Read the book: «Altersgerechte Ausbildung in der Jugendfeuerwehr»
[1]Die Roten Hefte 108
Silke Wehrle
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1. Auflage 2021
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© W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart
Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart
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ISBN 978-3-17-036484-4
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epub: ISBN 978-3-17-038669-3
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[3]Inhaltsverzeichnis
1 Vorwort
2 1 Pubertät 1.1 Abschied von der Kindheit – Zeit des Zweifels und der Unsicherheit 1.2 Die »zweite Trotzphase« oder »Das Kind im Teenager« 1.3 Patentrezepte gibt es nicht 1.4 Selbstkontrolle
3 2 Soziale Grundbedürfnisse 2.1 Die Bedürfnis-Pyramide 2.2 Der Mensch als soziales Wesen 2.3 Ausbilder als psychologischer Beistand 2.4 Selbstkontrolle
4 3 Anforderungen an die Ausbilder 3.1 Rechtliche Absicherung 3.2 Aufsichtspflicht 3.3 Beginn und Ende der Aufsichtspflicht 3.4 Praktische Überlegungen zur Einhaltung der Aufsichtspflicht 3.5 Umgang mit Alkohol, Drogen und Sexualdelikten 3.6 Selbstkontrolle
5 4 Jugendfeuerwehrdienste für alle 4.1 Vergleich Fußball – Feuerwehr 4.2 Einheitliche und strukturierte Ausbildung 4.3 Altersgerechte Inhalte 4.4 Kompetenzorientierte Ausbildung 4.5 Selbstkontrolle
6 5 Nachhaltige und effektive Wissensvermittlung 5.1 Die vier Lerntypen 5.2 Wissensvermittlung mit allen Sinnen 5.3 Die 4-Stufen-Methode 5.4 Selbstkontrolle
7 6 Kommunikation 6.1 Gesprächsführung mit Kindern und Jugendlichen 6.2 Kommunikation kann funktionieren 6.3 Die wichtigsten Kommunikationsregeln 6.4 Selbstkontrolle
8 7 Motivation 7.1 Das Geheimnis des Erfolgs 7.2 Selbstmotivation des Ausbilders 7.3 Tipps und Tricks für die Teammotivation 7.4 Die S.M.A.R.T.-Methode 7.5 Voraussetzungen für die Teamentwicklung 7.6 Selbstkontrolle
9 8 Feedback-Geben leicht gemacht 8.1 Regeln für den Feedbackgeber 8.2 Regeln für den Feedbacknehmer 8.3 Aktives Zuhören und Verstehen im Feedbackgespräch 8.4 Selbstkontrolle
10 9 Regeln in der Jugendfeuerwehr 9.1 Lieber Gebote statt Verbote 9.2 Jugendliche einbeziehen 9.2.1 Einbezug eines Einzelnen 9.2.2 Einbezug des Teams 9.3 Übung ist das halbe Leben 9.4 Eins nach dem anderen 9.5 Anerkennung und Lob 9.6 Beharrlichkeit und Klarheit 9.7 Visualisierung und regelmäßige Wiederholungen 9.8 Die sechs goldenen Regeln 9.9 Selbstkontrolle
11 10 Regel-Verstoß 10.1 Regeln sind zum Brechen da 10.2 Das »Gelb-Rote-Kartenprinzip« 10.3 Selbstkontrolle
12 11 Das Team und dessen Prozesse 11.1 Definition »Team« 11.2 Grunddynamik im Team 11.3 Soziale Grundbedürfnisse im Team 11.4 Die 5 Phasen der Teamentwicklung 11.5 Typische Rollen im Team 11.6 Selbstkontrolle
13 12 Mobbing 12.1 Was ist Mobbing 12.2 Arten und Anzeichen von Mobbing 12.3 Die Phasen des Mobbingprozesses 12.4 Maßnahmen zur Vermeidung von Mobbing 12.5 Selbstkontrolle
14 13 Kooperation zwischen Erwachsenen und Jugendlichen 13.1 Eigenverantwortliches Verhalten 13.2 Präventive Maßnahmen 13.3 Umgang mit Störenfrieden 13.4 Selbstkontrolle
15 14 Zusammenarbeit mit den Eltern in der Jugendfeuerwehr 14.1 Unterschiedliche Formen der Zusammenarbeit mit den Eltern in der Jugendfeuerwehr 14.1.1 Das Tür- und Angelgespräch 14.1.2 Das Elterngespräch 14.2 Elternbriefe und Elterninformationsvermittlung 14.3 Der Elternabend 14.4 Hospitationen 14.5 Feste und Feiern 14.6 Selbstkontrolle
16 Schlussgedanken
17 Literatur- und Quellenverzeichnis
18 Anhang Lösungen zu den Selbstkontrollen
[7]Vorwort
Mit diesem kleinen Büchlein möchten wir Dir als Ausbilder eine praktische Hilfestellung zur Hand geben, die Dir den Alltag in der Jugendfeuerwehr erleichtern und Dir die Freude am Umgang mit Kindern und Jugendlichen erhalten soll – egal ob Du ein Ausbilder-Neuling oder schon länger dabei bist. Sicherlich ist nicht jeder Vorschlag für jeden etwas, doch jeder findet bestimmt einige Punkte, die für ihn praktikabel und sinnvoll erscheinen.
