Read the book: «Reinkarnationen»

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Das Buch

Während die Reinkarnations-Therapie den Fokus meist auf die Heilung von Traumata aus früheren Leben legt, geht die Hypno-Therapeutin Atasha Fyfe einen neuen, konträren Weg: Ihr Schwerpunkt liegt in der Erforschung positiver Erfahrungen in vergangenen Leben, die sie zur Heilung ihrer Klienten nutzt - mit faszinierendem Erfolg, wie die Protokolle in diesem Buch zeigen:

Klienten entdecken eine nie gekannte Lebensfreude; manch einer hängt den Job an den Nagel, um endlich in seinem Traumberuf zu arbeiten (und dafür früheres Wissen zu nutzen); andere verlieren schlagartig ihre Angst vor dem Tod; wieder andere beginnen, im Einklang mit sich selbst, mit der Natur zu leben. Mit inspirierenden Übungen und praktischen Tipps ermutigt Atasha Fyfe den Leser, die Heilkräfte früherer Leben in sich zu entdecken - Schätze, die nur darauf warten, entdeckt und für das heutige Leben genutzt zu werden!

Die Autorin

Atasha Fyfe studierte Geschichte und englische Literatur, bevor sie sich als Therapeutin auf den Bereich Rückführungen spezialisierte. Sie schreibt regelmäßig über ihre Arbeit in spirituellen Zeitschriften und Magazinen und gibt Workshops und Seminare in Großbritannien. Atasha Fyfe lebt in Glastonbury, England.

Weitere Informationen unter www.pastlivesglastonbury.co.uk.

Atasha Fyfe

Reinkarnationen

Die Heilkräfte früherer Leben nutzen

Aus dem Englischen von Johanna Ellsworth


Inhaltsverzeichnis

Umschlag

Das Buch / Die Autorin

Titel

Inhaltsverzeichnis

Liste der Übungen und Visualisierungen

Vorwort

Teil I Schamanische Welten

Einleitung

1 Die Botschaft der Krähen

2 Wo die Schlüssel verborgen sind

3 Das Bewusstsein der Pflanzen

4 Die Kraft der Kräuter

5 Die Magie der Tiere

6 Fliegen

7 Die Brücke zur anderen Welt

8 Die Gaben der Vergangenheit

Teil II Die Magie in den Religionen

Einleitung

9 Klangeffekte

10 Die Geheimnisse des alten Ägyptens

11 Glastonbury Abbey Die verborgene Seite

12 Das verbotene Wissen

13 Die Wege des Orients

14 Verzaubert

Teil III Geheimgesellschaften

Einleitung

15 Mysterienschulen

16 Initiation

17 Die langfristige Mission

18 Die Welt verändern

19 Verborgene Fähigkeiten

20 Die Geheimnisse der Tempelritter

21 Die Rückkehr

Teil IV Zauberer

Einleitung

22 Das Schwert im Stein

23 Versteckte Prüfungen

24 Die Rückkehr des Magiers

Schlussbemerkung

Literaturhinweise

Impressum

Wer nach außen sieht, träumt. Wer nach innen sieht, wacht auf.

Carl Gustav Jung

Liste der Übungen und Visualisierungen

Wie Sie Ihre übersinnliche Verbundenheit mit der Natur wiederherstellen

Interpretieren von Tierzeichen und Symbolen

Telepathie mit Tieren lernen

Besuch im Tempel der Weisheit und Heilung

Schamanische Erinnerungen an frühere Leben

Fesseln alter Schwüre abwerfen

Erinnerungen an Ihre früheren Leben mit religiöser Magie

Überwindung der Geheimhaltung

Zugang zum Leben als Tempelritter

Erinnerungen an frühere Leben in Geheimgesellschaften

Wie Sie sich vor psychischen Angriffen schützen

Ihre Erinnerungen an Magier in früheren Leben


Vorwort

An einem Sommermorgen suchte ein stiller junger Mann mich auf, um in eines seiner früheren Leben zurückzugehen. Aus Datenschutzgründen nenne ich ihn Garth - so wie jeder in diesem Buch aus demselben Grund ein Pseudonym erhält. Er fühlte sich in einem Leben gefangen, das aus eintöniger und unterbezahlter Arbeit bestand, und fragte sich, ob die Ursache womöglich in einem früheren Leben lag.

In der Tiefenentspannung einer Regression stieg schon bald eine Erinnerung in ihm hoch. Er ging zu einer Zeit zurück, als er noch ein junger buddhistischer Mönch in Fernost war. Da er aus einer Bauernfamilie kam, fühlte er sich den anderen Mönchen gegenüber minderwertig und war dankbar für die Chance, in dem prächtigen Kloster leben und lernen zu können.

Eines Nachts brach im Kloster ein Feuer aus. Wie betäubt starrte der junge Mönch auf die Flammen, während seine Klosterbrüder voller Panik mit kleinen Wasserschüsseln umher rannten.

Plötzlich übernahm etwas in seinem Inneren die Führung. Auch wenn ihm klar war, dass es so aussah, als würde er weglaufen, rannte er zum nächsten Dorf. Er stolperte über Stock und Stein und rappelte sich immer wieder auf. Endlich hatte er die ersten Häuser erreicht.

Dann hämmerte er an jede Tür, schrie um Hilfe und weckte das ganze Dorf auf. Angeführt von der Feuerwehr mit ihrer speziellen Ausbildung und Ausrüstung, eilten alle Dorfbewohner zum Kloster und bekämpften die Flammen. Das Kloster konnte gerettet werden.

Danach behandelten die Mönche den jungen Mann wie einen Helden. Der Abt überreichte ihm einen wunderschön geschnitzten Buddha, den er für den Rest seines Lebens in Ehren hielt. Wie Garth mir erzählte, besaß er in seinem jetzigen Leben eine ähnliche Holzfigur, die ihm schon immer unerklärlich viel bedeutet hatte.

Ein paar Monate später rief er mich an. Er hatte gute Neuigkeiten: Er hatte endlich eine bessere Arbeit gefunden. Wie er sagte, war er sicher, dass die Erinnerung an die Rettung des Klosters ihm das notwendige Selbstvertrauen gegeben hatte, um die Erfolgsleiter zu erklimmen.

Diese Regression wurde auch für mich zu einem Wendepunkt. Ich fing an, über die Bedeutung von positiven Erinnerungen an frühere Leben nachzudenken. In meiner Praxis für Hypnotherapie hatte es natürlich immer mal wieder positive Erinnerungen gegeben. Ich war bisher davon ausgegangen, dass sie zwar angenehm waren, jedoch nicht die ‚wahren‘ Probleme ansprachen. Nun fragte ich mich, ob sie vielleicht einen eigenen bedeutenden therapeutischen Wert haben könnten.

Wie die meisten Heilverfahren neigt auch die Regressionstherapie dazu, sich auf die Probleme der Menschen zu konzentrieren. Aber ist das wirklich der einzige Weg?

Als vor über 50 Jahren die Regressions-Therapie ins Leben gerufen wurde, war sie noch ein winziges Saatkorn, das gegen die starke Brise des konventionellen Widerstands ankämpfen musste. Dank des Mutes ihrer Pioniere ist sie mittlerweile zu einer der erfolgreichsten Methoden der Aufarbeitung persönlicher Probleme geworden.

Sie funktioniert deshalb, weil heutige Probleme so häufig in negativen Erfahrungen in früheren Leben wurzeln. Während sich das Bewusstsein nicht an sie erinnern kann, wirken sie sich weiterhin wie eine unverheilte Wunde auf die Psyche aus. Solange solche alten Traumata unbewusst bleiben, haben sie die Macht, unser Verhalten und damit auch unser Leben zu kontrollieren. Sobald wir uns ihrer bewusst werden, verlieren sie ihre Macht über uns.

„Bei anderen Therapiemethoden werden die Symptome behandelt und die Ursache bleibt unbehandelt. In der Regressions-Therapie wird die Wurzel des Übels angegangen“, wie die klinische Psychologin Dr. Edith Fiore es ausdrückte.

Das ist eine wunderbare Entdeckung, die schon zahllosen Menschen geholfen hat. Aber was, wenn unsere früheren Leben sogar noch mehr zu bieten haben?

Ich fing an, mich zu fragen, warum wir überhaupt so viele Leben durchlebt haben, wenn sie uns nur Wunden eingebracht haben, die geheilt werden müssen. Vielleicht hat unsere Reinkarnationsgeschichte ja auch noch eine positive Seite. Manche unserer früheren Selbste könnten sich als unsere stärksten Verbündeten entpuppen - als eine Quelle des Selbstvertrauens, Selbstwertes und der Stärken, die wir jetzt am meisten brauchen.

Daher beschloss ich, die positiven Erinnerungen der Leute an ihre früheren Leben zu sammeln und näher zu untersuchen. Wenn man sich nur auf negative Erlebnisse konzentriert, ist das so, als würde man versuchen, rein durch Medizin gesund zu bleiben. Aber wir brauchen schließlich auch eine gesunde Nahrung.

Als sich das Projekt weiterentwickelte, stellte ich fest, dass es bei den zufriedensten und bedeutendsten früheren Leben nicht um weltliche Erfolge an sich ging. Auch waren sie kein Spaziergang im Park. Sie hatten ihre eigenen Dramen und Herausforderungen, die ihnen Sinn und Struktur gaben.

Die Leben, mit denen die Menschen am zufriedensten waren, hatten alle einer inneren Aufgabe gedient. Möglicherweise hatten sie wichtige Wendepunkte, Entdeckungen und Offenbarungen oder eine bedeutende Weiterentwicklung gebracht. Häufig hielten sie besondere Kenntnisse über spirituelle und esoterische Dinge bereit.

Wie meine Untersuchungen zeigten, waren solche wirklich positiven früheren Leben die Höhepunkte auf der Seelenreise und haben in der Gegenwart viel zu bieten. Sie sind nicht nur von persönlichem Nutzen, sondern können uns auch verlorenes Wissen und vergessene Fähigkeiten aus vergangenen Welten vermitteln.

Vielleicht lassen sich diese wertvollen Informationen in der Zukunft zum Nutzen von allen sammeln. Eine gelegentliche Erinnerung mag zwar richtig sein, doch sie beweist noch nichts. Doch wenn eine auf Dauer angelegte Datenbank vieler Regressionen systematisch aufgebaut und analysiert würde, könnte sie andere Methoden historischer Recherchen ergänzen.

Die Psychologin Dr. Helen Wambach hat bewiesen, wie das umgesetzt werden könnte. In den 1970er Jahren führte sie ein Mammutprojekt durch, bei dem Hunderte von Leuten in verschiedenen Räumen gleichzeitig in bestimmte Epochen zurückgingen. Anschließend füllten sie detaillierte Formulare mit Fragen über das, was sie herausgefunden hatten, aus. Die Ergebnisse wurden analysiert.

Wie sich herausstellte, waren die Erinnerungen der Leute verblüffend akkurat. Die Beschreibungen der Kleidung, Münzenwährungen, Schuhe, gesellschaftlichen Strukturen, Architekturstile, Kochtechniken, Essutensilien und der Nahrung waren allesamt historisch korrekt.

Ungefähr zur selben Zeit recherchierte der englische Journalist Jeffrey Iverson die Arbeit des Hypnotherapeuten Arnall Bloxham gründlich. Er bat Experten, jedes unbekannte historische Detail der bei den von Bloxham durchgeführten und auf Band aufgenommenen Regressionen zu überprüfen. Am Ende des Projekts war er überzeugt davon, dass die Erinnerungen an frühere Leben authentisch waren.

In More Lives Than One?, seinem Buch über dieses Thema, schrieb er: „Wenn die Gesellschaft jemals die Vorstellung akzeptiert, dass Menschen unter Hypnose zurückgeführt werden und zuverlässige Kenntnisse über frühere Zeiten sammeln können, würde das die Revolution der Geschichtsstudien bedeuten.“

Dieser Tag könnte kommen. Akademien für Studien vergangener Leben könnten eingerichtet werden und den persönlichen Erinnerungen eines jeden Einzelnen die Gelegenheit geben, einen wichtigen Beitrag zu leisten.

Auch die Methode, wie wir Zugang zu diesen Erinnerungen bekommen, könnte sich weiterentwickeln. Im Augenblick gehen Menschen, die zu einem früheren Leben Zugang bekommen möchten, meist zu einem Regressionsspezialisten. Doch irgendwann stellen wir alle womöglich fest, dass wir uns diese Informationen ganz einfach selbst zugänglich machen können.

Der Grund dafür liegt darin, dass Regression nur eine Frage der Entspannung ist. Wenn wir uns entspannen, gehen wir in einen natürlichen Zustand der Bewusstseinsveränderung über. Auf einem Diagramm sehen die viel beschäftigten Beta-Hirnwellen wie eine unruhige Wasseroberfläche mit vielen flachen Spitzen aus. Die entspanntere Alpha-Hirnwelle wirkt auf dem Schaubild wie ein Meer mit ruhigen Wellen. Das nächste Stadium wird Theta genannt und erinnert an einen Trancezustand. Danach kommt Delta, der Tiefschlaf. Doch der Alpha-Level der Tiefenentspannung bei vollem Bewusstsein reicht schon aus, um Zugang zu Erinnerungen an frühere Leben zu bekommen.

Unser geistiger Alltagszustand ist wie das Autofahren. Er verschmälert unseren Fokus auf die Aufgabe, die vor uns liegt - die Straße -, und so können wir kaum einen Blick auf die umliegende Landschaft werfen. Ein entspannterer Zustand entspricht eher einem Spaziergang. Er gibt uns die Gelegenheit, uns am Panorama unseres höheren Bewusstseins zu erfreuen.

Mit anderen Worten: Es ist, als würde man das Leben durch die verschiedenen Fenster eines Hauses betrachten. Im Erdgeschoss des Beta-Zustands können wir nur unseren Garten sehen. Wenn wir uns entspannen, ist das so, als würden wir durch die Fenster weiter oben hinausschauen und die Weite hinter der Gartenmauer sehen.

Was wir von diesem Blickwinkel aus sehen, hängt davon ab, auf was wir uns konzentrieren. Die einzigen Grenzen sind das, was wir für unmöglich halten.

Im Alpha-Zustand hat man nicht nur Zugang zu früheren Leben, sondern auch zu einer höheren Führung. Dies könnte ein Schutzengel, ein persönlicher Führer oder unsere innere Weisheit sein. Wie ich festgestellt habe, ist diese Art von Rat sehr hilfreich, um frühere Leben zu verstehen und zu begreifen, wie sie uns in unserem jetzigen Leben von Nutzen sein können.

Im tiefen Alpha-Zustand erinnern sich viele auch daran, wohin sie nach ihrem Tod gingen. Nach meinen Recherchen und Erfahrungen hat keiner jemals von einer Verurteilung oder Verdammung berichtet - sogar dann nicht, wenn sie zu erwarten war. Wie alle Berichte zeigen, sind die Welten des Jenseits vor allem Orte der Rast und Heilung. Mögliche Gespräche mit freundlichen Geistführern über das soeben vergangene Leben und Zukunftspläne finden später statt.

Obwohl diese Themen konstant bleiben, sind die Orte, an denen die Menschen sich wiederfinden, ganz unterschiedlich.

„Manche Leute gehen hinüber in eine reine Energie und ein klares Licht. Aber ich kenne auch viele, die erzählen, dass sie herrliche Seen, wunderschöne Landschaften oder prachtvolle Städte sehen“, berichtet Dr. Edith Fiore.

Die gute Neuigkeit ist, dass man nicht auf das Leben im Jenseits warten muss, um eine Realität in einer höheren Dimension zu erleben. Wenn wir das Leben durch die Fenster im obersten Stock eines entspannten Geistes betrachten, können wir Folgendes vorfinden:

 Einen Überblick über unsere Seelenreise

 Erkenntnisse über unsere jetzige Lebensaufgabe

 Positive, spirituell stärkende Erinnerungen an frühere Leben

 verschüttetes uraltes Wissen

 Begabungen und Fähigkeiten in früheren Leben

 Ein neues Verständnis über andere in unserem Leben

 Methoden, um Verbindung zu spirituellen Meistern und Schutzengeln aufzunehmen

 Erinnerungen an die Welten des Jenseits

Wenn die Zeit gekommen ist, die Verbindungen zu Ihren früheren Leben auszugraben, zeigen sich möglicherweise Erinnerungen in Ihren Träumen, Meditationen oder Visualisierungen. Bilder oder Bezüge zu anderen Zeiten und Orten können auftauchen, wie eine Aufforderung, wahrgenommen zu werden.

Wenn Sie solche Träume, Signale und Übereinstimmungen aufschreiben, werden Sie anfangen, ein Muster zu erkennen. Es ist, als würde man ganz langsam ein Puzzlebild zusammenlegen. Auch wenn es unvollständig ist, bekommen Sie nach einer gewissen Zeit eine deutliche Vorstellung vom Gesamtbild.

Sie könnten um weitere Informationen in Ihren Träumen oder Meditationen bitten. Bitten Sie Ihre Schutzengel und spirituellen Führer um Hilfe und Schutz, falls die Vorstellung Sie beunruhigt.

Wenn Sie auf diese Weise Informationen über frühere Leben sammeln - Stück für Stück in Ihrem eigenen Tempo -, werden sich die Teile genau im richtigen Moment zu Ihrem Gesamtbild zusammenfügen.

Manchmal eignen sich Geschichten als Auslöser von Erinnerungen an frühere Leben. Ein Bericht in diesem Buch könnte etwas in Ihnen zum Schwingen bringen. Eine bestimmte Ära, ein bestimmter Ort oder Lebensstil könnte sich merkwürdig vertraut anfühlen. Vielleicht wird die Geschichte von einem tapferen Ritter, einer geheimnisvollen Lady oder einer Kräuterfrau Ihnen Hinweise über eines Ihrer vergessenen Selbste zuflüstern.

