Read the book: «Hurra! Ich bin kein Engel»
edition lichtland
© edition Lichtland
edition Lichtland
Stadtplatz 4, 94078 Freyung
Deutschland
Gestaltung: Edith Döringer, Satz: Melanie Lehner
Bild Federn: Kamil Hajek/Shutterstock.com
1. Auflage 2016
Das Werk ist urheberrechtlich geschützt.
Jede Verwertung ist nur mit Zustimmung des Verlags
zulässig. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen,
Übersetzungen und die Einspeicherung und
Verarbeitung in elektronischen Systemen.
eISBN: 978-3-942509-77-0
ISBN der gebundenen Ausgabe: 978-3-942509-55-8
www.lichtland.eu

You pick up a book, flick to the dedications page and this is it: The one that was dedicated to YOU! ♥
Es sangen und spielten: Victor, Ezra, Nadia, Maria, Georg & Katharina, Franz, Johannes,
Felix, Irmi, Andy & family, Shirley & Malcolm, Rudi, Großeltern, Ahnen & VorReiter,
B.Hans, Elisabeth, Sepp, Susanne, Birgit, Sidney, Hannelore, Heinz, Edith, Melanie, Elizabeth & crew, Raphaela, Stephanie, Noni, Monika, Jo, Andi, Kai, Marianne, Patrizia, Lopa, Giampiero, Gill & Alan, Helen, Ebi, Michael, Carolina, Charlie, Philipp, Hilda, Magda, Vivi, Libby, Marian, Glen, Richard, alle Tanten & (Cowboy) Onkel, cousins & the whole clan, V. Hermann & Herr Bauer, C. Holch, Dank an Simone Weber und Wolfgang T. Büttner für VomFach-Inspiration, June, Björk, Britta, Elise, Rod, Emerenz, Amira, Byron K., Seth, Rilke, alle Gspinnerten, dreamers, friends, relatives, neighbours, clients, artists, Querdenker, underdogs, alle lebendigen Toten & all my fellow cosmonauts:
This one is for you! ♥ Cheers.
Inhaltsverzeichnis
Welcome! ♥
Schön, dass Sie da sind.
Kennen Sie das Gefühl, sich zu verbiegen beim Versuch, ich zu bleiben, sich nicht in ein man verformen zu lassen? Sich in Rollen zu verlieren, Ansprüche und Images zu bedienen, außer Reichweite der inneren Stimme zu kreisen?
Auf der Pauschalreise durch die Sinnangebote, wenn das kann das alles gewesen sein? leise anklopft, lassen Sie Fernsehabende, ein paar Bier zu viel und sechs Wochen Urlaub nicht als Leben durchgehen. Bestehen darauf, ohne Rettungsring auf unbestimmte Ziele zuzutreiben – auf diesen Silberstreif am Horizont, den Sie nie aus den Augen verloren haben? Wollen sich herauswagen aus dem Vorgestanzten, den dusollstdumusst-mandarfnicht-sogehtdasnicht-Äquator überqueren, ungeahnte Welten aufspüren?
Hinein ins Buchstabenboot, Anker lichten, treiben lassen, Nase in den Wind, Surfen durch Galaxien, durch Dasein und Weggetretensein! Um der Erfahrungen willen haben wir uns in diesen AllTag gezwängt, um Fragen aufzuwerfen, Gefühle testzufahren, Hürden zu nehmen, Dimensionen zu entschlüsseln. Schürfen wir tiefer und höher, durchleuchten Konventionen auf ihren Sinngehalt, schwingen das Fähnchen eines Revolutiönchens und graben verschütt gegangene Freiheiten aus!
Dieser Aufsatz tarnt sich als Buch, Sätze sind Eintrittskarten in eine Show, die längst begonnen hat. Bleiben wir nicht beim möglicherweise hätte ich, eisen uns los aus dem das wäre schön gewesen und hauchen Visionen neues Leben ein: so stelle ich mir das Miteinander, die Arbeit, die Welt vor. Entwischen den Fängen des Grauschleiers und lassen uns die Träume nicht austreiben!
Denken über Grenzen des Konsensus hinaus, tasten uns Gedankengänge entlang, lassen die Scheuklappen im Wohnzimmer liegen und klopfen Übereinkünfte auf ihre NeuzeitTauglichkeit ab. Legen die W-Klassikerreihe wieder auf, im AntwortenPluralismus herrscht Fragenmangel: Warum? Warum nicht? Wohin? Wie? Machen uns auf hinter die Kulissen der fünf Sinne, auf die Heldenreise vom Warten und Neben-SichStehen, über Abstecher ins AußerSichSein zum BeiSichBleiben und ÜberSichHinauswachsen. GedankenTanken ist im Angebot, Essays zu LebensWeisen, wahre Gerüchte, match reports von der Spielwiese für die Seele. Die Hauptfiguren heißen sie, er, wir, Sie, Mensch, Engel und Haiku, wie im richtigen Leben.
Dieses Buch hat das gleiche Schicksal erlitten wie viele Menschen: Es hat jahrelang versucht, sich zu verbiegen und in ein vorhandenes Format zu zwängen, vergeblich. Bis es eingesehen hat, dass es aus dem Katalogisieren herausgewachsen ist, weil es sich nicht mehr dafür interessiert, wo es ordentlich dazugeheftet werden kann. Es möchte sich auf keinen Teilbereich spezialisieren, weil es sich für das GanzeGlorreicheAlles! interessiert. Es nimmt sich heraus, einzigartig zu sein, so AußerGewöhnlich wie jedes Individuum. Zu Vielem eine Meinung zu haben und diese zu äußern ohne dazugehörige Doktortitel vorzuweisen. Es ist gerne unbefugt, weil es ihm im SchubladenDenken zu eng wird. Es wollte sich auch nicht zwischen unterhaltend oder anspruchsvoll entscheiden, sondern sich treu bleiben und den Mut haben, neue Formate zu erschaffen. Rahmen sprengen, Skizze sein, assoziative Collage – lebendig wie das Leben selbst! Dieses Buch hat allen Mut zusammengenommen und schreckt vor nichts Faszinierendem zurück: in Poetisches hineinschmecken, Philosophisches erwägen, bei der Theologie vorbeischauen, sich mit der Heilkunst unterhalten, mit der Lautmalerei flirten?
Leser dürfen eigene Wege finden, EinleitungHaupteilSchluss war gestern. Niemand muss mehr Handlungssträngen folgen, selbst Seitenzahlen sind nur noch vage Richtlinien. Abschweifungen sind erlaubt, Exkurse, die in KontemplationsGegenden verleiten: Innehalten, Gedanken weiterspinnen, Gefühlen nachhorchen ...? LeserInnen dürfen machen, was sie wollen, sogar zwischen Kapiteln umherspringen und einfach da aufschlagen, wo es sie gerade hinzieht – Sachen gibt’s!
Ein Potpourri aus Erlebtem und Erdachtem in zwei Sprachen, in einer HinundHerChronologie, die das Leben schrieb. Sprunghaft ist sie und durchlässig, sie reckt sich nach dem Unendlichen wie die Mentalwelten jeder virtuellen Realität. Vermeintliche Grenzen auf-schreiben, um-denken, ver-drehen und sehen wo das hinführt?
Enjoy.
Von einer, die auszog, das Fürchten zu verlernen. Leben in der Fremde!
Es ist angerichtet, der Urschrei seit Jahrzehnten verjährt. Sie stolpert eine KalenderTimeline entlang, durch die hauseigene Universalinszenierung. In der Hauptrolle als Nebendarstellerin sind ihre Minuten durch Sanduhren vertropft, im Zwölfertakt zu Monaten geronnen. Sie hat sich als Undercover Reporterin auf die eigene Story angesetzt, um dem Erzählstrang auf die Schliche zu kommen, der einzelne Lebensläufe in ein Gesamtkunstwerk verwebt. Die Geschichte aller in der einen, updates reloaded im Sekundentakt, billionenfach. Mitwirkende sind in Parallel-Lebensläufe verstrickt, Lichtjahre entfernt in der Wohnung gegenüber. Wo schneiden sich ihre Geraden im Unendlichen? Vormittage, unablässig verfolgt von Nachmittagen und Mitternächten zählen durch, dreihundertfünfundsechzigmal, bis sie vornüberfallen und Silvesterraketen zischend eine neue Runde einleuchten. Die Handlung: sich auf einen Weg machen, von Umwegen verabschieden, Auswege erfinden.
Grenzgänge, die Tage so lang, die Jahre so kurz.
Die ersten 28 Jahre lang hatte sie die Zukunft festgenagelt, Pläne in Zement gegossen und im Gehirn eingefroren, als Versicherung gegen die Unberechenbarkeit, mit der das Leben sie von hinten anfällt. Jetzt wird alles anders, sie zieht über Los, sechs Monate Ausland als bescheidener Anfang ins NeueIch. London heißt weg vom Alten, es ist herzensklar von Anfang an, kein Brighton oder Birmingham, nichts mittelgroß-mittelklein Britisches kommt in Frage, die Hauptstadt muss es sein. 15 Millionen für den Anfang, die Bordkarte als roller coaster-Ticket ins Gewohnt-Ungewohnt, gewaltige eineinhalb Flugstunden entfernt, ein Katzensprung ans andere Ende ihrer Welt.
Der rote Teppich ist eine Metalltreppe auf Rollen, schrittweise schlägt sie auf britischem Boden auf. Gebucht ist nichts, den Landeswechsel hatte sie freihändig tanzen wollen, ohne die Sicherungsseile reservierter Halbpensionen. Bis zum Anbruch der Dunkelheit muss eine Schlafstätte aufgetrieben sein, mulmig wird ihr ob dieses spontanen Mutes zum Anlass temporärer Emigration. Es ist Ende August, Notting Hill Carnival, alle Quartiere sind überbucht. Hang on – in einer Stadt, die niemals schläft! Falls sie keine Unterkunft auftreibt, würde sie tanzend darauf verzichten und mitgebrachtes Gepäck wegsperren. In London sind auch Schließfächer anders: statt Münzeinwurf und Schlüsselchen eine Halle mit PersonalWesen und Röntgenmaschinen, Koffer werden durchleuchtet und erst nach bestandenem Bombenuntauglichkeitstest deponiert. Jetzt einen Club auftreiben, der ganznächtig offen bleibt. Time OutMagazine, Fahrkarte, Non Members queue, vorrücken, Tür auf. Wärme, Lichter, Beats, geschafft.
Es ist Liebe auf den ersten Schritt. Das Übersehen ist eingestellt, der Seitensprung in die Fremde wird mit Aufmerksamkeitshochs belohnt. Sie sieht Schönheit an allen Ecken, hinter allen Enden, lässt sich ihren Namen auf der Zunge zergehen und lernt, ihn richtig auszusprechen: Landen. My Love. Hat als FrischVerliebte Augen für den herben Charme einer Stadt, die mit hübsch nichts zu tun haben will, sich Augen und Herzen preisgibt, die Unbeachtetes als Wesentlich entziffern. Ihre Neue ist eine labile Angelegenheit, abgeschabt, ausgebessert, improvisiert. Eine Konglomeration aus ExDörfern, leise vor sich hingewuchert, nie auf Reißbrettern entworfen. Sozialwohnungsblöcke haben sich in Nobelstraßenzügen angesiedelt, Gegensätze gehen eine Beziehung ein, freiwillig und notgedrungen. Häuser wachsen neben ihr in den Himmel hinein, sie darf aufspringen. Architektonische Moderne schießt neben AltEhrwürdigem aus dem Boden. Die jahrhundertealte Kirche schlägt die Augen auf und findet sich von glasverkuppelten Bürotürmen eingekesselt. Mulitpliziert ihren versteinerten Charme in den Spiegelfassaden der neuen Nachbarn, hocherfreut.
Die Bassgitarre ist mitgekommen, wenn schon temporär auswandern, dann mit Stil. Der Instrumentenkoffer ist ihre kreative Uniform, Abzeichen der Künstlergarde, Mitgliedsausweis in den Selbstentwurf Kosmopolitin. Von Menschenmengen geschoben, zwischen Körpern schwimmend, treppauf treppab mit Musik- und Monsterkoffer. Das Aller-Nötigste hatte sich summiert und multipliziert, sobald alle Eventualitäten zusammengefaltet waren und auch noch mitkommen wollten. Sechs Monate sind eine lange Zeit, vor allem in Minuten umgerechnet und ganz alleine in diesem wilden Westen, der eher nordöstlich liegt, also auf der Karte irgendwie oberhalb?
