Essentials der Theorie U

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Essentials der Theorie U
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An

die im Entstehen begriffene Bewegung von Menschen, die die drei großen Abgründe unserer Zeit überwinden: die ökologische, die soziale und die spirituelle Kluft.

C. Otto Scharmer

Essentials der Theorie U

Grundprinzipien und Anwendungen

Aus dem Amerikanischen von Astrid Hildenbrand

2019


Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats des Carl-Auer Verlags:

Prof. Dr. Rolf Arnold (Kaiserslautern)

Prof. Dr. Dirk Baecker (Witten/Herdecke)

Prof. Dr. Ulrich Clement (Heidelberg)

Prof. Dr. Jörg Fengler (Köln)

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Prof. Dr. Johannes Herwig-Lempp (Merseburg)

Prof. Dr. Bruno Hildenbrand (Jena)

Prof. Dr. Karl L. Holtz (Heidelberg)

Prof. Dr. Heiko Kleve (Witten/Herdecke)

Dr. Roswita Königswieser (Wien)

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Prof. Dr. Friedebert Kröger (Heidelberg)

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Jakob R. Schneider (München)

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Prof. Dr. Dr. Helm Stierlin (Heidelberg)

Karsten Trebesch (Berlin)

Bernhard Trenkle (Rottweil)

Prof. Dr. Sigrid Tschöpe-Scheffler (Köln)

Prof. Dr. Reinhard Voß (Koblenz)

Dr. Gunthard Weber (Wiesloch)

Prof. Dr. Rudolf Wimmer (Wien)

Prof. Dr. Michael Wirsching (Freiburg)

Umschlaggestaltung: Heinrich Eiermann (nach Motiven der Originalausgabe)

Satz: Verlagsservice Hegele, Heiligkreuzsteinach

Printed in Germany

Druck und Bindung: CPI books GmbH, Leck

Erste Auflage, 2019

ISBN Print: 978-3-8497-0274-8

ISBN ePUB: 978-3-8497-8182-8

© 2019 Carl-Auer-Systeme Verlag

und Verlagsbuchhandlung GmbH, Heidelberg

Alle Rechte vorbehalten

Titel der Originalausgabe: “The Essentials of Theory U: Core Principles and Applications”

Das Original erschien 2018 bei Berrett-Koehler Publishers, Inc., Oakland, CA, USA.

Alle Rechte vorbehalten!

© 2018 C. Otto Scharmer

Deutsche Übersetzungsrechte vereinbart über Maria Pinto-Peuckmann, Literary Agency, World Copyright Promotion, Kaufering, Germany

© der deutschen Ausgabe Carl-Auer-Systeme Verlag und Verlagsbuchhandlung GmbH, Heidelberg 2019

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Inhalt

Vorwort

Führen nach Theorie U: Das soziale Feld kultivieren

Danksagungen

Teil I: Das soziale Feld sehen lernen

1Der blinde Fleck

Drei Abgründe

Der blinde Fleck

Vor der leeren Leinwand

Ankunft am MIT

Von der im Entstehen begriffenen Zukunft lernen

Im Anblick des Feuers

Das Gefäß bilden

Soziale Felder

2Theorie U: Form folgt Bewusstsein

Das System dazu bringen, sich selbst zu sehen

Ein Moment des Sehens

Der Prozess: Drei Bewegungen

Das tiefere Gelände kartieren

Drei Instrumente des inneren Wissens

Das Beispiel des Zuhörens

Drei Feinde auf dem Weg entlang der linken Seite des U

Zwei Hindernisse auf dem Weg entlang der rechten Seite des U

Presencing (Anwesendwerden) und Absencing (Abwesendwerden)

Soziale Felder

3Die Matrix der sozialen Evolution

Die Grammatik sozialer Felder

Die Matrix der sozialen Evolution

Die horizontale Achse: Systemebenen

Die vertikale Achse: Bewusstseinsebenen

Auf der Suche nach der Quelle

Aufmerksam sein

Kommunizieren

Herunterladen: Feld-1-Kommunikation

Debatte: Feld-2-Kommunikation

Reflektiver Dialog: Feld-3-Kommunikation

Schöpferischer Dialog: Feld-4-Kommunikation

Organisieren

Zentralisiert

Dezentral

Vernetzt

Ökosystemisch

Institutionelle Umstülpung

BALLE (Business Alliance for Local Living Economies): White Dog Café – eine Bewegung für eine neue Ökonomie

