Read the book: «Zephyrs Spiele»

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Pressebüro Baden-Baden GmbH 2021
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Lektorat: Gereon Wiesehöfer
Satz und Gestaltung: AQUENSIS Verlag
Pressebüro Baden-Baden GmbH
ISBN 978-3-95457-228-1
eBook: ISBN 978-3-95457-229-8
www.aquensis-verlag.de
Benno Schurr

Zephyrs Spiele
Neues vom Draußenseiter

INHALT
VERMERK
DER SPÄTE ENGEL
VON DER FEIGHEIT
WOHIN
VOTUM FÜR DIE HÖLLE
IM GRAU
GEFRAGT
BLÄTTER
NIEMAND
ICH KOMM NICHT WIEDER
MORGENS
ANGEPISST
SELTSAME KLAGE
BLAUES WEHEN
BLAUES WEHEN
DIE KERZE
WO
VERGLÜHT
WIE DAS LEBEN EBEN SCHAUT
JAHRESRINGE
MEINE RINGE
JUGENDJAHRE
WEINENDES KIND
RÜCKSCHAU
BRUDER UND SCHWESTER
VOM ERINNERN
SCHMERZ UND POESIE
VON DER TRÄNE
VERSUCH
DIE UHR
VOM ZAUBER
RUFEN
MEIN HAUS
DIE FALSCHE
WO IST DIE LIEBE
LIEBESTRAUM
LIPPEN
SCHÄMEN
MORAL
SIE
KLOAKENSPIEL
BAUCH UND URNE
DER GEBROCHENE MANN
EIN ANDERER „HERBSTTAG“
DIE SCHNEISE
MENSCH
ERDE
UNHEIMLICHER PARK
VERWUNSCHENER GARTEN
WOLKENFANTASIE
HERDEN
ZEPHYRS SPIELE
ER
WASSERLAUF
KRÄHENSCHWARM
SCHWARZE VÖGEL
REHE
DER REIHER
REGENMELODIE
REGENTERRASSE
NACH DEM REGEN
LIED AUF DEN SPÄTSOMMER
DER APFELBAUM
HERBSTBILDER
NOVEMBERTAG
ZEIT DES VERFALLS
WINTERBILD
„ODE AN DIE FREUDE“
POESIESTERNE
GUTE NACHT
ANGST
STERNE
UNTERM JASMIN
KLANG DER NOTE
LEERE
KÄLTE
ZEIT DER TRÄNEN
AUS DEM VERLIES
DER KAUZ
REGEN IM GESICHT
UNBESTIMMTES
MITTERNACHTSBILDER
NACHTHIMMEL
ZORN
DER PFAD
LETZTER BLICK
MEINE HAND
IN DER WOLKE
BÄNKE UND FREUNDE
KEINE ANTWORT
VERRAT
DIE LÜCKE
FÜR ARNO S.
VORHANG
EIN GOTTESMANN
ZEIT FÜRS EXEMPEL
DAS DING
ANGEWICHST
VOM ABBILD
LETZTES LÄUTEN
VERMERK

Dass mir da keiner lauert
Wenn ich im Loch versinke
Am Grabe mich bedauert
Mit weißer Nelke winke
Pflegt die Bäuche und die Ehen
Kurz die Alltäglichkeit
Nur Totengräber stehen
In Trauer aus Beruflichkeit
Blieb ja eher doch für mich
Warum sollte sich das kehren
Weil ich grad mal so verblich
Muss das keinen scheren
Lasst mir Gott und Pfaffe weg
Nicht Glockentöne fließen
Einfach in das Loch im Dreck
Runter und verschließen
Ein Furz noch aus dem Untergrund
Auf alles, was gewesen
Nur nicht auf die letzte Stund
Dann will ich verwesen
DER SPÄTE ENGEL

In mein Grab nicht wage
Dich, Engel, zu begeben
Rufen zu jüngstem Tage
Mich und ewigem Leben
Dir werd Gewalt ich tun
Das, Engel, musst du wissen
Im Grabe will ich ruhn
Auf Ewig ist geschissen
Mich lockt kein Paradies
Mit Herrlichkeit besät
Auf Erden hofft’ ich dies
Engel, du kommst zu spät
VON DER FEIGHEIT

Was hält dich am Leben
Feigheit – sei geständig
Dir den Rest zu geben
Jetzt und eigenhändig
Und der Ekel speit
Speit dir ins Gesicht
Du bist nicht bereit
Nein, das bist du nicht
Ja im Sinne, nie getan
Dass bitter Scham aufsteige
Andre gingen dir voran
Und du, du bist zu feige
WOHIN

Dies ist nicht meine Zeit
Ich wollt auch nie dahin
Und die Vergangenheit
Verklärt ein falscher Sinn
Mein ist sie nie gewesen
Die Welt, ich geh von Bord
Ein letztes Glas am Tresen
Dann auf zu bess’rem Ort
Lohnt es hinzustreben
Ein leises Zaudern narrt
Ob nicht gerade eben
Dort größ’res Elend harrt
VOTUM FÜR DIE HÖLLE