Sie trifft Australier und Neuseeländer auf permanenter Durchreise – I’m doing Europe in 4 weeks! RucksacktouristenStröme werden von Spontanunternehmern in Hostels umgelenkt. Stockbetten in enge Zimmer geschlichtet, Matratzen in Plastik eingeschweißt, sie kann bleiben, eine ganze Woche lang.
Ohne Job keinen Mietvertrag, ohne Wohnsitznachweis keine Anstellung, ohne Anstellung keine Bankverbindung. BürokratieLogik, die nur ein Herz auf dem rechten Fleck auflösen kann. Ein Herz, das sich traut, VorschriftsMäßiges zu überspringen, Risiken auf die eigene Kappe zu nehmen – the kindness of strangers. Freundliche Fremde, die ihr ein Zimmer vermieten, obwohl sie weder Festanstellung noch Bankverbindung angeben kann. Die hinter Schaltern sitzen und ihr ein Konto einrichten, obwohl sie den permanent job erst noch ergattert muss.
Happy End, sie sperrt die Tür auf, betritt das winzige Zimmer und schaut sich um. Der Blick aus dem Fenster zeigt Victorian terraced houses, die Zeitreise in ihr erstes eigenes Reich vorerst vollendet. Sie darf bleiben so lange sie möchte und Miete zahlt. Die Fremde ist ein Blumenmeer, Tapeten- und Vorhangmuster ringen um optische Vorherrschaft. In einer Erste-Hilfe-Aktion tapeziert sie die Wände mit trendigen Seiten aus ebensolchen Magazinen. 70ies vibes lassen sich damit nicht auslöschen, aber ein Anfang ist gemacht, der Umgebung ein zaghafter Stempel aufgedrückt.
Die silberhaarige landlady hat überschüssige Zeit zur Verfügung, in der sie gerne nach dem Rechten sieht. Alle Bewohner sind angehalten, Zimmertüren abzusperren, um etwaigen Einbrechern das Weiterkommen innerhalb des Hauses zu erschweren. Als jemand versucht, durch ihr nächtlich angelehntes Fenster einzusteigen, ordnet sie das der Rubrik Abenteuer zu, shaken not stirred. Auch als sie in ein durchwühltes Zimmer zurückkehrt, verstört sie das nicht in Grund und Boden genug, um alle Hausregeln zu befolgen. Sie volontiert als crazy lady, die vorsagt und -lebt: die beste Versicherung ist die Konzentration auf das Gute im Menschen!
Revolutionsvorschlag: Love makes you safe, never fear.
Die Mitbewohner sind in ihrer Vernünftigkeit nicht der erhoffte easy going trendy bunch, lassen sich maßregeln und sind eine Katastrophe für eine Deutsche: andere Deutsche! Worst case scenario. Franzosen, Russen, Japaner, Italiener, Nigerianer bauen sich Freundeskreise aus Landsleuten zusammen, Deutsche erkennt man an der Aufschrift über der Stirn: no Germans, please! Auch sie will sich mit OriginalEngländern anfreunden, doch waschechte Londoner born and bred sind eine Rarität in der Metropolis. Hauptzutaten sind Eingereiste und Zugewanderte wie sie selbst, sie stürzt sich erwartungsvoll hinein in diese Internationale. Zieht um und weiter, mit Monsterkoffer und temporär entliehenem Einkaufswagen. Besitztümer, die Möbelpackern Jobs verschafft hätten, sind noch keine angehäuft. Sie liebt die Schwerelosigkeit eines Lebens, das sich per Hand verlegen lässt.
Nächster Stop: die sagenumwobene Brick Lane. Sorgfältig das lässigste Outfit übergestülpt, Augen mit Kohlstift vergrößert – das Bewerbungsgespräch mit den future flatmates ist erfolgreich bestanden. Was tut man nicht alles für einen Platz an der Sonne: wunschlistengemäß sind alle Mitbewohner Teilzeitkünstler, -musiker oder fließende Übergänge. Tom aus Wales, Mattin und Leire aus Bilbao, Spanien? No, from the Basque country! wird sie korrigiert und hat wieder etwas dazugelernt. Die Fähigkeit, sich konstant ein- und zurechtweisen zu lassen ist eine für Auswanderer essentielle Lebenskunst. Ihr Lieblingscartoon ist mit umgezogen, Außerirdische fliegen in einer Untertasse durch die Küche, einer fragt: Glaubt ihr eigentlich an Menschen? Wenn Fabelwesen Abwechslung brauchen, schauen sie in anderen Frequenzen vorbei.
Neonreklame taucht ihre Nächte in Zwielicht, dunkel wird es nie, nur buntflackernd. Sie schlendert Prachtstraßen entlang, bewinkt Pferdekutschen mit Königinnen, deren Hüte und Handtaschen einer anderen Realität entliehen sind. Stolpert nach durchtanzten Nächten über vermüllte Hinterhöfe, fühlt dem nie versiegenden Verkehr den Puls und sich auf den Zahn. Verfällt ihm, Hals über Kopf, dem Moloch, der sich auf Nichtfunktionieren als Regelzustand eingependelt hat. Immer irgendwo außer Betrieb, lahmgelegt von Baustellen, Zwischenfällen, Unvorhersehbarem, Vorhersehbarem. Im Herbst sind Züge wegen leaves on the tracks verspätet – großartige Durchsagen, wenn sie die Lautsprechergeräusche dechiffrieren könnte! Es gelingt ihr selten, Akustisches beim ersten Hören zu entschlüsseln, niemand wiederholt sich unaufgefordert, niemand spricht Englisch wie in Büchern oder Lernprogrammen. Ohren verkrampfen im Lautesalat, Worte stolpern von Zungen, fallen aus dem Mund, einem freundlich lächelnden Gegenüber ins Gesicht. Kopf leicht nach vorne geneigt, Augenbrauen hochgezogen in der Haltung bemühten Verstehens, dann das Aus: Sorry? Sie sehnt sich danach, in der Lieblingsfremdsprache draufloszuradebrechen, ohne über Grammatik zu stolpern, Hirnwindungen nach Vokabeln zu verkrampfen. Das Gehirn schlägt unpassende Worte vor, flirrt, bringt Nervenenden zum Glühen und sich selbst mit einem Kurzschluss zum Stillstand. Kommunikationsunfälle, Frontalzusammenstöße, lost in translation.
London, it’s me! I’m ready, occasionally steady, let’s go.
Per Anhalter durch die Matrix – Müssen muss Mensch gar nix
Londoner Vibes sind unberechenbar, impossible is nothing. Straßenkämpfe verlegen sich aus der virtuellen in die reale Realität, Laub und signalling problems entziehen den Zügen ihre fahrplanmäßig verordnetete Zuverlässigkeit. Weiter geht es immer. Zu Fuß zur Arbeit oder Ewigkeiten auf einen Bus warten, der noch nicht voll ist. We’ll work from home, oh well. London isn’t finished yet, and it never will be. Sie lebt in aufregenden Zeiten: Morgen- und Abendland sagen sich Guten Tag, der Westen studiert den Körper und liefert die Anatomie, der Osten untersucht den Energiefluss und steuert die Chakren bei. WeltAnschauungen ergänzen und bereichern sich, kreieren layers, entwerfen Traditionsmodelle neu: der Organismus nicht mehr als biologische Maschine, sondern als alchemistisches Wunderwerk, Energieströme inklusive. Die Quantenphysik entlarvt Gegenstände als fleischgewordene Illusion und auch die Zeit als Steckenpferd der Erdinkarnierten. Lichtfrequenzen sind die Geometrie der Materie, sie paddelt in einer Energiesuppe und decodiert Schwingung, übersetzt Strings in Form, Farbe, Geschmack, Geräusch. Ihre fünf Sinne stricken hauchdünne Masken aus Zeit, Raum und Materie, was verbirgt sich dahinter, darunter? And who cares im täglichen Leben, wo es Rechnungen zu bezahlen und Termine einzuhalten gilt, holografisches Universum hin oder her?
Sie führt sich per Download erleuchtete Konzepte zu Gemüte, das Leben geht weiter. Materie existiert nicht und sie muss sie dauernd wegputzen? Die Quantenphysiker werfen ihr Gleichungen an den Kopf und lassen sie stehen inmitten der theoretischen Mathematik und der fremden Stadt. Erklären die Realität per Formel zur Illusion ohne eine Gebrauchsanweisung mitzuliefern. Sie will nicht länger ein Buch zuschlagen und mit dem dumpfen Knall die Ideen zurück in die Welt des Gedruckten verbannen. Wissen, das jahrtausendelang von Meister zu auserwählten Jüngern weitergeflüstert wurde, ist als App zu haben. Wie glücklich, gesund und erfolgreich sein geht, kann sie herunterladen und im Fernsehen anschalten: Nach erfolgreichem Materialisieren des Traumpartners geht es mit dem Traumauto in den Traumurlaub, zurück im Traumeigenheim wird dem Traumjob nachgegangen, kurz unterbrochen von einer erneuten Traumreise? Wenn ihr Leben anders aussieht, wendet sie die Manifestations-Technik nicht richtig an, underachieving yet again? Patentrezepte gehen in Millionenauflagen über Ladentische, der Globus hält Kurs auf nächste Station Paradies im Plattenbau? Her mit den Konzepten, je ausgefallener desto besser: Gedanken haben Formen und organisieren sich in morphogenetischen Resonanzfeldern? Energie fließt der Aufmerksamkeit hinterher, attention energises, macht MenschSein zum spannenden Kreativspiel? Sie kann sich fernsteuern lassen oder neue Felder initiieren? Wildbach oder Kanal, lokal, kosmisch – jede ungewohnte Umgebung assistiert ihr dabei, selbstauferlegten Einschränkungen auf die Spur zu kommen. Sie macht sich ans fröhliche Zertrümmern ausgedienter Tabus, her mit den mikroskopischen Großtaten! Eine zündende Idee macht den Anfang, ein Funkenmariechen reicht, um Freudenfeuer zu entfachen.
What‘s real? Am Morgen danach sieht die Welt ganz anders aus.
Das Uhrzeit-Joch: Zu spät? ist es nie
Sie liebt die Adoptivstadt wie eine eigene, schweißt sich die rosarote Brille in die Netzhaut, keine Gewohnheit darf sich einschleichen. Kein Abstumpfen, BlindWerden für UnscheinbarSchönes, das sich geduldig anstaunen lässt ehe Blicke weiterspringen zum Übernächsten. Durch Augen Hochspannungsleitungen ins Herz, Alltag transformiert in vollblütiges Leben. Im Doppeldecker nach oben, dem Licht entgegen, Gegenverkehr weiß, Rücklichter rot. Kriechtiere aus Blech schlängeln sich Windungen entlang, nächtliche Straßen ein flackerndes Mosaik endloser Wagenreihen, pulsierende Venen und Arterien der Stadt. Mikro- im Makrokosmos.
Sie fühlt sich nicht älter, geschweige denn alt. Die interne Uhr vertickt die Jahre in einem Rhythmus, der mit keinem offiziellen Kalender übereinstimmt. Gestern noch in der Schule, wacht sie heute als Tante auf? Sitzt übermorgen unter der Trockenhaube und nippt Haselnusslikör? Dabei ist die Studentin nie ausgezogen, auch die Draufgängerin, Partyfee und die ängstliche Kleine sind in ihr lebendig geblieben. Die Kulissen sind verschoben, sie spielt Haus eine Nummer größer, WäscheklammerWände haben sich zu Ziegelmauer und Zentralheizung verwachsen. Der Kinderwagen ist größer als der, den sie als Sechsjährige vor sich herschob. Sie ist wieder Mama, aber das Kind kein Teddybär. Die Zahlen auf den Geburtstagskarten hochgetickt, ist sie übergelaufen, hat Seiten gewechselt im Rollenspiel, nun angebliches Mitglied einer älteren Generation? Auch wenn Zeit nicht existiert besteht ihr Tag aus vierundzwanzig Stunden, die eine vierte Dimension erschaffen. Mit der Landung auf der Erde hat sie sich dem ZeitRaum unterworfen, materialisiert als Fleisch und Blut gewordene Überzeugung, der Körper ein Geschenk mit Verfallsdatum. Im Laufe der Jahre ein wenig verschlissen, gezeichnet von Operationen, Schwangerschaft und Schwerkraft. Ihr RaumSchiff, das Ideen in chemische Reaktionen übersetzt, mit Lächeln und Lieblingsstiefeln richtig schön. Ganz gelandet ist sie noch nicht in diesem Corpus Delicti, aber sie haben sich besser kennengelernt im Laufe der Jahre, haben Frieden geschlossen. Dankbarkeit für perfektes Funktionieren war zuviel verlangt vom Teenager, die ihre Maße an anderen misst. Nach Jahrzehnten treuer Dienste hat sie das Vergleichen heruntergedrosselt, ausgesöhnt durch Wesen, für die er Eingangsportal zum blauen Planeten war. Nicht ohne aufzuschwellen an unorthodoxen Stellen ob der bodysnatchers, die Besitz von ihr ergriffen. Den Bauch noch nicht zum Alibi gerundet, erbricht sie in hastig hervorgezogene Tüten, im Schutz der Hauseingänge fragenden Blicken entzogen. Gegen Ende bläht sich die Kugel auf und zerrt sie hinter sich her, bis an die Grenzen des Erträglichen, dann darüber hinaus. Mothership. Jemand hat sich ihren Körper geliehen, um darin zu wachsen. Hat das Kommando übernommen, lässt sie nicht mehr schlafen, alle Behendigkeit muss sie aufgeben. Sie fühlt sich reduziert auf ein überdimensionales Gestell, das sich Stützstrümpfe überquält, auf dem Rücken liegend wie ein Käfer. Voller Kurzatmigkeit, Wunder und Verheißung.
