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Lieblingsplätze in und um Garmisch-Partenkirchen
Andreas M. Bräu / Sebastian Schoenwald
Impressum
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Sofern nicht im Folgenden gelistet, stammen alle Bilder vom Fotografen Sebastian Schoenwald:
Sebastian Schoenwald, mit freundlicher Genehmigung von Artgalerie – Waffelhaus, Gabi Hoffmann, www.artgalerie-hoffmann.de 78; Trachten- und Modehaus Grasegger 80; Vinoteca Salvte, Riccardo del Bene 130; Andreas Mühlthaler 136; Monika Glatz 144; Eckbauerbahn/Marc Gilsdorf 150; Passionsspiele Oberammergau 2010 / Foto: Brigitte Maria Mayer 168; Das Münter-Haus in Murnau, 2009. Foto: Simone Gänsheimer, Ernst Jank, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau, München. Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung, München 180; Barbara Jungwirth 184
Alle Seitenangaben in diesem Buch beziehen sich auf die Seitenzahlen der gedruckten Ausgabe.
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1., überarbeitete Neuauflage 2021
© 2015 – Gmeiner-Verlag GmbH
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Alle Rechte vorbehalten
Lektorat/Redaktion: Anja Kästle
Herstellung: Julia Franze
E-Book: Mirjam Hecht
Bildbearbeitung/Umschlaggestaltung: Susanne Lutz
unter Verwendung der Illustrationen von © SimpLine; mh90photo; natbasil; Ljupco Smokovski; SylwiaNowik – stock.adobe.com; © Susanne Lutz; © Benjamin Arnold; © Katrin Lahmer
Kartendesign: © The World of Maps (www.123vectormaps.com)