Du bist mit Feuer und Flamme in Deiner Feuerwehr aktiv und brennst für die dortige Jugendarbeit? Doch eventuell warst Du auch schon mal kurz davor alles hinzuschmeißen, aufzugeben und die Jugendfeuerwehr sein zu lassen, um etwas zu machen, was Dir nicht die letzten Nerven raubt? Dann bist Du mit diesen Gedanken und Gefühlen nicht allein, denn es geht vielen Ausbildern in der Jugendfeuerwehr ähnlich.
Auch wenn der Spruch »früher war alles besser und einfacher« immer als nostalgische Aussage belächelt wurde und immer noch wird, so kann man doch mit Sicherheit sagen, dass der Umgang mit Kindern und Jugendlichen in der heutigen Zeit zu einer Herausforderung geworden ist. Das digitale Zeitalter, die neuen Medien, die sich wandelnde Gesellschaft, ein neues Verständnis von Familie und Zusammengehörigkeit, ein verlorengehendes Pflichtgefühl und der »moralische Zerfall« sind Schlagworte, die heutzutage immer wieder im Zusammenhang mit jungen Leuten genannt werden.
[8]Aber ist bei der Jugend von heute wirklich »Hopfen und Malz« verloren oder gibt es Möglichkeiten, wie man genau diese in die Jugendfeuerwehr holen und vor allem auch in ihr halten kann?
Wie reagieren wir angemessen, wenn es mit den Jugendlichen eskaliert und der Frust immer größer wird?
Wie kann störendes Benehmen in konstruktives und kooperatives Verhalten umgewandelt, Stimmung und Motivation verbessert sowie junge Menschen für die Jugendfeuerwehr begeistert werden?
Ist es möglich, klare Strukturen zu schaffen und ein einheitliches Regelwerk einzuführen?
Wir wünschen viel Freude beim Lesen, den einen oder anderen »Aha-Effekt« und viel Erfolg beim Ausprobieren, Umsetzen und Beibehalten.
| Die Autoren möchten hiermit darauf hinweisen, dass jede männliche Form von Jugendlicher/Ausbilder etc. immer auch weiblich und divers gemeint ist und nur aus leserlichen Gründen vereinfacht angeführt wird. das Wort »Ausbilder« immer gleichgesetzt mit Betreuer, Jugendwart, Jugendleiter und dergleichen ist. mit »Eltern« generell jede Art von Erziehungsberechtigten gemeint sind. mit Jugendfeuerwehrdienst sämtliche Zusammenkünfte, Ausbildungen, Ausflüge und Tätigkeiten im Rahmen der Jugendfeuerwehr gemeint ist. |
[9]1 Pubertät
Für die meisten Erwachsenen ist das Wort »Pubertät« und alles, was damit in Zusammenhang steht etwas, das sie in Angstschweiß ausbrechen lässt. Besonders in der schwierigen Zeit der Pubertät, in der sich Kinder und Jugendliche selbst finden und sich intensiv mit sich selbst auseinandersetzen müssen, wird der Umgang mit Erwachsenen oft zur Machtprobe. Allerdings sind gerade in einer solchen Zeit Hobbys besonders wichtig – eignen sie sich doch für Kinder und Teenager gleichermaßen und geben sowohl Halt als auch Kontinuität in dieser Übergangsphase zum Erwachsenwerden. Etwas zu können, gemeinsam zu schaffen und auch mal Hürden zu überwinden macht stark und gibt das Gefühl, in einem Team eingegliedert zu werden. Genau hier kann die Jugendfeuerwehr mit Euch als Ausbilder ansetzen, um junge Menschen einerseits mit ins Boot zu holen und zu motivieren, andererseits den Spaß mit lebenslangem Lernen zu verbinden.
1.1 Abschied von der Kindheit – Zeit des Zweifels und der Unsicherheit
Die Pubertät ist eine der schwierigsten Entwicklungsphasen auf dem Weg zum Erwachsenwerden. Diese Zeitspanne im Alter zwischen 11 und 17 Jahren ist ein Prozess der emotionalen, körperlichen und sozialen Verselbständigung der Kinder, der alle Beteiligten vor sehr hohe Ansprüche stellt.

Bild 1: Unterschied zwischen Minderjährigen und Erwachsenen (nach Koch, 2019)
Zudem ist die Pubertät eine Zeit des Zweifelns und der Unsicherheit. Die Pubertierenden fühlen sich nicht mehr als Kind, aber die Welt der Erwachsenen erscheint oft unverständlich und mysteriös. Auch wenn der offensichtliche Unterschied zu Erwachsenen allein schon im physischen Erscheinungsbild ersichtlich ist, gibt es auch Differenzen in der emotionalen Stabilität sowie im kognitiven Bereich. Daher sind generelle Anforderungen an Kinder und Jugendliche anders als an Erwachsene und auch die Grenzen der physischen und psychischen Belastbarkeit sind viel niedriger.
Die Zeit der Pubertät ist häufig von vielen Herausforderungen geprägt: das Gefühlschaos der ersten Liebe, Probleme mit [11]dem veränderten eigenen Körper, Sinnkrise, Stimmungsschwankungen etc. Die Mädchen und Jungen, die zu uns in die Jugendfeuerwehr kommen, sind meistens zwischen acht und 18 Jahren alt und befinden sich damit zu Beginn bzw. mitten in der Pubertät.

