Read the book: «Umweltfreundlich saubermachen»
Linda & Axel Waniorek
Umweltfreundlich saubermachen

Wichtiger Hinweis
Die Rezepte und Anleitungen in diesem Buch sind sorgfältig erwogen und geprüft und wurden nach bestem Wissen und Gewissen dargestellt. Alle Angaben in diesem Buch erfolgen ohne Gewährleistung oder Garantie seitens der Autorin oder des Verlages. Autorin bzw. Verlag und seine Beauftragten übernehmen keinerlei Haftung für Schäden irgendwelcher Art, die direkt oder indirekt aus der Anwendung oder Verwendung der Angaben in diesem Buch entstehen.
Komplett überarbeitete und aktualisierte Neuauflage der 1987 bei Edition Schangrila Verlags GmbH, Haldenwang erschienenen Erstausgabe Umweltfreundlich saubermachen – Tipps und Rezepte zum Selbermachen von Reinigungs-, Spül- und Pflegemitteln für den Gebrauch im Haushalt
1. Auflage 2022
© 2021 Windpferd Verlagsgesellschaft mbH, Aitrang
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Umschlaggestaltung: Jennifer Jünemann – bitdifferent
Illustrationen: Meike Haug
Seite 55: AdobeStock/johndory
Lektorat: Eva Wagner
Fachliche Beratung: Dr. Berend Eggers
Layout und Satz: Marx Grafik & ArtWork
ISBN 978-3-86410-323-0
eISBN 978-3-86410-321-6
www.windpferd.de
Inhalt
Reinigungsmittel selbst herstellen – eine wirkliche Alternative
Welche Probleme stecken in herkömmlichen Reinigungsmitteln?
Nicht jeder Bioreiniger ist umweltfreundlich
Schmierseife allein genügt nicht – wir brauchen verschiedene Reiniger
Umdenken für die Umwelt
Die unterschiedlichen Pflegeanforderungen im Haushalt
Garantiebestimmungen von Herstellern
Wasser, unser wichtigstes Reinigungsmittel
Der Kreislauf des Wassers
Wasser ist nicht überall gleich
Härtebestimmung – eine einfache Sache
Wie kommen Sie an weiches Wasser?
Geräte zur Wasserenthärtung
Regenwasser
Wasserenthärtung mit Soda
Kleine Rohstoffkunde
Ätherische Öle
Emulgatoren
Pflanzenöle
Natürliche Wachse
Wo bekommen Sie die Rohstoffe?
Rohstoffe und Zutaten von A bis Z
So messen und wiegen Sie die Rohstoffe und Zutaten richtig ab
So sollte unsere Reinigerküche ausgerüstet sein
Etikettenmuster
Anforderungen an Gefäße und Geräte
Kleines A–Z der Herstellungs-Grundregeln
Sicherer Umgang mit Reinigungsmitteln
Tierversuche für Reinigungsmittel?
Rezepte
Autopflege
Bodenpflege
Teppich- und Teppichbodenpflege
Spülen und scheuern
Edelstahlreinigung
Möbelpflege
Holzpflege
Polsterreinigung
Toiletten- und Abflussreiniger
Entkalken
Glasflächen und Spiegel
Fleckentfernung
Flecken von A–Z
Handwaschpasten
Insektenabwehr
Schuhpflege
Tapeten ablösen
Glossar der wichtigsten Fachbegriffe
Literaturhinweise
Rezeptverzeichnis
Die Autoren
Etiketten zum Kopieren und/oder Ausschneiden
Downloadlink und QR-Code für die Etiketten
Meinem Mann,
der sich mit mir Seite an Seite viele Jahrzehnte für eine umweltfreundlichere Welt engagiert und mich mit seinem Wissen und seinen Ideen ein Leben lang inspiriert hat.
Reinigungsmittel selbst herstellen – eine wirkliche Alternative
Völlig harmlose und absolut umweltverträgliche Reinigungsmittel gibt es nur sehr wenige, ein Beispiel ist unser Wasser. Auch viele biologische und selbst hergestellte Reinigungsmittel erzeugen eine gewisse Umweltbelastung, wenn auch eine oft deutlich geringere als konventionelle Mittel. Sie sollten daher ebenso sparsam verwendet werden. Viele Zutaten jedoch, wie Zitronensäure, Pflanzenöle oder Bienenwachs, sind tatsächlich Naturstoffe und können daher mit gutem Gewissen verwendet werden.
