Read the book: «Sanfte Fohlenausbildung»

ÜBER DIE AUTORIN
Caroline Sperling ist Pferdepsychologin und Trainerin mit ganzheitlichem Ansatz. Sie bietet eine kreative Jungpferdeerziehung mit viel Spaß und Verstand an und kreiert individuelle Lösungsansätze bei Problemen mit verhaltensauffälligen Pferden. Neben Einzeltrainings gibt sie auch Vorträge und Seminare. Caroline Sperling kann auf 30 Jahre Pferdeerfahrung zurückblicken und ist seit 2007 hauptberufliche Pferdepsychologin und Trainerin. Sie sagt: „Mein Beruf ist meine Berufung, meine Herzensarbeit.“
www.sanfte-pferdeausbildung.de
SANFTE
FOHLEN
AUSBILDUNG
Haftungsausschluss
Autorin und Verlag haben den Inhalt dieses Buches mit großer Sorgfalt und nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt. Für eventuelle Schäden an Mensch und Tier, die als Folge von Handlungen und/oder gefassten Beschlüssen aufgrund der gegebenen Informationen entstehen, kann dennoch keine Haftung übernommen werden.
Copyright © 2015 by Crystal Verlag, Wentorf
Gestaltung und Satz: Crystal Design, Wentorf
Titelfoto: Christiane Slawik
Fotos im Innenteil: Claudia Rahlmeier, Christiane Slawik, Namay Dolphin, Alessandra Kreibaum
Lektorat: Alessandra Kreibaum
Druck der Originalausgabe: Westermann Druck Zwickau GmbH, Zwickau
Deutsche Nationalbibliothek – CIP-Einheitsaufnahme
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar.
Alle Rechte vorbehalten.
Abdruck oder Speicherung in elektronischen Medien nur nach vorheriger schriftlicher Genehmigung durch den Verlag.
ISBN: 978-3-95847-003-3
SANFTE
FOHLEN
AUSBILDUNG
CAROLINE SPERLING
Schritt für Schritt zum
gelassenen Freizeitpartner
Das eigene Fohlen

(Foto: Claudia Rahlmeier)
„Wenn du das Vertrauen eines Pferdes gewonnen hast, hast du einen Freund fürs Leben gewonnen.“
unbekannt
DAS EIGENE FOHLEN
Wie alles im Leben hat auch ein Fohlenkauf seine Vor- und Nachteile. Meine Erfahrung hat Folgendes gezeigt: Wenn man sich in dieser Zeit ausgiebig mit seinem Jungpferd beschäftigt, kann eine sehr intensive Beziehung zwischen Mensch und Tier entstehen − eine weit intensivere als zu einem bereits ausgebildeten, älteren Pferd. Wer sich ein Fohlen kaufen möchte, dem sollte nur klar sein, dass es drei bis vier Jahre dauert, bis an das Anreiten zu denken ist. Das ist ein langer Zeitraum, in dem man viel Geduld, Zeit und Geld investiert. Aber man bekommt weit mehr zurück: eine lebenslange Freundschaft! Im ersten Moment staksig und unbeholfen, galoppiert es nur kurze Zeit später an der Mutter vorbei und vollführt dann während eines Bremsmanövers eine Kehrtwendung. Im stolzen Trab zeigt es keck mit hocherhobenem Schweif der Welt: „Hey, hier bin ich!“ und legt dann müde im Stroh eine kurze Pause ein: Wir können den Blick nur schwer abwenden. Ein Fohlen ist ein bewegendes Wesen, das in seiner Art und Weise viele Herzen erobert. Mitzuerleben, wie es groß wird, ist ein wunderschönes Erlebnis − der Traum vieler Pferdeliebhaber.
Kleines Überraschungspaket
Aber so wunderschön es ist, ein Fohlen großzuziehen − was am Ende dabei herauskommt, ist erst einmal unklar. Man sollte sich darüber bewusst sein, dass man nur Vermutungen anstellen kann, wie das ausgewachsene Pferd aussehen und sich bewegen wird. Auch wie es zu reiten sein wird, weiß keiner. Am hilfreichsten ist es, sich die Vater- und Mutterlinie anzusehen und eventuell die Halb- oder Vollgeschwister. Gewisse Charakterzüge und Eigenschaften kann man so schon erahnen.
„In jedermann ist etwas Kostbares, das in keinem anderen ist.“
Martin Buber

