Read the book: «Der Schreibzeitplan: Zeitmanagement für Schreibende»

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Christian Wymann

Der Autor:

Christian Wymann ist promovierter Soziologe und arbeitete sieben Jahre lang als Schreibcoach. Er hat mehrere Bücher zum wissenschaftlichen Schreiben veröffentlicht und ist jetzt in der Software-Branche tätig.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Alle Rechte Vorbehalten.

© 2021 Verlag Barbara Budrich GmbH, Opladen, Berlin & Toronto

www.budrich.de


utb-Bandnr. 4308
utb-ISBN 978-3-8252-5301-1
E-Book 978-3-8463-5301-1

Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Lektorat: Ulrike Weingärtner, Gründau

Satz: Anja Borkam, Jena – kontakt@lektorat-borkam.de

Zeichnungen: Bashar Ahmed, Aarburg (Schweiz), www.basharart.com

Umschlaggestaltung: Atelier Reichert, Stuttgart

Inhalt

Vorwort zur 2. Auflage

Vorwort

Schrittweise zum eigenen Schreibzeitplan

Schritt 1: Motivation und Selbstverpflichtung

Schritt 2: Definieren, wie viel Zeit Sie brauchen

Schritt 3: Schreibaufgaben bestimmen und Prioritäten setzen

Schritt 4: Aufgaben und Ziele definieren

Schritt 5: Planen

Schritt 6: Den Fortschritt kontrollieren

Schritt 7: Die Schreibumgebung gestalten

Schritt 8: Die Schreibsitzung und ihre Tücken

Schritt 9: Rituale und Belohnungen

Schritt 10: Einwändentrotzen

Und was, wenn das alles nicht funktioniert wie geplant?

Freude an der neuen Gewohnheit

Quintessenz der 10 Schritte

Didaktische Tipps für Lehrende an Hochschulen

Literatur

[7] Vorwort zur 2. Auflage

Seit das Buch 2015 erschienen ist, durfte ich hunderte Studierende, Promovierende und Forschende in Beratungen und Workshops dabei unterstützen, ihren Schreibzeitplan zu entwickeln und einzuhalten. Dabei wurde stets deutlich, was ich schon wusste: Ein Schreibzeitplan kann nur funktionieren, wenn er individuell abgestimmt ist. Was für mich funktioniert, muss nicht auch für jemand anderen funktionieren. Und ebenso gilt: Was für mich vor vier Jahren funktioniert hat, muss aktuell nicht unbedingt funktionieren. So habe ich selbst seit der Erstpublikation mehrere Varianten meines Schreibzeitplans kreiert, um auf die jeweiligen Lebensumstände und Schreibprojekte zu reagieren.

Die zweite Auflage weist ein paar größere und viele kleine Veränderungen auf. Die größten bestehen darin, dass ich Schritt 4 über die Aufgaben und Zielen in zwei Schritte geteilt habe, um dem Schritt zur Planung mehr Gewicht zu geben. Es hat sich schon von Beginn an in Workshops und Beratungen gezeigt, dass die Planung ein Thema ist, an dem sich viele Schreibende die Zähne ausbeißen. Damit der „Werkzeugkasten“ nach dieser Aufspaltung eines Kapitels nach wie vor über zehn Schubladen verfügt, habe ich das bisher zehnte Kapitel in den Schluss eingebaut.

Eine andere Erweiterung betrifft das kurze Kapitel am Ende, das sich an Lehrende an Hochschulen richtet, die sich Zeitproblemen ihrer Studierenden und Promovierenden gegenübersehen. Darin zeige ich, wie sie das Thema in der Beratungssituation und in Kursen einbauen können, so dass die Teilnehmenden zur Reflexion ihres Zeitmanagements beim Schreiben angeregt werden.

Ich bedanke mich bei Jörg Leimbacher, der mir bereits kurz nach der Erstveröffentlichung eine Liste mit Tipp- und anderen Fehlem gesendet hat. Falls ich sie falsch korrigiert haben sollte, ist das meine Schuld. Danke auch emeut Franz Neff, der mir mit Feedback zu den Veränderungen geholfen hat, und Bashar Ahmed, der eine neue Zeichnung angefertigt hat.

Christian Wymann

Bern, im September 2021

[8] Vorwort

In meiner Tätigkeit als Schreibberater stelle ich fest, dass viele wissenschaftlich Schreibende Mühe mit der Zeitplanung haben. Sie vernachlässigen das Schreiben aufgrund anderer Verpflichtungen. Im Vergleich zu diesen genießt das Schreiben selten die Priorität, die ihm gebühren sollte. Dabei mangelt es oftmals auch am Wissen, wie man einen Zeitplan aufbauen und Schreibgewohnheiten nachhaltig verändern kann. Mit diesem Buch möchte ich Schreibenden helfen, die zeitliche Dimension des Schreibens bewusst und langfristig unter Kontrolle zu bringen.

Ich habe mich einerseits durch meine eigenen Erfahrungen und denjenigen der Schreibenden, die zu mir in Beratungen und Workshops gekommen sind, leiten lassen. Andererseits haben mich die Bücher The Clockwork Muse von Eviatar Zerubavel (2001) und How to Write a Lot von Paul J. Silvia (2007) angeregt, ein vergleichbares Buch auf Deutsch zu schreiben.

Franz Neff und Manuel Uebersax, die mir aus Sicht von regelmäßig Schreibenden wertvolle Anregungen gegeben haben, bin ich zu großem Dank verpflichtet. Den Personen, die zu den Beispielen beigetragen haben, danke ich für den Austausch über die Herausforderungen des regelmäßigen Schreibens (ihre Namen und die genauen Umstände wurden verändert). Dem Verlag, insbesondere der Lektorin Miriam von Maydell, möchte ich für die angenehme Zusammenarbeit danken. Ulrike Weingärtner danke ich für das sorgfältige Lektorieren des Manuskripts. Nicht zuletzt bedanke ich mich bei Bashar Ahmed, der die wunderbaren Zeichnungen gemacht hat.

Christian Wymann

Bern, im Juli 2014

[9] Schrittweise zum eigenen Schreibzeitplan

Sie halten dieses Buch in den Händen, weil Sie möglicherweise mit Ihrer Schreibsituation oder Ihren Schreibgewohnheiten unzufrieden sind und wissen wollen, was Sie ändern könnten. Es kann sein, dass Sie mehrere Schreibaufgaben parallel zu erledigen haben, aber nicht wissen, wie Sie das anstellen sollen. Vielleicht denken Sie ständig über eine schriftliche Arbeit nach, meinen aber, keine Zeit dafür zu finden oder wissen nicht, wenn Sie die Zeit haben, wie Sie beginnen sollen. Möglicherweise haben Sie bereits versucht, einem Zeitplan zu folgen, haben sich jedoch nicht lange daran gehalten und ihn bald wieder vergessen. Oder Sie fragen sich, ob Sie überhaupt über Schreibgewohnheiten verfügen.