Der Gedanke, Reinigungsmittel selbst herzustellen, ist keinesfalls neu. Auch unsere Vorfahren haben – oft mit einfachen Zutaten – Reinigungsmittel hergestellt, die die Putzarbeiten vereinfachen und hygienischer machen sollten. Natürlich konnten sie nicht auf so viele verschiedene im Handel erhältliche Reinigungsprodukte zurückgreifen, wie das heute möglich ist. Schmierseife, Soda und Sand waren nicht die einzigen Rohstoffe, mit denen damals gereinigt wurde bzw. aus denen Reinigungsmittel selbst hergestellt wurden. Zum Fensterputzen wurde genauso selbstverständlich Spiritus verwendet wie Essig zum Spülen empfindlicher Wollsachen. In alten Büchern über Haushaltsführung, aber auch in Romanen aus dieser Zeit kann man häufig Anregungen und Tipps für die Hausarbeit finden.
Heute wissen wir, dass nicht alle Stoffe, die damals eingesetzt wurden, Mensch und Umwelt gleichermaßen zuträglich sind. Wäsche wurde teilweise mit Natriumhypochlorid (Chlorbleichlauge) gebleicht. Wer also in der besten Absicht, die Umwelt so wenig wie möglich zu belasten und sich vor gesundheitlichen Schäden zu bewahren, unkritisch auf die Methoden unserer Vorfahren zurückgreift, geht keinesfalls immer von den besten Voraussetzungen aus.
Für dieses Buch und für die aktualisierte Neuauflage haben wir aus dem großen Erfahrungsschatz der Vergangenheit und den Erkenntnissen der Gegenwart die Rezepte ausgewählt, die sowohl die Umwelt schonen als auch unserem heutigen Sauberkeitsbedürfnis Rechnung tragen. Wichtig war uns dabei auch, dass der Zeit- und Kraftaufwand, der für die einzelnen Reinigungsarbeiten erforderlich ist, nicht größer wird als mit gekauften Produkten.
Selbst gemachte Reinigungsmittel aus biologisch abbaubaren und weitgehend umweltverträglichen Rohstoffen sind nicht immer preiswert. Dies wird sehr von der Auswahl der Rohstoffe bestimmt. Aber ein Preisvergleich lohnt sich, und es muss nicht unbedingt die allerbeste Qualität sein. Unsere Reinigungsmittel enthalten nur die zur Reinigung und Pflege wirklich notwendigen Rohstoffe; teilweise auch Stoffe, die die Anwendung erleichtern – aber keine unnötigen Farb-, Füll- und Konservierungsstoffe. Sie sind also in der Anwendung sparsam. Da auf aggressive chemische Substanzen verzichtet wird, sind die Reinigungsmittel in ihrer Wirkung schonend, aber trotzdem gründlich.
Die Herstellung ist einfach und gelingt jedem. Der Zeitaufwand, der notwendig ist, um die Mittel selbst herzustellen, ist gering. Der wichtigste Grund, unsere Reinigungsmittel selbst herzustellen, war für uns, dass uns nur dann die Inhaltsstoffe bekannt sind. Es macht aber auch viel Spaß, sich Reinigungs- und Pflegemittel selbst „anzurühren“.
Welche Probleme stecken in herkömmlichen Reinigungsmitteln?
Mit Dingen, die wir reinigen, müssen wir uns oft im wahrsten Sinne des Wortes befassen, das heißt, wir kommen nicht nur mit den zu reinigenden Gegenständen, sondern in fast allen Fällen auch mit den Reinigern in Berührung. Beim maschinellen Geschirrspülen müssen wir das ätzende Spülmittel zwar nur einfüllen, dafür aber bleibt vom Klarspüler immer eine Spur auf den gespülten Gläsern, Tellern und Tassen zurück. Die Inhaltsstoffe der Waschmittel bleiben zu einem gewissen Teil – vor allem bei Weichspülern – immer auf der Faser zurück. Die ätzenden Dämpfe von Entkalkungsmitteln für die Kaffeemaschine verteilen sich im ganzen Raum und wirken damit auf unsere Schleimhäute. Sollten wir solche Dinge nicht weitgehend versuchen zu vermeiden, indem wir die Rohstoffe selbst aussuchen?
