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Gemmo

therapie

in der Kinderheilkunde


Chrischta Ganz

Louis Hutter

Gemmo

therapie

in der Kinderheilkunde


INHALT

Vorwort

Einführung

Dr. Pol Henry und die Gemmotherapie

Embryonales Pflanzengewebe – Ort der gespeicherten Lebenskraft

Die Bedeutung der Pflanzensoziologie innerhalb der Gemmotherapie

Bäume und Menschen – Bäume und Kinder

Mütterliche und väterliche Bäume

Bäume als Entwicklungshelfer für die Menschen

Rituale – Sichtbarmachung verborgener Vorgänge

Die Heilmittel der Gemmotherapie

Die Aufgabe eines Naturheilmittels

Die Herstellung nach dem Arzneimittelbuch

Die wichtigsten Bezugsadressen für Gemmomazerate

Dosierungsempfehlung und Verabreichungsweise

Die Wahl der Gemmomazerate

Gemmomazerate für den Eigengebrauch: Knospen sammeln und verarbeiten mit Kindern

Das Mazerat des persönlichen Baums

Der Mensch aus der Sicht der Traditionellen Europäischen Naturheilkunde (TEN)

Über die Naturheilung

Der Mensch ist Teil der Natur

Die Wirkungen der Säfteprinzipien

Kochung/Reifung – Kraft der Veränderung

Die vier Temperamente und die unterschiedlichen Bedürfnisse des Kindes

Die Harmonisierung der Temperamente mit den Kräften der Knospen

Rezepturen zur Unterstützung der Temperamente

Knospenmonografien

Bergkiefer (Legföhre), Pinus mugo

Besenheide, Calluna vulgaris

Brombeere, Rubus fruticosus

Eberesche, Sorbus aucuparia

Edelkastanie, Castanea sativa

Gewöhnliche Esche, Fraxinus excelsior

Echter Feigenbaum, Ficus carica

Feldahorn, Acer campestre

Feldulme, Ulmus minor

Ginkgo (Tempelbaum), Ginkgo biloba

Hainbuche, Carpinus betulus

Hängebirke, Betula pendula

Gewöhnliche Hasel, Corylus avellana

Heckenrose (Hundsrose), Rosa canina

Heidelbeere, Vaccinium myrtillus

Himbeere, Rubus idaeus

Schwarzer Holunder, Sambucus nigra

Schwarze Johannisbeere, Ribes nigrum

Libanonzeder, Cedrus libani

Mandelbaum, Prunus dulcis

Mistel, Viscum album

Olivenbaum, Olea europaea

Preiselbeere, Vaccinium vitis-idaea

Riesenmammutbaum, Sequoiadendron giganteum

Roggen, Secale cereale

Rosmarin, Rosmarinus officinalis

Rotbuche, Fagus sylvatica

Sanddorn, Hippophae rhamnoides

Wolliger Schneeball, Viburnum lantana

Schwarzerle, Alnus glutinosa

Schwarzpappel, Populus nigra

Silberlinde, Tilia tomentosa

Silberweide, Salix alba

Sommerlinde, Tilia platyphyllos

Stieleiche, Quercus robur

Walnussbaum, Juglans regia

Weinrebe, Vitis vinifera

Weißdorn, Crataegus laevigata

Weißtanne, Abies alba

Zitronenbaum, Citrus limon

Knospen zur Unterstützung der Entwicklung und der kindlichen Seele

Das Aufwachsen mit allen Lebensthemen

Für den körperlich-seelischen Aufbau: die Weißtanne

Das schüchterne Kind

Das verschlossene Kind

Das unruhige Kind

Das verträumte Kind

Das überforderte Kind

Das zwanghafte Kind

Das verlustgeplagte Kind

Das Kind, das nicht schlafen kann

Das ängstliche Kind

Das empfindsame Kind

Das rebellierende Kind

Das aggressive Kind

Das traurige Kind

Das gemobbte Kind

Das traumatisierte Kind

Das verstummte Kind

Das kranke Kind

Erstens nicht schaden

Die häufigsten Beschwerden des Säuglings

Infektionskrankheiten

Erkrankungen des Immunsystems

Allergische Erkrankungen

Erkrankungen des Bewegungsapparats

Erkrankungen des Harntrakts

Erkrankungen der Haut

Erkrankungen des Hormonsystems

Erkrankungen des Atemtrakts

Erkrankungen des Kopfs und des Halses

Stoffwechselerkrankungen

Erkrankungen des Verdauungstrakts

Verhaltensauffälligkeiten

Gemmomazerate zur Unterstützung der Eltern in Krisensituationen

Die vier Stadien einer Krise

Gemmomazerate für die verschiedensten Krisensituationen

Körperliche Symptome bei Überforderung, Wut und Ohnmachtsgefühlen

Quickfinder Indikationen

Anhang

Quellenhinweise

Danksagung

Die Autoren

Pflanzenregister (deutsche Bezeichnung)

Pflanzenregister (lateinische Bezeichnung)

Stichwortverzeichnis

Die in diesem Buch wiedergegebenen Informationen wurden nach bestem Wissen dargestellt und sind in Theorie und Praxis geprüft. Dennoch kann und soll dieses Buch den Rat einer kompetenten Fachperson (Naturheilpraktiker/in, Arzt/Ärztin) nicht ersetzen. Die Autoren und der Verlag übernehmen keinerlei Haftung für Schäden oder Folgen, die sich aus dem Gebrauch oder der unsachgemäßen Anwendung der hier vorgestellten Informationen ergeben.

VORWORT

»Drei Dinge sind uns aus dem Paradies geblieben:

Sterne, Blumen und Kinder.«

Dante

In der Gemmotherapie (vom lateinischen gemma für »Knospe«) wird das Kostbarste und Lebendigste der Pflanze verwendet, um es dem Menschen zur Verfügung zu stellen: die Knospen und andere embryonale Pflanzengewebe, die sich in hoher Zellteilungsaktivität befinden. Diese Kraft lässt sich sinnbildlich mit dem Aufbrechen einer Knospe veranschaulichen. Das Potenzial des jungen Gewebes bewährt sich aus diesem Grund besonders in der Kinderheilkunde.

Die alte Liebe und Freundschaft zu Bäumen und Sträuchern, die unsere Vorfahren im Alltag, in der Heilkunde und in ihrer Spiritualität lebten, finden in der Gemmotherapie einen neuen Ausdruck in unserer Zeit. Bäume richten ihre Aufmerksamkeit durch die Wurzeln auf den Boden und sind tief verbunden mit Mutter Erde.

Über ihre Blätter und Äste kommunizieren sie mit der Luft und dem Himmel. Die Bewegungen der Bäume und Sträucher sind abhängig von Licht, Wind und Regen. Sie wenden sich der Sonne, dem Mond und allen Sternen zu. Genauso machen es die Kinder, die sich oft intuitiv zu Bäumen und Sträuchern, zu kraftvollen Plätzen im Wald oder bei einer Baumgruppe hingezogen fühlen.

Es ist uns darum ein Anliegen, mit diesem Buch das beeindruckende Potenzial der Gemmotherapie für die Kinderheilkunde aufzuzeigen. Wir erwachsenen Menschen erhalten mit den Knospenauszügen eine sanfte, liebevolle Möglichkeit, für unsere Kinder den Segen der Bäume und Sträucher noch deutlicher wahrnehmbar und verfügbar zu machen. So müssten wir die Worte Dantes am Anfang dieser Einleitung ergänzen: »Drei Dinge sind uns aus dem Paradies geblieben: Sterne, Kinder und die gesamte Pflanzenwelt mit Bäumen, Sträuchern, Kräutern, Knospen, Blumen, Blättern und Samen.«

Ebenso ist es uns ein Anliegen, darauf hinzuweisen, dass die infektiösen Krankheiten, die zu den impfbaren »Kinderkrankheiten« wie zum Beispiel Mumps, Masern, Röteln, Windpocken und so weiter gehören, in diesem Buch nicht gesondert behandelt werden. Auch gehen wir nicht auf Sinn oder Unsinn der Impfpraxis ein. Wir nehmen in dieser (oft sehr hitzig diskutierten) Frage prinzipiell eine gemäßigte Haltung ein und sind der vollen Überzeugung, dass den Eltern oder erziehungsberechtigten Personen in dieser Angelegenheit die volle Entscheidungsfreiheit gebührt, die von keiner auch noch so gut gemeinten Instanz eingeschränkt werden darf.

Macht ein Kind eine solche Krankheit durch, ist eine gemmotherapeutische Unterstützung des Genesungsprozesses durch Stärkung des Immunsystems und Linderung der Symptome dennoch sicher sinnvoll. Die Auswahl der Gemmomazerate wird dann entsprechend den auftretenden Symptomen gewählt (beispielsweise zur Stärkung des Immunsystems, zur Linderung von Juckreiz, Fieber, Husten und so fort).

Ganz klar weisen wir darauf hin, dass gegenüber impfbaren Krankheiten mit Gemmomazeraten keine spezifische Prophylaxe, geschweige denn Immunität erreicht werden kann!

Wir werden in diesem Buch zugunsten des Leseflusses verallgemeinernd die männliche Form verwenden, schließen damit jedoch alle Frauen mit ein. Wenn wir von Eltern sprechen, sind damit immer auch andere Erziehungsberechtigte und alle Bezugspersonen der Kinder gemeint: Mütter und Väter sowieso, Stief- und Pflegeeltern, Großmütter und -väter, Wahlgroßeltern, Lehrer, Kinderbetreuer und so weiter.

Ihnen allen wünschen wir nun ein inspirierendes Eintauchen in die Welt der Kinder und die Kraft der Knospenauszüge.

Chrischta Ganz und Louis Hutter

EINFÜHRUNG

Dr. Pol Henry und die Gemmotherapie

Der belgische Arzt, Homöopath und Naturforscher Dr. Pol Henry (1918–1988) forschte mit embryonalem Pflanzengewebe (Knospen, Trieb- und Wurzelspitzen), das er in Glycerin und Alkohol auszog, und untersuchte dessen Wirkung auf den Menschen. Die erste vertiefte Knospenanwendung erfolgte mit der Moorbirkenknospe (Betula pubescens), bei der Dr. Henry eine anregende Wirkung auf die Kupffer’schen Sternzellen der Leber entdeckte und somit ein in der Heilpflanzenkunde bisher unbekanntes Anwendungsgebiet für die Moorbirkenknospen erschloss.

Die Erfahrungen mit den Knospenauszügen übertrafen die Erwartungen von Dr. Henry bei Weitem. Dr. Max Tétau (1927–2012), ein langjähriger Mitarbeiter und Freund Dr. Henrys, gab dieser Heilmethode den bis heute üblichen Namen »Gemmotherapie«. Im Jahr 1982 erschien Dr. Henrys Buch Gemmothérapie thérapeutique par les extraits embryonnaires végétaux, 1965 wurde die Arzneimittelherstellung von Gemmotherapeutika in die Pharmacopée française aufgenommen und bekam damit offizielle Anerkennung. Und 2011 hielt das Herstellungsverfahren schließlich Einzug ins Europäische Arzneibuch, die Pharmacopoeia Europaea, und wurde den homöopathischen Arzneimitteln zugeordnet. Heute sind Gemmotherapeutika in allen europäischen Ländern, in den USA, in Australien und Neuseeland erhältlich. Die größte Verbreitung haben sie in den frankophonen Ländern. Im deutschsprachigen Raum gewinnt die Gemmotherapie immer mehr Anhänger und ist mittlerweile gut bekannt.

Aber ist die Anwendung von embryonalem Pflanzengewebe, vor allem der Knospen, innerhalb der Heilkunde wirklich etwas so Neues? – Ganz sicher nicht! Die ländliche Bevölkerung nutzt seit jeher die stoffwechselanregenden und »verjüngenden« Kräfte frischer Pflanzentriebe. Ein herausragender Vertreter der naturverbundenen Volksheilkunde, der Schweizer »Kräuterpfarrer« Johann Künzle (1857–1945), empfahl in seinem Buch Chrut und Uchrut das Sammeln von jungen Schossen (Trieben) von allen Dornenarten, um sie in wässriger Abkochung kurmäßig einzunehmen. Es darf sicher davon ausgegangen werden, dass er mit seiner auf Naturbeobachtung basierenden Empfehlung nicht allein dasteht. Historische Zeugnisse von Knospenanwendungen zu Heilzwecken reichen bis ins alte Ägypten. Auch die heilige Hildegard von Bingen (1098–1179), eine wichtige Vertreterin der frühmittelalterlichen Heilkunde, gibt detaillierte Informationen zur Anwendung von Birken-, Schwarzen-Johannisbeer-, Edelkastanien-, Heckenrosen-, Eschen-, Pappel-, Apfelbaum- und Lindenknospen.

Es ist Dr. Pol Henry, Dr. Max Tétau und ihrem Team zu verdanken, dass die Kraft der Knospen heute für die naturheilkundliche Therapie wieder zur Verfügung steht.

Embryonales Pflanzengewebe – Ort der gespeicherten Lebenskraft

In der Gemmotherapie wird das Kostbarste und Lebendigste jeder Pflanze verwendet, um es dem Menschen zur Verfügung stellen zu können: embryonales Pflanzengewebe aus Knospen, Keimlingen, Wurzel- und Sprosstrieben, das sich in hoher Zellteilungsaktivität befindet. Das Potenzial dieses pflanzlichen Gewebes, wofür die Knospe im konkreten wie auch im übertragenen Sinne steht, manifestiert sich in der ausgezeichneten Heil- und Regenerationskraft der sogenannten Gemmomazerate (Alkohol-Glycerin-Lösungen; vom lateinischen macerare für »einweichen«). Diese Kraft lässt sich sinnbildlich mit dem Aufbrechen einer Knospe oder dem Durchbrechen von Asphalt durch einen jungen Pflanzentrieb veranschaulichen. Die Kraft dieses jungen Gewebes bewährt sich auch deshalb in besonderem Maß in der Kinderheilkunde.


Querschnitt einer Eschenknospe


Querschnitt einer Fliederknospe

Die Bedeutung der Pflanzensoziologie innerhalb der Gemmotherapie

Dr. Pol Henry wies immer wieder darauf hin, sich bei der Kombination von Heilmitteln von natürlichen Pflanzengesellschaften inspirieren zu lassen. Damit beschritt er einen von vielen Naturheilkundigen empfohlenen Weg, der Natur als wichtigstem Lehrer zu folgen. Dieser Lehrer offenbart sich in einer Sprache, die den alten Heilkundigen als »Signaturenlehre« geläufig war. Ein Teil der Heilpflanzen-Signaturenlehre gründet darauf, zu beobachten, welche Pflanzen sich gern vergesellschaften. Eine wiederkehrende Pflanzenvergesellschaftung wird sinnvoll für die einzelnen Pflanzen sein, sie werden gegenseitig voneinander profitieren. Genauso wird man gut daran tun, sie in der Therapie zu kombinieren. Ihre Heilwirkungen werden dadurch verstärkt (Synergismus) und abgerundet.

Am Beispiel des natürlichen Biotops des Erlenbruchwaldes mit der entsprechenden Pflanzengesellschaft möchten wir dies verdeutlichen. Der Erlenbruchwald ist ein in Mitteleuropa einst häufiges, heute durch Trockenlegung gefährdetes Biotop. Er ist gekennzeichnet durch einen anhaltend nassen, sumpfigen Grund ohne starke Wasserströmungen. Überschwemmungen finden in der Zeit der Schneeschmelze statt und können mehrere Wochen bis Monate andauern. Der Nährstoffgehalt des Bodens ist im Vergleich zu einem Moor relativ hoch, der Boden ist leicht sauer (pH 5,3 bis 6,5). In diesem Biotop typisch sind die Schwarzerle (Alnus glutinosa), die Gewöhnliche Esche (Fraxinus excelsior), die Moorbirke (Betula pubescens) und die Schwarze Johannisbeere (Ribes nigrum). Gemmomazerate dieser vier Bäume und Sträucher lassen sich also vorteilhaft miteinander verbinden, sie wirken synergistisch. Dieses Biotop findet seine Entsprechung beim exsudativen Stadium einer Entzündung.

Bäume und Menschen – Bäume und Kinder

Knospen entstehen, ruhen und treiben aus. Der Zyklus einer Knospe verbindet Herbst, Winter, Frühling und Sommer und lässt den Menschen am Jahreskreis teilhaben. Das Leben eines Baums und eines Strauchs erzählt vom Werden und Vergehen, Wachsen und Sterben, von einer Welt von Samen, aufbrechenden Knospen, von Saft und Holz, wachsenden und fallenden Blättern. Bäume und Sträucher bieten Insekten, Vögeln, Pilzen und vielen anderen Lebewesen Nahrung und Schutz. Und ihre Wurzeln greifen tief in die Ahnenwelt, wo das Wasser des Lebens sorgsam gehütet wird.

Mit der Gemmotherapie eröffnet sich uns eine neue Form, die alte Baumheilkunde wiederaufleben zu lassen und weiterzuentwickeln. Bäume richten ihre Aufmerksamkeit durch die Wurzeln auf den Boden und sind tief verankert und verbunden mit Mutter Erde. Über ihre Blätter und Äste kommunizieren sie mit der Luft und dem Himmel. Die Bewegungen der Bäume und Sträucher sind abhängig von Licht, Wind und Regen. Sie wenden sich der Sonne, dem Mond und allen Sternen zu. Oft haben Bäume ein hohes Alter und strahlen Größe, Erhabenheit, Güte und Weisheit aus. Seit Menschengedenken sind wir bei ihnen willkommen – sie scheinen uns zu rufen, damit wir zu ihnen gehen.

Bäume sind des Menschen große Brüder, seine Freunde, Begleiter und Vertraute. Ebenso, wie sie im Boden wurzeln, stehen wir mit beiden Füßen auf der Erde. Und wie sie ihre Äste in die Luft hinausstrecken und dem Himmel entgegenwachsen, stehen wir aufrecht und recken unseren Kopf in die Höhe. Sie wandeln unser ausgeatmetes Kohlenstoffdioxid in Sauerstoff um und ermöglichen uns damit unser Leben. Wir sind stofflich und energetisch mit ihnen verbunden. Die Menschen in unserem Kulturkreis lebten vormals über Jahrtausende hinweg in tiefer Verbundenheit mit den Bäumen und Sträuchern ihrer Umgebung. Diese als nah verwandt empfundenen Vertreter des Pflanzenreichs prägten das Alltagsleben bis tief in die Heilanwendungen hinein. Sorgen und Krankheiten wurden ihnen anvertraut. Man war sich sicher, dass die Bäume genauso wie die gesamte Natur Anteil am menschlichen Leben nahm. Es war ein Leben geprägt vom Gefühl des Miteinanders und weit weniger des Nebeneinanders.

Gerade Kinder fühlen sich mit Bäumen und Sträuchern oft sehr verbunden und spüren intuitiv ihre nahe Verwandtschaft mit dem jungen Pflanzengewebe von Knospen, Wurzel- und Triebspitzen.


Nach evolutionsgeschichtlichen Maßstäben wird offensichtlich, wie nah der Mensch mit den Bäumen verbunden ist. Fast die gesamte Zeit seiner zwei Millionen Jahre verbrachte er in tiefer Verbindung mit der Natur. Erst seit der Industrialisierung und der damit einhergehenden Verstädterung waren nicht mehr natürliche Lebensräume, sondern urbane Ballungsgebiete das Zentrum des Lebens. Diese Entwicklung hält weltweit an. Typisch für den städtischen Alltag sind vermehrte unnatürliche Sinnesreize, ja, es findet eine regelrechte Reizüberflutung statt. Kinder wie auch Erwachsene werden durch diese Entwicklung von ursprünglichen Naturerlebnissen isoliert.

Natürliches Grün hingegen führt uns zu Innenschau, Selbstreflexion und Intuition, die für das menschliche Leben und besonders für die Entwicklung der Kinder immens wichtig sind. Naturnahe Umgebungen wie ein Wald bieten uns ebenfalls eine große Menge an sinnlichen Eindrücken und Empfindungen wie Farben, Lichteffekten, Geräuschen, Gerüchen, Temperaturempfindungen und so fort. Im Gegensatz zur Reizüberflutung in den urbanen Gebieten wird uns hier aber ein Gefühl von stiller Faszination mit gleichzeitiger innerer Ruhe und Kraft geschenkt. Der Moment wird bewusst wahrgenommen, oft begleitet von einem wohligen psychischen Erleben und einem seelischen Erwachen. Dies ist eins der Geschenke der Bäume an uns. Was wir erleben und empfinden, wenn wir in die Aura eines Baums oder in einen Wald treten, ist eine Vielzahl von bewussten und unbewussten Einflüssen, die wir als Individuen in unserem Inneren zu einer Erfahrung zusammensetzen. Sobald ich als Mensch zu einem Baum gehe oder in einen Wald eintrete, werde ich Teil dieses »Lebewesens«, dieses Ökosystems. Oft geht einem dabei das Herz auf, was in der modernen Psychologie mit dem Prozess des »evolutionären Rückerinnerns« erklärt wird. Als ehemaliger Waldmensch betrete ich somit erneut mein damaliges Zuhause.