Oft reicht ein bisschen stilles Nachdenken schon aus, um schläfrige alte Erinnerungen sanft wachzurütteln. Die Anleitungen zu Meditationsübungen in diesem Buch eignen sich für diese Art des sicheren und sanften Entsinnens. Wenn Sie die Hauptsymbole eines jeden Abschnitts als Tor zur Vergangenheit betrachten, können Sie sich Szenen aus Ihren früheren Leben so kurz oder so lange ansehen, wie Sie möchten.

Stück für Stück werden Sie das Gesamtbild Ihrer Seelenreise und Ihre vielen positiven Erfahrungen und Leistungen zusammenfügen. Auf diese Weise werden Ihre Erkundungen in frühere Leben zu einem integrierten Teil Ihrer andauernden Reise der Erforschung Ihrer Seele.

Die Magie früherer Leben wird ihren Zauber der Umwandlung wirken lassen. Weder Sie noch die Welt, in der Sie leben, wird je wieder dieselbe sein.

* * *

Teil I
Schamanische Welten



Der Schamane ist ein unabhängiger Erforscher der endlosen Häuser eines herrlichen verborgenen Universums.

Michael Harner


Einleitung

Vor ein paar Jahren erzählte mir ein Freund die Geschichte über sein zauberhaftes Naturerlebnis. Es ereignete sich in Chalice Well in Glastonbury, Somerset.

Wir waren ungefähr zwanzig Personen, die auf der oberen Wiese in einem Kreis saßen. Wir sangen heilende Lieder. Nach einer Weile schloss ich die Augen und ließ die Klänge auf mich wirken. Und plötzlich verlagerte sich mein Bewusstsein in eine andere Zeit.

Es war, als würde ich ganz, ganz weit zurückgehen. Ich saß zwar immer noch in einem Kreis von Leuten, aber jetzt waren sie anders. Sie waren rauer - erdverbundener.

Nach ein paar Minuten verblasste die Szene und ich war wieder in der Gegenwart. Ich weiß nicht, warum ich das erlebt habe. Aber es war so real, dass es mir immer in Erinnerung geblieben ist.

Seitdem habe ich so viele Menschen zurückgeführt in Zeiten der Naturmagie, so dass ich an das Erwachen von schamanischem Bewusstsein glaube. Unsere früheren Selbste aus jener Welt scheinen nach uns zu rufen. Oder sind wir es, die sie rufen?

Wenn ja, dann überrascht mich das nicht. Die moderne Welt konzentriert sich dermaßen auf materielle Werte, dass unsere Kultur jegliches Gespür für das Geheimnis des Lebens verloren hat. Vielleicht lauschen die Leute deshalb auf vergangene Zeiten, in denen sie die Erde noch als einen Ort des Zaubers und der Wunder erlebten.

In vielerlei Hinsicht tauchen auch unsere früheren Selbste aus diesen Zeiten auf. Und damit bringen sie neue Ausdrucksweisen für die alten Traditionen in unsere Welt zurück.

Die Lakota-Indianer haben ein wundervolles Gebet, das Mitakuye Oyasin. Es bedeutet: „Wir sind alle miteinander verwandt.“ Der Respekt vor dem Geist, der in jedem Lebewesen steckt, ist der Kern sämtlicher schamanischer Kulturen.

Nach Jahrhunderten gedankenloser Ausbeutung stellt nun das Bewusstsein für Ökologie und Umweltschutz unsere uralte Achtung vor der Natur wieder her. Viele Biogärtner und Tierschützer greifen möglicherweise unbewusst auf alte Verhaltensweisen zurück, die sich jetzt in den Wäldern des uralten Gedächtnisses rühren.

Die schamanischen Heilmethoden konzentrieren sich auf die spirituelle Ebene als den wahren Grund aller körperlichen Probleme. Dieser Grundsatz kehrt nun mit einem neuen Bewusstsein darüber, wie Gefühle und Gedanken unser körperliches Wohlbefinden beeinflussen, zurück. Moderne Therapiemethoden haben damit angefangen, den Körper ganzheitlich zu behandeln - so wie Schamanen es schon immer getan haben -, statt ihn als Ansammlung mechanischer Teile anzusehen.

Eine wachsende Anzahl von Menschen betrachten mittlerweile die Sonnenwende und Tagundnachtgleiche als Wendepunkte der Jahreszeiten. Diese Feiern bekräftigen die alte zyklische Zeitenrechnung. Sie verbinden uns auf einer ganz tiefen Ebene mit unserem uralten Glauben an die Rückkehr der Sonne und des Lebens nach dem Tod.

Es ist, als hätten wir den Kreis vollendet. Die Intuitionen der Urvölker, die lange als Aberglaube abgetan worden sind, werden nun wissenschaftlich bewiesen. Die überlieferten alten Wege erweisen sich als realistisch und lebensbejahend.

Vergangene Leben in schamanischen Bereichen knüpfen ein starkes Band mit Mutter Natur. Kehren wir aus ihnen zurück, empfinden wir Dankbarkeit für ihren Überfluss, ihr Geheimnis und ihre Macht in unserem Herzen. Diese Erfahrung schafft eine Grundlage der Sicherheit in der Psyche, die in späteren Inkarnationen zu einer starken Quelle der Kraft wird.

Unter dem breiten Schirm dieser Hauptwirkung befindet sich außerdem eine Vielzahl an persönlichen Zielen und Nutzen. Einer meiner Klienten fand heraus, dass er das Leben eines Schamanen lebte, um seine Beziehung zu Tieren zu heilen. Eine andere Klientin erinnerte sich daran, wie sie einen ernsten Konflikt zwischen zwei Stämmen schlichtete - und wurde sich bewusst, dass sie ihrer Begabung zur Diplomatie bisher keine Beachtung geschenkt hatte.

Ein Dritter erinnerte sich an ein Leben, in dem er auf hohe Bäume kletterte, um Nahrung und Baumaterial für seine Gemeinde zu sammeln. In Höhen zu arbeiten war ein Thema, das in vielen aufeinander folgenden Leben eine Rolle spielte. In seinem derzeitigen Leben waren die ‚Höhen‘, die er zu erklimmen versuchte, zwar eher symbolisch als tatsächlich, doch die Erinnerung machte ihm Mut und bewies ihm, dass er es schaffen könnte.

Wenn eine Erinnerung kurz davor steht, an die Oberfläche zu steigen, können alle möglichen Auslöser sie wecken. Als Anthea eine Stätte mit alten aufrecht stehenden Steinen besuchte, überraschten sie die starken Gefühle von Erregung und Sehnsucht, die in ihr hochstiegen. Zu Hause beschloss sie, ihre Reaktion näher zu erforschen. Sie richtete ihre Konzentration auf die Stätte und ließ sich in eine entspannte Meditation fallen.

In der Erinnerung, die hochstieg, fand sie sich an demselben Ort vor sehr langer Zeit wieder. Ein Mann in einem weißen Gewand legte ihr einen Kranz aus Eichenblättern auf den Kopf und gab ihr eine Trommel. Sie spürte, dass es sich um eine Feier der Druiden handelte. Obwohl die Erinnerung nur kurz war, fühlte sie sich wichtig an. Auch enthielt sie eine Botschaft über Antheas jetziges Leben.

Als ich sie ein paar Monate später wiedersah, sagte sie mir, dass sie nach der Erinnerung aus reiner Neugier mit Trommeln angefangen habe. Wie sie festgestellt hatte, hatte sie Spaß daran und es fiel ihr leicht zu lernen. Früher war sie ziemlich nervös und unruhig gewesen. Nun strahlte sie ein neues, ruhiges Selbstvertrauen aus. Sie trommelte sich ihren Weg zurück zur inneren Stärke eines früheren Lebens.

Jede körperliche Ausdrucksweise kann ein wirkungsvoller Auslöser von Erinnerungen sein. Alte Rituale, Lieder und Tänze haben das Potenzial, längst verschüttete Gefühle zu wecken.

Früh am Morgen des Tages, an dem Billie zu einem Workshop für Indianertänze fuhr, staunte sie, als sie ihre Vorhänge aufzog. Draußen hüpften Dutzende von Krähen pickend auf der Straße herum. Und noch mehr Krähen hockten in langen Reihen auf den Dächern, den elektrischen Kabeln und Straßenlampen. Das war so ungewöhnlich, dass es etwas bedeuten musste. Sie hatte jedoch keine Ahnung, was das war. Doch es dauerte nicht lange, bevor sie mehr darüber erfuhr:

Sobald ich im Workshop angekommen war, vergaß ich die Krähen. Es machte mir großen Spaß, mitzutanzen und die Lieder mitzusingen. Ich weiß nicht warum, aber es hat mir viel bedeutet. Irgendwann erwähnte der Workshopleiter plötzlich, dass unter den Indianern die Krähe eine wichtige Botin des Geistes ist. Er sagte, es sei eine große Ehre, „Krähenfrau“ genannt zu werden. Wegen dieser auffallenden Synchronizität frage ich mich nun, ob ich in einem früheren Leben womöglich eine Indianerin war.

Billies Regression finden Sie im nächsten Kapitel. Wie sie und viele andere festgestellt haben, werden die Geschenke der Vergangenheit manchmal in seltsamen und erstaunlichen Verpackungen geliefert.


1
Die Botschaft der Krähen

Gewöhnlich müssen neue Ideen erst einmal die starken Widerstände alter Methoden überwinden. Daher scheint es mir passend zu sein, dass der erste Bericht in diesem Buch von einer dramatischen Begegnung zweier ganz verschiedener Einstellungen handelt.

Billies Erlebnis mit den Krähen und dem Indianertanz-Workshop weckte ihr Interesse an früheren Leben. Einmal deswegen, doch vor allem, weil sie fühlte, dass ihr Leben in einer Sackgasse gelandet war, wollte sie eine Regression durchführen.

„Nichts bewegt sich mehr. Nichts ändert sich“, sagte sie. „Früher war alles immer im Fluss. Aber jetzt läuft nichts mehr. Nach dem Erlebnis im Workshop frage ich mich daher jetzt, ob etwas aus einem früheren Leben mir helfen könnte.“

Billie fiel es leicht zurückzugehen. Schon bald sah sie sich neben einer langen Reihe verstaubter Karren auf einem Pferd reiten. Es war in Amerikas Pionierzeit, als die Leute in den Wilden Westen zogen.

Aus praktischen Gründen war sie ein junges Mädchen in Männerkleidung, und auch, weil sie schon immer eine Art Wildfang gewesen war. Ihre Familie reiste in einem der Wagen, während sie und ihr Bruder zusammen mit anderen Reisenden nebenher ritten. Wie sie sagte, war das, um die Wagen leichter zu machen und nach Gefahren Ausschau zu halten.

AF: Was für Gefahren?

B: Ich glaube, Angriffe von Indianern.

AF: Ist das schon mal passiert?

B: Nein. Wir versuchen, Indianergebiet zu umgehen. Aber wir haben noch einen langen Weg vor uns.

Es sieht so aus, als wollten die Anführer jetzt anhalten und das Nachtlager errichten. Es wird bald dunkel. Es gibt hier eine kleine Bucht mit Wasser. Ja - jetzt ertönt der Ruf bis ganz nach hinten: ‚Alle anhalten.‘

(Pause)

Jetzt ist die Nacht angebrochen. Alle sitzen um die Lagerfeuer herum. Ich laufe ein bisschen umher. Es ist ein klarer Sternenhimmel. Ich finde es herrlich, hier draußen zu sein. Ich wünschte, ich könnte immer so leben.

(Nach langem Schweigen wurde Billie plötzlich unruhig.)

AF: Was ist los?

B: Indianer! Sie sind plötzlich aus dem Nichts aufgetaucht. Sie johlen und schreien, ihre Pfeile prasseln auf uns herunter; sie greifen unsere Wagen an. Ich höre Gewehrschüsse, Schreie, es ist sehr laut ...

Mich hat ein Pfeil am Bein getroffen. Da kommt einer von ihnen ganz schnell auf mich zugeritten. Er greift nach mir und zerrt mich auf sein Pferd. Er reitet mit mir weg. Ich wehre mich und versuche, mich loszureißen. Aber er ist stärker als ich. Er zieht mich wieder aufs Pferd.

(Pause)

Jetzt befinde ich mich in ihrer Siedlung. Es stehen überall kleine Zelte. Ich sitze nicht mehr auf dem Pferd. Der Indianer hat mich an den Händen gefesselt und führt mich irgendwohin. Dabei ruft er immer wieder etwas.

Fremde kommen angerannt. Sie bleiben stehen und starren mich an. Ich glaube, er wird mich gleich töten.

Jetzt ist ein alter Mann gekommen ... Sie reden eine Weile miteinander. Dann folgt mein Entführer ihm und zieht mich hinter sich her.

Sie legen mich auf eine Art Lagerstätte. Ich bin in einer Höhle. Es sieht so aus, als würde jemand hier leben. Der alte Mann steht am Eingang und redet mit meinem Entführer.

Der verschwindet. Der alte Mann kommt mit einem Lumpen und einer Schüssel auf mich zu. Ich habe Angst. Er tunkt den Lumpen in die Schüssel, macht ihn nass und legt ihn auf die Wunde an meinem Bein. Ich versuche, ihn wegzustoßen. Er bringt mich dazu, etwas zu trinken.

Die Wunde fängt an, sich wie betäubt anzufühlen. Er lässt den Lumpen auf der Wunde. Er krächzt irgendwas ... immer wieder und wieder, auf und ab, immer wieder. Mir wird schwindlig ... alles rückt immer weiter weg ...

(Tiefer Seufzer)

Ich weiß nicht, wie lange ich geschlafen habe. Es fällt mir schwer aufzuwachen. Der alte Indianer steht vor mir und lächelt mich an. Er gestikuliert, dass ich eingeschlafen bin, nachdem er mir das Getränk gegeben hatte, und dass er dann die Pfeilspitze aus meinem Bein entfernt hat. Die Wunde ist dick verbunden. Er erklärt mir durch Gesten, dass ich den Verband anlassen soll, dann wird die Wunde heilen. Wieder gibt er mir etwas zu trinken.

Jetzt liege ich da und sehe ihm zu, während er in seiner Höhle zugange ist und sein seltsames Lied singt. Ich könnte ewig hier liegen und ihm zuhören.

(Schläfrig)

Hoffentlich ist meiner Familie nichts passiert. Mein Bruder wird wahrscheinlich eine ganze Gruppe zusammentrommeln, um herzukommen und mich zu befreien. Hoffentlich kommen sie bald. Bevor diese Indianer mich opfern. Oder was immer sie mit mir vorhaben.

Die Zeit verging, die Wunde heilte, doch niemand kam, um sie zu befreien. Auch wenn der Medizinmann sie freundlich behandelte, wollte sie fliehen und zu ihren Angehörigen zurückkehren, sobald sie wieder laufen konnte.

(Flüsternd) Es ist früher Morgen. Der alte Mann schnarcht auf seinem kleinen Lager hinten in der Höhle. Ich schleiche mich davon.

(Später)

Ich befinde mich wieder an der Stelle, an der wir vor dem Angriff unser Nachtlager errichtet hatten. Es sieht so aus, als wären sie in großer Eile aufgebrochen. Gegenstände, die sie gewöhnlich mitnehmen, liegen hier herum.

Sie sind also ohne mich weitergezogen. Vielleicht denken sie, ich sei tot.

Mein Bein tut furchtbar weh. Es wird langsam dunkel. Ich muss die Nacht hier verbringen. Hoffentlich lassen mich die wilden Tiere in Ruhe.

Nach einer angstvollen Nacht in der Wildnis versuchte sie, den Wagenspuren zu folgen. Doch mittlerweile konnte sie kaum mehr laufen.

Ich liege auf dem Boden. Offensichtlich bin ich ohnmächtig geworden. Zwei Indianer stehen vor mir. Sie ziehen mich hoch und legen mich quer über einen Pferderücken. Ich bin zu schwach, um Widerstand zu leisten.

Das war es also. Mein Leben ist vorbei. Dabei dachte ich, ich hätte noch alles vor mir, ich würde die neue Welt erforschen und lauter solche Dinge.

Jetzt bin ich wieder in der Höhle des alten Mannes. Er gibt mir wieder diese Flüssigkeit, bei der mir ganz schummrig wird. Ich verliere das Bewusstsein.

Mit der Zeit verheilte ihre Wunde völlig.

Der alte Mann hat mir viele Dinge beigebracht. Ich lerne ihre Sprache, welche Pflanzen man für Heilmittel sammeln muss, wie man Medizin aus ihnen macht ...

Er hat mir geraten, immer das Lied der jeweiligen Pflanze zu singen, die ich gerade suche. Wenn ich das täte, wäre es leichter, sie zu finden. Und er bringt mir lauter kurze Melodien bei, die ich singen soll. Am Anfang kam ich mir ein wenig blöd vor. Aber jetzt gefällt es mir. Und es scheint tatsächlich zu helfen. Wenn ich die Liedchen singe, finde ich immer, was ich suche.

Außerdem hat er mir gezeigt, wie ich das Wetter vorhersehen kann und wie man Omen und Zeichen liest. Zuerst habe ich nicht daran geglaubt, aber mit der Zeit habe ich gemerkt, dass es funktioniert.

Es ist ein schönes Gefühl, den Tag zu betrachten und nach den Zeichen Ausschau zu halten. Es ist gut zu wissen. Und es gibt mir etwas zu tun, während ich warte.

AF: Worauf warten Sie denn?

B: Ich kann meine Angehörigen nicht allein finden - ich würde mich verlaufen. Deshalb muss ich noch eine Weile hierbleiben. Aber früher oder später wird mich schon jemand finden und zu ihnen bringen. Es gibt doch so vieles, was ich ihnen zu erzählen habe!

Der alte Mann sieht die Sache anders. Er sagt, er habe gewusst, dass jemand wie ich kommen werde. Als er mich gesehen habe, habe er gewusst, dass ich die sei, auf die er gewartet habe. Deswegen habe er sich um mich gekümmert und mir ihr Wissen beigebracht.

AF: Woher hat er das gewusst?

B: Ach, er hat Träume und Visionen und solche Sachen. Er sagt, die Geister hätten mich ihnen geschickt.

AF: Wie denken Sie darüber?