Sind Geburtstage ein Grund älter zu werden? Hält sie das Kind, hält sie sich am Kind fest? Sie trägt ihn nach oben, er wacht nicht auf, als sie ihn hinlegt. Bald wird sie ihn nicht mehr tragen können. Sie deckt ihn zu, mit Tränen in den Augen, weil er gehen wird eines Tages, nach Hause kommen in ein anderes Haus. Sie hält ihn, aber nicht fest, weil sie ihn liebt wie einen Sohn. Scheiden tut nur weh in der zeitverzögerten Zeit, nicht im raumlosen Raum.
Sie bleibt stehen, dreht sich um und sieht alles genau an. Erinnert sich, dass es gut ist. Die Welt reduziert auf Atemzüge. Zeit zieht Fäden, dreht durch im Crescendo bis das Zahnrad aus dem Uhrzeigertakt springt, Abhänge hinabholpert, sich überschlägt, zersplittert. Sie hat die Unendlichkeit durchschaut: sie verkleidet sich als Einheiten, die in Abständen hervorkommen. Sie ist ein Auslaufmodell, das sich ständig neu erfindet. Ein perpetuum mobile, das Blüten hervorbringt und Früchte, Frequenzen, Jahreszeiten und Atome in einem der Wahrnehmung angepassten Tempo vorüber ziehen lässt. Die ewig gleiche Frage drängt sich auf und ins Bewusstsein zurück, macht der Kontemplation den Garaus und ruft: Wie spät ist es? – Woher soll sie das wissen? Sie will sich noch so viel er-leben. Aber es gibt viel zu tun: DasFestderLiebe steht vor der Tür, sie muss Geschenke besorgen, kühl und trocken und vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt lagern und nach dem Öffnen innerhalb von zwei Tagen aufbrauchen? FreudeSchenken verkompliziert sich, da der monetäre Wert keine Anhaltspunkte liefert, wie viel Entzücken etWas hervorruft. Wenn sie sich für DasRichtige entschieden hat, muss sie die Freude im Einzelhandel erwerben oder online erklicken, geschmackvoll und individuell verpacken und zur richtigen Zeit am richtigen Ort abliefern? Für die All I want for Christmas is you-Notbremse ist es zu spät, Glühwein sei Dank bringt sie die Präsente durcheinander und verehrt dem Mädchen das blaue Technikspielzeug, dem Jungen eine rosa Schürze. Die Welt gerät aus den Fugen! Sie muss noch so viel lernen: festlich bewirten, richtig würzen, entspannt gastgeben, einen entspannten Gast abgeben, mit Stäbchen essen, mit Gefühlen umgehen, freudvolles Basteln mit Kindern, Coupons einsenden, adäquat vorfreuen, amtliche Kennzeichen an den dafür vorgesehenen Stellen deutlich sichtbar anbringen, herumfuhrwerken, sich unentbehrlich machen, dann alles wieder wegräumen und umtauschen? Die Freude ist keine Ausnahme, auch sie braucht einen guten Start in ihr kleines Leben. Sie benötigt gewisse Voraussetzungen, um zu gedeihen, sich auszubreiten, um sich zu greifen. Die wichtigste Zutat ist eine Person, die mit ihr umgehen kann. Die das studiert hat oder sonstwoher weiß, wie das geht mit dem SichFreuenKönnen. Denn die Freude ist Anarchistin und koppelt sich gerne von Lebensumständen ab, taucht unter und wieder auf, wo es ihr gefällt. Gelegentlich lässt sie sich mit Zutaten zum Bleiben überreden: Frühstück im Bett, Kurzurlaub auf Balkonien, ein Tässchen Pause? An anderen Tagen helfen selbst schwere Geschütze nicht. Die Freude hat es nicht leicht, Opfer zu finden, denn SichÜberhäufenLassen ist eine schwierige Aufgabe: rechte Maße erwägen, nachmessen ob sie über- oder unterschritten wurden, Auswirkungen auf die Umwelt berücksichtigen – Rohstoffverbrauch, entstandene Abfallbelastung, gerechte Güterverteilung, global, lokal und im Kreise der Familie? Widerstandsloses Akzeptieren von GutGemeintem inklusive erforderlichen WeiterleitungsMaßnahmen ist nur fortgeschrittenen Beschenkten möglich. Reflexartiges Heimzahlen des Guten mit Noch-Besserem ist in diesem Stadium der Lebenskunst nicht mehr erforderlich. Schenkende müssen dann nicht mehr vor den Kopf gestoßen werden und unverrichteter Freude wieder abziehen, weil es das! wirklich! nicht! gebraucht hätte. Die SchenkAnwärter hatten es gut gemeint, aber jetzt stehen sie da mit ihrem LiebesBeweis und müssen sich rechtfertigen mit Sonderangeboten, Schnäppchen, Secondhand und ichwolltedochnur? Das Leben ist nicht so engstirnig wie Knecht Ruprecht, es möchte keine Leviten lesen, sondern Füllhörner auskippen, wahllos. Ohne sich damit abzumühen, wer wann wie brav war oder warum nicht. Es hat keine Angst vor unerwünschten Nebenwirkungen und schlägt die FreudeamGeben nie mit Verwöhn- oder VerziehArgumenten in die Flucht. Das einzige Hindernis, das die Großzügigkeit nicht überspringen kann, ist die höfliche Ablehnung.
Welches HoheGut materialisiert sich, wenn sie tief in die Tasche greift? Bei Blumen und sonstigen Genussmitteln freuen sich Gewerbetreibende, deshalb klappt das mit der Verschwendung nicht: sobald sie Geld zum Fenster hinauswirft, steht JemandIne bereit und fängt es auf. Freut sich, wirft es weiter! Sobald Überfluss nicht mehr eingedämmt wird, tritt er über die Ufer und befruchtet die Umgebung. Füllt die Reisekasse der Nichte oder fließt weiter in global abgelegenere Gegenden, wo noch die eine oder andere Ebbe herrscht.
Zu viel ist ein Missverständnis. Zu viel lässt sich durch unendlich teilen und ist dann immer genau richtig.
Revolutionsvorschlag: Überleitung weglassen!
Die Tastatur als Konzertflügel, fliegende Finger, das Stakkato der Leertaste, flashback. Die Affäre mit den Tasten nimmt im Wahlunterricht ihren Anfang: die Lehrbeauftragte rezitiert das A-S-D-F-J-K-L-Ö Mantra, suchende Finger kreieren Codes. Winzige Hämmer krallen Schriftzeichen in Papier, die Reißwunden mit Tinte gefüllt. Zurückschieben per Hand, ein Klingeln der akustische Startschuss in die nächste Zeile. Dem Gesang der Sirenen widerstehen, die sie ins ZweiFingerHacksystem zurückverführen wollen, auf allen Zehnen durch Fehler- und Langsamkeitswüsten, auf leise klickende WortschlangenSafari. Zurück in die Antike, wo sie eine der ihren ist, vom Stamme der Kreaturen mit gebundenem Rücken. Die ältere Generation kann sich nur schwer an das Fiepen der Scanner gewöhnen, erinnern sich an Bücherentleihen untermalt vom Aufschlagen der Stempel. Die Enkel haben Eselsohren und Papplesezeichen aufgegeben und lassen sich in neuester Inkarnation direkt von Bildschirmen ablesen. Das Seitenrascheln hat als Akustikeffekt überlebt, Spielerei eines nostalgischen Programmierers.
Pizza aus dem Ofen, glitschige Seiten aufeinander geklappt: Calzone-Sandwich, Fusion
Cuisine leicht gemacht. In einer Hand halten, mit der anderen weitertippen und aufpassen, dass kein Käsetomatenschleim in die Tastatur tropft. Wenn sie Glück hat, bleibt eine halbe Stunde. Mit Eigenzeit wird gegeizt, sobald sie nicht mehr Vorstandsvorsitzende ihrer Tageseinteilung ist. Wenn Fremdbestimmung sie nicht Tagträumen lässt, Kritzeln Durchatmen WahrNehmen, sinkt die Stimmung am Boden der Tatsachen vorbei in die Minustemperaturen. Ihr Masterplan sah keine Kinder vor, weil das doch jede/r kann, sich fortpflanzen? Ein Instinkt, der in Verpflichtungen festzurrt, kostbare Energien abzieht, die der Kreativität abhanden kommt? Dann trifft sie ihn und alles kommt anders. Sie wachen eines Tages auf und wollen es doch, ein Kind. Dann noch eins und dann fehlt noch jemand. WunderVollAnstrengend. Der Kinderwunsch beinhaltete keinen WindelwechselWunsch, der wird jedoch mitgeliefert, inklusive Exkrement, einkaufen, essenmachen, waschen, abwaschen, niemand hatte ihr gesagt, dass ElternSein nie aufhört, sogar AnsHausFesseln und EinsamMachen kann, vorüber-Gehend? Über ihre Grenzen hinausgezogen schlägt sie auf im neuen Tag, rutscht aus auf guten Vorsätzen und naiver Unterschätzung immerwährender 24StundenSchichten. Tastet sich in den Ausnahmezustand als Regel vor und in Erschöpfungsuniversen herum, in denen sich Minuten wie Tage anfühlen, lotet aus. Das Kleinste schreit, Eltern-Annahmen zufolge überstimuliert, unterstimuliert? Das Kind ist durch Fragenkataloge – hungrig, nass, müde, erkältet? – nicht aus der Ruhe zu bringen und schreit gemütlich weiter. Hört auf, fängt wieder an. ‚Schreien ist jetzt angesagt, nichts für ungut. Muss nur gerade laute Luft rauspusten!‘ Sobald sie das Buch Perfektionismus leichtgemacht: So erkennen Sie schlechte Eltern – 828 eindeutige Indizien! zuklappen, geht es besser. Locker ist schwierig, wenn sie es krampfhaft versucht. Gestank riecht nach Leben. Auf ins Bad, Dusche an, genüßlich menschliche Überreste schrubben, fertig ist das Wellness Wochenende. Sie weiß auch in Momenten der Überforderung, wie bald sie der Zeit mit den MiniMenschen nachtrauern wird, feuchtäugig und herzschwer. Hört sich bereits sagen, wie schnell sie verflogen ist.
‚Irgendwie schaffen das doch immer alle‘ war die beruhigende Versicherung der Freundin. Sie wird es schon schaukeln, das Leben mit Kind. Das Leben ohne Kind. Hält sich an Farben fest, an Gerüchen, stiehlt Momente zusammen, die nur ihr gehören. Ignoriert Rufe und Schreie, pflückt vier Minuten hier und zehn dort. Erntet die Früchte, wenn eine Idee gerettet ist ehe jemand etwas zu trinken malen anziehen einschalten umkrempeln braucht muss will.
Man sieht nur mit dem Herzen gut, aber wie? Wenn Mensch kein kleiner Prinz ist, sondern EinJemand, an der von allen Seiten angerissen wird, auf einem stellenweise unübersichtlichen Planeten? Hast du schon, wann endlich – Hand auf’s Herz, Augen zu, hinein in den Kopf, wo das Gedankenkarusell sich dreht. Sie lässt eine imaginäre Murmel losrollen und in einer bedächtigen Spirale in den Herzraum hinunter kreiseln, bis sie dort zum Stillstand kommt. Schön warm hier.