ISBN 978-3-8392-7022-6
Inhalt
Impressum
Rund um Garmisch-Partenkirchen
Vorwort: Charakterisierung Werdenfels
Der Isar entgegen – vom Walchensee bis Mittenwald
1 Inselidyll am Walchensee
Kochel am See: Halbinsel Zwergern im Walchensee
2 Durch sanfte Eiszeithügel streifen
Krün: Buckelwiesen
3 Haus und Wirt
Krün: Block’s Post
4 Wo die Murmeltiere baden
Krün: Soiernhaus und Soiernsee
5 Schwimmen in der Liebeskulisse
Garmisch-Partenkirchen: Vom Geroldsee zum Barmsee ab Schlattan
6 Zwischen Seen und Dreitälerblick
Krün: Von der Elmau auf die Ederkanzel
7 Musikalisch wässriger Bummel
Mittenwald: Obermarkt und Gries
8 Auf der richtigen Saite
Mittenwald: Geigenbaumuseum
9 Für große und kleine Kobolde
Leutasch: Geisterklamm
10 Kleiner Bach ganz groß
Scharnit: Isarursprung an den Flüssen
Der Loisach entlang – Von Eschenlohe zur Zugspitze
11 Durchs Moos in die Berge
Murnau: B2 zwischen Murnau und Eschenlohe
12 Von Römern und Fledermäusen
Eschenlohe: Kalvarienberg Eschenlohe
13 Spazieren durch die Zeiten
Farchant: Zwischen Gern und St. Andreas
14 Sagenhafte Mauern
Garmisch-Partenkirchen: Burgruine Werdenfels
15 Am königlichen Abgrund
Farchant: Kuhfluchtfälle
16 Wurzeln Sie lieber tief oder flach?
Farchant: Waldlehrpfad Farchant
17 Nachdenken im sich öffnenden Tal
Garmisch-Partenkirchen: Philosophenweg nach Farchant
18 Pause bei Käskuchen und Strudel
Garmisch-Partenkirchen Rund um den Esterberg
19 Hinauf auf den Garmischer Koloss
Garmisch-Partenkirchen: Übern Stepberg auf den Kramer
20 Erhabene Ruhe
Grainau: Friedhof
21 Bronzene Unterwasserschönheit
Grainau: Baderseenixe
22 Wo sich das Hohe im Tiefen spiegelt
Grainau: Eibsee unter der Zugspitze
23 Spektakulär von allen Seiten
Hammersbach: Übern Stangensteig durch die Höllentalklamm
24 Im Bummelmodus Richtung Gipfel
Garmisch-Partenkirchen: Fahrt mit der Zugspitzbahn
25 Top of the Rocks
Zugspitze
26 Paddeln in Tirol
Heiterwang: Kajakfahrt am Plansee und Heiterwanger See
Von Gold, Kobolden und Geistern
Werdenfelser Land: Sagenhafte Region
Links der Partnach – Garmisch
27 Sakrales Kleinod aus Burgenstein
Garmisch-Partenkirchen: Alte Kirche Garmisch
28 Baumrund mit Sicht auf die feine Welt
Garmisch-Partenkirchen: Kastanie am Mohrenplatz
29 30 Jahre Kneipengeschichte
Garmisch-Partenkirchen: Zirbel-Stube
30 Kunst, Kulinarik und Kultur
Garmisch-Partenkirchen: Hoffmanns Artgalerie und Rahmenstudio
31 Fesch, fescher, Grasegger
Garmisch-Partenkirchen: Trachten Grasegger
32 Ein Mops aus weißem Gold
Garmisch-Partenkirchen: Museum Aschenbrenner
33 Kultur im Grünen ohne Ende
Garmisch-Partenkirchen: Michael-Ende-Kurpark
34 Jeden Abend eine Bühne
Garmisch-Partenkirchen: Kleines Theater
35 Die Garmischer Sachertorte
Garmisch-Partenkirchen: Konditorei Krönner
36 Doppelter Titel, einfach gut
Garmisch-Partenkirchen: Jürgen’s Club by Claudia
37 Kurierendes Wasserplanschen
Garmisch-Partenkirchen: Kneippanlage Maximilianshöhe
38 Das höchste Bankerl
Garmisch-Partenkirchen: Königsstand
39 Ohne Aufstieg keine Abfahrt!
Garmisch-Partenkirchen: Rodelgaudi am Grasberg
40 Ein friedlicher Erinnerungsort
Garmisch-Partenkirchen: Kriegergedächtniskapelle
41 Halbhoh froh
Garmisch-Partenkirchen: Wandertour via Pflegersee zu den Reschbergwiesen
42 Burgrain, dann Buckel, dann Blumen
Garmisch-Partenkirchen: Reschbergwiesen
43 Olympische Geschichte
Garmisch-Partenkirchen: Bobschuppen am Riessersee
44 Abendliche Scherenschnitte
Garmisch-Partenkirchen: Hausbergwiesen
45 Nur fliegen lernen ist schöner
Garmisch-Partenkirchen: Tandemflug im Hausberggebiet
46 Sommerliche Pistenbegehung
Garmisch-Partenkirchen: Vom Kochelberg und auf den Hausberg
47 Früher Ski übt sich
Garmisch-Partenkirchen: Sonnenaufgang an den Bernadein
48 Antiquitäten »very British«
Garmisch-Partenkirchen: Auktionshaus Merry Old England
Das »goldene Landl«
Werdenfelser Land: Produkte aus der Region
Rechts der Partnach – Partenkirchen
49 Da stehen, wo andere fliegen
Garmisch-Partenkirchen: Schanzentisch der Skisprungschanze
50 Ratschkattlzentrum
Garmisch-Partenkirchen: Rund um den Floriansbrunnen
51 Spieluhr für die Kleinen
Garmisch-Partenkirchen: Sebastianskircherl
52 Geschichte bis zum Speicher
Garmisch-Partenkirchen: Werdenfels Museum
53 Italianità in Partenkirchen
Garmisch-Partenkirchen: Restaurant Vinoteca Salvte
54 Haferlschuh für jeden Zweck
Garmisch-Partenkirchen: Zollner Schuhmanufaktur
55 Galaktischer Prominententisch
Garmisch-Partenkirchen: Gasthof und Hotel Fraundorfer
56 Griabig beim Stammtisch sitzen
Garmisch-Partenkirchen: Gasthof zur Linde
57 Die Noten der Alpen
Garmisch-Partenkirchen: Richard-Strauss-Institut
58 Honeymoon im Neuner
Garmisch-Partenkirchen: Landhotel und Berggasthof Panorama
59 Mit Kind und Kini ausschnaufen
Garmisch-Partenkirchen: Sankt-Antons-Anlagen
60 Starke Burschen und fesche Dirndl
Garmisch-Partenkirchen: Festwoche Partenkirchen
61 Liebe zum und im kühlen Nass
Garmisch-Partenkirchen: Kainzenbad
62 Ein Paradies für 25 Menschen
Wamberg: Bergdorf
63 Weißwürst beim Bergaufgleiten
Garmisch-Partenkirchen: Frühstück in der Eckbauerbahn
64 Einkehren am reißenden Fluss
Garmisch-Partenkirchen:Pitzner Hütte an der Partnachklamm
65 Schmugglerpfade zur Schlucht
Garmisch-Partenkirchen:Über Hintergraseck zur Partnachklamm
66 Auf dem Hohen Weg ins Reintal
Garmisch-Partenkirchen: Radeln zur Bockhütte
67 Auf Königs Spuren hinauf zur Jagd
Garmisch-Partenkirchen: Tour auf den Schachen
68 Blumenpracht en masse
Garmisch-Partenkirchen: Gschwandtnerbauerwiesen bei Schlattan
69 Die goldene grüne Mitte
Garmisch-Partenkirchen: Eckenhütte
Oberes Ammertal
70 Der Zug des suchenden Bräutigams
Ettal: Kloster Ettal
71 Spielerisch dem Herrn nah sein
Oberammergau: Passionsspielhaus
72 Mexiko im Ammergau
Oberammergau: Bar und Restaurant El Puente
73 Der Koloss vom Osterbichl
Oberammergau: Kreuzigungsgruppe
74 Originales Flair im unteren Ammergau
Unterammergau: Ortsrundgang
75 Zur Geisterstunde dem Kini begegnen
Ettal: Schloss Linderhof bei Nacht
76 Perle im Ammergau
Bad Bayersoien: Spaziergang durch den Ortskern
77 Künstlermekka mit Aussicht
Murnau am Staffelsee: Münter-Haus
78 Seenland und Inselparadies
Seehausen am Staffelsee: Rundgang um den Staffelsee
79 Klein-(Kunst) im Bauernhaus
Uffing am Staffelsee: Zimmertheater Uffing
Kini bleibt eben Kini
Werdenfelser Land: Ludwig II.
Karte
Rund um Garmisch-Partenkirchen
Vorwort: Charakterisierung Werdenfels
Viel Zeit verbringt der Werdenfelser damit, sich nicht unbedingt anmerken zu lassen, wie gut es ihm eigentlich geht. Dabei schätzt er seine Heimat und die bergige Natur sehr, die ihn umgibt. Er ist typischerweise Genussmensch, gesellig, handwerklich wie kreativ interessiert, nur eben ein wenig vorsichtig damit, sein Glück in die Welt hinauszuposaunen. Immerhin besuchen ihn ja seit über 100 Jahren Sommerfrischler in seinem Paradies.
Deshalb verteidigen die Werdenfelser ihre Heimat leidenschaftlich gern gegen mögliche verändernde Einflüsse. Zwei Olympiabewerbungen wurden nach großer Kontroverse erfolgreich in den letzten Jahren abgewiesen, ein lebendiger Naturschutz beschäftigt sich mit Ski- und Freizeitangeboten und das Brauchtum wird mit viel Engagement von den Maschkara im Fasching über das Bierzelt im Sommer bis zum Neujahrslied im Winter in den Gemeinden gepflegt.