B: Das ist seine Sache - es ist mir egal. Das Wichtigste ist, dass ich keine Angst mehr vor ihnen habe. Und mir gefällt das, was ich hier alles lerne.

(Ungefähr ein Jahr später)

Ich glaube nicht, dass noch jemand kommt und mich holt. Sie haben mich vor langem aufgegeben, also sollte ich sie auch vergessen. Und hier lerne ich lauter interessante neue Dinge. Ich will gar nicht mehr zurück.

Der alte Mann sagt, ich sei gut darin, die Botschaften der Vögel zu lesen. Ich sähe ihre Bewegungen am Himmel als ein Gefühl - wie einen Tanz. Dann sage ich, was es meiner Meinung nach bedeutet. Er sagt, es sei meine besondere Gabe. Er will mir beibringen, wie ich sie noch besser nutzen kann.

Eines Tages durfte sie an einer der großen Feierlichkeiten des Stammes teilhaben:

Der alte Mann bringt mir seit einer ganzen Weile ihre wichtigen Lieder bei - die Lieder, die sie auf diesen Versammlungen gemeinsam singen. Zwei Mädchen bemalen kichernd mein Gesicht und behängen mich mit Federn und Perlen. Es macht irgendwie Spaß.

(Später)

Erinnerungen an die Versammlungen kommen zurück ... Es war herrlich. Wir sangen alle Lieder ... Ich tanzte mit ihnen im Kreis ... Es fühlte sich so gut an, dass ich weinen musste. Sie lachten und tupften mir das Gesicht ab, damit die Farbe nicht verschmierte. Es war das schönste Erlebnis meines Lebens. Ich bin jetzt wirklich eine von ihnen.

(Lange Pause)

AF: Wo sind Sie jetzt?

B: Immer noch am selben Ort. Ich bin schon seit vielen Jahren hier. Die Indianer sind jetzt mein Volk. Mein Leben ist hier. Ich bin glücklich.

Ich bin nun die Helferin des Medizinmannes. Ich kann nur seine Helferin sein, nicht sein Lehrling, weil ich erstens eine Frau bin und weil ich zweitens nicht von ihrem Stamm bin. Aber das macht mir nichts aus.

Ich bin gerade mit ihm und einem der Stammes-Oberhäupter zusammen. Es ist nachts. Wir sitzen auf einem Hügel und betrachten die Sterne.

Sie sagen, wir seien hergekommen, weil sie mir ein paar wichtige Dinge sagen wollen. Das hätten sie bisher nicht gekonnt, weil diese Dinge nicht für Außenstehende bestimmt seien. Aber da ich jetzt eine von ihnen sei, sei es in Ordnung.

Ich sitze zwischen den beiden. Der Medizinmann spricht, während der andere leise trommelt. Es ist eine sternenklare Nacht. Wir können die große Milchstraße sehen. Er spricht davon, wie weit der Himmel ist, und zeigt auf einige Sterne, während er mir Geschichten über sie erzählt. Er sagt, sein Volk habe Brüder und Schstandard, die da oben auf den Sternen lebten. Vor langer Zeit kamen sie herunter und haben dem Volk alles beigebracht, was es weiß.

Er sagt, wir können von hier aus immer noch mit ihnen reden. Dass sie mir zeigen werden, wie man das macht. Zuerst rufen sie ihre Brüder und Schstandard mit einem bestimmten Lied - dem Sternenlied. Dann müssen wir Herz und Verstand öffnen. Sie zeigen mir die Handbewegungen, mit denen wir das andeuten. Dann müssen wir stillsitzen und auf ein Zeichen warten, was lange dauern kann.

Sie singen jetzt ihr Sternenlied. Es ist wunderschön. Währenddessen sehe ich in die Sterne. Jetzt schwebe ich hoch oben am Himmel. Ich kann uns drei auf dem Hügel sitzen sehen, ganz klein und weit weg. Um mich herum sind lauter funkelnde Sterne.

Ich schwebe immer höher und höher ... Jetzt bin ich ganz weg ...

(Lange Pause)

Jetzt bin ich wieder die, die ich heute, im einundzwanzigsten Jahrhundert, bin. Aber der Medizinmann ist immer noch bei mir. Wir gehen zusammen. Er erzählt mir Dinge, die ich in dem früheren Leben noch nicht hätte verstehen können, wie er meint. Aber jetzt kann er sie mir sagen.

Er sagt, es hat einen guten Grund dafür gegeben, warum ich zu ihnen gekommen bin und mit ihnen zusammengelebt habe. Ich brauchte eine spirituelle Spritze in den Arm. Sie kam als Pfeilspitze in meinem Bein.

Er sagt, es sei ein multidimensionales Ereignis gewesen, weil es viele Schichten an Bedeutung gehabt habe. Auf einer Ebene war es einfach nur ein brutaler Angriff. Er sagt, der Mann, der das getan hat, wird dafür mit seinem eigenen Karma zu kämpfen haben.

Auf einer höheren Ebene wusste ich in meinem Herzen, dass ich etwas brauchte, um den dicken Panzer zu durchdringen, den ich mir in vielen Leben angeeignet hatte. Der Pfeil war notwendig gewesen, um mich für die Spiritualität zu öffnen. Doch er sagt auch, dass ich sehr stur gewesen bin. Ich habe lange dagegen angekämpft. Aber als ich die Dinge endlich annehmen konnte, wurde alles gut.

Er sagt, diese Erinnerung sei jetzt wieder hochgekommen, um mich daran zu erinnern, und auch, weil dasselbe Muster sich nun in meinem Leben wiederhole. Zwar nicht so dramatisch - es sei nur ein schwaches Echo dessen, was damals passiert sei.

Das ist der Grund, warum ich mich so festgefahren fühlte - weil ich unbewusst gegen das Neue angekämpft habe und am Alten festhalten wollte. Das werde ich jetzt ändern. Die Erinnerung an dieses Leben damals wird mich davon befreien.

Die Krähen sind gekommen, um mich aufzuwecken und mir zu zeigen, dass ich damals wirklich eine seines Volkes wurde. Deswegen hat das Tanzen und Singen im Workshop mir so viel bedeutet.

Er sagt, dass ich tief in meinem Inneren immer Zweifel hegte, das Gefühl, als würde ich es nicht wirklich schaffen - als wäre ich nicht gut genug oder so was. Er sagt, die Krähen seien gekommen, um mich wissen zu lassen, dass ich es geschafft habe. Der Sinn des damaligen Lebens sei erfüllt worden.

(An diesem Punkt kommen ihr Tränen.)

Er sagt, das reiche für heute. Er werde mich wieder aufsuchen. Er winkt mir zum Abschied zu, dreht sich um und geht weg.


2
Wo die Schlüssel verborgen sind

Während Billie nach ihrer Regression eine kräftigende Tasse Tee trank, freute sie sich darüber, dass ihr ungewöhnliches früheres Leben einen höheren Sinn gehabt und ein so gutes Ende genommen hatte. „Es war das alles wert“, sagte sie. „Sogar die Pfeilwunde hatte eine spirituelle Bedeutung.“

Sie fing an, über Zeichen nachzudenken, die sie schon immer auf dieses Leben hingewiesen hatten, ohne dass sie es bisher verstanden hatte:

Ich hatte schon immer eine Delle auf meinem Oberschenkel - an genau der Stelle, wo der Pfeil mein Bein durchbohrte. Und als ich ungefähr sechs war, sah ich einen alten Standardfilm, und eine Szene erschütterte mich regelrecht. Ich habe sie noch jetzt deutlich vor Augen. Es war ein Pfeil, der knapp neben dem Kopf einer Frau in eine Holzwand eindrang. Ich hatte damals keine Worte dafür, aber ich dachte: ‚Wie können sie das als Unterhaltung zeigen? Wissen sie denn nicht, wie viel Angst einem das einjagt?‘ Hinterher wurde mir sogar schlecht und ich musste mich übergeben.

Ich sagte ihr, dass das nur logisch sei. Sie hatte auf den Film so reagiert, weil er ihre Erinnerungen an den Angriff aus dem Hinterhalt angestoßen hatte.

Hinweise über unsere früheren Leben können sich in allen möglichen unerwarteten Formen zeigen. Wie Billie feststellte, sind sie noch wirkungsvoller, wenn sie in der Kindheit auftauchen.

Die verzauberten Erinnerungen der Kindheit

Wie Untersuchungen ergeben haben, ist es für kleine Kinder ganz normal, den Erinnerungen an frühere Leben nahe zu sein. Bevor sie acht Jahre alt werden, schwimmen ihre früheren Leben direkt unter der Oberfläche ihres Bewusstseins - so wie durchsichtige Fische.

In den ersten Lebenstagen können diese Erinnerungen sogar noch deutlicher sein.

Ein tibetanischer Medizintext aus dem elften Jahrhundert besagt: „In der 26. Woche in der Gebärmutter wird das Bewusstsein des Kindes äußerst klar und es kann seine früheren Leben sehen.“

Unsere westliche Welt fängt gerade erst an, mit diesem alten Wissen aufzuholen. In den 1970er Jahren führte der Leiter der Psychiatrie an der Universität von Virginia, Professor Ian Stevenson, ausführliche Untersuchungen durch, die zeigten, wie sehr kleine Kinder noch in Berührung mit ihren früheren Leben sind.

Er sammelte über 2.600 Berichte von Kindern, deren Erinnerungen an frühere Leben seine zahlreichen strengen Tests bestanden. Aus den Berichten wählte er 20 aus und veröffentlichte sie in seinem Buch Reinkarnationsbeweise (Aquamarin, 1999).

Als sorgfältiger Wissenschaftler scheute Dr. Stevenson davor zurück, seine Ergebnisse als ‚Beweise‘ zu bezeichnen. Er hielt die Erinnerungen der Kinder jedoch für korrekt und bedeutend. „Häufig fängt ein Kind im Alter von zwei Jahren oder sogar früher mit dem Versuch an, seine Erinnerungen an ein früheres Leben zu vermitteln“, stellte er fest.

Diese Versuche finden meist in Form von beiläufigen Bemerkungen über eine andere Familie, ein anderes Zuhause oder ihre frühere Tätigkeit statt. Solche Bruchstücke lassen sich nur allzu leicht wegwischen oder überhören, und schon bald vergisst das Kind sie.

In ihrem Buch Mama, ich war schon einmal erwachsen! Kinder erinnern sich an frühere Leben (Amra, 2012) beschreibt Carol Bowman, wie man solche flüchtigen Aussagen festhalten kann - und wie man sanft um mehr davon bittet. Nach vielen Untersuchungen und Erfahrungen hat sie die folgenden Anzeichen dafür, dass ein Kind die Wahrheit über ein anderes Leben sagt, herausgefiltert:

 Ein nüchterner Ton

 Die Details der Geschichte bleiben bei jeder Wiederholung gleich.

 Wenn die Kinder über ihre früheren Selbste in der Ichform sprechen, klingen sie reifer als sonst.

 Ihr Verhalten und andere Anzeichen bestätigen ihre Aussagen.

Eine solche Erfahrung, bei der alle aufgelisteten Voraussetzungen erfüllt wurden, machte sie, als sie die 18 Monate alte Elisabeth badete.

„Ich werde meinen Schwur leisten“, eröffnete das Kleinkind ihr plötzlich. „Ich bin jetzt nicht mehr Elisabeth. Ich bin Rose. Aber ich werde Schwester Teresa Gregory sein.“

Die Kleine plapperte über alle möglichen unbekannten Einzelheiten des Alltags in einem Kloster - Dinge, von denen selbst ihre Mutter nichts gewusst hatte. Sie forschte danach und stellte fest, dass diese Details korrekt waren.

Lofric und Wofric

Manchmal agieren Kinder auch beim Spielen Dramen aus früheren Leben aus. Als ich eine Regression mit Cathy durchführte, erinnerte sie sich an ein Leben in einem englischen Stammesvolk während der römischen Besatzung.

Cathy und ihr jetziger Bruder, die damals beide Männer waren, lebten mitten in den Wäldern und brachen von Zeit zu Zeit in römische Siedlungen ein. Der Mann, der Cathy damals gewesen war, wurde bei einem dieser Überfälle getötet.

Nachdem diese Erinnerung wieder hochgekommen war, erinnerte sich Cathy plötzlich an etwas, an das sie schon seit Jahren nicht mehr gedacht hatte:

Als ich noch ein Kind war, stand im Nachbargarten ein herrlicher Pflaumenbaum. Manchmal klauten mein Bruder und ich ein paar Pflaumen. Nicht, dass wir zu Hause nicht genug zu essen bekamen. Es war nur zum Spaß und es war ein Abenteuer.

Wir nannten uns Lofric und Wofric. Wir holten uns Tücher aus der Küche und dem Wäschekorb und banden sie uns um. Ich glaube, ich weiß jetzt, warum wir das taten: Immer wenn wir die römischen Siedlungen überfielen, tarnten wir uns vorher mit Zweigen und Blättern. Vielleicht waren die Tücher, die wir uns umbanden, ein Echo dieses Details.

Eines Tages tauchte der alte Nachbar auf und beobachtete uns beim Pflaumenpflücken. Er sah uns an, und wir sahen ihn an. Ich hatte solche Angst, dass ich wie gelähmt war.

Dann zuckte er bloß mit den Achseln und lächelte verschmitzt. Er drehte sich um und ging wieder ins Haus. Wir rannten so schnell wir konnten davon. Ich glaube, das war das Ende unserer Ausflüge in den Nachbargarten.

Cathy fragte sich, ob diese Kindheitserinnerung wegen einer Verbindung zu dem früheren Leben, an das sie sich gerade erinnert hatte, hochgestiegen war.

„Vielleicht mussten wir das spielen, um eine Art Schlusspunkt zu setzen“, meinte sie. „Es war toll, dass der Mann nicht wütend reagiert hat - uns nicht angeschrien hat oder sich bei unseren Eltern über uns beschwert hat. In gewisser Weise war das Erlebnis wie eine Befreiung.“

War der Alte womöglich der römische Soldat, der Cathy vor vielen Jahrhunderten getötet hatte? Wahrscheinlich werden wir es nie herausfinden. Doch wer immer er auch war - seine freundliche Großzügigkeit gab einer traurigen alten Geschichte ein glückliches neues Ende.

Wie der Körper Hinweise zu früheren Leben verwahrt

In unserer Gesundheit, unseren Stärken und Schwächen, Bewegungen, Ticks, unserer Haltung und unserem Äußeren stecken Erinnerungen an frühere Leben.

„Die Körpersprache ist wie die Traumsprache. Sie gibt einem Hinweise, die das Bewusstsein noch nicht geben kann“, sagt der Autor und Therapeut Arnold Mindel.

So wie Billies Delle an der Stelle, an der der Pfeil ihren Oberschenkel durchbohrt hatte, können Wunden eines früheren Lebens in Form eines Muttermals am Körper auftauchen. Dr. Stevenson fand heraus, dass Muttermale an genau derselben Körperstelle auftauchen können, an der es in einem früheren Leben eine tödliche Verwundung gegeben hat. Die Male können sogar wie eine alte Narbe aussehen, die durch die tödliche Klinge, Kugel oder Draht entstand.

Diese Synchronizitäten werden seit langem weltweit von der überlieferten Folklore als selbstverständlich angesehen. In Burma werden Kinder, die sich an ihre früheren Leben erinnern, winzas genannt. Wenn ein Kind stirbt oder dem Tod nahe ist, malen die Burmesen dem Kind ein besonderes feierliches Zeichen auf den Körper. Wenn später ein Baby mit diesem Zeichen geboren wird, nehmen sie das als Hinweis dafür, dass das verlorene Kind nun zurückgekommen ist.

Der Stamm der Tlingit in Alaska feiert Neugeborene mit Muttermalen, die wie die verstorbener älterer Stammesmitglieder aussehen. Sie sagen, das bedeutet, dass die Person zurückgekehrt ist, und so geben sie dem Säugling denselben Namen.

Die Bewohner von British Columbia glauben, dass Säuglinge, die schon bei der Geburt zahnen oder die Grübchen an den Ohrläppchen entwickeln, wiedergeborene Vorfahren sind. Die Zähne sind ein Zeichen dafür, dass das Baby eine weiterentwickelte Seele hat; die Grübchen an den Ohrläppchen stammen von früheren Leben, in denen der Mensch Ohrlöcher hatte.

Manche Muttermale erzählen eine dramatische Geschichte. Eines der berühmtesten Muttermale ist wohl das große rote Mal auf der Stirn des früheren sowjetischen Präsidenten Gorbatschow. Es sieht aus wie ein Blutfleck, der durch einen harten Schlag entstanden ist. Es würde mich nicht überraschen, wenn Gorbatschow mit seinem ausgeprägten Sinn für politische Missionen in einem früheren Leben von Leuten ermordet wurde, die ihn daran hindern wollten. Seine siegreiche Rückkehr zeigt, dass sich der Geist niemals töten lässt und dass uns nichts davon abhalten kann, unsere höhere Aufgabe zu erledigen.

Samskaras

Laut alten Yogalehren haben wir einen subtilen inneren Körper, der von einem Leben ins nächste übergeht. All unsere Erfahrungen auf der irdischen Ebene wirken sich auf diesen spirituellen Körper aus. Er kann durch sie geschwächt und verwundet, aber auch erhellt und verfeinert werden. Bei unserer nächsten Inkarnation prägt der spirituelle Körper den neuen physischen Körper mit diesen Wirkungen, die im Sanskrit samskaras genannt werden.

Viele dieser Prägungen sind positiver Natur. Doch in jedem Leben gibt es normalerweise zwei samskaras, die auftauchen, um geheilt zu werden. Häufig zeigen sie sich in Form von körperlichen Problemen. Die Seele sendet uns durch unseren Körper wichtige Botschaften. Wenn wir uns mit diesen Problemen auseinandersetzen, heilen wir viel mehr als nur eine alte physische Wunde. Wir heilen damit auch die Wunden unserer Psyche.