Das Leben zahlt ihr täglich 84 600 Einheiten ein, die Gutschrift der Zeitbank ist nicht übertragbar, auf Pump mehr ergattern ist keine Option. No replay. Erst nach Ablauf der 24 Stunden Frist gibt es neue Sekunden. Reinkarnation give or take, im derzeitigen PersonenFormat hat sie das eine Gastspiel.
Revolutionsvorschlag: Verfallsdatum vom Traum abkratzen.
Als Kind sah sie Sterne in Bilderbüchern blinken und bekam von Vogelgesang vorgelesen. Die Sterne entpuppen sich als blasse Punkte und die Vögel singen keine Lieder, sondern zirpen? Woher wissen die Leute im Geschäft Bescheid über die Beschaffenheit ihrer Füße, Beine, Arme? Sie haben sie noch nie gesehen, wie können sie etwas parat haben, das genau ihr passt? Das Kind ist noch nicht standardisiert. – Welcher Tag ist heute? Heute ist heute, ohne Hilfslinien aus Daten, Wochentagen oder Sekundenbruchteilen. Kalenderkonstrukte und Prüfungstermine sind von der Zukunft ausgelegte Fallstricke, warum ist heute Montag und erst am Donnerstag kommt die Freundin? Wie oft schlafen, Monat klingt wie Montag oder Minute, kann ich noch hundert Minuten haben, in welchem Monat ist mein Geburtstag? Wie alt bist du, hundert?
Sie übt das FreiSchweben und horcht nach, wann meldet sich ein Hunger, Essenszeiten hin oder her? Kann sie über warm/kalt entscheiden ohne auf dem neuesten Stand der GradCelsiusVerhältnisse zu sein, nur per Nase in die Luft? Ohne den Rückhalt von just in case Schirmen und Jacken in die Welt hinausziehen? Traut sie sich den freien Fall zu, nur eine Hand als Fieberthermometer?
Wie ist es um die Müdigkeit bestellt, losgelöst vom Kontrollblick auf die Zeitanzeige? Keine Minute länger auf bleiben, obwohl die Schlafenszeit noch stundenlang auf ihr rechtmäßiges Erscheinen warten muss? Oder zu spät ins Bett, Auskosten der Zeitspanne, die nur ihr gehört? Der Morgen dämmert zu früh. In eine erneute Nachtwache verführt schiebt sie dem inneren Rebell die Schuld in die Schuhe.
Es gibt Tage, an denen muss sich der Staub monatelang gedulden, bis er Aufmerksamkeit erregt. Jetzt ist die Zeit. Zum Dasitzen. Sichdagegenstemmen. Mitziehen lassen. Auf eigenen Beinen stehen. Anlehnen. Ja! sagen, neindanke sagen. Ausreden erfinden. Briefkastenfirma eröffnen, Webseite zusperren, Wildwuchs.
Vertane Zeit ist ein Deckname, mit richtigem Namen heißt sie quality time, die Kinder und Uhren nicht ständig aufzieht und sogar sich selbst mal gehen lässt. Es ist an der Zeit? Umzukehren. Zurückzuweichen. Innezuhalten. Fehler zu machen. Fenster zu putzen. Das Fensterputzen bis auf weiteres einzustellen. Eine Erkenntnis zu gewinnen. Mit den Augen zu lachen. Etwas auf die lange Bank zu schieben. Märchen umzuschreiben.
Die Zeit ist gekommen. Wo es weitergeht. Wo es nicht mehr weitergeht. Wo es immer irgendwie weitergeht. Für Steine ist die Steinzeit nicht vorbei, die ZuMeinerZeitRechnung dauert noch an.
Wann ist damals?
Revolutionsvorschlag: No need to bow to clock-time.
Es ist nie zu spät. Gemüse hineinzuschneiden. Die Reise anzutreten. Das wieder gut zu machen. Anzufangen. In Nachtmusik wohnen, unter Tränen lachen, in Augen fallen, in Entdeckungen schwelgen, in Netzen zappeln. Trostloses beweinen, Arme herzen, über Zeilen fliegen, in Bildern schwimmen. Finden, Trennen, Finden. Zuhören, beim Lauf der Welt im Wettlauf mit der Zeit. The soundtrack of a future that is now?
Revolutionsvorschlag: Wenn nicht jetzt, wann dann.
Die Mutproben hören nie auf: Willst du mit mir gehen? Kündigung. SprechStunden. Liebst du mich nicht mehr? BeFörderung. Selbst und ständig ohne selbstständig. Zahlungsanweisung? Abneigung eingestehen, Ende einer Fahnenstange. Hypothekenbescheid, Bewerbungsgespräch. Schulaufgabe, Fleißaufgabe, HausAufgabe, StrafAufGabe? Scheidungs-, Heirats-, KonkursAntrag. UmSchulung. Umzug. Älterwerden, AltSein, BlutjungSein – Meisterprüfungen, wohin das Auge reicht. Jeder Lebensabschnitt ein neues ZeitAlter.
Sie weigert sich, das Sehnen einzustellen, auf Erfölgchen umzulenken, Visionen auszublenden, fixiert auf die unendliche Gerade des jetzt muss ich nur noch schnell. Hochfliegende Pläne unter Anschaffungen verscharren, Ambitionen auf Welterneuerung hinter Sofas verlegen? Warum Esgutseinlassen, das Recht, TeenagerTräume mit sich herumzuschleppen, verjährt nicht. Eines Tages wusste sie noch, dass es nichts gibt, was es nicht gibt. Sie kann jederzeit die Spur wechseln, macht sich auf, hinüber in die wahre Zeitrechnung, wo sie einer inneren Sonnenuhr folgt. Sie fängt Momente ein, einen nach dem anderen. Legt sie in den Korb, über Treppen in Keller hinunter. Türen verriegeln, den Schlüssel im Schloss drehen, again. Die erste Minute herausnehmen, anhauchen, fast zärtlich, polieren, umkrempeln. Sekunde um Sekunde auf links drehen, dem Trott entwinden. Von Produktions- und Effektivitätsanteilen reinigen, in Eigenzeit transformieren. Sie verwahrt alle gewonnenen Einheiten an einem sicheren Ort, der Vorrat ist angelegt. Wenn es nicht mehr geht, die Packung aufreißen, perlige Minuten auf den Tisch schütteln, langsam zurückzählen. Die Wirkung setzt sofort ein.
Abtauchen hinter die Bilder.
Alles hat seine Zeit.
Das Dasgehörtsichnicht-Joch gehört sich so! nicht
Aushilfskraft in diesem Musikgeschäft sein zu dürfen! Sie wird vorgeladen, um sich durch Dialogfangnetze hindurch zu antworten bis zur vorhersehbaren Fangfrage: Was würde sie kaufen, für 30 Pfund? Panisches Stöbern in Hirnwindungen, nach einer Schweigeminute nennt sie einen Buchtitel, den Anfang vom Ende. Trotzdem hoffen wie wild, den langen Nachhauseweg entlang, bis in den nächsten Morgen hinein. Heimkommen, nach erneuten Gesprächen, andere Kulissen und Nebendarsteller, in der tube versuchen, die Hoffnungen in Zaum zu halten. Sie schafft es nicht, wieder brennen sie ihr durch. Von Zuversicht getragen ins Mietzimmerchen zurückgeschwebt, per Telefon abgewürgt. Ein netter Mensch am anderen Ende der Leitung sagt how great! doch alles gewesen wäre und yes, no, nothing this time round unfortunately, sorry. We’ll keep your records on file. Der begehrte Job gehört einem anders klingenden Namen. Tränen wider Willen, rote Augen, verrutschte Wimperntusche, Reparaturarbeiten. Der Gesichtsbaustelle in die Wangen kneifen, auf Lippen beißen, um die natürliche Röte ins Gesicht zurückzuzwingen. Durchatmen, an Kleidungstücken ziehen, sich durch Zupfen zurechtrücken, an Bund und Ärmeln zurück ins richtige Licht zerren. Come on.
Im Kellerraum einer Zeitarbeitsagentur bringt ihr ein Jüngling die Regeln des Servierens nahe. Hierhin die Gabel, Servietten falten, Wein einschenken von dieser Seite. Sie ist zu nervös, um sich etwas zu merken. Dann im erleuchteten Saal mit Horden anderer Laienkellner Tischleinen aufziehen. Über dampfenden Blechkannen Besteck polieren, zur Not nachhauchen, eindecken und schon kommen sie, die nichtsahnenden dinner guests. Sie wissen nicht, dass es ihr erstes Mal ist, ruhig bleiben, Rettungsankerblicke durch den Saal werfen, nachahmen, lächeln. Sie lernt, wie relativ Statistik ist, ein Großteil ihrer Kollegen im Bedienungsteil der catering industry sind vom anderen Ufer. Andere aus Ländern, die sie nicht sofort dem korrekten Kontinent zuordnen kann. Manche haben noch nie von Germany gehört, nach einer Weile antwortet sie Munich auf das unablässige where are you from? Sprachengewirr, ein Esperanto der Geografie, in dem Englisch immer wieder nach oben taucht.
Ihre Garderobe verfügt nicht über die Uniform adrettesRöckchenweißeBluse. Auch Schuhe, die keine Stiefel sein dürfen, hat der Koffer nicht vorzuweisen. Auf Schnäppchenjagd entdeckt sie einen charity shop, stülpt die glattgekämmt farblose Verkleidung über und ist sich wieder ein Stück weit abhanden gekommen. Die Stirn-Tätowierung That’s not me, I’m so much funkier in real life! ist kein zugelassener Teil des Service Outfits. Das Schlimmste: die Haare zurückbinden zu müssen. Gezähmtes ist Stilbruch und rührt an kindliche ZopfTraumata mit Friseurbesuchs-Finale als Triumpfzug in die Selbstbestimmung. Ihren Vornamen muss sie in der Fremde als Kreuz tragen, dann aufgeben. Stutzt sich zurück in einen Anfangsbuchstaben just call me B, sonst tun freundliche Menschen ihrem Namen Gewalt an und betiteln sie versehentlich als bird shit. Versprechen sich, buchstabieren sie um sorry, how do I pronounce your name, Börgiette?- Well, sort of. – No offence! – No worries. Bis eine Freundin ihr den neuen Namen schenkt: Come on, Bridge. Damit lässt sich leben, sie spannt sich gerne über Gräben, auch die der Verständigung.
Kommunikation bedient sich der Sprache, kommt aber ohne sie aus. Gesichtsausdrücke stehen zur Verfügung, Grimassen, Gebärden, Durcheinandergerede, Hände in der Luft. Lächeln kann sie fließend. Sie verteilt Küsschen, hakt sich unter, wie zu Hause. Da muss frau nichts übersetzen. Muss sie aber doch: Will die was von mir? Spaniern oder Brasilianerinnen lassen die Briten körperliche Freizügigkeiten durchgehen, die berühren schon mal einen Arm, da sie bekanntermaßen südländisch und daher feurig veranlagt sind. Germans however sind eher steif wie der Brite weiß, also haben reservierte Menschen nun Angst, dass sie sie heiraten will. Sogar manche Australier, denen sie zu oft um den Hals fällt. Wer tritt einem schon so nahe, ohne ernsthafte Absichten? Sie tappst durch KulturStereotypen im Quadrat und versucht tapfer, vergeblich, again? sich auch daraus nichts zu machen. VerkanntWerden ist ihre Opfergabe an den Reiz des Neuen. In der ihrer Welt wird sie so lange unbeirrbar über die Stränge lieben, bis es sich herumgesprochen hat, dass niemand das persönlich nehmen muss. Bis sie als menschliches Feuerwerk enttarnt ist und alle Gegenübers sich in unverfänglicher HerzensWärme sonnen.
Flashback: Solange sie zum Ausziehen zu jung war, blieben Umsturzversuche auf Kleidung und Frisur beschränkt. Als sie mit einer Seite kurz, einer Seite lang nach Hause kommt, kann sie die Aufregung nicht nachvollziehen. Das Donnergrollen, das über sie hereinbricht, wenn sie sich ausprobiert, warum auch nicht? Sie versteht erst in der Rückschau, als sich die Zeit der Nahkämpfe als Meisterkurs entpuppt, für alle Beteiligten. Als ihr das Herz stockt, weil sie so grau geworden sind, fast weiß. Die Eltern, denen sie sich als LanghaarigGepiercte oder Abrasiert-Tätowierte zumuten musste. Sie will niemanden provozieren, nur so sein dürfen wie sie ist.