Aus kurtouristischer Erfahrung und den lange zurückliegenden Olympischen Spielen, deren Ausrichtung man einmal – im Jahr 1936 im Zuge der Naziherrschaft – aufgedrückt bekam, wissen die Werdenfelser sehr genau, wie sie ihren Gästen ihre schöne Heimat präsentieren und schmackhaft machen können. Mit deftig bayerischer Küche und besonders gern auf der Höhe ihrer geliebten Berge, mit dem reichlichen kulturellen Angebot zwischen Musik und Theater. Und mit zwei zusammengewachsenen und mittlerweile auch im Geiste versöhnten Ortsteilen, die sich stolz mit ihren Prachtstraßen präsentieren: der Ludwigstraße in Partenkirchen und der Fußgängerzone am Kurpark in Garmisch.
Sie könnten auch leicht von ihrem Überfluss an Schönheit eitel werden, die Werdenfelser, wenn sie jeden Tag auf das Panorama zwischen Zugspitzhöh und Alpspitzsilhouette blicken oder an ihren vielen verschwenderisch schönen Seen spazieren. Darum ist es sicher nicht die schlechteste Charaktereigenschaft, ein wenig zurückhaltend, fast schon demütig und zufrieden seine Heimat zu schätzen und vielleicht nicht immer zuzugeben, wie gut es ihnen wirklich geht, den Garmisch-Partenkirchnern und Werdenfelsern in ihrem schönen oberbayerischen »goldenen Landl«.
Ich habe das Glück, hier behütet und naturnah aufgewachsen zu sein, erst später richtig verstanden und zu schätzen gelernt. Mit Freunden auf den Bergbauernhöfen der Großeltern zu spielen, mit Ski, Schlitten, Wanderschuh oder barfuß die Berg- und Seenlandschaft auszukosten, alles das schätze ich heute noch mehr und laufe mittlerweile, wenn ich Freunden meine Heimat zeige, selbst wieder wie ein Tourist staunend durch den Ort, während ich meinen Blick vom Panorama nicht abwenden kann. Ich wollte es wohl selbst nicht zugeben, wie schön es hier ist. Umso mehr Freude hat es gemacht, zu fast schon vergessenen Kindheitserinnerungen zurückzukehren und dauerhafte Lieblingsplätze für diesen Band wieder einmal aufzusuchen, um auch nachzusehen, ob der Fleck noch immer so besonders und so schön ist, dass ich ihn empfehlen und beschreiben möchte. Die Gefühle der Kindheit haben sich beim Spazieren über die Insel Zwergern und im Schachenschloss nicht verändert. Noch immer machen diese Orten Staunen und Freude aus – für jedes Alter. Nur der Blick hat sich etwas verändert, die Orte blieben oftmals die gleichen.
In diesem Band möchte ich Sie zu meinen Lieblingsplätzen mitnehmen, als Abrundung angesichts der Kulisse bieten sich entlang der Berge zwölf Touren an, die zwischen die Lieblingsplätze eingestreut sind. Ein solcher Platz kann sich in der Natur, in einer lauschigen Stube, in einem interessanten Museum oder auf der sprichwörtlichen Piste befinden. Von Deutschlands höchstem Gipfel bis zur verzauberten Unterwassernixe, vom Bierzelt bis zum Königsschloss, vom Skiausflug bis zur Partnachklamm, an meine und vielleicht auch bald Ihre schönsten Orte in und rund um Garmisch-Partenkirchen herum.
Andreas M. Bräu
Der Isar entgegen – vom Walchensee bis Mittenwald

1 Inselidyll am Walchensee
Kochel am See: Halbinsel Zwergern im Walchensee
Sie starten in Einsiedl beim dortigen Hotel und Seewirtshaus mit einer folgenschweren Entscheidung: Schiff oder Land. Von dort aus können Sie nämlich mit Tretboot Doris, sportlicherem Kanu oder Kajak auf dem Walchensee herumschippern oder den malerischen Rundweg am Ufer entlang nehmen, der auf die kleine Halbinsel Zwergern führt.
Immer der W1-Beschilderung entlang kommen Sie wandernderweise an dem vielfarbigen See mit seinem grünlichen Grundton vorbei, der tiefblau den Himmel spiegelt und im Licht silbrige und metallene Farben annehmen kann. Nach einer Weile queren Sie die Landzunge und gelangen über einen Hügel zu einer winzigen Ansiedlung und »St. Margareth« mit Zwiebelturm. Ein wenig Reichenau-Gefühl verströmen die Seegrundstücke, nur gibt es weniger Gemüsegärten. Doch ebenso friedlich liegen die meist noch als Höfe benutzten Bauernhäuser mit den blauweiß gestrichenen Fensterläden und den gut in Schuss gehaltenen Holzbauten da. Nur ein paar Vögel und das leise Plätschern des Walchensees kann man hier hören. Ruhig und aus der Zeit gefallen wirkt die Zwergern, weswegen vielleicht auch nicht weit von hier Kinokomiker Bully Herbig sein Wickiedorf Flake vor der Kulisse des Herzogstands errichten ließ.
Wenn Sie weiterwandern, können Sie bis zum Hauptort Walchensee laufen oder den verwinkelten Albert-Schmidt-Weg nehmen, der in bemoosten Wald führt, von wo man den See nur mehr durch die Bäume spitzen sieht. Lassen Sie sich von den vielen Kurven und Biegungen nicht verwirren. Immer noch rechtzeitig zeigt Ihnen ein Wegweiser die richtige Richtung zurück zum Ausgangspunkt oder zur nächsten Station auf den jeweils auf gute anderthalb Stunden ausgelegten Rundwegen. Falls Sie sich doch für das Boot entschieden haben, fällt Ihnen die Navigation auf dem bei Surfern beliebten See ungleich leichter.
Unweit vom Walchensee bietet der Jochberg ab dem Parkplatz Kesselberg als mittlere Wanderung von circa zwei Stunden eine gut besuchte Doppelsicht auf Walchensee und Kochelsee mit spektakulärem Panorama.

