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Paul Boldt

Junge Pferde! Junge Pferde!

Gedichte


Veröffentlicht im Good Press Verlag, 2021

goodpress@okpublishing.info

EAN 4064066116194

Inhaltsverzeichnis

FRÜHJAHR

NÄCHTE ÜBER FINNLAND

WEICHSEL

NÄCHTIGE SEEFAHRT

FRIEDRICHSTRASSENDIRNEN

MITTAGS

NACHT FÜR NACHT

RINDER

NORDWIND IM SOMMER

DER TURMSTEIGER

DIE SINTFLUT

CAPRICCIO

IMPRESSION DU SOIR

BERLIN

DER SCHNELLZUG

HERBSTGEFÜHL

PROSERPINA

DER DENKER

NOVEMBERABEND

VORMORGENS

DIE DIRNE

DIE LIEBESFRAU

DAS GESPENST

BERLINER ABEND

HERBSTPARK

LINDEN

JUNGE PFERDE

ERWACHSENE MÄDCHEN

DIE SCHLAFENDE ERNA

SINNLICHKEIT

MEINE JÜDIN

LIEBESMORGEN

MEIN FEBRUARHERZ

ABENDAVENUE

TIERGARTEN

MÄDCHENNACHT

GUTEN TAG — HELLE EVA!

FRIEDRICHSTRASSENKROKI 3 UHR 20 NACHTS

ANDERE JÜDIN

I

II

IN DER WELT

ADIEU MÄDCHENLACHEN!

NACH DER NACHT

DAS WIEDERSEHEN

MANN UND MENSCHFRAU

FRÜHJAHR

Inhaltsverzeichnis

Die ganze Nacht durch kamen Wanderungen

Wie auf der Flucht, in sohlenloses Schreiten

Vermummt. Am Morgen bargen es die Weiten:

Nur Sturm schwimmt durch die dunkelen Waldungen.

Als wäre allem Licht ein Tor gesprungen,

Will es sich in die Aderbäume breiten,

Darin die Pulse spülen, Säfte gleiten

Wie Frühjahrströme durch die Niederungen.

Mein gutes Glück, märzlich dahergetänzelt.

Mädchen, gut, daß du Weib bist! Diese Stunde

Verlangt das. Küsse mich! O unsere Munde

Haben noch niemals um ihr Glück scharwenzelt.

Du — du — dein Haar riecht wie der frühe Wind

Nach weißer Sonne — Sonne — Sonne — Wind.

NÄCHTE ÜBER FINNLAND

Inhaltsverzeichnis

Die Nadelwälder dunkeln fort im Osten,

Und aus den Seen taucht das Nachtgespenst

Den gelben Kopf, von Feuerrauch gekränzt,

Den Sterngeruch der neuen Nacht zu kosten.

Zu weißen Pilzen filzen Fichtenpfosten,

Und Ast an Ast in zartem Lichte glänzt,

— befrorne Linien — Filigran umgrenzt,

Zieht die Kontur aus reinen, reifen Frosten.

Bis auf das alte, runde, schwarze Eis

Des Grundes sind die Flüsse zugefroren.

In Schuttmoränen glänzt der glatte Gneis

Und in den leuchtenden, polierten Mooren.

Die Krähen schreien ewig: Tag — und Tat —

Nebel und Kälte fällt wie Sack und Saat.

WEICHSEL

Inhaltsverzeichnis

Ein Thema: Weichsel; blutsüßes Erinnern!

Der Strom bei Kulm verwildert in dem Bett.

Ein Mädchen, läuft mein Segel aufs Parkett

Aus Wellen, glänzend, unabsehbar, zinnern.

In Obertertia. Julitage flammen,

Bis du den Leib in helle Wellen scharrst.

Die Otter floh; mein weißes Lachen barst

Zwischen den Weiden, wo die Strudel schwammen.

Russische Flöße in den Abend ragend.

Die fremden Weiber, die am Feuer sitzen,

Bewirten mich: Schnaps und gestohlener Speck.

Wir ankern und die Alten bleiben weg.

Die Völlerei. Aus grausamen Antlitzen

Blitzt unser Blick, ins Weiberlachen schlagend.

NÄCHTIGE SEEFAHRT

Inhaltsverzeichnis

Die Winde sind von einem Möwen-Dutzend

Geschwänzt und schlagen durch die Luft, dumpf, pfeifend.