Mütterliche und väterliche Bäume

Zu allen Zeiten verehrten Menschen die mütterlichen und väterlichen Kräfte der Natur. Diese Kräfte manifestieren sich auch in unserem ursprünglichen Zuhause, dem Wald. Da gibt es Bäume mit mehr mütterlichen oder väterlichen Eigenschaften (manchmal auch beides in einem Baum vereint). Wer mit wachen Augen durch die Welt geht, erkennt in der Natur die mütterliche oder väterliche Ausstrahlung von Bäumen und Sträuchern. So ist zum Beispiel die Linde ein typisch mütterlicher Baum, die Eiche hingegen ein typisch väterlicher. Die Knospenheilmittel können darum auch nach solchen Gesichtspunkten ausgewählt werden. Fehlt es einem Kind beispielsweise an väterlicher Präsenz, kann die Eiche, eingesetzt als Gemmomittel, Gutes tun.



MütterlicheEchter Feigenbaum
BäumeFeldulme
Hängebirke
Schwarzer Holunder
Mandelbaum
Wolliger Schneeball
Silberlinde
Silberweide
Sommerlinde



VäterlicheBergkiefer
BäumeBrombeere
Edelkastanie
Hainbuche
Libanonzeder
Olivenbaum
Riesenmammutbaum
Stieleiche
Walnussbaum

Bäume als Entwicklungshelfer für die Menschen

Bäume begleiten den Menschen also seit jeher als Vertraute, als Brüder und Schwestern, als Mütter und Väter. Wer in diese Wahrnehmung eintaucht, wird oft ein wohlwollendes Entgegenkommen fühlen können, als ob sie einem zulächeln würden.

Überall dort, wo ein Zustand der Schwäche oder der Störung die natürliche Ordnung infrage stellt, stabilisiert und stärkt die Freundschaft mit den Bäumen und Sträuchern kraftvoll und schützend den rechten Lauf der natürlichen Ordnung – wie eine Botschaft der Hoffnung. Bäume als begleitende Entwicklungshelfer steigern die Verfügbarkeit von Ressourcen und Selbstheilungskräften und führen über neue Assoziationen zu anderen Sichtweisen und Lösungsmöglichkeiten.

So hilfreich und kraftvoll Bäume und Sträucher – überhaupt alles Grün um uns herum – unseren Lebensraum schützen, so offen bleibt, wie diese Kraft entsteht. Ist es die lebens- und gesundheitsbestimmende dynamische Grundidee der Natur, die die Bäume in uns wecken können? Sicher ist, dass Bäume das höhere Selbst, die Spiegelungen körperinnerer Organ- oder Zellkräfte und unsere Ressourcen und Selbstheilungskräfte direkt ansprechen.

Rituale – Sichtbarmachung verborgener Vorgänge

Der Weltenlauf, in den jeder Mensch und jedes Kind als winzig kleines Teilstückchen eingebunden ist, wird wohl ein immerwährendes großes Geheimnis bleiben. Und dennoch sind die natürlichen Gesetzmäßigkeiten im Alltag spürbar. Wir nehmen Tag und Nacht, die Jahreszeiten, individuelle Befindlichkeiten, Gesundheit und Krankheit als persönliche Erfahrungen ebenso wahr wie die kosmischen Abläufe. Auf diese Art und Weise gestalten wir das Leben und erfahren Veränderungen. Die Erscheinungen der Natur laden uns ein, mitzuschwingen, mitzutanzen, mit wachem Geist und hellen Sinnen ihre aktivierenden und regenerierenden Qualitäten zu erleben. Leben ist Rhythmus. Ohne Rhythmus ist das Leben nicht möglich. Wir sind eingebunden in das Ein- und Ausatmen des Kosmos, in den Rhythmus des Universums.

Kinder sind wesentlich stärker in diese Zyklen integriert als Erwachsene. Sie bekunden beispielsweise keine Probleme im Wechsel der Jahreszeiten. Sie kennen keine Frühjahrsmüdigkeit, keine Angst vor der Kälte des Winters, sie leben in den natürlichen Veränderungen, wie sie sich ereignen, freuen sich darauf, die von der Natur dargebrachten Geschenke entgegenzunehmen und damit zu spielen. Sie schwingen auf ursprüngliche Weise mit den inneren und äußeren Lebensrhythmen mit, was eine der besten Voraussetzungen für eine störungsfreie Entwicklung des Kindes ist.

Um diese Verbindungen von Vegetationsrhythmen, Mythologie, Brauchtum und Kosmos mit dem persönlichen Leben stärker ins Bewusstsein zu rufen, öffnet sich uns der weite Raum der Rituale. Damit lassen sich die natürlichen Zyklen und Rhythmen, denen wir Menschen genauso ausgesetzt sind wie die uns umgebenden Tiere und Pflanzen, angemessen würdigen. Rituale machen diese Verbindungen sicht- und spürbar. Unsere Vorfahren waren wie gesagt noch viel stärker in die natürlichen Vorgänge eingebunden – das Beachten und Verstehen der Wechsel, die das Leben ausmachen, war für sie existenziell. Auch Kinder spüren diese Rhythmen intuitiv. Wer mit Kindern zu tun hat, weiß, wie abstrakt und unverständlich zum Beispiel der Begriff »bis Donnerstag« sein kann. Wenn ich den Kindern aber sage: »Noch zweimal schlafen«, erfassen sie die Zeitspanne sehr gut.




Die Aufgabe eines Naturheilmittels

»Der naturheilkundliche Heiler komponiert mit seiner Therapie in vollendeter Weise die Musik, den heilenden Klang, die der kranke Mensch hören muss, um gesund zu werden – eine Musik, die er als Einheit von Körper, Seele und Geist zwar kennt, die er selbst aber nicht mehr erklingen lassen kann.«

Unbekannt

So, wie es in diesem Zitat beschrieben wird, wirken auch die naturheilkundlichen Heilmittel, Pflanzentinkturen ebenso wie Gemmomazerate oder andere Zubereitungsarten von Heilpflanzen oder Mineralien. Von der Wissenschaft werden die biochemischen Mechanismen der einzelnen Wirkstoffe im menschlichen Organismus erforscht. In der ganzheitlichen Naturheilkunde hingegen wird der erkrankte Mensch vielmehr vom Wesen der Pflanze durchdrungen – wie ein Klang, der einen Raum erfüllt.

Kranke Menschen, insbesondere Kinder, erfahren in der Krankheit menschliche Verletzlichkeit. Sie erfasst die Kinder als Ganzes in ihrer körperlichen, seelischen wie auch in ihrer geistigen Existenz. Die Krankheit stellt ihre bisherige Identität infrage und wandelt sie grundlegend. In den Entwicklungsschritten, die Kinder nach durchlebten Erkrankungen machen, ist diese Wandlung immer wieder sichtbar. Viele Erkrankungen sind für das Kind deshalb auch eine Gelegenheit, sich zu einem eigenständigen Erwachsenen zu entwickeln. Natürlich gibt es Krankheiten, deren Sinn wir nicht erkennen können. Mit Sicherheit geht es aber nicht darum, den Kindern eine Kindheit ohne Krankheit zu wünschen – was auch gar nicht möglich wäre –, sondern das Leiden der Kinder zu lindern und sie dabei ruhig und liebevoll zu begleiten. Diese Aufgabe fordert die Eltern oder die Betreuungspersonen unterschiedlich stark heraus.

Wir sind zu jedem Zeitpunkt einer Flut von Einflüssen (Reizen) ausgesetzt, die von außen einwirken, aber auch von innen aus den vielfältigen Tätigkeiten des Organismus selbst kommen. Diese können stofflicher und energetischer (nichtstofflicher, informatorischer) Natur sein und beeinflussen sowohl Körper als auch Seele und Geist des Kranken. Das Leben ist eine ständige Anpassung unserer inneren Beziehungen an äußere Bedingungen in dem Bestreben, die bestmögliche Balance zu finden und zu erhalten. Mit dem geeigneten naturheilkundlichen Heilmittel wird ein Reiz gesetzt mit dem Ziel, die eigene individuelle Balance wiederzuerlangen, damit der Patient die Krankheit überwinden und hinter sich lassen kann.

Die Wirkungsmechanismen der Knospenheilmittel beruhen auf spezifischen oder unspezifischen Reizen, die den Organismus veranlassen, als Reizantwort Heilungsreaktionen in Gang zu setzen. In der naturheilkundlichen Therapie geht es also nicht darum, ein Krankheitssymptom »wegzuzaubern«. Vielmehr dienen Naturheilverfahren – in unserem Fall die Gemmomazerate – dazu, die Selbstheilungskräfte des Kindes anzuregen und seine innere Identität zu finden. Die ganzheitlich orientierten Heiler vergangener Zeiten nannten ihre Heilmittel passenderweise »Remedia«. Ein »Re-medium« ist ein »Wieder-in-die-Mitte-Bringer«: an jenen Ort, aus dem die Heilung erfolgt.

Die Herstellung nach dem Arzneimittelbuch

Die aus Embryonalgeweben unterschiedlicher Pflanzenteile ausgezogenen Mazerate werden von den meisten Produzenten gemäß den Vorschriften der Pharmacopée française von 1965 beziehungsweise dem Europäischen Arzneibuch von 2011 hergestellt. Die Knospen, Wurzel- und Triebspitzen (aus Wildsammlung oder biologischem Anbau) werden von Hand geerntet, in einer Alkohol-Glycerin-Lösung mazeriert, abfiltriert und meist im Verhältnis 1 zu 10 verdünnt. Die Aminosäuren und Proteine der Embryonalgewebe werden dadurch für den menschlichen Körper verfügbar gemacht. Die klassischen Auszugsmethoden mit Alkohol beziehungsweise Wasser sind dafür nicht geeignet.

Gemmotherapeutika sind als Macérat concentré (konzentriertes Mazerat) beziehungsweise als Macérat mère (Muttermazerat) und als homöopathische Verdünnung D1 erhältlich (1 zu 10, D steht für das lateinische decem, was »zehn« heißt). In lichtundurchlässigen Flaschen kühl gelagert, sind sie gemäß europäischer Vorschrift fünf Jahre lang haltbar.

In der Schweiz gelten Gemmo-Glycerin-Mazerate als Arzneimittel, unterstehen dem Heilmittelgesetz und dürfen nur von GMP-zertifizierten Herstellern mit Swissmedic-Betriebsbewilligung vertrieben werden (GMP steht für das englische Good Manufacturing Practice). In Europa gilt das Europäische Arzneibuch (PhEur) als Grundlage. In einigen Ländern werden Gemmomazerate auch als Nahrungsergänzungsmittel angeboten.

Die wichtigsten Bezugsadressen für Gemmomazerate

• Phytomed, Schweiz: Die Firma Phytomed stellt die Knospenmazerate nach dem PhEur her und vertreibt sie in der Schweiz (www.phytomed.ch).

• Spagyros, Schweiz: Auch die Firma Spagyros stellt die Knospenmazerate nach dem PhEur her. Ihre D1-Gemmomazerate sind in der Schweiz und in Deutschland erhältlich (www.spagyros.ch).

• Phytopharma, Österreich: In Österreich können Gemmomazerate in D1 über die Firma Phytopharma bezogen werden (www.phytopharma.at).

• Herbalgem, Belgien: Die Firma Herbalgem stellt Muttermazerate nach dem PhEur her und bietet ebenfalls Komplexe an, die Gemmomazerate, Urtinkturen und Vitamine vereinen. Herbalgem-Gemmomazerate sind in Frankreich, Belgien, Kanada, Portugal, Spanien und Italien erhältlich (www.herbalgem.com).

• La Royale, Luxemburg: Die Firma la Royale stellt Muttermazerate wie auch Komplex-Gemmomazerate her, bei denen Knospen verschiedener Pflanzen gemeinsam ausgezogen werden (beides Muttermazerate). Sie sind im EU-Raum erhältlich (www.la-royale.com).

Dosierungsempfehlung und Verabreichungsweise

Die Anwendung der Gemmomazerate bei Kindern ist sehr beliebt. Unserer Meinung nach eignen sich für sie vor allem D1-Mazerate (Macérat glycériné D1) mit Sprühaufsatz. Ebenfalls üblich sind sie mit Tropfaufsatz.

Dosierungsvorschläge für Kinder unter sechs Jahren

Im Allgemeinen empfehlen wir zwei- bis dreimal täglich einen Sprühstoß, in akuten Fällen können die Sprühstöße alle zwei Stunden erfolgen. Mehr als acht Sprühstöße pro Tag sind jedoch auch in akuten Fällen nicht sinnvoll.

Bei Tropfflaschen empfehlen wir, 3 bis 5 Tropfen in wenig Wasser zwei- bis dreimal pro Tag zu verabreichen. In akuten Fällen können alle zwei Stunden 3 Tropfen (maximal 24 Tropfen pro Tag) verabreicht werden.

Wenn bei den Rezepturen nichts anderes angegeben wird, kann man die Gemmomazerate in akuten Fällen so lange einnehmen, bis sich die Heilung eingestellt hat, in chronischen Fällen über drei bis vier Wochen, wonach ein bis zwei Wochen mit der Einnahme der Gemmomazerate pausiert wird, um dann mit derselben Rezeptur wiederum drei bis vier Wochen fortzufahren.

Gemmomazerate können unter Umgehung des Verdauungstrakts auch über die Haut verabreicht werden. Dabei wird die gewünschte Tropfenzahl rund um den Bauchnabel, in den Ellbeugen oder den Handgelenksinnenseiten sanft einmassiert.

Dosierungsvorschläge für Kinder von sechs bis zwölf Jahren

Im Allgemeinen empfehlen wir dreimal täglich einen Sprühstoß, in akuten Fällen können die Sprühstöße stündlich erfolgen. Mehr als zwölf Sprühstöße am Tag sind jedoch auch in akuten Fällen nicht sinnvoll.

Bei Tropfflaschen empfehlen wir, 5 bis 8 Tropfen in wenig Wasser zwei- bis dreimal pro Tag zu verabreichen.

In akuten Fällen können stündlich 5 Tropfen (maximal 60 Tropfen am Tag) verabreicht werden.

Hinweis: Immer wieder äußern besorgte Eltern Bedenken, ihren Kindern alkoholhaltige Arzneimittel (Gemmomazerate, aber auch Tinkturen, spagyrische Heilmittel und anderes) zu verabreichen. Diese Sorge kann leicht fallengelassen werden, da die Tagesration an Alkohol, die ein Kind mit Gemmomazeraten oder anderen alkoholhaltigen Naturheilmitteln nach den Dosierungsempfehlungen einnimmt, nicht höher ist als der Alkoholgehalt einer reifen Banane.

Weitere Anwendungsmöglichkeiten

Die Gemmomazerate können einzeln oder kombiniert zur innerlichen und äußerlichen Anwendung verwendet werden. Beliebt ist auch ihre Einarbeitung in Hautcremes.

Erfahrungen der Autoren aus dem Praxisalltag zeigen, dass die Knospenauszüge auch in Kombinationen mit anderen Naturheilmitteln (beispielsweise klassischen Phytotherapeutika) wirksam sind und sich die verschiedenen Mittel wunderbar ergänzen und unterstützen. So zeigt das Gemmomazerat der Schwarzen Johannisbeere (Ribes nigrum) beispielsweise eine allgemein verstärkende Wirkung auf die meisten pflanzlichen Heilmittel.

Die Wahl der Gemmomazerate

Um das passende Gemmomazerat beziehungsweise die individuell passende Kombination diverser Mazerate zu finden, haben sich verschiedene Möglichkeiten bewährt. Die Auswahl kann

• nach den Seelenqualitäten der Knospen (siehe Knospenmonografien sowie das Kapitel »Knospen zur Unterstützung und Entwicklung der kindlichen Seele«),

• nach den jeweiligen Krankheitsbildern (siehe das Kapitel »Das kranke Kind«),

• nach ihrer Signatur (siehe Knospenmonografien sowie die Kapitel »Bäume und Menschen – Bäume und Kinder« und »Das Mazerat des persönlichen Baums«) oder

• gemäß humoralmedizinischer Überlegungen erfolgen (siehe das Kapitel »Die vier Temperamente«).

Im Sinne einer ganzheitlichen Heilkunde ist es unserer Meinung nach wichtig, sich nicht allein an den Indikationslisten zu orientieren, sondern die Wahl individuell zu treffen, um das richtige Gemmomazerat der Konstitution, der momentanen Verfassung und dem Wesen des Kindes entsprechend zu finden. Vertiefende Informationen zur Gemmotherapie finden Sie auch in unserem Buch Gemmotherapie, Knospen in der Naturheilkunde.

Gemmomazerate für den Eigengebrauch: Knospen sammeln und verarbeiten mit Kindern

Knospen sammeln

Knospenmazerate können gut selbst hergestellt werden. Es lohnt sich, dies mit den Kindern zusammen zu tun, da ihnen das Sammeln und Weiterverarbeiten der Knospen sehr viel Spaß macht.

Voraussetzung ist natürlich – wie immer, wenn man Heilmittel aus der Natur gewinnen will –, dass man die Pflanzen genau identifizieren kann, damit Verwechslungen mit ähnlichen, möglicherweise giftigen Pflanzen ausgeschlossen werden können. Bevor man auf Knospensuche geht, muss man sich also hundertprozentig sicher sein, dass man über die notwendigen Kenntnisse zur richtigen Identifikation der gewünschten Pflanzenart und Pflanzenteile verfügt!


Steht der Baum oder Strauch, dessen Knospen man im Frühling sammeln will, im eigenen Garten, ist die Identifikation meist relativ einfach. Steht er aber im Wald, am Waldrand oder sonst irgendwo im Freien, so erscheint es im Sommer und Herbst oft leicht, ihn zu identifizieren. Im Frühling hingegen, wenn die Natur ihr grünes Gewand abgeworfen hat, ist man schnell unsicher, welcher Baum oder Strauch denn nun der richtige ist. Eine beliebte Möglichkeit, damit man im Frühling sicher die richtigen Knospen sammeln kann, ist es, den Baum oder Strauch im Spätsommer gemeinsam mit den Kindern mit einem Stück Stoff zu kennzeichnen. Es versteht sich von selbst, dass dieses Stück Stoff locker um einen Ast oder Zweig gebunden wird, um die Rinde nicht zu verletzen, und dass es im Frühling wieder abgenommen wird.



Es ist wichtig, immer darauf zu achten, nur so viele Knospen zu sammeln, dass es dem Baum oder Strauch weiterhin gutgeht und dass genügend Knospen an den Ästen bleiben, damit sich das Strauch- oder Baumwesen über den Sommer und Herbst gut entfalten kann.

Ein schönes Ritual ist es, wenn man dem Pflanzenwesen vor dem Sammeln für seine Gabe dankt. Dies kann leise als Dank im Inneren geschehen, laut ausgesprochen oder auch als Lied dem Baum oder Strauch geschenkt werden. Die Knospen werden dann sorgfältig vom Ast genommen.

Ungefähre Sammelzeiten sind in jeder Monografie vermerkt. Wichtig zu bedenken ist allerdings, dass die ideale Sammelzeit stark vom Standort und vom Klima respektive vom Frühlingswetter abhängt. Nach milden Wintern knospen die Bäume und Sträucher oft schon einen oder zwei Monate vor den üblicherweise idealen Sammelzeiten. Bei Schnee und Kälte bis Ostern dauert die Knospenbildung dementsprechend länger. Als Richtlinie gilt, dass die Knospen kurz vor dem Aufbrechen gesammelt werden sollen.



Sammelt man Knospen von verschiedenen Bäumen gleichzeitig, muss man immer gut prüfen, ob für die jeweilige Baum- oder Strauchart der richtige Sammelzeitpunkt auch wirklich gegeben ist. Auch ist es wichtig, das Sammelgut nicht zu verwechseln, was leicht geschehen kann, wenn man die verschiedenen Knospen noch nicht so gut kennt.