1
Halbinsel Zwergern
Startpunkt für einen Spaziergang: Seehotel Einsiedl
Einsiedl 1
83432 Kochel am See
08858 9010
Von der Bundesstraße aus Wallgau kommend führt rechter Hand des Hotels ein Rundweg auf die Halbinsel.
2 Durch sanfte Eiszeithügel streifen
Krün: Buckelwiesen
Schuld ist in diesem Fall die Eiszeit. Denn als sich vor 10.000 Jahren die Alpen neu formten, bildeten sich auch in ehemals glatten Ebenen Rillen. Dort sammelte sich zu Tauzeiten das Wasser, sickerte in den Untergrund und löste das Kalkgestein, wodurch die Rinnen noch weiter absackten und die besagten Buckel erzeugten, als hätten Legionen von Maulwürfen diese Hügellandschaften mit Hauern und Zähnen geschaffen. Dabei formte die Natur die heute beliebten Wiesenpickel durch Verkarstung, während sie der Mensch zur leichteren Bewirtschaftung an vielen Orten in späteren Zeiten einebnete. Danach konnte der Traktor leichter durchs Flache kreuzen.
Hinter Krün aber blieben die Buckelformationen, eine Besonderheit des Werdenfelser Raumes, besonders schön erhalten. Zwar haben die Bauern hier deutlich mehr Mühe beim Schrägmähen mit der Hand, doch der Wanderer durchquert eine leicht unwirkliche, gemütliche Buckellandschaft, der man durch die wellige Grasdecke nicht ansieht, dass sie Zeugnis von jahrhundertelangen Erosionsprozessen, Gletscherstauchung und Kalkablagerung ist. Die farbenfrohe Oberfläche verrät davon nichts, wenn auf dem mineralhaltigen Untergrund Krokus und Enzian im Überfluss blühen.
Im Dreieck zwischen den Orten Klais, Krün und Mittenwald kann man die Wiesen auf verschiedenen Wegen mit Halt an der Kapelle Maria Rast durchqueren. So bietet dieses Eiszeiterbe heute ein faszinierendes Geotop. Als Zeitreise in die Natur lässt sich ein Spaziergang gestalten, der durch die grüne Schönheit der sanften Hügelwiesen überzeugt und eben nicht vermuten lässt, wie alt diese Buckel in Wahrheit schon sind. Und was sich ohne Menschenhand über die Jahrtausende erhalten hat, das bleibt auch bestehen und zu bestaunen, seit der eisigen Vergangenheit.
Die Goas Alm auf der Route bietet – dem Namen verpflichtet – allerlei hauseigene Produkte von der Ziege und im Sommer gar leckeres Goas-Eis.

2
Buckelwiesen
Am Friedhof
Friedhofweg 10
82494 Krün
www.gemeinde-kruen.de
Ausgeschilderte Wege führen zum Schmalensee und bis nach Mittenwald.
3 Haus und Wirt
Krün: Block’s Post
Dieses Haus hat viele Wirte und Gäste erlebt. Als ehemalige Poststation, Kutschenstall und später als Wirtshaus sind seit 1581 Mahlzeiten aus der Bauernkuchl serviert worden. Mehr als 40 Jahre nun prägt die Familie Block das Haus nicht nur mit ihrem Namen, sondern auch mit einem neuen Stil. Sie verwandelten die alten Stuben in ein zeitgemäßes Restaurant mit angrenzendem Barbetrieb und einem Konzept: In der rußig-schicken Gamsstube hängen Geweihe überm Ofen, alte Decken wurden wieder freigelegt und in den kleinen Gastzimmern ein zeitgemäßes Ambiente geschaffen. So wird auch gekocht. Manchmal bekommt man Zicklein an Rosmarin, Spanferkelleber oder Innereien nach altbayerischen Rezepten, daneben Klassiker der alpenländischen Küche.
Alles wird hier selbst gestaltet. Praktischerweise hat der Sohn des Hauses als Maurer die Umbauten an dem alten Haus überwacht, der Barkeepersohn leitet Restaurant und Theke, der Konditorsohn kreiert das hausgemachte Eis und Desserts. Über allem wacht Vater Josef, der allabendlich an dem großen Küchenherd steht, das Fleisch zubereitet und in seinem familiären Betrieb sehr auf Ruhe und Harmonie beim Service und in der Zubereitung achtet. Dafür nehmen die Blocks Einbußen in der Quantität in Kauf: Der Biergarten wurde verkleinert, die Karte spezieller auf regionale Küche ausgerichtet und die Öffnungszeiten in den Abend hin verlagert. Etwas hochwertiger und anders sollte die Post in Krün werden und gleichzeitig ein Gastronomieerlebnis ermöglichen, das sich vom typischen Wirtshaus ebenso absetzt wie von einer Schickeriagastronomie. Block löst das durch raffinierte, klassische Küche. Hirschkeule, Surbraten, Steckrübenpüree bietet er saisonal an, der Sohn ergänzt dies mit Lemongrasssorbet und so sitzt man in einer alten Stube bei einer gelungenen Mischung aus moderner und trotzdem uriger Küche.
Die Blocks haben mittlerweile auch eine angrenzende Pizzeria dem Familienbetrieb hinzugefügt und damit den Krüner Dorfplatz neu belebt.

3
Block’s Post Krün
Walchenseestraße 4
82494 Krün
08825 321
www.gasthof-blocks-post-kruen.de
4 Wo die Murmeltiere baden
Krün: Soiernhaus und Soiernsee
Zunächst braucht es einen guten Trab. Oder ein Rad. Denn lange Zeit zieht sich die Forststraße fast eben an der Isar entlang. Vom Start in Krün aus läuft man eine gute halbe Stunde, dann steigt der Weg sanft an und aus dem Trab wird automatisch ein Trott, der den Wanderer hinauf zur Fischbachalm führt, deren satte umliegende Wiesen Sommer für Sommer als Weide genutzt werden.