Dieser Anblick berührt das Herz. (Foto: Namay Dolphin)
Wer sich für ein Fohlen entscheidet, braucht in erster Linie Geduld. Viele Handgriffe, die bei einem erwachsenen Pferd selbstverständlich sind, machen einem Fohlen Angst. Jemand, der ausschließlich Erfahrung mit erwachsenen Pferden hat, wird sich erst einmal umstellen müssen, weil es eine gewohnte Routine wie beim ausgebildeten Pferd noch nicht gibt. Diese muss man sich erst gemeinsam erarbeiten und das Tier langsam mit allem vertraut machen, was ihm in seinem Pferdeleben begegnen wird. Stellt man seinen Absetzer nicht einfach nur für drei Jahre auf die Jungpferdekoppel, sondern beschäftigt sich intensiv mit ihm, kann man von Anfang an eine enge Bindung aufbauen.
Wichtige Entscheidungen selbst treffen
Viele junge Pferde, die schon angeritten sind, verhalten sich dem Menschen gegenüber skeptisch. Aus wirtschaftlichen Gründen haben sie drei Jahre auf der Fohlenkoppel verbracht, um danach plötzlich und innerhalb kürzester Zeit angeritten und für den Verkauf vorbereitet zu werden. Zeit ist dabei Geld und es interessiert nur die wenigsten, wie es dem Pferd ergeht. Wenn man hingegen selbst ein Fohlen großzieht, kann man in Ruhe überlegen, wann der richtige Zeitpunkt für das Anreiten ist. Man sollte sich lieber die Zeit nehmen und mit dem Anreiten warten, bis das Pferd vier Jahre oder sogar älter ist. Hier sollte man individuell entscheiden − es gibt Frühentwickler und Spätstarter. Im Alter zwischen vier und fünf Jahren sind die Wachstumsfugen weitgehend geschlossen, der Sehnen- und Bandapparat ist in den meisten Fällen ausgereift und man kann langsam beginnen. Wenn man bedenkt, dass man seinen Freund im besten Fall 20 Jahre und länger hat, fällt das Warten leicht − und man handelt zum Wohl seines Pferdes.
Zu den wichtigen Entscheidungen gehören aber auch Punkte wie eine gesunde, artgerechte Fütterung und die medizinische Versorgung des Pferdes. Verglichen mit dem Kauf eines bereits ausgebildeten Pferdes ist es wesentlich teurer, ein Fohlen selbst großzuziehen und ausbilden zu lassen. Wenn man nur die monatlichen Einstellgebühren auf drei bis vier Jahre hochrechnet, kommt eine stolze Summe zusammen. Dazu addieren sich Tierarztkosten, Kosten für die Ausrüstung – vor allem für einen vernünftigen Sattel – und für das Anreiten und Ausbilden. Eine gute Ausbildung braucht seine Zeit und hat seinen Preis. Hier ist mit einem höheren vierstelligen Betrag zu rechnen. Allerdings kommen die Ausgaben Schritt für Schritt, sodass sich die Investition über die Jahre verteilt.

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. (Foto: Christiane Slawik)

(Foto: Christiane Slawik)
„Wir sind verantwortlich für das, was wir tun, aber auch für das, was wir nicht tun.“
Voltaire
DIE ARTGERECHTE AUFZUCHT
Eine artgerechte Aufzucht ist entscheidend für eine gute physische und psychische Entwicklung eines Jungpferdes. Hier werden die Grundsteine für ein langes, gesundes Leben gelegt.
Die Haltung in der Gruppe
Eine pferdegerechte Haltung sollte so weit wie möglich auf die natürlichen Bedürfnisse des Tieres eingehen. Aus dem natürlichen Verhalten von Wildpferden kann man die Bedürfnisse unserer domestizierten Pferde ableiten: Um sich vor Raubtieren besser schützen zu können, leben Pferde in freier Wildbahn immer in Gruppen. Man unterscheidet grundsätzlich zwei wesentliche Gruppenformen: In den meisten Fällen lebt ein Hengst mit bis zu sechs adulten Stuten, deren Saugfohlen und subadulten Nachkömmlingen zusammen. Die zweite Art der Gruppierung sind sogenannte Junggesellengruppen. Erreichen die Junghengste mit circa zwei Jahren die Geschlechtsreife, werden sie aus der Herde vertrieben oder sondern sich freiwillig ab. Sie gruppieren sich dann mit anderen Junghengsten, bis sie genügend Erfahrungen gesammelt haben, um sich selbst eine Jungstute zu „erkämpfen“. Das Bedürfnis, von Artgenossen umgeben zu sein, ist auch für das Wohlbefinden unserer Hauspferde besonders wichtig.
Hier werden leider oft Fehler gemacht. Da man sehr an den Fohlen hängt und sehen möchte, wie sie groß werden, verbleiben sie immer häufiger nach dem Absetzen direkt im Reitstall, anstatt in einem gut geführten Fohlenaufzuchtbetrieb aufzuwachsen. Solche isoliert aufwachsenden Pferde − ohne gleichaltrige Spielgenossen oder eine Gruppe von anderen Pferden − bleiben oft ein Leben lang verhaltensauffällig. Kommen sie in ihrem späteren Leben doch einmal in eine Herde, gibt es häufig Probleme, weil sie die Sprache der Artgenossen nicht ausreichend gelernt haben. Daher sind diese Pferde oft sehr ängstlich und reagieren bei den kleinsten Auseinandersetzungen extrem: Entweder sie halten sich verängstigt von anderen Pferden fern oder beißen und schlagen heftig beim geringsten Anlass. Die Haltung in der Gruppe ist für ein solches Pferd nicht zu empfehlen, weil es dadurch unter ständigem Stress steht.
Fohlen sollten somit grundsätzlich im Gruppenverband großgezogen werden. Der Idealfall ist eine Aufzucht nach Alter und Geschlecht gemischt, was aber oft aus Gründen der Handhabe nicht möglich ist. Erfahrene, ältere Pferde sind für Fohlen wichtige Bezugspartner und Erziehungsberechtigte. Besonders gut eignen sich hierfür ältere Wallache, weil sie nicht nur erzieherische Maßnahmen ergreifen, sondern auch noch sehr gern toben und spielen. Dieses Spielen ist sehr wichtig für das psychische Wohlbefinden eines jeden Fohlens. Sie trainieren dabei ihre Koordination und üben sich zugleich im Sozialverhalten. Hengstfohlen spielen, indem sie Wettrennen machen, sich gegenseitig zwicken oder ansteigen. Stutfohlen hingegen bevorzugen Laufspiele und soziale Pflege.