Und die Gefahr, die der Umwelt droht, ist nicht minder groß. Das können teilweise nicht oder nur schwer abbaubare Wirksubstanzen sein, zum anderen Füllstoffe, Hilfsstoffe, Farbstoffe, Duftstoffe und Konservierungsmittel, die unsere Umwelt belasten und dabei nicht einmal eine Reinigungswirkung erbringen. Aber die Belastung der Umwelt kommt nicht erst bei der Anwendung solcher Reinigungsmittel zum Tragen. Bereits bei der Produktion wird Energie verbraucht und unnötig viel Abfall erzeugt.
Unsere Gesundheit wird durch etliche chemische Substanzen beeinträchtigt, die häufig in Reinigungsmitteln enthalten sind. Oftmals sind es nicht die reinigenden Substanzen, die beispielsweise zu Allergien führen, sondern Konservierungsstoffe oder Farbstoffe. Die Dämpfe von Lösungsmitteln und Säuren belasten nicht nur unsere Atemorgane, sondern gelangen auch in den Stoffwechsel. Der ständige Gebrauch von Reinigungsmitteln kann zu sogenannten Waschfrauenhänden führen, woran besonders Menschen mit trockener, sensibler Haut an den Händen sowie mit Neurodermitis und Psoriasis leiden: Die Haut, die mit den Reinigungsmitteln in Berührung kommt, trocknet aus, wird rissig und neigt zu Entzündungen. Regelmäßige Verwendung von Handcremes und Handschuhen reduziert dieses Problem schon deutlich.
Auch Reinigungsmittel aus natürlichen Rohstoffen enthalten zum Teil Stoffe, die zu individuellen Unverträglichkeiten führen oder Allergien auslösen können. Deshalb sollten auch selbst gemachte Reinigungsmittel immer sparsam und nur für den angegebenen Zweck eingesetzt werden. Wenn Allergien oder Unverträglichkeiten bei Ihnen oder in ihrer Familie vorliegen, sollten Sie das Problem mit Ihrem Arzt abklären.
Nicht jeder Bioreiniger ist umweltfreundlich
Im Handel ist heute eine große Anzahl umweltfreundlicher Reinigungsmittel erhältlich. Trotzdem ist die eigene Herstellung eine gute Alternative. Denn manchmal ist in den käuflichen Mitteln nur wenig »Natur« enthalten; überprüfen Sie also immer die Liste der Inhaltsstoffe. Das ist nicht immer einfach, da oft nur ungenaue Beschreibungen wie »auf Basis von Pflanzenölen« oder »enthält natürliches …« deklariert werden müssen. Fragen Sie also lieber beim Verkäufer oder Lieferanten nach. Es gibt dennoch viele Produkte, die man mit gutem Gewissen verwenden kann.
»Bio-Produkte« werden oft mit synthetischen Parfümölen so parfümiert, dass sie frisch und »natürlich« riechen. Diese Wirkung wird noch verstärkt, indem das Produkt mit synthetischen Farbstoffen so eingefärbt wird, wie es mit natürlichen Farbstoffen nicht möglich ist (beispielsweise ein tiefes Lila, wenn Lavendelöl enthalten ist, was aber in Wirklichkeit farblos ist). Doch diese Mühe machen sich nicht einmal alle Hersteller. Auch die Verpackung wird genutzt, um dem Kunden die Botschaft »natürlich« zu übermitteln. Der absolute Renner sind hier Etiketten auf Recyclingpapier sowie natürlich anmutende Farben wie grün und braun.
Sicherlich – es gibt Produkte, die die Umwelt schonen und den Namen »biologisch« verdienen. Leider sind sie jedoch vom Laien nicht immer so einfach zu erkennen. Auch hier gilt: Lieber einmal mehr nachfragen, um auf der sicheren Seite zu sein.
Einige herkömmliche Reiniger werden heute so beworben, dass sich der Eindruck aufdrängt, sie würden die Umwelt nicht belasten. Von den Mensch und Umwelt belastenden Inhaltsstoffen werden dabei nicht immer diejenigen besonders herausgestellt, die sich noch im Produkt befinden.
Dieses Buch will also für den kritischen Verbraucher eine ebenso nachvollziehbare wie praktizierbare Alternative darstellen.