Hier teilt sich der Weg und ein weiterer Trab mit folgendem Trott ermöglicht den familienfreundlichen Aufstieg zum Soiernhaus, indem erst ein Stück bergab der sogenannte Hundsstall durchquert wird und sich die Sicht beeindruckend zum frei stehenden Felssattel öffnet. Auf diesem thront mit bronzen beschienenem Dach das Soiernhaus oberhalb eines stattlichen Wasserfalls. Dieser Thron aber will erklommen werden. In bester Wirtshaus- und Zielsicht läuft man noch einmal gute anderthalb Stunden. Schneller und spektakulärer geht es über den Lakaiensteig, der am Hang entlang über Sandreißen – Geröllfelder – und Felsvorsprünge weniger an Höhe verliert, dafür aber tiefe Einblicke parat hält. Nur schwindelfrei und trittsicher sollten Sie diesen Weg begehen, der kleinere Kraxelstellen, seilgeführte Passagen und die erwähnten Hinabsichten ins Tal vergönnt.
Wenn man das Ziel auch schon lange vor Augen hat, dauert es dennoch auf beiden Wegen insgesamt etwa drei Stunden, das Soiernhaus zu erreichen, das unter sympathischer Leitung durch ein sehr freundliches junges Wirtspärchen mit Käsknödln und frisch renovierten Schlafplätzen überzeugt. Zehn Minuten hinterm Haus aber erreicht der noch nicht müde Wanderer einen im Soierngraben wohl versteckten Gebirgssee, den man leicht als Zugabe umrunden, die Füße kühlen oder die dort wieder ansässigen Murmeltiere beobachten kann. Danach fällt auch die Entscheidung leichter, ob der Rückweg in Trab oder Trott absolviert wird.
Geübte Traber können die Tour mit dem Gipfel der Schöttelkarspitze krönen. Die Strecke von Krün zur Fischbachalm ist eine beliebte Mountainbikestrecke.

4
Sie erreichen das Soiernhaus auf den gut ausgeschilderten Wegen von Wallgau aus oder dem Wanderparkplatz
Griesweg 4
82494 Krün
www.sektion-hochland.de
Tourist-Information Krün
Rathausplatz 1
82494 Krün
08825 1094
www.alpenwelt-karwendel.de
5 Schwimmen in der Liebeskulisse
Garmisch-Partenkirchen: Vom Geroldsee zum Barmsee ab Schlattan
Selbst die Macher der ARD-Telenovela Sturm der Liebe konnten dem Charme des Geroldsees (offiziell Wagenbrüchsee) nicht widerstehen. Auf der Suche nach idyllischen Drehorten für den Vorspann des ewigen Liebesreigens am Nachmittag entschied man sich für den malerischen Steg am versteckten Badesee, um das schmachtende Paar vor den Kameras zu positionieren. Es bietet sich aber auch an, dieses romantische, von Bergwiesen umzingelte Gewässer, das auf halber Strecke unserer Genusstour liegt.
Diese beginnt am Gschwandtnerbauer: Hier verlässt man Garmisch-Partenkirchen unterhalb des Estergebirges in Richtung Isartal. Die wenigen Prachthöfe von Gerold, die auf ihren Sonnenalmen daliegen, ermöglichen einen ersten Stopp. Eines der Häuser bietet aufgrund der Schönheit dieses Bergdorfes selbst dem früheren Ski-Ass Rosi Mittermaier einen stillen Rückzugsort. Gerold liegt vor dem beliebten Badesee mit besagtem Soapsteg, von dem aus man geschwind ins sommerlich warme Moorwasser tauchen kann. Zwei Bäuerinnen überlassen den Badehungrigen ihre Wiesen für einen marginalen Geldbetrag, dafür gibt es weder Verpflegung noch sanitäre Anlagen an diesem Tourabschnitt.
Nach dem Bad in der Fernsehkulisse führt der Seengenuss weiter zu Grub- und Barmsee, die ebenfalls moorig entstanden sind und bereits von den Römern nicht nur zum Flößen, sondern sicher auch zum Planschen genutzt wurden. Hier warten eine Einkehr und Badeanstalt beim weitläufigen Barmsee und dem dahintergelegenen, wohl versteckten Grubsee. Jetzt kann der Wassersportler alle guten drei Badeplätze vollmachen, wenn dem Besucher die zwei Seen bislang noch nicht genügen. Es muss ja nicht immer die Liebe vor der Kamera sein, denn die Schönheit dieser drei unterschiedlichen Seen, die sich mit einer Wanderung verbinden lassen, reicht schon, um ins Schmachten beim Schwimmen zu verfallen.
Der Geroldsee bietet sich auch für einen faulen Badetag an. Ein kleiner Parkplatz im Ort Gerold ermöglicht den Zugang zu beiden Seeufern.

5
Ausgeschilderte Tour mit wenig Höhenunterschieden vom Gschwandtnerbauer aus oder von der Pfeiffer-Alm
Schlattan 8
82467 Garmisch-Partenkirchen
08821 2720
Folgen Sie den beschilderten Wegen zum Gerold- und Barmsee. Der Rückweg ist auch per Bus möglich.
6 Zwischen Seen und Dreitälerblick
Krün: Von der Elmau auf die Ederkanzel
Diese Rundtour für alle Jahreszeiten führt uns von der Elmau aus zu Mittenwalds schönsten Erholungsorten. Der Weg ist abwechslungsreich und bietet zwei sehr verschiedene, doch wunderschöne Bergseen. Vom Schloss Elmau aus wandern wir am Ferchenbach entlang zum gleichnamigen dunkelgrünen See, der vor allem durch die klaren Spiegelungen der umliegenden Bergriegel besticht. Einmal umrundet, steigt der Weg sanft in Richtung Lautersee, der jedoch erst einmal hinter uns bleibt, da wir knapp eine Stunde vom Ferchensee zur Ederkanzel aufsteigen.