Gerade bei Knospen von Bäumen, die ihre Äste oft außer Reichweite der Kinderarme in Richtung Licht recken, sollten die Erwachsenen die Äste sanft nach unten halten, damit die Kinder die Knospen sammeln können. Auch hier bitten wir um Achtsamkeit dem Baum- oder Strauchwesen gegenüber. Der Ast soll nur so weit gebogen werden, dass er nicht knickt!

Die Knospen werden dann sorgfältig in einen Korb oder Stoffsack gelegt, damit sie nicht zerquetscht werden, und nach Hause gebracht.

Knospen weiterverarbeiten

Folgendes empfehlenswerte Herstellungsverfahren ist von uns und zahlreichen Kursteilnehmern vielfach erfolgreich erprobt worden:

1. Dieses Material wird benötigt:

• Pflanzenmaterial

• Auszugsmittel:

1 Teil 98-prozentiger Trinkfeinspiritus (Bioqualität)

1 Teil pflanzliches Glycerin

1 Teil Wasser (am besten Quell-, weiches oder destilliertes Wasser)

• Holzbrett

• Scharfes Messer (am besten Porzellanmesser)

• Etiketten und Stift zum Beschriften

• Glas zum Aufbewahren. Traditionell wird dafür Braunglas verwendet, damit das Pflanzengut lichtgeschützt ist. Sie können aber auch normale Marmeladengläser mit Papier oder Stoff umwickeln, sodass der Inhalt vor UV-Strahlung geschützt wird. Wichtig ist, dass die Marmeladengläser gründlich ausgewaschen und frei von Gerüchen sind. (Nicht geeignet sind Gläser von Senf, Essiggurken.)

2. Die frischen Knospen werden sorgfältig mit einem (Porzellan-)Messer möglichst klein geschnitten.

3. Danach werden die zerkleinerten Knospen locker in das untere Drittel des Glases gegeben.

4. Die Knospen werden mit dem Auszugsmittel bis fast zum Glasrand übergossen.

5. Das Glas wird mit Pflanzennamen und Datum beschriftet. Dann lässt man den Inhalt drei bis vier Wochen bei täglichem Schwenken beziehungsweise Wenden (nicht Schütteln!) ausziehen. Dabei können die Kinder mit einbezogen werden: Sie mögen solche täglichen Rituale und können damit einen direkten Kontakt zum Heilmittel aufbauen.

6. Nach Ablauf von drei bis vier Wochen wird für die Weiterverarbeitung und Fertigstellung des Gemmomazerats folgendes Material benötigt:

• Das Glas mit den eingelegten Knospen

• Auszugsmittel:

1 Teil 98-prozentiger Trinkfeinspiritus (Bioqualität)

1 Teil pflanzliches Glycerin

1 Teil Wasser (am besten Quell-, weiches oder destilliertes Wasser)

• Etiketten und Stift zum Beschriften

• Feinmaschiges Sieb

• Ein weiteres Glas (Marmeladen- oder Braunglas)

• Eine kleinere Braunglasflasche (30 oder 50 Milliliter) mit Sprühaufsatz. Solche Sprühflaschen können in Drogerien und Apotheken bezogen werden. Da die Sprayflasche bei der Verwendung in Küche, Bad, Kinderzimmer oder Büro steht, ist es empfehlenswert, hier Braun- oder Blauglasflaschen zu verwenden.

7. Nun wird das Glas mit den eingelegten Knospen durch ein feinmaschiges Sieb abgegossen. Die Knospenrückstände können auf den Kompost gegeben oder zurück zum betreffenden Baum oder Strauch in Wald oder Garten gebracht werden.

8. Von der abgesiebten Auszugsflüssigkeit werden 10 Milliliter abgemessen.












9. Die 10 Milliliter Auszugsflüssigkeit werden in ein neues Glas gegeben, und 90 Milliliter Auszugsmittel werden hinzugefügt. So erhält man das Gemmoheilmittel in D1-Qualität.

10. Das Glas wird mit dem Pflanzennamen, der Bezeichnung D1 und dem Datum beschriftet. Das fertige Gemmomazerat kann nun in die Braunglas-Sprühflasche abgefüllt werden.

11. Auch die Sprühflasche wird mit Pflanzennamen, der Bezeichnung D1 und dem Datum beschriftet. Das Gemmomazerat ist nun gebrauchsfertig. Das restliche, unverdünnte Knospenmazerat im Glas wird mit Papier oder Stoff vor Licht geschützt und kühl aufbewahrt (am besten in den Keller stellen). Die selbst hergestellten Gemmomazerate haben bei richtiger Lagerung eine Haltbarkeit von mindestens drei Jahren.

Das Mazerat des persönlichen Baums

Wie gesagt haben Kinder oft eine enge Beziehung zur Pflanzenwelt. Sie spüren die Vitalität und Schönheit der Natur auf ihre kindlich-intuitive Weise sehr gut und suchen häufig die Nähe von ausgewählten Bäumen und Sträuchern. Manchmal hat ein Kind einen Lieblingsbaum, den es gern besucht, auf dem es herumklettert und den es im Jahreslauf beobachtet und begleitet. Wenn ein Baum oder Strauch, der dem Kind nah und vertraut ist, nicht giftig ist, kann man aus seinen Knospen zusammen mit dem Kind ein »Mazerat des persönlichen Baums« herstellen. Dieses Knospenheilmittel ist dann (neben den üblichen Wirkungen, die die betreffenden Knospen für alle Menschen haben) besonders geeignet, das Kind durch seine Kindheit und Jugendzeit zu begleiten. Gerade in schwierigen und herausfordernden Entwicklungsphasen unterstützt der persönliche Baum das Kind als Botschaft der Hoffnung und des Urvertrauens.


Über die Naturheilung

Das menschliche Leben ist ein aus unzähligen Geheimnissen zusammengesetztes Wunder, vom Augenblick der Befruchtung bis zum letzten Atemzug. Ein Universum unendlich vieler winziger Welten entfaltet sich in unserem Körper, lebt, arbeitet und vergeht, meistens ohne dass wir davon etwas spüren, wissen oder bewusst etwas dazu beitragen. Das Leben braucht unseren Verstand nicht. Es besitzt seine eigene Intelligenz – glücklicherweise! Denn wenn wir aus unserem Verstand heraus organisieren müssten, dass unsere Organe funktionieren und die Stoffwechselprozesse richtig ablaufen, hätten wir keine Chance, auch nur eine Minute zu überleben. Die Welt, in der wir leben, ist nämlich so feindselig, dass jeder Atemzug, jeder Bissen, jeder Kontakt mit der Umwelt eigentlich tödlich sein müsste. Sich davor bewusst schützen zu wollen wäre unmöglich. Doch jede Zelle lebt und arbeitet an ihrem für sie bestimmten Platz im Organismus. Jede ist ein kleines Meisterwerk der Natur, das atmet, mit den umliegenden Zellen kommuniziert, seine Aufgaben erfüllt, materiell und energetisch verstoffwechselt, was anfällt – und unser Leben ermöglicht.

Wir scheinen fast alles über die Evolution, über die Spiralen der DNS, über die biochemischen Vorgänge in der Leber oder im Gehirn zu wissen. In Wahrheit wissen wir aber beinah nichts – jedenfalls nichts von dem, was den Zusammenschluss all unserer Zellen zu einem lebendigen Wesen werden lässt. Es ist ein Geheimnis, das auch immer ein wundervolles Geheimnis bleiben wird. Wir können uns ihm höchstens ahnend nähern. Ein Wunder lässt sich nicht mit chemischen Formeln, Gewebsproben oder Laborwerten erklären. Ein Wunder lässt sich nur in Demut und Dankbarkeit betrachten. Mit dieser Einstellung werden wir manchmal staunend, stumm und dankbar, wenn wir als Erwachsene begleitend miterleben dürfen, wie ein Kind groß wird.

Dieses wunderbare Zusammenwirken zwischen körperlichen Prozessen, geistigen und psychosozialen Wirkfaktoren aktiviert die Selbstheilungskräfte. Eine solche Sichtweise von Lebensprozessen fordert auch ein anderes Verständnis von Krankheit. Eine Erkrankung ist keine zu reparierende Störung, die in geschlossenen Systemen abläuft, sondern eine Aktion des Körpers im Zusammenspiel mit sozialen und seelischen Einflüssen und ökologischen Wechselwirkungen. So ist in der Naturheilkunde beispielsweise Fieber als wichtiger Heilungsprozess und nicht als möglichst schnell zu beseitigendes Symptom zu verstehen. Im Fieber werden Krankheitsgifte verbrannt, was sowohl konkrete Erreger wie auch persönliche Entwicklungsblockaden betrifft. Solange sich das Fieber im verträglichen Maß zeigt, ist es darum nicht sinnvoll, es zu senken. Es geht vielmehr darum, dem kranken Kind mit Ruhe, Pflege und Zuversicht zur Seite zu stehen, damit die natürliche Heilung ihre Kraft entfalten kann.


Das Aufwachsen eines Kindes wirft viele Fragen auf. Was heißt gesund? Was gehört zu einer gesunden Entwicklung und Reifung im Laufe der Kindheit und des Jugendalters? Wer gibt die Definition dafür? Es ist der ganze Weg des Erwachsenwerdens mit seinen vielfältigen Erfahrungen, der gegangen sein will. Das Leben unserer Kinder bleibt bei aller wissenschaftlichen Erkenntnis und elterlichen Handlungskompetenz immer ein Mysterium.

Alle Behandlungsmaßnahmen der traditionellen Naturheilkunde und auch der Schulmedizin finden also dort ihre Grenzen, wo Heilung letztendlich ein Mysterium und Gesundung eine Gnade ist. Allmachtsfantasien sind fehl am Platz. Heilung ist für uns Menschen nicht »machbar«. Wir können unseren Körper und unsere Seele – wie auch die Körper und Seelen »unserer« Kinder – in ihren Bedürfnissen unterstützen und für sie sorgen. Heilung kann durch menschliches Denken und Tun lediglich beabsichtigt und begünstigt werden. Das allein liegt im Bereich menschlicher Macht. Heilung erfolgt aus derselben Quelle, aus der auch das Leben kommt.

Diese großen und tiefen Mysterien wollen wir in folgenden Worten feiern (inspiriert von einem christlichen Segensspruch):

Mutter Erde und Vater Himmel segnen mich.

Sie geben Flügel meinen Gedanken,

Hände meinen Worten,

Füße meinen Träumen,

Liebe meinem Tun

und Maß meinen Zielen.

Großes Geheimnis,

mögen dein und mein Geist eins werden.

Der Mensch ist Teil der Natur

Wir sind genauso wie alle anderen Lebewesen in die natürlichen Zyklen eingebunden und bestehen ebenso wie alles Leben aus den Elementen Luft, Wasser, Feuer und Erde. Sind diese Elemente in einem individuellen Gleichgewicht, ist der Mensch gesund. Verliert der Mensch dieses Gleichgewicht, wird er krank. Auslöser, das Gleichgewicht dieser Wirkprinzipien zu verlieren, können äußere Bedingungen (Kälte, Hitze, Krankheitserreger) oder innere Faktoren (innere Entwicklungsschritte, konstitutionelle Merkmale, persönliche »Schwachstellen«) sein. Fast immer ist die Krankheitsentstehung sowohl von inneren wie auch von äußeren Faktoren abhängig.

Die Elemente Luft, Wasser, Feuer und Erde bilden die Welt. Sie zeigen sich in allem Leben auf dieser Erde, so auch im menschlichen Organismus. Im traditionellen naturphilosophischen Medizinsystem Europas, der Humoralmedizin (vom lateinischen humor für »Feuchtigkeit«), werden die Kräfte der vier Elemente den Wirkprinzipen Sanguis/Blut (Luft), Phlegma/Schleim (Wasser), Chole/Gelbgalle (Feuer) und Melanchole/Schwarzgalle (Erde) zugeordnet. Diese Elemente sind nicht als konkrete Substanzen, sondern als feinenergetische Wirkprinzipien zu verstehen, denen die Qualitäten feucht/trocken und warm/kalt zugeordnet sind.

Die Qualitäten der Säfteprinzipien sind:


Sanguis/BlutFeucht und warmElement Luft
Phlegma/SchleimFeucht und kaltElement Wasser
Chole/gelbe GalleTrocken und warmElement Feuer
Melanchole/SchwarzgalleTrocken und kaltElement Erde

Die Wirkungen der Säfteprinzipien

Sanguis/Blut

Feucht-warmes Sanguis steht für Aufbau und Vitalität, wie man es vom Blut als Lebenssaft und Träger der Vitalkraft kennt. Das Sanguisprinzip symbolisiert die Energie und Dynamik, die das nährende Phlegma bewegt und belebt. Auch die Wahrnehmung von Reizen, deren Austausch und Vermittlung wird vom Sanguisprinzip vermittelt.

Phlegma/Schleim

Das feucht-kalte Phlegma gilt als potenzielle Energie, die der Mensch in Sanguis umformen muss, damit es ihm zur Verfügung steht. Neben dem nährenden Potenzial hat Phlegma auch eine befeuchtende Kraft, die sich in der Funktion von Kühlen und »Schmieren« zeigt. Als Energiespeicher ist Phlegma beispielsweise im Fettgewebe sichtbar. In der Krankheitslehre der Traditionellen Europäischen Naturheilkunde (TEN) versteht man unter einem unphysiologischen Anstieg von Phlegma (Phlegmatismus) eine mangelhafte Stoffwechselleistung des Organismus, die sich beispielsweise an Haut und Schleimhaut in Form von Ausschlägen und Entzündungen manifestieren kann.

Chole/Gelbgalle

Die trockene und heiße Chole symbolisiert den Antrieb und die Umsetzungskraft, die jeder Lebensregung zugrunde liegt. Das Wärmeprinzip, die Steuerung, Organisation und Reifung aller Lebensäußerungen organisieren sich über die Aktivität der Gelbgalle.

Melanchole/Schwarzgalle

Die trockene und kalte Schwarzgalle wirkt den vorwärtstreibenden Kräften entgegen und wird in Retentionskraft, Begrenzung, Verhärtung und Stagnation wahrnehmbar. Ein unphysiologischer Anstieg des melancholischen Prinzips führt in chronische Krankheitsprozesse.

Kochung/Reifung – Kraft der Veränderung

Die aufgenommene Nahrung enthält für den Menschen ein hohes Maß an potenzieller Energie (Speicherform der Energie). Er muss dieses aber erst noch in aktive Energie umwandeln. Denn die humorale Qualität von Nahrung ist kalt und feucht (Phlegma) und muss vom Körper in drei Kochungsschritten (Coctio) assimiliert werden, bis sie zu Sanguis umgewandelt werden kann, der aktiven Energie mit der Kraft, zu ernähren und zu bewegen.

Die erste Kochung findet im Magen und Darm statt, die zweite läuft in den Mesenterial- und Pfortadergefäßen sowie der Leber ab. Die vollendete Wandlung zu feucht-warmem Sanguis geschieht in der dritten Coctio im Gewebe, wo Sanguis für Aufbau, Regeneration und Regulation der spezifischen Gewebsfunktionen gebraucht wird.

Phlegma muss somit zwingend zu Sanguis gewandelt werden, bevor es verbraucht werden kann. Übermäßiges Phlegma kann physiologisch nicht ausgeschieden werden. Katarrhe und Hautausschläge als Krankheitssymptome werden darum im humoralmedizinischen Denken als kompensatorische Ersatzausscheidungen von Phlegma über Schleimhaut und Haut gesehen.

Wir nehmen aber nicht nur stoffliche Nahrung auf, sondern ebenso viele Informationen oder energetische Nahrung. Kinder bringen eine natürliche Neugierde mit, die Welt zu entdecken. Während sie aufwachsen, wird ihre Welt so wortwörtlich Schritt für Schritt größer, spannender und verlockender. Die Kinder begegnen dabei viel Unbekanntem: Sinneseindrücken genauso wie Krankheitserregern oder eigenen, inneren Welten.

Während der Verarbeitung von stofflicher und energetischer Nahrung entstehen Gelb- (Chole) und Schwarzgalle (Melanchole), die in kleinem Ausmaß physiologische Berechtigung im Organismus haben. Im Übermaß jedoch wirken die gelb- oder schwarzgalligen Substrate reizend und werden darum »Schärfen« genannt. Schärfen gelten als krankmachend und müssen vom Organismus neutralisiert und ausgeschieden werden.

Beinahe ununterbrochen nehmen Kinder neue Sinneseindrücke auf. Sie machen Erfahrungen und werten diese Fülle an Informationen auf ihre ureigene kindliche Art aus. Vielfach sind es gerade die feinen Schwingungen und Informationen im Leben, die die Kinder wahrnehmen. Es ist so etwas wie »zwischen den Zeilen lesen«, es ist das intuitive Erfassen einer Situation oder einer Gegebenheit.

Diese große kindliche Wahrnehmung gebührend zu begrüßen und wertzuschätzen, setzt voraus, innehalten zu wollen und bereit zu sein, hinzuhorchen und aufzunehmen. Es ist eine wunderbare Quelle tiefer Weisheit und Intuition. Eine solche Wahrnehmung der kindlichen Kraft impliziert immer auch, in Kontakt mit den archaischen Lebens- und Schöpfungskräften zu treten. Für den kindlichen Organismus geht es im Wachstumsprozess darum, alle stofflichen und nichtstofflichen Informationen zu verarbeiten, sie zu »verdauen«, sie sich eigen zu machen, um daran zu reifen. In diesem Prozess, der wie gesagt »Kochung« genannt wird, liegt die Kraft der Veränderung, die jedes Kind für seinen individuellen Prozess natürlicherweise mit sich bringt. Es ist gewissermaßen das heilige Feuer des Lebens.

Die vier Temperamente und die unterschiedlichen Bedürfnisse des Kindes

Aus der Sicht der Traditionellen Europäischen Naturheilkunde (TEN) ist die Welt wie gesagt aus den vier Elementen Luft, Wasser, Feuer und Erde aufgebaut. Jedes Kind kommt mit einer individuellen Mischung der vier Elemente zur Welt. Die vier Wirkprinzipien Sanguis/Blut (Luft), Phlegma/Schleim (Wasser), Chole/Gelbgalle (Feuer) und Melanchole/Schwarzgalle (Erde) prägen das Temperament, den Charakter und die Konstitution aller Lebewesen. Daraus ergeben sich die vier Temperamente Sanguiniker, Phlegmatiker, Choleriker und Melancholiker, die nachfolgend idealtypisch vorgestellt werden.

Betrachtet man die Lebensabschnitte des Menschen, so befinden sich Neugeborene und Kleinkinder allgemein im phlegmatischen und Kinder ab circa vier Jahren im sanguinischen Lebensalter. Dies ist aber nur ein Aspekt. Noch viel wichtiger ist das individuelle Temperament, das den Charakter des Kindes prägt. Reine Sanguiniker, Phlegmatiker, Choleriker oder Melancholiker wird man nie antreffen. Die Übergänge sind fließend, und in der Regel liegen Mischformen vor. Die Dominanz eines Wirkprinzips ist jedoch ein Leben lang prägend und bildet den Grundtypus eines Menschen.

Unsere Gesundheit ist nach der Humorallehre vom Mischungsverhältnis der Säfteprinzipien wie auch von deren Qualität abhängig. Wenn sich jedes Säfteprinzip im physiologisch ausgewogenen Verhältnis zu den anderen dreien befindet, ist der Mensch gesund. Dieses Verhältnis ist individuell und prägt das Temperament und die Konstitution. Krank wird der Mensch bei vorübergehendem oder dauerhaftem pathologischen Übermaß oder gravierendem Mangel einzelner Säfteprinzipien. Gesundheit entspricht damit einer harmonischen Mischung der vier Prinzipien. Krankheit wird als deren falsche oder schlechte Mischung verstanden.

Sanguiniker

Sanguis/Blut: feucht und warm, Element: Luft, Adjektiv: sanguinisch

Der Sanguiniker ist leicht, lebhaft, erregbar und beweglich. Er reagiert schnell auf physische und geistige Reize. Sanguiniker haben ein geselliges Wesen und sind sehr begeisterungsfähig, aber auch unbeständig. Ein heute gefasster Entschluss kann bereits morgen keine Bedeutung mehr für sie haben. Sie verfügen über ein untrügliches Gefühl für Atmosphärisches, erfassen dadurch Stimmungslagen und kommende Trends sehr schnell und genießen innerhalb von Gruppen einen hohen Unterhaltungswert. Gern sieht man sie in fröhlichen Gesellschaften, »wo etwas los ist«.