Schmierseife allein genügt nicht – wir brauchen verschiedene Reiniger
Früher wurde oft zu Schmierseife gegriffen, und man versuchte damit viele Reinigungsaufgaben im Haushalt zu bewältigen. Dabei blieben Enttäuschungen nicht aus – und so war der Versuch, das Haus alternativ zu reinigen, oft nur von kurzer Dauer. Dies sagt jedoch nichts über die wirklich enorme Reinigungskraft der Schmierseife aus. Sie ist nur einfach für bestimmte Reinigungsaufgaben, wie zum Beispiel Fensterputzen oder Holzpflege, nicht (oder nicht allein) geeignet, und sie eignet sich auch nicht für hartes Wasser. Es müssen also alternative Reiniger verwendet werden, die sowohl dem Sauberkeitsbedürfnis gerecht werden als auch die Umwelt schonen.
Umdenken für die Umwelt
Heute ist längst eine Bewegung entstanden, die sich mit umweltfreundlichen Reinigungsmitteln beschäftigt. Der schonende Umgang mit der Natur ist so wichtig wie nie. Inzwischen stehen diese möglichst natürlichen, umweltfreundlichen Reinigungsmittel den industriellen Produkten in nichts nach, und die Umwelt – heute so wichtig wie nie – wird geschont.
Um den Haushalt gründlich und hygienisch zu säubern, bieten sich genügend für den Menschen ungefährliche und umweltverträgliche Rohstoffe zur Herstellung der verschiedensten Reinigungsmittel an. Ein sauberer, gepflegter Haushalt entschädigt für die kleine Mühe, die Reinigungsmittel selbst herzustellen, und der Erfolg bestätigt den eingeschlagenen Weg, natürlich und umweltbewusst zu leben.
Die unterschiedlichen Pflegeanforderungen im Haushalt
Die verschiedenen Stoffe, aus denen unsere Möbel, Gebrauchsgegenstände, Kleidung etc. hergestellt werden, und unterschiedliche Verunreinigungen wie Fett, Speisereste, Staub, allgemeine Verschmutzungen usw. fordern auch entsprechend unterschiedliche Reinigungsmittel und -methoden. Auch ist mit entscheidend, ob ein Gegenstand nur gesäubert oder zusätzlich gepflegt werden soll. Dementsprechend muss das richtige Reinigungs- oder Pflegemittel ausgewählt werden.
Zusätze von Desinfektionsmitteln in Haushaltsreinigern sind normalerweise nicht notwendig. Sie belasten nur zusätzlich die Umwelt. Auch bei Haushalten, in denen Kranke, z. B. Allergiker, leben, kann der Gebrauch von Desinfektionsmitteln oft eingeschränkt werden. Bei Produkten, die desinfizierendes Chlor abspalten, wie es bei einigen WC- und Flächenreinigern auch heute noch der Fall ist, können sich sowohl bei der Reinigung als auch im Abwasser gesundheitsschädliche Chlorverbindungen bilden. Aber auch andere Desinfektionsmittel greifen auf gefährliche Weise in den Naturkreislauf ein, indem sie zur Bildung resistenter Keime führen. Die Covid-Pandemie hat viele Menschen vermehrt zu Desinfektionsmitteln greifen lassen – natürlich gut begründet. Doch zu viel zu desinfizieren wird ab einem bestimmten Maße kontraproduktiv.
Bei den in unserer nächsten Umgebung vorkommenden Keimen handelt es sich hauptsächlich um unsere natürlichen Lebensbegleiter – die meisten Keime sind nicht pathogen, das heißt, sie führen nicht zu Erkrankungen, sondern sind im Gegenteil für uns lebenswichtig. Das Leben in einer keimfreien Umgebung ist weder möglich noch sinnvoll.
Garantiebestimmungen von Herstellern
Ob Kleidung, Elektroartikel wie die Kaffeemaschine oder Bodenbeläge – heute ist es üblich, dass Hersteller für ihre Produkte für eine gewisse Zeit eine Garantie für Reparaturen übernehmen. Daran geknüpft ist aber in der Regel eine bestimmte Behandlung der Produkte. Darunter fallen auch Reinigungsmittel: Häufig wird darauf hingewiesen, dass die Kaffeemaschine, der Veloursmantel oder die Waschmaschine nur mit ganz bestimmten Reinigungsmitteln (oder auch eigenen des Herstellers) behandelt werden darf. Nimmt man ein anderes Mittel, erlischt die Garantie. Achten Sie deshalb stets darauf, welche Garantiebestimmungen der Hersteller der Produkte, die Sie reinigen, entkalken etc. möchten, hat. Es ist dann besser, in diesem Zeitraum auf die Verwendung selbst hergestellter Reinigungsmittel zu verzichten, damit Sie die Garantieleistungen nicht verlieren.