Die Bezeichnung Kanzel benennt diesen Aussichtspunkt mit Wirtschaft am besten. Der Dreitälerblick von der Leutasch über das Isartal in Richtung Tirol und das bereits durchlaufene Ferchenbachtal zeichnet den frei stehenden Minigipfel aus, dessen Hütte für Forellen bekannt ist. Genügend Gewässer um die Kanzel liefern den frischen, später kross gebratenen Fisch, der hier oben mit dem Dreifachpanorama gleich noch besser schmeckt. Eigentlich als Hochstand für die Jagd um 1900 angedacht, der aufgrund der exponierten Lage sicherlich reiches Wildbret zusammenschießen ließ, gibt es seit über 75 Jahren nun eine Raststation auf der Ederkanzel. Gleichzeitig liegt hier quasi direkt auf der Gastterrasse die Ländergrenze zum benachbarten Österreich. Man pausiert sozusagen im Zweiländereck mit Dreitälerblick auf einer Zweiseentour mit einmaliger Sicht.
Der Abstieg zum Lautersee über die Forststraße fällt danach leichter, lockt doch ein zweiter Ausflugssee mit sommerlicher Badegelegenheit und dem malerischen Kapellchen inmitten von Buckelwiesen und sonnenbeschienenen Lichtungen zum Rasten. So mancher Mittenwalder spaziert nur hierher oder lässt sich im Winter per Kutsche anfahren. Unsere Runde führt zurück zum Schloss, wobei wir erneut den Ferchensee auf dem Rückweg umrunden.
In Elmau prangt an der Straße das Promibankerl des letzten G7-Gipfels, auf dem Sie wie bereits Merkel und Obama Platz nehmen können.

6
Folgen Sie den ausgeschilderten Wegen beginnend am Schloss Elmau
In Elmau 2
82493 Krün
08823 180
www.schloss-elmau.de
Über den Ferchensee erreichen Sie die Ederkanzel. Die Tour lässt sich mit der Geisterklamm verbinden oder direkt von Mittenwald über den Lautersee gehen.
7 Musikalisch wässriger Bummel
Mittenwald: Obermarkt und Gries
»… der Ort ohne Moral und Tugend, Mittenwald, das Grab meiner Jugend …« Stationierte Bundeswehrsoldaten dichteten einst den Spottvers über ihre Erfahrungen in der Karwendelgemeinde. Wie es dort mit der Moral aussieht, sei dahingestellt und der Privatsphäre überlassen, doch dass die Mittenwalder aus ihrer Erinnerung eine Tugend und aus ihrem Ort ein Schmuckstück gemacht haben, ist zweifelsfrei erwiesen.
Bei einem Bummel über den Obermarkt und durch das alte Ortsviertel Gries schlendert man an eingesessenen Handwerksläden vorbei, kann Speck und Käse probieren und die beiden wichtigen Motoren der kleinen Gemeinde im hölzernen Denkmal betrachten. Am Ufer des Marktbaches steht eine verkleinerte Flößerdarstellung, die an vergangene Fuhrwirtschaft erinnert.
Die wertvollen Violinen wurden freilich nicht in der gischtenden Isar gen Norden getrieben. Doch der Geigenbaum, eine geschickte Skulptur, aus der sich das Instrument sprichwörtlich herausschält, weist auf die Musikmachertradition hin – zusammen mit dem bronzenen Geigenbaupionier Matthias Klotz am Kirchplatz. Genussmoral neuerer Art vertreibt Tabakhändler Hornsteiner mit eigens aufs Karwendel abgestimmtem und benanntem Schnupftabak. Als Jugendgrab oder Genussmoral verkauft der Rauchspezialist diesen seit 1924 an gleicher Stelle.
Spaziert man weiter in Richtung Gries, fallen die bemalten alten Bürgerhäuser mit satten Geranienbalkonen auf, die hier als frühes Handelszentrum den Pulsschlag der Wirtschaft angaben. Einst feilschten hier auf dem Bozener Markt italienische Händler, heute gibt es Schafwolle und Tracht für die Gäste. Ebenso flink wie der Warenverkehr plätschert in kleinen Rinnen der Gemeindebach durch den immer noch Obermarkt genannten Ortskern. Zwar zu klein zum Flößen, doch schnell genug, um von Tugend und Moral eines geschäftigen Ortes zu erzählen.
Neben Shoppingbummeln und Ortsbesichtigung lässt sich der Spaziergang gut mit dem Besuch des Geigenbaumuseums und der Peter-und-Paul-Kirche verbinden.

7
Auf dem Mittenwalder Obermarkt findet etwa alle fünf Jahre der Bozner Markt statt
Startpunkt für einen Bummel: Kirche St. Peter und Paul
Matthias-Klotz-Straße 2
82481 Mittenwald
www.erzbistum-muenchen.de
Tourist-Information Mittenwald
Dammkarstraße 3
82481 Mittenwald
08823 33981
www.alpenwelt-karwendel.de
8 Auf der richtigen Saite
Mittenwald: Geigenbaumuseum
Ein einzelner tüchtiger Handwerker mit Namen Matthias Klotz brachte anno 1685 den Geigenbau in den Marktort Mittenwald. 330 Jahre später blickt der kleine Ort an der Tiroler Grenze mit einem eigenen Museum auf die Geschichte der Instrumentenfertigung zurück, die mehr Einfluss auf den Ort hinterlassen hat als der zeitweise dort veranstaltete Bozener Markt. Denn während Händler und Waren kamen und gingen, etablierte sich die diffizile Handwerkskunst des Geigenbaus als noch immer feste Größe der Gemeinde. Das merkt man im Geigenbaumuseum.
Dort lernt der Besucher, wie besagter Klotz in Padua über das Lauten- und Violamachen schließlich zur Violine kam. Im Werdenfels als erster und damit unabhängig von Zünften konnte er mit seinen Söhnen die handgemachten Geigen an den etablierten Handelsstraßen verkaufen – frühe Werke sind im Museum zu betrachten.
Dass sein Plan aufging, beweist das noch immer lebendige Handwerk der kunstsinnigen Mittenwalder, die sich neben dem Schwerpunkt auf dem barocken Geigenbau selbstbewusst im Museum präsentieren. Immerhin spielte selbst der Klassiker Mozart gerne auf einer Mittenwalderin.