Dieses Buch soll Ihnen dabei helfen, die Herausforderungen und Fragen zu klären, die mit dem Schreiben verbunden sind. Es kann Ihnen helfen, sich Ihrer (negativen) Schreibgewohnheiten bewusst zu werden und sie mithilfe eines Schreibzeitplans zu verändern. Denn der Schreibzeitplan ist ein Planungsinstrument, das Ihnen sagt, wann Sie wie lange mit welchem Ziel an welcher Aufgabe arbeiten. Er soll Sie dabei unterstützen, sich neue Schreibgewohnheiten anzueignen, indem Sie sich regelmäßig im Schreiben üben.

Vom Aufschieber zum Zeitplaner

Auch meine eigenen Schreibgewohnheiten waren früher nicht produktiv und zielgerichtet. Ich konnte sie jedoch mithilfe von Schreibzeitplänen erfolgreich verändern.

Während meiner Schulzeit am Gymnasium hatte ich kein Interesse am Lesen und Schreiben. Ich schrieb mittelmäßige Aufsätze und las nur, was ich lesen musste. Erst gegen Ende des Gymnasiums änderte sich meine Einstellung dazu. Im Studium wurde ich zum Bücherwurm. Doch das wissenschaftliche Schreiben, obwohl es mich faszinierte, blieb harte Arbeit, die mir nur in seltenen Fällen Freude bereitete. Wissenschaftlich zu schreiben, musste ich mir vor allem selbst beibringen, weil es dazu keine Kurse an der Hochschule gab. Bei jeder Hausarbeit stand ich vor der gleichen Frage: Wie sollte ich die Arbeit daran beginnen? Es lief immer [10] wieder darauf hinaus, dass ich Schreibaufgaben hinausschob, obwohl ich letztlich nie eine Abgabefrist verpasste. Schreiben war eine Qual, und Freizeit und Schlaf litten darunter. Das Aufschieben hatte Schreibexzesse mitten in der Nacht zur Folge, selbst noch bei der Fertigstellung der Abschlussarbeit.

In den ersten Jahren des Doktorats schrieb ich zwar immer wieder kurze Texte, doch vor der eigentlichen Schreibarbeit drückte ich mich emeut. Zu dieser Zeit kam ich mit einem Schreibberater in Kontakt, der ein Zeitplanmodell vermittelte und mit Kursen unterstützte. Erst einmal nahm ich nicht an seinen Kursen teil, weil ich glaubte, noch nichts schreiben zu können und deshalb auch keinen Zeitplan zu benötigen. Erst nach der Lektüre des Buches (Silvia 2007), mit dem der Berater arbeitete, begann die Veränderung: Allmählich eignete ich mir Schreibgewohnheiten an, auch wenn sie dem Zeitplanmodell nicht in allen Punkten folgten. Noch immer erlag ich inneren Widerständen und Ausreden. In der Endphase meiner Doktorarbeit war meine Schreibroutine jedoch so weit gediehen, dass ich werktags jeden Morgen spätestens um acht Uhr am Schreibtisch saß und den ganzen Morgen mit Schreiben verbrachte. Ich hatte zwar den idealen Schreibzeitplan noch nicht verwirklicht, war aber mit dem Tempo und täglichen Resultat meiner Arbeit zufrieden. Inzwischen, einige Jahre nach meinem Doktorat, weiß ich gut, wie ich Schreibgewohnheiten aufbauen und aufrechterhalten kann. Ich habe einen effizienten Schreibzeitplan für mich erstellt, der mich meinem Ideal nahekommen lässt.

Falls es Ihnen also ähnlich geht wie mir während meines Studiums, dann verlieren Sie nicht den Mut. Nehmen Sie dieses Buch als Inspiration und Motivation. Es kann Ihnen helfen, sich über Ihre Gewohnheiten klar zu werden und sie zu verändern.

Was der Schreibzeitplan bietet

Wie andere Tätigkeiten, erfordert Schreiben Konzentration, Geduld und Disziplin. Kaum jemand bringt diese Eigenschaften von Natur aus mit, sondern eignet sie sich allmählich an. Wer am Anfang des Studiums noch nicht über sie verfügt, wird sie idealerweise im Laufe der Zeit erwerben. Der Schreibzeitplan bietet eine Möglichkeit, diese drei Eigenschaften systematisch zu trainieren, während zugleich die eigenen Kenntnisse und Fähigkeiten im Schreiben wissenschaftlicher Texte durch regelmäßige Übung ausgebaut werden. Dies ist der Schlüssel: regelmäßig üben. Genau [11] dazu dient der Schreibzeitplan, der in diesem Buch vorgestellt wird.

Ich werde Sie schrittweise zu Ihrem eigenen Schreibzeitplan hinführen und Ihnen dabei sowohl unterschiedliche Möglichkeiten als auch Herausforderungen aufzeigen. Es geht dabei um folgende zehn Schritte:

1. Die Motivation bestimmen und sich selbst verpflichten;

2. definieren, wie viel Zeit Sie brauchen;

3. eine Liste der Schreibaufgaben erstellen und deren Prioritäten bestimmen;

4. kleine Aufgaben und Ziele definieren;

5. die Aufgaben und Ziele kurz- bis langfristig planen;

6. den Schreibfortschritt kontrollieren;

7. die Schreibumgebung gestalten;

8. die Tücken während der Schreibsitzung kennen und meistern;

9. Rituale und Belohnungen nutzen;

10. und den gängigen Einwänden, nicht zu schreiben, trotzen.

Folgen Sie den einzelnen Schritten, verfügen Sie am Ende Ihrer Lektüre über die wichtigsten Informationen für die Erstellung Ihres Schreibzeitplans. Das heißt noch nicht automatisch, dass Sie nicht in alte Muster zurückfallen können. Der Schreibzeitplan bietet aber ein Gerüst dafür, Ihre Schreibgewohnheiten zu erkennen und nach Ihren Bedürfnissen zu verändern. Die eigentliche Arbeit – sich zur geplanten Stunde hinzusetzen und für die Dauer der Sitzung eine Aufgabe zu bearbeiten – liegt bei Ihnen.