Auf Bestattungen trägt man schwarz? Sie beschließt mutig zu sein, der Uniformierung auszubüchsen und anzuziehen wonach ihr ist: eine lila Jacke, darunter eine nicht wirklich schwarze, da orange Bluse. Dasgehörtsichnicht! Vibes wabern ihr entgegen, sie kann die entrüsteten Gedanken hören. ‚Hat die sich in der Adresse geirrt, hier ist keine Modenschau. Um die geht’s heute nicht!‘ Nach der Friedhofszeremonie tritt einer der Nachbarn auf sie zu und kommentiert ihre Farbwahl. Erzählt, er hätte auf Beerdigungen früher gerne seine schwarz-lila Krawatte getragen, doch Freunde wiesen ihn so lange auf diese Unangebrachtheit hin, bis seine Frau den aufsehenerregenden Schlips entsorgte. Das Programm „Einfügen in die Norm, nicht ausscheren!“ wird von Eltern und Ausbildungssystemen installiert, bis es keine Schäfer mehr braucht. Mitmenschen springen als Wachpersonal ein, wenn jemand extra-vagant probiert.
Sie wünscht sich ein AbschiedsFest ohne Dresscode, mit tränendurchtränktem, freudestrahlenden Dank für das MitEinander. Wo gefeiert wird, dass der Tod Liebende nicht trennen kann. Dass es ein OhneEinander gar nicht gibt.
Revolutionsvorschlag: Alle Farben leben!
Nächste Szene: Hochzeitseinladung. Sie möchte das lange Glitzerkleid anziehen, die Mutter äußert die Befürchtung, sie wolle der Braut die Schau stehlen. Auch auf den Kopf ist Verlass, er funkt erwartungsgemäß dazwischen. ‚Damit bist du overdressed, das wird peinlich, warum musst du dich so aufdonnern? Nimm die graue Hose und das schwarze Top, das ist klassisch und fällt nicht auf.‘ Zeit für ein Revolutiönchen. Prachtfummel übergestülpt, Prinzessin wiederbelebt, Freudevibes verstrahlt, mission accomplished: Farbinfusionen in Augen versprüht, die sich sonst an dezent hätten sattsehen müssen. Als sie verdutztem Servicepersonal lottogewinnähnliche Trinkgelder verehrt, zieht ihr Glückstag Kreise. Sie sagt Umstehenden und sich selbst vor: du kannst anziehen, was du willst! und lässt Kleidung und Haartracht bei der friedlichen Revolution aushelfen. Schnallt sich Gummistiefel an die Fersen und muss selbst Pfützen nicht mehr ausweichen! Wer das falsche Trikot trägt wird angegriffen? Das SportUniversum weiß, dass Völkerverständigung am Rande der Fankurve beginnt. Als korrekter Klon im Einheitsbrei verschwimmen ist EnergiesparModus, IndividuumBleiben kann anstrengend sein. Sie dribbelt tapfer weiter, entwischt der Gleichschaltung und fragt Aristoteles. Der wusste schon vor tausenden von Jahren, wie sich Kritik vermeiden lässt: Sag nichts, tu nichts, sei nichts. Laotse formulierte es so: Solange du dich darum sorgst, was andere von dir denken, wirst du ihr Gefangener sein. Version Jahrtausend 3.0: If you don’t build your dreams, someone else will hire you to build theirs.
Vorschrifts- und Warnschilder sind oft in Blicke gemeißelt, in Stirnfalten gegraben und von bekümmerten Blicken durchtränkt. Das kannst du mir nicht antun. Sowas tut man nicht. Das war schon immer so. Das ist doch nicht zu viel verlangt! So etwas tut man nicht, aber sie probiert es jetzt einfach mal. Das wurde schon immer so gemacht? Dann wird es höchste Zeit für Anders! Auf welcher Basis sollen wir dann noch diskutieren? Der kleine Konsensus möchte aus dem gemeinsamen Nenner abgeholt werden, da wird es ihm zu eng. Er möchte durchgerüttelt werden und angestupst und durch die Luft geschwenkt, dann kann er ins Wanken geraten, dann wird alles so schön bunt hier und aufgelockert! Dann wird die Weltkarte zu klein und die was werden Eltern/Freunde/Nachbarskindeskinder sagen? Bremse greift nicht mehr, der Schwung kommt in die Bude, steigt ausholenden Schrittes hoch bis in Gesichter und zieht Lippen in die Breite. Verleitet zum Spähen, vielleicht ist das Gras außerhalb des Freigeheges doch grüner? Dann wird improvisiert, in die Tasten gehauen, dass es einen Sinn ergibt, nicht länger ImKreisHerum marschiert, sondern drauflos galoppiert soweit die Visionen tragen, hoch hinaus! Zwischenschritte überspringen, mittenhinein in den Superlativ und ohne Fußnoten oder Bausparvertrag so oft am RichtigUndPerfekt vorbeischrammen bis die Kratzer abstrakte Kunst ergeben.
WeltenBereisen, die Kündigung einreichen, Ernst machen, ohne sich auf Regelbüchern oder meinen Segen hast du abzustützen, kostet Zutrauen. Jedes Weitermachen, immer wieder Anlauf nehmen und Durchziehen erfordert LangMut. Sie packt die Anarchiekiste aus und beschriftet: 1. Avoid alliteration at all costs. 2. KEINE GROßBUCHSTABEN 3. Eine Taube auf dem Dach ist besser als der Spatz in der Hand 4. Das Leben ist ein Wunschkonzert 5. Auch ohne Fleiß ein Eis 6. Natürlich bin ich eine TraumFrau (m/w), ich erinnere mich nur nicht jeden Morgen daran 7. Gelebte Intention ist friedliche Revolution! Dann legt sie den Nikolausbrief hinein: Lieber Santa, ich war nicht wirklich brav, aber es hat Spaß gemacht! Geschenke besorge ich selbst, no worries. Liebe Grüße!
Sie unterwirft sich keinen VerhaltensVerordnungen mehr, geschriebenen oder ungeschriebenen: Wenn sie der Tod eines geliebten Menschen nicht fast umbringt, wenn sie sich um andere nicht permanent ‚sorgt‘, ‚liebt‘ sie nicht? Nur eine ‚gute Ausbildung‘ bringt einen ‚guten Job‘ ist gleich Geld ist gleich Glück ist gleich Liebe und Freiheit? Massenkonsum schafft Arbeitsplätze, wir leben in einer Demokratie, viele Waffen bringen viel Frieden und Sicherheit? Amen, Ende der Durchsage? Wohin wächst es denn, das Wirtschaftswachstum? Wie schaut echtes Wachstum aus?
Sie sagt nicht Bescheid, taucht unter und wieder auf beim Überraschungsbesuch. Danach weiter zum Turnen, sie übt AusderReihetanzen: trinkt Kaffee mit dem Strohhalm obwohl kein Eis drin ist und das Bier aus der Tasse, die Salatsoße kippt sie über den Reis. In Fachkreisen werden solche und ähnliche ungewöhnliche Verhaltensweisen als eine Unterart der Eigeninitiative gehandelt. Im nächsten Schritt ersetzt sie die hohlen Fragen der BekleidungsPolizei – trägt man das jetzt so? macht das dick? – durch faszinierendere: Lasse ich mir ein Format überstülpen? Engt mich das ein? In welcher Schablone sitze ich fest? Sie entlässt die Hauptverdächtigen Schokolade, Eis und Chips aus der Verantwortung, weil sie herausgefunden hat, was dick macht: Kinder kriegen und die Beleuchtung in Umkleidekabinen! Sie haut auf die Pauke und dann auf den Putz und nimmt sich die Zeit, das WastragenWannWachpersonal aufzuklären, dass dick ein Synonym für voll schlank! ist. Verabschiedet sich vom Gewicht aus GelangweiltGründen, nimmt ihren rechtmäßigen Platz ein und stellt sich weit über jede Skala. Sie überhört den letzten Schrei und trägt in aller Seelenruhe ihre LieblingsHose, die schon immer out war, also zeitlos, vintage! Trägt den Weihnachtspulli an Ostern, outet sich als bekennende Freundin des schlechten Geschmacks und singt, grundlos. Wählt die unpassendste Tasche, feiert die glorreiche Verrücktheit zu hoher Absätze und stakst los, als Unikat. Wacklig, klackernd, dem Glück entgegen, das eventuell sogar böse enden wird, wenn alles gut geht!
Kleidung zeigt ihr in Jahresringen die Kreise auf, die sie geflogen ist. Von der Studentin zur Geschäftsfrau, bis die business lady sich Künstlerschals um den Hals drapiert und buntflatternd den Weg zum Bahnhof antritt. Bis die Künstlerin nicht mehr ohne die Handtasche der anderen aus dem Haus geht, bis knallige Kostümchen Professionalität und Kreativtiät vermengen.
Kleidung ist Verkleidung, Fest der Identitäten, sie streift mit wechselnden Rüstungen neuentdeckte Persönlichkeiten über. Zieht Cowboystiefel die Beine hinauf und treibt Staubwolken vor sich her während sie Kinderwägen durch Pfützen bugsiert. Galloppiert ohne Sattel auf dem Rücken der Gehwege entlang, high heels at high noon schwingen Hüften und bringen die Metamorphose zustande: eben noch Muttertier, jetzt Vamp, das neue Kostüm passt. Haare hochgezurrt, vereinzelte Strähnen baumeln der Freiheit entgegen. Sie setzt ein Lächeln auf wie einen zu großen Hut und blinzelt darunter hervor. Schaltet um von verschmitzt auf geheimnisvoll, im richtigen Moment. Stapft los, in ihre Welt hinein, die an der U-Bahn anfängt und an der Nachbargalaxie noch lange nicht aufhört.
Aufschwingen, aus dem Sattel heben. Stehend über Wurzeln und Steine, holperndes Rasen. In den Wind lehnen auf ihrem Stahlross, Rappen-Schimmel, Vollblut.
Steigen Sie an allen Türen zu, gehen Sie im Wageninneren durch und versperren Sie nicht den Einstieg? Sie weiß, wie der Hase läuft und geht in die Gegenrichtung, immer der Nase nach, am unbeabsichtigten Ende warten die Annalen. Sie wirft den Angelhaken aus, in hohem Bogen, selbst auf die Gefahr hin, dass er sich verheddert, reißt, in Untiefen verleitet. Sie fischt nach Ideen und zieht einen zerfledderten Schuh aus dem Wasser – der hat ihr gerade noch gefehlt! Sie baut ihr eigenes Floß und schippert in selbstgewähltem Tempo einem LebensStandard davon, der mit ihrem Glücksquotienten nicht kompatibel ist.
Es ist an der Zeit, zwei alte Bekannte zu verabschieden: die Diffuse-Scham und das SchlechteGewissen dürfen sie keinen Tag länger in Grund und Boden kritisieren, sie müssen anderswo mäkeln gehen. Du konsumierst zu viel. Du konsumierst falsch. Du konsumierst zu wenig, wir können doch das Bruttobrutalprodukt nicht hängen lassen! Du wirfst zu viel weg. Du wirfst zu wenig weg. – Winkewinke! Sie reduziert den heimlichen Verdacht, dass etwas mit ihr nicht stimmt, dass etwas repariert werden muss, zum faux pas, kann passieren und tschüss. Warum sich selbst beschimpfen, wenn andere Autofahrer das viel besser können?
Revolutionsvorschlag: Rien de rien, je ne regrette rien!
Als Neuzugang auf den britischen Inseln feiert sie die Feste gemäß heimischer Sitten und Gebräuche. Christmas ist ein anderes Wort für Party, ein willkommener Anlass für den liquid lunch, alkoholische Flüssignahrung als Mittagsmahl. Besinnliches KerzenAngezünde mit Tannenzweigdeko hat keinen Platz im englischen Weihnachtskonzept. Die Vorstellung, einen Baum mit Liedern anzusingen, ruft erstauntes Lächeln hervor. Jenseits des Kanals werden die Girlanden bereits Anfang Dezember ausgemottet, Baum gerne aus Plastik, Hauptsache bunt. Weihnachtsrummel auf British geht wie Fasching in deutschen Landen, keine Spur von AdventAdventein-Lichtleinbrennt, die Papphüte ein Kulturschock! Gebundene holly als entfernte Verwandte des Adventskranzes wird nicht bekerzt auf Tischen platziert, sondern an die Eingangstür gehängt. Weihnachtskarten in ungeahnten Stückzahlen sind Bestandteil der Dekoration, trophäenartig aufgereiht oder an durchs Zimmer gespannte Schnüre gepinnt, je mehr desto besser. Boten aus aller Welt we’re thinking of you!