Ganzheitliche Therapien, die Körper, Geist und Seele als Einheit behandeln, können in vielerlei Hinsicht helfen, Probleme aus früheren Leben zu heilen, die im Körper verwahrt werden. Selbst einfache Ergotherapien können eine überraschende Wirkung haben.

Mitten in einer entspannenden Massage wurde einer meiner Bekannten plötzlich klar, worum es bei ihren Beziehungsproblemen eigentlich ging. Sie erkannte, dass sie schon in einem früheren Leben zusammen gewesen waren. Doch damals waren die Rollen umgekehrt - sie war der Mann und er war die Frau. Als Partnerin war er in dem vergangenen Leben sehr abhängig gewesen und hatte übermäßig geklammert. Das Problem war, dass er unbewusst versuchte, zur alten Situation zurückzukehren. Plötzlich passte alles zusammen. Sie verstand genau, was falsch lief - und auch, wie es sich wieder korrigieren ließ.

Ein Therapeutenkollege erzählte mir, dass er manchmal ätherische Speere, Messer und Pfeile in den subtilen Körpern seiner Klienten entdeckte. Der Grund dafür war, dass die emotionalen Wirkungen noch immer vorhanden waren. Menschen können auch immer noch mit inneren Seilen, Fesseln oder Ketten aus einem früheren Leben festgebunden sein.

Wenn man weiß, warum diese Gegenstände da sind, lassen sie sich problemlos entfernen. Danach heilen die inneren Wunden rasch.

Gleichzeitig können auch andere Schwierigkeiten gelöst werden. Die Heilung schwerwiegender Probleme funktioniert manchmal wie ein Katapult, das die betreffende Person auf ihrem spirituellen Weg noch höher und weiter katapultiert, als sie sonst gekommen wäre.

Billie hatte das Gefühl, dass das auch auf sie zutraf:

Vielleicht war die Pfeilwunde in gewisser Weise eine Art Impfung. Ich fühle jetzt, dass ich wieder der Mensch bin, der ich war, als ich mit dem Treck aufgebrochen bin. Zwar nicht die Sture - vielleicht wurde ich dagegen geimpft! -, aber doch die Abenteurerin.

Ich war schon immer der sorglose und zielstrebige Typ - auch in diesem Leben, zumindest anfangs. Aber irgendwann ist mir das verloren gegangen. Mir ist jetzt klar, wie verschlossen ich geworden war und wie sehr ich auf der Stelle trat. Vielleicht ging es mit meinem Leben deswegen nicht mehr voran. Die Erinnerung hat mich zu meinem wahren Selbst zurückgebracht. Ich glaube, mein Leben wird von nun an anders verlaufen.

Nicht alle samskaras sind Wunden, die geheilt werden müssen. Sie können auch Kraftspender sein. Linda berichtete mir von einem seltsamen Erlebnis, während sie als Kurier in London arbeitete. Die Tätigkeit bedeutete, dass sie jeden Tag lange Strecken zu Fuß zurücklegen musste. Sie konnte nicht mit der U-Bahn oder dem Bus fahren, weil sie so viele Adressen zwischen den Haltestellen aufsuchen musste:

Zuerst war ich nur todmüde. Meine Füße taten mir am Abend so weh, dass ich nicht glaubte, eine Woche in diesem Job durchzuhalten. Aber dann erlebte ich einen merkwürdigen Durchbruch.

Eines Tages merkte ich, dass ich in einer Art Hypnosezustand lief. Es war, als würde ich lange, beschwingte Schritte machen. Als würde ich kaum den Boden berühren, auch wenn ich mir sicher bin, dass mein Gang auf andere Leute ganz normal wirkte. Aber ich fühlte mich wie ein anderer Mensch - ein hoch gewachsener Mann, der der Bote eines Stammes war.

Auch in diesem Leben hatte ich sehr lange Strecken zurücklegen müssen. Aber ich hatte es in dieser besonderen Gangart gemacht, und das kam mir wieder, während ich als Kurier durch London lief. Es war, als würde mein Körper sich daran erinnern, wie es funktionierte, und als würde er die Kontrolle übernehmen.

Ich hätte es wohl als Fantasiegespinst abgetan, wäre da nicht die Tatsache gewesen, dass das lange Gehen mich nicht mehr ermüdete. Ich glaube, mein Körper hat das Problem gelöst, indem er ein früheres Selbst anrief, das wusste, wie man es meisterte.

Die Weisheit des Körpers

Der Körper hat seine eigene Weisheit. Er bewahrt unsere Erinnerungen an frühere Leben auf, bis wir bereit sind, damit umzugehen. Seine Krankheiten können wichtige Mitteilungen an uns sein. Er sorgt für uns in vielerlei Hinsicht, die über das rein Physische hinausgeht.

In der Tradition der Schamanen hieß es, dass der Initiierte in Stücke gerissen und dann mit magischen Kräften wieder zusammengefügt würde. Krisen, Wunden oder Krankheiten, die einen spirituellen Durchbruch mit sich brachten, waren Zeichen dafür, dass der Große Geist den Betroffenen für eine höhere Rolle auserkoren hatte.

Für die meisten von uns klingt das wie etwas aus einer so fremden Welt, dass wir nicht erwarten, diese Art von Erfahrungen durchzumachen. Doch die schamanischen Initiationen basierten auf der natürlichen Art und Weise, wie sich der spirituelle Weg für jeden von uns entfaltet. Obwohl unsere Kultur keine besonderen Rituale dafür kennt, findet derselbe Vorgang auch in unserem Leben statt.

Dieses Wissen ermöglicht es jedem, die Prüfungen des Lebens durch das Verständnis ihrer höheren Bedeutung umzuwandeln - ein Prozess, der im Zentrum der traditionellen schamanischen Initiation steht.


3
Das Bewusstsein der Pflanzen

Eine uralte mystische Beziehung zur Natur windet sich wie eine grüne Schlingpflanze um unsere Erinnerungen an schamanische Zeiten. In jener Zeit wussten wir noch, dass jedes Lebewesen eine Seele hat. Deshalb achteten wir alle Lebensformen und kannten ihre geheimen Sprachen. Mutter Natur teilte ihre unendlichen Nähr- und Heilquellen mit uns, und wir honorierten das in unseren Ritualen und Zeremonien.

In ihrer Regression beschrieb Kass ein Leben, das sich diesen Traditionen verschrieben hatte. Sie lebte in einer kleinen Waldgemeinde. Ihre beiden Schwestern und sie waren die geachteten Stammesältesten der kleinen Gemeinschaft:

Wir leben in Hütten aus Holz ... Tierfellen ... Steinen ... Lehm. Alle Spalten sind mit Moos zugestopft. Die Hütten sind warm und gemütlich. Die Rückwände der Hütten sind aneinandergebaut und verstärkt. Sie bilden einen Schutzwall um unser Dorf.

Meine Schwestern und ich leben mit all unserer Medizin in einem Raum, in dem wir die Menschen heilen können, in einer besonders großen Hütte. Wir arbeiten mit dem inneren Geist der Pflanzen, Bäume und Tiere. Die Natur zeigt uns, wie man gute Medizin macht - wie man durch besondere Magie Heilung herbeiführt.

Wir sehen, was im Wald vor sich geht. Die Männer fragen uns, bevor sie auf die Jagd gehen. Wenn der Geist des Tieres bereit ist, zeigt es uns, wo man es finden kann.

Wir können voraussehen, was geschehen wird. Wir spüren es im Wind. Wir wissen, wann schlechtes Wetter im Anmarsch ist. Wir können sehen, ob ein Mensch krank ist, bevor er es selber weiß.

Was Kass beschrieb, war eine uralte matriarchalische Gesellschaft, die in Harmonie mit der Natur lebte, statt zu versuchen, sie zu kontrollieren und zu dominieren. Seit die westliche Zivilisation davon abgekommen ist, sind Pflanzen und Tiere für sie nur noch physische Objekte im Dienst der Menschheit.

„Seit Jahrhunderten sind die westlichen Gesellschaften spirituelle Taubstumme, die vergessen haben, wie man mit der Natur kommuniziert“, sagt der Schamane Eduardo Calderon Palomino aus Peru.

In den letzten Jahrzehnten hat sich das Blatt jedoch stetig gewendet. Es fing mit einigen wenigen Forschern an, die den Mut hatten, sich gegen die etablierten Meinungen aufzulehnen. Lyall Watsons Buch Geheimes Wissen: Das Natürliche des Übernatürlichen (Klotz, 5. Auflage 2001), The Secret Life of Plants von Tompkins und Bird und Rupert Sheldrakes ausführliche Untersuchungen und Schriften zeigen, dass die Natur zweifellos ein eigenes Bewusstsein hat.

In seinem Buch Das holographische Universum. Die Welt in neuer Dimension (Droemer Knaur, 1994) schreibt Michael Talbot: „Sogar ein Stein ist in mancher Weise lebendig, da Leben und Intelligenz nicht nur in jeder Materie vorhanden sind, sondern auch in Energie, Zeit und Raum - dem Stoff, aus dem das gesamte Universum gemacht ist.“

Diese Entdeckungen sind aus den Büchern ins wahre Leben gekommen. Während Eileen Caddy in den 1960ern in Glastonbury wohnte, erlebte sie eine spirituelle Offenbarung über ihren Lebenssinn. Sie und ihr Ehemann Peter folgten ihrer inneren Führung und zogen in die Nähe des Dorfes Findhorn in Schottland. Dort pflanzten sie einen Gemüsegarten an. Um das Gedeihen der Pflanzen zu fördern, fingen sie an, mit den Geistern der Natur zu kommunizieren. Ein paar Jahre später waren sie für die riesigen Gemüsepflanzen berühmt, die in ihrem Garten wuchsen, nur weil sie mit den Pflanzen sprachen.

Heute ist die Findhorn-Stiftung eines der größten internationalen Ökozentren in Großbritannien. Tausende von Menschen aus aller Welt leben dort, auch wenn sie kein Riesengemüse mehr anbauen. Jemand, der viele Jahre in Findhorn lehrte, sagte mir, das sei, weil die Geister der Natur den Menschen deutlich gemacht hätten, dass es nicht mehr nötig sei. Der Beweis war erbracht worden, und das übermäßige Wachstum war für die Pflanzen zu anstrengend. Heute konzentriert sich die Stiftung auf Ökologie, alternative Medizin und die Veröffentlichung von Sachbüchern.

Das neueste Ökozentrum, in dem Pflanzenwunder geschehen, befindet sich in Damanhur. Anfangs bescheiden am Fuße des Piemont in den italienischen Alpen gelegen, hat sich die Damanhur-Stiftung in ein internationales Großprojekt mit Zweigstellen in Europa, Japan und den USA entwickelt. Seit 1975 experimentieren die Mitarbeiter mit Pflanzenkommunikation. Mittlerweile haben sie ein Gerät erfunden, das elektrische Veränderungen in einer Pflanze aufspüren kann. Alle Lebewesen produzieren als Reaktion auf ihre Umwelt schwankende elektrische Signale. Das Gerät von Damanhur zeigt, wie stark Pflanzen reagieren, wenn man mit ihnen spricht oder sie gießt.

Auch haben die Forscher eine Methode gefunden, mit der sie diese Reaktionen in Musik umwandeln können. Sobald die Pflanzen gelernt hatten, auf diese Weise zu kommunizieren, begann ein außergewöhnliches Zusammenspiel. Heute lieben die Pflanzen es geradezu, mit Notenskalen zu spielen und mit Hilfe eines Synthesizers ihre eigene Musik zu machen.

Die gewöhnlich eher konservative Welt der Wissenschaft hat außerdem damit begonnen, das Bewusstsein der Pflanzen zu erforschen. Im Februar 2012 zeigten Wissenschaftler der Universität von Exeter in einem Dokumentarfilm, wie Pflanzen sich gegenseitig vor Gefahren warnen. Wenn Käfer oder Schnecken eine Pflanze angreifen, verströmt sie ein spezielles Gas. Die benachbarten Pflanzen „wittern“ das Gas und verändern daraufhin ihre biochemischen Signale, um die Schädlinge fernzuhalten. Ich nehme an, dass dies nur die physischen Anzeichen für eine noch viel subtilere Kommunikation sind, die ständig in der Pflanzenwelt stattfindet.

In The Jaguar that Roams the Mind zitiert Robert Tindall den Schamanen Juan Flores Salazar: „Die Seelen der Pflanzen bewegen sich in der Welt. Sie reden miteinander, und wenn man aufrichtige Verbindung zu ihnen aufnimmt, bringen sie einem diese Kunst bei. Für einen Schamanen unterstützen Pflanzen das Leben ... Pflanzen, deren Wurzeln in der Erde stecken und deren Äste sich zum Himmel erstrecken, bilden Brücken zwischen den Welten.“

In einer merkwürdigen Mischung aus Alt und Neu nutzt China nun ‚Super-Übersinnliche‘, um die Vitalität der Saat in der Landwirtschaft zu stärken. Diese Personen versetzen sich in eine tiefe Trance und kommunizieren mit den Saatkörnern, um Pflanzen hervorzubringen, die gesünder und fruchtbarer sind und die schneller wachsen. Und es funktioniert - die übersinnlichen Helfer erreichen, dass die Saatkörner innerhalb von Minuten statt Tagen sprießen.

Aber Sie brauchen kein super-übersinnlicher Mensch zu sein, um Ihrem Garten beim Wachsen zu helfen. In Das Nullpunkt-Feld: Auf der Suche nach der kosmischen Ur-Energie (Goldmann, 2007) und Intention: Mit Gedankenkraft die Welt verändern (Vak-Verlag, 2013) erklärt Lynne McTaggart, wie physische Wirklichkeit durch ein interaktives Feld vereint wird, das allein durch die Gedanken eines Menschen beeinflusst werden kann.

Als Beweis führte sie mehrere Experimente aus. In einem Online-Seminar sendeten Teilnehmer aus dem ganzen Land ihre Gedanken an ein Blatt - und brachten es zehn Minuten lang zum Glühen. In einem anderen Versuch ermutigten die Gedanken der Teilnehmer eine Anzahl von Saatkörnern, deutlich schneller und robuster zu wachsen als die Kontrollsaat.

Diese und viele andere wissenschaftliche Tests haben bewiesen, dass Pflanzen nicht nur ein Bewusstsein haben, sondern uns auch telepathisch hören können. Sie reagieren deutlich auf gute oder schlechte Gedanken, die ihnen geschickt werden - sogar aus der Ferne.

„Die Natur lebt und spricht mit uns. Das ist keine Metapher“, hat der Anthropologe Terence McKenna festgestellt.

Zack, der sich bei seiner Regression an ein früheres Leben als afrikanischer Schamane erinnerte, beschrieb, wie ihm beigebracht wurde, dieses Wissen zu nutzen:

Ich habe gelernt, wie man mit Steinen spricht. Ich lerne gerade, wie man mit dem Wasser, dem Wind und dem Feuer spricht und wie man die Elemente bittet, zusammenzuarbeiten.

Es gibt Möglichkeiten, sie zu bitten, Dinge zu tun, die eigentlich nicht zu den Naturgesetzen gehören. Aber wir können es nur tun, wenn es gut für das Land ist und wenn die Götter der Natur einverstanden sind.

Man kann Wasser überreden, aus dem Fluss zu steigen und über das Land zu den Bäumen oder Pflanzen oder Tieren zu fließen, die es brauchen. Und dafür werden mir wiederum die Tiere und die Bäume bei meiner Arbeit helfen und mich beschützen.

Für unsere Vorfahren war die Kommunikation mit der Natur eine Selbstverständlichkeit. Es war ihr gesunder Menschenverstand. Und nachdem diese Methoden jahrhundertelang belächelt wurden, stellt sich jetzt heraus, dass etwas an ihnen dran ist.

Wie Sie Ihre übersinnliche Verbundenheit zur Natur wiederherstellen

Zeit in der Natur zu verbringen ist immer nützlich - sie erfrischt den Körper, beruhigt den Geist und belebt die Seele. Die folgende Baummeditation verstärkt diese Effekte auf einfache, sichere und angenehme Weise:

 Finden Sie einen Baum, der Ihnen gefällt und der sich gut anfühlt. Stellen Sie sich dicht neben ihn, lehnen Sie sich an ihn an oder setzen Sie sich unter ihn. Legen Sie eine oder beide Handflächen auf den Stamm. Stellen Sie dann Ihre Gedanken ab. Atmen Sie eine Weile ruhig und langsam. Lauschen Sie auf den Klang Ihres Atems.

 Wenn Sie spüren, dass Sie so weit sind, dann bitten Sie den Baum, Ihnen Heilung, Ganzheit und innere Kraft zu schicken. Sie können Ihre Bitte denken, flüstern oder laut aussprechen - der Geist des Baums wird Sie hören, egal wie Sie Ihre Bitte überbringen.

 Stellen Sie sich nun prächtige Farben und Licht vor, das vom Baum durch Ihre Hände in Ihren Körper strömt und ihn ausfüllt.

 Auch Gefühle, Bilder oder Eindrücke können Ihnen in den Sinn kommen. Als eine Bekannte von mir, die gerade eine schwere Zeit durchmachte, dies tat, spürte sie, dass der Baum ihr sein Durchhaltevermögen zum Geschenk machte - die Fähigkeit, ein Unwetter zu überstehen, ohne zu verbittern, und sich hinterher wieder aufzurappeln. Sie hob einen kräftigen Zweig des Baums auf, um sich daran festzuhalten, wenn sie sich unsicher fühlte, und sagte, er habe ihr wirklich geholfen. Ihr Baum wird sich auch freuen, wenn Sie Teile von ihm, die auf die Erde gefallen sind, mitnehmen. Auf diese Weise können Sie selbst aus der Ferne mit ihm in Verbindung bleiben.

 Wenn Sie fühlen, dass Sie bereit sind zu gehen, dann danken Sie dem Baum und verabschieden sich von ihm.

Sie können, wann immer Sie möchten, zu Ihrem Baum zurückkehren und die Übung wiederholen. Wenn Sie das tun, wird Ihr spezieller Baum Sie auf seine ganz eigene Art wieder erkennen, und das kraftschenkende Band zwischen Ihnen wird noch stärker werden.