Bild 2: Die Lebensphasen des Menschen
Oft haben die Ausbilder keine pädagogische Ausbildung und meist noch wenig Erfahrung im Umgang mit (eigenen) Kindern. Dadurch fällt es wiederholt schwer zu verstehen, was in den pubertierenden Jugendlichen vorgeht – auch wenn wir alle selbst mal jung waren. Da die Pubertät nicht nur körperliche Veränderungen mit sich bringt, sondern auch den emotionalen [12]Zustand und das Sozialverhalten der Jugendlichen beeinflusst, ist ein routinierter Umgang mit Jugendlichen ein wichtiges Unterfangen. Die Geschlechtsreife entwickelt sich und die Hormone, die für diesen Prozess verantwortlich sind, führen zu extremen Stimmungsschwankungen – in Nanosekunden von gut gelaunt zu hochexplosiv. Diese Launenhaftigkeit ist der häufigste Grund für mögliche Auseinandersetzungen in der Jugendfeuerwehr. Konflikte solcher Art sollten jedoch nicht einfach unterdrückt werden, sondern sind sogar wichtig – kennzeichnen sie doch oft den ersten Abschied von der Kindheit hin zum Erwachsenwerden. In dieser Phase bilden Jugendliche ihre ersten eigenen Grundsätze und Meinungen, die eigenen Charakterzüge festigen sich und äußere Vorkommnisse werden bewusster wahrgenommen.
[13]1.2 Die »zweite Trotzphase« oder »Das Kind im Teenager«

Bild 3: Das Kind in der Trotzphase
In der Lebensphase der Pubertät geht es darum, seine eigene Identität zu entwickeln und sich sowohl bewusst als auch unbewusst von den Erwachsenen abzugrenzen. Ein Grund für die auftretenden Differenzen zwischen Jugendlichen und Erwachsenen kann die veränderte Urteilsfähigkeit sein, wodurch das Handeln der Erwachsenen eher in Frage gestellt und [14]kritisiert wird. Zusätzlich verändern sich mit der körperlichen Reife auch die Rollen der Jugendlichen in ihrem Leben und sie wollen dementsprechend als Erwachsene behandelt werden. Die Heranwachsenden wollen auch für ihren Freizeitbereich mehr Verantwortung übernehmen, Erwachsene hingegen wollen diese oft vor »Schaden« bewahren und nehmen so eine Gegenposition ein. Diese Distanzierung ist sehr bedeutend, denn die Kinder und Jugendlichen lernen, ihre eigene Urteilsfähigkeit und Meinung zu entwickeln. Sie loten ihr Handeln aus und analysieren dabei die Reaktionen von außen. Häufig wird die Pubertät aus genau diesen Streitigkeiten auch die »zweite Trotzphase« genannt.
Sich abzugrenzen ist gerade heutzutage, im Vergleich zu früher, nicht immer einfach. Nicht selten leben die heutigen Erwachsenen ähnlich wie die Jugendlichen, d. h. sie hören die gleiche Musik, ziehen sich jugendlich und »hipp« an und haben die gleichen Hobbys. Die jungen Leute spüren und sehen kaum noch Unterschiede, was die Rebellion gegen die Welt der Erwachsenen oft nur vergrößert.
Kinder und Jugendliche haben in dieser Phase das große Bedürfnis nach Autonomie und respektvoller Behandlung. Es ist ihnen dabei sehr wichtig, an Entscheidungen teilhaben zu können und gehört zu werden. Wir als Ausbilder sollten versuchen, ihnen eine angemessene Verantwortung innerhalb der Jugendfeuerwehr zu übertragen und sie somit auf ihrem Weg zu bestärken. Mögliche Verantwortungsbereiche wären etwa die Pflege des Gerätehauses, die Organisation von Speisen und Getränken für den Jugendfeuerwehrdienst, die Kleiderverwaltung und ähnliche Aufgaben, die je nach Jugendfeuerwehr unterschiedlich ausfallen können. Auch können [15]während des Jugendfeuerwehrdienstes ältere Jugendliche die jüngeren anleiten bzw. unterstützen, da die Akzeptanz der Anleitung durch andere Kinder bzw. Jugendliche oft größer ist als durch Erwachsene. Dies sollte jedoch im Hintergrund und immer in Abstimmung mit dem Ausbilder geschehen.
1.3 Patentrezepte gibt es nicht
Leider gibt es im Umgang mit pubertierenden jungen Menschen keine Standardlösungen, sondern jede Situation muss für sich betrachtet und evaluiert werden. Grundsätzlich gibt es jedoch einige Verhaltenstipps, die den Umgang mit Pubertierenden erleichtern können und je nach Kontext und Sachlage in Betracht gezogen werden sollten. Im Folgenden einige Vorschläge:
Erwachsene sind Vorbilder – innerhalb und außerhalb der Feuerwehr.
Gleiche Regeln für Groß und Klein.
Gemeinsam(e) Regeln aufstellen.
Kein »Bester-Kumpel-Verhalten« den Kindern und Jugendlichen gegenüber.
Konsequente Meinung und Reaktion.
Sicherheit und Orientierung geben durch Aufzeigen notwendiger Grenzen (Regeln).
Bedürfnisse beachten.
Möglichkeit der Meinungsäußerung durch die jungen Leute selbst und ein daraus resultierendes Treffen von Entscheidungen durch sie.
Kritik und Konflikte nicht persönlich nehmen.
[16]Bei Erfolg Lob aussprechen – Anerkennung und Wertschätzung zeigen.
Stärke zeigen durch Entschuldigen bei eigenem Fehlverhalten den Kindern und Jugendlichen gegenüber.
Durch Fehler lernen lassen und diese Möglichkeit auch anbieten (ohne materiellen oder menschlichen Schaden zu verursachen).
Fehler bzw. Fehlverhalten eines Einzelnen nicht vor der Gruppe bloßstellen.

