »Elija, was willst du hier?«
Elija antwortete: »HERR, ich habe mich leidenschaftlich für dich, den Gott Israels und der ganzen Welt, eingesetzt; denn die Leute von Israel haben den Bund gebrochen, den du mit ihnen geschlossen hast; sie haben deine Altäre niedergerissen und deine Propheten umgebracht. Ich allein bin übrig geblieben und nun wollen sie auch mich noch töten.«
Der HERR sagte: »Komm aus der Höhle und tritt auf den Berg vor mich hin! Ich werde an dir vorübergehen!«
Da kam ein Sturm, der an der Bergwand rüttelte, dass die Felsbrocken flogen. Aber der HERR war nicht im Sturm.
Als der Sturm vorüber war, kam ein starkes Erdbeben. Aber der HERR war nicht im Erdbeben.
Als das Beben vorüber war, kam ein loderndes Feuer. Aber der HERR war nicht im Feuer.
Als das Feuer vorüber war, kam ein ganz leiser Hauch. Da verhüllte Elija sein Gesicht mit dem Mantel, trat vor und stellte sich in den Eingang der Höhle.
Eine Stimme fragte ihn: »Elija, was willst du hier?«
Er antwortete: »HERR, ich habe mich leidenschaftlich für dich, den Gott Israels und der ganzen Welt, eingesetzt, denn die Leute von Israel haben den Bund gebrochen, den du mit ihnen geschlossen hast; sie haben deine Altäre niedergerissen und deine Propheten umgebracht. Ich allein bin übrig geblieben, und nun wollen sie auch mich noch töten.«
Da befahl ihm der HERR: »Geh den Weg zurück, den du gekommen bist! Geh bis nach Damaskus und salbe dort Hasaël zum König von Syrien. Darauf salbe Jehu, den Sohn von Nimschi, zum König von Israel und Elischa, den Sohn Schafats aus dem Dorf Abel-Mehola, zum Propheten, zu deinem Nachfolger. Wer dem Schwert Hasaëls entrinnt, den wird Jehu töten, und wer sich vor Jehu retten kann, der kommt durch Elischa um. Aber ich werde dafür sorgen, dass in Israel siebentausend Männer am Leben bleiben, alle, die nicht vor Baal niedergekniet sind und sein Bild nicht geküsst haben.«
Schutz für die Zurückgesetzte
Hagar
Hagar, die Sklavin von Sara, bekommt gleich zweimal Hilfe von einem Schutzengel. Die Situation ist folgende: Abraham und Sara (in dieser Geschichte heißen sie anfangs noch Abram und Sarai) sind noch immer kinderlos, obwohl Gott Abraham eine große Nachkommenschaft versprochen hat. Nun verliert Sara die Geduld und will dem Kindersegen ein wenig nachhelfen. Nach altorientalischem Brauch war es möglich, dass eine kinderlose Frau ihrem Ehemann ihre persönliche Sklavin überlässt. Das mit der Sklavin gezeugte Kind galt dann rechtlich als das der Herrin. In diesem Sinne bringt Sara Hagar und Abraham zusammen.
Biologisch gibt es keine Probleme. Hagar wird schwanger. Doch dann kann Sara es nicht ertragen, zu sehen, dass Hagar gelungen ist, was ihr selbst seit Jahren versagt blieb. Sie möchte Hagar am liebsten loswerden.
Im Verlauf der Ereignisse findet sich Hagar zweimal am Rande der Verzweiflung in der Wüste wieder. Einmal ist sie davongelaufen und einmal wurde sie fortgejagt. Doch beide Male erscheint ihr ein Engel und hilft ihr aus der Notlage heraus.
Von den Menschen wurde sie zurückgesetzt und verstoßen. Gott aber richtet sie wieder auf. Ob nun Herrin oder Sklavin, auch Hagar hat ihren Wert, ja sie spielt sogar eine nicht unwesentliche Rolle in der Geschichte. Denn auch sie wird die Mutter eines großen Volkes werden: der Ismaeliten. (1Mose/Genesis 16; 21,9-20)
Abrams Frau Sarai blieb kinderlos. Sie hatte aber eine ägyptische Sklavin namens Hagar. So sagte sie zu ihrem Mann: »Du siehst, der HERR hat mir keine Kinder geschenkt. Aber vielleicht kann ich durch meine Sklavin zu einem Sohn kommen. Ich überlasse sie dir.«
Abram war einverstanden, und Sarai gab ihm die ägyptische Sklavin zur Frau. Er lebte damals schon zehn Jahre im Land Kanaan.