Während der Meditation fangen Sie vielleicht auch an, sich an frühere Leben zu erinnern, in denen Ihnen dieses vergessene Geburtsrecht noch bewusst war - die uralte telepathische Verbindung der Menschheit zur Natur.


4
Die Kraft der Kräuter

Naomi, eine meiner Regressionsklienten, erinnerte sich an ein Leben als Medizinfrau eines europäischen Volksstamms nach dem Untergang Roms. Eindringlinge hatten ihr Gebiet überfallen und es für sich beansprucht. Sobald sie ihr Fort erbaut und sich niedergelassen hatten, begannen sie, Naomi aufzusuchen und um Rat zu bitten. Später wandten sich die Eindringlinge jedoch gegen sie.

Diese Art von unsicherer Beziehung zwischen Besatzern und einheimischen Magiern kam relativ häufig vor. Die alten Römer riefen die berühmten Zauberkräfte der Sabiner und Etrusker, um verborgene Quellen zu finden, Regen zu bringen oder Botschaften von den Toten zu erhalten. Selbst würdevolle römische Generäle konsultierten Veleda, eine berühmte Seherin vom Stamm der Brukterer. Nachdem die Normannen Britannien erobert hatten, wandten sie sich an Hexen, die ihnen helfen sollten, den Rebellenführer Hereward the Wake aufzustöbern.

Naomi spürte, dass es ein Schutz für ihr kleines Volk wäre, wenn sie die Verbündung mit den Leuten im Fort aufrechterhielt. Doch aus Gründen, die sie nicht kannte, war ihre anfängliche Freundlichkeit abgekühlt. Als sie von einem geheimen Komplott gegen die Fremden erfuhr, beschloss sie daher, sie zu warnen. Dadurch könnte sie die Gunst der Besatzer zurückgewinnen und ihr Volk wieder absichern.

Sie wanderte einen langen Weg durch eine raue Landschaft und knorrige Wälder, bis sie zum Fort kam. Unterwegs kam sie an einem Dorf vorbei, das niedergebrannt worden war. Es erinnerte sie deutlich an die Gefahr, die ihrem Volk drohte.

Als sie das Fort erreicht hatte, tat sich ein neues Problem auf. Früher hatte sie kommen und gehen können, wie es ihr beliebte. Doch nun verweigerte der Wachposten ihr den Zutritt.

Sie überlegte hin und her. Schließlich beschloss sie, sich durch eine ihrer Zauberkräfte Zugang zu verschaffen. Mit Hilfe eines starken Kräuterzaubertranks könnte sie ihre äußere Gestalt verwandeln:

Ich werde es jetzt versuchen. Ich spüre, dass ich versuche, an ihm vorbeizuschlüpfen - ihm zwar gegenüberzutreten, aber in einer Art Gleitschritt. Ja ... es funktioniert ... ich gehe an ihm vorbei und er hält mich nicht zurück.

Ich glaube, er bemerkt mich gar nicht. Ich gleite wie ein Schatten an ihm vorbei. Es wird langsam dunkel, und ich bin einfach an ihm vorbei geschlüpft.

Diese Schilderung klingt eher nach einer Art telepathischer Beeinflussung als nach richtigem Shapeshifting.

Vor ein paar Jahren hatte meine Klientin Lita ein unerwartetes ähnliches Erlebnis. Bevor sie eines Morgens zur Arbeit ging, machte sie eine Tiefenmeditation zu dem Traum über ein früheres Leben, den sie in der Nacht geträumt hatte. Ihr früheres Selbst hatte lockiges blondes Haar, das zu einer alten griechischen Frisur hochgesteckt war, im krassen Gegensatz zu Litas langem dunklem Haar. Dieses frühere Selbst hatte bedeutende Gaben, die es mit Lita im Traum teilte: ein gesundes Selbstwertgefühl und einen angenehmen Lebensstil aus einer Zeit, in der Göttinnen genauso verehrt wurden wie Götter. Während ihrer Meditation ließ Lita zu, dass ihr früheres Selbst sich mit ihr vereinte und wieder ein Teil von ihr wurde. Dann merkte sie plötzlich, wie spät es war, und eilte zur Arbeit.

Unterwegs verletzte es sie ein wenig, als ein Bekannter an ihr vorbeilief, ohne sie zu grüßen. Doch bald darauf kam sie im Büro an, wo ein Kollege und sie den Tag immer mit einer Tasse Kaffee und einer Kirschtasche begannen. An diesem Morgen warf er jedoch nur einen kurzen Blick auf sie und wandte sich ab.

Um die Mittagszeit war er wieder freundlich. Also fragte sie ihn, warum er sie am Morgen ignoriert habe. Sie fiel vor Überraschung aus allen Wolken, als er sagte, er habe eine blonde Frau an ihrem Platz gesehen, die er nicht gekannt habe.

Für eine kurze Zeit nach ihrer Meditation muss Lita unbewusst das Bild ihres früheren Selbst auf sich projiziert haben. Vermutlich tat Naomi im Fort etwas dergleichen - wenn auch bewusster und mithilfe von Kräutern.

Sobald Naomi derart getarnt ins Fort geschlüpft war, sah sie, dass ein großes Fest für wichtige Gäste vorbereitet wurde. Sie wusste, dass es die Leute waren, die das Komplott gegen ihre Gastgeber schmiedeten. Daher hielt sie einen der Männer an und sagte ihm, dass die Gäste in Wahrheit heimliche Feinde seien.

Doch ihre Offenbarung kam gar nicht gut an. Die Leute des Forts brachten Naomi in einen kleinen Raum und schlossen die Tür von außen ab.

Sie trauen mir nicht. Sie haben mich hier eingesperrt, um mich aus dem Weg zu räumen. Sie glauben, dass ich wahrscheinlich böse bin, dass ich eine Hexe bin. Und dass ich ihnen Schreckliches antun kann.

Sie misstrauen mir, weil sie diesen Gästen trauen und weil ihnen nicht klar ist, dass sie für die anderen eine Bedrohung darstellen.

Ich weiß nicht, was ich tun soll. Das Fenster hier ist zu schmal.

Als sie das sagte, dachte ich, sie meinte, das Fenster sei zu schmal, um hinauszuklettern. Sie meinte jedoch, dass es zu schmal für einen Vogel war, der ihrem Stamm eine Nachricht hätte überbringen können.

Dann kamen die Wachen zurück und zerrten sie aus der Zelle. Sie schrak ängstlich zurück, weil sie Prügel erwartete. Doch die Wachleute lachten sie nur aus und warfen sie dann aus dem Fort heraus.

Nach dieser groben Behandlung gab Naomi den Plan, ihnen zu helfen, auf. Müde und hungrig trat sie den langen Rückweg durch dichte Wälder und über steinige Hügel an.

Ich biege jetzt um die Kurve des Hügels ... Da vorne ist mein Zuhause. Es ist eine kleine Siedlung ... viele runde Hütten ... in verschiedenen Größen. Ich sehe Tierfelle, die in der Sonne trocknen. Wir machen Mäntel aus ihnen und verwenden sie als Dämmung für die Hütten. Meine Kinder kommen mir entgegengerannt. Wir sind ja so glücklich, uns wiederzusehen.

Die Krieger sind jetzt alle weg. Wir wissen nicht, wo sie sind oder was aus ihnen geworden ist. Es ist zwar beunruhigend, aber es gibt nichts, was ich noch tun könnte. Ich muss mich um meine eigenen Angelegenheiten kümmern - ich muss Medizin herstellen.

AF: Aus was machen Sie die Medizin?

N: Aus Kräutern. Ich stelle verschiedene Mixturen her. Die Kräuter sind jedoch nicht ungefährlich. Wir müssen sie mit Vorsicht anwenden. Wenn man weiß, wie man sie richtig mischen kann, kann man mit der Medizin die bösen Geister der Menschen vertreiben. Wenn die Männer in die Schlacht gehen, machen wir Zaubertränke aus den Waldkräutern, um ihnen Mut zu verleihen.

AF: Wenden Sie noch andere Zaubermittel an?

N: Ja. Wir haben besondere Rituale, die uns schützen und Glück bringen, und es gibt die großen Feste zum Wechsel der Jahreszeiten. Dann tanzen wir und danken den Göttern für alles.

Die Heilung der Psyche

Alle schamanischen Heilmethoden suchen zuerst die Ursache eines Problems im inneren Geist oder der Psyche. Sobald sie geheilt ist, werden die äußeren Symptome abklingen. Seit Jahrhunderten haben Medizinmänner diese Methode zugunsten der rein körperlichen Heilmethoden ignoriert. Doch unsere Welt fängt nun an, besser zu begreifen, wie eng der Geist, die Emotionen und der Körper miteinander verwoben sind.

Für Elya war das in ihrem früheren Leben als Einsiedler nur gesunder Menschenverstand. Sie sagte, es würde sich anfühlen, als wäre es schon sehr lange her und möglicherweise irgendwo in einem Land wie Wales - grün, hügelig und feucht. Die Menschen kamen zu ihr, um geheilt zu werden.

„Ich lege sie auf ein Bett aus Kräutern“, sagte sie. „Sie schlafen darauf und absorbieren die Kräuter durch die Haut. In der Zwischenzeit mache ich etwas mit ihrem Schlaf. Ich sehe die Krankheit in ihren Träumen und verändere sie dort.“

Schamanen haben die Krankheiten der Menschen schon immer mit einer Mischung aus spiritueller Psychologie und fachmännischer Anwendung von Heilkräutern behandelt. Sie arbeiten mit dem Geist des Krauts genauso wie mit seinen Blättern und Wurzeln.

Die mexikanische Schamanin Arbolita Pashak erläuterte: „Jede curandera, Heilerin, Schamanin, hat eine spezielle Pflanze, mit der sie arbeitet. Pflanze und Heilerin funktionieren wie eine Einheit. Wir können eine Beziehung zu den Pflanzen und den Wesen oder Seelen aufbauen, die ihnen innewohnen. Wir sind offen für die Informationen, die sie für uns haben, und die in ihnen stattfindende Veränderung, die eine Spiegelung der Transformation ist, die im Universum stattfindet.«

Kräuterwissen ist die älteste Heilmethode. Sie wird seit prähistorischen Zeiten auf der ganzen Welt angewandt. Diese Weisheit wurde zuerst durch die Hysterie über Hexerei und später durch das so genannte Zeitalter der Vernunft ausgerottet. In nur wenigen Jahrhunderten verschwanden die traditionellen weisen Kräuterfrauen und ihr kostbares Wissen.

Zumindest scheint es so. Ich bin überzeugt, dass viele dieser Frauen wiedergeboren wurden, um ihre Mission auf Erden fortzusetzen. Oft kommen Menschen zurück, um ihre Langzeitstudien wieder aufzunehmen, um ihr Wissen mit der Welt zu teilen. Das wieder erweckte Interesse an Naturmedizin kann gut ein Hinweis darauf sein, dass es einen regelrechten Babyboom an uralten Kräuterspezialisten gibt, die zurückkehren.

Unter uns könnten Nonnen und Mönche aus den Kräutergärten des Mittelalters weilen, und auch die persischen und arabischen Händler, die Kräuterwissen aus Fernost mitgebracht haben, und natürlich die unzähligen Schamanen und Heiler, die außerhalb der Mauern niedergeschriebener Geschichte gelebt haben. Viele dieser Leute sind jetzt mit der Aufgabe reinkarniert, altes Wissen in die moderne Welt zurückzubringen. Vielleicht sind Sie ja einer von ihnen? Falls Sie sich zur Kräuterkunde hingezogen fühlen, bringen Sie möglicherweise Fachwissen aus einem früheren Leben mit - und die Chance, es erneut mit der Welt zu teilen.


5
Die Magie der Tiere

Schamanen haben seit jeher Krafttiere als Boten und Führer. Wenn ein Geisttier zu ihrem Verbündeten wird, so stärkt das ihre innere Kraft. Dies verleiht extra Schutz vor Krankheiten, Angriffen und generell vor Unglück.

Auch wenn es meist nur Schamanen waren, die Krafttiere hatten, konnte in jener Welt jeder mit dem Tierreich kommunizieren und seine Botschaften verstehen.

Als Naomi in der Zelle im Fort saß, dachte sie daran, eine Botschaft durch einen Vogel nach Hause zu schicken. Sie sagte, Vögel gäben die besten Boten ab - vor allem Krähen oder Saatkrähen. Wenn sie Glück hatte, half manchmal auch ein Eichhörnchen oder Fuchs aus.

„Ich glaube nicht, dass sie es selber tun. Es ist wohl eher der Geist, den ich darum bitte, durch sie zu arbeiten“, erklärte sie.

Seit den Zeiten der Schamanen ist die Sprache der Tiere zu einem verlorenen Geheimnis geworden - aber sie kann wieder erlernt werden. Wie Billie später klar wurde, überbrachten die Krähen, die am Morgen ihres Indianerworkshops erschienen, ihr eine klare Botschaft.

Mein Klient Brian schickte mir diese E-Mail:

In den letzten Wochen habe ich einen großen Raubvogel gesehen, der immer wieder in genau derselben Position über mir kreiste. Die Häufigkeit und die Tatsache, dass er wie derselbe Vogel aussah, der immer wieder über mir kreiste - oft Hunderte von Meilen weiter - gibt mir zu denken, dass er eine Bedeutung haben könnte ... Ich hätte sehr gerne Ihre Erkenntnisse über so ein Phänomen ...

Brian hatte kürzlich in einer Regression Zugang zum Bewusstsein seines höheren Selbst gefunden. Er hatte das Gefühl gehabt, als würde er groß und ätherisch werden. Ein Lichtpfad hatte sich vor ihm aufgetan und er war ihm gefolgt. Bald darauf war er durch ein riesiges multidimensionales Universum geflogen und hatte vieles gesehen, ohne es einordnen zu können, da er zu schnell daran vorbeigerauscht war.

Auch hatte er die Botschaft erhalten, dass er ursprünglich vom „Ort der Diamanten“ gekommen sei, es jedoch für ihn noch nicht an der Zeit sei zu verstehen, was das bedeute. Ihm war diese Botschaft nur übermittelt worden, um ihn darin zu bestätigen, dass er ein hohes spirituelles Wesen sei mit einem besonderen Weg vor sich.

Nach der Regression fühlte er sich ein bisschen benommen. Er wünschte, er hätte irgendeinen Beweis dafür, dass das alles wahr war. Bald darauf schrieb er mir und erwähnte die erstaunlichen Beobachtungen über den Raubvogel.

Majestätische Vögel können die Fähigkeit symbolisieren, hoch oben über der Welt zu fliegen - so wie Brian, als er durch berauschende Landschaften aus Zeit und Raum zu schweben schien. Ich glaube, der mysteriöse Vogel, den er gesehen hatte, war für ihn ein besonderes Zeichen, weil er eine Bestätigung für die Botschaften brauchte, die er während seiner Regression erhalten hatte.

Interpretieren von Tierzeichen und -symbolen

Die Tierwelt schickt uns Mitteilungen, Warnungen oder Ermutigung in Form von Zeichen und Symbolen. Wie Brians Raubvogel können solche Vögel oder andere Tiere etwas bestätigen, worüber wir uns Gedanken gemacht haben, oder uns überflüssige Zweifel und Sorgen nehmen.

Sie können ein Zeichen aus dem Tierreich daran erkennen, dass es in irgendeiner Weise auffällig ist. Nicht jedes Tier, das Ihnen begegnet, ist ein persönliches Zeichen, aber wenn Sie eines sehen, dann wissen Sie es auch. Dann fühlt es sich wie etwas Besonderes an - so als wäre es für Sie bestimmt.

Wenn Sie mehr über die Bedeutung herausfinden möchten, sollten Sie zuerst prüfen, was dieses Tier symbolisiert. Jedes Tier steht für mehr als nur eine Eigenschaft. Sie müssen daher auswählen, welcher Aspekt auf Ihre Beobachtung zutrifft.

Als nächsten Schritt sollten Sie darüber nachdenken, welche Bedeutung dieses Tier für Sie hat. Erlebnisse dieser Art sind immer persönlicher Natur; deshalb ist es sinnvoll, über den allgemeinen Symbolismus hinauszugehen. Wenn Sie über die folgenden Fragen nachdenken, erhalten Sie ein paar gute Hinweise:

 Welche Erinnerungen haben Sie an dieses Tier oder mit was assoziieren Sie es?

 An was haben weitere Elemente der Beobachtung Sie erinnert?

 Wie haben Sie sich gefühlt?

 Was würde die Szene bedeuten, wenn sie in einem Film vorkommen würde?

 Woher kamen Sie oder wo wollten Sie hin?

 Woran dachten Sie in dem Moment, als Sie die Beobachtung machten?

Sie können sich auch auf das Tier einstellen, indem Sie sich auf das Bild konzentrieren, das Sie noch vor Augen haben. Fragen Sie es, welche Botschaft es Ihnen übermitteln will, und vertrauen Sie darauf, eine Antwort zu erhalten - wenn nicht sofort, dann möglicherweise in Form einer spontanen Erkenntnis zu einem späteren Zeitpunkt.

Eine andere gute Methode ist, darum zu bitten, dass Ihnen die Bedeutung des Zeichens in einem Traum kommen soll. Selbst wenn Sie sich hinterher nicht mehr an den Traum erinnern, könnte die Antwort innerhalb der nächsten Tage in Ihr Bewusstsein aufsteigen.

Solche Erfahrungen überbringen nicht nur nützliche Botschaften und Ratschläge, sondern helfen uns auch, unser altes magisches Bewusstsein zu erwecken. Und sie erinnern uns daran, dass alles Leben auf der Erde miteinander verbunden ist - nicht nur physisch, sondern auch spirituell.

Der Geist des Großen Bären

Beim Kaffeetrinken an einem Vormittag in einem der Cafés in Glastonbury wurde mir Andy vorgestellt. Als er hörte, dass ich Regressionen in frühere Leben durchführe, erzählte er mir von einer merkwürdigen Erinnerung in einer Meditation.