Bild 4: Oops – Patentrezepte gibt es nicht
Es müssen nicht immer alle Verhaltenstipps angewendet werden, manchmal reicht es jedoch schon aus, ein paar Dinge praktisch umzusetzen, um eine kriselnde Situation zu beschwichtigen und »unter Kontrolle« zu bekommen.
| [17]Zum Schluss ein kleiner Geheimtipp für alle Ausbilder: Humor ist, wenn man trotzdem lacht – auch wenn die Situation einen zu überfordern scheint. Gelassenheit und ein Lächeln können oft den ersten Wind aus den Segeln nehmen! Bevor Du impulsiv Deine Meinung vertrittst oder schimpfst, atme innerlich tief durch, zähle bis drei und versuche dann mit ruhiger Stimme zu reden. Emotionsgeladene Reaktionen lösen oft Trotzreaktionen aus. |
1.4 Selbstkontrolle
1 Für wen gelten Regeln?Für die AusbilderNur für die JugendlichenFür Ausbilder, Kinder und Jugendliche
2 Sollen Kinder und Jugendliche ihre Meinung äußern dürfen?JaNeinNur in bestimmten Situationen
3 Wodurch zeigen Ausbilder ihre Stärke?Sie brüllen und schreien, um sich Gehör zu verschaffen.Sie gestehen den Kindern und Jugendlichen gegenüber eigene Fehler ein.Sie halten ihren Jugendfeuerwehrdienst unbeirrt weiter, auch wenn nicht alle zuhören.
[18]2 Soziale Grundbedürfnisse
Alle Menschen haben bestimmte Grundbedürfnisse und möchten diese erfüllt haben. Aus diesem Grund verfolgt jedes menschliche Verhalten ein bestimmtes Ziel, bewusst oder unbewusst. Grundbedürfnisse sind die Voraussetzung für das körperliche und seelische Wohlbefinden und die Entfaltung der menschlichen Persönlichkeit (LpB, 2017). Um mit zunehmendem Alter selbständiger und kompetenter die eigene Bedürfnisbefriedigung übernehmen zu können, braucht der Mensch fortlaufende und an das jeweilige Alter angepasste Anregung, Förderung und Anforderung.
2.1 Die Bedürfnis-Pyramide
Die Maslowsche Bedürfnispyramide des US-amerikanischen Psychologen Abraham Maslow (1908 -1970) ist eine simple und anschauliche Darstellung der Hierarchie menschlicher Bedürfnisse und Motivationen (LpB, 2017):
Physiologisches Bedürfnis:Bedürfnis nach regelmäßigem Schlaf-Wach-Rhythmus, Nahrungsaufnahme, Körperpflege, Gesundheitsfürsorge und Körperkontakt.
Sicherheitsbedürfnis:Bedürfnis nach Schutz vor Gefahren und Krankheiten.
[19]Zugehörigkeits- und Liebesbedürfnis:Bedürfnis nach Mitgliedschaft in einer sozialen Gemeinschaft sowie nach emotionaler Nähe und Verbundenheit. Speziell Kinder und Jugendliche benötigen verlässliche, konstante Bezugspersonen, einfühlendes Verständnis, Zuwendung und mit zunehmendem Alter eine Unterstützung bei der Initiierung und Aufrechterhaltung von zwischenmenschlichen und emotionalen Bindungen sowie eine Förderung in der Entwicklung sozialer Fertigkeiten und emotionaler Kompetenzen.
Wertschätzungs- und Geltungsbedürfnis:Bedürfnis, sich in der sozialen Gemeinschaft zu integrieren und Anerkennung und Bestätigung zu erfahren. Kinder und Jugendliche brauchen Bezugspersonen, die ihre Individualität und Eigenständigkeit positiv spiegeln und Erfahrungen der Selbstwirksamkeit ermöglichen. Diese sollen auch ihr Selbstbewusstsein stärken und sie altersgemäß zu weiteren Leistungen durch Spiel und Anregung herausfordern.
Bedürfnis nach Selbstverwirklichung:Bedürfnis, Persönlichkeit entsprechend der Fähigkeiten und Talente zu entfalten.
So einfach die Darstellung dieser Bedürfnisse anhand der Pyramide auch ist, dürfen wir nicht vergessen, dass der Mensch ein komplexes Wesen ist und Ausnahmen immer die Regeln bestätigen. Das Modell soll dem grundsätzlichen Hintergrund[20]verständnis der menschlichen Psyche dienen, um den Umgang miteinander zu erleichtern und zu vereinfachen.
Beruhend auf der Maslowschen Bedürfnispyramide können wir zusammenfassend sagen, das Kind bzw. der Jugendliche will…
… dazugehören, sich beliebt und geliebt fühlen.
… wichtig sein, Bedeutung haben.
… sich fähig fühlen und Einfluss nehmen können.
… sich geborgen und sicher fühlen.

Bild 5: Die Bedürfnispyramide nach Maslow (1908 – 1970)
[21]2.2 Der Mensch als soziales Wesen
Sicher erfüllst Du als Ausbilder schon auf vielfältige Art und Weise die Grundbedürfnisse der Kinder und Jugendlichen und dennoch kann die Sehnsucht nach Erfüllung dieser Bedürfnisse immer wieder die alltägliche Gruppensituation prägen. Stört ein Gruppenmitglied durch sein Verhalten, kann dies ein Signal dafür sein, dass es hinsichtlich eines Grundbedürfnisses verunsichert ist, sich nicht wertgeschätzt, fähig oder zugehörig fühlt.