Die, die nie ausgezogen sind, um bei den Klischees zu Hause vorbeizuschauen und sie auf ihren Wahrheitsgehalt abzuklopfen, wissen Bescheid. Laut der ZurückGebliebenen ist die Insel eine Nebelsuppe im Dauerregen. Sie vermeldet Niederschlagsmengen wie zu Hause, den oft beschworenen fog erlebt sie selten. Und doch ist er anders, der fremde Regen, der Himmel immer irgendwo blau. Every cloud has a silver lining. Das Wetter schlägt um von einem AugenBlick zum anderen, Wolkenkino, blaugrauweißes Farbenspiel. Die gräßliche englische Küche entpuppt sich als Köstliches aus aller Welt, sobald dazugehörige Viertel ausfindig gemacht sind. Kaffebars manövrieren die tea time ins Abseits, das globale Dorf mit seinen Ketten ist auch in abgelegene high streets vorgerückt. Als Lebkuchen und Bratwürstchen in Supermärkte einziehen, kann sie sich ein vermisstes Stück Heimat einverleiben, beglückt die Lippen lecken und weiter wegbleiben.
Vertickende Jahre sind Verbündete beim SichAussöhnen, gestatten ein Stolzsein darauf, was sie hinter sich gelassen hat und dadurch geworden ist. We are what we have lost. Unbeschilderte Wege entlang, mit Leib und Seele in die schillernde Pracht eines LebensMosaiks: Erwachsen, Kind, JugendlicheTanteTote? Sie fügt sich in erwartungsvoller Neugier in jede Inkarnation ein, packt viele Leben in das eine, die Sammlung wächst.
Sie hängt eine neue Maske dazu, die Schreibende ist gerade fertig geworden. Die Ausgewandert- ist zur BewandertMaske gereift, die Mädchenmaske zur Unkenntlichkeit verwittert, die Frauenmaske von feinen Linien durchzogen. Die Künstlermaske sieht mitgenommen aus, in Auflösung begriffen. Tochter- und Muttermaske sind mit dem Gesicht verwachsen.
Unwiderbringliche, nicht-existente, oh du liebe Zeit!
Das Normal?-Joch: Alles Ansichtssache
Wer hätte das gedacht, global ums Eck und so viel Kulturelles querverschoben? Der Flug über den Teich als Sprung in eine Welt, in der Telefone und Sirenen in ungewohnten Frequenzen erklingen, wo Busse zweistöckig daherkommen, knallrot sind und sich nicht um Fahrpläne scheren. Erst kommt ewig keiner, dann drei auf einmal, as a rule. Das FrageSprichwort ist auf Karten gedruckt why do buses come in threes? Nachtbusse lassen sie im Regen stehen bis sie lernt, dass Fuchteln und Hopsen sie zum Halten bewegt. Request stop. Autos kommen auf der falschen Straßenseite daher und machen jede Überquerung zum Abenteuer. Es ist erlaubt, Aufzählungen mit Ich großgeschrieben anzufangen und Geburtstage vorzufeiern. Das Händeschütteln ist auf Britisch nur beim ersten oder letzten Treffen erlaubt. Inselansässige sind stolz auf ihre pfundige Währung und betrachteten sich eher als zweiundfünfzigsten Staat der USA anstatt zum Kontinent gehörig. Mag die Landkarte das United Kingdom als Teil Europas ausweisen, die Inselmentalität ist stärker: I’m going to Europe ist stehender Ausdruck bei einer Reise auf‘s Festland. Schulklassen sind nicht alphabetisch durchnummeriert, sondern nach Namen der Klassenleitung bezeichnet, die beste Note heißt Doppel A, die schlechteste F für fail. Versagen ist erlaubt, aber niemand fällt je durch, ihre neue Lieblingsmetapher. Two beer hilft im Pub nicht weiter, sie muss Marken beim Namen nennen, nie das please, cheers und thanks a lot! vergessen und aufhören, als Beifahrerin auf der Fahrerseite einzusteigen.
Teebeutel haben weder Fäden noch Schildchen, sie dem Wasser zu entreißen bedeutet zum Löffel greifen oder Finger verbrühen. ‚Schwarztee’ gibt es nicht, nur hochspezialisierte Sorten, verwechseln auf eigene Gefahr. Als sie im ersten Kantinenjob einer Kundin Earl Grey statt English Breakfast serviert, bringt diese ihre Tasse entrüstet zurück. Andere Teefehler: zuerst Wasser eingießen und dann die Milch, das ist ebenfalls verboten – außer bei den Iren, Anhänger des ZuerstWasser-Lagers. Die Briten genießen ihre cuppa mit dem weißen Saft der Kuh, nicht mit dem sauren der Zitrone. Sie kippen Essig über Pommes, die sie chips nennen und Essig und Salz über salt and vinegar crisps. Ehemals feine Nachspeisen werden mit gelblichem Süßschleim übergossen, sie lernt to request politely: no custard please! Wieder eine essentielle Lebenskunst dazuerworben: ask for what you want.
Revolutionsvorschlag: change orders
Sie hat mit dem Spracherwerb alle Hände voll zu tun, aber der Broterwerb bittet ebenfalls um Aufmerksamkeit. Bei der Lektüre der Stellenanzeigen wundert sie sich, warum so oft unspezifisch nach einem chef gesucht wird? Die ersten Jobs sind wild. Putzen! Sie entdeckt den Aushang im Fenster des news agents, wählt die Nummer und steht im Morgengrauen am Treffpunkt. Alle improvisierten Reinigungskräfte in ein black cab gestapelt und ab zur Villa. Sie schrubbt, poliert oben, innen, außen und zieht den Hut vor Staub als dem ultimativen Pionier. Die schwergewichtige Chefin steht barfuß in der Wanne und braust, bis die letzten Fliesen den Widerstand aufgeben und zu glänzen beginnen.
Next: Temping im Privatkrankenhaus. Sie kann die Teppichböden nicht fassen und die Tatsache, dass alle Patienten eine eigene Krankenschwester haben. Ein chef bereitet Fünf-Gänge-Menüs nach Wahl, sie trägt Tabletts zur richtigen Zeit ins richtige Zimmer und lässt sich von der Zeitarbeitsfirma nicht zurückschicken. Der Mindestlohn ist noch nicht eingeführt, die Agentur kassiert mehr als die Hälfte ihrer Vergütung, wie viel zurückbehalten wird weiß sie nicht. Sie ist Migrantin, dankbar für Arbeit, für den Ausflug in ein Leben, das sie so zu Hause nicht mehr angetreten hätte. Reiht sich ein unter Menschen aus aller Welt, die in dieser Stadt gelandet sind, um ihr Glück zu machen. Um Miete, Essen, Fahrkarte und gelegentliche Vergnügungen finanzierbar zu halten.
Nächstes Abenteuer: Tabletts abräumen in der Cafeteria des Nobelkaufhauses, in der sie sich nach zwei Stunden Arbeit Kaffee und Kuchen leisten kann. Für Aushilfsjobs im Büro ist noch früheres Aufstehen angesagt, die offices wechseln allmorgendlich, Verlaufen im Dunkeln, Fragen, Umkehren kostet Zeit. Ein proper job muss her, mit stundenweisem Tippen oder Tellerwaschen kann sie sich das Leben mit der Neuen langfristig nicht leisten. Was tut man nicht alles für die Geliebte, selbst wenn sie eine Stadt ist. Sie kramt Schriftstücke hervor, auf denen Abschlüsse vermerkt sind, die sie vergessen wollte. Germanistik für Lehramt Gymnasium ist nicht Deutsch als Fremdsprache, aber solche Feinheiten müssen jetzt verschwiegen werden. Sie ruft eine Freundin in Deutschland an und borgt sich deren Erfahrungsberichte aus dem DaF-Universum. Stülpt sie sich über und verliert den Halt zwischen ihren Luftschlössern. Sie sitzen nicht wie angegossen, aber in zu groß ausgefallenen Lebensentwürfen hat sie mehr Spielraum. No risk no fun. Sie recherchiert die feine englische Art des CV, improvisiert mit der nur als Rohstoff tauglichen deutschen Version und krempelt ihre Biografie um. Verkehrtherum schreibt sich das auf der Insel, chronologisch von heute nach früher. Keine Zeugnisse, Referenzen sind in der Form von Telefonnummern gefragt, um der Geduld des Papiers gegebenenfalls Löcher in den Bauch zu fragen. Ihr Leben liest sich anders in NichtDeutschland, statt: Studium in Rekordzeit mit Top Ergebnis abgeschlossen – that old und nichts außer studiert bisher? Die erforderliche experience drängt sie dem Papier auf, als klar wird, dass es ohne dieses Schlüsselwort keine Einladung zum Bewerbungsgespräch geben wird, ever.
Ihr neuer Lebenslauf trägt die Überschrift German Tutor. Im Format der one-on-one tuition gilt es einen anfänglich interessierten Erwachsenen des Deutschen zu belehren. Der Enthusiasmus der Angestellten verfliegt, wenn es mit Buchaufklappen und Nachsprechen ungewohnter Laute nicht getan ist. Was als Abwechslung von der Schreibtischroutine angedacht war, artet in Arbeit aus! In Sisyphusarbeit, wenn das Buch nur einmal wöchentlich auf- und zugeklappt wird, allen besten Vorsätzen zum Trotz. Wenn ihre Schützlinge auf Geschäftsreise in deutschen Landen herzklopfend ein GutenTag? auspacken, werden sie am Akzent überführt und mit einer Antwort auf Englisch entmutigt.
Die erste Generation ihrer students muss sich mit zweifelhaften Erklärungen begnügen, erst später kann sie begründen, warum es ich bin gefahren, aber ich habe gegessen heißt. Verben, die Bewegung ausdrücken oder einen change of state (sterben, wachsen, auftauen) bilden die Vergangenheitsform mit sein, der Rest mit haben, wer hätte das gedacht? Das Englische schert alle Lernenden über einen Kamm und bezeichnet sie pauschal als students, sogar die, die nur für’s Leben lernen. Die auf der Uni heißen undergraduates. Sie versucht, das für sich zu entwirren und dann ihren students zu erklären, dass in German Schüler keine Studenten sind. Sie lernt die false friends kennen: Worte die ähnlich klingen, aber andere Bedeutungen haben. Could I become some water? Unfreiwillige Komikerin war nie Berufswunsch, but hey lachen ist gesund, vielleicht bildet sie sich das mit dem AusgelachtWerden nur ein?
Der neue Job ist Lizenz zum Eintauchen in die Sprachenunterwelt, sie kriecht Satzkonstruktionen in den Bauch und leuchtet sie von innen aus. Das Deutsche bringt Begriffe in die Werkstatt, nimmt auseinander, setzt neu zusammen. Aus schreiben und Tisch macht die WortSchmiede den Schreibtisch, der Donaudampfschifffahrtskapitänsmützenknopf ist stolz präsentiertes Paradebeispiel charmanter Stapelfreude. Das Englische kann mit writing tables nichts anfangen und erfindet neue Vokabeln: desk. Die Macht der Buchstaben, einer stellt sich um, gesellt sich dazu, macht sich aus dem Staub: aus Mienen werden Minen, aus der Biene Beine. Eine verdrehte Buchstabenkombi kann alles urinieren. Sie entgeht ihnen nicht, den verführerischen Worten und ihren Fangnetzen, beyond hat es ihr angetan. Im Bewerbungsgespräch nach Gehaltswünschen gefragt, wirft sie gekonnt das wohlklingende not beyond ein. Auf dem Heimweg fällt ihr auf, dass sie damit das Gegenteil ihrer Wünsche geäußert hat: nicht mehr als zehn Pfund pro Stunde? Sie braucht mindestens zehn! Da der Rest des Gesprächs so weit grammatikalisch korrekt verläuft, wundert sich die Personalfrau über die seltsame Bescheidenheit, fragt aber nicht direkt nach, of course. Direktes Hineinfragen in ein Gegenüber gibt es im Land der respektvollen Verhaltenheit nur in Extremsituationen, also nie.