Betrachten Sie Ihren Schreibzeitplan bitte nicht gleich als gescheitert, wenn Sie auf Schwierigkeiten und Hindernisse treffen. Diese Art von Herausforderungen gehört zu jedem Schreibprozess. Die Reibungen, die dabei entstehen, helfen Ihnen zu erkennen, woran Sie arbeiten können. Diese sind Zeichen dafür, dass Sie sich mit Ihren Schreibgewohnheiten auseinandersetzen. Würde der Aufbau eines Schreibzeitplans ohne Probleme verlaufen, gäbe es vermutlich überhaupt keinen Grund, ihn zu erstellen. Erlauben Sie sich also, im Prozess geduldig und entspannt zu bleiben, während Sie sich Ihrem Schreibzeitplan nähern.

Ihr Schreibzeitplan funktioniert nur, wenn Sie ihm so genau wie möglich folgen. Geben Sie nicht zu früh auf, wenn Ihnen das nicht auf Anhieb gelingt. Experimentieren Sie. Ihr Schreibzeitplan muss auf Ihre Bedürfnisse und Möglichkeiten zugeschnitten sein. Was für eine andere Person funktionieren mag, könnte für Sie zur Qual werden. Versuchen Sie also nicht, die Gewohnheiten Ihrer [12] Kommilitonlnnen oder der Personen, die in diesem Buch vorgestellt werden, nachzuahmen. Versuchen Sie Ihren eigenen Weg zu gehen. Solange Sie realistisch bleiben, werden Sie Ihren Schreibrhythmus finden.

Geben Sie sich ausreichend Zeit, bis Sie sich neue Schreibgewohnheiten angeeignet haben. Dieser Prozess braucht Übung und Geduld und gelingt nicht von heute auf morgen.

Die zehn Schritte zu Ihrem Schreibzeitplan sind außerdem kein linearer Prozess, an dessen Abschluss ein über Jahre funktionierender Plan steht. Die meisten der zehn Schritte werden Sie wiederholt durchlaufen. Es gehört mit zum Schreibzeitplan, dass Sie ihn immer wieder überprüfen und anpassen. Ihre vielfältigen Verpflichtungen neben dem Studium, dem Doktorat oder der Arbeit verändern sich. Ihre Ansprüche und Bedürfnisse beim Schreiben und Ihre Schreibaufgaben verändern sich ebenso. Deshalb muss sich auch Ihr Schreibzeitplan mit wandeln, sonst kann er zu einem Hindernis statt zu einer Unterstützung werden.

Praktisch statt theoretisch

Ich halte dieses Buch absichtlich praktisch. Ich verzichte auf Theorien, Modelle und Forschungsresultate der Psychologie und anderer Fächer, die etwas zu Selbst- und Zeitmanagement, Konzentration oder Planung sagen. Falls Sie sich dafür interessieren, finden Sie Informationen in anderen Büchern (z.B. Boice 1990; Riedenauer/Tschirf 2012). Es geht mir um die Basiselemente eines Zeitplans und die konkreten Herausforderungen, denen Sie dabei eventuell begegnen. Das Buch präsentiert Ihnen Werkzeuge, mit denen Sie Ihren eigenen Schreibzeitplan zusammensetzen können. Dazu benötigen Sie Ihren gesunden Menschenverstand und die Offenheit und Bereitschaft, Ihr eigenes Verhalten und Ihre Gewohnheiten zu reflektieren.

Da der Aufbau des eigenen Schreibzeitplans Ausdauer und Disziplin verlangt, will ich Sie mit Beispielen von anderen Schreibenden motivieren und inspirieren. Die Beispiele nehme ich einerseits aus meiner Tätigkeit als Schreibberater und andererseits aus der Literatur. Die Schreibenden, von denen ich berichten werde, erreichen nicht alle ihr Wunschziel auf Anhieb. Anstatt Ihnen zu zeigen, wie jemand zum perfekten Schreibzeitplan findet, erfahren Sie, wie andere Schreibende mit Herausforderungen umgehen. [13] Vielleicht erkennen Sie sich in dem einen oder anderen Beispiel wieder und können daraus Inspiration und Motivation schöpfen.

Verwendung und Aufbau des Buches

Verfügen Sie noch nicht über einen Schreibzeitplan oder wissen nicht, worum es bei der Idee des Schreibzeitplans genau geht, folgen Sie am besten den einzelnen der zehn Schritte der Reihe nach. Richten Sie sich bereits nach einem Schreibzeitplan, sind aber mit der Umsetzung nicht zufrieden, dann suchen Sie sich die Kapitel heraus, die Ihnen weiterhelfen könnten. In beiden Fällen dürfen Sie dieses Buch als Werkzeugkasten mit zehn Schubladen auffassen. Nehmen Sie aus dem Kasten, was Sie brauchen. Wenn Ihnen ein bestimmtes Werkzeug nicht gut in der Hand liegt, müssen Sie es auch nicht verwenden bzw. können es anpassen. Schließlich geht es um Ihr eigenes Schreiben, dem Sie mithilfe des Schreibzeitplans eine Routine geben wollen. Sie alleine entscheiden, was für Sie funktioniert.

Auf welche Weise Sie das Buch auch lesen, setzen Sie das Gelesene am besten gleich um. Fertigen Sie Ihren eigenen Schreibzeitplan parallel zum Lesen an. Obschon die Lektüre an sich hilfreich sein kann, geht sie vermutlich auch schnell wieder vergessen, wenn Sie sie nicht direkt umsetzen. Machen Sie nicht denselben Fehler wie ich, als ich mein erstes Buch zur Zeitplanung gelesen habe. Im Nachhinein wünschte ich mir, ich hätte mein frisches Wissen zum Thema unmittelbar verarbeitet. Ich hätte mir Sorgen über meinen Schreibfortschritt und die vermeintlich fehlende Zeit zum Schreiben ersparen können.

Um herauszufinden, welche Gewohnheiten Sie beim Schreiben zurzeit haben, können Sie die Reflexionsübungen durchführen. Die Übungen fordern Sie auf, sich durch Fragen oder kurze Schreibaufgaben Aspekte Ihrer Schreibgewohnheiten bewusst zu machen. Dadurch setzen Sie einen Reflexionsprozess in Gang, der Sie bei der Veränderung dieser Gewohnheiten unterstützen kann. Sie können sich dafür ein Notizheft reservieren oder eine Datei auf dem Computer erstellen. Dadurch legen Sie Ihre Überlegungen an einem Ort ab und können sie später emeut lesen oder ergänzen.