Unser ganzes Tun ist darauf ausgerichtet, einen angemessenen Platz in einer Gruppe zu finden, denn der stärkste Beweggrund ist die Sehnsucht nach Zugehörigkeit in einer bestimmten Gemeinschaft (Grundmann, 2010).

Bild 6: Känguru – Symbol für Geborgenheit
Das Kind oder der Jugendliche will ein anerkanntes und wichtiges Mitglied innerhalb des Teams sein. Damit er dieses [22]Ziel erreicht, wählt er die für ihn beste und erfolgreichste Methode, um dazuzugehören und wertgeschätzt zu werden. Bei Erfolg spüren junge Menschen Verbundenheit und erleben ein Gemeinschaftsgefühl. Dieses Empfinden ist für sie sozusagen »lebenswichtig«. Sollte die von ihnen gewählte Methode nicht zum gewünschten Erfolg führen, sind Konflikte leider vorprogrammiert.
2.3 Ausbilder als psychologischer Beistand
Um dem eben beschriebenen Ziel der Gemeinschaft näher zu kommen, kannst Du als Ausbilder den nötigen Rahmen schaffen, in dem das Kind oder der Jugendliche die Möglichkeit findet, dieses Gefühl zu erleben. Im Folgenden einige Ansatzpunkte:
Respektvollen und wertschätzenden Umgang pflegen.
Achtsame und ermutigende, jedoch konsequente Haltung einnehmen.
Gerecht und stets gleich verlässlich handeln.
Verbindliche Regeln für alle aufstellen.
Dienste mit bestimmten Ritualen beginnen und enden lassen.
Kindern und Jugendlichen ein Mitspracherecht gewähren.
Kinder und Jugendliche nach ihren Stärken einsetzen und gute Leistung wertschätzend hervorheben.
[23]Nicht auf Fehlern »herumreiten«, sondern versuchen, diese zu verbessern.
Geduld aufbringen – nicht jeder kann alles sofort.

Bild 7: Regelwerk gemeinsam erstellen
Auf viele Fragen, die Dir während eines Jugendfeuerwehrdienstes durch den Kopf gehen, wie etwa »Warum kapiert das Kind die Aufgabe nicht?«, wird es nicht immer sofort eine Antwort geben. Manche können die Aufgabe tatsächlich aufgrund fehlenden Intellektes nicht verstehen, bei vielen können hingegen externe Gründe für die fehlende Aufnahmefähigkeit vorhanden sein. Letzteres gilt es herauszufinden und die Betroffenen entsprechend zu unterstützen und zu fördern.
| Grundsätzlich gilt: Nie ein Kind oder einen Jugendlichen vor der Gruppe vorführen – immer ein ruhiges Gespräch unter vier Augen suchen! |
Du hast in diesem Sinne nicht nur die Aufgabe, die nötige Ausbildung innerhalb der Feuerwehrtätigkeiten sicherzustellen, Du bist auch dafür verantwortlich, dass sich die jungen [24]Leute innerhalb des Teams wohl, akzeptiert und verstanden fühlen. Einfühlungsvermögen und eine große Portion Verständnis für die momentane Situation sind hierfür jedoch Voraussetzung.

Bild 8: 4-Augengespräch Ausbilder – Jugendlicher
[25]2.4 Selbstkontrolle
1 Ist ein Vier-Augen-Gespräch bei Problemen mit Einzelnen sinnvoll?Nein, Probleme immer mit dem ganzen Team besprechen.Ja, der Einzelne soll nie vor der Gruppe vorgeführt werden.Ja, wenn die Gruppe das Thema bereits ausführlich diskutiert hat.
2 Was sind die Grundbedürfnisse des Menschen?Gesundheit, Nahrungsaufnahme und Wach-Schlaf-Rhythmus.Soziale Fertigkeiten und emotionale Kompetenzen.Selbstverwirklichung, Talententwicklung, Stärkung des Selbstbewusstseins.
3 Welche sozialen Merkmale sind Voraussetzungen für den Ausbilder?Bester Kumpel für alle sein.Einen spannenden Jugendfeuerwehrdienst abhalten.Einfühlungsvermögen und Verständnis zeigen.
[26]3 Anforderungen an die Ausbilder
Damit Du als Ausbilder bei der Jugendfeuerwehr beginnen kannst, benötigst Du einige Voraussetzungen. Nicht jeder der möchte, kann ohne weiteres die Aufgaben eines Ausbilders mit allen dazugehörigen Pflichten und Anforderungen übernehmen.

Bild 9: Anforderungen an Ausbilder
Folgende persönliche Eigenschaften solltest Du mitbringen:
persönliche Reife, die es ermöglicht, auf Minderjährige zu achten,
[27]pädagogisches Geschick im Umgang mit den Kindern und Jugendlichen,
natürliche Autorität,
keine Vorstrafen – ein qualifiziertes Führungszeugnis muss regelmäßig vorgelegt werden,
Zuverlässigkeit und Verantwortungsgefühl,
klares Regelverständnis und Ausführen der Vorbildfunktion,
Spaß und Freude an dieser Aufgabe,
Humor, Offenheit, Empathie, Selbstreflexion, Kritikfähigkeit, Belastbarkeit.