Koordinieren und führen

Gesellschaft 1.0: Hierarchie als Koordinationsmechanismus

Gesellschaft 2.0: Wettbewerb als Koordinationsmechanismus

Gesellschaft 3.0: Koordination durch organisierte Interessen

Gesellschaft 4.0: Ökosystem-Bewusstsein als Koordinationsmechanismus

 

Von Feld 1 zu Feld 4: Ein Weg der Umstülpung

Das System dazu bringen, sich selbst zu erspüren und zu sehen

4Das Nadelöhr

»Ich erwarte sehr viel von Ihnen«

Die Reintegration von Geist und Materie

Der Kern systemischen Denkens

Durch das Nadelöhr

Die Beziehung zwischen System und Selbst umstülpen

Die Schlacht um Brokdorf

Sich im System bewegen

Lernen, wie man Veränderungsmacher unterstützen kann

Ein Moment der Klarheit

Gemeinsame Bilder und Imagination: Das gemeinsame Denken aktivieren

Gemeinsame Inspiration: Das gemeinsame Erspüren aktivieren

Co-Kreation: Den gemeinsamen Willen aktivieren

Von der Reaktion zur Regeneration

Teil II: Eine Methode zur bewusstseinsbasierten Systemveränderung

5Ein Prozess, fünf Bewegungen: Erneuern von der Zukunft her

1.Gemeinsam beginnen: Die gemeinsame Intention entwickeln

Ergebnisse des gemeinsamen Beginnens

Prinzipien

Praktiken

Während eines Schneesturms zur Welt gekommen

2.Gemeinsam erspüren: Die Wirklichkeit von den Systemrändern her sehen

Ergebnisse des gemeinsamen Erspürens

Prinzipien

Praktiken

Social Presencing Theater: Geist-Materie-Reintegration im sozialen Feld

3.Presencing: Sich mit dem höchsten Zukunftspotenzial verbinden

Die Presencing-Klausur

Beispiel von einem global operierenden Autohersteller

Ergebnisse des Presencing-Workshops

Prinzipien

Praktiken

Die Schatten von Berlin transformieren

4.Co-Kreation: Das Neue herauskristallisieren und durch praktisches Handeln Prototypen erstellen

Beispiele aus Namibia und Brasilien

Ergebnisse der Co-Kreation

Prinzipien

Praktiken

5.Gemeinsam gestalten: Das Neue institutionalisieren und Ökosysteme der Innovation aufbauen

Beispiele aus Namibia und dem MITx u.lab

Ergebnisse des gemeinsamen Gestaltens

Prinzipien

Teil III: Ein Narrativ des evolutionären Gesellschaftswandels

6Die Aktualisierung des gesellschaftlichen Betriebssystems

Ökonomie 4.0

Das Grundthema: Warenfiktion

Die Lösung: Aktualisierung des wirtschaftlichen Betriebssystems

Die Matrix der ökonomischen Transformation: Sieben Akupunkturpunkte

Verlagerung vom Egosystem-Bewusstsein zum Ökosystem-Bewusstsein

Demokratie 4.0

Transsektoralität 4.0

Gesundheit: Von der Pathogenese zur Salutogenese

Bildung: Vom auf den Lernenden gerichteten Lernen zur Aktivierung tieferer Quellen des Lernens

Lebensmittel: Von biologischer Landwirtschaft zur Heilung von Mensch und Erde

Finanzsystem: Von der Extraktion zur Intention

Koordination: Vom Wettbewerb zum bewusstseinsbasierten kollektiven Handeln

4.0 Labor

7Zurück zu den Wurzeln

Mit Grüßen an die Stasi

Den Kurs halten

»Ich kann es nicht nicht tun«

u.lab

Mach mit!

Literatur

Über das Presencing Institute

Über den Autor

Vorwort

Zehn Jahre nach der ersten Publikation von Theory U im Jahr 2006 bat mich mein amerikanischer Verleger, dieses Buch zu schreiben. In einem etwas höflicheren Ton als meine folgende Formulierung gab er mir zu verstehen: »Nun, Theory U verkauft sich gut. Aber offen gestanden haben wir keine Ahnung, warum. Das Buch ist fast nicht lesbar. 500 Seiten, Dutzende von Tabellen, Hunderte von Fußnoten – es vereint in sich alles, was wir Ihnen als Verleger empfehlen würden, nicht zu tun.« Dann schlug er vor: »Warum schreiben Sie jetzt zur Abwechslung nicht mal ein Buch, das lesbar ist – kürzer, verständlicher und aktualisiert?«

Ich wirkte wahrscheinlich etwas indigniert. Als er das merkte, wies er schnell darauf hin, dass einige andere Autoren, die ich bewundere, seiner Empfehlung gefolgt seien: Zuerst schreiben sie umfassend über das, was sie entwickelt haben, und im nächsten Buch erklären sie dies dann auf verständlichere Weise. Das Buch, das Sie jetzt vor sich liegen haben, ist das Ergebnis.