Und hart herrollend, seltsam vorwärtsgreifend,

Zerbraust das Meer, der Riffe Rücken putzend.

Es klatscht das Segel, patscht das Ruderblatt.

Die gleichen Wogen streifen, weichen vorn

Und fallen hinten, wo der Möwen Zorn

Sie schmäht, matt, hingemäht, ins glatte Schwad.

Dann steift der Wind. Er gibt die Brise doppelt

Und schmeißt die hellen Wasserhaufen steiler,

Wie ein Pikeur die Meute noch gekoppelt

Voll Gier losläßt; allein der starke Keiler

Stockt, steht, stößt einmal in die Runde

Entblößter Zahnreihn und zerfetzt die Hunde.

FRIEDRICHSTRASSENDIRNEN

Inhaltsverzeichnis

Sie liegen immer in den Nebengassen,

Wie Fischerschuten gleich und gleich getakelt,

Vom Blick befühlt und kennerisch bemakelt,

Indes sie sich wie Schwäne schwimmen lassen.

Im Strom der Menge, auf des Fisches Route.

Ein Glatzkopf äugt, ein Rotaug’ spürt Tortur,

Da schießt ein Grünling vor, hängt an der Schnur

Und schnellt an Deck einer bemalten Schute,

Gespannt von Wollust wie ein Projektil!

Die reißen sie aus ihm wie Eingeweide,

Gleich groben Küchenfrauen ohne viel

Von Sentiment. Dann rüsten sie schon wieder

Den neuen Fang. Sie schnallen sich in Seide

Und steigen ernst mit ihrem Lächeln nieder.

MITTAGS

Inhaltsverzeichnis

Jetzt ruht der Tag am Himmel wie ein Krake,

Des blasses Maul die Wälder überschwemmt.

Laubbäume zittern in dem Sonnenhemd,

Als ob der Park von hellen Flammen blake.

Die schwere Mühle rudert strahlumwellt

In glattem Takt, daß sie den Abend hebe;

Noch hält der leuchtende Kristall die Schwebe,

Der Azur aus dem leichten Lichte fällt.

Orangewolken mit zitterndem Bauch,

Die nachts den Flächenblitz gebären sollen.

Libellen flügeln, Falter, und verschollen

Summen die Bienen in dem Bohnenstrauch.

In deinen Adern glüht des Heliotrops

Arom, gekühlt von süßerem Jasmin,

Und durch die Nerven klingen Phantasien,

Bizarre Phantasien Félicien Rops’.

Im Walde schlägt der Keiler durstgequält

Die hellen Zähne in das Holz der Kiefer.

Die tote Schonung raucht wie heißer Schiefer,

In dem der Nacht erstickter Atem schwält.

NACHT FÜR NACHT

Inhaltsverzeichnis

Wie helle Raupen kriechen die Chausseen

Aus Wäldern über Berge in die Tale.

Gestrandet liegen Wolken, groß wie Wale,

Still in der Abendröte blanken Seen.

Der Tag versiegt. Bis ihn die Frühen speisen,

Quillt schwarze Nacht aus allen Himmelsbronnen.

Die Sterne scheinen, kleine, ferne Sonnen.

Der Teich im Hofe glänzt wie dunkles Eisen.

Der Mond steht, wie ein Junge in der Pfütze,

Hell über jedem Garten. Und wie Gaze

Schimmert der Wald, des Berges blaue Mütze.

Aus einer Kleinstadt ragt des Kirchturms Vase

Verschnörkelt aus der Giebeldächer Nippes. —

Schlaf hält die Menschen fest, steif, wie in Gips.

RINDER

Inhaltsverzeichnis

Verblichnes Grün der Weide deckt

Das Weiß und Schwarz der Herde.

Silhouetten, da und dort gesteckt,

Die Köpfe auf der Erde.

Die Wiese atmete nicht mehr,

Knirrte der Rinder Schlund;

Das Julilicht spritzte umher,

Die Wolken zogen, und

Unten geht ein fleischern Meer

Im grünen Klee spazieren.

Vom Hund umbellt. Zurück. Carrière,

Humpeln von alten Tieren.

Im Grase lagert sich das Blöken.

Dumm scharrt des Stieres Huf.

Die Kälber jagen an den Pflöcken —

Melkmägde schallen voller Ruf.

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Age restriction:
18+
Release date on Litres:
17 January 2025
Volume:
18 p. 1 illustration
ISBN:
4064066116194
Publishers:
Copyright Holder::
Bookwire
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