Daneben gibt es jedoch auch einige fachliche Anforderungen, die Du als Ausbilder bei der Feuerwehr vorweisen musst. Diese können von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich sein, daher musst Du Dich im Vorhinein erkundigen, was auf Dich zutrifft. Hier eine Auswahl:
Deutschlandweit muss jeder Ausbilder über eine Jugendgruppenleiter-Karte (Juleica) verfügen. Je nach Bundesland sind verschiedene Voraussetzungen für die Ausbildung erforderlich:Erste-Hilfe,Erste ehrenamtliche Erfahrung in der Jugendarbeit,Jugendgruppenleiter-Ausbildung,
Zusatz-Qualifikation wie etwa »Gruppenführer-Lehrgang«,
Führerschein empfehlenswert,
Lehrgang für Jugendfeuerwehrwarte.
[28]Diese fachlichen Ausbildungen und Lehrgänge sollen gewährleisten, dass Kinder und Jugendliche von angemessenem Fachpersonal betreut und beaufsichtigt werden. Gerade im Hinblick auf die Aufsichtspflicht und mögliche rechtliche Ansprüche ist dies von enormer Wichtigkeit und verständlicher Weise auch ein Muss.
Ein Bonus für alle Juleica-Inhaber sind Vergünstigungen bei über 2.700 verschiedenen Einrichtungen deutschlandweit.
| Weitere Informationen, Inhalte und nützliche Informationen rund um die Juleica-Ausbildung findest Du unter www.juleica.de, Stand Juni 2020. |
3.1 Rechtliche Absicherung
Um Dich nach allen Seiten hin rechtlich abzusichern, ist es wichtig, dass Du Dir von den Eltern von Anfang an einige Einverständniserklärungen und Bestätigungen einholst, wie zum Beispiel:
Erlaubnis zu Aufnahmen für Film/Ton/Foto,
Abklärung über Allergien und chronische Krankheiten der Kinder und Jugendlichen,
Klärung des Status der Krankenversicherung,
Mitfahrerlaubnis im Pkw der Ausbilder und anderer volljähriger feuerwehrbezogenen Personen,
Erlaubnis zur Entfernung vom Veranstaltungsort in Kleingruppen.
| [29]Im Anmeldeformular für die Jugendfeuerwehr können bereits einige wichtige allgemeine Punkte geklärt werden. Ein Beispielanmeldeformular kann dem Online-Zusatzmaterial des Roten Heftes entnommen werden. https://dl.kohlhammer.de/978-3-17-036484-4 |
Bei Programmpunkten, die den üblichen Rahmen des Jugendfeuerwehrdienstes überschreiten, über einen längeren Zeitraum gehen als normal üblich und die mit möglichen Gefahren verbunden sind (z. B. Schwimmbadbesuch, Klettern, Fahrradtouren, Kanufahrten etc.), ist eine zusätzliche Einverständniserklärung der Eltern notwendig.
Folgende Überlegungen solltest Du dabei beispielsweise vorab klären:
Wo ist der beste Treffpunkt und wie kommen die Teilnehmer dorthin?
Können alle schwimmen?
Hat jemand Höhenangst?
Leidet jemand unter bestimmten Allergien?
Muss jemand regelmäßig Medikamente einnehmen?
Welche Begleitperson kann mich unterstützen?
Welchen zeitlichen Rahmen setze ich an, damit möglichst alle Gruppenmitglieder dabei sein können?
[30]3.2 Aufsichtspflicht
Wenn Du Dich bereit erklärst, auf Minderjährige zu achten und mit ihnen zu arbeiten, bekommst Du automatisch die Aufgabe übertragen, die Aufsichtspflicht zu erfüllen und einige gesetzliche Richtlinien zu beachten. Im Allgemeinen kommst Du als Ausbilder dann Deiner Aufsichtspflicht nach, wenn Du nach den Umständen des Einzelfalles gebotene Sorgfalt walten lässt. Dazu gehören:
genaue Planung,
Beseitigung von physischen Gefahren,
Belehrungen und Warnungen äußern,
ständiges Überwachen und Kontrollieren,
Ermahnungen und Verwarnungen aussprechen (z. B. »Gelbe Karte«, Kapitel 10.2),
Strafen und Konsequenzen einleiten (z. B. »Rote Karte«).
Bitte denke daran, dass Unfälle passieren können und es oft nicht möglich ist, Deine Augen immer und überall zu haben. Über Deine Feuerwehr bist sowohl Du als Ausbilder als auch die Kinder und Jugendlichen versichert. Das Wichtigste bei all Deinen Handlungen ist, dass Du nicht grob fahrlässig oder sogar vorsätzlich handelst, denn dann kann Dir eine strafbare Handlung vorgeworfen werden. Hier ist der einzelne konkrete Sachverhalt entscheidend. Bei einer Vernachlässigung Deiner Aufsichtspflicht kannst Du zivilrechtlich haftbar oder strafrechtlich verantwortlich gemacht werden. Der volle Gesetzestext über Deine Aufsichtspflicht ist wie folgt:
| [31]§ 832 BGB – Haftung des Aufsichtspflichtigen (1) Wer kraft Gesetzes zur Führung und Aufsicht über eine Person verpflichtet ist, die wegen Minderjährigkeit oder wegen ihres geistigen und körperlichen Zustands der Beaufsichtigung bedarf, ist zum Ersatz des Schadens verpflichtet, den diese Person einem Dritten widerrechtlich zufügt. Die Ersatzpflicht tritt nicht ein, wenn er seiner Aufsichtspflicht genügt oder wenn der Schaden auch bei gehöriger Aufsichtsführung entstanden sein würde. (2) Die gleiche Verantwortung trifft denjenigen, welcher die Führung der Aufsicht durch Vertrag übernimmt. (Juristisches Informationsmaterial dejure, Stand 2020) |
Minderjährige verfügen aufgrund ihres Alters noch nicht über die körperliche und geistige Reife, um Gefahren erkennen oder einschätzen zu können. Um die Minderjährigen zu schützen, ist es erforderlich, dass Du als Ausbilder mit Scharfsinn, Lebenserfahrung und entsprechender Ausbildung die Verantwortung für die Schützlinge übernimmst. Die Aufsichtspflicht gebietet, die Kinder und Jugendlichen davor zu bewahren, sich selbst zu gefährden oder sich selbst Schaden zuzufügen (Eigenschaden) sowie andere zu gefährden und anderen Schaden zuzufügen (Personen- und Sachschaden).