Mit der nun vorliegenden Einführung in Theorie U – eine bewusstseinsbasierte Methode für die Veränderung von Systemen – versuche ich, folgende Fragen zu beantworten: Wie lernen wir in dem Moment, in dem wir mit Umbrüchen konfrontiert sind? Wie lernen wir von der im Entstehen begriffenen Zukunft?

Theorie U verbindet Systemdenken, Innovation und Veränderungsmanagement – aus der Perspektive eines sich entwickelnden menschlichen Bewusstseins. Mit Rückgriff auf die am Massachusetts Institute of Technology (MIT) lebende Tradition der Aktionsforschung und des Learning by Doing (Lernen durch unmittelbares Anwenden) hat sich Theorie U über zwei Jahrzehnte hinweg in der praktischen Anwendung dadurch weiterentwickelt, dass ein globales Team von Praktikern Theorie U auf aktuelle und komplexe Probleme angewandt hat und anwendet. Theorie U basiert auf drei Kernelementen:

1)einem Bezugsrahmen, der den blinden Fleck der Führung und der Systemveränderung sichtbar macht;

2)einer Methode, bewusstseinsbasierte Veränderung durch einen Prozess, Prinzipien und Praktiken zu initiieren;

3)einem neuen Narrativ zu einem sich entwickelnden gesellschaftlichen Wandel und einem Upgrade unseres mentalen und institutionellen Betriebssystems in allen gesellschaftlichen Bereichen.

In Teil I werden der Bezugsrahmen und die wichtigsten Ideen von Theorie U präsentiert (Kap. 1–4). Insbesondere wird der blinde Fleck von Führung heute beleuchtet: der »innere Zustand«, die Intention, die den Quellpunkt jeder Handlung konstituiert.

In Teil II werden der Prozess, die Kernprinzipien und die Praktiken von Theorie U beschrieben (Kap. 5). Das Kapitel gibt eine Übersicht über praktische Methoden und Instrumente für Innovatoren, die etwas verändern möchten. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie die kollektive Fähigkeit ausgebildet werden kann, den inneren Ort, von dem aus wir handeln, zu verändern.

In Teil III wird ein neues Narrativ für einen tiefgreifenden allmählichen Wandel in der Gesellschaft vorgestellt (Kap. 6–7). Was braucht es, um Gesellschaften so umzugestalten, dass die drängenden Herausforderungen unserer Zeit angegangen werden können? Wie lässt sich durch eine veränderte Intention und eine veränderte Achtsamkeit ein System kollektiv transformieren? In diesem Teil des Buches wird ein Gedankengerüst entworfen, wie die »Betriebssysteme« unserer Bildungseinrichtungen, unserer Volkswirtschaften und Demokratien aktualisiert werden können, also ein Upgrade bekommen. Hier werden die zentralen Konzepte von Theorie U auf die Transformation kapitalistischer Strukturen angewandt.

 

Theorie U verbindet folgende Methoden und Entwicklungslinien mit dem Ziel, Veränderungsmacher in ihrer Arbeit zu unterstützen:

•Aktionsforschung und organisationales Lernen in der Tradition von Peter Senge, Edgar Schein, Donald Schön, Chris Argyris und Kurt Lewin;

•Design Thinking (strukturierte Herangehensweise an Innovation, kreative Methode zur Veränderung, in Gestaltung denken – Anm. d. Übers.) in der Tradition von Tim Brown und Dave Kelley;

•Achtsamkeit, Kognitionswissenschaft und Phänomenologie in der Tradition von Francisco Varela, Jon Kabat-Zinn, Tania Singer, Arthur Zajonc und David Bohm;

•Impulse der Zivilgesellschaft in der Tradition von Martin Luther King Jr., Nelson Mandela, Mahatma Gandhi und Millionen von Menschen, die an Veränderungen in ihren lokalen Kontexten arbeiten.