Leben im Familienverband schafft Sicherheit. (Foto: Christiane Slawik)
Mit viel Bewegung im Freien
Die natürlichen Lebensbedingungen der Vorfahren unserer Pferde liegen unter freiem Himmel. Für den Fall, dass eine Herde flüchten muss, können die Atemwege der Pferde Außergewöhnliches leisten – aber nur, wenn die Pferde immer an der frischen Luft sind und dabei ihre Atemwege trainiert werden. Für unsere domestizierten Hauspferde kann man daraus ableiten, dass auch sie zur Gesunderhaltung der Lunge Tageslicht und viel frische Luft brauchen.
Ein Wildpferd bewegt sich während der Futteraufnahme in freier Wildbahn circa 17 Stunden am Tag langsam schreitend vorwärts. Dadurch kommt es zu einer guten Durchblutung des Bewegungsapparats und der Organe. Muskeln, Sehnen und Bänder bleiben elastisch. Damit Fohlen und Jungpferde gesund heranwachsen und Folgeerkrankungen verhindert werden können, brauchen sie genügend Bewegungsmöglichkeiten – möglichst, wann immer sie wollen.
Das Verdauungssystem des Pflanzenfressers Pferd ist in der Lage, Raufutter wie Heu, Stroh und Gras in verwertbare Einzelstoffe aufzuspalten und aufzunehmen. In freier Wildbahn sind Pferde etwa 17 bis 19 Stunden pro Tag mit der Futteraufnahme beschäftigt. Zwischendurch nehmen sie größere Mengen frisches Wasser auf. Futterpausen von über vier Stunden können auf längere Sicht körperliche Folgen haben.
„Alles Lernen ist Spielen.“
Platon

Bewegung ist wichtig und ein kleines Wettrennen macht riesig Spaß. (Foto: Claudia Rahlmeier)
Mit ausreichend Schlaf
Genügend Schlaf ist für Pferde genauso wichtig wie für uns Menschen. Gerade Fohlen brauchen wie Kleinkinder mehr Schlaf, um sich immer wieder zu erholen und Erlebtes zu verarbeiten. Es gibt beim Pferd drei verschiedene Arten zu schlafen: Eine davon ist das Schlafen im Stehen, was 80 Prozent des Schlafens bei adulten Pferden ausmacht. Sie können nicht nur dösen, sondern auch im Stehen in die REM-Phase kommen.