3.3 Beginn und Ende der Aufsichtspflicht
Die Aufsichtspflicht beginnt mit dem Kommen des ersten und endet mit dem Gehen des letzten Kindes bzw. Jugendlichen. Deshalb müssen die Eltern über den genauen zeitlichen Rah[32]men des Jugendfeuerwehrdienstes informiert sein. Für Dich als Ausbilder bedeutet dies:
Rechtzeitiges Erscheinen zum Jugendfeuerwehrdienst bevor das erste Kind eintrifft.
Der Ausbilder verlässt den Jugendfeuerwehrdienst erst, wenn das letzte Kind gegangen ist.
Bei Änderungen der Jugendfeuerwehrdienstzeiten müssen die Eltern rechtzeitig informiert werden.
Für den Hin- und Rückweg von Zuhause zum Jugendfeuerwehrdienst besteht keine Aufsichtspflicht. Es sei denn, die Kinder und Jugendliche müssen von unterschiedlichen Orten vom Ausbilder mit dem Auto gefahren werden (Kapitel 3.1Rechtliche Absicherung beachten).
Einen geeigneten Vertreter finden und mit in die Verantwortung einbeziehen (vier Augen sehen mehr als zwei).
Sei Dir über diese Grundsätze im Klaren und vor allem, dass es nicht nur um den Jugendfeuerwehrdienst an sich geht, sondern dass auch ein »Davor« und ein »Danach« zu Deinen Aufgabengebieten gehören.
3.4 Praktische Überlegungen zur Einhaltung der Aufsichtspflicht
Du als Ausbilder musst Dir bei geplanten Aktivitäten jeglicher Art im Vorfeld Gedanken machen, wie die Herangehensweise [33]und Durchführung sein sollen und was beachtet werden muss. Da bei Dir die gesamte Verantwortung liegt, ist es absolut notwendig, dass Du Dir dessen bewusst bist und Dich dementsprechend für jeden Jugendfeuerwehrdienst und jede geplante Aktivität außerhalb der Feuerwehr vorbereitest. Im Folgenden möchten wir Dir einige Punkte mit auf den Weg geben:
Genaue Planung
Für Dich ist es wichtig, dass Du Dir von Anfang an ausreichend Gedanken machst, wie Du eine geplante Aktivität (Jugendfeuerwehrdienst, Ausflug, Programm etc.) genau organisierst und durchführst. Hier einige Überlegungen:
Kinder und Jugendliche: Wer nimmt an der Veranstaltung teil? Was sind meine Altersgruppen? Gibt es körperliche Einschränkungen oder Schwächen, die zu beachten sind? Sind besonders auffällige oder schwer erziehbare junge Menschen dabei?
Örtliche Gegebenheiten: Sind Gefahrenquellen vorhanden und wenn ja, welche?
Programm: Überfordere ich ein Teammitglied? Kann das Team die geforderte Leistung erbringen? Worauf muss ich im Vorfeld hinweisen?
Verantwortungsgefühl, Beobachtungsgabe, Zumutbarkeit: Überfordere ich mich als Ausbilder oder bin ich der Aufgabe gewachsen? Eine realistische Selbsteinschätzung über die geplante Aktivität ist notwendig, denn wer Aufgaben übernimmt, denen er nicht gewachsen ist, verletzt damit schon die Aufsichtspflicht. Dies gilt auch für die Über[34]tragung von Aufgaben an andere – welchem Betreuer kann der Ausbilder welche Aufgaben guten Gewissens übergeben?
Beseitigung von physischen Gefahren
Du hast dafür zu sorgen, dass mögliche physische Gefahrenquellen vor dem Jugendfeuerwehrdienst oder vor der Aktivität beseitigt werden, soweit dies im Bereich des Möglichen ist. Mögliche Gefahrenquellen können herumliegende Scherben sein, die ebenso wie leere Flaschen und Zigarettenstummel einzusammeln sind. Desgleichen sollten gefährliche Gegenstände, wackelige Tische und Stühle oder auch defekte Materialien beseitigt werden. Dir muss immer bewusst sein, welche Altersgruppe Du betreust und dass die Anforderungen in Bezug auf physische Gefahren bei Kindern und Jugendlichen sehr unterschiedlich sind.
Belehrungen und Warnungen
Du hast auf die allgemeinen Unfallverhütungsmaßnahmen sowie auf nicht entfernbare Gefahren aufmerksam zu machen und diese klar und verständlich anzusprechen. Dazu kann auch eine Vorführung oder praktische Anleitung hilfreich sein. Belehrungen und Warnungen solltest Du immer vor der ganzen Gruppe aussprechen. Diese gelten für alle – Du als Ausbilder gehst mit gutem Beispiel voran.