Sollten Sie, nachdem Sie die zehn Schritte durchgearbeitet und umgesetzt haben, immer noch große Probleme mit dem Entwickeln einer Schreibroutine haben, finden Sie am Ende das Kapitel „Und was, wenn das alles nicht funktioniert wie geplant?“. Besonders [14] Schreibende, die trotz Schreibzeitplan weiterhin aufschieben oder nicht vom Fleck kommen, finden darin Anregungen für weitere Schritte.

Und schließlich finden Sie am Ende die „Quintessenz der 10 Schritte“ in wenigen Sätzen beschrieben. Die Auflistung kann Ihnen bei der Orientierung innerhalb der zehn Schritte helfen oder Ihr Wissen über den Schreibzeitplanjederzeit auffrischen.

Zum Weiterlesen über …

Theorien, Modelle und Forschungsergebnisse zu Zeit- und Selbstmanagement

■ Boice, Robert (1990): Professors as Writers. A Self-Help Guide to Productive Writing. Stillwater: New Forums Press Inc.

■ Riedenauer, Markus; Tschirf, Andrea (2012): Zeitmanagement und Selbstorganisation in der Wissenschaft. Ein selbstbestimmtes Leben in Balance. (UTB 3668). Wien: facultas wuv.

[15] Schritt 1:
Motivation und Selbstverpflichtung


[16] Reflexion: Automatisches Schreiben zur Motivation

Schreiben Sie fünf Minuten lang zu folgender Frage: Warum will ich einen Schreibzeitplan erstellen?

Schreiben Sie ohne lange zu überlegen oder zu planen. Setzen Sie wenn möglich während dieser fünf Minuten den Stift nicht ab bzw. nehmen Sie Ihre Finger nicht von der Tastatur. Schreiben Sie auf, was Ihnen in diesem Moment in den Sinn kommt, ohne das Geschriebene zu beurteilen oder zu löschen. Anders gesagt: Transkribieren Sie, was Ihnen zu der Frage in den Sinn kommt. Egal, ob es sich um unvollständige Sätze handelt oder Ihre Gedanken nicht immer Sinn machen, schreiben Sie. Schreiben Sie kontinuierlich, und falls Ihnen nichts einfällt, schreiben Sie, dass Ihnen nichts einfällt. Sie müssen nicht schnell schreiben, sondern lediglich den Stift oder die Finger in Bewegung halten. Sind die fünf Minuten verstrichen, lesen Sie Ihren Text und markieren die Wörter und Sätze, die Ihnen wichtig erscheinen. Womöglich werden Sie überrascht sein, was Sie geschrieben haben. Im Idealfall gibt Ihnen das Resultat dieser Übung Auskunft darüber, was Sie dazu motiviert, einen Schreibzeitplan zu erstellen.

Motivation

Die Motivation zu kennen, weshalb man sich der Arbeit annimmt, einen Schreibzeitplan zu erstellen, und sich den Herausforderungen stellt, wird sich als wichtiger Anker erweisen – besonders in schwierigen Phasen. Vergegenwärtigen Sie sich zu Beginn und immer wieder während des Prozesses Ihre Motivation. Vielleicht verändert sie sich im Laufe der Zeit oder Sie entdecken, dass sie grundlegender ist, als Sie bisher annahmen. Überprüfen Sie Ihre Motivation nicht dann und wann, könnte es sein, dass Sie sie vergessen und in schwierigen Zeiten nicht mehr reaktivieren können. Sie könnten den Mut verlieren und den Schreibzeitplan aufgeben. Das Gegenteil ist das Ziel.

Welche Motivation könnte dahinter stecken, dass Sie einen Schreibzeitplan in Angriff nehmen? Absolvieren Sie ein Studium, ist Schreiben abhängig vom Fachbereich ein wichtiger Teil Ihrer Ausbildung. Es mag Ihnen so Vorkommen, als müssten Sie schreiben. [17] Das Ganze lässt sich aber auch von einer anderen Seite betrachten: Sie haben das Studium höchst wahrscheinlich aus eigenen Stücken begonnen und wollen sich Wissen und Kompetenzen aneignen. Schreiben bildet sowohl eine der Schlüsselkompetenzen des wissenschaftlichen Arbeitens, auf das Sie durch das Studium vorbereitet werden, als auch vieler Berufe (Frank/Haacke/Lahm 2007; Nünning 2008; Kruse 2010). Damit Sie sich Schreibkompetenzen aneignen können, ist es notwendig, dass Sie das wissenschaftliche Schreiben immer wieder üben. Ihre Motivation, einen Schreibzeitplan zu erstellen, hängt mit Ihrem Wunsch zusammen, sich als wissenschaftlich Schreibende oder Schreibender zu verbessern. Weil Sie dabei effizient Vorgehen möchten, ohne Ihre Freizeit dafür zu opfern, streben Sie eine gute Zeitplanung an.

Vielleicht stehen Sie mitten in einer Abschluss- oder Qualifikationsarbeit, sei das Ihre Bachelor-, Master- oder Doktorarbeit. Sie sind mit Ihrer Arbeitsweise oder dem Arbeitsfortschritt unzufrieden und möchten daran etwas ändern. Ihre Motivation besteht darin, diese Unzufriedenheit in Zufriedenheit mit Ihrem Schreiben umzuwandeln. Es kann sein, dass Sie andere Schreibende kennen, die mit ihrem Arbeitsrhythmus zufrieden sind und genügend Zeit für andere Verpflichtungen haben. Es motiviert Sie zu sehen, dass sie es geschafft haben, und streben nach einer ähnlich geordneten Schreibsituation. Ähnlich ging es Katrin und Samuel (siehe Schritt 2), die durch andere inspiriert wurden und ihren eigenen Schreibzeitplan in Angriff nahmen.

Eine dritte Motivation könnte darin bestehen, dass Sie unterschiedliche Verpflichtungen unter einen Hut bringen müssen. Während Sie die meisten davon planen, tun Sie das fürs Schreiben noch nicht. Damit das Schreiben nicht vergessen geht, wollen Sie nun einen Zeitplan ausarbeiten. So ging es Andreas, der plante, während eines Jahres die Rohfassung seiner Qualifikationsarbeit zu entwerfen. Seine Anstellung und seine Familie mit zwei Kindern gaben ihm bereits einiges an zeitlicher Planung vor. Dies war unter anderem Grund dafür, dass er fürs Schreiben einen Plan anfertigen wollte.