Auch dem unmusikalischen Besucher wird in historischem Ambiente das Handwerk und die Kunst, ein Instrument zu bauen, nahegebracht. Anhand von Audiostationen und sehr modern gehaltenen Exponaten zu Material und Fertigungsprozess taucht man ein in den Klang von Bratsche und Laute. Historisches Filmmaterial über Handwerk und Schule entschlüsseln nebenbei ein musikalisches Liebesgeheimnis: Viele der weiblichen Schülerinnen, die in Mittenwald das Geigenhandwerk erlernten, blieben gleich bei einem ortsansässigen Geigenmacher hängen, heirateten und führten das Geschäft gemeinsam. So verschlug es Damen etwa aus dem fernen Norden als Lehrlinge nach Mittenwald – und sie blieben fasziniert vom Musikmachen und von den Musikmachern hier.
Neben dem Museum können Sie im Zentrum von Mittenwald mehrere Geigenbaubetriebe besichtigen. Dann kann direkt bei der Fertigung zugesehen werden.

8
Geigenbaumuseum
Ballenhausgasse 3
82481 Mittenwald
08823 2511
www.geigenbaumuseum-mittenwald.de
9 Für große und kleine Kobolde
Leutasch: Geisterklamm
Da haben sie sich wirklich etwas einfallen lassen, die Leutascher und Mittenwalder, die ihre Klamm in zwei Jahren zu einem Ausflugsziel der besonderen Art umgebaut haben. Ideal für Kinder und Familien kann man hier spektakuläre Wasserfälle und Fluten aus der Höhe erleben, viel über Natur und Wald lernen und dabei einen gemütlichen Nachmittagsspaziergang unternehmen.
Über in den Stein montierte Stahlbrücken kann man die ganze Klamm von oben beobachten und läuft auf gut ausgebauten Gitterwegen, die durch die Beine den Blick in den Abgrund erlauben. Sicherlich ein großer Eingriff in die Natur, der hier aber ein intensives Lernen ermöglicht. Klammkobold und Geisterbild berichten an den vielen interaktiven Stationen und Tafeln allerhand über Eiszeit, Wasser und Waldbewohner. Die kleinen und großen Geisterfreunde können sich beim Echotrichter ausprobieren und den nächsten Kobold suchen. Über mehrere verschieden lange Routen lässt sich die Klamm bequem in maximal zwei Stunden durchlaufen. Über Panoramabrücken sind die Wege verbunden. Dazu ist die Erlebnisklamm von Leutasch und Mittenwald gut erreichbar. Tief drinnen und versteckt trifft man dann neben den lehrenden und erklärenden Kobolden der Bildtafeln auch einen in den Fels gesperrten Geist, der ein wenig in sich gekehrt vor sich hinmurmelt und weniger erschreckt als amüsiert. Wenn Sie diesen gefunden haben, können Sie den ebenfalls gut ausgestalteten Waldweg zurück über den Gletscherschliff nehmen und beim dortigen Wirtshaus mit Biergarten, in dem die Gänse schnattern, das Gelernte vertiefen. Denn diese Geister sind nicht allzu gruselig, dafür aber unterhaltsam und lehrreich. Die kleinen Kobolde werden die Spiele und Stationen lieben, während die größeren die Schluchten genießen. Mit Kindern ein Muss.
Den sprachinteressierten Wanderer werden die vielsprachigen Infotafeln erfreuen, wenn er die Übersetzungen der Sagengestalten etwa auf Italienisch liest.

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Geisterklamm Leutasch
A-6105 Leutasch
www.leutascher-geisterklamm.at
Beschilderter Zugang aus Mittenwald über den Klammkiosk Mittenwald Schanz
an der St 2042 kurz vor der österreichischen Grenze.
10 Kleiner Bach ganz groß
Scharnit: Isarursprung an den Flüssen
Für diesen besonderen Ort verlassen wir kurz den Landkreis, ja sogar das Land. Denn in der Nähe des österreichischen Grenzorts Scharnitz, nur wenige Kilometer hinter Mittenwald, springt aus dem Karwendelgebirge ein »kleiner Bach«, wie der bayerische Barde Willy Michl in seinem berühmten Isarflimmern singt.
Erst mal angekommen versteht man schnell, was der »Isarindianer« da meint. Die Quellen der Isar sind nämlich so unscheinbar, dass man sich ernsthaft wundert, wann daraus dieser waschechte Fluss wurde, dessen steiniges Bett fast den gesamten Weg von der Straße zum Bach flankiert.
Und genau darin liegt die Faszination dieses Ortes. Wenn die Morgensonne die sattgrünen, sanft umflossenen Mooskissen zum Glitzern bringt, begreift man hier ganz natürlich und unpathetisch, was so manche Kalenderweisheit und Glückskekslyrik zum Inhalt hat: Dass klein sein muss, was groß werden will.
Ja, wir sind hier wirklich an der Isar! Dieses bisschen nasser Waldboden wird sich, angefeuert von unzähligen Steinmännchen, schon bald zu der smaragdfarbenen Schönheit entwickelt haben, die zwar letztlich nur der viertlängste Fluss Bayerns ist, aber wie kein anderer Lebensader, Wahrzeichen und Inbegriff für bayerisches Dolce Vita.
Im Rahmen eines Schulprojekts wurde rund um die Quellen von Scharnitzer Kindern und Jugendlichen ein großzügiger Rastplatz geschaffen, der neben Spielstationen und Sitzgelegenheiten auch einige informative Schautafeln bietet, die dieses und andere Geheimnisse für uns lüften: Es ist nicht eine einzelne Quelle, die hier entspringt. Nein, der Isarursprung (die Einheimischen nennen dieses kleine Paradies »An den Flüssen«) besteht je nach Jahreszeit aus bis zu 30 eigenständigen Quellbächen, die das reizende Rinnsal in kürzester Zeit zum reißenden Bergbach werden lassen.