So viele neue Eindrücke machen müde und müssen erst einmal verarbeitet werden. (Foto: Namay Dolphin)
Eine weitere Ruheform ist das Liegen auf dem Bauch mit eingeklappten Beinen, der Kopf ist dabei erhoben. Dies wird man aber nur beobachten, wenn sich ein Pferd sicher und wohlfühlt. Das Pferd als Fluchttier ist immer gefährdet, wenn es sich zum Schlafen hinlegt. Daher wird man auch nicht alle Herdenmitglieder gleichzeitig liegen sehen. Ein paar wenige stehen immer und übernehmen die Wache.
Vor allem Fohlen liegen häufiger auch ausgestreckt auf der Seite, Hals und Kopf am Boden. In dieser Phase kommt das Pferd immer wieder kurz in die REM-Phase, aber die Aufwachschwelle ist sehr niedrig, sodass es schnell aufspringen und flüchten kann. Erwachsene Pferde beobachtet man seltener in dieser Schlaflage.
Für eine artgerechte Haltung sollten wir unsere Haltungsbedingungen an die Bedürfnisse unserer Pferde anpassen. Dies bedeutet ein Leben in der Gruppe mit genügend Auslaufmöglichkeiten, frischer Luft und ausreichenden Schlafplätzen. Besonders wichtig ist die Gruppenhaltung für Fohlen und Jungpferde, da zwar alle sozialen Verhaltensweisen angeboren sind, das gegenseitige Verstehen der Sprache aber erlernt werden muss.
Die artgerechte Fütterung
Fohlen und Jungpferde sind noch im Wachstum. Daher ist es entscheidend, dass sie alle Stoffe bekommen, die sie für eine gesunde Entwicklung brauchen. Die Basis der Fütterung − ob für ein Fohlen, ein Jung- oder ein ausgewachsenes Pferd − ist das Raufutter. Grundsätzlich sollte man hier immer auf eine sehr gute Qualität achten, insbesondere bei Jungpferden. Füttert man ihnen ein schlechtes Raufutter, kann dies bereits früh zu Immunproblemen oder einer chronischen Bronchitis führen. Über den Sommer sollte ein Teil der Fütterung frisches, nicht zu proteinreiches Gras ausmachen.
Da unsere Weiden und Wiesen nicht mehr die Vielfalt an Gräsern und Kräutern haben wie früher, fehlt diese unseren Pferden auf der Koppel, aber auch im Heu oder der Heulage. Um dieses Defizit auszugleichen, brauchen sie ein qualitativ hochwertiges, vor allem natürliches Mineralfutter, damit der Körper mit allen notwendigen Mineralien, Vitaminen und Spurenelementen versorgt ist.

Durch die Grünlandintensivierung in den vergangenen 20 bis 30 Jahren wurden viele Kräuter und Gräser zurückgedrängt.(Foto: Christiane Slawik)
Von proteinlastigen Fohlenmineralstoffmischungen und hoch dosierten Zusatzfuttermitteln für Zuchtstuten und Fohlen rate ich ab. Durch ihren sehr hohen Proteingehalt und ihre hoch angesetzten Mineralstoff-, Vitamin- und Spurenelementgehalte werden die Pferde viel zu schnell viel zu groß. Irreparable Schäden können an den Knochen, Sehnen und Bändern entstehen, da diese nicht schneller wachsen, als von der Natur vorgesehen, und das Gewicht des überdimensional wachsenden Körpers dennoch tragen müssen. Die Folgen treten oft erst einige Jahre später zutage.
Auch Kraftfutter und Müslis braucht ein Fohlen oder Jungpferd nicht. Diese Futtermittel sind eine Erfindung der Futtermittelindustrie aus den letzten Jahrzehnten. Hier gilt: Weniger ist mehr! Bei einer artgerechten Fütterung sollte immer der Erhaltungsbedarf rein durch Raufutter – Heu, Stroh und Gras – abgedeckt werden, sodass die Jungpferde viel Zeit mit Fressen verbringen können.
Die medizinische Versorgung
Das Impfen
Die Impfung gilt als Schutzmaßnahme vor Infektionskrankheiten und deren Verbreitung. Damit ein ausreichender Schutz besteht, müssen Fohlen grundimmunisiert werden. Dies ist eine zweimalige Impfung im Abstand von vier bis sechs Wochen. Wenn möglich sollte immer nur eine Komponente und kein Kombiimpfstoff verwendet werden, weil so die Immunantwort intensiver ist und der Schutz besser gewährt ist.
Es gibt drei Impfungen, die in der Literatur im Fohlenalter genannt werden. Es sind die gegen
• Tetanus,
• Equine Influenza und
• Equine Herpesvirus-Infektionen.