Er hatte sich in einer Welt wiedergefunden, die er als „dunkel, nordisch, geheimnisvoll und verzaubert“ beschrieb. Im Wald war ein Bär, der in seinem Dorf für große Angst sorgte.

Ich machte mich auf, um ihn zu fangen. Ich übernachtete in einer Art Zelt. Es war im Winter, und deshalb hoffte ich, dass der Bär Winterschlaf hielt und ich ihn im Schlaf fangen könnte. Aber stattdessen kam er mitten in der Nacht zu mir. Ich war so erschrocken, dass ich in einen veränderten Bewusstseinszustand verfiel.

Zuerst hatte ich nur schreckliche Angst. Dann gab ich auf. Es war nicht nur das Gefühl „Also gut, du hast gewonnen, jetzt kannst du mich töten“, sondern eher so, als würde ich ihn plötzlich vollkommen verstehen. Ich akzeptierte den Bären und seine Macht.

Und er ließ mich am Leben - er tötete mich nicht. Ich ging zurück ins Dorf und erzählte allen, dass der Bär mich am Leben gelassen hatte, statt umgekehrt, wie ich es vorgehabt hatte.

Andy fragte, ob ich ihm helfen könnte, mehr über diese Geschichte herauszufinden. Daher versetzte ich ihn ein paar Tage später in einen Zustand der Tiefenentspannung und machte ihm den Vorschlag, Verbindung zu einem Geistführer aufzunehmen, um mehr über dieses Erlebnis zu erfahren.

Sein Geistführer sagte ihm, dass er nur den dramatischsten Teil einer weitaus längeren Erinnerung aufgedeckt habe. Die Begegnung mit dem Bären war Teil seines anhaltenden schamanischen Initiationsprozesses.

Für den Rest dieses früheren Lebens hatte er die Magie der Erde weiter erforscht. Die Erinnerung war nun zu ihm zurückgekehrt, um ihn an innere Kräfte zu erinnern, die er zwar hatte, vor denen er sich aber fürchtete - und die er erneut annehmen musste.

Das nächste Mal, als ich Andy begegnete, berichtete er mir, dass er sich entschieden hatte, den Rat seines Geistführers anzunehmen und sich mit Bären zu befassen:

Ich habe angefangen, Bärenbilder und -figuren zu sammeln und mich bei der Meditation mit dem Geist des Großen Bären zu verbinden. Das hat mich dazu gebracht, alle möglichen übersinnlichen Sachen zu tun, die ich sonst nie gemacht hätte - schamanische Reisen und dergleichen. Und ich finde es toll. Der Geist des Bären hilft mir tatsächlich, meine inneren Kräfte aufzuspüren.

Das geheime Leben unserer Haustiere

Ich lebte einmal mit einem Mann zusammen, der eine graue Katze namens Mothy hatte. Eines Tages verschwand sie. Wir suchten sie überall, aber schließlich mussten wir die Suche aufgeben.

Ungefähr eine Woche später erschien Mothy mir in einem Traum. Sie ließ mich wissen, dass sie in die nächste Welt übergegangen war. Sie war zurückgekommen, um sich zu verabschieden und sich für alles zu bedanken.

Als ich meinem Freund von diesem Traum erzählte, wirkte er erschüttert. Ich fragte ihn, was los sei - und er sagte, dass er in der vergangenen Nacht genau dasselbe geträumt habe.

Mothy hatte einen Weg gefunden, wie sie uns beiden ihre Botschaft gleichzeitig überbringen konnte. Seitdem ist mir die telepathische Verbindung, die wir mit unseren Haustieren immer haben, viel bewusster geworden.

Haustiere können auch reinkarnieren, um wieder mit uns zusammen zu sein. Ungefähr ein Jahr, nachdem ihr geliebter alter Hund Paddy gestorben war, träumte meine Freundin Elvira, dass er wieder bei ihr sei und zufrieden in seinem Körbchen schlafe.

Ein paar Monate später bekam sie einen neuen Welpen geschenkt. Auch wenn sie es zuerst nicht hatte glauben können, war sie überzeugt, dass dieser Welpe der wiedergeborene Paddy war:

Immer wenn Paddy spazieren gehen wollte, setzte er sich hin und starrte auf die Leine, die an der Wand hängt. Immer mal wieder drehte er sich um und sah uns flehend an. Sogar noch bevor wir ihn an die Leine gewöhnt haben, hat der neue Welpe es schon genauso gemacht! Außerdem hat er sich dasselbe Lieblingsfutter und dieselben Lieblingsspielsachen ausgesucht wie Paddy. Es ist, als wäre Paddy wieder bei uns - und er ist so glücklich, wieder hier zu sein.

Und das gilt nicht nur für Haustiere. In The Case for Reincarnation erwähnt Joe Fisher, der Jockey Steve Donoghue sei überzeugt gewesen, dass Tetrarch, eines der schnellsten Rennpferde der Geschichte, schon in früheren Leben ein Rennpferd gewesen sei.

„Von dem Tag an, an dem er Geschirr zum Einreiten trug, wusste er, was er zu tun hatte“, berichtete der Jockey. „Schon beim ersten Mal, an dem ich ihn mit auf die Rennbahn nahm, wusste er alles, was man über Pferderennen wissen kann.“

Die Löwenkönigin

Unsere übersinnliche Verbundenheit mit dem Tierreich könnte eine unserer größten angeborenen Gaben sein. Viele Menschen haben in der Natur schon verzauberte Begegnungen erlebt oder hatten Gedankenaustausch mit geretteten Tieren oder Haustieren. Doch die Wissenschaft rümpft kollektiv die Nase über Daten, die auf Schilderungen beruhen. Als Regel gilt: Wenn sich etwas nicht in einem Labor testen lässt, lässt es sich auch nicht beweisen und ist daher falsch. Als Ergebnis wurde unsere uralte Verbindung zur Tierwelt außerhalb des Parameters akzeptierter Meinungen der Massen gekappt. Doch hier und da taucht ein Bericht auf, der sich nicht so leicht ignorieren lässt.

Im Jahr 1991 erhielt eine kleine Touristengruppe in Südafrika einen dramatischen Beweis kraftvoller Tiertelepathie. Als Linda Tucker mit ihrem Mann und Freunden durch das Wildreservat Timbavati fuhr, blieb ihr Landrover liegen. Es wurde schon dunkel. Eine hungrige Horde von Löwen fing an, sie einzukreisen. Voller Panik riefen sie um Hilfe.

Dann sah Linda etwas, das wie ein schattenhaftes Gespenst aussah. Es näherte sich ihnen aus der Dunkelheit. Wie sich herausstellte, war es eine alte Frau mit einem Baby auf dem Rücken und zwei Kindern, die sich an ihrem Rücken festklammerten. Sie schlurften in einem tranceartigen Zustand heran. Die Frau murmelte immer wieder einen Singsang. Es war die Schamanin Maria Khosa, die Löwenkönigin von Timbavati genannt wurde. Als sie näher kam, beruhigten sich die Löwen.

Die wilden Tiere hatten Vertrauen zu Maria. Auf ihre Aufforderung hin hielten sie sich zurück und ließen einen der Touristen vorbeigehen, um Hilfe für die Gruppe zu holen.

Als Maria die Hilfeschreie gehört hatte, hatte sie, wie sie sagte, zuerst ihre Vorfahren um Führung gebeten. Dann hatte sie sich in twasa versetzt - den hypnotischen Trancezustand, in den sich alle Schamanen bei der Arbeit versetzen. In diesem Zustand konnte sie mit den Löwen kommunizieren und sie überreden, die Leute im Landrover in Ruhe zu lassen.

Unsere übersinnliche Verbundenheit zu den Tieren mag zwar mangels Anwendung geschwächt sein. Doch ich halte sie für eine naturgegebene menschliche Fähigkeit voller positiven Potenzials für die Zukunft.

Wenn Sie Tiere lieben oder mit ihnen arbeiten, fällt es Ihnen möglicherweise leicht, mit ihnen über Gedanken zu kommunizieren - vor allem, wenn dies eine Ihrer Begabungen aus einem früheren Leben ist. Vielleicht begegnen Sie auf diese Weise sogar einem alten Freund wieder. Ich bin überzeugt davon, dass Tiere reinkarnieren und die Menschen, denen sie in früheren Leben nahestanden, wiedererkennen.

Wenn genügend Menschen sich an diese alten Gewohnheiten erinnern, wird die Menschheit sicher wieder mit Tieren sprechen und ihnen zuhören können.

Telepathie mit Tieren lernen

Hier sind ein paar Tipps, die Ihnen weiterhelfen, Ihre natürliche Telepathie mit Tieren wiederzuentdecken:

 Tiere wenden immer Telepathie und übersinnliche Wahrnehmung an. Für sie ist das ganz natürlich. Sie senden und empfangen Gefühle, Bilder und Eindrücke. Unser Gehirn übersetzt diese Mitteilungen in Worte. Die beste Methode, Tieren (und Menschen!) eine telepathische Nachricht zukommen zu lassen, ist daher, Ihre Worte mit Bildern und Gefühlen zu kombinieren.

 Beginnen Sie zu Hause mit Ihren Haustieren. Schicken Sie ihnen liebevolle Gedanken, um die telepathische Verbindung zwischen Ihnen und den Tieren zu öffnen. Üben Sie anschließend, ihre Gedanken und Gefühle zu erspüren.

 Wiederholen Sie diese Schritte, wenn Sie nicht mit Ihren Tieren zusammen sind.

 Tun Sie dasselbe mit anderen Tieren, wenn Sie das Gefühl haben, genügend geübt zu haben. Fangen Sie mit den Tieren in Ihrer unmittelbaren Umgebung an.

 Der nächste Schritt ist, sich auf Tiere einzustellen, die weit weg sind. Menschen, die diese Fähigkeit entwickelt haben, können zum Beispiel inspirierende Botschaften von Walen und Delfinen empfangen.

 Eine der besten Anwendungsmöglichkeiten für diese Fähigkeiten ist, Tieren, die nervös oder verängstigt sind, beruhigende und tröstende Gedanken zu schicken - das können Sie sogar aus weiter Ferne tun.

 Irgendwann wird die Tierwelt antworten, indem sie Ihnen interessante Erlebnisse schickt, um Ihre Fähigkeit zu bestätigen und weiterzuentwickeln. Ein faszinierendes Forschungsabenteuer wartet auf Sie!


6
Fliegen

Die bedeutendste Gabe, die Schamanen besitzen, ist die Fähigkeit, in andere Reiche zu fliegen, um Antworten und Heilmittel für ihr Volk zu erhalten. Das Fliegen spielt eine solche Schlüsselrolle, dass überall auf der Welt Höhlenkunst und alte Petroglyphen Schamanen beim Fliegen abbilden.

Der schamanische Initiationsprozess lehrt sie, wohin sie auf ihren Reisen fliegen müssen, wie sie hinkommen und Gefahren vermeiden. Der Schamane lernt, wie er von der „Mittleren Welt“, in der wir leben, in die „Untere Welt“ der Naturmagie und in die „Obere Welt“ des höheren Geistes sowie in alle Arten von parallelen „mittleren Welten“ gelangt.

Bei seiner Regression beschrieb Zack, wie er trainiert wurde, als Vorbereitung auf seine Rolle als afrikanischer Schamane in die obere Welt zu gelangen:

Ich lerne, zu den Sternen zu fliegen. Ich gehe durch besondere Orte in der Erde - Orte der Macht - hindurch. Sie sagen, dass ich eines Tages lernen werde, nicht nur mit meinem spirituellen Körper, sondern auch mit meinem physischen Körper zu fliegen.

Sie haben mir beigebracht, zu einem besonderen Stern zu fliegen. Von dort kam mein Volk vor langer Zeit. Ich fliege nicht direkt dorthin. Es gibt viele Kreuzungen auf dem Weg. Die Wege sind gewunden. Ich schwebe mit großer Geschwindigkeit. An diesem Ort leben viele verschiedene Arten von Kreaturen und Lebewesen. Manche sind sehr groß.

Hinterher kehre ich zurück und erzähle meinen Lehrern, was ich gesehen habe. Sie können an meinen Schilderungen erkennen, ob ich wirklich dort war.

Shapeshifting

Gegen Ende ihrer Regression redete Naomi über eine andere Art des Fliegens: Das Shapeshifting. Dafür müssen Schamanen zuerst die Überseele eines Krafttieres suchen. Wenn sie eine finden, die mit ihnen zusammenarbeiten möchte, wird das Tier zu ihrem persönlichen Symbol und kann bei Bedarf als ihr Double dienen.

Um in andere Reiche zu reisen, wird der Schamane zu seinem Krafttier. Das kann über astrale Projektion geschehen, bei der der spirituelle Körper des Schamanen die Gestalt seines Krafttieres annimmt. Trotzdem sind diese Umwandlungen gemäß Überlieferungen und persönlichen Berichten eindeutig physischer Natur. Falls das Double während einer Mission verletzt oder getötet wird, erkrankt oder stirbt der Schamane bald darauf selbst.

Hier sind Naomis Erinnerungen an dieses Erlebnis:

Jetzt kommt der Winter. Es geht dem Jahresende zu, und wir haben immer noch keine Nachricht von unseren Kriegern. Wo sind sie? Sie hätten längst zurück sein sollen. Es dauert zu lange. Keine Boten sind gekommen. Keiner meiner Vogelboten ist zurückgekehrt. Ich werde die Aufgabe selbst erledigen müssen. Ich muss mich wieder auf die Reise machen. Aber dieses Mal will ich fliegen.

AF: Können Sie fliegen?

N: Nur selten. Bei mir funktioniert es nur dann, wenn es einen starken Grund dafür gibt - wenn ich keine andere Möglichkeit mehr habe. So wie jetzt auch. Dazu muss ich an einen Ort weit weg von der Siedlung gehen, an dem mich keiner sehen kann. Ich bitte den Geist der Vögel, den Geist der Lüfte, mir bei meinem Unterfangen zu helfen. Und dann ... dann ... es funktioniert! Ich schwebe in der Luft.

AF: Wie haben Sie das gemacht?

N: Ich bin gesprungen ... und jetzt bin ich ein Vogel. Es ist einfach passiert; ich weiß auch nicht wie. Ich weiß nicht, was für ein Vogel ich bin. Ich habe braune Federn. Ich fühle mich ziemlich stark. Ich spüre, wie ich gegen den Wind ankämpfe, wie ich manchmal dagegendrücke. Er reißt mich hin und her, doch ich fliege ruhig weiter. Manchmal kann ich auf ihm gleiten.

Die Landschaft unter mir hat ganz deutliche Konturen. Ich kann jedes Detail genau erkennen. Es gibt viele Bäume da unten - der Wald ist sehr dicht. Die Blätter haben sich rot und gelb verfärbt. Zwischen den Wäldern gibt es auch Wiesen und Felder. Ich fliege ziemlich weit ... und suche ... und suche ...

(Lange Pause)

Ich kann sie nirgendwo finden. Ich muss zurückkehren.

Ich gehe zurück ... zurück ... schwebe hinunter. Ich schwebe aus großer Höhe rapide abwärts, aber mein Magen senkt sich nicht ab. Der Fall fühlt sich ganz sanft an.

Meine Füße berühren den Boden. Ich bin immer noch ein Vogel. Dann stehe ich auf. Jetzt bin ich wieder ein Mensch.

Nach ihrer Regression sagte Naomi, dass der Flug auch noch in ihrer Erinnerung eine berauschende Erfahrung gewesen sei. Sie hatte das starke Gefühl, dass es keine außerkörperliche Reise war. Die physischen Sinneswahrnehmungen waren so lebendig und real, dass sie überzeugt war, sich wirklich in einen Vogel verwandelt zu haben und geflogen zu sein.

Der Volksmund und religiöse Schriftstücke aus aller Welt sind voller Berichte über Menschen, die fliegen konnten. Wie irische Legenden besagen, waren die Druiden mächtige Zauberer, die sich in jede beliebige Gestalt verwandelten, während die hinduistischen, christlichen und islamischen Schriften allesamt von physischen Schwebeflügen der Heiligen und Mystiker berichten.

Der Rigveda spricht von Zauberern, die in der Nacht „wie Vögel“ umherfliegen. Hinduistische sadhus (Gurus) sollen die siddhi (Macht) der Erhebung als natürliche Folge ihres spirituellen Wachstums besitzen.

Der Yogi Subbayah Pullaver hatte die Angewohnheit, sich hinzulegen, in eine tiefe Trance überzugehen und dann mehrere Fuß horizontal über dem Boden zu schweben. 1936 tat er dies vor 150 Augenzeugen.

Im siebzehnten Jahrhundert wurde der italienische Priester Josef von Copertino „der Fliegende Mönch“ genannt, weil sein Körper in Augenblicken religiöser Ekstase aufstieg und manchmal in beachtlicher Höhe in der Luft schwebte. Er tat dies oft, vor allem während des Gottesdienstes. Im Laufe seines Lebens haben unzählige staunende Kirchengänger seine Höhenflüge miterlebt.

Daniel Dunglas Home, ein Medium des neunzehnten Jahrhunderts, konnte in seinem Haus sich selbst und schwere Möbelstücke zum Schweben bringen. Trauben von Zuschauern sahen zu, während er am hellen Tag aus einem Fenster im dritten Stock in ein anderes flog. Er konnte sich auch mehrere Zentimeter größer machen und schwebte oft bis an die Decke. Ein Dutzend Mal testeten ihn Ausschüsse beharrlicher Skeptiker, doch sie konnten seine Kräfte nicht widerlegen.

Andere Berühmtheiten, denen das Fliegen zugeschrieben wird, waren der altgriechische Philosoph Apollonius von Tyana, der Gnostiker Simon Magus, die christlichen Heiligen Franz von Assisi und Teresa von Avila sowie der Gründer der Jesuiten, Ignatius von Loyola.

Doch das Fliegen war nicht nur Mystikern oder Magiern vorbehalten. Bevor die Kirche es endgültig schaffte, schamanische Kräutertränke zu verbannen, flogen gewöhnliche Leute mit Hilfe von Flugsalben.