Den Ort erreicht man am besten in Form einer unanstrengenden Radltour über Forststraßen, die auch mit dem Stadt- oder Kinderrad sehr gut möglich ist.

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»Isarflimmern mitten im Paradies«
An den Flüssen
Wanderparkplatz Karwendeltäler
A-6108 Scharnitz
Infozentrum Scharnitz
Hinterautalstraße 555b
A-6108 Scharnitz
+43 (0)508 80540
www.scharnitz.tirol.gv.at
Der Loisach entlang – Von Eschenlohe zur Zugspitze

11 Durchs Moos in die Berge
Murnau: B2 zwischen Murnau und Eschenlohe
Im ersten Moment mag es keinen rechten Sinn ergeben, dass hier ausgerechnet eine Straße zum Lieblingsplatz erklärt werden soll. Den Sinn darin kann allerdings nur anzweifeln, wer sie nicht kennt, die Bundesstraße 2 von Murnau nach Eschenlohe (ja, die Fahrtrichtung ist wichtig).
Nur wenige Kilometer lang ist diese faszinierende Lieblingsstrecke, die im Wesentlichen aus einer Art Birkenallee besteht, die sich durch das Murnauer Moos zieht, schnurgerade auf die immer massiver sich auftürmende Gebirgslandschaft von Garmisch-Partenkirchen zu.
Darin allein liegt schon ein unabsprechbarer Reiz. Doch das Besondere an diesem Streckenabschnitt ist seine Chamäleonhaftigkeit, mit der er dem Zyklus der Jahreszeiten huldigt, den Sonnenstand feiert und mit dem Wetter spielt wie ein kleines Kind. Mit jedem Winkel, den die Sonne sich in ihrer Neugier sucht, erscheint das Naturschutzgebiet, das wir durchqueren, in völlig veränderter Pracht.
Es spielt deshalb keine Rolle, wie oft man die Strecke schon gefahren ist, wie gut man sie zu kennen glaubt: Hier ist keine Fahrt wie eine andere. Ob Raureif in der Morgensonne glitzert oder Berge in der Abendsonne glühen. Ob das Herbstlaub ein weiteres Mal beweist, wie elegant bunt sein kann, oder die schneeweiße Winterlandschaft die klirrenden Minusgrade förmlich herausschreit. Und dieser Nebel! Gewitter, Regen, Wolkenbruch … Hier wird jede Wetterkapriole zu einem atemberaubenden Schauspiel, das wir trocken, warm und bequem vom Auto aus beobachten dürfen.
Irgendwann, wenn die Bäume dichter werden und trostloser, weil sie jetzt ein Gewerbegebiet verdecken müssen, wenn wir ob der Geschwindigkeitsschilder den Fuß vom Pedal nehmen, dann wird uns klar, dass es das für dieses Mal schon wieder war. Aber es hat sich gelohnt. Wieder einmal.
Anreisende und Heimkehrende, die es nicht allzu eilig haben, verlassen die Autobahn an der zehnten Ausfahrt in Richtung Murnau und nehmen von dort aus die B2.

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Die Bundesstraße 2zwischen 82418 Murnau und 82438 Eschenlohe bietet eine wandlungsfähige Alternative zur Autobahn.
12 Von Römern und Fledermäusen
Eschenlohe: Kalvarienberg Eschenlohe
Fast kitschig wirkt das kleine Kirchlein auf dem Kalvarienberg, wie es bis hin zu Autobahn und Bundesstraße leuchtet. Wird es doch nachts angestrahlt und steht günstig auf dem Festbüchel, wie ihn die Eschenloher nennen. Viel zu selten begeht man ihn, den kleinen Dorfhügel, mit dem Kreuzweg und der Nikolauskapelle. Früher stand dort die Feste Eschenlohe, an die der verbliebene Burggraben erinnert. Am Fuße des Hügels befindet sich ein Tunnel, in dem heute Fledermäuse nisten: Er wurde mittlerweile mit Bewegungsmeldern ausgestattet und der Besucher kann dort mehr über die nachtaktiven Tiere erfahren. Einst diente er jedoch ganz anderen Flugobjekten – die Firma Messerschmitt nutzte den ausgehöhlten Felsen als Flugzeughangar. Später versteckte sich die Bevölkerung hier im Bunker vor Fliegerangriffen. Heute dient der Stollen als Zubringer zu einem der beiden Wege auf den Büchel.
Den Kalvarienberg erreicht man leicht über den meist von in der Nähe wohnenden Katzen bewachten Steig beim Stollenausgang und in keinen zehn Minuten sitzt man vor der Kreuzigungsgruppe an der Kapelle, dem vielleicht schönsten Mittagspicknickplatz im Oberland. Dort oben erstreckt sich der Blick bis nach Murnau und zum Moos, zurück an der Loisach entlang und über den Ort. Dank der in alle Richtungen weisenden Aussichtsbankerl können Sie hier mittig einen großen Teil des Werdenfelser Landes übersehen. Die üblicherweise verschlossene Kirche wirkt übrigens aus der Ferne hübscher als von innen. Ein Blick durch das Fenster genügt.
Der angrenzende Wald- und Römerlehrpfad vermittelt Kenntnisse über die Vorgeschichte des Kalvarienberges. Folgen Sie dazu einfach dem gemalten Eichhörnchen oder dem echten Kater wieder hinab in den Fledermausstollen und von der Aussichtshöhe in die geschichtliche Tiefe dieses idealen Pausenplatzes auf dem Weg von Garmisch nach Murnau.
Packen Sie sich eine Brotzeit aus dem Ort ein und genießen Sie eine ganz besondere Mittagspause auf den Bänkchen an der Aussichtshöhe.

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Den Kalvarienberg Eschenlohe erreichen Sie auf der Landstraße nach 82438 Eschenlohe. Dort können Sie direkt am Bahnübergang parken und kommen durch den Stollen und einen der angelegten Wanderwege zum Festbüchel.
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