Generell empfiehlt es sich auch, wenn Sie nicht sicher sind, ob ein Gegenstand die selbst gemachten Mittel verträgt (z. B. ob der Lack oder die Farbe nicht angegriffen wird), sie erst einmal an einer verdeckten Stelle auszuprobieren.
Wasser, unser wichtigstes Reinigungsmittel
Wasser ist auch heute noch unser wichtigstes Reinigungsmittel. Es weicht die meisten Verunreinigungen auf und ermöglicht so die Ablösung. Bei Verwendung von warmem Wasser wird dieser Vorgang beschleunigt. Harte Fettverkrustungen werden von heißem Wasser verflüssigt und lösen sich ab. Reinigungsmittel haben also in den meisten Fällen nur die Aufgabe, die Reinigungskraft des Wassers zu verstärken, indem sie die Oberflächenspannung herabsetzen (in der Werbung spricht man davon, dass das Wasser weicher wird) und dafür sorgen, dass sich gelöster Schmutz nicht wieder auf der zu reinigenden Fläche oder dem zu waschenden Gewebe absetzt, sondern weggespült wird.
Während somit also Geschirr, Küchenschrank und Wäsche sauber werden, wird das zur Reinigung verwendete Wasser schmutzig. Der Schmutz wird also durch die Reinigung nur verlagert, er verschwindet nicht.
Das Abwasser nun wiederum zu reinigen, ist Aufgabe der Kläranlagen. Dabei werden in verschiedenen Reinigungsprozessen die im Wasser befindlichen Stoffe biologisch abgebaut bzw. durch Absorptions- und Fällungsverfahren wieder entfernt. Neben geklärtem Abwasser, das, je nach Leistungsfähigkeit der Kläranlage, neben anderen Substanzen teilweise weniger als 1 mg/l Phosphat enthält, fällt Klärschlamm an, in dem sich nun viele Verunreinigungen (z. B. toxische Schwermetallverbindungen) befinden. Der Klärschlamm wird teilweise auch heute noch auf landwirtschaftlichen Nutzflächen ausgebracht. Das führt dazu, dass sich die Schadstoffe in der Nahrungskette anreichern und dann am Ende auch in unseren Nahrungsmitteln auftauchen. Das Ausbringen von Klärschlamm ist nur dann verboten, wenn sich darin Schwermetallrückstände über den gesetzlich festgelegten Grenzwerten befinden. Art und Umfang der zugelassenen Rückstände sind in der Klärschlammverordnung festgelegt. Erfreulicherweise ist die Klärschlammnutzung seit einigen Jahren rückläufig und stärker reguliert, laut Umweltbundesamt läuft die Düngung mit Klärschlamm bis 2029 bzw. 2032 aus. Heute wird mehr als die Hälfte des Klärschlamms verbrannt.1
Viele Stoffe jedoch, die schwer oder nicht biologisch abbaubar sind, verbleiben im geklärten Wasser und belasten unsere Gewässer. Da Reinigungsmittel, Lösungsmittel und andere Chemikalien einen großen Teil zur Gewässerbelastung beitragen, sollten im Haushalt (wie eigentlich überall) möglichst umweltfreundliche, biologisch abbaubare Reinigungs- und Pflegemittel verwendet werden.
Als zum Waschen und Reinigen noch Regenwasser oder Oberflächenwasser – das heißt: Wasser aus Flüssen, Bächen und Stauseen – verwendet wurde, war Seife das Reinigungsmittel Nummer eins. Seife, aus natürlichen Ölen und Fetten hergestellt, passt sich gut in den Naturkreislauf ein, da sie gut abbaubar ist und nicht zu Schaumbergen auf unseren natürlichen Gewässern führen kann.