Die Freunde sind alle zu Hause geblieben, wie ohne sie überleben? Am besten neue finden oder besser gesagt machen make friends, dafür machen Briten keine Fotos, sondern nehmen sie take a picture. Nehmen sich dagegen keine Zeit, sondern machen sie wiederum, make time – anyway. Sie muss Freundeskreise gegen Zufallsbekanntschaften eintauschen und mit NächstBesten ins Kino gehen. Als sie der Einsamkeit zu erliegen beginnt, tritt sie in ihr Leben, Traumfrau und nächste beste Freundin: Frank, braunes Haar im ExtremkurzPony, den sie auf charmanteste Weise zurechtzuzupfen versteht. Sie lacht und raucht und lässt die Sonne aufgehen but sorry no, sie hat keine Zeit nächstes Wochenende, übernächstes auch nicht terribly busy I’m afraid! Die Liebe auf den ersten Blick ist verkehrt in ihrer Einseitigkeit. Sie hört auf zu fragen, verletzt von der Abfuhr, pfeift Hände zurück, die sich in Kurzhaar verirren wollen, in feingliedrige Finger verhaken. In ihrer neuen Welt erlaubt sie sich, die Schönheit von Frauen zu sehen, obwohl sie selbst eine ist. Vergisst, warum sie das nicht leben darf und verliebt sich in Entzückende, swinging both ways. Wacht auf neben einer Herzensdame, die gute Freundin bleiben möchte und versucht sich nicht verloren zu gehen in Akzent und Ablehnung. So akzeptieren Sie sich selbst! So nehmen Sie 12 Kilo in 4 Wochen ab! Die leckersten Tortenrezepte! In 28 Tagen zum Traum Body! Sie nippt am Getränk und blättert sich durch ihre HochglanzDosis Schizophrenie. Die Zeitschrift ist ein vertrautes Format, auch in der anderen Sprache. Die Vorher-Nachher Fotostrecke, praktische Ratgeber So verstehen Sie Männer, Frauen, Teenager und sich selbst. Nützliche Tips und Tricks, wie sie alles noch besser machen könnte und zur Abrundung WasLeichtes: echte Probleme von echten Lesern. Hilfe, mein Internet ist kaputt, ich kann mein Essen nicht posten! Bringen Fotos von Kindern oder Katzen mehr Likes? Mein Sohn isst seine Schokolade nicht auf, bin ich eine schlechte Mutter? Ehe sie sich’s versieht haben sich die Psychotests von Seite 128 Wie normal sind Sie? und 182 Ist das noch normal? verselbstständigt und im Gemüt eingenistet. Dabei ist normal nicht mehr als ein Mythos, von Gesellschaften in mühevoller Kleinarbeit zurechtgezimmert und alle paar Jahrzehnte rekonstruiert. Normal ist ein Chamäleon, das sich Gepflogenheiten anpasst, über den Sprachgebrauch in Köpfe und Herzen einschleicht, um sich dann erneut bis zur Unkenntlichkeit zu verwandeln. Der einzige trendunabhängige und daher zuverlässige Maßstab kommt aus dem Herzen: Was fühlt sich richtig an? Definitionen lösen sich auf, sobald sie nicht mehr aufrechtErhalten werden, wie alle künstlichen Begrenzungen. Sie muss den Kleinen ‚Homosexualität‘ erklären? Diese unglaublich schwierige, komplizierte und traumatische Erfahrung verläuft so: ‚Warum geht Onkel Peter überall mit Michael hin? – Weil sie sich liebhaben wie Mama und Papa. – Ok, kann ich einen Keks haben?‘ Alle Beteiligten gezeichnet für’s Leben!
Revolutionsvorschlag: Für mich soll’s rote Rosen regnen, mir sollten sämtliche Wunder begegnen!
Sie macht es so, andere machen es anders. Diese anarchistischnihilistische Relativierung aller Grundwerte und Traditionen heißt Toleranz. Niemand muss mitspielen, alle dürfen weiterhin ihre Lieblings-Grabenkämpfe ausfechten, aber sie hat sich von Grundsatzdiskussionen verabschiedet. Wo und ab wann darf in ländlichen Gegenden Weihnachtsbeleuchtung an Grünpflanzen und Außenfassaden angebracht werden? Hitzige Diskussionen liefern gute Unterhaltung, die Parteien lassen sich nicht einmal durch den Generationenkonflikt in ordentliche Lager trennen! Auch wenn keine Einigung erzielt wird, hat sich doch ein praktisches Kennzeichnungssystem herauskristallisiert: Sobald die Heiligen amerikanische Verhältnisse in Vorgarten oder Fensterrahmen ausmachen, können sie VomRechtenWegAbgekommene für unsachgemäße Handhabung der Winterbeleuchtung brandmarken. Heidenerkennung leichtgemacht, kein Schaden ohne Nutzen!
Sie legt Messlatten zum Alteisen und spielt statt RichtigFalsch-Markieren lieber NachdenSternengreifen. Das Glück der Erde? Pläne umschnitzen. Heimlich verehren. Erinnerungsperlen an Ketten aufreihen. Ideen einstampfen. Sich durchringen. Frivol! probieren, UnhandlichSein erlernen. GewinnBringendes verscherzen oder hinzufügen. Gras darüber wuchern lassen. Sich das jetzt gönnen, obwohl es nichts kostet. Die Anmeldung unverbindlich machen, mit dem Glück Eislaufen gehen. Flattern. Sich an den Perlen der Erinnerungskette erfreuen. Die Wolken die Wolken! Hinschlagen. Monde anheulen. Sich etwas hinter die Ohren schreiben, dann ausradieren. Die Grenzen des guten Geschmacks erweitern. Schachtelsätze in Dosen für einen guten Zweck versteigern.
Paranormal ist normal? Zu viel ist immer noch zu wenig? Wie fühlt sich genug an? Sie übt sich im Entscheidungen erspüren. Sie muss sich nur solange an guidelines entlanghangeln wie der Zugang zur inneren Weisheit verschüttet ist. Termine einhalten, Auflagen erfüllen, Richtlinien folgen, mit dem Stoff durchkommen – wer hat noch nicht, wer will nicht mehr? Mit leisen Gedanken Parolen übertönen geht, einfach Herzgegenden großflächig absperren und den bewertungsfreien Raum ausrufen. Goldene Regeln für Straßen- und Geschlechtsverkehr sind vielseitig verwendbar: Sie kann sie befolgen, in den Wind schlagen, wegwerfen, aufbewahren oder anbeißen. Auf der Zielgeraden des Tagesablaufs gibt es keinen Experten so unabhängig, so weise, so erfahren wie sie selbst. Sie läßt Damoklesschwerter baumeln, schert aus, höhlt Freiräume aus, spielt hinterfragen wagen: Ist normal eine Illusion, die es noch nie gab, die jedoch gerne als Synonym für so wie ich/wie sich das gehört? verwendet wird? Was normal für eine Spinne ist, ist Chaos für die Fliege. Wie auf dem Schild vor einem Londoner Pub: No Hipsters! TrendSklaven unerwünscht! Kommt hier nicht herein, mit euren haarigen Gesichtern, veganen Ernährungsgewohnheiten, euren winzigen Füßen und Betten aus Sägespänen. Oh sorry, hang on – hamster? No hamsters!
Sie lässt die BedenkenTräger ihre Last alleine weiterschleppen und geht auf Entdeckungsreise ins Paralleluniversum zwei Haltestellen weiter, wo sich unbekannte Lebensformen in Feuchtbiotopen, Kellerabteilen und Lagerhallen zusammenscharen: Ballerinas, Leseratten, Modelleisenbahner, Autobastler, Channeller, Ausstellungsbesichtiger, Pferdenarren, Wunderheiler, Cellopunks, Büchermenschen, Blechbläser, MusikLiebhaber, Pauschalreisende, Hacker, Altrocker, Kegler, Schachmeister, Botaniker, Biker, Blogger, Stricker und Häkler, Chormitglieder, Tüftler, Taucher, Berufsjugendliche, Gameboys, Cowgirls, Coder und Zocker treiben ihre jeweiligen Unwesen. In der Welt der Ballsportfanatiker ist ein Interview im Gange: „Sie haben heute alles gegeben, die ganze Mannschaft hat hervorragenden Sport gemacht, leider hat es nicht gereicht! Was waren die Gründe für die Niederlage? – Wir taten unser Bestes und erzielten viele Tore, aber die andere Mannschaft tat ebenfalls ihr Bestes und machte am Ende mehr Tore als wir. – Was ist Ihre Strategie für das nächste Spiel? – Die Gegenmannschaft muss daran gehindert werden, Tore zu erzielen, wohingegen wir selbst versuchen werden, möglichst viele zu machen! – Herzlichen Dank für diese Expertenanalyse, nun zurück ins Studio zur weiteren Berichterstattung!“ Nebenan im Musikuniversum sind Diskussionen über Komponisten, Coverdesigns und Neuerscheinungen im Gange. Jede LieblingsGalaxie darf ihr FachChinesisch selberbrauen, alle dürfen sich eine Partei, Religion oder ein anderes Hobby aussuchen und an Sport, Kunst, Literatur, Musik oder einen erneuten Untergang des Abendlandes glauben – Unermessliches soweit die Messgeräte reichen! Wie von Angesicht zu Angesicht mit schwarzen Löchern, Nebulas, Supernova Explosionen, Asteroiden, Magnetfeldern, Kometen, Sternenwelten – das Paradigma auf einen winzigen Globus einschrumpfen? Wo es Sonnensysteme zu bestaunen gäbe, Sternentore – Imagine!
Ein Blick ins Fotoalbum des Kosmos lädt ein in die Unwahrscheinlichkeitsrechnung. Obenunten, linksrechts, kleingroß, schwarzweiß, möglichunmöglich verliert für Kosmonauten an Bedeutung.
Let’s go cosmic.
Galaxy Quest.
Das Spiritualitäts-Joch: Ablass heißt jetzt Karma Cleanse
Die Weltreligionen begegnen ihr in London auf der Straße, tragen Turban, weite Gewänder, Hüte oder Käppchen. Trotz unterschiedlicher Dresscodes haben die Kernaussagen einiges gemeinsam. Taoismus: Sachen gibt’s. Hare Krishna: Hare hare ding dong, Saachen giiibt’s! Hinduismus: Sachen gibt’s, die gab’s schon vorher einmal. Buddhismus: Sachen gibt’s, aber ist das schlimm? Katholizismus: Sachen gibt’s – und ich bin schuld! Protestantismus: Sachen gibt’s, aber das bekommen wir hin, wenn ich mehr arbeite! Islam: Sachen gibt’s, nehmt vorsichtshalber eine Geisel. Rastafarianismus: Sachen gibt’s? Lasst uns erstmal eine rauchen. Zeugen Jehovas: Klingel, klopf klopf: Sachen gibt’s! Im Rahmen der internationalen Völkerverständigung hat sie Zen Buddhismus kürzlich in einen bayerischen Dreisatz übersetzt: East deama amoi nix. Dann miaßma moi schaugn. Dann weama‘s scho seng.
Trotz aller Toleranzvorschriften spielen Religionen gerne mit Ge- und Verboten, in denen sie vorschlagen was zu tun, unterlassen, denken, verdrängen, essen, fühlen und anzuziehen ist. Bei manchen Sekten heißen die Oberhäupter Guru, bei anderen Buddha, Papst, Steiner, Bundestrainer oder Vorstandsvorsitzender. Mitglieder der BackwahnSekte sind vor allem in der Vorweihnachtszeit aktiv. Glaubensgemeinschaften organisieren nicht nur Rituale, sondern auch Gruppenstunden, Fußballturniere, Morgentreffs, Benefizkonzerte, Meditationszirkel, Weltmeisterschaften, Chorwochenenden, Einkehrtage, Bazare und Zeltlager – und das alles für einen guten Zweck! Die Kirche erreicht nicht mehr alle Menschen mit ihrer frohen Hiobsbotschaft du bist ein geliebtes Wesen, nur noch nicht gut genug. Deshalb hat sie sich Verstärkung geholt bei ihrer Consultant Spiritualität. Die schließt Frauen nicht prinzipiell von Spitzenpositionen aus und geht mit der Zeit. Sie übersetzt angestaubte Dogmen auf NeuDeutschEnglisch, gießt alten Wein in neue Schläuche und updatet die Regelkataloge. Eines ihrer erfolgreichsten ReBrandings war die Ausweitung des WürdigSeinMüssens auf die Finanzwelt. Mensch muss jetzt KreditWürdigkeit nachweisen, der Wucherzins wurde in Platinum-Kreditkarte umgetauft und lässt sich nicht mehr durch Bittgottesdienste in Ordnung bringen. Den Rosenkranz kauft der Religion kaum mehr jemand ab, also wurde er als zeitgemäßer TrendZwang wiedergeboren, nicht im Himmel, sondern schon auf Erden. ‚Hast du heute schon meditiert!?‘ fragt die Spiritualität mit gespielter Toleranz. Das Ego hat sich trotz aller AnnullierungsRatgeberlektüre durch die Hintertür wieder eingeschlichen und schwurbelt seine höherschnellerachtsamerhauptsachebesser!als-Leier.