Die beste Prophylaxe ist eine gute Koppel- und Stallhygiene. (Foto: Namay Dolphin)
Tetanus ist eine schwere Erkrankung, die bei Ausbruch zum Tod des Tiers führen kann. Sie wird hervorgerufen durch das Gift des Tetanusbakteriums, das zentralnervöse Störungen verursacht. 50 bis 80 Prozent der Tiere versterben trotz intensiver therapeutischer Behandlung.
Equine Influenza, auch als Pferdegrippe, Hoppegartener Husten oder Infektiöse Tracheobronchitis bezeichnet, ist eine schwere Atemwegs-erkrankung, aus der sich chronische Schäden entwickeln können.
Equine Herpesvirus-Infektionen lösen eine Entzündung der Atemwege aus und werden durch Tröpfcheninfektion übertragen. Oft haben die Tiere neben dem Husten eine Lungenentzündung, Fieber, Nasen- sowie Augenausfluss.
Empfohlen wird, im Alter von sechs Monaten erstmalig gegen Tetanus und Equine Influenza zu impfen, wobei der Termin vom Gesundheitszustand des Fohlens abhängig gemacht werden sollte. Ob Sie Ihr Pferd auch gegen Herpes impfen lassen und, wenn ja, wann der richtige Zeitpunkt dafür ist, besprechen Sie am besten mit Ihrem Tierarzt. Allerdings wird die Notwendigkeit einer Herpes-Impfung mittlerweile auch in medizinischen Fachkreisen diskutiert und ist umstritten.
Das selektive Entwurmen
Früher war die Empfehlung, Fohlen zwischen der vierten und sechsten Woche das erste Mal zu entwurmen, danach im Abstand von zwei bis drei Monaten. Für erwachsene Pferde galt die Regel: Entwurmen viermal pro Jahr mit wechselnden Wirkstoffen.
Aus zwei Hauptgründen kam es aber in der Vergangenheit mehr und mehr zu Resistenzen der Parasiten gegen Entwurmungsmedikamente: Zum einen wurden die Pferde zwar regelmäßig entwurmt, es wurden aber keine Kontrollen durchgeführt, ob die Wurmkur den gewünschten Erfolg erzielt hatte. Der zweite Grund war, dass teilweise sogar alle zwei Monate entwurmt wurde, ohne vorher die Notwendigkeit einer Wurmkur zu überprüfen.
Durch die vermehrt auftretenden Resistenzen gegenüber einzelnen antiparasitären Wirkstoffen denken einige Tierärzte um und beschreiten neue Wege: Die Methode der selektiven Entwurmung etabliert sich mehr und mehr. Bei diesem System wird der Kot vor und nach Gabe einer Wurmkur untersucht und die Ergebnisse werden schriftlich festgehalten. Die Eiausscheidungen eines einzelnen Pferde, aber auch die des gesamten Bestands werden untersucht, erfasst und bewertet. Das Ziel ist, eine individuelle Behandlung zu finden mit dem Grundsatz: So wenig wie möglich, so viel wie nötig.