Die zunehmende Industrialisierung in fast allen Lebensbereichen führte zu einer immer größeren Verschmutzung der Gewässer. Um bei qualitativ schlechteren Wasservorkommen eine hygienisch einwandfreie Wasserversorgung garantieren zu können, wurde die Wasserversorgung immer weiter zentralisiert. Dies hat dazu geführt, dass heute fast nur noch Trinkwasser aus Zentralversorgungssystemen zum Waschen und Reinigen verwendet wird. Heute wird mehr als 99 Prozent des Trinkwassers in Deutschland von zentralen Wasserversorgungsanlagen an die Bevölkerung geliefert.2 Mit der europäischen Wasserrahmenrichtlinie aus dem Jahr 2000 wurde angestrebt, alle Flüsse, Seen, Grundwasser und Küstengewässer bis 2015 in einen qualitativ »guten Zustand« zu überführen.3 Denn »In Deutschland haben nicht einmal 10 Prozent der Oberflächengewässer einen guten ökologischen Zustand.«4 Die Gründe dafür sind vielfältig, ihre Darstellung würde jedoch den Rahmen dieses Buches sprengen.5
Das Thema ist nach wie vor aktuell, wie auf der Website des Umweltbundesamts nachzulesen ist: »Wasch- und Reinigungsmittel werden täglich in Haushalten sowie in Gewerbe und Industrie eingesetzt. Aufgrund ihrer Allgegenwärtigkeit wird daher eine mögliche Gefährdung von Umwelt und Gesundheit durch ihre Verwendung häufig unterschätzt. Dabei belastet die Verwendung von Wasch- und Reinigungsmitteln das Abwasser erheblich mit Chemikalien.«6
1https://www.gesetze-im-internet.de/abfkl_rv_2017/BJNR346510017.html (Klärschlammverordnung), abgerufen am 13.10. 2021
2https://www.umweltbundesamt.de/trinkwasserversorung#zentrale-trinkwasser versorgung, abgerufen am 13.10. 2021
3https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=celex:32000L0060, abgerufen am 13.10. 2021
4https://www.umweltbundesamt.de/wasserrahmenrichtlinie, abgerufen am 13.10. 2021
5https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/421/publikationen/2021-04-30_texte_72-2021_rechtsgebiet_wrrl.pdf, abgerufen am 13.10. 2021
6https://www.umweltbundesamt.de/themen/chemikalien/wasch-reinigungsmittel, abgerufen am 13.10. 2021
Der Kreislauf des Wassers
Das Wasser unterliegt einem ständigen Kreislauf. Aus Meeren, Flüssen und Seen verdunstet es, steigt auf und kondensiert in Form von Wolken. Von dort regnet es ab, wobei es Stoffe aus der Luft auswäscht. Dies ist ein Grund dafür, dass die Luft nach einem Regen sauberer und schadstofffreier ist. Bei dieser Luftpassage nimmt das Wasser also schon die ersten Schadstoffe auf. Das Wasser versickert nun im Boden, nimmt weitere Stoffe auf und sammelt sich dann in Bächen, Flüssen und Seen.

Unser Wasser befindet sich in einem ständigen Kreislauf.
Wasser ist nicht überall gleich
So unterschiedlich wie die Herkunft des Wassers ist auch seine Zusammensetzung. Dies liegt an der unterschiedlichen Bodenbeschaffenheit. So ist Wasser aus Stauseen salz- und härtearm, während Grund- und Quellwasser die Salze enthält, die es auf der Erdpassage herauslösen konnte. Wässer aus dem Würzburger Raum beispielsweise sind hart und enthalten aufgrund der Untergrundbeschaffenheit einen großen Anteil an Sulfathärte bzw. Nichtcarbonathärte (so die Fachbegriffe). Wasser, das viel Calcium- und Magnesiumsalze enthält, gilt als hart; Wasser, das wenig davon enthält oder frei davon ist, gilt als weich. Die Bezeichnung »hartes« und »weiches« Wasser kommt daher, dass weiches Wasser beim Waschen mit Seife ein weiches, angenehmes Gefühl vermittelt, während hartes Wasser zusammen mit Seife schwer lösliche Kalkseifen bildet, so dass keine Reinigung stattfindet und das Wasser sich »hart« anfühlt. Die Kalkseife bleibt als Belag auf der Haut und den gereinigten Gegenständen zurück und lässt sich mit dem harten Wasser auch nicht mehr ohne einen Zusatz abspülen.