Was kann die Hölle sein
Ein Ort für kalte Füße
Gerne fahre ich da ein
Und meine Sünden büße
Was kann die Hölle sein
Ein Ort für Atheisten
Gerne fahre ich da ein
Dort gibt es keine Christen
Was kann die Hölle sein
Ein Ort für Misanthropen
Gerne fahre ich da ein
Die Tore stehen open
Was kann die Hölle sein
Ein Ort für Heuchler nicht
Gerne fahre ich da ein
Wo man die Wahrheit spricht
Was kann die Hölle sein
Ein Ort für Außenseiter
Gerne fahre ich da ein
Die Richtung ist gescheiter
IM GRAU

Im Nebel zu wandern
Seh ich keine andern
Den Tag mir versauen
Hätt’ ich das Sagen
Der Nebel blieb stehen
Schön ist das Grauen
Könnt’ mich rauswagen
An so schönen Tagen
Und niemanden sehen
GEFRAGT

Just durch meine Sinne huscht
Siebzig Jahre sind verpfuscht
So dies Jahr in Stunden endet
Hin sich zu dem neuen wendet
Und wendet dies zum nächsten Jahr
Sich hin, so ist mir jetzt schon klar
Dass dieses dann genauso endet
Einundsiebzig sind verschwendet
Was denkt der Mensch an seinem Ende
Wenn Kälte steigt in alte Hände
Freude, Angst, Gewissensqual
Oder ist es scheißegal
BLÄTTER

Blätter auf dem Grabe
Der Herbst hat sie gestreut
Er hat die geheime Gabe
Der Vergänglichkeit
Es ward verkündet nicht
Mir einstens, dass ich je
Ihr zur traurigen Pflicht
Stumm an Gräbern steh
Einmal auf meinem Grabe
An dem niemand steht
Der Herbst als letzte Gabe
Seine Blätter weht
NIEMAND

Herbst an meinem Grabe
Blätterübersprengt
Niemand, den ich habe
Niemand, der gedenkt
Herbst an meinem Grabe
Blätterübertucht
Niemand, den ich habe
Niemand, der mich sucht
Herbst an meinem Grabe
Blätter hingetrieben
Niemand, den ich habe
Niemand steht geschrieben
ICH KOMM NICHT WIEDER

Bin ich einst tot
Singt frohe Lieder
Seid unbesorgt
Ich komm nicht wieder
Einmal in die Welt getreten
Ist genug, aus meiner Sicht
Und ich habe längst entschieden
Ein Da Capo gibt es nicht
Nicht um alle Glitzerschätze
Noch des Weibes Plauze
Ich hab sie von diesem Mal
Gründlich voll, die Schnauze
Und kommt wer her und sagt
Du musst, so ist es Brauch
So schlag ich ihm die Zähne ein
Und den Schädel auch
MORGENS

Er erwacht im Schweiße
Denkt: Ich bin verrückt
Sieht den Lauf des Tages
Dann hat er abgedrückt
Als er erwachte wieder
Da hat er erkundet
Dass der Schuss nicht saß
Er hat nur verwundet
Wie oft er noch erwacht
Von Schweiße übernetzt
Bis der Lauf des Tages
Seinen Fangschuss setzt
ANGEPISST

Alles pisst mich wieder an
Hebt das Bein zu gelbem Strahl
In der Fresse fault ein Zahn
Wappen fällt, wähl ich die Zahl
Vor den Fenstern lärmt die Welt
Und der Nachbar Wand an Wand
Laterne kalt ins Zimmer hellt
Und was soll, hat keinen Stand
Alle Flaschen sind geleert
Letztes Glas hebt meine Rechte
Böser Alb die Nacht verheert
Auf der Seele wächst die Flechte
SELTSAME KLAGE

Sonderbar geht mir die Brust
Was ist der Marter Trieb
Neide ich etwa, der blieb
Jenem, dass er gehen musst’
Nicht Schlaf erquickt den Sinn
Freude zeigt ihr Lachen nicht
Zeit läuft ohne Zuversicht
Vorbei, vorüber, dahin
Allein es ist nicht nur zu klagen
Da Nebeltage grau sich zeigen
Wenn im Blauen Strahlen steigen
Ist nicht minder dran zu tragen
BLAUES WEHEN
Version 1

Trost, es ist dein blaues Wehen
Das in Sänfte mich umhüllt
Das den Schmerz, der in mir brüllt
Ertragen lässt, vielleicht vergehen
Trost, wie ging es mit mir weiter
Wärst du nicht an meiner Seite
Schlügest deines Umhangs Weite
Nicht um mich, o mein Begleiter
Ob ein letzter Schritt getan
Ob die letzte Tat geschehen
Trost, es ist dein blaues Wehen
Einzig, das es hindern kann
BLAUES WEHEN
Version 2

Trost, wo bleibt dein blaues Wehen
Das in Sänfte mich umhüllt
Das den Schmerz, der in mir brüllt
Ertragen lässt, vielleicht vergehen
Trost, wärst du an meiner Seite
In Treue einmal mir Begleiter
Trost, ich wünschte ja nichts weiter
Als deinen Mantel, der sich breite
DIE KERZE

Erinnerung gelittener Tage
Deine Flamme nährt der Docht
Meines Handelns und die Frage
Hätt’ ich anderes vermocht
Nässt das Auge mein Gesicht
Geht die Marter tief ins Herze
Niederbrennen wir sie nicht
Diese Flamme, diese Kerze
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