Das vollständige Rezept hierfür ging verloren - oder wird sorgfältig unter Verschluss gehalten. Wir wissen, dass es auf einer Basis aus Öl oder Fett hergestellt wurde, der mehrere sorgfältig dosierte starke Gifte aus Pflanzen wie beispielsweise Eisenhut, Doldenblütler und tödlicher Nachtschattengewächse untergemischt wurden. Dann wurde der Körper mit der Salbe eingerieben, vor allem an Stellen, an denen sie gut absorbiert wird. Das erklärt wahrscheinlich die Geschichten über Hexen, die rittlings auf ihren Besen ritten.

Als Teil der Kampagne gegen die alten Traditionen verbreitete die Kirche das Gerücht, dass Flugsalbe aus dem Fett ungetaufter Kinder gemacht worden sei. Das verteufelte diejenigen, die sie verwendeten, und verekelte diejenigen, die sie noch nicht ausprobiert hatten. Als Folge sind heute Geschichten über Flugsalben nur noch ein Flüstern der Vergangenheit.

Es mag erscheinen, als wären die Tore des Zauberflugs für uns verschlossen worden. Doch in den letzten Jahrzehnten ist eine völlig neue Art des Fliegens entstanden. In den 1970ern machte Robert Monroe mit seinem Buch über außerkörperliche Erfahrungen allen Menschen den Weg zum Astralreisen frei. Später gründete er das Monroe-Institute, um jedem die Möglichkeit zu geben, diese Fähigkeit zu lernen. Seitdem erfreut sich das Thema eines starken Interesses; ein stetiger Strom an Büchern, Artikeln und Workshops ist entstanden. Bei so vielen Informationen über das bewusste Astralreisen, die mittlerweile zur Verfügung stehen, ist es nicht länger notwendig, sich den Gefahren der physischen Schwerkraft auszusetzen.

In den Zeiten der Natur-Magie war es selbstverständlich, dass jeder Schamane fliegen konnte. In der Zukunft könnte die Vorstellung, dass jeder in seinem spirituellen Körper wie ein Vogel fliegen kann, genauso selbstverständlich werden. Die alte Methode der Schamanen könnte eines Tages für uns alle zu einer ganz natürlichen Gewohnheit werden.


7
Die Brücke zur anderen Welt

Eine der besten Vermächtnisse aus schamanischen Zeiten ist die positive Einstellung zum Tod. Damals bedeutete der Tod nur, dass der Geist den Körper verlässt und in die nächste Welt übergeht. Reisen ins Reich der Toten waren ganz alltäglich. Das „Jenseits“ war nicht nur etwas Reales, sondern auch etwas Vertrautes.

Wie sehr sich diese Sichtweise doch von den etablierten Überzeugungen der westlichen Welt unterscheidet! Viele Jahrhunderte lang hat die Kirche den Menschen mit dem Höllenfeuer und der Verdammung nach dem Tod gedroht. Für viele war die einzige Alternative dazu der „rationale“ Glaube, dass wir nur Körper sind und der Tod das Ende allen Bewusstseins.

Dieser Glaube hat uns das Leben verdorben und den Tod vermiest. Ein schwieriger Tod beschwört alle möglichen Arten von Neurosen und Phobien für die nachfolgenden Leben herauf. Ein großer Teil der heutigen Regressionstherapie besteht daraus, diese Folgen rückgängig zu machen. Mit weniger Zorn wäre die Erfahrung eine weitaus friedlichere. Dann würden die Leute wissen, wie man ganz einfach aus seinem Körper schlüpft - selbst wenn der Tod plötzlich oder mit aller Wucht kommt.

Dr. Helen Wambach berichtet: „Recht häufig sagen Klienten mir nach einer Todeserfahrung in einer Regression in ein früheres Leben, dass eine Phobie oder ein Symptom, das sie vorher hatten, dadurch verschwunden ist.“

Wie kommt es, dass wir die weisen alten Wege vergessen haben? Im Jahr 2005 präsentierte Dr. Nigel Spivey eine kurze Doku-Reihe der BBC mit dem Titel Death in Art (Der Tod in der Kunst). Darin zeigte er, wie die Todesangst seit der Zeit der Azteken bis zum heutigen Tag als Kontrollmittel benutzt wird. Er erklärte, wie Bilder vom Tod die Macht haben, Menschen an eine Überzeugung zu binden. Bilder von Feinden, die von den eigenen Anführern getötet wurden, wirken einerseits wie eine Bestätigung, da sie zeigen, dass man auf der Seite der Sieger ist. Doch unterschwellig enthalten sie eine düstere Botschaft: Tanze nicht aus der Reihe, sonst kann dir dasselbe auch passieren. Wenn die Todesangst geschürt wird, macht sie die Leute kämpferischer. Dann fühlen sie sich immer mehr durch Gruppen bedroht, die anders als ihre eigene sind. Das fördert gesellschaftliche Hierarchien und stärkt die Macht des Staats. Außerdem treibt es die Menschen in den Krieg.

Im krassen Gegensatz dazu ist die schamanische Sichtweise über den Tod die, dass er ein natürlicher Vorgang ist und kein Feind, den man fürchten muss. Er kommt, wenn er kommen soll - wenn die Seele weiß, dass die Zeit gekommen ist, weiterzugehen. Er wird nicht durch Alter, Krankheiten oder Unfälle „verursacht“. Sie sind nur Tore, die er nutzt.

Für naturverbundene Menschen ist der Tod nur Teil des ständig wechselnden Lebenszyklus. Zwar mag die Sonne am Ende des Tages sterben, aber am nächsten Morgen lebt sie wieder. Die Landschaft wirkt im Winter zwar wie abgestorben, doch im Frühling kehrt das Leben zurück. Diese alltäglichen Wunder enthalten wichtige Botschaften über die wahre Natur von Leben und Tod für uns.

Das Boot über den See

Eine meiner Regressions-Klientinnen erinnerte sich an ein Leben als Indianerin. Im hohen Alter wusste sie, dass ihre Zeit hinüberzugehen bald kommen würde. Sie bereitete sich in Ruhe darauf vor.

Als sie schließlich aus ihrem Körper schwebte, sah sie einen riesigen See. Ein Boot näherte sich, um sie abzuholen. Nach einem letzten Blick auf die Berge, die sie so liebte, stieg sie in das Boot.

Sie wusste, sie würde an einen sicheren und friedlichen Ort gebracht, an dem sie sich von ihrer körperlichen Reise erholen und darüber nachdenken könnte, was sie als Nächstes tun wollte.

Mission vollendet

Kass, die Weise des Waldvolks, sagte, sie sei bereit, dieses Leben zu verlassen, sobald sie ihre Mission vollendet habe. Zusammen mit ihren Schwestern bildete sie eine jüngere weise Frau als Anführerin des Stammes aus. Sie hatte das Gefühl, ihr Volk in guten Händen zurückzulassen.

Die Einführung der neuen weisen Frau fand in Form eines großen Festes statt:

Wir bildeten einen großen Kreis innerhalb der Steine. Wir führten die alten Rituale aus, um unsere Götter in den Kreis aus Steinen zu holen. Und sie kamen auch.

Danach sagten wir dem Stamm, es sei Zeit, eine neue weise Frau zu haben, eine junge, die eine neue Zeit mit sich bringen würde. Dann nahmen wir ihr die Kutte ab und führten sie nach vorne.

Es war eine große Überraschung für die Leute. Keiner hatte das Geheimnis verraten. Die junge Weise sah in ihren besonderen Gewändern wunderschön aus. Der ganze Stamm sah sie mit offenem Mund an.

Sie sprach mit starker, klarer Stimme zu ihnen. Sie sagte ihnen, dass sie in einer Vision gesehen habe, wie unser Volk durch eine Landschaft aus Schlamm, Wind und Dunkelheit gewandert sei. „Aber wir gehen in ein herrliches Sommerland. Es wird ein Ort voller Wunder sein. Unsere Götter und Geister werden uns hinführen. Heute Abend ist der Anfang unserer Reise in unser Sommerland.“

Anschließend sangen und tanzten alle. Meine Schwestern und ich sahen eine Zeitlang zu. Unsere Herzen waren mit Freude erfüllt. Dann verließen wir die anderen und gingen zurück. Unsere Arbeit war getan.

Damit war mein Leben vollendet. Ich konnte nun damit aufhören, die Schatten des Todes in Schach zu halten. Ich legte mich nieder und ließ sie in meinen Körper einströmen. Bald darauf wurde ich krank. Doch es war eine sanfte Krankheit. Ich hatte kaum Schmerzen. Meine Schwestern pflegten mich liebevoll. Während ich krank auf meinem Lager lag, legten die Leute viele Geschenke vor der Tür ab.

Langsam driftete ich weg. Stück für Stück nahmen die Geister des Waldes mich mit. Eines Tages ging ich ganz mit ihnen und kehrte nicht mehr zurück.

Die Abreise geübt

In Zacks Leben als afrikanischer Schamane wurde er mit den anderen Reichen vertraut - lange bevor seine Zeit gekommen war, dorthin zu gehen. Im Folgenden beschreibt er ein solches Erlebnis:

Ich strecke die Arme nach dem Geistwesen aus, das mir den besten Rat geben wird. Dann lasse ich mich an den Ort ziehen, an dem der Geist ist. Es fühlt sich so an, als würde man in rasender Geschwindigkeit durch einen Tunnel fliegen.

Er hat mich an einen sehr großen Platz gebracht. Ich erkenne den Ort. Hier habe ich mich schon mit weisen Anführern getroffen. Ich warte auf dem großen offenen runden Platz in der Mitte. Von hier aus führen viele Passagen weg.

Jetzt kommt jemand durch eine der Passagen. Es ist eine sehr große männliche Gestalt. Sie sieht aus, als würde sie weite blaue Gewänder tragen, aber in Wahrheit sind die Gewänder ihr eigenes Licht. Die Gestalt kommt zu mir und bleibt vor mir stehen. Ich muss nichts sagen; sie kann sehen, was ich wissen will.

Als für Zack die Zeit gekommen war, aus diesem Leben zu scheiden, fiel es ihm leicht - er ging einfach nur den Weg, den er schon immer gegangen war, um sich von den Geistführern Rat zu holen.

In jenem Leben fühlte ich mich zufrieden. Aber trotzdem freute ich mich, als es Zeit war, hinüberzugehen. Ich war schon ziemlich alt - älter als die meisten meines Stammes. Ich hatte mich schon eine Weile unwohl gefühlt. Daher entschied ich, dass dies ein guter Zeitpunkt sei, dieses Leben zu verlassen. Ich wollte nicht so alt und krank werden, dass andere mich lange pflegen müssten.

Ich zog mich in meine Hütte zurück und tauchte mehrere Tage lang immer wieder in den Traumzustand ein, in dem ich mit den Göttern und Geistern kommunizierte. Eines Tages ging ich durch den Tunnel, doch diesmal viel langsamer als sonst. Ich trieb eine Weile wie ein Blatt im Strom. Es fühlte sich herrlich an.

Nach einer Weile sah ich ein Licht und ging darauf zu. Als ich es erreicht hatte, sah ich die Vorfahren, die dort auf mich warteten. Da wusste ich, dass ich nicht mehr zurückkehren würde.

Sie brachten mich an ihren wundervollen Ort des Lernens. Dort blieb ich sehr lange und lernte noch viel mehr Dinge, bevor ich für ein weiteres irdisches Leben bereit war.

Eine neue Brücke

Unsere Kultur tut einiges, um unsere Erwartungen an den Tod zu formen. Charon brachte die Seelen der alten Griechen mit der Fähre über den Fluss Styx. Anubis brachte die alten Ägypter in die Unterwelt. Nach nordischer Tradition flogen die Alten nach Asgard - es sei denn, sie waren in der Schlacht gefallen; dann flogen die Walküren sie in die Hallen der Walhalla.

Solche Geschichten sind wie vertraute Verbindungswege zwischen dieser und der nächsten Welt; sie erleichtern es der Seele, die physische Welt zu verlassen. Manche Leute sagen, dass unsere heutige Kultur keine nützlichen symbolischen Brücken zum Jenseits mehr hat, aber das glaube ich nicht. Eine solide neue Brücke wird gerade von all den Menschen errichtet, die Nahtoderlebnisse hatten und über sie sprechen.

Viele von ihnen haben diese Erfahrungen bestätigt, indem sie Dinge, die sie gesehen und gehört haben, während sie über ihrem scheinbar toten Körper schwebten, korrekt wiedergegeben haben. Durch Massen-medien und die Macht des Internets haben sich solche Schilderungen auf der ganzen Welt verbreitet.

Sie alle beschreiben mehr oder weniger das Gleiche. Nachdem die Person ihren Körper verlassen hat, schwebt sie eine Weile über ihrem Körper und beobachtet vollkommen gelöst, was passiert. Dann öffnet sich ein Tunnel. Ein strahlendes Licht und ein wunderbares Gefühl von Liebe und Frieden zieht sie durch den Tunnel. Als sie das Licht erreichen, begegnen sie ihren Geistführern oder geliebten Angehörigen. Häufig erhalten sie inspirierende Botschaften.

Schließlich werden sie aufgefordert, zurückzugehen. Ihre Zeit fürs Jenseits ist noch nicht gekommen. Alle berichten, wie enttäuscht sie waren, als sie das hörten. Hinterher vollziehen viele von ihnen große positive Veränderungen in ihrem Leben, denen spirituelle Werte zugrunde liegen. Ihre Bücher, Artikel und Interviews helfen, die Sicht aller über das, was hinter dem irdischen Leben liegt, zu transformieren.

Frühere Leben zu entdecken ist eine weitere geeignete Methode. Unabhängig davon, ob wir uns an eines oder mehrere Leben erinnern, wird deutlich, dass der Geist niemals stirbt. In den letzten Jahren hat sich durch Dr. Michael Newtons bahnbrechende Arbeit eine aufregende neue Entwicklung gezeigt: Erinnerungen an die Welten zwischen den Leben. Jetzt, da dieses Tor offen ist, wird es leichter, Zugang zu solchen Erfahrungen zu bekommen. Sie sind eine weitere gute Quelle an Informationen und Bestätigungen über das Leben nach dem Tod.

Einfach nur an Wiedergeburt zu glauben macht schon einen großen Unterschied. Nach dem schrecklichen Tsunami 2004 im indischen Ozean wurden Umfragen durchgeführt, um herauszufinden, wie der Glaube den Überlebenden geholfen hatte. Wie sich herausstellte, waren die Menschen, die an Wiedergeburt glauben, widerstandsfähiger und erholten sich rascher von dem Erlebnis als die, die nicht daran glauben.

Wenn die Angst vor dem Tod nachlässt, verringern sich auch alle damit verbundenen Ängste und ungesunden Nebeneffekte.

„Das unbearbeitete Trauma des Todes ist eine der Hauptursachen für Verhaltensstörungen“, sagt Dr. Morris Netherton. „Die meisten Probleme, mit denen ich es zu tun habe, sind im Tod früherer Leben verankert. Wenn die Auswirkungen dieser Todeserlebnisse gelöscht werden, verschwinden viele Störungen wie von selbst.“

Die Rückkehr zu unserem schamanischen Wissen über das wahre Wesen des Todes fördert ein Leben voller Hoffnung und Frieden statt eines Lebens voller Angst und Schuldgefühle. Wenn sich dieses Bewusstsein ausbreitet, wird dies eine stabile Grundlage für eine glücklichere und friedlichere Welt der Zukunft werden.

Besuch im Tempel der Weisheit und Heilung

Dieser Tempel ist ein ungeheuer großer Ort auf der höheren Astralebene. Er enthält riesige Bibliotheken und viele unterschiedliche Plätze, an denen Sie Führung, Wissen oder innere Heilung erhalten können. Sie können ihn jederzeit während der Meditation oder im Traumzustand aufsuchen.

Er kann auch eine wunderbare Brücke zum Jenseits sein. Scheidenden Seelen, die sich während ihres Lebens mit ihm vertraut gemacht haben, bietet er einen klar gekennzeichneten Weg zu den höheren Ebenen und einen sicheren Hafen der Entspannung und Erholung.

 Wenn Sie den Tempel aufsuchen möchten, sollten Sie sich zuerst den Grund für Ihre Reise überlegen. Es muss kein bestimmter Zweck sein - Sie können auch einfach nur hinreisen, um die Umgebung und die erholsame Atmosphäre zu genießen.

 Bitten Sie Ihren Schutzengel oder Lieblingsgeistführer, Sie hinzubringen. Wir alle haben solche Helfer. Sie unterstützen uns immer, wenn wir sie darum bitten - selbst wenn wir es nicht merken.

 Es kann sein, dass Sie das Gefühl bekommen, als würden sich Engelsflügel um Sie legen und mit Ihnen durch einen geraden Lichttunnel direkt zu den höheren Astralebenen fliegen.

 Wenn Sie dort ankommen, sehen Sie den Tempel der Weisheit und Heilung in einer wunderschönen Umgebung. Steigen Sie die Stufen hinauf zu den weit geöffneten Türen und betreten Sie die riesige Eingangshalle. Ein Tempelführer wird Sie herzlich empfangen und Ihnen anbieten, Sie herumzuführen oder an den Ort zu bringen, der sich für den Zweck Ihres Besuches am besten eignet.

 Nach Beendigung Ihres Besuches wird Ihr Schutzengel oder Geistführer Sie sicher wieder zurückgeleiten.

 Zu Hause sollten Sie all denen, die Ihnen geholfen haben, Ihren Dank schicken.

 Sie können den Tempel besuchen, wann immer Sie wollen. Je öfter Sie hingehen, umso leichter wird der Zugang zu allem, was der Tempel zu bieten hat.


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Die Gaben der Vergangenheit

Einflüsse früherer Leben können aus jedem Zeitalter auftauchen, um uns zu helfen, ein Problem im jetzigen Leben zu bewältigen. Was unsere früheren Selbste auch immer erlebt haben mögen - durch ihre Stärken und Erfahrungen können sie zu echten Verbündeten werden. Das trifft insbesondere auf unsere vergangenen schamanischen Leben zu, die uns oft an spirituelles Schlüsselwissen und vergessene innere Stärken erinnern.