Sanguinische Kinder sind voller Fantasie. Sie haben tausend Ideen, was man spielen, basteln, ausprobieren oder erforschen könnte. Ihre Welt ist farbig, fröhlich und kreativ. Fragt man sie, was sie mal werden wollen, antworten sie mit großen Plänen vom eigenen Bauernhof, Zirkus oder einer Reise auf den Mond. Diese Pläne ändern sich aber auch sehr schnell, wenn es gerade schneit, wird ein Schneeskulpturenpark, und wenn es regnet, eine Regenbogenfisch-Farm gebaut. Haben sie eine Spielidee, die die Eltern verneinen (weil sie zu utopisch, zu gefährlich, zu verwegen ist), denken sie sich etwas anderes aus.

Andere Kinder sind gern in ihrer Nähe, da ihre sprudelnde Energie ansteckend ist. Erwachsene können von sanguinischen Kindern durchaus auch verwirrt werden. Sanguinische Kinder vertiefen sich selten über längere Zeit ins gleiche Spiel. Vielmehr haben sie dauernd neue Ideen, die es zu verwirklichen gilt. Erzählt man diesen Kindern eine Geschichte, so haben sie bei jedem zweiten Satz eine Idee, wie die Handlung auch weitergehen könnte …

Sind sanguinische Kinder krank, haben sie schnell hohes Fieber oder andere akute Infekte, sie erholen sich aber auch sehr bald wieder.

Sanguinische Kinder schenken der Welt ihre Unbekümmertheit, ihren Sinn für Humor, ihren Enthusiasmus, immer wieder von Neuem zu beginnen, ihren Charme, ihre Kreativität und die einfache Logik des Kindes in einer komplizierten Situation.

Eine Sanguinikergeschichte

Es war einmal ein Eichhörnchen, das lebte in einem schönen Wald. Es kletterte gern auf Bäume und Sträucher, sprang von Ast zu Ast und war ein fröhliches und aufgewecktes Tier. Der Wald, in dem das Eichhörnchen lebte, war ein ganz besonderer. Es war nicht zuerst Frühling im ganzen Wald und dann Sommer, Herbst und Winter. Nein, jeder Baum, jedes Kraut, jeder Busch und jeder Strauch konnte selbst wählen, ob er gerade Frühling, Sommer, Herbst oder Winter haben wollte. In diesem Wald sah es lustig aus, neben einem Sommerbaum standen ein Herbstbusch mit seinen farbigen Blättern, ein Strauch voller Raureif und eine Frühlingsblume, die gerade ihren Blütenkopf aus dem Schnee herausstreckte.

Das Eichhörnchen liebte diesen Wald. Es brauchte keine Vorräte zu sammeln. Wenn es Hunger hatte, suchte es einfach eine Herbstbuche, knabberte dann ein Buchennüsschen, einen Haselstrauch im Spätsommer, wo es eine Haselnuss knackte, oder eine Tanne mit herbstreifen Tannenzapfen. Wenn es dem Eichhörnchen vom Herumtollen zu heiß wurde, suchte es einen schneebedeckten Busch und kühlte sich ab. Wenn es einem anderen Tier einen Blumenstrauß pflücken wollte, suchte es eine Waldlichtung mit Frühlingsblumen. So lebte das Eichhörnchen jahrein, jahraus und machte sich nicht viele Gedanken darüber.

Einmal verliebte sich das Eichhörnchen in ein Erdmännchen. Als die beiden einmal zusammensaßen und einen traumhaft schönen Spätsommer-Sonnenuntergang bewunderten, seufzte das Erdmännchen: »Ach, könnte es doch immer Sommer bleiben!«

Da wunderte sich das Eichhörnchen: »Wie meinst du das? In unserem Wald ist es doch immer irgendwo Sommer.«

Das Erdmännchen schaute das Eichhörnchen ungläubig an. Davon hatte es noch nie etwas gehört, und sicherlich hatte es noch nie gesehen, dass im Wald »immer irgendwo Sommer ist«. Das Erdmännchen lebte mit seinen Eltern und Geschwistern seit Jahr und Tag unter einer Fichte in einem Erdhügel, den schon die Ururururururgroßeltern bewohnt hatten. Die Erdmännchenkinder spielten rund um den Hügel herum. Wenn sie Hunger hatten oder müde waren, gingen sie zurück nach Hause. Weiter als drei Meter waren sie nie vom Erdhügel weg gewesen.

Da sagte das Eichhörnchen nur: »Komm mit!«, und zeigte dem Erdmännchen den ganzen Wald, einen Sommerbaum, einen Herbstblume, einen verschneiten Busch und die Frühlingsknospen eines Strauchs. Alles war genau so, wie es das Eichhörnchen erzählt hatte.

Da staunte das Erdmännchen und dachte: »Das Eichhörnchen lebt wirklich in einer großen, farbigen, spannenden und fröhlichen Welt!«

Phlegmatiker

Phlegma/Schleim: kalt und feucht, Element: Wasser, Adjektiv: phlegmatisch

Der Phlegmatiker ist nur schwer aus seinem körperlichen und seelischen Gleichgewicht zu bringen. Seine typische Schwerfälligkeit spiegelt sich in Beständigkeit, Ausdauer sowie Gutmütigkeit wider. Er empfindet es »gut so, wie es ist«, und gilt als »Gewohnheitsmensch«. Sein Leben verläuft idealerweise in geordnetem Gleichmaß. Phlegmatiker sind der ruhende Pol in einer Gruppe. Sie sind diejenigen, die auch in brenzligen Situationen einen kühlen Kopf bewahren. Sie begegnen jedem freundlich, sind gesellig und nachgiebig und am leiblichen Wohl interessiert. Mit ihrer Gemächlichkeit können Phlegmatiker einen lebhaften Menschen zur puren Verzweiflung bringen.

Phlegmatische Kinder sind viel träger als sanguinische. Sie haben es am liebsten warm und wohl; und die Vorstellung, im Regen herumzurennen, lockt sie nicht sonderlich. Sie spielen gern, sind aber auch darin gemächlich. Bereitwillig schließen sie sich auch einem anderen Kind an, das sich ein Spiel ausgedacht hat und die Führung übernimmt. Sie wollen einfach dabei sein und es schön haben, es geht ihnen nicht um die Verwirklichung ihrer eigenen Ideen. Sie sind generell langsamer als sanguinische Kinder. Gern vertiefen sie sich über längere Zeit ins gleiche Spiel. Auch schauen sie lieber zunächst einmal zu, bevor sie sich in Bewegung setzen. Sie sind auch diejenigen, die als Erste zum Essen am Tisch erscheinen, wenn die Eltern rufen.

Sind phlegmatische Kinder krank, reagieren sie oft über das Lymphsystem. Sie sind geduldigere und für die betreuenden Personen die angenehmeren Patienten als die anderen Temperamente.

Phlegmatische Kinder schenken uns Standhaftigkeit, Loyalität und Geduld, Gemächlichkeit und Ruhe in unserer hektischen Welt – und ihre Gabe, so zu leben, dass sogar die schlimmsten Feinde nichts Böses über einen sagen können.


Eine Phlegmatikergeschichte

Es war einmal ein Siebenschläfer. Schlafen und Fressen waren seine Lieblingsbeschäftigungen. Am liebsten lag er auf einem Ast vor seinem Baumloch und schlief den ganzen Tag. Es war immer der gleiche Ast, da war es einfach so schön bequem und gemütlich. Wenn er Hunger hatte, vor allem nachts, kletterte er gemächlich hinunter und suchte sich Bucheckern, Haselnüsse oder Eicheln, die er ein paar Schritte von seinem Baum entfernt in Hülle und Fülle fand. So musste der Siebenschläfer nicht weit, um sein Fressen zu finden. Manchmal hatte er Lust auf Gesellschaft, doch er war viel zu träge, um jemanden zu besuchen. So lebte er jahrein, jahraus auf seinem Baum und schlief und fraß.

Eines Nachts kam eine Feldmaus vorbei, als der Siebenschläfer gerade beim Fressen war. Die Feldmaus hinkte, da sie sich den Fuß verstaucht hatte. Wegen des verletzten Fußes konnte das Mäuschen nicht mit den anderen Feldmäusen spielen, und es war ihm furchtbar langweilig. Der Siebenschläfer hatte Mitleid mit dem armen Mäuschen und lud es zu sich auf den Ast ein. Das Mäuschen hielt sich am Fell des Siebenschläfers fest, und so kamen beide wohlbehalten auf dem Baum an.

Der Siebenschläfer sagte: »Leg dich nur etwas hin. Wenn man verletzt ist, hilft Ruhe am besten. Dann wird dein Fuß schon wieder heilen.«

»Da hast du recht«, sagte das Mäuschen. »Aber nur warten, bis der Fuß wieder gesund ist, wird mir zu langweilig.«

Da hatte der Siebenschläfer eine Idee: »Weißt du, was? Ich erzähle dir eine Geschichte, die mir meine Mutter vor vielen Jahren erzählt hat. Und nachher machen wir beide ein Schläfchen, einverstanden?«

Natürlich war das Mäuschen einverstanden und hörte der Geschichte aufmerksam zu. So ging es einige Tage, der Siebenschläfer erzählte jede Nacht eine Geschichte, den Rest der Zeit schliefen oder fraßen sie.

Das Mäuschen war bald wieder gesund, bedankte sich herzlich und rannte nach Hause, wo es allen anderen Feldmäusen von der wunderbaren Krankenbetreuung beim Siebenschläfer erzählte: »Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie gemütlich wir es hatten. Der Siebenschläfer ist der geborene Gastgeber!«

Es dauerte nicht lange, da sprach es sich im ganzen Wald herum, dass kranke Tiere beim Siebenschläfer zur Genesung gut aufgehoben seien. Und so kam es, dass der Siebenschläfer, ohne sich von seinem Baum wegbewegen zu müssen, immer wieder Gesellschaft von erkrankten Tieren hatte. Das gefiel ihm sehr gut, und er war glücklich und zufrieden über die Besuche.

Choleriker

Chole/Gelbgalle: warm und trocken, Element: Feuer, Adjektiv: cholerisch

Choleriker sind selbstsichere, leidenschaftliche Menschen mit einem hohen Maß an Energie, Vitalität und Präsenz. Sie vermitteln das Gefühl, dass sie kompetent und unersetzlich sind. Sie sind die geborenen Führungspersönlichkeiten, die einer Idee zum Durchbruch verhelfen, und Menschen der Tat, die Gegebenes nach ihren Überzeugungen umformen, damit etwas Neues, noch nie Dagewesenes entstehen kann. Typisch für den Choleriker ist seine rasch entfachte Begeisterung für eine Idee, die er mit anhaltendem Eifer und hohem Einsatz verfolgt.

Der Choleriker sieht sich als »Mensch, der zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist, auf den die Welt schon lange gewartet hat«. Für andere gestaltet sich der Umgang mit diesem Typus nicht ganz problemlos, denn Choleriker lassen sich nur ungern etwas sagen und rücken nur schwer von ihren Überzeugungen ab.


Cholerische Kinder haben viel Kraft und sind ebenfalls gern die Anführer. Sie realisieren sehr genau, welche ihrer Charakterzüge bei den anderen Kindern oder den Erwachsenen gut ankommen, und setzen diese gekonnt ein, um ihr Leben zu gestalten. Cholerische Kinder neigen zu Wutausbrüchen, wenn ihnen etwas nicht in den Kram passt. Da können Türen knallen oder auch Lieblingsspielzeuge an die Wand gedonnert werden. Cholerische Kinder neigen zu Hitzekrankheiten und sind als Patienten sehr ungeduldig.

Sie schenken der Welt ihren Mut, ihre Unabhängigkeit und Entschlusskraft, ihre Energie, die Bereitschaft, in zweifelhaften Situationen ein Risiko einzugehen, und den Drang, einer Welt voller Probleme entgegenzutreten und sie zu lösen.

Eine Cholerikergeschichte

Es war einmal ein Hund. Der Hund war eigentlich immer wütend. Manchmal, weil ihm das Futter nicht schmeckte. Manchmal, weil sein Herrchen nur so kleine Spaziergänge, manchmal, weil sein Frau chen immer so lange Wanderungen mit ihm machte. Manchmal, weil es schneite, manchmal, weil es regnete, manchmal, weil die Sonne schien. Der Hund war einfach immer wütend.

Eines Tages setzte sich ein Rabe auf die Hundehütte und krächzte: »Nun beobachte ich dich schon einige Wochen, warum bist du eigentlich immer so wütend und genervt?«

Der Hund schnauzte: »Weil das Futter nicht schmeckt, weil mein Herrchen nur so kleine Spaziergänge und weil mein Frauchen immer so lange Wanderungen macht, weil es schneit, weil es regnet, weil die Sonne scheint …«

»Ja, ja, schon«, unterbrach ihn der Rabe, und nach einer Weile sagte er: »Ist es dir nicht einfach nur langweilig auf diesem Bauernhof? Früher hattest du doch oft gute Laune …«

Verdutzt schaute der Hund den Raben an. Ja, das stimmte, früher war ihm nie langweilig, und er hatte auch oft gelacht.

»Aber da war ich ja auch der Herdenhund meines Meisters, ich hatte sozusagen den Chefposten, alle achteten mich, und ich hatte viel zu tun, auch manch schwierige Aufgabe. Nun sitze ich ja nur noch vor dieser lächerlichen Hundehütte und warte aufs Fressen oder auf die Spaziergänge mit Herrchen und Frauchen.«

Der Rabe schmunzelte: »Ich weiß, nur dasitzen und warten liegt dir nicht.« Der Hund knurrte zustimmend. Da sagte der Rabe: »Hör mal, auf der anderen Seite des Hügels lebt ein Hirte mit einer großen Schafherde. Sein Hirtenhund war schon sehr alt, nun ist er vor einigen Tagen gestorben. Geh doch mal hin und frag ihn, ob er deine Hilfe gebrauchen kann.«

Und so kam es. Der Hirte war hocherfreut, der Hund konnte sofort anfangen. Und er machte seine Arbeit gut, die Schafe hatten Respekt vor ihm und gehorchten. Auch der Hirte war sehr zufrieden mit ihm. Sein Herrchen war froh, dass er nun nicht mehr mit dem Hund spazieren gehen musste, und sein Frauchen, die ja gern weit wanderte, besuchte ihn regelmäßig, denn der Weg zum Hirten war schön, aber auch weit.

Der Hund wurde wieder fröhlich und genoss sein Hundeleben. Manchmal wurde er zwar noch etwas ungeduldig, wenn ihm die Schafe zu langsam waren. Doch dann rannte er einfach ein paar Mal hin und her, und schon war er wieder zufrieden. Viele, viele Jahre lebte der Hund beim Hirten und seinen Schafen. Und wenn er nicht gestorben ist, lebt er noch heute.


Melancholiker

Melanchole/Schwarzgalle: trocken und kalt, Element: Erde, Adjektiv: melancholisch

Melancholiker sind Menschen von profundem Charakter und tiefem Gefühl, die äußerlich wenig bewegt erscheinen, aber innerlich umso stärker empfinden. Sie neigen dazu, alles schwer zu nehmen und zu hinterfragen. Die faktische Welt entspricht nicht ihrem Ideal: Sie suchen das »Schöne und Wahre« und finden es nicht oder nur für sehr kurze Zeit, sodass sie darüber in Enttäuschung und Missmut geraten. Die Vergangenheit lastet schwer auf ihnen, und die Zukunft steht drohend bevor.

Nichts kann der Melancholiker aus dem Ärmel schütteln, alles macht er mühselig, gründlich und oft auch perfektionistisch. Melancholiker begeistern sich sehr für Kunst und Wissenschaft und suchen oft die Einsamkeit und Abgeschiedenheit.

Melancholische Kinder haben einen traurigen Blick und machen sich viele Gedanken – Gedanken über alles, was ihnen im Leben begegnet: über einen toten Vogel, den sie im Garten finden, über eine traurige Geschichte, die man ihnen erzählt, oder eine Ungerechtigkeit, die sie in der Krippe, im Kindergarten oder in der Schule erleben (auch wenn sie direkt nicht betroffen sind). Viele Erwachsene haben bei melancholischen Kindern den natürlichen Reflex, sie zu umsorgen und zu beschützen. Außerdem sind melancholische Kinder oft sehr genau und gewissenhaft. Sie haben große Ordnung in ihren Dingen, und manchmal scheint es, dass ihnen das Ordnunghalten bei den Spielsachen wichtiger ist als das Spielen selbst.

Melancholische Kinder schenken uns die Tiefe, in das Herz und die Seele der Menschen zu schauen, das Verständnis für die Schönheit dieser Welt und den Blick fürs Detail, wo andere oberflächlich bleiben.

Eine Melancholikergeschichte

Es war einmal ein Mädchen, das wohnte mit seiner Großmutter am Waldrand. Die Eltern waren vor einigen Jahren gestorben. Das Mädchen wurde darüber immer wieder sehr traurig. Die Großmutter war zwar lieb und kümmerte sich um es, so gut es ging. Doch war sie eben schon alt und blind, und sie waren sehr arm. Manchmal reichte es kaum fürs Essen.

Das Mädchen war es gewohnt, allein zu spielen. Wieder einmal saß es traurig und allein am Waldrand, ein paar Meter vom Häuschen seiner Großmutter entfernt, und sammelte Walderdbeeren, während es vor sich hin summte. Die gesammelten Erdbeeren legte es nach Größen geordnet in drei verschiedene Schalen, die es von zu Hause mitgebracht hatte – die kleinsten in eine Schale mit roten Punkten, die mittelgroßen in eine blaue Schale und die großen in eine Schale aus Glas. Das Mädchen liebte die Walderdbeeren sehr, da sie so süß schmeckten und so klein und verlockend aussahen. Und auch, weil sie es an die Zeit erinnerten, als es noch ganz klein war, seine Eltern noch lebten und sie zusammen Walderdbeeren sammelten.

Plötzlich hörte das Mädchen eine leise, heisere Stimme: »Hallo, liebes Mädchen.«

Es erschrak und sprang einen Schritt zurück. Da entdeckte es zwischen den Erdbeeren ein kleines Männchen, etwa daumengroß, mit Kleidern und einer Zipfelmütze aus Erdbeerblättern.

Das Mädchen nahm seinen ganzen Mut zusammen und sagte: »Hast du mich aber erschreckt. Wer bist denn du?«

Da sagte das Männchen: »Das kann ich dir nicht sagen, aber sing doch bitte das Lied noch einmal, das du vorher gesungen hast!«

Das Mädchen wunderte sich über diesen Wunsch, aber es zögerte nicht lange und sang leise sein Lied. Das Lied erzählte von zwei Schwestern, die den Heimweg nicht mehr fanden. Es war ein sehr schönes Lied mit einer traurigen Melodie. Kaum war der letzte Ton des Lieds verklungen, da zischte es zwischen den Erdbeeren, und eine Feenkönigin stand neben dem Mädchen, da, wo eben noch das kleine Männchen gestanden hatte.

Die Feenkönigin sagte: »Ein böser Zauberer hat mich in das kleine Erdbeermännchen verwandelt. Der Zauber konnte nur aufgelöst werden, wenn jemand, der es nicht leicht im Leben hat, für mich ein schönes Lied singt, das eine traurige Geschichte erzählt. Mit dem Lied ist nun der Zauber gebannt. Ich habe dich schon oft hier gesehen, so allein und traurig, und ich habe immer darauf gewartet, dass du einmal etwas singst. Vielen Dank für das Lied. Du hast mich erlöst! Wie kann ich dir nur danken?«

Das Mädchen erwiderte: »Liebe Feenkönigin, es freut mich, dass ich dir ein Lied hab singen dürfen. Und es freut mich noch mehr, dass du nun erlöst bist. Willst du ein paar Erdbeeren? Schau, ich habe kleine, mittlere und große gesammelt.«

Da sagte die Feenkönigin: »Ja gern! Zum Dank hast du drei Wünsche frei! Nur, leider, deine Eltern kannst du nicht zurückwünschen …«

Da dachte das Mädchen eine Weile nach, die Wünsche wollte es sich gut überlegen.

»Dann wünsche ich mir, dass meine Großmutter wieder sehen kann! Und ich wünsche mir, dass ich nicht immer so allein und traurig bin. Und ich wünsche mir, dass alle Kinder an den Walderdbeeren so große Freude haben wie ich.«

Und so kam es, dass die Großmutter wieder sehen konnte, dass das Mädchen ihre Fröhlichkeit entdeckte, Freunde kennenlernte und dass sich alle Kinder bis heute freuen, wenn sie Walderdbeeren finden.