Hengste ziehen durch ihre Attraktivität alle Blicke auf sich. (Foto: Christiane Slawik)
Gerade Fohlen und Jungpferde besitzen noch kein voll ausgereiftes Immunsystem. Dadurch sind sie anfälliger für Parasiten, die enorme Schäden anrichten können. Aus diesem Grund halte ich es für besonders wichtig, selektiv zu entwurmen, damit man einen Überblick hat und bei einem Befall rechtzeitig und wirksam behandeln kann. Ist das Jungpferd nur leicht befallen (unter dem Schwellenwert von 200 EpG [Ei pro Gramm]), kann man mit gutem Gewissen auf ein Entwurmen verzichten. Denn wenn auch Entwurmungsmedikamente langfristig nicht schädlich sind, belasten sie doch den Organismus.
TIPP
Tierarzt Dr. Marcus Menzel aus der Tierarztpraxis Thurmading ist der Vorreiter auf dem Gebiet der selektiven Entwurmung, in enger Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Vergleichende Tropenmedizin und Parasitologie, Tierärztliche Fakultät, Ludwig-Maximilians-Universität München. Für weitere Informationen: www.selektive-entwurmung.com.
Das Kastrieren
Die wenigsten Pferdebesitzer wollen mit ihrem Pferd züchten. Damit hengsttypisches Verhalten im Beisein von Stuten – wie Tänzeln an der Hand, Wenig-auf-den-Menschen-konzentriert-Sein, Schnauben, Aufwölben des Halses bis hin zum Besteigen − unterbunden wird und keine Nachkommen gezeugt werden können, lässt man Junghengste kastrieren. Bei der Kastration werden die beiden Hoden chirurgisch entfernt. Wallache sind meist wesentlich einfacher zu handhaben und können artgerechter in der Herde gehalten werden, was bei Hengsten oft aus organisatorischen Gründen nicht möglich ist. Es ist meist schwierig, Hengste in einer Herde mit Wallachen und anderen Hengsten zu halten, wenn Stuten in Sichtweite sind.
Doch wann ist der richtige Zeitpunkt, den Junghengst legen zu lassen? Einen genauen Zeitpunkt kann man nicht nennen. Es kommt auch auf die äußeren Umstände an. Lebt ein Junghengst in einer gemischten Herde zusammen mit Stuten, wird man ihn legen lassen müssen, sobald man merkt, dass er geschlechtsreif wird. Seine Geschlechtsreife erlangt er zwischen dem zwölften und zwanzigsten Lebensmonat. Das erkennt man, wenn er deutliches Interesse an Stuten zeigt und beginnt, sie zu besteigen. Soll das Pferd in dieser Herde bleiben, wird man um eine sofortige Kastration nicht herumkommen.
Wächst jedoch der Hengst in einer reinen Wallach- und Hengstherde auf, kann man den Zeitpunkt des Legenlassens selbst wählen. Das Testosteron, das mit Beginn der Geschlechtsreife produziert wird, ist verantwortlich für die Entwicklung eines männlichen Körperbaus, für eine imposante, hengsttypische Ausstrahlung und für ein dominantes Verhalten. In diesem Fall würde ich – solange der Junghengst vom Verhalten gut handhabbar und brav bleibt – warten, bis er zwei oder drei Jahre alt ist. Bis dahin hat sein Körper genügend Zeit, sich männlich auszubilden. Neben einer guten Bemuskelung haben Hengste meist sehr dichtes Schweif- und Mähnenhaar, was sie zu wunderschönen, ausdrucksstarken Tieren macht.
Bis sie circa drei Jahre alt sind, können viele Junghengste in der Box im Stehen kastriert werden. Bei älteren Tieren entscheidet man sich häufig für das Legenlassen im Liegen und unter Vollnarkose in einer Tierklinik. Ich empfehle, den Zeitpunkt und die Handhabe in Absprache mit Ihrem Tierarzt zu wählen.
TIPP
Bevor das Jungpferd das erste Mal aufgetrenst wird, sollten auf jeden Fall die Zähne kontrolliert werden, damit kein negatives Bild (Schmerzen) in Verbindung mit der Trense abgespeichert wird.
Die Zahnpflege
Pferdezähne wachsen und benötigen genauso wie die Hufe eine regelmäßige Pflege. Bei Wildpferden ist dies nicht nötig, weil sie 17 Stunden am Tag damit beschäftigt sind, hartes Steppengras zu suchen und zu fressen. In vielen Pensionsställen bekommen unsere domestizierten Vierbeiner zwei- bis dreimal pro Tag Futter, das viel weniger strukturiert, aber energiereicher ist. Dafür ist das Gebiss unserer Pferde aber nicht geschaffen. Es kommt oft zu einer ungleichmäßigen und nicht ausreichenden Abnutzung der Zähne, die zu weitergehenden Problemen führen kann − zum Beispiel zu Verspannungen im Rücken, zu schlechter Verwertung des Futters bis hin zu Koliken. Daher ist eine regelmäßige Kontrolle und Pflege durch einen Fachmann sehr wichtig.
Vom Fohlenalter bis zum Zweieinhalbjährigen sollten die Zähne einmal pro Jahr kontrolliert werden. Fehlstellungen können so, wenn sie rechtzeitig erkannt werden, viel einfacher korrigiert werden. Haken und scharfe Kanten an den Backenzähnen entstehen durch eine unregelmäßige Abnutzung der Zähne und führen zu Verletzungen der Backenschleimhaut und der Zunge. Diese Verletzungen können auch schon im Fohlenalter auftreten. Im Alter von zweieinhalb bis vier Jahren sollte der Fachmann zweimal pro Jahr kommen, weil in dieser Zeit der Zahnwechsel stattfindet. Sich nicht von allein lösende Milchkappen müssen entfernt werden, da sonst die bleibenden Zähne nicht in der richtigen Stellung durchschieben können. Etwaige Haken und scharfe Kanten müssen dann erneut behandelt werden. Ab fünf Jahren, wenn der Zahnwechsel vollständig abgeschlossen ist, reicht eine Behandlung einmal jährlich.
Wolfszähne können bereits mit etwa einem Jahr vom Pferdedentisten oder Tierarzt erkannt beziehungsweise erfühlt werden. Diese haben meist eine kurze Wurzel und sind daher leicht herauszunehmen. Sie sollten frühzeitig entfernt werden, um Problemen beim Trensen vorzubeugen.
Die regelmäßige Hufpflege
„Ohne Huf – kein Pferd“, so lautet ein alter Spruch aus dem Volksmund. Die Hufe sind das Fundament, sie tragen ein Pferdeleben lang ein enormes Gewicht. Daher sollte man auf die Gesunderhaltung der Hufe von klein auf großen Wert legen. Fehlstellungen − zum Beispiel ein Bockhuf, ein zu steiler Huf, bei dem die tiefe Beugesehne verkürzt ist − können meist im jungen Alter, wenn man sie erkennt, gut korrigiert werden. Ist ein Pferd erst einmal ausgewachsen, sind starke Fehlstellungen schwieriger zu beheben, weil der Huf sowie die Bänder und Sehnen, die eng mit der Hufstellung zusammenhängen, viel weniger Formbarkeit und Elastizität besitzen.
Über eine regelmäßige Hufbearbeitung hinaus spielen zwei weitere Punkte für eine gesunde Hufentwicklung eine wichtige Rolle: Zum einen sollten Fohlen und Jungpferde die Möglichkeit haben, über viele verschiedene Untergründe laufen zu können − beispielsweise Beton, Strohbett, Wiese, Sand, Schotter oder Erde. Wichtig ist, dass die Mehrzahl der Böden nicht zu weich ist. Steht ein Jungpferd ausschließlich auf weichem Untergrund, kann dies zu einer Hyperextension (Durchtrittigkeit) führen. Auße dem brauchen Sehnen und Bänder für ihr Wachstum Zugreize, also die Arbeit der Muskeln. Deshalb ist genügend Bewegung so wichtig. Boxenfohlen leiden häufiger unter erworbenen Fehlstellungen. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass der Hufbearbeitung im Fohlenalter leider viel zu wenig Beachtung und Wichtigkeit beigemessen wird. Daher will ich an alle Fohlenbesitzer appellieren, dass sie frühzeitig das Hufegeben trainieren, regelmäßig die Hufe auskratzen, was auch eine Hufpflege darstellt, und dass sie von Anfang an regelmäßig die Hufe des Fohlens durch einen Fachmann kontrollieren lassen. Dies ist der entscheidende Beitrag für ein langes, gesundes Hufwachstum.