Überwachung und Kontrolle
Du bist verpflichtet zu kontrollieren, ob sich alle an Deine Anweisungen halten und die Aufgaben richtig verstanden haben. Ausgesprochene Warnungen müssen von den Kindern [35]und Jugendlichen befolgt und dies von Dir überwacht werden. Die Gefahr eines möglichen Unfalls besteht immer und dadurch verletzt Du Deine Aufsichtspflicht schneller als gedacht.
Verwarnung und Ermahnung
An dieser Stelle kann das in Kapitel 10.2 vorgestellte »Gelb-Rote-Kartenprinzip« angewendet werden. Stellst Du fest, dass Belehrungen und Warnungen aus Desinteresse, Leichtsinnigkeit oder einfach absichtlich nicht eingehalten werden, dann sind klare Worte notwendig und Du kannst eine Gelbe Karte als Verwarnung verteilen. In der Verwarnung sind den jungen Leuten nochmals die möglichen Gefahren und Folgen aufzuzeigen. Viele Kinder und Jugendliche sind sich in solchen Momenten gar nicht bewusst, was passieren kann, und dass sie sich oder die ganze Gruppe in Gefahr bringen. Deshalb ist ein klärendes Gespräch hilfreicher und auch pädagogisch sinnvoller, als gleich mit endgültigen Konsequenzen zu reagieren. Es kommt jedoch immer auf die jeweilige Situation an, die dementsprechend von Dir analysiert werden muss.
Strafen und deren Konsequenzen
Leider kommt es immer wieder vor, dass eine Verwarnung und eine weitere Belehrung nicht fruchten oder eine weitere Ansprache sinnlos ist und zu nichts führen würde. Wenn eine Unzulänglichkeit, Uneinsichtigkeit oder sogar ein böser Wille vorhanden ist, bleibt nur noch das Verbot bis hin zum möglichen Ausschluss übrig (Rote Karte):
Auszeit für eine Aktion/Jugendfeuerwehrdienst oder eine bestimmte Zeit,
[36]Information an die Eltern über die Vorfälle und deren Konsequenzen,
Abholung durch die Eltern oder Begleitung.
Über die Dauer des Ausschlusses wird das Ausbilderteam entscheiden und das Kind bzw. den Jugendlichen und die Eltern darüber informieren. Wichtig ist, dass sich das Ausbilderteam einig ist und alle hinter dieser Entscheidung stehen. Generell ist zu den Überlegungen in Bezug auf die Aufsichtspflicht zu sagen: Mit einem gesunden Menschenverstand und einem guten Verantwortungsbewusstsein wirst Du stets intuitiv richtig entscheiden und nach den oben aufgezeigten Punkten verantwortungsvoll handeln und reagieren.
3.5 Umgang mit Alkohol, Drogen und Sexualdelikten
Als Ausbilder wirst Du sicherlich auch mit der Problematik von Alkohol und Drogen konfrontiert werden. Dies sind weitere Einflüsse, welche zu Spannungen zwischen den Jugendlichen und dem Ausbilder führen können. Besonders heikel sind Situationen, in denen Alkohol oder Drogen während feuerwehrbezogenen Aktivitäten konsumiert werden. In diesen Fällen ist es ganz wichtig, dass alle Ausbilder konform mit dem Jugendschutzgesetz verfahren. Einzelne Ausbilder dürfen dabei keine Ausnahmen machen. Gesetzliche Altersgrenzen sind strikt einzuhalten:

Bild 10: Jugendschutz: Wir halten uns daran
[38]Die Vorgehensweise bei Alkoholdelikten in der Jugendfeuerwehr:
unter 16 Jahren: Sollte es zu Alkoholkonsum bei unter 16-jährigen kommen, sind in jedem Fall sofort die Eltern zu verständigen, um die Abholung der Kinder unverzüglich zu veranlassen! Ein ausführliches Gespräch mit den Eltern, dem Jugendlichen und dem Ausbilder sollte so schnell wie möglich angesetzt werden.
über 16 Jahren: Hier ist »gesunder Menschenverstand« gefragt. Bier und Wein sind zwar laut Gesetz erlaubt, jedoch sollte in der Jugendfeuerwehr generell ein absolutes Alkoholverbot bestehen – sowohl für die Jugendlichen als auch für die Ausbilder, die hier eine Vorbildfunktion haben. Sollte es doch zu einem Vorfall kommen, sind ebenfalls die Eltern zu informieren und ein gemeinsames Gespräch anzusetzen.
Kommt es zu Drogendelikten oder wird jemand beim Rauchen erwischt, sind in jedem Fall die Eltern sofort zu verständigen, der Jugendliche unverzüglich abzuholen und ein darauffolgendes Gespräch zu veranlassen. Hier gibt es keine Altersunterschiede.
| Achtung: Der Ausbilder muss sich strikt an das Jugendschutzgesetz halten, da sich dieser bei einer Nichtbeachtung strafbar macht – »Spielräume« gibt es keine! |
[39]Bei dem sehr heiklen Thema Sexualdelikte sind die meisten Ausbilder – verständlicherweise – oft überfordert. In solchen Fällen ist es zu empfehlen, sich immer sofort professionelle Beratung von außen zu holen. Beratungsstellen gibt es meist in den örtlichen Gemeinden. Informationen lassen sich auch online recherchieren. Sinnvolle Informationen, Tipps, und weiterführende Webseiten für Hilfe und Beratung in Bezug auf sexuelle Übergriffe bietet die Homepage:
www.familienhandbuch.de (Stand April 2020). Der vollständige Link kann dem Literatur- und Quellenverzeichnis entnommen werden.
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