Auf dem Weg zur sagenumwobenen Spiritualität stolpert sie in niedliche selbstgehäkelte Fallen: Ich sollte! Täglich! Mindestens! 15/45/95 Minuten so sitzen, knien, achtsam atmen. Rücken gerade! Entspannen! Nicht verkrampfen! Lächeln! Zum Burn Out fehlt nicht mehr viel, da kommt die Spiritualität daher und halst ihr die nächste Fleißaufgabe auf: Das Ego transzendieren muss man, sagt sie. Sonst ist Mensch offiziell unerleuchtet und muss Fragen an Experten stellen? Das gute alte Ego ist ein Wesensanteil, der die Reise von Montag nach Samstag strukturiert, da kann es doch nichts dafür. Das Ego und der Rest vom Erdling: eine Symbiose, die sich sehen lassen kann! Alle Persönlichkeitsaspekte dürfen mal Solo singen, sogar nervige Perfektionisten und innere Kritiker, erst der ganze wunderbar schizophrene Chor macht die Musik. Die klare Grenze zwischen dem ganz normalen Wahnsinn und dem wahnsinnigen Wahnsinn ist auch nicht mehr das, was sie mal war. Alles Einzelne ist eine Vielzahl, der Globus Exil für AndersArtige, einige Billionen davon in Menschengestalt. Ohne Stimmen aus Kopf und Herz ist das Leben eintönig!
Erleuchtung ansteuern geht mit gefalteten Händen oder gekreuzten Beinen in Bodennähe, sie macht’s per Sesselsitzen. Weitere Zutaten: ein Fenster zum Hinausstarren, gedankenVerlorenes Sinnieren, Il silentio.
Die Menschen wollen nicht mehr in Beichtstühlen sitzen und den Stellvertretern Gottes ihre Sünden aufzählen? Schuld und Sühne geht auch anders: Der hippe Karma Clearing Kurs kostet in etwa so viel, wie im Mittelalter direkt als Ablass zu berappen war. Bringen Sie Ihr Leben in Ordnung, mit diesem SiebenSchritteProgramm! Was, wenn schon alles in Ordnung ist, kein Karma abzutragen, keinerlei Erbsünden zu vergeben? Wenn sie nicht mehr mitmacht beim Angeblich-nie-gut-genug-Sein? Sich nicht mehr aus der Mitte reißen lässt, sondern Ausbaufähiges als Entwicklungspotenzial definiert und unglücklich machende Ambitionen zu Grabe trägt? Eigenlob riecht gut. Sogar bei den Volksreligionen Balljagd und FernSehen können bleibende Einsichten und positive Auswirkungen nicht ausgeschlossen werden.
Revolutionsvorschlag: Selbst die Präsenz mag es nicht, wenn sie als Zwang vermarktet wird.
Sie nutzt die Aufgeschlossenheit ihrer neuen Heimatstadt und schaut in einer spiritualist church vorbei. Setzt sich in die hinterste Bank und darf mitansehen, wie MenschenMedien Botschaften der Verstorbenen an Hinterbliebene überbringen – jedes Ende ist ein Anfang. Das revolutionäre Ergebnis ihrer jahrzehntelangen Recherchen und Selbstversuche: alles überraschend unkompliziert, Kursgebühren und Anweisungen sanfter Stimmen optional. SichVergessen passiert beim Staubsaugen, jede Werk-Tätigkeit kann das UmsichselbstKreisen auflösen, Augenblicke lang, ganz ohne HaltungsvorschriftsEmpfehlungen. Sie verlegt den Himalaja in die Wohnung, erklärt das Sofa zum Luftkurort, Bingo. Ehe sie sich‘s versieht, gerät sie beim Wäschefalten in KontemplationsGegenden, rutscht ab in Dankbarkeitsorgien, lässt Blicke schweifen, denen nichts entgeht: dass sie Kleidungsstücke besitzt und einen Körper, der sie in die Welt hinausträgt. Dass ihre Welt so weit reicht, wie sie es zulässt. Sie lauscht den Geschichten, die Socken erzählen, Fäustlinge, Sommershorts und Sporttrikots. Wie Spiritualität und Leben auseinander dividieren: jetzt bin ich eineinhalb Stunden lang spirituell und dann lebe ich wieder?
Hinhören, was das Leben parat hat, hinsehen, was sich vor Augen abspielt, abgleiten in Lieblingsbilder, Eindrücke im Kopf zusammenkramen. Channelling geht ohne Kristall und schummriges Licht: Sinne entriegeln, Unbekanntes an sich heranlassen. Channeln ist jeder GlühbirnenMoment, in der Wanne, am See oder an anderen stillen Örtchen kommen als Ideen verkleidete Durchgaben. Wasser ist ein hervorragender GedankenblitzAbleiter, Bindemittel zwischen FrequenzWelten.
Sie hat die Kündigung eingereicht, sich von lieben Göttern der Gute-NachtGeschichten verabschiedet, ausgeklinkt aus Überliefertem; angefeuert von der Sehnsucht nach einem metaphysischen Alternativmodell ohne Hierarchien, denen sie nachbeten muss. Sie flattert durch Weltbilder, lässt sich auf den einladensten nieder für ein Weilchen, bis das nächste lockt. Blättert durch aktuell lieferbare Glaubenssysteme auf der Suche nach einem spirituellen Zuhause, nirgendwo findet sich das erhoffte mentale Fertighaus, maßgeschneidert auf ihre Bedürfnisse. Kein vorgefertigtes Nest, in das sich die suchende Seele einnisten könnte: akzeptieren, überstülpen, Licht aus, ewige Ruhe in Kopf und Herz, Om, Hosiannah? Sie bleibt Wanderer zwischen den Welten. Ein Puzzleteil, das sich nirgendwo für immer einfügen will, weil es sich einer ständigen Metamorphose unterzieht, aus freien Stücken. Ihre Heimat ist das Suchende-Entdecken. Die Weltsicht von Hand gezogen, von Natur aus durchlässig, wie in der Geografie: Direkt unter der politisch-menschengemachten liegt eine natürliche Landkarte, die sich nicht um Flaggen schert und weiß, dass jede Grenze in Wirklichkeit eine Wiese ist, eine Wüste oder Waldlichtung.
Neuland lässt sich gerne versehentlich entdecken, im gleichen Zimmer, im nächsten Atemzug? Jeder Mensch ist wireless, die Verbindung steht. AnRufe aus Nebenfrequenzen durchstellen und Eingebungen durchsickern lassen: ‚Mir kam diese Idee; das geht mir nicht mehr aus dem Kopf; ich wusste es einfach.’
Sie vereinbart einen Termin bei einer ChannelFrau, die ihre Intuition bereits zu WLAN ausgebaut hat und Nachrichten inspirierender Wesenheiten durchgibt. Sie sitzen sich gegenüber, in ein anregendes Gespräch verwickelt mit Gestaltlosen, für die das Medium ihre Stimme zur Verfügung stellt. Die Inspiration ist überirdisch. Everyone has a different flavour. Jenseitskontaktmedien sind allen imaginary friends eine große Stütze, sie sind Brücken zwischen FrequenzWelten, übermitteln Botschaften von Verstorbenen und anderen quicklebendigen Wesenheiten. Jedes Antlitz im Diesseits ein Interface ins Jenseits.
Herr ich bin nicht würdig, dass Du eingehest unter mein Dach? Draußen in der GroßenFreiheit gibt es keine GebetsVorlagen zum Festhalten, da heißt es Prioritäten selberbasteln und alleine entscheiden, was moralisch oder unmoralisch ist. Eine schwere Aufgabe. Woher die Zeit nehmen? Glücklicherweise ist auch hier die Arbeitsteilung eine Lösung: die internationalen Verbrecherorganisationen erledigen das mit der Steuerhinterziehung, sie macht den Abwasch. So haben alle etwas zu tun und niemand ist überfordert. Delegieren ist nicht einfach, vor allem, wenn sie die Sache selbst im Handumdrehen um Klassen besser erledigt hätte, als Mitmenschen, die ihre Assistenzgesuche erfolgreich ignorieren! Kinder, Heranwachsende, Teenager, Mitarbeiter und Alle-Anderen erweisen sich oft als delegationsresistent. Doch das Servicepersonal steht ihr jederzeit gerne zur Verfügung und auch Maschinen helfen widerstandlos. Sie wendet sich mit dem Abwasch an die Spülmaschine, bringt die Wäsche in die Reinigung und rückt der Freiheit auf die Pelle. Stellt sich den coffee to go selbst zusammen und den Glauben auch und sagt: Ich habe die gleiche Religion wie der Baum da drüben. Es gibt auch eine große Auswahl an FertigReligionen, über Jahrtausende gereift und verfeinert. Alle dürfen in Selbstbedienung auswählen und zugreifen, danach entweder glücklich bis ans Lebensende oder Deko und Überzeugung gelegentlich gegen fernöstlich Angehauchtes tauschen. Wenn Eltern oder andere Kontrollinstanzen zu Besuch kommen, geht das mit dem Umräumen ganz schnell. Kompliziert wird es erst, wenn mit Bezug auf heilige Schriften Meinungen bewiesen werden, schwarz auf weiß. Denn alle ihre Anhänger haben eine Gemeinsamkeit: Sie befinden sich im alleinigen Besitz der absoluten Wahrheit und besten Mannschaft! Meinungsverschiedenheiten der Wahrheitspächter schauen im Comic so aus: Eine Frau in Bikini und Sonnenbrille und eine tief verschleierte Frau gehen aneinander vorüber. In den Denkblasen ist zu lesen: ‚Alles bedeckt außer ihren Augen. Was für eine grausame, männerdominierte Kultur! – Nichts bedeckt außer ihren Augen. Was für eine grausame, männerdominierte Kultur!‘ Realität ist relativ zum Standpunkt der Betrachter und daher selten übertragbar. Dass Mensch etwas wird, indem ErSieEsWirIhrSie regelmäßig den gleichen Ort aufsuchen (gebildet – Schule, christlich – Kirche) wurde durch das Auto – Garage Beispiel glaubhaft widerlegt. Sie macht’s so, andere machen’s anders, finden inneren Halt beim Schmökern, Gärtnern, Wandern, bei Hand-Arbeit, Gebet oder Gemüseschnippeln. Die NeuZeit zelebriert die erfrischende Kommunikationskultur, AndersDenkende anders denken zu lassen. Enthaltsame, Unenthaltsame, OftundGernBeter, NieMeditierer, TeilzeitHeilige, Schmaucher, Abstinenzler, Fakire, WahllosGenießer und Asketen werden auf ihre Fasson selig. Gehen auf der Straße aneinander vorbei, trinken ein Tässchen zusammen, auf dem Dorf, in der Millionenstadt, im Billionenplanetarium.
Revolutionsvorschlag: Anderssein hat andere Vorteile!
Auch Atheisten sind gläubige Menschen. Sie nehmen neueste Forschungsergebnisse für bare Münze, ihre HimmelVäter heißen Statistik und Meister Zufall. Die Wissenschaft und der liebe Gott haben mehr gemeinsam als Doppelkonsonanten: sie residieren in heiligen Hallen, sind in Dogmen verheddert, mögen Rituale und hantieren mit Messgeräten. Ursprünglich methods of investigation haben sie sich zu belief systems verwachsen. Dabei lässt sich die gute alte Realität so ungern vermessen und besteht darauf, ein unübersichtlicher Wirrwarr verschiedenster Bewusstseinsebenen zu bleiben und unkooperativerweise nur zu einem geringen Teil aus Messbarem zu bestehen. Die Realität kann nichts dafür, dass sie zurückgestutzt wurde auf die Lichtfrequenz. BewusstseinsEinheiten, units of consciousness, sind auf den Zertrümmerungsmaschinen noch nicht aufgetaucht und daher auf keinem Radar der Ich glaube, was ich messen kann-Welt verzeichnet. Reichhaltiges Anschauungsmaterial für NachbarWelten liefern Quantenphysik, Science fiction, Fantasy, Mystik, NahtodErfahrungsberichte und KinderGeschichten. Sie wissen, was ein PolterGeist ist und wie er sich von einem richtigen Gespenst unterscheidet oder wie dematerialisieren funktioniert. Die Heimatgefilde der GestaltLosen sind eine andere Schwingungsebene, die lose mit 3D verwoben ist. Imaginary is the new real.
The free sample has ended.