Die Harmonisierung der Temperamente mit den Kräften der Knospen

Im Temperament spiegelt sich auch die Art und Weise wider, wie ein Kind auf Reize reagiert. Solche Reize können Krankheitserreger oder klimatische Bedingungen sein, ebenso wie generell alle Eindrücke, die das Kind aus seiner Umgebung aufnimmt. Auch Heilimpulse, die mit medizinischen Therapien gesetzt werden, gehören dazu (Heilmittelgabe, Schlaf, Wickel usw.). Die Bereitschaft, auf solche Reize zu reagieren, ist je nach Temperament unterschiedlich. Vereinfacht lässt sich sagen:

• Sanguinische Kinder nehmen Reize gut wahr und reagieren spontan und dynamisch darauf.

• Phlegmatische Kinder nehmen die Reize ebenfalls gut wahr, reagieren darauf aber träger.

• Cholerische Kinder sprechen heftig auf Reize an, manchmal auch mit überschießenden Reaktionen.

• Melancholische Kinder nehmen Reize äußerst sensibel auf, reagieren darauf aber oft unzureichend.

Nachfolgend werden die einzelnen Knospen (siehe auch Knospenmonografien) hinsichtlich ihrer Wirkung auf die Temperamente vorgestellt. Die Wirkprinzipien Sanguis (Blut), Phlegma (Schleim), Chole (Gelbgalle) und Melanchole (Schwarzgalle) können mit den Knospenmazeraten vor allem genährt (im Sinne von stärken, verbessern), reguliert (im Sinne von ausgleichen und harmonisieren) oder unterstützt (im Sinne von in ihrer Wirkkraft kräftigen und bestärken) werden:

Bergkiefer (Legföhre), Pinus mugo

• Unterstützt das sanguinische Temperament und sanguinische Lebenssituationen.

• Nährt das phlegmatische Temperament und phlegmatische Lebensanteile und bewegt phlegmatische Stauungen und Verunreinigungen.

• Gleicht das melancholische Temperament aus und reguliert melancholische Lebenssituationen.

Besenheide, Calluna vulgaris

• Nährt das phlegmatische Temperament und phlegmatische Lebensanteile und bewegt phlegmatische Stauungen und Verunreinigungen.

• Gleicht das melancholische Temperament aus und reguliert melancholische Lebenssituationen.

Brombeere, Rubus fruticosus

• Unterstützt das sanguinische Temperament und sanguinische Lebenssituationen.

Eberesche, Sorbus aucuparia

• Unterstützt das sanguinische Temperament und sanguinische Lebenssituationen.

• Nährt das phlegmatische Temperament und phlegmatische Lebensanteile und bewegt phlegmatische Stauungen und Verunreinigungen.

Edelkastanie, Castanea sativa

• Nährt das phlegmatische Temperament und phlegmatische Lebensanteile und bewegt phlegmatische Stauungen und Verunreinigungen.

• Gleicht das cholerische Temperament oder cholerische Lebenssituationen aus.

Gewöhnliche Esche, Fraxinus excelsior

• Nährt das phlegmatische Temperament und phlegmatische Lebensanteile und bewegt phlegmatische Stauungen und Verunreinigungen.

• Gleicht das cholerische Temperament oder cholerische Lebenssituationen aus.

• Gleicht das melancholische Temperament aus und reguliert melancholische Lebenssituationen.

Echter Feigenbaum, Ficus carica

• Nährt das phlegmatische Temperament und phlegmatische Lebensanteile und bewegt phlegmatische Stauungen und Verunreinigungen.

• Gleicht das cholerische Temperament oder cholerische Lebenssituationen aus.

• Gleicht das melancholische Temperament aus und reguliert melancholische Lebenssituationen.

Feldahorn, Acer campestre

• Nährt das phlegmatische Temperament und phlegmatische Lebensanteile und bewegt phlegmatische Stauungen und Verunreinigungen.

• Gleicht das cholerische Temperament oder cholerische Lebenssituationen aus.

• Gleicht das melancholische Temperament aus und reguliert melancholische Lebenssituationen.

Feldulme, Ulmus minor

• Nährt das phlegmatische Temperament und phlegmatische Lebensanteile und bewegt phlegmatische Stauungen und Verunreinigungen.

• Gleicht das melancholische Temperament aus und reguliert melancholische Lebenssituationen.

Ginkgo (Tempelbaum), Ginkgo biloba

• Unterstützt das sanguinische Temperament und sanguinische Lebenssituationen.

• Nährt das phlegmatische Temperament und phlegmatische Lebensanteile und bewegt phlegmatische Stauungen und Verunreinigungen.

• Gleicht das melancholische Temperament aus und reguliert melancholische Lebenssituationen.

Hainbuche, Carpinus betulus

• Unterstützt das sanguinische Temperament und sanguinische Lebenssituationen.

• Gleicht das cholerische Temperament oder cholerische Lebenssituationen aus.

• Gleicht das melancholische Temperament aus und reguliert melancholische Lebenssituationen.

Hängebirke, Betula pendula

• Unterstützt das sanguinische Temperament und sanguinische Lebenssituationen.

• Nährt das phlegmatische Temperament und phlegmatische Lebensanteile und bewegt phlegmatische Stauungen und Verunreinigungen.

• Gleicht das melancholische Temperament aus und reguliert melancholische Lebenssituationen.

Gewöhnliche Hasel, Corylus avellana

• Unterstützt das sanguinische Temperament und sanguinische Lebenssituationen.

• Nährt das phlegmatische Temperament und phlegmatische Lebensanteile und bewegt phlegmatische Stauungen und Verunreinigungen.

Heckenrose (Hundsrose), Rosa canina

• Unterstützt das sanguinische Temperament und sanguinische Lebenssituationen.

• Nährt das phlegmatische Temperament und phlegmatische Lebensanteile und bewegt phlegmatische Stauungen und Verunreinigungen.

• Senkt übermäßige Hitze.

• Gleicht das melancholische Temperament aus und reguliert melancholische Lebenssituationen.

Heidelbeere, Vaccinium myrtillus

• Unterstützt das sanguinische Temperament und sanguinische Lebenssituationen.

• Gleicht das cholerische Temperament oder cholerische Lebenssituationen aus.

• Senkt übermäßige Hitze.

Himbeere, Rubus idaeus

• Unterstützt das sanguinische Temperament und sanguinische Lebenssituationen.

• Gleicht das cholerische Temperament oder cholerische Lebenssituationen aus.

• Senkt übermäßige Hitze.

Schwarzer Holunder, Sambucus nigra

• Unterstützt das sanguinische Temperament und sanguinische Lebenssituationen.

• Nährt das phlegmatische Temperament und phlegmatische Lebensanteile und bewegt phlegmatische Stauungen und Verunreinigungen.

• Gleicht das cholerische Temperament oder cholerische Lebenssituationen aus.

• Gleicht das melancholische Temperament aus und reguliert melancholische Lebenssituationen.

Schwarze Johannisbeere, Ribes nigrum

• Unterstützt das sanguinische Temperament und sanguinische Lebenssituationen.

• Nährt das phlegmatische Temperament und phlegmatische Lebensanteile und bewegt phlegmatische Stauungen und Verunreinigungen.

• Gleicht das cholerische Temperament oder cholerische Lebenssituationen aus.

• Gleicht das melancholische Temperament aus und reguliert melancholische Lebenssituationen.

Libanonzeder, Cedrus libani

• Nährt das phlegmatische Temperament und phlegmatische Lebensanteile und bewegt phlegmatische Stauungen und Verunreinigungen.

• Gleicht das melancholische Temperament aus und reguliert melancholische Lebenssituationen.

Mandelbaum, Prunus dulcis

• Unterstützt das sanguinische Temperament und sanguinische Lebenssituationen.

• Nährt das phlegmatische Temperament und phlegmatische Lebensanteile und bewegt phlegmatische Stauungen und Verunreinigungen.

Mistel, Viscum album

• Nährt das phlegmatische Temperament und phlegmatische Lebensanteile und bewegt phlegmatische Stauungen und Verunreinigungen.

• Gleicht das cholerische Temperament oder cholerische Lebenssituationen aus.

• Gleicht das melancholische Temperament aus und reguliert melancholische Lebenssituationen.

Olivenbaum, Olea europaea

• Nährt das phlegmatische Temperament und phlegmatische Lebensanteile und bewegt phlegmatische Stauungen und Verunreinigungen.

• Gleicht das cholerische Temperament oder cholerische Lebenssituationen aus.

Preiselbeere, Vaccinium vitis-idaea

• Nährt das phlegmatische Temperament und phlegmatische Lebensanteile und bewegt phlegmatische Stauungen und Verunreinigungen.

• Gleicht das cholerische Temperament oder cholerische Lebenssituationen aus.

• Senkt übermäßige Hitze.

Riesenmammutbaum, Sequoiadendron giganteum

• Unterstützt das sanguinische Temperament und sanguinische Lebenssituationen.

• Gleicht das melancholische Temperament aus und reguliert melancholische Lebenssituationen.

Roggen, Secale cereale

• Unterstützt das sanguinische Temperament und sanguinische Lebenssituationen.

• Gleicht das cholerische Temperament oder cholerische Lebenssituationen aus.

Rosmarin, Rosmarinus officinalis

• Unterstützt das sanguinische Temperament und sanguinische Lebenssituationen.

• Nährt das phlegmatische Temperament und phlegmatische Lebensanteile und bewegt phlegmatische Stauungen und Verunreinigungen.

• Gleicht das cholerische Temperament oder cholerische Lebenssituationen aus.

• Gleicht das melancholische Temperament aus und reguliert melancholische Lebenssituationen.

Rotbuche, Fagus sylvatica

• Nährt das phlegmatische Temperament und phlegmatische Lebensanteile und bewegt phlegmatische Stauungen und Verunreinigungen.

• Gleicht das cholerische Temperament oder cholerische Lebenssituationen aus.

• Gleicht das melancholische Temperament aus und reguliert melancholische Lebenssituationen.

Sanddorn, Hippophae rhamnoides

• Unterstützt das sanguinische Temperament und reguliert das cholerische.

Wolliger Schneeball, Viburnum lantana

• Gleicht das cholerische Temperament oder cholerische Lebenssituationen aus.

• Senkt übermäßige Hitze.

• Gleicht das melancholische Temperament aus und reguliert melancholische Lebenssituationen.

Schwarzerle, Alnus glutinosa

• Nährt das phlegmatische Temperament und phlegmatische Lebensanteile, bewegt phlegmatische Stauungen und Verunreinigungen.

• Gleicht das cholerische Temperament oder cholerische Lebenssituationen aus.

• Gleicht das melancholische Temperament aus und reguliert melancholische Lebenssituationen.

Schwarzpappel, Populus nigra

• Nährt das phlegmatische Temperament und phlegmatische Lebensanteile und bewegt phlegmatische Stauungen und Verunreinigungen.

Silberlinde, Tilia tomentosa

• Unterstützt das sanguinische Temperament und sanguinische Lebenssituationen.

• Nährt das phlegmatische Temperament und phlegmatische Lebensanteile und bewegt phlegmatische Stauungen und Verunreinigungen.

• Gleicht das cholerische Temperament oder cholerische Lebenssituationen aus.

• Gleicht das melancholische Temperament aus und reguliert melancholische Lebenssituationen.

Silberweide, Salix alba

• Unterstützt das sanguinische Temperament und sanguinische Lebenssituationen.

• Senkt übermäßige Hitze.

Sommerlinde, Tilia platyphyllos

• Unterstützt das sanguinische Temperament und sanguinische Lebenssituationen.

• Nährt das phlegmatische Temperament und phlegmatische Lebensanteile und bewegt phlegmatische Stauungen und Verunreinigungen.

• Gleicht das cholerische Temperament oder cholerische Lebenssituationen aus.

• Gleicht das melancholische Temperament aus und reguliert melancholische Lebenssituationen.

Stieleiche, Quercus robur

• Unterstützt das sanguinische Temperament und sanguinische Lebenssituationen.

• Nährt das phlegmatische Temperament und phlegmatische Lebensanteile und bewegt phlegmatische Stauungen und Verunreinigungen.

• Gleicht das cholerische Temperament oder cholerische Lebenssituationen aus.

• Gleicht das melancholische Temperament aus und reguliert melancholische Lebenssituationen.

Walnussbaum, Juglans regia

• Unterstützt das sanguinische Temperament und sanguinische Lebenssituationen.

• Nährt das phlegmatische Temperament und phlegmatische Lebensanteile und bewegt phlegmatische Stauungen und Verunreinigungen.

Weinrebe, Vitis vinifera

• Unterstützt das sanguinische Temperament und sanguinische Lebenssituationen.

• Nährt das phlegmatische Temperament und phlegmatische Lebensanteile und bewegt phlegmatische Stauungen und Verunreinigungen.

• Gleicht das melancholische Temperament aus und reguliert melancholische Lebenssituationen.

Weißdorn, Crataegus laevigata

• Unterstützt das sanguinische Temperament und sanguinische Lebenssituationen.

• Senkt übermäßige Hitze.

Weißtanne, Abies alba

• Unterstützt das sanguinische Temperament und sanguinische Lebenssituationen.

• Nährt das phlegmatische Temperament und phlegmatische Lebensanteile und bewegt phlegmatische Stauungen und Verunreinigungen.

• Gleicht das melancholische Temperament aus und reguliert melancholische Lebenssituationen.

Zitronenbaum, Citrus limon

• Unterstützt das sanguinische Temperament und sanguinische Lebenssituationen.

• Nährt das phlegmatische Temperament und phlegmatische Lebensanteile und bewegt phlegmatische Stauungen und Verunreinigungen.

• Gleicht das cholerische Temperament oder cholerische Lebenssituationen aus.

• Gleicht das melancholische Temperament aus und reguliert melancholische Lebenssituationen.

Rezepturen zur Unterstützung der Temperamente

Wir stellen Ihnen eine Auswahl von »Rezepturen« zur Harmonisierung des Temperaments Ihres Kindes vor. Sie sind dann geeignet, wenn das Temperament in einer Lebensphase überzeichnet ist und das Kind dadurch Nachteile in seinem Lebensausdruck erfährt.

Basisrezeptur für den Sanguiniker

• Weißtanne

• Weißdorn

Bewährte Einnahme:

– Morgens Weißtanne, abends Weißdorn

oder

– die beiden Gemmomazerate mischen und zweimal täglich einnehmen.

Basisrezeptur für den Choleriker

• Feldahorn

• Echter Feigenbaum

Bewährte Einnahme:

– Morgens Feldahorn, abends Echter Feigenbaum

oder

– die beiden Gemmomazerate mischen und zweimal täglich einnehmen.

Basisrezeptur für den Phlegmatiker

• Gewöhnliche Esche

• Heckenrose

Bewährte Einnahme:

– Morgens Gewöhnliche Esche, abends Heckenrose

oder

– die beiden Gemmomazerate mischen und zweimal täglich einnehmen.

Basisrezeptur für den Melancholiker

• Bergkiefer

• Echter Feigenbaum

Bewährte Einnahme:

– Morgens Bergkiefer, abends Echter Feigenbaum

oder

– die beiden Gemmomazerate mischen und zweimal täglich einnehmen.

Basisrezeptur zur Unterstützung in sanguinischen Lebenssituationen

• Ginkgo

• Heckenrose

• Silberlinde

Bewährte Einnahme:

– Morgens Ginkgo, mittags Heckenrose, vor dem Schlafengehen Silberlinde.

Basisrezeptur zur Unterstützung in cholerischen Lebenssituationen

• Olivenbaum

• Silberlinde

Bewährte Einnahme:

– Morgens Olivenbaum, mittags Silberlinde, abends Olivenbaum, vor dem Schlafengehen Silberlinde.

Basisrezeptur zur Unterstützung in phlegmatischen Lebenssituationen

• Sanddorn

• Heckenrose

Bewährte Einnahme:

– Morgens Sanddorn, mittags und abends Heckenrose.

Basisrezeptur zur Unterstützung in melancholischen Lebenssituationen

• Hängebirke

• Besenheide

Bewährte Einnahme:

– Morgens Hängebirke, eventuell mittags Hängebirke, vor dem Schlafengehen Besenheide.


Bergkiefer (Legföhre), Pinus mugo

Pinaceae

Die anpassungsfähige Lichtknospe

Das Wesen der Pflanze

Die immergrüne Bergkiefer ist ein vielgestaltiger Nadelbaum, der sich bestens an raue, starken Veränderungen ausgesetzte Standorte der Höhenlagen angepasst hat. Es gibt mindestens drei Unterarten und weitere Zwischenformen, die sich insbesondere in ihrer Gestalt und ihrem Vorkommen deutlich unterscheiden. Je höher sie steigt, umso mehr muss sie sich ducken, um den dort vorherrschenden Naturgewalten zu trotzen.

Von den drei Hauptunterarten bewohnt die aufrechte Bergkiefer (Pinus mugo ssp. uncinata) mit bis zu 25 Meter Höhe die tieferen Höhenlagen, die Moor-Bergkiefer (Pinus mugo ssp. rotundata) mit bis zu 8 bis 10 Meter Höhe die mittleren Höhenlagen und die Legföhre (Pinus mugo ssp. mugo) mit einer Wuchshöhe von 1 bis 3 Metern die für Bäume höchstmögliche Höhenlage, die sogenannte Kampf- oder Krummholzzone oberhalb der Baumgrenze. Die niedere Legföhre bildet durchaus einen längeren Stamm, der aber am Boden liegt und kaum erkennbar ist.

Gemeinsam ist den Kiefern ihre Anspruchslosigkeit gegenüber den Bodenverhältnissen. Sie können praktisch auf jedem Grund wachsen, sei er noch so karg. Die Legföhre besiedelt sogar Berghänge, auf denen häufig Lawinen abgehen, die sämtliche andere Baumarten restlos zerstören. Sie ist ein Pionierbaum mit unglaublicher Anpassungsfähigkeit. Dies erreicht sie nicht zuletzt dadurch, dass ihre Äste sehr elastisch sind und dem enormen winterlichen Schneedruck durch Nachgeben der Äste und Abgleitenlassen der Schneemassen problemlos gewachsen ist. Sie ist eine typische Lichtbaumart, Schatten verträgt sie nicht.

Charakteristisch für alle Föhrenarten ist der Reichtum an Pollen der männlichen Zapfen, die von einem intensiven Schwefelgelb sind und in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) seit Langem arzneilich genutzt werden, während im Westen vor allem das ätherische Öl aus den nadelförmigen Blättern, den Zweigspitzen und den Ästen medizinisch verwendet wird.


Die einhäusige (männliche und weibliche Zapfen finden sich jeweils am selben Baum) Bergkiefer wird im Juni und Juli über den Wind bestäubt und betreibt eine für Bäume recht lange währende »Samenpflege«. Es dauert nämlich drei Jahre, bis die reifen geflügelten Samen aus den schön geformten Zapfen im Oktober dem Wind überlassen werden. Die niederliegende Legföhre wird bereits seit längerer Zeit aus dekorativen Gründen als Garten- und Parkstrauch angepflanzt.

Die Wirkung des Gemmomazerats in der Kinderheilkunde

Die Bergföhre zeichnet sich durch ihre enorme Anpassungsfähigkeit innerhalb eines hauptsächlich mineralisch geprägten, humusarmen Lebensraums der Bergwelt aus, der zudem klimatische Extreme ertragen muss. Sie scheint sich mehr aus der in den Höhen der Bergwelt reichlich vorhandenen Lichtfülle zu »ernähren« als von dem nur wenig vorhandenen Nährsubstrat des Bodens. Ausdruck davon ist der hohe Gehalt an Harz und ätherischen Ölen, den die Bergkiefer in ihrem Pflanzengewebe speichert.

Das Bergkiefer-Gemmomazerat schenkt dem Kind Licht und Elastizität, Anpassungsfähigkeit und Widerstandskraft. Düstere Stimmungen hellt es auf, es hilft, stressreiche Situationen besser zu bewältigen, und stärkt die festen Strukturen des Bewegungsapparats (Knochen, Knorpel, Bänder und Sehnen).

Es hat die folgenden Hauptwirkungen:

• Stärkt den Bewegungsapparat.

• Erhöht die Stresstoleranz.

• Reguliert den Fettstoffwechsel.

Verwendete Pflanzenteile für das Gemmomazerat

Frische Knospen.

Sammelzeit: April bis Juni.