Nach dem Waschmittelgesetz werden die Wässer in verschiedene Härtebereiche eingeteilt:
Härtebereich °d
1 1 0–7,3 (0–1,3 mmol/l)
2 2 7,3–14 (1,3–2,5 mmol/l)
3 3 14–21,3 (2,5–3,8 mmol/l)
4 4 über 21,3 (über 3,8 mmol/l)
Neben den althergebrachten Bezeichnungen °d (Grad Deutsche Härte) bzw. »französische Härte« (fH) gibt es auch die fachsprachliche Bezeichnung »
mmol/l Summe
Erdalkalien« (1 °d entspricht 0,179 mmol/l).
Auch bei der Verwendung vollsynthetischer Waschmittel muss diese Einteilung beachtet werden. Je nach Wasserhärte müssen Waschmittelmengen unterschiedlich dosiert werden. Dosierhinweise sind auf allen Waschmittelpackungen angegeben.
Wir haben in der Neuauflage dieses Buches auf Rezepte für Spül- und Waschmaschinen verzichtet. Denn heute haben wir technisch ausgereifte Geräte, die oft mit dem Wasserverbrauch und der Betriebsdauer auf bestimmte Wasch- und Reinigungsmittel abgestimmt sind. Das heißt: Nicht alle Geräte vertragen selbst gemachte Produkte, und sie könnten Schaden nehmen.
Über die Wasserhärte an Ihrem Wohnort können Sie sich bei Ihrem zuständigen Gesundheitsamt informieren; manchmal steht die Wasserhärte auch auf der Wasserrechnung, die Sie von Ihrem Versorger erhalten. Auch die Wasserversorgungsunternehmen sind verpflichtet, ihre Analyseergebnisse zu veröffentlichen.7
Härtebestimmung – eine einfache Sache
Natürlich können Sie auch jederzeit die Härte Ihres Wassers selbst bestimmen. Das ist besonders dann wichtig, wenn Sie sie verringern möchten, um das Wasser zur Reinigung zu verwenden.
Zur Härtebestimmung werden verschiedene Testbestecke angeboten. Tipps dazu finden Sie beispielsweise bei utopia.de.8
Die einfachsten arbeiten mit Teststäbchen, die in das zu untersuchende Wasser gehalten und anschließend abgelesen werden. Bei anderen Methoden verwendet man Prüfgefäße und Tropfflaschen mit Titrationslösung.
Hier muss so lange getropft und gezählt werden, bis ein Farbumschlag erzielt wird. Alle Härtetestbestecke enthalten eine Bedienungsanleitung. Preisgünstige Härtetestbestecke erhalten Sie zum Beispiel im Aquarienfachhandel. Sie reichen für unsere Zwecke völlig aus.

Oben: Das Teststäbchen kurz ins Wasser tauchen und die Farbe der Testzonen nach 1–2 Minuten mit der Härteskala vergleichen. Unten: Die Tropflösung wird tropfenweise zugegeben, bis sich die Farbe verändert. Die Anzahl der dazu benötigten Tropfen gibt die Wasserhärte an.
7https://www.umweltbundesamt.de/themen/wasser/trinkwasser/trinkwasserqualitaet/daten-zur-trinkwasserqualitaet, abgerufen am 13.10. 2021
8https://utopia.de/ratgeber/wasserhaerte-messen-diese-methoden-gibt-es/, abgerufen am 13.10. 2021
Wie kommen Sie an weiches Wasser?
Das Problem besteht für Sie nicht, wenn Sie in einem Gebiet wohnen, das mit Wasser des Härtebereichs 1 versorgt wird. Die im Rezeptteil vorgestellten Reinigungsmittel können hier sofort ohne Einschränkung angewendet werden. Weitere Möglichkeiten sind:
die Entfernung der Härte durch Ionenaustauscher
alternative Techniken zur Härteentfernung
Umkehrosmose (Membrantechnik)
Verwendung von Regenwasser
Ausfällung der Härte durch Zugabe von Soda
Geräte zur Wasserenthärtung
Wenn Sie ein Gerät zur Aufbereitung von hartem Wasser installieren möchten (z. B. Ionenaustauscher, Umkehrosmose), informieren Sie sich darüber bei ihrem Installateur. Er kennt die Geräte und die gesetzlichen Vorgaben und kann Ihnen sagen, welches der unterschiedlichen Geräte und Methoden für Sie sinnvoll ist. Beachten Sie: In feste Hausinstallationen Ihrer Mietwohnung dürfen Sie nicht ohne schriftliche Zustimmung des Vermieters eingreifen.