Führen nach Theorie U: Das soziale Feld kultivieren

Im Kern beschreibt Theorie U das In-die-Welt-kommen sozialer Wirklichkeit. Ich bin achtsam [auf diese Weise], also entsteht die Welt [in jener Weise]. Oder wie es Bill O’Brien, der frühere CEO von Hanover Insurance, formulierte: »Der Erfolg einer Intervention hängt vom inneren Zustand des Intervenierenden ab.«

Theorie U lenkt unsere Aufmerksamkeit auf den blinden Fleck von Führung und Organisation: auf die »innere Qualität«, d. h. auf die Quellen, aus denen sowohl unser individuelles als auch unser kollektives Handeln hervorgeht.

Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen. Für meinen Vater war die Qualität eines Feldes immer ein wesentlicher Punkt, an dem sich seine Arbeit ausgerichtet hat. Was ich von der Arbeit meines Vaters gelernt habe, ist, dass jedes Feld zwei Dimensionen hat: eine sichtbare, die das an der Oberfläche Wachsende zeigt, und eine unsichtbare, nämlich das unter der Oberfläche Befindliche – d. h. die Qualität des Bodens.

Die gleiche Unterscheidung gilt für soziale Felder. Wir können sehen, was Menschen tun, also die sichtbaren Ergebnisse wahrnehmen. Worauf wir aber seltener unsere Wahrnehmung richten, das sind die Quellpunkte und die inneren Zustände, auf deren Basis wir handeln. Theorie U lenkt unsere Aufmerksamkeit genau auf diesen blinden Fleck – auf die unsichtbare Quellpunkt-Dimension des sozialen Feldes – auf die Qualität von Beziehungen, die wir zueinander haben, auf das System und auf uns selbst.

Theorie U unterscheidet zwischen vier verschiedenen Quellpunkten, aus denen unsere Handlungs- und Aufmerksamkeitsstrukturen entspringen. Diese vier Ausgangspunkte ergeben sich aus der Qualität des Bewusstseins, d. h., aus der Qualität von (1) gewohnheitsmäßigen, (2) egosystemischen, (3) empathischen oder (4) schöpferisch-ökosystemischen Beziehungsmustern.

Die Qualität von Führung verändert sich, wenn wir unseren blinden Fleck (diese inneren Zustände oder Quellpunkte) erkennen und entsprechend den inneren Ort, von dem aus wir handeln, verändern, wie es die jeweils konkrete Situation erfordert. Das heißt, dass unsere Aufgabe als Führungskräfte und Innovatoren darin besteht, den Boden des sozialen Feldes zu kultivieren. Das soziale Feld ist die Summe der Beziehungen zwischen Individuen, Gruppen und Systemen, aus denen Denk-, Gesprächs- und Organisationsmuster hervorgehen, die ihrerseits praktische Ergebnisse generieren.

Soziale Felder sind soziale Systeme, allerdings von innen her betrachtet, aus der Sicht ihres inneren Zustands. Damit wir von der Perspektive des sozialen Systems zur Perspektive des sozialen Feldes gelangen, müssen wir unseren blinden Fleck erkennen, d. h. den Quellpunkt unserer Aufmerksamkeit und unserer Handlungen in den Lichtkegel unserer Aufmerksamkeit stellen. Die Qualität dieser Quelle hat fundamentale Auswirkungen auf die Qualität und Struktur von Führung, aber auch von Lernen und Zuhören.

Heute besteht das Problem von Führung darin, dass die meisten Menschen denken, Führung sei eine Eigenschaft von Individuen und funktioniere mit einer Person an der Spitze. Doch wenn wir Führung als die Fähigkeit eines Systems – oder einer Gemeinschaft – betrachten, die Zukunft gemeinsam zu erspüren und zu realisieren, dann erkennen wir, dass Führung immer auf viele Menschen verteilt ist – sie muss jeden Einzelnen einbeziehen. Um die kollektive Fähigkeit entwickeln zu können, muss sich ein jeder in diesem System als Pfleger des größeren Ökosystems wahrnehmen und einsetzen lernen. Damit wir dies auf zuverlässigere, dezentralisierte und intentionale Weise zuwege bringen können, brauchen wir:

•eine soziale Grammatik: eine Sprache;

•eine soziale Technik: Methoden und Instrumente;

•ein neues Narrativ von sozialem Wandel.