Es gibt bestimmt noch andere Gründe, weshalb man sich einen Schreibzeitplan wünscht. Vergegenwärtigen Sie sich, welche Gründe das in Ihrem Fall sind und klären Sie Ihre Motivation. Dabei ist wichtig, dass die Motivation von Ihnen selbst kommt. Äußerer Druck, zum Beispiel durch die Umstände oder einen Auftraggeber, mag in manchen Fällen helfen, disziplinierter zu arbeiten. Aber wenn Sie für sich selbst nicht entscheiden können, ob und weshalb Sie einen Schreibzeitplan benötigen, werden Sie [18] wahrscheinlich die Motivation nicht lange aufrechterhalten. Der Schreibzeitplan stellt ein Mittel dar, das Sie am besten freiwillig und aus eigener Motivation wählen.

Selbstverpflichtung

Falls Sie motiviert sind, Ihren persönlichen Schreibzeitplan zu finden, schlage ich vor, dass Sie sich dazu verpflichten. Sie übernehmen die Verantwortung für den Aufbau und die Aufrechterhaltung Ihres Schreibzeitplans. Sie verpflichten sich selbst, eine neue und zu Beginn fordernde Gewohnheit aufzubauen: nach Plan regelmäßig zu schreiben.

Diese Selbstverpflichtung können Sie auf verschiedene Arten zu einem gewissen Grad verbindlich machen. Grundlegende Voraussetzung ist, dass Sie sich selbst gegenüber verpflichten. Sie können diese Selbstverpflichtung beispielsweise in Ihrem eigens dafür reservierten Notizheft oder in Ihrer Computerdatei schriftlich festhalten. Es kann aber auch hilfreich sein, anderen Personen davon zu erzählen. Während die Motivation noch immer von Ihnen kommt, schadet es nicht, wenn Sie von Ihren Freundinnen und Kommilitonlnnen hin und wieder auf Ihren Schreibzeitplan angesprochen werden. Es geht zwar nicht darum, es anderen Recht machen zu wollen. Wenn Sie jedoch merken, dass sich andere für Ihre Arbeitsweise interessieren, kann Sie das zusätzlich motivieren. Zudem geben Ihnen Nachfragen wiederholt Anlass, Ihr Vorhaben zu reflektieren.

Sie können noch einen Schritt weitergehen, indem Sie mit anderen Schreibenden eine Gruppe bilden, in der der Schreibzeitplan das einzige Thema bildet (dazu mehr in Schritt 6). Zu beobachten, wie andere ihren Schreibzeitplan verwirklichen und mit welchen Schwierigkeiten sie zu kämpfen haben, kann alle in der Gruppe in ihren Bestrebungen unterstützen.

[19] Zum Weiterlesen über …

Automatisches Schreiben

■ Elbow, Peter (1998): Writing with Power. Techniques for Mastering the Writing Process. New York/Oxford: Oxford University Press. (Kap. 1.2)

■ Scheuermann, Ulrike (2016): Schreibdenken. Schreiben als Denk- und Lemwerkzeug nutzen und vermitteln. (UTB 3687). Opladen/Toronto: Verlag Barbara Budrich.

■ Wolfsberger, Judith (2010): Frei geschrieben. Mut, Freiheit & Strategie für wissenschaftliche Abschlussarbeiten. (UTB 3218). Wien: Böhlau Verlag. (S. 141–142)

Schreiben als Schlüsselkompetenz

■ Frank, Andrea; Haacke, Stefanie; Lahm, Swantje (2007): Schlüsselkompetenzen: Schreiben in Studium und Beruf. Stuttgart/Weimar: Verlag J. B. Metzler.

■ Kruse, Otto (2010): Lesen und Schreiben. Der richtige Umgang mit Texten im Studium. (UTB 3355). Konstanz: UVK.

■ Nünning, Vera (Hrsg.) (2008): Schlüsselkompetenzen: Qualifikationen für Studium und Beruf. Stuttgart/Weimar: Verlag J.B. Metzler.

[21] Schritt 2:
Definieren, wie viel Zeit Sie brauchen


[22] In Schritt 2 erstellen Sie einen Wochenplan (oder optimieren einen bestehenden), damit Sie wissen, an welchen Tagen Sie um welche Uhrzeit für wie lange schreiben. Ich stelle Ihnen zwei Hauptvorgehensweisen vor und zeige Ihnen, wie andere ihre Schreibsitzungen festgelegt haben. Mit Schreibsitzung meine ich das geplante und klar definierte Zeitfenster, in dem Sie schreiben.

Warum nicht auch das Schreiben planen?

Ein Wochenplan gibt Ihnen ein klares Arbeitsmuster vor, anhand dessen Sie sehen, wann Sie was tun. Studieren Sie, haben Sie einen Stundenplan, der Ihnen sagt, wann welche Vorlesungen und Seminare stattfinden. Unterrichten Sie an einer Schule oder Universität, dann werden Sie sich einen Plan Ihrer Veranstaltungen, Sitzungen und sonstigen Termine erstellen. Für verbindliche Aktivitäten mag es Ihnen einleuchten, weshalb Sie planen müssen. Weshalb nicht auch beim Schreiben?

Schreiben bildet einen wichtigen Teil Ihrer Ausbildung oder Ihres Berufs. Mit Schreiben meine ich nicht nur das eigentliche Verfassen eines Textes, sondern auch alle Arbeiten, die zur Vor- und Nachbereitung nötig sind (siehe Schritt 4). Deshalb ist es nicht abwegig, dieser bedeutenden Tätigkeit genauso Zeit einzuräumen wie für andere Aktivitäten. Unabhängig davon, ob Sie den Schreibzeitplan nur für eine begrenzte Zeit benötigen, weil Sie Ihre Abschlussarbeit schreiben, oder ihn langfristig verwenden wollen: In beiden Fällen lohnt es sich, mithilfe eines Wochenmusters regelmäßig zu schreiben. Es spielt dabei keine Rolle, wie viele Stunden Sie mit Schreiben verbringen. Viel wichtiger ist, dass Sie es regelmäßig tun. Wenn Sie in einem selbst definierten Rhythmus schreiben, wird das Schreiben zu einer Gewohnheit. Sie wissen immer, wann Sie schreiben, ohne sich Sorgen über verlorene oder fehlende Zeit machen zu müssen. Schreiben wird zu einer Routine, die sich allmählich in Ihren Arbeitsalltag eingliedert. Der Weg dahin mag phasenweise holprig sein. Das ist jedoch lediglich Ausdruck davon, dass Sie sich mit einer neuen Gewohnheit auseinandersetzen.