Regenwasser
Auch die Nutzung von Regenwasser kann eine Alternative sein, nicht nur zur Bewässerung des Gartens, sondern beispielsweise auch als Brauchwasser für die Toilettenspülung. Hier sind ebenfalls gesetzliche Bestimmungen zu beachten, z. B. Regelungen für Abwassergebühren. Wer Regenwasser für Reinigungszwecke einsetzen möchte, sollte das nur tun, wenn er sichergehen kann, dass es möglichst gering mit Schadstoffen belastet ist. Ob sich Aufwand und Kosten für eine Regenwassernutzung für Hauseigentümer rechnen, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Informationen und Tipps bekommen Sie beispielsweise beim Umweltbundesamt.9, 10
Wasserenthärtung mit Soda
Mit Soda können Sie kleine Mengen Wasser enthärten und sich so das Wasser für Putzarbeiten und zur Herstellung von Reinigungsmitteln aufbereiten. Auf 5 Liter heißes Wasser werden ca. 2 Esslöffel Soda eingerührt, dann können Sie das Wasser sofort verwenden. In einigen Rezepten in diesem Buch ist Soda als Zutat enthalten, dann halten sie sich bitte an die dort angegebenen Mengen.
9https://www.umweltbundesamt.de/umwelttipps-fuer-den-alltag/garten-freizeit/regenwassernutzung#gewusst-wie, abgerufen am 13.10. 2021
10https://www.t-online.de/heim-garten/garten/id_55636556/regenwassernutzungtipps-fuer-die-sinnvolle-regenwassernutzung.html, abgerufen am 13.10. 2021
Kleine Rohstoffkunde
Für die Herstellung unserer selbst gemachten Reinigungs- und Pflegemittel benötigen wir verschiedene Rohstoffe. Diese sollten möglichst natürlich oder naturnah sein, also nur wenig aufbereitet und mit wenig synthetischen Stoffen hergestellt sein. Noch besser ist es, wenn diese Rohstoffe aus biologischem Anbau kommen. Doch nicht immer werden wir auf synthetische Zusätze ganz verzichten können.
Ätherische Öle
Ätherische Öle (nicht zu verwechseln mit
Pflanzenölen bzw. fetten Ölen) werden meist durch Wasserdampfdestillation von ganzen Pflanzen oder Pflanzenteilen (z. B. Blüten, Blättern, Samen) gewonnen. Charakteristisch ist ihr starker Duft. Ätherische Öle werden in dunklen Flaschen verkauft und müssen darin verbleiben und gut verschlossen aufbewahrt werden, da sie sonst verderben und damit auch der Duft schnell verfliegt.
Um einen Liter ätherisches Öl zu gewinnen, werden je nach Art der Pflanze und der verwendeten Pflanzenteile große Mengen benötigt, so zum Beispiel bis zu 1.000 g Blütenblätter. Das ist auch der Grund für die bisweilen sehr hohen Preise dieser hochwirksamen Konzentrate. Achten Sie auf gute (Bio-)Qualität und kaufen Sie keine billigen Öle, denn es gibt darunter leider auch minderwertige oder sogar gesundheitsschädliche Produkte. Hochwertige ätherische Öle haben ihren Preis. Wir benötigen aber nur wenige Tropfen davon.
Fast alle natürlichen ätherischen Öle haben milde antimikrobielle Eigenschaften, das heißt, sie hemmen das Keimwachstum. Deshalb können sie auch als milde Konservierungs- und Desinfektionsmittel eingesetzt werden.
Ätherische Öle sind Konzentrate hochwirksamer Pflanzeninhaltsstoffe. Sie dürfen nur stark verdünnt verwendet werden, und die Anwendungs- und Dosierungshinweise sind genau zu beachten. Manche ätherischen Öle können auch allergische Reaktionen hervorrufen, deshalb seien Sie bitte bei Hautkontakt und Schleimhäuten vorsichtig, spülen Sie sofort gut und beobachten Sie die Kontaktstelle sowie das Befinden.

Die Grundzutaten sind leicht zu erwerben.
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