Indikationen

Psyche: Depressive Verstimmung. Vitalisiert und durchlichtet die Psyche! Stimmungsaufhellend. Erhöht die Ausdauer und Beharrlichkeit, erhöht die Stresstoleranz! Mangelndes Selbstvertrauen, Schuldgefühle. Kind fühlt sich schuldig, lebt in der ständigen Angst, etwas nicht richtig zu tun, fürchtet Strafe, geniert sich immer. Neurasthenie.

Bewegungsapparat: Unterstützt die Ausheilung nach Knochenbrüchen, hilft, Knorpel zu regenerieren bei Knorpelschäden, unterstützt die Heilung nach Verletzungen von Sehnen, Bändern, stabilisiert die Sehnenansatzstellen am Knochen. Rheumatische Erkrankungen.

Atemtrakt: Wiederkehrende Verschleimung der Bronchien mit großer Erschöpfung und ständig kalten Füßen und Nierenlagern.

Stoffwechselsystem: Reguliert den Fettstoffwechsel, senkt erhöhte Cholesterinwerte. Metabolisches Syndrom, Kältegefühl.

Besenheide, Calluna vulgaris

Ericaceae

Die läuternde Knospe

Das Wesen der Pflanze

Die Besenheide ist eine immergrüne Pflanze, die auf kargem, nährstoffarmem und saurem Boden vorkommt. Von der Meeresküste bis oberhalb der Baumgrenze der Bergregion trotzt sie dank ihrer extremen Widerstandsfähigkeit äußerst rauen klimatischen Bedingungen. Dadurch und wegen ihrer Winterbeständigkeit ist sie ein Symbol der Bescheidenheit und der Beharrlichkeit. Die Kargheit ihres Lebensraums scheint die Besenheide in sich aufzunehmen, alles an ihr wirkt irgendwie asketisch. Ihre schuppenförmigen Blätter sind nur wenige Millimeter lang und liegen eng an den Ästchen. In Kontrast dazu stehen die rosa bis violettroten (selten auch weißen) Blüten, die eine beträchtliche Menge Nektar mit einem hohen Zuckerwert (24 Prozent!) absondern, der vielen Insekten Nahrung und den Imkern einen hervorragenden Honig gibt.

Die Besenheide steht in besonderer Beziehung zu den Licht- und Wärmekräften. Ihre Samen können nur unter Licht keimen, und ihre Keimung wird durch Hitzeeinwirkung leichter Heidebrände gefördert. Licht und Wärme sind innerhalb der Pflanzenwelt die von außen einwirkenden Kräfte, die in besonderem Maße an der Pflanze gestalterisch wirken. Der Boden, auf dem die Besenheide wächst, ist ausgesprochen reich an Kieselsäure. Die Pflanze nimmt davon viel in sich auf – sie ist eine wahre Expertin im Umgang mit dieser Säure. Im menschlichen Organismus ist die Kieselsäure ein unabdingbares Mineral für den Aufbau vieler Gewebestrukturen. Sie vermittelt dem Körper Stabilität und Elastizität.

In der äußeren Welt ist es der Bergkristall, der den Kiesel in seiner »edelsten« Form manifestiert. Der Bergkristall ist charakteristischerweise von sechseckiger Form. Das Sechseck kommt überdurchschnittlich häufig in der Natur vor. Beispiele sind Zellen der Bienenwaben, Schneeflocken, Facettenaugen vieler Insekten und riesige, sechseckige Basaltsäulen, die bei der Abkühlung von Lava entstanden sind. Warum spielt das Sechseck in der Natur eine so wichtige Rolle? Es zeichnet sich durch besondere Stabilität aus und besitzt in seiner dreidimensionalen Form (zum Beispiel sechseckige Wabenzelle) den kleinsten Umfang bei größtmöglichem Rauminhalt! In der Kieselsäure sind die Sechseckigkeit und deren Eigenschaften gewissermaßen angelegt.

Eine kieselsäurereiche Pflanze muss also in besonderem Maße über die Kräfte der Sechseckigkeit verfügen – ein Grund dafür, dass der Besenheidenhonig seit jeher hochgeschätzt wird.

Die meist auf extrem degradiertem Boden gedeihende Besenheide ist eine Pionierpflanze mit bodenverbessernden Qualitäten. Ihrem Wesen entsprechend, geht sie dabei äußerst planvoll vor. In vier charakteristischen Schritten übernimmt sie die anspruchsvolle Aufgabe, dem Boden wieder nahrhaften Humus zu bescheren. Am Anfang steht die Pionierphase, in der sie das Gelände lückig besiedelt und kleinwüchsig bleibt (10 bis 15 Zentimeter). In der Aufbauphase werden die Lücken durch Breitenwachstum allmählich geschlossen, die Pflanze erreicht eine Höhe von bis zu 40 Zentimetern. In der Reifephase verholzt die Besenheide zunehmend und kann eine Höhe von bis zu 1 Meter erreichen und wird lichtdurchlässiger. Dadurch können sich nun Flechten, Moose und Gräser ansiedeln. In der Degenerationsphase stirbt die Pflanze von der Mitte her ab und hinterlässt im Lauf von Jahrzehnten eine bis zu 10 Zentimeter dicke Rohhumusschicht, die, falls es die klimatischen Bedingungen zulassen, den Ausgangsboden für eine natürliche Waldentwicklung bietet.

Die Besenheide nährt die Tierwelt durch Bildung überreichlichen Nektars und bereitet unwirtlichen Boden für eine spätere Waldentwicklung vor. Ihr Wirken steht also ganz im Dienste des Lebens.

Die Wirkung des Gemmomazerats in der Kinderheilkunde

Das Besenheide-Gemmomazerat stärkt im Allgemeinen die Stabilitäts- und Elastizitätskräfte des Kindes sowohl im körperlichen wie auch im psychischen Bereich. Es vermittelt Halt und Struktur im Verbund mit Elastizität. Die Besenheide hat auch eine milde und besänftigende Ausstrahlung. Sie vermag in einer schwierigen Situation den Boden für kommende Entwicklungen vorzubereiten. Dort, wo scheinbar alles »vergebens« ist, nährt sie die Fähigkeit, planvoll daranzugehen und Ordnung zu schaffen. Die Besenheide trägt ihren Namen deswegen, weil aus ihr Besen gebunden wurden – Reinigen und klare Verhältnisse schaffen, liegt in ihrem Wesen.


Kinder, die weder Ordnung noch Struktur erfuhren, werden schnell halt- und grenzenlos, sie »laufen aus dem Ruder« und sind dann oft auch »außer sich«. Da kann die Besenheide Struktur und Halt geben und dadurch beruhigend wirken. Es ist ein »Beruhigungsmittel«, das bei Schlafstörungen wie auch bei motorischer Unruhe eingesetzt werden kann, weil es die schützenden »Hüllen« des Kindes festigt, damit es sich sicher und geborgen fühlen kann. Auch bei zwanghaftem Verhalten bringt es Entspannung.

Auf der körperlichen Ebene zeigt die Besenheide eine deutliche Wirkung auf das Harnsystem und das Bindegewebe. Das Mazerat wirkt auch hier strukturierend, klärend und entzündungshemmend. Es kann darüber hinaus bei bestimmten Hauterkrankungen gute Dienste leisten.

Es hat die folgenden Hauptwirkungen:

• Vermittelt Struktur.

• Wirkt beruhigend, entspannend.

• Stärkt die Nieren und regt ihre Entgiftungsfunktion an.

• Desinfiziert die Harnwege.

• Stärkt das Bindegewebe.

Verwendete Pflanzenteile für das Gemmomazerat

Frische junge Triebspitzen.

Sammelzeit: April, Mai.

Indikationen

Psyche: Unruhezustände, mangelnde Empathiefähigkeit, Aufmerksamkeitsdefizit-(Hyperaktivitäts-)Syndrom (AD[H]S), motorische Unruhe, Schlafschwierigkeiten, Gereiztheit, erhöhte seelische Durchlässigkeit, Tagträumerei, Unaufmerksamkeit, starke Ablenkung, festgefahrene soziale Situationen, Krisen in der Familie, in der Schule, in der Lehrstelle, depressive Verstimmungen, Wortkargheit, Verschlossenheit, zwanghaftes Verhalten.

Harnwegssystem: Akute und chronische Harnwegsentzündungen, Reizblase, Bettnässen, Mühe mit dem Wasserlassen durch innere Spannung, Störungen der Entgiftungsfunktion der Nieren.

Hautsystem: Neurodermitis, Juckreiz.

Stoffwechselsystem: Kindlicher Rheumatismus. Unterstützend bei der juvenilen Gicht und Übersäuerung.

Verdauungssystem: Durchfall, nervöse Bauchbeschwerden, entzündliche Darmerkrankungen.

Brombeere, Rubus fruticosus

Rosaceae

Die Grünkraft spendende Knospe

Das Wesen der Pflanze

Dieser formenreiche (es gibt über 2000 Unterarten, die sich dazu noch untereinander kreuzen), dornenbewehrte, immergrüne Strauch ist ursprünglich in den gemäßigten Zonen Europas, Nordafrikas, Vorderasiens und Nordamerikas beheimatet und wurde auf allen Kontinenten eingeschleppt. Er gehört zu den Pflanzen, die wohl jeder mit Namen kennt – dank seinen süßen Beeren und seinem wehrhaften Wesen, das ihm unter anderem auch den Namen »lebender Stacheldraht« eingebracht hat. Wer sich als Kind nach einer seiner saftigen, leuchtend schwarzen Beeren gestreckt hat, wird sich dabei sicher blutige Kratzer an den Unterarmen eingehandelt haben. Oder man hat als Gärtner seine langen, tiefen Wurzeln kennengelernt, die ihn schier unausrottbar machen. Bereits der Römer Plinius nannte ihn in seiner Historia naturalis deswegen »Pest unter der Sonne«, wies aber zugleich auf die schmackhaften Beeren hin, die doch auch wieder versöhnlich stimmen.

Viele Gartenfreunde waren den innovativen Pflanzenzüchtern dankbar, als es 1970 gelungen war, dornenlose Sorten zu züchten. Doch die Enttäuschung war groß, als sie feststellen mussten, dass der Geschmack stark darunter gelitten hatte. Neuerdings wird wieder für neue dornenlose Sorten mit dem Versprechen ausgezeichneter Geschmacksqualitäten geworben.

Der Brombeerstrauch ist eine typische Pionierpflanze auf nährstoffreichen Flächen, auf denen die Pflanzendecke durch menschliche Eingriffe schwer geschädigt wurde, wie beispielsweise nach dem Abholzen von Baumbeständen im Wald. Seine Ansprüche an den Boden sind sehr gering, sodass er praktisch auf fast allen Arealen anzutreffen ist. Er ist ein ausgezeichneter Bodenverbesserer, da seine intensive Durchwurzelung Auflockerung und Sauerstoff und sein ganzjährig verteilter Laubfall dem Boden wertvolle Nährstoffe bringt.

Der Brombeerstrauch kann bis zu 3 Meter hoch werden (wenn er seine Dornen als Kletterhilfe einsetzt, aber noch weit höher). Er vermehrt sich sowohl über die Beeren, die zu den Steinfrüchten gezählt werden, wie auch vegetativ: Es reicht bereits ein anhaltender Bodenkontakt des Sprosses mit der Erde, um auszuwurzeln. So können teilweise hohe Bögen entstehen, die im Volksglauben eine spezielle Bedeutung hatten. Sie galten als besondere, magische Pforten, bei denen Altes abgestreift und frische, neue Kräfte aufgenommen werden konnten. Dieses Ritual des Hindurchkriechens oder -reichens (eines Kindes) wurde hauptsächlich bei schwächlichen Kindern, bei Hautkrankheiten oder zur Vorbeugung in Epidemiezeiten praktiziert und war eine Art naturmagische Wiedergeburt.

In der Volksheilkunde spielt der Brombeerstrauch bis heute eine wichtige Rolle. Seine Beeren sind wichtige Vitamin- und Calciumlieferanten, seine meist in Form von Tee zubereiteten Blätter wirken blutbildend, entzündungshemmend, wundheilungsfördernd und stuhlregulierend. Außerdem schmecken sie leicht fermentiert ausgezeichnet und werden als teeinfreier (koffeinfreier) Teeersatz verwendet.

Die Wirkung des Gemmomazerats in der Kinderheilkunde

Der Brombeerstrauch, der auf praktisch jedem Boden Fuß fassen kann, zeichnet sich durch enorme Vitalitätskräfte aus. Er ist eine Pionierpflanze, besonders auf von schweren Arbeitsmaschinen festgedrückten und deswegen sauerstoffarmen Böden der Schlagfluren. Mit seinem intensiven Wurzelwachstum schafft er es, den Boden zu durchlüften, und macht ihn so weiterer Busch- und Baumbesiedelung zugänglich.

Ähnlich ist die Wirkung des Brombeerstrauch-Gemmomazerats im kindlichen Organismus. Es »durchlüftet« die Körpergewebe. Dies gelingt dem Brombeeren-Gemmomazerat durch Stärkung der der Atemfunktion und Verbesserung der Sauerstoffausnutzung der Körperzellen. Dadurch energetisiert es den gesamten Organismus und kann bei allen chronischen Erkrankungen eingesetzt werden, die durch Reaktionsmangel gekennzeichnet sind (Hypergie oder Anergie). Das Brombeerstrauch-Gemmomazerat schenkt neue Vitalität und die Bereitschaft, auf Heilreize zu reagieren.


Ansonsten wird es hauptsächlich zur Regulierung der Darmfunktion des Kindes verwendet. Kinder und Jugendliche, die oft zu viel in der technologisch-virtuellen Welt navigieren und die »Bodenhaftung«, den Kontakt zur Realität verlieren, können durch das Brombeeren-Gemmomazerat vitalisiert und »verwurzelt« werden. Meist wird es in Kombination mit einem anderen Mazerat verabreicht.

Es hat die folgenden Hauptwirkungen:

• Erhöht die Stärke des Atemstroms und verbessert die Atemfunktion.

• Verbessert die Sauerstoffsättigung des Bluts und der Gewebe.

• Gilt als gutes Tonikum für schwächliche Kinder.

Verwendete Pflanzenteile für das Gemmomazerat

Frische junge Triebe.

Sammelzeit: März bis Mai.

Indikationen

Psyche: Schwacher Psychotonus, Entwicklungsstörungen durch exzessive Internetnutzung.

Atemtrakt: Chronische Lungenerkrankungen, chronische Bronchitis, langjähriges chronisches Asthma. Stärkt die Lungenfunktion.

Bewegungsapparat: Arthrose, rheumatische Beschwerden, Wachstumsschmerzen, grobmotorische Schwierigkeiten, schlechte Körperwahrnehmung, funktioneller Zehengang. Unterstützt den Knochen- und Knorpelaufbau.

Stoffwechselsystem: Unterstützend bei juvenilem Diabetes Typ II.

Herz-Kreislauf-System: Mikrozirkulationsfördernd.

Harntrakt: Chronische Nierenentzündungen.

Verdauungssystem: Entzündungen des Mund- und Rachenraums, akute und chronische Darmentzündungen, Leaky-Gut-Syndrom (übermäßig durchlässige Darmschleimhaut), Durchfall.

Immunsystem: Stärkt das Immunsystem.

Eberesche, Sorbus aucuparia

Rosaceae

Die lebensbejahende Knospe

Das Wesen der Pflanze

Die Eberesche, vielerorts auch »Vogelbeere« genannt, ist gar keine Esche. Beide sind nicht einmal miteinander verwandt. Erstere gehört zu den Rosen- und Letztere zu den Ölbaumgewächsen. Auch hat der Name nichts mit Ebern zu tun, sondern ist eine Abwandlung vom altdeutschen »Aberesche«, was so viel wie »falsche Esche« bedeutet – zu vergleichen mit dem Wort »Aberglaube«, was demgemäß »falscher Glauben« heißt. Den Namen »-esche« trägt der Baum wegen seiner gefiederten Blätter, was man nur bei wenigen mitteleuropäischen Baumarten findet. Im Vergleich zur Gewöhnlichen Esche ist die Eberesche zwar ein Zwerg, aber von wesentlich robusterer Natur. Sie ist praktisch in ganz Europa vom Meeresspiegel bis zur Baumgrenze anzutreffen. Selbst auf der baumartenarmen Insel Island kommt sie vor. Sie ist der Baum mit der größten Höhenverbreitung aller europäischen Laubbäume und trotzt extremen Temperaturschwankungen und Dürreperioden.

Sie bildet eine tiefe Pfahlwurzel, die ihr einerseits das Überleben in Dürrezeiten garantiert, aus der sie aber auch erneut ausschlagen kann (Wurzelbrut, Stockausschlag). Das macht sie enorm anpassungsfähig. Sie ist strauch- oder baumförmig anzutreffen, benötigt nur wenig Nährstoffe, um Wurzeln zu schlagen, ist aber sehr lichthungrig. Sie gehört zwar zu den Pionierbäumen, aber nicht zu denen der »ersten Stunde« wie die Birken, Weiden oder Kiefern, sondern der »zweiten Stunde«, wenn schon etwas Rohhumus von den Vorgängern gebildet wurde. Durch den herbstlichen Abwurf ihrer magnesium-, kalk- und phosphorreichen Blätter, die sich relativ schnell zersetzen, trägt sie wesentlich zur Bodenverbesserung bei.

In den Niederungen finden wir sie häufig mit Holunderbäumen, Birken, Erlen und Weiden vergesellschaftet, in den Bergen mit Kiefern, Lärchen und Zirben. Außerdem ist die Eberesche oft in Hecken- und Gebüschgesellschaften anzutreffen. Eine spezielle Eigenschaft der Eberesche ist ihre Fähigkeit, sich auf anderen, großen Bäumen niederzulassen. In solchen Fällen erreicht sie meist nur 1 Meter Wuchshöhe, da sie mit extrem wenigen Nährstoffen auskommen muss. Ihre Wurzeln können sich nämlich nicht in das Nährgewebe des untersitzenden Baums schlagen, deswegen sind solche Ebereschen weder Parasiten noch Halbparasiten, sondern lediglich Aufsitzerpflanzen (Epiphyten). Solche aufsitzenden Ebereschen genossen früher in vielen Teilen Europas ein besonderes Ansehen als zauberkräftige Pflanzen, ähnlich der Mistel.

Am auffälligsten sind ihre leuchtend orangeroten, beerenförmigen Apfelfrüchte, die reich an Vitamin C, Zucker und Carotinoiden sind. Sie schmecken trotz des relativ hohen Zuckeranteils herb säuerlich und bitter. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Eberesche wegen ihres Vitamin-C-Reichtums auch als »Zitrone des Nordens« bezeichnet. Das Bittere durchzieht ebenso Knospen und Blätter (aber ohne starke Säure, die den Früchten eigen ist) und erinnert an den Geschmack von Bittermandeln. Isst man eine Ebereschenknospe im Frühling, macht sich eine angenehme Wärme im Körper breit.

Ebereschen werden wegen ihrer dekorativen Blüten- und Fruchttracht sowie ihrer auffälligen Herbstfärbung des Laubs gern als Park- und Gartenbaum gepflanzt. Sie kommen mit dem Stadtklima problemlos klar und sind wenig krankheitsanfällig. Allerdings vertragen sie Streusalz nicht gut.

In den nordischen Ländern genießt die Eberesche teilweise noch heute ein hohes Ansehen. Im finnländischen Nationalepos, der Kalevala, ist die Ebereschenmutter Philajatar, ebenso wie die Wacholdermutter Katajatar, eine segensreiche, glückbringende Gestalt. In der germanischen Mythenwelt ist sie dem Donnergott Thor oder Donar geweiht und trägt den Namen »Thorsbjörg«, was so viel wie »Thors Schutz« bedeutet. Der Mythos erzählt, wie sich Thor aus einem reißenden, von einer Riesin geschaffenen Fluss dadurch retten konnte, dass er sich an einer Eberesche festhielt. Ein solcher Baum eignete sich natürlich auch zum Schutz der Menschen, denn Thor galt als unser Freund und Feind aller bösen Mächte. Aus Ebereschenzweigen geflochtene Kränze wurden beispielsweise über der Haustür befestigt, um Unheil abzuwenden. Den Druiden soll die Eberesche ebenfalls besonders heilig gewesen sein. Ganze Wäldchen von Ebereschen wurden als heilige Haine gepflanzt, und noch heute finden sich an ehemaligen keltischen Kultstätten bemerkenswert viele Ebereschen. Ganz sicher genießt der Baum aber auch deswegen so viel Anerkennung bei den Nord- und Bergvölkern, weil ihre Früchte in so mancher Hungersnot das Überleben ermöglichten. Die Eberesche war unseren Ahnen Symbol des Lebens und des Anfangs!