Eine anfängliche Fühligkeit nimmt ab, wenn Pferde regelmäßig über unterschiedlich harte Böden laufen müssen. (Foto: Christiane Slawik)

(Foto: Claudia Rahlmeier)
„Lerne zu denken, zu kommunizieren, zu spielen und zu handeln wie ein Pferd – du wirst überrascht sein, wie sehr sich dein Pferd für dich bemüht!“
Susanne Lohas
DAS TRAINING BEGINNT
Jedes Fohlen, jedes Pferd hat seinen ganz eigenen Charakter. So gibt es in sich ruhende oder nervöse Pferde, solche mit viel Bewegungsdrang, dominante oder eher schüchterne Tiere. Die eine Methode oder Technik, die für jedes Pferd passt, gibt es nicht. Daher sollte jedes Training individuell auf das Jungpferd abgestimmt werden. Dieses Buch soll Ideen geben, soll als Unterstützer und Wegweiser dienen, kann aber nicht den Anspruch besitzen, einen Ausbilder zu ersetzen.
Der richtige Zeitpunkt
Umziehen in einen neuen Stall bedeutet Stress für jedes Pferd. Für einen Absetzer ist es oft besonders nervenaufreibend, weil er häufig im gleichen Zug auch noch von der Mutter getrennt wird. Das heißt: Weg von der Mutterstute, umziehen in einen fremden Stall und einleben in einer neuen Herde. Bis sich das Fohlen eingewöhnt und seinen Platz in der neuen Familie gefunden hat, sollte man die eigene Tätigkeit auf das „Einfach-nur-Dasein“ beschränken. Nimmt man den Neuankömmling zu früh aus der Herde, zum Beispiel zum Putzen am Putzplatz, bedeutet das weiteren Stress und verlangsamt den Prozess des Sich-Einlebens.
Übrigens: Grundsätzlich beginnt das gemeinsame Training bereits, wenn uns das Pferd sieht, und nicht erst, wenn wir mit unserem Jungpferd in einem Round-Pen, auf einem Platz oder in einer Reithalle sind. Dies ist ein sehr entscheidender Punkt. Oft wird dem alltäglichen Umgang mit dem Pferd nicht so viel Bedeutung beigemessen. Doch gerade hier passieren immer wieder Dinge aus Unwissenheit heraus, die die Rangordnung kippen lassen.
Die Bedeutung der Körpersprache
Der nonverbale Anteil unserer zwischenmenschlichen Kommunikation liegt bei über 80 Prozent und spielt damit eine bedeutende Rolle. Auch das Kommunikationssystem von Pferden ist fast ausschließlich nonverbal. Wildpferde verzichten so gut wie ganz auf Lautäußerungen und können dennoch erfolgreich in der Nachbarschaft von Raubtieren überleben. Und auch wenn man unsere domestizierten Pferde untereinander beobachtet, erkennt man, dass Lautäußerungen wie Schnauben oder Wiehern zur gegenseitigen Verständigung kaum eine Rolle spielen. Die Kommunikation findet über feinste körperliche Signale statt. So reicht etwa schon ein Anlegen der Ohren, um eine wichtige Botschaft zu transportieren.
Auch in der Kommunikation zwischen Mensch und Pferd ist das In-den-Dialog-Treten ein wichtiger Bestandteil der Freundschaft. Nur so können wir Informationen und Bedürfnisse unseres Pferdes verstehen und auf sie eingehen. Es liegt bei uns, die Sprache der Pferde zu lernen, unsere eigene Körpersprache zu beobachten und bewusst einzusetzen.
Pferde sprechen immer mit ihrem ganzen Körper. Sie drücken sich sehr klar und direkt aus, sodass unter den Tieren nahezu keine Missverständnisse aufkommen. Einige dieser Gesten können Sie bestimmt bereits übersetzen, sofern Sie schon etwas länger mit Pferden zu tun haben.