Die Grammatik des sozialen Feldes wird in Teil I ausformuliert. Die Methode, eine bewusstseinsbasierte Sozialtechnologie, wird in Teil II beschrieben. In Teil III werden beide Teile zu einem Narrativ der gesellschaftlichen und zivilisatorischen Erneuerung zusammengefügt.

Theorie U ist um einen Kernprozess des gemeinsamen Erspürens und In-die-Wirklichkeit-Bringens von Zukunftsmöglichkeiten herum angeordnet. Doch sie ist noch viel mehr. Die in diesem Buch skizzierte Grammatik und Methode funktionieren wie eine Matrix und nicht wie ein linearer Prozess. Zu den Führungsfähigkeiten, die im Zentrum der U-Methode stehen, gehören:

Zurückhaltung und Staunen: Nur wenn wir unsere Meinung oder unser Urteil zurückhalten, können wir staunen und Neues sehen. Wir staunen, wenn wir bemerken, dass es mehr gibt, als gewohnte Muster des Denkens, Sprechens oder Handelns herunterzuspulen.

Gemeinsames Erspüren: Um die Quellen der Zukunft zu erspüren, ist es notwendig, sich selbst an Orte mit höchstem Potenzial zu begeben. Verbinde dich mit diesen Orten, und halte dein Denken und dein Herz weit geöffnet.

Die Kraft der Intention: Die Kraft der »Intention« ist der Schlüssel für Veränderung. Presencing heißt, von der höchsten Zukunftsmöglichkeit her wahrnehmen und handeln. Das Wort Presencing verbindet »presence« und »sensing« und basiert auf einer Gegenwärtigung der höchsten Zukunftsmöglichkeit durch das authentische Selbst. Es geht darum, das Spektrum der Möglichkeiten zu vergrößern. Es geht um die Stärkung deiner eigenen Ressourcen in einer Welt, die uns ansonsten zerreißt. Es geht darum, sich der eigenen Quellen des Erkundens, der Empathie und des Mutes bewusst zu werden.

Gemeinsames Erschaffen: Erkunde die Zukunft im Handeln, indem du der entstehenden Zukunft eine Landebahn bereitstellst.

Herstellen sozialer Gefäße: Schaffe neue schützende Räume, die das schöpferische soziale Feld aktivieren.

Unsere derzeitigen gesellschaftlichen Ökosysteme haben das Problem, dass die Feedbackschleife zwischen den Teilen und dem Ganzen unterbrochen ist. Theorie U bietet eine Methode, die Teile und das Ganze wieder zusammenzufügen, indem das System die Möglichkeit bekommt, sich zu erspüren und sich selbst zu sehen. Wenn das geschieht, beginnt sich das kollektive Bewusstsein vom Egosystem-Bewusstsein zum Ökosystem-Bewusstsein umzuschichten – von einer Silomentalität hin zur Systemsicht.

Die Methoden und Instrumente von Theorie U können Gruppen dazu befähigen, diese Veränderung des inneren Ortes auf kollektiver Ebene herzustellen. Beispielsweise kann Social Presencing Theater (SPT) es ermöglichen, dass eine Gruppe sich – sowohl individuell als auch kollektiv – selbst erspürt und erkennt, indem der Beobachtungsstrahl auf die beobachtende Person1 zurückgelenkt wird.

Energie folgt Aufmerksamkeit. Worauf auch immer wir als Führungskraft, Lehrer oder Elternteil usw. unsere Aufmerksamkeit lenken – das ist dann der Ort, zu dem die Energie des Teams hinfließen wird. Wenn wir sehen, dass die Qualität der Aufmerksamkeit vom Ego- zum Ökosystem, also vom Ego zum Wir, umschlägt, kommt der Moment, in dem die tieferen Qualitäten des sozialen Feldes sichtbar werden, in dem das schöpferische soziale Feld aktiviert wird.

Meine Erfahrungen in 20 Jahren Arbeit mit Theorie U und auch mit anderen Veränderungsmethoden lässt sich so auf den Punkt bringen: Die Qualität von Ergebnissen, die ein System erzielt, hängt von der Qualität des Bewusstseins ab, auf dessen Basis die Menschen in diesem System handeln. Das heißt: Form folgt Bewusstsein.

1 Auf Wunsch des Autors werden in diesem Buch nach Möglichkeit genderneutrale Formen verwendet. Zuweilen wird nur die maskuline Form verwendet – dies geschieht zum Zweck der besseren Lesbarkeit. Selbstverständlich sind damit immer alle Menschen gemeint. Verlag und Autor hoffen auf Ihr Verständnis.