Die Wirkung des Gemmomazerats in der Kinderheilkunde

Die Eberesche mutet etwas jugendlich an, sie strahlt Optimismus aus und weiß schwierige Situationen geradezu leichtfüßig zu überwinden. Das Ebereschen-Gemmomazerat schmeckt angenehm nach Bittermandeln und hat eine allgemein wärmende und mild anregende Wirkung auf den Organismus des Kindes. Es ist ihm ein ausgezeichnetes Tonikum: Es stärkt den Stoffwechsel, das Immunsystem und wirkt stimmungsaufhellend. Es ist ein »In-Fluss-Bringer«! Es regt die Säfteproduktion der Verdauungsdrüsen an, es lässt Blut und Lymphe besser fließen, es wirkt mild schleimlösend. Auf den Verdauungstrakt des Kindes übt es eine speziell ausgleichende Wirkung aus.

Es hat die folgenden Hauptwirkungen:

• Tonisiert allgemein.

• Stärkt das Immunsystem.

• Wirkt antioxidativ und entzündungshemmend.

• Stärkt die Fließeigenschaften des Bluts und der Lymphe.

• Wirkt appetit- und stoffwechselanregend, vor allem auf Darm und Atemtrakt.

• Stärkt und reguliert den Verdauungstrakt.

• Löst Krämpfe.

Verwendete Pflanzenteile für das Gemmomazerat

Frische Knospen.

Sammelzeit: April, Mai.

Indikationen

Psyche: Verschlossenheit, Niedergeschlagenheit, depressive Verstimmung, Burn-out, mangelnde Begeisterungsfähigkeit, innere Leere, pessimistische Lebenshaltung und Appetitmangel. Stärkt das Lebensfeuer, erhöht die Spannkraft und den Antrieb, etwas umzusetzen, schenkt Mut und Vertrauen in sich selbst, hilft dem phlegmatischen und melancholischen Kind, aus der Passivität zu kommen.

Herz-Kreislauf-System: Hämorrhoiden, Schwäche oder Entzündungen der Blut- und Lymphgefäße, kalte Extremitäten. Fördert die Mikrozirkulation.

Immunsystem: Stärkt das Immunsystem. Entzündungshemmend.

Stoffwechselsystem: Rheumatismus, Gicht, Übersäuerung. Stoffwechselanregend.

Verdauungstrakt: Verstopfung, Durchfall, akute und chronische Darmentzündungen, Verdauungsschwäche, Magen-Darm-Krämpfe. Reguliert die Darmtätigkeit.

Atemtrakt: Entzündungen des oberen Respirationstrakts.

Edelkastanie, Castanea sativa

Fagaceae

Die lymphbewegende Knospe

Das Wesen der Pflanze

Die Edelkastanie stammt wahrscheinlich aus Südosteuropa und Kleinasien und wurde erstmals von den Armeniern kultiviert. Die alten Griechen und später die Römer verbreiteten den Baum in allen Teilen Europas, die sich vom Klima her dafür eigneten. Gebietsweise ist sie mithilfe des Menschen zu einem waldbestimmenden Baum geworden – so beispielsweise in einem Hochtal des schweizerischen Kantons Graubünden, in Castasegna, nahe der italienischen Grenze, wo der größte Edelkastanienhain Europas steht. In den Bergregionen Südeuropas war die Edelkastanie vom Mittelalter bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts das Hauptnahrungsmittel der Landbevölkerung. Sie trägt auch den Namen »Brotbaum«, weil ihre Nüsse überwiegend Stärke, Zucker und Eiweiß und relativ wenig fettes Öl enthalten. Die Edelkastanienfrüchte sind gewissermaßen die »Getreideform« innerhalb der Baumnüsse.

Unter optimalen Bodenbedingungen kann ein Edelkastanienbaum bis zu 35 Meter hoch werden und einen Stammumfang von meist 1 bis 2 Metern, sehr alte Bäume von 4 Metern, in Extremfällen sogar 6 Metern erreichen. Der größte bekannte Baum ist der »Castagno dei Cento Cavalli« (»Kastanienbaum der hundert Pferde«) auf Sizilien, der über 2000 Jahre alt sein soll. Edelkastanienbäume gehören zu den europäischen Bäumen mit dem breitesten Stammumfang überhaupt. In der Holzverarbeitung ist der relativ schnell wachsende Baum mit ähnlich hartem Holz wie die Eiche und sehr guter Bearbeitbarkeit seit der Antike äußerst beliebt. Durch den hohen Gerbstoffgehalt (siebenmal mehr als die Eiche) ist die Edelkastanie sehr widerstandsfähig gegenüber Feuchtigkeit und hat eine natürliche Dauerhaftigkeit, selbst wenn sie starken Witterungseinflüssen ausgesetzt ist. Ähnlich dem Eichenholz wurde das Holz der Edelkastanie im Schiffsbau und für die Fassdauben- und Möbelherstellung genutzt. Die 12 bis 20 Zentimeter langen, etwas ledrigen Blätter wurden früher, als es noch kein Plastik gab, zum Einwickeln von Nahrungsmitteln verwendet.


Weibliche und männliche Blüten der Edelkastanie befinden sich am selben Baum. Die weiblichen Blüten sind unscheinbar und werden hauptsächlich von Insekten bestäubt. Die 15 Zentimeter langen, schwefelgelben männlichen Blüten sind nicht nur vom Aussehen her auffällig, sie sondern auch einen intensiven und eher unangenehmen Geruch aus. Den eigentümlichen Duft verdankt die Edelkastanienblüte dem Stoff Trimethylamin, der unter anderem auch in den Blüten des Weißdorns und der Eberesche zu finden ist. So ist ein in Blüte stehender Edelkastanienwald ein besonderes Erlebnis für die Sinne.

Die Edelkastanie wurde bereits in der Antike auch medizinisch genutzt. Die Früchte setzte man zur allgemeinen Stärkung ein, sah man doch durch diesen Baum die Kraft des mächtigen Göttervaters Jupiter wirken. Insbesondere sollte dieser ertragsreiche Baum die Fruchtbarkeit mehren. Die Blätter werden noch heute als Tee gegen Lungen- und Magenkatarrh verwendet. Äußerlich angewendet, wirken sie blutstillend und wundheilungsfördernd.

Der Name »Castanea«, der bereits im Altertum üblich war, bezieht sich einerseits auf Kastana, eine Stadt am Schwarzen Meer, wo die Edelkastanie im großen Stil kultiviert wurde, andererseits auf »Casta Nea«, was »keusche Nea« bedeutet. Nea war eine schöne Nymphe, die sich das Leben nahm, um Jupiters Aufdringlichkeit zu entgehen, woraufhin sie dieser in die Edelkastanie verwandelte.

Die Wirkung des Gemmomazerats in der Kinderheilkunde

Das Edelkastanien-Gemmomazerat zeigt eine deutliche Wirkung im Bereich des Lymphsystems. Es tonisiert die Lymphgefäße und bewirkt eine Steigerung des Lymphabflusses. Es reguliert die Darmflora, die Darmdurchlässigkeit für Nährstoffe und die Darmlymphe. Insgesamt wirkt es entzündungshemmend auf Haut und Schleimhaut. Als bewährtes Lymphmittel wird es zur Entgiftung eingesetzt.

Es hat die folgenden Hauptwirkungen:

• Stärkt das Lymphsystem.

• Stärkt die Darmschleimhaut.

• Ist Schleimlösend.

• Wirkt allgemein entgiftend.

• Klärt die Haut.

Verwendete Pflanzenteile für das Gemmomazerat

Frische Blattknospen.

Sammelzeit: März, April.

Indikationen

Psyche: Aggressives Verhalten. Hilft, unkontrollierte Wutausbrüche zu besänftigen.

Gefäßsystem: Hämorrhoiden, Kapillarerweiterungen, Schwäche der Venen- und Lymphgefäßwände.

Lymphsystem: Trägheit des Lymphgefäßsystems, Lymphödeme, Lymphatismus. In der konstitutionellen Behandlung von Allergien und Nahrungsmittelintoleranzen. Ausleitung von Medikamenten (zum Beispiel nach Operationen, Zahnarztbesuch).

Haut: Chronische darmassoziierte Hauterkrankungen, Akne, Hämatome. Verbessert das Hautbild.

Atemtrakt: Bronchitis mit trockenem oder feuchtem Husten, verstopfte Nase. Unterstützend bei Asthma und Keuchhusten.

Verdauungssystem: Magenschleimhautentzündung, akute und chronisch entzündliche Darmerkrankungen, Durchfall, Magen-Darm-Krämpfe. Unterstützend bei Übergewicht und Leaky-Gut-Syndrom (übermäßig durchlässiger Darmschleimhaut).

Bewegungsapparat: Entzündliche Gelenkschwellungen. Abschwellende Wirkung (innerlich und äußerlich angewandt) nach stumpfen Verletzungen.

Gewöhnliche Esche, Fraxinus excelsior Oleaceae

Die stoffwechselvitalisierende Knospe

Das Wesen der Pflanze

Von den einheimischen Bäumen treibt im Frühling die Gewöhnliche Esche als einer der Letzten aus. Sie hält ihre frostempfindlichen Laubtriebe hinter dicken, schwarzen Knospenschuppen geschützt zurück, bis die Temperaturen ein gefahrloses Austreiben ermöglichen. Wenn praktisch alle Bäume bereits grün sind, steht sie als einziger unbelaubter Baum da. In ihrer nackten Krone hängen oft noch gräulich ausgebleichte Samenbüschel. Ihre silbergrau berindeten Äste, die in dicken, schwarzen Endknospen auslaufen, betonen dieses kontrastreiche Bild innerhalb der grünenden Frühlingslandschaft. Das Aufbrechen der Knospen und die Streckung des Laubsprosses geschehen dann aber relativ plötzlich. Ihre charakteristischen, etwa 20 Zentimeter langen gefiederten Blätter lassen viel Licht zum Boden durchscheinen. Unter einer freistehenden Eschenkrone ist ein lebendiges, sich ständig veränderndes Schattenspiel zu beobachten. In ihrer Kindheit ist die Esche sehr schattentolerant, man findet sie deshalb auch in lichtarmen Buchenwäldern. Mit zunehmendem Alter wird sie aber immer lichthungriger, öffnet sich mehr und mehr der Lichtwirkung. Zielstrebig und relativ schnell wächst die Gewöhnliche Esche in ihrer Jugend bis zu einer Höhe von 40 Metern und gehört damit zu den höchsten Laubbäumen unserer Gegend. Ihr Stamm ist bei guten Bodenbedingungen normalerweise gerade und gabelt sich nicht. Die Esche betont damit die Vertikale und die Geradheit. Mit ihrer tiefreichenden Pfahlwurzel ist sie sehr sturmresistent. Dies verdankt sie aber auch ihrer ungewöhnlichen Elastizität. Wird eine Gewöhnliche Esche gefällt, muss besonders behutsam vorgegangen werden, da sie beim Bodenaufschlag elastisch aufspringt.

Die Esche liefert ein hartes, relativ leichtes und gefragtes Holz, das früher zur Waffen- (vor allem für Speere und Pfeile) und Werkzeugherstellung genutzt wurde. Heute wird Eschenholz hauptsächlich in der Möbelindustrie, zur Herstellung von Werkzeugstielen und Sportgeräten verwendet.


Im alten Griechenland erzählte man von den Meliai (oder Meliaden), Nymphen, die in den Eschen wohnten und Himmel (Uranos) und Erde (Gaia) als Eltern hatten. Die Gewöhnliche Esche galt in der Antike als Ahnherrin eines vergangenen menschlichen Geschlechts, nämlich des ehernen. Diesem wiederum ist das goldene und silberne Menschengeschlecht vorangegangen, und ihm folgte das heroische und eiserne, zu dem wir heute gehören. Das eherne, aus Eschen geformte Menschengeschlecht wird als wildes, besonders kriegerisches Volk dargestellt. Auch bei den alten Germanen diente die Gewöhnliche Esche als Ahnin der Menschen. Der erste Mann soll von den Göttern aus einem Eschenklotz und die erste Frau aus Erlen- oder Ulmenholz geschaffen worden sein.

Die Gewöhnliche Esche wurde immer schon mit den Kräften des Wassers und des Lichts in Verbindung gebracht. Bei den alten Griechen war sie Poseidon geweiht, dem Herrscher des Meeres, ebenso wie Hyperion, der Sonne. Damit vereint sie die Urpolarität Wasser und Feuer und wird in der nordischen Mythologie zur Weltenesche Yggdrasil. An diesem allumfassenden Baum hing Allvater Odin, sich selbst opfernd, neun Tage lang, um der magischen Runenkunst teilhaftig zu werden. Diese Kunst gab er seinen ihn verehrenden Priesterinnen und Priestern weiter.

Hildegard von Bingen sah in der Gewöhnlichen Esche einen Baum, der reinigend auf die »Säfte« von Mensch und Tier wirkt. Sie empfahl vor allem innere und äußere Eschenanwendungen gegen die Gicht. Die Gewöhnliche Esche stand im Mittelalter allgemein im Ruf, eine antitoxische Wirkung zu haben. So sollen beispielsweise Gifttiere diesen Baum ganz besonders meiden.

Die Gewöhnliche Esche zeichnet sich einerseits durch Spannkraft und Zielgerichtetheit, andererseits aber auch durch Duldsamkeit, Bescheidenheit, Ausdauer und Durchhaltewillen aus.

Die Wirkung des Gemmomazerats in der Kinderheilkunde

Das Gemmomazerat der Gewöhnlichen Esche ist vor allem ein sehr gut verträgliches Stärkungsmittel mit ausgleichenden Eigenschaften. Es schenkt aufrichtende Licht- und nährende Wasserkräfte in ausgewogener Mischung vereint. Schwache wie auch überschießende Funktionen können damit harmonisiert werden. Die Wirkung der Gewöhnlichen Esche auf das Kind lässt sich als zwischen der Sommerlinde und der Weißtanne stehend charakterisieren. Sie schenkt die stoffwechselanregende und beruhigende Wirkung der Sommerlinde und die Aufrichtekräfte der Weißtanne. Dabei bleibt immer eine ausgleichende Geste in ihrer Wirkung spürbar. Sie kann beispielsweise beim antriebsstarken, cholerischen Kind wie auch beim gemütlichen, phlegmatischen Kind angewendet werden.

Etliche alte Kulturen sahen eine starke Wesensverwandtschaft zwischen Mensch, Gewöhnlicher Esche und Kosmos. Die (makrokosmische) Weltenesche Yggdrasil verbindet die drei Welten Himmel, Mittelwelt und Unterwelt. Genauso verbindet der (mikrokosmische) »innere Lebensbaum« die drei großen Leibeshöhlen (Schädel-, Brust- und Bauchhöhle) mit ihren jeweiligen Funktionen. Dabei ist die Schädelhöhle Ausgangsort des Nerven-, die Brusthöhle des Kreislauf- und die Bauchhöhle des Verdauungssystems. Die den gesamten Organismus durchziehenden Kräfte, die von diesen drei Körperhöhlen ausgehen, sind beim Kind in »Ent-wicklung« begriffen und streben ein im späteren Erwachsenenalter ausgeglichenes Spiel der drei Kräfte an. Durch Stärkung des inneren Lebensbaums können Disharmonien der drei elementaren Kräfte harmonisiert werden. Auf diese Weise wirkt das Gemmomazerat der Gewöhnlichen Esche ausgleichend und stärkend auf die Entwicklung des Kindes.

Es hat die folgenden Hauptwirkungen:

• Wirkt allgemein vitalisierend.

• Reguliert den Gewebstonus.

• Stärkt Bänder und Sehnen.

• Ist fiebersenkend und entzündungshemmend.

• Hilft bei der Gewichtsregulierung.

Verwendete Pflanzenteile für das Gemmomazerat

Frische Knospen.

Sammelzeit: Mai, Juni.

Indikationen

Psyche: Schneller Stimmungswechsel, überschießende Emotionen, Mutlosigkeit, Wankelmütigkeit, Unentschlossenheit, Lustlosigkeit, Niedergeschlagenheit, mangelndes Interesse, Neigung zu psychosomatischen Erkrankungen, vegetative Entgleisungen. Ausgleichend, stärkt das Selbst, vitalisiert, beruhigt, hilft, den richtigen Tonus wiederzufinden, und erhöht die Stresstoleranz.

Bewegungsapparat: Zu hoher oder zu schwacher Gewebstonus, Entzündungen der Bänder und Sehnen, rheumatische Erkrankungen. Hilft nach Überdehnung von Sehnen und Bändern.

Stoffwechselsystem: Gicht, erhöhter Cholesterinspiegel, metabolisches Syndrom, Übergewicht, erhöhter Harnsäurespiegel. Regt das Stoffwechselsystem an.

Harntrakt: Stärkt die Nieren bei einer Schwäche ihrer Entgiftungsleistung.

Nervensystem: Neurasthenie, vegetative Dystonie, nervöse Tics. Stärkt das Nervensystem.

Immunsystem: Fieberhafte Zustände, grippale Infekte, Rekonvaleszenz.

Echter Feigenbaum, Ficus carica Moraceae

Die Knospe für Entspanntheit

Das Wesen der Pflanze

Der Echte Feigenbaum gilt als eine der ältesten domestizierten Pflanzen überhaupt. Seine Früchte waren vor dem Aufkommen des Getreides das Hauptnahrungsmittel des vorderasiatischen und des gesamten Mittelmeerraums. Ungewiss ist, welchem Volk die Kultivierung als erstem gelang, wahrscheinlich einem Volk aus dem Zweistromland, der Wiege der europäischen Zivilisation. Genauso gut kann es aber auch sein, dass der Feigenbaum den Menschen gewählt hat, um für seine Verbreitung zu sorgen. Auf jeden Fall hat sich die Freundschaft mit ihm für ihn sehr gelohnt. Dank seiner wird er heute in fast allen tropischen und subtropischen Gebieten der Erde angebaut und gilt an vielen Orten als eingebürgert. Das Überleben seiner Art dürfte also auf unbestimmte Zeit gesichert sein!

Natürlich revanchiert er sich dafür auch ausgiebig. Er lässt sich willig formen, es sind über 700 Kultursorten bekannt. Der Echte Feigenbaum ist sehr anpassungsfähig und stellt minimale Ansprüche an den Boden. Nässe verträgt er allerdings nicht. Auf trockenem, kargem Boden stehend, symbolisiert er mit seinem ausladenden Wachstum, seinen breiten fingerförmigen Blättern und seiner reichen Fruchtbildung (bis zu dreimal pro Jahr) ein üppiges Leben. Er wird in vielen Kulturen seit Tausenden von Jahren mit Fruchtbarkeit und freizügiger Sexualität in Verbindung gebracht.

Der ganze Baum wird von einem milchähnlichen Saft durchströmt, der eiweißspaltende Enzyme enthält, die in ihrer Wirkung den menschlichen Verdauungsenzymen ähneln: ein Grund, warum die Blätter des Echten Feigenbaums, meist als Aufguss zubereitet, in der mediterranen Volksheilkunde zur Verdauungsförderung eingesetzt werden.

Den Feigenbaum finden wir auch oft in religiösen Texten. Er taucht beispielsweise in der biblischen Szene der Vertreibung aus dem Paradies auf, wo Adam und Eva ihre Scham mit seinen Blättern bedecken. In der indischen Kultur findet Buddha die Erleuchtung am Stamme einer Pappelfeige (Ficus religiosa). Und der Hindugott Vishnu erblickt das Licht der Welt unter dieser Feigenbaumart.


Nach Homers Odyssee rettet sich Odysseus, indem er sich an einen Ast des Feigenbaums klammert, davor, in den tosenden Strudel der Charybdis gezogen zu werden. Die Römer pflanzten den Feigenbaum in Hausnähe, weil er vor Blitzeinschlag schützen sollte. In Dantes Inferno dient der Feigenbaum als Metapher der menschlichen Entwicklung zum Guten hin und wird darin selbst zum Guten stilisiert. Der Echte Feigenbaum ist vielfach Symbol der Vereinigung weiblicher und männlicher Kräfte, von Yin und Yang. Er bringt weltliche und spirituelle Bedürfnisse des Menschen in Einklang.

Die Wirkung des Gemmomazerats in der Kinderheilkunde

Das Feigenbaum-Gemmomazerat wirkt hauptsächlich auf die Verdauungstätigkeit des Menschen. Die Verdauungstätigkeit, in der Traditionellen Europäischen Naturheilkunde (TEN) »Kochung (Coctio)« genannt, umfasst (über den Verstoffwechslungsprozess hinausgehend) alle verändernden, umwandelnden Kräfte, die im Menschen wirksam sind.