In einer Jungpferdeherde ist immer etwas los. (Foto: Claudia Rahlmeier)
| Stellung der Ohren | Übersetzung |
| Flach nach hinten angelegte Ohren | Drohgebärde |
| Seitlich abgekippt, mit hängendem Kopf | Schlafen, Dösen, Müdigkeit, sich aufgegeben haben |
| Nach vorn gespitzte Ohren | Interesse, Neugierde, Aufmerksamkeit |
| Nach vorn gespitzte Ohren und nervös | angespannt, zur Flucht bereit |
| Ein Ohr seitlich nach hinten gekippt | Angst vor einem Objekt |
| Ohren beidseitig nach hinten gekippt | Konzentration auf den Reiter oderAngst vor etwas, das von hinten kommt |
Die Stellung der Ohren
Die Stellung der Ohren sagt sehr viel über die Befindlichkeit des Pferdes aus. Damit kann das Pferd fast jede Stimmung ausdrücken:

Hier kommt etwas Gefährliches von rechts: weit aufgerissenes Auge, rechtes Ohr seitlich abgestellt, angespannter Hals und zusammengekniffenes Mäulchen. (Foto: Christiane Slawik)
Die Mimik von Maul und Nüstern
Das Maul zählt zu den empfindlichsten Regionen des Pferdekörpers. Mit seinen geschickten Lippen kann ein Pferd zum Beispiel ungeliebte Anteile des Futters aussortieren.
| Mimik von Maul und Nüstern | Übersetzung |
| In Falten gelegte Nüstern | Unwille, Unlust, Aggression |
| Hängende Unterlippe | Entspannung, Müdigkeit |
| Lecken und Kauen ohne Futter | Entspannung, Zufriedenheit |
| Fohlen beißen | Unterwürfigkeitsgeste |
| Gähnen | Entspannung, Müdigkeit, Konzentration lässt nach |
| Aufgeblähte Nüstern, Schnauben | Angst, Anspannung |
| Aufgeblähte Nüstern in Verbindung mit angespannter Körperhaltung | Nervosität, starke Atemnot |
| Abschnauben in Verbindung mit lockerem, fallen gelassenem Hals | Entspannung, Losgelassenheit |
| Knirschen mit den Zähnen | Aggression, Drohgebärde, unter dem Reiter: Schmerzen, Überforderung, Unwille |

Die Geste der Unterwürfigkeit: „Tu mir nichts!“ (Foto: Christiane Slawik)

Panik pur! (Foto: Christiane Slawik)
Die Augen
Sie sind der Spiegel der Seele und bieten einen tiefen Einblick in die Gefühlswelt des Pferdes.
| Ausdruck der Augen | Übersetzung |
| Halb geschlossene Augen | Dösen, Müdigkeit |
| Falten über den Augen | Unzufriedenheit, Trauer |
| Ein geschlossenes Auge | Verletzung oder Entzündung |
| Weit geöffnete Augen | Panik, Unruhe, Angst |
Das Schweifspiel
Der Schweif dient einerseits als praktische Hilfe gegen Insekten, andererseits kann man einige Informationen aus seiner Haltung ableiten.
| Haltung des Schweifs | Übersetzung |
| Aufstellen des Schweifs | Imponiergehabe: Schaut her, hier komme ich! |
| Locker pendelnder Schweif | Losgelassenheit, rhythmisches Zusammenspiel mit dem Reiter |
| Hängender Schweif | Schlafen, Dösen, Müdigkeit, Entspannung, Sich-aufgegeben-Haben |
| Eingeklemmter Schweif | Angst, Anspannung, Schmerz |
| Schlagender Schweif | Abwehr von Ungeziefer, Unmut, Aggression, Überforderung |

„Hey Mädels, aufgepasst, hier komme ich!“ (Foto: Christiane Slawik)
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