Während der Aufbau eines Schreibzeitplans ein schwieriges Unterfangen darstellen kann, hat er ebenso positive Wirkungen. Vielleicht gehören Sie zu denjenigen Menschen, die Schreibaufgaben hinauszögem, weil sie über keine Zeitplanung verfügen, und diese schließlich in intensiven, über Stunden dauernden Schreibphasen [23] kurz vor Abgabefrist abarbeiten. Ich spreche von Schreibexzessen, die Sie auslaugen und kaum für die nächste Schreibaufgabe motivieren. Mit einem Schreibzeitplan können Sie solche Exzesse, die meistens am Abend, in der Nacht oder am Wochenende stattfinden, vermeiden. Ihr Zeitplan, vorausgesetzt er wird eingehalten, lässt es nicht zu Exzessen kommen, weil Sie die Schreibaufgabe stufenweise während den geplanten Schreibsitzungen und innerhalb der Frist erledigen. Es hängt nun davon ab, wie Sie Ihren Schreibzeitplan gestalten, damit Sie Ihre Freizeit, Wochenenden und Ferien nicht mit der Arbeit an Texten verbringen müssen – außer Sie wollen es so.

Ich schlage vor, dass Sie für die Planung Ihrer Schreibsitzungen die übliche Arbeitswoche und einen normalen Arbeitstag als Ausgangspunkt nehmen: Montag bis Freitag, 08:00 bis 18:00 Uhr. Entscheiden Sie selbst, ob Sie darüber hinaus Zeitfenster benötigen. Das hängt zum Teil von Ihren übrigen Verpflichtungen, aber auch Ihren Vorlieben für Arbeitszeiten und Ihrem Biorhythmus ab. Sind Sie jedoch unter anderem fürs Schreiben angestellt und bezahlt, dürfen Sie guten Gewissens Schreibsitzungen während Ihrer Arbeitszeit einbauen.

Negative Bestimmung Ihres Wochenplans

Die negative Bestimmung stellt eine von zwei Vorgehensweisen dar. Negativ ist hier aber nicht mit schlecht gleichzusetzen. Es handelt sich vielmehr um ein Ausschlussverfahren, mit dem Sie feststellen, wann Sie in Ruhe schreiben können. Es lohnt sich, wenn Sie schrittweise Vorgehen. Alles auf einmal erledigen zu wollen, erweist sich nicht nur beim Schreiben als frustrierend oder gar unmöglich, sondern auch bereits beim Planen.

Nehmen Sie Ihre Agenda, Stundenpläne und anderen Zusammenstellungen mit Terminen zur Hand. Im Moment interessieren Sie sich nur für wiederkehrende Termine, die zum Beispiel wöchentlich oder zweiwöchentlich anstehen. Beginnen Sie zuerst mit den Terminen und Verpflichtungen, denen Sie unbedingt nachkommen müssen und wollen: Ihre Arbeit, mit der Sie Geld verdienen; Lehrveranstaltungen und andere Kurse; Freizeitaktivitäten wie Klavierstunden oder Sport und auch wiederkehrende Familienaktivitäten.

[24] Erstellen Sie nun eine einfache Wochenübersicht (siehe Abb. 1 unten), auf der Sie pro Tag und für jede Stunde diese Termine und Aktivitäten eintragen können.

Anschließend notieren Sie alle Aktivitäten, die in festem Turnus wiederkehren, aber weniger wichtig und verbindlich als die vorherigen Termine sind. Vielleicht treffen Sie sich regelmäßig mit Kommilitonlnnen zum Kaffee oder Sie lesen immer zur gleichen Zeit die Zeitung in der Bibliothek. Was es auch ist, tragen Sie es in den Wochenplan ein. Falls es weitere Dinge gibt, die bisher nicht in Frage gekommen sind, erfassen Sie auch diese. Je genauer Sie den Wochenplan füllen, desto realistischer werden Sie Ihre Schreibsitzungen planen können. Sie wollen auf jeden Fall vermeiden, dass Sie etwas Wichtiges vergessen haben, das in zwei Wochen Ihren gesamten Schreibzeitplan durcheinander bringt.

Vor Ihnen liegt nun eine Wochenübersicht, die mit Aktivitäten und Terminen gefüllt ist. Überdenken Sie nun die Zusammenstellung und fragen Sie sich, welche Aktivitäten Sie verschieben, verkürzen oder ganz weglassen könnten. Berücksichtigen Sie dies im Hinblick darauf, wann Sie Ihre Schreibzeiten einplanen können. Denn nun müssen Sie herausfinden, an welchen Tagen und zu welchen Zeiten Sie wie lange für eine Schreibsitzung reservieren wollen. Das hängt unter anderem von folgenden Faktoren ab, die Sie beachten sollten:

Wann fühlen Sie sich wach und energiegeladen? Wann ist Ihre Tagesform am besten?

Wann können Sie ungestört arbeiten? Das heißt auch, wann können Sie es sich leisten, Ihre E-Mails nicht abzurufen, SMS nicht zu beantworten und Telefonate nicht entgegenzunehmen?

Wann können Sie sich im Hinblick auf das, was Sie vor- und nachher erledigen, auf eine Schreibaufgabe konzentrieren?

Wann lenken Sie vorangegangene oder kommende Termine ab?

Kommen für Sie noch weitere Faktoren in Frage, ziehen Sie sie unbedingt in Betracht. Ihr Ziel sollte sein, Tage und Zeiten zu finden, an denen Sie sich Ihren Schreibaufgaben zu den für Sie besten Bedingungen widmen können. Es ist Ihre Schreibzeit, die Sie reservieren. Planen Sie nichts, von dem Sie bereits in der Planungsphase wissen, dass es nicht klappen wird. Seien Sie so realistisch und ehrlich wie möglich. Sie alleine müssen Ihren Schreibzeitplan einhalten können.


[25] Abb. 1: Beispiel einer Wochenübersicht

Positive Bestimmung Ihres Wochenplans

Bei der positiven Bestimmung Ihres Zeitplans starten Sie genau mit dem Punkt, mit dem die negative aufhört. Sie fragen sich, wann Sie gerne schreiben würden. Auch wenn die oben genannten Faktoren, die Sie beachten sollten, gleichermaßen gelten, geht es primär um Ihre Zeitwünsche. Schreiben Sie gerne früh am Morgen oder nach dem Mittagessen? Schreiben Sie am liebsten am Montag und Mittwoch oder lieber nur Ende der Woche? Bei dieser Herangehensweise dürfen Sie vorerst ohne Rücksicht auf andere Verpflichtungen entscheiden, wann Sie sich hinsetzen und schreiben wollen. Tragen Sie die gewünschten Schreibzeiten in eine leere Wochenübersicht ein.