Diese Kraft ist, da sind sich alle traditionellen Medizinsysteme im Großen und Ganzen einig, im Magen und Duodenum (Zwölffingerdarm) verwurzelt. Das Feigenbaum-Gemmomazerat spricht genau diese Funktion des Menschen an. Einerseits reguliert es auf der körperlichen Ebene den Verdauungstrakt, andererseits hilft es auch, seelische Inhalte zu kochen und zu verdauen. Alles, was ein Kind konkret wie auch im übertragenen Sinn in sich aufnimmt (von der Nahrung bis zu seelischen Eindrücken), muss »gekocht« und »verdaut« werden. Das Feigenbaum-Gemmomazerat unterstützt die ganze Breite dieses Prozesses. Dadurch wird es beispielsweise zu einem Beruhigungsmittel, weil es die Dinge, die beunruhigen, zu verdauen hilft. Darum ist es auch das Traumamittel der Gemmotherapie.

Es hat die folgenden Hauptwirkungen:

• Erhöht die Stresstoleranz, wirkt beruhigend.

• Reguliert die Magen- und Darmschleimhaut.

• Ist verdauungsfördernd.

• Hilft bei psychischen Traumata.

• Befeuchtet Haut und Schleimhäute.

Verwendete Pflanzenteile für das Gemmomazerat

Frische Knospen.

Sammelzeit: April.

Indikationen

Psyche: Körperliche Symptome aufgrund innerer oder äußerer Konflikte, Ängste, Panikattacken, Zwangshandlungen, innere Anspannung, Aggressionen, Gereiztheit, Krampfneigung, depressive Verstimmungen, psychosomatische Beschwerden, Schlaflosigkeit durch Befürchtungen, Ängste, traumatische Erlebnisse, Überforderung, Reizüberflutung, Stress, emotionaler Druck, Hyperaktivität. Hilft der Konfliktverarbeitung.

Verdauungssystem: Verdauungsbeschwerden, Magen-Darm-Krämpfe, zu viel oder zu wenig Magensäure, Magenschleimhautentzündung, Reflux, chronische Entzündungen der Darmschleimhaut, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Völlegefühl, bulimische Neigungen, übermäßige Süßgelüste. Reguliert den Appetit.

Nervensystem: Neurasthenie.

Bewegungsapparat: Juvenile idiopathische Arthritis.

Herz-Kreislauf-System: Herzunruhe, Eisenmangelanämie.

Hautsystem: Trockene Haut, Warzen, Sonnenallergie.

Reproduktionssystem: Ablehnung der eigenen Sexualität, übersteigerte Schamgefühle, schamloses, obszönes Verhalten.

Feldahorn, Acer campestre

Sapindaceae, früher Aceraceae

Die Knospe, die Ideal und Realität verbindet

Das Wesen der Pflanze

Der Feldahorn ist der kleine, oft übersehene Bruder des stattlichen Berg- und des Spitzahorns. Mit diesen gehört er zu den drei häufigsten Ahornarten Mitteleuropas. Man findet ihn als sparrigen Busch oder mittelgroßen, bis zu 22 Meter hoch werdenden Laubbaum vor allem am Rand von Laubmischwäldern oder in Hecken. Die Wuchsform des Feldahorns variiert stark je nach Bodenbeschaffenheit und Standort. Seit einigen Jahren wird er vermehrt in Städten angepflanzt, weil er relativ salz-, emissions- sowie ozontolerant ist und sich auch für enge Straßen eignet. Der Feldahorn ist sehr anpassungsfähig.

Der Feldahorn wird mancherorts auch »Milchbaum« genannt, weil die Blattrippen und -stiele einen milchähnlichen Saft führen. Seine Blätter sind drei- bis fünflappig, variieren aber in der Form sehr stark. Zu Notzeiten wurden die jungen, eiweißreichen (5 Prozent) Blätter nach einer Art Sauerkrautgärung gegessen. Sie können auch als Salat verzehrt werden. Der Feldahornsalat schmeckt zu Beginn etwas sauer, im Verlauf des Kauens aber immer süßer. Daher stammt auch ein anderer Name für diesen Baum: »Maßholder« (»Maß« stammt vom altgermanischen matlu für »Speise«). Ebenso wurden seine nahrhaften Blätter häufig dem Weidevieh verfüttert. Nahrung bietet er auch für viele Insekten bereits ab Mitte April, wenn er blüht.

Bei warmem, sonnigem Wetter kann man seinen angenehmen, süßen Blütenduft riechen. Der Feldahorn ist eine sehr geschätzte Bienenweide. Auch seine ahorntypischen Doppelflügelfrüchte sind für viele Nagetiere willkommene Nahrung im Herbst und Winter. Kinder haben ebenfalls ihre Freude an diesen »Propellerfrüchten«. Im frühen Sommer lässt sich die einzelne Teilfrucht leicht spalten und durch den innen befindlichen, klebrigen Saft auf die Nase kleben. So verwandeln sich die Kinder in kleine »Nashörner«. Im Herbst wirft man diese kleinen »Propeller« in die Luft, um dem lustigen, trudelnden Tanz nachzuschauen – welcher fliegt wohl am weitesten?


Das Holz ist ausgesprochen zäh und fest und darum beliebt für Drechsler- und Schnitzarbeiten sowie für Werkzeugteile. Extrakte aus den Feldahornknospen spielen in der Kosmetik aufgrund ihrer befeuchtenden Wirkung für die Haut eine wichtige Rolle.

Um dem Wesen des Feldahorns näherzukommen, lohnt es sich, ihn mit seinen zwei großen Geschwistern zu vergleichen, dem Berg- (Acer pseudoplatanus) und dem Spitzahorn (Acer platanoides). Der Bergahorn ist der Imposanteste der drei. Wie sein Name verrät, steigt er hoch in die alpine Region hinauf, trotzt den zusammenziehenden Kältekräften und bewahrt als solitär stehender Baum seine großzügig ausladende Wuchsform. Er ist eine majestätische Erscheinung!

Der Spitzahorn bevorzugt eindeutig die milderen Klimazonen und wird niemals so hoch in die Bergwelt hinaufsteigen wie der Bergahorn. Er ist insgesamt graziler, und seine schlankeren Blattstiele lassen die Blätter stärker im Wind bewegen. Ebenfalls sind diese im Herbst weitaus farbenprächtiger als die Blätter des Bergahorns. Der Bergahorn wirkt schwerer, dunkler, der Spitzahorn graziler und lichtdurchlässiger.

Dem Feldahorn ist eine größere Anpassungsfähigkeit eigen als seinen großen Geschwistern. Er kann strauch- oder baumförmig wachsen. Seine zwar wesentlich kleineren Blätter sind milchsaftführend wie die des Spitzahorns, ähneln der Form nach aber mehr dem Bergahorn. Im Herbst erreichen sie ein wärmeres Gelb als beim Bergahorn, aber nicht die Farbigkeit des Spitzahorns. Seine Blätter wirken ledriger als die seiner beiden Geschwister, und seine Äste sind deutlich sparriger und knacken laut, wenn man sie bricht (daher auch der Name »Knackbaum«). Er ist verspielter als die beiden anderen Ahornarten und hat etwas Jugendliches an sich.

Die Wirkung des Gemmomazerats in der Kinderheilkunde

Das Feldahorn-Gemmomazerat wirkt vor allem auf das Leber-Gallen- und das vegetative Nervensystem des Kindes. Diese beiden Systeme sind eng miteinander verbunden und dadurch oft Manifestationsfelder seelischer Verstimmungen, die in traditionellen Medizinsystemen »Leberstagnation« oder »verstopfte Leber« genannt werden. Stockt die Leberkraft, so wird das Kind missmutig bis aggressiv, und nicht selten treten auch Bauchschmerzen auf. Zustände, die oft in der Einschulungsphase zu beobachten sind. Die naturgemäß bewegungsfreudigen Kinder müssen plötzlich stillsitzen, sich ruhig verhalten und sich neuen Regeln beugen – was für viele Kinder nicht einfach ist! Das Feldahorn-Gemmomazerat wirkt da entstauend auf die Leber und fördert den »harmonischen Fluss« des emotionalen Lebens. Es hilft, die von außen kommenden Anforderungen mit den inneren Bedürfnissen des Kindes zu versöhnen.

Durch ungesunden Lebensstil wie Bewegungsmangel, sehr zucker- und fetthaltige Ernährung sowie Übergewicht sind der ehemals Erwachsenen vorbehaltene Diabetes Typ II (abzugrenzen vom juvenilen Diabetes Typ I) und Fettstoffwechselstörungen auch bei Kindern und Jugendlichen ein zunehmendes Problem geworden. Das Feldahorn-Gemmomazerat wirkt in diesen Fällen zusammen mit einer ordnenden Lebensumstellung stoffwechselverbessernd, senkt den erhöhten Blutzuckerspiegel und reguliert den Fettstoffwechsel. Ebenfalls wird es bei virus- und pilzbedingten Haut- und Schleimhauterkrankungen eingesetzt, da ihm eine immunstärkende Wirkung eigen ist.

Es hat die folgenden Hauptwirkungen:

• Regt Gallenbildung und Gallenfluss an.

• Reguliert den Fettstoffwechsel.

• Befeuchtet und klärt die Haut.

• Wirkt entzündungshemmend.

• Ist immunstärkend mit nachweislicher Wirkung gegen Pilze und Viren.

• Beruhigt und entspannt.

Verwendete Pflanzenteile für das Gemmomazerat

Frische Blattknospen.

Sammelzeit: März, April.

Indikationen

Psyche: Spannungsgefühle, Frustration, Groll, Kloßgefühl in der Kehle. Ärgerlich, missmutig, launisch. Schneller Stimmungswechsel. Morgenmuffel. Müdigkeit, Appetitlosigkeit, depressive Verstimmungen, Einschlaf- und Durchschlafschwierigkeiten, unruhiger, traumreicher Schlaf, panikartige Zustände.

Verdauungstrakt: Spannungsgefühle im Bauchbereich, Bauchkrämpfe, Verstopfung durch innere Anspannung, Verkrampfung der Gallenwege, Gallengrieß.

Stoffwechselsystem: Metabolisches Syndrom, juveniler Diabetes Typ II, Fettstoffwechselstörungen.

Immunsystem: Stärkt das Immunsystem, wirkt gegen Pilze und Viren.

Hautsystem: Trockene Haut, Ekzeme, Hautausschläge, Warzen, speziell Dellwarzen.

Nervensystem: Unruhezustände, Kopfschmerzen mit Erbrechen.

Harntrakt: Nierengrieß.

Feldulme, Ulmus mino

Ulmaceae

Die sensible und kommunikative Knospe

Das Wesen der Pflanze

In Mitteleuropa sind drei Ulmenarten verbreitet, die Feld-, die Berg- und die Flatterulme, von denen die ersten zwei von wesentlich stärkerer kulturhistorischer Bedeutung sind. Wie es der Name andeutet, kommt die Bergulme mit kälteren Temperaturen klar, die Feldulme schätzt mildere Lagen. Beide können auch hybridisieren (sich vermischen) und sind auch weiterhin fortpflanzungsfähig. So ist es manchmal schwer, Ulmen korrekt zu unterscheiden.

Ulmen standen bei unseren Ahnen in hohem Ansehen. So erzählt die Edda der nordisch-germanischen Mythologie, wie die Götter aus zwei vom Meer angespülten Baumstämmen den Menschen schufen (Ask, die Esche für den Mann, und Embla, die Ulme für die Frau, wurden die Stammeltern der Menschen):

… Bis drei Asen

Aus dieser Schar,

Stark und gnädig

Zum Strande kamen:

Sie fanden am Land,

Ledig der Kraft,

Ask und Embla.

Nicht hatten sie Sinn,

Nicht hatten sie Seele,

Nicht Lebenswärme,

Noch lichte Farbe,

Sinn gab Odin,

Seele Hoenir,

Leben Lodur.

(Aus: »Voluspa 19«, Edda)

Nicht wenige Ortsnamen gehen auf die Ulme zurück, beispielsweise die Stadt Ulm in Baden-Württemberg und die Gemeinden Ulmet und Olzheim in Rheinland-Pfalz. Auch die Ortschaftsnamen »Iffeldorf«, »Iffingheim« oder »Iffens« weisen auf den alten Namen »Iffen« für die Ulme. Die Lemoviken, ein keltisch-gallischer Stamm, haben sich nach der Ulme benannt (lemos ist der gallische Name für »Ulme«), nach denen wiederum die französische Stadt Limoges in der Region Nouvelle-Aquitaine benannt ist. Wahrscheinlich sahen auch sie sich als Abkömmlinge des Ulmenbaums.


Ursprünglich ein typischer Baum der Auenlandschaften, wurde die Feldulmen wegen ihrer mannigfachen Nutzbarkeit häufig angebaut. Den Römern dienten sie als Rebstützen, indem sie die Weinreben sich um den Stamm und die unteren Äste schlingen ließen; später wurden dann Ulmenpfähle verwendet. Das Holz der Ulme, sogenanntes Rüsterholz, wurde für Winden und Flaschenzüge, Schäfte von Büchsen und für Glockenstühle verwendet.

Im Süden Europas nahm die Feldulme eine ähnliche Stellung wie die Linde ein und stand im Dorfzentrum, wo sie besonders wegen ihres angenehmen Schattenwurfs im Sommer geschätzt wurde. Sie oder die in ihr wohnende Dryade (Baumgeist, Elfe), so wusste man früher noch, galt als besonders sensibel. Sie nahm regen Anteil am Dorfgeschehen und trauerte, wenn ein Unrecht geschah oder ein Stammesmitglied verstarb. Nach dem Ersten Weltkrieg begann ein Ulmensterben, das den meisten mehrhundertjährigen Feldulmen den Tod brachte. Ein Pilz (Ophiostoma ulmi), der durch den Ulmenspintkäfer (Scolytus sp.) übertragen wird, lässt die befallenen Ulmen oberirdisch absterben. Diese treiben zwar wieder aus, werden allerdings meist ab einem Stammdurchmesser von circa 15 Zentimetern erneut befallen, sodass man fast nur noch jüngere Feldulmen zu Gesicht bekommt.

Eine ausgewachsene Feldulme kann bis zu 40 Meter hoch werden und ist mit ihrem kräftig in die Höhe emporstrebenden Stamm, der seine vertikale Ausrichtung bis in die Hauptäste der Krone hinein erstreckt, eine imposante Erscheinung. Gleichzeitig drückt die vielfache Verästelung der Zweige hohe Sensibilität aus. Das auffälligste Merkmal der Ulme allerdings sind ihre asymmetrischen Blätter, deren eine Hälfte immer größer und ungleich am Grunde des Blattstiels angesetzt ist.

Die Heilkraft der Feldulme wird seit alters geschätzt. Dabei werden dem Bast, der inneren Rinde des Baums, besondere Kräfte zugesprochen. Der griechische Arzt Dioskurides empfahl bereits im 1. Jahrhundert n. Chr. Abkochungen des Bastes bei Husten, Wunden und Knochenbrüchen. Eine Besonderheit war der Ulmensaft, der durch das Auspressen von Blattläusen befallener Blätter im Frühling gewonnen wurde. Durch den Läusebefall entstehen auf den Blättern unzählige kleine Bläschen, die viel Flüssigkeit enthalten. Diese Frühlingsflüssigkeit galt als besonders heilkräftig.

Die Wirkung des Gemmomazerats in der Kinderheilkunde

Ähnlich der Linde ist die Feldulme ein Baum mit mütterlichen Eigenschaften, die eine besonders ausgleichende Wirkung auf die Seele des Kindes ausübt. Das Mazerat hilft vor allem sensiblen Kindern, ihren Platz in der Gemeinschaft zu finden und mit ihrer Sensibilität besser umgehen zu können. Die Feldulme wird aber auch Kindern Unterstützung bieten, die wenig Sensibilität für sich und die Umwelt aufbringen.

Eine ausgesprochen regulierende Wirkung übt das Feldulmen-Gemmomazerat auf die Haut und die Schleimhäute aus, unsere »sensiblen Austauschorgane« und Kontaktflächen mit der Außenwelt. Es stützt alle Kommunikationsfunktionen des Kindes. Darüber hinaus verbessert es die Lymphqualität und wirkt allgemein stoffwechselanregend und entgiftend.

Es hat die folgenden Hauptwirkungen:

• Reguliert und schützt die Haut und die Schleimhäute.

• Beruhigt und fördert den Schlaf.

• Stärkt die Kommunikationsfähigkeit.

• Regt den Stoffwechsel an, entgiftet.

Verwendete Pflanzenteile für das Gemmomazerat

Frische Knospen.

Sammelzeit: April, Mai.

Indikationen

Psyche: Kind nimmt seine eigenen Bedürfnisse ungenügend wahr und/oder traut sich nicht, diese anzubringen, fühlt sich unsicher, unwohl in der Gemeinschaft. Angst in der Gruppe, Schüchternheit, Menschenscheu, Einzelgängertum, Sprachschwierigkeiten. Kind kann seine eigene Meinung nicht äußern und Außenreize nicht ausreichend filtern. Hohe Sensibilität, Reizüberflutung. Kind fühlt sich schnell verletzt, überfordert. Andererseits wenig Sensibilität. Kind spürt das Gegenüber nicht, rennt andere Kinder um. Nervosität, Einschlafschwierigkeiten. Stärkt die Kommunikations- und die Empathiefähigkeit. Gute Unterstützung vor einem Auftritt oder Referat.

Hautsystem: Entzündliche Hauterkrankungen, Akne, Furunkulose, Fieberblasen, säuerliche Hautausdünstung, nässende Hautentzündungen, Nesselsucht, fettige Haut, trockene Haut, chronische Ekzeme, Neurodermitis, Juckreiz, Verbrennungen, Folgen von Sonnenbrand. Reguliert die Talgdrüsentätigkeit der Haut. Wundheilungsfördernd.

Bewegungsapparat: Rheumatische Beschwerden.

Atemtrakt: Heiserkeit, trockener Husten, Bronchitis. Stärkt und schützt die Stimmbänder bei starker Beanspruchung.

Verdauungstrakt: Durchfall, Obstipation, Magen-Darm-Schleimhautentzündungen, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, nervöse Darmbeschwerden.

Ginkgo (Tempelbaum), Ginkgo biloba

Ginkgophytae

Die harmonisierende Knospe

Das Wesen der Pflanze

Charles Darwin nannte den Ginkgobaum ein »lebendes Fossil«. Versteinerungen seiner Blätter datiert man auf über 250 Millionen Jahre zurück, kurz vor den Beginn des Mesozoikums (Erdmittelalter), des Erdzeitalters der Dinosaurier. In der Ära der großen Echsen bildete die Pflanzenordnung der Ginkgopsida, zu der er gehört, viele Vertreter aus insgesamt zwanzig bekannten Gattungen. Diese sind uns aber nur aus Versteinerungen bekannt, denn als einziger Vertreter seiner Ordnung hat es der Ginkgobaum durch viele klimatische Katastrophen hindurch bis in unsere Zeit geschafft. Darum gaben ihm Wissenschaftler auch den Namen »Wanderer zwischen den Zeiten«. Eine der größten Katastrophen des 20. Jahrhunderts, der Atombombenabwurf über Hiroshima und Nagasaki 1945, hat er auch überstanden und ist seitdem Sinnbild der Hoffnung und des Überlebenswillens.

War er damals praktisch weltweit verbreitet, zog er sich über die Jahrmillionen stufenweise auf ein kleines Areal im heutigen China zurück, wo er vielleicht ohne das Dazutun der Menschen tatsächlich ausgestorben wäre, da Wildvorkommen, wenn überhaupt, nur sehr spärlich sind. Dieses angenommene »natürliche« Vorkommen im Südwesten Chinas könnte im Ursprung durchaus ebenfalls humaner Pflege verdankt sein. Die Menschen fanden nämlich schon sehr früh eine Nutzung des Baums. Seine in den Pseudofrüchten enthaltenen Kerne sind essbar und gelten in der Volksheilkunde als stärkend und fruchtbarkeitssteigernd. Blätter, Kerne und Wurzeln werden in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) verwendet. Darüber hinaus muss der Baum noch über ganz andere Attribute verfügen, da er vor allem in buddhistischen Tempelanlagen kultiviert und von buddhistischen Mönchen nach Japan und Korea mitgenommen wurde, wo es jahrtausendealte heilige Bäume gibt, zu denen man noch heute pilgert.

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409 p. 83 illustrations
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9783038001065
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