Der Wächter

Als Mel mich wegen einer Regression aufsuchte, steuerte sein Leben gerade auf eine Krise zu. Familienprobleme und finanzielle Sorgen bereiteten ihm schlaflose Nächte. Er fing an zu überlegen, ob seine Schwierigkeiten nicht in einem früheren Leben wurzelten. Zu seiner Überraschung entdeckte er ein vergangenes Leben, das nicht die Ursache seiner jetzigen Probleme war, sondern ihm half, sie zu lösen.

Die ersten Eindrücke, die er bekam, waren eine weite, raue, windige Landschaft. Er war ein Junge von ungefähr siebzehn. Der Wind war kalt, und er trug warme Kleidung aus Pelzen. Er war alleine als Wächter seines Stammes unterwegs.

In der Gegend streunten Banden von Plünderern umher, auch wenn man sie nur selten zu Gesicht bekam. Sie schlugen unbarmherzig zu. Mels Aufgabe war, bei dem kleinsten Anzeichen von Fremden auf der weiten Ebene auf sein Pferd zu steigen und zurück zu seinem Stamm zu galoppieren, um sie zu warnen.

Es war ein wanderndes Nomadenvolk. Die Weiden waren nicht saftig, und so mussten sie immer wieder neue Stellen mit frischem Gras für ihre Pferde und Ziegen finden.

Mel arbeitete gern als Wächter:

Ich liebe es, allein hier draußen zu sein. Immer, wenn ich hier bin, reden die Geister mit mir - die Geister des Windes und der Erde. Manchmal bläst mir der Wind auf eine besondere Art ins Hirn. Wenn er das tut, kommen mir Bilder in den Sinn.

Manchmal tauchen vor meinem geistigen Auge Leute auf, die zu weit weg sind, um sie sehen zu können. Ich kann erkennen, ob sie sich nähern oder nicht. Auf diese Weise helfen mir die Geister beim Wachen. Sie beschützen uns.

Einmal zeigten sie mir ein idyllisches grünes Tal mit jeder Menge Gras für unsere Tiere. Ich erzählte den Stammesältesten davon. Wir gingen hin, und es war tatsächlich genauso.

In letzter Zeit zeigen sie mir andere Dinge - Dinge, die ich nicht sehen will. Sie sagen, dass ich bald nicht mehr herkommen und ihnen zuhören kann. Das macht mich traurig.

Jetzt geht die Sonne unter. Ich muss zurück zu meinem Volk reiten. Ich besteige mein Pferd und reite langsam zurück. Der Wind bläst mir um die Ohren. Ich spüre, dass er versucht, mir etwas zu sagen. Aber es ist etwas, was ich nicht hören will.

Mel kehrte zum Zelt der Wächter im Lager zurück. Er erzählte mir noch mehr über sein damaliges Leben:

Wenn die Jungen ungefähr 12 Jahre alt sind, müssen sie von ihrer Familie weggehen und in dieses große Zelt ziehen, um Wächter zu werden. Hier ist auch eine Frau, die für uns Essen kocht und darauf aufpasst, dass wir wirklich unsere Arbeit tun.

Sie hat einen sehr starken und weisen Geist. Wenn ein Junge weiß, welche Arbeit er machen will, geht er von hier weg und fängt seine Ausbildung an. Manche Jungen blieben nur kurz hier.

AF: Welche Arten von Arbeit suchen sie sich aus?

M: Krieger. Jäger. Handwerker. Tierpfleger.

AF: Und welche Arbeit wollen Sie machen?

M: Das ist ja das Problem: Ich weiß es nicht. Ich bin gerne Wächter, aber dafür kann ich mich nicht entscheiden.

AF: Warum nicht?

M: Weil das die Aufgabe der Jungen ist. Wenn ich mich nicht bald für eine richtige Arbeit entscheide, werden die Leute sagen, ich sei kein richtiger Mann. Sogar das Mädchen, das mir gefällt, verbringt mehr Zeit mit meinen Freunden als mit mir. Sie hat gesagt, ich würde mich langsam in ein Gespenst verwandeln. Hinter meinem Rücken lachen sie über mich. Wenn ich mich nicht bald entscheide, was ich tun soll, werden die anderen auch noch über mich lachen. Aber es gibt nun einmal nichts anderes, was ich tun will.

In der nächsten Szene fand er sich im Zelt des Häuptlings wieder. Der Schamane und andere Stammesälteste hatten sich dort versammelt. Er befand sich in einer Art Gerichtsverhandlung. Er hatte einem kleinen Mädchen ein Märchen erzählt, von dem er geglaubt hatte, dass es ihr Mut machen würde, nachdem ihre Eltern krank geworden und gestorben waren. Die Stammesältesten hatten davon gehört und wogen nun ab, ob seine Tat etwas Gutes oder etwas Schlechtes sei. Doch er hatte das Gefühl, in Wirklichkeit für sein Zögern, eine echte Männerarbeit zu wählen, verurteilt zu werden.

AF: Worum ging es in dem Märchen?

M: Um ein kleines Mädchen wie sie, das von den Geistern für eine schwierige Reise ausgewählt worden war. Ich erzählte ihr von den vielen schwierigen Dingen, die das kleine Mädchen erlebte, und wie es alle Schwierigkeiten überwand - wie sein Mut dadurch immer größer wurde. Am Ende der Reise wurde aus dem Mädchen eine Art Prinzessin, die von allen sehr verehrt wurde.

Das war das Märchen. Ich dachte nur, es würde der Kleinen helfen. Jetzt wünsche ich mir, ich hätte es nicht erzählt. Ich habe schon genug Schwierigkeiten, auch ohne dieses neue Problem.

Die Stammesältesten unterhalten sich leise. Ab und zu stellen sie dem Mädchen eine Frage. Der Schamane sagt nicht viel. Er sieht mich immer wieder an.

Nun sagen sie, ich solle reden. Der Schamane sagt, ich solle nichts zurückhalten - ich muss alles sagen, was ich auf dem Herzen habe.

Also sage ich ihnen, dass mir das Kind leidgetan hat und warum ich dachte, dass das Märchen ihm helfen würde. Ich sage ihnen, dass ich gern Wächter bin, weil ich die Geschichten hören kann, die die Geister mir erzählen. Dass das der Grund ist, woher ich weiß, dass Geschichten weiße Magie sind.

Nachdem ich ihnen alles gesagt habe, was ich auf dem Herzen habe, verstumme ich.

Alle sehen mich schweigend an. Keiner sagt ein Wort. Ich weiß nicht, was ich tun soll.

Jetzt erinnert der Schamane die Stammesältesten an die Botschaft, die ich erhalten hatte und die uns in das saftige Tal geführt hatte. Wir hatten dort einige gute Sommer, bis die Plünderer uns verjagten und sich in dem Tal breitmachten. Die Stammesältesten nicken. Es hat ihnen dort gut gefallen.

Der Schamane sagt, ich müsse hinausgehen, damit sie die Angelegenheit besprechen könnten. Ich verbeuge mich vor ihnen und verlasse das Zelt. Ich bin froh, draußen zu sein. Wegen der Verhandlung habe ich heute keine Pflichten, und deswegen wandere ich ziellos umher.

Ich gehe an die Stelle, an der ein paar Jungen, die früher auch Wächter waren, zu Kriegern ausgebildet werden. Sie lernen, wie man auf dem Pferd kämpft. Ich spüre, wie aufgeregt sie sind. Ich wünschte, mir würde es auch so gehen. Aber auch wenn ich es nicht will, muss ich vielleicht ein Krieger werden, wenn ich mir meinen Berufsweg nicht bald selber aussuche. Der Stamm kann immer neue Krieger gebrauchen.

Jetzt kommt der Schamane zu mir. Die Versammlung scheint vorbei zu sein. Er ruft mich zu sich. Er sagt, ich soll in sein Zelt kommen. Er hat mir eine Menge zu sagen. Ich bin schrecklich nervös.

In seinem Zelt sagt er mir, sie hätten entschieden, dass das Märchenerzählen dem Kind gutgetan habe. Deswegen würde ich nicht bestraft werden. Doch ich dürfe nicht mehr umhergehen und Geschichten erzählen. Dasselbe gelte für meine Botschaften von den Geistern und meine Träume. Von nun an darf ich diese Dinge nur noch dem Schamanen erzählen, und der entscheidet dann, was damit gemacht wird. Aus diesem Grund muss ich sein Lehrling werden. Wenn ich das nicht will, darf ich nie wieder über Geschichten oder Visionen oder Träume reden. Zu diesem Urteil sind sie gekommen.

Der Schamane sagt, er nehme mich nur als Lehrling, wenn ich diese Arbeit auch wirklich wolle, weil ich mich ihr völlig verschreiben müsse. Er sagt, es sei nicht alles so angenehm, wie den Geistern zuzuhören. Ich würde eine Menge lernen müssen. Manches davon sei ziemlich schwierig.

Er sagt, ich solle jetzt weggehen und darüber nachdenken und ihm vor der Dämmerung mitteilen, wie ich mich entschieden hätte.

AF: Wie fühlen Sie sich jetzt?

M: Verwirrt. Überwältigt. Als Lehrling des Schamanen ausgewählt zu werden - wenn auch unter diesen merkwürdigen Umständen - ist eine große Ehre.

AF: Haben Sie diese Tätigkeit denn noch nie als Arbeit in Erwägung gezogen?

M: Nein. Daran habe ich nie gedacht, weil der Schamane sich seinen Lehrling selbst aussucht. Das kann man nicht von alleine. Und ich weiß nicht, ob ich das, was er macht, je tun kann.

AF: Was macht er denn?

M: Er heilt alle möglichen Krankheiten, Wunden und Knochenbrüche. Außerdem singt er für den ganzen Stamm sehr wirksame magische Formeln. Ich glaube nicht, dass ich diese Fähigkeit jemals haben werde. Ich werde mich nur zum Narren machen. Dann werden mich die Leute erst recht auslachen.

Ich ging also zum Zelt der Wächter zurück. Die Frau, die uns versorgte, hatte einen großen Topf Suppe für uns gekocht. Ich nahm mir eine Schüssel Eintopf und ging zum Essen wieder nach draußen.

Mein Freund Alu kam vorbei. Er war kein Wächter mehr und sah nun auf mich herunter, weil wir gleichzeitig mit der Aufgabe des Wächters begonnen hatten und ich noch nicht weitergekommen war.

Er fragte mich sarkastisch, warum ich nicht draußen für den Stamm Wache schob. Deshalb erzählte ich ihm, was vorgefallen war. Er fing an zu lachen. Er sagte, ich würde auch als Lehrling des Schamanen versagen.

Ich ging zurück ins Zelt der Wächter und legte mich auf das Bettlager. Die Frau, die für uns kochte, fragte mich, warum ich da war. Ich erzählte ihr alles, was geschehen war - wie Alu gesagt hatte, dass ich als Lehrling des Schamanen versagen würde, und dass ich glaubte, er könnte recht haben.

Plötzlich wurde sie sehr zornig. Sie schrie so laut, dass sie die anderen Jungen aufweckte.

Sie schrie mich an, ich solle aufstehen. Sie sagte, dies sei das letzte Mal, dass ich je in diesem Zelt geschlafen hätte. Ich müsse es jetzt für immer verlassen, weil ich der nächste Schamane des Stammes sein würde. Ich müsse noch an diesem Tag mit meiner neuen Arbeit beginnen.

Dann stieß sie mich aus dem Zelt und sagte, ich solle ja nie wiederkommen.

Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Daher ging ich wieder zum Zelt des Schamanen. Er saß in der Sonne und mischte irgendetwas in einer Schüssel. Ich blieb stehen, ohne etwas zu sagen.

Er wies mich an, sich neben ihn zu setzen. Dann erklärte er mir, was er in der Schüssel mischte. Es war eine Medizin. Er brauchte irgendeine Zutat dafür, und so bat er mich, sie ihm aus seinem Zelt zu holen. Das tat ich.

Dann forderte er mich auf, die Zutat für ihn zu zerkleinern. Das tat ich auch. Anschließend sagte er, er müsse hinausgehen, um etwas anderes zu tun. Unterdessen solle ich die Zutat mit der Mischung verrühren. Also tat ich es.

Als er zurückkam, sah er sich die Mischung an und sagte, ich hätte gerade meine erste Aufgabe als sein neuer Lehrling ausgeführt.

Dann gab er mir weitere kleine Aufgaben für den Rest des Tages.

Als es dämmerig wurde, fragte er mich, wie ich mich entschieden hätte. Ich sagte, ich würde die Stelle als Lehrling annehmen, wenn er sie mir anböte. Ich würde aber sicher niemals seine Fähigkeiten besitzen.

Er lachte nur und sagte: „Jetzt hast du deine wahre Berufung gefunden.“

Die nächste Schlüsselepisode in diesem früheren Leben ereignete sich einige Jahre später, als Mel um die 30 war.

Ich bin sehr nervös. Eine wichtige Versammlung des ganzen Stammes steht bevor. Das hat mir der Schamane nach seinem Gesang mitgeteilt. Ich muss mich erheben und vor allen Leuten meines Stammes sprechen. Das habe ich noch nie getan. Er sagt, ich solle allen den Traum erzählen, den ich gehabt hätte.

AF: Und warum sollen Sie das tun?

M: Weil wir ein großes Problem haben. Darum geht es bei der Versammlung. Es geht um unsere Pferde. Wir haben mittlerweile viel zu viele. Pferde sind uns heilig. Wir wollen kein einziges wegjagen. Es ist nicht dasselbe wie mit den Ziegen - wir würden unsere Pferde nie essen oder ihre Milch oder ihr Fell verwenden - und daher wissen wir nicht, was wir mit ihnen tun sollen. Und weil sie zu viel Gras fressen, müssen wir öfter weiterziehen, als uns lieb ist.

Ich habe um eine Lösung im Traum gebeten. Als er kam, erzählte ich ihn dem Schamanen. Jetzt sagt er, ich müsse ihn dem ganzen Stamm erzählen.

Bei Dämmerung versammeln sich alle in einem großen Kreis. In der Mitte lodert ein großes wärmendes Feuer. Wir haben die Pferde hergebracht, weil es um sie geht. Sie stehen um den äußeren Rand des Kreises herum. Ihre Augen glänzen im Feuerschein. Ich glaube, ihre Seelen verstehen, was vor sich geht.

Die Feierlichkeiten beginnen. Der Schamane singt seine Sprüche. Ich trommle wie immer für ihn. Als er fertig ist, sagt er, ich müsse aufstehen und reden.

Mir zittern die Knie. Ich erhebe mich und bitte im Stillen die Geister, mir beizustehen. Dann fange ich an zu reden. Die Menge verstummt.

Ich sage ihnen, dass ich die Geister gebeten hätte, mir eine Lösung unseres Problems zu schicken, und dass der Große Pferdegeist im Traum zu mir gesprochen habe. Er hat gesagt, wenn wir die Pferde den Weg weisen lassen, werden sie uns zur Lösung des Problems führen.

Die Leute fragen: „Was ist das für eine Lösung? Wohin werden die Pferde uns führen?“ Aber ich habe keine Antworten auf ihre Fragen. Ich setze mich wieder. Ich bin sicher, sie halten es für keine besonders gute Botschaft.

Am nächsten Tag besprechen die Stammesältesten dieses mit dem Schamanen und beschließen, es zu ausprobieren. Sie werden tun, was der Traum mir gesagt hat: uns von den Pferden führen zu lassen. Das bedeutet, sie loszubinden und ihnen zu folgen.

Bevor wir losziehen, gibt es noch eine Feier. Der Schamane bittet den Großen Pferdegeist, uns zu lenken und zu helfen. Dann binden wir die Pferde los ...

Für eine ganze Weile bleiben sie in der Nähe und grasen. Doch dann fangen sie an, Schritt für Schritt weiterzugehen. Wir gehen langsam hinterher.

Das dauert viele Tage. Die Pferde bewegen sich zwar in einer allgemeinen Richtung, jedoch nur ganz langsam. Sie bleiben oft stehen und grasen viel. Die Leute werden allmählich ungeduldig. Sie wenden sich gegen mich und brummen, dass es eine blöde Idee war.

Ich wünschte, der Schamane würde den Versuch einfach abblasen. Ich wünschte, ich hätte ihm nie diesen Traum erzählt. Doch er sagt, wir müssten weitermachen und Geduld haben.

(Pause)

Die Lage hat sich verschlechtert. Gestern kam einer der Wachjungen voller Panik zurück. Er hatte in der Ferne eine fremde Siedlung gesehen - und meldete, dass die Pferde direkt darauf zugehen.

Was für eine Aufregung das war! Alle sagen, die Pferde würden uns in Gefahr bringen, böse Geister hätten mir meinen Traum geschickt, man könnte mir nicht vertrauen.

Die Stammesältestens kamen zu mir. Sie fragten, ob das in meinem Traum vorgekommen sei. Nein, war es nicht. Sie sagten, da ich die Sache angefangen hätte, müsste ich jetzt etwas unternehmen.

Also tat ich das Einzige, was mir einfiel: Ich ging wie früher als Wächter hinaus auf die Ebene. Ich bat den Wind um eine Antwort. Sollten wir den Pferden weiterhin folgen? Und eine Schlacht mit den Fremden riskieren?

Die Antwort kam: „Geht weiter. Alles wird gut werden.“

Ich ging zurück und berichtete dem Schamanen, was ich empfangen hatte. Er ging weg, um es den Stammesältesten mitzuteilen. Jetzt stehe ich allein da und warte auf die Entscheidung der Stammesältesten. Alle Leute starren mich wütend an.

(Pause)

Die Besprechung ist vorbei. Der Schamane kommt zurück. Er weicht meinem Blick aus. Ich habe ihn noch nie so nervös erlebt. Es fühlt sich gar nicht gut an.

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Release date on Litres:
22 December 2023
Volume:
311 p. 3 illustrations
ISBN:
9783941435445
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