Zweifellos müssen Sie Ihre Verpflichtungen einbeziehen. Aber der Zweck der positiven Bestimmung liegt darin, dass das Schreiben eine hohe Priorität in Ihrer Arbeitswoche erhält und Sie wann immer möglich Ihre übrigen Termine daran anpassen. Dieser Ansatz lohnt sich besonders, wenn Sie eine größere Schreibaufgabe wie eine Bachelor-, Master- oder Doktorarbeit planen. Eine solche Arbeit beansprucht einen Großteil Ihrer Zeit. Für Monate [26] oder Jahre werden Sie ihr eine hohe Priorität zuschreiben müssen. Sie tun deshalb gut daran, Ihre Schreibzeit Ihren Wünschen entsprechend zu realisieren und zu verteidigen.

Kennen Sie Ihre Wunschzeiten fürs Schreiben, richten Sie andere Verpflichtungen wie Arbeit, Ausbildung und Freizeit falls realisierbar danach aus. In einigen Fällen wird Ihnen das besser gelingen als in anderen. Es geht darum, dass Sie Ihren Wünschen entgegenkommen. Können Sie sie nicht vollständig, sondern nur teilweise umsetzen, betrachten Sie dies trotzdem als Gewinn. Zeitpläne verändern sich immer wieder, also kommen Sie Ihrem idealen Schreibzeitplan vielleicht später einmal näher.

Sie können nun Ihre wiederkehrenden Termine und Verpflichtungen rund um Ihre Schreibsitzungen planen. Am Ende haben Sie einen Wochenplan, der Ihnen einerseits zeigt, wann Sie schreiben können, weil Sie dann schreiben wollen. Andererseits zeigt er Ihnen, wann Sie aufgrund anderer Verpflichtungen einen Kompromiss eingehen müssen.

Falls es Ihnen geht, wie einigen meiner Klientinnen, allen voran Promovierenden, könnten sich Ihre Verpflichtungen wöchentlich ändern. Sie haben keine Kontrolle darüber, ob und wann eine Sitzung stattfindet, wann das Labor für Ihr Experiment frei ist oder wann jemand Zeit für ein Interview hat. In solchen, unvorhersehbaren, fremdbestimmten Fällen, dürfen Sie sich optionale Zeitfenster geben: Wenn die Sitzung stattfindet, schreiben Sie nicht; wenn sie nicht stattfindet, schreiben Sie für die geplante Zeit. Damit Ihr Zeitplan nicht mit optionalen Schreibsitzungen gefüllt ist, sollten Sie zum Ausgleich ein paar vorsehen, die tatsächlich im Wochenrhythmus stattfinden, ohne dass diese von unerwarteten oder spontanen Termine vereinnahmt werden.

Wie lange wollen Sie schreiben?

Die beiden Vorgehensweisen können Ihnen helfen, systematisch Ihre Schreibzeiten zu bestimmen. Sie werden selbst merken, ob Ihnen die eine oder andere Art besser liegt. Wenn Sie so Vorgehen, machen Sie sich Ihre zeitlichen Ressourcen bewusst und erhalten einen klaren Überblick. Mit der Zeit werden Sie intuitiver planen und dabei beide Verfahren gemischt anwenden. Aber wie Sie auch Vorgehen, eine realistische und umsetzbare Zeitplanung braucht Übung.

[27] Erlauben Sie sich in den ersten Wochen mit Ihrer Planung zu experimentieren und beobachten Sie sich. Richten Sie einen klaren Blick auf Ihre Schreibgewohnheiten. Ihre Beobachtungen können Sie in einer Art Schreibtagebuch in Ihrem Notizheft oder Ihrer Datei festhalten.

Reflexion über längere Zeit

Halten Sie im Schreibtagebuch fest, wie Sie Ihren Schreibzeitplan umsetzen und was dabei funktioniert und was nicht. Notieren Sie, unter welchen Bedingungen Sie eine Schreibsitzung zufriedenstellend durchführen konnten und unter welchen nicht. Vielleicht finden Sie heraus, dass es wiederkehrende Umstände oder Gewohnheitsmuster gibt, die Sie beim Schreiben unterstützen oder bremsen (siehe auch die Reflexionsübung in Schritt 8). Ihre Beobachtungen bieten Ihnen also eine Basis zur Reflexion Ihrer Gewohnheiten und deren Veränderung. Sobald Sie Ihre Schreibsitzungen wie geplant einhalten können, werden sich auch die kleinen Erfolgserlebnisse und die Motivation einstellen.

Nehmen Sie diese Experimentier- und Beobachtungsphase nicht als Ausrede, Ihren Zeitplan jede Woche oder noch öfter zu verändern. Das könnte dazu führen, dass Sie diese Phase ausdehnen und zu keinem (vorläufig) verbindlichen Schreibzeitplan finden. Um das regelmäßige Schreiben als neue Gewohnheit kultivieren zu können, müssen Sie sich über längere Zeit an einen Plan halten. Nur so finden Sie heraus, wo es noch Probleme gibt, die Ihrem Vorhaben im Weg stehen und die Sie lösen müssen. Geben Sie also nicht gleich beim ersten Anzeichen von Widerstand auf. Finden Sie stattdessen heraus, wann und wieso Schwierigkeiten auftauchen. Vielleicht sind es lediglich die natürlichen Reflexe Ihrer alten Gewohnheiten, die Sie zu verändern versuchen.

Je nach Planungsvorgehen, wird sich die Dauer Ihrer Schreibsitzungen entweder von selbst ergeben oder Sie bestimmen sie. Oft denken Schreibende, dass sie Zeitblöcke von mehreren Stunden benötigen, um richtig ins Schreiben zu kommen und Konzentration aufzubauen. Häufig zeigt sich aber, dass ihnen nie so viel Zeit zur Verfügung steht. Aus diesem Grund meinen sie, keine Zeit fürs Schreiben zu haben. In der Regel stellt sich heraus, dass dies nur eine, wenn auch hartnäckige Ausrede ist (siehe Schritt 10). Würden [28] sie ihre Gewohnheiten verändern, könnten sie in vielen Fällen auch für kürzere Zeit schreiben.

Wenn Sie also der Meinung sind, dass Sie ganze vier Stunden zum Schreiben benötigen, Sie aber unter der Woche über kein so großes Zeitfenster verfügen, so überdenken Sie Ihre Zeitbedürfnisse. Vielleicht reicht Ihnen mit etwas Übung eine Stunde aus. Oder es geht Ihnen wie einigen der Klientinnen von Robert Boice (1990: 14), die mit nur kurzem, regelmäßigem Schreiben mehr produziert haben als erwartet (der Psychologe B.F. Skinner spricht sogar von nur 15 Minuten für den Anfang; Skinner 1997: 80). Deshalb nochmals: Es spielt keine große Rolle, wie lange Sie schreiben, sondern dass Sie es regelmäßig tun. Im Extremfall folgen Sie sogar dem Motto „Nulla dies sine linea“ – kein Tag ohne Linie –, das nicht nur für Künstlerinnen, sondern auch für Schreibende seine Gültigkeit haben kann (siehe Trollope 1999: 227; Skinner 1997: 80; Murray 2004: 26).