Abram schlief mit Hagar und sie wurde schwanger. Als sie merkte, dass sie ein Kind bekommen würde, begann sie auf ihre Herrin herabzusehen. Da sagte Sarai zu ihrem Mann: »Mir geschieht Unrecht, und du trägst dafür die Verantwortung! Ich habe dir meine Sklavin überlassen. Seit sie weiß, dass sie ein Kind bekommt, verachtet sie mich. Ich rufe den HERRN als Richter an!«
Abram erwiderte: »Sie ist deine Sklavin. Mach mit ihr, was du für richtig hältst!«
Sarai ließ daraufhin Hagar die niedrigsten Arbeiten verrichten; da lief sie davon.
In der Wüste rastete Hagar bei dem Brunnen, der am Weg nach Schur liegt. Da kam der Engel des HERRN zu ihr und fragte sie: »Hagar, Sklavin Sarais! Woher kommst du? Wohin gehst du?«
»Ich bin meiner Herrin davongelaufen«, antwortete sie.
Da sagte der Engel: »Geh zu deiner Herrin zurück und ordne dich ihr unter! Der HERR wird dir so viele Nachkommen geben, dass sie nicht zu zählen sind. Du wirst einen Sohn gebären und ihn Ismaël (Gott hat gehört) nennen; denn der HERR hat deinen Hilferuf gehört. Ein Mensch wie ein Wildesel wird er sein, im Streit mit allen und von allen bekämpft; seinen Brüdern setzt er sich vors Gesicht.«
Hagar rief: »Habe ich wirklich den gesehen, der mich anschaut?«
Und sie gab dem HERRN, der mit ihr gesprochen hatte, den Namen »Du bist der Gott, der mich anschaut«. Darum nennt man jenen Brunnen Beer-Lahai-Roi (Brunnen des Lebendigen, der mich anschaut). Er liegt zwischen Kadesch und Bered.
Hagar gebar Abram einen Sohn, und Abram nannte ihn Ismaël. Abram war damals 86 Jahre alt.
Die Zeit vergeht und auch Sara hat einen Sohn bekommen: Isaak.
Eines Tages sah Sara den Sohn der Ägypterin Hagar spielen, das Kind, das diese Abraham geboren hatte. Da sagte sie zu ihrem Mann: »Jag diese Sklavin und ihren Sohn fort! Der Sohn der Sklavin darf nicht mit meinem Sohn Isaak zusammen erben!«
Abraham missfiel das sehr, denn auch Ismaël war ja sein Sohn. Aber Gott sagte zu Abraham: »Gräme dich nicht wegen des Jungen und deiner Sklavin! Tu, was Sara von dir verlangt; denn die Nachkommen Isaaks sollen als deine rechtmäßigen Nachkommen gelten. Aber auch den Sohn der Sklavin werde ich zu einem Volk machen, weil er von dir abstammt.«
Am nächsten Morgen nahm Abraham Brot und einen Schlauch mit Wasser, legte beides Hagar auf die Schulter, übergab ihr das Kind und schickte sie fort. Hagar ging weg und irrte ziellos in der Wüste bei Beerscheba umher. Als das Wasser im Schlauch aufgebraucht war, warf sie das Kind unter einen Strauch und setzte sich etwa einen Bogenschuss davon entfernt auf die Erde. Denn sie sagte: »Ich kann nicht mit ansehen, wie der Junge stirbt!« So saß sie in einiger Entfernung und weinte laut.
Aber Gott hörte das Kind schreien. Da rief der Engel Gottes vom Himmel aus Hagar zu: »Warum bist du verzweifelt, Hagar? Hab keine Angst, Gott hat das Schreien des Kindes gehört! Steh auf und nimm den Jungen bei der Hand; denn ich werde seine Nachkommen zu einem großen Volk machen.«
Gott öffnete Hagar die Augen, da sah sie einen Brunnen. Sie ging hin, füllte den Schlauch mit Wasser und gab dem Kind zu trinken.
Auch weiterhin half Gott dem Jungen. Er wuchs heran und wurde ein Bogenschütze.
The free sample has ended.