Bevor Sie die Dauer Ihrer Schreibsitzungen bestimmen, sollten Sie folgende Fragen beachten:

Wie lange können Sie fokussiert schreiben, ohne zu ermüden?

Wann ist Ihre Energie aufgebraucht und wird die Arbeit zur Belastung?

Wie lange sind Sie motiviert zu schreiben?

Schreibende neigen dazu, bei Ihrem ersten Zeitplan zu lange Schreibsitzungen zu planen. Sie nehmen sich vier Stunden vor, weil sie gerne so lange schreiben möchten oder weil sie denken, dass sie so viel Zeit für die Bewältigung der Schreibaufgabe benötigen. Nach einer oder eineinhalb Stunden schreiben stellen sie jedoch fest, dass sie bereits ausgelaugt sind und keinesfalls weitere drei Stunden, wie geplant, arbeiten können. Entweder sie brechen die Schreibsitzung frühzeitig ab oder sie beginnen andere, nicht geplante Aufgaben zu verfolgen. Damit riskieren sie, sich zu verzetteln. In beiden Fällen werden sie frustriert sein, weil sie ihr Ziel nicht erreicht haben. Womöglich graut es ihnen bereits vor der nächsten langen Schreibsitzung.

Michelle beispielsweise orientierte sich an ihren Kolleginnen, die scheinbar den ganzen Tag an ihrer Arbeit schreiben konnten. Sie versuchte ebenso lange zu schreiben, merkte jedoch bald, dass sie bereits nach wenigen Stunden müde war und sich nicht mehr konzentrieren konnte. Sie zweifelte an ihren Fähigkeiten, weil sie die Einzige zu sein schien, die nicht den ganzen Tag fokussiert [29] arbeitete. Sie meinte, dass die Arbeitsweise der anderen Schreibenden normal sei und nahm sich diese als Vorbild. Inzwischen hat Michelle ihre Ansichten und eigene Arbeitsweise reflektiert und ist zu dem Schluss gekommen, dass es sie demotiviert, einem (vermeintlichen) Ideal nachzujagen. Sie legt nun selbst fest, wie lange sie schreiben will und kann, unabhängig davon, wie andere arbeiten.

Wählen Sie die Dauer Ihrer Schreibsitzungen so, dass Sie aufhören, bevor Sie ermüden. Schreiben Sie weiter, obwohl Sie schon lange müde sind und kaum mehr vorwärts kommen, riskieren Sie, dass Sie Schreiben mit Ermüdung gleichsetzen. In diesem Fall werden Sie kaum motiviert sein zu schreiben. Wird das Schreiben zu einer deprimierenden Aktivität, hilft Ihnen der beste Zeitplan nicht weiter. Damit ist nicht gemeint, dass Schreiben keine herausfordernde, wenn nicht gar schwierige Angelegenheit ist (siehe Keyes 2003; Zinsser 2006; Kruse 2007). Das liegt in der Sache selbst. Aber herausfordernd und schwierig heißt nicht automatisch auch frustrierend.

Richten Sie die Dauer Ihrer Schreibsitzungen also sowohl nach Ihren Bedürfnissen als auch Ihrer Ausdauer aus. Sie tun sich einen Gefallen, sofem Sie bei der Planung realistisch bleiben. Lassen Sie sich von anderen Schreibenden diesbezüglich inspirieren, aber versuchen Sie nicht, deren Pläne zu kopieren. Ihr Schreibzeitplan und speziell die Planung Ihrer Schreibsitzungen funktioniert nur, wenn sie auf Sie abgestimmt sind.

Falls Sie nicht jede Schreibsitzung alleine verbringen möchten, können Sie mit anderen Schreibzeitplanerinnen gemeinsame Sitzungen vereinbaren. Amelia trifft sich beispielsweise einmal die Woche mit einer Kollegin zu einer Schreibsitzung. Sie kann sich dadurch besser zum Schreiben motivieren, gerade auch in den kommenden Schreibsitzungen, in denen sie alleine ist. Während der Sitzung arbeiten beide für die geplante Zeit an ihren Aufgaben. Sie tauschen sich nur vor- und nachher aus, nicht aber während der Sitzung (siehe Fröhlich/Henkel/Surmann 2017).

Puffer und Pausen

Bei all der Planung vergessen Sie bitte zwei Dinge nicht: Pausen und Pufferzeiten. Ist Ihr Wochenplan mit unzähligen Terminen und Verpflichtungen dicht gefüllt, sollten Sie darauf achten, die Schreibzeiten nicht nahtlos an andere Termine zu legen. Es könnte [30] zum Beispiel sein, dass Termine länger dauern als geplant und dadurch Ihre Schreibsitzungen in Mitleidenschaft gezogen werden. Genau das versuchen Sie mit dem Schreibzeitplan zu verhindern. Bauen Sie wann immer möglich Pufferzeiten zwischen Terminen und Ihren Schreibsitzungen ein. Falls Sie deshalb eine Schreibsitzung um 15 Minuten kürzer vorsehen müssen, ist das besser, als wenn Sie sie regelmäßig wegen einem vorhergehenden Termin zu spät beginnen. Gönnen Sie sich mit dem Puffer lieber eine Verschnaufpause, in der Sie entspannen und sich auf die anstehende Aufgabe ausrichten können.

Angenommen Sie planen mehrstündige Schreibsitzungen, vergessen Sie nicht Pausen zu reservieren. Kaum jemand arbeitet drei oder vier Stunden durch. Darunter leidet die Konzentrationsfähigkeit. Setzen Sie deshalb wiederholt kürzere und längere Pausen fest. Bauen Sie zum Beispiel pro Stunde fünf bis zehn und alle zwei Stunden 15 oder 20 Minuten Pause ein, in denen Sie sich bewegen und Ihre Augen entspannen können. Sie wissen selbst Bescheid, wann Sie Pausen benötigen. Achten Sie auf die Signale Ihres Körpers, der Ihnen sagt, wann er Erholung braucht (brennende Augen, Müdigkeit, steife Glieder etc.).

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140 p. 17 illustrations
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9783846353011
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